Kinderseele. Roman tarn Reinhold Drtmamt (Nachdruck verboten ) (Fortsetzung.) ^ ' Reibnitz hatte ivieder feine unstete Wanderung durch bas Zimmer begonnen. Rmr blieb er plötzlich dicht vor ihr stehen. „Das sind Redensarten, Regine! Wahrscheinlich hast vu eininal irgendwo so was Aehnliches gelesen, Aber damit du selber einsiehst, daß alles bloß leeres Geschwätz ist, will sch dir etwaö sagen Darauf, ob ich dich lieb genug habe zum Heiraten, ob ich überhaupt jemals wieder ein Weib lieben kann —. darauf kommt es augenblicklich gar nicht an. Die Hauptsache ist, daß ich ein verlorener Mensch bin, und das) mein Leben unheilbar verpfuscht ist. Ich habe kein Geld, keine Familie und keine Freunde. Ich könnte dir so wenig etwas zu essen schaffen, als ich dafür sorgen könnte, daß du ern Dach über oem Kopf und ein Kleid auf dem Leibe hast. Und so wie es heute ist, würde eS immer bleiben. Denn ich tauge nicht zum Arbeiter. Das da unten in Klein-Ellbach war mein letzter Versuch. Gott weiß, daß ich es nicht acht Vage ansgehalten hätte, —< Wenn nicht — na, das ist ja vorbei Da siehst dn mich, wie ich wirklich bin. Haft du immer noch Lust, dein Schicksal mit nreinem zu verbindend' „Ja, Botho. Denn das alleS ist doch nur ein vorübergehender Zustand. AuS jedem Wort, das du sagst, höre ich doch nur das eine, daß du einen Menschen niemals so nötig gehabt hast wie eben jetzt." Als hätte ihre sanfte Beharrlichkeit ihn völlig zu Boden geschlagen, ließ er sich ans einen Stuhl fallen. Starr vor sich Hinblickend, sprach er nach einer kleinen Weile mit leiser Stinnne loeiter: „Aber ich will keinen Menschen haben — hörst du, Mädchen: ich will nicht. Ich kann reinen mehr brauchen. Was ich dir von mir gesagt habe, ist ja noch lange nicht alles. Da ist noch etwas anderes, etwas hundertmal Schlimmeres, ivas ich dir nicht sagen kgnn Wenn du das wüßtest — aber es ist ja Unsinn, daran zu rühren. Du fyörft doch, baß ich nicht will." Er hatte beide Ellbogen auf die Tischkante gestemmt und dos zuckende Gesicht in den Händen verborgen. Waging Regine aufden Fußspitze,, zu ihm hiu und legt« ihren Arm um feinen Nacken. „Ich bitte dich, Botho, höre mich geduldig an. Ich glaube, du hast mich noch gar nicht a iig verstanden. Daß dir arm bist habe ich ja gewußt, nicht einen Augenblick habe ich daran gedacht, dir zur ! zu fallen. Ich werde mir hier eine Stellung suchen, und ich bin gewiß, daß ich eine finden werde. Ich habe mancherlei gelernt und fürchte mich vor keiner Arbeit. Es ist ja genug, wenn wir uns me unv da einmal sehen rönnen. Und auch für dich wird sich etwas finden, daS deinem Namen und betnen; Stande angemessen ist. Ich i—i ich bin ja nicht mit leeren Händen zu dir gekommen, Botho. Bei den letzten Worten erst hatte ihre bisherige Sicherheit sie ein wenig im Stich gelassen, und eine h«ße BiuV- welle war über ihr Gesicht gegangen. Reibnitz aber, der ihre zärtliche Berührung anscheinend nur widerwillig geduldet hatte, erhob plötzlich den Kops. „Nicht mit leeren Händen? WaS soll das heißen, Regtne?" „Ich habe schon vor zwei Jahren von einer Dante fünftausend Mark geerbt, die damals auf ein Sparkassenbuch für mich eingezahlt wurden. Das Buch habe ich mitgebracht, und wenn du mir die große Freude machen willst, es von mir anzunehmen — „Ach, Unsinn!" siel er ein, aber es hatte doch einen anderen Klang als seine früheren Zurückweisungen. „Damit könnte ich leicht in des Teufels Küche kommen. Du stehst ja noch unter väterlicher Gewalt." „Dtein Vater weiß, daß ich daS Buch mitgenomiiien habe, und er hat keinen Einspruch dagegen erhoben. Ich svlle tun und lassen, was mir gefiele, sagte er. Er will eben ini Zukunft nichts mehr mit mir zu schaffen haben." „Ja — aber ich kann das Geld doch nicht so ohne weiteres nehmen. Eines Tages wirst du anderen Annes werden und wirst, es zurückverlangen. Das geht immer so. Und wenn ich es dann zufällig nicht habe —“ „Nie — niemals werde ich einen Pfennig zurück- verlangen, Botho! Ich lväre ja so glücklich, wenn du es als ein Geschenk ansehen wolltest, als einen gaw geringe» Beweis meiner Liebe. Wie gerne würde ich tausendmal mehr für dich tun!" Die Rührung, die ihn jetzt veranlaßte, seinen Arm um sie zu legen und sie an sich zu ziehen, niochte nicht ganz und gar erheuchelt sein. Vielleicht erinnerte er sich eben jetzt daran, daß sie um seinetwillen