Wriber-Kegiment. Kornau von OSkar Klaußmann. (Nachdruck verboten) (Fortsetzung.) ,,Wer steckt denn eigentlich jetzt in dem Generalburean?" fragte Werner de» Grasen. „Das Generalburean ist ganz so geblieben wie zu der eit des alten Bnchwald und seiner beiden Söhne. Es be- ndet sich in einem Flügel des Schlosses in Saarkirchen und besteht ans einer großen Registratur und Kalkulatur, wo sämtnrbe eingehende Berichte und Rechnungen geprüft werden. Ein Jurist, zwei Berg- und Lütten-Ingenieure und ein Maschinen-Jngenieur sind nebst einer großen Anzahl von Bureau-Angestellten die Hauptmacher. Geheimrat Ker- steu kommt fast täglich, um sich die Eingänge vorlcgen zu lassen und um wichtige Entscheidungen zu treffen, bei denen er natürlich immer wieder Fräulein Buchwald zu Rate zieht, denn die ist die alleinige und unbeschränkte Besitzerin. Ich will mal mit den Leuten im Generalburean sprechen ivegen Austausches eines Stück Feldes, das ich zur Anlage einer Halde für meine Hütte brauche. Ich will inich nicht direkt an Fräulein Bnchwald oder an den Gehcimrat tuenden, damit ihnen eine etwaige Ablehnung meines Wunsches leichter fällt." Unmittelbar hinter Dasburg trennten sich die beiden Freunde, und Werner galoppierte bis zu seiner Billa, unr dort den Reitanzug abzulegen, ordentlich zu frühstücken und dann in dem Auto nach der Justinus-Grube zu eilen. Auf seinen Wunsch hatten sich sämtliche Beamte, die nicht im Betriebe waren, im Zechenhause eingefunde», und zuni ersten PAal« hielt Werner mit ihnen eine der Konferenzen ab, die er auch mif der Theresien-Hütte für die Beamten eingesührt batte. Es wurden ganz kollegialisch alle dienstlichen Angelegenheiten besprochen. Werner wünschte, daß jeder Beamte srme Meinung äußerte, und ermutigte besonders die jüngeren Beamten, zu reden, die in der ersten Zeit bei diesen ungewohnten Konferenzen sich allzusebr im Hintergründe hielten Werner wünschte indes, daß die Beamten jederzeit i» der Lage seien, ihre Meinungen und Erfahrungen über den Betrieb zu außer», schon uni ihnen das Gefühl zu nehmen, daß sie nur Maschinen seien, welche die Befehle üeS obersten Leitenden ausfiihrte» Nichts lag ihn, ferner als der Glaube an seine Unfehlbarkeit, uitb er war Fachmann genug, um den Beamten schon nach kurzer Zeit klarznmachen, daß er nicht trur die Sache verstand, sondern auch eine reiche praktische Erfahrung besaß Ein anderer hatte vielleicht gefürchtet, den Beamten unselbständig zu erscheinen, wen» er auch ihr« Meinung und ihre Erfahrung beachtete. Werner hatte im Gegenteil die Beobachtung gemacht, daß diese Besprechungen nicht nur für den Betrieb sehr loertvoll waren, sondern auch angenehme Beziehungen zwischen ihm upd den Beamten herstellten. Werner hatte praktische Erfahrungen im Kohlenbergbau sotvohl in Deutschland jvie in Belgien und in Nordamerika gesammelt: er kannte einen Betrieb, der viel intensiver war als der bisher auf IusttnuS-Grube übliche, er loar außerdeni über die neuesten Betriebsmittel und ihren Wert unterrichtet. Er merkte es selbst, wie anregend auf die Beamten die ersten Besprechungen wirkten, und wie sich die Leute erwärmten. Die Konferenz hatte fast eine Stunde gedauert. Dann kleidete sich Werner rasch um und fuhr mit dem Fahrsteiger OSwald auf zwei Stunde» nach dem Bergwerk hinunter, um sich mit allen Betriebsstellen vertraut zu machen. Ein solches großes Bergwerk gleicht einer unterirdischen Stadt mit sich kreuzenden Straßen, die ansteigen und /alle» oder tn gleichein Niveau laufen, zusammen aber so viele Kilometer betragen, daß eS unmöglich ist, innerhalb eines Tages alle Stellen genau keimen zu lernen. Nach der Ailsfahrt erfolgte noch eine Besichtigung der über Tage stehenden Maschinen- häuser und der in diesen ausgestellten Maschinen verschiedener Art. Dann brachte das Auto Werner nach seiner Wohnung, wo in aller Hast das Mittagessen einaenommen wurde, nach dem sich Werner keine Ruhe gönnte, sondern sich sofort noch dein Bureau der Theresien-Hütte begab Nachmittags gegen fünf Uhr ka>n Geheinkrat -ersten zu Werner und teilte ihm mit: „Wchsten Sounabeud kommen Graf Muter und ich zu Ihnen ^uni Skatspieleu. Ich hole Sie hier ab und bringe Äe mit meinem Wagen nach (Ihrer Wohnung. Diese Skatabende sollen abwechselnd bei uiis stattfinden. Es ist dabei auSge- iniacht, daß nur ein Glas Bier und ein belegtes Butterbrot