Mittwoch, den ty. Gttober Kinderseele. Noman von Reinhold OrtmanN. (Nachdruck verboten.) (Schluß.) Margarete klopfte jetzt leise an die Tür der Bibliothek, und der Mann da drinnen mußte wohl an der Art das Nochens die Einlaßheischende erkennen, denn die Tür wurde hastig geöffnet, und an beiden Händen zog Bardeleben die Erzieherin seiner Tochter zu sich herein. „Mein süßes Lieb ! — Und schon im Reisegewand ! Es Wird also nun wirklich und wahrhaftig Ernst?" Sie Fügten sich nicht, denn noch fiel der Schatten einer Loten über dies Haus, und sie gestatteten sich keine anders Zärtlichkeit, als sie im Mang ihrer Stimmen war und im Blick ihrer Augen. Ihnen aber war es genug, um sie in teder Minute von neuem mit der seligen Gewißheit zu er- füllen, daß jedes von ihnen nur noch in dem anderen lebte. „Ja, es wird Ernst. Dita weiß, sich vor freudiger Ungeduld kaum noch zu lassen." „Es fällt ihr also allem Anschein nach nicht sonderlich schiver, sich von ihrem Vater »u trennen/ „Sie ist eben ein Kind uM> gibt sich wie «in Kind mit ganzer Seele der Wonne des Augenblicks hin. Wollen wir Nicht" deni Himmel danken, Harro, daß es so ist?" „Ja, dem Himmel will ich dafür danken, Margarete — und vir! Denn die Wandlung, die sie wieder zu einem rechten. frohgemuten Kinde gemacht hat — wer anders hat sie bewirkt als du? Daß ihr der Abschied von Klein-Ellbach letzt so leicht wird, nehme ich mir ja auch nicht weiter zu Herzen. Du wirst schon dafür sorgen, daß sie ihren armen, einsamen Vater nicht ganz vergißt." Margarete lächelte. „Ich vermute allerdings, daß zwischen ihr und mir des öfteren von dem Herrn Baron die Rede sein wird. Und seinem Töchterchen gegenüber kann ich doch unmöglich anderes als Gutes von ,hm sprechen." „Das ist eine Zusage, an die ich mich klammern werde. Die Belohnung allerdings muß ich mir für später aufsparen. Ach, daß so viele Monate zwischen dem Heute und diesem ! Später liegen sollen! Ich kanws ja noch gar nicht recht assen. Muß es denn in Wahrheit sein? Gibt es denn gar otne Möglichkeit, uns diese grausame Trennung zu er- paren?" „Nein, es gibt keine. Ich würde unbedenklich alle Rücksichten beiseite gesetzt und jedem Gerede Trotz geboten haben) solange ich dich in Gefahr sah, und solange ich hoffen durfte, vir durch mein Verbleiben auf Klein-Ellbach zu nützen. Jetzt aber dürfen wir nicht unter einem Dache weilen, solange —" Sie stockte in holder Verwirrung, und Bardeleben ergänzte statt ihrer: „Solange die Welt von uns fordern darf, daß wir den Pflichten der Pietät gegen eine Dahingeschtedene genügen. Da eS dein Mlle istz soll es geschehen. Denn die Ruhe deiner Seele ist mir heiliger als irgend etwas auf Erden. Am Ende werden utir ja auch nicht daran zugrunde gehen. Ich habe die wohlbewährde Trösterin Arbeit, die mix helfen muß, meiner Sehnsucht Herr zu werden. Und du hast Dietlinde. Als allerbestes Schutzmittel gegen alle uuzeitigrn Kümmernisse aber haben wir beide hie Gewißheit unserer Liebe. Wie sollte es uns da nicht gelingen, zuversichtlichen! Herzens auch über diese letzte Prüfung hinwegzukommenI" Mit einem strahlenden Mick sah sie zu ihm aus. Sie wußte, wie schwer es ihm trotz seiner scheinbaren Gefaßtheit wurde, sie gerade jetzt von sich zu lassen, und sie gelobt« sich, ihm dereinst dies Opfer zu vergelten mit allem, was sie zu geben hatte. „Nun aber laß uns zu Dita gehen," bat sie. „In dieser letzten Stunde vor unserer Abreise darfft du niemandem gehören als deinem Kinde." 