Un den iäfcrn der Drins. Roman aus der Zeit der Annexion von Ernst Klein. (Nachdruck verboten.) 1. Kapitel. Die Kossuwa, der Herbsrsturm, heult durch die Straßen der serbischen Hauptstadt, peitscht den Menschen nadelscharfc Regentropfen ins Gesicht nno fährt wild in die Viesen Fahnen an den Häusern, daß sie laut knattern und zusammen- schlagen. Sonntag ist's, und die Geschäfte sind geschlossen. Aber trotzdem lassen sich ivenige Leute auf der Straße sehen. Wenn die Kossawa u>n Belgrad tanzt, sitzt e? sich viel dessen zu Hause am warmen Ofen, selbst wenn das Vaterland rusr wie beute. Es ist wieder ein großes Protestmeeting angesagt, mit obligaten Reden und darauffvlgen- pein Teinonstrationsunizug Dieses falsch«, übermütige Oesterreich Ungarn svU beute wieder einmal vernichtet werden. Besorgt jedoch blicken die Patrioten auf die unwirtliche Straße, prüfen den wvlkenbebangenen Himmel, horchen auf das Toben der Kossawa und schütteln die Köpfe Wenn das Wetter so cmhätt, braucht Oesterreich heute nicht zu zittern. Der serbische Patriot fürchtet nwhl nicht seine Kanonen, aber dem Schnuvfen geht er doch lieber aus dem Weg. Kalte Füße vertragt auch der glühendste 'Patriotismus nicht . .. „Ich bin neugierig, ob sie heute wieder demonstrieren werden," sagte der junge Baron Gudenberg und rückte sich behaglich in seinem Klubsessel zurecht. „Bon mir aus können sie macheic, was sie wollen," brummte der Legationssekretär Ghisa und zündete sich eine nene Zigarette cm „Aus dir Dauer wird die Geschichte fad. Wenn sie wenigstens bei euch im Konsulat oder bei nns in der Gesandtschaft ein paar Fensterscheiben einschlagen wollten. damit man endlich einmal mit den Herren serbischen Ministern aufdrehen könrrte. Aber sie wollen nns halt ibre Kultur beweisen " Die beiden Herren saßen im Rauchzimmer der österreichisch ungarischen Gesandtschaft. In dem kleinen Kamin knisterte lustig ein trauliches Feuer, und so bedrohlich die Weltlage anssah, von hier ans ließ sie sich weniger ungemütlich an. „Weißt du, Gudenberg," nahm Ghisa nach einiger Zeit wieder' das Gespräch auf, „gestern bin ich dem alten Fuchs, dem Pas chic, auf der Fürsr-Mtchael-Straße begegnet. Ich sag' dir, von einer Liebenswürdigkeit war er, von einer Liebenswürdigkeit! Ich bin überzeugt, da brauen sie wieder so eine heimtückische Sache zusammen. I« liebenswltrdiger so ein serbischer Minister ist, desto mehr muß man sich, in acht nehmen. Es ist auch zu dumm, daß st» den Forgach g'rad jetzt auf Urlaub gehen lassen." Girdenberg lachte. „Lieber Freund, ich finde das sehr schlau von den Herren am Ballplatz in Wien. Der Forgach als k. und k. österreichisch-nngariscber Gesandter hätte ein verdammt schweres Dasein hier. Was machen tvir, wenn er irgendwie insultiert wird, nicht wahr? Man will eben einem Konflikt aus dem Wege gehen." „Danke für die Belehrung!" knurrte Ghisa grimmig „Du hast leicht reden! Du bist Bizekonsul, gehst um neun ins Bureau und verschwindest wieder uni zwölf Wenn du in der Zwischenzeit drei Pässe unterschrieben hast, beklagst dn dich ivegen Ueberanstrengnim Ich aber sitze da, so wie ein Prellbock Ach, e? ist zum Teufel hole». Und da »nuß man immer höflich fein nno zuvorkommend. Herrgott, wenn man doch