Nn ötn Akern der Drins. Noma,, aus der Zeit der Annexion von Ernst Klein. (Nachdruck verboten.) (Fortsetumg.) Hassan mußte ja, daß Ljuba nicht der Mörder mar; aber er ivollte durch diese Beschuldigung die Wahrheit auS dem gcängstigte» Weibe herauslocken. Und das gelang. „Nein!" schrie sie schaudernd, als sie den Toten erblickte. „Das hat der Ljuba nicht getan. Nein, Gospodin, ich schtvöre eS dir beim Leben meiner Kinder, er hat es nicht getan. Das müssen die Fremden auf dem Gewissen haben." „Was für Fremde?" fuhr Hassan auf sie los. Das Weib sah, daß es sich verraten hatte. .Einen Moment lang zuckte ein harter Droh um ihre dürrnen Lippen. Mer Hassan mar unbarmherzig. Er riß sie mild in die Höhe und schüttelte sie. , „Weib," sagte er, mit unheimlich ruhiger Stimme, „mein, du nicht sofort die Wahrheit sagst, bei Allah, dann nagle ich dich an den Türstock deines Hauses."' „Gospodin," jammerte das arme Weib, „sei doch barmherzig! Ich bin doch schuldlos. Ich Hab' ja so viel schon geweint, daß der Ljuba mit den Fremden fort ist. Ich Hab' ihn gebeten, daß er es nicht tun soll. Die Herren in Sarajevo, die würden es doch erfahren. Und die sind so streng; Aber er hat ja nicht hören wollen. Und nun ist das Unglück ,da." In wilder Verzweiflung rutschte sie auf den ÄUien vor Desider und Franz hin. „O, Sie sind so große mächtige Herren," flehte sie, „tun Sie ifmt nichts! Er hat gesagt, er muß es tun, er kann sich dem Befehl, den sie ihm gebracht haben, nicht widersetzc». Sonst kommen die Komrdatschi heimlich von drüben und zünden uns unser Haus an. O, Gott, es ist doch so ein Unglück!" Der Jannner des Weibes mar ivirkltch rührend. Selbst der grimmige Hassan empfand das. Er hob sie auf und ließ sie los „Nun hör' mit dem Heulen auf," knurrte er, „und erzähle den Herren Offizieren genau, wie sich alles zugetragen hat." „Geschieht dem Ljuba nichts?" fragte sie mit verhaltenem Atem „Das hängt davon ab, ob du die Wahrheit sagst." „Ja, ja, ich will alles sagen, alles," rief sie hastig. „Heute früh, wir Ivollten gerade aufstehen, da klopft es Mi die Tür. Der Ljuba geht hin und Pracht auf. Da steht ein alter Bauer davor und fragt ihn, ob er der Ljuba Ljubanovic ist. Und dann hat er ihm ein geschriebenes Papier gezeigt. Darauf ist dann der Ljuba her ein ge kommen, hat seinen Rock genommen und wollte fort. „Ich muß!" hat er mir gesagt. Und dann hat er mir noch gesagt, er muß die Freinden übers Gebirge nach Sarajevo führen..." „Welchen Töeg?" unterbrach sie Hassan. „Ich glaube, Gospodin, den über Orahovica, Palez und über den Paß... In zehn Dagen längstens ist er zurück, hat er gesagt." „Hast du auch die Frau gesehen?" fragte Franz. „Ja, Gospodin; ich wunderte mich über sie. Alt schien sie und hatte doch Bewegungen wie eine Junge. Ich Hab' ihnen noch rasch eine heiße Suppe gekocht, bevor sie fort sind, da Hab' ich sie gesehen."; Franz und Desider wechselten einen raschen Blick. „Wann siud^ sie fort?" „Vor drei Stunden ungefähr." „Dann holen wir sie noch vor Pale» ein," sagte Efghi Hassan. „Wo haben sie den Wagen gelassen?" „Der steht hinten bei uns im Schuppen," antwortete das Weib. „Meine Herren," sprach nun der alte Gendarm zu den Offiziere», „jjetzt müssen wir zu Fuß weiter. Wir werden die Säbel bei den Dragonern hier lassen." „Was geschieht mit dem armen Bojan?" „Werden wir gleich machen, Herr Oberleutnant. Her mit dem Serdar!" schrie er den Dörflern zu. Der Serdar kam, furchtsam und scheu. „Hast wohl ein schlechtes Gewissen, alter Fuchs," herrschte ihn Efghi Hassan an. „Gospodin," jammerte der Bauer, „das Unglück____ das Unglück! Wir sind nicht schuld daran..." „Halt's Maul," schrie der Gendarm. „Paß auf, was ich dir sage. Du wirst den Taten