Die hundert Tage. Roman aus dem Jahre 1815 von M. von Witten. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Ein Blick voll Dankbarkeit, Hochachtung und Verehrung quoll unter einer Fülle von Licht aus seinen dunklen Augen und umschloß sie wie ein Mantel. Ihr wurde wonnig warm ind glückselig stolz zumute unter diesem Blick. Und wie eine ornschwere Aehre neigte sie in Demut das blonde Haupt. Im Banne des Ausdrucks, der ihr Gesicht dabei verklärte, erschien sie ihm schön in diesem Augenblick — all ihrer Reizlosigkeit zuni Trotz. Sie aber vermochte kein Wort mehr zu sage». Wohl hatte er rechtl Leicht hatte sie's nicht gehabt. Wie wenige Wochen hatten sie in ihrer dreijährigen Ehe doch miteinander verlebt. 1811 auf dem Gute ihres Onkels, eines Bruders ihres Vaters, in Pommern zu Besuch weilend, hatte sie den damaligen Ulanenwutnant Ulrich Erleir kennen gelernt, der mit seinen! Regiment eine Weile imPoin- merschen in Quartier gelegen. Ihre Herzen halten sich in jener schweren Zeit des härtesten französischen Druckes nur u bald gesunden. Als er dann ein Jahr später durch Königs- erg zog, nun unter dem Zwange der Rot den Fahnen Na>- poleons nach Rußland zu folgen, da hatte sie wenige Stunden vor dem Aufbruch sich ihm am Altäre angelobt. Einsame, totbange Monate folgten im Gutshaus ihrer Eltern, nahe bet Königsberg. Totbang in ihrer Angst um den geliebten Gatten, totbang in der Erwartung de? endlichen Ausgangs dieses Krieges. Und dann war er eines Tages — kurz vor Weihnackten war's — mit dem kläglichen Rest seines Regiments wieder in Königsberg eingezogen, halbtot vor Hunger und Frost. Die entsetzlichen Entbehrungen der verslossenen Monate warfen ihn, kaum, daß sein Fuß den heißersehnten Heimatboden berührt, aufs Krankenlager. Wochenlang rang er mit dem Tode. Endlich gelang es ihrer hingebenden Pflege, thn dem Leben zurückzuretten. Aber kaum notdürftig genesen, drängte es ihn auch schon wieder den Waffengefährten nach, die Königsberg längst verlassen hatten. Preußen hatte Napoleon noch einmal den Krieg erklärt. Und Erdmuthe brachte es nicht über sich, den Gatten länger zurückzuhallen. Ihr ganzes Wesen drängte mit ihm von dannen. Ain liebsten wäre sie mit ihm in den Kampf wider den Unterdrücker gezogen, Ivie so viele andere deutsche Frauen und Mädchen. Aber sie trug ein süßes Geheimnis unter dem Herzen. So mußte sie daheim bleiben. Allein auf den Schwingen der Liebe und der edelsten Begeisterung folgte ihre Seele dem Davonziehenden — ihm, den ihr Herz glücklich pries, Schulter an Schulter mit den Brüdern zu fechten, ihm, den ihre Hand zum heiligen Kampfe gesegnet. Und die herrlichen Siege des BefrciungK- jahres lösten auch in ihrer Brust ein Echo leidenschaftlichen Glückes und tiefster Dankbarkeit aus. Dann war das Aihn- chen mitten in den Jubel des Völkerscklacktsieges von Leipzig hincinaeboren: die Armeen waren über den Rhein gezogen, im eigenen Lande wurde der Korse endlich völlig besiegt undi zur Abdankung gezwungen. Langsam, langsam erst legten sich auch in Erdmuthens Herzen die Wogen der heiligen Freude über diese Erlösung von dem unerträglichen Joch. Doch als nach dem Pariser! Frieden die Armeen noch immer auf Kriegsfuß und ferne der Heimat verbleiben mußten, da der in Wien tagende Kongreß eine endgültige Regelung der zurückerlangten Ländergebiets immer und immer wieder nicht finden konnte, da stieg und! schwoll in Erdmuthens Herzen die Sehnsucht wie eine Flut, der sie letzten Endes ohnmächtig gegenüberstand, und die sie im Dezember des verflossenen Jahres mit ihrem Kinde vom Pregel bis an die Mosel getrieben hatte. — In diesen Bildern der Vergangenheit verwren, die nicht nur an Erdmuthens innerem Auge vorübergezogen, sondern anz ähnlich auch Ulrichs Herz bewegten, obwohl er sich da- ei doch zärtlich mit dem Kinde auf seinem Arm zu beschäsi- Ligen wußte, batten sie den Garten verlassen und waren über den daranstoßenden Hof geschritten, in dem Hühner und Enten gackernd und schnatternd umherliefen. Dann waren sie im Hause die schmale Holztreppe emporaestiegen und in die einfache, aber blendend saubere Wohnstube ihrer bescheidenen Wohnung getreten. „Erdinuthe! Welche Wochen tiefen reinen Glückes haben wir drei hier doch verlebt!" Er stellte das Kind auf den runden Holztisch inmitten der blankgescheuerten