ihr junges Leven hatte fortwerfen wollen, und daß sie trotz seines offenen Verrats noch immer gläubig alle ihre Hoffnungen auf ihn gesetzt hatte. Und aus dem düsteren Chaos, als das ihm noch vor wenigen Minuten seine Zukunft erschienen war, hob sich vielleicht auch für jhn in diesem Augenblick etwas wie ein fernes, hoffnungsvoll leuchtendes Ziel. „Dir bist ein guteS Mädchen, Regine — ein besseres jedenfalls, alS ich's verdiene. Aber du darfst nicht verlangen daß ich dir heute große Versvrechunaen mache, und du wirst wahrscheinlich noch viel Geduld haben müffen, bis ich so geworden bin, wie dus dir wünschest, Einen Versuch dazu will ich jn Gottes Namen machen." Wie ein Schimmer des Glückes hatte es sich über ihr junges Gesicht gebreitet, und in scheuer Liebkosung berührten ihre Lippen seine Wange. „Mehr habe ich mrr für den Anfang ja auch gar nicht erhofft, Botho!" flüsterte ste. „Und nun will ich wieder gehen." Er wollte sie noch halten, aber sie widerstand mit freundlicher Entschiedenheit seinem Drängen. „Nein, nejn! Es gibt ja auch so viel für mich zu tun. Ich werde mich nicht eher beruhigt fühlen, als bis es mir gelungen ist, eine Stellung zu finden. Und nach einer Woh- 464 imng habe ich mich auch noch nicht umgesehen, in der Angst, daß ich dich dann vielleicht nicht mehr finden könnte." Da erbat er sich wenigstens die Erlaubnis, sie ans ihren ersten Wegen in dem fremden, großen Berlin zu begleiten, und es erfüllte sie sichtlich mit Stolz, daß er nicht verschmähte, sich vor allen Leuten auf der Straße mit ihr zu zeigen. _ - 10. Kapitel. Der Tag, dessen dunstig Verschleierte Mittagsonne über matten Strahlen über das pomphafte Leichenbegängnis der Baronin Irma p. Bardeleben ausaestreut, neigte sich seinem Ende zu. Es war ein herber, rauher Dag gewesen, und der Wind war schneidend scharf über !die kahlen Felder von Klein- Ellbach gestrichen. Ans dem alten Friedhof von Reinswaldau aber war ein MenschengeiviiUM'l gewesen, noch gedrängter und vielköpfiger als vor sieben Jahren bei der Beisetzung des alten Barons. Die Bardeleben besaßen kein Mausoleum auf eigenem Grund und Boden, oder es war doch wenigstens heute nicht mehr Bardelebenscher Boden, auf dem sich der kapellenartige Bau ihres Erbbegräbnisses erhob. Vor Zeiten freilich hatte ihnen auch Reinswald au gehört, damals eine unscheinbare Siedlung mit wenig mehr als zwanzig armseligen Kätncrhäusern. Wer es lebte keine Erinnerung mehr an diese längst dabingegangeneu Tage feudalen Glanzes. .Jetzt gehörte Reinswaldau mit seiner einzigen, aber schier ins Unendliche gereckten Dorfstraße vom ersten bis zum letzten Hause oer Industrie. Die riesigen Webereien der Aktiengesellschaft, vormals Rasmussen u. Söhne, beherrschten alles, und als Hauptaktionär des von seinen Vorfahren begründeten Unternehmens durfte sich der Oberleutnant Herbert Rasmussen noch heute als den eigentlichen Herrn von Reinswaldau betrachten. Die schmucklose Billa unweit der großen Fabrikgebäude, in der bis vor sechs Jahren sein Vater, der Kom- hrerzienrat Rasmussen, gewohnt hatte, stand noch immer jiu seiner Aufnahme bereit; aber zum ersten Mckle in diesen sechs Fahren war er vor zwei Dagen hier abgestiegen. Much vie von seinem Regiment zur Teilnahme an der Beerdigungsfeier entsandten Ossiziere hatten für eine Nacht in per Villa Rasmussen Wohnung genommen, während die ehemaligen Regimentskameraden des Herrn v. Bardeleben sich im Klein-EMacher Herrenhause einquartiert hatten. Es waren auch sonst noch etliche Logiergäste aus der Verwandtschaft aus dem Schlosse eingetrosfen, aber die Meisten waren doch erst am Morgen des Beisetzungstages gekommen, und der Harmsdorfer Bahnhof hatte seit langem Nicht mehr einen so lebhaften Verkehr gesehen als gn diesem Tage. Der große Saal im unteren Stockwerk des Schlosses hatte bei der Trauerfeier nur einen kleinen Teil der von allen Seiten zusammengeströmten Leidtragenden aufzunehmen vermocht, und der Lcicheuzug vom Herrenhause bis um Friedhof war der längste gewesen, dessen sich die ältesten tente aus Reinswaldau erinnern konnten, und sie erinnerten sich auch an keine schönere, erhebendere Beisetzung, als es die heutige gewesen war. Eine ganze Regimentskapelle hatte die Trauermärsche und Choräle gespielt; die Schulkinder von Reinswaldau und der Wawenburger Kirchenchor hatten