Wriber-Kegiment. IRomau vo» Oskar Kl a uh mau n. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) 10. Kapitel. Werner hatte de» Gedanken aufgegeben, sich um eine andere Stellung zu bclvcrben. Es war unvermeidlich, daß von seiner Bewerbung der Geheiinrat Kersten ebenso lvie Dora Buchholz etwas erfuhren. Ein Geheimnis läßt sich schwer wahren, besonders, wenn es sich um Stellungswechsel bei hervorragenden Beamten in der Industrie handelt. Warum hätte er die Stellung aufgeben sollen? Er sah ja, Dora ignorierte de» Vorfall genau so, wie er selbst so tat, als ob nichts geschehen lväre. Wenn er sich jetzt um eine Stellung beivarb, so >var das ein Zeichen seines bösen Gewissens. Geheimrat Kersten lväre so lange in ihn gedrungen, ui» den Grund seines Fortganges zu erfahre», bis er ihm Hütte gestehen müssen: „Ich habe eine Dummheit gemacht und büße dieselbe freittnllig." Die Stellung auszngcbe», dazu hatte er iininer noch Zeit, wenn die Verhältnisse sich zu seine»! Ungunsten verschoben und wenn die Kiindigungssrlst Herankain. Wenn er sortging, konnte er nicht i» der Nachbarschaft bleiben. Es lväre ihni doch zu qualvoll gewesen, Dora immer lvieder j» begegnen. Wenn er sortging, dann lvollte er auch das Vaterland wieder verlassen und in das Ausland gehen. Er >var bei seinen Bermögensverhältnissen durchaus nicht auf den sofortigen Antritt einer neuen Stellung angewiesen) er konnte schon noch ein paar Jahre zu Studien- zweclen auch im Allslande leben, und in Nordamerika empfing man ihn sofort lvieder mit offenen Arme», besonders in Pittsburg. Wen» er aus der Stellung bei den Buch- waldschen Werken lvieder ins Ausland ging, inachte das auch einen viel besseren Eindruck. Man sagte sich: der Malm hat seine Stellung aufgegeben, iveil er eben noch lveiter stlldieren toollte und vor allem, iveil er noch nicht das gefunden hat, was er suchte. So hatte Werner nach seiner Ueberzeugnug auch an einen sicheren Rückzug gedacht und kam nicht in die Gefahr, von irgendlvelchen unvermutet austretenden Verhältnissen überrascht zn werden. Mit Dora hatte er nur geschäftlich verkehrt. Er sandte ihr schriftliche Berichte, und sie schrieb gewöhnlich direkt unter dieselben ihre Entscheidungen. Es lvar das notlvendig, damit Akten über die betressenden Angelegenheiten vorhanden lvareu. Sie fügte sich stets den Vorschlägen Werners. An den lGrafen Klinter hatte Dora eine Ansichtspostkarte geschrieben, und der Graf hatte ihr auch, soviel Werner lvußte, geantlvortet. Daß sie an ihn, Werner, nicht eine Ansichtspostkarte schrieb, lvar sclbswerständlich. Es wäre das eine Vertraulichkeit gewesen, die zlvischen der Lhesin und ihren, Angestellten nicht statthaft loar. Krüh um sechs Uhr schwang sich Werner auf sein Pferd und ritt nach Jvershofen hinüber, wo er mit Graf Klinter usammentressen und Frau Glover abholen wollte. Gr lvun- erte sich schon, daß er das Pferd des Grafen nicht auf dem Schloßhofe fand. Frau Glover kam zu Pferde von den Stallungen her und sagte ihm nach der Begrüßung: „Sie müssen sich heute schon mit meiner Gesellschaft begnügen. Herr Bergrat. Graf Klinter ist durch ein Dele- gramm abbcrufen worden. Er mußte eine kleine Reise an» treten; er lvill indes heute nachmittag wieder hier sein. Wir könne» unsern Spazierritt heute nicht zu weit ausdehnen, ich muß bald wieder zurück sein." Frau Glover sah übernächtig aus, und es lvar so viel Unruhe in ihr, daß es selbst Werner ausstel. Sie sah sich auch während des lveiteren Ritts wiederholt um, als erwarte sie, daß ihr jemand folgen könne. Solange Barbara und Werner in scharfer Gangart ritten, lvar natürlich das Reden ausgeschlossen. Aber selbst wenn sie die Pferde lvieder im Schritt gehen ließen, kan: es zu feiner ordentlichen Unterhaltung. Bald von der einen, bald von der alidern Seite sielen abgerissene Bemerkungen, aus ivelche kurze Antworten kamen, durch die ein dauerndes Gespräch nicht eingeleitet lvurde. Es lvar etlvas mU Frau Glover nicht in Ordnung, das sah Werner mehr und mehr ein) aber er hatte kein Recht, sie zu fragen. Früher als sonst lvandte Frau Glover den Kvps des Pferdes lvieder nach Jvershosen, nnd als sie in Sicht ihrer Besitzung war, hielt sie das Pferd an und sagte unvermittelt zu Werner: „Gruße,! Sie den Herrn Grafen von mir, lvenn Sie ihn Wiedersehen. Ich