Die hundert Tage. kitoman aus dem Jahre 1815 von M. von Mitten. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Am nächsten Vormittag, nachdem Blücher Koblenz verlassen, hatte Erdmuthe noch ein paar kleine Stücke ihrer Nusrüstung eingekauft. Den größten Teil hatte sie sich bereits in Berlin angeschafft. Nun stand sie in der schmalen Kammer, die sie sich in einer der Straßen der Altstadt für die Nacht von einer biederen deutschen Frau ermietet, welche sie mit ins Geheimnis gezogen, und langte nach der Schere, um sich das Haar abzuschneiden. Sorgfältig ausgebreitet lagen die bunten Uniformstücke auf Sofa, Tisch und Stühlen. Und dazwischen trippelte bewundernd und staunend die kleine dicke Wirtin mit ihrem gutmütigen, ehrlichen Gesicht. „Na, Madamchen, es wird wohl 'n bißchen sauer, das lange Haar runter zu schneiden?" „Dies storre, glatte Stroh?!" machte Erdmuthe fast verächtlich, indem sie der Wirtin eine ihrer beiden Flechten entaegenhielt. „Wcnn's noch seidige Locken wie die der Ferdinande von Schmettau wären!" „Wenns, auch man nur storr wie Stroh —i 's sind doch zwei lange dicke Zöpfe!" meinte die Alte und bewegte den kleinen rundlichen Kopf mit der dicken Haube wägend hin und her. „Und langes Haar ist doch nun mal unser schönster Frauenschmuck!" „Mütterchen, Ihr vergeht, daß ich ja ein Junge tverden will!" Und: ritsch — ratsch — ritsch — ratsch! — die Zöpfe fielen zu Boden. Frau Mehlhorn bückte sich schwerfällig und hob sie bedauernd auf. Erdmuthe aber ließ sich nicht tveiter stören, und, die Augen unverwandt auf ihr Bild in dem schmalrahmigen Hängespiegel gerichtet, schnitt sie rücksichtslos au ihrem Haupthaar herum, bis sie endlich eine ganz leidliche Frisur zustande gebracht hatte. Nun erst blickte sie sich fragend nach der alten Frau um. Die aber hatte geräuschlos das Zimmer verlassen. SchneU entschlossen verriegelte sie da die Tür, streifte ihre Frauengewänder ab Und griff zu den Unisormteilen. Und während sie das graue, rotgepaspelte Beinkleid, das grüne, bis an die Hüften reichende Kollet mit dem kurzen Rückenschößchen mechanisch, aber mit kundiger Hand anlegte, gingen ihre Gedanken zu Mann und Kind. Das Bübchen war gewiß nun schon tn Königsberg bei der Großmutter eingetroffen. Ä:dmuthe hatte es nur bis Berlin gebracht; dort hatte ihr Baker das Enkelkind in Empfang genommen. In der Ueberzeugung, daß angesichts des drohenden Krieges seine Tochter m,t dem Kinde in aller Kürze nach Haus zuriickkehren würde, war er ihr bis Berlin entgegengereist. Hier hatte er sie im Hause seiner einzigen Schwester erwartet, da er wußte, daß Erdmuthe hier Station machen würde. Freilich war der fünfzigjährige, noch sehr rüstige Mann anfänglich nicht damit einverstanden gewesen, daß seine Tochter, die er sehr liebte, in die bedrohten Gegenden zurückkehren wollte. Mer er, der mit seiner Frau selber in sehr glücklicher Ehe lebte, fühlte es ihr nur zu sehr nach, daß sie dem Gatten nahe sein wollte. So sprach sein eigenes Herz wider ihn und gab Erdmuthe recht, die ihm allerdings von ihrem Vorhaben, als Freiwilliger einzuireten, nichts verraten hatte; und schließlich willigte er, wenn auch voll schwerer Besorgnis, in ihre Rückkehr nach Luxemburg ein. So war es gekommen, daß sie schon jetzt wieder am Rhein sein konnte. Wie würde sich Ulrich freuen, sie schon so bald wieder in seiner Nähe zu wissen! Dessen war sie gewiß in jenem ruh vollen, tiesseligen Bewußtsein des Zueinander- gehörens, in jenem unerschütterlichen Vertrauen, das das Wesen ihrer Ghe aus,nachte. — Daß er vor ihrer Rückkehr! erzittern könnte, in dem Gedanken, sie, sein Weib, sein Heiligtum auf Erden, vielleicht durch eine unglückliche Kugel zu verlieren, das kam ihr gar nicht in den Sinn. In sich hineinlächelnd, schloß sie den roten Kragen. Wer gleich darauf glitt ein Schatten über ihr Gesicht. Wie vermochte sie nur über eigenem Glück selbstsüchtig des Freundes zu vergessen, den sre, das sagte ihr das Herz, in gramvollster Verzweiflung zurückgelassen? Was war aus Toska geworden? Bis zu Erdnluthens Abreise war sie nicht wieder in die Wohnung ihres Mannes zurückgekehrt. Und Otto hatte sich in starrem Trotz vor den alten Freunden verschlossen und ihnen seit jener Stunde auszuweichen gewußt. So