aus deinen Wagen laden und nach Racoooc bringen. Ein Dragoner wird dich begleiten. So, vorwärts marsch, sonst spann ich dich in den Wagen!" Franz und Desider waren inzwischen vom Pferde ge- Dann wandelten sie los. mußte Winter, wo der unsicher tastende Fuß nirgends einen Halt fand, sondern aus dein gefrorenen Boden und dem EiS- geröll immer wieder abglitt. „Ein tollkühnes Wagnis von der Frau," sagte Franz, „um diese Zeit den Weg zu riskieren. Mint hat sie... . Himmelherrgott!" Desider erwiderte nichts. Er hastete mit verbissener Wut vorwärts, lief oft dem führenden Hassan voraus und trieb die Gefährten zu immer größerer Eile an. Sie kanien nach Orahovica, einem kleinen Gebirgsneste. Hier erfuhren sie, daß die Flüchtlinge vor ungefähr anderthalb Stunden durchgekommen seien. Zwei Männer und eine Frau. 686 — Nun begann erst der wirklich schwere Weg. Zunächst durch die wilde Schlucht des Aadar hindurch, dünn aus schwindelndem Saumpfad hinauf in die Höhe. Ein über das andere Mal schüttelte Franz den Kopf darüber, wie Olga, die verwöhnte, die verweichlichte Welt- dame, diese Schwierigkeiten zu überwinden vermochte. Eine leise Furcht mischte sich wider seinen Willen in die Bewunderung, die er für sie empfand. Wenn dem schönen, stolzen Weibe ein Unglück geschähe!... Nein, nein, er wollte nicht an sie denken, wenigstens nicht in dieser Weise. Sie war eine Feindin, hatte einen Mord auf dem Gewissen . . . Der Wind, der ihnen schon im Tal unfreundlich um die Ohren geblasen, wurde hier oben zum Schneesturin, hüllte Weg und Steg, Höhe und Tiefe inseinen wirbelnden weiße» Schleier. Mühsam kämpften sie sich zum Kamm empor und stiegen dann ohne Rast ins Tal hinunter. In Palez, das nur ein paar kümmerlichen, an den Berghalden hingeklebten Hütten bestand, sagte man ihnen, daß die Flüchtlinge kaum eine halbe Stunde vor ihnen das Dorf verlassen hätten. Also vorwärts, vorwärts! Immer wilder, immer gefährlicher wurde der Weg, der jäh aufstieg, um zwischen den trotzig-starre» Stückendes Zep und der Radova hinüberzuführen nach Podzeplje. Grimmiger und grimmiger heulte der Stur in, so daß sich die drei Männer oft aneinander halten mußten, jim nicht in die Tiefe geschleudert zu werden. In Franz zitterte die Angst um Olga. Er versuchte es gar nicht mehr, sie vor sich selbst abzuleugnpn. Ihm war es jetzt nur darum zu tun, das Weib zu retten, das herrliche Weib, mit der Feindin konnte er sich dann abfinden. Und dann sahen sie sie plötzlich vor sich. Keine zehn Schritte mehr entfernt. Frei und fest schritt sie neben den Männern her, von denen der eine, der junge Stojan, kaum noch weiter konnte. Die Verfolgten dachten an keinen Widerstand. Er wäre ja aussichtslos gewesen, zwei abgehetzte Männer und eine Frau gegen die entschlossenen Verfolger. Auf das erste Halt bliebe» sie stehen. Olga hatte ihre lästige Vermummung längst abgeworfen. Selbst in dem ärmlichen Bauerngewand sah sie aus wie eine Königin, deren stolze, furchtlose Haltung grell abstach gegen die gebrochene Mutlosigkeit ihrer Gefährten. Sie suchte mit ihren Blicken die Augen Franz', der wich ihr aber geflissentlich aus und half dem Gendarmen, die beiden männlichen Gefangenen zu fesselü. „Lassen Sie mich einen Moment ausruhen," bat Stojan. „Ich bin todmüde. Esghi Hassan blickte die Offiziere an. Desider nickte. Seufzend ließ sich der junge Mensch niedersinken. Keuchend kam der Atem aus seiner Brust, kraftlos sanken ihm die Lider herab. „Was fangen wir mit dem an?" fragte Desider. Efahi Hassan gab seine gewöhnliche Antwort; er zuckte die Achseln Da schlug Stojan die Augen auf. „Lassen Sie mich hier liegen und sterben," sagte er leise. „Ich bin ja sowieso verloren. Ich habe ja den Gendarmen