Kochen.Malt, Nurn. XLtHL Dienstag dm i. mbr. 17jo. - - " ----— ■■■ • Mir Hschfürstl. Hcssendarmstädtisc r gnädigsten Erluubniß. Von der Versch-vieqenheit und dem entgegengesetzten Laster. ty ig* $1D ^an weis manches/ das man andern Leuten Nicht emdea'i-n ünn/ oh* W ne sich oder feinem Nebenmenschen zu schaden. Simson hätte sune Augen behalten / wenn er nicht feiner Delila offenbaret V>? hatte / wie man ihn feiner Stärke berauben fönne. Ja eö giebt s» gar gute Dinge/ die dadurch schlimm werden/ wenn sie jeder- man bekannt werden. Ist die Kunst Gold zu machen möglich / so ist sie gewis dem gut / der sie verstehet. Könnte man aber wohl die Welt in größre Unordnung bringen/ als wenn man diese Kunst gemein machte; wenn man einem jeden zeigte / wie er nicht nöchig habe zu arbeiten oder zu dienen/ sondern so viel Geld haben könne/ alö er wolte; wenn man Könige und Bauern einander gleich machte/ allen Handel aufhübe/ u- d. g? Die Fertigkeit/ solche Sachen zu verschweigen; die Fertigkeit nichts auszusagen/ womit man sich oder feinen Nebenmenschen schadet / oder auch nur schaden zu können mit einiger Wahrscheinlichkeit vermuthet/ ist diejenige Tugend/ der wir gegenwärtiges Blatt geweihet haben und die unter dem Namen der Ver- lchwiegenhcil einigen Menschen bekannt/ mehreren aber unbekannt ist. Derjenige verwirret also seine Begriffe/ der zu der Verschwiegenheit erfordert/ daß man iij Gesellschaften die stumme Person vorsteöe. Es giebt Leute/ die allezeit wenig reoen/ auch solche/ denen man gleichsam den Mund aufbrechcn muß/ Bbb wenn 37$ Giesser w-chm-Blatt/ttum. XLVIII. muß/ wenn man ihre Stimme hören will. Einige unter ihnen sprechen nichts/ weil sie nichts wissen; andere/ weil sie lieber aus den Reden Der übrigen etwas lernen/ als ihre eigene Weisheit sehen lassen wollen; andre/ weil sie die Gesellschaft auszulau« schen im Sinne haben andre aus Hochmuth und noch andre aus andern Ursachen. Alle diese zeigen das wahrhaftige Kennzeichen der Verschwiegenheit nicht / und können bcy aller ihrer Stille dennoch schwatzhastig seyn. Denn die Verschwiegenheit erfordert nicht/ daß man gar nichts rede; sie will nur das nicht ausgeplaudert haben/ wodurch man böses stiften kann; sie Lat viele tausend Vorwürfe vor sich/ von wel, chen sie ihre Gedanken ganz sie» und-mrgrhindcrt sagen darf/ nur das hält sie zu- nicke/ wovon nicht ohne Verletzung der Pflichten gegen sich selbst und andre gesprochen werden kann. J Eben so wenig ist es ein Zeichen von der Tugend / davon wir reden / wenn man aus allem und jedem/ ein Geheimn-ß macht/ wenn eS auch gleich den Kindern aufdcr Strasse bekannt ist. Es giebt dergleichen Leute/ welche/ um vor recht verschwiegen zu gelten/ auch von Denen Dingen/ die man in allen Bierschenken erzählen hören kann / nicht sprechen wollen/ oder höchstens/ wenn sie eine besondre Vertrau» ilchkeit affectiren / mit Der grösten Behutsamkeit heimlich einem davon ins -Ohr pißpeln. Vielmehr siehec man hieran/ daß es solchen an dem Verstände fehlet/ womit sie das/ was man sagen dach und was man nicht sagen Darf/ von einander unterscheiden soll.