25. Kapiel. Die Tage kamen und gingen, und Bardelebens Vertrauen auf die ivundertütige Macht der Arbeit wurde nicht zuschanden. Seine eigenen Leute wie die benachbarten Grundbesitzer erstaunten immer aufs neue über die Tatkraft und Energie des Schloßherrn von Klein-Ellbach, den zu Lebzeiten seiner Gattin alle Welt für einen ziemlich schlechten Wirtz- schaster gehalten hatte. Dabei lernten seine Untergebenen sehr bald empfinden, um wieviel besser sie sich unter einem zwar strengen, aber humanen und gerechten Herrn befanden als unter dem launenhaften Regiment der hochmütigen und herzlosen Frag, die sie bis zu ihrem Dode als ihre wahre Gd-> bieterin betrachtet hatten. Man sprach nicht von ihr, seitdem Bardeleben kurzerhand zwei seiner Leute fortgeschickt hatte, die sich im Wirtshause unehrerbietige Aeußerungen über die verstorbene Baronin erlaubt hatten; aber die Gefühle, mit denen man ihrep gedachte, waren sicherlich nicht die der Trauer und des liebevollen Erinnerns. In Reinswaldau freilich kam das Gerede über das Drama von Klein-Ellbach noch nicht so bald zum Verstummen. Man hatte die Kunde von dem Geständnis des sterbenden Reibnitz merkwürdigerweise nicht wie eine gewaltige Ueberraschung, sondern wie etwas längst Erwartetes ausgenommen, und es hatte nicht ausbleiben können, daß sich ein Teil des Abscheus, den man gegen den Mörder empfand, auch auf diejenige übertrug, die unter Verleugnung ihrer Pflichten diesem Ruchlosen angehangen. Lebhafter noch als zuvor bemitleidete man den Werkmeister Kreidel, und man würde es nur als ein wohlverdientes Schicksal betrachtet haben, wenn man gehört hätte, daß Regine in dem großen Berlin elend zugrunde gegangen sei. Um so größer war deshalb die allgemeine Entrüstung, als sich eines Tages, kaum sechs Wochen nach Reibnitz' Tode, in Reinswaldau das Gerücht verbreitete, die Regime Kreidel sei wieder da, und ihr Vater habe sie bei sich ausgenommen, wie wenn nichts geschehen wäre. Das konnte man ihm auch 642 baitu lischt verzeihen» als man Gelegenheit hatte, bei zufälligen Begegnungen oie traurige Veränderung wahrzunehmen, die seit ihrer Flucht aus dem väterlichen Hause mit dem jungen Mädchen vorgegangen war. Es hieß, sie sei nach den Bekenntnissen des ehemaligen Volontärs selbst in eine ernste Krankheit verfallen, die auf ihren Wunsch dem Werkmeister hatte verheimlicht werden müssen, und ihr Aussehen, schre Hagerkeit und Blässe sprachen beredt genug für die Wahrheit dieses Gerüchts. Aber das war doch am Ende nur K bstverschuldetes Leid, und man begriff nicht, wie der alte ann als dadurch gesühnt ansehen konnte, was nach der Auffassung der Sittenrichter von Reinswaldau überhaupt nicht zu sühnen war. Da ereignete sich eines Tages etwas, das die Selbst- sicherheit der allzu gestrengen Richter bedenklich erschütterte. In der Morgenstunde des Ostersonntags, als sich die halbe Einwohnerschaft von Reinswaldau auf dem Wege zur Kirche befand, mußte man das überraschende Schauspiel erleben, daß Regine 'Kreidet zwischen ihrem Vater und dem Baron Bardeleben dem Gotteshause zuschritt, und man sah den Schloßherrn von Klein-Ellbach so freundlich und herzlich »u dem blassen Mädchen reden, daß man sich nicht genug! darüber verwundern konnte. Noch nachdenklicher aber wurde man gestimmt, als der Geistliche in seiner Predigt das herrliche Wort:„Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet!" mit einer Eindringlichkeit behandelte, die unverkennbar von einer ganz bestimmten Absicht veranlaßt war. Im weiteren Verlauf des Tages wurde in den meisten Häusern des großen tzndustriedorfes von nichts anderem gesprochen als davon, daß nach deni Gottesdienst der Baron, der Pastor, der Werkmeister und die Regine in der Klein-Ellbacher Equipage miteinander davongefahren waren, die drei letzteren ohne Zweisel als geladene Gaste des Herrn von Bardeleben. Da wurden die Lästerzungen stille, denn für die Leute von Reinswaldau gab es jetzt kaum eine geachtetere Persönlichkeit als den Klein-Elibacher Schloßherrn, dem in der Stille des Herzens beinahe jeder etwas abzubitten hatte, und dessen imponierende Erscheinung überall dem tiefsten Respekt begegnete. Man fing wieder an, Regine zu grüßen und zeigte ihr freundliche Gesichter. Der letzte Rest von Entrüstung