beabsichtige, morgen nachmittag zu verreisen. Wie lange ich fortbleibe, kann ich Ihnen nicht sagen. Aber ich bedarf der Erholung und muß fort, ohne eigentlich ein bestimmtes Reiseprogramm zu haben Ich weiß nicht einmal, lvohin ich meine Schritte lenke; vielleicht gehe ich nach Paris, vielleicht nach London, aber ich kann mich noch anders entscheiden." „Ah, Sie lvollen verreisen, gnädige Frau?" sagte Werner. und der Ton seiner Worte drückte lvohl Erstaunen aus. „Ja, es jst ja die allgemeine Reisezeit." antwortet« Frau Glover. Es geht jedermann jetzt auf Reisen, und man kommt sich ganz deklassiert vor, lvenn inan nicht auch feine Herbstreise antritt. Lange kann ich ja nicht sortbleiben, schon wegen der Ausführungen im Musikverein nicht. Allerdings müßte es schlimmstenfalls auch ohne mich gehen; niemand ist unersetzlich." „Das lvollen ivir nicht so schross hinstellen, gnädige Frau! Ich bin erst kurze Zeit hier, aber ich weiß, wieviel von Ihrer Person für diesen Berein abhängt." „Ich danke Ihnen für Ihre gute Meinung," sagte Barbara und reichte Werner die Hand. Dieser hielt dies« einen Augenblick fest und küßte sie. 966 „Ich werde nun wieder meine Ritte allein aufnehmen und hoffe es ju vermeiden, in Ihre Waldschonuna zu geraten, gnädige Krau. Mit Graf Muter werde ich wohl wenig zusammen reiten können. Der ist jetzt fortwährend unterwegs, und dann ist er auch zerstreut und wenig zugänglich." „Ja, es ist mir auch schon ausgefallen," bemerkte Frau Glover; „es hat eben jeder sein Päckchen zu trage«. Ich holst aber, die Sache bei unserem Grafen ist vorübergehend und wird sich in Wohlgefallen auflösen. Sie aber bitte ich doch besonders, und Mar im Namen aller Ihrer Freunde, e t) nicht übermäßig anzustrengen, damit wir in einigen ochen ein frohes Wiedersehen feiern können. Noch einmal: grüße» Sie den Herrn Grafen." Barbara Glover reichte Werner noch einmal die Hand, und dieser küßte dieselbe wieder und blieb aus dem Fleck, auf dem sich Barbara von ihm verabschiedet hatte, halten, um ihr »achzusehen, bis sie hinter der Parkmauer von Ivershofen verschwunden war. „Eine prächtige Frau," sagte er dann für sich; „wirklich, eine wunderbare Frau! Verständig und selbstbewußt im besten Sinne. Ihr gegenüber fühlt man sich so sicher und vertraut, als wäre sie eine Schwester." Dann ritt Werner in Sinnen versunken weiter den Weg auf Station Buchwald zu. Seine Gedanken waren weit fort; sie gingen unwillkürlich von Barbara Glover zu eineni andern weiblichen Wesen über und nahmen Werner derart in Anspach, daß er erst wieder zur Wirklichkeit erwachte, als das Pferd den Versuch machte, über den Straßengraben in ein benachbartes Feld zu gehen. Da erst schreckte er empor, zog das Pferd zurück und besann sich aus die Wirklichkeit. „Es tvird noch alles gut werden", tröstete er sich selbst. Dann setzte er dem Pferde die Sporen ein und ging im Galopp die Chaussee hinunter über die Eisenbahnkreuzung bei Buchwald und bis zu seiner Villa. Werner frühstückte und fuhr nach der Justinus-Grube. Obersteiger Mandlick erwartete ihn und brachte ihn im Querschlag an die verdächtige Stelle. Aus Anordnung Werners war ein Bohrloch wagrccht in den Stoß (Wand des Stollens) so weit vorgetrieben worden, als dies mit den mechanischen Hilfsmitteln möglich war. Das Bohrloch reichte über zwei Meter in den Sandstein hinein, s war dann ein selbstregistrierendes Thermometer bis an is letzte Ende des Bohrloches vorgcschoheu worden, und das esultat war ein sehr überraschendes: im Innern der Stein- Ö tand war es bedeutend kühler als in der Strecke selbst. Der chterschied betrug 12 Grad Celsius. Die Richtigkeit der Beobachtung war nicht in Zweifel zu ziehen; in Gegenwart Werners wurde das Thermometer herausgezogen und abgelesen. „Die Sache ist nicht natürlich", meinte Obersteiger f andlick, „und gegen alle sonstigen Beobachtungen. Im tüern des Gebirges ist es doch sonst immer wärmer als den Strecken, und hier ist es bedeutend kälter." „Es muß an der verschiedenartigen Schichtung liegen", meinte Werner, „sonst kann ich mir die Sache auch nicht erklären. Aber natürlich leitet brüchiger Tonschiefer die aus dem Innern der Erde kommende Wärme ganz anders als der Sandstein. Der Sandstein kann wieder mit Ton durchsetzt sein, und das letztere ist sogar