schon endlich einmal die Fäuste gebrauchen könnte!" „Hast recht, Ghisa!" sagte eine frische Männerstimme von der Dur her. Da standen zwei junge Männer, denen man auf den ersten Mick die Offiziere in Zivil ansah Der eine, mittelgroß, mit breiten Schultern und männlichem, gebräuntem Gesicht, war Franz von Lohnsperg, Oberleutnant bet der in Semltn stationierte» Eskadron der Pappenheiurdragv- ner, der andere, groß, schlank, mit iveichen, schwarzen Haaren und metancholischeii Träumeraugen. Desider Gronay, -Oberleutnant bei den Semliner Honveds. „Hast recht, Ghisa!" wiederholte Lohnsperg „Servus, Kinder!" Die beiden jungen Diplomaten sprangen freudig auf und begrüßten die Offiziere. „Daß ihr euch noch herübertraut!" lachte Gudenberg und schob ihnen vie Schachtel ,mt den Zigaretten hin. ..Man zieht sich so schäbig wie möglich an." antwortet« der Dragoner, „dann fällt man im neben Belgrad nicht auf. Ra, und ivenn die Pflicht ruft! Was Deji?" Sein Kamerad nickte lächelnd „Ihr seid mir ein paar liebe Vogel," nceinte der überanstrengte Herr Bizelonsul, „Wir hier in Belgrad halten Wache am Rande des Vulkans, opfern uns aus für da? Wobt des Vaterlandes und ihr führt das Leben pflichtvergessener Wüstlinge I" „Mutig zieht der Soldat aus dem Arm der Gelrebten in den Tod!" deklamierte Lohnsperg frei nach irgendeinem Dichter „Das ist ja nur der Neid, der au? euch spricht!" „Weißt du," sagte Ghisa, indem er kunstvolle Rauchringel in die Luft blies, „beinahe könntest du recht haben. Wie lang bin ich schon in Belgrad? Mir scheint, zwei Jahre. Na, mir ist es noch nicht gelungen, hier ein weibliches Wesen aufzutreiben, für das ich mich hätte begeistern können. Und in der letzten Zeit haben sie sich nicht nur mit Tugend, sondern auch noch mit Patriotismus gepanzert, so daß einem rechtschaffenen Oesterreicher das Leben hier verdammt sauer gemacht wird. Und ihr ungehobelten Kriegskneckte, die ihr nur Gastrollen hier gebt, habt euch jeder ein innig, minntg, süßes Lieb eingescmaen." 640 „Na, bei mir war das grab keine Kunst", erwiderte der K Dragoner. „Ich habe einfach alte Beziehungen wieder an- > geknüpft." „Hallo, das klingt ja interessant!"Und Ghisa pfiff leise durch die Zähne. „Aus Wien wohl. Na, ich will nicht indiskret sein und nicht weiter nachforschen. Und wie ist's bei dir, Gronah?" „Ich bin verlobt", antwortete der Offizier ernst. „Uff, also eine tiefe Herzensafsäre. Eine Serbin?" Der Ungar nickte. „Ja, eine Serbin. Ein reizendes, liebes Mädchen aber Kinder, tut mir den 'Gefallen, sprechen wir von was anderem. Sagt lieber, was gibt's neues vom Diplomaten-, schauplatz?" „Nichts von Bedeutung", gab Ghisa achselzuckeud zur Antwort. „Wir wissen nicht viel mehr als ihr. Da mühte ihr schon in Petersburg, oder in London ansragen. Dort ivird die Suppe gekocht, die Oesterreich auslösfcln soll. Hier sind nur die Drahtpuppen, die von Jswolsky und Greh gezogen werden. Und daraus, wie die tanzen, müssen wir uns konrbi- nicren, was die Hintermänner eigentlich ivollen. I» den letzten Tagen sind sie merkwürdig ruhig und freundlich, immer ein Zeichen, daß sie wieder was Neues aushecken. Der Teufel) soll sie alle miteinander Hosen!" „Aber nicht bevor wir ihnen tüchtig das Fell gegerbt