Knderseele. Bfoman twn Reinhold Drtmann. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Die am meisten darunter litt, war Jadwiga. Nie in ihrem Leben hatte sie sich so einsam und so unglücklich ge- fthlt als während dieser angstvollen Dage. Daß man den Baron irgend einer schweren Schuld verdächtigte, war ja außer allem Zweifel', und sein Benehmen hätte in der Tat ein ganz anderes sein müssen, wenn sie sich davon nicht hätte beunruhigt fühlen sollen. Sie irrte sich tvohl auch nicht, wenn sie wayrzunehmen glaubte, daß er ihrer Geselb- Echcckt auswich, wo er irur konnte. Aus den Besuch des Kommissars war er in den wenigen Gesprächen, die sie seither acführt hatten, mit keinem Wort zurückgekommen, und sie selber hatte mcht den Mut gehabt, das peinliche Thema zu berühren, wie sehr es sie auch danach verlangte, durch irgend eine beruhigende Erklärung ans seinem Munde von dreser stündlich gesteigerten Qual erliösd zu wevden. Zudem empfand ste ihr Verhältnis zu Margarete Othmar wie eine ständige Demütigung und Kränkung, die zu ertragen sie nur so lange gewillt war, bis sie wirklich die gebietende Herrin auf Klein- Ellbach sein würde. Daß ein Zufall, wie es Dietlindes Aben- teuer auf dem Zackelsee gewesen war, ihre auf die Entfernung der unbequemen Gouvernante gerichteten Absichten durchkreuzt hatte, war eine Enttäuschung, die ihre Abneigung gegen Margarete fast bis zu wirklichem Haß gesteigert batte, und sie mußte alle Berstellungskunst der im gesellschaftlichen Komödienspiel geübten Weltdame zu Hilfe rufen, um diesen Haß hinter der Maske einer herablassenden Freundlichkeit zu verbergen. Auf Margarete freilich schien diese Freundlichkeit ebensowenig Eindruck zu machen, als das frühere hochmütige Betragen der Baronesse sie jemals um ihre sichere Haltung gebracht hatte. Sie war in diesen bangen Tagen auf Klem- Ellbach vielleicht die einzige, die ohne jedes sichtbare Zeichen einer inneren Beunruhigung ihren Pflichten nachlebte. Ihre & ute Natur und vielleicht noch mehr die Kraft ihres starken Sillens hatten sie das Unwohlsein, von dem sie nach dem Abenteuer am See befallen worden war, rasch überwinden lassen, und nun gehörten augenscheinlich alle ihre Gedanken und Interessen wieder dem ihrer Obhut anvertrauten Kinde. Dietlinde, die von dem aufregenden Ereignis gesundheitlich nicht den geringsten Schaden davongetragen hatte, wich ja auch vom Morgen bis zum Abend kaum von ihrer Heile. Es war, als sei im Herzen der Kleinen plötzlich eine Hülle von Liebe aufgegangen, wie junge Frühlingspflanzen aufgehen in der ersten warmen Regennacht. Um die Mitte des dritten Tages nach dem Erscheinen des Kommissars war Bardeleben nach Waldenburg gefahren, ohne eine Mitteilung über den Zweck dieser Fahrt zu machen. Gegen seine Gewohnheit hatte er sich nicht einmal von Jad- wiga verabschiedet und ihr nur durch den Diener sagen lassen, daß sie ihn nicht zum Mittagessen erwarten möge. Da es ein sonniger und verhältnismäßig milder Tag war, hatte Margarete mit Dietlinde am Nachmittag einen längeren Spaziergang durch den Park gemacht, und es fing schon an zu dunkeln, als sie in das Schloß zurückkchrte. Wie gewöhnlich wurde sie oben im Kinderzimmer von Josepha erwartet, und sie war eben im unbefangensten Geplauder mit ihrem Zögling begriffen, als das Zimmermädchen eintrat, um ihr einen Brief zu überreichen. „Der Herr wartet unten auf Antwort," sagte sie. „Ich glaube, es ist der Herr Oberleutnant Rasmussen." Bestürzt öffnete Margarete den Umschlag und las: „Sehr verehrtes Fräulein! Ich bitte wegen meiner Zudringlichkeit nicht um Entschuldigung, denn sie ist leider durch die Umstände nicht nur gerechtfertigt, sondern auf das dringendste geboten. Wenn Sie es gut mit Dietlinde meinen, wenn Ihnen daran gelegen ist, das unglückliche Kind vor den schrecklichsten Eindrücken zu behüten, so gewähren Sie mir auf der Stelle die Unterredung, die ich hiermit inständig und herzlich von Ihnen erbitte. Ich setze alle meine Hoffnung auf Ihren Opfermut und auf Ihre Lieb« zu meiner Nichte. Herbert Rasmussen." „Wo ist der Herr?" fragte Margarete, die ihr Herz ungestüm klopfen fühlte, und als ihr das Mädchen berichtet hatte, daß sie ihn in eines der selten benützten