aber verflüchtigte sich in nichts, als eines Tages auch der Buchhalter Brehmer Wieder in Gesellschaft des alten Kreide! und seiner Tochter gesehen wurde, und als der Werkmeister jedem, der es hören wollte, erzählte, daß ihr ehemaliger Verlobter zum zweiten Male um die Hand der Regine angehalten habe. Das junge Mädchen selbst mochte die offenkundige Wandlung der öffentlichen Meinung wohl als eine Befreiung von t hwerem Druck empfinden; aber es war doch weder um ieser öffentlichen Meinung, noch um ihres Vaters willen i eschehen, daß sie dem standhaften Bewerber ohne Zögern jr Jawort gegeben. Aus vollem, freudigem, dankerfülltem merzen hatte sie «S getan, beruh-igi und erhoben von der Gewißheit, daß sie unter dem Schutze des treuen und redlichen Mannes finden würde, was der schiffbrüchige Aristokrat ihr nimmer zu geben vermocht hätte. Als der Sommer gekommen war, siel «in Schwarm von Arbeitern über das Klein-Ellbacher Herrenhaus her. Ein namhafter B-veslauer Architekt leitete die Arbeiten, die dazu bestimmt waren, dem alten Schlosse seinen düsteren Charakter zu nehmen und ihm durch eine Reihe baulicher Veränderungen ein gefälligeres und fröhlicheres Aussehen zu geben. Die Umgestaltung blieb nicht auf das Aeußere des Gebäudes beschränkt. Aus den Repräsentationsräumen im unteren Stockwerk wurde der steife, prahlerische Pomp entfernt, der vor Jahren aus den Wunsch der Baronin dort seinen Einzug gehalten hatte. An die Stelle der Prunkmöbel kam wieder die alte, wohnliche Einrichtung, die jene Gemächer zu Lebzeiten des alten Barons so anheimelnd gemacht hatte, und es war, als würde mit jedem Stück auch ein Stück der traurigen Erinnerungen mnausgetragen, die für eine von langer Abwesenheit Zurückkehrende vielleicht cm diesen Räumen haften mochten. Eines Morgens brachte die Post dem Schloßherrn ein parfümiertes Brieschen mit der wohlbekannten Handschrift seiner schönen Base Jadwiga. Fräulein v. Ostrowski schrieb nicht zum ersten Male. Schon sehr bald nach der unerwarteten Aufklärung über den Tod der Baronin hatte sie ihrem Vetter m einem sehr langen und sehr freundschaftlichen Briese die Gründe auseinandergesetzt, die sie zu einer so plötzlichen Abreise bestimmt hatten, und sie hatte für ihre Handlungs- wets« mit erstaunlichem Geschick eine Erklärung gefunden, die jeden Verdacht der Feigheit und dep herzlosen Selbstsucht von ihr nahm, sofern ebender Leser des Briefes geneigt war, ihr Glauben zu schenken. An dieser Gläubigkeit aber mußte es Bardeleben doch' wohl gefehlt haben, da seine Erwiderung so höflich kühl und gemessen ausgefallen war, nkie die schöne Jadwiga es wahrscheinlich kaum für möglich gehalten hatte. Nun hatte sie sich nach monatelangem Schweigen trotzdem zu einer abermaligen Anknüpfung bewogen gefühlt, und diesmal war ihr Briefchen sogar noch um ein gut Teil wärmer und herzlicher gehalten. Sie schrieb, daß ihr Weg sie in der Nähe ihres! sieben und unvergeßlichen Klein-Ellbach vorüberführe, und daß sie glücklich sein würde, einige Stunden an der Stättö ihrer teuersten Erinnerungen zu verleben. Mehr noch als in dem liebenswürdigen Schreiben selbst war vielleicht zwischen den Zeilen zu lesen. Aber der, für den es bestimmt war, stellte sich gänzlich verständnislos, Mit wendender Post erwiderte er der Briefschreiberin, dag er zu seinem lebhaften Bedauern darauf sie in nächster Zeit auf Klein-Ellbach z man hier eben inmitten einer Menge von baulichen Veränderungen und sonstigen Vorbereitungen für die Aufnahme der neuen Schloßherrin begriffen sei. Den Namen der erwarteten Herrin nannte er nicht; darüber aber, daß er nicht an den ihrigen gedacht hatte, konnte nach dem Wortlaut des Briefes für die schöne Jad„ wiga nicht wohl ein Zweifel bestehen. Sie schrieb denn auch niemals wieder. Zwischen dem schlesischen Herrenhause und einer in leuchtendes Grün gebetteten weißen Villa am