Kinderseele. Bfomatt tmt Reinhold Dtttnantt. (Nachdri«k verboten) (Fortsetzung) Auf der Landstraße wäre die Situation für die Insassinnen des leichten Fahrzeuges wohl nicht zu bedenklich gewesen, hier aber drohte ihnen in jedem Augenblick die Ge- fahr. daß das zügellose Pferd geradeswegs in den See hin- rinlief, dessen steiler Userhang an den meisten Stellen eine beträchtliche Höhe hatte, Margarete hatte diese Gefahr sofort I Erkannt, und sie hatte ihre Geistesgegenwart nicht verloren, So schnell es geschehen konnte, befreite sie Dietlinde und ich aus den Decken und Fnßsäcken, mit denen sie sich gegen >te Kälte geschützt hatten. Dann, als sie ihre Glieder frei ’t«, schlang sie ihren Arm um das zitternde Kind, drückte cjt an sich und sprang mit ihm mitten in eine mächtige Schneewehe hinein, die der Wind an einer Wegbiegnng uufgehänft hatte. Es war nicht anders, als wäre sie in einen hochgctürm- scn Kaufen tveicher Federn gefallen. Der nachgebende Schnee atte sie und ihren Schützling vollständig eingehüllt, sie fühlte den Ohren, H fan int Nacken, in aus und es kostete sie Mühe, sich bem Hausen wieder herauszuarbeiten. Aber sie war unversehrt geblieben, und sie durfte sicher sein, daß auch Dietlinde, die sie im Fallen durch ihren eigenen Körper geschützt hatte, ohile Verletzung bavongekommen war. Daß sie sehr wohl daran getan hatte, den Sprung zu wagen, und daß es keine Minute zu früh geschehen war, bewiesen ihr der hundert Schritte weiter auf der Seite liegende und allem Anschein nach erheblich beschädigte Schlitten und das sich am Boden wälzende Pferd, dessen ungestüme Versuche. wieder aus die Beine zu kommen, durch das Riemen- g vereitelt wurde» Wahrscheinlich hatte sich eine der littenkusen hinter einem Felsstück oder einem Baum- . umps verlangen, und der heftige Ruck des plötzlich sest- Hehaltenen Fahrzeuges hatte das Tier zu Fall gebracht. Atemlos kam jetzt der Kutscher heran, Margarete beeilte sich, ihn zu beruhigen, „Der kleinen Baronesse und mir ist nichts geschehen," rief sie ihm zu, „Sorgen Sie nur für das Pferd!" Dietlinde hatte keinen Laut von sich gegeben, sondern sich nur mit allen Kräften an die junge Beschützerin geklammert, und es schien, als ob sie sich noch immer nicht entschließen könne, die Arme von dem Körper Margaretes zu lösen, Sie war gleich der Erzieherin von oben bis unten mit ~ viee bedeckt, und ohne aus den Zustand ihrer eigenen ötlette ztt achten, bemithte sich Näargarete, die Kleine not- " cfttg zu säubern, und tscher rnzwis' die m\ zu richte dürftig zu säubern, und tru Kutscher inzwischen daS ,ße gebracht hatte Auch den en vermocht, aber feine nieder sie dann «zu her Stelle, wo der zitternde Pferd glücklich auf ! [Titten hätte er auf» "«lagene Mene bewies. daß er den Znuschenfall damit noch nicht als abgetan ansay, { „Im dem Schlitten bring' ich Sie nicht mach dem Schlosse zurück, Fräulein," sagte er. „Die eine Kufe ist gebrochen, und das Geschirr ist beinahe ganz hin. Was soll ich bloß anfangen?" Margarete war bestürzt, denn sie fürchtete für die Gesundheit des vor Frost zitternden Kindes. „Wie weit ist's bis zum nächste» Hause?" fragte sie, „Zu Fuß ist's bis an die ersten Häuser von Reinswaldau immer noch eine gute halbe Stunde, Fräulein, Das