wahrscheinlich. Vielleicht kommt die Kälte aus einer Tonschicht, unterhalb deren sich Wasser befindet." „Sollen die Beobachtungen fortgesetzt werden?" „Warum nicht?" antwortete Werner. „Immerhin bekommen wir vielleicht einige Resultate, die uns Material zu einem Artikel für eine Fachzeitung geben. Man ninß solche Beobachtungen den Fachgenossen nicht vorenthalten. Vielleicht hat man auch an anderer Stelle ähnliche Temperatur- disserenzen bemerkt." Als Werner mittags »ach Hause kam, teilte ihm Frau Wolf mit, der Hauptmann Kersten habe schon dreimal an- telephonicrt und müsse durchaus den Bergrat sprechen. „Ist der wieder hier?" fragte Werner einigermaßen überrascht, denn er wußte von der Rückkehr des Hauptmauns nichts. Er vernmtete auch, daß der Geheimrat gegen seine Absicht bereits zurückgckehrt sei, und telephonierte in der Wohnung an. Die Wirtschafterin aber teilte ihm mit, der Hseheimrat sei noch nicht zurückgckehrt, wohl aber der Haupt- Ntasln seit dem Tage vorher. Der Hauptmann war nicht anwesend, sonder» nach Neuenburg gefahren; indes wollte er rtachmittags wieder da sein. Werner bat ihm mitzuteile», daß er (Werner) sich gemeldet habe. Im Gencralbureau fand Werner nichts Wichtiges vor. Als er dann nach der Theresienhütte kam, ivurdc ihm mit- geteilt, der Hauptmann Kersten habe sich wiederholt telephonisch gemeldet. Werner ließ sich sofort Verbindung mit der Wohnung des Gehcimrats Kersten besorgen, und diesnial antwortete die Stinime des Hauptmanns sofort selbst: „Ich muß Sie sprechen, heute noch, unter allen Umständen", erklärte er, als er erfuhr, wer am Apparat sei. „Ich stehe gern zu Ihrer Verfügung", antwortete Werner. „Ich bitte, können Sie um 8 Uhr in der Weinhandlung von Zimmermann sein?" „Jawohl. Es wäre mir allerdings lieber vielleicht um achteinhalb Uhr." „Also um achteinhalb Uhr erwarte ich Sie bei Zimmermann", kani die Antwort. Die Stimme des Hauptmanns hatte merkwürdig erregt geklungen. War etwas mit dem alten Herr» nicht in Ordnung? War Gcheimrat Kersten vielleicht erkrankt oder gar verunglückt? Warum war Lothar allein zurückgekehrt, und weshalb wünschte er Werner so dringend zu sprechen? Nun, in wenigen Stunden wußte Werner ja, um was es sich handelte. Der Dienst vollzog sich nachmittags wie immer; nur verließ Werner etwas zeitiger die Theresienhütte, uin nach dem Bauplatz zu fahren, aus dem die Mädchensortbildungs- schule errichtet wurde. Er wollte sich selbst von dem guten Fortgänge des Erweiterungsbaues überzeugen, um am nächsten Tage dienstlich an Dora berichten zu können. Werner aß dann Abendbrot, kleidete sich um und fuhr mit seinem Auto nach der Stadt zn Zimmermann. Hier fand er den Hauptmann Kersten in Zivil, doch in Gesellschaft zweier Offiziere von dem Infanterie-Bataillon, das in Ncuenburg in Garnison stand. Hauptmann Kersten, der ei» auffallend gerötetes Gesicht hatte, kam auf ihn zu und sagte: „Bitte, wollen Sie im Nebenzimmer Platz nehmen. Ich muß allein mit Ihnen sprechen, ich komme sofort zu Ihnen." Es handelt sich also um eine wichtige Sache, dachte Werner, als er nach dem Nebenzimmer ging, das noch ganz leer war, um sich hier einen Platz zu suchen und die Weict- karte zu prüfen. Nach wenigen Minute» kam Kersten in das Zimmer und nahm am Tische Werners Platz. Werner wartete auf die Anrede des Hauptmanns; dieser aber saß ihm stumm gegenüber und klemmte die Unterlippe zwischen die Zähne. Daun blickte er auf, und Werner erschrak über den haßerfüllten Blick, der ihm aus den Augen des Hauptmanns entgegenleuchtete. Kepsten schien sich nur mühsam zu beherrschen. Langsam und Mit eigentümlichem Tonsall begann er: „Ich hatte heute früh Gelegenheit ungesehen von Ihnen zu beobachten, wie Sie von dem Spazierritt mit Frau Glover zurtickkehrteu. Ich sah, wie Sie ihr zweimal zärtlich die Hand küßten, ich sah, >vie Sie ihr entgeistert nach- starrteu, ich sah, wie sie endlich in demselben Zustand von Entgeisterung nach Hause ritten." Der Hauptmann inachte eine Pause, und Werner fühlte sich nicht veranlaßt, ihm zu antworten. Diese Einleitung war denn doch etwas sehr sonderbar. Seine Ruhe schien aber Kersten noch mehr zu erregen. Hastig stieß er die Worte hervor: „In welchen Beziehungen stehen Sie zu Frau Glove iir Jvershosen?" „Wollen Sic mir vielleicht sagen, was Sie zu dieser