haben!" rief Lohnsperg dazwischen. „So seit drei, vier Wochen rudert hier ein merkwürdiges Frauenzimmer herum", fuhr der auf einmal redselig ivcr- dende Legationssekretär fort. „So ein Mittelding zwischen Aristokratin und Hochstaplerin, die russische Gräfin Grckow — Was hast du denn, Lohnsperg?" Der junge Offizier war bei diesem Namen unmerklich zusammengezuckt, aber dem scharfen Auge des Diplomaten war cs nicht entgangen. Scherzhaft drohte er deni andern mit dem Finger. „Du, Lohnsperg, wenn du die Grekoiv kennst," sagte er, „geh' ihr lieber nicht in die Nähe. Sie soll ein ganz gefährliches Frauenzimmer sein. Was ich von ihr weiß, empfiehlt sie nicht gerade als Freundin eines österreichischen Offiziers." „Nanu, du wirst ja ordentlich dramatisch", lachte der Angeredete, jedoch das Lachen klang etwas gezwungen. „Am Ende ist sie gar eine Spionin?" „Ja, so was Aehuliches. Vor zwei, drei Jahren ist sie in Wien aufgetaucht und ließ sich dort in die Gesellschaft einführen; der Polizei aber fiel es auf, daß sie hauptsächlich Bekanntschaften mit Offizieren suchte, vor allem mit Generalstäblern — man forschte ihr so in aller Ehrbarkeit nach, und die Folge davon ickar, daß sie bei Nacht und Nebel verschwinden mußte." „Na, mir wird sie nicht gefährlich werden!" warf Lohn- sperg gleichmütig hin. „lind was könnte ich schon für Staatsgeheimnisse verraten?" „Ich weiß nicht. Sic ist ein blendend schönes Weib und darum doppelt gefährlich. Ich habe den Auftrag von Wien, sie ganz besonders scharf zu beobachten!" i,Do?" Ganz kühl und gelassen kam das Wörtchen über die Lippen des jungen Offiziers, aber er lehnte sich weit in seinen Klubsessel zurück, damit die andern nicht sehen könnten, wie ihm jäh eine heiße Röte ins Gesicht stieg. Er war daher inehr als froh, als gerade in diesem Moment zwei neue Ankömmlinge das Zimmer betraten, Major Bussen, der österreichische, und Baron Leegerst, der deutsche Militärattache, beide noch jüngere Männer mit energischen, klugen Gesichtern. „Meine Herren, eine Neuigkeit," sagte der österreichische Attache, als alle Begrüßungen ansgetauscht und alle Hände geschüttelt waren, „eine welterschütternde Neuigkeit! Heute S achinittag Punkt zwei Uhr großes Protestmeeting auf dem ürst-Michael-Platz! Fremde Gäste herzlich willkommen!" „Heute^bei dem Wetter?" fragte Gudenberg zweifelnd. „Der Sturm läßt nach, der Himmel beginnt sich aust- iuheiter». Ich weiß cs ganz positiv, daß der famose nationale Berteidigunasausschuß eben Sitzung hält, um daS Pro- « ramn, festzustellen. Ich kenne sogar schon daS Programm« stgend w ein Univcrsitätsprofefsor wird eine Rede reden. 6ann wird ein Italiener im Namen seiner hier lebenden landsleute den Serben schwören, Oesterreich zu vernichten, rin echter Garrball inner im roten Hemd wird auch dabei «IN Attraktionsnummer allerersten Ranges, bitte! Dann »ierlicher Umzug mit Fahnenschwenken und Gebrüll. Rede des Naiionalhelden Nummer eins, Sr. königlichen Hoheit des Kronprinzen. Hieraus Antwort des Nationalheldcn Nummer zwei, des Präsidenten des nationalen Verteidigungsausschust> ses, des Herrn Nuschic, ehemaligen Theaterdirektors in Neusatz. Endlich Demonstration zu Ehren des englischen Gesandten. Und das ist die Hauptsache! Nämlich