Fischer- häuSchen liegt ja auf halbem Weg, Aber da drinnen ist jetzt kein Mensch," „Kömmt nicht ein Automobil? Glauben Sie, daß es hier in der Nähe vorüberfahren wird^" Der Knlscher hatte ausaehorcht, „Das kann nur das Auto vom Herrn Oberleutnant sein," meinte er, „Wenn ich bis an den Durchschlag laufe, fang' ichs noch ab," Er wartete nicht erst auf eine Ermächtigung, soildern rannte in der Richtung davon, aus der das Geräusch des Kraftwagens vernehmlich getvorden war, Margarete streift« dem Kinde das durchnäßte Mäntelchen ab und wickelte eS in eine der Decken, Sie war eben damit fertig geworden, als sie den Kutscher in Begleitung eines Herrn daherkommen sah, der sich scheu... nein ... nie wieder hörte sic aus den Rat ihrer Kolleginnen, wenn sie ihre Urlaubsreife im Sommer machte. Was hatte die Trude Richter gesagt? Süß, himmlisch wäre dieses .Horsteua», malerisch schön und wimmele von Herren, die Stranderoberungen machen wollen und natürliche, frische Mädels den ausgcputztcn Damen der großen Seebäder vorziehcn---- Meta hatte noch nichts Süßes, Himmlisches oder gar Männliches gefunden, das aus Stranderobernng ausgina. Es war schrecklich, daß die Männer sich so vor dem Heix raten und Eingefangcnwerden fürchtete»! Sie müßten eH doch in der heutigen modernen Zeit endlich schon wissest, daß die Mädchen gar nicht so sehr aus das Geheiratetwerden erpicht waren, daß sie meistenteils ihren Beruf und ihre Selbständigkeit hatten und in den Erholunasserien im SoM> mer nur mal einen netten Wanderkaineraoen, einen starken Beschützer in dem Manne suchten, als imtner gleich einen Heiratskandidatvn! 476 — ge !S a gähnte jetzt schon zum dritten Mal«. Und das so vernehmlich, daß sich die Gestalt, die schon eine eile in ihrer Näh« aus einem umgekippten Fischerpot gesessen hatte, erschrocken umblickte und mit sehr vor- MrfSvollen Äugen auf den Störenfried seiner träumerischen Betrachtungen sah. „Gräßlich, gleich so rot zu werden," dachte Meta, indem staden hochgcschobenen Rock hastig über die Knöchel zerrte, o kommt denn der init einem Male her! Der war doch crn noch nicht hier?" Und sie legte dabei sehr ordnungs- die Hand über den Mund, weil sie zum vierten Male neu mußte. Da lachte der Mann. Ein ganz ruppiges, herausforderndes Lachen. Zog die weiße Seglermütze von den braunen Haaren und verbeugte sich. „Gnädige Frau sind ja schon auf dem besten Wege, sich zu erholen," meinte er, „denn die Müdigkeit hier am Strande macht stark. . . ." Gnädige Frau, sagte er, durchfuhr es Meta überrascht . aha... darum bändelt der gute Mann auch so mir nichts, ir nichts mit mir an! Na... lassen wir ihn in dem Glauben, aS ist mal interessant und sehr ungefährlich... Sie nickte sehr hoheitsvoll und würdevoll mit dem feschen, weißen Heinenhut und lachte auch. „Das will ia niein Mann gerade, daß ich stark wieder heimkomme," log sie mutig darauf los. ,Meine Frau auch," meinte er, unwillkürlich näher an ihre Sandburg tretend. „Gestatten, Gnädigste... Hellberg ... Fritz Hellberg!" Sie nickte und rutschte, da er Miene machte, sich neben ihr im Sande zu vostieren, ein Stückchen zur Seite. Besser ji» verheirateter Strandgenosse wie gar keiner, dachte sie, als sie das hübsche, lachende Gesicht sqh. „Sie sind wohl