Kinderseele. Bfomati von Reinhold Ortmartn. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Margarete ging in das Speisezimmer, dessen Tür ihr der Oberkellner dienstbeflissen geöffnet halte. Aber sie hatte sich kaunl an einem Ecktischchen niedergelassen, als sie gewahrte, datz auf der anderen Seite des großen Raumes ein bis dahin von ihr nicht bemerkter Herr grüßend aufstand, um sich alsbald ihrem Platze zu nähern. Auch lvenn er nicht gezwungen gewesen wäre, sich dabei auf einen Stock zu stützen, tvürde sie sofort den Oberleutnant Rasmussen in ihm erkannt haben, aber es war trotz der angenehmen Eindrücke, die sie aus seinem Hause mit sich weggenommen, eine keineswegs freudige Empfindung, die sich bei seinem Anblick in ihrem Herzen regte. Er hatte ihr ja bei jener ersten Begegnung recht gut gefalle», und sie war ihm noch immer dankbar für jedes tvarmc Wort, das er über ihren Vater gesprochen: aber zwischen jene Unterhaltung und die gegenwärtige Stunde siel ihre Aussprache mit Bardelcben, und das Wort von der unversöhnlichen Feindschaft, das im Munde des Barons einen so eigenen Klang gehabt hatte, lag ihr noch immer im Ohr. ,Zch bin Ihnen noch eine Erklärung schuldig, Fräulein Othmar," begann Rasmussen, „und ich freue mich der glücklichen Gelegenheit, sie geben zu können." „Eine Erklärung — mir, Herr Oberleutnant?" „Ja oder vielmehr die Berichtigung eines unüberlegten Wortes. Sie erinnern sich meiner Frage, ob Sie mit -unzerreißbaren Banden an das Klein-Ellbachcr Herrenhaus gefesselt seien. Das war unzienrlich und töricht. Denn ich könnte ja nur von ganzem Herzen wünschen, daß es so wäre." „Ich verstehe nicht, Herr Rasmussen — " „Nicht Ihretwegen freilich," fuhr er fort. „Denn der Aufenthalt, der mir für Sie als ein angemessener erschiene, müßte von ganz anderer Beschaffenheit sein als das Haus meines Schwagers. Aber um meiner kleinen Nichte willlen. Es war eine Gnade des Himmels, die Sie diesem armen Kinde zuführte. Sie zu verlieren, würde für Dietlinde den zweiten unersetzlichen Verlust in ihrem jungen Leben bedeuten." Nu» hätte sie ihm ja eigentlich sagen müssen, wie nahe dem Kinde dieser Verlust bevorstehe. Aber sie gewann es nicht über sich in einer unbezwinglichen Furcht vor den Fragen, die er an ihre Mitteilung knüpfen iverde. Sie hätte ihm ja unmöglich sagen können, daß es Jadwigas abfällige Kritik ihres Benehmens in seinem Hause gewesen war, die den Anlaß dazu gegeben, und cs wäre gegen ihre Natur gewesen, ihn mit irgend einer rasch erfundenen Unwahrheit abzuspeisen. So versuchte sie nur, das Gespräch von dem ihr peinlichen Gegenständ aibzulenVen, „Jede andere gewissenhafte Erzieherin würde deur Kinde dasselbe oder vielleicht noch mehr bieten können als ich. Außerdem liegt die Sorge sür Dietlinde jetzt viel mehr in den Händen des Fräulein v. Ostrowski als in den meint gen." „In der Tat? Aber das tväre ja gerade das, was ich so sehr fürchte. Wenn ich denken müßte, daß das Kind meiner Schwester diesen beiden überantwortet sein soll —- ich wäre iuistande, es ihnen mit Gewalt zu entreißen und es vor ihnen irgendivo in.Sicherheit zu bringen, müßte ich mich auch mit ihm in dem entlegensten Winkel der Erde verbergen." , Margarete schüttelte den Kops. „Sie hegen da offenbar Befürchtungen, die ich nicht begreife. Herr v. Bardeleben liebt sein Töchterchen aufrichtig und —" „Ec liebt es? Er, dieser rohe Kraftmensch, dem alles Zarte von jeher ein Greuel gewesen ist? Er liebt es? Vielleicht so, wie er meine Schwester geliebt hat, die sich unter seinen Augen in Gram und Verzweiflung verzehren durste, nachdem er sich in brutaler Selbstsucht ihrer Person und ihres Verniögens versichert hatte." „Ich inuß bitten, Herr Oberleutnant — nichts mehr von dieser Art! Sie vergessen, daß ich im Dienst des Herrn v. Bardeleben stehe, und daß ich unter seinem Dache lebe." „Verzeihen Sie — es riß mich hin. Ich habe ja auch gar nicht den Wunsch, Sie mit'diesen traurigen Dingen zu beunruhigen, die meine Jugend vergiftet haben wie die nieiner unglücklichen Schwester. Was braucht Sie am Ende dieser Bardeleben zu kümmern und dies Fräulein Ostrowsst, die seiner würdig sein uiag! Nur von dem Kinde wollte ich sprechen, und das — ich flehe Sie an — das dürfen Sie inir nicht verbieten. Sie ahnen ja nicht, >vas dies kurze Zusammensein mit der Kleinen für