III. Vorläufige Nachricht von einem Wocheu-Klaltt. welches zu Giessen von dem Anfänge des 1750'«' Jahres d, und jener, als er in die Stube getreten war, fing an: D. Was haben sie r>a neues ?• , Z. Es rst ein Stück von einem Wochenblatte, welches hier heraus kom- jrtcti fc II A. Hcha so ! ist es das ? Ich habe mir schon etwas davon erzehlen lassen. Was halten sie von diesem Dinge ? . . . Z Mich dünckt, das Vorhaben, solche Stucke hier, wie m andern Stadien, und auf ve schiedenm hohen Schulen, wöchentlich heraus zu geben , ist gantz löo ck, uud die Arr, wie sie sollen eingeri6)tet werden, mißfallt mir auch gar nicht. A Das konnte ich mir wohl einbilden , daß sie einen Gefallen daran Haden würden. Dbne Zweifel stehet ihnen die Sache an , weil sie neu,st ; denn sic sind immer ein Liebhaber ron dem Neuen. . .... q. <^cb febe es gern , wenn es gut ist. Sw hingegen sind , so viel ich weis, kein^reund davon , und halten es lieber mit dem Alten. Deßwegen wird «in neues bi-siges Wochenblatt wenig Beyfall, wie es scheinet, bey ihnen sinden, den andern. Vie eben so gcsinnet sind, möchte es wohl nicht besser gehen, welches der gu'e" Schrift im Anfänge, wo es ohne des an Urtheilen nicht zu fehlen psle- eet, schlechten Vor-heil bringen wird, „ . ... A Nach meiner Prophezeyung hat sie sich des schlechten Vortheils zu ge- trösten- Z- Wie so? . ,, 2). Sie wird hier wenig gelesen werdest. Dritte probe. 18 Z. Das ist eben nicht unmöglich. Es Fan auch das Gegentheil seyn. Indessen gesetzt, ihre harte Weissagung träfe ein» Itvdre darum dem Blatte die Schuld beyzumessen , oder würde die gute Absicht , die man damit hat, dadurch verwerflich werden. Diese ist vornehmlich zu betrachten, und nach dem Erfolge darf man nicht urtheilen. A. Was ist denn das vor eine gute Absicht, die man hat? Z. Ist ihnen die nicht bekandt! Sie gehet dahin , aus verschiedenen Wis- senschaften gewisse Stücke abzuhandcln, deren Durchlesimg einen entweder von Sachen , die des Erkenntnisses werth sind, unterrichten, oder ihm richtige Begrift fe von dem Guten und Bösen, wornach jenes zu erwählen und dieses zu verwerfen ist, beybringen kann : Hernach will man von Diiigen, an deren Bekannlmachung etwas gelegen ist, Nachricht geben. Beydes, wie ich glaube, hat feinen Nutzen. V. Ho ! Ein giossr Nutzen, den ich mir nach Belieben Fan besser machen, wann ich entweder in einem guten Buche lese, oder mich bey einem Glas Wein hier, oder sonst wo erkundige, was es neues gibt! Z. Das können sie wohl Mit andern hingegen verkä t es sich anders. Nicht einem jeden ist es, wie ihnen, gegeben, selbst neue Naci richten emzuziehen, und die wenigsten besitzen einen Vonrath von guten Brrchem. Gar v eie haben von diesen nicht einmahl eine Kermniß. Manche, wenn sie auch schon etwas davon wissen , wollen oder kömuii sich keine anschaffen. Verschiedene sind damit versehen, und lesen sie nicht, weil sie entweder feine Zeit oder keine Lust darzu haben. Vor alle die schockt sich gleicbmol eine Wochenschnst vortreflich, darin sie nützliche IBafnheirtn , Diu in g lchrcen Wercken oft tveiriduftig oder selten ausge- suhret sind , kurz und verikdnrl.ch abgei andelt sinden, und vor wenig Geld , wie auch ohne Zeitverlust die Woche einmal lesen können. Sie ist nicht weniger vor Diejenige Neugierigen, Ungeschaftigen und Weibs > Personen, Die sonst vor dem lesen einen Eckel haben , eine sehr bequeme Sache, um alle acht Tage nur etwas zu lesen, damit sie eine viertel Stunde wohl hinbringen, und hernach zur Noch davon reden können- A. Nun das gestehe ich, sie geben von dem Wochenblatte einen ordentlichen Lobredner ab. Aber was sagen sie mir von Weibsleuten ? Wollen sie Haden, daß dieselben das Blart lesen sollen? Das wäre ein artiges Zumuthen. Z. Ja in der That glaube ich, daß sie es thun sollten, dienehmlichmitdem Lesen zu recht kommen können, welches sich von sechsten verstehet- Z). Und ich halte davor, daß sie es sollen bleiben lassen- Sie können auf die Haußyasiung Achtung geben, da haben sie