(95. Jahrgang Nr. 6 Ericöemt iqqh cti, außer Sonntags und feiertags Äeilaaen: Gießener SVamihenblätter Heimat imBild-DieScbolle Beznasvreisr Monatlich.,.. .RM.1.80 Lustellgebüör „ -L5 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Stummem infolge boberer Gewalt Nemsvrechauschlnk 2251 Drahtanschrift: ,Än,einer" vosticheck 116n« Krankt Metzener Anzeiger VrShlfche UNiverßtStrdrmkekei 8. taut General-Anzeiger für Oberhessen $*,»eiei,<$*eI|r«6«i7-Tae §rettag, 8. Januar (9^3 Annahme von Anzeige» für die Mittaasnummer biS 8'/, Ubr desÄormittagS Anzeiaen-Preife für die Millimeter-Aelle von 22 Millimeter Breite: 7Rvf. für ^amilienan» zeigen und private Gelegenbeitsanzeigen 14Rvf.t. Werbeanzeigen und geschäftliche Gelegenbeitsanzeigen Mavvorschrift lvorberiae Verembarung) 25®/0 mekne Die Hankees im „Hintergarten der Welt" Von unserem B.-Berichterstatter. Was unter dem Stichwort „Hilfe" lief, war in Wirklichkeit eine Verdrängungspolitik reinsten imperialistischen Wassers. Jedenfalls ist die im Geheimvertrag den Nordamerikanern zugesprochene Zone Bahrein, Howcut, Iran, Irak, Syrien-Liba- (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Rom, Januar 1943. Raymond Clapper, ein bekannter USA- Journalist, hält den Briten in der Zeitschrift „Liberty" eine der heftigsten Standpauken, die jemals in der letzten Zeit von jenseits des Atlantiks an die englische Adresse gerichtet wurden. Clavper hat einen Trip von 50 000 km durch britische Kolonialgebiete und Protektorate hinter sich, und er hatte nur Augen dafür, in welch niederschmetternder Weise die englische Kolonialpolitik im „Hintergarten der Welt" versagte. Mit diesem Hintergarten meint Clapper nicht nur Indien, sondern den gesamten Nahen und Mittleren Osten, also gerade jene Gebiete, in denen die Zankees mit fieberhafter Eile und mit typischer nordamerikanischer Rücksichtslosigkeit ans Werk gehen, sich selbst einen „Hintergarten" zu schaffen. Insofern ist also der Artikel Clappers, obgleich er nach außen hin von den „Demokratien" spricht und auch die Zustände auf Puerto Rico nicht schont, absolut pro domo geschrieben. Er soll den Briten die moralische Berechtigung entziehen, in diesen von den Nordamerikanern zum Zweck der wirtschaftlichen Ausbeutung beanspruchten Gebieten weiterhin die Oberherrschaft auszuüben. Hat man diele Absicht Clappers durchschaut, möchte man sich selbst gern die Frage beantworten, wie denn die Gewichte des Einflusses in den arabischen Ländern verteilt sind, was von der historischen Stellung Englands noch übrig ist, wie und wo sich die Interessen überschneiden und vor allem, wie die Haltung der Araber und Mohammedaner in diesen Ländern selbst ist. Eine erschöpfende Antwort ist unmöglich, denn die Dinge sind derart im Fluß, der Wirrwarr der Gegensätze, der wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten und Verflechtungen ist so groß, daß man nur in groben Zügen die politische Lage skizzieren kann. Aber schon diese grobe Skizze zeigt deutlich, daß England in vielen Gebieten des Nahen Ostens bereits auf verlorenem Posten kämpft, daß der Union Jack immer stärker dem Sternenbanner weichen muß. Um diese Tatsache in ihrem ganzen Ausmaß zu ertennnen, ist es vielleicht nützlich, zunächst einmal kurz, die britische Orientpolitik in ihren Grunb- zügen aufzuzeigen. Sie war im wesentlichen eine Politik der Versklavung Aegyptens mit dem Ziel, aus diesem Land ein zweites Indien zu machen, um den Weg nach Indien zu sichern. Solange die osmanische Türkei die nahöstlichen Länder arabischer Zunge dem Namen nach beherrschte, also Irak, Syrien, Aegypten und die Küstenstriche, solange vor allem in Europa der erwünschte Zustand des politischen Gleichgewichts herrschte, hatten die Briten leichtes Spiel. Als nach der französischen Revolution dieses Gleichgewicht gestört wurde, war es das Hauptstreben Englands, den „kranken Mann am Bosporus" mit allen Mitteln gegen jeden Eingriff von außen zu stützen, wie es ebenfalls bestrebt war, Persien und Afghanistan als Sicherungsmächte gegenüber dem Vordringen Rußlands nach der indischen Grenze zu benutzen. Als der Suezkanal Wirklichkeit wurde, als vor allem durch das Wirken des großen Mohamme- )anerführers Dschemal ud-Din el Afghani eine illislamische und durch die Arbeit des Fellachen- jührers Arabi Pascha eine national-ägyptische Bewegung entstand, begannen die Briten in Aegypten ' enes Herrschaftssystem auszubauen, das nach außen bas Motto „Ruhe und Ordnung" erhielt, in Wirk- .ichkeit aber nichts anderes darstellte als die unrettbare Versklavung. Der französische Gegner mußte bei Faschoda den Platz räumen, während die Türkenpolitik Englands nach dem Berliner Kongreß radikal geändert wurde. Einmal in den Be- itz Aegyptens gelangt, mußten die Briten danach treben, alle arabischen Länder unter ihr Herr- chaftssystem zu bringen, also jeden Nebenbuhler auf dem Wege nach Indien auszuschalten. Der eng- isch-russische Gegensatz wurde 1902 durch das Bündnis mit Japan in die für England günstigen Bahnen gelenkt, und als 1904 Rußland eine schwere Riederlage einstecken mußte, hatte England auf kosten der mohammedanischen Länder im wesent- ichen sein Ziel erreicht, das dann durch den ersten Weltkrieg endgültig gesichert und ausgebaut wurde. Durch den jetzigen Weltkampf haben sich die Dinge aber wesentlich gewandelt, so daß man eute bereits von einem Zusammenbruch der gesam- en Nahostpolitik Englands sprechen kann, wenn London auch mit allen Mitteln bemüht ist, das Ge- cht zu wahren. Zeigte schon die kürzlich vorge- ommene Verlängerung des Paktes von 5aababab, der 1937 zwischen der Türkei, Af- ibaniftan, Iran und Irak geschlossen wurde, daß ^otz der gegenwärtigen Ohnmacht zweier Vertraqs- :aaten der Orient nicht daran denkt, abzudanken, mb daß in biesem Akt zwar keine praktische Politik ber immerhin eine bedeutsame Demonstration ge- chen werden muß, so beweisen die Vorgänge pöli- i scher und wirtschaftlicher Art erst recht, was die Blocke für England im Nahen Osten geschlagen hat. £roar ist zwischen den Briten und Nordamerikanern I en Geheimabkommen abgeschlossen worden, wonach Aegypten und Palästina zur „britischen Einflußsphäre" gehören, aber ber Kräfteverfall bes bri- t scheu Empires schreitet so rasch vorwärts, baß sich die Pankees auch bereits ganz ungeniert um bas ägyptische Erbe bemühen. Das beweist vor allem die recht mertmürbige Anfrage aus Washington an be ägyptische Regierung, welche Wirtschaftsvläne fb für die Nachkriegszeit zu verwirklichen gebenke, um ein gedeihliches Wirtschaftsleben „unter Achtung ber Grundsätze ber demokratischen Freizügigkeit" zu gewährleisten. Was unter „demokratischer Freizügig- kkit" zu verstehen ist. haben die Pankees ja inzwi- fdien in Französisch-Nordafrika bewiesen. Aber ab- j gesehen von diesem Zynismus bedeutet diese An- L frage nichts anderes, als daß Roosevelt gewillt ist, j mit Hilfe des allmächtigen Dollars und vor allem durch das Pacht- und Leihsystem den gesamten Orient unter die Herrschaft des Sternenbanners zu bringen. Für Washington war ja bereits die ersehnte Stunde gekommen, als ber Nahe Osten und sein Oel in die Gefahrenzone rückte, England aber nicht fähig war, genügend Material und Menschen aufzubringen, um diese Gebiete zu verteidigen. Die Nordamerikaner landeten in Basra, machten sich im Persischen Golf breit, bauten Montagehallen und Flugplätze, legten ein Straßennetz an, sorgten für Verbindungslinien nach der Westküste Afrikas und steckten vor allem eine Konzession nach der anderen ein. Während die Briten und Sowjets sich in Iran zankten, kamen die Pankees mit Militärmissionen, Wirtschaftsberatern und zahllosen „Diplomaten", sie gründeten Konsulate und Generalkonsulate, setzten Finanzberater und Wirtschaftsfunktionäre ein, kurz: sie spielten mit einem einzigen großen Anlauf und mit rücksichtsloser Brutalität die Briten überall an die Wand. i non und Transjordanien heute weitgehend ber Herrschaft bes Dollars unterworfen. In Aegypten liegen bie Dinge so, baß England bie Sowjets als Gegengewicht diplomatisch und vor allem agitatorisch einschalten möchte, während gewisse ägyptische Kreise die Verstärkung des Sowjeteinflusses wieder zur Ausschaltung der britischen Fronherrschaft ausnutzen möchten. Hier überschneiden sich die Interessen also wahrhaft heillos, hier herrscht ein Chaos, das zusammen mit der wirklichen Lage in Indien erst beweist, wie es um die gesamte britische Orientpolitik steht. England ist nicht mehr Herr ber Lage, fonbem sieht sich überall in die Verteidigung gedrängt. Die Hungersnöte und wirtschaftlichen Schwierigkeiten ber betroffenen Länder wirken hier nur beschleunigend, denn es ist wieder Nordamerika, das durch seine Anleihepolitik und durch vorteilhafte Oelver- träge die Erbschaft Großbritanniens antritt. Alle sowjetischen Angriffe im Don- und Kalmückengebiet abgewiesen. Oer Wehrmachiberichi. DRV. AnsdemFührerhauptquartler. 7. Jan. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Die Kämpfe im Don- und Kalmückengebiet und im Raum von Stalingrad dauern an. Dabei schlugen deutsche Infanterie- und Panzerdivisionen im Zusammenwirken mit. starken Verbanden der Luftwaffe und rumänischen Kampf- fliegern alle Angriffe der Sowjets zurück. 3m Gegenangriff wurden an einer Stelle 20 feindliche kämpfen über dem mittleren und nördlichen Frontabschnitt schossen unsere Jagdflieger 44, Flakartillerie 12 feindliche Flugzeuge ab und verloren selbst nur ein einziges Flugzeug. Der Rachschubverkehr der Sowjets auf der L isst r a h e über den Ladogasee wurde bei Tag und Rächt durch Luftwaffe und Artillerie wirksam bekämpft. 3n Libyen verstärkte Stoßtrupptätigkeit. Schnelle deutsche Kampfflugzeuge griffen motorisierte Kräfte und einen britischen Flugstützpunkt mit guter Wirkung an. 3n Tunesien wurden angreifende feindliche Kräfle in Gegenangriff auf ihre Ausgangsstellungen zurückgeworfen. Der Flugplatz von Bone wurde am Tag und in der Rächt bombardiert, der Feind verlor sechs Flugzeuge. Im Westen wurden zwei britische Flugzeuge ab- kampfslugzeuge griffen kriegswichtige Panzer vernichtet. Stoßtrupps zerstörten im mittleren Front- abschnit t zahlreiche feindliche Kampsstände. Fortgesetzte Angriffe gegen welikije L u ki und südöstlich des Ilmensees wurden abgewiesen, Bereitstellungen zum Teil schon durch Artilleriefeuer zerschlagen. Die Vernichtung einer dort eingeschlossenen feind-1 geschossen. lichen Kräftegruppe steht bevor. 