heute erst hier in diesem Weltbade angekommen?" Er schüttelte den Kopf. „Leider wohne ich hier gar nicht in diesem famosen Winkel," sagte er bedauernd. „Drüben im nächsten Badeort, der schon ein Kurhaus hat und zweimal bte Woche Künstlerkonzert! Und das gemeinsame Baden wie hier ist verboten, links eine feudale Badeanstalt sttr Männlein, rechts eine noch feudalere für Weiblein. Hätte ich aber vorher gewußt, wieviel ungenierter und netter eS hier ist, wäre ich sicher eine Station weiter mit dem Biinmclbähnchen gefahren Und hätte mich hier niedergelassen." „Das können Sie doch n o ch," sagte Meta. Er zuckte mit den Achseln. „Das sagen Sic so, gnädige Frau! Ich habe mein Zimmer gleich für drei Wochen gemietet, und hier soll alles Bessere längst fort sein, erzählte mir der Äadeotrektor. Na, da komme ich eben täglich her, es ist ja nur eine gute halbe Stunde Wegs mit meinen langen Beinen. Sind Sie schon mal oben durch den Wald am Leuchtturm entlang gegangen, gnädige Frau ? Das ist der nächste Weg." Meta schüttelte den Kopf. „Ich bin erst drei Tage hier und vom Strande noch gar nicht fortgekominen. Aber, wenn der Weg so hübsch ist —" Er nickte eifrig. „Ich zeige Ihnen den Weg, gnädige Frau, das heißt, wenn Sic keinen besseren Führer haben oder wollen____" Und im Stillen dachte er: Wie kann eine Frau so unglaublich jung und mädchenhaft aussehn! Und so schlank. Meta hatte das Gähnen vollständig ausgcgeben. Bor Vergnügen über diesen wie vom Himmel gefallenen Wander- kämrraden warf sie ganze Hände voll Sand hoch, so daß die Körnchen wie Silberregen durch die Sonne glitten. „Au/' meinte er da, „aber nicht in meine Augen, gnädige Fra», wenn sie gerade so was Schönes zu sehen bekommen haben—" Sic ließ erschrocken die Hände gleiten und blickte sich um. „Wo denn, was denn?" Aber da lacht« er schon wieder so ruppig und nett. „Etwas, was Sie selbst leider nicht sehn augenblicklich." Und er starrte so begeistert in das junge, frohe Gesicht unter den blonden Flechten, daß sich die Wangen darin noch rosenroter färbten. * Das war am ersten Tage ihrer Bekanntschaft gewesen. Am zwanzigsten Tage, dem viele wunderschöne voran eganaen waren, die man mit Segelfahrten, Wald uiib )tranopartien und gemeinsamem Schwimmen im Familien- ade von Horstcnau ausgefüllt hatte, waren sie so gute Kameraden geworden, daß sie heimlich gegenseitig die in der Ferne harrende Ehehälfte beneideten, die nun zum Empfang der Neugestärkten rüstete. Seltsam, wie wenig man gegenseitig davon gesprochen! Gatte und Gattin, Haus und Familie waren wie abgetan gewesen in dieser köstlichen Zeit der gemeinsamen Freuden, die blaue See, die geräucherten Flundern, und das systematische Bräunen der Haut bildeten Gesprächsstoffe genug. Man hatte unbegrenzte Hochachtung voreinander, und es war die ganze Zeit nur bis zum Händedruck, allenfalls zum Handkuß gekommen. Bis auf den heutigen letzten Tag — Aus halbem Wege, wie so oft, waren sich beide durch den dicken Wald am Leuchiturm vorbei entgegen gegangen, und nun, mitten in einer kreisrunden Lichtung, in oer zwischen Farrenstauden rote Erdbeeren glühten, hatte man sich gefunden und stand stumm und erschrocken eine Weile auf derselben Stell«. „Schrecklich," dachte Meta, von dem unerklärlichen