Kinderseele. Roman von Rein hold Ortmann. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Mer Dietlinde verharrte in einem starren Schweigen, das ctnws Unnatürliches und beinahe Unheimliches hatte. Ihre großen Augen blieben immer geradeaus ins Leere gerichtet, und keine Träne netzte ihre' Wimpern. „Wenn sie doch nur anfangen wollte zu weinen," dachte Margarete, lzje in fieberhafter Aufregung kaum ihre Kleider finden konnte. Sie fürchtete bei dem sonderbaren Benehme» des Kindes nachgerade für seinen Verstand. Doch ihr Wmnsch erfüllte sich nicht. Das schmale, bleiche Kinder.nitlitz behielt ferne maskenartige Unbeweglichkeit, und die Lippen blieben energisch geschlossen, bis sie sich au» schickte, zwischen Josepha und der Erzieherin über den Treppenslnr in das Schlafzimmer der Baronin hinüberzugehen. - Das ganze Haus schien erfüllt von jener scheuen Verstörtheit, die ein unerwarteter Todesfall zu erzeugen Pflegt. In der offenen Tür des kleinen Gemaches, das nach der Treppe u noch vor dem Schlafzimmer lag, standen ein paar Mägde, ic wie ans Kommando inü dem Schürzenzipfel an die Augen saihrcn, als sic zurückwicheii, um der kleinen Baronesse den Durcl)gang frcszugeben. Der Eingang zu dem Ranni, in dem Frau v. Bardeleben ihren letzten Atemzug getau, war durch einen Vorhang abgeschlossen. Als Joseph» ihn zurückschlug, sah Margarete, daß niemals) bei der Toten weilte als- Herr p. Reibnitz, der neben dem Bette kniete und das Gesicht in die bis auf den Boden hcrabhängende Seidendecke gedrückt hatte. Zu Däupten des Lagers brannten die Kerzen zweier fünfarmiger Kandelaber; die hohen Fenster aber waren nicht verhüllt, so daß das bleiche Licht des Novcmbertages ungehindert Zutritt fand. Es strömte über eine Fülle von Blumen, die wohl noch vor Tagesanbruch im Gewächshaus abgeschnitten worden waren, Um das Sterbebett der toten Schloßherrin zu schmücken, und es fiel mit kalter Helle aus die »vachskNeichen Hände unld das marmorne Antlitz der Entschlafenen. Auch in den Tagen seiner holdesten Maienblüte konnte dies feine, regelmäßige Gesicht nicht schöner gewesen sein alS jetzt. Die Hand des Todes mußte in Wahrheit sehr sanst und weich darüber geglitten sein, daß sie nicht nur keinen der lieblichen Züge entstellt, sondern logar die markante Lcidcnslinie weggewischt hackte, die Margarete gestern an her Lebenden vei als „Fleisch- und Brotschätzer", zwei als „Waldgever" bestimmt. Als Gehalt bezieht der l. Bürgermeister „12 Stausenberger Gulden" oder ,,10 fl. 12 Kr. rheinischer Wehrung". Mehr bringen die Diäten ein, zumal die Bürgermeister in den unruhigen Zelten — war doch fast 200 Jahre beständig Krieg — oft in Amtsgeschästen auswärts sein 489 ■tufjtcn. Für einen Gang von Staufenberg nach Gießen wuvdcn b alb. -- 40 Psg. vergütet, oft auch noch die Zehrungskosten erstattet. Als Steuererheber, welches Amt er auch mit dem Uuter- bürgernieister zu teilen hatte, bezog er auch seine Gebühren. Er hatte auch die Stadtkasse zu venrxilten, wober er nur Geld uleate. Alle Zahlungen gingen durch ihn; manche Beträge, 4e der Bürgernveister vorletzte, wurden in seiner Abwesenheit oft nicht notiert, sodaß der vorhergehende Bürgermeister aul Neujahr die Kassen mit einem „Rezeß" von einigen Hundert Gulden überlieferte, für die er zumteil, wenn er nicht nachträglich noch Rechnungsbelege Vorbringen konnte, selbst auskonlmen musste. Bel der Bürgermeister- und Stadlratswahl wurde aus der Stadtlasse den Wählern auf dem Rathaus ein „Freitrunk" gestiftet. Rach den Rechnungen wurde gut getan 1662: „16 alb. vor 2 Mast Wein den Kührern", 1663: 1 Taler 10 alb. den Kührern auf dein Rathause, 1666: 251/2 alb. vor Bier so best der Kiihre vnd newen Jahr vfgangen." Bürgermeister und Ratsversonen waren „Respektspersonen". Ungebührliches Verhalten mw Nichtbesolgen ihrer Anordnungen Wurden bestraft. 1672 wurde vom Rat beschlossen: „Wenn einer oder der andere sich aus dem Rathaus ungebührlich init Worten! oder Werken erzeiget, soll er zur Straff erlegen 20 alb. (1,60 M.). 1— Wenn einer oder der andere ein Ratsgebot vorsätzlich versäumet und nicht erfolget (befolget), so soll sedesmal er geben zur Strass 8 alb," Ein wichtiges städtisches Amt war das des Stadtschreibers. Die Stadtschrelber gerierten sich gern als Gelehrte, beliebten es, lateinische Ausdrücke anzuwenocn, auch oft ihren Namen »u latinisieren. -Bei Anlegung und Einrichtung eines Neuen ProtokollbucheS oder eines Registers zeigten sie gern ihre Schreibkunst, indem sic Titelblatt oder den Kopf der einzelnen Al>tei- l'ungen mit Frakturschrist zierten. Die Schrift in den einzelnen Einträgen ist oft sehr schön, die Buchstaben sind aber >0 verschnörkelt, daß es schwer wird, den Inhalt der Niederschrift zu enträtseln. Er bezog dasselbe Gehalt wie der Bürgermeister, 10 fl., hatte aber noch viel Sporteln und Nebeneinkünste, da er oft, namentlich in Kriegs;eiten, als bester Schreibkundiger angesprochen wurde. Seine Sachkenntnis genügte nicht immer: denn in den Stadt- kechnungen begegnen wir häufig Ausgabeposten an den Stadtschreiber in Gießen für „Supplicatimien", Bittschriften und Gesuche, die an die höchste Stelle gingen. Mer war ein besonderer! Kanzleistil üblich, der allerdings so verschwommen und unklar war, hast man oft ein derartiges Schriftstück mehrmals lesen muß, bis man den Inhalt versteht. Die Stelle des Stadtschreibers versah im Nebenamt oft her Stadtlehrer, der dadurch sein knapp zugemessenes Einkommen wesentlich erhöhte. Der Stadtschreiber vertrat bisweilen an Stelle des Bürgermeisters die Stadt auf den Landtagen. IN schwierigen Angelegenheiten, die auf der Tagesordnung standen, bediente man sich einer kundigeren Person, so des Stadtschreibers zu Gießen, der außer den üblichen Diäten noch eine Ertravcrgütung bekonmit: denn es heißt in der Rechnung von 1663: „6 alb. vor Fisch dem' Stadtschreiber zu Gies-en verehrt, weil er Bor uns osf den Landtag zu Darmstadt gehandelt". 165 4 war sogar der Kanzlerder Universität Gießen Vertreter der Stadt und des Ehrbaren Rats zu Staufenberg auf dem Landtag zu Kronberg (soll wohl heißen Grimberg) und wurden ihm dafür 9 fl. 10 alb. „verwilliat". Wif den Landtagen konnten Beschwerden Über Verwaltungsmißbräuche vor- gebracht, auch Anträge zu neuen Gesetzen gestellt werden, hauptsächlich handelte es sich aber auf diesem Landtag um Bewilligung der Steuern seitens der Stände. Und außerordentliche Stcuer- bewilligungen waren damals