3n heftigen Luft-1 Anlagen an der englischen Oftfufte an. Der Kamps um den Stützpunkt Welikije Xuti. Von Kriegsberichter Günther Weber. DNB. ..., 7. Jan. (PK.) Vor sechs Wochen traten die Bolschewisten westlich und südostwärts von Toropez sowie aus ber Richtung von Kalinin zu der erwarteten Winteroffensive an. Sie hat dem Feind bisher nur Mißerfolge gebracht. Neun sowjetische Stoßbrigaden wurden südostwärts von Toropez eingeschlossen und vernichtet. Das, was der Feind an der Front vor Kalinin verlor, übersteigt jene Verluste noch um ein Bedeutendes. Nun hat sich der Brennpunkt der gewalttgen Schlacht in den Raum um Wilikije Luki verlagert, aber auch dort sind alle weitgesteckten Pläne und Ziele der Bolschewisten bisher im Blute ihrer zerschlagenen Verbände erstickt. Die Schlacht ist noch nicht beendet. Die deutschen Divisionen, die den ersten Ansturm des Feindes auffingen, sind zum Gegen st oß angetreten, und Tag für Tag spricht der Bericht des OKW. von dem heldenhaften Widerstand des vorgeschobenen deutschen Stützpunktes in Welikije Luki, wo eine vorgeschobene Schar deutscher Grenadiere seit Wochen einer zehnfachen Uebermacht bes Feindes todesmutig die Stirn bietet. Nicht jede Einzelheit dieses heldenmütigen Kampfes kann heute schon der Heimat gesagt werden. Daß er aber nur wenige Beispiele in der Geschichte des Ostfeldzuges kennt, das verdient schon jetzt festgehalten zu werden. Eine nordwestdeutsche Grenadierbivision steht im Brennpunkt ber Kämpfe. Nord- westbeutsche unb süddeutsche Grenadiere und Panzergrenadiere sind die Träger der deutschen Gegenoperationen. Mit elf Schützendivisionen, fünf Schützenbrigaden und acht Panzerbrigaden traten die Bolschewisten im Zuge ihrer weitgesteckten Winteroffensivpläne hier vor dem Abschnitt eines deutschen Armeekorps an. Der Geländegewinn, den diese massierten, von starken Panzer- und Luftstreitkräften unterstützten Verbände erreichten, stand von vornherein in keinem Verhältnis zu den hohen bolschewistischen Verlusten an Menschen und Material. Die Wucht ber sowjetischen Massenangriffe aber ließ halb an Kraft nach unb zerschellte hier wie an anderen Stellen der Ostfront am unbeugsamen Abwehrwillen des deutschen Soldaten. Die blutigen Verluste bes Feinbes betragen mehr als 50 v. H., haben sich nach Aussagen von Gefangenen und Ueberläufern, wie burch Beutepapiere bestätigt, in einigen Truppenverbänden sogar bis auf 80 v.H. erhöht. Don 400 Panzern, bie ben Sowjets zu Beginn ber Offensive schätzungsweise zur Verfügung ftanben, liegen 300 vernichtet auf bem Schlachtfeld. Angesichts biefer militärischen Mißerfolge hat sich nun bie bolschewistische Agitation fast ausschließlich auf den vorgeschobenen deutschen Stützpunkt W e - likije Luki konzentriert in ber Hoffnung, ba= burch bie Welt vom Scheitern ber Winteroffensive abzulenken. Aber auch Welikije Luki wurde nicht einmal ein Prestigeerfolg für sie. Nach wie vor kämpft die verhältnismäßig kleine deutsche Kampfgruppe und verteidigt ihre Stellungen gegen den Feind. Munition, Verpflegung, Geschütze, Pionierstoßtrupps und Aerzte werden auf dem Luftwege dem vorgeschobenen Stützpunkt zugeführt. Seit dem 4. Januar läuft der deutsche Gegenstoß. Wieder ist es der deutsche Grenadier, der aus einer Abwehrfront zum Angriff übergeht. Die Luftwaffe unterstützt bei teilweise klarem Winterwetter die Operationen auf ber Erbe, Artillerieflieger lenken bas Feuer unserer Batterien, Jäger sichern den Luftraum und schossen zusammen mit der Flak allein am 6. Januar 44 bolschewistische Flugzeuge ab. Transport- und Kampfflugzeuge sichern die Versorgung bes am weitesten vorgeschobenen beutschen Stützpunktes, unb in ihm kämpft seit Wochen schon Tag unb Nacht bie heldenhafte Schar beutscher Grenadiere. Aber nicht Welikije Luki — ein Feld von Trümmern, nicht ein Geländestreifen ist das Ziel der deutschen Divisionen, es heißt hier wie überall: Vernichtung des Gegners! Siegreicher Angriff nach siegreicher Abwehrschlacht! Die Wendung zur Politik der Intervention. Roosevelts Kampf gegen den Neutralitätswitten des amerikanischen Volkes begann schon 1937. Geheimbericht eines französischen Diplomaten. Berlin, 7. Jan. (DNB.) Die internationale Diskussion über bas nordamerikanische Weißbuch ,Krieg und Frieden" hat erneut bestätigt, daß Roosevelt unb sein Außenminister Hüll als die Schuldigen an diesem großen Krieg angesehen werden. Das Weißbuch selber sagt in feiner von Hüll verfaßten Einleitung, daß bie Politik ber USA. bas Ziel hatte, allmählich die amerikanische öffentliche Meinung dcchin umzubilden, bie Isolationspolitik aufzugeben, wie sie in den amerikanischen Neutralitätsgesetzen zum Ausdruck kam. Für diese kriegstreiberische Politik Roosevelts ist der Stichtag bie berüchtigte Quarantäne-Rede Roosevelts in Chikago aus dem Jahre 1937. So wurde die ftan- zösische Regierung von dieser Propaganda Roosevelts, das amerikanische Volk zum Kriegseintritt reif zu machen, durch ihre Botschaft unterrichtet. Der französische Geschäftsträger in Washington berichtete im Geheimtelegramm Nr. 1137/43 vom 7. November 1937 an die französische Regierung über eine Unterredung mit Roosevelt: „Der Präsident kam bann auf bie internationale Loge überhaupt und auf die Gefahr zu sprechen, die sie berge unb fuhr fort: „Im Jahre 1920 haben Grenzen des Imperialismus. Weltreiche kamen und gingen. Es war im Altertum so und ist in der Neuzeit nicht anders. Aber wer die Welt besitzt oder besitzen möchte, ist diesen Einsichten gegenüber oft mit Blindheit geschlagen. Wir sehen es just in unseren Tagen an den Briten, die den vierten Teil ber Welt besaßen unb boch nicht zufrieben waren, und sehen es weiter an Roosevelt unb seinen jüdisch-plutokratischen Freunden, die zwar einen mit allen Bodenreichtümern ausgestatteten Riesenstaat zu ihrer Verfügung haben, jedoch die ganze Welt besitzen oder zum mindesten kommandieren möchten. Die abgewirtschafteten und bie neuen Imperialisten sind gleichermaßen unangenehme Zeitgenossen. Einer könnte aus der Erfahrung des anderen lernen und erkennen, daß für ein Volk das Streben nach grenzenloser Weltherrschaft ebenso verwerflich ist wie etwa der Verluste der nationalen Selbständigkeit. Die Briten haben sich während ber letzten Jahrhunderte in allen Zonen der Erde ein» genistet und glaubten, von ihren Zwingburgen, Stützpunkten und vom „freien" Meere her die ganze Welt kontrollieren und tributpflichtig machen zu können. Das geraubte Weltreich befand sich jedoch seit langem in einer Krisis und bricht jetzt unter oen Schlägen ber Freunde und Feinde zusammen. Die Schläge der Feinde sind ein Naturgesetz, daß sich aber auch der amerikanische Freund an diesem Aufräumen beteiligt, beweist nur, daß auch bii Ver« wanbtschaft und die politisch-demokratische JdAnver« bundenheit nicht vor der Todfeindschaft schützen. Roosevelt glaubt mit der Welt sein Spielchen machen zu können und denkt vielleicht mit Goethe: „Wer des Knäuels zartes Ende hält, der schlingt sich wohl durchs Labyrinth der Welt." Wie eine Made im saftigen Apfel möchte Roosevelt als Weltpräsident sich bie fettesten Bissen auf unserer Erde sichern. An ihm zeigt sich wieder einmal mehr die Erfahrung der Weltgeschichte, baß im allgemeinen die Menschen aus der Geschichte keine Lehre ziehen. Sonst müßte er sich bas britische Beispiel täglich vor Augen führen und daraus ersehen, baß es in der modernen Welt ber Ueberrechn ik einem einzigen Staate nicht mehr möglich ist, sich mit Erfolg an allen Enden der Welt zu behaupten. Die Feinde bedrohen die Verbindungswege, und die Völker stehen auf und widersetzen sich. Das britische Weltreich ist überlebt, seine Idee ist tot, also muß es fallen, und es ist die Aufgabe die Vereinigten Staaten es abgelehnt, dem Völ« kerb und beizutreten, weil sie überzeugt waren, daß sie Gefahr liefen, infolge von Beschlüssen, die in Genf und nicht in Washington gefaßt würden, in einen Krieg verwickelt zu werden. Die Folge war, daß die öffentliche Meinung in Amerika siebzehn Jahre lang mit aller Entschiedenheit bie Isolierung gefordert hat. Diese Einstellung ist dann auch darin zum Ausdruck gekommen, daß ber Kongreß bie Ihnen bekannten Maßnahmen beschlossen hat. Aber ist es denn sicher, daß eine Politik der Neutralität um jeden Preis dem amerikanischen Volke die Sicherheit geben kann, bie es verlangt? Keineswegs, denn sie bringt Gefahr mit sich unb kann zu gefährlichen Situationen, ja sogar zum Kriege führen. Vor einem Monat ist noch etwas Neues hinzugekommen, nämlich meine Rede in Chikago. Ich hielt es für notwendig, einen Appell an mein Land zu richten und bie öffentliche Meinung aufzuklären. Das ist der Zweck meiner Ausführungen." Der Bericht des französischen Geschäftsträgers fährt bann fort: „Die Ereignisse biefer letzten Monate haben Übrigens seinen Widerwillen gegen bie Diktaturen noch verstärkt. Zweifellos teilt die Mehrheit des Landes nicht seine persönlichen Ansichten über bie Außenpolitik, wie aus ber Presse, aus Kundgebungen verschiedener Art und der Stimmung bes Kongresses her» vorgeht. Das sind Tatsachen, die man nicht aus ben Augen verlieren darf. Aber ber Präsident genießt immer noch ein beträchtliches Ansehen, wie seine kürzlich nach dem Westen unternommene Reise beweist. Er scheint entschlossen zu sein, seine Politik internationaler Zusammenarbeit soweit wie möglich auszuüben und die öffentliche Meinung wachzuhalten. Für uns kann bie moralische Unterstützung, die Roosevett für uns barstellt, nur eine Ermutigung bebeuten zu einer Zeit, ba sein Land uns so viel Interesse und Freundschaft bekundet, wie wir dies feit 1919 nicht mehr erlebt haben unb wo es mit Rücksicht auf bie internationale Lage wünschenswert erscheint, daß diese Einstellung erhalten bleibt und weiter verstärkt wird." Soweit das aufschlußreiche Dokument. Man weiß, daß diese Unterredung keinen anderen Zweck hatte, als ben Wiberstanbswillen ber französischen Regierung gegen bie Revision bes Versailler Vertrages zu verstärken und die wiederholten Versuche des Führers, das deutsch-französische Verhältnis zu entgiften, wie sie auch ihren Niederschlag in dem deutsch-französischen Abkommen fanden, ^as Reichsaußenminister von Ribbentrop am 6. Dezember iit Paris unterzeichnete, zu sabotieren. Zu dieser Einmischung in Europa wollte sich das amerikanische Volk nicht hergeben, und so begann Roosevelt mit dieser Chikagoer Rede seinen fünfjährigen Propa- gandafeldzug, um das amerikanische Volk für diesen Interventionskrieg aufzuhetzen und reif zu machen. Darlons Mörder Havjude und Gauttiff. Paris, 8. 