Zimmer deis Seitenflügels habe führen müssen, erklärte sie ohne Zögern: „Melden Sie ihm, daß ich sogleich kommen werde." Sie trat in ihr Zimmer, um ihr vom Winde ein wenig zerzaustes Haar zu ordnen: aber sie hatte damit wohl nur einen Vorwand vor sich selber gewinnen wollen, sich noch ein paar Minuten des Zauderns und der Sammlung zu vergönnen. Sie zitterte ja vor dieser Begegnung, deren Zweck sie nicht einmal dunkel ahnte, und die ihr nach dem Wortlaut der seltsamen Aufforderung doch irgend etwas Fürchterliches verhieß. Einen Augenblick dachte sie sogar daran, ihre Zustim^- mung ivieder zurückzunehmen und den Oberleutnant mit einigen rasch hingeworfenen Zeilen an den Baron oder an Jadwiga zu verweisen; aber dann wollte ihr dieser Ausweg doch wieder als Feigheit erscheinen. Durch den Verbindungsgang, der zu dem später angebauten Seitenflügel führte, begab sie sich nach dem von dem Mädchen bezeichneten Zimmer. Es war zur gelegentlichen Aufnahme von Besuchern bestimmt und nur mit dem Notwendigsten ausgestattet. Auch eine Beleuchtungseinrichtung war nicht darin vorhanden, so daß sich die Gestalt des chrev Wartenden nur in dunklen Umrissen aus der Dämmerung abhob, die das Gemach bereits erfüllte. Er hatte sich nicht gesetzt, und er schritt ihr bis zuh Tür entgegen. „Ich danke Ihnen, daß Sie gekommen sind," sagte ec hastig. „Aber ich hatte auch nicht im Ernst gefürchtet, 618 — daß Sie meine Bitte abschlagen könnten. Sie erraten, weshalb ich hier bin?" „Nein, Herr Rasmussen, ich ahne es nicht, und ich gestehe offen, daß ich Ihrem Wunsche nur sehr ungern nach? gegeben habe. Wie soll ich derartige Heimlichkeiten vor Herrn von Bardeleben verantworten?" „Machen Sie sich darüber keine Sorge. Er wird voraussichtlich nie mehr in die Lage kommen, Rechenschaft von Ihnen zu verlangen." „Was heißt das? Um Gottes willen, was wollen Sie damit sagen?" Wie ein Ausschrei tödlicher Angst waren die Worte von ihren Lippen gekommen, und in einer Gebärde des Entsetzens hatte sie die Hände erhoben. Der Oberleutnant neigte sich näher zn ihr und sagte mit gedämpfter Stimme: „Es heißt, daß Bardeleben nach meiner Ueberzeugung nicht hierher zurückkehren wird. Wenn es noch Gerechtigkeit gibt und Gleichheit vor dem Gesetz, muß man ihn auf der Stelle verhaften." „Verhaften? Sprechen Sie im Ernst? Ja, weshalb — weshalb denn?" „Weil er ein Mörder ist — der Mörder meiner unglücklichen Schwester." Margarete konnte den Ausdruck seines Gesichts nicht mehr erkennen; aber der veränderte Klang seiner Stimme gab ihr die Gewißheit, daß er in diesem Augenblick fürchterlich aussehen müsse, und plötzlich erfaßte sie die Angst, mit einem Wahnwitzigen zu reden. „Lassen Sie mich gehen!" forderte sie, sich gegen die Tür wendend. „Ich will nichts mehr hören." Aber Rasmussen stellte sich ihr in den Weg. „Sie müssen mich hören, Fräulein Othmar! Warum sträuben Sie sich, heute von mir zu erfahren, was morgen die ganze Welt wissen wird? Ich begreife ja, daß es Sie erschreckt, daß es Sie mit Entsetzen erfüllt, aber Sie dürfen es nicht mich entgelten lassen, daß ich gezwungen bin, den Ueberbringer der Schreckenskunde zu machen." „Ich will nichts hören," beharrte sie. „Es ist ja Wahnsinn. Ich würde es Ihnen doch nicht glauben. Ich bitte, lassen Sie mich hinaus!" „So unerschütterlich also ist Ihr Glaube an diesen Menschen, daß es Ihnen leichter fällt, mich für einen Verleumder oder einen Verrückten zu halten, als an seine Schuld zu glauben? Genügt es Ihnen auch nicht, wenn ich mein Ehrenwort als Pfand einsetze?" „Als Pfand, wofür? Dafür, daß Herr v. Bardeleben ein Mörder ist?" „Ja. Und ich beschwöre Sie, mich nicht durch ein weiteres Wort des Zweifels zu kränken, ehe Sie gehört haben, was ich Ihnen mitteilen kann. Sie wissen, daß ein entlassenes Dienstmädchen der Polizei angezeigt hatte, meine Schwester sei nach ihrer festen Ueberzeugung keines natürlichen Todes gestorben, und daß daraufhin vor mehreren Tagen ein Polizeibeamter auf Klein-Ellbach gewesen ist, um weitere Erhebungen zu bewirken?" „Ich habe gehört, daß jemand von der Polizei da war, aber niemand hat mir gesagt, was er wollte." „So lassen Sie es sich von mir sagen. Ich habe den Eindruck, daß man die Sache um der