gereicht wird. Wir konNuen nicht zusammen, um zu schlemmen und zu prassen, sondern um nnS zu unterhalte», refp. um Sie von der Arbeit abzuziehen. Also es tzleibt dabei: Sonnabend abend um sechsdreiviertel Uhr hole ich Sie hier ab." „Einverstanden!" sagte Werner. „Und nun bitte ich, mir noch mitzuteilen, ob ich die neue» Nlüne für die Thereften- Hütte Ihnen direkt oder an das Generalburean einretchen soll. Ick, hoffe, bis zum Sonnabend die sämtlichen Entwürfe auch in der Reinschrift vollendet zli habe» Tie Zeichnungen nach ureiueii Skizzen werden auch bis dahin fertig sein." „Reichen Sie die Sachen nur deut Generalburean ein", erklärte Kersteu ; „durch daS Bureau kommen die Lachen an niich, respektive au Fräulein Buchwald. Gerade um Ihretwillen wollen wir den Instanzenweg sorgfältig innehalten. ES handelt sich ja nur um eine Formalität: ich habe Ihnen bereits gesagt, daß an der Genehmigung Ihrer Pläne gar nicht zu zlvetfeln ist." „Ich möchte auch eine neue Brausebad-Anlage auf Justinus-Grube haben," sagte Werner, „und zlvar möchte ich bitten, daß inir die Genehmigung sehr bald erteilt iutrd. Die Leute, die im neuen Felde arbeiten, komme» aus dem Tiefbau vollständig durchschwitzt herauf, nrüssen nach Vorschrift die Kleidung wechseln, und die nassen Kleider werden — 28 « in einem besonderen Schuppen unter der Decke aufgehängk, um dort mit heißer Luft getrocknet zu werden. Tie Leute sollen ein Bad nehme», aber damit geht ihnen nach ihrer Ansicht zu viel Zeit verloren. Sic ivcchseln die Wäsche, schwitzen sofort weiter, wenn sie ihre eigenen Sache» an- ziehe», und ertülte» sich auf dem Nachhausewege. Die jetzige Einrichtung mit dem Badebassin ist unbequem und ungenügend ; die Leute können nur gruppenweise in das Bassin und müssen aufeinander warten. Ich will eine große Halle anlegeu, die mit Brausevorrichtuugen au der Decke versehen ist, und durch diese Halle muß jeder Arbeiter, nachdem er seine Sachen abgelegt hat, hindurch, um auf der anderen Seite die frische Kleidung anzuzieheu. Er muß also unter allen Umständen, und zwar in allerkürzester Zeit, ein Brausebad nehmen, ohne daß Aufenthalt entsteht. Ich will um einen der Schornsteine auf Justinus Grube ein krauzartiges eisernes Reservoir legen, dessen Wasscrinhalt durch die Hitze im. Schornstein erwärmt wird. Wir brauchen das Wasser nur früh und abends, so daß die Schornsteinhitzc jedesmal zwölf Stunden lang das Wasser erwärmen kan». Tie ganze Anlage wird ungefähr 12000 Mark tosten, aber sic ist eine Erleichterung für die Arbeiter und erhält uns die Leute gesund." „Reichen Sie den Plan an das Generalbureau ein," meinte Kersten, „und da es sich nicht um eine größere Ausgabe handelt, wird die Sache wohl bewilligt werden. Nun will ich aber gehen, denn Sie scheinen fortwährend mit neuen Vorschlägen zu kommen." „Ich dachte, Sie hätten solche von mir erwartet, als> Sie mich hierher brachten," sagt« ^Werner, und Kersten bestätigte diese Ansicht, indem er lachend erklärtem „Selbstverständlich habe ich gewußt, daß Sic ein Himmelsstürmer und Reformator sind. Sie sollen auch in allen Dingen Ihren Willen haben, denn Sie werden nichts Unvernünftiges Vorschlägen. Also Sonnabend, vergessen Sie nicht! Ich hole Sie um sechsdreivicrtel Uhr mit meinem Wagen ab." Als sich der Geheimrat entfernt hatte, sagte sich Werner, bevor er wieder an seine Arbeit ging. „'Ich hätte nicht geglaubt, daß der alte Herr ein so fanatischer Skatspieler ist. Er macht ja ei» Aufheben von der Sache, als handle es sich um die Seligkeit. Mas man doch alles an den Leuten erlebt!" Dann tvendete sich Werner wieder seinen Rechnungen zu, bis die Bücher mit de» Briefen gebracht wurde», die zwischen eingebundenen Löschblättern lagen und der Unterzeichnung des Hüttendirektors harrten. Zu den Persönlichkeiten, zu denen Tora Buchwald das vollste Vertrauen hatte, gehörte Graf Klinter. Er war ihr f ckgenüber nach jeder Richtung hin uninteressiert; ihm konnte io wirklich Vertrauen schenken. Sic kannten sich seit der Kinderzeit; die Väter waren miteinander befreundet, die Kinder hatten miteinander gespielt. Die Brüder Doras waren ein Paar wilde Jungen, die keine Rücksicht auf die Krüppelhaftigkeit des kleine» Grafe» nahmen. Er tam deshalb bei ihren Spiele» nicht mit, und unwillkürlich schloß er sich bei Besuche» mehr au Tora an. Sie wurden gute Freunde Und