Zip> tern ihres Herzens beunruhigt, „wenn alles nur aus Lllge^ rei aufgebaut ist. Was geben würde ich drum, wenn er mas nicht „gnädige Frau" zu mir sagte." Aber ihm den Irrtum mrsklären, nein, das ging über ihre Kraft und Übe< ihr Ehrgefühl. „Gräßlich," dachte er, ganz verstört in das vertraut gewordene Frauenantlitz starrend, „daß sowas schon «ist andrer für sich eingefangen hat. Da hat man sich und seinen leichtsinnigen Hang nun mit der unverdienten Würde eines Ehemannes und Hausvaters gepanzert, und dabet um sü gründlicher und schneller sein Herz verloren wie sonst iM Urlaub, wenn man mit den jungen Mädels herumflirtete, die alle noch zu haben waren...." Aber sie durfte das nicht wissen, gar nicht ansehn durste er sie so, wie es jetzt sicher in seinen Äugen loderte, das war er ihrer reinen Freundschaft und ihrem Vertrauen schuldig. Und darum bückte er sich in seiner Verzweiflung nach der ersten, besten Erdbeere zu seinen Füßen, und ... „au"... sagten beide junge Menschen wie aus einem Munde, indem sic sich die heiße», aneinandcrgeprallten Köpfe rieben. Meta batte die Erdbeere auch pflücken wollen. Und da,... als er ihre hilflosen und traurigen Augen sah, wurde er ganz weich und zerknirscht. „Gnädige Frau, ... ich bin ein ganz erbärmlicher Lügner und Aufschneider," sagte er ehrlich und impulsiv. „Und'ich kann nicht in die Welt hinaus und von Fhncn fortfahren, ehe Sie mich nicht als den kennen, der ich wirklich bin. Der Name bleibt ja derselbe, und meine Stellung als kaiserlich-königlicher Postassistent in der Provinz Brandenburg auch, bloß die Frau, von der ich Ihnen in der ersten Zeit vorgcschwindelt, die existiert leider noch nicht, um mir den Kops znrechtznsetzen. Ich bin ganz unbeweibt ... wahrhaftig, ... aber nein,... fortiaufen brauchen Sie wahrhaftig deswegen noch nicht vor mir, wie vor einem Räuber. Sie haben ja Schuld an dem Quatsch, ... jawohl, ... als Sit sofort von Ihrem Manne sprachen, dachte ich, ... na, dann hast du eben auch eine Frau, das klappt besser____" Er schwieg und hielt sie regelrecht an ihrem weißen Kleide fest, weil sie tatsächlich von ihm fortlausen wollte. Und am ganzen Körper zitterte sie ,und in das Lachen, das eben seltsam hell in ihre vorhin so abschiedswehen Augen gekommen, floß ganz unbewußt und dick eine Träne____ „Ich . . ich habe doch auch . . ge . . geschwindelt," . . , stotterte sie, „i.. ich bin doch auch gar .. nicht.. ver.. ver.." Sie sprach aber das Wort nicht aus, weil er cs schon herausgeschrieen hatte wie ein Wilder. „Dann ... ja dann sind wir ja quitt," jauchzte er,... ja dann, . . . aber das ist ja ein regelrechter Glückssakl. gnädige . . .," er stockte, sah ihr heißes Gesicht, fühlte das Zucken ihrer Hände und griff blindlings zu. „Mädel,... Gott sei Dank,... das tut gu und fühlen zu können..." Da widerstrebte sie nicht mehr. Mitten in dem Farrcn- grund über den roten, leuchtenden Erdbeeren ließ sie sich von ihm küssen. _ Lisel. SklM von Margarete W o l f f - M e d k t. Eines Tages im Sommer, als es sich im Gärtchen hinter dem Hause so schön spielen ließ, hatte man Lisel kurzerhand von ihrer Domäne, dem hellen Sandhaufen, hcruntcrgeholt, sie geseift und ihre zaufeligen Daare gebürstet, um sie dann ins allerfernske