« Weider-KegLnienl. Pionmn von Oskar Klaußmann. (Nachdruck verboten.) lFortsctzung,) Am nächsten Sonntag vormittag machte Spalding Graf Klinter einen offiziellen Besuch, Diese erste Visite beschränkte sich aber nicht auf die üblichen zehn Minuten; man geriet sofort in ein sehr animiertes Gespräch über Fachangelegenheiten, Gros Klinter fragte Werner direkt um Rat wegen Anlage einer Anstalt znm Röste» von ;Unk- blcnde, Werner hatte als Bcrgrefcrendar auf einem solchen Werke gearbeitet und konnte mit guten Ratschlägen und einer Menge statistischer Daten sofort zur Verfügung stehe». Der Besuch dehnte sich auf anderthalb Stunden aus, und die beiden Fachleute freundeten sich an, wenigstens lvar wischen ihnen ein liebenswürdiger und intimer Verkehr ür die Folgezeit garantiert. Der Graf erwähnte, daß er noch für denselben Tag zu'den Damen in Saarlirchen geladen sei, „Die Einladung habe ich schon seit vierzehn Tagen, und cs handelt sich nicht allein um das Frühstück, sondern auch um etivas Musik, Ich beabsichtige natürlich, Sic sofort für unsern Musikvcrei» anzuwerben. Ich hoffe, Sie sind einigermaßen musikalisch," „Nun, so viel, wie man für das Haus braucht," ant- lvortetc Werner; „in Amerika habe ich mir das Pistonblascn angewöhnt, gcdekilc cs aber hier natürlich nicht zu treiben," „Im Gegenteil, Sie werden mit Ihrem Piston hochlvill kouimen sein, wenn große Orchesteraufsührungeu im Musik- Verein stattsinden. Wir haben in vierzehn Tagen eine Ausführung, zu der ich Sie jetzt schon ecnlade, und ich hoffe. Sie werden mir keinen Korb geben, denn Sie sollen, bei diese lcgenheit eingeführt werden. Der Musikvcrein ist gewiss '.maßen der Mittelpunkt unserer Geselligkeit, Es gibt jv> noch einen zweiten Verein, einen Reit- und Fechtverein; aber der ist exklusiver, weil c? dort wirklich auf Reiten und Fechten ankommt. Beim Musikvcrein dagegen gibt es auch schweigende, sogenannte befördernde Mitglieder, und alles, was sich Zur Gesellschaft des Jndustriebc- Zirks zählt, gehört dein Musiivcreiu an," ,Zzch habe auch ein gewisses Talent, mit Lieder am Klavier zu begleiten. Als Student, ja als Bergrcscrcndar hat man mich damit häufig in Anspruch genommen," „Bravissimo!" rief Graf Klinter, „Ich bin also in der Lage, in Ihnen unserer verehrten Vorsitzenden Frau Barbara Glover ein sehr wertvolles Mitglied zuzuführen," „Frau Barbara Glover ist die Vorsitzende?" „Ja, ncan betrachtet das hier als ganz selbstverständlich, denn sic ist die tonangebende Dame, Sie versteht auch viel von Musik, Sie ist die Dirigentin der Damenabteililng, und ich fahre zu Fräulein Buchwald, um mit ihr für die nächste Chorprobe zu üben. Frau Barbara Glover hält nämlich sehr strenges Regiment und verlangt von den Damen, die im Chor initsingen, nicht Nur voue Hingabe an die Kunst, sondern auch strengste Disziplin." Den ganzen Sonntagnachmittag verbrachte Werner Spalding mit der Skizzterung der automatischen Walzens straße», nach der im Bureau die Zeichnungen entworfen! werden sollten. Stundenlang saß Werner über das Reiß- breit gebeugt oder am Sel>rcibtisch, mit den Berechnungen, von Walzenkalibern und Zahnrädern beschäftigt. Dann erledigte er einige Privatkorrespondenz und ging zeitig zur Ruhe, Um sechs Uhr machte er am Montag seinen Morgenritt und um acht Uhr war er im Bureau derTheresien-Hütte, Es waren reichlich Bestellungen eiügegangen, eine gewaltige Korrespondenz lvar am Montag mit Hilfe der Stenographen zu erledigen. Dann machte Werner den üblichen Rundgang durch das Walzwerk und durch den Raum, in dem die Martin-Oesen standen, besichtigte das Fortschreiten der Bauten bei der elektrischen Schmelznnstalt und kehrto mit Inspektor Lenske, der ihn begleitet hatte, wieder nach dem Bureau zurück, ( Im Laufe der Woche machte Graf Klinter seinen Gegenbesuch, Auch erfuhr Spalding gelegentlich, ohne danach zu fragen, aus welchem Grund sein Vorgänger, Direktor Franz, seine Stellung hatte verlassen müssen. Die Hütte >var in musterhaftem Zustande; die Besitzer der Hütte hatten; also mit ihm durchaus zufrieden sein können, und dennoch war ihm eines Tages gekündigt worden, Direktor Franz hatte sich in seine Cheftn verliebt, und da sie ihn, immer sehr freundlich entgegenkam, hatte er sich zu einem Heiratsantrag verleiten lassen. Er wurde abgelehnt, machte aber doch noch einen Annähcrungsversnch. Darauf verreisten