Gardasee waren während all dieser Monate unzählige lange und kurze Briefe hin und her geflattert, und jeder von ihnen war ein freudig begrüßter Glücksbringer gelogen. An einem herrlichen Spätherbsttage aber, der die ganze Fülle seine- pinkelnden Sonnengoldes über die lieblichen Gestade aus- gost kam Harro v. Bardeleben selbst, um nach fast neun- monalticher Trennung wiederzusehen, was ihnc auf Erden das Liebste war. Als er sein in Gesundheit und Jugendlust strahlende- Kind und mit ihm zugleich dessen lieblich erglühende hüte-, rin in die Arme schloß, kam ein Glücksjanchzen aus feine» Brust, das alle Worte erstickte. verzichten müsse, . begrüßen, weil wie Antwerpen vor 329 Jahren fiel. Schiller hat in seiner zuerst in den „Horen" vev< öffentlichten großartigen Darstellung „Belagerungvon Antwerpen durch den Prinzen von Parma in den Jahren 1584 und 1585 “ ein Muster klarer und lebendiger Geschichtsschreibung geboten. Mit dem Auge und der Phantasie des Dramatikers ist dies Trauerspiel eine- heldenhaften Ringens ausgebaut und erreicht seinen Höhepunkt in der Schilderung der letzten Kämvse um die inneren Berschanzungen der Stadt und ihres Faltes, die heute unser besonderes Interesse ftnden wird. Am 16. Mai 1585 unternahinen die Belagerten einen verzweifelten Ausfall, um durch einen Hanptsturm sowohl aus den Damm als auf die Brücke die Feinde znrückzu- werfen. Es gelang ihnen auch, mit ilnterstützuug der Flotte der Antwerpener, den von den Belagerern errichteten Damm »u ersteigen, so daß sich die Feinde nach tapferer Gegenwehr rn ihre Schanzen zurüctziehen mußten. „Dieser Anblick erfüllte die geängstigte Stadt aus einmal mit den frohesten Hoffnungen, und als wäre der Sieg schon erfochten, überließ man sich einer tobenden Fröhlichkeit. Man läutete all« Glocken, man brannte alle Kanonen ab, und die außer sich gesetzten Einwohner rannten ungeduldig nach deni Ooster- weeler Tore, um die Provtantschisfe, welche unterwegs sein sollten, in Empfang zu nehmen." Aber diese günstige Wendung sollte nicht lange dauern. Der Herzog von Parmq, der unterdessen die Scheldebrücke von Antwerpen mit neuen Maschinen berannt hatte, eilte in eigener Person herbei, den Damm zu entsetzen. „Von zweihundert spanischen Pikenie» ven begleitet, flog er an den Ort des Angriffes und erschien/ noch gerade zu rechter Zeit auf dem Kampfplatz, um die völlige Niederlaae der Seintgen zu verhindern. Eiligst warf rr dnige JPanmtnt, M« «r mitgebracht hiatt«, tn die KSei nüchsbeu Redouten und Üeß von da aus nachdrücklich auf vde feindlichen Schiffe feuern. Er selbst ftePft« sich an die Spitze seiner Soldaten, und tn der einen Hand den Degen, den Schild in der andern, führte er sie gegen den Feind. DaS Gerücht seiner Ankunft, welches sich schnell! von einem Ende des Dammes bis zum andern verbreitete, erfrischte den gesunkenen Mut seiner Truppen, und mit neuer Heftigkeit entzündete sich der Streit, den das Lokal des Schlachtfeldes noch mörderischer machte. Auf den, schmalen Rüchen des Dammes, der an manche), Stellen nicht über neun Schritte breit war, fochten gegen fünstauserch Streiter; aüs einem so engen Raume drängte sich die Kraft beider Teile zusammen, beruhte der ganze Erfolg der Belagerung. Den Antwerpern galt es die letzte Bormauer ihrer Stadt, den Spaniern das ganze Glück ihres Unternehmens; beide Parteien fochten mit einem Mut, den nur Verzweiflung einslößen konnte. Bon beiden äußersten Enden des Dammes wälzte sich der Kriegsstrom der Mitte zu, wo die Seeländer und Antwerpener den Meister spielten und ihre ganze Stärke versammelt war. Bon Staoroek her drangen die Italiener und Spanier herach welche an diesem Tage ein edler Wettstreit der Tapferkeit erhitzte; von der Schelde her die Wallonen und Spanier, den Feldherr» an ihrer Spitze. Indem jene die Pfahlschanze E befreien luchten, welche der Feind zu Wasser und