sehr nötig bei den unruhigen Krregs- zciteu, nicht nur für Kaiser und Reich, auch für die Nemen Landesfürsten. Da waren alle nröglichen Steuern fällig: Kontributioneii, t oldatensteuer, Servisgeld, Winlerauartiergeld, Türkensteuer oder ömcrmonatsgeld, ja sogar eine Fräuleinsteuer (für Ausstattung der fürstlichen Prinzessinnen). Zunächst die allgemeine, jährlich K werdende Bede von Häusern und Gütern, Kontribution n Rechnungen genannt. Ursprünglich ist unter Kontribution eine Kriegssteuer zu verstehen,, die dem Laude vom Feinde auferlegt wird. Hier bedeutet Kontribution die ständige Grundsteuer. Sie betrug 12 alb. (96 Psg. aus 100 Gulden Steuerkapital (Vermögens). Zur Unterhaltung der Soldaten im Lande, also des hessischen Kontingents, wurde die S 0 l d a t e n st e u c r, auch Servisgeld, erhoben. Während die Soldatensteucr 1591 noch 14 fl., als Beitrag der Stadt Staufenberg, betrug, war sie schon 1654 aus 75 sl. gestiegen. Den 11. Oktober 1675 wurde die f oldatensteuer auf 12 Taler gesetzt, „Muß jedes Hauß erlegen l/r alb., maßen itzo die Häußer gezählet und 861/2 befunden worden". 1709 betrug das Servis geld „für Lieferung von raufutter" (Hafer, Heu) 32 Taler. Die Türkennot war eine stete Sorge für Kaiser und Reich. Zur Führung der Türkcnkricge bedurfte der Kaiser, der stets in Geldverlegenheit war, der (Unterstützung des ganzen Reiches: er erhob als Reichssteucr die D ürkenste uer mit dem Steueransatz von „1 Schreckenbcrgcr" (25 Pfennig) auf 100 fl. Kapital. Das in Staufenberg 1596 geschätzte Vermögen betrug 16 909 fl., die Steuer hieraus 29 sl. 6 alb. Dazu kamen noch die Ausgaben für Exekutionen und Brandschatzungen, die die fremden Völker während der Kriege her Stadt Staufenberg Merlegfen, Tie Stadt Staufenberg hatte ihr eigenes Brauhaus, das unter dem Rathaus im Erdgesckioß sich befand. Sie nahm einen Braunieistcr in den Dienst, der den Bürgen: den Haus-- trnnk braute. 1600 waren es 40, 1664: 60 Personen, die an der „Verlosung" int Brauhaus, d. h. an der Auslosung teilnahmen, die bestimmte, an welchen Tagen im Jahre der einzelne Bürger brauen konnte. Tie Bransteuer erbrachte 1642: 52 fl., 166» sogar 70 fl. Von dem einzelnen „Gebrau" würden 2—3 Mark bezahlt. Im Resormationszeitalter erhielt auch Staufenberg eine EchuIe, die nicht nur die Bürgerskindcr, sondern auch die Kinder der Adeligen besuchten. Die damaligen Schulen waren meist Winterschulcn und in erster Linie Re!igioirsschu!en, in denen der Glaube, das Vaterunser, Lesen, das Einmaleins gelehrt wurde. Schreiben stand anfangs noch nicht auf dem Lektronsplan, von sonstigen Lehrfächern ganz zu schweigen. Der Lehrer war ein „Wanderlehrer", der von Ort zu Ort reiste, um Schule zu halten. Daß man aber auch damals schon den Wert einer guten Schule nicht verkannte, und besorgt war, einen tüchtigen, ständigen Lehrer zu bekommen, zeigt nachstehende St lftungs urkunde des Friedrich von Rolshausen vom 16. Dezember 1581. Die Urkunde lautet: „Ich Friedrich v. Rolshausen, hessischer Ampt vnd Burg Manu zu S t a u f e n v e r g bekenne vnd thue Kundt vor mich vnd Mle meine Nachkommende Erben, daß ich auß gutem vndt wohlbedachtem Muthe vnd christlicher Liebe, Gott dein Allmächtigen zu Ehren