Stube nieder, und während er es mit dem rechten Arm umschlungen hielt und sanft an sich drücke, zog er seine Frau um der link«» Hand zu sich heran. „Noch einmal: Hab Dank dafür! Würde ich hundert Jahre alt —< ich könnte diese Wochen nicht vergessen. Und — entscheidet Gottes Spruch anders — Erdmuthe, ruft er mich bald zu sich — dann wisse", — ganz leise, ganz heimlich kani's von seinen Lippen, aber die dunklen Augen wiederholten's in leuchtender, jubelnder Sprache — „du, — deine und deines Kindes Liebe haben mich zu einem der glücklichsten Sterblichen gemacht. Das nimm mit dir in einsame Tage und Nächte." Di« innere Bewegung drohte ihn für einen Augenblick zu übermannen. Da hielt sie sich nicht länger. „Ulrich! Nein, keinen Abschied!" wehrte sie mit einer Stimme, in der über zitternde Tränen ein Helles Jauchzen siegte. „Ich trenne mich nicht mehr von dir! Das kannst du nickt mehr verlangen!" „Wie meinst du das?" Betroffen, aber wieder völlig Herr seiner selbst, blickte er seiner Frau ins Auge. Die richtete sich mit soldatischer Geradheit auf. „Herr Rittmeister, melde mich ganz gehorsamst als Kriegsfreiwilliger!" Ulrich fuhr zurück. „Unmöglich, Erdmuthe!" Da legte sie ihm mit eindringlicher Bestimmtheit die Hand auf die Schulter. „Ist für mich unmöglich, was hundert andere vor mir taten?" 670 — „Aber das Kind — das Kind —1" „Wir, Söhnchen, sind einig, nicht wahr?!" Sie strich dem Kleinen, der an Vüters Hand auf dem Tische Springversuche machte, liebkosend über das schwarze Lockenhaar. „Wir reisen noch morgen zu O'mama und O'papa." „Mit Papa — mit Papa!" warf das Bübchen hopsend dazwischen. „Dort ist er in bester Hut", wandte sich Erdmuthe wieder mit festem, treuem Blicke ihrem Manne zu. Und fuhr dann um des Kindes willen in französischer Sprache fort: „Ich aber kehre als freiwilliger Jäger zurück." f „Erdmuthe, wenn dir ein Unglück zustieße! Steh davon ab, um Gottfrieds willen!" rief er in so verzweifeltem Ton, ihres Beispiels nichtachtend auf Deutsch, daß der Knabe plötzlich laut zu weinen anfing. Da nahm ihn Erdmuthe sanft auf den Arm und trug ihn in die Küche zur Magd hinaus, die sie mit dem Kinde, das sich unter ihren sanft zuredenden Worten schon halb und halb wieder beruhigt, in den Hof hinabschickte. Als sie gleich darauf ins Wohnzimmer zurückkehrte, fand I ie Ulrich noch immer in gedankenschwerem Sinnen versun- en, am Fenster stehend. Sie trat hinter ihn, legte von rückwärts her beide Hände um seinen Hals und schmierte ihre Wangch seinen Kopf leicht zurückbiegend, bittend an die seine. „Sieb ab! Steh ab!" murmelte er dumpf, ohne sich um- »usehen. „Um des Kindes willen." Da löste es sich in heimlich vibrierendem Tone von ihren Lippen, indem sie tief, lies hinein in die sonnige Landschaft blickte: „Ulrich, ich kann es nicht! Ich kann es nicht! Es ist mächtiger als ich. Mir ist, als könnte ich eine Trennung von dir, solange du noch unter der Sonne lebst, nicht mehr ertragen. Allzu glückdurchströmt waren diese Wochen, allzu tief ist meine Seele hineingewachsen in die deine. — Aber daneben nt auch noch etwas anderes in mir. J!ch kann daheim die Hände nicht feierild in den Schoß legen, wenn ich euch um die Freiheit unseres Vaterlandes im blutigsten Kampfe weiß. Ein großes, heiliges übermächtiges Muß treibt mich hinein in Eure Mitte — Sette an Seite mit dir um das herrlichste Gut der Erde zu ringen! — Du darfst mich nicht znrüekwetsen — du nicht — du nicht —1" Er war entwaffnet durch den Inneren Glutstrom der Be- f Meisterung, der durch ihre Worte rauschte, und durch den er ich ihr nur noch wesensverwandter fühlte als zuvor, und eise mahnend wiederholte er nur noch einmal: „Aber dein Kind -?" „Mein Kind wird dereinst die Mutter verstehen lernen! Mein, unser Kind wird denken und empfinden wie du und ich! Es wird den Eltern Dank wissen, die Leib und Leben «insetzten, um ihm ein freies Vaterland zu hinterlassen." Er schwieg — noch mit sich ringend und doch schon besiegt. Sie wußte, was in ihm vorging und rührte sich nicht. Da wurde die Dur aufgerissen. Jemand stürzte herein. Die Gatten fuhren herum. Mit einem beinahe entgeisterten Gesicht starrte Otto von Jäger, sich am Tisch haltend, in der Stube umher. „Wo ist Toska?" „Nicht hier!" „Nicht — nicht hier? Aber wo denn sonst?" „Ja, Junge, wie sollen wir denn