SÜLiBÜ Samstag, oeit 4. Jul? Wriber-Kegiment. Roman von OSkar Klaußmann. (Nachdruck verboten.) (Schluß.) Die Beamten kamen herein, und Geheimrat Kersten schleppte sich mühsam bis auf die Estrade, um sich hier am Tische niederzulassen. Es mußten unter allen Umständen die nötigen Befehle -Wgeben werden, um das Bergwerk möglichst rasch wieder betriebsfähig zu machen. Schon die Nachtschicht mußte mit den Aufräumungsarbeiten beginnen. Mußte die festeren Teile des Fließes herauszuschaffen suchen, damit der Querschlag bald wieder benutzt werden konnte. Dann mußten die Aufzeichnungen betreffs der Arbeiter, die beim Rettungswerke geholfen hatten, und der Nachtschichter gemacht werden, und Kersten erklärte Dora: „Du mußt fort. Wir brauchen das Zechenhaus, das Aufschreiben muß stattfinden." Graf Klinter kam herein, und auf den Wunsch Kerstens führte er Dora hinaus. Willenlos und stumm folgte sie ihm. „Ich null nach dem Knappschastslazarett," sagte Dora, »,und niich nach dem Befinden der Kranken erkundigen/' ,/Jch begleite Sie," erklärte Graf Klinter, „wenn Sie gestatten; ich will sehen, ivas aus den Bewußtlosen wird." Die Menge draußen fing an, sich zu verlaufen. Das Zechenhaus füllte sich mit Arbeitern, die vom Rettungsmerke kamen oder die bereit lvaren, zur Nachtschicht einzufahren. Die Sanitätskolonne räumte die Betten aus dem Zechen- hause und brach draußen ihre Zelte ab. Das Auto mußte sehr langsam fahren, denn die ganze Chaussee >var voll Menschen. Auch die Straßen in Dorotheenhof waren von Menschenmassen blockiert, und überall sah man Gerettete, umgeben von Gruppen von Verwandten und Freunden, die die dem Tode Entronnenen nach Hause geleiteten Das Knappschastslazarett, ein Komplex von stattlichen Gebäulichkeiten, eine Krankenheilanstalt, wie sie kaum eine Großstadt aufzmveisen hat, lag draußen inmitten eines Parkes. Jenseits Dorotheenhof konnte der Wagen schneller ^hren, und es war neuneinhalb Uhr abends, als Dora und Graf Klinter vor deni Portal des Vernxiltuugsgebäudes hielten. Der Portier wollte Schwierigkeiten machen und behauptete, er dürfe niemand einlassen. Er entschloß sich aber doch, den wachhabenden Offizier herbeizuholen, und dieser meldete die Anwesenheit Doras und des Grafen Klinter deni Chefarzt, der den Eintritt gestattete und selbst kam, um die Besucher zu empfangen. „Es geht den Kranken besser, sie sind sänitlich zuni Bewußtsein gekommen, aber noch schwach und etwas verwirrt. Fn wenigen Tagen aber iverden sie genesen sein. Schlimme «kolgen aber werden bei keinem Zurückbleiben." Der Chefarzt geleitete Dora und den Grafen Klinter über mehrere Höfe bis zu dem Pavillon, in dem die Mauken lagen. Die Stationsschwester meldete, daß der Bergrat Spal» ding lebhaft nach dem Grafen Klinter verlangt habe. Der Chefarzt ging selbst zu dem Kranken und kam nach einiger Zeit zurück. „Gehen Sie nur hinein, Herr Graf," sagte er, ,mnd beruhigen Sie ihn. Sie wissen besser Bescheid über die Rettuna als ich. Der Patient Ivill hören, >vie es int Bergwerk steht. Als dann Graf Klinter an das Bett des Freundes trat, waren die Augen Werners schon wieder hell, und mit einem matten Lächeln reichte er dem Freunde die Hand. „Nun verdanke ich Ihnen mein Leben!" ries Werner. „Wie steht es um die Eingeschlossenen?" „Alles gerettet, alles in Ordnung, niemand zu Schaden gekommen Sie und ihre fünf Begleiter werden in wenigen Tagen gesund sein." „Es ging dicht am Tode vorbei", berichtete Werner; „es müssen aus dem Brandfelde Gase heraus gedrungen sein. Durch den Einbruch des Fließes muß irgendeine mtifi mf Gebirge sich geöffnet haben, aus der die Gase hervorkamen. Wie sind Sie zu uns gekommen?" Graf Klinter mußte mit kurzen Worten erklären. wie er dos Rettungswerk vollbracht. Dann weigerte er sich aber tpeit^r zu sprechen und erklärte: „Sie dürfen sich nicht aufregen. Ich muß auch hinaus. Fräulein Buchwald wartet draußen. Sie kam. um sich irach Ihrem Befinden zu erkundigen." „Sie ist gekommen", sagte Werner lächelnd; „danken Sie ihr vieltausendmal von mir. Sie ist gekommen!" Graf Klinter eilte hinaus und fand Dora im Wartezimmer allein. Mit Erstaunen hatte Werner das plötzliche Verschwinden des Freundes bemerkt. Nach kurzer Zeit aber ging die Tür wieder auf, und in den matt erleuchteten Raum trat eine Person. Werner hörte das Rauschen eines Kleides. ,Mer ist da?" fragte er matt. „Ich bin es, Dora Buchwald", flüsterte eine Stimme neben seinem Bett. „Dora!" ries Werner mit glückseligem Lächeln. Eine weinende Frauengestalt kniete an seinem Bette nieder. Mühsam hob Werner den schmerzenden Kopf und blickte in die tränenverschleierten, leuchtenden Augen Doras. ,1Dora, geliebte Dora!" sagte langsain und feierlich Werner und legte seinen Arm um den Hals Doras Sie bedeckte sein Gesicht mit Küssen und Tränen, bis Graf Klinter erschien und sie mahnte, den Kranken allein zu lassen. 