die Damen und kehrten erst zurück, nachdem Direktor Franz schon eine neue Stellung in Oberschlesien angetreten hatte, 3, Ka p i t cl, - Nach einige» Tagen kam Kersten und lud Werner ebenfalls zu der Aufführung des Musikvereins ein, „Sie sind ja musikalisch, soviel ich weiß. Aber auch wenn das nicht der Fall wäre, müßten Sie als beförderndes Mitglied cintrete». Der Musikverein ist hier nun einmal der Mittelpunkt der Geselligkeit, und es liegt in Ihren« Interesse, sich so rasch wie möglich mit der Gesellschaft bekannt zu machen. Nebenbei bemerkt, herrscht auch ein ehrliches künstlerisches Streben in dein Verein, durch das man nmvillkürlich mit fortgerissen wird. Ich selbst streiche iin Orchester das Cello, was ich mir noch vor einigen Jahren nicht hätte träumen lassen. Aber die Begeisterung hat auch mich gepackt; ich habe meine Jugenderinnerungen hervorgesucht, habe ivieder fleißig Cello geschabt, icnd heute arbeite ich im Orchester mit, als ob ich dafür bezahlt würde. Es ist für unsere Gegend ein Glück, daß hier, wo das Materielle durch di^ Industrie so sehr zur Geltung kommt, aucb ein Stück Idealismus durch den Musikverein gcivahrt wird/ --LV4 Spalding sagte zu, ohne lange Einwendungen zu mache». Das war dem Geheimrat lieb, denn er batte es eilig. Er hatte die Nachricht erhalten, daß sein Sohn, der bei der Schutztruppe in Ostafrika stand, nicht unbedenklich erkrankt sei, und er fuhr von Spalding direkt zur Post, um an das Kolonialamt zu depeschieren. Ter nächste Tag war ein Sonntag. Werner inachte einen weiten Ritt am frühen Morgen und war vormittags gegen elf lsthr wieder in Klinterfelde. Graf Klinter hatte ihn wohl komme» sehen, denn er war vor der Tür, gls Werner vom Pferde stieg. „Ich belege Sic gleich mit Beschlag; Sie bleibe» zum Frühstück und zum Diner bei mir. Machen Sie keine Umstände, wir sind beide ganz allein. Ich tue es aus krassem Egoismus. Ich will Ihnen meine Werke zeige», soweit sie am heutigen Sonntage im Betrieb sind, und ich will von Ihrer Unterhaltung und Ihrer Kritik profitieren. Ich hosse, Sie sind nicht durch anderweitige Engagements in Anspruch genommen." „Nein, ganz und gar nicht," antwortete Werner. „Ich vermutete das," meinte Gras Edmund, „weil auch der Geheimrat heute Tischgast in Saarkirchen ist." „Der Geheimrat ist ein alter Freund des Hauses, der wie ein Verwandter betrachtet wird," sagte Werner. Graf Edmund schien eine Bemerkung aus der Zunge zu haben, unterdrückte sie aber. „Ich sehe es Ihrem Pferde an, daß Sie einen weiten Ritt gemacht haben. Sie werden hungrig sein, also erst das Materielle, erst das Frühstück; dann Werkbesichtigung, dann eine nicht zu kleine Fachsimpelei, dann das Diner und danach eine gemütliche Plauderei. Das wollen wir als Programm festhalten. Sie sehe», ich verfüge über Sie, als wären wir alte Freunde. Aber wir haben durch unseren Beruf so viele Berührungspunkte miteinander, daß es mich ausrichtig freue» würde, mich Ihren Freund nennen zu dürfen." Der Sonntag in Klinterfelde verlies wirklich sehr anregend. Graf Edmund zeigte sich als ein ebenso liebenswürdiger Mensch wie kluger Geschäftsmann. Er hatte einen starken kausinännischcn Zug in seinem Charakter und verstand es, Konjunkturen voraus zu ahnen und die Verhältnisse klar zu beurteilen. Werner zweifelte nicht daran, daß die Bemerkung, die der Geheimrat bei der ersten Begegnung mit Klinter auf der Chaussee nach Saalkirchen gemacht Hatte, sich erfüllen würde, nämlich, daß Graf Edmund schließlich ein gewaltiges Vermögen erwerben würde. Dabei gab sich der Graf ebenso bescheiden wie liebenswürdig und natürlich. Als ani Abend Werner sei» Pferd bestieg, konnte er sich sagen, daß er wirklich mit diesem strebsamen, zielbewußten Manne eine aufrichtige Freundschaft geschlossen hatte. „Also auf Wiedersehen Dienstag abend," lauteten die letzten Worte des Grafen; „vergessen Sie ja nicht, in den Mnsikverein zu kommen, und seien Sic recht pünktlich." „Natürlich Gesellschaftstoilette," sagte Werner. „Ja, steigen Sie nur in Ihren Frackanzug. Es ist eine estanfführung, und Sic sind zum erstenmale da. Reiten ie geradeaus über Saarkirchen; Sie haben bessern Weg, und ich glaube, Sie sparen ein paar Kilometer gegen den Weg über Dasburg. An einem Sonntag abend ist soviel Trubel und Skandal auf der Straße von Dasburg, daß es sich schlecht dort reiten läßt. Ihr