das wissen?" gab Ulrich, noch mit sich selbst beschäftigt, beinahe grob zurück. Erdmuthe aber begriff mit schauendem Frauengemüt sofort die ganze Tragweite dessen, was dem Freunde geschehen. „Aber Ulrich," lenkte sie ein, indem sie ihrem Manne «inen vielsagenden Blick zuwarf, ,,wer wird denn gleich so deftig sein!" Und sie trat zu Ulrichs Freunde, der ja auch der ihre geworden war und strich mit einer mütterlich tröstenden Art über seine Hand, die noch immer die Dischkanto umklammerte. Sie fühlte, wie diese Hand leise bebte. „Bester Herr von Jager, fassen Sie sich doch! Beruhigen Die sich! Wer wird sich gleich das Schlimmste ausmalen?! Das steht Ihnen doch gar nicht ähnlich!. Toska — ToSka," — sie stockte, die Unwahrheit wollte nicht über ihre Lipvent „ich meine, Toska liebt die Natur. Sie kann doch einmal «inen größeren AuSgang unternommen haben." „Glauben Sie —? Glauben Sie, Frau Erdmuthe?" Die harte Spannung in Ottos Zügen ließ nach — seine Brust Leitete sich in einem tiefen, befreienden Atemzuge. „Gott! Sie geben mir das Leben wieder." Er strich sich stöhneuld über das volle Blondhaar, das ihm in die Stirn gefalle ns Da trat auch Ulrich an den Freund heran. In seinan Angen glomm ein düsterer Schrecken. Sollte denn seine Ahnung so bald, so bald zur Wirklichkeit werden?! Er wehrte sich gegen den Gedanken, der sich zur Ueberzengüng verhärten wollte, mit aller Kraft. Noch wiar ja nichts bewiesen. UNdj solange das nicht war, solange nur den armen Jungen da nicht noch mehr üngssigenl „Aber, MenschenSktnd, so kenne ich dich ja gar nicht," rief er lauter, als es sonst seine Art war, eben weil er den! Sturm in seiner Brust Lugen strafen wollte, „Du, die ver» körperte Kaltblütigkeit und Tollkühnheit im Kriege--1 Wer wird sich durch die Launen einer Frau so ins Boxhorn jagen lassen!" Mit einer Bewegung, die halb ärgerlich, halst! begütigend wirken sollte, aber höchst unglücklich aus siel, legte er ihm die Hand auf die Schübteo. ,Lhr werdet euch eben um Napoleon, um diesen Stein des Anstoßes, etwas brouilliert haben; werdet auch wohl, wie junge Ziegenböcke^, ein wenig mit den Hörnern auseinander los gegangen sein! Das, mein lieber Kleiner, war doch in einer Ehe wie der! Enrigen nicht anders zu erwarten; Zumal jetzt nicht, wd der Korse aus Elba zurückgekehrt ist. Na — und da ist sie eben, exzentrisch und unberechenbar wie sie ist, einmal davongerannt." Je länger Ulrich redete, um so weniger glaubt«; er an seine Worte, um so hastiger reihten sie sich aneinander^ Und der beabsichtigte Trostsatz: „Sie wird schon wiederkommen!" erstarb ihm fast auf den Lippen. Ehl bitterer Ge- chmack trat ihm auf die Zunge. Er wandte sich ab. Warunt and er den Mut nicht, sich und dem Freunde offen etnzuge- tehen, was ihm innerlich in diesen kurzen Augenblicken zu» Gewißheit geworden? Otto aber, der erschöpft auf den am Tisch stehenden Stuhl gesunken war, siihlte sich seltsamerweise von oen Worten, die ihn auftnuntern und trösten sollten, tief verletz h< Er sah da seine Ehe, sein Intimstes Leben, von dom Freuitdtz bloßgelegt, und er grollte ihm darum, daß er das ungefragt tat, tun konnte,, und daß er die Fehler seines «ngsebetctenj Weibes, den Abgrund, der zwischen ihm und ihr gähnte, so klar und scharf beleuchtete. Um keinen Preis der Weil hält« er es jetzt über sich vermocht, Ulrich vvn beim Zusammentreffen mit Doskas Vater zu erzählen, oder gar von ihrem unsinnigen Verlangen, den Abschied nehmen zu sollen. Uno in diesem Groll sank die wahnsinnige Augst um Toska; di« am ftühesten Morgen, bald nachdem er heimgekehrt und sich zur Ruhe begeben hatte, das Haus verlassen haben sollte^ unter wie ein schwerer Stein in einem dunklen Weiher, . ^Fortsetzung folgt) Giehener Türmer und Ltadtmusik. AuS vergilbten Blättern. In der Lokalgeschlchte unserer Stadt, wie sie Professor Dk, Büchner behandelt hat, findet man über die Einrichtung der Türmer und über die damit in Zusammenhang stehende Giehener Stadt- kapellc nicht ein Wort. Es ist daher gewiß interessant, unfern Lesern aus vergilbten Blättern, die uns dankenswerterweise der Leiter der Bauerschen Kapelle, Musiker Ferd. Bauer, zur Verfügung gestellt hat, darüber Mitteilung zu machen. Vor uns liegt ein Privilegium für den derzeitigen Untertanen und Turmmann Albert Conrad Feldhaus zu Gießen