15. Kapitel. Die weiteste Umgebung von Dasburg bis hinunter nach Neuenburg ist in Aufregung, und Tausende von Menschen. 406 Neugierige, die elivns sehen wollen, was selten genug ist, sind auf den Beinein Es ist der .Hochzeitstag Dora BuchwaldS mit Bergrat Werner Spnlding. Für die Buchivaldschen Werke ist heute Feiertag; nur die unumgänglich nötigsten, für die Erhaltung der Werke erforderlichen Arbeiten werden verrichtet; sonst ist alles nur Festesglanz, Festesschmnek und Festesfreude. In Dasburg hat am Vormittag die kirchliche Feier stattgefunden, bei welcher die Tausende von Arbeitern paradierten. Jetzt, in den frühesten Nachmittagsstnnden, findet in Saarkirchen das Hochzeitsdiner im engen Kreise statt. Im festlich geschmückten Speisesaal des alten Herrensitzes sind um den Tisch mit dein Brautpaar vereinigt alle Haupw Personen: der alte Geheimrat Kersten, neben ihm der genesene Sohn Lothar mit seiner Gattin Barbara Kersten. und als nächstwichtiges Paar der Held Gras Klinter mit seiner Braut, der kleinen Gräfin Rother. Ja, er ist ein Held, der gute Graf Klinter, wie er sich das so lebhaft gewünscht hat, .und fver es nicht glauben, will, der betrachte die Rettnngsinedaille ans seiner Brust, diese eiiifache Medaille, die doch eine so ehrenvolle Auszeichnung ist, weil sic besagt, daß der Inhaber mit eigener Lebensgefahr gerettet hat. Die kleine Gräfin Rother blickt mit Stolz aus ihre» Bräutigam und aus seine Auszeichnung. Sie erinnert sich vielleicht daran, daß Fürst Bismarck auf keine seiner zahllosen Ordensdekorationen so stolz war wie ans die Rettungsmedaille, die er sich einst dadurch erworben, daß er als junger Offizier seinen Reitknecht vom Tode des Ertrinkens gerettet. Auch Tante Sck>ottclius ist anwesend. Man mußte ihr aus vernm»dtschastlick)en Rücksichten eine Einladung zur Hochzeit schicken, und sie ist devsebtwn nachgekommen. Sie hat gleich nachdem das Brautpaar aus der Kirche kani, Werner mit herzlichen Worten Glück gewünscht und ihm gesagt: „Ich wußte, daß Sie Dora heiratcij würden, als Sie in daS Haus kamen, und ich habe schon in den ersten Tagen zu Dora gesagt: Den nimm, ivenn er dich haben will; mit keinem wirst du so glücklich werden wie mit diesem Manne." Werner schüttelte ihr gerührt die Hand. Dora hatte cs bisher nicht für nötig befunden, ihn über die Intrigen zu unterrichten, welche die boshafte Frau gegen ihn gesponnen batte. Tante Schottelius hatte, als sie das Haus Doras verließ, einen Augenblick daran gedacht, de» Bergrat bei den Behörden wegen seines Duells anzuzeigen; aber sie überlegte dann, daß sie das wahrscheinlich die Pension kosten würde, die ihr Dora zahlte, und deshalb unterließ sie es. Aber die Freuden der Hochzeit kostete sie vollständig aus, und sie tat, als ob zivischen ihr und Dora nie etwas vorgefallen wäre. Nachmittags, bevor es dunkel wurde, kam ein langer Festzug von Kindern mit Lehrern und Lehrerinnen, um dem Brautpaar Glück zu wünschen. Gegen Abend erschien der gesamte Musikverein, brachte eine Serenade, und die Mitglieder blieben dann als Gäste in Saarkirchen, wo sic sich an kalten Büfetts gütlich taten. Als es aber dunkel war, begann eine wahre Kanonade von Böllerschüssen. Bon der Theresien-Hütte her beleuchteten Scheinwerfer die ganze Gegend bis Saarkirchen, und dann rückten mit Fackel» und Lampen die Tausende der Arbeiter, geführt von den Beamten, heran, um ihrerseits noch einmal Glück zu wünschen. Die Deputation der Beamten führten die neuernannten Direktor Lenste und Bcrginspektor Mandlick, die Deputation der Arbeiter der Oberschmelzer Wolter und Hartrop. Werner ließ es sich nicht nehmen, mit Dora durch die Reihe der draußen aufgestellten