zu Lande ftig bedrängte, drangen diele mit alles niederwerfendem ig-estüm auf die Brustwehr los, welche der Feind zwischen St. Georg und der Pfahlschanze ausgetürmt hatte." Um diesen wohlbesestigten Wall, die letzte Berschanzung Antwerpens, wogte nun der Kampf, und beide Heere leisteten daS Aeußerste an Tapferkeit. „Die Mederländer übertrafen In diesem entscheidenden Augenblick sich selbst; nie im ganzen Laufe des Krieges hatten sie mit dieser Standhaftigkeit gekochten. Besonders aber waren eS die Schotten und Engländer, welche durch ihre, tapfere Gegenwehr die Versuchs des Feindes vereitelten. Weil da, wo die Schotten fochten, nieniand mehr angreifen wollte, so warf sich der Herzog leibst, einen Wurfspieß in der Hand> bis an die Brust ins Wasser, um den Seiurgeu den Weg zu zeigen. Endlich nach einen, langwierigen Gefechte gelang es den Mansfeldtschen, mit Hilfe ihrer Hellebarden und Piken, eine Bresche in die Brustwehre zu machen und, .indem sich der eine ans die Schultern des andern schwang, die höhe des Walls zu er- te igen. Bartolomeo Doralva, ein spanischer Hauptmann, war r erste, der sich oben sehen liest, mich fast zu gleicher Zeit mit demselben zeigte sich der Italiener Eapizuccht auf dem Rande der Brustwehr; und so wurde derm, gleich rühmlich E r beide Nationen, der Wettkampf der Tapferkeit entschie- n." Nach der Einnahme der letzten Brustwehr war der Steg bald errungen. Der letzte Versuch der Antwerpener, stch aus der eisernen Umklammerung des Feindes zu retten, war fehlgeschlagen. „Von dieser Zeit an sank den Belagerten der Mut, und der Magistrat der Sradt bemühte stch vergebens, das gemeine Volk, welches den Druck der Gegenwart empfand, mit entfernten Hoffnungen zu vertrösten. Bis ß t hatte man das Brot noch tn einem leidlichen Preis erteil, obgleich die Beschaffenheit immer schlechter wurde; nach und nach aber schwand der, Getreidevorrat so sehr, daß «ine Hungersnot nahe bevorstand. . . . Endlich fiel auch noch die benachbarte und bundesverwandte Stadt Mecheln in des Feindes Geivalt, und mit ihr verschwand die letzte Hoffnung, Zufuhr aus Brabant ju erhalten. Da man also keine Diöglichkeit mehr fah, den Proviant zu vermehren, so blieb nichts anderes übrig, als die Verzehrer zu vermindern. Alles Unnütz« Voll, alle Fremden, ja selbst die Weiber und Kinder sollten aus der Stadt hiniveggeschafst werden: aber dieser Vorschlag stritt allzusehr mit der Menschlichkeit, als daß er hätte durchgehen sollen. Ein anderer Vorschlag, die katholischen Einwohner zu verjagen, erbitterte diese so sehr, daß es beinahe zu einem Aufruhr gekommen wäre. Und so sah K denn St. Aldegonde genötigt, der stürmischen Ungeduld Volles nachzugeben und am 17. August 1b85 mit dem Herzog von Parma wegen Urbergabe der Stadt zu traktieren." _ war der deutsche Sport für den Krieg leistet. Zwischen dem Krieg von 1870 und dem von 1914 hat Deutschland einen sportlichen Aufschwung ohnegleichen «riebt. Vor 44 Fahren gab es nichts weiter als einen mäßig «ntwickelten Pferdesport; heut« stehen alle Zweige des Sports in deutschen Landen tn hoher Blüte unb haben tttt ihrem Teil mitgewirkt, die deutsche Jugend wehrfähig unb kampftüchttg zu machen. Den großen Nutzen, den die langjährige Friedensarbeit des Sports für den Krieg bietet, beleuchtet ein Aussatz von Arno Arndt in der bei der Deutschen Berlags-Anstalt jn Stuttgart erscheinenden Zeitschrift lieber Land und Meer. Wohl hat es nicht an Stimmen gefehlt, die dem Rennsport jeden praktischen Wert absprachep. Aber schon die ersten grimmigen Kriegstage haben der Welt offenbart, daß die Zucht des Rennpferdes für die Landesverteidigung von unschätzbarer Bedeutung ist und daß durch den Rennsport «in brauchbares Kriegspferd geliefert wurde, das die feindliche Kavallerie aufzuspüren Und in die Flucht zu schlagen vermag. Tausend« von prächtigen VvWlütern und Halbblütern