Pferd hat jetzt stundenlang im Stall gestanden und ist etwas unruhig. Wenn Sie nach Norden, direkt nach Saarkirche», reiten, haben Sie vortrefflichen, glatten Weg, und von Saarkirchen »ach Ihrer Wohnung kennen Sie ,a den Reitweg am Birkenwäldchen entlang ganz genau." Die elf Kilometer Wegs von Klinterfelde bis Saar- kirchen waren bald zurückgclegt, und Werner kam am Parke des ehemalige» Schlosses vorbei. Er sah die Fenster im Erdgeschoß des Schlosses erleuchtet. Der Geheimrat war wohl noch Gast der Damen; vielleicht waren auch noch andere Gäste vorhanden. „Es freut mich nur, daß man mich nicht auch zu der Gesellschaft geladen hat," sagte sich Werner, „und daß man mich überhaupt mit Einladungen verschont. Ich will wenigstens die Sonntage ganz und gar für mich haben und werde gottesfroh sein, wenn man mich völlig in Ruh läßt. Es ist immer ein zweifelhaftes Vergnügen, im Hanse seiner Vorgesetzten zu verkehren, noch dazu, wlnm es sich um eine Dame bandelt. Je iveniger ich mit der Chefin zu tun habe, desto besser. Wirklich, das arme Weib tut mir leidik Sic hat doch auch Anspruch darauf, von einem Manne geliebt zu werde» und Lebensglück zu genießen. Aber >vi« ein Verhängnis steht vor allem, >vas diese Dora Buchwald glücklich umchen könnte, jedenfalls der Gedanke an ihren Reichtum. Jeder heiratsfähige Mann, der ihr naht, muß i!; verdächtig sein. Sie mutz zur Pessimistin und Menschen- verächtcriu werden. Was mag sich schon an sie herangedrängt haben, ivie viele Männer mag sie von der schleck)- testcn Seite kennen gelernt haben! Entweder wird sie auf alles Familienglück verzichten müssen, oder sie ivird einmal einen unüberlegten, vielleicht verziveifeltcn Schritt tun und einem Lumpen in die Hände fallen, der sic unglücklich macht. Sie verdiente wahrlich ein besseres Schicksal. Welch ein entzückendes, sonnenhelles Lächeln hatte ihr Gesicht. Und durch die harte Schule des llnglücks ist sie auch gegangen. Umsomehr hätte sie Anspruch auf Glück." Diese Gedanken spann Werner noch weiter aus, als er sich in seiner Wohnung befand und hier noch bei einer Zei- garrc ein Buch las. Der Sonntagabend war ein für allemal der eingehenden Lektüre von literarischen Neuerscheinungen der verschiedensten Art gewidmet. Der nächste Morgen, der Montag, brachte eine Ueber- raschnng. Als püntllich um 8 Uhr Werner sein Bureau betrat, fand er Inspektor Lenste neben seinem Schreibtisch stehend, und der Inspektor machte ein so feierliches Gesicht, daß Werner fosort mit Recht vermutete, cs sei irgend etwas vorgesallen. Nachdem Werner Hut und lleberzieher abgelegt hatte, wendete er sich zu Lenske mit den Worten: „Sic habe» gewiß eine eilige dienstliche Sache." Lenske verbeugte sich und sagte feierlich: „Es ist allerdings eine dienstliche Sache, aber ich darf wohl sagen, es ist mir ein Herzensbedürfnis, Ihnen meine besten Glückwünsche auszufprechcu, und ich gebe viel darauf, daß ich der erste bin, der Ihnen Glück wünschen darf" „Was ist denn los, liebster Inspektor?" fragte Werner lustig. „Wozu diese feierliche Miene, und wozu gratulieren Sie mir denn? Ich habe doch, so viel ich iveiß, heute nicht Geburtstag." Mit feierlicher Geste wies Lenske ans den Arbeitstisch Werners, aus dem geordnet die Postei»gange lagen, welche der Direktor selbst öffnen sollte. Oben aus diese» Postsackieu lag ein Brief mit der Adresse: „An den .königlichen Bcrg- rat.Herr» Werner Spalding, Thcresien Hütte bei Dasburg." Der Brief trug das Siegel der Oberberghauptmaun- schaft in Berlin. Werner betrachtete den Brief erst sorgfältig. Dann schnitt er ihn mit dem Brieföffner aus und entnahm ihm die Mitteilung, daß er durch königliche Entschließung zum Bergrnt ernannt sei. Es handelte sich um nichts als um eine Titelverleihung, die aber doch jedenfalls angenehm war und dadurch besonders wertvoll lvnrde, daß sie früher erfolgte, als Werner nach dem Turnus erwarten durfte. Er reichte Lenske die Hand und sagte: „Ich danke Ihnen herzlich, mein werter Herr Inspektor. Es ist eine lleberraschung für mich, ich habe wirklich noch nicht geglaubt, Bergrnt zu werde». Ich verdanke das wohl meinen! Buch über die nordaincrikanische Stahlindustrie. Nochmals herzlichen Dank, nicht nur sür Ihre Glückwünsche, sondern auch für die Art und Weise, wie Lie mir dieselben übermittelt haben. Erhalten Sie mir Ihre gute Gesinnung und Freundschaft, mein