3an. (DRV. Funkspruch.)'Rach Meldungen der Agentur OF3. aus Tanger ist der Dar- lan-Mörder ein Gaullist namens Vonnler de la Cha pelle. Die der „Petit Parifien" dazu ergänzend ans Vichy erfährt, wohnt die Familie des Täters in Algier. Der Vater, ein Sport- berichkerstatter, ist mit einer 3 übin verheil ratet. Sein zweiter Sohn studiert ebenso wie der Attentäter in Algier. Alle drei waren in Algier als Gaullisten bekannt. dieses Krieges, den Fall des Empires zu beschleunigen. Auch der Imperialismus Roosevelts ist stark angeschlagen. Die Vereinigten Staaten habenn die Philippinen und die anderen Besitzungen in Ost- asien nedst vhrern stanzen politischen Einfluß eingebüßt. Die Wege zu einer günstigen Verteidigung waren zu weit, und der Elan der Amerikaner war ebenfalls nicht groß genug. Dennoch hat Roosevelt sich wie eine Hyäne auf das niedergebrochene Frankreich gestürzt, hat dem Bundesgenossen von gestern die westindischen Besitzungen genommen und versucht sich nun in Afrika festzubeißen, nachdem gegenüber den Briten einige Grenzpfähle Darlanscher Art ganz energisch in den Boden gerammt worden waren. Aber Roosevelt wird zu spüren bekommen, daß mit seiner Macht in Afrika nichts getan ist, weil auch dieses Gebiet für einen modernen Kriegsschauplatz ju weit entfernt ist. Wie soll der Nachschub durch die Fährnisse der mit U-Booten gespickten Gewässer kommen? Wie soll auch der ideologische „Nachschub" klappen, wie das Verständnis für den geistig getarnten Ungeist Amerikas wach- gerufen werden, wenn die „beglückten" Völker voll des inneren Widerstandes sind? Hier zeigen sich Gren.zen der Macht, die nicht überschritten werden dürfen, wenn man den großen Schiffbruch vermeiden will. Roosevelt bildet sich viel darauf ein, daß er bedeutende Geographen und Geopolitiker in seinem Stabe habe. Aber auch sie scheinen mehr dem Größenwahn als den wissenschaftlichen Einsichten und den geschichtlichen Erfahrungen zu huldigen. Ihre geopolitischen Fähigkeiten und Erkenntnisse sind jedenfalls nicht sehr überzeugend. Sie hätten Roosevelt vor einem Hasardspiel warnen müssen, weil sie wissen mußten, daß sie nicht eine Gesetzmäßigkeit für sich beanspruchen können, nach der der britische Bundesgenosse in den Abgrund gefallen ist. Die Vereinigten Staaten haben noch für Jahrhunderte Raum und Reichtum in ihrem eigenen großen Lande: sie hätten auf Weltherrschaft verzichten können. Aber Roosevelt und die hinter ihm stehenden Juden wollten es anders. Sie begaben sich aus einen gefährlichen Pfad, die völkische Kraft wird verzettelt, und am Ende kann nur die Niederlage stehen, einerlei wann und in welcher Form. Sollen wir also die Bescheidenheit und den politischen Verzicht predigen? Mitnichten! Gerade Deutschland hat in seiner trübsten Nachkriegszeit Erfahren, daß ein unfreier, in seinen Lebensrechten Und völkischen Kräften beschränkter Staat lebensunfähig ist. Wir leugnen nicht, daß wir uns inzwischen gekräftigt Haven. Heute haben wir Lebensraum und vielfältige Lebensmöglichkeit in einem geschlossenen Gebiet, von dem viele Kraftfelder ausströmen. Aber wir predigen nicht die Weltherrschaft jmb wollen keine Machtpolitik, die sich von der völkischen Gebundeheit und dem Lebensraum unserer Rasse löst. Das anteilige Arbeitsfeld eines kraftvollen Staates mag die Welt fein, aber es gibt Verdauungsbeschwerden, wenn man in imperialistischem Heißhunger die ganze Welt für sich allein schlucken will. Das ist die Todsünde der uns feindlichen Imperialisten. Sie werden an ihren Maßlosigkeiten zerbrechen und die dynamischen Lebensgesetze der Völker nicht aufhalten können. Roosevelts Lteberbürokraiie. Rom, 7.Jan. (DNB.) Wette Kreise der USA.- Oeffentlichkeit verfolgen, wie „Giornale d'Itvlia" berichtet, mit wachsender Unruhe die sich immer weiter ausweitende neue Bürokratie, die jetzt neben und über die bisherigen Ministerien getreten ist, sich jedoch aus Elementen zusammensetzt, die ohne jede Vorbildung, meist von doktrinär-parteipolitischem Geist beseelt, den Aufgaben der Gegenwa.rt fremd gegenüberstehen. In Washington allein wer- den mehr als eine Million Beamte gezählt, die zum großen Teil den während des Krieges von Präsident Roosevelt neu geschaffenen Dienststellen angehören. Die wichtigen Entscheidungen werden heute nicht mehr tp den früheren Ministerien, sondern in den in der Kriegszeit geschaffenen neuen bürokratischen Organisationen getroffen, an deren Spitze ausschließlich Vertrauensmänner des Prä- s i d e n t e n oder Vertrauensmänner der Großindustrie oder des Großkapitals gesetzt sind. Diese neue gigantische Ueberbürokratie hält heute alle Fäden in der Hand und ist mit weitgehenden Machtvollkommenheiten auf dem Gebiet der gesamten Wirtschaftskriegführung ausgestattet. Die Oeffenllichkeit fürchtet nun, daß diese auch in Friedenszeiten aufrechterhalten werden soll, obgleich dieses Nebenernanderwirken der mit der gleichen Aufgabe betrauten parallel laufenden Verwaltungsstellen immer deutlicher zutagetritt. Die seltene Ehrlichkeit. Von Bruno Brehm. Als Napoleon nach seinem Sieg bei Regensburg 6uf seinem Gewaltmarsch nach Wien am 7. Mai 1809 abends nach Melk kam, ritt er mit Marschall Lannes zu dem hoch auf dem Felsen über der Donau liegenden stolzen Benediktinerstift, um von dessen weiter Terrasse aus das Slromland zu überblicken. Durch den auf steig enden Nebel und durch das Gehölz der Auen entdeckte Lannes am jenseitigen Ufer in der einfallenden Dämmerung den Schein einiger Wachtfeuer, -auf die der Marschall den Kaiser aufmerksam machte. Da Napoleon seit dem Uferwechsel dex geschlagenen österreichischen Armee bei Regensburg jede Verbindung mit dem abgerückten Gegner verloren und nur sehr spärliche Nachrichten über den Verbleib der Armee des Erzherzogs Karl erlangt hatte, so trug Marschall Lannes seinem Adjutanten Marbot auf, mit einigen Zillen sogleich über den Strom zu setzen, die dort lagernde feindliche Truppe zu überraschen, einige Gefangene zu machen und, ohne sich in ein Geplänkel einzulassen, sogleich wieder zurückzurudern. Die Nacht war stürmisch, der Strom rauschte, es gelang, die Zillen unbemerkt von den Oester- reichern über den Strom zu rudern und ein Lagerfeuer hart am Ufer zu überrumpeln. Zu spät trat die durch einige gefallene Schüsse aufgeschreckte, von den langen Märschen übermüdete Truppe unter das Gewehr. Es gelang den Franzosen, ringe- hindert ihre Boote zu erreichen. Die ihnen hastig nachgefeuerten Kugeln verfehlten in der Dunkelheit ihr Ziel. Noch vor Mitternacht konnte Marbot seinem Marschall drei Gefangene vorführen: einen Oberjäger, einen Jäger und einen an Händen und Füßen ge- fesselten, aus mehreren leichten Wunden blutenden und wie ein Kind stumm vor sich hinweinenden statt- lichen Burschen in der Uniform eines Linienregimentes, von dem der den Dolmetschdienst versehende bayerische Major meldete, daß dieser Mann ein Offiziersdiener fei, den man deshalb gefesselt habe, weil er» kaum nach heftiger Gegenwehr niedergenm- Lt-Booi-Tanker als Stützpunkte unserer weltweiten Seekriegsührüng. Die Diünchener „Neuesten Nachrichten" vom 5. Januar beruhten: Wir waren immer wieder verwundert über die große Reichweite unserer Unterseeboote, von denen wir wissen, daß sie aus praktischen Gründen die mittlere Größe von 500 Tonnen nicht überschreiten, um eine möglichst große Anzahl dieser für den Feind so gefährlichen Schiffe herzustellen. Mit Recht haben wir vermutet, daß noch besondere Schiffe eingesetzt werden mit der Aufgabe, die Unterseeboote auf hoher See nicht nur mit Treibstoff, sondern auch mit Lebensrnitteln und mit Munition zu versorgen, so daß das zeitraubende und in der Küstennähe nicht gefahrlose Heimkehren und Wiederausfahren vermieden wird. Tatsächlich gibt es diese Schiffe, die den Namen „U - T a n k e r" tragen. Ihre Bauweise, Anzahl und Verwendung bleiben selbstverständlich ein militärisches Geheimnis. Sie erklären unter anderem, daß die Dersenkungserfolge im Jahr 1942 fast 9 Millionen BRT. erreichten. Diese U-Tanker sind gleichsam schwimmende Stützpunkte in ben Weltmeeren, die sehr viel schwerer aufzuspüren sind als irgendein Stützpunkt an einer entlegenen Küste. Dieses überaus wichtige Kampfmittel zeigt, wie gründlich die deutsche Seekriegleitung an dem weiteren Ausbau der U n - terseebootoffensive und cn der Steigerung ihres Aktionsbereichs arbeitet. Es gibt in der Tat keinen Meereswinkel mehr, der ihnen unzugänglich ist, also auch keine Ausweichmöglichkeit für den Feind. Durch fein kostspieliges Landungsmanöver in Französisch-Nordafrika, bei der über eine Million BRT. und 500 Sicherungsfahrzeuge eingesetzt gewesen fein sollen, ist der Feind eine neue freiwillige Bindung auf bestimmte Seewege eingegangen, die es möglich machte, noch in den letzten Monaten des Jahres ungewöhnlich hohe Versenkungsziffern zu erzielen. GchwimmendeNachfchubbasis Von Kriegsberichter Herbert Sprang. DNB. Bei der Kriegsmarine, 7.Januar. (PK.) Seit dem Tage, an dem zum erstenmal der Paukenschlag der deutschen Unterseeboote vor den Küsten des amerikanischen Kontinents eine Welt aufhorchen ließ, beschäftigt sich die Oeffentlichkeit mit der Frage, wie es den deutschen U-Booten überhaupt möglich ist, so weit von ihren eigenen Stützpunkten den Seekrieg bis in die Gewässer der U&2I. zu tragen. Einmal sollten die U-Boote von den Azoren, bann wieder von den Kapverden aus operiert haben, aber jie sollten Stützpunkte in Nicaragua, ein anderes Mal in Kolumbien befihen. Nur dem wirklichen Sachverhalt, wie er vom Befehlshaber der U-Boote immer her- ausaefteUt wurde, schenkte man keinen Glauben, der Tatsache, daß die ersten vor Amerika operierenden U-Boote unter Ausnutzung jeden vorhandenen Raumes, unter Verzicht auf jede Bequemlichkeit der Männer, aus eigener Kraft die gegebenen Grenzen überschritten hatten. Noch im Laufe des Jahres wurde bereits die britische und amerikanische Oeffentlichkeit durch die Anwesenheit deutscher U-Boote vor den Küsten Südamerikas und Mittelafrikas und sogar im Indischen Ozean überrascht. Hier unten gab es keine Stützpunkte für die deutschen U-Boote, und hierhin konnten sie bei aller Raumausnutzunq nicht soviel Treibstoff mitführen. Britische Militärschriftsteller machten die Admiralität darauf aufmerksam, daß es sich um U-Boote handeln könnte, die die Versorgung durchführten. Und tatsächlich haben im unermüdlichen Schaffen deutsche Werften miteinander gewetteifert, um den siegreich kämpfenden U-Booten mehr Mög- lichkeitn als bisher zu erschließen. In immer steigen- der Zahl sind in diesem Jahr die unförmigen, dick- bauchigen und großen Leiber der Tanferboote überall auf dem Atlantik erschienen. Die Kriegs- marine hat sich in -ihren Tankerbooten schwimme iche Stützpunkte m einer Zahl geschaffen, wie sie als Landstützpunkte sich keine Seemacht der Welt je aufbauen kann. Dabei erfüllen die Tanker-U-Boote die wichtigste Aufgabe, Nachschubbasis zu fein, im vollstem Umfange. Hier wird ein Kampfboot, das sich an einem Geleitzug leergefagt hat, wieder aufgefüllt, dort wird ein anderes ausgesucht und ihm neuer Proviant Angeführt, da wird ein drittes ab» gefangen, das aus den Weiten der Weltmeere zurückkommt und dem bis zur Heimat etliche Tonnen Sprit fehlen. So fährt das Tankerboot von Kampsboot zu Kampsboot, von Quadrat zu Quadrat und sucht als „fliegendes Gasthaus" feine „Kunden" auf. Sinnreich ausgebuchte Konstrukttonen ermöglichen selb st bei schwerer See eine schnelle Verbindung zwischen Tankerboot und Frontboot. Stundenlang läuft dann das kostbare Naß über Schläuche in das Kampfboot ein. Taucht aber einmal an der Kimm die Mastspitze eines feindlichen Zerstörers auf, droht vom Himmel herunter ein feindlicher Flieger, sind beide Boote in kürzester Frist von der Oberfläche verschwunden. Auch als Reparaturhafen kann das Tankerboot in gewissem Umfange dienen. Eine größere Werkstatt mit entsprechenden Maschinen ermöglicht Reparaturen, die das Kampfboot selbst nicht immer durchführen kann. Endlich überprüft ein Marinearzt bei allen Männern der Kampfboote, die ausgesucht werden, den Gesundheitszustand, sorgt für Beseitigung kleiner Gesundheitsschäden und übernimmt Kranke und Verwundete zum Rücktransport in die Heimat auf das Tankerboot. Schließlich nimmt das Tankerboot b i e Post ber U-Boot-Fahrer mit in die Heimat zurück. Die Kampfboote selbst werben für viele Monate von jedem Landstützpunkt unabhängig und können sich in ihren Tausende von Seemeilen von der Heimat ober