hatte Erdniuthe ihn vor ihrer Wreise überhaupt nicht mehr gesehen. Wie würde sie ihn wiedersinden? Hatte er inzwischen wohl ein Lebenszeichen von Toska erhalten? Der Säbel, den sie umschnallte, klirrte am Boden. Der harte, helle Klang rief sie zu sich selbst und in die Gegenwart zurück. Ihr Auge traf aufblickend den Spiegel. Erschrocken fuhr sie zusammen. Fast hätte sie sich selbst nicht wiedererkannt. Das kurze, seitlich gescheitelte Haar — die bunte männliche Kleidung — —! Mer gleich darauf sah sie mit den tastenden Blicken eines Fremden an sich nieder. Es war ihr plötzlich, als sei sie in dieser Gewandung entblößt. Weibliche Scham durchflutete sie — in heißem Aufstöhnen schlug sie die .Hände vors Gesicht. Daß sie sich unsichtbar machen und unsichtbar an ihres Mannes Seite für das Vaterland, das heißgeliebte Vaterland, Mur und Leben einsetzen könnte! Minutenlang währte dieser Kampf mit ihreni Schamgefühl. Ein trockenes Schluchzen würgte in ihrer Kehle. Endlich aber strafften sieh alle Sehnen ihres Körpers. Mit geballten Fäusten, mit seuchtschimmeruden Augen blickte sie gen Himmel. ' • „Vater," flehte sie mit zuckenden Lippen, „du, hilf mir! Segne mich! - Du siehst in mein Herz! Es ist nicht Eitelkeit oder Ruhmsucht, was mich treibt. Es ist eine beilige unbe- 578 e »gliche ©etuatt. — Ich kann nicht anders — ich muß! » dieses Muß kannst nur du — nur du selber in mich hineingesenkt haben!"| In angstvoller Hilflosigkeit faltete sie die Hände. Langsam, langsam aber stieg eine stille, leuchtende Zuversicht in ihrem Herzen, in ihren Zügen herauf. — „He, Herr Ulan, noch nicht schön genug? Die Toilette dauert aber schauderhast lange," ries da Kau Mehlhorns .Stimme von draußen. „Ist aber beendet!" gab Erdmuthe prompt zurück. Noch ein Blick aen Himmel — ein Neigen des blonden Kopfes: „Ich fühl' es, dein Segen ist mit mir!" Gleich darauf sprang sie zur Tüx. Sie öffnete. Frau Mehlhorn prallte zurück. „Bei allen Heiligen —!" Sie stand mit offenem Munde. „Ich gefalle Ihnen wohl gar?!" Die Alte schlug, ins Stübchen tretend, schmunzelnd die Hände ineinander. „Schade, daß ich kein Mädel mehr bin." Mit staunend aufgerissenen Augen ging sie in großem Bogen Um den frischgebackenen Ulan her uni. „Würd mich gleich verlieben!" ,Zn die Uniform!" Erdmuthe lachte hell auf. „Ja, ja! Die Kleider machen Leute!" „Wird man denn aber auch reiten können?" äugte die Mte mißtrauisch. „Reiten?! Wie der Wind! Sonst müßte man kein ostpreußisches Landkind sein!" In Brüssel, bei Lord Uxbridge, war große Tafel. Lord Wellington, der Oberbefehlshaber der englischen Armee und der dieser eng verbundenen niederländischen, hannöverschen, braunschweigischen und nassauischen Truppen, die seit dem Sturze Napoleons 1814 gemeinsam das Land westlich der Maas besetzt hielten, hatte den Feldmarschall Blücher zur Besichtigung seines Heeres und zur Besprechung gemeinsamer Operationen gegen Napoleon in sein Hauptquartier nach Brüssel eingeladen. Die erlesene Gesellschaft — man erblickte außer Blücher und'Wellington den Herzog von Braunschweig, Gneisenau, Major von Scharnhorst, Dörnberg, Generalleutnant Alten, Ompteda und andere — war in angeregtester Stimmung. Die gestrige wie die heutige Revue war tadellos verlaufen. Am gestrigen Tage hatte der Herzog von Braunschweig, der schwarze Herzog, vor dem preußischen Feldherrn sein in bester Verfassung befindliches Kontingent vorbeidefilleren lassen. Und heute hatte Wellington selber seine britische Reservekavallerie und die dazugehörige Artillerie seinem Freunde Blücher aus der weiten Ebene an der Dender vorgeführt. Das Borberwvgen der herrlichen englischen Kavallerie, dieser auf den edelsten Pferden berittenen und mit dem vortrefflichsten Material ausgerüsteten Truppe, war ein ebenso imposantes wie erhebendes Schauspiel gewesen. Und im Herzen jedes Augenzeugen war die Hosfninng auf den endlichen Sieg über Napoleon zur Gewißheit geworden. Wellington erhob sich. Einmal nach dem andern. Seine hohe, hagere Gestalt mit den eisernen, undurchdringlichen Gestchtszügen stand jedesmal kerzengerade, unbeweglich vor seinem Stuhl an der reichgedeckten Tafel. Er brachte rasch nacheinander verschiedene Toaste aus. — kurz, knapp. Und klar: ' . „The King!