Persönlichkeit meines Schwagers willen viel lieber vertuscht hätte. Aber man durfte die Aussage des Mädchens nicht einfach ignorieren, denn sie war bei dem Tode meiner Schwester zugegen gewesen und ihre Angaben waren von unzweideutiger Bestimmtheit. So schickte man einen Beamten, der wahrscheinlich von dem besten Willen beseelt war, nichts zu finden. Aber zum Glück wandte sich der Mann an mich, bevor er hierher kam, und als ich von ihm erfahren hatte, was jenes Mädchen ausgesagt, lieg ich ihn nicht darüber im ungewissen, daß ich kein Vertuschen und keine falsche Schonung zulassen würde. Wenn hier ein Verbrechen verübt worden war, mußte es auch seine Sühne finden —i ohne Erbarmen und ohne Ansehen dev Person." „Ah, wie abscheulich das ist!" brach Margarete aus. „Und der Beamte merkte nicht, oaß es nur der unsinnigste Haß gegen Herrn v. Bardeleben war, der aus Ihnen sprach?" In leidenschaftlicher Erregung hatte sie es ihm entgegengeschleudert. und das sekundenlange Verstummen der Ober^ leutnants lieh erkennen, wie unerwartet und überraschend ihn der heftige Zwischenruf getroffen hatte. „Ich sehe zu meinem Schmerz, daß Sie mich sehr gerecht beurteilen," sagte Rasmussen dann. „Es ist wahr, daß ich Bardeleben nicht geliebt habe, seitdem er der Gatte meiner Schwester geworden ist. Ich hatte dazu meine triftigen Gründe. Aber ich bin doch kein Schurke, Fräulein Othmar, der imstande wäre, aus fanatischem Haß gegen Ehre und Gewissen zu handeln. Nicht um das Verderben meines ehemaligen Schwagers war mir's zu tun, sondern um Gerechtrg- keit gegen einen Verbrecher. Der weitere Verlaus der Dinge, auf den ich ja nicht den geringsten Einfluß hatte, hat deutlich gewug bewiesen, daß ich ihm weder in meinem Herze»! noch in meinen Worten ein Unrecht getan." „Es gäbe also wirklich Menschen, die —" „Schenken Sie mir, bitte, nur noch für wenige Augenblicke Gehör. Dem Beamten ist durch Josepha alles bestätigt worden, was das Zimmermädchen ausgesagt hatte. Er hat daraufhin eine Durchsuchung der Zimmer vorgenommen, in denen sich meine Schwester unmittelbar vor ihrem Tode aufgehalten, und er hat dabei ein Likörglas beschlagnahmt, aus dem sie ossenbar getrunken hatte, bevor sie bewußtlos zusammenbrach. Der Rest des Getränkes, den sie darin zurückgelassen, war natürlich längst verdunstet, aber auf dem Boden des Gefäßes war ein Niederschlag verblieben, der eine chemische Untersuchung ermöglichte. Diese ist während der beiden letzten Tage von dem Gerichtschemiker in Breslau vorgenommen worden und hat als unanfechtbare Tatsache ergeben, daß dem Kognak, der sich zuletzt in dem Glase bt? sunden, erhebliche Mengen eines rasch und unfehlbar tödlich wirkenden Giftes beigemengt waren. An diesem Gift, nicht an einem Anfall ihres Leidens ist meine arme Schwester gestorben." Mit hochklopfendem Herzen und stockendem Atem hatte Margarete seinen Worten gelauscht. Nun aber hob sich ihre Brust wie in einem Gefühl namenloser Erleichterung, und ihre Stimme klang wieder ruhig, als sie sagte: „Ich kann ja nicht wissen, ob das alles richtig ist, was Sie mir da erzählen; aber wenn es sich so verhält — glauben Sie wirklich, Herr Rasmussen, daß sich dann außer Ihnen noch irgend ein Mensch aus der Welt sinden könnte, der Herrn von Bardeleben für den Mörder seiner Gattin hält? Es ist ja möglich, daß er in ehrlichem Kampfe einen Menschen töten würde, der seinen Zorn gereizt hat. Aber durch Gift — nein, ich 8 äme mich vor mir selbst, daß ich darüber auch nur ein ort verliere." „Sie urteilen, wie Ihr Empfinden es Ihne» eingibt, Fräulein, und was auch für mich Hartes und Kränkendes in Ihren Worten fein mag, ich denke doch nicht darauf Ihnen deshalb zu zürnen. Ja, noch mehr! Ich schwöre, daß ich der erste sei» würde, meinen Schwager vor aller Welp demütig um Verzeihung zu bitten, wenn sich Ihr felsena festes Vertrauen als berechtigt erwiese. Aber es sieht nicht >o aus, als ob ich jemals gezwungen sein könnte, ihm diese Genugtuung zu gewähren. Bardeleben ist heute durch einen Eilboten zu dem Waldenburger Untersuchungsrichter geholt worden, und nach allem, was id) in Erfahrung gebracht, ist es beinahe gewiß, daß das Verhör mit seiner! Verhaftung enden wird. Der Verdachtsmomente, die