erschossen . . ." Er schauderte. „Ter arme Mensch . . . aber ick) mußte ia . . . Lassen Sie mich hier, meine Herren. Es ist am besten so. Nur meine Begleiterin behandeln sie schonend. Sie ist schuldlos an dem Morde." ,-Aber was," rief Franz und beugte sich über deni Liegenden, „seien Sie doch ein Mann. Wir sind keine Barbaren und werden Ahnen schon hinunterhelfen." „Kommen Sie, Stojan Stojnnowitsch," sagte auch Olga mit ihrer weichen, vollen Stimme. „Es hat keinen Zweck. „Mir müssen uns fügen." An ihrer Hand richtete er sich empor. Rote Flecke» brannten aus seinem Gesicht. Bei der Nennung seines Namens war Desider zusam mengezuckt. „Wie heißen Sie?" fragte er. „Stojan Stojanowitsch," antwortete der junge Mann. „Mein Vater ist Universitätsprofessor in Belgrad. Der starke Osfizier wankte unter diesem Schlage. Nun war es nm jede Hoffnung geschehen. Er selbst war eS, der Helenens Bruder gefangen nahm, der ihn dem Kriegsgericht anslieferte ... An dieser Mimrte nahm er Abschied .von. der Geliebten. Langsam rang er sich zur Fässmcg zurück. Keine Mtiskel zuckte in seinem Gesichte, als er auf den Gefangenen zutrat, „Kommen Sie," sagte er mit heiserer Stimme. „Ich werde Sie stützen." Und so stieg der kleine Zug still und traurig nach Pale, hinunter. 11. Kapitel. In Palez verschafften sie sich einen Wagen und fuhren mit ihren Gefangenen nach Podgaj hinab. Mühselig war die Fahrt. Schritt um Schritt kam das kleine Fuhrwerk über den verschneiten Weg zu Tal und drückendes Schweigen lastete auf alle», die es trug. Der Ljuba saß da und hätte den Kops in den gefesselten Händen: von Zeit zu Zeit hob ein dninpses Stöhnen seine breite Brust. Er wußte, was seiner wartete, und er dachte an sein junges Weib, das er nun wohl für lange Jahre nicht Wiedersehen würde. Olga hatte sich in ihren Bauernpetz geivickelt. Bleich und ruhig war sie und hielt den Kops des armen Stojan anl ihrem Schoß. Ten hatten sie sorglich in Pelze und Decken gehüllt, und nun tag er da, regungslos, mit geschlossenen Augen. Nur seine Lippen zitterten leise und es lvar Olga, als flüsterten sie »»hörbare Worte, die aus der Tiefe seiner Seele emporscbtüpften. Nichts als lvarines Mitleid empfand sie für den Jüngling, der nm ihretwillen Leben und Freiheit geopfert hatte. Weich strich sie von Zeit zu Zeit mit ihren kühlen Fingern über seine glühende Stirn — aber ihre Augen blickten dabei scheu nach dem Männe, den sie liebte. Keine Niedergeschlagenheit, tein Zorn erfüllte sie, daß sie ihm als Feindin in die Hand gesallen war. Ihr geheimster Wunsch war in Erfüllung gegangen. Nun war fie in seiner Nähe und er selbst mußte dafür sorgen, dag sie es blieb. Taran, daß sie ihm ln Belgrad so schwer, Kränkung angetan, dachte sie mcbt, wollte jie nicht denken. Nicht eine Selunde zweifelte sie daran, dag es ihr hier in der Einsamkeit gelingen würde, seine Verzeihung zu gewinnen, denn daß er sie noch liebte, das sahen ihre scharfen Augen recht gut. Sahen es an der Art und Weise, wie er sich von ihr fernhielt und ihre Blicke mied. Stumm saß er da und schaute weit hinaus in irgendeine nebelhafte Ferne. Neben ihm saß sein Kamerad. Ter dachte an sein zartes Mädchen, und ihm war das Herz am schwerste» von allen. Was noch an Hoffnung in ihn: gegrünt und geblüht, das war nun vernichtet. Wie konnte noch die Schwester die Seine werden, wo er den Britder dem Todesspruch des Kriegs- erichtes übergeben mußte. Die Pflicht, die eiserne, nn>- armherzige Göttin, ging doch ihren Weg am liebsten immer über das innigste Gefühl hinweg. Stur Esghi hockte gleichmütig neben dem Kutscher, nn- bekümmert um all den Jammer, das Leid, die Hoffnungen und die Befürchtungen, die da hinten in dem kleinen Wagen zusammengepsercht