Frage berechtigt?" fragte Werner scharf. „Was mich dazu berechtigt?" entgegnete Kersten. „lltun, es ist eine Unverschämtheit von Ihnen, Ihre Augen zn diele» Frau zu erheben! Sie sind ein Mitgiftiäger und weitert nichts. Wenn Sie aber durchaus nach Geld heiraten wollen, so wenden Sie sich doch an das Gänschen in Saarkiochen, an Ihre Fräulein Chefin. Dort ist noch mehr Geld zu holen, als bei Frau Glover." Werner hatte sich erhoben. T-er Manu da ihm gegeu- über handelte wohl tu einem Zustand von Unzuvechnunaö!» fähigkeit und wollte ihn durchaus brüskieren. Noch beherrschte sich aber Werner und erklärte: o67 — „Ich nehme a», das; Sie im Fieber reden, Herr Haupte y»ann, und da» Sie nicht wissen, tvaS Sie soeben gesagt haben. Ich will Rücksicht auf Ihren Zustand nehmen, soweit es sich um meine Person handelt. Aber ich untersage Ihnen ein für allemal, eine nicht anwesende Dame zu beleidige» und über Fräulein Buchwald Aeußerungen zu tun, die ebenso verletzend wie unpassend sind." „Also auch ein Ritter dieser Dame!" höhnte Kersten. „Run, wenn Sie Mut haben und so ritterlich gesinnt sind, Wissen Sie ja, was geschehen soll." Lersten machte kehrt und verließ das Zimmer. (Fortsetzung folgt) Unsere Zchwarzwaldfahrl. Bon Direktor Brackmann. Glühend hoch brannte die Sonne vom Himmel herab aus Unseren ersten Abkochplatz bei Ziegelhausen am Neckar. Unsere Zelte, die das Regiment Kaiser Wilhelm liebenswürdigst geliehen lfatte, gemährten einen guten Schutz gegen die glüheirden Strahle», und bald schmorte und kochte es in allen Töpfen. „Das ist der Duft der Kückie" sang einer aus der hungrigen Schar mit grober Begeisterung. Und Hunger hatten wir alle. Mit der Abfahrt am l. Juni morgens um 4,56 Uhr von Gießen hatten wir, mit zehn Teilnehmern des GießenerP ädagogiums, kaum etwas gegessen. Mit einer ungestümen Fugcndkrast, die überhauvt nicht erschöpsbar schien, waren war in Heidelberg aus dem D-Zug geklettert, aber allein schon der Marsch auf das Schloß "mit 40 Pfund im Rucksack hatte uns gezeigt, daß wir keinen Spaziergang vor uns haben würden, sondern eine tüchtige svort- liche Leistung. Galt cs doch noch, aus unserer Fahrt den Feldberg bei Freiburg mit seinen 1500 Meiern zu besteigen. — Doch langr- sam, eins nach dem andern. Essen stärkt ja wohl, macht aber auch träge. Wdr es deshalb zu verwundern, daß wir mit einem Nachen gen Heidelberg fuhren. Noch ein letzter Blick auf das Schloß, Lessen Anblick immer und immer wieder das Herz mtt Freude füllt, ging es unter frohen Schesfelliedcrn zur Bahn und dann mit dem D-Zug nach Straßburg. Die Schwarzwaldbcrge zu uncsrcr Linken wurden höher und höher, die Hornis-Gründe grüßte herüber, als wollte sie sagen: „Seht frohe Gesellen, so hoch müßt Ihr steigen und noch einmal die Hälfte höher, dann hobt Ihr meinen größeren Bruder bei Frciburg bezwungen." Doch das konnte uns gar nicht sonderlich imponieren. Ter Mensch ist ja dann immer am leichtesten bereit, sich seiner Leistungen zu rühmen, wenn er nichts zu Icisten hat. Als wir am Bahnhof in Straßburg erfuhren, daß unser Quartier (Kaserne d. Fußart.-Regts. Nr. 10) noch 5 4 Stunden entfernt lag, wurden selbstverständlich aller Gesichter lang und länger Glücklich angckouimcn, ging es mit derselben Selbstverständlichkeit ans — Essen. Wie um eine Ausrede verlegen, tvenn es gilt, sich selbst zu verteidigen, behauptete man allgemein, der Ballast im Rucksack müßte entfernt werden und wäre, da dies die einzige Möglichkeit, im Magen zu verstauen. Daß uns trotz dieser ausgiebigen Krastzufuhr am ersten Tage unserer Fahrt und einer erauickenden Nachtruhe auf Slroh- säcken, die nur einmal durch eine leider erfolglose Jagd auf Mäuse unterbrock>eii wurde, am Morgen des nächsten Tages die 380 Stufen zur Plattform des Münsters leichter geworden wären, läßt sich kaum behaupten. Tie Achtung vor Meister Erwins! Werk wuchs mit jeder neuen Treppenstufe. Doch ein herrlicher Rundblick pon oben belohnte uns und nicht ohne besondere Anerkennung gedachten wir Goethes, nicht weil er mit solcher Begeisterung von dem auch für uns herrlichen Denkmal gotischer Baukunst geschrieben hat, sondern — Poesie und Prosa! — weil er bei seinem Bemühen, schwindelfrei zu werden, von seinem luftigen Standort nicht abgestürzt war. — Doch, wir durften nicht nur bewundern, wir