von Anno 1806, worin Bezug genommen wird auf ein Privilegium vom 11. August 1696, welches in Abschrift in dem Schriftstück enthalten ist undsiolgenden Wortlaut hat. Nachdem von Gottes Gnaden Uns Ernst Ludwig Landgrafen zu Hessen, Fürsten zu Hersseld, Grasen zu Catzcnellenbogen, Tietz, Ziegenhatn, Mdda, Schaumburg, Isenburg und Büdmgen Unser Unthan Johann Caspar Faulstich Thurnmann allhier unterthäntgst zu erkennen gegeben welcher gestallt er neben seinem Gesinde, wegen seiner geringelt Besoldung und wringest Accidenzcn, fast kümmerlich leben müßte, weilen bisher fast all« solche Äccidenzen auf den: Lärche und in hiesiger Stadt von anderen Fremden und sonderlich hiesigen Soldaten ihm entzogen uird abgeschnitten wurden, mit unterthänigster und inständiger Bitte, Wir wollten in Ansehung dessen, gnädigst ver- willigcn. gleich wie vorigen Thurnmann allhier die Aufwartung bet Hochzeiten imd andern Borfallheiten vor Fremden, nur für sich und dt« Seinige und zu desto besseren Haltung nötiger« Gesindes ein Stück Brod zu erwerben, zu gelassen und ver- stattet sei, daß also auch lhin Faulstichen tn hiesiger Stadt und Amte dergleichen vergönnt werden möchte. Nachdem wir dann, gestalten Dingen noch und in Erwägung berührter Motiven, «einer des Thurmnannes unterthänigster Bitte tn Gnaden definieret haben, wofern er vorher jid) nicht allein veroblrairei sich jederzeit mit quatistclrten Tüchtigen Leute zur MM 671 — halten, sondern auch solches Wittib prästiren >mrd, nm wir hiermit gnädigst, dass 'Unser 'Bürger und ge- pieiner Unterthan hiesiger Stadl und Amts Giesen von nun n intb hinforderS, vis wir ein anderes verordnen, schuldig ad gehalten sein soll bei Hochtzettm und sonsügen Feslla täten 1 Vermeidung oynauSblciblrcher Strafe, keiner Frmrden oder siändiscken Musikanten, sondern wenn sie einige verlairgen, jedesmal seine, bcmeldeten Thurnnianns Auftvartung mit sei- ! Instrumenten sich zu «brauchen, icdord ferner dergestalt, j alsdann er Thurnmann hingegen mehr nicht von den deuten ,, Lobir /ausser den Ncbenverehamgen) als jedes Tags von linet Dtllwme einen halben Gulden zu nehmen befugt s«in solle> »äre aber einer oder der andere, welcher ihm aus frryem, guten Dillen von einer Gtmttn« mehr geben wolte, dasselbe bleibt olchem zu thun und dem Thurnmann cS anzunehmen unvcr- vten Sollte sich denn auch etwas zutragen, daß der Turnmann im Aufwartung anaelaugt würde, solch« aber, well er bereit- i chon hier oder da darinnen wirtlich begriffen wä«, oder sich onst anderwärts schon versprochen hätte, pari passu oder zur betrüge nicht prästiren lärmte, solchenfalls und ebenicht ist einem «den seine Beförderung anderwärts utw außerhalb bei andern fc und Asusländischen Ui suchen und sich davon zu bedienen erwehret. Uns befehlen hiermit UNsern Beamten samt und sonders hiermit gnädigst, daß fite auf diese Unsere Verordnung sehn den slburnmann da der auf sein Ansuchen handhaben, und ihn dawider nicht beschiveren lassen sollen. Urkundlich Unserer eigenhändigen Gubscription und ausaedruckten Fürsll, Seccret-Jn- steaels. Signatum Gießen 17. August Anno 1696. Aus dieseni Privilegium acht hervor, daß schon vor dem ? *« 1696 der Türmer in unserer Stadt aleichzetttg Muer war und zweifellos wie seine Nachfolger Leut« gehalten l, die grwissernraßen die Stadt kapelle gebildet haben, Auffällig daß in dem Schriftstück der Türmer als Turnmann bezeichnet rd. Aus einem weiteren Blatt, datiert Darmstadt LI, Februar 1796, befindet sich die Allstellungsbestätigung für den vom Stadt- pat in Gießen für die erledigte St«Ue deS Thurnmanns — und K e es wörtlich darin heißt — Stadt Vdustcus Albert Conrad ldhaus auS Alsfeld, welche „Ad Spezial Mandatum Sermiißim» anädigft crmfirnckert und bestätigt haben Fürstlich Hessische Präsident, Kanzler und geheime Rätüe," Mm Fahre 1806 wurde von Üudewrg X. Landgraf zu Hessen, Herzog zu Westphalen und Enger», Pfalzgraf brr Rhein usw, das Privilegium des TürmecS als Stadttnuftker bestättgt und zwar für den seit 1796 im Aull« befindlichen Feldbaus, Dessen Recht hu musizieren wurde verbriest , für .die Stadt und Bürgerschaft tu Gießen? für das Amt Metzen sowie Tür die H'üllenberger AmtS- Doerfer", Jll, Behinderungsfall des TürmerS sollten auch alsdann einheimische Musikanten gegen Erlegung des „m Unserer sTanzordnung