haben bei der Mobilmachung den stillen Stall verlassen und> sind ans das Schlachtfeld gestürmt. Am begehrtesten war der Steepler; zahlreiche Rennställe verödeten und gaben ihr Bestes her fürs Vaterland. Und mit dem Roß zog der Retter aus. Me ein Mann stand unsere ganze Herrenreiterei auf und gürtete sich das Schwert um. So haben sich bereits in den ersten Patrouilleritten gerade die Rennreiter als treffliche und llchne Kundschafter bewährt. Auch einige Jockeys, die ihrer Herkunft nach nicht zu den „englischen Vettern" gehörten, haben die bunte Jacke mit dem feldgrauen Rock vertauscht. DaS Gleiche wie vom Voilblut gilt von den Trabern; sehr viele von ihnen sind zu Kriegspferden geworden und legen jetzt Zeugnis davon ab, auf einer wie hohen Stufe der Leistungsfähigkeit der deutsche Traber steht. Aber nicht nur der Pferdesport steuert das Seine zur Landesverteidigung bei. Auch den Radfahrern fällt ein« wesentliche Aufgabe im modernen; Kriege zu; sie dienen als Ordonnanzen unb „Meldereiter"^ bei Patrouillen, zur Sicherung der Etappen usw. Der Deutsche Radsahrbund hat rechtzeitig dafür gesorgt, daß den Milttärfahrern auch im Frieden Gelegenheit zu einer sportsmäßigen Erprobung ihrer Kräfte auf militärischer Grundv lag« ermöglicht wurde. Klassen für Militärfahrer sind bet fast allen großen Straßenfernfahrten, die der Bund und leine Gaue veranstalteten, eingerichtet worden, und den Soldaten sind diese sportlichen Uebnngen jetzt beim Felddienst von großem Borteil. Und wie wichtig war die Entfaltung! des Automobilsports für den Krieg! Die Bedeutung dieses modernsten Verkehrsmittels für die Kriegführung der Gegenwart tritt jetzt ans das Schlagendste hervor; das Automobil dient nicht nur für die Generalstäbler und Adjutanten zur Befehlsübermittlung, sondern es bringt auch neue Trnpvenverstärkungen tn die Front, und daneben fahren die Geschutzautomobile mit ihren gepanzerten Wagen auf, und anoere Panzerautomobtle sorgen für die Muintionsznfuhr. Für die schnellere Verpflegung der Soldaten ist es segensreich, daß auch die Feldküchen und Feldbäckereien aus Automobilen sich befinden und so den Front truppen rasch folgen können. Die mustergültige Einrichtung des militärischen Kraftfahrwesens, die namentlich von dem Kaiserlichen Freiwilligen Automobilkorps organisiert worden ist, hängt so tn wichtiger Beziehung von der allgemeinen Blüte des deutschen Automobilsports ab. Daß der Flteaersport unmittelbar in den Krieg etngreift, bas braucht ja nur erwähnt zu werden. Zahlreiche unserer besten Sportsflieger leisten heute auf dem Felde der Ehre dem Baterlande unschätzbare Dienste. Neben diesen Hauptzweigen des Sports ist auch die Arbeit der deutschen Leichtathletik nicht zu unterschätzen, die zahlreiche Männer aus den Märsch, diese Grundlage aller kriegerischeri Operationen, vorbereitet hat. Eine wichtig« sportliche Uebung sind die sog. „Armeegepäckmärsche", die mit voller soldatischer Ausrüstung zurückgelegt iverden und bei denen die Teilnehmer im Durchschnitt 30—60 Kilometer zurücklegen. Diese Gepäckmärsche wurden zum erstenmal 190ö in Berlin veranstaltet und sind seitdem bei allen Sportvereinen schnell populär geworden, lleberall in deutschen Landen haben sich so Scharen von Spezialisten herausgebildet, die Sonntag für Sonntag solche Märsche zurück- llgen. Die hierbei von weiten Kreisen gewonnene etgerr- artige Technik und wertvolle Erfahrung im Marschieren: macht sich tn den großartigen Marschleistungen unserer Truppen bemerkbar und ist schon tn manchen Fällen von ausschlaggebender Bedeutung gewesen. 