wurden vielmehr auch bewundert. Einige Ausrufe zeigten das. „Deutschlands letzte Rettung" wurde mit der Antwort guit- tiert: „Und Frankreichs Ende!" Scheinbar hatte der Französling, dessen Gehege seiner nicht mal guten Zähne das Wort entflohen war, genug von unserer Antwort: sein, höflich gesagt, nicht sehr geistreickies Gesicht und schneller Abgang bewiesen das. „La guene civile" sagte ein anderer. Wieso >vir den Bürgerkrieg darstellten, war uns zunächst wenig klar. Als uns dann aber eine, imc es schien, den gebildeten Ständen angehörige Dame fragte, ob wir denn unsere schwarz-rot-gelbc Jahne — toir hatten unsere Tourenfahne mit den Farben des Pädagogiums, die uns vergangenes Jahr auf unserer Rheintour auch begleitete, wieder mitgenommen — so öffentlich tragen dürsten, das seien doch die Revolulions- sarben von 48, da begann es uns zu dämmern. Stille Heiterkeit und umso größere Freude an den geliebten Farben waren das Resultat der naiven Anfrage. Im allgemeinen trafen unö in Straßburp wenige freundliche Blicke. Tie Wackesgelchichte von Labern hat scheinbar das niedere Volk nicht gerade für Deutschland begeistert. Oder war es etwa schon vorher so> In Frcibrirg, dem nächsten Ziel unserer Fahrt, gefiel cs uns allein deshalb schon bedeutend besser. Wir bedauerten nur uncnd- llch, daß der Turm des herrlichen Münsters, dessen streng gotische. himmclanstrebende Schlankheit bewundern zu können wir uns so lehr gefreut hatten, mit einem riesigen Holzgcrüst umgeben! war. Acht Jahre soll das gräßliche Ding stehen bleiben, sagte man uns. Um so mehr Beachtung fanden die anderen Bauten der Stadt, alte und neue. Besonders die für die moderne Baukunst charakteristische neue Universität erregte unsere Bewunderung Ein herrlicher Bau in seiner machtvoll, breit hingelagcrten Sckßvere. Dabei innen von einer trotz marmorner Treppen imponierenden Schlichtheit. Es muß eine Lust sein, in solchem Hause bedeutend»» Lehrern zu lauschen. — Doch zurück zu unserer Fahrt. Nackchem uns das Freiburger Artillerieregimcnt gastlich ausgenommen, gings am nächsten Morgen mit der Bahn bis zur Station Himmelreich. Hier sollte die eigentliche Fußwanderung durch den südlichenSchwarp- wald beginnen. Vom Himmelreich gings — ins Höllental. Grausiger Namen, aber herrliche Landschaft. Immer neue frohe Lieder führte» uns die stark steigende Straße hinaus am Hirschsprung Und an der Ravennaschlucht vorbei nach Titisee. Das wild zerklüftete Tal entließ uns zu einem herrlichen Blick auf den zirka 800 Meter hoch liegenden See. Nach kurzer Rast gings weiter. Das anfangs etwas trübe Möller klärte sich mehr und mehr aus und der Rucksack zeigte bei der immer stärker werdender Steigung bald, daß noch genügend in ihm war. Wenn dieser oder jener nicht mehr so recht weiter konnte, dann „wurde die Landschaft betrachtet", ein eitpheniistischer Ausdruck für „Luft schnappen". Endlich nach langem Steigen kam der auf seinen Höhen noch mit Schnee bedeckte Feldberg in Sicht und wurde mit kräftigem, dreimaligem Heilrus begrüßt. Doch wer geglaubt hatte, datz wir nun bald am Ziele wären, hatte sich gründlich geirrt. Noch zwei Stunden angestrengten Steigens gebrauchten wir, ehe wir am Feldbergerhof und Bismarckdenkmal vorbei aus dem höchst«« Gipfel anlangten. Auch hier nur eine kurze Rast, da die Alpen im Nebel lagen und nicht gesehen werden konnten, schnell eme Aufnahme der Wanderer im Schnee gemacht, dann gings hinab nach Macnzenschwand. Hinab, ja eigentlich! Aber uneigentlich verliefen wir uns und lairdeten nach nochnialigem starkem Steigest auf dem Hcrzogen-Horn. Von da gings ohne Weg nach dem Kompaß. Ter dadurch notwendige Abstieg an einer fast 300 Meter hohen ziemlich steilen Wand war nicht ganz leicht, führte uns aber dem ersehnten Ziele greisbar näher. Fast 60 Kilometer warm wir an diesem Tage gelausen, trotzdem wurden die 40 Kilometer des folgenden Tages, der uns durch das herrliche Albtal nach Alb- brück führte, gut zurückgelegt. Alles war gesund und munter und — müde. Und dennoch bewuirderten wir nach unserer Abkunft in Neuhausen, wohin uns der Zug gegen 10 Ubr brachte, in heller Begeisterung den im Mondschein überwältigend schön daliegenden Rheinfall bei Schafshausen. Wenn Goethe einst schrieb, man werde nie alle Empfindungen, die diese