‘< Dänni „Les Alliss!" und andere. . Schließlich: „hkoasieur le mardchal Blücher I" Ein unbeschreiblicher Jubel hallte als Antwort der Anwesenden durch den Saal. Das „Hip! Hip! Hurra!", dasl Trommeln mit den Gläsern auf den Tischen wollte kein Ende nehmen. Endlich, als der Sturm sich ein wenig gelegt, erhob sich her greise Held. Seine Hünengestalt — eine vaterländische, himmelanstrebende Eiche. Auf dem beweglichen, von weißem, dichtem Haar umrahmten Gesicht schon Spuren des Alters, aber verllärt durch den Ausdruck herzerquickender Freundlichkeit, jugendlicher Kühnheit, unwandelbarer Treu«. Und aus den Äugen lodert jene Begeisterung, die ihre Kraft aus dem Himmel holt und sich das Höchste zum Ziele setzt. ,Messieurs — messieurs — je voudrals vous dire — vous dire — r— ach l" Blüchchr setzte den Champagnerkolcht Jgtt seine Hand umklammert gehalten, mir einem Krach auf die Tischplatte. Fast lväre das Glas zerbrochen. „Meine Herren! Mit Frankreichs Sprache stehe rch wie mit seinem Kaiser auf dem Kriegsfuße. Was ich aus dem Herzen habe, das muß in meiner lieben, deutschen Sprache herunter. Und mein Herz ist voll! Uebervoll! Einmal von Zorn und Groll und Grimm gegen ven Korsen, diesen Höllensohn, der mein Vaterland, der halb Europa sieben bittere Jahre lang hindurch in Ketten geschlagen, oer in einer ans Abenteuerliche grenzenden Tollkühnheit es wagt, den verbündeten Mächten noch einmal die Stirn zu bieten und die Greuel des Krieges von neuem über Europa herauszubeschwörenl Mit Blut und Tränen ist sein Name in den Blättern des großen Schicksalsbuches eingeschrceven. Aber Gott da droben ist gerecht! All die Tränen, all das Blut, das seinetwegen vergossen, es wird an ihm gerächt werden! Ich bin dessen, gewiß! Die Macht, die er sich angemaßt, ist trügerisches Schein! Wie ein hohler Baum muß sic zusammeiibrechen. Wohl hängt das Heer, das er einst zu Ruhin und Glanz geführt, noch in alter Hingebung und Vergötterung an ihm. Aber in der Vendse tobt schon der Bruderkrieg, die gebildeten Kreise des ganzen französischen Volkes stehen, kriegsmüde, ihm fremd oder gleichgültig gegenüber — ganz Europa hat ihn in die Acht erklärt unv ihm tödliche Feindschaft geschworen! Sein einzigster Bundesgenosse, König Murat, ist in Italien geschlagen und ans der Flucht! Seine Stunde naht. Sie sott uns gewappnet finden. Meine Herren! Mit deni Heere, das mein König die Gnade hatte, mir nochmals anzuvertrauen, das derselbe flammende Geist, der gleiche Not und Tod überwindende Wille wie 18l3 beseelt, mit diesem Heere werde ich gemeinsam mit meinem Bruder Wellington deni Korsen entgegentreten, sobald unsere Ordre es erlaubt. Wir brauchen die zögernd herannahenden Oesterreicher und Russen nicht mehr. Seite an Seite fühlen wir uns an der Spitze unserer vortrefflichen Truppen stark genug, um unseren Todfeind zu vertreten. Und deshalb ist mein Herz nicht nur voll von Groll und Grimms — es ist auch übervoll von Dankbarkeit gegen diesen meinen Mitfeldherrn, der mir in so treuer Kampfbereitschaft die Hand gereicht. Er, der dem damals noch Unbesiegten auf Spaniens Boden jahrelang Schach geboten, aus den wir als einen Stern der Hoffnung blickten, als noch tiesste Nacht um uns war, er, mein edler Waffenbruder, der Sieger von Vittoria, Herzog Wellington, er lebe hoch!" Die lauteste Begeisterung brach aus und wollte nicht enden. (Fortsetzung solgt.) Die 5prengstoffe des modernen Krieges. Von Dr. Franz Kittler. In den Kriegen stüherer Zeit gab es nur einen oinzignw Sprengstoff, das Schwarzpulver, das zu allen möglichen Zwecken dienen mußte. Man schoß damit die Kugel aus dein Gewehr sowohl, wie die ans dem Geschütz ab, und füllte auch die Bomben damit. Noch im Kriege 1870/71 spielte es eine wichtig« Rolle. Sein größter Nachteil bestand darin, daß bei der Explosion gewaltige Mengen von weißem Rauch entstanden. Infolgedessen war es überhaupt unmöglich, aus einer verborgenen Stellung zu feuern. Die weißen Rauchwolken des alten Schwarzpulvcrs verrieten sie dem Feinde sofort. Bei Massenfeuer jedoch und insbesow- dere bei Schnellseuer muhte das Schießen immer schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit eingestellt werden, da di« dicken Rauchschwaden eine undurchsichtige Wolke vor der feuernden Linie