Montag. d«n 26 . Mai Wkibrr-Kkgiment. Roman von Oskar Klaußmann. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Werner beauftragte die Feuerwehr-Ordonnanz von der Wcrkfeuerwehr, zu Inspektor Lenske zu gehen und ihm mitzuteilen, dass er, Werner, mit dem Geheimrat nach Justinus- Grube gefahren sei und wahrscheinlich erst nachmittags wiederkomme. Unterwegs sagte Geheimrat Kersten zu Werner: „Sie haben 3000 Arbeiter und 30 Beamte aus Justinus- Grube. Die Hauptsache ist die Fertigstellung des Querschlags nach der Kleophas-Grube, das Abteusen des Schachtes für den Tiefbau und die Sicherung des Brandstzldes. Wir haben da vor zwei Jahren einen großen Grubenbrand gehabt, konnten die Brandstelle abdämmen, müssen jetzt aber in der Nähe der Abdämmung an dem Ouerschlag vorbei, und das erfordert, »oie Sie sich denken können, höchste Vorsicht und beständige Aufmerksamkeit. Die Beamten, die Sie haben, der Obersteiger und die Steiger, sind tüchtige, zuverlässige Leute, aber ohne Initiative. Es muß ein Leiter, es muß eine starke Hand da sein, welche gerade jetzt ihr Bestes tut. Deshalb ein guter Rat und eine Bitte, lieber Werner: übertreiben Sie die Sache nicht, arbeiten Sie nicht zu viel. Bei Ihnen ist inan verpslichtet, eine solche Bitte auszusprechen. Wenn Sie zusammenklappen, ist die Sache erst recht schlimm. Stellen Sie vie Projekte für das Walzwerk ein wenig zurück, wenn es sich dabei uin ein persönliches Vergnügen für Sie handelt, und bringen Sie uns die Justinus-Grube auf die Höhe der Stein- kohlensörderung. Dann gehen wir energisch an die Realisierung Ihrer Pläne betreffs der Thercsien-Hütte." „Ich danke Ihnen für Ihren guten Rat", erklärte Werner: „aber übertriebenem Arbeiten setzen die vorhandenen Kräfte von selbst einen Damm entgegen." „Man »nuß die vorhandenen Kräfte aber nicht übermäßig anspanuen," meinte Kersten. „Da sehen Sie bereits die Justinus-Grube. Die Beamten, auch die dienstfreien Oberhäuer, siird telephonisch nach dem Zechenhause bestellt, um Ihnen »wrgestellt zu werde»», und in einer halben Stunde können wir unter Tage sein und das Bergwerk besichtigen." Eine große Anzahl rauchender Schlote, hohe, eiserne Gerüste, tue an ihrer Spitze Seilscheiben trugen, langgestreckte, niedrige und hohe, schmale Gebäude tauchten hinter einer steinernen Mauer auf Das eiserne Gittertor wurde geöffnet, und der Wagen fuhr auf den großen Arbeitsplatz der Justinus-Grube. Ein Gedröhne von Hunderten der verschiedenartigsten Geräusche empfing die Einfahrenden und machte die Pferde etwas stutzen. Aber der Kutscher dirigierte sie bis vor das langgestreckte Zechenhaus, vor dem Kersten uird Werner dein Wagen entstiegen In dem großen Saale des Zechenhauses, in dem sich vor und nach der Schicht die Bergleute versammelten, um ausgeschrieben zu werden und anzngeben, wieviel Steinkohle jeder „ßtt" (Arbeitsstelle) während der Schicht gefördert hatte, waren wohl fünfzehn dienstfreie Beamte versammelt; die anderen befanden sich im Betriebe. Obersteiger Mandlick kam den Eintretenden entgegen und geleitete sie biS an die Schmalseite, ein paar Stufen hinaus bis aus die Empore, wo der langgestreckte Tisch für die Beamten stand. Obersteiger Mandlick führte die Beamten bis an das Podium heran, und nachdem er selbst Werner vorgestellt war, nannte er den Namen jedes einzelnen Beamten: der Steiger, Fahrsteiger, Wettersteiger, Maschinenmeister und Maschinensteiger, der Materralienverwalter, des Schichtmeisters und einiger Assistenten. „Meine Herren, Herr Bergrat Spalding übernimmt von diesem Augenblick an die Betriebsleitung auf Justinus- Grube", erklärte Geheimrat Kersten; „ich bitte, ihm dasselbe Vertrauen entgegenzubringen wie seinem Vorgänger, und teile Ihnen im Austrage der Besitzerin der Werke mit, daß Herr Bergrat Spaldiiig in jeder Beziehung der Sfevä treter der Besitzerin ist und volles Versügungsrccht nach allen Richtungen hin hat." „Meine Herren, ganz überraschend schnell lind eigentlich gegen meinen Willen bin ich zur Leitung dieses Berg- Werks berufen worden", sagte Werner; „ich übernehme dieses Bergiverk, auf dem augenblicklich ebenso eilige wie schwierige Arbeiten zu verrichten sind. Ich übernehme die schwere Aufgabe lediglich im Vertrauen