ber Atlantikküste entfernten Mebieten so lange aufhalten, bis auch der al fein Ziel erreicht hat. Der japanische Soldat. Lissabon, 7. Jan. (Europapreß.) ..Die USA. dürfen die Stärke eines Volkes wie des japanischen nicht unterschätzen", erklärte ber Oberstleutnant im nordamerikanischen Generalstab, Warren I. Clear, ber vier Jahre lang von den Japanern zum Studium ihrer Militäreinrichtungen zugelassen worden war. Clear schildert die Bedürfnislosigkeit der japanischen Truppen, besonders in der Ernährung und hebt die körperliche Leistungsfähigkeit des japanischen Soldaten hervor. Märsche von 30 Meilen, also 48 Kilometern, in 24 Stunden mit vollem Gepäck. seien eine Alltagsleistung. Aber er habe es in Manöoern selber erlebt, daß in 72 Stunden 122 Meilen (fast 200 Kilometer) mit nur vierstündigem Schlaf dazwischen zurückgelegt wurden. Die Todesverachtung der Japaner rufe die un- verhüllte Bewunderung des nordamerikanischen Offiziers hervor. Der japanische Soldat ziehe auch in diesem Kriege den Tod ber Gefangenschaft vor. Abgeschossene japanische Marineflieger gingen lieber mit ihrem Flugzeug unter, als nach einem ihnen zugeworfenen Rettungsring zu greifen. Auf Dataan hätten sich mehrere japanische Soldaten absichtlich dem Feuer eines versteckten Maschinengewehrnestes ausgesetzt, um ihren Kameraden dessen Aushebung zu ermöglichen. Als dort eine von 500 japanischen Soldaten verteidigte Stellung genommen war, waren 350 Mann gefallen, die anderen entzogen sich der Gefangenschaft durch einen Sprung in den Tod von einer hohen Kuppe herab. „Das ist unser Feind. Wir würden weise handeln, von ihm soviel wie möglich zu lernen", erklärte Oberstleutnant Clear. „Sich selbst und den Feind zu kennen, ist das Geheimnis des Sieges." Vor dem großen Zusammenstoß der Koalitionen. Vom Siege des Oreierpakts hängt das Schicksal der zivilisierten Welt ab. Mailand, 7. Jan. (DNB.) „Popolo d'Jtalia" zeiat nochmals die Notwendigkeit, alle Kräfte bis aufs äußerste anzuspannen, um die Welt vor dem Bolschewismus zu retten. Das Blatt schreibt: Die beiden gigantischen Koalitionen, in die die Welt gespalten ist, sind nunmehr vor dem großen frontalen Zusammen st oß angelangt. Die Achsenmächte und Japan haben die strategischen Voraussetzungen für den Sieg vorbereitet, England und die Vereinigten Staaten die notwendigen Heere und Waffen vorbereitet, um ihre militärische Kraft auszuspielen. Die Sowjetunion hat furchtbare Schläge erlitten. Dennoch hält sie sich noch aufrecht und kämpft verzweifelt weiter, um zu überleben, besessen von der teuflischen Vorstellung, am Ende der einzige Sieger unter allen Verlierern zu fein und die Sowjetfahne auf den Trümmern aller Hauptstädte hissen zu können. Aus all diesen Gründen kündigen sich die kommenden Monate als erste furchtbare Zusammenstöße an. Jedes Volk ist an dem Punkt angekommen, wo es um alles geht. Wir müssen daher auf eine wahnwitzige Anstren- gung ber Sowjets gefaßt fein und uns darauf vor- ereiten, einen mörderischen Kampf durchzustehen. Auch die Lage Englands und der Vereinigten Staaten war an den Grenzen des Tragbaren angelan-gt, und beide mußten alles unternehmen, um weitere strategische Erfolge ber Dreierpaktmächte und den Zusammenbruch der Sowjets zu verhindern. Nach den Vorstößen von El Alamain und Algerien ist den Engländern und Nordamerikanern der entscheidende Schlag gegen Bigerta nicht geglückt, so daß sie eine äußerst exponierte Stellung einnehmen. Auch sie werden alles daransetzen, die Partte zu gewinnen. Aus ber Ueberzeugung heraus, daß hi diesem Krieg entweder die Dreierpaktmächte oder der Bolschewismus siegt, müssen die europäischen Völker alle geistige und materielle Energie zusammenfassen, um die bevorstehende Periode siegreich durchzustehn. Siegen heißt für uns, alle unsere natto- mrien Ansprüche verwirklichen, unsere wirtschaft- lichen und sozialen Probleme losen, uns einen ehrenhaften langen Frieden sichern und eine gemeinsame und individuelle Existenz schaffen, brd wert ist, gelebt zu werden. Verlieren würde fü5 uns eine jahrhundertelange stürmische Nacht bedeuten. Das Jahr 1943 birgt im Schoße den Urteilsspruch ber Geschichte oder zum wenigsten den Beginn dieses Urteilsspruches. Es ist unser paradoxes Geschick, daß wir auch für unsere Feinde, die wir bassen, siegen müssen. Moskau würde das Grab oer Rassen sein. Wir taten alles, um ber Menschheit die Augen zu öffnen; aber die anglo-ameri- konische Arroganz machte die maßgebende britische Klasse blind. Nunmehr ist die Tragödie in vollem Gange. Die Mächte des Dreierpaktes haben die Mission übernommen, ihrer Herr zu werden. Von unserer Fähigkeit oder Unfähigkeit zu siegen, hängen die Geschicke der ganzen zivilisierten Welt ab. Kunst und Wissenschaft. Auslandskonzertreisen Gerhard Taschners. Der Berliner Geiger Gerhard Taschner unternimmt Konzertreisen nach Schweden, Holland und Rumänien. Nach zwei Abenden in Göteborg spielt Taschner in Den Haag und Hilversum, dann in Bukarest, Hermannstadt, Kronstadt und Temesvar und schließlich wiederum in Holland. Sein Begleiter ist der Pianist Heinz Schröder (Frankfurt a. M.). „Kolibri". In Leivzig kam die dreiaktige Komödie „Kolibri" von Iosef Maria Frank zur Uraufführung, Kolibri — das ist ein kleines Mädel, das sich, um den Aufdringlichkeiten seines Vormundes zu entgehen, selbständig gemacht hat, sehr bald aber in Not gerät und bei dem Komponisten Visconti ein- stelgt, um zu Geld zu kommen. Daß sie dabei er* wischt wirb, ist ihr Glück. Denn Visconti hat nichts Eiligeres zu tun, als sich in bas hübsche Geschöpf- eine Art Scampolo mit verfeinerten Allüren, zu verlieben. Ueberraschend kommt dann der glänzende künstlerische Aufstieg des kleinen Mädchens. Die sparsame Handlung wird sehr locker geknüpft und brect auf drei Akte verteilt. Das Stück bietet gute Buhnenunterhaltung. Es stützt sich vor allem auf gen und bezwungen, zweimal zu entspringen versucht habe. Das Verhör der drei Gefangenen fand in der prunkvollen Bibliothek des Stiftes statt. Auf der Marmorplatte des Tisches lagen Karten aus gebt eitet, bas flackernde Kerzenlicht schimmerte in den goldenen Leisten der Bücherschränke wider und ließ den Golddruck ber Bücherrücken aufglän- Zen. Wie Traumgewölk traten die heiteren Seefen» bilder des hohen Raumes aus dem Dunkel. Während ber gefesselte Offiziersdiener mit seinem blutverschmierten Gesicht zwischen zwei Posten in ber Fensternische stand und vom Schluchten geschüttelt wurde, gaoen bie beiden gefangenen Jäger, scharf ins Verhör genommen, stückweise Auskunft, bie ber Dolmetsch, ber Adjutant und ber Marschall, immer wieder nach ber aus geb reiteten Karte blickend, sinnvoll zusammenfügten. Es ergab sich folgendes Bild: Bei Regensburg standen nur noch schwache Kräfte, leichte Truppen, bie ben österreichischen Abmarsch zu verschleiern hatten. Die Armee des Erzherzogs marschierte über Böhmen gegen Wien, um bie Hauptstadt zu oerfen. Die Sappeure aller Regimenter waren zusammengezogen und nach Stein vorausgeschickt worden, um dort, am anderen Ende ber Wachau, eine Brücke zu schlagen. Dort wollte man den Franzosen in den Rücken kommen und ihren Marsch auf Wien stören. 2115 aus ben beiden Jägern nichts mehr herauszuholen war, wollte der Herzog von Montebello dem Kcnser Meldung erstatten, denn die Ergeb- Nisse schienen ihm wichtig genug. Aber Napoleon selbst mochte keine Ruhe gefunden haben und trat mit vorn Marschall unbemerkt, in die Bibliothek em. Mit knappen Worten wieder- ">"e Cannes nun bie Aussagen der beiden Ge- sangenen. Napoleon hörte gespannt zu, blickte rasch aus bie Karte und deutete bann mit einer kurzen Handbewegung auf den gefesselten Mann zwischen den beiden Posten in ber Fensternische. Der Marschall berichtete, warum man den Mann gefehlt habe, und ber Dolmetscher fügte hinzu, Dafc es ein Offiziersbursche sei, der nicht zu den Jagern gehöre, sondern sich deren Bataillon auf dem Rückzug nur angeschlossen habe. Man möge ben Mann fragen, wo sein Herr sei, verlangte ber Kaiser. Sein Herr, ein Major, gab ber Bursche, nachdem man bie beiden Jäger abgeführt hatte, widerstrebend zur Antwort, sei bei Eggmühl verwundet unb in einem Kloster zu Regensburg zurückgeblieben. Ob sich solch ein kräftiger Kerl denn nicht schäme, wie ein kleines Kind zu flennen, ließ der Kaiser den Mann fragen, ob er glaube, daß man chrn ben Kopf abreißen werde? Mittlerweile war auch General Rapp erschienen, der ungeduldig über ben langsamen Fortgang des Verhörs auf deutsch ben Burschen anschrie, in drei Teufels Namen dach endlich zu sagen, warum er sich so heftig gewehrt und zweimal bie Flucht versucht habe. Sein Herr, ber verwundete Major, gab der Bursche stockend zur Antwort, habe ihm auf seinem Wundlager in Regensbrrrg bas gonge Geld übergeben. Ob man ihm bei ber Gefangennahme das Geld abgenommen habe, wollte General Rapp wissen. Der Bursche griff mit beiden Händen an feine Hüften: nein, niemand habe das Geld abgenommen, er habe es noch, er trage es in einem Gürtel auf feinem Leibe. Warum er denn bann heule, brüllte Rapp den Mann an. Weil er das Gelb ber Frau des Majors bringen sollte, schluchzte der Bursche, und weil ber Herr Major, käme er mit dem Leben davon und kehre er nach dem Kriege heim, glauben werde, er, sein Diener, sei mit dem ihm anvertrauten Gelbe befer- tiert. Deshalb habe er sich so heftig gewehrt, deshalb habe er zweimal zu entkommen versucht. Als Rapp die Aussage des Burschen übersetzte, lachte der Herzog von Montebello, ber als Sohn eines Stallknechtes und als Färbergeselle es bis jum Marschall von Frankreich gebrächt hatte und dem kurz darauf in ber Schlacht bei Aspern eine Kanonenkugel beide Beine wegreißen sollte, und auch bet bayrische Dolmetsch konnte sich eines Lächelns nicht erwehren. Napoleon allein blieb ernst, er befahl, dem Manne die Fesseln zu lösen und noch in dieser Nacht mit einem Fährmann wieder über ben Strom zu schicken. -Ehrlichkeit", sagt- der Kaffes wid dachte dabet vielleicht an seine vom Glück verwöhnten Bruder und feine Marschälle, „ist heute in der Welt so r ^5" sie belohnen muß, wo immer mack sie trifft, und sei es selbst bei seinen Feinden»^ Das gute und das schlechte Geschäft. ®,r ^t?”aIer Wilhelm Trübner war eiq guter Geschäftsmann. Ms er berühmt geworden \“nbnİ?e fordern konnte, zeigte es sich, l°mer Anfangszeit gelegentlich besser bezahlt wurden als seine spateren. Da wollte er 8nr>1n6ah ^Orir?t &es, Dragoner-Einjährigen wieder- ba® er damals oon einem Freunde gemalt hatte, und er verfiel zu diesem Zweck auf einen ftatHi»enrsrf1Z,er Pre,unil h?"e inzwischen sich einen tattllchen Schnurrbart zugelegt, und trübner redete J’JP ro ',hflertö dieser Schnurrbart müsse mit auf ®r lafl ihm so lange in den Ohren, bis 7rrau? ,ei£ Bildnis zu der Aenderung zuruckschickte. Als der Freund es nach langer Zeit noch immer nicht wieder bekommen hatte, fragte er THih Sltoe miLöem Schnurrbart. Jetzt schrieb ihm Trübner, er muffe em neues Bild malen, denn auf dem alten könne er ben Schnurrbart burchaus ni^t anbringen; ein Bild fei wie ein Zwetschenkuchen, man könne nach dem Backen keine Zwetschen Auss-^?