bildeten, die sich erst wieder verziehen mußte, ehe man den Feind von neuem aufs Korn zu nehmen vermochte. Alle diese Umstände haben dazu geführt, nach neuen Pulversorten zu suchen, die die Nachtelle des Schwarzpulpers nicht auf- weisen. Man fand sie in dem heute allgemein gebrauchten rauch, losen oder, genauer ausaedrückt, „rauchschwachen" Pulver; denn eine vollkommene Rauchlosigkeit ist nicht erreicht. Der Rauch den diese Pulver entwickeln, ist aber so schtvach, daß er überhaupt nicht tn Betracht kommt. Mam sieht ihn q'chon aus kurze Entfernung nicht mehr. Bet einem abgeschossenen Gewehr gleicht er dem Wölkchen, das ein Zigarettenraucher von den Lippen bläst. Selbst stark feuernde Linien vermag dieses schwache Wölkchen nicht zu verraten. Da das Pulver also jetzt kein Hindernis mehr verborgene Stellungen aufzusuchen, so hat sich mit seiner Eln- sührung das ganze Aussehen des Schlachtfeldes geändert. Man feuert nur noch aus gedeckten Stellungen, tn denen man sich der Sicht des Feindes nach Möglichkeit zu verbergen sucht. Dadurch, sowie daß durch die Verbesserung unserer Feuerwaffen die geschlossenen Linien schon auf weitere Entfernungen aefährlicher sind als früher, ist die berühmte „Leere deS Schlachtfeldes^ entstanden. Während früher aus dem Schlachtfeld« Kolonnen yerzW- 679 Marschierten, Rauch und Pulverdamm' aussttegen, sieht man heute überhaupt nichts mehr. Das Schlachtfeld macht einen geradezu friedlichen, einen leeren Eindruck die feindlichen Kräfte feuern aus gutgedeckten und nicht sichtbaren Stellungen aufeinander. Das rauchschwache Pulver ist auf die Erfindung der Schreß- b a u m w o l l e durch den deutschen Chemiker Christian Friedrich Schönbein zurückzusühren, der im Jahre 1845 mitteilte, daß gewöhnliche Baumwolle explosible Eigenschaften erhält, wenn man sie in ein Gemenge von Schwefelsäure mit Salpetersäure eintaucht. Tie Baumwolle sieht nachher genau so aus, wie vorher, sie ist von gewöhnlicher Baumwolle nicht zu unterscheiden, explodiert aber sehr hestig. Im Jahre darauf erkannte Schönbein, daß sich solche Schießbaumwolle in Aether sehr leicht auslöst. Deute noch verwenden wir diese Lösung in Aether in der Medizin. Es ist die bekannte, „Kollodium" genannte Flüssigkeit, die man auf Wunden aufstreicht. Der Aether verdunstet rasch, während ein seines Häutchen von Schießbaumwolle zurückbleibt, die Wunde bedeckt und sie verschließt. Auch das bekannte Zelluloid ist wefter nichts als eine Mischung von Kampfer mit Schießbaumwolle, der man noch etwas Zinkweiß zugesetzt hat. Aus der Schießbaumwolle werden nun die rauchschwachcn Pulver hergestellt, die geivöhnlich die Form dünner, zelluloidähnlicher Blättchen von rhombischer Gestalt haben. Es ist nun eine merkwürdige Eigenschaft der Schießbaumwolle, daß sie sich nur durch Stoß entzündet. Hält man sie in eine Flamme, so brennt sie wie gewöhnliche Baumwolle ab. Man muß daher, um sie zur Entzündung z» bringen, einen Stoß auf sie wirken lassen. Tieser Stoß wird durch ein anderes Mittel des modernen Krieges, durch das Knallquecksilber, hervorgebracht. Das Knall« auecksilber wurde bereits im Jahre 1799 von Howard entdeckt. Seine groß« Explosionsfähigkeit ist bekannt, bildet es doch die Füllung der bei Festen so beliebten Spielerei, der Knallbonbons, Bei. diesen ist zwischen zwei Papierblättchen etwas Knallquecksilber angebracht, dem man, um seine Explosionsfähigkeit zu verringern, etwas Schweselantimon zugesetzt hat. Im Kriege wird das Knall- aucckjilber zur Füllung der Zündhütchen verwendet, di« in die Rückseite der Patronen eingesetzt sind. Trifft der durch die Feder des Gewehrs nach vorir geschleuderte Schlagbolzen auf das Zündhütchen, so explodiert das darin befindliche Knallquecksilber. Der bei seiner Explosion auftressende starke Stoß bringt das rauchschwache Pulver zur Entzündung, das beim Explodieren ungeheure Mengen erhitzter und deshalb rasch sich ausdehneirder Gase entwickelt, durch die das Geschoß aus dem Lauf getrieben wird. Trotz der Rolle, die die rauchschwachen Pulver in den Kriegen der Jetztzeit spielen, ftndet doch auch das alte Schwarzpulver poch Verwendung. Würde man nämlich eine Bombe oder Granate tnit rauchschwachem Pulver füllen, so würde man infolge der geringen Rauchentwicklung