Kinderseele. Roma» vo» R c i u ti o (t> 0 r t m a it «r. (Nachdruck wib*lnt.) (3'ortfctimia 1 o. ttapitef. (5tu langgestrecktem, zweistöckiges Hau» mit steilem, hoch strebenden« Dach und einem turingeschmückten Flügelanbau, bis über die Höste des ersten Stockwerks hinaus dick>t mit Efeu überlvachseu das war das Kleiu-EIlbacher Schloß. Der rasche Blick, de» Margarete darüber hinstreiseu lassen konnte, während sie die Stufe» zu dem breite» Porial emporstieg, treckte in ihr die Borstellung eines schmucklosen und düsteren (Gebäudes Buch die graste, «veißgetünchte Diele, deren Wände mit zahllose» Hirschgeweihen und Rehkronen ge schnrückl loare», hatte für ihr Empfinden nichts Warmes und Anheimelndes. Zur Rechten führte eine breite Treppe mit reichgeschnitztem, alterSöunkieni Eichenholzgeländer in das obere Geschoß empor, zur Linken aber >vie im Hintergründe befanden sich je zivei hohe Flügeltüren, deren jede von einem ansgeslopsten Raubvogel mit «oeit gebreiteten Schloingen bekrönt nnirde. Ein junges Mädchen in lveißer Latzschürze und mit den, Dienstbotenhänbchen aus dem hübschen Blondkopse >oar ihnen ans einer dieser Türen enlgegengekonnnen. und die lleberraschnng beim Anblick des Hausherrn spiegelte sich deutlich ans ihrem Gesicht. Sie begrüßte ihn mit einem Knicks und ivnrde rot, als er ihr znrief: „Ein gelungener Ueberfall — gelt, Janni? Sehen Sie nur schnell zu, daß ick, oben alle» in Ordnung finde Bei der gnädigen Frau locroe ick, das Fräulein und mich schon selbst anmelden. - llebrigenS — werden für de» heutigen Abend Gäste erwartet?" „Nur der Herr SanitätSrat *— wie an jede« Donnerstag. Herr Baron." „Es ist gut. — Sie dürfen verschlvindeu." Er öffnete die erste Tür zur Linken und forderte Margarete durch eine einladende Handbrwegnng an», näher zu treten. „Wollen Sie, bitte, hier warten, bis ich meine Frau benachrichtigt habe. De» Koffer lasse ich gleich aus Ihr Zimmer bringen." Er folgte ihr nicht, sonder» drückte hinter ihr die Tür wieder in» Schloß. Der von de» elektrischen Lanip?» eines Kronleuchters mit hellstem Licht erfüllte Rani», in dein sich das junge Mädchen sah, war wohl der Empfangssalon de» Hauses, und Margarete fühlte sich beängstigt durch den verschwenderischen LuxuS der Ausstattung. Auch in de» vor nehmen Berliner Häusern, in die sie zu Lebzeiten ihres Vaters hie und da als Gast gekommen war, hatte sie kaum jemals ähnliches gesehen. Die koscharen Möbel iiud^eppiche, vie prunkenden Bilder an de» mit zartfarbiger weide bespannten Wauden — alles wirkte luie eine prahlerische Zurschaustellung großen Reichtums. Und alles sah zugleich so kalt und steif und unberührt aus wie i» jenen fürstlichen RepräsentatiouSräunlen. die nur dazu bestimmt scheinen, bon scheu hindurchschleicheiide» Beschauern ehrfurchtsvoll! angestaunt zu werden. ' Die junge Erzieherin ivagte nicht, sich zu setzen, »tu wohl ihr die Reisemüdigkeit schwer in den Gliedern lack und obwohl Minute aus Minute verrann, ohne daß jemand zu ihrer Begrüßung erschienen wäre. Endlich öffnete sich ihr gegenüber eine Tür, und eine dunkle Gestalt, offenbar die Schlostherri» selbst, trat übce die Scknvelle. Sicherlich hatte sich Margarete die Baronin von Bardeleben nach ihren Briese» ganz ander» vorgestellt, als sts ihr nun hier in Person gegenüberstand, sie hatte im Geiste immer das Bild einer hochgewackijenen blonde» Aristokratin vor sich gesehen, einer schönen, majestätischen Frau mit stolz erhobenem Haupte und kalten, hochmütigell Augen. Der Anblick dieser kaum mittelgroße» Erscheinung-, die in ihrer Zartheit noch so mädchenhaft wirkte, bereitete ihr dann» eine lebhafte, aber doch auch nicht u»aiigeneh»«e Ueberraschung. „Sie sind Fräulein