abwechselnd gesungen, der Geistliche hatte nach dem einstimmigen Urteil der Hörer die rührendste Rede seines ganzen Lebens gehalten, und der Kränze waren so viele gewesen, daß man sie auf zwei Wagen dem unter der Blumenfülle völlig verschwundenen Sarge hatte nachsahren müssen. Auch der Tränen waren sehr viele vergossen worden bei der Trauerfeier im Schlosse wie an der offenen Gruft. Wie ein einziges lautes Schluchzen war es durch die hundertköpfige Menge gegangen, als der Geistliche in ergreifenden Worten das Bild der Entschlafenen ausgemalt, die ein nn- erforschlichcr Ratschluß der Vorsehung in ihres Lebens Maienblüte dahingenommen habe, hinweg aus dem Schoße des Familienlebens, von der Seite des Gatten nnd des einzigen Kindes. Aufrecht und straff, aber mit der Straffheit eines Steinbildes, hatte der Baron Harro v. Bardeleben dagestandeu, als man unter dem Dache seines Hauses den letzten Segen sprach über die irdische Hülle seiner Frau und als man später u nter dem Gesqnae heller Kinderstinnnen ihren blumenüberladenen Sarg langsam hinabgleiten ließ in die Gruft. Nicht ein Muskel in seinem schönen, stolzen Gesicht hatte sich bewegt, und was die Zunächststehenden in seinen i} L Zügen lasen, dünkte sic viel eher finsterer, verbissener Ingrimm als verzweifelter Schmerz. Zum ersten Male in seinem Leben war es Bardeleben heute widerfahren, daß die Leute von Reinswaldan hart und unfreundlich über ihn urteilten. Und da, wo die Zuschauer weit genug von dem eigentlichen Trauergefolge entfernt standen, um sich ohne sonderliche Rücksichtnahme unterhalten zu können, waren zum ersten Male Worte herben Tadels für den Gatten laut geworden, der die Lebende schmählich vernachlässigt habe und nun nicht einmal den kümmerlichen Liebestribut einer Träne für die Tote aufbringen könne. Die gerührte Stimmung des Augenblicks bereitete den Boden für die gefährliche Saat dar üblen Nachrede. Wie giftzüngige Schlangen krochen die Verdächtigung und Verleumdung durch die Menge. Von sträflicher Untreue wisperten die einen, von brutaler und herrischer Behandlung die anderen, und che noch über der Gruft das letzt» Amen gesprochen worden war, hatte sich von Mund zu Mund ein böses Wort fortgepflanzt, ein Wort, vielleicht sinn- und gedankenlos hingcworfen von dem, der es zuerst gesprochen, aber mit bedeutsam tückischem Inhalt erfüllt von denen, die es weitergegeben: „Wer weiß, was da drüben geschehen ist in der Nacht ihres Todes! — So jung stirbt man nicht am Schlagfluß. Und sie war doch immer ganz gesund! — Aber bei den vornehmen Leuten kann natürlich alles pertuscht werden!" So schlich es durch die Reihen, Und cS war, als sei durch den rätselhaft schnellen Tod der schönen, jungen Frau alles Gedenken ausgelöscht an den Groll und die Abneigung, die man uni ihres hochmütigen Stolzes willen einst gegen die Lebende gehegt. Im Klein-Ellbacher Herrenhause war es> nach der Beisetzung hcrgegangen, wie es in ländlichen Trauerhäusern bei solchem Anlaß immer herzugehen pflegt. Im großen Speisesaal war eine lange Tafel gedeckt gewesen für die von auslvärts gekommenen Leidtragenden, aber sowohl der Gatt« wie der Bruder der Verstorbenen hatten sich entschuldigen lassen, nnd das stille Mähl war schon nach Verlauf einer halben Stunde vorüber gewesen. In der Bibliothek hatte Vardelcben die Besucher zur Verabschiedung erwartet, nnd er hatte sich bei dieser Gelegenheit ebenso rnhig und gefaßt gezeigt wie im ganzen Verlauf des Tages. Ein Händedruck, ein kurzes, trockenes Dankcswvrt, das war alles, >r»as er als Antwort auf die erneuten Beileidsversicherimgen der Verwandten und freunde hatte. Als die Dämmerung hercinbrach, rollte auch der letzte Wagen durch die Auffahrts-Allee davon, und tiefe Stille lag wieder über dem alten Herrenhause, das heute zum ersten Male seit einer Reihe von Jahren der Schauplatz regen, bewegten Lebens gewesen war. Bardeleben saß vor dem großen Schreibtisch in der Bibliothek, die er seit jener Fahrt nach Waldenburg nur selten verlassen hatte. Sogar die Nächte vc«.brachte er hier unten, nachdem ein anstoßendes Kabinett auf seinen Befehl zum Schlafzimmer hergerichtet worden war. Es war, als habe er ein Granen davor, seinen Fuß in die Räume des oberen Stockwerks zu setzen, und als wolle er auch keinem anderen mehr gestatten, die bisher von ihm und von seiner Frau benützten