Arbeiter zu gehen und besonders seine Begleiter beim Rettungswerk, die wieder gelesenen fünf Arbeiter, zu begrüßen, ebenso wie die Arbeiter von der Theresien-Hütte und der Justinus-Grube, von denen ihm so viele persönlich bekannt waren. Mit Musik und dem Gesang der alten Bergmannslieder marschierte die endlos scheinende Kolonne endlich wieder ab. Geheimrat Kersten trat zu Werner, den er glücklich in eine Ecke gezogen hatte, und sagte ihm. „Bon heute ab gestattest du mir das vertrauliche „Du". Ich betrachte dich jetzt als zu meiner Familie gehörig. Und nun stoß an mit mir darauf, daß eine neue Zeit auch sür die Buchivaldschen Werke kommt und das „Weiberregiment" ein Ende hat!" „Ich will es tun, Onkel Geheimrat", antwortete Werner gertihrt; „aber ich hoffe, du loirst mir mit Rat zur Seite stehen, wenn ich jetzt allein die Leitung sämtlicher Werke übernehme." „Den Rat sollst du haben, soiveit du dessen bcdarjst", entgegnete der Geheimrat; „aber ich glaube nicht, daß dir ihn nötig haben wirst Noch einmal: laß mich mit dir an- stoßen ans das neue Regiment, das jetzt ftir die Buchwald» scheu Werke kommt, und der Hiinmel segne dich und Dora!" Treue. Bon Wilhelm Scharrel mann. Nein, war denn schon einmal so etwas dagcwesen? War cs nicht rührend und beispiellos? Jedenfalls sprach man in der ganzen Nachbarschaft davon. Denn nachdem Jakobine so unvorsichtig gewesen war, Ada Kirchner ihr Geheininis anzuvcrtrauen, lvar es fein Wunder, wenn es nach drei Tagen niemand mehr im Städtchen gab, der nicht davon gewußt hätte! Also darum >var Jakobine Riemann unvermählt geblieben, weil sie Erich Bodmer nicht hatte vergessen können, de» blonden, schmalen Jungen, der vor 20 Jahren nach Canada ausgewandert war und während der ganzen Zeit nicht ein einziges Lebenszeichen von sich gegeben hatte, so daß man ihn säst vergessen gehabt halte? Aber nun war plötzlich ein Briej von ihm an JakobincnS Adresse gekommen? Und eine offen ausgesprochene Werbung stand darin? Das war ja wie ein Märchen! Allzuschwer mochte Jakobine die lange Treue ja vielleicht nicht geworden sein. Es inar ja ein ossenes Geheimnis, daß ihr Vermöge» nicht sehr groß war, mtb wie die Dinge nun heutzutage einmal lagen, nicht >vahr? . . . Aber niemand hatte doch geahnt, daß sic auf Erich Bodmer wartete, der seinerzeit so plötzlich in die weite Welt gegangen war, als stin Vater starb und das Geschäft nicht zu halten gewesen war. Freilich, wagemutig und unternehmungslustig lvar er gewesen, das mußte ihm der Neid lassen. Und nun war cs ihm ivirklich drüben geglückt? Sich mal einer an! Wer hätte das gedockn? Da kam er nun wahrscheinlich reich loie ei» Krösus zurück und hatte die kleine Jakobine Riemann nicht vergessen? Nein, wie das rührend war! Allerdings, wie er seinerzeit dnrauf gekommen war, sein Auge gerade aus Jakobinc zu werfen, blieb ein Geheimnis. Sie lvar doch nie besonders atlsehnlich gewesen, und wenn er »itr hätte die Augen ordentlich ausmachcn wollen. — Aber junge Leute waren ja mitunter rätselhaft, wirklich rätselhaft. Das geluugendstc ober war doch eigentlich, daß niemand davon gewußt hatte! Du liebe Zeit, so eine Heimlichtuerei! Daß Jakobine sich seit Jahren von allem zurückgezogen hatte, war ja richtig, und man hätte vielleläft dies oder jenes ahnen können. Mer schließlich war das doch eigentlich ganz begreislich gewesen! Einmal war damals ihre Mutter gestorben, und zum andern kam sie doch auch allmählich ein wenig i» die Jahre, ein wenig sehr sogar, lieber die vierzig war sie nun doch bestinnnt schon hinaus! Daß sie überhaupt noch heiratete! Aber natürlich! Run sie »och eine so fabelhafte Partie machen konnte? Aber vielleicht >r>ar es mit dem Reichtum Bodmers doch nicht so weit her? Nun nwn würde ja sehe», würde ja sehe»! Jakobinc saß währenddessen ahnungslos i» ihrer Stube und las znni soundsovielten Male den Brief, den ihr der Jugendfreund geschrieben hatte. „Wenn Du noch dieselbe geblieben bist, und mich nicht völlig vergessen hast —“ Sie lächelte. Sic >var gewiß noch dieselbe wie früher. Hatte sie die langen Jahre jemals an einen andern gedacht? Sie nahm eine verblichene Photographie ans einem Auszug« ihres Keinen Schreibtisches und betrachtete sie lange und innig. Wie hübsch er doch lvar! Der schmale Schnurrbart