werter Herr Inspektor. Sic wissen, es liegt mir viel daran, mit meinen Mitarbeitern auf freundschaftlichem Fuße zu stehen." „Das wissen wir alle, Herr Bergrat," antivortetc Lenske, „und die Freude sämtlicher Beamten, auch der Arbeiter, die bereits von Ihrer Beförderung Kenntnis haben, ist groß und ansrichtig. Ich erlaube mir, die Bitte vorzutragen, daß Sic die Beamten sämtlich nacheinander oder gruppen- weise empfangen. Eie haben alle das Bedürfnis, Ihnen Glück zu ivünschen, und auch die Arbeiter haben mir den Wunjjch geäußert, eine Deputation zu schicken." „Ich stehe Beamten und Arbeitern gern zur Verfügung," antwortete Werner; „es liegt niir nicht etwa an der Ehrung, sondern an der freundlichen Gesinnung. Die ist in einem Betrieb mehr wert als alles andere." Die Beamten aus dem Betriebe und aus den Bureaus traten gruppe,iiveise ein und sprachen ihre Glückwünsche aus. Schließlich kam eine Deputation der Arbeiter unter Führung des ältesten Oberschmelzers Wolter vom Martin- Werk; und ihnen alle» dankte Werner mit .Händedruck nutz 296 schlichten, herzlichen Worten, ©afftt erst kam er dazu, sich iiber seine verfrühte Beförderung zu .freuen. Er machte telephonisch dem Geheimrat .Gersten Mitteilung davon, und dieser antwortete ihm durch den Apparat: '„Ich habe die Beförderung schon seit einigen Tagen erwartet. Ich wußte, daß man Sie außer der Tour zum Bergrat machen wollte, Nehmen Sie meinen herzlichen Glückwunsch, und kommen Sie morgen abend zum Musikverein, damit wir dort gleich die Sache abmachen können," lFortsetzung folgt,) Ernst von Schuch t* Es war im Jahre 1869, Theodor Lobe, damals Direktor des Breslauer Stadttheaters, war nach Wien gereist, um dort eine Anzahl von Sängerinnen zu hören. Im „Roß" saß er mit den, Thcatcragenten Landvogt und wollte mit der Prüfung beginnen, als es sich l>erausstellte. daß man keinen Klavierbegleiter zur Hand hatte. Guter Rat war teuer: woher im Llugcnblicke einen fähigen Korrcpititor nehmen? Da gris! der vielerfahrcne Theaterdiencr ein, indem er die Herren auf einen jungen Studenten aufmerh'am machte, der sehr gut Klavier spiele und jede Partitur lesen könne — der werde gewiß die Damen begleiten können. Man geht auf die Suche nach dem jungen Herrn, und bald war er gesunden, denn er saß gerade im Cafe gegenüber. Es war ein schlankes, bewegliches Studentchen, ein Grazer, Jurist in frühen Semestern, hieß Ernst Schuch, setzte sich auf Lobes Einladung ohne Zögern ans Klavier und begleitete der Dame die „Oberon"-Aric ganz vortrefflich: ja, noch mehr: da sie ihr unbequem lag, so transponierte er sic um einen To», Lobe war verblüsst und machte dem jungen Studenten den Vorschlag, mit ihnr nach Breslau zu gehen und in bcn Verband seines Theaters einzutreten. Der antwortete niedergeschlagen : „Ich täts schon, aber ich darf nicht, die Eltern wollens partout nicht," Rein, die Eltern wolltcns nicht, Ihr Ernst hatte schon in der Grazer Heimat immer Musik getrieben und alle seine Interessen drehten sich um die Musik, sic aber wollten einen Juristen .aus ihnr wachen. Ob nun aber das Erlebnis mit Lobe schließlich doch die Entscheidung gegeben hat, oder ob andere Umstände milgewirkt haben: genug, ein paar Monate später stand Schuch in Breslau vor Direktor Lobe und teilte ihm mit, daß er sich ganz der Frau Musika in die Arme geworfen habe. So begann er seine theatralische Lausbahn in Breslau, um sie dann in Würzburg und Graz sort- zusetzcn. In Graz hatte er unter Schweighofer hauptsächlich Operetten zu dirigieren und erwarb sich dabei eine seltene praktische Hebung und Fertigkeit, Hier hörte ihn Pollini, der große Opern- niachcr jener Zeit. Hörte ihn und nahm ihn alsbald mit sich auf seine große Künstlerrundsahrt mit der italienischen Oper. In Pollinis Wandertruppe sangen Meister, wie die Artöt, Masi, Bossi und Padilla, und hier war es, wo der seurige junge Kapell- nieister tief in Geist und Wesen der italienische» Oper eindrang, die er, wie die Artöt von'ihm sagte, „wie ein Gott" dirigierte. Aus dieser Wanderfahrt kam die Pollinischc Gesellschaft auch nach Dresden, Das ivar im Jahre 1872, und sie gab dort den „Barbier von Sevilla", Das war nun nicht gerade eine neue Oper, aber denen, die sie an diesem ?lbende körten, schien es, als ob sie sic bisher noch gar nicht recht gekannt hätten. Allen Glanz der Stimmen überstrahlte der