mich gewesen ist. Ich selbst habe es bis dahin nicht gewußt, wie mein Herz au ihr hängt. Ob ich ihr um ihrer selbst willen diese grenzenlose Zärtlichkeit entgegenbringe, oder ob es meine tote Schwester ist, die ich in ihr liebe — ich kann es nicht unterscheiden, und es ist ja auch gleichgültig. Gewiß ist nur, daß das Kind seit seinem Aufenthalt in meinem Hause alle ineine Gedanken ausfüllt, und daß ich mich in Sehnsucht verzehre, es wiederznsehen." „Und Sie glaube», daß Herr v. Bardeleben Ihnen daS verwehren würde?" „Ich würde lieber das Aeußerste tun, eh« ich mich herbeitieße, ihn darum zu bitten. Mein Schwager und ich — doch, davon sollte ja nicht mehr die Rede sein. Min, mein verehrtes Fräulein: der Weg zu meiner Nichte, der gleichzeitig ein Weg nach Klein-Ellbach sein müßte, ist inir verschlossen. Von dem Glück, das dies Kind in mein Leben bringen könnte, darf ich nur träumen, wie ich bis jetzt von allem Herrlichen nur habe träumen dürfen." Margarete ivußte ihm nichts zu erwidern. Das Gespräch war ihr mit jeder Minute peinlicher geworden, wenn sich auch bei seinen letzten Worten etwas, wie warmes Mitgefühl in ihrer Seele geregt hatte. 464 Herbert Rasmussen aber bemerkte offenbar nichts von der Verlegenheit, in die seine Reiben sie versetzt hatten. Er hatte ein paar Sekunden lang mit leerem Blick auf das Kaiserbtld gestarrt, das ihm gegenüber an der Wand hing; dann sprach er weiter: „Ich wäre vermutlich ein mittelmäßiger Künstler geworden, wie ich ein mittelmäßiger Ossitier gewesen bin, und seitdem die ersten Illusionen zerronnen sind, liegt das Bewußtsein meiner Mittelmäßigkeit auf mir wie ein Fluch. Etwas im Leben möchte mau doch ganz sein. Zu irgend einer Zeit möchte man doch das Bewußtsein hegen ' dürfen, seine Anlagen und Fähigkeiten einem schönen und großen Zweck nutzbar gemacht zu haben. t ch habe diesen Zweck nicht finden können — draußen im etriebe der Welt so lvenig als hier in der Einsamkeit meiner Heimat. Bis vor vier Tagen. Da ist es Plötzlich wie eine Offenbarung über mich gekommen, als ick die Aerm- chen Dietlindes an meinem Halse fühlte und besonders später, als ich sie in ihrem Berkehr mit Ihnen beobachten durfte. Da ist mir's zum ersten Male in meinem Leben klar geworden, daß ich nicht gemacht bin, aus einem exponierten Platze zu stehen und ins Weite zu wirken. Das Mißtrauen gegen mich selbst, über das ich nie hinwegkomme, würde immer aufs neue meine Kräfte lähmen. Wenn ich meinem Dasein überhaupt einen Zweck und einen Inhalt geben will, darf ick's an keine größere Aufgabe setzen als an die Sorge um einen einzelnen Menschen. Und dazu, meine ich, S 'trde es wohl reichen. Wenn ich dies Kind hegen und hüten rfte, wenn es mir vergönnt wäre, ihm ein Leben voll ärme und Sonnenschein zu bereiten, in jeder Minute auf chtö anderes bedacht zu sein als aus sein Glück — ich bin gewiß, daß ich darin volles Genügen und restlose Befriedigung finden würde." „Was hindert Sie, diese Befriedigung in der Sorge um irgendein anderes armes, verlassenes Geschöpf zu suchen?" Er schüttelte den Kopf. „Ich gehöre leider nicht zu den Menschen, deren Liebe immer bereit ist, sich an das erste beste tnensckliche Wesen zu verschenken, das ihnen in den Weg kommr. Werden Sie es mir glauben, Fräulein Othmar, daß tch als Offizier mit achtundzwanzig Jahren poch nicht eine einzige Liebschaft gehabt habe, nicht einmal die unschuldigste Jünglingsschwärmerei?" Sie war ein wenig errötet. „Aber darum handelt es ich ja gar nicht," sagte sie rasch. „Die Liebe, die Sie für Ihre feine Nichte empfinden oder die Sie irgendeinem anderen! chutzbedürftigen Kinde entgegenbringen würden, ist doch nicht von dieser Art." Er sah sie an, und ?s war etwas in sxinem Blick, das q, darin haben her seitdem ich sie zwang, die Augen niederzuschlagen, je wohl recht," erwiderte er langsam. »neu hier geaenübersitze, will es mir scheinen, als ob icki diesen vier Tagen nicht ganz ehrlich gewesen wäre gegen mich selbst. Die Lebensaufgabe, die ich mir da zurechtgeträumt habe, würde doch wohl nicht ausreichen, mich glücklich zu Machen, wenn ich — wenn ich nicht auch Sie darin eilw schließen dürfte, Fräulein Margarete!" Seit einigen Sekunden schon hatte sie etwas Derartiges kommen sehen, und doch war nun, da die beklemmende Ahnung sich erfüllt hatte, ihre Bestürzung noch immer so