stand ihm gut, und das braune Haar legte sich ihm weich an die «chläsen! Aber welche Energie die festgeschlosscnen Lippen verrieten! Ja, so lvar er imnier gewesen. Nicht lange gefragt, gezaudert und überlegt! Frisch hinaus in die Welt und zwanzig Jahre kein Wort von sich hören lassen, so daß sie seil Jahren an ihn nur ivic an einen Toten gedacht hatte. Wer eine heimliche Hosfnung des Wiedersehens hatte sie eigentlich doch nie völlig verlassen! Run sollte sie plötzlich in Erfüllung gehen? Das Herz stand ihr still bei dem Gedanken. Freilich, wenn sie es sich überlegte — es war eigentlich zwischen ihnen kaum zu einer Aussprache gekommen damals Aber etwas Unausgesprochenes war zwischen ihnen gewesen — und das mochte sie wohl fester verbunden haben, als alle Gelübde. Auch am Abend vor der Abreise, als sie ihn zum letzten Male gesprochen halte, hatte er sie zu nichts verpflichtet. „Leb wohl, Bine, ich weiß nicht, ob ich je wieder cttvas von niir hören lassen kann. Wer weiß, wie cs mir drüben geht? Wahrscheinlich werde ich nicht viel Zeit haben, Briese zu schreiben!" So ähnlich hatte er gesagt. Sie wußte die Worte nicht uichr. Aber den Blick seiner Augen sah sie noch, und seinen Händedruck fühlte sie noch. „Wenn ich auch nicht reich bi», zu leben babe ich, und wen» mein Jakobinchen mich noch mao —" 4Ö? Jedesmal Nopste ihr das Herz wieder, wenn sie an diese Stelle Tom. Ob sie wirklich nicht zn sehr gealtert war? Sie trat vor den Spiegel und betrachtete sich ausmcrksaui prüfend , . Seufzend versuchte sie sich mit der schmalen Hand die «lirn glatt zu streiche», lockerte die Frisur ein wenig, und ging daun an den kleine» Eckschrauk aus Mahagoni, iu dem sie allerhand Bändchen und Spitze» ausbcivahrte, wählte^ ein Jabot aus zartem Mull, steckte es vor, besah sich itriebn- im Spiegel und versuchte daun, wie eine Schleise aus Samtband ini Haar ihr zu Gesicht stände- Vielleicht sah sie wirklich ein wenig streng aus in dem enganliegende» schwarzen Kleide? Seit dem Tode ihrer Mutter hatte sie immer nur Schwarz getragen, und Schwarz machte doch ein wenig grämlich und alt. Ob sic nicht besser ein anderes Kleid wählte, selbst wenn es nicht mehr nach der Mode war? Sie schritt zum Spind im Nebenzimmer und begann ihre Garderobe zu mustern. Wenn sie sich die Wahrheit gestand, mußte sie fid, sagen, daß sie sic in de» letzten Jahren doch ein wenig vernachlässigt hatte. Gut, daß sic darüber zur Einsicht kam. — Den Morgen am Tage seiner Ankunst brachte sie in siebcr- haster Erwartung zu. Im gelben Zinimer, wo sie ihn empfangen wollte, stand ein Strauß von frischen Rosen aus dem Tische, und die Decke aus gelber Seide, die sonst nur an groben Feierz- tagen einmal aus der Truhe genommen wurde, leuchtete mit ihren wcißgestickten Blumen durch den sonntäglich geschmückten Raum. Prüfend ließ sie ihre Augen »och einmai durch das Zim- mcr schlvcisen und besah sich dann selbst aufmerksam ini Spiegel. Sie halte sich sür das blaue entschiede». Nervös strich sie die weißen Azisschläge an den Acrmeln und am Halsausschnitt glatt, zupfte die Klövpelspitze zurecht, die beim Ankleiden ein wenig iu Unordnung gekommen war und musterte die neue Frisur, die sie seit einigen Tagen trug. Langsam vergingen die Stunden. Mit deni Frühzug war er nicht gekommen, und wenn er den Schnellzug, der eben vor Mittag eintraf, nicht benutzte, konnte sie ihn erst am Nachmittag erwarten. Aber der Mittag verging, ohne daß die Klingel sich gv- rührl hätte. Sie konnte bei Tisch vor Aufregung nichts genießen und ließ die Schüsseln unangerührt wieder abtrage», trotzdeni es ihr peinlich war vor dem Mädchen, soviel Unruhe an den Tag zu legen. Aber sic konnte nicht anders. Nervös drückte sie sich zu», soundsovielten Male die Frisur a» die Schläfe». Immer hatte sie ei» Gefühl, als wen» da etwas kn Unordnung geraten wäre. Aber das machte wohl das Un>- gewohute. Ruhelos begann sie wieder von einem Zimmer ins andere zu wandern. Schließlich wollte sic sich zur Ruhe zwingen. Sie setzte sich i» de» Lehnstuhl am Fenster, blätterte in einem Roman und ließ ihre Augen über die Seiten lvander», ohne zu veri- stehen, was sie las. Tann klappte sie das Buch wieder zu, seufzte und nahm ihre Wanderung wieder anf. Plötzlich läutete es. Sie zitterte so