^ Ä. neue hineinsetzen, ohne bas Aussehen des Kuchens zu zerstören. Das leuchtete Dem Freunde auch ein, unb so malte Trübner ihn auf einem neuen Bilde mit Schnurrbart ... und em-en, ^^^n Dragoner-Einjährigen an bie neue Pinakothek m München. (Ein andermal war aber Trübner der Herein- Sr trennte sich überhaupt nicht gern vom Gelbe, unb an Stelle von Trinkgeldern in den Hotels gab er oft Zeichnungen, auf bie er keinen Wert legte, eines Tages schickte ihm ein Frankfurter Kunst« banaler bie Photographie einer solchen und fragte an ob es eine Arbeit von ihm sei. Trübner antwortete, es sei eine ausgezeichnete frühe Arbeit rott chch- gegen em Honorar von ... Mark wolle er sie "och nachträglich signieren. Der Kunsthänbler, der auch nicht aus den Kops gefallen war, schrieb jeboch verzichte auf bie Signatur, er werde ftaft dieser Trübners Postkarte hinten snSeber^ LL Aus der Stadl Gießen. Vor oder nach dem Essen? Wenn unsere Großeltern eine Arznei aus der Apotheke abholten, dann pflegte den Hals des Fläschchens mit dem heilsamen Inhalt eine lange Papierkrawatte zu zieren, so wie wir sie heute noch hin und wieder in Bilderbüchern sehen können. Hierauf war die Einnahmevorschrift genau ver- zeichnet, gleichsam als unüberhörbare Mahnung, daß nicht allein das Medikament, sondern erst seine wohlabgewogene Menge und Verteilung im Tages- lauj den gewünschten Erfolg verbürgt. Demgegenüber sind wir heute gewohnt, säuberliche Original- vackungen in Empfang zu nehmen, die die Industrie gebrauchsfertig liefert. Wir müssen uns daher zumeist mit einer gedruckten Anweisung begnügen, die dem besonderen Fall nur durch den Zusatz Rechnung tragen kann : ..... falls vom Arzt nicht anders verordnet." Aber was hat der Arzt verordnet? Man kann nickt von ihm verlangen, daß er allen Mängeln unseres Gedächtnisses durch ausführliche schriftliche Erläuterungen begegnet. So kommt es nicht selten zu Fehlern oder doch zeitraubenden Erkundigungen. „Dor oder nach dem Essen?" ist dabei eine der nächstliegenden Fragen, die man bei ausreichender Kenntnis der Zusammenhänge getrost allein beantworten könnte. Denn gerade hierfür gibt es gewisse Grundsätze, die weitgehend unabhängig von dem besonderen Krankheitsfall ihre Allgemeingültigkeit besitzen. Zunächst mag es überraschen, daß die Verbindung der Arzneieinnahme mit den Mahlzeiten manch- den flüssig geführten Dialog, der sich in mehr oder minder neuen Weisheiten über Ehe, Freundschaft, Liebe und Treue ergeht. Angenehm empfunden wird der frische Ton und die saubere handwerkliche Ar beit, die Theatererfahrung verrat. Zwei für das Stück komponierte Chansons von Peter Kreu- der gaben der Aufführung noch ihren besonderen Reiz. Heinz Rusch. „Besatzung Dora". Unter der Regie von Professor Karl Ritter wurden die Aufnahmen zu dem Ufa-Film „Besatzung Dora" beendet. Der Film, der den kühnen Einsatz unserer Fernaufklärer an den verschiedenen Fronten schildert, entstand ohne Atelieraufnahmen. Die Hauptdarsteller sind Hannes Stelzer, Ernst v. Klipstein, Georg Dhomalla, Suse Gras, Carsta Löck und Charlott Daudert. An der Kamera stand Heinz Ritter. Das Drehbuch schrieben Professor Karl Ritter und Fred Hildenbrandt, die Musik komponierte Herbert Windt, den Schnitt besorgt Gottfried Ritter. Neue Altertumsfunde in Rom. Wie alljährlich, findet auf dem Capitol die Ausstellung der im Laufe des Jahres auf dem Gebiet der Stadt Rom gemachten Altertumsfunde statt. Unter ihnen befinden sich zwei große Rundaltäre aus der Zeit der ausgehenden Republik, die in der Nähe eines großen Grabmals bei der Basilika San Paolo gefunden wurden, interessante polychrome Mosaiken, Bruchstücke eines großen Grabdenkmals, das bei den Caracalla-Thermen aufgedeckt wurde, ein fein ausgearbeitetes Relief einer weiblichen Figur, die beim Theater des Marcellus ausgegraben wurde, sowie die Grabstelle eines Beamten des Hafens des alten Roms, das bei der Dia Präne- stina gefunden wurde, an der auch der Begräbnis- altar des Flavius Diadumenos ans Licht gebracht werden konnte. Charlotte Steigleder. „Die Versuchung des Pescara." Im Ständetheater, der Schauspielbühne der Deutschen Theater in Prag, kam „Die Versuchung des Pescara" von Wilfried Proskowetz heraus. Der Autor folgt mit feinem Werk thematisch der Novelle von Conrad Ferdinand Meyer. Er gibt dem darin verdichteten geschichtlichen Ereignis, das als eine der versäumten Schicksalsstunden Italiens gilt, eine neue, gegenwärtig vertrautere Deutung. Es wird nicht ausgesprochen, es wird aber deutlich, und es ist vom Autor gewollt, die Saat dieser Schicksalsstunde 400 Jahre später gereift zu sehen. Proskowetz, ein Industrieller, der, gleichsam im Nebenamt dichtend, nur mit wenigen lyrischen Versuchen hervorgetreten ist, erscheint zum erstenmal auf der Bühne. Seit 1922 bewegte ihn der Stoff zur „Versuchung des Pescara". Die innere Dramatik des geschichtlichen Ereignisses, das Tragische im Leben Pescaras und in der damaligen politischen Situation Italiens werden eindringlich spürbar. Der Dialog bezwingt durch schöne, von hohem Wohllaut erfüllte, zuchtvoll behandelte Sprache: oft gelingen Verse von klassischer Strenge. Die Gabe, aus Wissen und Erkenntnis Geschichte zu erhellen, paart sich hier mit einer dich- mal nur rem äußerlich und für die Wirkung belanglos ist. Bei gewissen Hormon- oder Vitaminpräparaten beispielsweise kommt es weniger auf die Tageszeit als auf die Regelmäßigkeit der Verabreichung an. Frühstück, Mittagessen und Abendbrot bedeuten hier nur Einschnitte im Tageslauf, die uns an die gesundheitliche Pflicht erinnern sollen. Auch bei harntreibenden oder kreislaufstärkenden Mitteln sowie zur Ruhigstellung des Magens oder Nervensystems und für die Linderung krampfhafter Schmerzen von längerer Dauer ist gleichmäßige Verteilung des Medikaments wichttger als alle anderen Rücksichten. Anders liegen die Verhältnisse etwa bei Herzmitteln aus der Droge des Fingerhuts, die als Digitalis bekannt ist, da hier neben dem heilsamen Einfluß mit einer gewissen Reizwirkung aüf die Magenschleimheit zu rechnen ist. Auch die neuen synthetischen Präparate, die sich gegen die verschiedensten Infektionen glänzend bewährt haben — allen voran das Prontosil —, dürfen aus den gleichen Gründen immer nur kurz nach der Mahlzeit eingenommen werden. Uebelkcit und andere lästige Nebenerscheinungen müßten bei Vernachlässigung dieser Regel den Segen vieler Hustenmittel in Frage stellen, die einen, starken Saponingehalt besitzen, und müßten das Salizyl in Mißkredit bringen, das bei der Schmerzbekämpfung und in der Rheumatis- musbohandlung eine segensreiche Rolle spielt. Im gleichen Sinne wird es niemandem sinnvoll erscheinen, Verdauungsstörungen — etwa durch aromatische Bittermittel wie Wermuth oder durch Pfefferminze, Kümmel, Fenchel — vor der Mahlzeit zu bekämpfen. Ein solcher Einfluß ist vielmehr ebenso wie die Förderung des Gallenabflusses frühestens 15 bis 20 Minuten nach der Nahrungsaufnahme terischen Gestaltungskraft von nicht geringem Range. Die Aufführung von Kurt Daehn sand großen Beifall. E. K. Wiechmann. „Prometheus"-Verlonung von Sehlbach. am Platz. Auf der anderen Seite würde eine Steigerung der Magensaftabsonderung zu diesem Zeitpunkt viel zu spät kommen. Mittel wie Enzian, Tausendgüldenkraut und Kalmus, die diesem Zweck dienen sollen, müssen daher kurz vor dem Essen eingenommen werden, während Salzsäure und Pepsin spätestens während der Mahlzeit die Verdauung zu unterstützen vermögen. Gewissenhafter Berücksichtigung bedarf ferner die Tatsache, daß manche Heil- und Stärkungmittel durch das Zusammentreffen mit Speisen in ihrer Wirkung beeinträchtigt werden. Auf dieser Erkenntnis beruht der bekannte Brauch, Mineralbrunnen nur morgens auf nüchternen Magen und nachmittags zwei Stunden vor dem Abendessen zu trinken. Das gleiche gilt, wenn starke Entkräftung die Einnahme einer Traubenzuckerlimonade erforderlich macht, sowie für medizinische Tees, sei es, daß sie auf den Magen, die Galle oder beim Husten aus die Lungen abzielen. Schwieriger ist die Entscheidung bei Arzneien, die verschiedenartige Bestandtelle enthalten. Wenn hier nicht der wichtigste für uns maßgebend sein kann, bedürfen die ärzttichen Hinweise ganz besonderer Aufmerksamkeit. Hinsichtlich der Frage, wie man am zweckmäßig, sten Tabletten zu sich nimmt, dürfen wir die beruhigende Auskunft maßgebend sein lassen, daß dies im wesentlichen Geschmackssache ist. Man sollte dabei nur bedenken, daß manche, oft recht wichtigen Stoffe unlöslich sind und daher leicht als Bodensatz im Wasserglas Zurückbleiben, nicht zu reden davon, daß die Bitterkeit ein solches Getränk in der Regel nicht eben zum Genuß macht. Daher muß das Schlucken der ganzen oder doch nur wenig zerkleinerten Tabletten mit reichlichem Nachtrinken von Wasser empfohlen werden. Dr. Dreh. Sesundheitsführung vom 6. bis -18. Lebensjahr. Die „Grundsätze des Reichsgesundheitsführers und Reichsjugendführers zur Durchführung der Jugend- gesundheitspflege", die der Reichsminister des nern für verbindlich erklärt hat, ordnen die laufende, kostenlose ärztliche Untersuchung aller Jungen und Mädel von 6 bis 18 Jahren als Gemeinfckaftsauf« gäbe von Partei und Staat. Die volle Durchführung soll nach Kriegsende beginnen. Für Friedenszeiten sind zunächst fünf Reihenuntersuchungen vorgesehen, und zwar je eine mit etwa 6, 10, 14, 15 und 18 Jahren. Dazu kommen fünf bis sechs Gesundheits- appelle bis zum 14. Lebensjahr und außerdem jährliche Zahngesundheitsappelle. Den Untersuchungen liegt der reichseinheitliche Jugendgesundheitsbogen zugrunde, der der ärzttichen Schweigepflicht untersteht und jedes Kind vom 6. bis zum 18. Lebensjahr begleitet. Die Reihenuntersuchungen beschäftigen sich unter Einsatz auch des Röntgenbildes mit der allgemeinen Konstitution, der Umwelt des Iugerck- lichen, den inneren Organen, dem Seh- und Hörvermögen, der Muskulatur, dem Knochengerüst, den Haltungsfehlern, der Hautfarbe und allem, was für die totale gesundheitliche Ueberwachung beachtlich ist. Sie erstreben genaue Befunderhebungen unter Berücksichttgung der erbbiologischen Momente, Beurteilung der körperlichen Leistungsfähigkeit, Herbeiführung der erforderlichen gesundheitsfördernden Maßnahmen, Berücksichtigungsvermerke in den Tauglichkeitsausweisen und Schaffung von Unterlagen für die Gesundheitsstatistik. Bei den Zehnjährigen wird gleichzeitig die Tauglichkeit für Jungvolk oder Jungmädelbund und im BÄwrfsfalle für die Haupt- oder Oberschule mit festgestellt werden können, beim Schulentlassungsjahrgang der Vier- zehnjährigen die Berufstauglichkeit, bei den Fünfzehnjährigen der Einfluß des ersten Berufsjahres auf Leistungsfähigkeit und Entwicklung. Die Ellern können dem Jugendarzt schrifttiche Mittellungen von Wünschen oder Anfälligkeiten des Kindes machen. Der Jugendarzt hat frühzeitig Gesundheitsstörungen zu erkennen, während die etwa notwendig werdende ärztliche Behandlung durch einen Arzt erfolgen wird, den die Familie wählt. Hof- und Dorfaufrüstung als Gemeinschastsaufgabe. In Duisburg führte Otto Doltmann Erich Sehlbachs Vertonung des Goetheschen „Prometheus" für Bariton und Orchester auf. Durch die ganze Musik zieht sich eine kraftvolle