Naturerscheinung in uns Hervorrufe, restlos »um Ausdruck bringen könnm, so fanden wir das am anderen Morgen beim Blick vom Käuzelr und Fischatz aut die gewaltigen, den Felsen hinabdonnerndm Walsermassen erst recht bestätigt. — Doch weiter! Mit dem Dampfer gings stromauf nach Konstanz. Auf dem Untersee überraschte uns ein ziemlich starkes Gewitter. Ein Blitz schlug in ein von unserm, Schiffe gar nicht allzu weit entferntes lleines Schifferboot Und erschlug den Insasse», einen Schisser airs Ermattingcn, wie wir später erfuhrm. Die Naturgewalten in ihrer Riesengröße und die Kleinheit des Men- schen kamen uns an diesein Tage unserer Fahrt so recht zum Bewußtsein. Konstanz hatte sein FestNeid angelegt. Doch nicht, lvie wir selbstverständlich zuerst im Bewußtsein unserer Bedeuttmg an- nahmen, um uns, leider! Die badischen Minister und Landtags- abgeordneten weiltm in dm Mauern der Stadt. Zum erstm Male seit hundert Jahren, wie ein Wgeordneter au, dem abends im alten Konzilgebäude stattfindmden Festbankett in seiner Rede betonte. Uebrigens ein Ort. bedeutende Feste zu feiern, wie er besser nicht zu findm ist. Die Saaldeckm werden von gewaltigen Eichbäumen getragen, zwischm dmen schon Duß sem Todesurteil empfing, u. das Groß-Konzil der katholischen Kirche von 1414—1418 staltsand, das einzige auf deutschem Boden. Sre haben gegrünt, als die Karolinger noch regierten und vielleicht haben sie einem aus der Jagd ermüdetm Herrscher aus diesem Hause zu erauickmder Rast kühlenden Schalten gespendet. Schauer ahnungs- voller Erinnerung an jene Glanzzeiten deutscher Geschichten wurden beim Durchschreiten der Säle in uns wach. Altes und Neues reicht sich hier unten am Bodensce die Hand: Konstanz und Fried- richshascn. Hier der Glanz allen Bürgerreichtums 0>Kvnstantia dives" sagt der Chronist', dort der Liebling des Deutschlands voll heute: Gras Zcpvelin Gern, allzugern hätten wrr einen Blick in die Werkstätte dieses großen Teutschm geworfen, aber das gräßlichste Regenwetler vereitelte diesen Wunsch und am nächsten Morgen gings nordwärts am Hohmtwiel, dem Ekkehordberge, vor- ber über Tvnaucschmgen, wo wir zum Besuche der Donauguells noch einmal Halt machten, durch unzählige Tunnels besonders bei Tribcrg, in ununterbrochmer Fahrt wieder nach Gießew — Sechs Tage wareii wir imlerwcgs, unendlich viel Schöiies in Natur und Menschenwerk haben wir gesehen. Das best« Tonnmwetter hatte uns bis zum letzten Tage begleitet. Kern Wunder, wenn alle Teilnehmer trotz einer gewissen Müdigkeit freudig bereit waren, die Tour gleich noch einmal zu mache». Ziel und Ziveck der Fahrt, der Jugend die Schönheit unseres weilereii Vaterlandes tat zeigen, sie Deutschland immer noch mehr I'.-ben zu lehren und ehren Körper durch tüchtige Drarschleistmigen zu stählen, treue Kmiteradsckzasi »u pflegen, war vollkonnnen erreicht. Der ehrliche begeisterte Dank der Teilnehmer ait den F-tthrer hat dies bewiesen. Ich möchte jedock, hier nicht verfehlen, diesen Dank an die Militär- und Bahnbehörden weiterzugeben, die durch ihr liebenswürdiges Entgegenkommen — leihweise Ueberlassung von Zeltbahnen, freies Kasenienquartier, Erlaubnis, trotz der F-ahrpreiS- ermäßigung V-Züge zu benutzen — die Tour ermöglicht haben. Line prinzentragödie? Aus Petersburg wird uns geschrieben: In der Rnßkaja Starina werden die Erinnerungen eines früheren Sekretärs des Moskauer Militär-Gcneralgouverneurs aus den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts veröffentlicht: eine der Episoden aus deint Lehen des Beamten darf die Aufmerksamkeit iveiterer Kreise beanspruchen, ist doch ihr Held eine Persönlichkeit, von der man an- nehinen must, daß sie dem österreichischen Throne nahe gestanden hat und einem schweren Schicksal verfallen gewesen ist. Bei dem russischen Militär-Generalgouverneur lief aus dem Kreise die Meldung ein, dass ein vornehmer Reisender, angeblich ein österreichischer Graf W., auf einer der Poststationen den Postmeister geprügelt habe. Währenddessen war der Graf bereits in Moskau eingetroffen und er ersuchte, nachdem er aus der Kanzlet des Generalgouverneurs an »stelle eines ausländischen Passes «inen anderen erhalten hatte, uni eine Audienz der dem Generah- gouverneur Fürsten Dnutri Wladimirowitsch Golizyn. Der Graf erschien ,md er bestach alle durch