gegen ihn sprechen, sind eben zu viele, und es-ist eines darunter, das schwerer ins Gewicht fällt als alle anderen. Bardeleben war beinahe vermögenslos, als er meine Schwester heiratete. All den Wohlstand, den Sie hier sehen, hat ihr« Mitgift auf dem überschuldeten Klein-Ellbach erblühen lassen. Wenn sie sich von ihm scheiden ließ, wie er es bei! dem Unglück ihrer Ehe vielleicht ständig fürchtete, war er ruiniert. Wenn sie aber starb, ehe eine Scheidung erfolgt! war, behielt er die Verwaltung und Nutznießung ihres auf Dietlinde übergegangenen Vermögens. Und „Genug!" Ein Befehl, so hart und herrisch, wie er ihn wohl noch nie vernommen, hatte Herbert Rasmussens Rede unterbrochen. „Wenn ich ein Manu wäre, Herr Oberleutnant Rasmussen, würde ich Ihnen auf diese schwach^ volle Verdächtigung die Antwort {je&en, ^ j-j e ber b{ en j. So aber kann ich Ihnen nur verkneten, noch weiter übeq diese Dinge zu mir zu sprechen. —! Etwas anderes haben Sie mir nicht mitzuteilen ?" Da verließ auch ihn die Beherrschtheit, die er bisher bewahrt hatte, und in erregtem Tone erividerte er: „Ja, Fchulein Othmar! Ich habe Die selbstverständlich nicht um diese Unterredung gebeten, weil es mir darum zu tun war, meinen Schtvaaer vor Ihnen anzuklagen, sondern ich bin hier, um von Ihnen etwa» zu fordern, >vas Die mir nicht weigern werden, wenn Die in Wahrheit diejenige sind, für die ich Die seit dem ersten Augenblick unserer Bekannt^ — Ltt — gehalten. DaS Kind meiner gemordeten Lchnxster parf nicht länger unter dem Dache dieses verfluchten HauseS bleiben, und eS darf unter keinen anderen Schutz gestellt Werden als unter den meintacn. Sind Sie bereit, mit Dietlinde zu mir zu kmnmen, sobald Sie die Bestätigung er» halten, daß Bardeleben verhaftet worden ist?" „Ihr Ansinnen ist eine Beleidigung, deren Sie sich in tiefster Seele schämen müßten." (Fortsetzung folgt.) Das deutsche Wien. Von Dr. Hans Wantoch. Wien, im September 1914. Wunderbar n>ar es, wie die Wiener die Räumung von emberg hingenommen haben. Ohne auch nur einen Augenblick c stolze Zuversicht in den Endersolg zu verlieren. Ganz im Sinne ocs offiziellen Eommunigues, daß dies nur eine vorläufige Maßnahme sei, ohne jede strategische Bedeutung, aber aus taktischen Gründen für den Augenblick unbedingt geboten. Und viele, die in den lauen Jahren des Friedens diese Stadt gescholten hatten, baten ihr nun im stillen ab. Vor wenigen Wochen erst, ehe noch die glänzenden Siege von Krasnik und Zamosc erfochten waren, sagte mir einer von denen: „Es wäre verhängnisvoll für die Stimmung, wenn loir den Krieg nicht mit einem großen Siege crössneten." „Abwarten!" erwiderte ich. Er aber fuhr fort: „Ja, wenn wir Deutsche wären! Die Deutschen sind zäh in ihrem Zutrauen zur eigenen Kraft. Gelingt es nicht heute, denken sie, so wird es ein andermal sein. Sehen Sie dagegen die Franzosen — die verlieren gleich den Kopf, und sie iverden sehen .." „Sie werden sehen," siel ich ihm ins Wort, „wir sind wie die Deutschen Wir werden es, wenn uns nicht gleich ein voller Erfolg beschicken ist, mit Würde ertragen. Das Vertraue» in unsere Armee ist nicht zu erschüttern." Und so kam dann der Tag, an dem sich das österreichische Heer vor einem dreifach überlegenen Feinde in geschütztere Positionen zurückzog. Wer die Uebcrmacht schreckt uns nicht. Denn am Ende bleibt der Stärkere doch Sieger. Aber die Stärke ist kein »loßes Rechenexcmpel. Sie besteht nicht nur aus Truppenmassen, andern auch aus dem Elan dieser Truppen, der Begeisterung ihrer ! Hingabe, der Disziplin ihrer Reihen. Und Wien ist ruhig. Wien st deutsch. Das Leben geht seinen täglichen Gang. Geordneter, unbekümmerter, friedlicher, möchte man sagen, als am Beginne des Krieges. Vor einigen Wochen — wie lange scheint das schon her! — da war der geschäftliche Verkehr, da war gerade das Kleine und Alltägliche der Wirtschaft durch einen plötzlichen Mangel an kleiner Münze ins Stocken geraten. Bor einigen Wochen, da suchten ein paar geioissenlose Krämer aus der Erregung der Vielen ihr privates Prositchen zu schlagen, indem sie die Dinge des täglichen Bedarfs Nur zu kostbaren Preisen verkauften. Und die allgemeine Erwartung machte sich in den wildesten Gerüchten