vndt dem Nechsten tzu.Nutz ünbt Wohlfahrt srn- wMig ewiglich gegeben vndt gestiftet habe Einhundert gülden Marpurger wehrung Zn einer Schulen Bahn Stanf- senbergk . . . Damit vnserer dasige Burgleute auch deren Burger Kinder vndt Kindeskind desto «fleißiger in der Zucht vnd furcht Gottes vsfgezogen vndt ihres Christlichen glauben-, ihrem fehlen heifl zu guten, vnderrichtet werden mögjen, welche (#) ein hundert gülden dann Einem Erbaren Rath zu Staufsenbergt von mir vberlifsert wird. Da dann Ein jeder Bürgermeisttv E mpt Einem Erbaren Rath ein Jder Ihre vleißige «flicht thust II . . . daß jehrlich vff ein jeden Sankt Martins tagk Jedermann rer Zeit! Schulmeister detz Orts fünf gülden Pension (Zinsen) obvenanther wehrung vnverzüglich gehandtreicht werden stzlle. . . Da der Schuldienst ein oder Mehrere Jhar ledig vnd vnbedient Pliebe, sofl die Pension von Jhar zu Jhar gep sammelt vndt zu dero Hauptsummc geschlagen werden, (gez.) Friedrich v. Rolshausen. Alljährlich wurde zweimal vor dem Herrn Superrnieuden- tcn aus Gießen, dem Bürgermeister und ehrbaren Rat das „Sch ul ex amen" abgehalten. An das Examen schloß sich em Festessen mit dem nötigen Bier, deflen Kosten die Stadtkasse trug. Das Protokollbuch berichtet: „16 6 8: 12 alb. vor Bier so beim Examine vfgangen. 1 6 6 9: 10 alb. vor Fleisch, 9 am. vor Fisch, 9 alb. vor Bier, beim Examine vfgangen. — 15 alb. vor Essen zum SchÜler-Examine, 6 alb. vor 6 Maß Bier dermalen. 16 7 5: IO1/2 alb. vor 4 Psd. Kalbfleisch »um Examine, I1/2 alb. vor würtz, dazu 9 alb. vor 6 Maß Bier damals. — 12 alb. 2 Psg. vor 71/2 Psd. Fleisch zum Schüler-Examme. 5 alb, vor 2 nflirst, 7i/z alb. vor 5 Maas Bier, 3 alb. vor Brot, 21/2 alb. vor würtz." In kirchlicher Beziehung gehört« und gehört Staufenberg zu Kirchberg. Hier war sein« Mutterkirche, während,m Orte selbst oberhalb der Unterburg nach Nordwesten bin schon seit 1503 eine Kapelle stand, die dem Ritter Sankt Georg geweihr fort. Sie hatte bis 1667 keine Glocken, erhielt aber um diese Zeit jedenfalls ein Geläute, da in den Rechnungen von Ausgaben für Reisen zu den Glockengießern in Frankfurt und Domburg die Rede ist Ihre Glocken kamen, als die Kapelle 1839 tvegen! Baufälligkcit abgebrochen wurde, zu den 2 Glocken aus der Stadtpforte Ueber der Tür der Kirche zur Kirchberg befinden sich neben der Jahreszahl 1497 die Wappen der Schaben Und der von Raü, die Patronatsherren der Kirche waren. Kirchberg ist über viel älter als 1497; es ist jedenfalls eine Gründung irischer Mönche, die hier eine Kapelle errichteten, die mit der Zeit erweitert werden Mußte, bis 1497 ein vollständiger Neubau errichtet wurde. Stauscnberg hatte an seinem Teil seinen Beitrag zur Psarr- bcsoldung und zur Unterhaltung der Kirche und des Pfarrhauses zu leisten. Während der Jahre 1661—1667 waren die Beiträge der Staufenberger nach Kirchberg recht bedeutend, einmal weil wegen des Alters der Kirche häufige Reparaturen nötig waren, andererseits auch wohl aus dem Grunde, weil die dortigen Gebwide während des dreißigjährigen Krieges viel gelttten halten. Eine Zusammenstellung der Einträge in den Stauseiiberger Rechnung«! über Kirchberg ergibt: 1661: Zu Laddeii vfss Pfarrdach nach Kirchberg 1 Taler, 23 alb. 2 Psg. — Bor Nägel zmn Psarrkmutz 2 Taler 7V» alb. — Stemdeckerarbeit 1 Taler 15 alb. — Bor Nägel zum Pfarrdach 2 Taler. 