aus Ihre Hilfe, ohne die ich selbst nichts zustande bringen kann. Ich habe zu meiner Freude gehört, daß mein Vorgänger in angenehmen Beziehungen zu Ihnen gestanden hat und Ihr volles Vertrauen besaß. Ich verspreche Ihnen feierlich, daß es mein Bestreben sein wird, mir ebenfalls dieses Vertrauen zu erwerben. Ich bitte Sie, in mir nicht nur einen Vorgesetzten, sondern vor allem einen Kanieraden zu sehen, den getreuen Gesährten beim großen Werke schassender Arbeit. Wie ich um Ihr Vertrauen und um Ihre Freundschaft bitte, so verspreche ich Ihnen, daß jeder einzelne von Ihnen sicher sein kann, durch mich Förderung zu erfahren, daß ich jedem Wohlwollen^und Bertrauen entgegeubringe, ebenso wie ich für jeden von Ihnen zu jeder Zeit in wichtigen! Dingen, seien es dienstliche oder private, zu sprechen bin. Lassen Sie uns mit gegenseitigem Vertrauen an die Arbeit gehen, die nicht nur der Besitzerin der Werke, sondern auch uns zur Förderung und zum Segen gereichen tvird. Haben Sie die Freundlichkeit, Ihre» abwesenden Herren Kollegen das mitzuteilen, was ich Ihnen soeben sagte." Es wurden darauf die draußen harrenden Gruppen von Angestellten hereingerusen, die das Mittelglied zwischen Beamten und Arbeiterschaft bildeten. Es waren das die dienstfreien Oberhäuer, Kohlenmesser, Maschinen- und Platzaufseher. Auch sie wurden einzeln dem neuen Betriebsleiter vorgestellt, und Werner hielt an sie 818 eine kurze Ansprache, in der er erklärte, sie könnten stet« darauf rechnen, an ihm einen wohlwollenden und gerechten Vorgesetzten zu haben. Sämtliche Angestellten, mit Aus-, nähme des Obersteigers Mandlick und des Fahrsteigcrs' Oswald, traten darauf ab, und der Obersteiger holte aus einem Schrank die großen Karten hervor, welche das sogenannte Gruppenbild, vor allem die Horizontalschnitte durch die unterirdischen Grubenanlagen, enthielten. „Hier ist das alte Grubenfeld," erklärte Geheimrat Kersten; „hier ist vor zwei Jahren das Feuer ausgebrochen. Zum Glück entdeckten wir es zeitig genug. Es lag in einem der tiefen Flöze, die von den oberen und unteren Flözen durch mächtige Sandsteinlagcr abgegrenzt sind. Wir waren in der Lage, die Wasserhaltungsmaschinen anzuhalten und das ganze Flöz ersaufen zu lassen. Wir haben es monatelang unter Wasser gelassen, dann die Gewässer abgesumpft und sind soweit vorgedrungen, wie es die wiederkehrenda Glut erlaubte. Wir haben dann durch die ganze Höhe des Flözes gemauerte Dämme aus feuerfesten Schamotte-Ziegeln gebaut, haben in einer Entfernung von zehn Metern einen zweiten Damm aus Ziegelsteinen gezogen und den Zwischenraum sorgfältig mit feinem Sand ausgefüllt. Dann haben wir in abermals zehn Metern Entfernung mit einem Zwischensatz von Sand eine dicke Mauer aus Bruchsteinen ausgeführt. Mau hat an dieser Mauer dann noch monatlang Hitze gemerkt. Jetzt ist, wie man wohl annehmen darf, das Feuer im Innern des Brandflözes erloschen, weil es keinen Luftzutritt hatte. Hier herüber aber muß die Verbindungsstrecke, der Querschlag zur Kleophas-Grube, gehen. Wir haben unter Beihilfe des Königlichen Revierbeamten, des Bergmeisters, lange beraten, ob wir es wagen können, den Ouerschlag quer durch das alte Brandfeld hindurchzutreiben. Wir haben es doch nicht gewagt; wir haben uns zu einer Umgehung^-entschlossen. Sie sehen hier diese Umgehungsstrecke bereits eingczeichnet. Sie führt beständig durch Sandstein, nur an zwei Steller, durch Tonschiefer, und der Stein ist so solide, daß wir zum größten Teil den Querschlag an der Firste (Decke) im Gestein wölben könnten und nicht mit Holz oder Eisen zu unterbauen brauchten. In deu nächsten Wochen kommen wir dichter als vorher: am Brandfeld vorüber. Dann erreichten wir aber unmittelbar daraus den Querschlag, der auch von Kleophas-Grube hierher vorgetricben wird. Reichen Sie mir doch die Grubenbilder vom neuen Feld herüber, Steiger Oswald! Hier sehen Sie, Herr Bergrat, den Vertikal-Aufriß des neuen Feldes. Sie sehen den Hauptschacht bis zur vierten Bausohle hinuntergetrieben. Seitwärts von der dritten zur vierten Bausohle geht ein sogenannter blinder Schacht. Dieser soll tiefer hinuntergetrieben werden über die vierte Bausohle hinaus, um die unten liegenden Kohlenflöze zu