Margarete Othmar? — Ich heiße Sie willkommen und hof.se, daß Sie sich zu Ihrer und meiner Zufriedenheit hier einlebeu werde». Bitte — looüen Sie sich nicht setzen?" Sie ließ sich in einen der Sessel nieder, stützte den Arm auf die Lehne und das Kinn in die Hand, »m mit einem kurzen Aufschlagen der schlveren Lider die Erscheinung des Ankömmlings zu mustern. Ob sie befriedigt ober enttäuscht war, dabo» >var aus ihrem Gesicht nichts zu lese». „ES ist »icktt viel," fuhr sie fort, „was ich Ihnen bet dem Antritt Ihrer Stellung zu sagen habe Ich setze voran», daß Sie den besten Wille» habe», und cüe Erfahrung hat blich gelehrt, aus vorgreifende Versicherungen keinen zu großen Wert zu legen. Den» ich mache kein Hehl daran», daß ich leider schon sehr häufig genötigt ivar, mit beu Erzieherinnen meiner Tochter zu wechseln, llnd es waren einige darunter, die au anderer Stelle geloiß recht Tüchtige» geleistet habe» würden. Das Kind, das Ihnen auvertrant werde» soll, ist eben nicht nach der gewöhnlichen päida- gogischeu Schablone zu behandeln. Dietlinde ist in ihrer ersten Jugend fast immer krank gewesen, und ihre Gesundheit ist noch jetzl überaus zart. Da sind daun wohl aus salsch angebrachter Schonuüg im Anfang mancherlei Er- ziehungssehler gemach! worden, und die Folge ist, daß das Kind scheu, cigeusinnig und hinterhältig gelvordeu ist, immer zu Trotz und Verstocktheit geneigt. Diese Fehler zu beseitigen, sei eS durch Güte, sei es durch uuuachsichtliche Strenge, muß Ihre vornehmste, ja, Ihre einzige Aufgabe sein. Sie haben unbeschränkte Bollmacht. mit dem Kinde nach Ihren« Ermessen z» verfahren, solange der von Ihnen eingeschlagsiw Weg nach meinem Ermessen der richtige ist, Rbit Meiuig- 422 feiten wünsche ich so Wenig als möglich behelligt zn werden. Dietlinde Hot nicht die Gewtchnheit, sich bei mir zn bellngen; ober tvenn es gejchälze, dürsten Sie versichert sein, daß Mögen über zu horte Behandlung bei mir lei» Gehör finden würden. Tos, Sie aus ihre Gesundheit einige Rücksickst zn nehmen hoben, ist sekbsrverstöndtich. Aber Sie brauchen «nrf, in dieser Hinsicht keineswegs gor zu ängstlich zu sein. Dos Kind Hot unter dem Einfluß schlechter Dienstboten, die ich leider nicht entfernen konn, bereits gelernt, sich krank zn stellen, lv-cnn ihm eine verdiente Strnse droht, und es wird ziveekmäßig sein, ihm die Nutzlosigkeit solcher Komödien nachdrücklich zum Bewußtsein zu bringen." Mit wachsender Bestürzung hotte Margnretc zugehört. War es lvirkstch eine Mutter, die so von ihrem siebenjährigen Kinde sprach? Und sollte sie hier zum Büttel bestellt tverdcn, statt zur liebevollen Hüterin und Pflegerin einer »och iu ihrer ersten Entfaltung begriffenen Kinderseele? Die seltsamen Worte des Barons, für die sie vorhin ^eine Deutung hatte,finden können, kamen ihr wieder in den Sinn, und forschender, als sie cs bisher gewagt hatte, richtete sie ihren.Blick auf die zierliche Fron, die in lässiger Anmut da vor ihr saß. Aber sie fand i» ihrem Aenßercn nichts, was die durch ihre Worte geweckte Vorstellung von Herzlosigkeit und Härte unterstützt hätte. Was sie sah, war nichts als das Bild einer sanften Dulderin, eines feinen, gebrechlichen Wesens, in dessen Inneren man sicherlich alles andere eher vermuten konnte als grausame Neigungen. So schalt sie sich denn in ihrem Herzen um des häßlichen Argwohns mitten, dem sie für einen Augenblick hatte Raum geben können, und erwiderte freimütig: „Ich habe das feste Vertrauen, Iran Boronin, daß es der uiinachjichti- geu Strenge nicht bedürfen wird, um Ihr Töchterchen auf den rechten Weg zu leiten. Dorf ich vielleicht bitten> mich mit dem Kinde bekannt zu machen?" „Ich werde Dietlinde später