bestimmten TareS ohne ihm Thurnmann wie tn irdachte Ordnung gedacht ist, daß falls einiges Stimmgelb zu eill- lichtrn," das Auftvarten erlaubt fein soll, — Im Gegen iah zu >cr Urkunde von 1696 bestimmt das Privilegrum bon 180b aus- nücklich, daß die „honoratoreS bei der Reaterung, Universllät und NtUtäre" davon entbunden sind, Di« Urkunde, datiert Darmstadt I, Februar 1806, AuS Höchstem Special Auftrag Landgräslich iesstsches Geheimes Ministerium, Tie Kosten dafür bestanden in laiq 8 Gulden 46 Kr„ Paprer 46 Kr„ Porto und Erhebgebühr 4 Kr,, Summa 9 Gulden 64 Kr. Eine weitere Urkunde, datiert Darmstadt 9, Maerz 1818, hat Eingang- folgenden Wortlaut: Wir Ludwig von Gottes Gnaden Grotzherzog von Hessen uick> bei Rhein pp, urkmrden und bekennen hiermit, wie Wir auf daS jlnterthäntgste Nachsuchen llnsereS Unterthanen und ThurnmaunS ohanneS Bauer zu Gießen, daß wir gnädigst geruhn möchten, f von Unser in Gott ruhenden Herrn Urgrotzvaters Gnaden seinen rfahren unter in 17, August 1696 uns nach und nach auf dessen 'ifolger von Uusers gotrseelrgen Herrn Großvaters und Barer- „den und von uns erneute folgendermaßen lautende Privilegium, folgt hier wörtlich der Text der Urkunde vom Jahre 1696, S Jm Tert der Erneuerung des Privilegiums, welches sich übrigem Sinne nach dem der Urkunde von 1806 anschließt, wird kurz in Bezug auf das Privllegium für Bauer bemerkt, eS wir auf die höheren Stände nicht ausge- dehnt wissen wollen". Ueber die Tättgkett der Gießener Stadtkapelle geben uns eine Reihe von recht interessanten Schriftstücken Ausschluß: Unter bem 1L. Januar 1826 unterrichtet die Großherzoglich Hessische Polizei- ßiepuhttton den Stadttnusikus Bauer, „daß ihm zivar das Neujahr» pvLlasen hiermit, nochmals, jedoch zum lebten mal gestattet werden, tt aber rat das nächste Jahr für die nötbige Liquidation des ihm Ergehenden Betrags voraus zu sorgen und sich aus dem geeigneten Wege eine angemessene Entschädigung zu bewirken habe, indem «ckrdann das entlassene Berboth unnachstchtlich iimegehalten werden soll," Doch es wurde auch damals nicht so heiß aegessen, wie gekocht winde. Die heilige Hermandat von an"" 1826 hat auch nachher daS «Sejahrabblasm des GtadtmusikuS Bm,er und seiner Leute später noch geschehen lassen. Jedenfalls war der Gemeinderat von damals auch nicht so gebefreudig, eine Entschädigung für dm Ausfall der Nmjahrsmusik zu bewilligen, Das Neujahr-Anblasen hat sich später noch erhaltm, und wohl erst in den letzten 60 Jahren ist nian dazu libcrgcgangcn, daß die Stadt Silvester und am erstm Neuiahrstag in der Frühe vom Turm etnm Choral blasen läßt, der heute noch durch die Bauersche Kapelle gespielt wird. Aber auch die höheren Stände scheinen in Gießen im Anfang des vorigen Jahrhunderts aus die Stadtkapelle des Türmers Bauer angewiesen gewesen zu fern. Am 1. Junr 1880 schloß die Musikalische Gesellschaft tn Gießen mit dem Stadtmusikus Bauer etnm Beitrag ab, wonach dieser verpflichtet war. für die Konzerte und Proben der Gesellschast nach Anordnung des Musikdirektors folgende Sttnrmen gut zu besehen, r 2 Violinen, 2 Klarinettm, 2 Fagotte, 2 Hörner, und diese zur Verfügung zu stellen, Bauer bekam dafür jährlich 200 Gulden, in V* Jahresraten bezahlt. Außerdem aber für jedes Konzert, bei dem er mitwirkte, sür seine Person allemal 1 Gulden 80 Kr,, rat jeden seiner Leute in der Regel 50 Kr,, für denjenigen unter ihnen, welcher nach Anordnung des Musikdirektors ein Solo vorträgt, 1 Gulden 30 Kr, Nach ß 2 des Vertrages mußte der Musikus Bauer außer den 8 Musikern noch einen geschicktm Geiger halten, den der Her« Musikdirektor wmigstens zur erstm Violine tn Sinsvnim, Ouvertüren und sonstigen Ensemble-Stücken brauchbar befindet. Am 1. Januar 1833 schloß auch die Universität mft dem Stadt- musikuS Bauer einen Vertrag, wonach dieser der Musikalischen Gesellschast und dem Gesangverein (wohl der Mademische Gesangverein) 2 Klarinetts, 2 Fagotte und 2 Hörner zu derm Proben und Konzerten zu stellen batte. Es wird auch bestimmt, daß, wenn es ohne Nachteil sür ihn sein kann, Bauer die Kapelle auf 7 Sttmmen verstärkt. Selbstverständlich stellt Bauer auch die Jn- mrammte. Im 8 2 des Vertrages heißt es: Herr Bauer hat dazu Stimmen mtt seinen Gehllfm zu besetzen. Als solche werden indes nur die eigentlich bei ihm tn Kondition stehenden