waren. Er hatte seine Pflicht getan und rauchte zufrieden eine Zigarette nach der anderit. Neben menschliche Gefiihle und Schmerzen war Esghi Hassan erhaben. Spät anc Abend käme» sie und; Racovac zurück. Mit sinsteren, feindseligen Gesichtern nnistanden di« Strasuni und Dragoner den Wagen, tv-ährend die Gefangenen hernntergeschasst wurden. Keine zehn Schritte entfernt, im Wachzcmmer der Gendarmen, lag der ermordete Bojan, uitb mit Flüchen empfingen die Soldaten seinen Mörder. Nur die Anwesenheit ihrer Offiziere hielt sie davon zurück, über ihn herzusallen und den ermordeten Kameraden auf eigene Faust zu rächen. „An Strick um'» Hals dem Hund, dem verdächtigen," schrie ein Deutschmeister. „Für den ist die Kugel viel zu gut," stimmte ein anderer bei. „Gebt's doch Ruh', Kinder," jagte Franz, „ihr seht's doch, der arme Teufel ist selber halb tot." Ten Blick fest gradans gerichtet, schritt Olga hinter den zwei Dragonern her, die Stojan trugen. Die drohend eballten Fäuste der Soldaten, ihre Wut ließen sie un- erührt. „Hexe!" ries ihr einer nach Da warf sie den Kops zurück und sah dem Schmäher stolz ins Gesicht, so daß er unwillkürlich verstummte. Ljicba, der hinter ihr ging, hob nicht den Blick vom Boden. Er wurde in ein kleines, finsteres Gelaß gesperrt, das neben dem Wachzimmer der Gendarmen lag. Olga erhielt 887 i« Zimmer in dem Hause neben dem der Offiziere. Gin vstei« stand vor ihrer Türe, einer vor de» Fenstern. Klein War der Raum und wie alle in diesen kleinen, niedrigen! Hütten voll schlechter Luft — aber in ihrer Seele war ein! Mbcl und Lachen. Stojan nahmen Franz und Desider in ihr eigenes Haus. Das Fieber hatte sich über seinen geschwächten Körper geworfen und schüttelte ihn in glühenden Phantasien. Mehr der Form halber stellten sie einen Posten vor die Türe, hinter der der Todkranke lag. Sie wußten ja beide, daß er ihnen nicht entkommen konnte, ihnen nicht und nicht dem Tode. „Wir müßte» doch eigentlich einen Arzt für ihn haben," sagte Desider. Franz schüttelte den Kops. „Dem kann auch kein Arzt mehr helfen," erwiderte er. „Sft auch am besten für ihn. Wenigstens entgeht er so dem »krlegsgericht." Desider stöhnte dumps auf. „Ist es nicht wie ein Fluch?" rief er. „Sag selbst, Kranz! Muß gerade ich ihn sanken, in den Tod hiueiu- petzen! Wie soll sie je darüber hmwegkommen!" „Mein lieber Junge," sagte Franz. „DaZ Schicksal fragt nicht viel darum, ob es uns leicht oder schwer wird, diig Pflicht zu erfüllen. Mau ist eine Zifser, die einen bestimmte» Platz ausfüllen muß. Ist mau zuviel, wird man einfach Wegradiert." , „Das ist Hassans Lebensanschauung. Kismet!" „Nenn's, wie du willst. Oder kannst du's etwa ändern? Ja, du kannst es. Nimm einen Wagen, lege den arme«» Kerl drauf und kutschier' ihn hinüber. Dann wird dir S eine Schwester um den Hals fliegen — aber aus unser«, lode» zurückzukommen, diese Mühe kannst du dir sparen!" „Hör auf," murmelte Desider. „Ich komm' mir oh««ehin schon selber wie ein halber Hochverräter vor." „Narr," brummte Franz. „Was soll ich erst sagen..." Er verstummte plötzlich, von seinem Gefühl übermaunt. 8l»s Fenster trat er, um dem Freunde die Erregung zu verbergen, die mit einemmal über ihn gekommen ivar. Lange stand er so und starrte in die Nacht hinaus. Ms er B umwandte, zuckte es noch in seinem Gesicht, >«»ld die hsam niedergedrückte Glut leuchtete durch seine Augen. „Wenn ich dran denke," sagte er mit knirschenden Zähnen, „im Haus nebenan — Himmelherrgvtt, unsereins ist doch nur ein Mensch, und nicht aus Holz zusammen- aetleistert! Da im Hans nebenan. Keine zehn Schritt Hab' sch zn gehen ... u««d ich weiß, sie wartet aus mich. Sie hat Mich ein paarmal so angcschaut, weißt du... sie hat