zn Ihnen hinausschicken. Mer ich warne «ic nochmals davor, sich durch gewisse scheinbare Liebenswürdigkeiten bestechen zn lassen. Wenn es Ihnen nicht gelingt, sie in ständiger Furcht zn erhalten, werden Sie schwerlich etwas bei ihr ausrichten. Und ich mache Sic ausdrücklich darauf aufmcrkfam, daß es pst der stärkstell Suchtmittel bedarf, um den starren Trotz dieses in mancher Hinsicht viel zu früh entwickelten Geschöpfes zn brechen. — Wollen Sie, bitte, klingeln! Dort neben Ihnen ist der Knopf der Leitung." Margarete gehorchte, und säst schon im nämlichen Augenblick erschien die hübsche Jose, die sie vorhin empfangen hatte. Ohne ihre bequeme Stellung zu verändern, befahl die Baronin: „Führen Sie Fräulein Othmar ans ihr Zimmer. — Sie werden ein Gemach neben dem Schlafzimmer Dietlindes bewohnen, Fräulein, und ich darf Sie wohl ersuche», während der Nacht die Verbindnngstür offen zu lassen. — Jetzt werden Sie nach der langen Eisenbahnsahrt den Wnnsch haven, Ihre Toilette instand zu setzen. In einer halben Stunde ungesähr wird man Sie zn Tisch bitten." Das war eine Verabschiedung, auf die offenbar keine weitere Aeußerung mehr gewünscht lvurde. Margarete verbeugte sich stumm und folgte dein vorausschreitendeu Mädchen über die breite Wendeltreppe in das erste Stockwerk hinauf. Hier lvar alles niedriger als unten, aber ebenso weit und geräpmig. An den gctäselte» Wänden des Treppenhauses hinge» in schlichten schwarzen .Holzrahmeli alte, stark „achgednnkelte Oelgcmälde, die Porträte würdevoll feierlich oder iheatralisch kühn dreinsstmuender Kavaliere und stark dekolletierter Damen mit unwahrscheinlich schönen Augen und Lippen. Als das Mädchen sah, daß der Blick der neuen Erzieherin darüber hinglitt, hielt sie es für nötig, erläuternd zu be- merken: „Tie Vorfahren des Herrn Barons. Aber nur die «usrangierten. Tie unten in der Bibliothek hängen, sind viel schöner. — Bitte, dies ist Ihr Zimmer, Fräulein wie war doch der werte Name?" „Ich heiße Othmar." „Ja, richtig — Fräulein Othmar. Nebenan scklläst die kleine Baronesse. Tann kommen hintereinander das Schlaf- eniach der Frau Baronin, das Antleideziinmer und die eiden Räume, pie der Herr Baron benützt, lveun er sich mal vorübergehend auf KleinEllbach aufhält. Er ist aber, fettdem ich hier im Schlosse bin, imlner nur ans ein paar Jägli dagewesen, und manchmal ist es vorgekommen, daß er während der ganzen Dauer seines Hierseins in einem der unteren Räume gewohnt hat." l Die Gesprächigkeit des Mädcbens berührte Margarets wenig angenehm, ivic ihr vorhin schon ihre koketle Art dem Baron gegenüber peinlich ansgefalten war. Sie verneinte darum die Frage nach ihren besvndereli Wünschen ziemlich kurz und atmete erleichtert ans, als sie endlich dre Tür dinier sich zuziehen durfte. TaS Zimmer lvar nur klein, aber es erinnerte sie mit feinen weißlackierten Möbeln, dem schmalen Messingbett und den duftigen Tüllgardinen vor dem Fenster an ihr srcnndtiches Mädchengemach ans vergangenen Tagen, darin ste so viele sorglos glückliche Stunden verlebt hatte. Wieder wollten sie der Schmerz und die Sehnsucht nach dem unwiederbringlich Verlorenen überkommen; aber sie nahm alle ihre Tapferkeit zusammen, um der verzweifelten Stimmung nicht zu »nterliege», und ging unverzüglich daran, sich für das Abendessen znrechtzuniachen, dem sie freilich trotz allen Hnngergesühls viel lieber ferngebtiebcn wäre. Ihr einfaches Reijekteid mußte sic allerdings anbehatten, da ja das vorausgesandte Gepäck allem Anschein nach noch nicht eingetroffen lvar; aber sie konnte sich wenigstens von dem sSkand der lairgen Fahrt befreien, tonnte einen frischst,« Kragen umlegen und ihr dickes braunes Haar, dessen Pracht