erschließen. Die Bohrung hat ergeben, daß dort sehr gute und mächtige Flöze liegen. Um aber eine gute Wetterführung zu erreichen, teusen wir gleichzeitig den Hauptschacht bis zum blinden Schacht auf die vierte Bausohle f linuntcr ab. Mit der Vertiefung des blinden Schachtes ind loir bedeutend weiter als mit dem Hauptschacht. Haben wir genügende Tiefe, so wolle» wir eine Seitenstrecke bis unter de» Hauptschacht vortreiben und dann von unten und von oben gleichzeitig den Weiterbau des Schachtes betreiben. Wir haben hier verhältnismäßig wenig schlagende Wetter, aber sehr viel matte Wetter. (Die Lust in den Bergwerken nennt der Bergmann „Wetter". „Schlagende Wetter" sind explodierende Lust, „matte Wetter" stickige Luft.) Wir müssen daher auch den Wetterschacht im alten Grubenfelde weiter hinuntcrtreiben, um einen Wzug der Wetter im Bergwerk mit .Hilfe der Ventilatoren zu erzielen. Das alles sind ja keine Kunststücke, aber die Sachen werde» dadurch schwierig, daß sie mitten im Betriebe ausgeführt werden müssen. Wir sind mit unseren Hüttenwerken aus die Justi- nus-Grube angewiesen, denn ein anderes Bergwerk, dis Justinian-Grube, ist erst in der Einrichtung begriffen. Die verstorbenen Herren Gebrüder Buchwalo haben zeitig genug die Justinian-Grube in Angriff genommen, aber es haben sich Hindernisse mit schwimmendem Gebirge und unterirdischen Wasscrnicngcn unvermutet eingestellt. Ich fürchte, die Justinian-Grube wird überhaupt ein Schmerzenskind unseres Betriebes bleiben. Wenn es Ihnen recht ist, wollen wir jetzt in das Bergwerk hinunter." Der Fahrsleiger Oswald führte Werner in einen An- kleideranm, wo ein Grubenanzug, bestehend ans einer kittel- artiaen Blust und einem Paar Beinkleidern ans schwarzem englischen Leder, bereitlag. DaS kange Hinterledcr, daS Ehrenabzeichen des höheren technischen Bcaniten der Grube, lag ebenfalls bereit, ebenso eine lederne Kappe zum Schutz des Kopses. Auch der handfeste Stock mit einem Spitzenhammer als Grrff fehlte nicht, und nach zehn Minuten war Werner umgcklcidet. Unmittelbar darauf trat auch der alte Geheimrat aus seinem Ankleidcraum, und Werner machte die Beobachtung, daß der alte Herr doch noch recht frisch und schneidig in der dunklen Bergmannstracht aussah. Aus gewaltigen eisernen Treppen ging es dann zur sogenannten Hängebank zun, Eingang des Schachtes empor, wo ununterbrochen die Fahrstühle (Schalen) aus und nieder gingen, um aus dem Innern des Bergwerks gefüllte kleine Wagen mit Kohlen herauszuholen und leere Kohlenkasten hinunterzubefördern. Auf dem Fahrgestell begab man sich in die Tiefe hinunter, in welcher die Türme des Kölner Domes zweimal mit Leichtigkeit verschwunden wären. Auf der Grundstrecke des alten Grubenfeldes wurde Halt gemacht und der sogenannte Füllort, ein mit Maucrwert ausgeivölbtcr Raum, betreten. Von dort ging es ans die mit elektrischen Lichtern beleuchtete Grundstrecke, auf welcher man sehr rasch sort- kam. Nach ungefähr zehn Minuten schon bogen Kersten, Werner und Obersteiger Mandlick mit Fahrsterger Oswald in den neuen Querschlag ein, der sich mit geivalkiger Kurve um das alte Brandseld herumzog. Werner begann zu fragen, um sich auf das genaueste zu unterrichten. Der Geheimrat, noch mehr aber der Obersteiger, gaben erschöpfende Auskunst. Nach ungefähr ein- stündigcm Aufenthalt im Bergwerk erklärte jedoch Werner: „Ich dulde es auf keinen Fall, Herr Gehcimrat, daß Sie noch länger hier bleiben. Die anderen Einrichtungen kann ich mir unter der Führung des Herrn Obersteigers ansthcn. Besonders in den Tiefbau sollen Sie nicht hinunter. Es ist schon eine übermäßige Anstrengung für Sie, daß Sie mich so lange begleitet haben." „Ich hoffe auch, Sie werden weiter ohne mich fertig, werden," meinte Geheimrat Kersten: „die Sache wird doch recht anstrengend für mich. Ich bin seit Monaten nicht im Bergwerk gewesen, und das fahren fällt mir schwer. Ich fürchte auch, die heißen nassen Wetter unten im Tiefbau tun meiner Lunge nicht wohl." (Fortsetzung folgt.) Der Blinde am Meer. Roman von Karl Böttcher -Chemnitz. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) 2. Kapitel. lieber den Steinwall der Kugclbake bei Cpxhaven rollten die Wogen und tanzten dann in zierlichen Sprüngen in das Grinl- mershörn. Die Bojen an den Seebädern hoben und senkten sich und rissen an den Seilen. Am Strande war wenig vom Badeleben za spüre», denn der Vordeich bis zur Dilne toar ein langer, schmaler See, und immer neue Wellen sprangen züngelnd über die Zcmenlböschung und trieben das Stamvasser langsam aber sicher den Damm hinauf. Die Strandkürbe wurden bis zum Damm herausgezogen und umgelegt. Ein stciser Wind blies landwärts und hob einzelne fürwitzige Wellenkämme, die sich zu keck über den Rücken der Mcereswogen aufgebäumt hatten, in die Lust und zerstreute sie wie Regen über den Strand. Am tollsten aber ging es an der „Alten Liebe" her. Die Wogen rüttelten mächtig an dem riesigen Bolltverke und versetzten den alten Holzbau in mäßiges Schwanken. — Aus dem oberen Stocktverke drängten sich viele Menschen und schauten elbaufwärts. Man erwartete den Tribünendampfer „Kaiser" aus Hamburg, der wohl viele Menschen an Land setzen nnlrde, da der Semaphor vier Arme zeigte, also siebe» bis acht. Windstärken, die von Helgoland genieldet worden toaren. Ein« kleine Dampfpinasse schoß, wie ein tvildes Roß sich bäumend, aus dem Hasen. Sie brachte die Mittagspost an Bord des Minenleger- „Albatros", der etwa einen Kilometer vom Land vor Anker lag. Jnztvischen war auch der Zeitball gefallen, und von der Kascrnenbattcrie löste sich der Mittagsschuß, allen Schissern im Hasengebict 12 Uhr der niitteleuropäischen Zeit verkündend. Endlich kani auch der „Kaiser" in Sicht. Er stihr weit dritbeu, als wollte er gar nicht anlegen, aber in einem riesigen Bogen dreht« er bei und fuhr dann ruhrg und sicher am Anlegehöst vor. SIS tlut der rechten Sette der Mol« «warteten viele Menschen die Ankömmling«, dl« jetzt die schrägen Schiffsbrücken herabströmten. Lange, lang« entleerte sich das Ricsenschtff, und nur wenige S underle blieben an Bord, um die Fahrt nach Helgoland bei »her See z» wagen. Dem massigen Schiffskörper strömte ein eigentümlicher Geruch von Oel und Maschinendunst aus, und dann erklang ein scharfes Surren und Singen aus den Maschinenräumcn. Nach reichlich einhalbstündigeni Aufenthalt setzte der „Kais«" seine tjratvct fort. Die Passagiere drängten sich nach Steuerbord und ivinkten den Zurückblechenden Abschiedsgrüße zu. Die Kapelle auf dem Promenadendeck begann ihr Spiel, und die vom Kiel verdrängten Wass«mengen fielen heulend über die Mole h«, so daß die Daraufstehenden schreiend zurücksprange». Auch mit der „Alten Liebe" wurden Grüße getauscht, nachdem die Schiffsgästc nach Beidrehen des Dampfers schnell an Backbord geeilt waren. Der Strand von Cuxhaven tauchte uni« im Wassergewoge, nur der Leuchtturm war noch schwach zu sehen. Die Watte» von Döse und Duhnen wurden von den Fluten Lberspült. Neuwerk blieb zurück und die zahlreichen ,Fischerbarken, die vor Cuxhaven mit ihren schwarzm Segeln kreuzten, wurden immer vereinzelter. Man kam in das offene, weite Meer. Aus dem Dampfer herrschte recht gedrückte Stimmung. Die Schisssbcwcguilg war zwar noch eine mäßige, aber das Singen und Surren der Maschinen und das gleichmäßige Schütteln der Propeller teilte sich den Füßen mit und wanderte fort an den Beinen empor und bohrte sich dann fest im Magen. Mit jedem Knoten Wass«, den das Schiff gewinnt, werden die Wellen unruhig« und der Bordersteven neigt sich bedenklich auf und nieder. Einzelne Damen machen es sich bereits auf den Liegestühlen beaucm Andere verlassen den Mittelteil des Schiffes und wandern nach Achterdeck, hoffend, dort die Schiffsbewcgung weniger zu spüren, aber bald kann man sie am Bug sehen und dann wieder aus ihrcin früheren Platz. Eine allgemeine Unruhe macht sich bemerkbar. Ein jeder fühlt die Katastrophe nahen, aber keiner will es sich merken lassen. Und hierin liegt das Unheimliche der Seekrankheit. Sie ist zunächst ein geistiges Unwohlsein, eine Furcht vor Unbekanntem, eine nach und nach erfolgende Untergrabung und schließlich Aufhebung aller Energie. Diese Furcht kann so stark iverden, daß es Menschen gibt, die schon seekrank werden, ehe das Schiff sich überhaupt bewegt. Nur einer aus Teck war vergnügt, ein alter Obersörst« aus der Mark. Er stand mit gespreizten Beinen auf den Schisssplankcn, in der Linken eine