sehen müssen, was in mir vorgeht... Himmelherrgott... Desi... ich Hab' so verflucht wenig Talent zum Verzichten!" Einen Moment laug schwiegen sie beide, jeder mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt. Dann aber sprang Franz lauf und schlug mit der Faust auf den Tisch, daß die kleine asthmatische Oellampe in bedenkliche Schwankungen geriet. „Wir sitzen da und flennen uns gegenseitig was vor, tvie die richtigen Waschlappen," rief er. „Komm, ich weiß ein gutes Mittel, «in« uns aufzuheitern. Wir werden den hohen Herren in Sarajevo einen eingehenden Bericht abfassen. Das wird uns auf andere Gedanken bringen." Desider winkte mechanisch. „Ja, das müssen wir tun," sagte er. „Na, Gott sei Dank, daß du das einsiehst! Eklig ist nur die Geschichte mit dem armen Bojau. Wir können sie nicht verschweigen. Das sollen sie dann in Sarajevo besorgen. K glaube, wir werde» morgen beim Befehl auch unsere ite zum 'Schweife» darüber verhalten müssen. Na, und dann müssen «vir ,a wissen, was mit den Gefangenen geschehen soll. Wir haben doch anderes zu tun, als Gefängniswärter zu spielen .. In der Weise redete er aus Desider ein, bis er diese«» etlvas in die Höhe gerissen hatte. Sie aßen ihr Abendbrot, bestehend aus zwei harten Eiern, einem Stückchen Speck! und trocknem schwarzen Brot, und machten sich dann an ihren Bericht. Ms sie damit fertig waren, staub der Mond hoch am Himmel... Mitternacht war nicht mehr loeit. „Na, ich denke, heute haben «vir Ms das Bett ehrlich verdient," sagte Franz, seine »lusttltöscn Glieder reckend. „Servus, mein Jung«! Kopf hoch!" Und dann ging er in sein Zimmer hinüber. lFortsetzung folgt.) Nummer vierzehn. Ein« Episode aus der Weihnachtsrett von 1914, Von Feilst Frhr, von Stengltn. Sn einem großen Mietshanse von Berlin W. Ivar ein La- «arett eingerichtet. Im oberen Saal, wo sich 'vor dem Kriege ein Kino befand, waren dreißig Verwundete untergebracht, untei« zehn. Hier lag a««ch ein junger Soldat, der durch seinen Ernst und seine Stille auffiel. Seine Armwunde war zwar nicht ganz leicht, aber manche, die ähnliche Wunden hatten, sangen und rauchte», lasen Bücher oder erzählten sich ihre Erlebnisse. Ost gingen die Augen des stillen, jungen Soldaten mit einen« Ansdruck der Sehnsucht zu jener Gruppe hinüber, die sich da gewöhn- lich um den großen runden Tisch in der Mitte versammelte. Mehr als einmal halte Schwester Agnes, die Stationsschwester, ihn gefragt, ob er .Schmerzen habe oder irgend einen Kümmert Er wich mif solche Fragen immer aus.. Wenn sie dann aber gehen wollte, bat er flehentlich, sie möge noch, etwas bei ihm bleiben. Wenn er Hilfe brauchte, wünschte er wie ein verzogenes Kind sie nur von ihr. Sie war bestimmt und energisch in ihrem Wesen, aber ihre Hände waren so sanft wie die keiner änderest Schwester, und in ihren Augen lag, wem« sie bei ihrer Arbeit Ivar, ein Mglanz mütterlicher oder schwesterlicher Güte, War es das, was ihn so oft »ach ihr verlangen ließ? ^ Das Weihnachtsfest ivar nahe. In den Straßen standen die Weihnachtsbäunle zum Verkauf. Zwei stattliche Fichten waren schon für das Lazarett gestiftet und lagen in einen« Nebenraum bereit. Manche der Verwundeten hatten schon Sendungen von ihren Angehörigen erhalte«». „Heute bin ich gar nicht mit Ihnen zufrieden, Krüger," sagte Schwester Agnes zu dem jungen Soldaten. „Sie haben ja Fieber, und zwar ohne innere Berechtigung. Zur Strafe komme ich heute gar nicht mehr zu Ahnest. Erst müssen Sie sich wie eiir gebildeter Mensch betragen, denn das sind Sie doch, soviel ich weiß." Sic kam auch «virklich eine ganze Wefle nicht in seine Nähe, trotz seiner siebenden Blicke. Auw sie hatte mehrmals zu ihm hingesehen. Endlich, nach einigen Stunden, trat