der in seine Tochter arg verliebte Professor so oft dewundrrt halle, neu aufstecken. Sie halle zn nlledeni tnum mehr als eine Viertelstunde gebraucht, und sie war eben fertig geworden, als leise und schüchtern an die Tür d,es Zimmers geklopft wurde. Sie ging, um zn öffnen, und ein seltsames, unerklärliches Gefühl, ein Gefühl, mic wenn sie nach langer Einsamkeit und Verlassenheit plötzlich ans ein heißersehntes, teures Wese» gestoßen lväre, »wallte in ihrer Seele ans, als sie ein kleines, schwäch- tiges Mädchen mit gesenkten» Haupte und schlaff herab- hängenden Armen vor sich sah. „Dietlinde? 9iicf)t »wahr, du bist Dietlinde? — Tritt nur näher, Kind! Ich freue mich, daß du gekommen bist." Tie Kleine zauderte und lvandte wie fragend das dunkle Köpfchen nach rückwärts. Erst jetzt lvnrde Margarete der einfach gekleideten alten Frau ansichtig, die das Kind begleitet hatte. Es lvar eine große, starkknochige Person von niin- deslens sechzig Jahren. Das dünne, glait an die Schläfen gebürstete graue Haar ließ ihr faltiges Gesicht noch eckiger und härter erscheinen. 'Und hart, mit stark ausgeprägtem slawischen To»»fall klang auch ihre Stimme, als sie sagte: „Die Frau Baronin hat besohlen, Ihnen Dietlinde zn bringen. In einer Viertelstunde sott ich sie lvieder holen." Unfrenndttch, fast feindselig war der Ton der kurzen Mitteilung gewesen. Als Margarete erstaunt .ansblickte, sah sic in zlvei stechende graue Angen, ans denen es lote eine Drohung oder eine stamme Kriegserklärung blitzte. Aber sie hatte während ihres Alleinseins den Entschluß gefaßt, den Rat des Barons zu befolge» und sich durch! nichts beirren zn lassen. Darum antwortete sie nur mit einem »renndlichen „Es ist gut", zog die Kleine vollends ins Zimmer herein und schloß hinter ihr die Tür. In der Helligkeit des elektrischen Lichtes konnte sic das Aenßere ihres tünftige» Zöglings mit einem Blick in sich ausnehmen. Ihr Befremde» über die n„z>veide>»tigc mütterliche Ansforderung zu einer harten Behandlung dieses jungen Wesens lvnrde zu Heller Empörung, als sie die Blässe dieser schmaten Wangen fah, die Magerkeit diefer kleinen, ersichtlich iveit hinter der» natürlichen Entwicklungszustande zurückgebliebenen Gestatt. Das Kind wavacwiß nicht hübsch. So wenig es von der strotzenden Kraft aes Paters ererbt hatte, so lvenig war ihm von der eigenartigen Schönheit der Mutier zuteil geworden. Tie fest znsammengepreßlenl Lippen gaben sogar dem kleinen Gesicht einen Ausdruck verbissenen Trotzes. (Fortsetzung folgt.J wie erreiche ich ein hohes Alter? Bon Cäsar Rahn, Steglitz. So lange alle Leute uoch als Weltwunder «»gestaunt »verdcn und noch nicht alltägliches geivorden sind, schein» mir die Frage, wie man ei» hohes Aller erreiche, doch mctst genügend geklärl zn sein. Immerhin föitneit wir von diesen asten LenttN lernen, daß ein eivsaches, regelmäßiges, eisthallsames Leben, bei dem der Geist die »ölige Ruhe findet, das Fundament für ein hohes Aller ist. Wir habe» also, darüber müssen >oir uns von vornherein klar wer» 428 fcfii, riiirii (jmlfii Kampf seiner Zeit tu t, n enn du. fclilässt, sobald du »lüde bist, ivenn du arbeitest, sobald du die Kiast dazu l)ast, und die hat man immer, wen» man gelingend« schläft und wen» »inn ißt, sobald man hungrig ist »nd nicht zu viel is,t. Schau Jesus Sirach sagte 88,82): „Biel srcsjen macht lrank. Biele lzaben sich zu Tode gesresscu. Wer aber mäßig isjt, drr lebet um so tanger." Wohne in der Hellen Sonne und selzlase in der frischen Lust; aber ausgiebig, denn nur der Schlaf erhält uns! Heute ist alles müde . . . am Tage. Genieße die Natur und die Kunst, denn sie erhalten die Lebenssreudigkeit! Treibe Spie! und Sport aber mit