Gemächer zu betreten. Unmittelbar nachdem man die Tote zur Aufbahrung in den großen Saal hinab- aetragen hatte, waren sie auf sein Geheiß verschlossen worden, und die Schlüssel ruhten, für niemand erreichbar, in einen: Geheimfach seines Schreibtisches. Er hatte eine Anzahl von Papieren vor sich liegen, die ihm der Gntssekretär Tißmar schon gestern unter allerlei verlegenen Entschuldigungen überbracht batte, weil es nach « seiner Versicherung unerläßlich war, daß oer Herr Baron sie selber unterzeichne. Ein paarmal hatte er auch schon den ! Versuch geniacht, sie durchzusehen; aber er war niemals über das erste Blatt hinausgekommen. Und das hielt er jetzt wieder seit beinahe zehn Minuten in der Hand, ohne daß ihm von seinem Inhalt mehr als der Sinn der Anfangszeilen; zum Bewußtsein gekommen wäre. (Fortsetzung wlgt-sl Tejas Wahl. Von WaldcmarBonsels. Tejas kurze Geschichte ist eines jener entscheidenden Erlebnisse der Jugend, die unsere Betrachtung und Wertung menschlicher Angelegenheiten auf einen Anspruch erheben können, welchen jätJ 465 nüchternen Tagesereignisse eines ganzen Lebens nicht »lehr ab- »»schwächen vermögen. Es trieb mich damals nach Rußland, in die Krim, weiß Gott, welch ein Zufall mir die Anregung dazu gab, aber ich besaird mich in jenem in gleichem Maße glücklichen tvie unglücklichen Zustand meiner Entwicklung, in welchem das Bedürfnis nach Erlebnissen eine oft so gcsahrvolle Gleichgültigkeit gegen jedes äußere Ergehen mit sich bringen kann. Mit unbestimmtem Glauben an ein sicheres Glück und mit beschränkten Mitteln ausgestattet, erschienen mir die Güter der Welt immer nur dort erreichbar, wo ich mich eben nicht befand. Es war Hochsommer und sehr heiß, als ich am Meer anlangte, in einem kleinen Ort, der wahrscheinlich nur in dieser Jahreszeit das wechselvolle Bild bot, das mich anlockte und zum Verweilen einlud. Der Sommer und das Meer hatten eine bunte Fülle von Menschen aller Stände und Interessengebiete hier vereint, Kleinrussen, Kaukasier, Türken und städtcmüdc Vertreter der Moskauer Gesellschaft mischten sich unter Barfüßler und behäbige Kaus- leute und Bauern aus der Provinz, die ihre Standesehre schwerfällig behaupteten und jeden Umgang mit dem heimatlosen Gesindel mieden, das den Strand und die Weinberge belebte. Da es dem russischen Charakter fernliegt, seine Angewohnheiten und Lebens- gebräuchc nach den zufälligen Nachbarn oder nach den Fremden zu richten, so bot sich jeder Stand in seiner charakteristischen Lebensform da und es entstand ein mannigsalttges Bild. Ich mietete einen Schlafraum in einem modernen Hotel, das nur für die Dauer der Saison ausgeschlagen worden war und einer jener Tribünen glich, die auf Rennplätzen oder Jahrmärkten ausgeschlagen werden. Unten befanden sich ein Tanzsaal, ein kleines Cass, und eine Stallung mit Wagcnremise, drei Räumlichkeiten, die je nach dem Zuspruch auf Kosten der andern vergrößert werden konnten. Ms ich mir dort am Abend Wein bringen ließ, fand ich die Gesellschaft Gleichgesinnter, nach der ich Verlangen trug. Ich war lange über den Stand und die Lebensintcressen der Tischrunde, die ich vor mir hatte, in Zweifel, ich hörte deutsche Worte, russische, auch wurde französisch gesprochen, eine Guitarre ging von Hand zu Hand, vom Tee über Kvrnschnaps bis zu französischem Schaumwein wurde allen Getränken zugesprochen, die das Haus zu bieten hatte, und wer aus der Kleidung der Versammelten auf ihren Stand oder Beruf zu schließen versucht hätte, wäre am wenigsten zu einem sicheren Resultat gekommen. Soviel lieb sich bald erkennen, daß ein Mädchen, das am Ende des Tisches saß, tief in die Bank zurückgelehnt und in ern Tuch gehüllt, das auch ihr Haar fast ganz verbarg, der Mittelpunkt dieses lockeren Kreises war. Wäre sie es nicht gewesen, so hätte jeder Beschauer von aufmerksamem Anspruch sie dazu gemacht. Ihre Gesichtsfarbe war von völlig gleichmäßigem Hellbraun, der große Mund beinahe farblos, als siele ein matter, rötlicher Schein auf einen Grund von Elfenbein. Ihre Augen loareu von so ttesem Schwär», so glänzend in ihrer nächtigen Allmacht und von so sttahlcnder Lebensfülle des Blicks, daß sic die Sinne des Beschauenden wie in einen mpstischen Bann von Andacht sprachen. Die Brauen liefen unter der Sttrn so gleichmäßig und breit dahin, als ob sie mit weicher Kohle