Kinderseele. Roman von Rcinhold O r t m a n N. (Nachdruck verboten.) I. Kapitel. Das tcwlfe Laub raschelte unter den Husen der beiden Pferde, Sie im kurzen Galopp durch die herbstliche Park- Allee daherkamen, Tie Reiterin war ihrem Begleiter um ein gutes Stück voraus: aber das Tempo muhte ihr noch immer nick)! schnell genug sein, den» sie lieh ihre Peitsche in kurzen Zwischenräumen unbarinherzig aus die Flanke des schone», hochbeinigen Braunen niedersausen. Mit ihrer zierlichen, fast schmächtigen Gestalt, die noch kleiner erschien durch die Höhe des Tieres, hätte sie ganz das Aussehen eines jungen Mädchens gehabt, wenn nicht in dem schmalen, blassen Gesicht unter dem runden Reithntchen etwas unverkennbar Frauenhaftes gewesen wäre. ES war ein seines, ungewöhnlich schönes Gesicht, aber von jener eigentümlichen, kranken Schönheit, die man nicht ohne eine Regung des Mitleids belvundern kann. Unter dunklen, hochgeschtvnngenen Brauen lagen die Lider schwer über den fast beständig halbgrschlosseneu Augen. Bon den Nasenflügeln zu den Mundwinkeln herab zogen sich znaei scharf eingc- schnittene Linien, die nur ein langes körperliches oder seelisches Leiden dort cingczeichnet haben konnte. Ta, wo ain Ende der Allee nach rechts und links schmalere Reiiivege abziveiglen, brachte sie mit einem iKtrboiC Zügelruck, der es unwillig ausbäumen machte, ihr Pserd zum Stehen und sah sich nach dem Gefährten um. „Ter Gaul taugt wirklich nichts," ries sie ihin zu. „Nun sehe» Sic ja selbst, daß sich nichts aus ihm machen läßt." tluter fleißiger Anwendung der Sporen !var der andere endlich heraugekoinnien, und der Aerger über die Schwerfälligkeit seines Tieres stand ihm deutlich ans den, Gesicht geschrieben. ,,Bedanke ungeniein, Frau Baronin, Ihnen zu dem Kauf geraten zu haben. Der Henker weiß, welche Kniffe dieser Svitzbubc von einem Roßtäuscher angewendet habe» inag. Mein Wort darauf: bei der Vorführung ging der Gaul tadellos." Er sprach in dem etwas schnarrenden Ton, der noch hie und da bei jungen Offizieren beliebt ist, auch seiner Haltung war trotz des einfachen, grauen Reitanzuges die soldatische Gewöhnung unschwer anzusehen Aber der lange, hagere Körper des höchstens Sechsundzwanzigjährigen machte trotzdem de» Eindruck der Schlaffheit, und Vieler Eindruck wurde verstärkt durch die nervöse Müdigkeit und Abgespanntheit des magere», scharsgeschnittenen Gesichts. „Sie brauchen sich den kleinen Mißgriff nicht weiter zu Herzen zu nehmen, Herr v. Reibnitz I Wenn etwa mein Rtann an üem Pferde etivas ansznietzen l)aben sollte, so brauche» Sie chm nicht z» sage», daß der Käus aus Ihre Veranlassung erfolgt ist. Ich nehme die Verantwortung sehr gerne auf mich." „Frau Baronin sind gütig lute immer!" Die junge Frau lachte kurz aus. „Wirklich? Blu ich das? Sie pflegen sich doch sonst mit Vorliebe über das Gegenteil zu beklagen." Seine hellen Äugen richteten sich init einem forschenden Blick aus ihr Gesicht. „Ja, freilich, wenn es sich darum handelt, daß — " „Wir ivolleu zum See hinunter," fiel sie ihm in die Rede. „Sehen Sie zu, wie Sie es fertig bringen, mir nach- .zukommen." Sie war bei dem letzten Wort schon loieder um einige Pferdelängen voraus, und wenn die Entfernung zwischen ihnen diesmal auch geringer