weihe Kleidchen zu stecken. Darauf unternnes Mama sic noch einmal. das tut gut, sowas sagen 476 — wie sich «in Ivoblerzoaene» Stfnfr >u benehnren hake, loeim ti zur Schulaufnahme Vvräcstellt Iiftbe. Doch Lisel )twt kein Dummkop» Irnb nmgt« Iftnaft Namen lutb Mtec, Papas Stand und die elterliche Wohmmg anzngebcn, und so trollte sie dann ohne große Anf- regAiU dem großen Schulgebäude zu. Sie benahm sich vor dem Herrn Direktor soweit auch tadellos, aber alt sie ihren Mschicdskntt bereits genracht hatte, blieb sch noch zögernd stehen, hob das kecke Stumpfnäschen und sah den strengen Schulmann ans blauen Rügen erwartungsvoll an. „Jetzt heckt sie >vas aus," dachte Mutter und faßte angstvoll nach Lisels Hand. Ltsel ritz sich unwillig los, zupfte den Herrn Direktor am Jackett und si-agte niißbill'genden Tonest „Na, aber Otikel, lässt du Bat' nicht grüßen?" Lächelnd beuellre der Direktor einm schönen Gruß an den Papa. Lisel dankte artig gnrd ging nun zusriedengestellt an der Hand der Mutter hinaus. Aber Frau Anna war nackchenklich geworden. Das ging ja gar nicht, datz Lisel den Herrn Direktor Onkel titulierte und du nannte. Das war allzukindlich und mutzte ihr abgcwöhnt werden. Da- vertrug sich nicht mit der Autorität der Schule. Mso hieß es, Lisel den Umgang mit Menschen lehren. Frau Anna fing sogleich auf den' Heimwege an, Lisel darauf aufmerksam zu machen, datz der Herr Direktor nicht ihr Onkel s« und nicht mst du, sondern mit Sie angeredet werden müsse, und datz Lisel überhaupt nicht mehr alle Menschen Onkel und Tante nenne» dürfe, es heitze Herr, Frau oder Fräulein und Sie. Ltsel begriff diese Weisheit, die ihr die Mitmenschen ferner rückte, nicht so ohne weiteres und inutzie in der Folgezeit so und so ost erinnert werden: „Lisel, es heisst Sie." Daun bekaii« Lsiel einen roten Kopf und schlich beschämt davon. Einmal aber, als die Ermahnung den alten Milchmann betraf, der sie stets ein Stückchen auf seinem ratternden Milchwagen mttsahrm lieh, stürzten ihr die heilen Tränen ans den Äugen, und ein schlnckv- zendes „Du ist über lieber," kam, einem Achmerzensschrer gleich, über di« zuckenden Kinderlippen. Frau Anna schüttelte den Kops. Das Kind war doch sonst nicht duMnr, in diesen, Punkte war ihn, aber schwer beizukoMmen. Der alt« unkultivierte naive Milchmann schien den Schwerz des Ktnderherzsns besser zu verstehen, als die eigene Mutter. Er tätschelte den blonden Kinderkops und meint« vorwurfsvoll: „Js »ich nötig, gnädige Frau, Ivo die Lisel und ich so gute Freunde sind. 'Dem Lisel sind eben noch alle Menschen gleich. ES hat ein« so grotze Menschenliebe." Vielleicht hatte er recht der alle Mann, vielleicht lvar es die noch durch keines Gedankens siSläsie angekränkelle Menschensiebe, die es bim Kinde so schwer Machte, diesen Schritt ans dem Paradiese seiner ursprünglichen EmpsindungswÄt in die Kulturwelt der Großen zu tun. Doch als Lisel zur Schul« kam, hatte sie es so leidlich gelernt, Sie sah aber den Herrn Direktor und auch dt« Lehrerin niit etwas Verivirrten Augen an Und das Machte kein«» guten Eindruck. Und Lisels kleiner Kopf wurde inrnier verwirrter, nicht von den seinen Aufstrichen und dicken Absti ichon, von den i und n, von den a und o, die sie auf das Papier malen