644 Generalstabskarten. (Von unserem militärische» Mitarbeiters Das wichtige Hilfsmittel der Kriegsührung, die Generalstabskarte, stammt in ihrer ersten Form aus Frankreich, das die erste auf einer genauen Landesvermessung beruhende Karte in den Jahren 1750—1793 geschaffen bot. Nach dem siebenjährigen Kriege beginnt auch in Oesterreich eine Landesaufnahme für militärisch« Zwecke, uiid nach 23 Jahren, 1764—1787, waren alle Erbländer der Monarchie unter der Leitung des Generalguar- tiermeisterstabes im Mähe 1:28 800 bearbeitet. Die Karte ist ein Seitenstück zu der Kabincttskarte Friedrichs II. von Preußen. Tic zweite grobe Aufnahme der österreichisch-ungarischen Monarchie nahm ihren Anfang im Jahre 1806, wurde bis 1869 fortgeführt, aber nicht beendet. Erst von da ab setzit eine neue Aufnahme in Oesterreich ein, die 1889 abgeschlossen worden ist. Vor ungefähr 130 Jahren begaim Sachsen mit der Herausgabe von Generalstabskarten, 1818 WürttemveV, 1816 Rußland, 1833 die Schweiz, 1878 Italien und 1850 Belgien. In Preußen reichen die Handkarten, denen schon eine einigermaßen richtige Vermessung zu- S runde liegt, bis aus die Zeit des Großen Kurfürsten zuritck. der die Meßtischblätter, die als Generalstabskarten verwendet werden konnten, entstanden im Jahre 1816. Tie Aufnahmen, die «m Laufe des 19. Jahrhunderts gemacht worden waren, sind dann durch neuere und vollständigere Arbeiten ersetzt worden. Tie militärischen Bedürsnisse von Heer und Flotte in Bezug auf Vorbereitung und Durchführung des Krieges setzen tadellose Karten voraus. Es hat auch das Kartemvesen im Laufe des 19. Jahrhunderts durch eine geradezu einwandfreie, peinlich genaue Wiedergabe der Natur und durch die aus die höchste Stufe der Vollendung geführte Herstellung sehr große Fortschritte gemacht. Vornehmlich äußern sich diese Veränderungen in der Darstellung der Zeichnung von Gebirgen. Aber nicht nur für das Heerwesen, auch für den Staat als kulturelle Gemeinschaft ist das Kartenwesen von höchster Bedeutung. Es kann ja kein Zweig der menschlichen Tätigkeit ohne Karte auskonrmen. Tie eigentlichen militärischen Gebrauchskarten für den Frieden und für dm Krieg find am besten im Maßstabe zwischen 1t 50 000 und 1:200 000 gehalten. In diesen Verhältnisse!, lassm sich bei einer guten technischen Ausführung die Formen des Bodens und alle jene Gegenstände deutlich wiedergeben, die für militärische Zwecke von Bedeutung sind. In Dmtschlaich nennt man heute Generalstabskarte kurzweg die Karte des Deutschen Reiches im Maßstabe von 1:100 000. Sie enthält 675 Blätter, von denen der preußisch« Generalstab 545, der bayerische 80, der sächsische 30 und der würt- tembergische 20 Blätter bearbeitet hat. Tiefe Karte ist in zwei Ausgaben vorhanden, sowohl im Umdruck ohne Farbm, wie auch im Kupferdruck mit blauen Gewässern. Neuerdings ist die Karte auch im Dreifarbendruck in der Bearbeitung. Die Bodenforma- tionen sind auf diesen Karten in „Berg-Zeichnung" kenntlich gemacht, und in der neuesten noch nicht vollendetm Ausgabe erscheinen die Bodenformen in braunen Bergstrichen (Schroffen) mit Schichtenlinien, die eine Entfernung von 50 Metern bezeichnen. Unserer deutschen Generalstabskarte entspricht in Oesterreich- Ungarn die „Spezialkarte der österreichisch-ungarischen Monarchie" im Maßstabe von 1:75 000. Sie stammt aus dem berühmten Mtlitärgeoaraphischcn Institute zu Wien und enthält 820 Blätter. Auch sre besitzt Schrasfen- und Schichtenlinim. Frankreich besitzt die „Carte oe France dite Carte de l'Etat major, im Maßstabe von 1:80 000. Für Algier ist in Frankreich eine eigme Generalstabskarte ausaearbeitet wordm, und dazu noch eine solche für Tunis. Auch England hat eine vorzüglich ausgearbeitete Generalstabskarte im Maßstabe von 1:63 360. In Rußland gibt es nur Generalstabskarten für das europäische Rußland, aber ohne den nördlichen Teil des europäischen Reiches. In das Gebiet der Generalstabskarten gehören auch die Seekarten. Eine gute Seekarte muß alles das enthalten, was dem Seefahrer zur gefahrlosen Führung eines Schiffes und zur jeder- zeitigm Ortsbestimmung zu wissen nötig ist. Auf dem Seegebiete muß sie auch die