sie aber doch «vieder an sein Bett. „Na, jetzt scheint es ja zu gehen. Wir wollen mal messen." Sic steckte ihm das Thermometer unter den Arm und ging. Als sie nach einer Weile »ächgesehen hatte, meinte sie befriedigt: „Ein Lob! Das Fieber ist heruntergeganaen." Ein schwaches Lächeln verklärte sein hübsches Knabengesicht — er war erst siebzehn Jahre alt —, und dann streichelte er leise, zaghast ihre Hand. „Ich liebe Sie nämlich, Schwester Agnes." „Na, ja, Sic großer Junge," antwortete sie derb, „bekanntlich liebt man immer seine Peiniger." Damit wandte sie sich schnell ab. Er solgte ihr mit seine» Blicken, voll Zutrauen und Bewunderung. Die uin den runden Tisch hoben den Kopf, als sie in ihrer geraden Haltung vorüberging. Ter Oberlehrer mit der Brille nickte ihr gar zu und sagte: „Schwester Agnes, Ihr Verband sitzt aber großarttg. Morgen kann ich doch wohl Urlaub bekommen." „Nichts da, Nummer 16, vor Sonntag nicht!" erwidert« sie kurz. Der junge Krüger «vandle den Kopf auf die andere Seite und stuszte. Man «vußte nicht, was Man aus ihm machen sollte. Nieniand hatte ihn bisher besucht, und dabei hatte er doch gesagt, er habe seinen Ellern, die in Berlin wohnten, geschrieben. Das loar auch die Wahrheit; er verschwieg aber, daß er seine Adresse ntcht angegeben hatte. AM nächste:« Tage um die Mittagszeit ließ sich ein Herr der Schwester Agnes melden. „Womit kann ich dienen?" fragte sie wie jeniand, der nicht viel Zeit hat. Mit einem kleinen Lächeln sah er sie prüfend an. Sie hatte ihre hübschen Augen schon wieder abgewandt und lies, sie über den Raum und die Kranken hinschweifen. Ihre Blicke hatten etwas Unpersönliches angenommen in tzen zehn Jahren, da cs ihre Aufgabe war, bei Leidenden zn wachen. Ta hörte sie dm Herrn sagm: „Schwester Agnes, kennen Sie mich nicht mehr?" Sie sah ihn an. ,Llch kmne so viele —" „Auf Ihres Bruders Beerdigung —" Ta wurde sie sehr ernst und ließ das Haupt sinken. „Ich erkenn« Sie . . ." Sie gab ihm die Hand. Schioester Agnes Gedanken gingen weit zurück. Mir dem Bruder hatte sie das letzte Glück verloren. Damals war sie Schwester geworden. Sie sagte ihm deryleickien. „Und Sie haben inemandcn gefunden —" fragt- v't. „Wenn wirklich — das kommt und gehl. Es sind alles mir Nummern. Bei einer alten .Berwandtcn häb ich mein Absteige- 1588 juar'tier, sonst bin ich von früh bis spät in Anspannung bis ich todmüde ins Bott falle?' „Und Sie nehmen keinen Anteil an all denen —" „Wenn mal ein Interesse anfkeimt, es verfliegt ja doch bald wieder. Wer hat denn für uns Interesse? Wenn >vir fort sind, bewahren sie und zwei Tage lang eine sogenannte dankbare Erinnerung, dann sind wir vergessen, lind es ist gut so. Wir müssen hart sein." „Ja, ja, aber es ist schade, daß so tüchtige Menschen wie Eie nicht in den Lasen einer glücklichen Ehe einlansen ■*-" Sie wehrte lachend ab, „Nun tun Sie mir den Gefallen und höre» Sie auf, .Herr Pastor! Ich bin jetzt glücklich 33 und sehe aus >vie 43, Verbraucht und nie gelebt, gelebt und nie genossen i— 1 " Eine wehe Empfindung stieg in ihr auf, sie unterdrückte sie und fragte nochmals, was der Herr Pastor bei ihr wolle. Da sagte er, daß er wegen Georg Krüger komme, „Ach, wegen Nummer vierzehn? Nehmen Sie doch Platz, Herr Pastor! Was ist denn mit dem? Kennen Sie ihn? „Ihn und seine Eltern, Er ist also wirklich hier?" „Seit vierzehn Tagen Warum kommen denn seine Eltern „Ja, das ist solche Sache , , , Er ist ohne ihre Erlaubnis gegangen oder besser: er hat den, Vater die Unterschrift abgctrotzt, der Vater sagt, er habe die Angelegenheit nicht ernst genommen, nicht geglaubt, daß der Junge genommen werden würde , . , Mir scheint, da ist irgend ein Geheimnis, — Jedenfalls hat