Sechzehntelfigur, mit der sie in rüstigem a-moll anhebt, um sich mll energi- schem Rhythmus in punktierten Achteln fortzusetzen. Nach achttaktiger Einleitung beginnt die Singstimme mit herausfordernder, starrer Melodie. Die große, weitatmige Linie wird gelegentlich durch knappe Orchesterzwischenspiele unterbrochen. Harmonisch tonal gebunden und außerordentlich charaktervoll instrumentiert, bietet sich die Komposition wie aus einem Guß dar. Heinrich Schmidt. Aus aller Welt. Der Friseur Odysseus. Unter den Einwohnern der bunten Stadt Ifta n- b u l befinden sich auch viele Griechen. Sie sind seit Jahrhunderten in der Stadt ansässig und gehen ihren meist handwerklichen Berufen nach. Man findet ihre an die klassische Zeit Griechenlands erinnernden Namen auf vielen Schildern der Stadt. So kann man einen Odysseus finden, der sich sein Brot als Friseur verdient, ein Aristoteles hat eine Wäscherei, ein Plato ist Advokat. Der Lehrer beider Philosophen, Sokrates, ist heute Inhaber eines Schuhputzsalons. Ein Leonidas-Nachfahr ist Frauenarzt geworden, ein Enkel des Thsmistokles Platterer, ein MMades Kolonialwarenhändler. Leider sind die klangvollen und erinnerungsreichen Namen der antiken Frauen, einer Penelope und Eurikleia, einer Aspasia und Nausikaa, nicht auf Namensschildern zu finden. Um sie zu finden, muß man sicher in das wohlbehütete Heim, an die Webstühle und an die Herde gehen, und man würde feststellen, daß sie sich von den Tugenden ihrer mütterlichen Ahnen nicht mehr entfernt haben, als es die moderne Zeit mit sich bringt. Gewaltverbrecher Zipp zum Tode verurteilt. Auf Grund einer Nichtigkeitsbeschwerde des Reichsanwalts hatte das Reichsgericht den Fall Zipp (Heppenheim) abermals an das Son- dergericht verwiesen, das in seinem ersten Urteil Zipp für einen Ausbruchsversuch aus dem Germersheimer Gefängnis zu zehn Jahren Zuchthaus und Sicherungsverwahrung verurteilt hatte. Zipp hatte den Heizer des Gefängnisses mit einem Tischbein niedergeschlagen. Nach seiner Festnahme unternahm Zipp einen zweiten Ausbruchsversuch, diesmal aus dem Ludwigshafener Gefängnis. Ein Wärter hatte aber rechtzeitig die Werkzeuge des Zipp zum Ausbrechen des Türschlosses und einen als Waffe zurechtgearbeiteten Eisengegenstand entdeckt. Das Sondergericht gewann die Ueberzeugung, daß bei Zipp, der sich schon vom 18. Lebensjahr ab als asozialer Mensch erwies, wie die Vorstrafen es deutlich machen, eine Freiheitsstrafe nicht mehr am Platze sei und verurteilte ihn zum Tode. ____________ , Die NSD.-Dozentenakademie veranstaltete ihren ersten Sprechabend im Wintersemester 1942/43 mit einem Einleitungsvortrag von Pg. Prof. Dr. Beller über „Hof- und Dorfaufrüstung als Gemeinschaftsaufgabe". Der Dorttagende führte als Leiter der Arbeitsgemeinschaft Hof- und Dorfaufrüstung folgendes aus: Wenn Deutschland nach dem Willen des Führers wieder ein Bauernland werden soll, dann erfordert dies den Um- und Ausbau unserer Dörfer, auf deren Entstehungsgeschichte der Vortragende einging. Jrn Zusammenhang mit der Einführung der Dreifelderwirtschaft und einer planmäßigen Tierzucht, die sich zunächst auf das Rind als den Erhalter der Bodenfruchtbarkeit bezog, schufen sie erst gewissermaßen den deutschen Menschen, dessen kolonisatorischer Einfluß im Osten bis tief nach Rußland hinein zu verfolgen ist. Ueberall, wo in der Welt geschlossene deutsche Siedlungen entstanden sind, haben sich deutsches Brauchtum und deutsche Sprache, ja selbst der Dialekt der Heimat über die Jahrhunderte hinweg unverfälscht erhalten. Wenn nun die deutsche Staatsführung mitten im Kriege daran geht, in den westlichen und östlichen Grenzlanden ein neues Bauerntum heranzubilden, und nach dem Kriege in der vom Reichsbauernführer verkündeten „Dorfaufrüstung" auch dem Bauerntum des Altreichs eine neue und feste Lebensgrundlage geben will, so wird dieser in Jahrhunderten gewordenen Eigenart des deutschen Dorfes ebenso Rechnung getrogen werden müssen, wie sich die betriebswirtschaftliche Neuordnung den landschaftlichen Gegebenheiten anzupassen hat. Aus diesem Grunde muß sich auch die Forschung landschaftlich einstellen und ihre Ergebnisse in entsprechender Richtung auswerten. Wie die bäuerliche Siedlung baulich an die Landschaft gebunden ist, so ist es auch die Tierwirtschaft. Wohl werden die Forschungsergebnisse in vieler Hinsicht Allgemeingültigkeit besitzen, in den Einzelheiten aber werden sie auf die örtlichen Verhältnisse abgestellt werden müssen. Das hessische Dorfbild geht in seinen Grund- und Wesenszüge auf die fränkische Siedlungsperiode im 8. bis 12. Jahrhundert zurück. Der Baustil der späteren Zeiten hat sich mit ganz geringen Ausnahmen und Abweichungen dem Charakter des fränkischen Dorfes angepaßt. In dieser Form ist das hessische Dorf für die heuttgen Erfordernisse zu eng geworden. Hof drängt sich dicht bei Hof, daß ein Anwesen dem andern Licht und Luft raubt, und auch bei bestem Wollen der Besitzer keine Möglichkeit besteht, durch bauliche Verbesserungen Abhilfe zu schaffen. Sie kann nur dcckurch zustande kommen, daß dort, wo die dichte Bauweise hindernd im Wege stehr, durch Aussiedlung und Abbruch einzelner Gehöfte Platz geschaffen wird. Diese mit der Schaffung einer sinnvollen Besitzstruktur einhergehende Dorfauflockerung hat eine große und vielfack tief in die bestehenden Verhältnisse eingreifende Aufgabe zu lösen, die das Zusammenwirken aller irgendwie beteiligten Fachgebiete der Wissenschaft und Praxis erfordert, wenn ein alle Teile befriedigender Erfolg erreicht werden soll. Als das Deterinärhygienische und Tierseuchen- instttut — von dem Gesichtspunkt ausgehend, daß am besten für die Dorfaufrüftung durch das Beispiel geworben wird — im Frühjahr 1939 der Reichsregierung im Benehmen mit der hessischen Landesregierung und der Lcurdesbauem schäft Hessen- Nassau den Vorschlag unterbreitete, die Aufrüstung des zu jener Zeit bereits einer eingehenden Untersuchung unterzogenen Dorfes Stockhausen hn Landkreis Gießen in Angriff zu nehmen, geschah dies mit dem Hinweis darauf, daß an der Ludwigs- Universität die Verhältnisse insofern besonders günstig liegen, als hier die Möglichkeit besteht, die Fach. Vertreter der Landwirtschaft, der Veterinärmedizin, der Medizin und selbst der Volkswirtschaftslehre für die sie angehenden Probleme zu interessieren und dadurch ihre Lösung auf eine breitere Grundlage zu stellen, als dies anderswo möglich ist. „Vor allem wiesen wir darauf hin, daß die notwendige Erziehung und Schulung der ländlichen Bauhandwerker am wirksamsten durch den Anschauunqs- nnterricht erfolgt und die unumgängliche Voraussetzung für die Dorfaufrüftung im Großen bildet. Wir konnten uns bei unseren Dorfuntersuchungen immer wieder davon überzeugen, daß die ländliche Bautradition droht, gänzlich verloren zu gehen, und daß der Bau->r, auch wenn er wirtschaftlich dazu in der Lage ist, heute schon nicht mehr mit Hilfe der örtlichen Fachleute einen den modernen Anforderungen entsprechenden Umbau, qan$ zu schweigen von einem Hofneubau, durchzusühren vermag. Das klare Gefühl für zweckmäßige und dabei dock schöne Bauten ist im ländlichen Handwerk vielfach bereits verlorengegangen und muß erst wieder geweckt werden." Mit der Gründung der NSD.-'Dozente-akademie sind für diese durch den Kriegsausbruch vorüber- gehend unterbrochenen Bemühungen neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit geschaffen worden, die AUF MÖNCKEBERG ist det "Taumel lo5, ROMAN VON OLAF BOUTERWECK 9. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) „Waren Sie auch im Wintergarten?" „Jawohl, Herr Kommissur. Ich hielt mich dort längere Zeit auf, weil ich abends die Blumen begieße. Aber auch dort war alles in Ordnung. Die Fenster waren geschlossen und verriegelt, lwiglich die oberen Luftklappen waren geöffnet." Raucheisen erhob sich. „Danke, Herr Friedrichsen, das wäre vorläufig alles! Wenn Sie wollen, können Sie jetzt zu Bett gehen. — Ich habe jetzt noch die Köchin und das Hausmädchen zu verhören." — Der Diener räu- perle sich und blickte den Kommissar unsicher an: „Darf ich —- wohl noch einmal in die Bibliothek?" „Hm, zu welchem Zweck, Herr Friedrichsen?" ,^Jch ... möchte Abschied von meinem Herrn nehmen." Raucheisen nahm den Arm des Dieners: ,Lommen Sie, Herr Friedrichsen, ich begleite Sie hinüber!" 5. Kapitel. Gegen sechs Uhr morgens traf Dr. Raucheisen in Begleitung Brandstetters in Kladow ein. „Donnerwetter, hier möchte ich auch wohnen, Herr Kommissar!" rief Brandstetter begeistert, als lie vor Axel Holms Grundstück standen. I Raucheisen antwortete nicht. Er hatte sich unter - Holms Blockhaus ein bescheidenes und etwas ver- Dahrloftes Gebäude vorgestellt; was er hier sah, durfte dagegen ohne Uebertteibung als Gipfelpunkt behaglich-vornehmen Wohnens bezeichnet Das Haus madjte einen Hellen, blitzsauberen Eindruck. Es lag etwa dreißig Meter von der Straße entfernt inmitten einer Gruppe schirmender Kiefern, die es hoch überragten. Im Obergeschoß war ein breiter Balkon angebaut, der sich über die ganze Längsseite des Hauses hinzog. Im Vorgarten umsäumte eine Taxushecke den sehr gepflegten Rasen, in dessen Mitte ein geschmackvolles Blumen-Rund- beet angelegt war. Blumenbeete waren auch zu beiden Seiten der breiten Anfahrt angelegt, Blumen schmückten sämlliche Fenster des Hauses, und Blumen gaben dem großen Balkon das Aussehen eines „hängenden Gartens". Don diesem Balkon aus mußte man einen wundervollen Blick über die Havel haben, denn das Grundstück stteß mit der Rückfront unmittelbar an das Ufer. — Rauckeisen blickte mit einem kleinen Seufzer über die tausend und ober tausend Tautropfen hin, die in der aufgehenden Sonne gleißten und funkelten; dann riß er sich von diesem Anblick los, trat an das ©artentor und klingelte. Es sah fast so aus, als ob man im Haufe bereits auf dieses Zeichen gewartet habe; denn Raucheisen hatte kaum die Klingel berührt, als im Obergeschoß ein Fenster geöffnet wurde und für einen Augenblick zwischen den Hängepetunien der schwarze, wirre Haarschopf eines Mannes erschien. Gleichzeitig ertönte im Hause wütendes Hundegebell. Eine halbe Minute später wurde die Haustür auf- gerissen; der Mann stürzte heraus, setzte über bie niedrige Tarushecke hinweg und kam quer über den Rasen gesprungen. Während des Laufens fuhr I er mit den Armen in einen grellroten Bademantel, dessen Zipfel luftig hinter ihm herflatterten. Ihm voraus sprang in langen Sätzen ein großer Schäferhund. „Ist ein Unglück geschehen?" rief der Mcrnn atemlos. „Guten Morgen!" antwortete Raucheisen. „Gott zum Gruß, meine Herren! — Aber was bringen Sie? Ist Herr Holm verunglückt?" »Nein, Herr Holm befindet sich wohlauf 1" antwortete Raucheisen, hoffentlich!' fügte er bei sich in Gedanken hinzu. „Gott sei Dank! Ich fürchte schon, daß ... Aber was wünschen Sie so am frühen Morgen, meine Herren? — Fox, hierher!" rief er dem Schäferhund zu, der augenblicklich gehorchte. „Was fürchten Sie?" fragte Raucheisen schnell. „Nun, ich sagte es ja schon: ich fürchtete, daß Herrn Holm in dieser Nacht etwas zugestoßen sei." „Warum? Wenn Sie etwas Derartiges befürchten, müssen Sie doch auch einen Grund