grob, daß sie kaum auf der Stelle eine Antwort gefunden hätte. Ein Zufall, den sie in der Stille ihres Herzens voll heißer Dankbarkeit segnete, kam ihr zu Hilfe. Ein älterer Herr in Uniform hatte den Spetsesaal betreten, und er kain eben jetzt so nah« an ihrem Tische vorüber, daß das Klirren seines nackschleppenden Säbels den Oberleutnant aufschauen lassen mußte. Im nächsten Augenblick hatte er sich erhoben, um den Offizier, einen Major des in Waldenburg garnisonieren- den Regiments, pflichtschuldig zu begrüßen. Nun war an eine Fortsetzung ihres Gespräches nicht mehr zu denken. Der Major hatte so unzweideutig fragend zu Margarete hinüber- gesehen, daß Rasmussen dem Zwänge einer Vorstellung nicht wohl ausweichen konnte, und nun bat der etwas neugierige Herr um die Erlaubnis, sich zu ihnen setzen zu dürfen. Wenn auch der Oberleutnant kaum imstande war, sein Mißvergnügen über die Störung zu verbergen, wenn er sich nur mit zerstreuten Bemerkungen an der von dem Major begonnenen Unterhaltung beteiligte, so mußte er geschehen lassen, was zu ändern nicht in seine Macht gegeben war. Erst als der Klein Ellbacher Kutscher eintrat, um zu melden, daß der Schlitten vorßefahrm, sei, raffte er sich dock noch eilt- mal wie zu einem verzweifelten Entschlüsse aus. Er hatte einen Blick durch das Fenster geworfen, und nun sagte etj „Ich sehe, daß Sie die lange Fahrt in einem offenen Schlitten machen wollen, gnädiges Fräulein! Damit können Sie bei dieser schneidenden Kälte Ihrer Gesundheit ernstlich! schaden. Mein Automobil mit seiner geschlossenen Karosferii würde Ihnen jedenfalls besseren Schutz gewähren, und es kann in wenig Minuten zur Abfahrt bereit sein. Wollen Sie mir nicht gestatten, Ihnen einen Platz darin anzubieten?" Margarete, die sich bereits erhoben hatte, streifte ihn mit einem abweisenden Blick. „Ich danke Ihnen, Herr Oberleutnant! Ich ziehe den Schlitten vor." Gr preßte die Lippen zusammen und verbeugte sich stumm. Daß er sich nach ihrer kurzen Verabschiedung von dem Major anschickte, sie hinquszubegleiten, konnte sie ihpr nicht verwehren. Sie ging aber so rasch, daß er auf dem kurzen Wege keine Möglichkeit fand, zu ihr zu sprechen. Als sie dann im Schlitten saß, mußte sie ihm aber wohl standhalten. „Ich habe vorhin nicht ausreden können, Fräulein Othmar," sagte er halblaut, „und ich muß darum fürch- ten, daß Sie meinen Worten eine für mich unerwünschte Deutung geben. Darf ich den Versuch machen, durch eine offen« Erklärung diesen Eindruck zu verwischen? Wollen Sie mir erlauben, Ihnen zu schreiben?" Die Angst, von der sie seit einer halben Stunde gepeinigt wurde, lieh ihre Antwort schroffer ausfallen, als tß eigentlich ihre Absicht gewesen war. „Nein! Ich bitte S,^ dringend, davon abzustehen. Es würde auch schon deshalb ganz zwecklos sein, weil ich mich wahrscheinlich nur noch wenige Tage aus Klein-Ellbach aufhalten werde." Bestürzt sah er sie an. Aber er konnte keine Frage mehr am sie richten, denn sie hatte dem Kutscher ein Zeichen go- geben, und die Pferde zogen am. Ein stummes Neigen des Kopfes, dann war sie nach ihrer Meinung für immer aus Herbert Rasmussens Leben entschwunden. Ihre unruhigen Gedanken kehrten auch bald zu dem Kinde zurück, das sie in seinem verzweifelten Schmerz aus dem Klein-Eilbacher Schlosse zurückgelassen hatte. Wohl war die Kleine während der letzten Wochen anscheinend ganz gesund gewesen, aber Dr. Mittmann hatte wiederholt geäußert, daß man auf eine Wiederkehr der nervösen Erscheinungen' noch immer gefaßt sein müsse. Ihr heutiges Verhalten mußte Margarete fürchten lassen, daß diese Gefahr in unmittelbare Nähe gerückt sei. Das quälte und beängstigte sie um so mehr, als Dietlinde bei einer etwaigen neuen Erkrankung oben-, drein den Beistand des alten Arztes hätte entbehren müssen, der sie seit den ersten Tagen ihres Lebens beobachtet und behütet hatte. Denn der Sanitätsrat war aus einer seine« ärztlichen Besuchssahrten von einem Schlaganfall betroffen worden, wie er selber es sich schon lange voransgesagt hatte. Er war zwar noch am Leben, aber er lag gelähmt und der Sprache beraubt, und der junge Kollege, der neben ihm in Reinswaldau praktizierte, hegte keine Hoffnung mehr, ihn auch nur teilweise wieder herzustellen. Sie hatte den Kutscher gebeten, so schnell als möglich zp fahren, und er hatte auch kaum