Maß! liebe gute Hautpflege, damit die Selbstgifte, die das tägliche Leben schafft, stets wieder auSgeschiedcii werde», aber treibe auch sic mit Maß. Ueberreizc die Nerve» hierbei nicht und entziehe.dem Köit-er, wenn du älter wirst, nicht zu viel Wärme. Massiere dein Gesicht! Brrmcidc Seife im Gesicht! Klage nicht über dein Alter, über Krankheit und Gebrechen, sondern zeige und suhle dich jung und gesund, und du ivirst es »irl! mir scheinen, sondern auch sein, denn der Wille zu lebeii, «st Leben! Erfreue und eibane dich m» andern Geschlecht, denn, „die Liebe höret nich t nur nimnicr auf", sondern sie ist auch ein Lcbens- lvccher: Gib ihm von deiner Lcbensfreudigleit altes, ivaS du hast, tun deiner Lebcuslrajt nur so viel, wie ein Weiser beit Armen gibt! Brrnicide und' Möglichkeit Alkohol, Tabak tind sonstige Narcotio .1 ,d.i auch sic diese Lebenskraft abtoten und die Quelle der Tege»eration find! liebe Borsicht in der Wahl deiner Eltrrii, bnmit dein Krunlcin gesund sei und in einen gesunden Boden gc- betlet werte! Endlich aber das wichtigste, ernähre dich t i ch- t > g, denn der Erfolg geht diirch Mund und Mage», aber hüte dich vor dem Fett! Der »orpei gebraucht außer Eiweiß, Fett und Kohlchudraten vor allen Dingen die Stoffe, die in der Pflanzenasche kiithallrn sind, denn sie sind cs ja auch, aus denen sich ,i»ser Körper ausbant. Wir müssen also, ohiie »ns zum Vegetarismus zu bekennen, viel Obst »nd Gcniüsc essen, »on letzterem wenigstens ein Psnitd pro Tag, schon deshalb, um dem Körper den außerordentlich wichtigen St n I f znzuführen, den» er ist das Gerüst, in das die übrigen Bai,flösse eingebaut werden und, wie ich noch nachlveiscn werde, von außerordentlicher Bedeutung in gcinnden »nd kranken Tagen. Wir können die livbe Bedeutung des Kalkes wohl verstehen, wenn wir erwägen, daß die Pflanzcnaschc bis z» 25 Prozent, Sinvchrngsche bis z>, 90 Prozent, die Frauenmilch in 1UO Gr., Trockensubstanz 0,25 Gr. und Kuhmilch 1,5 Gr. Kalk enthalten. Ter Kall ist aber auch ein wichtiger Bestandteil des Zellkerns »nd, was besonders hervorgehobrn ivcrden muß, des Herzmuskels, aller Drüsen, namentlich, was tviedernm sehr nächtig ist, der Milchdrüsen »nd der grailk» Gchirnsubslanz. Tie Zuführung von Kalk ist daher für alle diese wichligen Organe von höchster Bedenluirg. Ter normale Mensch gcbraitcht pro Tag ellva l Gr. .Kalk, die »rncS Leben ichnfscilde Mutter ivenigftcnS kQ, auch 2 Gran»». Bei einer Mittagsiiiahlzcit, bestehend aus: 125 Gr. Fleisch, l25 Gr Kartosseln, >25 Gr. Gemüse, 50 Gr. Brot iiehnicn loir nur 0,25 Gr. Kalk zi, niiS. Mit einem ähnlichen Abendbrot iiiid Frühstück also nur 0,5 Gr. täglich. Es besteht also täglich ein Manko von Gr., bei der lunge» Mütter von l Gr. und mehr nii Kalk, das unter allen Uniständen von den nachlciligsten Wirkungen sein muß Bo» großer Bedeutung für nnser ferneres Wohlergehen ist aber die richtige Ernährung drr inngcn Mutter, den» Fehler, die ini erste» Aitsba» des Mensche» begangen iver- de», müsse» sich im ferneren Leben sehr rächen. In der richtigeit Ernährung der junge» Mutter ivird also der Grundstock für unser Lebensalter gelegt. Will sic sich aber richtig ernähren, dann muß sie täglich außer I Liter Knbmilch »och 1 Pfund Gemüse und 8 Pfund Brot zu sich nehmen. Welche junge Mutter tut das aber? Professor Roese hat außerdem noch nachgewiesen, daß in Gegenden mit kalkarmem Wasser und kalkarmem Boden Frauen mit schlechten Zähnen, mangelhaftem Brustnnisang nnb mangelhafter Milchergiebigkeit sehr bäusig siiid. Ter Großstädter lebt aber in Kallarmnt. Hier sind also die Folgen nnabiehbare. Tie iiorinale Ernährung der jungen Mutter ist aber sehr häufig durch Appetilmangel und