gezeichnet worden wären, und als seien sie nie berührt, von keiner Glut und keinem Sturm. Ich starrte hinüber und trank. Nach einer Wei^e flogen ein paar leise Worte in Frage und Antwort um den Tisch, die meiner Person zu gelten schienen, ich fürchtete, als Zuschauer lästig geworden zu sein, aber da sah ich, daß das Mädchen aus die Frage eines jungen Mannes hin nickte. Und er erhob sich stnd trat auf mich zu. Die roten Hände im Gürtel seines Kittels, nickte er zwei, dreimal, ebenso derb wie gutmütig, und wies dann hinter sich an den Tisch seiner Gefährten: „Sie sind angckommen, sind allein. . . also, was hindert Sie, wem. Sie wollen, bei uns am Tisch zu sitzen? Wir trinken, singen . . . nun?" Ich stand auf und gab ihm die Hand. „Ein Deutscher ist bs," sagte er, als wir vor den Anderen standen. Und er stellte mir seine Freunde vor, einen nach dem Niederen. Ich hörte Namen, die ich vergaß, der eine hob sein Glas, der Andere die Hand. „Und dies ist Teja," hörte ich, und mein Nachbar wies auf das Mädchen, das mich mit einem Blick und einem Lächeln einlud zu bleiben. Und nach diesem Gruß war mir, als wäre ich unter diesen heimatlosen Gesellen längst schon zu Hause. Ter Tisch leette sich gegen Mitternacht langsam, als eine der Letzten ging in Begleitung von zwei jungen Männern auch Teja, Und das Lokal schien nrir nun leer und verödet. Bon ihren Begleitern fiel ein rauher Geselle mir erneut auf, als er sich scheu und fast tölpelhaft um das junge Mädck,cn bemühte, und fast wunderte ich mich, daß sie sich in solcher Gesellschaft in die Nacht hinauswagte. Ein verwilderter Bart bedeckte sein rauhes slavisches Gesicht, und er ging fast in Lumpen. Mir waü, als sei er nur aus Mitleid am Tisch geduldet. Mein Nachbar, der mit mir zurückgeblieben war, beobachtete mich und sah mich nun lächelnd an, während er in gebrochenem Deutsch sagte: „Nicht wahr. Sie wundern sich? Der Tisch ist nun leer, aber tS hat nicht einer daran gesessen, der nicht in Teja verliebt ist, Lnd die scheinbare Harmonie in dieser Runde ist gefährlich. Morgen gehören Sie übrigens auch zu diesen Freiern, wenn Sie eS nicht schon heute tun." „Wer ist jener verkommene Mensch, der das Mädchen begleitet hat?" fragte ich. „Verkommen? Sie sind noch jung . . schließen nach der Kleidung ; das Erste ist Teja auch, aber das Zweite tut sie nicht. Ach, Sie haben eine Ahnung, glaieben, das Leben sei, wie es aussieht . . ." Nun, so sagte er Mir denn, wie das Leben sei, Und ich lauschte ihm bis gegen Morgen, nicht um seinetwillen, sondern weil ich durch ihn von Teja und ihren Freiern hörte. Die seltsamen Geschichten und Schicksale, die ich hörte, gingen mir noch lange Zeit durch den Kopf, und ohne daß ich eA recht gewahr geworden war, hatte ich das Interessengebiet dieses merkwürdigen Kreises zu meinem gemacht. Ich lernte sie nacheinander fast alle näher kennen, den reichen baltischen Gutsbesitzcrssohn, der in sinnlosem Unverstand seiner Enttäuschung sein Vermögen vergeudete, den jungen Petersburger Dichter, der in seiner Heimat berühmt war und sich hier damit begnügte, Abend für Abend kaum beachtet an Tejas Tisch zu sitzen. Ein junger Ofsizier, der inr Kaukasus diente und hier seinen Urlaub verbrachte, siel mir durch seine beinahe klassische Schönheit auf; ich Mußte oft dies kühle- klare Gesicht anstarren, und über denr Ebenmaß seiner Form vev» gaß ich die Leerheit seines wohlbestellten Blicks. Es schien mir Unvermeidlich, daß das Mädchen ihm den Vorzug geben mußte, aber sie behandelte alle mit gleichmäßiger Freundlichkeit. Am meiste» aber fesselte mich jener zerlumpte Geselle mit dem wilden, unschönen Kops, der nie sprach, und dem bei aller Grobheit des Gebarens eine eigen schwermütige Welt aus den blauen Auge» sprach. Er hieß Paule. Der Sommer verging. Teja lebte sttll unter diesen Ungestümen und Melancholischen dahin, wie in eine Hoffnung versunken, deren Erfüllung in unerreickbaren Fernen harrte, und sie trug ihren Anspruch, wie das Pfand ihres Wertes, in liebevollem Schweigen; es war mir oft, als sei sie aller Schwester, und sie wurde auch die meine. 