blieb, war doch an eine Unterhaltung nicht zu denken. Statt der ivohlgepflegten Parkanlagen, durch die sie bisher geritten waren, hatte sie jetzt das Halbdunkel eines unter dem grauen Novemberhiimnel düster und melancholisch wirkenden Tan»enhochwakdeS auf« genommen. Länger als eine Viertelstunde mußten sie i» raschester Gangart ihren Weg verfolgen, ehe es vor ihnen zwischen den Stämmen wieder licht ivurbe. Bleiern und regungslos schiunnerte eine weite Wasserfläche zu ihiPn Füßen auf, als sie den Waldrand gewonnen hatten Die Brauen der jungen Frau zogen sich zusammen, während sie ihren Blick darüber hinschweisen ließ. „Dieser Zackestee ist doch das trostloseste Was er, das ich kenne," sagte sie. „Etwas Einladenoes kann er höchstens für Lebens überdrüssige haben. Finden Sie das nicht auch, Herr u. Rxibuitz?" „Sie wissen, gnädige Frau, daß »nscrc Ansichten immer dieselben sind Aber wenn der abscheuliche Tümpel Sic so verstimmt, warum wolle» wir dann nicht lieber durch den Wald zurückreiten?" „Weil ich keine Lust dazu habe. Lasse» Sie uns immerhin den guten Leuten in Reinsivaldau einige» neuen Stoff znm Gerede geben, indem wir ihnen vergönnen, uns zusam- me» zu sehen." „Und wenn — wenn dies Gerede eines Tages bis zu Herrn v. Bardcleben dränge?" ■sie machte eine geringschätzige Bewegung mit den Schultern. „Fürchten Sie sich vielleicht davor, mein Herr Ritrer?" „Fürchten? — Rein! — Ich habe ja keine» glühenderen Wunsch als den, daß die Leute lvirklich einen Grund hätten zu ihrem Gerede." „Sie sind ungezogen, mein Lieber! Aus solche Art werden Sie es allerdings dahin bringen, daß ich Ihnen uiein Wohlwollen eines Tages ganz entziehe." „Und ich schwöre Ihne», Iran Baronin, daß diese»- Dag zugleich der letzte meines Lebens sein tvürde." Wieder lachte sie ihr kurzes, spöttisches Lachen, da? lveich und uwhlwoltend ntoc wie der Klang ihrer schönen, nur etwas müden Stimme. „Sie sind in Ihrer Feierlich» 410 feit so drollig, Herr ». Reibüitz, daß man Ihnen nicht auf die Dauer böse sein kann. — Aber was für eine Menschenansammlung ist denn das dort bei dem Fischerhaus? Vielleicht ist ein Unglück geschehen. Fragen Sie doch den Burschen, der uns da entgegenkommt." Gehorsam lenkte Neibnitz sein Pferd zur Seite, um den jungen Menschen anzuhalten. „Was gibt's da unten?" fragte er. „Ist jemand ins Wasser gefallen?" Der Gefragte rückte a» seiner Mütze und verzog den Mund zu einem breiten Grinsen. „Hineingesallen wohl nicht Aber hineingesprungen — das könnt' schon stimmen. Die Kreidels Regine haben sie eben gus'm See gezogen —" Das Pferd des Herrn v. Reibuitz hatte einen Seiten- lprung gemacht, wie wenn die Faust des Reiters heftig in die Zugel gegriffen hätte. Die Baronin v. Bardeleben aber, die jetzt ebenfalls näher gekommen war, fragte: „Wen haben sie herausgezogen? Die Regine Kreidel — die Tochter des Werkmeisters aus der Weberei?" „Jawohl, Frau Baronin — dieselb-ige. Es war noch ein Glück, daß der Kuhnerts Karl sie hatte 'reinspringen sehen." „Das Mädchen ist also nicht tot?" „Ganz tot wohl nicht. Sie haben sie ins Fischerhaus gebracht Und den Sanitätsrat geholt. Der meint, er bringt sie schon wieder zurecht." Frau v. Bardeleben sah zu ihrem Begleiter hinüber, der schlaff im Sattel saß und wie