seine schlanke, überaus elegant«! Figur, durch seine männliche Schönheit und die Anmut seines unverkennbar avistokratischcn Wesens. Er meldete dem Fürsten, daß ihm ein betrübender Zwischenfall zugestohen sei, der Postmeister habe sich so ungehörig benommen, das ihm die Geduld gerissen sei und er sich so umt vergessen habe, den Menschen zu v-üge!»: er sehe seinen Fehler ein und er ersuche den Fürsten, ihm Fingerzeige geben zu wollen, ivie er seine Sckpild mildern, die zugefllgte Beleidigung wett machen könne. Der Fürst, der kürzlich selbst in ähnlicher Lage gewesen war, versprach dem Fremden jede Unterstützung, die von ihn« abhängig sein könne. Damit schien die Angistegenheit erledigt. Allein indessen traf aber vom Chef der politischen Geheimpolizei, Grasen Benckendorsf, der Befehl «in, den Patz des Grasen W. ihm zu übersenden und den Grafen schars zu überwachen. Der Fremde wurde sofort mit Spionen umgeben, was ihn jedoch nicht hinderte, Bekanntschaften rn der besten Moskauer Gesellschaft anzuknüpsen. Er wohnte in dem besten Hotel der Stadt, und er war bald in allen Salons ein gern gesehener und verivöhtiter Gast. Zwei Wochen später erhielt Golizyn von Benckendorsf ein toeiteres Schreiben, das den Fürsten in Bestürzung versetzt:. Benckeirdorss teilte mit, daß ein allerhöchster Befehl vorliege, nach dem der Fremd«, der sich den Titel eines österreichischen Grasen, W. beilege, nach Sibirien zur Zwangsansiedelung zu verschicken sei: irgendwelcher Erklärungen dem Grasen gegenüber bedürfe es nicht. Fürst Golizyn vermutete ein Mißverständnis; er führte den kaiserlichen Befehl daher nicht aus und ersuchte Benckendorsf, dem Kaiser zu melden, das, die Deportation eines Ausländers, der in Rustland absolut nichts begangen habe, was zu so schwerer Strafe Anlatz geben könnte, in Rußland und in ganz Europa viel -lufsehen erregen würde. Immerhin erachtete er es für notwendig, den Grafen zu verhaften und seine Briefschaften u,td sein Gepäck aufznhalten. Ein Beanitrr des GencralgouvernenrS erschien an, frühen Morgen bei dem Fremden Der Beamte meldete, dem Grasen stehe „eine unerwartete Reise" bevor. Der Fremde glaubte, man ivolle ihn ans Moskau ausweisen, und wate nur, er hoffe, man ivetde ihn nicht nach Oesterreich ausliefern. Als er erfuhr, das, er nach Sibirien verschickt iverden solle, erstarrte er: ein Blutstrom schoß ihm aus Mund und Nase mrd er mußte sich auf einen Sessel, den man ihn, reichte, niederlassen. Man enoies ihm ärztliche Hilie: er wurde in einem der Polizeihäuser interniert und mit allen, möglichen Komfort umgeben. Es envies sich daß er über außerordentlich große Geldmittel verfügte. Fürst Golizyn verlangte von Benckendorsf nochmals, daß dieser dem Kaiser seine ernsten Bedenken melde, doch als Antwort kan, nur die Nachricht, der Beseht sei nach Gesunöung des Grasen unverzüglick, auszusühren. Nack, zwei Monaten ivar der Graf soweit gesundet, daß er bei Golizyn um eine Audienz nächst, che» konnte Der Fürst enipsing ihn in seinem Empfangszimmer, nahm ihn unter den Arm And geleilele ih» in sein Arbeits- geniach. Nach einiger Zeit verlangte der Fürst das Portefeuille des Grasen: der Sekretär, der das Verlangte h.'rbcischaffie. sah, dast der Fürst den Fremden mit ausgesuchter Höstichkeit behandelte, imd er hörte, ivie er ihn „Hoheit" titulierte, Nach gerannter Zeit öffnete sich die Tür, der Fürst liest dem Fremden den Vor- tritt und er geleitete ihn wie eine Person von bohent Rattg, bis zur Treppe. Der Fürst ,oar sehr erregt: ec schrieb in französischer Sprache an den Kaiser einen außerordentlich kühne» Brief, in dem er daraus hinwies, das, die Erfüllung des kaiserlichen Befehls ein europäischer Skandal sein würde, daß der Befehl 3Ü» — gegen das Völkerrecht und gegen di« Grundgesetze txtf Reichel verstoße und daß er daher den Kaiser anflehe, den Befchl rückgängig tat machen. Er habe sich aus den Dokumenten und von Moiunchmr an den Fremden gerichteven Briefen überzeugen können, daß dieser lvirklich .... sei — hier ließ der Fürst in seinem Briefentwurf einen freien Raum — und er bat den Kaiser, die in Rede stehende Person lediglich aus dem Reiche auszuivetsen. Nachdem der Brief ins Reine geschrieben worden war, füllte der Fürst die Lücke aus, unterzeichnet« ihn uttd öersiegelte ihn eigenhändig mit