nötig, die ausgeruhten Pferde anzutreiben. Trotzdem aber wurde ihr die Fahrt schier unerträglich lang, und als der Schlitten endlich vor dem Herrenhause hielt, eilte sic, ohne sich um ihre Pakete zu kümmern, mit angstdnrchbebtem Herzen die Treppe in das obere Stockwerk hinauf. (Fortsetzung tolgt-l ver Geist der Offiziere des Zaren. Von Balticus. Rußland hat keinen Adel mehr. Der hier einst gewesen, ist verarmt, verkommen, da er es nicht verstanden, sich den Erfordernissen einer neueren Zeit anzupasscn Die Aufhebmig der Leibeigcnschast wurde für ihn zum Verhängnis, da diese Maßnahme, besonders durch die Stellunguahme des Adels dazu, seinen wirtschaftlichen Ruin herbeiführte. Natürlich nicht den aller Adelsgeschlechter. Viele von ihnen haben sich gehalten, lebe» in durchaus geordneten Vermögensverhältnissen. Aber bis zu der im Jahre 1866 erfolgten Befreiung der Bauern gehörten all di« Güter des Niesenreichs, soweit sie nicht das Eigentum der Krone oder der Kirche waren, dem ?ldel; durften laut Gesetz nur ihm gehören. Diese Bestimmung nun wurde durch den gleichen Federstrich des Zaren, der die Miuern au? Sachen plötzlich zu Menschen machte, ansgehoben. ° „ „ „ t , Die Gutsbesitzer erhielten für den Verlust der Seelen — so nannte man dje Leibeigenen — vom Staat eine Entschädigung ausgezahlt. Mit diesem Gelde sollten sie freie Arbeiter zur Be- 486 — wirtschastuna btr Ländereien Tttieten. Natürlich taten das di« alten Herren nicht, sondern gingen nach ÄariS und anderen Orten> in denen eS sich aut leben läßt > freuten sich klier ihres Dasein-, des gefundenen Geldes. Und auch die mrter ihnen, die nach dent neuen System arbeiten und das von ihren Vätern Ererbt« vereidigen »rollten, kamen damit nicht »urecht. Ihnen fehlt« ein- ach der Zusammenklang zwischen Lerstuna und Entschäbigrmg. staun hieuen auch die Bauern, wenigstens gleich nach der Be- rriung — Beute ist es ia etwa-, aber nicht viel besser damit ge- pvrden — herzlich »venia vom Händerühren, sprachen immer Nur von Freiheir, meinten, daß di« im Nichtstuen bestehe. Do kam «s zum Unvermeidlichen, da sich die Güter plötzlich aus einer reichen Einnahme dringende, in eine Zuschüsse fordernde Anlage verwanden halten. Man leat« sich daher fast gezwungener Matzen “ ' die Wälder ab, verlauste die Ernte auf us Raubivirtschast, fahre hinaus ans dem Halm, nahm Gelder zn den wildesten Bedingungen, war aber einfach überglücklich, wenn Gott einem di« nade erwieS und .trgerrd »emanden schickt», der die Scholl« . elnetwegen für ein Butterbrot erwarb, nur überhaupt abnahm. Dadurch ist beute der Stand das Landadels so aut wie verschwunden. Rußland hat keinen Mittelstand. Erst jetzt, aber nur so ganz nach und nach sängt ein solcher an, sich zu entwickeln. Doch bis der eS überhaupt zu einiger Bedeutung gebracht hat, wird noch viel Zeit vergehen. Gewiß gibt es in Rußland genügend Handelstreibende, Lehrer, Geistliche und akademisch gebildete Leute, aber inan kann sie nicht als Mittelstand bezeichnen. Zufallerscher- ungcii sind cs, dein Eleird durch einen glücklichen Umstand für )re Person entrönne»», aber ihre Kinder oder doch spätere Nach- minen meist wieder dorthin zurücksendend. ES fehlt eben an der rch Generationen vererbten gewissen Wohlhabenheit der Famt- en. Enorm reich und bettelarm, ja das gibt es vollauf, aber! s Zwischenglied fehlt. Dies Manko findet seine Erklärung darin, 6 Ofiiftersrock und Beamtenmütze bis ungefähr vor 50 Jahren dem Adel fast ausschltetzlich Vorbehalten waren, das Studium aus den wenigen vorbandeilen Hochschulen sogar noch allerhand Beschränkungen in der Zulchsung rmterlag, die Zahl der Schulen »ichenr ein« verschwindend kleine war, und diese Schulen nicht ein, snal allen zugänglich gemacht wurden, daß als Handwerker sich Meist Leibeigene betätigten, die durch ihre billige Arbeit alles Unrerboten. Die dem Gutsbesitzer mit Körper und Seele Gelängen, arbeiteten doch nicht nur im Felde oder Walde, sondern ogen in die Stadt, ergriffen dort einen Beruf, zahlten für diesen ‘ etheitsurlanb ihrem Herrn Abgaben, oder er beteiligte sich am ewrnn. Durch das Fehlen des Adels und des Mittelstandes mangelt es also in Rußland schon von Harisc aus an dem Boden, der in allen änderen Staaten vorzugsweise Offiziere hervorbringt. Dazu geschieht oder geschah wenigstens auch von der Regierung