geistesabwesend vor sich hin starrte. > „Es ist gut — ich danke Ihnen," fertigte sie de» Bur- S en ab und riß ihr Pferd herum, um den begonnenen eg fortzusetzen. Da aber war Reibuitz sofort wieder an ihrer Seite. „Nicht in dieser Richtung — ich beschwöre Sie, gnädige Frau! Ich — ich kann jetzt nicht dort vorbei." Mit einem finsteren Blick streifte sie über seine zusam- menaesunkene Gestalt dahin. Dann, ohne ein Wort zu sprechen, machte sie kehrt, und er ritt in kurzem ?lbstauoe hinterdrein. Während sie durch den Wald zurücktrabten, kümmerte sich die junge Frau um ihren Begleiter so wenig, als hätte sie sein Dasein völlig vergessen. Aber als sie dann eine kleine Strecke der langen Parkallee znrückgelegt hatten, machte sie Halt. Ein Mensch in der Kleidung eines Gärtnergehilfen war aus einem der Seitenwege hervorgetreten und beim Anblick der Gutsherrin respektvoll grüßend stehen geblieben. Ihn rief sie in kurzem Befehlston heran. „Getrauen Sie sich, die Pferde bis an die Stallung zu führen, Weigelt?" „Zu Befehl, Frau Baronin!" ^ * „Gut! So tun Sie's! —, Wollen Sie mir, bitte, behilflich sein, Herr v. Reibnih?" Der Angeredete war schon aus dem Sattel, uin die i ierliche Gestalt vom Pferde zu heben. Er sah noch immer ähl und verstört aus, und er wagte nicht, die Augen zu >em Gesicht der junge» Frau zu erheben. Als sie, ihr Reitkleid aufrafsend, dem Seitenwege zuschritt, blieb er zaudernd stehen, wie wenn es ihtn an Mut gebräche, sie weiter zu begleiten. Da drehte sie gebieterisch den Kopf. „Kommen Sie! Ich wünsche mit Ihnen zu sprechen." In kurzer Entfernung von der .Hauptallee stand ein kleiner, geschlossener Pavillon. Bis sie ihn erreicht hatte, blieb die Baronin stumm. Sobald sie aber den mit einigen Bambusmöbeln ausgestatteten Jnnenraum des leichten Bauwerks betraten, warf, sie ihre Reitgerte auf de» Tisch und wandte sich mit hartem Gesichtsausdruck zu dem an der Tür stehen gebliebenen Begleiter. „Nun, Herr von Reibnitz, haben Sie mir nichts zu sagen?" i „Frau Baronin — ich — ich bin nicht wert, daß — daß Sie —" „Es ist also richtig! Das Mädchen ist Ihretwegen ins Wasser gegangen! Ah, wie schmachvoll das ist — wie unwürdig und erbärmlich!" Sie batte sich in einem der zierlichen Sessel niedergelassen und die Arme unter der Brust verschränkt. Ta stürzte Reibnitz plötzlich auf sie zu und kniete neben ihr nieder „Berdanimen Sie mich nicht, ohne mich gehört zu haben," flehte er. „Ich ivill nicht versuchen, mich zu rechtfertigen. ?lber im Grunde fällt alle Schuld doch nur auf Sie selbst." „Aus inich? Sind Sie von Sinne»? — Mer stehen Sie gesälligst zuerst einmal auf!" „Ja, — auf Sie!" sagte er, sich erhebend. „Sie wissen, wie es um mich bestellt ist. Sie sehen, daß ich mich jn wahnsinniger Leidenschaft verzehre — und Sie gewähren mir keine Hoffnung —. nichts! Können Sie nicht verstehen, daß ein Verzweifelter endlich dahin gelangt, nach einer Ablenkung zu suchen, die ihn wenigstens aus Stunden seine Qualen vergessen machen soll? Und die Geschichte mit diesem dummen Mädel war so harmlos, so kindisch, so —" „So harmlos und so kindisch, daß das arme Ding um dieser Geschichte willen in den Tod gehe» wollte! Uebrigens glaube ich doch gehört zu haben, die Regine sei verlobt'?" „Das ist's ja