Musiker betrachtet, keineswegs aber andere, hier oder in der Nähe wohnende Musiker, mit denen Bauer etwa in dieser Hinsicht «in Abkommen treffen wollte. Die Universllät zahlte nach dem Vertrage dem Stadttnusikus Bauer jährlich 100 Guldm, Wegm der Bezahlung der Musik blieb es bei den Sätzen, die mit der Musikalischen Gesellschast vereinbart warm. Am 80. Juni 1833 erläßt der Vorstand der Musikalischen Gesellschaft an den Stadttnusikus Bauer eine den Vertrag, der »wischen ihnm besteht, schärfer umfassend« Jnstruftion, Ts scheint bei dm Konzerten und Proben seiten- der Musiker vorgekommen zu sein, daß solche gefehlt habm, auch scheint man wegm der Bezahlung Disfermzm gehabt zu haben. Alle diese Punfte sind tn dem Schriftstück nach jeder Richtung hin eingehend erörtert und festgelegt. Am 8, Juni 1850 fordert der Gesellschaftsvorstand Musik- Direktor Hoffman» aus, die Ordnung der Musikalimsammlung der Gesellschaft vorzunehmen. Sollte er dabei Aushilfe gebrauchen, so wlld dazu der Musikus Knaus beauftragt werdm. Im Jahre 1866 besteht das Verhältnis deS StadtmusikuS Bauer mit seiner Kapelle und der Musikalischen Gesellschaft und der Universität noch fort. In einem Schreibm, datiert vom 22, März, fordert der Gesellschaftsvorstand dm Musikdirektor Hossmann auf, sich baldigst darüber zu äußern, ob der Stadttnusikus Bauer seine vertraglichen Obliegenheiten noch erfüllt. Die« wird vom Vorstand verneint. Die Gesellschaft beabsichtigt, der Akademischen Administrations-Kommission Vorschläge für anderweitige Verwendung des für das Orchester bestimmten Fonds von 100 G. zu machen. Man wünscht aber vorher Angabm über die Vertragserfüllung durch dm Stadttnusikus Bauer und Vorschläge über die Person dessen, auf den der Bauersche Vertrag übertragen werden könnte. Damit enden die Blätter, welche dartun, daß die Honoratioren und die Universität sich der Bauerschm Stadtmusik bedient haben. Pros. Büchner berichtet tn Gießen vor hundert Jahren (Verlag von Roth 1879) daß die Musikalische Gesellschaft schon Ende des 18. Jahrhunderts bestanden hat, daß deren Konzerte aber offenbar nicht öffentlich warm, well sie im Wochenblatt nicht angezeigt wur« dm, Erst 1796 wurdm diese Veranstaltungen öffentlich im Hatzel« schm Saale, Nmen Bäue, avgehaltm und dazu im Wochenblatt ein« geladm. Einen interessanten Einblick in die Verhältnisse mit dem Nachbarstaat Prmßm gibt eine Eingabe an bas Könialtche Ministerium des Innen: für Handel und Gewerbe tn Berlin, die für die Musikgeschichte Gießens auch wichtig ist und folgendm Wortlaut hat! Unterthämaste Vorstellung der Wctnhandlung Seivv u, Gebr. AsmuS zu Gtcßm, als Besitzer einer Wetnwirtschaftsanlage zu Gleiberg Kreis Wetzlar betreffend Zulassung von varmo- niemusik. > In einer Besitzung, welche wir seit 9 Jahren zu Gleiberg eine kleine Stunde von Gießm habm, legten wir, da dieser Ort nach dem Urteil vieler Reisender einer der schönsten und alterthüm- lichstm Ruinm tn ganz Preußen besitzt, eine Wetnwirtschaft an. Einige Male im Jahre vftegte der Thürmer, zugleich Stadt- musikus von Gießen, mit seinem Mustkchor tn dtesem unsem »io» kale Darmonienrusik und Konzerte aufzusührm. Im verslos» smm Jahre wurde jedoch diese Niemanden beeinträchtigende und störende Unterhaltung dadurch beunruhigt und untervrochm, daß 572 darauf bestanden wurde, daß der Thürmer einen Gewerbeschein lösen müsse. Ta dieser 12 Taler kostet, eine Summe, die bey dem 3- Imaligen Spiel während eines Sommers nicht leicht zu erübrigen war, so musste diese Auflage einem Verbot« S leich wirken, welches uns um so unbilliger erscheint, da di« »archoisten auS Wetzlar in ähnlicher Weise auch in Gießen zu Spielen pflegten, ohne daß ihnen von den hessischen Behörden die Lösung eines Gewerbescheins angesonnen ward und da der Türmer von Gießen insbesondere für Gleiberg und die ganz« Umgegend nützliche Dienste leistet, indenr er vom Thurm« zu Gießen herunter auch die preußischen Orte des Ankreises gegen Feuersgesahr zu überwachen hat, ohne von diesen dafür ein« Belohnung zu erhalte». Dieses haben wir auch, so wie überhaupt die einschlagenden Verhältnisse in einer Eingabe an die Königliche Regierung zu Koblenz vom 18. Februar d. I. vorstellig gemacht, woraus uns von derselben eine Verfügung vom 16. April zugegangen ist, welche sich in Rücksicht