nichts mehr. Tora hätte nie daran gedacht, die Gattin des Grafen Klinter zu werde». Nicht einmal der Titel konnte sie locken, und für ihr Empfinde» war der Tefekt am Bein, den Graf Edmund hatte, ein Grund, um sich ihn nicht als Gatten zu denken. Sie konnte ihn bemitleiden, aber nicht liebe». Ebensogut wußte Tora, daß sie als Gattin niemals für Edmund in Betracht kam. Graf Klinter war, ebenso wie es sei» Vater gewesen, ein liebenswürdiger Mbnsch, der im gewöhnliche» Verkehr keine Standesuntcrschiedc machte, da dies auch praktisch unklug gewesen iväre. Aber im Innersten des Herzens und bis zu einem gewissen Grade waren die Klintcrs doch stolz auf ihre Abstammung und aus ihre» Grafentitel. Schon als Knabe hatte Edmund erklärt, er werde niemals unter seinem Stande heiraten. Für ihn kam Tora trotz ihres großen Vermögens niemals als Gattin in Betracht, den» sie war eine Bürgerliche, und aus Vermögen brauchte der Graf schließlich nicht zu sehen. Er konnte ganz nack) seinem Herzen heiraten, wenn er nur die standesgemäße Lebensgefährtin fand, und er ivar aus dem besten Wege, sehr reich zu tverde», und eifrig bedacht, seinen Besitz zu mehren. Er galt deshalb auch hei Tante Schottelius als gänzlich ungefährlich. Als durch die traurige Katastrophe, die den plötzlichen Tod der beiden Brüder herbeisührte, Tora vollständig von der Gesellschaft abgeschlossen war, bat Kersten den Glasen Klinter. ftrfj choras anzunehmcn, und !j- nicht ganz einsam werden zu lassen Seit dieser Zeit wären Kersten und Graf Klinter ständige Gäste draußen i» Saarkirchen, und es war Graf Klinter zur angenehmen Gewohnheit geworden, täglich bei den Damen vorzusprechcn, sich nach ihrem Befinden zu ertimbigen und eine Viertelstunde zri plaudern, ebenso wie er ständig Gast bei allen kleinen Festlichkeiten draußen in Saarkirchcn war. Allerdings, in letzter Zeit ivurdc Gras Klinter wenigstens der beständig auf der Lauer liegende» Frau Schottelius etwas verdächtig. Er nahm den Mund doch gar zu voll, wenn er von seinem Freunde Werner Spalding sprach. Das lvar keine Lobestrompetc mehr, die Graf Klinter blies, das lvar ein Nebelhorn, das er in Tätigkeit setzte. Ganz von selbst itud ohne daß der Name SpaldingS genannt wurde, kam Graf Klinter immer wieder darauf zurück, wie stolz er aus die Freundschaft mit Werner sei, welch bescheidener, liebenswürdiger, uneigennütziger, psiichtgctreuer und tüchtiger Manu Werner wäre, der a» sicti immer zuletzt denke, vollständig ausgehe in seinem Berus und in den übernommenen Pflichten und doch ein gerader, aufrechter Mensch sei, ein jest umrissener Charakter, ein Manu, der Kopf und Herz aus dem rechten Fleck hatte itud wußte, was er wollte. Tiescs Loblied Werners sang Graf Klinter, wenn er allein bei den Damen war, aber auch, wenn Kersten tam. Ter Gcheimrat war Dora gegenüber sehr vorsichtig geworden; er vermied es, sich lobend über Werner zu äußern, um nicht in den Verdacht der Protektion zu kommen. Wenn aber Gras Klinter alle Register des Lobes für Werner zog, koiinic Kersten natürlich auch nicht schweigen, denn das hätte wie Oppo- siriou ausgeseheu. Er begnügte sich hinzuzufügen: „Spalding tut seine Pflicht in vollstem Umfange, und ich habe es nicht anders von ihm erwartet." Kersten wollte seine Stellung Tora gegenüber wahren. Er war auch bis zu einem gewissen Grade ihr Angestellter, widmete ihr seine ganze Arbeitskraft, und Tora hatte energisch verlangt, daß das nicht ohne Entgelt geschehe. Deshalb war Tora auch sür Kersten etwas wie die Chefin, denn es lmudelte sich um ihr Vermögen, um ihre Werke, und der Gcheimrat traf nie eine wichtige Entscheidung, ohne sie vorher um ihre Meinung gefragt zu habe». Wenn Gras Klinter, der Lobredner Werners, gegangen und Tora mit der Tante allein war, dann begann Frau, Schottelius wieder langsam einzureißcn, was Klinter aufgc- baut hatte. „Tiefer Spalding versteht es, die Leute sür sich einzu- nehmen. Er ist wahrscheinlich ein großer Heuchler, daß er auch den harmlosen Grafen Klinter in dieser Weise beeinflußt hat. Ein Erzengel mit zwei großen Flügeln ist ja gar nichts gegen diesen Bergrat Spalding. Der Mann müßte galvanisch vergoldet und in ein Museum gestellt werden, ein solcher Ausbund von Tugend, Ehrenhaftigkeit und Liebenswürdigkeit ist er. Auch Graf Klinter wird nicht ohne Enttäuschung bleiben. Es ist kein Mensch ohne