Glanz des Orchesters, das der junge Kapellmeister, der da am Pulte stand, in unerhörter Weise mit sich riß, beseelte, beflügelte Der Name Achuch ging alsbald in der ganzen Dresdener Musiktvelt von Mund zu Munde, und besonders war es Ludwig .Hartman», der in der Presse, wie auch persönlich dem Intendanten, Grasen Plate», gegenüber die Er- Ivcrbung dieser seltenen Kraft für die Dresdener Oper dringend empfahl, ?Iber, aber — er war ja noch so jung! Den sür das altehrwürdige Dresdener Hosorchcster, an dessen Spitze der gediegen- strenge Julius Rietz stand, engagieren? Als das Engagement wenige Monate später wirklich erfolgte, gab es ein allgemeines Schütteln des Kopses, und Hartmann erzählt, wie Moritz Fürstenau damals bedenklich die Frage an ihn richtete: „Ja, glauben Sie, Hartmann, daß ein bloßer Routinier unserer soliden Organisation wirklich nützen könnte?" Selbiger „Routinier" wurde nun der eigentliche Träger des Fortschrittes an der Dresdener Oper, Schritt für Schritt kämpite er sich vorwärts. Feurig für seine Ideale streitend, verstand er dvch auch loieder au passender Stelle sehr vorsichtig und diplomatisch zu sein. So hielt er fidi; so ward er, als 1882 Franz Wüllner, der an Rietzens Stelle getreten war, »ach Köln ging, dessen Nachfolger. Seitdem war er Herr in seinem Reiche, und er ist es geblieben, bis er jetzt, von Krankheit zermürbt und doch nicht müde, die Augen geschlossen hat. Das große Publikum pflegte Schuch immer in erster Linie als einen der hervorragendsten Wagncrdiriqenten zu preisen; und es ist wahr, er konnte sich in dieser Hinsicht mit jedem messen, Ter geistreiche Gülow, der, als er Schuch zum ersten Male Wagner dirigieren hörte, de» bösartigen Witz gerissen hatte: „Nun weiß ich, wo Wagnern der Schuch drückt!" — er bat sich später bekehrt, und Schuch? Meisterschilt als Wagnerdirigcnt rückhaltlos anerkanirt. Aber Schuch war weit davon entsernk, sich einseitig an Wagner zu verlieren, und als Man ihnr einmal die törichte Frage vorlegte: „Lieben Sie Mozart oder Wagner?"/ da gab er prompt die einzig richtige Antivort: „Mozart und Wagner!" Seiner Liebe zur italienischen Oper ist er all sein Lebtag treu geblieben, und die italienischen Künstler könnten sich gar nicht genug wundern, wenn sie in Dresden, iw HerzenI Deutschlands, einen solchen musikalischen „Jtalianissimo" am Pult« fände,i. Die Pattt verglich einmal dem' mehrerwähnten Hart» mann gegenüber die deutsche Melodie mit dem ruhigen Flusse der Elbe, Aber, so fuhr sie fort, Schuch, das ist ein „Antv- germanist": „seine Gefühle sind so lebhaft, und so zart, wie fit unserer italienischen Oper", Allein auch damit ist Schuchs' Wirkungskreis noch nicht umschrieben. Er war in Wahrheit ein Alles-- könncr. Er ist es gewesen, der Richard Strauß aus der deutschen Bühne cingesührt, der zuerst sich des verwickelten Gewebes! seiner Opcrnpartlturen Herr gezeigt hat; und es hat überhaupt in der musikalischen Bühnenkunst kaum etwas Neues gegeben, wofür Schuch sich nicht alsbald interessiert und eingesetzt hätte. Dabei verstand er sich zu konzentrieren: er war kein moderner Gastspieldirigent, er lehnte das WandervirtuosentuM, zu dem! man ihn oft verlocken wollte, beharrlich ab. Er hatte seinen festest Kreis, in dessen Bebauung er seine Lebensaufgabe erblickte, Und so hat er das Goetheworl bewährt, daß ein jeder Kreis fruchtbar wird, ivenn nran ihn zu bebauen weiß. Silber vom Wischen Erdbeben. Wer von Catania aus niit der Eisenbahn oder aus der Land- sttaße nordwätts an der sizilianischen Küste entlang reist, durchfährt ein wahres Paradies: zur Rechten blaut das Ionische Meer/ linker Hand überblickt das Auge eine .Fülle blühender kleiner Dörfer und Flecken am Fuße des höchsten Bulkanes von Europa, des Aetna, Ein Erdstoß von wenigen Sekunden Dauer I>at nun genügt, diese paradiesische Landschast in ein troslloses Trümmerfeld zu verwandeln und die unglücklichen Dorfbewohner unter den Trümmern ihrer Häuser zu begraben. Die Schilderungen der italienischen Zcitungsberichterstatter enthalte» erschütternde Bilder aus dem Gebiet« des sizilianischen Erdbebens, BetAcireale erreicht man die Südgrcnze des zerstörten Gebietes, „Bei Zaccanasso", so erzählt einer der Berichterstatter, „sahen wir die ersten Anzeichen des Erdbebens: die Mauern, die die Landstraße einfasscn, sind zerbröckelt: die Häuser liegen in