aus diesen Gegenstand dahin äußerte, daß über die Frage, ob die allerhöchste Kabinettsordre vom 14. Oktober d. I., wonach Musiker, welche ihr Gewerbe außerhalb des .Polizeibezirks ihres Wohnorts, jedoch nicht in ^iner Entfernung über zweh Meilen von letzterem betreiben, dazu keines Geiverbe- scheins, sondern nur einer polizeilichen Legitimation bedürfe^ .auch aus Ausländer Anwendung finde? — der Entscheidung des Königlichen Ministeriums des Innern sür Handel und Getverbe und der Finanzen entgegen gesehn werde. Ta unS eine weitere Mitteilung bis jetzt nicht zugcgangen jst, so glauben wir, dieses als ein Zeichen ansehn zu müssen, daß die erwartete ministerielle Entscheidung iwch nicht ersolgt ist. Ter Gegenstand liegt uns indessen am Herzen; wir ivagen es daher jetzt an dieses hohe Ministenum uns unterthänigst zu Wenden. Wir glauben schon im allgemeinen voraussetzen zu dürfen, daß es nicht in der Absicht der hohen Ministerien liegt, an den Grenzen gegen einen deutschen Bundesstaat sür die Verhältnisse der Grenzbewohner scharfe Grenzen ziehen zu tvollen, wo kein g :er Staatszweck dies als nothwendlg gebietet. Wenn nun überhaupt kein Grund solcher Art hier eine verschieden« ndlung ausländischer und einländiger Musiker ersorderlich machen könnte, so wird dies gewiß iroch weniger zwischen zlvet Staaten der Fall sein, die so befreundet und verbunden sind, wie Preußen und Hessen, und während das letztere namentlich den preußischen Unterthanen überall, wo nur irgend möglich, gleiche Behandlung wie seinen eigenen widerfahren läßt: Auch glauben wir noch besonders Hervorheben zu müssen, daß von keiner Tanzmusik, sondern nur von Aufführung werthvoller Musikstücke an Szenen wringen schönen Sommertagen, vor einem ausländischen gebildeten Publikum dir Rede ist, das zum Nutzen der Staatskasse und des Orts Gleiberg dorthin sein Geld zur Verzehrung bringt. Endlich aber dürfte dem StadtmusikuS von Gießen dafür, daß er das ganze Fahr hindurch zugleich dir nahen preußischen Orte überwacht, diese Erlaubnis wenigstens als eine kleine Vergünstigung zu gönnen sein, zumal kein Anderer durch sie auch nur entfernt benachteiligt wird, indem im Kreise Wetzlar ähnlich« Musik durchaus nicht zu haben ist. der Hoffnung, daß diese Verhältnisse und Gründe einer gnädigsten Berücksichtigung sich zu erfreuen haben werden, wagen wir daher die unterthänigste Bitte auszusprechen. Daß die betresfenden hohen Ministerien, wenn nicht schon aus allgemeinen Gründen unser Wunsch gewährt werden könnte, gewähren mögte, jene seltenen imb unschädlichen Musikaufsüh- rungen des Thürmers zu Giesen in unserer Anlage zu Gleiberg während des Sommers doch zum mindesten Vergünstigungsweise ohne Geiverbeschein gnädigst zu gestatten. DaS Schriftstück trägt leider weder Jahr noch Datum, doch liegt ihm in Abschrift die Antwort des 'preußischen Ministers v. Aloen sieben bei, datiert Berlin, 6. März 1835, ivonach dieser aus die Vorstellung vom 12. November 1834 ausnahmsweise dem Thürnier laus Gießen und seinen Leuten ohne Lösung eines Gewerbescheines gestattet, in der Wirtschaft „Etablissement zu Gleiberg" Musik zu machen, welche Abschrift dem Musikus Bauer von den Weinwirthen B. Seipp und Gebr. Asmus zur Kenntnisnahme mit geteilt wird. Hiermit schließen di« Blätter, welche Auskrmst über das musikalische Leben in unserer Stadt geben. Interessant wird nun noch sein eine Instruktion für den hiesigen Stadtthürmer, unterzeichnet „Der Bürgermeister C. Silbereisen." Leider trägt das Schriftstück wA»er Datum noch Jahr, doch war Silbereisen 1835 bis 1845 im Amt. Die Schrift hat folgenden Wortlaut: Das er 1. gemeiner Stadt Gießen getreu, hold und gewärtig sein solle, gemeiner Stadt Schaden allezeit getreulich warnen und sclbsten keinen zuftigen, die Wacht sowohl bey Tag als bey Nacht zum fteißigsten versehen, die Schlaguhr so viel möglich nach der Sonnen llhr stellen, auch Tags mid Nachts alle Stunden und Schläge mit dem Zug melden und anzeigen, nicht weniger des Nachts alle Stunden die Uhr ans der einen Seiten der Stadt abblasen. L Soll er jederzeit aus Feuerbrunst und and« Um gemach, auch Verräthevey wohl Sichtung geben, und wenn ef etwas vermerken würde, solches sogleich anzeigen. Wo auch etwa ein Feuer in der Stadt cmskchn« soll er solche» so wo» bey Tag als bey Nacht mit etlichen Feuerschlägen ans dttl großen Glocke anzeigen und da solches bey Nacht geschehe ein« Leuchte inft einem brennenden Licht gegen den Ort, wo da« Feuer ist an einer Stange aushangen, des Tags aber die Feuer» sahn« nach dem Ort des Feuers auSsteck^n. Wofern ,r aber eis Feuer außerhalb des Stadt gewahr tverden sollt«, woraus et ebensowohl fleißig Sichtung zu geben hat so soll er solches dem jetzigen Herrn Commandmiten, wie auch Herrn Beamten uns dem Herrn 'Bürgermeister öhnverwellt nzeißen. 