die Million Pfund, die England vor fünf Wochen so unter der Hano hergeschickt hat, ist alle. Und ein paar serbische Patrioten! haben nichts davon abbelommen, man denke sich! England soll also nur Moneten gusladen, damit alle Patrioten belohnt werden können!" „Tas Traurige an diesem Possenspicl," sagte Baron Leegerst mit seiner scharfen preußischen Ossiziersstimine, „ist das, daß diese oberfaulen Kerle mit ihrem Humbug die ganze Welt zum Narren halten. Ihr Oesterreicher habt eine wahre Engelsgeduld mit der Gesellschaft. Mal 'n paar Regimenter her, und die Herren Paschte, Nuschic und lvie die icc alle heißen, sind nicht mehr zu sehen und zu hören. Ich wette, wenn Sie, Herr Kamerad, mit Ihrem Zug Pappcnheimdragoner mal so '« bißchen durch Belgrad spazierenreiten, rennt die ganze Stadt davon." „Na, Herr Major, ganz so arg ist die Sache nicht," entgegnete Lohnsperg lachend. „Feig sind die Serben nicht. Sic haben sich gegen die Türken ganz gut geschlagen." „Tas mag sein. Ter serbische Soldat ist gewiß nicht schlechter als andere, aber er hat nischt anzuziehen, nischt zu schießen und nischt zu fressen — nee, meine Herren, dal ist ooch nischt mit der Tapferkeit!" „Tas Volt hat einen ganz guten Kern," mischte sich Ghisa ins Gespräch, „aber die sogenannte Gesellschaft ift> wie Sic sagen, Herr Major, oberfaul. Alles korrumpiert durch und durch, wie immer in einem Lande, in dem Politik der oberste Beruf ist. Und der einträglichste." „Ja, du hast ganz recht," ries da Grouay, der sich bis dahin ganz still verhalten hatte, und eine leise Erregung zitterte durch seine Stimme. „Tas Volk verdient gewiß nicht, über die Achseln angesehen zu werden. Es ist fleißig, genügsam und intelligent. Aber seine Führer sind es, die das Land zugrunde richten. Und wir dürfen doch eines nicht vergesst». Ob mit Reckst oder Unrecht, der Hofsnungs- traum der Serben war ja nun einmal die Bereinigung mit Bosnien, die Gründung eines großscrbischen Reichs. Und diese Hoffnung haben mir ihnen jetzt aus immer zerstört. Ich glaube nicht, daß diese anfflammende Bcgeiste- rnng Schwindel ist. Die sogenannten Patrioten sind vielleicht Schwindler -- " „Nicht nur vielleicht, sondern ganz bestimmt!" warf Ghisa ein. „Gut, zugegeben," fuhr der junge Offizier, immer eif- riger werdend, fort. „Aber das Volk ist wirklich in allen! seinen Schichten erregt. Ich bin lein Politiker und kein Diplomat »nd will mir daher über die Verhältnisse kein Urteil erlaube», ich meine aber, wenn das Keine Serbiens den Kampf mlt dem große» Oesterreich aufnehnien wilF so zeugt das nur für einen Heroismus) der doch gewitz nicht lächerlich ist," „Sie haben ja merkwürdig viel Sympathien für die Herrn Serben, Kamerad," sagte Leegerst mit nachsichtigem Lächeln. Gronah hob stolz den schönen Kopf. „Ich will nicht leugnen," entgegnete er, „daß ich serbisches Blut in meinen Adern habe. Meine Mutter war eine Serbin aus Essegg. Vielleicht kommt es daher, daß ich den Serben gegenüber gerechter bin als alle meine Kanieradcn. j Ich kenne sie nämlich, .Herr Major. Herr Major Bussen n»b ! mein Freund Lohnsperg werden es Ihne» bestätigen, daß, viele Serben in unserer Armee als Offiziere und Soldaten ! dienen, und sie sind nicht die