heftig, daß sie meinte, Umsinken zu müssen, und die Lippe» bebten ihr. ES war der Bote aus der Chemischen .Wäscherei, der die Bluse zurückbrachte, die sie sich halt reinigen lassen. Das ernüchterte sie, und sie lvurdc ein wenig ruhiger. Ueber- hauvt konnte er ja jetzt gar nicht kommen. Ter nächste Schnellzug traf doch erst um 5 Uhr 13 ein. Woher sollte er denn da jetzt mit cinemmale auitauchen? Der Gedanke beruhigte sie, und sie lächelte über sich selbst. i Aber d/i läutete es wieder. Sie war ärgerlich auf sich, daß sie abermals eiuen Schreck bekommen hatte. Stirnrunzelnd blickte sie zur Stubentür hinaus und sah einen Fremden vor der Haustür im Windfang stehen. Was sür ein Talent solche Menschen haben, immer zu ungelegener Zeit zu kommen! dachte sie unzufrieden und öffnete selbst. Sie wünschen? Verzeihung, sagte der Fremde, ein wenig verlegen über den To» der Anrede, Jakobine — oder muß ich heute Fräulein Rie- mann sagen? Mein Gott! sagte Jakobine und erblaßte. Bitte, wenn Sie näheetretkn wollen? — Sic — gewiß — verzeihen Sie — ich habe Sie eben wirklich nicht erkannt! — Ich — Wollen Sie nicht näher treten? Erich Bodmer. nicht wahr? Kein anderer! lachte er nun, ihr die Hand reichend. Haben Sie mich wirklich nicht gleich erkannt? Da saßen sie nun in dem gelben Zimmer, in dem die Sonne so leuchtend hinter dem Grün der Geranien stand, die ihre Blätter wie kleine grüne Schirme gegen die Scheiben preßten, sahen aneinander vorbei und wußten nicht, was sie reden sollten. Jakobine war innerlich wie erstarrt. Die plötzliche Enttäuschung, die ihr das Wiedersehen bereitet halte, war zu groß gcz- wesen Dieser Mann mit dem allznstarken Leibe, de» hervo» quellcnden, stark geröteten Backen, dem grauen Haar und der reichlich unbefangenen Weise, sich zu geben. — war Eric» Bodmer? Als sie ihn vorhin zuerst erkannt hatte, hatte skr die Empfind!,ng gehabt, als wäre ihr die Zuglust, dir beim Oesfncn der Tür kühl über den Flur hinstrich, bis ins innerste Herz gedrungen, und nun saß sie da, als n>.«e alles in ihr erfroren, sagte ja,„,d nein und verbarg die lähmende Enttäuschung, die auf ihr lag, hinter einen, gezivungeneu Lächeln, das wie eine Maske auf ihrem Gesichte lag. Erich Bodmer begann währenddes ahnungslos von seinen Erlebnissen zu plaudern, mit einer Stimme, die noch den alten Klang hatte. Ich wußte nicht, ob ich wirtlich schreiben sollte? Na, zuletzt sagte ich mir, -warum eigentlich nicht? Daß Sic nicht verheiratet waren, hatte ich nämlich erfahren . . . Sie hörte ihn, zu. ohne viel zu entgegnen, immer noch dasi starre Lächeln aus den Lippen. Niemals hatte sie sich vorocstcll», daß der Manu, dessen Bild sie die langen Jahre unverändert in ihrer Erinnerung bewahrt hatte, ihr einmal als ein ganz anderer, fremd gewordener wieder gegenllbertreteu könne. Aber nun fühlte sie mit schnierzhafter Deutlichkeit, aus jeden, seiner Worte, daß Erich Bodmer, der sie einst verlassen hatte, kaum eine Actzn- lichkeit mehr hatte mit dem, der heute vor ihr saß. Es war nicht das Aeußere allein. Nein, der innere Mensch in ihm, der aus seinen Worten und Bewegungen sprach, sich in seiner Haltung, dem Blick seiner Augen, dem Ton seiner Sätze ausdrückte, war ein ganz anderer, als er sie erwartet hatte. Sie empfand das mit einer Schärfe, die keinen Widerspruch in ihr aufkommen ließ. Hatte sie sich vielleicht auch früher ein ganz falsches Bild von ihm gemacht? fragte sie sich. War er vielleicht nie so gewesen, wie sie ihn damals gesehen hatte? Hatte sic vielleicht während der langen Jahre der Trennung einq Vorstellung von ihm in sich genährt, die sich allmählich immer Iveiter von der Wirklichkeit entfernt, und ihm Züge verliehen hatte, die er nie besessen? Erich Bodmer plauderte währenddessen unbekümmert von seinen Erlebnissen. Er sprach ein wenig nachlässig im Torr, hin und wieder ein englisches Work in seine Sätze mischend, und versuchte dos Peinliche d«S ersten Wiedersehens durch einen la,t- teren Sprechton, als er ihm sonst eigen war, zu verdecken. Aber im Grunde hatte er eine ähnliche Enrpsindung wie sie. Wie sie gealtert ist, dachte er. Was doch zwanzig Jahre aus einem Mädchen machen können! Verteufelt ja, >ver hätte das gedacht? Er vermied es,oh»c sich klar darüber zu s«n, lvarnm er es tue, eine Pause