Fehler, und je mehr man au einem Menschen die Tugenden und Vorzüge hervorhebt, desto mehr fühlt man sich enttäuscht, wenn man die Fehler entdeckt und sieht, wie sehr mau die Vorzüge übertrieben hat. Der alte Kersten ist viel zurückhaltender; das ist ein Man» von Lebenserfahrung, der weiß, daß man niemand in dieser übertriebenen Weise loben darf, bevor man ihn nicht jahrelang geprüft hat. Ich sage dir, dieser Spab- ding ist ein Filou, berechnend und schlau. Aber es steht ja nicht der Graf Klinter allein in seinem Bann, sondern auch andere Leute, die sonst sehr nüchtern und vernünftig urteilen." Ter letzte Satz bezog sich natürlich aus Tora; aber diese schwieg hartnäckig auf die Anzapfungen der Tante. Sie wußte, warum Kersten Spalding nicht ebenso laut und anhaltend lobte, wie dies Gras Klinter tat. Sie wußte, daß sie ihm einmal de» Vorwurf gemacht halte, er protemere Spalding. Aber der alte Geheimrat hätte ruhig dasselbe Loblied singen dürfen wie Graf Klinter. Tora hätte ihm das nicht übclgenommen, und mißverstanden hätte sie ihn auch nicht. Er hätte ja nur die Wahrheit gesagt, ebenso wie der unbeeinflußte, kluge und ehrliche Graf Klinter die Wahrheit sagte, wen» er Spalding rühmte. Spalding war ja auch ein Mensch, wie man ihn selten traf, eine Ausnahme von .Hunderten von Männer», die Dora begegnet waren. Ter war ganz anders als diese Männer; er stand turmhoch über ihnen! lFortsetzung folgt.) 827 — Der Abschied. Eine seltsame Geschichte von Alfred Möller (Graz). An einem .herbstabend saßen im Spicgelsalon eines Hotels ln einer mitteldeutschen Kleinstadt mehrere Herrn zusammen. Sic waren die letzten Gäste ini Saal. Nur zwei Flammen eines elektrischen Lusters brannten noch, tiber ihrem Ecktisch, die Neben- räume waren dunkel. In einem dämmerigen Winkel des Hauptraums schlummerte friedlich ein Kellner. Es war ganz still im Saal, man hörte nur den Hotelstellwagen, dev eben vom Bahnhof gekommen war, in den hos rumpeln. Gleich daraus stürzte ein Kellner herein und weckte durch Zuruf den schlastrunkenen (Kameraden. „he, Fritz! Gedeckt! Ein Gast ist da Wird speisen wollen." Ter Angerusene flog aus. „Ein Gast" murmelte er, knipste'eine Birne über einem Tisch an, legte einen Teller und Eßbesteck aus und errichtete daneben aus einer Serviette die übliche Pyramide. Ei» sehniger Mann mir bronzebraunem Antlitz trat ein, dem trotz des Zivilanzuges der ehemalige Offizier anzusehen war. Er ließ 'eine schwarzen, etwas entzündete», tief liegenden Augen flüchtig über den besetzten Ecktisch scknveisen und »ahm dann dort Platz, wo der Kellner für ihn gedeckt harte. Er schob den Teller zurück und verlangte nur ein Getränk. Tann, zog er den Vorhang am Fenster ein wenig zurück und sah hinaus auf den Nachthimmcl, aut dem der Föhn zerrüttete Wolken, die aussahen wie zerrissene Trauerfahnen, hintrieb. Fetzt, als es so still im Saal war, hörte man das Sausen und Singen des Sturmes besonders deutlich. Ter Man» sah hinaus in die unruhige Nacht und nickte. Die Herren am Nebentisch hatten ihn mit der natürlichen Neugier der Kleinstädter beobachtet. Ter stumme Ausblick des Fremden znm Himmel war ihnen nicht entgangen. Sie wähnten darin einen Ausdruck der Befriedigung zu sehen, sich nun so sicher unter Tach zu fühle». Nur der jüngest, hübschste Leutnant beachtete den Ankömmling nicht, er dachte noch an das Liebesabenteuer, von dem er eben den Kameraden und Freunden erzählt hatte .... „Nun, Sie lächeln ja noch immer, Sie Glücklicher," sagte rin älterer Herr in Zivil, der den hübschen Jungen beobachtete, „Ich denke daran", sagte der Leutnant, „wie viel Glück eigentlich Liebende, wie viel Glück verbotene Liebe, hat. Ich möchte fast sagen, Liebe, auch unerlaubte iLebe genießt den Schutz des Himmels. Gott Amor gibt Blindheit nicht nur dem, der liebt, sondern auch dem, der betrogen wird." Ter Fremde schoß einen finsteren, unwilligen Blick herüber. Tann sprach er schwer und langsam jedes Wort betonende „Sehen Sie sich vor, Herr Leutnant! Die Verblendung der Liebhaber ist ost schlimmer als die Blindheit der Betrogenen. Nicht immer hat heimliche Liebe einen Schutzengel!" „Herr!" fuhr der Leutnant aus. „Ich verbitte mir Ihre unberufenen Einmischungen und Belehrungen." Er faßte nach seinem Säbel. Auch die anderen Tischgenossen blickten unwillig nach denr Sprecher. Ter aber streckte beschwichtigend