^> aJf° n,(vf wissen/ was eigentlich verschwiegen werden muß / und daß man trauen da^theilungskrast keine rechte Geheimnisse zu bewahren anver- Am allerwenigsten aber gehöret das so genannte air myiterieux, oder das Scheimnißvolle Ansehen hierher/ kraft dessen diejenige/ die einem zu verstehen geben wollen / daß sie Dinge zurücke halten/ die mit Gewalt herausbrechen wollen/ ihr Gesicht dermassen in sorgsame Falten legen m d alle Glieder ihres Leibes mit einer schüchternen Behutsamkeit die Revüe paßiren lassen/ daß es den Zusebern zu muthe wird / als wenn sie in einem dichten dunkeln Walde fassen/ darin man nichts/ als zu weilen die eLtimme einer Eule/ zu hören kriegt. Denn zugeschweigen/ daß die ächte Vcrschuviegenhclt eine Tilgend ist / Die wie alle andre mit einem freien und ungezwungenen Wesen aukgeübet werden muß: so gtebt j.i Der Hmchlerischverschwiegene G,'e- gmheit und bittet gleichsam mit seinen GeberDen/ daß man ihn nöthigen soll seine Heimlichkeiten zu verschweigen; sondern verräth auch/ daß er wie Der Knecht beydem (Lcrentiuo voll Ritzen ist/ durch welche alles auslaussen will/ oder wie eine Pumpe oder Stechheber Der keinen Tropfen in sich behalten würde/ wenn man nicht das Loch oben mit Gewalt zu hielte. Die ächte Verschwiegenheit erfordert vielmehr ein Semüth/ das von der Lust/ andern Uebel zu beweisen oder auch sich selbst in Unheil zu stürzen/ srey ist; kurz zu reden/ sie setzet voraus/daß man ein ehrlicher Mann ist. Denn ein Mensch vön der Art hat immer seine Pflichten vor Augen / er vergleichet eine jede bey ihm in Vorschlag Dienstag den i tcnDeeembr. r7fs» schlag gekommnenr Handlung damit/ und führet keine aus/ als womit er jenen ein Genüge jti thun überzeuget i,t. Man darf ihn also nicht fragen/ warum er etwas gewisses nrchc lhut; denn er thut das alles nicht/ wodurch er keine Pflicht eifüllet Er besitzt eine gewisse Art von Trägheit/ die man die tugendhafte nennen könnte/' vermöge der er an und vor sich selbst ruhet, ohne daß er Hinderungen bedürfte / die ihn vom Wirken zurück hielten; und vermöge der er erst durch die Ueberlegung seiner Schuldigkeit aus der Ruhe herausgebracht und durch die Kraft des Guten zum wirken angetrieben werden muß. Wie er sich in allem verhält/ so verhält er sich auch im Reden. Zum Schweigen braucht er keine Ursache/ cs ist nichts nülhig/ daß ihm den Mund zuhält,- sondern Schweigen ist sein natürlicher und gewöhnlicher Zustand; zum Reden aber muß er Ursache haben; eben wie man keine Kraft anzuwenveii Ursache bat/ um einen liegenden (grein zu halten/ daß er liegen bleibet/ wohl aber eitle/ daß «r sich beweget/ wenn er fort soll. Ein ehrlicher Mann ist also stille/bis seine Pflicht zu ihm sagt: nun rede. Und eben daher lhut man uns Unrecht / wenn man glaubet/ daß ein ehrlicher Mann nach unserer Beschreibung wegen seiner Stille in Gesellschaften unangenehm seyn müsse. Denn die Pflicht erinnert ihn gar oft zu reden/ so oft er nämlich damit zu GOttes Ehren/ zu seinem und zu seines anwesenden und abwesenden Nächsten Vortheil / ja auch zu einem erlaubten und vernünfti- gem Vergnügen etwas beytragen kann. Zur Verschwiegenheit gehöret nicht nur/ daß man nichts/ wodurch man sich oder andern offenbaren Schaden zufügt/ sondern auch daß man das nicht aussage/ wodurch man liebel anzurichren mit einiger Wahrscheinlichkeit besorgen kann. Zur Erkenntniß des ersten gehört nicht sonderlich viel Verstand / aber desto mehr zum letzten. Denn die Personen des Redenden/ der Zuhürenden/ derer/ wovon derDis- courshandelt/ eines jeden Verwandten/ Freunde und Feinde/ eines jeden Absichten/ der Ort/ die Zeit/ das vorhergehende Gespräch und so viel hundert andere Dinge müssen hier in Betrachtung gezogen werden/ daß man scharfsichtig ftyn muß/ um gewiß zu entdecken/ wieviel zu reden ein jeder Umstand zuläßt. Za man muß auf die Worte achtung geben, damit keines mit unsier Schuld übel ausgelegt werden könne; man muß ins Zukünftige sehen und die Folgen seiner Rede beurtheilen/ damit darun- ter keine siy/ derenthalben es einen alsdenn reue/ geredet zu haben- Die