Luft, Siegcsorgien wurden gefeiert und Hiobsposten betrauert. Ganze Armeen der Feinde waren gefangen, ganze Provinzen unseres Reiches vom Gegner Überschwemmt. Mit einemmal aber ist das anders geworden. Die Nerven der Leute haben sich an den Krieg geivöhnt. Wir haben Kleingeld, soviel wir wollen, wir haben Dank den, behördlichen Eingreifen Lebensmittel »u wohlseilen Preisen, und Gerüchte gibt es nicht mehr. Ruhig lassen die Leute ihr Geld in Banken und Sparkassen liegen, und die Abschlüsse in gewissen Effekten, die inoffiziell, im Privatverkehr während der letzten Wochen vorgenommen worden, erzielten Kurse, die nicht viel unter den Notierungen vor Kriegsausbruch blieben und sie zuweilen sogar übertrafcn. Wien ist ruhig, Wien ist deutsch. Fricklich ist das Bild um die Mittaasstuirde auf dem Ring: Leute, di« aus der Stadt zu ihrem Mittagstisch strömen, Beamte aus den Banken, Kommis und die Verkäuferinnen aus der, Geschäften. Und wiederum Leute, die aus den Vorstädten in die innere Stadt eilen. Heitere Gesichter, ein sanfter Tumult, klar und rein der Himmel darüber. Da kommt plötzlich eine Bewegung in die Massen. Alle strömen zum Fabrdamm der Ringstraße hin. Sie stellen sich auf zum Spalier: die Wagen der Elektrischen mit dem Roten Kreuz an der Brüstung fahren vorüber. Lastauto-, die man zu bequemen Krankenwagen umgebaut hat, sausen an ihnen vorbei. Die dunkelgrauen Wagen der Rettungsgesellschaft. Ein Verwun- betentransport. Stumm stehen die Leute. Sie lüsten die Hüte. Sie grüßen die Helden, die für sie ihr Leben und iyre Gesundheit gewagt haben, für Alle, die hier in Schutz und Sicherheit stehen. Sie grüßen sie ohne Zuruf nur durch das Lüften des Hutes. Es I st eine überwälttgende Ehrenbezeugung. Es hat etwa« tief Erarei- endes: die stumme Menge und der stille Zug. Aber man ist es n Wien, in den: sonst so lustigen und leichtlebigen Wien, gewöhnt: o stehen die Leute, so grüßen die Leute wenn sonst ,hr alter kaiser vorbeifährt. Ohne Doch und Hurrah, ohne jubelnde Beteuerung. Dieses Gefühl braucht keine Worte. Sie wissen, daß sie stnS find: der Kaiser und sein Volk, die Taheimgebliebenen und die rn Kaisers Rock. Ueber den Ring fahren die VerlvundeteutranSporte. Man hat Straßenbahnschienen bis in den großen Hof des Allgemeinen Krankenhauses gelegt, und mit einer Präzision ohnegleichen gehl die Einguartierung der Verwundeten vor sich Vieles hat sich in diesen Tagen glänzend bewährt. Mer nichts steht so groß und leuchtend da wie der alte Ruhm der Wiener medizinischen Schule, die einst ein Billroth begründet hat und die heute noch erlauchte Vertreter wie Hochcnegg und Eiselsberg und Julius Schnitzler, den Bruder des Dichters, zu ihren Repräsentanten zählt. Viele von den leichter Verwundeten, die man von den fernen Schlachtfeldern nach Wien gebracht hat, kommen hier schon als Rekonvaleszenten an. Und sie wollen gleich wiederum iu de» Krieg, denn nichts, keine Arbeit, keine Beschäftigung dünkt uns in diesen Tagen von Wichtigkeit und von Wert als diejenige, die dem Krieg gilt. Mes andere dünkt die Leute wie für eine andere Weltordnung, wie für ein anderes Gesetz des Lebens geschaffen, cs scheint ihnen ins Ungewisse und ins Ueberslüssige getan. Den Verwundeten, wie den Daheimgcblie- benen. Und es bedurfte vieler Worte sanfter Ueberredung, damit sie es begriffen, das Heldentum der Taheimgebliebenen liege in dem Ausharren aus ihrem Posten der Arbeit, liege in der Niederdrückung all der Gedanken, Sorgen und Hoffnungen, die den, Schlachtfeld zugewandt sind, liege in der Erfüllung ihrer bürgerlichen Pflicht, die im Kriege den künftigen Frieden bereitet. Auch die Leute daheim sind mit dem Krieg vollauf beschäftigt. Der Krieg braucht viele Hände auch hinter der Front. Und zn aller übrigen Arbeit ist nun eine neue gekommen. Väterchen Zar hat einen rührenden Ausruf „An seine lieben Juden" gerichtet. Wer in Erinnerung an die Pogroms haben ihm seine lieben Inden mißtraut. In ungeheueren Scharen mit rasch zusammengerafftsr Habe, in einem bunten, komischen und rührenden Wfzug sind sie aus Galizien nach Wien geflüchtet, jüdische Händler, polnische Bauern. Der eine hielt eine hellgelbe, ganz moderne Reisetasche in der Hand und hatte einen ganz