1662: 23 alb. den Zimmerleuten an Psarrhauß zu unserem Theil. 1 Taler dem Steindecker. 1695: Zum Wcinkaus 6 alb., als das Stück Dach am Thurm zu Krrch- dergk verdungen worden zu unserem' Teil. 1666: 1 Taler 15 alv. vor Ziinmcrarbeit in die Kirchbcrger Äircki. — 2>2 Taler dem Bürgermeister aus die Bauarbeit abschläglich nach Kirchberg. 1667 im März und April müssen die Staufenberger mit dem 2. Pfarrer in Kirchberg unzufrieden geioesen sein, Beschwerden eingcreicht und mündlich vorgebracht und wohl auch seine Versetzung 440 beantragt haben Es finbeu sich folgende Einträge: „1667, 4. März, 1 Taler 18 a(b. faurbtl. 10 Rats Personen, jedem 3'/r alb., als sie zu Gießen wegen des Herrn Pfarrers gemef:». — 17 alb., als der sämtliche Ralb bei dem Superiittendeut.'n wegen des 2. Pfarrers gewAon. - 1 Taler 20 alb, so zu Gießen gewesen taegen des Herrn Pfarrers. — 8s- alb. zu Gießen mit dem Raih vertban wegen derselben Sache. — 10 alb. auf dem Rath- tzauß, als >oir zu Kirchberg"b« dem Pfarrer wahren. — 10 alb. wegen einer Subplicalion wegen des Herrn Pfarrer. — 1 Taler 15 alb. »oegen 9 Gang, so der Rath wegen des Herrn Pfarrer tchun Müssen." Viel K r i e g s b e d r ä n g n i s s e batte Staufenberg zu erdul- de» während des „Hessenkrieges", des 30jährigen Knege-, der Raubkriege Ludwigs XIV. von Frankreich, der französischen Re- volntionskriege und der Befreiungskriege. Wenig batte es zu leiden während des siebenjährigen Krieges, nanientlich zur Zeit, als im Herbst und Winter 1759 Herzog Ferdinand von Braunschweig, der „Parteiaäirger Friedrichs des Großen", das von den Franzosen besetzte Gießen blockierte und bei Krofdorf sein Lager ausgeschlagen hatte. Der „Hesse,ikrieg", in dem es sich um die Marburger Erbschaft handelte, hatte im Jahre 1 6 40 nneber einen ernsten Charakter angenommen. Aus der einen Sette stand die Landgräfin Elisabeth Amalie mit ihren Niederhessen im Büiidnis mit Franzosen, Schweden und Weimaranern, auf der ändern Seite Landgraf Georg tu», Hessen-Dannstad! ini Bündnis mtt den Kaiserlichen. Jin Dienste der Landgräsin von Kassel stand der gefürchtete Oberst Reinhold von Rosen, ein tüchtiger Kriegsmann laus der Schule des Herzogs Bernhard von Weiinär. Rosen führte den kleinen Krieg niit glücklichen, Erfolge in der Wetterau, nahm HvnÄiurg vor der Höhe und schlug den Kaiserlichen General Galla? bei Friedberg. Dadurch aber reizte er den Feind, der sich in größerer Stärke sanimelte. Rosen mußte weichen, zog über Gi ßen nach Marburg, um sein' Truppen in dem festen Ziegenhain zu bergen. Sein Weg führte auch über Staufenberg: denn die Rechnung von 1640 berichtet: „l Gulden 25 alb. ist für zweb Unterschiedene Mahlen vfgangen, alß der Herr Schultheiß tnibefoh- leu, pferdt und anderes viehe auch Frucht Nach Gießen m sicher-- heit zu Prinzen. — 17. alb. auSgeben, Tag vndt nacht zu Gießen angehalten, als die Pferde auß forcht dev Rosrschen Bölker (der von Rose«) einfall naher Gießen in sicherheit bracht werden sollen. — 6 alb. vergütet in Gießen, alß 24 Reichstaler für 5 Warmstädtische Malter Haffer dahin geliefert