lernte, zrnch nicht von den Lese» Und Reck-enübungen. „Wenn's weiter nicksts ist," hatte st« gleich mich den ersten Tagen die Schwierigkeit der Wissenschaft beurteilt, aber dieses Hinstnkeben in eine gänzlich anderck Welt als dt« bisherige des einzigen Kinde» in seiner stillen Kinde» mibe, seinen' umhüteten sonnigen Gartenplatz, war das unendlich Schwierigere für Lisel. Auf 'Schritt und Tritt gab es Beschränkungen der Freiheit. Bisher hatte sie goveiick, wen» sie ttaurig war, larck und klingend gelacht, wenn ihr Herz jubÄte, l , Jetzt bekam sie einen Tadel, als sie über die Maus, die r | : kleine Nachbarin aus dem Taschentuch gesonnt hatte, mttten die Stunde hinein laut und heu auflachte, und ein andermal, als ein Bögilein ans Fenster geflogen kam, auf die vteleil t gesperrten kleinen Mädchen äugte uiw sic impulsiv und hell auSfulielte! „Fräulein, das Böglein will auch lernen," mutzte ftt der Ecke stehen, denn die ganz« Klassst hatte mlfgejuMt > hlieb da der Unterricht! i Mit dem Weinen ivar es »och schlimmer. Als die Lehrerin den Kindern ein Gedicht vorlas, in dem bei einem Brande eine Störchin mit ihren noch nicht flüggen J-ungen verbrennt, schluchzte Lisel laut und herzbrechend und war durchaus nicht zu beruhigen. Erst hatte die Lehrerin eS mit gütlichem Zureden versucht, schließlich hatte sie Lisel im Interesse des Unterrichts aus dem Klassenzimmer geschickt. Das empfand Lisel, die sich keiner Ungezogenheit bewußt war, als ungerechte unbegreifliche Strafe. In Trotz und Schmerz schluchzte sie immer leidenschaftlicher, und plötzlich packt« sie eine heiße Sehnsucht nach der Mutter. Sie stürzte davon, lief wie gejagt aus dem Schnlhanse und durch die Straßen des Städtchens heim. Mit rotem Kopf und fiebernden Pulsen fiel sie der erschrockenen Mutter in die Arme, die mit großer Mühe das Geschehene herausbrachte. NÄ >s Sech „Ich null lieber nichts lernen, aber ich will nicht zur ich will immer hier bei dir bleiben, Mutter." beteuerte über daS andere Mal Und Frau Anna preßte ihr Kind ans und suchte es unter Streicheln und Küssen zu beruhige». Sie schickte daS Kind in den sonnigen Garten hinaus, wo cf sich aus den bellen Sandhaufen, sein Eden ungetrübtester Tag«, niederwarf und mit nachdenklichen Äugen in den Himmel starrst. Frau Aima ging zur Schule und hatte eine längere Unterke- duna mit der Lehrerin. Diese beklagte sich bitter darüber, daß Lisel andauernd Störungen vernrsache Es gehe so nicht weiter. Frau Anna sah das vollkommen ein, sie bat um Geduld für ihr Kind, d>aS ja durchaus nichts mit böser Absicht tue, und ss« schilderte Lisel so, wie sie war, wie ihr Mutterher» sie kannte. Heimgekommen, »ahm sie Lisel ins Gebet und stellte ihr vor. datz man in der Unterrichtsstunde nicht imnier seinen Gesühlcn so stürmisch Ausdruck geben dürfe, wenn jedes Kind um jeder Kleinigkeit: »allen laut lachen oder laut und anhaltend weinen 'volle, hörten die anderen Kinder nicht, was die Lehrerin sage. Lisel nickt? in reuevoller Erkennliiis »nd versprach Besserung In der Folgezeit wurde cs denn auch besser, und die Lehrerin war mit Lisel zufrieden. Lisel wußte, daß man seine Freude nicht so ohne weiteres in die Klasse hineinjnbeln und seine» Schmerz nicht binausschluchzen dürfe. Wurde