Tugend der Verschwiegenheit ersparet einem alle Sorgen bey dieser Ueberlegung; dis mit ihr verknüpfte Einsicht in den Zusammenhang der Dingen/ lässet nicht zu/ daß man sich auch nur der ge'iiigsten Gefahr ausstze; sondern hält die Zunge zurück/ so lange sie nicht mir vollkommener Ueberzcugung wahrnimmt/ daß man sprechen darf/ ohne etwas zu befürchten- Die Verschwiegenheit ist endlich auch/ wie alle übrige Tugenden eine Fertigkeit. Es ist nicht genug/ daß es einem zuweilen gelinget/ wenn man alle Leiber und Seelenkräfte anwendet/ es muß einen keine Mühe kosten/ man muß sich keine Gewalt amhun/ man muß sich nur einmal vornehmen dürfen/ etwa- nicht zu sagen/ ss Bbb a> muß -8c» Gresser Wochen--Blatt/ Num. XLVHL muß nliu n'e eine Versuchung bey sich verspüren/ mit einem Wort desselben Erwah. rring zu thuu. Und dieser Umstand macht/ sowohl als noch mehrere/ ande-e daß Schweigen eine grössere Kunst ist/ a.'ö man sich gemeinglich nicht einbildet. D-nn die jetzt in Betrachtung gezogene Fertigkeit will nicht mir/ daß man mit dem Munds nichts verrathe; sondern daß man auch die genauesten Beobachter an keinem Zeichen merken lasse/ was sie nicht wissen sollen. Es giebt Leute/ denen daran gelegen ist zu erfahren/ was man vor ihncir verborgen halt/ und die die Kunst verstehen / aus der geringsten Bewegung die man macht/ ans der geringsten Veränderns der Farbe/aus einer unbedachten Drehung/ aus einem Blick mit den Augen/ aus einer Abwechslung der Falten auf der Slirne/ mit einem Worte aus einer unmerklichen Kleinigkeit zu rachen / was man im Sinne hat. Solche Leute können einem gleichsam in den Augen und im Gesichte lesen/ waö man denket/ und in deren Gegenwart ists die qröste Kunst verschwiegen zu seyn/ vor denen kann man seine Fertigkeit anf die Probe setzen; Denn es gehöret eine entweder mit grosser Unverschämtheit/ oder mit einem guten Gewissen vergesellschaftete besondre Fertigkeit dazu/ um sich in solchen Umständen nicht ausforschen zu lassen. Aus dem bisher deutlich entwickelten Begriffe der Verschwiegenheit ist klar/ daß man das / was den Namen einer Heimlichkeit führet/ Niemand auch nicht fernem allerbesten Freunde/es sev denn/ daß man e twa seinen Rath und Beystand von nöthen habe/ vertrauen müsse. In Dem letzten Falle ist eS natürlich/ daß man fern Herz auö- schulten und nichts was hi her gehört/ verheelen müsse. Deni, man kann einem keinen vertiünftigen Rath geben/ wcnn nian den Umstand nicht aus dem Grunde verstehet. Das erste scheinet zwar wider die Freindfthaftspflichten / vermöge deren es heisset: amicis omnia communia, d. i. unter Freunden ist alles gemeinschaftlich/ zu streuen' allein bei)genauerer Untersuchumg sinder man/ daß alihicr die angeführte Regel eine billige Alisnahme leidet. Denn es hat seine Richtigkeit/ waS mehrere wissen als einer/ das bleibt nicht ewig verborgen/ und je mehrere es wissen/ je eher isteS verratben Noch dazu dai f man diese Entdeckung alökenn nicht sowohl seinen Freunden/ al^vick- mehr sich selbst verweisen. Dann da man nicht im Stande war/ fein Geheimnißfflbst S" verwahren/ da man selbst nicht schweigen konnte: Warum will man andern verübeln/ wenn sie es nicht besser ut obacht nehmen/ wenn sie eben so wenig schweigen/ alö man selbst? zudem kommt noch/ daß aus einem Freunde ein Feind werden kann/ rmd wenn diese Veränderung vergehet/ so sind die ihm anverlraute Historien so gut/ glö stunden sie tn der öffentlichen Zeitung. ,lin . Aus allen bisher angeführten Gründen ergiebet sich folgende fruchtbare und höchstnutzliche Anmerkrmg: Wiewohl cö aut ist viele Freunde zu haben; so