der Junge unrecht gebandelt, nicht einmal seine Adresse hat er jetzt angegeben, und man müßte ihm wohl mal den Kopf zurechtsetzen, Die Eltern zürnen ihm — " „Nun verstehe ich seine Schwermut , , , Aber ich kann sie heute nicht zu ihm lassen, Herr Pastor, Er hat Fieber gehabt , , , Sagen Sie den Eltern —" sie erhob sich —, „wenn sie 'versöhnt wären, dürsten sie Herkommen, sonst nicht. Ich kann die Verantwortung nicht übernehmen," Der Pastor nickte, „Vielleicht ist es gut so. Diesmal sollte das Fest der Liebe die Herzen doppelt weit öffne». Und Sie glauben, daß er die Freude ertragen könnte?" * „Sorgen Sie nur für eine gehörige Portion, Herr Pastor," Der Geistliche gab ihr die Hand, „Und Sic, liebe Schwester," sagte er eindringlich, „haben wieder einmal eine Ausgabe erfüllt, das muß Sie dl Vielleicht öffne» auch Sie in diesen Tagen Ihr Herz! beglücken. Damit ging er. Am nächsten Mittag stand Georg KrügecS Vater vor Schwester Agnes im Warteraum, Ein Mann in mittlerem Alter, mit wohl- wollendem, ehrlichen Gesicht, Es wurde ihm augenscheinlich schwer, die rechten Worte zu finden, „Der Herr Pastor hat mit mir gesprochen — Mein Gott, wir haben nur den einen Jungen! Und nun kommt Weihnachten, Ist er transportabel?" Sie legte die Hand in die Hüfte unb reckte sich auf, „Ich weiß noch nicht, ES kommt darauf an, ob er will," , „Auf ihn? Aber ich — der Vater —" „Na, Ihre Sehnsucht schien ja nicht sehr groß zu sein," Er schwieg, trommelte mit den Fingern auf den Tisch und «nttvortete dann mit zitternder Stimme: „Ich bin ein redlicher Kaufmann, hab'S zu etwas gebracht und bilde mir ein, well ich Treu und Glauben hochgehalten habe —" Etwas befremdet sah sie ihn an, und er fuhr fort: „Ich Hab'S keinem gestanden, auch dem Pastor nicht, ?lber mein Junge hat in seinem Brief Ihren Namen mit Achtung genannt, und ich sehe, daß Sie ein herzliches Interesse an ihm nehmen —" „Das ist mein Beruf," warf sic kurz ein, „Meinen Sohn entschuldigt vielleicht seine Jugend und sein« vaterländische Begeisterung, Und so bin ich denn nun auch entschlossen, ihm zu verzeihen, daß er auf dem Erlaubnisschein meine Unterschrift —" er holte tief Atem — „nackyeahmt hat nnd ohne Abschied von uns gegangen ist, da ich ihm die Erlaubnis verweigerte — nicht, weil ich mein Vaterland nicht liebe, sondern weil er mein Einziger ist und noch gar so juna —" „Jetzt begreife ich Ihr Verhalten," sagt« Schwester Agnes, „Ja, er ist ein jkind, aber doch ein Held, Ulnd nun soUen St« auch einen erfreulichen Anblick haben, Komuien Sie!" Sie traten in den Krankenraum, und Schwester Agnes tvieS dem Vater das Bett des Sohnes, An seinem Fußende stand ein Tannenbäumchen, das der Pastor als ein Symbol des Friedens und der Bersöhnung geschickt hatte. Der junge Verwundete lag mit gefalteten Händen und sah auf das Bäumchen wie aus ein unbegreifliches Wunder, Als die Schwester sich ihm näherte, sah ec aus, und wie Sonnenschein gings über seine Züge Sie trat neben sein Bett und fuhr leicht mit der Hand über seinen Kopf, „Lieber Junge, es ist jemand gekommen, um Sie zu besuchen. >fhr Vater ist Ihnen nicht mehr böse. Nun zeigen Sie, daß Sie ein Mann sind und es verdienen, nach Hause zu den Ihrigen zu kommen, Haben Sie Geschwister?" „Eine Schwester," hauchte er »nd sah sie mit großen Altgen an, „Wie muß die Schwester sich freuen!" Er sah an ihr vorbei und erkannte den Vater, Schtvester Agnes zog sich zurück, da stand auch schon der Bäte» neben dem Bett seines Sohnes, setzte sich bei ihm nieder und umarmte ihn, „Sieh', Vater, das Bäumchen I" An dem Bäumchen hing als einziger Schmuck das Eisern« Kreuz, .