nichts, um vre Liebe zum Wasfenhandwerk bei den aus vermögendem und angesebenem Hause stammenden jungen Leuten zu wecken. Im Gegenteil, sie wurden eher noch zurückgeschreckt. Der Vater des jetzigen Zaren, Alexander III, liebte die Armee durchaus nicht, B leich sie doch die Stütz« jedes und vielleicht gerade besonders russischen Thrones bildet. Er nahm den Regimentern, die sich ser geschlagen, stolze Namen getragen hatten, die Uniform. Zu Dragonern, also berittener Infanterie, machte er die ganzen Husaren und Ulanen der Armee. Statt der Wafsenröck« mtt den Knopfe», den gold-- und filberprunkcnden Schnüren, verlieh er ihnen so eine Art Mehlsäcke, die mit Haken und Oesen verschließbar waren. Natürlich ist das schließlich nur eine Aeußcrlichkeit, die übrigens jetzt wieder rückgängig gemacht ist, aber unser ganzes Leben besteht doch vielsach mehr aus Form als aus Kern. Zudem hat man in Rußland, wie ja überall, eine feine Nase für den! Wind, der vom Hose »veht. Es gehört« also bald zum guiein! Ton, ans die Ossizicre so etwas herabzublicken; Beamte und zwar kleine, da schlecht bezahlte, und nicht den Stolz, die Blüte der Nation in ihnen zu »'ehen. ?luch den Erlaß kann man kaum als sehr angetan zur Hebung des Ansehens des Ossizierstandes bezeichnen, der vorschreibt, das jeder Einjährige, nachdem er seine Zeit abgedient, Reservcleutnant werden muß und nach Bestehung der hierzu vorgcschriebenen Prüfung — bei der übrigens keiner durchfällt — besördert wird. Nun sind ja die Einjährigen gewiß brave, tüchtige Leute, da sie so lange die Schule besucht und schließlich ihr Abgangsexamen dort abgelegt haben. Aber daß nun diese doch sehr verschiedenen Gesellschaftsklassen entstammenden, in mancherlei Ansichten und Umgebung groß gewordenen Jünglinge, all die moralischen Eigenschaften zum Reserveleutnant in sich tragen sollen, erscheint doch recht fraglich. Dem sich sehr fühlbar machenden Mangel an Ossizieken sollte dies Gesetz abhelfen. Gewiß, mehr Leute hat eS gesckßifieii, di« das goldene Achselstück tragen. Mör Wert aus diese Würde legt keiner der Inhaber, erwähnt eS sogar nie. Höchstens wenn ihn sein Weg ins Ausland führt und er die Verhältnisse dort kennt, prankt das „Leutnant! der Reserve" stolz ans der Visitenkarte. Aber nicht nur das Ansehen der Offiziere wird geschmälert, sondern m(m gestaltet auch ihr Leben recht unangenehm. Ta sind besonders di« entsetzlichen Garnisonen, vor allen Dingen die der Kavallerie. Diese Truppenteile werden, soweit sie nicht zur Garde gehören, in kleinen Nestern auf dem .Lande nntergehracht, und »war aus einer falschen Sparsamlcit heraus. Tgs Futter für die Pferde, die Stallungen sind hier billiger als i» den großes gber, wie sich die Offiziere in dieser ent- findeii, bte sedes Verkehrs, jeder Wro- Städten. Dem Uinstande setzlichen Umgehung «um.,.,....*...... ^ .w« B man gut, nicht den geringsten Komfort bietet, wird st Gewicht betaemeslen. Einfach der Standpunkt gilt, Die Leute erhalten ja bcksür, daß ji« dienen, Gehalt. Daß man ernel höhere LebenLaufgahe im Tragen des bunten RocheS erblickt, wird also, »nrd ^war von oben herab, unteMaben. Da ist es selbstverständlich kein Wunder, daß auch die Offiziere ihren Berns dementsprechend ansehen und achten, daß-sie ihn nur als Brotstelle de» rächten. Trotzdem_bte Verhältnisse jo tet, also wenig verlockende " )er nicht leicht gernacht, en, die aber schon als Kirche r en, »otrd es verhältnismäßig find, ist der Werdegang xun akti Rur den Zöglingen der Milttärf» in dies« Anstalten efirtreteu mi. ... _____ ... _________ bequemer, denn sie erhalten, »venigstens Unmittelbar nach Bestehen der Prüfung, das Patent. Nun ist ies aber wirklick) nicht jedermauns Sach«, besonders wenn er über Mittet verfügt, seinen Soh» eine Distali zu tun, die den Jimgei» der Familie ortzieht, ihn zudem — so heißt es wenigstens allgemein — manche Schlechtigkeit durch die Kameraden lernen läßt. Hingegen ist das Ergreifen der Offizierslaufbahn für den Einjährigen sehr schrver. Der in!»»« zuerst sechs Monate oder ein Jahr beim Regiment bleiben, dann nach bestandener Prüfling in die Juirkerschule eintreten, hier zwei Jahre lernen, an Wissenschaften zwar nicht Übermäßig viel, gossen uird was solck er auch das glückltc sondern muß noch e Militärs herumlaufen. r abhärtei hinter si x nur vorgeschriebe»»«, und natür'.