die Hand aus und kam zu den Gekränkten herüber. „Verzeihen Sie, ich glaubte freier sprechen zu dürfen, da ich zu einem Kanieraden spreche. Ich bin Major im Ruhestand" (er nannte seinen Namen). „Ein eigentümliches Schicksal, das mich heute vor zehn Jahren traf, trat mir bei Ihren Worten eben so Ilar vor die Seele, daß ich mich ünwillkürlich hrnrcißeij ließ. Ihnen zu antworten. Nehmen Sie das einem älteren Kameraden, der Sic nicht beleidigen wollte, nicht übel." Tie Worte wurden warm gesprochen, daß der Leutnant sich beruhigte. In dienstlicher Haltung erwiderte er die Vorstellung des Majors. Auch die übrigen Herrn erwiderten die Vorstellung des Angckommcncn. „Dieser scheußlich lärmende Landwind!" sagte der Fremde, als eben wieder ein besonders heiliger Windstoß gegen die Fenster fuhr und die eisernen Geschäftsschilder an der Straßenecke im Sturnr knarrten und ächzten. „Sie werden mich für einen entnervten Menschen halten, aber dieser Sturm, den ich aus der «ce begrüßen würde, weckt zu Land Erinnerungen in mir, die mich —" Er brach ab. Aber man drang in ihn. „Sie haben mich lvarnen wollen", sagte der Leutnant. „Ich Muß gestehen, ich habe bis jetzt meinem leichtfertigen verliebten/ Herzen nichts Böses, nur ein paar fröhliche Tuclle zu danken gehabt. Wenn Ihre Erfahrungen uns aber belehren könnten, ohne guälendc Erinnerungen in Ihnen zu steigern, wollten wir Ihnen dankbar sein." „Ich will gerne meinen Ausruf von vorhin begründen", ertviderte der Major. „Es ist aus die Gefahr hin, von Ihnen allen ausgelacht zu »verden. Es ist übrigens eine ganz natürliche Geschichte. Nur verhängnisvolle Zufälle, die damals in seltsamer Art incinandergrisscn, geben ihr für mich zuiveilen den Charakter des Geheimnisvollen und Mystischen, den Charakter eines überirdisch waltenden rächenden Gerichts . > .'Dieser Jäh- rcstag und diese unruhige Nacht lassen mich tvicder einmal ausschließlich das Unheimliche, Grausige des Erlebnisses fühlen. Morgen bet Sonnenlicht sehe ich die Sache wohl wieder in klare» nüchternen Farben ... Es sind heute eben zehn Jahre, seit ich die Geschichte erlebte, die Sie nun hören sollen. Ich war m einer größeren Stadt auf Urlaub. Ten Namen gestatten Sie Mir zu verschweigen, obwohl die hauptbeteiliaten tot sind, auch sie, an deren Grab ich Mdrgen abend zu sein hasse . . Sie hatte einen Gatten, der mein Freund war, mehr mein Kamera» als me», Vorgesetzter. Schon unsere Eltern waren innig befreundet . . . Und obwohl sie diesen Gatten liebte und verehrte und obwohl ich als junger Offizier seinen kameradschaftlichen, freundschaftlichen Ton dankbar empfand, geschah doch — nun. Sie werden ja hören ... Er lud mich stets in sein hausi Und wir beide, jch und sie, wir, wir fühlten bald das Nahen der Katastrophe. Das Herz zitterte uns, wenn wir seine graue» haare, seinen treuherzigen Blick sahen. Jch versuchte mich selten in seiner» Hause zu machen, aber da kam er mit Vorwürfen, holte mich selbst. Ich sehe noch ihren angstvollen Blick, als ich sic einst allein zu Hause traf. Wir saßen »ns stumm gegenüber. Sommer über dem Garten. Plötzlich hatte ich ihre Hand, sie begann zu weinen. Nun, meine Herren, wer küßt nicht eine schöne Frau, dankbar, selig. Mer m>an denkt natürlich, die viel zitierte moralische Kraft würde hinreichen, es dabei bewenden zu lassen. So dachten auch wir, aber der Teufel machte Gelegenheit, ich hielt sie öfter auf Augenblicke in meine» Armen. In ihren Augen begann eine Sehnsucht zu brennen, die jeder Manie versteht. Was blieb »ns übrig? Ihm alles sagen? ,Der Erzähler lachte höhnisch ans.) Es wäre zum Tuest gekommen. Ich sagte schon, sie liebte ihn. Miso sollte ich sie mit Verlusten strafen? Aber noch war ja nichts geschehen. Ihm entging es übrigens nicht, daß seine Frau stistcr geworden war, befangener., Sic litt unter der Lüge. Sie hatte keinen Tropfen leichten Blutes. Wenn sein Blick manchmal besorgt forschend ihr in die Angen brannte, dann sah ich, wie ihr die Tränen «heiß aufquostcn. Und ich mußte zwischen beiden sitzen und sehen und schweigen... Da kam eines Tages die Katastrophe. Anders alsjSie denken, meine Herren, ganz anders . . . ohne offenen Kampf . . . furchtbar anders..." s Er brach ab und horchte hinaus. Draußen lännte der Sturm. „Ja, ja, so war es," nickte der Erzähler, y ,fo eine Nacht war's... In der nahen Industriestadt war