Trümmern, kleine Bauernhäuser haben keme Dächer mehr, von anderen! wieder ist nur noch ei» Trümmerhaufen Vorhänden, >n dem sich ein stehengcblicbener Türpfosten oder ein unversehrt gebliebenes Möbelstück erhebt. Unser Blick fällt aus einen kleinen Zug Menschen, der sich uns nähert: es sind, Soldaten mit einer Bahre, auf der eine alte Frau mit blutigem Gesichte liegt. Sie ist schwer verletzt. Ein paar Torsbcwohncr folgen ihr weinend: es sind die.Verwandten der Sterbenden, Das Autoinobil muß jetzt Halt machen, denn cs kommt eine ganze Reihe von Wagen aus Lincra, Sie tragen Matratzen, Kissen, Möbel und allerlei Hausgerät d:r armen Dorfbewohner: barsuß folgen ihnen Männer, Frauen, Mädchen und Kinder, Ihre ?lugen sind trocken, die haben keine Träne mehr. An anderen Stellen sitzen die geflohenen Torsbcwohncr, die die Nacht im Freien zugebracht haben, am Rande des zerrissenen Weges, das Kinn aus die Knie gestützt: wen» einer von ihnen aufsieht, liest man in seinen Augen den furchtbaren Schrecken, Ab und zu kommen Züge! von Soldaten, Genietruppen und Earabinieri, die zur Hilseleistung entsandt sind, mit ihren traurigen Pasten zurück, „nd wenn nmn einen der Ueberleben- den, der dem Tod« entronnen ist, befragt, erzählt er furchtbare Dinge aus Linera, dem anscheinend am schlimmsten betroffenen Dorfe: über 500, so erzählen die Leute, beträgt die Anzahl der Opfer des Erdbebens in diesem einzigen Torfe, Mit dem Automobil kann man bis Linera selbst nicht Vordringen, den» der Weg ist zerrissen und durch Trümmer versperrt, Die Zeitungsleute sind über die Trümmer geklettert und haben.sich aus eigener Anschauung davon überzeugt, daß kam» ein Haus dem Verderben entgangen ist; der zerstörte Ort ist im verkleinerten Maße ein Gegenstück zu dem zerstörte» Messina, die Häuser bilden ein einziges Trümmerfeld, und zwischen den Trümmern liegen Hausen von Matratzen, auf -denen Bauern und Bäuerinnen die Nacht rm Freien verbracht haben. Junge Burschen aus der Bevölkerung, die unverletzt geblieben sind, Helsen den Soldaten, Sic geben an, in welchen Häusern die Bewohner von den Trümmern verschüttet worden sind, — In Mangano hat einer der ttalienischen Zeltnngs- Icute, der den nördlichen Teil des zerstörten Gebtetes bereist hat, aus dem Munde einer Frau eine Schilderung! des Erdbebens erhalten, Es Imndelt sich um die Witwe, eines Eisenbahners, die gerade im Begriffe !var, aus ihrem Hause zu gehen, als der Erdstoß kam. Sie ivnrde zu Boden geschleudert, raffte sich aber aus, um aus dem znsammenstürzenden Gebäude zu entfliehen, kam aber nicht weit genug, denn unmittelbar vor der Schwelle umschlossen die Trümmer des Gebäudes sie. Es schien ihr, so erzählte sie, als ob sie nicht auf festem Lande, sondernl ans der wellcnschlagendcn Oberfläche des Meeres stände: während der Erschütterung vernahm sie ein furchtbares Dröbnen der Erde, Ihre beiden Söhne, die ebensalls zu den Geretteten gehören, — die Familie hat den Namen Nicolos« —, verdienen besonders hervorgchoben zu werden, denn ihre Entschlossenheit hat ein schweres Unheil verhütete als der Erdstoß ihr .Hans zerstörte, flohen sie nicht blindlings, sondern sie dachten sogleich daran, hah ein Eisenbahnzug in wenigen Minuten herankomme» müsse. Das Ueberfahren der Strecke tvar außerordentlich gefährlich! so liefen sie dem Zuge entgegen ,>»d brachten ihn auch glücklich zum Halten, und dadurch ist wahrscheinlich eine Entgleisung des Zuges verhütet worden. Tic Landstraße, die sich ungefähr mit der Eisenbahn gleich lausend, an der Küste entlang zieht, ist nach den Schilderungen der Berichterstatter stelleutveise voltkomnien versperrt, es sind nicht nur gewaltige'Risse entstanden, sondeni der Boden hat sieh in großen Klumpen aufgetücmt. Die Züge deh Geretteten bahnen sich mit Mühe ihren Weg, »ud die Soldaten, die in langen Reilten Hintereinander aus Bahren die toten Opfer davontragen, können manchmal kaum vorwärts kommen. An einzelnen Orten werden erschütternde Einzelheiten erzählt, so hat man unter de» Trum, mern ei»K Hauses in Bongiardv zwei getötete Kinder in enger Umschlingung mit ihrep Großmutter gesunden; der Vater dieser lKinder ist als einziger dieser Familie am Leben geblieben. Der Oleander. Der Oleander (Xerium Oleanöers, in manche» Gegenden Lorbeer- rosenbanm genannt, der tut Sommer unsere Gärte» »nd Ballone, den Eingang z» den Villen und