^., aus der Straße nicht rauchen, in der fahren ustv. n Scherze noch mehr fo (ft «r nicht gleis. ,,. . t dem Grad« eines Ukfte» dieser Jett im Theater nicht die kchisn Plätze beimb« senbahn nur dritter Klaff Nun find auch die Maßregeln getroffen, um den Geist des Ossh- zierkorps zu beben, also das, was mutwillig zerstört wurde, »oieder g zu wecken. Da hat »rrai» das Duell eingeführr. Nehmen wir den Fall, daß sich zwei Offiziere und zwar ganz gründlich in dt« Haare geraten, daß schioere Beleidigungen erfolgen. Ein EhrelN- ht ist bgnn der nächste Schritt, jbaS bestimmt» los geh»;! wirb die Polizei benachrichtigt. Di« weist einen Platz t tfm ab, daß Müßige keinen Zutritt haben. Das T . Meist geben die Kugeln vorbei. Nehmen wir aber ben glücklichen Zufall, eine trifft. Straffreiheit, da durch Ehrengertc' beschluß geschehen, auf der ganzen Linie. Auch die Erhebung in den Adejstand hat man mit der Ernennung zum Offizier ve»> birnden. Jeder, der Leutnant »vird, erhält Herr persömichen Ab«!, und bringt er es über den Hautzlmann, dam» blüht ihm, ob! Freude, der erbliche. Sogar nur ein Billett III. muß der Offizier bezahlen, und darf damit II. Klasse auf der Bahn sahveNI Natürlich sind alle dies« Mätzchen — als das »verden sie auch in Rutzland enrpftinden — nicht dazu angetan, den Geist sm Offizierkorps zu yebm. Man spottet d«r Versuche und meidet den bunten Rack, greift »mr nach ihm, wenn sich wirklich nichts Besseres findet. Und jetzt »um soll dieses Heer, das von Offizieren angeführt wird, deren Einsehen die Reaierimg aus alle Art herabgesetzt uird untergraben hat, Schlachten schlagen, getviimen! Dreneste Pflichterfüllung, vollste Selbstaufopferung verlangt Man von dm Leuten, denen der ganze Dienst bisher >»mr eine Notbrotstelle war, Die Entstehung unserer Infanterie. Auch in den neuesten Kriegen ist die Infanterie stets di« HauM- wasse genwsei», durch die die eigentliche Entscheidung erkämpft »vurde. Die Schöpfung dieses gewaltigen Schlachtmittels ist eine Tat der germanischen Kultur, die sich damit in der neueren Kriegsgeschichte dre erste Stelle errungen hat. Ein vortresflicher Kenner der MWtifi!- wtssenschaften, Dr. Martin Hobohm, hat in einem Aufsatz der Deutschen Rundschau diese durch die Schweizer begrüirdete, durch die Holländer fortgesührte und durch die Preußen vollendete Reform des Heerwesens eine „nwlthistorische Leistung der germanischen Völker" genannt. Im Mittelalter entschied der schwergepanzert, Ritter die Schlachten, ein vorzüglicher Einzelkämpser, der sich um das Ganze nicht kümmerte, sondern sich seinen Gegner höcbst persönlich heraussuchte und den Streit Mann gegen Mann mit ihm aus- ficht. Lange halte diese stolze Erscheinung aus den Malstätten Europas triumphiert; da gruv die Schlacht bei Lauven (1839) der» Rittertum sejn Grab. Der Ansturm der Reiter scheiterte an de« Gevierthaufen der Schtoeizer, deren lange Spieße sich >me die Stacheln eines Igels den Rittern .entgegenstreckten Und sie zut Flucht zwangen. Mit diesem Auftreten der Schweizer begann eine entscheidende Wendung .in der Geschichte der Kriegskunst. Nicht von den römischen Legionen, nicht von den fimgen Sveeren det Mazedonier, die im Altertum bereits Aehnliches geleistet, haften die behenden Söhne des Gebirges gelernt. Bon den kriegerischen Sitten der alten Germanen Aing ihre Entlvicklung aus, Uich baß Auftreten der Infanterie war ein« völlige Neuschöpfung aus deiil tapferen Geist rmseres Boskes. In den abgelegenen Tälern des Vierwaldstätter Sees hatten sich noch ein paar von den alemannische» Hundertschasten der Urzeft erhalten, u»»d die fast 1000jährige 496 UebetUefermtg wuchs im» gegen Ende des Mittelalters zil einer neuen furchtbaren Kraft heran. Zu der Tapferkeit und dem Selbstvertrauen auf den Sieg kam bei ihnen noch — und darin über- trafen sie die Ritter — die zuverlässige Führung, der feste Zusammenhang der Mannschaften unter sich und mit ihren Oberen, durch die sie nicht nur zu einer äußerlichen, sondern zu einer geisttgen Einheit murden Unter „Infanterie" versteht man Fußvolk, das die Fähigkeit besitzt, taktische Körper zu bilden. Bei Laupen geschah das zum erstenmal, daß sich Fußknechte zu Haufen zusammenschlossen und nun den Reitern Widerpart boten, vor denen sie Jahrhunderte als einzelne davongelausen waren. Gerade durch ihren