Kaviarsemmel, in der Rechten eine Flasche Rotspon, so zechte und schmauste er lustig und verhöhnte mit bissigen Reden die von der Seekrankheit Erfaßten. Aber als der Dampfer die Gegend erreichte, wo die grauen Flute» der Elbe mit den grünen des Me«es im Kampfe wogen und schließlich von dies«! v«schluckt w«den, da wurde j^r alte Forstbär merklich still«. Sein Antlitz ward weiß, dann grün, dann Selb und aus einmal war « weg. Er hatte sich in eine d« Liegekabinen zurückgezogen und büßte nun schiver seinen Uebecmut. Das Me« trieb es ab« auch etivas toll. Zu den Längen- schwankungen des Schiffes kam nun noch das Schling««, das Schaukeln nach links und rechts, und wenn die Schiffsschraube ihre sausenden Bewegungen außerhalb der Wogen machte, lief em Zittern durch den Schiffskörper, daß die Seefestesten ihr Heil au der Reeling sucht«,. Das ganze Schiss war nun ei» großes Krankenhaus. Endlich kam Helgoland in Sicht. Ganz in der Ferne schwimmt es aus den Wogen, und mit jeder Minute steigt cs höh«, wie von unsichtbarer Hand aus dem Meer gehoben Die Felsenuttikisse iverden markanter, die rötliche Farbe intensiv«, der Eindruck wuchtig«. Erschien es «st wie eine Fata Morgana, wie ein wunderherr-- lichcs Märchcnbild, so jetzt ivic ein ungeheures, stein«nes Bollwerk aus der Zeit des Asengeschlechts. Die langen Wcllenrückcn werden kürzer, das Mcerwasscr er- schimmert in hundert Nuancen, aus dem Grün bildet sich allmählich das matte Rot. Das Schiff fuhr ruhiger und die Patienten atmen aus. Die Anker rasseln zu Gruich, imti> nun 'lag der „Kaiser" still. Bom Strand« des Unterlandes lösten sich ein Dutzend Boote, in jedem acht bis zehn Helgoländer Schiff«, die die riesigen plumpen Fahrzeuge mit ihren lauge», schmalen Riemen nur mit« größter Anstrengung dem Tanipf« näher brachten. Es war ein hartes Stück Arbeit bei diesem Seegang. Nach viel« Mühe halte endlich das erste der Boote an der Seite des „Kaiser" ongslegt, und durch die Schissslukc wurden nun vom Fallreep etwa 25 Passagiere halb in das Boot geworfen, halb gehoben und drin wie die Heringe geschichtet. Die wetter- harten Züge der alt«i Helgoländer zeigten höchste Anspannung, Venn ihre Arbeit ist schwer und verantwortungsvoll, und cttie tückische Woge kann mit ein«n Schlag das Boot an der Schiffs- Wand zerschellen. Nun stößt das Boot ab. Die Riemen katschen in, Takt in das Wasser, und das Boot thront bald auf hohem Wasserkamm, bald sitzt es unten im Wogentak, und es erscheint, als nwllljen es die Flutenberge erdrücken. Da schießt wie ein Me«teufel ein breitbrüstiger Danrpfschlepper der Hamburg-Am«ika-Linie dah«. Der Steuermann schreit: „Hallo — ahoi", und int Nu ist das Boot angeseilt und wied« eins und noch eins. Die Seeleute ziehen die Riemen ein, und ruhig saust man nun der Landungsbrücke zu. Dort biegt d« Schlepp« ab, und nach wenigen Ruderschlägen hält das Boot an der Landungsbrücke. Unt« den Passagieren des ersten Bootes befand sich auch Rene Brian. Er stieg matt die Treppe empor und achtete nicht der.Spottruse der Badegäste, die am Geländer d« Läst«brücke lehnten und die ankommenden Rekonvaleszenten verhöhnten. Renes eleganter Sommeranzug hatte stark gelitten, noch mehr aber Rene selbst. Ihn fröstelte und außerdem hatte er auch das Gefühl ein« unsäglichen Oede im Magen. Am Brückenkopf wartete « einige Minuten und spähte nach der Einmündung der Kaiserstraße. Helgoland in seinem Sonnenglan ' und mit seinem roten Meer, daraus die unzähligen kleinen Fischerboote, und weit drüben der „Kais«", die „Silvana" und einige ander« Dampser, am Strande das bunte Leben, die Musik aus dem Kurpavillon, die eleganten Badetoiletten d« Damen, das Gekrächze der Möwen, der nicht ganz einivandfreie Geruch d« Algen, das alles übt auf den Ankommenden einen solchen Reiz des Neuen, des nie Gekannten, daß er «st Zeit braucht, wieder zu sich selbst zu kommen. Rene lehnte noch immer am Brückenkopf, und erst als « seinen Namen hörte, kam wieder Leben in ihn. „Rene, meine Rene." „Pasmanelka — Kun Orsk, — tausend Alüche sollen dich treffen, daß du mich zu dieser vcrnialedeiten Seefahrt verleitet. Schau mich an, du Leuchte der Wissenschaft, und — tveine." Kun Orsk weinte aber nicht, sond«n er lachte, er lachte