werden sollen (jedenfalls an kaiserliche und darmstädtische Truppen, haben selbige nach Braimsels geliefert werden sollen." Die letzte Periode des unseligen 30jährigeil Krieges, der französisch-schwedische Krieg in Deutschland (1635 bis 1648), brachte Staufenberg viel Unruhe und Sorge. In diese Zeit fällt auch, wie schon erwähnt, die Zerstörung der Oberburg. Leider fehlen für die Fahre 1646—1648 urkundliche Mitteilungen. Aber «ns den Einträgen von 1650 läßt sich schließen, daß die Heini» fuchungen auch in dieser Zeit schiver gewesen sein müssen. Es wird am 20. März belichtet, daß der Bürgermeister sich nach Gießen begeben,- um mit dem Kommissar Schaffer „wegen der schwedischen gelber" zu verhmideln, weil man mit den von den Schweden äuserleAten Brandschatzunasgelder» noch im Rückstand ,oar. Am 22. März werden „Supplicationen „mb eclassung der rückständigen fchatzungsgelder aus 1646,1647 und 1648" an den „Bottenmeister" (Briesbesörderer) in Gießen abgegeben, um sie auf der Post Nachher Darmbstadt tragen zu lassen." 1640 erhält der „Scribent" in Gießen 25 alb. für 4 verschiedene Supplikationen „uni Linderung oder Erlassung der ohnerleglichen Coutributioneu der Witwen Und Waisen, die in großer Armuth sitzen." Dreimal war 1640 der Bürgermeister in Gießen gewesen, „als sein Knecht van den Kriegsvölkern gefangen, um sich bep der Obrrgkeit Raths zu erhalten". 1 st. 13 all», werden in Gießen in des Herrn Haupt- inauns Orlhen hauß" verzehrt, als man wegen einer Schutz- wache („salvegvode") von 2 Mann verhandelte. Man suchte sich auch selbst in der großen Not zu berteidigen: denn inan erbat sich van dem „Zeugwarth" In Gießen , Dupplha.ien" (2 Meter lange FußgeweNe), und erhielt dieser 9 alb. „als mit ihin gehandelt, das (daß) er gute hergeben." 1640 waren auch Franzosen in Staufenberg; denn es heißt in der Rechnung: „1 fl. 13 alb. den Welschen vor Polver." (Schluß folgt.) vermischte». * Chinesische Klcidcrsorge». Dem chinesischen Mi- cnlsterium des Innern haben Buanschikai und der Aolksiville eine Ausgabe gestellt, deren Lösung dem Minister und seinen Räten nicht wenig Kopfzerbrechen verursacht: es soll eine moderne republikanische Festtracht, eine Art Nationaltracht für alle amtlichen Würdenträger der chinesischen Republik entworfen werden. Als das chinesische Parlament zusammentrat, führte man als offizielle Tracht aller Zivilbeamten bei amtlichen oder festlichen Gelegenheiten den europäischen Frack mit Zylinder ein. Uuanschikai gab selbst das Beispiel uich ließ seinem jungen Sohne einen prachtvoll sitzenden englischen Frack baue». 911,er dagegen haben sich die Vertreler der chinesischen Handelswelt erhoben, und die Opposition gegen Frack und Zylinder ist sa heftig geworden, daß die Regierung eingelcnkt hat. Vor allem sollen in der Nationaltracht chinesische Traditionen zum Ausdruck kommen; dann aber soll das 9lmtsgewand aus chinesischem Stossc sein, aus einem Material, das man nicht erst aus dem Ausland einzuführe» braucht: kurz, aus Seide. Nun soll das Ministerium des Inner» diese wichtige Frage studieren und lösen. Ein Kostüm soll erstehen, das modern ist und doch chinesisch und nur aus Seide gefertigt werden kann. Der Phantasie der