Ärbeiterausstand. Die Polizei war angegriffen worden, die Arbeiter hatten aus den Häusern geschossen. Auch von uns wurden zwei Kompagnien hinbcordert. Leider nicht meine, sondern die des Hauptmanns, meines Frcuiches. Er lud mich zu sich, er wollte seine Frau, die voll Sorge um ihn war — glauben Sie mir, es war ehrliche Sorge — nicht allein wissen. Und ich "ging, ging hin. hinaus durch einsame Vorstadtgassen, in das Villenviertel, wo sein heim war. Es war ein wilder hcrbstabend. i Schwarze Wolkenfetzcn am Himmel, Geheul und Geächze in der iflfrift, ein Sausen und Zischeln der welken Blättermässen, die rauschend Aber den Boden fegten. Und dann leuchtete mir warm.und lockend das Licht ihres Hauses, das ganz einsam als,eines der letzten der Stadt stand, entgegen. Und plötzlich war alles, ,war das Geftihl einer drohenden Schuld sortgeblasen aus meinem Herzen, nur Sehnsucht uich ein verblendendes Gefühl der Freude war da! Mit dieser Sehnsucht kam ich zu ihr, noch zwang mich ihr bittender, hifflos flehender Blick auf einige Augenblicke zur Ruhe, ein unendliches betäubendes Lcbcnsgesühl war in inir, ich fühlt^ nur das Glück dieser Minuten, stürzte vor sie hin, umfaßte ihch Knie . . . Ihr angstvolles Sträuben ließ sie mir noch entzückender erscheinen, ich küßte sie. halb sinnlos, bebend, Ließ sie es geschehen, vergaß sie, daß sie einem andern gehörte .... Es waren Augenblicke, die uns die Wonne von himmlischem Unendlichkeiten zu geben schienen!" , Der junge Leutnant, der früher die Süßigkeit verbotener Liebe so lebhaft gepriesen hatte, bestätigte nickend die Schilderung, die der Major von der Seligkeit dieses Abends /gab. l Fast unwillig wandte sich der Erzähler an ihn. s „hören Sie nur weiter . . .Nun saßen wir still in dem kleinen Zimmer, in dem sie mich empfangen hatte. Eine Liampe mit dunkelgrünen» Schirm brannte hinter dem Klavier. Im Nebenzimmer war es dunkel. Die Fenster waren offen, der warme, wilde,Föhnwind hob die wcitgebauschten Seidengardinen an der Berbindungstür und wehte mit ihnen große Schatten über die Wände, lange seltsame Schatten. Plötzlich horchte sie auf. Im Nebenzimmer ertönte der feine silberne Schlag der Kaminuhlr. Elf.Ujhr. Sip schrak auf und läutete deM Mädchen. „Sie können schlafen gehen, Anna. Der Herr hauplmann kann heule nicht mehr znrückkonimen. Ich werde den Herrn Leutnant selbst hinabgeleiten." Das Mädchen ging. Ans dem Ton der Stimme, ^nit her die geliebte Frau gesprochen hatte, hörte ich gualvolle Betangenheit und Klingst. Ich wollte beruhigend ihre Hand ergreifen. Shber sic legte die Finger an die Lippen mrd deutele mir Schweigen an. „hörst du?" flüsterte sie mir hastig zu. „hörst du nicht? Geschrei — ganz in der Ferne? Und jetzt — hörst du, Jesus! — Ein Schuß!" ! Jch vcrnahnr nichts, als das Sausen des Sturms. /Meiner beruhigenden Einrede wich der Ausdruck der Angst in ihrem Gesicht nur allniählich. Endlich gelang es mir aber doch, sic zu veranlassen, nicht mehr auf das wilde Geräusch, das lder Sturm erregte, hinauszuhorchcn. Wir ließen Uns mieber auf dem weiche» Fell, daS den Diwan deckte, unter der grünen Siandlamvc nieder. Ich nahm ihre kleine, nervöse Hand in meine. 1 Mer jetzt, da das Blut in unseren Schläfe» ruhiger Lochte, schien /mir selbst eine seltsame stnruhc außer uns zu erwachen. Dazu erregte mich 328 — der gespannte, erschreckte Ausdruck ihres Gesichts. „Warum! i>t er nicht zurückgekehrt? So oft die Kompagnie in die Stadt kommandiert war, waren sie abends wieder zurück. Zum Nachtdienst genügt doch da» Bataillon, das sie dort haben. »Warum kamen sie nicht mit dem letzten Zug?" i . . , . , . Ich erklärte ihr, wie wenig beunruhigend dreier Umstand,ie». Uber sie schien „reinen Einwendungen kein Gehör zu schenken. Plötzlich schlug sie die Lände vor das Gesicht, ein herzzerreistendes Weinen erschütterte ihren ganzen Körper. „Heute ging es böse zu in der Stadt, ich »vckst es, es äst geirrlh bis zum! Schieden gekommen. Er stand den Kugeln der Aufständischen gegenüber und ich — ich!" s Ich verwies darauf, da» ,u!au es sich wohl überlegt haben tverde, gegen die Soldaten mit Steinen und Revolvern vorzugehen. Meine Worte schienen sie auch zu überzeugen, sie.wurde etwas ruhiger. Wir iahen stumm nebeneinander. Aber mm hörten wir beide ein seltsanres Geräusch. Wir verrieten es uns nicht, aber wir hörten es doch beide, dieses