jetzt eine traurige Religivns- acschichte oder sonst etwas gelesen, was ihr kleines Her» rührtiz so rückte Lisel ans dem Platz unruhig hin und her und schnitt Grimassen. Als die Lehrerin cs einmal bemerkte und fragte, >oaü sie denn habe, schluckte sie die Tränen rasch hinunter, stand aus und erwiderte: „O nichts Ich weine wirklich nicht. Ich lache." Und sie verzerrte das Gesicht zu einenl Lächeln. Das waren so Lisels allererste Versuche, ihre Gefühle zu verschleiern. Und sie lernte noch viel mehr in diesem ersten Schuliabr * Cntieä Tages waren einige ihrer kleinen Schnlkameradinnen gekommen, und sie spielten im Gatten unter den Kirschbäumen! Schule. Gertriide war Lehrerin. Aenne, Hstdchen und Lisel Schülerinnen. Si« lasen und rechneten, und Getrude ahmt« die Lehrerin mit großer Gewissenhaftigkeit nach. „Nun müssen wir uns kneifen," sagte Aenne zu Lisel, „kneif du mich." Lisel kam der Aufforderung nach, und Aenne quietschte laut auf. Gertnche, die Lehrerin, rief sie mit strengen' Tone an. „Die Ltchl hat mich gekniffen," petzte Aenne. „Lisel, komm vor," sies die Lehrerin. „Nun mußt du lügen, belehrte Äenne. Lisel ging vor, sah zu Äenne zurück „nd fragte: „Fa, wie ist lüaen?^ , „Ach, bist dtz dumm. Du muht heulen und sagen, du hast m'ch nicht gekniffen," belehrt« Aenne „Ich mag's aber nicht," sagte Ltsel mit verzioeifelt unglücklichem Gesicht „Spielverderber," fuhren Aenne und Hilde auf, und Lisel stand mit rotem verlegenem Gesicht da. Dann aber tat sie ihnen o«nl Wille». Und Frau Anna saß in der Laube »nd hörte alles, und ihr tat das Herz bitter weh. Am Abend, als die Kinder fott loa rem nahm sie Lisel ans den Schoß und belehrte sie. daß das, was old kleine Aenne ihr beigebracht hatte, etivas Häßliches sei. Lisel nickt» und nannte es «in dummes Spiel. Aber sie batte nun doch gelernt, iva» ein- Lüge ist, und wi» man's anznstellen hatte, sich hcranszureden Und so lernte sie, die in ihrem stillen Garten ein ipenig einsanv einer kleinen, reinen Törin gleich, heraiigetvachsen war, täglich Neues und nach Ablauf eines Jahres hatte sie sich in die Wem dt« sie zuerst so verwirrte, so leidlich hineingefunden. Durch dti Seele der Mutter aber ging oftmals ein stilles Bedauern. > Lin Scherzrötsel in Distichen. Grün ist die Farbe der Hoffnung, der Jugend, dcS Lenzes. Die erst» Silbe bestehe dir: es wird vor den Augen dlr grün. Wertvoll zur Fördrung der ersten ist trotz des Geruches diezwette. Rieche die nützlich«: es wird vor der Nase dir schlecht. Städte und Reich», Theater und Schulen, sprich kurz seine erst«. Danken dem Ganzen Ihr Sein: Stiftung bedeutet es dann. Gründet das Ganze gewagt aul Börse und Spekulation sich, Einerlei, industriell oder agrarisch: tst's saul. Nahe den Straße» nach Lich und nach Wieseck, sprich lang seine ersth Malt unter allerlei Dung ihn der Professor auss Brett. , Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Schach-Ausgabe in voriger Nummert , Weiß. Schwarz 1) DeT - d6 K f 4 n. 2 5. ob. A.) 8)Dd6 —h8t Kg5n. h3. 3) S e 5 —J7f und Matt A.) 1)..... 8 a 5 — c 6. 2) Dde — d 2 f K f 4 n. e 6. 3) f 8 — f 4 f und Matt. I Redaktion: R. Neurath, — Rotationsdruck und Verlag der Brühllchen UniversttälS-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Gieß»»