gerade. Weil sie in einigen Monaten Hochzeit machen sollte, hielt ich es ftir ganz selbstverständlich, daß auch sie der albernen Liebelei weiter keine Bedeutung beimessen würde. Und ich schwöre Ihnen, daß es nur ein Scherz gewesen ist, so unschuldig, daß ich niich dessen früher geradezu geschämt hätte." „Ihre Moralbegrisfe sind bewundernswürdig. Also nur, weil Sie einen flüchtigen Zeitvertreib haben wollten, haben Sie das Mädchen unglücklich gernacht?" „Unglücklich? — Ich. bitte Sie, Frau Irma, warum denn unglücklich? Es ist ihr ja gar nichts geschehen. Aus dem! Kriegerfest, das vor vierzehn Tagen in Reinswaldäu nb- gehalten wurde, hatte ich sie kennen gelernt und hatte drei- oder viermal mit ihr getanzt. Kann ich dafür, daß sie in ihrer Einfalt meine kleine Artigkeiten sofort wie Liebeserklärungen aufnahm, und daß sie mich durch ihr Benehmen geradezu herausforderte, de» Spaß sortzusetzen? Gleich in der ersten Stunde gestand, sie mir, daß sie ftir den Buchhalter aus dem Webereikontor, mit dem sie verlobt sei, gar keine richtige Liebe empfände, und daß sie eujentlich nup eingewilligt habe, um ihrem Vater eine Freude z» machen. Na, da bin ich dann eben auf die dumme Geschichte eingegangen, ohne mir Schlimmes dabei zu denken. Das ganze Verhältnis beschränkte sich auf ein paar abendliche Zusammenkünfte unter freiem Himmel." „Und Sie haben ihr wirklich nichts in den Kopf gesetzt?" „Absolut nichts. Als ich vorgestern abend zu dein Stelldichein ging, war es bei mir schon so gut lvie beschlossen, daß es das letzte Mail sein sollte. Aber die kleine Gans! hatte nicht verstanden, ihr Abenteuer mit der nötigen Vorsicht zu behandeln. Ihr Verlobter, der augenscheinlich ein ganz überspannter Patron ist, hatte irgendwie Verdacht geschöpft und war ihr nachgeschlichen. Als sie eben auf inich zutrat, stürzte er aus dem Gebüsch hervor, und er würde mir unfehlbar zu Leibe gegangen sein, wenn ich ihm nicht meinen Revolver unter die Nase gehalten hätte. Da hielt er es dann allerdings für geraten, sich zurückzuziehen, und das Mädel war schon vorher davongelaufen. Ich sah die Geschichte damit als ftir mich erledigt an und lvar nicht wenig erstaunt, als gestern abend der alte Kreidel bei mir erschien und nicht mehr und nicht weniger von mir verlangte, als daß ich seine Tochter auf dem Fleck heiraten! sollte, nachdem der rabiate Buchhalter die Verlobung gelöst hatte und auch gleich ohne Kündigung auf und davon gegangen war. Was ich dem braven Man» geantwortet habe, können Sie sich wohl denken. Und das ist von A bis Z die ganze Geschichte. Ich bin niir dabei keiner anderen Schuld bewußt als einer Schuld gegen Sie, Frau Irma. Und so wahr ich Botho v. Reibuitz heiße, ich bin bereit, mir eine Kugel vor den Kopf zu schießen, wenn Sie es nicht über sich gewinnen können, .mir zu verzeihen." „Daß Sie niit derartigen Drohungen keinen Eindruck ans niich machen, sollten Sie nachgerade wissen." „Sie verzeihe» mir aber — nicht wahr, Sie verzeihen mir? Ich müßte ja verrückt werden, wenn Sie es nicht täten." „Was kann Ihnen an meiner Verzeihung gelegen sei»? Ich bi» es doch nicht, gegen die Sie sich versündigt haben." „Ja, Sie sind es — Sie allein! Und wenn Tie es ftir möglich halten, daß meine Leidenschaft ftir Sie —" „Bitte — sprechen wir nicht davon! Ich kann Ihnen diese sogenannte Leidenschast nicht verbieten, aber ich tverde nicht länger wilden, daß Sie ihr Ausdruck geben. Vergessen Sie den» ganz, daß ich schon längst gebtcuden bin?" „Mh!" machte er mit einer ivcgwerfenden Gebärde. „An wen denn? An diesen brutalen Mensche», der in «11 Berlin seinen Vergnügungen nachgeht und sich nicht im geringsten um sie rnmmert!" „Uitd woher wissen Sie, daß das nicht meinen Min-- scheu entspricht?" „stArtürlich weiß ich, daß es Ihnen so am liebsten ist. Und seitdem ich das weiß, gibt es für mich auch keinen Klveifcl mehr, wie ich Ihre Ehe zu beurteilen habe. Oder wollen Sie vielleicht leugnen, daß sie tief unglücklich ist? Wolle» Sie mich glauben niachen, daß Sie mit Ihrem Lose zufrieden sind? Ich hoffe sicher darauf, daß Sie bald an «ine Scheidung denken iverden, und dann —" „Ich wüßte nicht, wie ich dazu käme, Ihnen gegenüber etwas zu leugnen oder zuzugeben. Derartige Fragen an mich zu richten, haben Sie nicht das geringste Recht." (Fortsetzung felgt.) Der Blinde am Meer. Roman von Karl Böttcher-Chemnitz. mll ihm helfen, zu gefunden." „Der arme Rene," sagte traurig Mutter Bahlsen. Drinnen im Wohnzimmer aber saß Rene neben dem Ofen, in dem es lustig prasselte. Und Seede rief Arda, sie solle zu essen bringen und auch einen Trunk. Und nun saßen die drei Menschen unter traulichem Lampen- schein, Seede gesprächig und fast lustig, Arda mit niedergeschlagenen Augen und still und stnmni, und Rene mit einem Antlitz voll Killen Glücks, wie es wohl einer trägt, der sich nach langer Unrast sicher und geborgen fühlt. Und Seede erzählte vom Strande und vom Meer, und er erzählte von seiner Tätigkeit, wie er als Autodidakt selbst seine Methode erfunden, wie er sich seine Zöglinge vorstell« und wie er sie alle liebte, trotzdenr er keines gesehen. „Und schau, lieber Freund, das habe ich als blinder Lehrer zweifellos vor meinen sehenden Kollegen voraus: Ich loerde stets ein gerechter Lehrer sein. Denn es ist doch allzu menschlich und begreiflich, daß das Aeußere eines Kindes, sei es nun durch ein hübsches Gesicht oder durch saubere und gute Kleidung, stets einen Lehrer, und selbst den gerechtesten, beemflussen wird. Ich aber kann die Kinder nur nach meinem Gefühl beurteilen, tnd bet Beurteilung der Unmündigen sollte stets das Gefühl >le erste Stimme habe». Wollten alle Lehrer erst daS ttzetulst md die Erinnerung ihrer eigenen Kindheit sprechen lassen, und xnm erst den wägenden Beistand, dann würde es weit ivemgeo Bebauten unter den Schulmeistern geben. Du staunst. Rene, wie Ich wagen kann, als Praktiker von kaum einem halben Jahr- Iber Erziehung und LehrtätigkAt »» urteilen. Doch sieh, auch Lese» Urteil entspringt nur dem Gefühl. Und ich habe auch mein« Lehrmeister gehabt, nickt große Pädagogen, sondern meine eigenen scküler sind meine I'ebrmcister Don ihnen lerne ich täglich und ff, jeder Stunde, ihr Verstummen sagt mir, daß ich etwas falfcfj gemacht, ihr freudiges Singeben, das Einsitzen ihre» besten Kömien» sagt mir: so ist es richtig. Und was mir das AUctztlgste :rschelnt, das lernen meine Kinder: sie lernen reden. Wa, nutzt 412 den Menschen eilte Menge toter, auswendig gelernter Formelkram, der über kurz oder lang