nicht zu beurteilen imstande sein, ob sie vir Ziel auch richttg getroffen hat. Deshalb verwendet man das Schwarzpulver überall da, wo der Rauch Kunde davon geben soll, Pb der Schuß auch an der gewünschten Stelle saß. Sieht man am Ziel die starke iveiße Wolke des Schwarzpulvers aussteigen, so ist dies ein Beweis, daß es getroffen ist. Die reine Schießbaumwolle wird gleichfalls als Explosions- mittel verwendet. Ihre Hauptrolle spielt sie im Seekrieg, wo man Minen damit füllt. Infolge ihrer großen Explosionskraft genügt «ine verhältnismäßrg kleine Mine, um ein starkes großes Panzerschrp hum Sinken zu bringen. Außer der Schießbaumwolle verwendet man Jur Füllung der Minen in manchen Staaten aber auch noch Dynamit, das ebenso wie die Schießbaumwolle auch bei der Herstellung d« TorpedooS eine wichtige Rolle spielt. Das Dynamit wird aus dem Nitroglyzerin gewonnen, das fast gleichzeitig feit der Schießbaumwolle, nämlich int Jahre 1846, durch Behandlung von Glyzerin mit Salpetersäure und Schwefelsäure zum ersten- tnal dargestellt wurde. Merkwürdigerweise erkannte man damals die explosiblen Eigenschaften des Nitroglvzerins nicht, man verwen- »ete es in einer anderen, sehr merkwürdigen Form: es wurde unter »ein Namen „Glonoin" in den Apotheken als Mittel gegen Kopf- chnicrz verkauft. Ter Zufall lernte seine Explosionskraft erken- len, me so groß ist, daß man zunächst überhaupt nichts damit anzufangen wußte. Erst dein berühmten Chemiker Alfred Nobel gelang «S im Jahre 1866, die Explosionskraft des Nitroglyzerins dadurch zu dämpfen, daß er es von einem zweiten Körper aufsaugen ließ, der sich gewissermaßen zwischen seine einzelnen Teile hineinschob, so dah die Explosion von einem Teilchen zum anderen nur langsam fortschreiten konnte. So entstand das Dynamit, das weiter Wichts ist, als von einer bestimmten Erdart, dem Kieselgur, auf- hesaugtes Nitroglyzerin. Ter Kieselgur, auch „Infusorienerde" genannt, besteht ans dem Kieselsäurepanzern abgestorbener, unendlich kleiner Lebetvesen, und bildet mächttge Lager. So ist z. B. »in Teil von Berlin auf Infusorienerde erbaut. Das Dynamit ist bedeutend ungefährlicher als das reine Nitroglyzerin, und explodiert gleichfalls durch Stoß. Es ist also, um es zur Explosion zu bringen, immer noch ein zweites Explosionsmittcl zu verwenden, dessen Stoß die Explosion des Dynamits auslöst. In Frankreich spielt das „M e l i n i t" eine große Rolle, ein Explosionsmittel, von dem außerordentlich viel Aufhebens gemacht Wurde. Es ist weiter nichts als die sogenannte „Pikrinsäure", die E on seit langer Zeit als — Farbstoff im Gebrauch stand. Sie gleichfalls ein mit Hilfe von Salveterfäure gewonnenes Pro- kt, das die Eigenschaft bat, die verschiedenartigsten Stoffe schön gelb zu färben. Walt stellt s« du rch Behandlung von Karbolsäure mit einem Gemenge von Schwefelsäure und Salpetersäure her. Sie bildet ein gelbliches Pulver, das in hohem Grade explosiv ist. Ilm daraus das Melinit zu gewinnen, wird sie geschmolzen. Aher auch hier ist die Explosion zu stark, und man muß deshalb noch besondere Zusätze machen, durch die sie verringert und verzögert wird. So sehr man auch das Melinik rühmte, so zeigte es sich doch, daß es verschiedene unangenehme Eigenschaften hat. Auch das hei des englischen Marine in Verwendung stehende Explosionsmittel, bat „Lyddi t", ist weiter nichts als gMchmolzenc Pikrinsäure, also so ziemlich genau dasselbe wie das Melinit. Es hat seinen Namen von dem Orte Lydd, wo die ersten Versuche damit gemacht wurden. Der genwärtige Krieg wird hinreichend Gelegenheit geben, neue Ersahrungen über die verschiedenen in ihm verwendeten Sprengstoffe zu sammeln. Der Erfolg wird ja lehren, welche von den kriegführenden Mächten die besten besitzt. Die eingemauerten Generalstäbler. Wahres Geschichtchen. Nacherzählt von W. W. Göttrg. Südwestlich von L.: seit acht Tagen liegen wir ununter- broch>en in den feuchten Schützengräben. Etwa 1 Kilometer vov unserer Front ein kleines, vvllkommen verlassenes Dorf Unsers Vorhut war schon einigemal drin in dem Nest; ferne Menschenseele. Wieder senkt sich langsam der Abend herunter: nach und nach verschwinden in der Dunkelheit immer mehr tue Umrisse des ftiedlich emporragenden Kirchturmes. Die