Zusammenschluß, durch die taktische Formation, erwies sich die Infanterie als der furchtbare Vernichter der Reiterei. Ihre wuchtigste Ausgestaltung erhielt diese Taktik der Gevierthaufen seit dem Ausgang des 15. Jahrhunderts durch die deutschen Landsknechte, denen daun die Spanier ihre Kunst absahen. Die Hauptmasse war die Pike, ein ungesügter Langspieß von 5 bis 6 Meter Länge. Den Wert dieser Waffe gegen Reiter hat man auch »och viel später betont; so sagt Scharnhorst in seinem Handbuch für Offiziere, daß ieWeschlossene Infanterie mit vorgehaltenen Bajonetten schlechterdings nicht umzureiten sei, auch wenn sie sich gar nicht wehre, und die preußische Landwehr bekam 1813, >vo die Gewehre mangelten, kurze Spieße von etwa 3 Meter Länge in die Hand, um der Kavallerie zu Leibe zu gehen. Die Gevierthausen der Renaissance waren durchschnittlich 6000 Mann stark und standen in derselben Tiefe wie Breite. Diese Kolosse rückten nun im Ge- schnnndschrilt nebeneinander, stießen in einem furchtbaren Anprall zusammen und suchten gegenseitig eine Lücke rn die von Spießen starrende Masse zu reißen. Der Hause, der zuerst auseinander gespalten wurde, war verlöre»! denn die Kraft dieser Infanterie bestand nur in ihrer Einheit Der Einzelne fiel rasch dem kurzen Schwert oder auch der Pistole des Feindes zum Opfer. Nach dem ersten Auftreten dieses .Kampfmittels bei Laupen, der Schlacht, die man die Geburtsstätte der modernen Infanterie nennen muß, hat eS 2y s Jahrhundert lang die Kriege beherrscht und die Siege erfochten Eine Lockerung der Formation, eine Zusammenfassung des Fußvolkes zu kleineren Gefechtskörpern versuchten um die Wende des 16. und 177 Jahrhunderts die Holländer, die nun als die inilitärischen Erben und Forlsetzer der Schweizer austraten. In der Schlacht bei Nieuport <1600), die Moritz von Omnien gegen die Spanier gewann, bestand diese neue Taktik ihre Feuerprobe. Es war die geniale Leistung des Herzogs Moritz und seines Vetters Wilhelm Ludwig, ihre Truppen zu strafferer Manneszucht und besserer Einübung zu zwingen, und so wurde es möglich, mit flacheren unb kleineren Körpern zu operieren, Bataillone zu bilden, die nur noch 10 Glieder tiel toaren und nur noch in der Mitte Langspieße, auf beiden Seiten Feuergewehre luttten. Diese Trup- penkörper konnten sich eilig nach jeder Richtung bewegen, sich gegenseitig unterstützen und den Feind umfassen. Was Napoleon in seiner Tirailleur-Taktik iveiter ausbildete, war hier bereits Vorausgeahnt. Die eigentliche Vollendung und den Höhepunkt in der Entwicklung der Infanterie erreichten aber erst die Preußen, rndem sie durch den Gedanken der allgemeinen Wehrpflicht die Lösung des Problems brachten: strengste Manneszucht zusammen mit höchster Selbständigkeit, wie sie nur aus sittlicher Freiheit und treuer Pflichterfüllung geboren werden kann. Erst durch die nationale Mündigkeit des Einzelnen, durch einen höheren Begrist der Disziplin wurde die moderne Ausbildung der Infanterie ermöglicht. vermischte». * Kriegsmoden. Auch der Mode prägen die Kriegsläufte den Charakter auf. Vielfach beobachtet man, daß die Frauen- kleidung zu militärischen, Schnitt und zur Verwendung solcher Motive neigt, die der Soldatentracht entstammen Man sieht vaterländische Schöne, die Litewken oder Attilas »ach Husarenart tragen, doch ist es nicht ivahrscheinlrch, daß diese Moden viel Anklang und Verbreitung finden werde» Recht beachtenswert hingegen ist rin Vorschlag, der im Konfektionär gemacht ivird und der die Massenherstellung einer „K r i e as b l u s e" amegt. Der Vorschlag geht dahin, daß die Berliner Konfektion »ach den, Einbeits- modell eines Zeichners möglichst rasch eine Herbstbluse aus ben Markt bringen solle, die unter dem Namen Kriegsbluse, den gegentvärtigen Verhältnissen angepaßt, von schlichtesten, Schnitt und zu billige», Einheitspreis in allen Größen fertig zu kaufen iväre. Eipe solche Bluse wäre etwa aus wärmerem Stoffe- in schwarzer oder dunkelblauer Farbe für Haus und Bureaugebrauch herzustellen. Die gewisse "Uniformität, die bei Einführung dieser irriegsbluse nicht zu vermeiden wäre, würde vielleicht gerade jetzt nicht als Nachteil empfunden werden: und ivähreud den Frauen weiter Bevölkerungsklassen aus diese Weise die Möglichkeit gegeben tväre, sich ein für bie kühlere Jahreszeit notwendiges