Belleidungsiüustler winkt also im fernen Osten eine aussichtsreiche und zweifellos auch lohnende Aufgabe ... , *Sein Leid. Givvaiuii (zum Kaufmann): „Mir scheint, daß Sie heut sehr schlechter Laune sind." Kaufmann; „Ich Hab« auch Grund genug dazu. Eben ist der Inspektor dageweseu und hat die Maße und Gewichte revidiert . . ." Giovanni (lächelnd): „Und da hal er gefunden, daß Sie immer 900 Gramm für ein Kilo geben?" Kaufmann: „Biel schlimmer! Er hat gefunden, daß ich immer 1100 Granrm gewogen habe!" ''Böses Beispiel. „Höre, Antonia," sagt Signora Doro- tea tzu ihrem Mann, ..meinst Du nicht, daß e? besser toüre, Dn gingest wieder zum Barbier und ließest Dich rasieren?" „Nein, durchaus nicht, ich werde mich weiter selbst rasieren; so spare ich viel Zeit und Geld." „Das ist ja ganz gut, aber sieh, ivenn Du ansängst. Dich zu rasieren, dann läuft imser kleiner Gigi immer gleich herbei und lauscht begierig auf die schrecklickzen Worte, die Du dann ausstößt . . . * Schlimmes Zeichen. „Der Signor Sbasettc muß tot sein. ..." „Warum denn?" ,^>d> I>ab ihn um 8 Uhr znm Abendessen eingeladen — jetzt ists schon H Uhr 5, und er ist noch nicht da." viichertisch. Henry 91. Hering erzählt seine Novelle .DieGäste de? Majors' »>it jener raffinierten Kunst des Hmnoristen, der seine köstlichen Witze nicht voreilig und ailMtiglicb »reiSgibt Er narrt nicht nur die Helden seiner Erzälstunge», er täuscht auch seine Leser, die ihrn folge» müssen mit größter Teilnahme und die er an, Ende überrascht und belohnt mit einen, erlösende» Lachen. In benr neueste» Bücherschatz-Band W>9 (Hermann Hillger De, lag, Berlin W. 9 rmb Leipzig) sind Novellen des Ve, iasscrs vereinigt von originestsler Handlung und wohltuende», Humor bei bei spannendsten Schilderung. — Nach der Ernte. Der Götz am Graben, Bogtländischs Üäovellcn!von O. R. Keßler. Preis 1,50, cleg. geh. 3. — Mark. Mitteldeutsche Verlagsanitält, Chenniitz. Bogtländische Novellen, sein empfundene gemütstiese Dorf- und Stadtgeschichten sind es, die O. R. Keßler uns uird seinen Lairdsleuten beschert hat - seinen Landsleute», die er (wie der „Bogtländische 9inzeiger" in Planen! ganz treffend schrieb: „mit der liebevollen Treue des Künstlers nachzeichnet und beschert, da der Wurf geglückt ist und dem B.wt- läuder, den, echten, ins Herz frisst". Wir begrüßen bei O. R. Keßler auf der einen Seite einen reise,, Ernst, der uns willeittos in die Tiefe seiner Gedanken zieht und das 9llltagsleben mit erschütternder Tragik an uns vorüberziehen läßt, auf der andern Seite einen köstlich sprudelnden Humor — ohne banale Effekthascherei. — ,D i e!Brücke, Monatsschrift f. Zeiiiittciprelation, Herausgeber: Karl Röttger, Brückenverlag, Gr. Lichterfelde - W. Inhalt des Juniheftes: Dr. O. zur Linde, pädag. 91-vborisnien, Rach. Paulsen: Professor Meumanu u. d. Charon: Bohnenstroh: Der Lyrikermond, Peter Wismar, Mann und Weib: M. Stroeter: Der Gruß: Kurt Grübe, Alkohol und Nikoiin, ein Lehrer: Vom Geschlechtlichen der Prügelstrafe. Kritik: über de Noras Madvimen, Röttger über „Das Buch vom großen Zorn", Bockenmühl über „Religicmsliteratur". _______ SlßMInfeabe. Er wirb Zwangs,„mich a der Brühl'jchen UniverfltätS-Buch- und Steindrucke«!, R, Lange, Gießen,