im Gespräch eintreten zu lassen, sprach hastig und mit einer übertriebenen Lebhasttgkeit, ohne sie veranlassen zu können, auf diesen Ton einzugehen. Sie blieb so einsitbig wie vorhin, von ihrer Enttäuschung wie unter einem Bann gehalten. Ihr war, als zöge sich ihre innere Welt in einem engen kleinen Kreis zusamncen, und ein Gefühl der Bcreinsamung überkam sic, die sie unter der Gewalt der Enttäuschung, die au; ihr lag, lvie eine Wohltat empfand. Wenn er nur nicht auf die Werbung zu spreche» kommt, dachte sie zimschen seinen Worten in plötzlicher Angst. Und nun wollen Sic einnkal die Heimat Wiedersehen, nicht wahr? Sie werden sehen, wir habe» allerhand Veränderungen im Städtchen gehabt! Wirklich? lächelte er. Ich glaube, es werde» nicht allzuviel« sein, so konservativ lvie nick» hier ist? • Auch er vermied es augenscheinlich, aus sttiie Werbung zu sprechen zu konimcn. Aber als er nach einer Viertelstunde aus- stand, begann er doch unvermittelt; 'Allzulange zu bleiben. habe ich allerdings nicht vor. Wenn ich mir Hoffnung mache» dürft«, daß Sie mich auf der Rückreise begleiten? Sie werden sehen, drüben in der neuen Well c—< — Das war die Entscheidung. Nun niußte sie sprechen. Ich danke Ihnen sehr, preßte sie heraus. Aber nicht wahr? Man kommt doch allmählich ein wenig in die Jahre. Und dann, ich glaube nstrklich, es ist zu spät. Vielleicht war es nicht recht von mir, aus Ihren Brief hin neulich Hoffnungen in Ihnen zu erwecken, die ich vielleicht doch nicht erfüllen könnte . , . Sie brauchen sich ja nicht gleich zu entscheiden, antwortete er vermittelnd. Ich konime wohl zu keinem anderen Entschluß, entgcgncte sie und mackste einen schwachen Versuch zu lächeln, um ihre Worte unbcsangc» und harmlos erscheinen zu lassen. Auch er lächelte, aber ohne klar zu empfinden, warum. Nun ich hofsc trotzdem, daß wir das letzte Wort darüber noch nicht gesprochen haben, sagte er, wußte aber ebensogut nste sie, daß mehr sreundliche Höflichkeit, als der Wunsch, daß es so sein möchte, aus seinen Worten sprach. Dann verabschiedete er sich und.ging. Als sie die Tür hinter ihn> geschlossen hatte, lvandte sie sich langsam um, nahm das Buch, in dem sie vergeblich versucht hatte zu lesen, blätterte darin, als dürfe sie selbst die Dinge im Zimmer nicht merke» lassen, was geschehen lvar, und blickte dann verloren auf eine Stelle gegenüber an der Wand. Es war totenstill im Zinimer. Nur der Nauarienvogel Knabberte leise au dem Stückchen Zucker, das sic ihm znnscheu die Stangen seines Käfigs gellcmml hatte. Aber plötzlich glitt das Buch von ihrem Schoß, und aus ihrer Brust rang sich ein Seufzer los. tun ihr die Träne» löste, die unaushalttam über ihre Wangen strömte», als müßten sie 408 den Druck ihres enttäuschten, eins«,wen Herzens lösen und die Maske der Starrheit und Unbewegtheit aus ihrem Gesicht wegwischen, die wie ein Krampt darüber gelegen hatte. Sie weinte, trotzdem sie wußte, daß es so am besten war und sie sich nie hätte anders entscheiden können. Nein, dachte sie unter Tränen, wir sind »zu lange unser« Wege sür uns gegangen. Und da findet man nicht so.einfach zu einander zurück, wie inan denkt. Das Heute läßt sich nicht mehr an einen Tag knüpfen,, der so weit hinter einem liegt. ‘ Währenddessen stand Erich Bodmer an der nächsten Straßenkreuzung und brannte sich eine Zigarre an. Mit einem Kopsschütteln ging er dann langsam weiter. Er konnte nicht recht mit sich ins Reine komnien. Das verstehe, wer kann! brummte er vor sich hin. Aber wie ich ein Mensch in so kurzer Zeit auch so verändern kann! Das ah doch alles schon ganz verteufelt nach alter Jungfer aus! Brief und Postkarte. Bon Alexander v. Gletchen-Rußwurm. Was wir heute an sreundschastlichen Grüßen mit Verwandten Und Bekannten austauschen, was an gegenseitigen Schreiben den Geschäftsverkehr oder die gesellschaftlichen Verbindungen unter Privatpersonen ausrechterhält, wird dem buchstäblichen Sinn des Wortes „Brief" wohl mehr gerecht als alle Gefühlsergüsse und alle Weitschweifigkeilen früherer Zeit. Denn das Wort „Brief" stammt vom lateinischen „breve = kurz" ab imb_ bildete sich, als die mittelalterliche Kulturwelt eine deutsche Sprache schuf, wohlgeeignet zu gebildetem Verkehr. Ja, kurz sind vor allem jene Briefe, die in der