genug zn thun, und dörfen sich weder in theoretische, noch inpiacktische W-ssenschaften einlassen , weil sie dieselben gar nichts angehen. Z. Hmc illae lacrymae. Haben die Frauen nicht auch Mit Erziehung der Kinder zu thun? Wird nicht darzu eine Wissenschaft erfordert? Lernen sie diese allezeit von denen, welche sie erzogen habens Ist es nicht ein Glück, wenn sie in Ermanglung )()()( i des Ü Giesser wöchett-Blatt drs rechten Begriffs von der Kinderzucht sich denselben in Nebenstunden durch ver. nünftigeS lesen zu wege zu bringen suchen ? Haben sie ferner keiner Selbsterkenntnis unD keiner Verbesserung des Verstandes und des Willens nöthig t Sind ihnen die Regeln einer guten Aufführung, die man ihrenthaiber aufsetzet nicht nützlich ? Können sie wohl gemächlicher darzu gelangen, als wenn 0). Aber sollen die Weibsleute auch juristische Sachen lesen, welche, wie ich gehöret habe, in dem Wochenblatt erscheinen werden? Z. Sie thun wohl, daß sie wieder auf die Einrichtung des Wochenblatts kommen. Ich vermuthe eben nicht, daß man aus der bürgerlichen Rechtsgelahrtheit, viele Stücke, die nach der juristischen Schreibart abgefasset sind, hinein setzen wird? Man hat versprochen , sich nach den meisten Lesern zu richten, nach deren Sinn der gemeine rechtsgelehrte Vortrag nicht seyn möchte. Um nun seinem Versprechen ein Gnüge zu thun, und viele Liebhaber zu finden, werden die vornehmste Abhandlungen wohl in andere Wissenschaften einschlagen, wovon auch das Frauenzimmer was verstehen kann , und man wird zur Veränderung allerley gemeinnütziges Vorbringen. Und in soweit scheinen mir diese Blätter vor den wöchentlichen hallischen Anzeigen, welche man sonst, wie ich sehe, zum Muster genommen hat, einen Vorzug zu erhalten : denn in diesen kämen meistens Sachen vor, die nur vor Rechtsgelehrte waren. V. Wenn man nun auch allerhand vorbrächte, wird es deßhalben jeder- man gefallen? Z. Das getraue ich nicht zu behaupten. Der Geschmack ist, wie bekannt, verschieden, und man kann es nicht einem jeden recht machen. Es ist genug , wenn man durch dasMannigfaltige und durch Anwendung des Angenehmen undNützlichen zu gefallen sucht. Dabey verdienet es allen Beyfall, wenn gute Lehren gehörig er# rheilet werden, welche die Mitbürger zur Tugend lenken und sie zur Glücksee- ligkeit anführen können. P. Damit wollensie ohne Zweifel einemWochenblattschreiber die Vollmacht geben, sich nach Belieben zu einem Sittenlehrer aufzuwerffen. Solcher Leute, die sich ohne Beruf die Freyheit nehmen, andern die Wahrheit zu sagen, kan man mit ihren Sittenlehren wohl entbehren. Was braucht man ihrer ? Man darf nur Die Bibel lesen, und fleißig in die Kirche gehen, da werden genug Lehren ertheilet. Z. Gantz recht! was das lesen Der H. Schrift und das Kirchengehen betrifft, so wäre sehr zu wünschen, daß es geschähe, wie es sich gebührte. Man würde alsdann so viel andern Unterrichts nicht bedörffen. Allein es ist ihnen nicht verborgen, wie eö in der Welt gehet, und nach Beschaffenheit der Sachen werden sie wohl zugeben, daß es nicht überflüßig ijl, wenn auch andere gute Lehren auf eine schickliche Art gegeben werden. Sie wissen, daß vieles, das die Vernunft lehret, und einen so starcken Einfluß in das menschliche Leben hat, entweder nicht auf die Cantzel gehöret, oder darauf nicht vorgebracht wird. Daher ist ein ^der rechtschaffener Mann, der geschickt ist, etwas Dritte Probe. ,. *•5 etwas erbauliche- zu sagen, befugt, ja erhat einen Berufdarzu es vorzutragen , und folglich kau er es auch in einem Wochenblatte. Er kan darin durch Abschiiderungen der Tugenden in ihrer Anmuth Lust und Liebe zu ihnen zu erwecken suchen , und durch Abbildrmgen der Laster m ihrer garstigen Gestalt sie verhaßt zu machen trachten. Hierbey kann er sich auch der Satire bedienen. D- Was Satire! Wollen sie aus einem Wochenblatt eine Pasquillanten- fchrift machen? Soll darin so ärgerlich Zeug vorkommen, als einigemal in der Franck, further gelehrten Zeitung gestanden bat? das will ich nicht