Wribrr-Krgiincnt. Roncan von Oskar Klaußmann. (Nachdruck verboten.) (Fortsevung.) Als Geheimrat Kersten nach Saarkirchen kam, Ivar Dora noch nicht zu sprechen. Sie war noch bei der Toilette. Sie halte früh einen weiten Ritt gemacht und mußte sich nun umkleiden. Aber Frau Schottelius, die alte, schwatz- haste Dame, ivar da, und Kersten ging mit ihr wieder üw Park spazieren. „Wir habe» ihn gar nicht wiedererkannt", sagte Frau Schottetiuö piöplich. „Wie soll ich das verstehen?" fragte Kersten. „Wie sollten Sie denn Spalding wiedererkennen? Sie sehen ihn doch zum ersten Male!" „Ach, jetzt habe ich mich verschnappt," sagte Frau Schot- telius mit komischer» Entsetzen; „Sie dürfen mich nickst verraten, ich verlange Diskretion von.Ihnen. Aber Dora und ich, wir kennen diesen fierrn Werner Spalding schon seit länger als einein Jahre." „Nanu, davon weiß ich ja kein Wort," bemerkte Kersten. „Dora tvill auch jedenfalls nicht, daß Sie davon etwas wissen, und .noch einmal: Diskretion unter allen Umstän- den! Wir waren voriges Jahr in Berchtesgaden und lebten in der Rainsau in einem Pensionat sehr zurückgezogen. Da erschien auch Herr Werner Spalding, der, glaube ich/damals gerade von Amerika zurückgekominen ivar. Wir hatten ihn noch gar nicht persönlich kennen gelernt, als er nach vierundzwanzigstiindigenl Ausenthalt der .Held des Tages wurde. Es ivar eine Familie cnis Wien da, mit einem allerliebsten vierjährigen Mädchen. Das Kind war ani ildach- mittag plötzlich verschwunden. Die Wärterin war mit dem Kinde spazieren gegangen, war eingeschlafen, was nicht wunder nehmen konnte, denn es mar ein sehr schwüler Tag, das Kind hatte sich wohl aus eigene Faust auf den Weg gemacht und war nicht zu finden. Die Eltern des Kindes und das ganze Penstouat gerieten in große Aufregung. Es war sehr schivül, und voraussichtlich kam ein schweres Gewitter. Für das Kind war das schlimmste zu befürchten. Huiide waren nicht zur Berfiigung, mit deren Hilfe inan das Kind hätte suchen können. 'Alles Rusen und Schreien hals nichts, das Absuchen der ganzen ilmgegend hatte keinen Erfolg. Kurz vor Sonnenuntergang brach ein fürchterliches Gewitter loS. Es tvurde ganz finster: ein ungeheurer Wolkenbruch goß draußen nieder, und mir ivaren im Speisesaal des Pensionates versa,nmclt, aufgeregt nicht nur durch das Unwetter da draußen, sondern noch mehr durch de» schrecklichen Gedanken an das arme Kind. Die Eltern der Kleinen, besonders die Mutter, gebärdeten sich ganz verzweifelt, alle anivesenden Damen' iveinteu und ichluchzten. Ich sage Ihnen, es ivar eine Situation, uste ich sie »och nie erlebt habe. Da ging plötzlich die Tür auf, und in ihrem Rahmen staiid Werner Spalding, triefend von der Nässe des Wolkenbruchs, mit Kot bespritzt von den Füßen bis zur Brust. Seinen Lodenmantel hatte er über Kopf, Brust und Rücken geschlagen. Als er jetzt den Zipfel des Lodenmantels znr Seite schob, sah man das vermißte Kind auf seinem Arme sitzen, schlafend vor Erschöpfung. Der stattliche Mau» mit dein hilflosen Kinde gewährte einen geradezu rührende», packenden, ergreifenden Anblick. Mit einem Jubelschrei stürzte die Mutter auf das verloren geglaubte Kind los: Werner übergab es ihr und machte dann, daß er davonkam, uni sich umzukleiden. Wir erfuhren noch am Abend, daß er, selbst vom Gewitter überrascht, eilfertig von einem Spaziergang ^urückkehrte, als er ain Ufer der Ache das Kind schlafend fand. Es war wohl weit heruingclause» und vor Ermüdung umgesunken und eiu- geschlase» Das Kind iväre ohne Spaldings Dazwisckeu- kunft verloren gewesen, denn durch den Wolkeitbruch stieg die Ache in gefährlicher Weise. Spaldiicg wollte das Kind in Sicherheit bringe», und nahm es mit sich nach der Pension, obgleich er gar nicht wußte, daß das Kind dorthin gehörte und dort vermißt ivurde. Ihm schien das, lvas er getan hatte, natürlich nicht als Heldentat, und es war ihm »vohl unangenehm, von den