Erbrechen nicht nur erschwert, sondern oft fast unmöglich geivordeii und damit sie und das Kind nicht dem Siechtum verfalle», gibt ihnen Hofrat Tr. v. Bokal) in den Bnlneolvaischen Blätter» den dringenden Rat. in diesem Zustande fnlk- und eisenhaltiges Mineralwasser, wie Wildnngcr^e- Iknenanelle, täglich lvenigsteiis eine Flasche zu trinke». Ei» Rat, her niw unterschrieben »perden kann. > Der Kult spielt aber auch bei Stosswechselkrankheite» aller Art »ine wichtige Rolle, wie wir hören werben. Tie Professoren Emmerich von Loew, München, die sich besonders mit dieser Materie be- saßte», haben durch Neine Kalkgabe,i und erdige Mineralwässer sehr gute Erfolge bei M ü d > g k e i t, S ch l a s l o s i g k c i t, N e r - n o s i t ä l und vielen Stoffwechselkrankheiten erzielt. Ucker die Notlvenbiqkeit des Kalkes für das Gehirn sagten sic i» der „Deutschen Revue 1912" tvörllich daS folgende: „Wie notwendig genügende Knlkznsnhr sür die graue Hiriisnbstan- ist, geht daraus hervor, daß sie lOmal mehr Kalt enthält als die weiße Hirn- substanz. Wie günstig krankhafte Nerventätigkeit manchmal durch Kalk becinslnßt werden kan», zeigen die günstigen Erfolge durch Kalkgabcn bei Tätanie (Krämpse bei Kinder«)." Einen ganz nenen Standpunkt nehmen die Genannten über die Bedeutung des Kalkei bei der Arterienverkalkung ein. Sie sagten hierüber das folgende: „Der Kalk lagert sich nur dann in den Artericuman- dunge» ab, wenn diese lange vorher schon erkrankt lv a - r c n und cs scheint, daß die Stalkabtagerung das letzte Mittel d e r N a t » r i st, die meist durch gesteigerten Blutdruck gcschädigtcir Arterien noch länger s u n k t i o » s s ä h i g zu erhalten. Man muß sogar annehnlen, daß tägliche, mäßige Kalk- z u s u h r, etwa in einem kalkhaltigen Mineralwasser, die Arterienverkalkung verhütet." Diese überaus wichtige Ansicht dürste viele» dvch überraschend kommen und uns neue Wege zur Verhütung und Behandlung dieser lveit verbreiteten Krankheit zeigen. Auch bei der Z u ck c r h a r n r u l, r heben die Genannten die hohe Bedeutung des Kalkes hervor, indem sie folgendes sagen: „Bei Diabetes kommt es insolgc vermehrter Säurchildnng auch zu K a l b» »erlüften aus Knochen und Geweben, und es ist sehr charakteristisch, daß gerade solche Mineralwässer, welche zugleich reich an doppelkohlknsaurem Nalron und an doppelkohlensailrem Kalk, wie das obengeiiannte, sind, die beste Heilwirkung bei dieser Krankheit cntlvickeln. Natron wirkt zlvar günstig aus die Säurebildung, aber Ursache derselben dürfte erst durch die Kalksalze behoben werden." Auch hier sind vielen Unglücklichen neue, hoss- niingSvolle Wege gezeigt. Ebenso ist längst erlvicsen, daß der Kalk bei der Behandlung der Tuberkulose, namentlich bei tuberkulösen K»vche»erkra»kn»gcn, bei Knochenweichc »nd Knochenbrüchen von Menschen und Tieren, bei Blasen- und Nierenleiden eine wichtige Rolle spielt. Man frage nur seinen Arzt einmal! Wenn also loirklich die in der Einleitung gegebenen erprobten Lelensregeln befolgt lvcrden, so müssen wir uns doch, um einen lvidcrständssähigcii Körper zu haben und mit ihm ein hohes Alter zu erreichen . . . richtig ernähren, ein sicheres Fundament schasscnz ans dem wir weiter bauen können. Die Ereignisse vor sOO Jahren im vewuhtsein und in der Erinnerung des Volkes. Hiervon eine „msasscnde Tarstellung zu geben, bin ich nicht in der Lage, nur einige kleine Beiträge möchte ich liefern, in der Hoffnung, daß andere Nachfolgen und so ein Späterer die sür die Volkskunde gewiß interessante und richtige Gesanttdarstellung gebe» lau». Wer kennt nicht jenes Lied ans die Schlacht von Austerlitz: Bei Austerlitz da hat'S geblitzt. Da lmbcn die Russen (Franzosen) die Ohren gespitzt, Ta haben sic sich ’cn Turm (Schanz) gebaut Bon Schweinefleisch (lauter .Kartoffel) und Sauerkraut. In Lanbach singen die Kinder dazu »och solgcnde geschmackvolle Verse: Da sin se drauf erumgctrappclt. Da is die Bri craus geschwoppelt, oder auch: Ta kante die brave Hesse Un hawen aufgefresse. Weit verbreitet, vielleicht durch ganz Deutschland, ist der Abzählreim, der neben dem „es wollt ein Schnlied ei» Pferd beschlagen" in meinem Geburtsort Treieichcnhaiii der gebräuchlichste war, den meine Frau aus ihrer Heimat, Roßla a. H., kennt und den meine Kinder hier in Laubach gelernt haben: t, 2, 8, 4, 5, 6, 7, Wo sind die Franzosen geblieben? n Rußland «Moskau) in den, tiefe» Schnee, a rufen sie: o weh! o weh! Ein Bruchstück eines ähnlichen Abzählreims hat meine Frau aus Roßla behalten: Moskau brannte ab, Tic Franzosen setzten sich in Trab, Ohne Strümps und ohne Schuh Liesen sic nach Frankreich zu. In einigen Dörfern der hiesige» Gegend spielt auch der König von Rom im Kinderlicd eine Rolle. In Lanbach bilden die Kinder einen.Kreis und singen: Der Kaiser von Rom, Napoleon sein Sohn, Der ist noch zu klein. Um Kaiser z» sei». Rück ein bihchen weiter Werd ein biwchen gescheiter, Alle Annen (Marien usw.) dreh» sich herum. 424 In Villingen stellen sich die Kinder in zwei Reihen einander gegenüber, zivci fassen sich an der öaitb und lause» zu den gegenüber Stehenden und dadei wird gesungen: Ich bin'der König van Rom, > Napoleon sein Sohn, Bin noch zu klein, König zu seien Rück ein Stückchen weiter. Dann hleib stehn, dann bleib stehn. Ebenso in Ruppertsburg, nur das; es dort heisck: Ich bin der Kaiser von Rom und: Bin noch zu klein, Kaiser zu sein In Wetterseld bilden die Kinder toie in Laubach einen Krei» und singen: Der Kaiser von Rom, Napoleons Sohn, Der war noch zu klein, Uni König zu sein. Noch ein Eckstein weiter, noch ein Eckstein »veiter, Alses dreht sich herum. Als kürzlich in der Geschichtsstuiide der hiesigen Höheren Mädchenschule vom König von Rom erzählt wurdv, sagte ein Kino: „Meine Grostunitter weist auch eilt Gedicht vom König v>,m Rom," und es konnte vvii denisclbeii gleich Bruchstücke zum besten geben, Jii den Ferien, ivo es zu der Grosiinntter. einer Bomerssrau in Unter Seibertenrod, zu Besuch ging, schrieb sich das Mino oas ganze Lied nach bcm Mund der Grostnintter ans, und di ich nicht lveisj, ob dies Lied in der Literatur bekannt ist oder vielleicht aii einigen Stellen volkstümlich verändert in, setze ich es hierher, in der Hoffnung, das, vielleicht jeniand Anskläruiig darüber aelieu fgrz». Im Garten zu Schvubrunnen Da liegt der Kaiser von Rom, Sein Blut ist ihiii geronnen. Gestockt seilt Lebensstrom, Tief, hart uub lest gebettet » In oder Einsamkeit, Vom Felsen angekettet,^ Gin toter Prometheus, > Ani fernsten Inselstrande, Da liegt Napoleon, Liegt nicht in seinem Lande, Liegt iiicht bei seinem Sohn, Liegt nicht bei seinen Kriegern, Liegt bei seineil Marschülle» nicht, , Liegt nicht bei seinen Sieger«, / Liegt iii Europa nicht | So liegt er lange Jahre, \ In öder Einsamkeit, 1 Da llopst es all die Bahre, lim Mitternächte Zeit, Es klobit und rufet leise: Mach aus, du toter Heia, Es koiiiiiit nach langer Reise Ei» Gast aus jener Welt, Es klopst zu»i zioeiten Male: Mach grosser Kaiser aus. Es Iviinni vom Erdentale Ein Bot' zu dir heraus, *, Es klopst zum dritten Male: Mach Pater aus qeschlvind, ES koiiimt in Geistesstradlen Zu dir deiii einzig Kind, Da ldeichen Erd ii»d Steine, Es tat sich auf der Sarg. Der tätige die Gebeine Des grössten Helden barg. Jetzt streckt des Kaisers Leiche Die Knochenarme aus lind zieht das Kind, das bleiche. Hinab iti's Brctterhqns, Er