3. Soll er darauf sehen, daß es auf dem Thurm reinlich gehalten und nichts verunreinigt werde, noch durch den Unrat» und Urin, weder von ihm selbsten noch durch die Deini« mg das Kirchendach öder an die Straße geschüttet weröe. Er soll und will auch sich des übermäßigen Trunks gänzlich enthalten, auch ganz kein Zechen auf dem Thurm änregen noch gestatte», 6. Auf Fest- und Sonntags-Morgens wenn der GotteSdaenH vredlget ist und di« Bürgerschaft au» der Kirche gehet soll (I den Gesang, so des Morgens vor der Predigt gesungen worden^ spielen, auch bev dem Abblasen um Weihnachten, Fasten, Öfters Pfingsten und dergleichen Zeiten, di« auf solche Zellen gewöhn» liche Lieder gebrauchen und spielen. 7. Wann er vom Pfarrer oder Musikoirector in die Kirche gefordert wird, soll er samt seinen Gesellen mit deren J!nstrw> nienten sch unllig und unverdrossen dazu gebrauchen lassest, weßhalbcn er denn auS den Kirchenkosten mit einer Besoldung bedacht worden. Nach gründlcher Musik soll er sch miede» auf den .Thurm verfügen und seine Schuldigkeit in O ballst nehmen, wie er denn ohne Erlaubniß des Herrn Bürger» Meisters sch ntemalen von dem Thurm entfernen soll. 8. Soll er sch gegen jedermann sriedlch und freundlich erzeigen, gegen Niemand einiges Gezänk« erregen, sondern in seinem Slmte sich also verhalten, daß Niemand über ihn aen gründete Klage zu führen Ursache hat, auch überhaupt sich also verhalten wie einem getteuen Diener und Thurmmanä ihrer ist die Silbe Thurm das erstemal in Verbindung »uit der Silbe mann mit m geschrieben) zu thun oblieget. Es handelt sich bei diesem Auszug jedenfalls um Besttmmunges einer schon weit älteren Instruktion für den Türmer, die man iS ihren wesentlichen Bestimmungen für nötig hielt, dem Mann» einmal wieder ins Gedächtnis ziirückzurufen. Die Erwähnung, auf Verrätcrei allst zu geben, läßt schließen, daß die Instruktion noch aus der Fcstungszeit stammt. Ti« im Schriftstück nicht erwähnten Punkte 4 und 5 der Instruktion hat der Bürgermeister gewiß wcggelassen, weil sie nicht mehr für die Zeit gepaßt haben. Im allgemeinen besteht heute noch dieselbe.Jnstruktton sür die Wäcmek ans dem Stadtttirm, soweit eS sich um Feuerlärm bandelt. Oh die Türmer auch Slnweisung über die Reinhaltung bei Turme» haben, wissen wir nicht, doch ist uns bekannt, daß ei noch gar nicht lange her ist, daß der Kirchen Vorstand bei der Bürgermeister« sich beklagt hat, daß vom Turme ans das Kirchendach verunreinigt sei und um Slbhilfe gebeten hat. Damit schließen die vergilbten Blätter, soweit deren Inhalt Einblick gewährt in ein wichtiges Kapitel unserer Gießener Lokat- geschillste. Nach einem Vertrage von 1865 scheint die Mustkaltsch« Gesellschaft sich in eine Musikkommission verwandelt zu haben, welche mit dem Musikus PH. Bauer einen sehr scharfen Vertrag als Einzelmusiker abgeschlossen hat. Hiernach wurde dieser als Violinist und Tenorbläser mit einem Jahresgehalt von 350 Gulden fest engagiert, und dem Bezug desjenigen Teiles von 20 Prozent vom Bruttoerlös von Konzetten usw., der auf seinen Kopf fällt, wenn er bei der Musik mitwirkt. Der Inhalt de» Ver- trages würde nach der heutigen Rechtsauffassung direkt gegen die guten Sitten verstoßen. Wie lange die Vereinbarung gehalten hat zwischen deni Komitee und dem Türmer und Musikus Ph. Bauer, wissen wir nicht. W. 8!at Aufgabe. Vorhand spielt Coeur-Solo auf solgeude Karten: i ! w w V 7 <2 V <2 <2 Q c> <2 Q <2 Q <2 V 7 Q <2 <2 Q ♦ * ♦ ♦ ♦ W **♦ ❖ ÖMI * * Sie gewinnt das Spiel mit Schneider. Wie waren di« Karten verteilt und wie wurde gespieit? Auslösung in nächster Nunimer. Sluflösunq des Zilatenräisels in voriger Nummer Sicher ist der schmale Weg der Psticht. Redaktion: Au». Goetz. — Rotationsdruck und Derlaa der Brühi'sche» Universitäts-Bucb- und Sleindruckccci, 91. Lange, Gießen,