seinem Mappensiegel. Nach einiger Zeit erfolgte der Befehl, die Person, die sich Gras W. nenne, nach Odessa zu bringen und sie dem Fürsten Poronzow zur Verfügung zu stellen. Vor seiner Abreise ivar der Graf beim Fürsten Golizyn und nachdem man ihm seine Dapiere und sein Geld eingehänüigt halte, verlangte er zu tvissen, wieviel die russische Regierung für ihn verausgabt habe: er bezahlte in der freigiebigsten Weise die Aerzie. die ihn behandelt hatten, die Dienerschaft und die Polizisten; dann bestieg er seine Reisekutsche und reiste unter Bewachung nach Odessa ab. Dem Sekretär des Genrralgouverneurs. den diese geheimnisvolle und unzweifelhaft sehr vornehme Person anßevordenlüch interessiert«, gelang es nur zu erfahren, daß der österreichische Höf vergingt habe, daß der Gras verschickt werde. Die ans Odessa zu rück ge kehrten Gendarmen, die der Graf fürstlich beschenkt halte, wußten zu erzählen, daß man.ihn in Odessa sofort in den Hasen gebracht habe, wo ein Dampfer auf ihn gewartet habe, der sofort in See gegangen sei, unt den ,Grafen nach Konstantütopel zu bringen, wo er die Freiheit erlangen ,sollte. Es hieß später, daß es sich um einen Erzherzog gehandelt habe, der an einet: Revolution beteiligt gewesen sei. vüchertisch. — Dte.neue Münchener T h e a t e r z e i t s ch r t f t „P h ö b u S veröfientlicht in der Mai-Nummer einen Protest gegen die Massenkonfiskation der Berliner Wochenschrift „Die Aktion", Eine Reihe der namhaftesten Münchener Schriftsteller und Maler, wie Frank Wedekind, H. Mann, Th. Mann, M. Halbe, K. Henckell, W. Kandinsky u. a halten es sür geboten, zur Tenöenz uttd zt« den künstlerischen Absichten der „Aktion" ihre Sympathie kund- tatgeben. — In demselben Heft spricht Hugo Ball über daS aktuelle Thema „Münchener Künstlerlhealer" und entlvickelt den Plan der jüitgeieu Künstler, die femerieit gegen die Verpachtung de» KünstleriheaterS an das Düsseldorfer Sckzauspielhaus protestierten, Er führt aus, daß cS sich nicht um eine Reform, sondern um einen Bruch mit der Tradition handelte. Es sollte ein „Theater dev Neuen Kunst, d«S Expressionismus" gescktafsen werden. — Kurt Kersten stellt in einem Aufsatz „Ueber Brahm und Reinhardt" den stillen, skeptischen Brahm den „Fachmeuschen" Reinhardt, deskeit Schwungkraft und Behendigkeit er anerkannt, dessen innere Teilnahmslosigkeit er aber bloßlegt, gegenüber. — In einem sehe interessanten Essay über „Künstlerische Probleme des Bühnenbildes" gibt Karl Adrian die ^Möglichkeit an, tute die Bühne, die nicht mehr Raum für die Figuren sein soll, imstande ist, als ein Bestandteil einer farbigen, die Figuren umfassenden Gesamt- kompositiou zu ersckzetnen — GriebenS Reiseführer: Band 22, „Belai«tt", 14. Auslage. Mit Ist Karten. (3 Mk i Verlag Albert Goldschmidt. Berlin W. 33z Alle in dieser Neuauflage des Führers „Belgien" enthaltenen Angaben über Hoteipreise, Besuchstunden der Museen, Straßenbahnen, Vergnügungsorte ufw. sind einer gründlichen Durchsicht unterworfen worden. Auch in bezug aus Museen und andere Sammlungen wurden Ergänzungen und Berichtigungen aus das Gewissenhafteste vorgenomnien, so daß die neue Ausgabe als die zurzeit denkbar genaueste angesehen werden kann. Da außerdem die Einteilung des Bandes besonoerS übersichtlich gehalten ist, und das beigegebene reiche Kartenniaterial gleich dem Text dem neuesten Stand entspricht, dürste der bereits bestens bekannte und beliebt« Führer zu seinen alten Freunden sicher zahlreiche neue gewinnen, i— Ziu gleicher Zeit erscheint ein Sonderaödruck des Führers, betitelt „Brüssel und Anltverpen", zum Preise von 1.20 Mk. Räijel. Kennst du die Schaar von mutigen Gesellen — Ich sage nicht. wie viel es ihrer stnd — Die furchtlos sich dem Jeind enigegenstellen, Der foielend jeden Sturm an! sie gewinnt k Niinntst dtt dar Hanvt — ein großes K - von ihn««, 2o bleibt ein Tier, da« wohl nicht jeder liebt. Zivar ist es manchem schon gar treu erschienen. Doch mir Io lang er iäui fein Ür'le« gilsi. Auslösung in nächster Nummer. Auslösung des Arithmogriphs in voriger Nummerr Reiher — Har — Trier — Tee — Kirnt — Ruhr — SniS -» Hnje — Anftee — Ut)u — Snvainte; 31 i 11 e r S ()« tt 3. Redaktion kl Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen IlniversitätS-Buch» und Steiudruckerei, R. Laiige, <&iel«fc