muß man doch nur einen und zwar einen einzigen mit grosser Vorsichtigkeit ausgesuchten Her- zenssteund haben / den man vor fein ander Ich/ vor daö Archiv seiner Heimlichkeiten und seinen Rath in allen wichtigen -Angelegenheiten halten fann. Die Geheimnisse/ dir uns ein Freund anvrilrauek hat/ sind wir verbunden * mir Dlcnskag den itert Decembr. izfo. 3Xt mit mehrerer Sorge $u t*erfd weigen/ als unsere eigene. Denn jene sind als etwas kosibarcs/ das auü grossem Vernauen bei) uns niedergelegt und in unsere Verwahrung gegeben worden/ anzusehen. Wenn man sie also ausplaudert/ so ist das dadurch begangene Verbrechen nicht geringer/ als ein Liebstal/ ja/ nach dem die Sache ist/ viel grösser. Das Vertrauen/ so mau auf uns gesetzt hat/ wird schändlich miöbraucht/ und unter dem anfänglich angenommenen Schein der Freundschaft wird dem andern der empfindlichste Streich/den ihm kein Feind hätte beweisen Ebnnen/ gcspielel. Wer demnach fremde Geheimnisse verräth/ leget ftm falsches und zu alleii^Schandthacen aufgelegtes Gemüth dadurch an den Tag. Doch wird niemand aus diesem Satze folgern/ daß man seine eigene mit Nachlässigkeit trattiren döife. Dann wie ist der im Stande/ anderer Heimlichkeiten ;u verschweigen/ der seine eigene nicht verschweigen kann? Der Raum/ der zu Ende gehen will/ nölhiget uns bev diesen aus dem Be- Hicr liegt begraben Eine sehr edle Frau/ Welche in ihrem Leben keinen Augenblick Den Mund zu hatte. Und ihre Schwatzhaftigkeit war so groß/ Daß obgleich sie nichts mehr zu reden hatte Weil sie sich doch zum Schweigen nicht bequemen wollte So hak sie ihr Reden hier her gebracht* Vna muy noble Sennora, Ou’cn fu vida, pnnto ni hora Tuvo la bocca ferrada. Y tanto fue lo que hablo, Que aunque no ayamas quchablar, Nunca llegar ä el callar Adon.de fu hablar Jlcgb, griffe der Verschwiegenheit gezogenen Folgen es bewenden zu lassen/ und mit wenigem von denen Ursachen zu reden/ die da machen/ daß so wenige Leute die belobte Tugend ausüben. Dieser Umstand ist bekannt und er bedarf gar keines Beweises/ besonders da fast jederman einem ganzen Geschlechte der Menschen / und dazu dcm schönen/ schuld giebt/ daß ihm das Schweigen unmöglich sei). Wir unsers Orts haben so viele Hochachtung vor dasselbe bereits in unfern Blättern bewiesen/ daß alle verständige Leser ohne unsie Eriimerung vor sich selbst sehen werden'/ daß wir an einer solchen ungeheuren und der Ehre des Frauenzimmc>s allzunahe krettenden Meinung keinen Theil nehmen. Damit man aber doch wisse / wie boshaftig von demselben gesprochen werde/ so wollen wir aus dem dritten docfpradx desBoiihours, einesun* verschämten Mannes/ der sich nicht^eschruet hat/ allen Deutschen den Witz und den Geist abzusprechcn/ einige kleine Stellen ausziehen und in unsre Sprache übersetzen. Er spricht S- '41» Es scheint der meiste Theil des Frauenzimmers (so gehts noch zur Noch an ) habe aus dem EthiSpilchen Teiche getrunken/ der nach DiS« bore auS Siciliett Erzählung den Verstand derer/ Die davon kosten / dermaßen in Unordnung bringt / daß sie nichts vcrhcelen können/ was sie wissen: Denn sie sind nicht im SlanDe zu schweigen: das schweigen ist ihnen eine solche unerträgliche Last/ daß sie ersticken und verplatzcn/ wenn sie nicht reden,,. Gleich darauf führet er die leichtfertige Spanische Grabschrift an/ Die wir zum Zeugniß seiner Bosheit auch über, setzen/ so gut wir können: A qui yaze fepultada 38z. GresserWochen-Blatt/!