wieder vergessen ist, was nützt ihnen ein Schema? Sie müssen reden lernen, erzählen, sich ansdrücken, etwas zu berichten verstehen. Ihre Phantasie mutz aus- aebildet werden und dadurch ihr Innenleben, dann werden es Menschen, die in der Welt bestehen können. Verzeihe meine lange Rede, Du wirst ja morgen selbst sehen, was meine Schüler können," Und während Seede begeistert sprach, sah Rene, wie Ardas Augen voll freudigen Stolzes auf Seede ruhten, er sah, wie ihr« Verlegenheit, die sie fast den ganzen Abend gezeigt, verschwunden tvar. Er fühlte, wie sie ihin dann bestimmt ünd voll Ruhe die Hand zum Gutenachtkuß reichte, und er sah, wie sie ihm voll und ruhig in die Augen schaute, und er ivutzte, datz der Kampf in einem Menschenherzen in Kürze entschieden werden kann, wenn das Herz grob Und stark ist. Und als er in seiner Kammer stand uich drailtzen die Brandung des Meeres herüber klang, ivurde ihm klar, datz er hier nichts mehr zu fucheil habe. lSchlutz folgt.) Lin seltsamer Zinn bei den pflanzen. Der amerikanische Naturforscher S. Leonard Bastin veröffentlicht in, Scientific America» die Ergebnisse von einer Reihe sesseln- der Beobachtungen und Versuche, die neue Beweise bringen für die seltsame Fähigkeit der Pflanzen, ohne Augen, ohne Geruchs- und ohne Gehürsorgane die Anwesenheit bestimmter Gegenstände wahr- zunehmeu oder zu fühlen und ihr Verhalten danach einzurichten. Es handelt sich gleichsam um eine Fähigkeit des Fernfühlens bei den Pflanzen, um die Fähigkeit, Gegenstände zu spüren, mit denen sie nicht in unmittelbare Berührung gekommen sind. Es ist srfemnt, daß der Sonnentau Fliegen sängt,' die Blätter dieser Pflanze sind mit sehr empfindlichen Fangarmen ausgerüstet, die die Beute umschlingen. „Allein das Laub des Sonnentaus", so führt Bastin aus, „zeigt noch ein anderes überraschendes Merkmal. Wenn man in einer Entfernung von einem halben ZoU vor jedem Blatte eine Fliege befestigt, wird man Zeuge eines seltsamen Vorganges. Nach kurzem sieht man, datz die Blätter sich ivahrnehmbar der Beute zugeneigt haben: bald haben die Fangarme die unglückliche Fliege erreicht und beginnen das Opfer zu umschlingen. Mit jedem Augenblick wird das Schicksal der Fliege gewisser, ein paar niüde Zuckungen noch, und sie ist tot." Hier liegt also der Fall vor, daß die Pflanze nicht eine Beute festhält, die zufällig in ihr Bereich gekommen ist, sondern sie nähert sich ihreni Opfer, verfolgt es und packt es, sie geht regelrecht aus die Jagd. „Manche Pflanzen sind höchst skrupellos: außerstande, sich selbst zu ernähren, machen sie Jagd aus ihre schwer arbeitenden Genossen. Das tut beispiels- Iveise die Flachsseide, eine der schlinimsten Parasiten, die, von den ersten Wochen ihres Daseins abgesehen, nieder Wurzel »och Blätter hat und sich als Blutsauger von anderen Pflanzen ernährt. Die Flachsseide keimt im Boden und strebt in einem seltsamen fadenartigen Wachstum empor. Nun kommt für die junge Flachsseide alles darauf an, beizeiten eine geeignete Gastpslanze zu packen, sagen wir eine Kleepslanze. Nichts ist nrerkwürdiger zu beobachten, als die Weise, in der das fadenartige Gewächs im Grase und über das Gras hinwächst, auf der Suche nach einem Opfer. Kommt die Flachsseidc dabei in die Nähe einer