Wolken jagen am Dnn- met und der Wind summt in den Bäumen sein monotones Leck. „Die Mannschaften schlafen; jeder zehnte Mann bleibt wach und wird nach zwei Stunden von seinem -Nachbar abgelöst." Und bald tönt aus dieser, bald aus jener Ecke Schnarchen. So vergeht Stunde auf Stunde: der Musketter Schneide« wacht; da, was war das; Herrgott, da schon wieder. „Ja, Himinelhergott—" und er weckt den neben ihm liegenden Unteroffizier — „Herr Unteroffizier, verzeihen Sie, da droben aus dem Kirchturm habe ich eben Licht -gesehen." Verschlafen gähnt der Unteroffizier „Hä?" „Ich melde gehorsamst, aus dein Kirchturm brennt Licht." „Blödsinn, das Kaff ist ja vollkommen leer. Sie werden einen Stern —" Doch nein, jetzt hat er's auch gesehen, -es ist kein Stern, es ist ein Licht! Er setzt das Fernglas an und äugt hinüber; wahrhaftig; und es bewegt sich; da... jetzt ist's aus... da ist'S wieder. Ter Unteroffizier geht den Schützengraben entlang, weckt den festschlafeichen Hauptmann — der ist ja noch der einzige Offizier, alle anderen sind tot, verwundet. — Erregt flüstert erk „Herr Hauptmann, auf dem Kirchturm müssen Leute sein. Es brennt da ein Licht; manchmal verschwindet es, manchmal steht man es ganz — sehen Sie, Herr Hauptmann, da ist eS wieder." Des Hauptinanns scharfes Auge folgt dem auSgestreckten Zeigefinger seines ^Untergebenen.... Er sieht nichts. „Geben Sie mal das Glas her." Angestrengt sieht er hinüber nach dein stumm in die Nacht ragenden Turm. „Donnerwetter ja. Sie haben recht. Mer jetzt mal Ruhe. Wecken Sie etwa zehn Mann, auf die wir uns verlassen können und melden Sie sich- bei mir." Nach kurzer Zeit stehen zwölf Manu beim Herrn Hauptmann. „Sre gehen unter Führung des Gefreiten Pemk aus das Tori zu; untersuchen Sie den Kirchturm ganz genau und lehr sorgfältig. Ich und der Unteroffizier Schweden haben auf dein TurM Licht gesehen." „Zu Befehl, Herr Hauptmann." ; „Aber Sie wissen, um was es sich handelt. Und jetzt! .Hals- und Beinbruch!" „Tanke sehr, Herr Hauptmann." Und ganz behutsam rücken die zwölf« auf das Dvrs UI — unter dem Schutze der Nacht sind sie bis an den Kirchturm heran, Jetzt dämmert der Morgen. Sie öffnen di« unverschlossene Tür und steigen die Ziemlich hohe Treppe ernpor. Nichts, absolut nichts Verdächtiges. „Ach was, sagt der Gefreite zu dem Einjährigen Meschede. „Hier kann ja gar niemand sein. Hier hört die Treppe auf und die Fenster wären doch die einzigen, von wo man was sehen kann. Sehn Sie mal da runter, Einlähriger, ist das nicht großartig, die Aussicht... Sehn Sie, da hinten die schwarze Linie, das ist unsep Schützengraben. Verdammt noch mal: und da liegt man nun schoß 10 Tage in dem Schlammassel. — Was wollen Sie denn, Musketier Francke?“ „Melde gehorsamst, da hinten, wv der Lenz kloppt, da klingt die Wand so hohl." „So; Lenz, vermuten Sie da vielleicht ne vermauerte Tür, He," lachte der Gefteit«. „Jawohl, Herr Gefreiter." „Na, daun haut sie mal ein." Und sechs, sieben Gewehrkolben fliegen, von kräftigen Arme« geMrgingen, gegen hie verdä chtig klingende Stelle, 680 Und tmrfliÄ die Mauer gibt nach... Ein« Deffnung entsteht und eine .Treppe wird sichtbar. Unterdessen haben einig« einen schweren Dchmiedhammer requiriert und mit ein paar mächtigen Schlägen fallen die letzten Steine. „Verdammt noch mal... Rauf!" befiehlt der Gefreite. Und mit geschwinden Schritten hasten acht Mann die Treppe zum Glockenstuhl.... die Tür oben ist verschlossen.. .. Krach, da fliegt sie auf und den erstaunten Augen bietet sich Pin kÄtsamer Anblick: Drei Herren, in der Uniform englischer Generalstäbler hocken am Boden mit kr ei beweisen Gesichtern und strecken die Hände in die Höhr. Mit einem Satz lind die acht in dem Raum und triumphierend schleppen sie die drei in den Schützengraben zurück. ' Leicht enden Auges vernimmt der Herr Hauptmann den Bericht seines Gefreiten: - ......Auf Monate waren die Kerle verproviantiert, Telephon batten die Brüder, gemein, so was I" ' „Na, also regen Sie sch Mal nicht aus, Gefreiter," beschwichtigt der Hauptmann, „holen Sie mal den Musketier Schneider." l „Schneider, Ihr« Wachsamkeit hat uns drei englische Gene- ralstabSosfiziere in die Hände gegeben. Sie haben dem Bater- lande dadurch viel genützt uud Ihr Diensteifer