1 Und dann geschah jenes unfaßbare Etwas, das wie ein greller Blitz in die Schwüle der Erwartungen brach, von welcher nur Teja nicht berührt zu sein schien. Ich weäde diese Stunde nis- mals vergessen. Paule war nicht anwesend. Am Tisch erzählte jemand, es war jener junge Offizier und um ihn her wurde gü- lacht. „Und dann kniete er davor. . ." verstand ich. Da fragt« Teia, wovon die Rede sei. Anfangs zögerte man, aber dann wurde jene Geschichte zum Besten gegeben, es handelte sich um Paule. In einer einsamen Grotte am Meer hatten Badende ihn beobachtet, wie er an einer selten betretenen Stelle zwischen den Felsen einen Stein fortwälzte und eine Stelle im Sand betrachtete. Später forschten sie nach und fanden dort den mit großer Sorgfalt gehüteten Abdruck eines kleinen Frauenfußes . . . Wenn ich doch Tejas Gesicht schildern könnte. Sie erhob sich ein wenig, beugte sich vor, und es schien, als lauschte sie aus eine Verkündigung von menschlicher Liebeskrast und vom Lech der Hofs« nung, wie sie es nie geglaubt hatte. Das Lachen am Tisch vev- stammte, als sie aufstano, mit einer unvergeßlichen Gebärde der Entschlossenheit das Tuch um die Haare warf und hinausging. Wir Lachenden haben sie niemals mehr in unserer Mitte gesehen. Sie ist Paules Frau geworden. vadehistörchen aus alter Zeit. Ins Bad — so lautete zu Beginn der heißesten Zeit des JahreÄ die Losung Unserer Altvordern vor drei- oder gar fünfhundert Jahren, ganz wie heute. .Freilich, die See oder das vochgebirg.« K te euan damals nicht auf, sondern man machte seine „Baden- t" in ein binncnländisches, nicht hochgelegenes Modebad, sei es, um sich durch Vergnügungen zu zerstreuen, sei es, um Heil urig von irgend einer Krankheit zu suchen. I \ Seltsam, ganz seltsam muten uns moderne Menschen die zeitgenössischen Berichte über das Badeleben von anno dazumal an. In Waden sim Aargau), einem der ältesten Modebäder überhaupt, gab es beispielsweise das sogenannte „Schlemmerbad"! Nach de» Sitte jener Zeit bildeten sich geschlossene Gesellschaften für einzelne Bäder, und über das Herrenbad im Staadhose, in dem zwanzig Geistliche und Weltliche, übrigens Katholische und Reformierte gemeinsam, badeten, erzählt Gustav Peher nach alten Quellen: „Wer sich anfnehmen lassen wollte, konnte sich mit ein bis zwei Fuder Wein einkaufen, oder er zahlte zwee Doppelvierer". Morgens 6 Uhr wurde gemeinsam im Bade die Suppe genossen, wobei vor und nach dem Essen gebetet ward. Dann folgte ein ftirzweiliges Lied auf dasjenige Gesellschastsmstglied, welches tags zuvor den „Wirt" gemacht hatte, und die Wahl des neuen „Wirts", der mit einem Kranze geschmückt wurde. An Sonn- und Feiertagen wurden die Morgensuppe und der Gesang ausgesetzt. Um stets in heiterer Stimmung zu sein, sprach man dem Weine wacker zu, weshalb nun das Herrenbad nicht im Rufe absonderlicher Solidität stand, sonderte gemeinhin das Schlemmerbad genannt wurde, in dem man die „volle Mette" singe. Die Bade- geseUen hielten unter sich einen studentisch strengen Eomment, wählten einen Schultheißen, Statthalter, Säckelmeister, Kaplan- Schreiber, Großloeibel, Kalthans, Schergen und Nachrichter, deren iedeni ein bestiminler Pflichtcnkreis zugcteilt war. Sie aste must» 456 teil dem Schultheißen mit der linken Hand an den Stab geladen. Lieb und üeto mit den räudigen und schäbigen Badegesellen zn teilen, und, was im Bade behandelt wird, allezeit bleibe» zu lassen, d h nicht aus der Schule zu schwatzen. Nach der Morgensuppe sand regelmäßig Gericht statt, wobei der Großweibel als öffentlicher Ankläger snnaierte. besonders wegen unziemlichen Betragens, unordentlichem 'Badekleide und Gotteslästerung. Die Büsten waren je nach deni Vergehen verschieden, drei bis vier Fuder Wein, Wer einen'Hund mit ins Bad nahm, hatte neun Pfennige Butze zu entrichten. Alle Straferkenntnisse wurden dem Säckelmeister zur Einkassierung überantwortet. Die Bußengelder lvnrden zum Teil vertrunken, zum Teil den Armen zugewendet. So wurde damals, wie ein späterer Bericht sagt, „an einem Orte, wo man sich zur Erholung und Lust versarmnelt«, spielend Zucht und Ordnung ausrecht erhalten," > Es gab auch getrennt« Frauenbäder, außerdem aber auch eme Art Familienbades, in das man auch als Zuschauer Eintritt sand. Ueber das gleiche Bad Aaraan berichtet Franz Poggio, der Sekreiär deS Papstes Iol-ann XXII., int 15. Jahrhundert anmutige Dinge: er erzählt, lote man im Bade speist, und zwar an Tischen, die aus dem Wasser schwinUnen, und schildert dannj ,Jch sah alles von der Galerie, die Sillen und Gewohnheiten! dieser Ehrenleute, ihr gutes