entsetzliche Geräusch. Ich Nebenzimmer waren Schritte vernehmbar, durch die Tevpichie gedämpfte, aber doch deutlich hörbare Schallte. Wenn der Wind aussctzte, hörte inan sie, wie sie das Zimmer.durchlnasten, nranck- mäl so nahe an uns herankameu, dah ivir.meinten, ein« Gestalt au- dem Türrahmen treten zu sehen — seine Gestalt. Und jetzt war e», als »venu sich »im Dunkel.des NebcnraumeS jemand aich Fenster zu schaffen machte, es war, als wenn eine Hand an die Scheiben pochte . . . Da lieh mich der gellende Schrei der Geliebten aussahren — eine Scheibe im Nebenzimmer klirrte, ein losgerissener Fensterrahmen schlug unter den Stöben des Windes, der wie ein Tobsüchtiger »m das Laus.raste, in rhythmischen Schlägen gegen die Mauer. , i ^ ..So fasse dich doch!" ries ich, „ivas schreckt dich denn? Dev Sturm hat ei» Fenster aus der Sicherung gerissen, .es ist ja nur eine Scheibe zerbrochen!" l Sie hielt die Lände über die Ohre» und ihr Gesicht trug den Ausdruck tödlicher Angst. „So schliche doch dieses Fenster, das utacht mich ja wahnsinnig. Schliche doch diese Türen nnd diese Fenster, ich kann das nicht nrehr anhören."! s. l Ich gehorchte, schlost auch die inneren Fenster. Der ßarirf des Sturmes drang nur mehr gedämpft herein, die Ruhe schien ihr wohlzutun Ich küstte ihre Lände, ihr leises Weinen verstumme allmählich ... „ES ist schon Mitternacht," sagte sie. „Ich fühte mich schon wobler, jrieiut Nerven sind überreizt, verzeihe es mir, Geliebter, Geh' jetzt, ich fürchte niich jetzt nicht inehr, nur der Sturin hat mich so erregt. Ich imll des Mädchens wegen nicht, da» du noch länger hier bleibst." Ich überzeiigie mich, dast sie nu.a ivirklich ruhiger war, bat sie, nachtsüber das Licht brennen zu lassen und ein Mittel zu nehmen, bas ihr bei Nerveubeschwerdeu schon »ft gedient hatte. Morgen früh, wenn ihr Galle zurückkomnie, hoffe ich, .würde sie aUe Fasluna wieder finden und dann Herz und Vernunft in gleicher We.se Gch>ör geben, mir unsere Lage .ohne Ueber- spaniltheit zu beurleiie». Sie nickte, drückte ihr tränenfeuchtes, blasses Gesicht an meine Brust »iw nahm dann.ein Licht, um mltr über die Stiege zu leuchteii. > „Ich kann Mir nicht helfen." sagte sie und hielt vor der Türe de- Zimmers inne, „ich kann mir nicht.helfen, noch habe ich da- Gefühl, er würde heule noch komme», ,er sei auf dem Weg hierher und würde uns auf der Treppe begegnen ober unten am Tor auf uns warten." i Sie dielt die eine Hand schützend gegen die Zugluft im Treppenhaus vor die Kerze, der ganze Widerschein des von ihrer Laich umhegten Achtes fiel auf ihr schönes.Gesicht Als ich ihr nochmals sagte, daß kein Zug mehr anlange, nickte sie entschlösse». „Konnn," sagte sie, „nun will ich wirklich .nicht mehr töricht sein." i Bo>n Flur »iw dem Tor trennte uns nur mehr eine Glastür. Kaumt hatte sie ifle geöffnet, all sie mir heiser zuslüsberte: „Zurück, schnell zurück! Dort, siehst du nicht, dort!", Sie fable Mich bei der Land uiw wollte mich gegen die Trepve zurückzerren. Aber seht war ich entschlossen, ihren törichten Einbildungen Widerstand zu leisten. Ich hielt sie fest, nahm ihr den Leuchter au» der Land uiw leuchtete lief in den Flur hinein. Sie sollte deutlich sehen, dah da nicht — aber da klai»inerte sie sich verzweifelt an mich »iw ihre Angst gellte durch das Haus: „Ja, siehst du ihn denn nicht, da siebt er ta intt dein Blut auf der Stirn — iriPunb wie aus dem Mund das Btnt riunt. Er kam Abschied zu nehmen, er denkt beim letzten Aiein- zug an niich, seine Seele bringt mir seinen »letzten Grub, uiw ich lag in deinen Armsen, er findet mich Berräterin in deinen, Armen!" Das Lichi ivar erloschen, das Mädctie» lwttc oben die Tür geöffnet und kam geänastigt über die Trepve. Sie fand ihre Herrin schreiend am Boden liegen Wir hoben sie .ans und trugen sie in die Wohnung zurück. Noch in der Nacht kam der Arzt. Er konnte nicht Helsen Ain nächsten Tag mustten »vir die Kranke in eine Nervenheilanstalt überführen Dort starb sie nach wenigen Wochen. Die Psychiater sagten freilich, ivas sie damals in der Nacht zu sehen glaubte, seien Halluzinationen., die ersten Smnptonie ihres organisch längst vorbereiteten Leiden- gewesen, Aeusterungen einer schon kranken Einbildungskraft, Mer »vie, meine Lerren, erklären Sie es sich," fragte der'Major, und seine Stimme klang gar nicht, als erwartete er.ein« Anllvvvtz