schlechtesten. Ich kann das ruhig sagen, denn ich selbst fühle ganz und gar nicht serbisch. Mein Vater war ein Stockmaghare, ich bin ungarisch - erzogen, habe ungarisch denken und fühlen gelernt seit meiner frühesten Jugend auf. Ich bin Ungar mit Leib untz, Seele. GS ist nur die menschliche Gerechtigkeit, die nrich so sprechen läßt, Herr Major." Die Anwesenden schwiegen, ganz betroffen, so ernst hat«! seine Stimuie geklungen. Major Leegerst aber erhob sich nach einer kleinen Weil« und trat mir auSgestreckter Hanaus den jüngeren Karneraden zu. „Herr Oberleutnant," sagte er voll Wärme, ,,gvv» Sprache macht Ihnen all« Ehre. Ob Serbe oder Unmrr oder Deutscher, ich glaube, daS kommt in der östevreichisch-unga- 64T rischen Armee auf eins heraus Der österreichische Offizier ist eben der österreichische Offizier. Nichts mwereK. Aber S denke, das rst genug. Und niemand weih das besser, als r draußen im Reich." Und als Echo zu diesen Worten klang von einer entfernten Straße herüber das Gebrüll einer Rotte junger Burschen, die zu dem Meeting zogen. „Dole Anstria!" schrien sie. „Nieder mit Oesterreich!" (Fortsetzung folgt.) Die hundert Tage. IWman aus dem Jahre 1815 von M. von Witten. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Wer weiß, was Wahrheit, was Lüge von seinem Gerede! Ich glaube kein Wort! ---> .Herr von Jager!" Mit beschwörender Bitte streckte sie die Hände gegen ihn aus. .Baben Sie nie bedacht, daß Sie sich vielleicht irren, daß irr vielleicht ein Mißverständnis zugrunde liegen könnte? das Leben spielt mit uns so sonderbar! Wenn Sie Toska noch lieben, dann fordern Sie Rechenschaft von ihr selbst! Liehen Sie zu ihr!" Da schnellte er empor. „Nicht um eine Welt! Mein Gott!" Seine Hände faßten an die Schläfen, als träume er oder sei nicl>t recht bei Sinnen. „Ist denn das Empsindungsleben von Mann und Weib so grundverschieden? — Sie, die ich hochachte, wie kein anderes Weib sonst auf Erden, Sie muten mir zu, Toska, die mich verließ —?!" „Weil er Ihrer nicht würdig ist, die mit einem so niedrigen Verdacht zu beschmutzen, die Sie einst Über alles geliebt!" „Einst? — Einst?" Er lachte rauh. Es war ein Lachen, in dem Hohn und Qual sich aufs bitterste mischten. „Ist bet :nch Frauen die Liebe von so kurzer Dauer?--" er riß ich zusammen mit knirschenden Zähnen. „Aber ich sage )hnen, Erdmuthe — und wenn ich darüber zugrunde gehen ollte - ! Ich täte nie den ersten Schritt!" Sporenklirrend riß er die Backen zusammen, nahm seinen Tschako und stürmte hinaus. Erdmuthe blickte ihm nach. In schmerzliches Grübeln verloren. Dann aber ging ein Sonnenlächeln der Hoffnung Aber ihr.Gesicht. In den Straßen und auf den Plätzen von Paris lagen die preußischen Truppen im Biwak. Die brandenburgischen tllancn mit der übrigen Reservckavallerie des Zietenschen fforps in dem Tuileriengarten, diesem großen, schönen Park, der unter Ludwig XIV. von Le Nötre angelegt, sich vor den Tuilericit längs der Seine hinzieht. Es war nun die vierte Stunde des Nachmittags. Tausend von geputzteil Parisern und Pariserinnen wandelten Unter den prachtvollen Bäumen des kleinen Waldes zwischen Aren Besiegern dahin, als sei man im tiefsten Frieden, keichisinnig kokette Neugier oder großäugiges Erstaunen