Reisezeit zwischen den Mitgliedern eines auseinandergeflatterten Kreises hin- und hergehen, und noch kürzer gefaßt wird der Stil auf einer Kostkarte, deren verlockendes Bildchen meistens mehr erzählen soll als die Begleitsätze des Schreibens. Nichts ist so charakteristisch sür die Lebensanschauung einer Zeit als die Art und Weise, mit der die Menschen einander schreiben, mögen sie sich geben, wie sie sind, oder kräftig posieren. Denn unter der Pose steckt immer etwas vom Idealbild einer Generation und immer recht viel von der wahren Persönlichkeit. Der Unklare wird stets unklar, der Aengstliche stets ängstlich, der Zere- moniöse zerenwniös schreiben, und nur einem ganzen Menschen wird «in ganzer Brief gelingen. Daß die Gegenwart den kurzen Brief und noch mehr die Postkarte bevorzugt, soll man nicht als eine Unhöflichkeit des Herzens bezeichnen, sondern als vollständig gerechtfertigten Ausdruck unserer Wesensart, die auf das Rasche, Prägnante, Unverschnörkelte hinausgeht, in jeder Beziehung. George Sand, die nach mancher Richtung zur modernen Zeit über- lestet, schrieb einmal, man möge ihr langes Geschwätz entschuldigen, denn sie habe keine Zeit, sich kurz zu fassen. Es ist garf nicht leicht, aus einem unserer kleinen Briefbogen oder auf der Adressenseite einer Postkarte wirklich etivas mitzuteilen. Man muß schon seinen Stil fest in der Jeder und seine Gedanken klar geordnet im Kops haben. Die klassischen Beispiel« schöner Briefe von Plinius bis zu Mme. de Sevigns und von Alcuin bis Goethe sind Literatur geworden, die neue Form für das neue Leben inüssen lvir Uns hier selbst schaffen, wie für vieles andere auch. Als Stockhausen im 18. Jahrhundert die „Grundsätze wohleingerichteter Briefe" aufstellte und Gellert manches schrieb vom „guten Geschniack in Briefen", mußten die Gebildeten vor dem Ulmatürlichen und wunderlich steifen Briefstil gewarnt tverden, der sich seit denr „neuen vollkommenen Canzlei- und Titelbuch rethorischer jetztiger canzleiischer Zierlichkeit" überall verbreitet hatte. Davon find tvir iweit cnffernt, da und dort wünscht man, sogar etwas verbindlichere Form, wenn auch glücklicher,veise der Titel- hmfug an Platz- und Zeitmangel eines langsamen Todes verbleicht. Aber die Empfindsamen gerieten in jene Ueberschwänglichkeit, die beinahe noch ärger war als die steise Zierlichkeit. Nur ganz hervorragende Menschen standen über solcher Zeitunart und erhoben sich zu Briefwechseln^ die noch heute zur schönsten Lektüre gehören. 'Aber, Hand aufs Herz, könnten und wollten auch wir ebensolche „Korrespondenzen etablieren", wie man damals sagte? Könnten wir uns eine Sports-Girl und einen jungen Herrn der Gegenwart vorstellen, die mit deni Füllfederhalter sich Rechenschaft deben über ihr Inneres und ihre Stellungnahme den verfchiedeir- sten abstrakten Begriffen gegenüber? Wir unterhalten uns auch anders zusammen als die früheren Generationen, denen Gespräch >und Bries oft die einzige Möglichkeit boten, lebendige Eindrücke von außen zu bekommen. Und die Sprache des Briefs muß sich der! Lebendigkeit mündlicher Unterhaltung annähern, so daß man den sSchreibenden vor sich zu sehen und zu hören glaubt. Freude befreiten Nur wirklich persönliche Briefe, die weder einen druckreifen Noch einen verschlampten Eindruck machen. ' Die Aussprache von Herz zu Herz, der sogenannte Liebesbrief, der seit den« Altertum zarte Beziehungen vermittelte, hat im Lauf der Jahrhunderte äußerlich manche Wandlung erfahren, wenn auch der Kern des Inhalts sich gleich geblieben ist. Ob man sein Billett nach den Regeln schreibt, die Ovid in der Liebeskunst gegeben hat, ob man verfährt. Wie es das 17. Jahrhundert wollte, nach dem Büchlein „Neuaufgerichtete Liebeskammer, darin allerhand höflich« verliebte Sendschreiben an das löbliche und anmutige Frauenzim« mer abgefaßl und beantwortet sind", oder ob man eine Postkarte mit tausend Grüsse» und Küssen beschwert, Zweck und Erfolg sind ini Grund ganz dieselben. Als vor beinahe 50 Jahren aer preußische Reichspostmeistev die erste Anregung gab, zur Erleichterung des brieflichen Verkehrs offene Postkarten ernzusühren, ging ein Sttlrm der Entrüstung durch alle ängstlichen, gesühlsreichen und in sich abgeschlossenen Menschen, die eine Prosanierung geheimer