mit jeneni herzlichen Lachen, das nur guten Menschen eigen ist. Und er faßte Rene unter den Arm und zog ihn fort. „Komm, Freund, zunächst wollen wir bei dir die Spuren der Seeschlacht v«nichten, und der schnöden Welt verbergen, dah auch du Neptun tributpflichtig gewesen bist. Denn wisse, das heilige Land, das du jetzt unter den Füßen hast, birgt gar viele Berliner, auch solche, die bei Schulte in still« Andacht bewundernd vor deinen Bildern gestanden unb dich nun nicht in deiner menschlichen Schwäche sehen sollen." „Sind meine Koffer da?" „Gewiß, — und alle sorgsam ausgepackt." „Unnütze Arbeit, Kun, denn sobald das Meer geruhen wird, etivas weniger lebhaft zu schaukeln, >v«de ich dieses schnöd« Eiland verlassen, um mir einen stabileren Winkel d« Drde aus- zusuchen, wo ich meine Nerven und mein« z«rissene Seele au8- ruhen kann." „Armer Rene." D« Maler Rene Brian war stehen geblieben mü> v«senkte sich noch einmal in alle Phasen der Meerfahrt, dann ries « aus: „Pfui Teufel, und das nennen die Menschen ein Vergnügen." Lachend zog Kun Orsk seinen Freund mit fort. Sie gingen durch die Kais«straß«, in d« das bunte Großstadtleben wogt«. Hier und da blieb Rene interessiert swhen und sprach seine Verwunderung aus über die prachtvollen Schauläden. „Ja, mein Lieber, solche Seehundsfellsachen und diese Möwen- schmuck gcht es selbst in Berlin nicht, was?" sagte Kun stolz. „Ich glaube nicht. — Ab« nun eine Frage, Kun: Fühlst du dich ivohl hier auf dies« Insel? Packt dich nicht manchmal! die Sehnsucht nach der Äesellschaftsmetropole, nach Deinen alten Freunden?" Sie waren am Ende d« Kaiserstraße angelangt, und während sie die Treppe, welche Unterland mit Oberland v«bindet, htn- aufstiegen, antwortete Kun Orsk bedächtig: „Ein osfenes Wort, Rene: Mir scheint, als sei das mehr eine Gewissensfrage für dich, wie für mich. Als sei die Frage wenig« aus Anteilnahme an meinem Wohlergehen entstanden, als vielmehr ans d«n Draiig, zu wissen, ob man es hier aushalten kann, oder gar nicht einmal hier, sondern irgendwo, nur fern von Berlin. Bitte/ cteifre dich nicht, Rene. Nachdem ich deinen Brief gelesen, erkannte ich sofort: Rene ist fertig mit Berlin, wenn auch nicht für immer, so doch aus lange „Zeit. Etwas in B«lin hat ihn tief getrossen. Was mag das sein? Nur zweierlei konnte ich mir denken: Die K^ist — od« das Weib? — Die Kunst nicht, denn Rene ist ihr König, — dann das Weib. Sieh, mein Freund, da bist du geflohen. In anderer Luft, in reiner« Lust, in den Weiten des Meeres willst du gesunden, willst du deine zerrissene Seele, wie du vorhin selbst sagtest, wieder kitten, und ich soll dein Arzt sein." Sie gingen durch die schmalen Gäßchen des Oberlandes, und Rene Brian sah nichts von den kleinen, schmucken Häusern mit den blitzenden Fenstern, sah nicht die grünen Gärtch«i davor, « 320 blickte zu Boden, und sein Geist weilte weg fcoit Helgoland, sein Auge sah die Salons der Frau von Braun.am Pariser Platz, und unter all den Sachen und «ächelchen drrn ftc selbst, die Schönste der Frauen. Und er merkte es nicht, daß er stehen geblieben >var, bis ihn Kun sonst anries:.,Rene!" „Wie? — Ach so — verzeih, Kun." Er lachte gezwungen und schaute sich verwundert um und blickte erstaunt den Freund an, dann sagte er: Kun, >vo hast du gelernt in den L>eelen der M«»)chen zu lesen? Was nützt mir das Leugnen. Du hast recht mit allem, was du vorhin sagtest. Ich bin fertig mit Berlin, — mit dem Leben überhaupt Ich bin ausgerissen wre ein mausender Hund Und daß ich's gleiche sage: Hier mag ich nicht bleiben, Kun Ich brauche Ruhe, viel Ruht, ich mutz ivieder zu mir selbst komme». Ich hatte mir Helgoland anders gedacht: still nnd einsam, und finde nun ein sashionables Bad n»t geputzten Men- schen, mit schönen Menschen. Geputzte Mensclum sind alle salsch, die haben kein Herz. Ich brauche Naturmenschen, mit z«r,chli>- senem Kittel und fluchendem Mund, wirkliche Menschen, keine Puppen. Ich muh von ganz vorn ansangen, die Menschen wieder zu lieben. So ganz nach und nach mutz sich der m mir zertrümmerte Glaube an das Gute und Wahre wieder ausbauen, und das gelingt mir hier in diesem Trubel nicht." Sie waren dicht am Hingstgars in ein kleinesHaus ein- Q^treteu. „Hier wohne