Kleepslanze, dann wächst sie plötzlich mit gesteigerter Schnelligkeit weiter, bis sie das Opfer erreicht hat. Nun vermehren sich die Fäden tausendfach und erzeugen unzählige Sauger, die der Kleepslanze den Lebenssaft entziehen." Als einen weiteren Beweis für die Fähigkeit des Fern- sühleus teilt der Forscher eine Beobachtung mit einer Erbse mit. Neben der jungen Pslanze wurde in einer Entsernuug von fünf Zentimetern ein Stock befestigt. Binnen weniger Stunden geschah etwas lleberraschendes. Die junge Ranke, die bisher zwischen zwei Blättern emporsprotz, nahm eine wagerechte Haltung an. Das wäre an sich nur eine bekannte Wachstumerscheinung: aber die Ranke nahm geradenwegs die Richtung auf den Stock. Schließlich lehnte sich der ganze obere Teil der Pflanze zu dem Stock hinüber, indes die Ranke sich emsig festzuklammern begann. „Man kann sich schwer der Vorstellung erwehren, daß die Ranke, wenn das Wort gestattet ist, wußte, daß die Stütze in erreichbarer Nähe war." Ein anderes Beispiel: Auf einem Eisendach, das an einer Stelle durch Rost schadhaft geworden ist, siedelt sich ein Kaktus an. Er strebt dem von dem Rost gesressenen Loche zu. In dem Augenblick, da es erreicht ist, beginnt eine erstaunlich starke Wurzelentwicklung: und die Wurzelfasern werden drei Meter tief durch die Luft in grader Richtung zum Boden hinabgeschickt. Scho» vor Jahren beobachtete Dr. Carpeuter eine» ähnlichen Fall: in einer Aushöhlung aus der Krone einer alten tvelkenden Eiche kommt der zufällig dorthin verschlagene Same» eines Elfe- beerbalimes zur Entfaltung. Er wächst eine Weile, findet anscheinend im Moder Nahrung, aber sie reicht nicht aus. Nun beginnt der Elsebeerbaum von dem Gipfel der Eiche Wurzeln hinabzusenden, und zwar durch den hohlen Eichstamm. Die Wurzeln werden so stark, daß sie tvie ein Bündel junger Stämme erscheinen. Allein in der Richtung, in der sie dem Boden zustreben, liegt ein großer Stein von etwa 1 Fuß Durchmesser. Hätten die Wurzeln ihr Wachstum in der bisherigen Richtung fortgesetzt, so wären sie auf den Stein gestoßen. Allein etwa einen halben Meter oberhalb des Steines spalten sich die Wurzeln: eine Wurzelfaser weicht nach rechts, die andere nach links aus, gabelförmig streben sie über den Stein, ohne ihn zu berühren, zur Erde und dringen hier in de» nahrhaften Boden . . . _ vermischte». * D i e Dualität und ihre Gefahre». Ei» eigentümlicher Fast von doppelter Persönlichkeit oder Dualität hat eben di« eiiglische» Gerichte beschä'tigt. Ein Oberst war angeklagt, verleumderische Briese über eimfunges Mädchen an sie und ihre Bekannten geschrieben z» baden. Eine große Sensation erregte es, als die Klagxst'ihrenden plötzlich »m Einstellung des Versahrens baten, da es sich heransgestelll hatte, daß das jnnqe Mädchen selbst die Urheberin dieser Briese war. Dieser seltsame Fall, in dem ein Mensch zwei Persönlichkeiten besitzt, die augenscheinlich voneinander unabhängig sind, ja sogar sich gegenseitig veradschenen, ist schon mehr als einmal von Aerzten beobachlet worden. Der amerikanische Psychologe Dr. Morton Prince beschreibt einen Fast, in dem er durch sorgfältig« Beobachtimgen, mit Hille von Hypnotismus, nicht weniger als fünf verschiedene Persönlichkeiten scflstestlen. All diese hatten