Bezrehungen vor einer, wenn auch beschränkten Oeffentlichkeit fürchteten, und der Antrag wurde zunächst abgelehnt. Einige Jahre später gab ein Feuilleton in der „Neuen Freien Presse" Veranlassung, daß die Postkarte in Oesterreich eingeführt wurde. Ten ersten Triumph feierte sie aber im deutsch-französischen Krieg als leichte und schnelle Vermittlerin 'zwischen Feldlager und Heimat. Fast unwahrscheinlich erscheint es heute, daß nmncher besorgte Familienvater die Postkarte im eigenen Dause verbot, daß sie lange im sreundschastlichen Verkehr als unhöflich galt. Und daß sie nicht geeignet schien, gesellschaftliche Beziehungen aufrecht zu erhalten. Heute hat sie zu einem großen Teil das Gebiet der Brief« erobert. Sie ist künstlerisch und belehrend geworden, sie erinnert an alles, was wir auf Reisen sehen, was wir an besonderen Ereignissen miterleben, und was sich an Kunstwerken unserem Gedächtnis eingcprägt hat. In der Auswahl der bunten Bildchen kann sich die persönliche Note des 'Absenders fast so gut wie in einam Brief bemerkbar machen. Man kann sie Fernstehenden und Nahestehenden schicken. Sie erinnert die Menschen aneinaiwer und verpflichtet zu nichts. Ihre Verbreitung gehört zu den hervorstechendsten Zeichen der Zeit. ! In meinem Archiv befinden sich die Briefe, die Alerandech von Humboldt von seiner Weltreise an meine Großmutter schickte^ Wo ihm das Wort zur Beschreibung nicht genügte, fügte er kleine Blätter init Aglwrellmalerei hinzu, dort einen eigenartigen Baum, hier eine Bergform festzuhalten. Heute sendet man von den fernsten Erdteilen die illustrierte Postkarte, oft in so schöner Ausführung/ daß ein kleines Kunstwerk den Empfänger erfreut und die Sammlung dieser flüchtigen Grüße rechtfertigt. Durch ein feines Wort/ durch eine sinnige Betrachtung können nnr auch diesenr Massenartikel den individuellen Zug verleihe,r, den man für alles herbei- fkhnt, gerade weil die Zeit ihn mehr und mehr zu verwischen drohte Dieser fiidividuelle Zug, der einst die Welt der „schönen Briefe" erfüllte, sollte ivieder die Korresvondenz der Gebildeten beherrschen/ Es ist Frauenamt, diese feine Kunst zu pflegen und auch den vielbeschäftigten Mann darauf hinzuweisen, daß der kürzeste Brief/ die eiligst hingeworsene Postkarte ettvas geben kann, das über die orientierende Nachricht hinausgeht, das Gemltt berührt oder den Geist beschäftigt. Bon allen anderen Briefen aber, die praktischen Bedürfnissen dienen und keinen sentimentalen oder gesellschaftlichen Beziehungen gewidmet sind, sollte immer Schillers Wort aus Wallen- stein gelten: „Der Brief bat Händ' und Füß'". Die freundschaftlichen, die verliebten und die plaudernd erzählenden sollten jedoch' Bürgers Wort wahr machen: Briefe leben, atmen warm und sagen Mutig, was das bange Herz gebeut. Selbst wenn sie nur in eiger rllustrierten Postkarte bestehe«. vüchertisch. G r i e b e n s Reiseführer. Band 95: Ahlbeck, Heriugs- dorf und Bansin, 16. Auflage. Mit zwei Karten. Preis 60Pfg. Verlag von Albert Goldschmidt, Berlin IV. 85. Rcchtzeifig zum Beginn der Reisesaison erschien die 16. Auflage des Führers „Ahlbeck, Heringsdorf, Bansin" in der rühmlichst bekannten Sammlung der Grieben. Die neue Auflage zeichnet sich »ach ihrer völligen Umarbeitung durch größere Uebersichtlichkcit aus, die im Verein mit den knappen, präzisen Angaben über alles für den Badegast Wissenswerte das Bändchen zu einem unentbehrlichen Ratgeber Uracht. Das sorgfältig revidierte Karteih- material ünterstüht den Text in zuverlässigster Weise, SitatrnrStkel. Aus jedem der folgenden Zitate ist ein Wort z» nehmen, so daß sich ein neues Zitat ergibt: - 1. Der Prophet gilt nichts i» seinem Vaterlande. 2. Halb zog sie ihn, bald sank er hin..... 3. Von Zeit zu Zeit seh' ich den Alten gern. 1. Cardinal, ich habe das Meinige getan: tun Sie da» Ihrige. 5, Ter Weg zur Holle ist mit guten Vorsätzen gepflastert. 8. Ein edler Mensch zieht edle Menschen a». 7. Die ich ries, die Geister, wcrd' ich »u» nicht loS. 3. Dies ist die A»t. mit Hexe» umziigehe». Auflösung in nächster Nummer. Anslösung des Versteckrätsels in voriger Nummer: Wer belehlen will, must gehorchen leine». Redaktion: K SIeuratb. — Rotationsdruck und Vertag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Langem Gießen,