ich nun schon vier Jahre, Rene. Erst hatte ich mein Domizil unten an der Treppensttatze, aber da ivar es zu geräuschvoll, und ich brmiche zur Arbeit viel Rul>e. Wenn ich im Biologischen Institut fertig bin und es auch keine Fahrt mit dem uns von der Regierung zur Berfügiing gestellten Forschungs- dampser gibt, dann sitze ich hier in meiner Klause und schreib« und zeichne, und wenn im Winter die Stürme um mein Hans loden und drunten das Meer brairdet, als wollte es di« ganze. Insel fressen, dann sühle ich mich hier drin so wohl, datz ich .nie Sehnsucht nach Berlin bekomme mit seinem Wintertrubcl und seinen Saisonverpflichtungen." Er führte Rene in zwei kleine, aber sauber und gut eingerichtete Zimmer, ...... „Diese beiden Stuben hatte ich für dich Herrichten lasten, Rene. Hier sollst du hausen und genesen. Und an und um und auf der Insel habe ich hundert Motive entdeckt, die du auf die Leinwand bannen kannst, und die dann deine Grütze sein sollen an Berlin und Deine Gemeind« dort." „Du bist so gut, Kun, ich danke dir, und ich beneide dich. Aber von all deiner Güte kann ich nur Ivenig Gebrauch machen, denn ohne ernste Arbeit kann man nicht lang.auf Helgoland bleiben, ich aber habe keine Kraft zur Arbeit und keine Lust. In nir lebt nur eins: Ekel. Ich will fort, in ein ödes Fischerdorf nit leerem Strand und einfachen Menschen. Nicht wahr, du (issest mich ziehen und bist mir nicht gram?" , „Wenn du denn nicht anders willst, Rene! Ich dars dich nicht halten. Jeden, Menschen kommt im Leben eine Zeit, da ist er vie ein Kind, da packt ihn «in großer Wunsch, cs ergreift ihn eine Sehnsucht, der muß er nach, und kostete es ihm das Leben. Da Hilst kein Raten anderer Menschen. Er weiß es besser. Dem einen ist's die Liebe, dem andern die Kunst, dem dritten — was weiß ich. Tausend Menschen, tausend Wünsche. So gehe deiner Sehnsucht nach, Rene, — vergrab dich in der Einsamkeit, vielleicht, datz dir dann dein früheres Leben wieder begehrenswerii erscheint und du gesundest." (Forts, folgt.) im Anne aus der Flucht vor Bhrfolgern über ein Sejil lief, dtr> sechzig Meter hoch über dem tobenden Meere gespannt war und in einem „Drama aus einer Lokomotive" kletterte der Held von einer Lokomotive auf eine andere, während die Züge mit einer Geschwindigkeit von 100 Kilometern in der Stunde nebeneinander dahinbrausten. Der französische Filmschauspieler Sablon mimte mit dem Holländer Boemmester zusammen ein Filmstück, das sich auf dem Meere absvieltc. Ein kleines Fischerboot gerät aus hoher See in Brand, und der einzige Matrose,. der sich an Bord befindet, springt in die Wellen. Das Schiss, das zur Darstellung dieser Szene benutzt wurde, lvar mit allerhand leicht brennbaren Stoffen angefüllt, und eine Lunte lies vom Mastj über das ganze Verdeck in den Bauch des Schisses hinab. Der Darsteller selbst war vollkommen in Sackleincivand eingehüllt, die mit Petroleum getränkt war. Daganze kleine holländische Dors Vollendam. vor dem sich die Szene abspielte, lvar am Strande versammelt, die Frauen weinten und die Männer schüttelten die Köpse. Als alle- bereit war, wurde die Lunte entzündet, und Sablon sprang, in Flammen gehüllt, ins Meer. „Durch die Wolken/' so lautet der Titel eines Films, der in England ausgenvnimen wurd«: ein Ballon, in tausend Meter Höhe vom Winde getrieben, in rasender Fahrt, am Schlepptau hält sich krampfhaft ein junges Mädchen sest. Schon verliert e» die Kräfte, es kann sich kaum noch Haltest, und der Vater, wahnsinnig vor Angst, neigt sich über den Rand der Gondel. Schließlich, im letzten Augenblicke, gerade als sie loslassen will, gelingt es ihm, ein Lasso um ihre Schultern zu schlingen: die Tochter ist gerettet! Diese gefährliche Szene wurde von einem zweiten Ballon aus aufgenonimsn, der sich in einer Entfernung von einigen Metern von dem ersten befand. Sowie es sich um etwas Gefährliches und Außerordentliches handelt, darf Amerika nicht zurückstehen. Dort hat jüngst ein Kinoschauspieler einen Rekord in Unerschrockenheit und Furchtlosigkeit ausgestellt. Nach einer fröhlichen Mahlzeit ließ er sich, wie der obengenannte Pariser Kinosachmann erzählt, in einen Stahlzhlinder von 3 Metern Länge und 90 Zentimeter Durchmesser