Landhäusern mit seinen rosenartigen, lieblich duckenden Blüten und den« sahlen Glanze seiner längliche», innnergrünen Blätter so herrlich schmückt, ist tut Orient und im südlichen Europa heimisch, wo er an Wegen, leuchte» Orlen und Bachuiern wächst. In ganz Kleinasten wuchert der Oleander an den Bächen und aus den Berge», er begleitet den Laus der Bäche und die Kiesschlnchte» z» beiden Seite» ost stundenweit in lange», blühenden Reiben und ersüllt die Lust mit dem Mandelgeruch seiner Blüten. Ebenso schmückt er auch in Griechenland und Italien nicht bloß die Gärte», sondern ganze Landstriche. Die Gebirgsbäche der Sierra Morena in Spanien sind eingefaßt von rotblühenden Oleanderbnschen, und in den Wüste» Algeriens leuchten weithin die Blüte» dichter Oleanderbüschs,alS Wahrzeichen von zeitweise ivaffcr- sübrenden Bäche». Bei »ns wird er allgenicin als eine der beliebtesten Ziervftanzen kultiviert, vom Frühjahr bis herbst im Freien gepflegt, im Winter aber im Kalthaus oder >m Keller ausbcwahrt und vor dem Erirteren geschützt. Er ivächst in groben Kübeln zu einem schone», baninartigen Strauch von \'A— 3 Meter höhe mit dreigabeligen Hefte» Hera». Die lederartigen, lanzetliörnnigen Blätter stehen zu dreien beisammen. Tie Blüten bilden eine Schirm- traube. Sie sind tesieriörmig mit iünsteitigem Saum und ändern durch die Kultur in der Farbe manniglach ab, indeni sie bald verschieden rot, bald weiß, bald einiach oder gcsüllt sind. Der Strauch ist narkotisch, im heißen Klima soll sogar seine Ausdünstung schädlich ivirken. Die Anzucht junger Oleanderpflanze» ist nicht schwer An, meisten geschieht dles durch Stecklinge in, Wasser. Man bringt den abgeschnitlenen Zweig in eine mit Wasser gestillte Flasche, die man am beste» an einer sonnigen Stelle des Gartens auihängt. Sobald der Steckling Wurzel gezogen hat, ivird er in einen Blnnrentops mit guter Blunrenerde gepflanzt. Da die Wasserstecklinge jung aber nicht gern blühen, so ist cs besser, wenn man in, April solche Zweige, ivetche wahrscheinlich blühe» würden, in gute Erde steckt, sie rechtzeitig vcrpflanzt und nllinählich an Lust und Sonne ge- wohnt. Diese blühen meist schon in, solgenden Sommer. Seme volle Schönheit erreicht der Oleander aber erst als große Kübelpflanze, die znrückzuschneiden ist, wen» sie zu hoch wird und incht mehr gut blüht. Tie Erde in» Kübel m»ii lehmig lind sehr krallig sein. Ocsteres Dervstanzcn ist nicht ratsam, da dadurch die Blüte verzögert oder verhindert ivird. Deswegen muß »mn öfter flüssig düngen. Reichliches Begießen »nd ei» warincr, sonniger Slandort sind Hauplersordernisse 51111 t Gedeihen und Blühen des Oleanders. Dies hat nns der lange, heiße Sommer von 1911 gezeigt, wo die Blülenpraelit der Oleanderbäume so großartig »nd lange andauernd ivar tute selten. In kühlen Sommer» blühen sie ost mir unter Glas. Im Winter können die Pflanzen zienilich dnnket, jedoch nicht ii» nassen Keller stehen. Sobald sie aber 1111 Frühjahr ansanaen m treiben, muffen sie 0 it einen bellen Platz gestellt ivcidcn. Ter Oleander wird sehr durch Scbildlänse belästigt, welche steh aber leicht abbürste» lassen. Eine Abwaschung des Stammes »»d der Vleflc mit einer lüiro.zenlige» Lösung von Ebsibaimikarbolinenm im Winter und eine Bespritzung der Blätter int Frühzahre mit Schachts Floieoil ick sehr bieiilidj und hält die Bäinne gesund uub frei von allem llngczieser. Ilm die Blüte zn beschleunigen, ist es gut, im Frühjahr »nd Frühjomnier mit ctnigs augewärnilenl Wasser zii gießen. Rieinals aber tollte »lau das kalte Wasser direkt ans dem Br»>»>cn oder der Wafeeleitniig zin» Gießen benützen! besser i t eS, flwßendes Wasser oder Wasser, das längere Zeit in der warme» Sonne gestanden hat, zn verwenden. Tar>n tan» man auch künstlichen Dünger in mäßiger Menge vorsichtig miflöfeii, oder Hornspäne in solche» Wasser längere Zeit eiinvei hen. Z» den Derivandten des Oleanders gehört das Immergrün iViue.ii miuor), ein liebliches Pflänzchen, das als Sinnbild der Frenlidschack gilt »iid in lichtei, Wäldern »nd Gebüschen wild ivächst, aber auch in verschiedenen Abarten als Zierpflanze gezogen wird. vermischte». Tie Hanptsischzeit, die von den Liebhabern eines delikaten Kabeljanragonts längst herbeigeschnt ivar, ist beran- gekomine». So wie cs eine Ansternsaiso» gibt, ivtc der Kenner gewisse Gemüse z» bestimniler Zeit