— Eine Stunde später verließen die beiden das Lazarett, Ein Auto stand draußen bereit. Der junge Mann gab Schwester Agnes zum Abschied die Hand, „Herrlich, Schwester Agnes, nicht wahr? Nach Haus«! Und Dank für alles! Leben Sie wohl!" „Leben Sie wohl, junger Man» . . ," Als er fort war, wandte die Schwester sich um, „Nummer vierzehn kann also wieder belegt werden," sagt« sie zu dem Wärter nnd ging ihrer Arbeit nach. viichertisch. • D i e M >i n ch e n e r K u » st z e i t s ch r i s t „2 i e R u n ft* (Verlag F. Bruckmann A.»G,, München) bemüht sich seit Beginn des Krieges mit bestem Eriolg, ihren textlichen und iüultrativeir Inhalt der Stunniimg der groben Zeit anznpaffen Hiervon gibt auch wieder das soeben erschienene Dezemberheil durch drei reich- illnstriertc Auiiätze Zeugnis: Der Aussatz „3 m bunten Rock' von Paul Westheim schildert tmS liöchst anschaulich die Entwicklung der Unstorm- und Soldatcnmalerei von den alte» Spaniern und Holländern ab bis zu Menzel »nd Trübner. Zum ersten Male wobt wird in einem umlongreichen, reichilliistricrten Zeltlchritten- aullatz Wilhelm v. Kobell behandelt, der Maler der Krieg« zu Ansang des vorigen Jahrhunderts, der ober auch reizvoll den Pserdespoil (Erstes Okloberiestrenncn in München 1810 usw.i und die Reize der Umgebung Münchens zu schildern weiß, lieber „M oderne Kriegs medaille n" spricht Max Bernhard, und wir sehen, daß der Kriea auch aus diesen Kmistzwetg seinen Einfluß auSübte, Epottmedaillen auf unsere steinde, Erinnerungsmedaillen und BildiüSplakellen zeigen uni, init welch glücklichem Eiter sich unsere Künstler hier bereits betätigt haben, Ebensalls dem Getühl der Zeit cnliprechen dürste der Aufsatz über Wandbilder von K Schmoll von Eisenwerth mit Abbildungen auS dem Nibelungen- zykluS im Eornelianmn in WormS u, a. Angeiührt seien noch die Betrachtungen über drn »Fall Hobler' und der große Aussatz über die .Roie-Livingstone-Stistung" in Frankinrt a. M. — Die .Kunst' erbringt den Beweis, daß es möglich ist, aktuell zu sein und doch im höchsten Grade künstlerisch zu wirken. Diese Aulgabe hätte kaum etn« glücklicher« Lösung finden können, als eS in den legten Heften der genannten Zeilschrilt geschehen ist, — H e I s e „ - K u n st k a l e n d e r. Unter der Hochflut der über den Weltkrieg jetzt erscheinenden Veröffentlichungen nimmt die von Otto Ubbelohde mit Bildern geschmückte und von Ehr. Rauch in Gleben herausgegebene KriegSausgabe deS Kalenders ,H es se n - K ttn ft“ (Verlag von N, G. Elwert, Marburg) sicher einen der ersten Plätze in künstlerischer Beziehung ein, Wir lrenrn uni »m so mehr, dieses Urteil ohne Einschränkung abgeben zu können, als die Weihnachtsgabe unserem Heimatboden entstammt und die Massenproduktionen der Großstadt, dt« alle! überschwemmen, in jeder Hinsicht tu den Schallen stellen. Der Kalender erscheint dazu znm Besten der Kriegsiürsorge. Sein Preis ist in diesem Jahr nur 80 Ptg, Der Verlag läßt soeben auch 7 ausgezeichnete KriegSpo st karten (Preis 60 Ptg.) erscheinen mit Zeichnungen von Ubbelohde, dl« ebenfalls dem Heffeu» Kunstkalender entnommen sind. Akithmogliph. 18 6 2 5 eine Waffe, 2 6 6 2 landwirtschastiiches Gerät. 8 4 6 1 2 ein Baum. 3 4 3 3 2 Stadt in Frankreich. 4 6 2 3 Tier an» der Ordnung der Insektenfreffer. 6 4 2 8 sranzösischer Marichall, 6 2 3 1 bedeutendste Großmacht der Erde. 2 6 2 7 Stadt in Böhmen. 7 4 6 4 Berg in der Schweiz. Die AnIangSbuchslaben der gesundeiieu Wörter ergeben der Reihe nach, von oben nach unten gelesen, den Namen «inei Operettenkomponisteii. Auflösung in nächster Nummer. Auslösung de» Diamant-Rätsels in voriger Kumme*! B Arm K r e i 9 B r « » I • ■ Falka Dan Schriftleitimg: Aug, Goetz - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'ichen UnlverfltälS-Biich- und Steindrnckerei, R, Lange, Gießrn.