war her Ausdruck, der sich bald mehr, bald weniger auf allen ßfesichlcrn ausprägte. Napoleon war vergessen, wie ein nächtlcchcs Phantom, flüchtig irrte er an der Nordküste Frankreichs umher. Und dafür lvar Ludwig XVIII. eingetrosfen mtb in die Dnilerten eingezoae». ohne daß die Pariser, ohne daß die Preußen groß Notiz von seiner Ankunft genomnien hätten. Erdmuthe, im schlichten, tiefschwarzen Franengewand, f ine» Schutenhnt auf dem kurzen, strohgelben Blondhaar, chritt zielbetvutzt durch die Straßen. Es verursachte ihr ein —u; eigeicartiges Gefrihl von erhebendem Stolz und iibcr- ömendem Dankgefühl, all diese bunten Uniformen ihres ,.ütcrl1«( selbst der Tod!" Mit heißer Angst in den Augen bog sich Erdmuthe vor, um Toska inß Antlitz zu schauen, um ihr Innerstes zu ergründen. lieber das schöne, blasse Gesicht zuckte und wetterleuchtete der Schmerz. „Daß er mich so verdAchtige» — mich so in meiner Frauenehre verletze» konnte." Mit jähen. Aufschluchzen wandte sie sich ab. „ArnieS Kind — „Nein, nein!" Ohne sich umzuwenden, streckte sie abwehrend die Rechte gegen Erdmuthe aus. „Bedauern Sie mich nicht! Vielleicht habe ich wirklich so harte Strafe verdient! Aber es ist, bitter - bitter, sich so verkannt zu sehen, wo — wo r— man —i liebt —Die Worte erstarren. Mt! SIS raschem Schritte eilte sie vorwärts über den Kies. WS treib» sie die Scham von Erdmuthe fort. In einer blühenden Geisblattlaube blieb sie aufatmend stehen. Sie ergriff einen der lose herunterhängenden Zweige und drückte einen Büschel der duftenden Blüten gegen ihr« heiße Stirn. Dann richtete sich ihre prachtvolle Gestalt hoch auf. Einer Fürstin gleich stand sie Erdmuthe, die langsam herankam, gegenüber. „Erdmuthe! Ich würde keinen Augenblick zögern, zu ihm zurückzukehren und ihn um Vergebung bitten, weil ich ihn verlassen! Aber — so beschimpft durch ihn selbst — so verzerrt wie ick, mein Bild in seiner Seele sehe, so vermag ich's nicht. Selbst wenn er beute meinen Versicherungen Glauben schenken würde, morgen würde der Zweifel dock wieder in seinem Herzen emportanchen und das ertrüge ich nicht! Jede Ehe braucht das höchste gegenseitige Vertrauen, um eine glückliche zu »verden. Die unsere doppelt. Sein Vertrauen aber ist in seinen Grrmdscsten erschüttert. Lassen Sie uns beide getrennte Wege gehen!" Erdniuthc erblaßte. „Toska! Verscherzen Sie Ihr Glück nicht! Otto lebt Ihnen noch! Tagen Sic mir ehrlich, steht noch etwas aw- deres zwischen Ihnen?" rief sie mit eindringlichem Flehen. „Nichts! Nichts!" Mit einem geauälten Ausdruck schüttelte Toska das blonde Haupt. Tiefe todwehe Müdigkeit in den Augen, senkte sie ihren Blick in den Erdmuthens. „Der Koloß, der sich zwischen mich und Otto geschoben, er ist in sich zusammengestürzt. Er riß meinen Vater mit in den Zusammenbruch hinein. Der ist nun tot. Und lebte er, so würde er heute meine Ehe segnen!" Und rascher, indem ein leichtes Rot ihr blasses Gesicht überzog, fuhr sie fort: „Aber ivenn sich auch die ganze Welt zwischen mich und Otto drängmi wollte, heute würde ich doch den Weg zu ihm finden — wenn er nicht selber die Brücke zwischen uns abgebrochen -- !" Toska schwieg, die feinen Livpen auseinandergcpreßt, das Auge am Boden, lind auch Erdmuthe