Tiefenzahlen und die Beschaffenheit des Meeresgrundes anaeben. Tann soll sie auch alle schwimmendm und festen Seezeichen darstellen, wie auch Mitteilungen über die Richtung und Stärke von Meeres- und Gezeitenströmungen geben: im Landgebiete verzeichnet die Seekarte die Küstenlrnie, die Bergse und Hügel mit ihren Höhenangaben, ferner die Hafenanlagen, die Leuchtfeuer, die Signalstationen und neuerdings auch die Funkspruchstationen. Mitunter finden sich auf den Seekarten, die das Küstengebiet umfassen, auch noch einzelstehende Häuser, Türme, Kirchen und Mühleil, weil diese Objekte zur Ortsbestimmung dienen können. Erst im Jahre 1902 ist ein Seekartenwerk in Angriff genommen worden, das die ganze Erde umfassen soll. In Preußen erschien zum ersten Male im Jahre 1841 im Aufträge des Handelsministeriums der „Preußische Seeatlas", und die ersten preußischen Nordseekarten kamen in den Jahren 1858 und 1859 beraus. _ Lg. vermischte». * N eueFortschrittedesdrahtlosenTelephons. Aus Rom wird berichtet, daß Marconi eine neue Erfindung für das drahtlose Telepholl geniacht hat, die einen wese«t • ltcbe n g:ortfd)ritt bedeutet. Er führte seine Entdeckungen im Marine-Ministerium dem König Victor Emanuel, dem Minist« Viale und dem Marchese Solari vor. Zwischen der Terrasse de- Ministeriums uttb der drahtlosen telephonischen Station von Centocelle wurden Versuche gemacht, die vorzüglich glückten. Auf der Terrasse konnte man mit der 12 Klm. entfernten Station ganz ausgezeichnet sprechen und hörte die Stimme« vollkommen deutlich, Marconi teilte dazu mit, die die Entfernung keinerlei Einfluß auf die GebrauchSsähigkeit des Apparates habe. Di« Apparate sollen zunächst nur auf Kriegsschiffen angebracht werden, aus denen sich die Uebermittelung von Befehlen sehr vereinfachen wird. Die Sicherheit der Uebertragung wird dadurch noch erhöht, daß der Apparat gegen Schüsse von feindlichen Schissen geschützt ist. Später, in Friedeuszeiten, soll die Erfindung auch dem Handel zugänglich gemacht werden. * Der sterbende Soldat. Ein Gedicht, das in sein» schlichten Form und fiesen Innigkeit unseren schönsten Volksliedern kaum nachsteht, konnte die „Andernacher Volkszeitung" veröffentlichen. Ein in Andernach vertvundet liegender Soldat fand es im Waffenrock eines toten Kameraden, dem wohl big Todesahnung die Hand geführt hat. Das Gedicht lautet: Der sterbende Soldat. Die Kugel traf. Mich ruft der Tod, Und alles tritt zurück. Jetzt enb' ich meinen Lebenslauf Und all mein Lebensglück. Wer auf der Welt was Liebes hat Der blieb' so gern allhier. Ade, ade. du schöne Welt, Ich scheide schwer von dir. Die Wunde brennt. Das Auge bricht. Schon schrvindet'S uin mich her. So ftüh schon schickt man mich in- Feld, Jetzt lieg' ich sterbend hier. Ade, ade du Sonnenlicht, Dich scharr ich nimmermehr. Ade, ade, du schöne Welt, Ich scheide schtver von dir. Freund, wenn du heimkehrst, Grüß' mein Lieb, Sag, daß ich sterben mußt'. Sag', daß ich treu sie Hab' geliebt, Treu bis zum Tod ins Grab. Wer auf der Welt was Liebes hat, Der blieb' so gern allhier. Ade, ade, du schöne Welt, Ich scheide schwer von dir. Sag', wo ich ihre Locke trug, Traf mich das kalte Blei, Der Schuß, der durch die Locke ging, Riß mir das Herz entzwei. Wer auf der Welt tvas Liebes hat, Der blieb' so gern allhier. Ade, ade. du schöne Welt, Ich scheide schwer von dir. ttönigrpromenade. Man dar! die einzelne» Wörter und Silben nur in der West» miteinander verbinden, daß man — wie der König auf demSchach- ttgt fluch lustig ver tat ver über Ziels wißt nicht der in geh heftig ren des ihr daß doch mehrt allzu rennt nend den teuer wenn scheinbar schwellt wer über fiank es ihn men schau zum Auftösung des Logogripys in voriger Numm«r i Scherz-, Schürz«. Redaktion: Aua. G o « tz. — Rotationsdruck und Verlag der Brllhl'schen Universttäts-Buch- und Sl»indrucker»i, N. Lang«, Gießen.