wenig Verständnis oder Sympathie füreinander, obgleich sie denselben Körner bewohnteil. Eine Miß Beanchamp, die >m!er Dr. Princes Beobachtung kam, Halle eine zweite Persönlichkeit, die sich Sally nannte. Sie zeigte eine heftige Abneigung gegen das normale Individuum und tat alles, um es zu kränken Einmal, als sie gerade .Sally' war, ging die unglückliche Blitz Bea»- chainp hin und sainmelte Insekten, Schlangen und Würmer, lat sie >» eine Schachtel und schickte ste an Blitz Beauchamp. Als sie wieder zn sich ld. h. ihrer eigene» Periönlichkeilj kam, verlor sie fast de» Verstand vor Enlsetze» über den Inhalt der Schachtel. Doch hatte .Sally" ohne Granen die Kriechtiere angesaßt, die Miß Beanchamp so verabschenie. Dieser Fast mit seinen Kränkungen durch die Post ist de,» oben angeführten nicht unähnlich. Zuweile» bringt ei» grober körperlicher oder geistiger Schrecken diele beiden Halsten z» einer konstauleu Persönlichkeit zusamme», doch stützt sich der Nervenarzt meistens ans Suggestion. HypnotiSnnis ist nicht olt von Erfolg, dg gerade diese an Berivtrrnng der Persönlichkeit leidendeil Patienten sich nt ist leicht hypnotisch beeinflußen lasse». Die Frau soll mehr daran leide» als der Man». Elue der iii- teressautesteu literarischen Studie» auk diele \n Gebiete ist des berühmten englischen Schriststellers Stevenson Novelle: Dr. Jekyll and Mr. Hyde. _ vilchertisch. — Griebens Reiseführer. Band 170: „Die Lüneburger Heide". Mit 3 Karten. (Mk. l.—.) Verlag von Albert Goldschniidt, Berlin W. 36. Die Lüneburger Heide, die noch bis vor kurzem von der Touristenwelt recht stiesniütterlich behandelt wurde, konnnt neuerdings als Reisegebiet immer inehr in Betracht, und der soeben erschienene Griebeniche Reiseführer „Die Lüneburger Heide" dürfte sicher vielen sehr willkommen sein. Man firtbet in dem kleinen handlichen Buch eine Fülle von Leidetouren. Um die Uebersichtlichkeit nicht zu er'chwere», bat sich der Autor bei aller Ausführlichkeit doch auf eine knappe Darstellung beschränkt, wodurch eine praktische, äußerst leichte Orientierung möglich ist. Ganz besondere Berücksichtigung fand die 1913 eröfsncte Bahnlinie „Lüneburg—Soltau", die dem Besucher der Heide so interessante neue Touristengebiete erschloß. Alle neniieiisivertei, Ortschaften — die alte Heidestadt Lüneburg nit der Spitze — sind eingehend behandelt. Das Kapitel „Reise- pläne" ivird demjenigen, der zum erstenmal das Land der Erika betritt, besonders angenehm sein, ebenso die Notizen über Geologisches, Berkehrsverhältnisse, Bevölkerung, Geschichtlickles nst». Ein gutes Kartenniaterial ist dem Führer beigegeben und erhöht seine Brauchbarkeit, _ Magischer Dreieck. 1 3» die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstabe» a a, b, c e, g g g, i i, r, a s s « derart einzutrage», daß die einanber entsprechende» wagerechte» und senkrechte» Reihest'gleichlautend solgeudes bedeiileu: I. Eine,! Bildhauer. 2, Griechische Götti». 3. Ein Fahrzeug. 4. Allrömilche Münze 5. Eiiie» Buchstabe». Auslösung in nächster Nummer. Auslösung des Zilateurätsels in voriger Nummer: Nichts halb zii t»n ist edler Geister Alt Redaktion: ld Neurath. — Rotationsdruck und Vertag der Brühl'Ichen llniverstläts-Bnch- und Stelndruckeret, R. Lange, Diestern