§um. XLVHI, Dabey lasset ers nid)t bewendenr sondern da ihm das lobwürdige Exempel einer Atheniensischen Frau einfällt/ die auf der grausamsten Folter mit einer unglaublichen Standhaftigkeit die Geheimnisse ihrer Freunde verschwiegen/ und am Ende ihre eige- ne Zunge abgebissen und dem Tyrannen ins Gesicht gespien; so legt er diese von dem vernünftigen Atheniensischen Volke mit einer Ehrensäule belohnte Tapferkeit so übel aus/ daß er behauptet/ die Frau habe wohl gewust/ daß sie doch endlich ihrem Trieb zu schwätzen nicht werde widerstehen können / und deswegen habe sie sich dazu untüchtig gemacht und das zur Sprache erforderliche unbändige Glied von sich geschaft». Wir wollen uns unsers Orts in diese Sache gar nicht einlassen; sondern göiu nen einem jeden seine Gedanken Davon aber wollen wir reden / warum so wenige Leuts verschwiegen sind.. Die erste Ursache ist ohne Zweifel die Unbedachtsamkeit» Denn wenn man nicht überlegt / was man spricht, sondern plaudert auf Gerathe- wohl in den Tag hinein) so ists kein Wunder/ wenn solche Sachen mit unterlauf- ftn/ die man hätte bey sich behalten sollen. Diese gegenwärtig genannte Ursache ist sehr allgemein/ und zwar deswegen/ weil die milder Ueberlegung eines jeden Worts verknüpfte Mühe denen zur Bequemlichkeit geneigten Leuten nicht anders als verdrießlich scyn/ überdies auch man nur sehr wenig sprechen kann/ wenn man immer mit Bedacht reden will. Wer also gern viel spricht/ der hat nicht Zeit die Uebereilung zu vermeiden. Die zweyte Ursache ist wohl in der Natur der Heimlichkeiten selbst zu suchen. Denn diese haben eine grosse Aehnlichkeit mit dein neuen Weine/ der sich heftig aus- dehnt/ und überall ein Eckgen sucht/ wo er durchbreche/ auch wohl das Faß zersprengt/ wenn er keinen Ausgang findet. Die Geheimnisse klemmen bey den mci|t«n Leuten das Herz zusammen und verursachen bey ihnen eine grosse Bangigkeit/ der nicht zu helfen ist / bis sie sich Luft machen. Sie verursachen ein gewisses beschwerliches Zucken der Lunge/ das dem Schlucken gleich und nicht zu lindem ist/ bis man alles von sich gegeben/ was man in sich hat. Der müste in der That ein steinernes Herz haben/ der gegen solche Leute nicht mitleidig seyn wollte/ wenn er znsieht/ wie sie sich quälen und martern/ wie sie morgen/ bis sich die Natur hilft und sich dessen entladet/ was mit so grossem Ungestümm in ihnen jähret. Und wenn man mit einer so Übeln Constitution versehenen Leuten geheime Dinge entdecken wollte/ so würde man sich in Wahrheit nicht weniger an ihnen versündigen/ als wenn man ihnen Gift gäbe. Zu diesen beyden gesellet sich meisientheils noch eine dritte Ursache/ die von der Eitelkeit herrühret. Man kann sich nämlich eine Ehre davon machen/ eine solche Person zu seyn/ in die andre Vertrauen fetzen rind vor ihr das Herz auoschütten. Weil mnn nun geneigt ist zu machen / daß andre Leute dasjenige erfahren / was man sich vor eine Ehr hält/ so verleitet einen die Eitelkeit/ daß man jederman die anvcrtrau- te Geheimnisse/ wiewohl gemeiniglich fub rofa, offenbart. Das Wort ist so bekannt/ daß wir es ins deutsche zu übersetzen vor unnöthig halten/ denn es gehöret mit zur wesentlichen Sprache derer/ die nicht schweigen können/ und ist bas längst pro- batbe- Dmistag den -tenDecembr. i7fo, zrz batbefundene Mittel/ wodurch man mit der grösten Stille eine Historie in der ganzen Stadt und in dem ganzen Lande ausbreiten kann. So viel haben wir von der Verschwiegenheit zu schreiben Raum gehabt. Wir brechen dabey ungern ab/ weil noch andere nützliche Anmerkungen zurück sind/ die auf dem Vogen keinen Platz gesunden. Diese beyde scheinen uns allzu wichtig/ als daß wir sie ganz mit Stillschweigen vorbei) gehen kannten; deswegen mfyeti sie den Beschluß der