Kle,dungsstück zu mäßigen, Preise und doch in gefälliger Form zu enverbe», würde andererseits Hunderten ihrer Mitschwestern durch die Anfertigung dieses Massenartikels Gelegenheit zum Brot- enoetbe geben. — Auch die Herrenmode scheint den Einfluß des Krreges erfahren zu sollen. Wie.angekündigt ivird, hat man als die große Mode der nächsten Zukunft das Feldgrau zu envarteu; mtb wahrscheinlich wird die neue feldgraue Mode, um das Publikum recht bald zu Aufträgen zu veranlassen, mit möglichster Beschleunigung herausgebracht werden. * Die Volksbildung und der Krieg. Nach dem deutsch-französischen Kriege von 1870/71 wurde allgemein die größere allgemeine Höhe der deutschen Volksbildung gegenüber derjenigen des französischen Volkes anerkannt. Man sagte damals, daß nächst den Heerführern und Bismarck und Moltke der deutsche Volksschullehrer es gewesen sei, der die Franzosen besiegt habt. Einen sehr charakteristtschen Beweis für den geringen Grad damaliger französischer Volksbildung teilt Sebastian Hensel in seiner Autobiographie mit. Er sand vor Paris in den von den französischen Truppen verlassenen Plätzen massenlwft die Bücherchen umherliegen, welche die französifchen Soldaten bei sich tragen und welche ihre Signalement und ihre Nationale enthalten. „Ich blätterte", so erzählt Hensel, „viele durch und mich frappierte, daß häufig sich die Eintragung sand: Sait tzerire, mais ne satt pas lire. Darüber zerbrach ich mir lange den Kvpt und fand schließlich folgende Erklärung für dieses rätselhafte Faktum: Alle Grundstücke in Frankreich sind mit Mauern eingesriedigt, auf denen lange Affichen oft mit riesengroßen Buchstaben schabloniert sind. Nun fand ich, daß die so sonderbar begabten Soldaten, die schreiben, aber nicht lesen konnten, »reist Maurer oder doch Bauhandwerker waren. Offenbar ,v-nrde ihnen, daß sie solche Inschriften schabüi- »ieren konnte», als Schreiben angerechnel. Ich sand das sehr genügsam." Bei uns würde man solche Leute Analphabeleir nennen, und es steht außer jeden, Zweifel, daß 1870 auf deutscher Seite keine Analphabeten im Felde standen Aber Hensel teilt noch einen anderen Beweis mangelnder Volksbildung der Franzosen »nt. Im Arbeitszimmer seines Wirtes in Laany, eines Architekten, fiel ihm ein Plakat an der Wand auf, auf dem Zahlenkolonneir sichtbar waren, und das sich als — das kleine Einmaleins herausstellte, und auf Hensels verwunderte Frage, was er damit mache, sagte der französische Architekt ganz treuherzig naiv : „Nun, man braucht doch oft solche Angaben — etwa dreimal fünf, und da ist es sehr bequem!" _ vüchertisch. Die Kriegsausgabe des Weherschen Taschenbuches der Kriegsflotten, das geraume Zeit vergriffen war, ist "soeben im Verlage von I. F. Lehmann in München erschienen. (Preis .4.50 Mk.) Vor 4 Tagen erfolgte die Druckerlaubnis vom Reichsniarineamt und sofort begannen 14 Schnellpressen mit dem Druck des Werkes. Heute liegt es bereits gebunden vor. Die Kriegsausgabe enthält genaue Angaben und Abbildungen von sämtlichen Scklifsen unserer Gegner und der Neutralen. Geschwindigkeit, Bestückung, Panzerung, Mannschaften, Torpedos, Tiefgang, Länge, Dampfstrecke, Kohlenvorrat, Zahl der Schraube», alles ist bei jedem einzelnen Schiß aufs genaueste angegeben. Die Flotten des Deutschen Reiches und von Oesterreich mußten in dieser Ausgabe auf Befehl des Reichsmarineamtes aus naheliegenden Gründe» wegbleibeu. Für die deutsche und österreichische Flotte bildet das Buch aber auch in dieser Form einen kostbaren Berater, schildert es doch die Stärke und Gesechtskrast unserer Gegner bis in die kleinste Einzelheit. Viele Tausende von Flottensreunden warte» mit Sehnsucht nach den, altbewährten Berater, der bis Ende August alle Veränderungen im Bestand der fremden Flotten ausweist. — Für die Verfolgung der Kämpfe an der dentsch-österreichisch-russischen Grenze ist wieder eine neue Freytagsche Karte von der Kartogr. Anstalt G. Freytag u.Berndt, Ges. m.b. H., Wien VII, Sehottenseldgas e 62, herausge- gebeu worden, die ihrer Anlage nach geeignet ist, für die Treuer bei Krieges ein gutes Orientierungsmittel zu bieten G. Freytags Karte der westrussischen Kriegsschauplätze, 1:2 Millionen. 71:100 Zentimeter groß, Preis 2.40 Kr. — 2 Mk., reicht von Stockholm und St. Petersburg im Norden bis Belgrad—Bukarest—Sewastopol im Süden, von der oent