wie zu sich selbst sagte er es: „Wie erklären Sie sich, da» mach mu Morgen nach jener surchtbaren Rächt den Leichnam.unseres armen Lauptmanns brachte: er halte hei einem Bajonettangriff der Truppen gegen die Aufstä,wischen eine Kugel in! .die Äirq erhalten und »vor zwei Stunden nachher gestorben . . ." Alle schwiege». Ein heulender Windstost fuhr gegen die.Fenster. Dann hörte nian ihn in den Wipfeln her uralten Bäu nee des nahen Stadtgarteiis. Wie er sich pseisend mit.tausend Efd- räuschen in den Löhen verlor, klang es »oie ein in »Veiten Fernen! hilflos verhallender Franenschrei ...» humoristischer. * Die gekränkten Schweine Ein Engländer, dev seine Ferien im Norden Irlands zubrackite, »nachte eines Tages einen Spaziergang, liiw da er groheil Durst verspürte, ging er zu einem Pächter und bat um eiuen Trunk Milch De» Pächiers Frau gab ihm eine grobe Schale Milch: aber »oähreiw er sich daran erlabte, bemerkte er mit Berwunderung, »oie sich eine Anzahl junger Schioeine um ihn drängte. Es schien ihm, als ob die kleinen Tiere sich sehr »ucrkioürdig benähmen Und er fragte: „Liebe Frau, »oarum sind die Ferkel nur so ausgeregt?" Woraus die Frau ihin scelenruhig erwiderte: „Daist doch klar, Herr: es ist ja ihre kleine Schale, aus der Sie trinken." * Der Menschenkenner. „Er sieht »oirklich »oie eiu Narr aus." „Aber, Papa, er hat mich eben um meine Land gebeten," „Wirklich? Und da »oollt Ihr tnnner noch behaupten, rch wäre kein Menschenkenner?" vüchertisch. — Reim Richers. Eine Hamburger Geschichte von Adalbert Me tu Hardt .Marte Hirsch' 304 Seiten 3 Mark, gebd. 4 Mark. Leipzig, Hesse & Becker Verlag. Im Nachlab der portresslichcn Erzählerin faiw sich das druckferlige Mannskript eines Erziehungsromans: »vohl das reifste Buch der verstorbenen Schriftstellerin, die, dem Vielschreiben abhold, sich stets als gewissenhafte Künstlerin bewährte. Das Beste, was nian von dem neuen Roman sagen kann, ist vielleicht, dast er belehrt, ohne je die Absicht fühlen zu lassen, und da» ir das Zeug hat. für viele eine Art Trostbüchletn zu »»erde». Im Mittelpunkt der Geschichte, deren Hintergrund der vielbe»vegte Hamburger Hafen bildet, steht der 25jährige Richard Reimers, Sohn eines Hamburger Grostkanfinanns. Der typische Jünglnig: unzufrieden mit sich selbst und der Welt, grüblerisch, weich, nachgiebig, von» einer unbestimmten Sehnsucht eriüllt. Ern Freund des jungen Reimers hat sich wegen einer hossnungslose» Liebe zu einer schönen Südländerin das Leben genoinmen, und Richard sieht den Toten nun beständig vor sich, bereit, ihm zu solgen u.w doch immer wieder zaudernd zind zweifeln». Eine Reise soll ihn den trüben Gedaiiken entreibcn. 'Aber schon im Hamburger tzafeu trifft ihn eilt Unfall, und das Schicksal sendet ihm einen rettenden Engel. und z»oar, ironisch wie es ist, in der Person eine- biederen Polizcikommissars. Als Richard Reimers genesen ist, wird er Jollensührer im Hamburger Hasen: als solcher nimmt ec den Nanren Reim Richers an. Die harte körperliche Arbeit »oird seine Rettung Die Liebe zum Leben, zur Heimat nnd zur täglichen Pflicht erioacht in iy»n, und er darf »ach wenigen Monaten als ein neuer 'Mensch vor seinen Baker treten. Auch die knabenhafte Liebe £_u jener bestrickenden Südländerin ist überwunden: an der Seite einer jungen SeuatorStochter wird er> ohne ein Philister ge»oocden zu sein, das Glück fiiwen. Tauschrätsel. Kopl — Bahn — Ader — Bad - LachS — Muster — Hand — Wurst — Beü — Sichel — Hebel Die AnIangLbuchstabe» vorstelwnder Wörter sind mit anderen Buchstabe» derart zu oertanlche», dast man cbensovicle neue Wörter erhält, deren Anlnugsbuchslaben den Name» eine- Bildhauer- ergeben. Auslösung in nächster Nummer- Auslösung der Skat-Ausgabe in voriger Nummer' Abkürzungen: tr = Trefft p — Piaue, e — Eoeur, <»r — Earreau trB — Tress-Bub«, pA — Pique-Ast, cP = Eoeur-Dame u|iu. Ju» Skat liegeu trA und trli; Vorhand bat : i>B, pD, pH, pA, cK. cA, carZ catP, cnrK. tarA, Hwterhaud l al dir üb.tgen Spiel- gang : 1. V. rarZ Nt. car7 H. carB. S. £>. tr9 V. cA 9)1. tr8. 3. H. IrZ V. cK M. tr7. Nun hat Voihaiiü Coeur abgeioorteu, »veshalb Hiulerhaud c8 eZ und eB der Reihe »ach auSspiett; bei» (cljtcii Stich must Mtttel- ha»d mit der ev nehme». Redaktion» R Neurath. — Notatioutdruck und Verlag der Brühlschen UnioersitätS-Buch» und Eteindruckeret, R. Lange, Gieh«^