Abhandlung ausmachen. Ein Mensch / der einmal als ein Schwätzer befunden worden/ wird nicht nm rie inskünftige vor tüchtig gehalten/ daß man ihm etwas anvertrauet; sondern man scheuet ihn auch in allen Gesellschaften; man meidet ihn; man nimmt sich in acht nichts zu reden/ wenn er zugegen ist/ und er wird dadurch alles Vergnügens beraubt/ das in dem Umgänge mit andern Leuten zu finden ist. Hingegen wie sehr auf die Verschwiegenheit das Wohl aller Ständen des Lebens beruhe/ ist daraus klar/ daß ein Mensch weder eines andern Freund/noch ein ehrlicher Mann scyn könne/ wenn er sie nicht zu beobachten weis/ und daß in öffentlichen Bedienungen stehende Leute niemals ihrer Schuldigkeit nachkommen können/ wenn sie nicht vermögen ihre Zunge im Zaum zu halten. In No. 46. unserer Blätter haben wir aus den Coburger Auszügen einige Nachrichten wegen der Hohenlohischen Religionsangelegenheiten mikgetheilet/ weilen sich aber befunden/ daß einige Unrichtikeiten mit eingerücket worden / alö hat man solches hiedurch anzeigen welleri, damit man nicht alles für Wahrheit halten möge. Acadcimsche VUd)xid)tctt. Den 1 sten Novembr. hat •Serr Dan. Fcrd. Haas aus den Trierischen eine Florum fpariionem cx univerfo jure loco dilFertationis inauguralis mit besonderer Fertigkeit vertheidiget. Die Thefes sind auserlesen und frevmuthig. Er ist anfänglich gcsinnet gewesen de Monarchia S. R. I. limitata zu difputiren/ hat aber aus besondern Ursachen seinen Vorsatz geändert/ und düses Werk in Gestalt eines Tractats heraus gegeben. Seine Schreibart ist kurz und laconisch: In der I. Sech such Die gemeine Begriffe aus dem Iure publico univerfali voraus gesetzt. In der Ittcn bat er von Kayser zu Kayser gezeiget/ wie sich die Staatsverfassung in Deutschland geändert/ und daß die Gewalt des Kaysers zwar eingeschränkt/ aber ihm nicht genommen sey. In der III. Se£t. hat er aus den eigentlichen Worten der Reichsgesetze bewiesen/ haß'Dem Kayser alle partes imperii zu stehen: folglich müsse Deutschland eine Monarchia limitata siyn. In der Vorrede verspricht er / bei) einer nächstens zu verfügenden Auflage die gegenseitige Gründe zu widerlegen; und weil eS ihm um die Wahrheit zu thun/ so erinnerter diejenigen/ welche sich geäussert/ ihre Meinung dagegen vorzubringen / daß sie ihr Versprechen fein bald erfüllen möchten. Am r 81 Gresser Wochenblatt/ Num. XLVHI. Am letzt verwichencu Donnerstag/ als den rsten November bertheidigte -Herr Ioh. Nic. Held, aus Darmstadt eine medicinifdje inauguial Difputation de liquore amnii. Im Anfänge derselben wird von denen Tbeilen / die diese Ilquo- rem umgeben/ insbesondere von der Mutter und allen Tbeilen der Nschgeburthumständlich gehandelt. Am Ende aber wird der iiquor amnü selbst sowohl nach seiner Natur/ als nach seinem Ursprung und Nutzen erkläret. VTeu angekommene Bucher- David Renold Vullier/ geistliche Reden über unterschiedliche Sprüche der heiligen Schrift/ groß 8. Franfurth lyfo. 4f< kr. Fran. Ulr. Ries de divinatione Scripturae Sacrae, 4. Marb. 1750. 45 Fr- - - - de falute protoplaftorum, 4. ibid. 1750. 6 kr. §u Verkanffett. ,5"'N Dutzend SM « Blatter zu Rück und Sitz/ beuchst grossen Blät- temzu zwey Sefftt um einem Tischblatt. Die Chinesische Figuren seynd mit Seiden/ das andere nut feinem englischen Garn aufs feinste geneher/ davon di« belfte bereits gemacht/ die andere belfte aber nur die Hauptfiguren von Seiden/ das andre aber schon getraßl/ sind um billigen Preiß zu verkaufen, wer darzu Lust/ kann selbe bey Ausgebern dieses besehen/ und mehrern Bescheid erhalten. Frucht- und andre Preise ain N?ar