groben Kohlensack auf dem Da war eine Frau, die hatte gllen mögliche» Hausrat in der Eile zusammengerasft, drei Kinder führte sie mit sich, aber den Kanarienvogel hatte sie nicht vergessen. Da war eine andere, ganz bepackt mit Koffern und Schachteln, abgemattet von der Flucht, müde und erschöpft, aber der Pelargonienstock, den sie in der Hand hielt, war frisch, seine Blüten leuchteten blutrot. Sie mußte ihm während der Fahrt oftmals frisches Wasser gegeben haben. Nun versammeln sich all diese Leute jeden Tag aus einem Platz im zweiten Bezirk, dem Judenviertel. Und ein hübscher Zufall will es, daß dort gerade eine Kirche steht. Eine katholische Kirche, find auf ihren Steinstufen sitzen die Juden aus Lemberg. Aeltere im langen Kaftan mit langen schwarzen und roten Bärten, kleine Löckchen über den Ohren. Jüngere, die schon ganz westeuropäisch gekleidet sind, eine Schar von Frauen und Kindern und die pol- nischen Gymnasiasten in ihren dunkelblauen ülniformcn, eine dunkelblaue Kapitänsmütze auf'dem Kopf. Sie reden eine fremde, unverständliche Sprache, polnisch oder jenes jüdisch-deutsch, das in gewissem Sinn international ist und in Rußland wie jn Galizien, tu den Judenvierteln von London wie im Ghetto von Newyork gleicherweise gesprochen wird. Nur Brocken fängt man auf, abgerissene Worte, wie mit Ekrasit geladen, von Haß und Verachtung gegen die Russen. Und einer — er ist besser gekleidet wie die anderen, er spricht besser deutsch, er ist der Kulttisvorsteher einer; kleinen Stadt östlich von Lemberg, wo bunt durcheinander Polen- Ruthenen und Juden wohnen — der erzählt mir, daß es im Frieden zwischen den dreien selbstverständlich allerlei Reibereien gäbe, und darum würde jedesmal bei den Wahlen in die Gemeindevertretung eine Menge Stimmzettel abgegeben, die auf Kaiser Franz Josef lauten, denn nur wenn Kaiser Franz Josef in der Gemeindevertretung säße, würde nach der Meinung der Leute Ruhe sein. Alle tragen sie das Bildnis Kaiser Franz Josefs am Kaftan, das Bildnis Kaiser Wilhelms daneben, und wenn ein Trupp Soldaten vorüberzieht, dann kommt eine seltsame Bewegung in diese Leute. Wie zum Segen heben sie ihre Hände empor, neigen sich fies vor ihnen zur Erde. Das österreichische Heer ist lhiö Retter, ihr Helfer und ihre Zuversicht auf die Wiedererlangung ihrer Habe, denn kaum mit dem Nötigsten find die meisten Leute geslohen. Sie wohnen tn Massenquartieren, 20, 30 in einem Zimmer. Wer schon ist, das Ministerium an der Spitze, ein Hilfskomitee nwbilisiert, das für sie sorgt. Die reicheren Flüchtlinge haben unsere Hotels überfüllt. Und so bringt der Krieg, der so viele Industrien und Unternehmungen brach gelegt hat, manchem anderen wieder einen kleinen Aufschwung. Es ist überhaupt ein hesonderes Kapitel in der Volkswirtschaft: die Krwgs- industrie. Und da gibt es wiederum einen ganz besonderen Artikel, der die hübschesten Preise erzielte und den die Behörde schließlich verbieten mußte: es waren die Uniformknöpfe, die Rockspangen- die Mützen der Russen, die man gefangen nach Oesterreich gebracht hatte, irnd von denen jeder für teueres Geld sein kleines Andenken «ch.^ist ja so leicht begreiflich, daß man in seiner Sicherheit- fern vom Schuß, ivenigstens -in Stückchen Rußland bei sich zu haben wünschte. Jetzt aber brauchen wir es nicht mehr, denn wir haben schon ganz gehörig« Stücke bei uns. Rußlands Armee deS Angriffs, Rußlands verdcrbenspeiende Schlünde: die Kanonen, dl« unsereTruppen erbeutet haben. Nun hat Man diese Trophäen brau» 620 jjeu vor dem Arsenal ausgestellt, das eine Munitionsfabrik ist, ein Wafsendepot und eine Art Wiener „Zeughaus" zugleich. Da stehen sie nun, die guten russischen Kanonen. Ein fremder Anblick: denn sic sind anders als unsere Geschütze: aus Stahl, nicht aus iBionce. An Anblick voll gemischter Gefühl«: denn diese schwarzen Schlünde lwaren vor nenigeü Tagen noch aus das Leben der linieren gerichtet. Es sind ausgezeichnete Kanonen, sie waren vortrefflich bespannt, aber - wahrhaftig! — nicht so vortrefslich bedient. In manchem Rohr stak noch eine Kugel. Beim Ansturm unserer Infanterie hatten die Russen Nicht einmal Zeit, die geladenen Kugeln abzuprotzen. Und diese feige, pslichtvergessene Flucht ist