verstauen. Dieses Torpedo wurde mittels einer großen Kanone 1000 Meter hoch (?) in den Lustraum hinausae« schossen, und als sich die Bahn des Geschosses wieder der Erde zuzuneigen begann, schlüpfte der Held geschickt aus dem Zylinder heraus, öffnete einen Fallschirm und landete wohlbehalten in sanftem Abstieg wieder auf der Erde. Doch nicht immer laust die Geschichte für den wagemutigen Filmdarsteller so glimpflich ab. In Südkalisornien ereignete sich folgende Szene mit tragischem Ausgang. Eine Truppe von Filmschauspielern beschloß, sich die Waldbrände, die dort die Gegend verwüsteten, zunutze zu machen und ein Stück zu stellen, das einen Waldbrand zum Hintergrund hatte. Man begab sich aus eine Lichtung. Schließlich, als man im besten Spielen lvar, bildeten die hohen Waldriescn, die den kleinen, freien Platz umstanden, einen Scherterhaufen, der über der ganzen Gesellschaft funkenslicbend zusammenstürzte und sic unter sich be- grub. Eine Filmkünstlerin, die bei der Ausübung ihres Berufes schon oft dem Tode in» Auge geblickt hat, ist Miß Geni Gauntier, natürlich auch eine Amerikanerin. Sie ist in der Wüste Sahara von Beduinen angegrissen worden, wurde einige Monate später beinahe von einer Sandhose in Florida verschluckt und bei der Darstellung einer Kriegsszene durch die Eyplosion eines Pulverkastens in die Lust geschlendert. Gelegentlich etines Brandes, den sie auch selbst inszeniert hatte, entrann sie nur dadurch dem sicheren Tode, daß sie mit ihren schwachen Händen ein Loch durch das! Dach des Hauses brach und viele Meter auf den Erdboden heruntersprang. _ vermischte«. Gefährliche Kilmtrickr. Aus der höchsten Zinne eines Turmes, mitten in Rauch und Flammen, erscheint eine Frau, ihre Haare flattern im Winde, ihre Augen suchen den Horizont ab: das Feuer unter ihr versperrt ihr den Weg zur Rettung. Soll Hilfe vom Himmel kommen? Ja, sie komint: in der Ferne erscheint ein Flugzeug, in rasender Fahrt kommt es näher, zieht enger und enger seine Kreise um den flammenden Turm, ein Seil wird in den Funkenregen hinabgelassen, die Unglückliche erfaßt es, und im nächsten Augenblick befindet sie sich an Bord des Flugzeuges in Sicherheit, Kein Mensch dessen Augen diese Szene mit gespannter Erregung auf der Leinioand im Kino versalzt haben, wird glauben, daß so etwas wirklich in Natur ausgenommen worden ist. Man wird an allerhand photographische Tricks denken, aber Capellani, der artistische Leiter der Pariser „Tocivtä cinsmatographiaue", der von einem Mitarbeiter der „Lcctures pour Tous" darum befragt worden ist, versichert, daß dieses Filnistück nur eine genaue Wiedergabe dessen ist, was sich tatsächlich in voller Wirklichkeit in der Nähe von Paris abgespielt hat. „Ein Filmschauspieler", sagte er, „mutz ein niutiger Mann mit eisernen Nerven fein, denn das Publikum stellt an die Ausstattung und Inszenierung der Stücke die höchsten Ansprüche. Und Mut allein genügt nicht. Der Liebling des PublikumK, den cs Abend für Abend in de» Kinos« bewundert, muß auch ein vollendeter Sportsmann, Akrobat und Athleth sein." In dein Film „Der Leuchtturm des Todes" stellte eine Schauspielerin eine Szene dar, in der sie mit einem Kinde * „Europa in zwanzig Tagen". Bor dem Excelsior- Hotel ln Rom fährt eine lange Reihe von Droschken vor und ihnen entsteigen, abgelfetzt, zerschlagen und todtmüde, die Teil- nehmer an der Reisegesellschaft „Europa in zwanzig Tagen süv 190 Mark". Mrs. Brown ist eine der letzten, die sich mühsam zusammenrasst, um auszusteigen. Ihre Tochter aber ist noch immer voll ungebrochener Enerqie. Sie packt die Mutter am Arm: „Mutter, wo sind wir hier? Ist das Rom?" Müde antwortet, die Mutter mit einer Gegenfrage: „Welcher Wochentag ist den» heute?" „Warte. Ja: Dienstag." Dienstag? Zeig mal de» pieiseplan. Wen» es Dienstag ist, muß es natürlich Rom sein." Rüffel. Echt italienische Wurst »nt Schluß-S an, Hinteren Zipfer Nennt eine griechische Stadt, die einst den Persern getrotzt. Auflösung in nächster Nummer. Anstösnng de? niagischen Quadrats I» voriger Nuininerr H [ A [ R| Z A j R I [ E R| II 0 J N Z | E N | 0 Redaktion • R Neurath. — Rotationsdruck und Verlaä'der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckeret. R. Lang». Gieß«»