dafür haben!" „Mehr als einen, mein Herr! Herr Hohn ist gestern abend in seinem Wagen nach Berlin gefahren und noch nicht zurückgekehrt! Ein Autofahrer ist immer von Gefahren umlauert, ich weiß das aus Erfahrung! Wie sagt Schiller? ,Und das Unglück schreitet schnell!' Das ist es, meine Herren!" Er öffnete das Gartentor und fuhr fort: „Als ich hier eben ein Auto vorfahren hörte, glaubte ich. daß Herr Holm es sei. Aber als ich aus dem Bett sprang, sah ich einen fremden Wagen und zwei fremde Herren. ,Aha', dachte ich, 'so früh am Morgen bedeutet sicher nichts Gutes!' Und mein erster Gedanke war, daß Herrn Holm etwas zu- gestoßen fei! Gott sei Dank, daß es nicht der Fall Er ließ seinen Blick mißtrauisch zwischen den beiden Beamten hin und her wandern: „Oder etwa doch? — Wer sind Sie, meine Herren, und was wünschen Sie?" Raucheisen nannte nun seinen Namen und zeigte seinen Ausweis. „Eigentlich wollten wir Herrn Holm sprechen, aber da er nicht zu Hause ist, mochten wir Sie bitten, uns einige Fragen zu beantworten. — Sie sind sicher der Diener Otto, nicht wahr?" Otto verzog sein Gesicht, als ob er aus Versehen Essig getrunken habe; und zurechtweisend und mit scharfer. Betonung erklärte er: „Wenn Sie unter /Diener' eine Art männlichen Hausmädchens verstehen, so mutz ich Ihre Frage entschieden verneinen, Herr Doktor! Denn in diesem Sinne bin ich durchaus nicht Holms Diener, sondern vielmehr sein Gehilfe und Mitarbeiter! Und ich bin stolz darauf, es zu fein." „Schon gut", brummte Rauckeisen verdrießlich. „<5ie gestatten uns wohl, ins Haus einzutreten!" „Bitte sehr!" Otto trat beiseite, um den Weg frei zu machen, aber der Hund legte die Ohren zurück und knurrte. Otto ergriff das Halsband und stteichelte den Kopf des Hundes. „Ruhig, Fox, fei brav!" Während die Männer nebeneinander dem Haufe zuschritten, folgte Rauchcisen einer alten Gewohnheit und entwarf im Geist Ottos Steckbrief: „Fünfunddreißig Jahre alt; 1.70 Meter groß! (Ästalt: untersetzt. Breite Schultern, zieht beim Gehen den rechten Fuß ein klein wenig nach. Haare: blauschwarz; Künstlermähne — ohne Scheitel glatt nach hinten gekämmt (im Augenblick allerdings noch ungekämmt). Hat die Angewohnheit, sich mit den gespreizten Fingern der rechten Hand häufig durch die Haare zu fahren und sie nach hinten zu streichen. Gesicht: bnrHos. Augen: grau. Zähne: wie auf dem Werbeschild einer Zahnpastafabrik. Besondere Kennzeichen: fingertefe und drei Zentimeter breite Narbe über dem linken Auge, dessen Braue vollständig fehlt (reckte Braue dagegen normal, schwarz und sehr buschig). Ferner eine schwere Narbe vom linken Ohrläppchen quer über die linke Wange und Nase. Nasenbein gebrochen: linker Nasenflügel verstümmelt. Eine dritte Narbe zieht sich von der Mitte des Kinns über den rechten (etwas nach oben verzerrten) Mundwinkel hin und endet zwei Zenttmeter unter dem rechten Augenwinkel." Alles in allem hat Ottos Gesicht etwas Starres und Fratzenhaftes, und es war selbstoerftändfich, daß diese schweren Gesicktsoerletzuvgen ihn für seinen Berus als Schauspieler untauglich machten. —« (Fortsetzung folgt) öffn dem Dortragenden im einzelnen erläutert wurden und in der Arbeitsgemeinschaft ,^Hof- und Dorfaufrüstung" verwirklicht werden sollen. Zu dem Vortrag äußerten sich die folgenden Mitglieder dieser Arbeitsgemeinschaft: Professor Dr. Haag (menschliche Hygiene), Professor Dr. S e s - s o u s (Pflanzenbau), Landwirtschaftsrat Dr. Würz (Siedlungsbeauftragter der Landesbauern- schaft Hessen-Nassau), Professor Dr. Rolfes (Betriebswirtschaft), Landrat Dr. Lotz (Gießen), Professor Dr. Rauch (Kunstwissenschaft). Ihr gehören außerdem an Landeskulturrat Reich (Darmstadt), Professor Dr. D o g e l (Tierzucht), Landwirtschaftsrat Dr. Wagner (Tierzuchtamt Gießen), Professor Dr. W i l l e k e (Wirtschaftswissenschaft). Zum Nachdenken. NSG. Vor einigen Tagen wurde von einem Frontabschnitt gemeldet, daß jeder einzelne Soldat einer Kompanie den Sold von zwei Monaten für das Kriegs-Winterhilfswert geopfert hat. Ergriffen stehen wir vor dem Opferwillen und der Opferbereitschaft der kämpfenden Truppe. Neben den Blutopfern bringt sie auch das überwältigende finanzielle Opfer für die Mütter und Kinder in der Heimat. Diele Volksgenossen mögen sich fragen, was unsere Soldaten zu einem solchen Opfer veranlaßt. Ein Fronturlauber hat den Grund mit folgenden einfachen Worten genannt: „Wir sehen täglich das Elend der Bevölkerung in- Sowjet-Rußland. Was liegt näher, als dabei an die sozialen Verhältnisse in der Heimat zu denken, an die segensreiche Arbeit der Hilfsstelle „Mutter und Kind", an die Müttererholungsheime, an die Kinderheime und Kindertagesstätten. Wir erkennen im tiefsten Herzen, daß wir uns um diese Einrichtungen früher viel zu wenig gekümmert, viel 311 wenig zu ihrer Entstehung und zu ihrer Erhaltung beigetragen haben. Wir spenden heute einen Teil unseres 'Soldes dem Kriegs-Winterhilfswerk, weil wir in der Arbeit der NSV. mit die Sicherung des kommenden Waffenfieges sehen." Sollten hier nicht alle an diese Worte eines Frontsoldaten denken, wenn am kommenden Opfersonntag der NSV.--Blockwalter bei uns vorspricht? Was die neue Wochenschau bringt. Die neue Wochenschau bringt eine spannende Bilderfolge vom Kreuzerkrieg im Südatlantik. Der Bericht beginnt mit ber lieber» nähme der Besatzung des deutschen Hilfskreuzers „Atlantis" auf deutsche Unterseeboote. Die „Atlantis" wurde nach zweijährigem erfolgreichen Kreuzerkrieg von einem schweren englischen Kreuzer gestellt und im ungleichen Kampf versenkt. Ein Teil der Besatzung, die lange in Kuttern und Schlauchbooten auf offener See getrieben hat, wird an Bord genommen. Aus den seetüchtigen Booten wird ein Schleppzug gebildet, auf dem der übrige Teil der „Atlantis"-Besatznng verteilt wird. Langsam.geht es nach Norden der Heimat entgegen. Auch italienische U-Boote haben eine Anzahl Besatzungsmitglieder übernommen. Nach wochenlanger Fahrt erreichen die U-Boote mit ihren Schützlingen einen Stütz""nkt an der Atlantikküste. Im Anschluß daran sehen wir Schmalfilm au fn ahmen von der kühnen Kreuzerfahrt der „Atlantis". Die Bilder wurden von der Besatzung.mitgebracht und zeigen Höhepunkte dieses Kampfes gegen die feindliche Derforgüngsschiffahrt. Neben diesen Aufnahmen stehen wieder Bilder von der harten Abwehrschlacht ander Ost- front. Im Raum von T 0 r 0 v e z schließt sich der um mehrere bolschewistische Divisionen gezogene Kessel immer enger. Unter Einsatz stärkster Kräfte versuchen die Bolschewisten durchzubrechen. Im Feuer unserer Waffen brechen diese Versuche zusammen. Deutsche Stoßtrupps splittern immer wieder einzelne Gruppen von der Masse der eingeschlossenen sowjetischen Divisionen ab. Ein Trupp ist auf einen Feind bunker gestoßen, der mit Handgranaten und Brandflaschen bekämpft wird. Nach stundenlangem Kampf sind die Sowjets ausge- räuchert. Bei grimmiger Kälte muß der Feind in zähem Kampf niedergerungen werden. Im Norden der Ostfront sehen wir die deutschen Stellungen im Vorfeld von Leningrad. Ständig wird am Ausbau der Gräben und Unterstände gearbeitet. Die Einschließungsfront reicht hier an einigen Stellen bis zu den Endhallepunkten der Straßenbahn heran. Weiter zeigt die neue Wochenschau Bilder vom islamischen Opferfest Id un Adha in Tunis. — Aufnahmen aus der Heimat, aus der Mozartstadt Salzburg und von der Ausbildung junger Segel- Aus der Wmiderwerkstaii unseres Körpers. Nur allzu sehr sind wir im alltäglichen Leben geneigt, unseren Körper als eine Selbstverständlichkeit hinzunehmen, und wir machen uns darum für gewöhnlich über ihn und seine Funktion wenig Gedanken. Erst wenn hier und da einmal etwas in Unordnung geraten ist, kommt es uns zum Bewußtsein, wie weitgehend wir von dem unendlich feinen Zusammenspiel aller Organe abhängig sind. Und doch ist das Wunder des Lebens und das Wunder des Menschen das Größte, das es überhaupt gibt. Nüchtern betrachtet ist der Mensch eine Wärmekraftmaschine, die an Stelle von Kohlen, Zucker und Fett verbrennt. Man hat errechnet, daß der Mensch eine Wärmeeinheit verbraucht, um 100 kg einen Meter hochzuheben, während die Dampfmaschine für die gleiche Arbeit-1,6 Wärmeeinheiten und eine Lokomotive 12 Einheiten be= nötigt. Keine Maschine ist so unverwüstlich wie das lebende, zuckende Herz. 70 Jahre und noch mehr schlägt es tagaus, tagein hunderttausendmal an einem Tag und gönnt sich zwischen den einzelnen Schlägen nur eine kurze Pause von 0.2 Sekunden. Die Lebensarbeit dieses kleinen Motors von 1,375 PS ist dabei ungeheuerlich. Mit einem Schlag treibt das Herz eine Blutmenge in den Körperkreislauf, die dem Inhalt eines Weinglases entspricht. Das Herz würde also 7 Weinflaschen in einer Minute mit Blut füllen können. Die Blutmenge, die in zwei Tagen von einem Herzen durch die Adern getrieben wird, müßte^man mit einem Eisenbahnwagen fortschaffen. Siebenmal in einem Jahr könnte der Herzmuskel eines Menschen das berühmte Heidelberger Faß leerpumpen und im Laufe eines siebzigjährigen Lebens eine ganze Flotte von 25 Tankschiffen mit dem roten Lebenssaft beschicken! Einen Zug mit 12 500 Wagen müßte man zusammenstellen, um die 2 500 000 Hektoliter Blut, die in 70 unermüdlichen Arbeitsjahren von einem Herzen fortgetrieben werden, in Eisenbahnwagen zu verfrachten. Die Lokomotive dieses Riesenzuges würde bereits den Bahnhof von Stendal erreicht haben, wenn der letzte Wagen den Berliner Bahnhof verliehe! Ungeheuerlich ist auch die Leistung, die der Darm im Laufe eines Lebens zu vollbringen hat. Nur 1,2 Quadratmeter, also etwa die Größe einer mittleren Tischplatte, beträgt die Oberfläche des aus- qebreiteten Darms, der im Verlauf eines Lebens 13 800 Liter Wasser, 8100 Liter Milch, 18 000 kg Getreide, 13 860 kg Gemüse, 10 800 Eier, 6600 kg Kartoffeln, 6000 kg Obst, 1530 kg Fett, 1092 kg Butter, 720 kg Fleisch, 360 kg Fische, 330 kg Hul- senfrüchte, 270 kg Käse und 150 kg Salz — um nur das Wichtigste zu nennen — verarbeiten muß. Das sind insgesamt über 71 000 kg, also etwa fünf volle Güterwagenladungen oder 13 hochbeladene Lastkraftwagen oder 71 Eintonner-Lieferwagen! Und wie steht es mit der Lunge? Durch sie wird unserem Körper der für alle Arbeitsprozesse unerläßliche Sauerstoff zugeführt. Diese Aufgabe kann nur dadurch erfüllt werden, daß sich tue Lungen in unendlich feine Aestchen aufspalten, von denen jedes in einem winzigen Bläschen endet. Einen ungefähren Begriff von der Feinheit dieser Verästelung' ergibt die Tatsache, daß unsere Lunge nicht weniger als 300 Millionen derartiger Endbläschen enthält, die ausgebreitet den Boden eines kleinen Saales von 10 X10 m Größe bedecken würden. Mit jedem ruhigen Atemzug wird V= Liter Frischluft über diese Fläche verteilt. In Ruhelage genügt eine Ventilation von 6,7 Liter in der Minute, um den Sauerstoffbedarf des Körpers zu decken. Der Schwimmer benötigt bereits sechsmal so viel, nämlich im Durchschnitt 43,4 Liter. Nimmt man also eine mittlere Anstrengung für den Verlauf eines Tages an, so werden 32 000 Liter an einem Tage von den Lungen aufgenommen; das bedeutet auf das Jahr umgerechnet also IIV2 Millionen Liter, was etwa dem Inhalt eines mittleren Großstadtgasometers entspricht. Diese wenigen Zahlen mögen genug sein, um kurz die WunderwerÜtatt des menschlichen Körpers strerflichtartig zu beleuchten. V. A. Die Deutsche Reichspost gibt in diesem Jahre wieder eine Sondermarke zum „Tag der Briefmarke" heraus, die einen Nennwert von 6 + 24 Reichspfennig hat. Der Zuschlag kommt zum größten Teil dem Kulturfond des Führers zugute. Zum ersten Male ist eine deutsche Sondermarke im Dreifarbendruck hergestellt, und zwar finden zwei verschiedene Druckverfahren Anwendung. Während das Markenbild im Stichtiefdruck hergestellt ist, wurde der Rahmen in Offset gedruckt. Der Entwurf der Marke stammt von dem Berliner Graphiker Erich Meerwaldt, gedruckt wurde sie in Bogen zu 50 Stück in der Reichsdruckerei. Die ungewöhnlich schöne Marke wird bei allen Sammlern begeisterte Aufnahme finden und eine besondere Zierde ihrer Sammlungen darstellen. 