schwieg, tiefe Trauer im Herzen. Es war so still zwischen den beiden Frauen, daß man die Bienen summen hörte, die die Blüten mit süßem Liebesioerben umgaukcllen Ein paar Schmette» linge taumelten kosend dahin. Ecu schiorrer süßer Dust hing in der Luft. Hoch stand die Sonne am Himmel. Der ganze Garten atmete auelltieses sonimersattes Leben. Erdmuthens Herz zog sich zusauimen. lind die, die da wie eine Königin des Lebens und der Schönheit vor ihr stand, die sollte ihre Tage in düsterer Trauer verbringen? Jetzt, wo es noch Zieit für sie war, glücklich zu sein? „Toska, wollen Sie mich morgen nachmittag auf eine Stunde besuchen? - Sei es auch nur, um voneinander Abschied zu nehmen. Ich kann Ihnen heute noch nicht kür immer Lebewohl sagen!" Toska hob die Lider. „Gern werde ich kommen." Sie streckte Erdniuthc di» t and entgegen. „Wie einsam wird es dann um mich sein!" röstelnd im heißen Mittagssonnenschein zog sie die Sckub- trrn zusammen. Noch ein Händedruck. „Also auf morgen denn!" „Ja, bis auf morgen!" (Schluß folgt.) vermochte». " Rumänien - ei » » eue « Goldla » d. Runiäniei, galt schon im Altertum als Goldland, doch ist bl« in die neuest« Zeit, vor allem ans Mangel a» Kapital, wenig zur Ausbeute der Goldlager getan worden. Scho» die Römer entdeckten in dem damalige» Dazten in den Flnßlänien Gold und belasten sich mit dessen Ausbeute, indem sie die Einheimischen zuni Schürse» anhielten. Tie Fm,de sollen recht beträchtlich gewesen sein. Wird doch die Sage vom goldenen Blieb damit in Eiirklang gebracht da die LandeSbcwohner di« Gewohnheit halten, das gesunden« Gold vor den Röinern in di« Wolle ihrer Schale zu verliecteu. Jetzt hat man tm Norden de» Lande», an der rumänischen Grenze, ivteder begonnen, die Goldseider auSzubeulen. So sind mit lehr rinlachen Mitteln bel Schürioersuchen im Gebiete von Balcea gegen 40 Kg. Gold zutag gelördert ivorden. Man prägte, wie der „Prometheus" erzäbit, aus Hm«» eine Denkmünze, die dem verstorbenen König Karol überreicht wurde. Auch Geldstücke z« 1V und AI Lei wurden geschlagen und zum öüjährigen RegternngS- inbiläum de? verstorbene» Königs lm Jahr« 1916 wollte nian an! neuere» Funden wiederum goldene Denkmünzen prägen. Otto Weddtgen» schneidiger Humor. Man schreibt »ns: Das war ein iröhllches Leben am Strande von Swtnemünde tn der Hochsaison de» SomnierS 191.1 Am lebendigsten ging e« immer zu, wenn v. M. viffztrr« zur Cd im der längt der Küste manövrierenden Krieg»flotte zu Urlaud och Land kamen. Dann waren sie schnell der Mlitelvunkt eine« Kreise» von jungen Mädchen, deren unzertrennliche Geiährlen tn Sporch Spiel und Tanz sie mit der Zelt wurden. Dt« größte Roll« unt»» ihnen spielte der Kapitänleutnant Otto Weddtgen, der immer voll»» Unternehmungsgeist und lustiger Etniäll« steckte. Tine« Nachmittag! hatte er die jung» Schar zu einer Besichtigung leine» Unterseeboote» «ingeladrn; eS war „v 9", dessen Heldentaten zusammen mit denen Ihre« Kommandanten jetzt die Welt erillllen. Alle! wurde mit grobem Interesse besehen, die Ossiziere waren unermüdlich im Erklären. „Was ist denn das ?" fragt» «ine der jungen Landrallen den sie lübrenden Kapitänleutnant Weddlgen und zeigt« aui den aus Deck liegenden großen Telephonballon. (Der