bevorzugt und ivie manches Geflügel in dein einen oder andere» Monat besonders geschätzt ivird, gibt es nnch sür den schniackhaiten und nahihgslen Seefisch eine Peiiodc, in der er als .Delikatesse der Saison' begehrt ivird, nur daß diese Saison, die gleich nach Ostern beginnt, während de? ganzen Sominers anbauelt. Nicht ivenn der Fisch am seltensten, sondern ivenn er am besten ist, blüht seine große Zeit, und auch iiisoier» »iilerscheidet er sich von den vielgerühmten Genußiiiiltel», dciieu nur eine Art Einlagsdasetn beschieden ist, als der Ganmen- kitzel, den er gemährt, mit ganz bescheidene» Mitteln erkauit werden kann. Die vorzüglichsten Fische schenkt »ns di« Mutier Natur in unerschöpflicher Menge gerade im Sommer: den an Eiwetßstoffen so reiche» Kühler o cr Seelachs, den in schneeiger Weiße und Zartheit schininieiiiden Lengfisch, den krastvollen Kabclsau und den kanni über Forellcngröße sich hinauswagenden Meila». Im Sommer ist diesen Fischen der Tisch der Natur am vollkomincnslen gedeckt, und sie sprechen ihin so freiibia zu, daß sie sich in besonders gutem Eriiährungsznstand befinde». Es ist beut liiiablässtgen Bemühen unserer Behörden tutb unseres Fischhandels gelungen, aiich danii, weiin die Sonne es ggr zn giit mit UiiS »icint, die delikaten Meciesbewohncr von Hnniburg, Curhaven und den anderen Küflc»- plätzen in vollirischcr Güte bis nach bem südlichsten Deutschland zu schaffen, Hub daß sich auch der klctiie Manii, der Wert ans eiweißhaltige, kräilige uub gnlbcköinmliche Kost legt, snr ivenige Pscniiige diese „Delikatesse der Saison' lelile» kaiiii, bildet gewiß nicht de» geriiigsleii Borzug des soiiimerlichen Ceesisches. ^ In der Anno ncen exp« ditto n. Beamter (zu dein vor dein Schalter ivartcnden Pubjikiimt: „Ist die Dame noch hier, die soeben die Heiratsaniwncc unter Marie ausgcgcben hat?" Fräulein! „Ich bin's." „Nein, da muß noch eine andere fein: Das Fräulein mit dem angenehmen Aeußdrn!" Lprachecke der Allgemeinen Deutschen Sprachverein?. * Vorbildliches K a u i n» a n n s d e u l s ch Vorbildliches Ka»sn,gii»Sde»tsch bringt der Bericht der Zuckerraffinerte Tnnger- inniide, wie die Zeitschritt dcS Sprachvereins kürzlich berichten kvnnle. Man hat >in4 irüher ivieder und ivicdcr versichert, daß das kaus- inäi,nischc Leben ohiie einen gaiizen Sack voll sreinder tutb den meisten Nichtka»ile»ten »»verständlicher Wörter gar nicht aus- fomiueu könne. Aber ivie schon andere grobe Werke das Gegenteil schlageiid bc,vicsen habeii, so zeigt jetzt aiich die Znckcrraffinerie Tangerninnde, daß ein ka»i»iÄ»»isches Srhri>lstück dnrehailS gernein- vclständtich gehalten iverdcii kguu,. Ein Nachteil ist das ganz geivtß nicht. Jedcriiiann verstem! was mit der „VerniögenSaui- steltung ani 15. Scpteinder 1912" fjeinctnt ist. Links stehen die „Bestände", rechts die „Verpslichtnugen". Nicht minder dcntlich ist die „Gewinn- und Berlnstrechnmig am 15. September 1912." Links steht das „Soll", recht das „Haben". Alle einzctiicn Angaben sind gleich verständlich: Abgang, Abschreibnng. Zugang, Wertpapiere, Htntcrlcgnngen, Anteile, Bankguthaben, gesetzliche Rücklage, Arbeitcr- Hilsssehatz, Beamteii-Hiltsschatz, Anigeld, Tilgung, Bürgschncken, Nückslellnng, ZiiiSichcine. Geivin» aus Verschiedenem. Ob ivohl wirklich jemand z. B. tlieserveionds, Depositenkonto, Amortisation, HiltskondS, Diverses, Aktiva und Passiva veriiiißt oder iür dentttcher mtb für allgemeiiiverstäiidlicher hält? — Nicht zn ihi-em Borlcit sticht davoii die kiirzc Bemerkiiiig dcrDentscheii Tienhand-Geleltschnst ab, die die „vorstehende Bilanz .... per 15. September 1912* geprüft hat »nd die Richtigkeit bestätigt. Charade. Das Erste ist geivebl so ietn, Es läßt hindnrch des Lzrbtes Schein. Und bei des Freunde; sähen, Tode Trägst dn's zur Schau — so wilsis die Mode. Blei» Zweite; such' im Cehivabenland, Beim Lseckarstiiß am linken Strand. Doch in Italien strahlt das Ganze Ii, Schönheit und tut Rnhmcsgtanze. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Ergänzungsrätscls in voriger Nummer: 'Aul bcu Bergen ick Freiheit! Ter Hauch der Grüfte Steigt nicht huians tu die reinen Lüste. Tie Wcli ick vollkoinnieii überall, - Wo der Mciiseh nicht hinküinnit mit seiner Ouqt. Schiste>, Redaktion: K. Neurath. — sstotationsüruck und Verlaa der Brühl'schen Universiläls-Buch- »nd Steindruckerei, R. Lange. Gießern