soll nicht unbe- lohnt bleiben: ch werde Sie fürs Eiserne Kren» Vorschlägen." Streifziige an der belgischen Nüste. Aehnlich wie in den Tagen vor dem Falle Antwerpens an der belgischen Nordgrenze sieht es jetzt an der Küste au«, nur ist das Mild der Verwirrung noch viel größer, denn die fliehenden Zivilpersonen und das Militär bildeten in den letzten Tagen ein unentwirrbares Durcheinander. Einer der Kriegsberichterstatter des „Nieuwe Rotterdamsche Courant" ist in den Tagen vor der Besetzung Ostendes und Brügges durch die Deutschen mit dem Automobil an diesem Küstenstriche umhergestreist, und dieser Tage hat das Rotterdamsche Blatt seinen Bericht erhalten, aus dem wir im Folgeitden ein paar besonders seflelnde und bezeichnende Stellen übernehmen. Ganz Ostende glich einem Flüchtlingslager, so beginnt der Holländer seinen Bericht. Dann kommt er sogleich auf den Bürgermeister von Evers, eines Dorfes zwischen Mecheln und Löwen, dessen Leidensgeschichte er erfuhr. Der Holländer wunderte sich nämlich darüber, daß ein so gebildeter Mann, wie der Bürgermeister es ist, von der allgemeinen Panik ergriffen werden konnte. Als die Deutschen in Evers ankamen, zogen sie ganz ordentlich ein, ein Offizier unterhielt sich höflich mit dem Bürgermeister, es schien alles ungefährlich zu sein, und so ging der Bürgermeister in seinen Garten. Plötzlich erscholl ein Schuß, Gewehrsalven folgten, und alsbald tauchten deutsche Offiziere vor dem Bürgermeister- Hause auf, der Bürgermeister mußte herauskommen, die Ossiziere hielten ihm ihre Revolver bedrohlich nahe vors Gesicht und fragten, was das Schießen bedeute. Der Bürgermeister wußte es nicht, meinte jedoch, es sei wohl abrückendes Militär. Damit gaben die Offziere sich zufrieden, doch drohten sie, das Dorf niederzubrennen, wenn die Schießerei sich wiederhole. Ein paar Stunden später ging daS Geknalle tatsächlich von neuem los, die deutschen Soldaten schossen in afle Fenster, und nun floh der Bürgermeister mit seiner Familie Hals über Kopf. Der wohlhabende Mann konnte nur wenig von seinein Besitztum mitnehmen: erst floh er nach Blankenberghe, da aber dort keine Lebensmittel mehr aufzutreiben waren, flüchtete er weiter nach Ostende. Hier bot ihm der Hol- flinder an, die Frauen seiner Familie in seinem Auto mit nach Holland zu nehmen, aber er erhielt die Amwort: „Wenn wir denn sterben wollen, sterben wir zusammen." Hierzu sagt der holländische Kriegsberichterstatter wörtlich: „Dos ist der Geist, der sie beseelt und man kann ihnen nicht ausreden, daß sie sterben müssen, wenn die Deutschen kommen." Während der Hofländer im Gasthause saß, erschien plötzlich ein Polizeikommissar, der dem Holländer, dessen Papiere durchaus in der Ordnung befunden wurden, dann erzählte, wodurch er sich verdächtig gemacht habe: er hatte nämlich einein Jungen, den er nack> dem Wege gefragt hatte, eine Mark geschenkt. Das Aus- kauchen des deutschen Geldes in Ostende war sofort der Polizei gemeldet worden und diese hatte sogleich nach Deutschen in Ostende gesuckst. Für einen Holländer war es nun freilich nicht gefährlich, deutsches Geld zu verausgaben, das er von Brüssel her gewohnheitsmäßig neben dem belgischen in der Tasckze hatte. Während der Nacht, di« der Holländer in Ostende verbrachte, hielt die Majsen- fluckst an; Zivilpersonen und Soldaten flohen durcheinander, und anr Abend fuhr das letzte Schiff mlt 'belgischen Truppen nach L« . T"Ss darauf suchte der Holländer für sein Automobil nach Benzin. Er bekam leicht alles, ioas er brauchte, Benzin, . und Kalziumkarhid, ja inan bot ihm sogar ein Auto oder em "otorrao an, und schließlich kam ihm die Sache verdächtig vor. aiii belgischer Sergeant verschaffte ihm nämlich alles, was er nur wollte. und es stellte sich heraus, daß er eine» Gegen- oleiflt erwartet«: der Holländer sollt« ihn nach Holland niitnehmen. Ta» tat er auch, natürlich mußte der Sergeant seine Uniform au »ziehen ,md als Zivilperson reisen. Während der ganzen Auto, fahrt begegneten dem Hofländer übevafl Truppen. Die meist« Soldaten hatten keine Gewehre inebr. Ajuch zahlreiche militäv- besetzte Autos ratterten in der Richtung nach Nieuport vorbei und die Wege waren vofl von Flüchtlinge», die nicht wußten, wohin sie wollten. Inmitten