Telephon« ballon der Unterseeboote steigt bei einem EchtffSuniall zur Wasseroberfläche empor und bezeichnet so die Stelle, wo daS Boot gesunken ist.) »Da«, inein gnädiges Fräulein, ist unser Leickienstein", lcmtete die Antwort. Und als dein Sprechenden erschrocken« Blicke begegneten, fuhr er lustigeti Tones fort: »Ja, mein« Damen, ivas habe ich Ihnen gesagt? Wir sind hier so komplett »nd s» sehr mit alleni Konckort emgerichtel, daß wir sogar unseren Leichenstein gleich bei unS haben 1* Schneid im Scherz und Schnrid tm Ernst, — dar sind unsere Helden zur See! vüchertisch. — Wo sind unsere Gelehrten? Infolge de» Kriege! haben viele unserer geistigen Führer ihre Forscher- und Lehrtätigkeit anigegebe», um dem Ruse zur Fahne Folge zu leisten oder ihre Kräite sreiwillig tn den Dienst de« Vaterlandes zu stellen. Eine Reihe namhaiter Gelehrter beiand sich bereit? bei Kriegsausbruch a»i Forschungsreisen und können jetzt zum Tei! nicht zurück. Um über de» jetzigen Ruienthalt und Wirkungskreis unjerer Forscher und Universitätslehrer Freund«, Bekannte und Schüler zu unterrichten, veröffentlicht die „Umschau", Wochenschriil über di« Fortschritte in Wissetlschast >:nd Technik (Franksurt a. M.) neuerdings alphabetisch geordnete Verzeichnisse über die derzeitigen Adressen unserer Gelehrten, inil Angabe ihrer Tätigkeit seit der Kriegserklärung. Bei de,n hohen Jntereffe, ivelcheS da? ganze Volk an unseren geistigen Führern »im,nt, wird diese Einrichtung vielen willkommen sein; bietet sie doch die Möglichkeit, auch während bei Kriege« Beziehungen z» unserer Gelehrtenwelt zu unterhalten. Lied. Im Osten erhob sich«, iurchlbar >md groß, Ein blutiger Reiter, ein blutige! Roß, Umlodert von düsterem, flackerndem Schein, Jagen sie ivild in die Welt hinein. Die Saaten verdorren in praffelnder Glut, Es dampien die Felder von irischem Blut, ES pseisen die Kugel», es iviehern die Pferde, Und tausend Tote decken die Erde. Die Brüder stürme» darüber HM. „BorivärtS", eS gebt nicht uni Gut und Gewinn, ES geht um die Freiheit der deutschen Lande. Da stürmt e« herbei von der Nordsee Strande, Aus Preußen und Bayern, von Elbe und Rhein, ' Und stürzt sich voll Mut aus die Feinde hineM. Ihr habt uns gezwungen, ihr wolltet den Krieg, Wir wollen mehr, wir wollen den Steg. Wir halten de» Schwur und lösen ihn et», Wir lallen »nd siegen als „Wacht am Rhein." RethonvillerS, 5. Oft. Otto Neurath, eand. phil z 3' >m Felde krlegsfreiw. Dragoner. Magischer Anadral. In die Felder nebenstehenden Quadrat! sind die Buchstaben AEEEEEIKLLNKBR U T derart einzntragen, daß dl« wagerechte» u, senkrechüReiden gleichlautend salzende» bedruten: 1. Einen Raubvogel. 2. Fluß in Norddeutschland. 8. Eine Kulturpflanze. 4. Weiblichen Vornamen. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Schach-Auigab« in voriger WumflWti Weiß Schwarz 1) L f 8 — e 2 Xk7-k8oderAiund») 2, D a2 — a 8 + T e 6— e8 3) Di8—f8+ und matt. A) 1)...... Kf 7 — *8 2) Da8 — a 6 + Ee8 —S7 oder k7 8) L e 2 n. b 5, oder DaS — p 8 setzt Matt. S) 1)...... K 17 — g 6 2) D a 2 n. e 8 4- K g 6 — g 5 8) D e 6 — f 6 -f unb Matt. Schrlstlettnng: Aua. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnIversitätS-Btich- und Stetndruckerel, R Lange, Gteßrn.