uns ein gutes Vorzeichen für den schließlichen Sieg. Der russische Soldat tut, was man ihn heisst. Aber darüber tut er weiter nichts. Er tut es lohne Aufopferung, ohne begeisterte Hingabe, er tut es ohne Liebe. Aber jedem von unseren -Soldaten blüht eine kleine blutrote Blume der Selbstvergessenheit rm Herzen, wie die rote frische Pelargonie, die die flichende Frau aus Galizien gebracht hat. Ihr Anblick war wie ein Symbol. Blühendes aus dem Land, das der Feind besetzt hat Einstweilen, bis auf Weiteres! Und Wien ist ruhig Es darf ruhig sein. _ Der $oI)tt. Ostpreußischen Flüchtlingen nacherzählt. Von L. Malten. „Pack ihm ein, pack ihm ein, Mütterchen," sagte der alte Gutsbesitzer zu seiner Frau uich reichte ihr noch einen beträchtlichen Schinkenvorrat zu den Würsten hinüber hinter den Tisch, wo die Mutter den Rucksack des Sohnes vollstopfte, „was er nicht braucht, braucht ein anderer," setzte der Mann die Rede fort. „Krieg ... ich bab's kennen gelernt. . . Jo, blutjung, wre ich war, da haben wir manchmal eine lange Jung' gemacht nach einem Bissen oder einem Trunk — wenn's nur Wasser gewesen wär' — aber auch das war knapp." Er stellte zwei Fläschchen alten Rotwein auf den Tisch. Die t rau blickte hoch von ihrer Arbeit. Ihre Blicke sanken ineinander. rieg ... ES war ja kaum zu fassen, daß die ganze Welt binnen »wei Tagen ein anderes Gesicht hatte. Krieg . . . Und der forderte Oimt letzten, einzigen Jungen. Drei hatten sie schon verloren. Blieb nur noch das Enkelkind, die Roselies . . . „'s treffen nicht alle Kugeln, Mütterchen," meinte der alte Gutsbesitzer mit halbem Lächeln. Das siebst' ja an mir." Durch's offene Fenster streckte sich ein dunkler Männerkopf herein. „'Tag, Herr Nachbar . . ." „Erbarmen,— Herr Pfarrer, na nur herein." „Sind Sie denn noch hier . . . und die Roselies am End' auch?" fragte der Geistliche entsetzt. „Räumen, Menschen ... erbarmt Euch ! Der Kommandant bat's besohlen. Eben habe ich meine Frau und die Töchter nach der Stadt gebracht." Tie RoselieS — kaum fünfzehnjährig — kam an den Fenstern vorbei. Sie steckte den Kopf zur Tür herein und rief: „Tag, Herr Pfarrer," lte : noch einmal zurück und brachte einen schweren Obstkorb voUer Aepfel herein. Sie gab dem Pfarrer die Hand und knipte. Ihr dunkelumrahmtes Gesichtchen war selbst so zart und rot wie die echten Grafensteiner, die sie brachte. „Menschen, erbarmt Euch! Eure Sorglosigkeit ist schreckenerregend." Der geistliche Herr wurde braunrot vor Zorn und stampfte den Boden mit seinem Landstock. Am Nachmittag reiste der Sohn. Gertenschlank ragte seine krästtge Gestalt neben der des Vaters, der ihn »ur Bahn gefahren hatte. Das blonde Gesicht strahlte vor Kampfeslust. Er hatte nicht weit zu fahren. Der Vater würde ihm noch Proviant bringen, bevor sie ihr Land verließen. „Grüß die Muttchen . . . und die Roseltes . . . und macht Euch fort, wenn'» auch nicht so schlimm sein wird, wie der Pfarrer meint . . . leb' wohl, Väterchen, Hab' Dank, mein goldneS Väterchen. . ." Der Zug fuhr hinaus. Dent alten Mann wurde dos Herz mit einemmal so schwer . . . Der Sohn ... Der letzte . . - Die Schlacht tobte schon um Gumbinnen, und noch immer zögerten die Gutsleute. Kam da ein langer Zug Flüchtlinge vorüber. Männer und Frauen und Kinder. „Sie morden und brennen — die Kosakenhund«!" schrie eine Frau voni Wagen herunter, als'sie die Leute vor der Tür stehen sah. „Was sitzt ihr hier . . . erbarmt euch, Menschen!" Und eine andere ergänzte die Rede: „Die sinken euch doch in eurem versteckten Winkel. Die finden alles . . ." Sie drohte mft den Fäusten nach rückwärts . . . * r. , Krauen standen gerüstet. Das Dienstvolk war berefts ge- flohen. Sie bestiegen den Sandschneider. Die Tiere kamen aus rhren offenen Ställen heran und beschnubberten das Gefährt . . . schweigend. Der Mond hing zinnern zwischen den Wolken. Plötzlich schrie Roselies auf. „Dort, seht doch ... am Baum . . ." Der alte Mann spvana herunter — die Frau haschte nach den hingeworscnen Zügeln. Sw sah den. Manne nach ... wie er rannte. Sie wollte hinüber- fahren und konnte nicht. Die Roselies sah sie rennen . . . und dann raffte sie sich zusammen und band das Pferd fest und ging den andern nach. Ja ... ja ... Da hing einer . . . Sie holten ihn herab und betteten ihn auf dem Boden . ihren Jungen . .. ihren letzten .., Sie sind wie erfroren . . . alle drei . . . ganz erstarrt vom Schrecken. „Mit deir vollgepackten Taschen haben sie ihn . . ." Der alte Vater senft die Rechte in den halboffenen Rucksack und zieht sie entsetzt zurück. „Finger . . . abgeschnittene Finger," schreit er entsetzt, „Großer allmächtiger Vater!" Und er schüttet diese Taschen aus, die von den Greueltaten erzählen, die die bestialischen Feinde verübten . . . und trägt dem geliebten Sohn zum Wagen . . . Stumm sitzen sie mit ihrem Jammer im Herzen . . . Im Osten färben sich die Wolken rosig, als sie durch das Stadttoo fahren. _ vermischte». * W affen g attung » nd Verwundung. Die bisher erschienenen Verlustlisten lassen, abgesehen von der Feststellung, daß Offiziere in relativ viel größerer Menge fallen als Mannschaften, statistische Schlüsse nicht zu, weil man nicht weiß, wie groß die inS Feuer gekommenen Truppenmassen waren. Wahrscheinlich werden aber die im Kriege 1870/71 gewonnenen Resultate auch diesmal im ganzen und großen zutrefsen, vielleicht mftt einer kleinen Verschiebung zuungunsten der Arttlleric und der Prouierc. Danials stellten sich die Verluste — von den Chargen sei hier abgesehen —- beim Großen Hauptguartier und den Armeekommandos auf 0,41, bei der Infanterie auf 3,95, bei der KavaUerie auf 4,46, bei de, Artillerie auf 1,33, bei den Pionieren auf 0,54, beim Train au 0,13, im Durchschnitt auf 3,22 Prozent. Danach war also, um auch im später folgenden Russisch-Türkischen Kriege und wie vorher, stets die Infanterie die gefäbrdetste Waffe. Jetzt dürfte ihr dt» Fliegertruppe aber wohl den Rang darin streifig machen. Bei de< Artillerie, die doch damals eine sehr große Rolle spielte, ist nicht nur der geringe Prozentsatz von Verwundungen merkwürdig, sondern auch der Umstand, daß die Verwundungen verhältnismäßig leicht waren. Die Verwundungen bet der Kavallerie waren viel schwerer und gefährlicher. Es erlagen von den Verwundeten sofort oder innerhalb 24 Stunden: Offiziere Mannschaften zusammen 8.8 II«, S 166,7 18,5 182,2 195,7 8.8 106,0 113,3 32,4 181,8 164,2 9,0 146,3 154,8 Ebenso schnitt die Kavallerie am schlechtesten ab, ioenn man all» die Verwundeten in Betracht zog, dre bis zum 31. Mai 1871 starben oder wiederum die, die geheilt ivurden. Deren waren bet ver Infanterie 88,8 Prozeitt, bei der Artillerie 90,2 Prozent, bet den Pionieren 89,7 Prozent, bei der Kavallerie aber nur 87,8 Prozent, das ist also weniger als der Durchschnitt von 88,9 Prozent. Im übrigen ergibt sich aus den vorhandenen Zahlen, daß bei allen Waffengattungen von de» verwundeten Offizieren weniger als von den Mannschaften geheilt werden. * Amerikanische Kriegs-Aphorismen. Auch ein „Schrecken des Krieges": Die Möglichkeit, die sich Chikago eröffnt, die Führerschaft in Modesachen von Paris an sch zu reißen (Boston Trauscript). — Wenn keine Nachrichten grtte sind, wie das Sprichwort sagt, dann sind die Zensoren der europäischen Presse dt« größten Prediger des OpttmismuS (New Bork American). —, Wenn die amerikanischen Kriegsürrrespondenten, die nach EuropA ( weilt sind, die neuesten Neuigkeiten erfahren wollen, dann soften ie sich auf 'ihre Zeitungen zu Dause abonnieren (Boston Tran- cript). — Wie völlig Belgien auf die Garantie seiner Neutralität vertrante, gebt am besten aus der Tatsache hervor, daß eS danebm noch eine tüchtige Menge von starken Festungen an seiner Grenz« ausbaute (New Bork Evening Sun). bei der Infanterie , , Kavallerie , „ Artillerie , den Pioniere» im Durchschnitt Geographischer verschiebrätsrl. Hannover, Abruzzen, Garonne, Kairo, Florenz, Agratch Lausitz, Mailand, Ltstabon, Ungarn, Loioten. Vorstehende Namen sollen derart untereinander gcschobei, werden, daß eine Buchslabenreihe, von oben nach unt«n geleseitz den Namen eines Badeortes ergibt. Auflösung in nächster Nummer, Auflösung der Schach-Ausgabe in voriger Nummcil Weiß. Schwarz. 1) L d 4 — e 3 K d 6 — 8 5. 8) D d3 — d7 X»5 — !6. 3) h 7 — h 8 Läufer \ und Matt. Redaktion: Aug. Do»tz — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen U»Iv«rsttätS-Buch- und St»indrucker«t, 8. iange, Dleßeii.