ziehet cs hernieder, Seh ich dich, teurer Sobu, , Setz ich dich ei>dlick> »oieder. Mein Kiiid Napoleoii, Er rückte au die Seite, Und ruckte au die Wand, f ' ' Sieh hier, das ist die Breite i Boii uieiuei» ganze» Land, klud um dieselbe Stunde ! Schliestt auch das Grab sich stho». Das >var die letzte Kunde ,-i ' ' Bo»i ftan-j Napoleon Die Grostui,itter hat das Lied von ihrem Vater, einem Land- mann in Langivasser bei Illrichstein, dieser hatte es «oieder von seinem Vater gehört und gelernt. Als mau in Ruppertsburg zur Jahrhundertfeier rüstete, «m» das Festprogramm ausstellte, erinnerte man sich an ein altes Lied, das man stückweise aus deni Mund der Alten veriwiiitne» twtte, und siehe da, es gelang, das Lied vollständig zn bekommen, Der eine ivustte iiocli diesen, der andere jenen Vers. So ivurde das Lied nach bekannler Melodie giim Schlnst der Nationalseier voi« der ganzen Bevölkerung gesungen. Es lautet: Was ist mit dir geschehen. Mit dir, Napoleon? Dein Szepter »>id die Krone Das war dein Heiligtum, Mit sechsmalhiiiiderttausend Mann Bist du nach Rnstland marschieret. Die meiste» sind crsroren, Benvundet iiiw blessieret. Von Moskau bis nach Schlesien Ta musste» mir retirieren. Da kamen die Kosaken über kreuz und quer Das war fast zum Krepiere», lind alle schrien Hurra, Hurra, lliid als die Franzose» das lchrten. Da liefen sie davoii, Ei dii, uiviit lieber Kaiser. Das hält' ich »icht^geglaubt. Ich iiäit' »ui deine Sieges»«,cht sie halbe West gebaut, lliid ich baute fest nud sicherlich Aus deine Siegcsniacht. Wie bald loarst du verirre» Gleich bei der pusten Schlacht, Das Lied das geht zu Ende. Bei Leipzig war Ju Spast. Da fni.i ein stolzer Vogel zum Pariser Tor herein. Geh nur weg, du stolzer Vogel weitt, Ju Deutschland ist noch keine Ruh, Du bist kein stolzer Vogel mehr. Du bist nur ein Kuckuck, La u ba ch, Nebel, Psar , verinischt«». Das d r a h t l v s e T e < e p !> o n n a cki stk e »> ?) o rt. Aus Lvirdoi, ivird berichtet: Nach einer Erklärun,, die der Leiter aec Mareoui -Gesellschast vor der briiischeu Doiuiiiioils Rotzal Eoni- missioii abgab, loird Mareoui aller Voraussicht nach noch vor Ab- schlnst des taiisendeii Jahres drahtlos ooii London iiach New Bork telephoniere» föimcu ,,lliid ioenn die drahtlose» Stationen, wo England und Bneii os Aires verbinden," so fügte Mr, Jsaaes hinzu, sertiggeftelli siiid, ivird Mareoui aller Voraussicht iiach aum nach Buenos Aires drahtlos televboniere» köiiiieii," Als Sir Rider Haggard jrigie, ob es oaun einem Teilnehmer des drahtlosen Fernsprechnetzes möglich sein iverde, von seiner Wohiiiing auss llberalltziii iii die Welt aii lvrechen, erklärte der Leiter der Marconi istesellschast „Ich möchte heute »och nichi so iveit gehen. Aber es loird mögt ick» sein, in London ans eine bestimmte Station zu gehe« „nv von dort ans mit New Bork zu sprechen," > * M e 11 schli di c » » oollko in in e n b e i t. Er: „Willst Du damit etwa sagen, da« ich ein vollkoiiimener Idiot wäre/' Sie: „Ach nein! , . , Niemand ist in dieser Wett vollkommen!" * Die Lebensgefahr, „Wie geht es Ihrer Frau. Mr Diiiiip/ Ich bosie, sie ist auster Gefahr," „Nein, der Doktor ist immer noch bei ihr." Skat-Ausstübe. Vorderhand spielt Grand aus lolgeude Karten: Der Cvieler hosst seine Asse n d die beiden Zehnen durch- zubriuge», ivird aber schwarz, — Wie sähe» die Karlen und mit ivnrd« gespielt? Auslösung in nächster Niiiniiier. Aiislösiiiig des SikbenrütselS in poriger Nummer: Käser — Ochsenaug« — IVieiitz — Robert — ckbarga« — Oniite — Iiigiver — Ufeitmavk; Koiiradi „ Kreutzer. «edaklion: K vteuratl». - Nolat,-„«druck und Verlag der Brühl'schen UnioeesitälS-Luch- und Steindruckerei. R. La»,«, »ietznk