Essen, ihren angenehmen, zwanglosen Umgang. Mancher besucht täglich zwei bis vier solcher Bäder, und bringt dort den größten Teil seines .Tages mit Singen, Trinken und nach dem Bade mit Tanzen zu. Selbst im Wasser sehen sich einige hin und spielen Instrumente. Nichts aber ist reizvoller, zu sehen oder zu hören, als wenn anfblübende oder erblühte Jungsrauen mit dem schönsten offensten Gesiast, an Gestalt und Benehnren Göttinnen gleich, zu diesen Instrumenten singen. Dann schlvimmt ihr leichtes zurückgeworfenes Getoaud aus dem Wasser, und jede ist eine andere Güttin der Liebe. Dann haben sie die artige Sitte, lveun Männer ihnen von oben herab »»sehen, sie scherzweise Mi einen Almosen zu bitten: man wirft ihnen kleine Münzen zu, die sie mit der Hand oder mir dem ansgebreiteten Linnengewrmd aufsangen. Ebenso wirft nur» ihnen truch aus allerhaud Blumen geflochtene Kränze hinab, mit denen sie sich das Köpscheu schmücken. Diese vielfältige Gelegenheit, das Auge zu erfreuen und den Geist zu ermuntern, hatte einen großen Reiz für mich, daß ich nicht nur selbst zweimal täglich badete, sondern auch die übrige Zeit mit Besuch anderer Bäder zubrachte, imb ebenfalls Münzen und Kränze himmterwarf, wie die anderen. Denn unter diesem immerwährenden Geräusch von Klang und Gesang war da jsveder zmn Lesen mxfi zum Denken Zeit und hier allein weise sein Kn wollen, wäre die größte Torheit gewesen . . ." Daß man zwei- oder mehrmal deS Tages badete, war nichts Außergewöhnliches, ja ans einem Berichte von Felix Hcmmerleiu auS dem Jahre 1461 geht hervor, daß die Badegäste in PfäfsrS 6 bis 7 Tage Ununterbrochen im Bade sitzen blieben, sodaß sie im Wasser schlafen mußten. Allerdings war der Grund dafür nicht der, daß es ihnen im Wasser so ausnehmend behagte, sondern sie hatten Furcht vor dem heraus- und Herunter» eigen auf den hängenden Leitern, die wirklich furchtbar gewesen sein müssen, denn es gab Leute, dis sich in Sesseln festbindeu und mit verbundenen Augen inS Wasser lherunterlassen ließen! Daß das Baden — wenn Man es nicht des Vergnügens, sondern der Gesundheit wegen tat — in jenet« verschollenen Zeiten imMer so vergnüglich war, wie man es aus den Berichten über Baden im Aargau entnimmt, ist ein Irrtum, den» über das eben genannte Bad Pfäfers berichtet im Jahre 1559 der Amt Äugelt» aus Basel, der in den Felsen eingehauene Badc- kasten sei so eng gewesen, daß nicht viel über hundert Personen usntg.leljroi auch die Badeordnungen, die sich erhalten haben. ZUi Jahre I486 wurde für das Bad Mainhardt durch den Grafen Karl VI. von Hohenlohe eine Badeordnung erlassen, deren harte Strafandrohungen höchst Ivahrscheinlich nöllg waren. Da hieß es: es soll niemand, wer er auch sei, im BadhauS zu Mainhardt den anderen schlagen oder .öenwlt beweisen. Wer das tut mit gewappneter Hand, dem soll ohne Gnaden die rechte Hand abgehauen loerden. Wer aber schlägt oder vergeivaltigt ohne Waffen, der soll dem Grafen zur Strafe stehen." Noch in viel späterer Zeit, aillerdtnas in der rohen Zeit des dreißigjährigen Krieges, wird eine Badoordnung für Baden erlassen, die gebietet, „daß kein Kurgast den andern mit der Faust schlage, auch nicht mit einem Wehr, Messer oder Dolch schädige: auch soll keiner dem anderen Ueber- lbrang tun, durch Spritzen, Taufen oder freventlich in das Wasser fallen. Auch soll keiner den anderen mit Zutrinke,i nötigen, damit keiner durch die Bolleret beit Wein wieder von sich geben müsse: es soll auch nienmnd ohne Verbilligung von anderen Orten Wein ins Tobel beschicken lassen. Solchen, die da Liebhaber des neuen Glaubens seien, gebietet der Acht, daß sie, dieweil siä im Bad sind, den Glauben mit ihrer Lehre für sich selbst belmlten: zichem sei auch deutsche Psalmen zu singen bei Buße gänzlich verboten. Der aber eine große Lust zu singen hätte, der.kann andere geistliche oder sonst ehrbare Lieder singen und darum das Bad mit keinem ungeheuren Geschrei erfüllen." Ebenso wie man mit dem Aufenthalte im Wasser nicht immer das richtig« Maß fand war es bei den Trinkkuren in alter Zeit. Im germanischen Museum in Nürnberg findet sich dafür ein hübscher Beleg in Gestalt einer Anweisung, die 1571 ein Arzt seinem Pattenten, einem reichen Nürnberger Kansmanne mit ans den Weg nach „Earls Padt" gab. Darin heißt es: (in moderne Schreibweise lübertragen) „Zum anderen wieviel