6+24 Rpf. gelb/braun/blau. Auch die Postverwaltung des Protektorate Böhmen und Mähren würdigt in diesem Jahre zum ersten Male den Tag der Briefmarke mit einem Sonderwertzeichen. Eine Marke zu 60 Heller zeigt einen alten Postreiter auf einem Schimmel. Die Gemeinschaft Deutscher Sammler wird nach Möglichkeit dafür sorgen, daß auch diese Marke von den Veranstaltern auf den Ausstellungen am 10. Januar 1943 vertrieben wird. fi-ieger in einem Lager der NS.-Fliegerkorps leiten die Wochenschau ein. O. Sondermarke zum »Tag der Briefmarke-". Trügerische Eisdecken. Hilfsmaßnahmen zur Rettung Lingebrochener. Alljährlich fordern zugefrorene Seen, Teiche und Bäche Opfer. Es muß daher immer wieder auf die Gefahren aufmerksam gemacht werden. Wer auf dem Eis eingebrochen ist, schwebt in Lebensgefahr. Das kalte Wasser erschwert die Bewegungen des Eingebrochenen. Als erster Ratschlag gilt, die Arme auszubreiten, damit sie dem Eingebrochenen einen fyalt gewähren und er nicht unter die Eisdecke gerät. Hilfe bringt man dem Eingebrochenen durch Zureichen von flachen Brettern, langen. Stangen, Leitern und ähnlichen Dingen, auch durch ein Seil ober eine Leine, die mit einer Schlinge versehen sein muß. Ist derartiges nicht vorhanden und so die persönliche Hilfe nötig, bann versuche man, auf bem Bauch in die Nähe der Einbruchstelle zu kriechen. Beim brüchigen Eis muß natürlich auch der Retter sehr vorsichtig fein und, wenn irgend möglich, ein Brett als Unterlage benutzen. Wohl die schwierigste Art bar Rettung ist die durch Tauchen unter die Eisdecke. Diesen Weg ber Hilfe für den Eingebrochenen barf man nur wagen, wenn man angeseilt ist.. Ist die Rettung des Verunglückten gelungen, so bringe man ihn nicht in einen warmen, sondern zunächst in einen kalten Raum. Um die Gefahr, die jede Eisdecke in sich bergen kann, richtig zu erkennen, muß man wissen, wann bas Eis trägt. Eine Eisbecke von zwei bis drei Zentimetern ist für einen Erwachsenen noch nicht tragfähig. Erst be-i fünf bis sechs Zentimeter Dicke darf das Eis betreten werden. Sorglos anvertrauen kann man sich einer Eisdecke von acht Zentimetern. Hat sich gar eine Eisdecke von zwölf Zentimetern gebildet, bann ist schon bas Befahren mit leichteren Fuhrwerken möglich. Verdunkelungszeit: 8. Januar von 17.26 bis 8.00 Uhr. ♦ ** Beratungsstelle „Hilfe bet Kin - berlosigkeit in ber E h e". Diese von ber Neichsgesunbheitsführung gegrünbete Beratungsstelle hat nunmehr auch in unserem Gaugebiet ihre Tätigkeit aufgenommen. In unserer engeren Heimat finben bie Sprechstunoen ber Beratungsstelle täglich. außer samstags, in der Universitäts-Frauenklinik zu Gießen statt. ** Eine Neunzigjährige. Am morgigen Samstag, 9.Januar, kann Frau Margarethe Kuhl, Fröbelstraße 18 wohnhaft, in geistiger unb körperlicher Frische ihren 90. Geburtstag begehen. Dis JAHRE ARBEIT ' ' >I\\\\\AN DER WIEGE DES 4 LEBENS IN ALLEN EINRICHTUNGEN J " DER NS.-VOLKSWOHLFAHRT. . - SeutEM, (Qec&cUj zcz/n -WUW OPFERSONNTAG ÄM10.JANUÄR IF.36 Jubilarin ist Inhaberin bes Ehrenkreuzes ber beut- schen Mutter in Gold. Im ersten Weltkrieg hat die Hochbetagte ihren Sohn verloren. Der Reichskriegs, opferführer SA.-Obergruppenführer O b e r 11 n b • ober übermittelte ber Kriegermutter seine Herz- lichen Glückwünsche unb eine Ehrengabe. Ferner sprachen ber Gauobmann ber NSKOD., SA.-Grup- penführer Dippel, unb bie Kameradschaft Gießen ber NSKOV. ber Jubilarin herzliche Glückwünsche aus. Auch wir bringen ihr unsere herzlichen Wünsche zu ihrem morgigen Geburtstage unb für einen weiteren schönen Lebensabenb dar. Landkreis Gießen Leihgestern, 8. Januar. Ihre goldens Hochzeit können am heutigen Freitag, 8. Januar, ber Lanbwirt Johann Georg Be n b e r unb Ehefrau Christine, geb. Mattern, Rathausstraße dahier wohnhaft, in guter Gesundheit begehen. Dem Jubel« paar gilt auch unser herzlicher Glückwunsch. G. A -Sport. Gießener Fußball. Am kommenden Sonntag werden die Kriegs» Meisterschaftsspiele mit folgenden Begegnungen fort* gesetzt: 1900 — Rb. Friedberg Luftwaffe — Nidda Wölfersheim '4- Rb. Gießen. Die beiden ersten Spiele finden in einer Doppel» Veranstaltung auf dem Walbsportplatz statt. Im Vorspiel dürfte den Gästen aus Nidda gegen die Luftwaffe wenig Aussicht auf einen Erfolg einzuräumen sein. Hier dürste es sich lediglich um diö Höhe ber Torausbeute hanbeln. Bei ber Begegnung mit den Friedbergern müssen bie Blau-Weißen beweisen, baß ihr Sieg im Tschammer-Pokalspiel gegen VsB.-R. keine Zufallserscheinung war. Da Kraft II. als Antrieb im Sturm nicht zur Verfügung steht, ist bies eine schwere Aufgabe. Mit Deeg unb Koch hofft man jedoch bie Lücke zu schließen, so baß das Vorhaben schon etwas Aussicht auf Erfolg hat. Handball-Gauklaffe. LSV. Wiesbaden — LSV. Gießen. Zum ersten Spiel im neuen Jahr treten die Gießener Soldaten die Reise zu ihrem Namens- oetter nach Wiesbaden an. Obwohl diese als Neu- ling in der Gauklasse stehen, sind sie für alle Mannschaften ein beachtenswerter Gegner. Besonders die kampferfahrenen Frankfurter Vereine mußten deren Ueberlegenheit schon mehrmals anerkennen. Lange Zeit sah es sogar aus, als sollten sie bei der Vergebung bes Meistertitels ein ernstes Wort mit= reden. Durch eine überraschende Niederlage sind sie allerdings auf den dritten Tabellenplatz zurück- gefallen. Sie besitzen jedoch immer noch Möglichkeiten, in die weitere Entscheidung einzugreifen. Die Gießener werden daher einen schweren Stand haben. Neben einer nachteiligen längeren Ruhepause sind sie gezwungen, mit Ersatz anzutreten. Haben die Platzbesitzer keine Versetzungen einzelner Spieler rote bie Gießener zu verzeichnen, so werben bie Punkte in Wiesbaden bleiben. Das Vorspiel enbete mit 10:7 Toren für ben Gastgeber. Houptschristleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter bei Hauptfchriftleiters: Ernst Blumschetn. Verantwortlich für Politik und Bilder: Dr. Fr. W. Lange: für das Feuilleton: Dr. Hans Thyrtot; für Stadt Gießen, Provinz, Wtrtjchalt und Sport: Ernst Blumschetn. Druck und Verlag: Brühlsche Unwersttätsdruckerei R. Lange K. G. Verlagsleiter: Tr.-Ing. Erich Hamann: Anzeig-nleiter: Hans Beck. vlnzetgerwreisliste Nr. 6 4- bis SräumigeWolmung mit Bad, Zentral- od. Etagenheizung, sofort von höherem Beamten zu mieten gesucht. Schriftliche Angebote unter 0133 an den Gieß. Anzeiger. Korrespondent(in) mögl. mit Sprachkenntnissen, Exporterfahrung und gutem techn. Verständnis von Masch.- Fabrik in Wetzlar gesucht. Schriftl. Angebote unter 60D an den Gieß. Anzeiger erbet. Im Glauben an seinen Führer starb am 6. Januar in einem Reservelazarett nach langem,'mit großer Geduld ertragenem Leiden, das er sich im Felde zugezogen hatte, unser ältester, braver, hoffnungsvoller, unvergeßlicher Sohn, unser lieber, herzensguter Bruder, Schwager, Onkel, Neffe, Cousin und Pate, mein geliebter Bräutigam Walter Lindenstruth Gefreiter in einem Grenadier-Regiment Inhaber des Verwundetenabzeichens im blühenden Alter von 23 Jahren. Sein Herzenswunsch, den Endsieg zu erleben, ging nicht in Erfüllung. In tiefer Trauer. Heizungsmont. sucht 2-3-M-WHig. evtl. Bedienung ber Heizung. Schriftl. Angeb. unter 0122 an ben Gieß. Anz. Beamter sucht 1 oder 2 möbl. Zimmer für 1-2 Monate. Schriftl. Angeb. unter 0126 an den Gieß. Anz. Heinrich Philipp Lindenstruth und Frau Luise, geb. Müller Friedrich Döll, z.Z. Im Felde, u. Frau Anna, geb. Lindenstruth nebst Kindern Helmut und Marianne; Hans Lindenstruth, z. Z. Im Felde; Hilde Lindenstruth; Gertrud Schneider als Braut; und alle Angehörigen. Gießen -Wieseck, Alten-Buseck, Watzenborn - Steinberg, den 8. Januar 1943. Die Beerdigung findet Sonntag, den 10. Januar, nachmittags 3% Uhr, vom Trauerhause, Gießen- Wieseck, Eichenröderweg 15, aus statt. 64D Zwei möblierte Zimmer gesucht. Schr. Ang. unt. 0128 a. b. G. A. Wir suchen für unser. Betriebsassistenten ab sofort ein mööl.3iainier. Mietgesuche Mnulig oder Raum rumUntcrstellen von Möbeln zu mieten gesucht. - Schriftl. Ang. unt. 0147 an ö. Gieß. Anz. FungesGhevaar sucht 2-3-ZimJoliiig. sofort oder svät. Schriftl. Angcb. unter 0120 an den Gieß. Anz. Povve & Co., Gießen. Gummiwarenfabrik, Gießen i. H. Büroöllfe von Großbandl. gesucht, evtl. Anfänger od. Einstellung als Lehrling. - Beding.: etwas Fertigkeit in Stenographie und Schreibmaschine. Selbstgeschrieb. Meldungen unt. 54D an d. Gieß. 1 Anzeiger. Keine Ursprung!- loegnisse, iDitbem nut Zeugnis- absckirtslen dem Be werbung-lchreiben beilegen I — Lichtbilder undBewerbungSunte» lagen müfjen zur Ber- Meldung von Verlusten aus der Rückseite N» men und Anschrift bei Bewerbers trauen 1 1—2mal wöchentlich SlUlAWlse gesucht für gepflegt. Haushalt. Schr. Ang. unt. 0121 a. d. G. A. Suche Stelle als Miallstita b. älterem Herrn oder Dame. Sofortiger Eintritt. - Schriftl. Ang. unt. 0140 an o. Gieß. Anz. | Verkäufe | 14 Monate altes WWMM unter dreien die Wahl, zu verkaufen, sowie 1 Schwein von 100 5'cilogr. geg. 1 Mutterschwein z. tauschen. [eiD Lang-Göns, Obergasse 37. 1 Bettstelle mit Rahmen und Matr. 40,- 1 Nachttisch 6,- 1 kl. Tisch 5,- z. verkauf, [ono Günthers- graben 11p, 14-16 Uhr. Die Sprechstunden der Beratungsstelle „He lei Merloeigkeil ii der V .finden täglich außer samstags von 1154 bis 12Z4 Uhr in der Universitäts-Frauenklinik Gießen statt. 620 Schau- und Werbeturnen Sonntag, den 10. Januar 1943 in der Turnhalle zu Krofdorf unter Mitwirkung der Gebietsriege von Gebiet 13. Beginn 14 Uhr. 65d Turnverein Krofdorf. | Kaufgesuche | Wer bringt Möbel von Stuttgart nach Gießen mit? — Evtl. Beiladung. Schriftl. Angeb. unter 0146 an den Gieß. Anz. Wer bringt Klavier mit von Frankfurt nach Gießen? Schr. Ang. unt. 66D a. b. G. A. WWW und KlMerWmk z. kaufen gesucht. Schr. Ang. unt. 0117 a. b. G. A. Schule für OZitber z. kaufen gesucht. Wetten, Marburger Straße 117. oiss | Vereine | Kinder-Faust Handschuhe dunkelblau mit gelb-roten Streifen verloren. Abzug, geg. Belohnung bei [0144 Mementr, Lonystraße 7. Tamöt., 9. San., 20 Uhr [58D Jahreshauptversammlung im Burghof. Erschein. Kameradenpflicht. Standortleiter. [ Verschiedenes | MinllWer zu mieten gesucht. [0127 Annemarie Schwind, Stadttheater. KleineAn-eigen 'm Gießener Anzeiger werden von Tamenden beachtet unb gelesen. 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