hoffen. Z. Sachte! Was in diese vor anzügliche Sachen gegen gewisse hiesige Personen ohne Grund und aus Unbesonnenheit eingerückt worden, gereichet ihren Verfassern und der Zeitung zu einer gar schlechten Ehre, und wir wollen uns dessen nicht weiter annehmen. Eine Satire aber dürfen sie mir nicht vor so schrecklich halten. Sie ist sehr von einer Pasquille unterschieden. Diese bestehet in einer Schrift, worin die Ehre des Nächsten durch ein boshaftes Gemüth wiederrechtlich angegriffen und gekränket wird. In jener ist das lächerliche und häßliche gewiffer allgemeiner Laster und Thorheiten sinnreich abgemalek, um sie dem Nebenmenschen zu wieder zu machen. Einen solchen Vorsatz hat nur ein redlicher Mann, weicher das Böse, vor dem er einen innerlichen Wicdel willen hat, auf solche Weise zu bestrafen gedencket. P. Wer gibt ihm aber das Recht zu bestrafen. Z. Er sich selbst: und zwar nicht ohne guten Grund, und damit thut er weder der geistlichen, noch der weltlichen Obrigkeit Eingrif in ihren Rechte. P. Das wäre ein Wunder! Z. Erlauben sie, es gehet gantz begreiflich zu. Die Thorheiten und gewisse Laster, davon die bürgerliche Gesetze schweigen, lassen die Richter ungestraft hrnge- hrn , und machen sich nichts damit zu schaffen. Die Geistlichen bemühen sich zwar durch Vermahnungen und Bestrafungen ihnen zu steuren, sie richten aber üffters, wie die Erfahrung lehret, nichts aus. Wenn nun ein redlich Gemüth , das alte# zeit Gutes zu stiften bemühet ist , sich über dergleichen Sünden , welche die Vernunft vor solche erkennet, "und die nicht allein denen , welche sie begehen , sondern auch oft andern zum Verdruß, Schaden oder Verderben gereichen , hermacht, sie nach ihrer Häßlichkeit gleichsam als in einem Spiegel vorstellet, um einen Abscheu davor zu erwecken, wird es wohl unrecht thun. Mich dünkt so wenig, als ein Comüdienschreiber, dessen Stücke mit Veyfall und nicht ohne Nutzen gelesen und aufgeführet werden. N. Wollen sie so gar auch den Comüdien das Wort reden? Z. Warum nicht in gehörigem Verstände? Man darf dieselben nur mit den Possenspielen nicht vor einerlei) ansehen , worin der Hanswurst entweder mit Leib und Seele, oder wie er aus Holtz geschnitzt ist, die Hauptperson ausmacht, und mit den Zugehörigen ungereimte Fratzen hersaget, die wieder die Vernunft und Ehrbarkeit ,.« Giesier lVochm-Blatt« Ehrbarkeit laufen. Dergleichen hak man hier gesehen. Ein rechtes Lustspiel ab« kümmt in den Hauptstücken mit der Satire überein, und zielet mit ihr auf die Verbesserung der Sitten. Mit dieser Erklärung werden sie hoffentlich zufrieden seyn. «rch möchte gern auch fragen, ob sie gute Satiren gelesen haben , allein die Rede ist jetzo von dem Wochenblatts, und es kommt darauf an, ob sie dasselbe, wenn eS obngefähr so beschaffen ist, wie ich gedacht habe, vor eine nützliche Schrift halten. Y. Meinetwegen mag es seyn. Ich mache mir wenig daraus. Den Vor- theil werde ich davon haben , daß wenn meine Frau und Kinder davon hören , sie mich quälen werden, daß ich ihnen es halten soll. Z. Nun sehe ich, warum sie diesem Blatte nicht günstig sind. Ich dachte in der That, sie hätten wichtigere Ursachen darzu. Es ist gut, daß sie die zwey ersten Proben davon nicht gelesen haben ; sonst würden sie noch mit allerhand Ur< fachen von gleichem Gewichte hervorgekommen seyn. Sie würden wegen einiger Druckfehler, oder weil ihnen die Aufsätze zu ernsthaft geschienen haben möchten , die gegenwärtige und zukünftige Stücke verurtheilet haben. Aber ich bitte, seyn sie nicht zu hart dagegen gesinnet. Gönnen sie ihm doch zum wenigsten einen geneigten Blick, wenn sie es hier bey einem-Glas Wein umsonst lesen können. ES wird ihnen alsdenn die Zeit ein wenig vertreiben, an statt daß sie sonst möchten ge- nöthiget seyn, von Wind und Wetter, oder von den Fehlern der Menschen zu reden, wird es ihnen Anlaß geben, von was anders zu sprechen. Hier endigte sich bas Gespräch und ich schliesse mit der Versicherung rc rc. Zn verFdtuffen. SiiK saubere sffbmie