Ihr trinken müßt, in diesem Fall muß man sich nach die Natura richten, toann etliche können viel vertragen, etliche auch wenig, deshalben müßt Ihr mit wenig anfangen und alle Tag mit einem Bocher oder zweien auf- fteigen, also wird die Natura das gewöhnen, nämlich den ersten Tag müßt ihr etwas liber ein Seidel trinken, und wenn Jhrs ohne Be- schvernis trinket, am andern Tag anderthalb Seidel, auch etwa» daniber, am dritten Tag ein Maß, am vierten Tag anderthalb Maß, am fünften Tag zwei Maß." Diese zwei Maß täglich such aber noch wenig gegen die Wassermengen, die man beispielsniets« in französischen Badern zu sich nahin: man fing in Spa mit 6 Gläsern täglich an und suchte die Zahl bi» auf 16 zu steigern und je mehr man trinken konnte — auch über 16 Gläser — desto gesunder hoffte man zu werden. In Bearn brachte es de« französische Geschichtsschreiber de Thon auf 25 große Gläser des schwefelhaltigen Getränkes, ja ein anderer Badegast, der gleichzeitig da war, soll seine 50 Gläser hintereinander in sich hineyigegossen haben! "■ _ - vüchertisch. — Sarah von Lindbolm. Roman von Margarets Böhme. Leipzig, Hessen. Becker Verlag. 286 Sellen, 3 MI., n '. 4 Mk. Margarete Böhme, die erfolgreiche Herausgeberin „Tagebuchs einer Verlorenen", bietet dein Lesepubliknni mit ihrem jüngsten Buch einen trefflichen, von Anfang bis zu Enlnl fesselnden Unterhaltungsroman, der ihr sicherlich viele neue Frrundlg getvinnen tvird. Im Mittelpunkt der Handlung steht die Werft- besitzerin Sarah van der Ucke, genaimt Sarah von Lindholml, Sie ist durch Leiden und Kränkungen scheinbar hart und gefühllos geworden. Ihr Mann hat sich vor Jahren ehelicher Untreu« schuldig gemacht und ist mit dem Hausmädchen auf und davon gegangen. Nun verwaltet Sarah schon seit langem die Werft allein, und zwar an der Seite des alten Norwegers Fry Sön, eines Seebären, dem sie weit überlegen ist, und an den sie im Grund« niHs fesselt. Ihre beiden Kinder aus der Ehe mit dem Holländer Pieter van der Ucke, Harro und Theresa, sind ihr fremd getoorden; ihre ganze Liebe scheint sie einem Findling yil schenken, von dem mau Munkelt, er sei ihr Sohn. JU Wahrheit tst er das Kind jenes Hausmädchens, das mit Sarahs Man» ins Ausland gegangen war. Eine weitere Feinheit ist eS, dag Pieter van der Ucke auch an diesem Mädchen treulos handelt. Gealtert und körperlich gebrochen kehrt die Unglückliche in di« Heimat zurück. Als Sarah die Wahrheit über jeuen Findling erfährt, wendet sich ihre Liebe wieder ihren eigenen Kindern zu» — Griebens Reiseführer, Band 137. Der Speffart, 2. Auslage. Mit zwei Karten. Preis Mk. 1,—Verlag von OTbert Goldschmidt, Berlin W. 35. Daß von dem neuen Führer „Spessart" schon jetzt eine neue Austage notwendig war, spricht ebenso sehr für die wohl verdiente Beliebtheit der Grieben wie für di« große Besucherzahl des Spessartgebietes. Der mit größter Sorgfalt ne» bearbeitete Führer zeigt überall, daß der Verfasser, der sich auch um die Kweite Austage sehr verdient gemacht hat, das ganz« Gebiet gründlich kennt. Unter anderen hat er das ausgedehnt« Markierungsnetz seiner genauen Nachprüfung unterzogen und alk« Veränderungen gewissenhaft nachgetragen. Vielfach führt er de» Wanderer auch Wege, die abseits von den aUgemeinen Markie- rungsrouten liegen und gerade darum recht empfehlenswert 'finft Von >großem Interesse dürfte allen Besuchern dieses Gebiets die.in einem eigenen Kapitel gebrachte Beschreibung des Spessark- waldes fein, dem ja das Gebirge in erster Linie seinen Ruf als Touristengebiet sverdankt. Die dem Führer beigegebenen Karte» sind genau revidiert Und gewährleisten in Ueberemstimmung Mit dem Text eine schneUe und sichere Orientierung. Möge denn bas Bändchen, das in seiner neuen Fassung als unbedingt zuverlässig anznsprechen ist, weiter zur Hebung des Fremdenverkehrs ich schönen Spessartwalde beittagen. Magischer Sahlenquadrat. In die Felder nebenstehenden Quadrats sollen die Ziffern 3 11 15 22 viermal derart eingetragen werden, daß die Summe der Zahlen in jebet der senkrechten, wagerechten nnd Diagonalreihen stel« 51 beträgt. Auflösung in nächster Nummer. Auslösung des Versteckrätsels in voriger Nummeri An Gotte» Segen ist alles gelegen. Nedaftisn: R. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brllhl'schen UnwecsttätS-Buch- und Steindtuckerei, R, Lange, AieheXtz