des Gedränges bot ein Zeitung», Verkäufer seine Ware aus, der Holländer kanste sich die neuest« Ausgabe des „Nord Maritime" und laS gleich am Anfang, Wieder- ein zufriedenstellender und trostreicher Tag. Ter Feind ist überall bei seinen Tag- und Nackstangriffen znrückgesclzlag«." So stand da schwarz auf weiß zu ies«. In den Gesichter» bet Flüchtlinge las man allerdings das Gegenteil. Trotzdem wurden di« Zeitungen gierig gekauft. Die Aiutomobllsahrt, deren Ziq Brügge war, konnte nicht auf der "roßen Landstraße erfolgenden» die Brücken bestanden nicht mehr. Verschiedentlich wurd« der Holländer durch Posten angehalten, die seine Papiere untersuchten, und daher siel ihm aus, daß der Sergeant in Ztvfl auf Grund seiner Milttärpapiere durchgelassen wurde. Das faß« er ganz rickstig als Beweis dafür auf, daß di« belgisch« Behörde« das Verfahr« gut hießen. Als vorsichtiger Mann rechnete et jedoch damit, daß er bei der Weiterfahrt auch von deutschen Trupp« angehalt« werden würde und diesen sein« Papiere vorzeig« müßte. Er verlangte daher von dem Sergeanten, daß er seine Militärpapiere vernichtete urrd auf diese Weise sich ou< einem Angehörigen des Soldat«standes in eine wirkliche Zivil» Person unüvandelte, was denn auch gescl-ah. In Brügge kam der Hofländer an, ehe noch die Deutsch« die Stadt besetzt hott«. Die Weiterfahrt nach der hofländtsck-en Grenze ging ganz langsanl vonstattm, weil alle Wege gedrängt vofl von Flüchtling« war«, vermischte». ' Die Universität Löwen in . . .Cambridge. Kurze Zeit nachdem die Zerstörung LöwenS und belonderS seiner Bibliothek bekannt qeworden war, hat die Nniversstätsbehörde von Cambridge denr Rektor der katholischen Universität Löwen ein» Einladung übermittelt, den Unterricht der Universität während de» nächsten Schuljahres inCamhridge abzuhalten, und Prot. Dan der Ben hat daraus erwidert, daß der Kordinal-Erzbischos von Dlechcln, sowie der Rektor der Univeriiiät Löwen beschlossen habe», der Einladung zu folgen. Die Hochschullehrer von Löwen, die gegenwärtig noch saß alle in Holland weilen, sind ersucht worden, sich sobald wie möglich nach Cambridge z» begeben. Dt« englische Universität wird ihre Hörsäle »nd gemeinsamen Räume kostenlos zur Verlügnng stellen; die Hochschullehrer »nd die Studenten von Löwen werde» stch auch aller Htlisinttlcl de« Unterrichtes, belonderS der Bibliotheken und Laboralorten, bedienen können. Wieweit eine solche Verpflanzung der Universität ohne weiteres möglich ist, wird ja die nächste Zukunft lehren. 'Schrapnells vor 300 Jahren. Die Schrapnells' die im gegenwärtigen Kriege eine so grobe Rolle spielen, find in Ihrer heutigen Form bekanntlich die Erfindung des englischen Obersten Sbrapnell, nach dem ste auch genannt sind. Aber wie alle menschlichen Erfindungen hat auch diele Vorläufer gehabt. So wurde, ivie der .Figaro' berichtet, ivährend der Belaaerung von Paris im Jahre 1680 eine Granate erfunden. Als die Pariser nicht mehr genügend Geschosse hatten, um der Artillerie Heinrichs IV. z» antworten, der sie belagerte, packte» sie alle Nägel und Melallstücke, die sie sammeln konnte», in Blethüllen, luden damit die Kanonen und schossen diese merkwürdigen Ladungen auf die Belagerer ab. Weitere Auslührung hat dieser Gedanke damals anscheinend nicht gesunden, sondern cS mußten fast 300 Jahre vergehen, bis er wieder ausgenommen wurde. vüchertisch. — „W a s jedermann wissen muß über Deutsch- landSHeer undFlotte" betitelt sich ein von Ernst v. Ltndenau heransgeqebenes Büchelchen, das genaue AnSkunst über Einteilung, Stärke und Standorte der einzelnen Truvpenkörper nebst Vergleich mit de» Heeren unserer Feinde gibt, ferner ei» Verzeichnis unserer Kriegsschiffe, deren Größe, Besatzung rc. enthält. Verlag von Curt Siockhausen in Nürnberg. Preis 30 Psg. Anagramm. Ein Fluß bin ich, gar wohlbekannt. Und fließe durch das Sauerland. Nimmst dn den Kops mir jetzo sort, So stnd'st du mich an jedem Ort, In jeder Stadt, in jedem Ha»S; Du hörst mich überall heraus. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des VerändernngSrätscls in voriger Nummer: <»ast, lflder, I.and, Vieb, »lnkel, dtaub, IVase: Geldern. Schristleltung: Aua. Goetz. - RotaiionSdrnck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.