Eltern des Kindes und den anwesenden Damen als Held gefeiert zu werden. Er reiste schon ani nächsten Tage ganz plötzlich ab, ohne daß wir mit ihm bekannt geworden ivären. Aber er blieb Dora und mir unvergeßlich, wie er da so in der Tür stand, das! hilflose Kind aus dem Arm, den triefenden Lodenmantel! um sich und das Kiich geschlagen. Das war so romantisch, so wirkungsvoll, daß man es gar nicht vergessen kann. Dora hat auch versucht, aus dem Gedächtnis die Szene zu malen, aber es ist ihr nicht gelungen. Wir haben nur den btamen Spaldings erfahren. Deshalb war ja auch Dora, als Si« vorschlugen, Spalding zu engagiere», sofort bereit, Ihren Wunsch zu erfüllen." Frau Schottelius wurde abberuseu und bat den Geheimrat, direkt »ach den, Salon zu gehen. Hier schritt der Geheimrat, wie es schien, etwas erregt auf und ab, und das, was er von sich in diesem Augenblick dachte, war nicht besonders schmeichelhaft. „Dieser Werner tennt die Weiber besser als ich. Also durch eine romantische Geschichte. Daß doch die Weiber immer und ewig alles, was ihnen vortoinmt, init dem Gefühl und nicht mit dem Verstände beurteilen! Also Werner Spalding soll engagiert werden, nicht wegen seiner hervorragenden Fähigkeiten, nickt iveil er der Mann ist, dem man viele Millionen Wert «»vertrauen kann, sondern weil ihn Fräulein Dora Buchwald in einer romantische» Pose gesehen hatte. Das genügt vollständig, um einen solchen Mann zum Generaldirektor zu machen." Unmittelbar daraus erschien Dora, bat den Onkel Geheimrat um Verzeihung, wenn sie ihn habe warte» lassen, und Geheimrat Kersten hatte sich nicht getäuscht: Dora ging auf alle Bedingungen ein und schien nicht einmal ärgerlich 2 SO darüber, daß Spalding nur auf Probe bleiben wollte. Kersten hatte geglaubt, gerade diese Bedingung würde ihr unangenehm sein. „Du überlegst dir die Sache vielleicht noch," sagte Geheimrat Kersten am Schluß seiner Ausführungen^. „Es bedarf bei mir keiner Ueberlegung mehr," erklärte Dora, „ich bin mit den Bedingungen des Herrn Bergassessors einverstanden. Bitte, laß den Vertrag ausfertigcn, Onkel Gehermrat; ich werde ihn noch heute unterzeichnen. Und bitte, sage Herrn Spalding. wenn er noch irgendwelche Wünsche betreffs der Mblierung oder Einrichtung hat, möchte er sie ohne weiteres äußern; es soll alles nach seinem Wunsche eingerichtet werden." „Ich glaube nicht, daß er besondere Wünsche hat," ent- gegnete Kersten, „er sagte mir sogar, die Wohnung sei viel »u luxuriös rind für einen Junggesellen zn groß. Es würde ihm in den vielen Räumen, die ihm zur Verfügung ständen, ganz unheimlich werden. Er mußte sich in den letzten Jahren, als er in Nordamerika und in Belgien war, räumlich recht sehr cinschränken. Er gibt überhaupt nicht viel aus die Aeußerlichkeiten der Lebensführung. Er hat ein Ideal, und das ist sein Beruf." „Die Wohnung ist auch nicht sür einen Junggesellen, sondern für einen verheirateten Direktor eingerichtet worden. Vielleicht heiratet auch Herr Spalding in nächster Zeit, wenn er sich hier seßhaft gemacht hat." Dora sah zu Boden, Kersten beobachtete sie sehr gespannt und mit einem kaum merkbaren ironischen Lächeln. „Spalding denkt schwerlich ans Heiraten," sagte er langsam und zögernd. „Natürlich bin ich nicht der Vertraute seiner Gefühle und etwaigen Herzensgeheimnisse; aber ich Meine, er hat gar keine Zeit gehabt, sich mit Verlobungs- Und Heiratsplänen zu beschäftigen. Er hat in den letzten hier Jahren ein Leben voll Unruhe geführt, und weder in Dittsburg noch in Seraina hat er der Frauenwelt besoirdere Aufmerksamkeit widmen können." Dora riß ihren Blick gewaltsam von der Erde los und S taute dem Gehetmrat ins Gesicht. In ihre Wangen war ne ausfallende Mt« getreten. „Also «s bleibt dabei: du läßt den Vertrag sofort aus- fertigen, und er wird heute noch unterzeichnet." „Gut, mein Kind. Schicke den Vertrag, nachdem du chn unterschrieben hast, an mich. Spalding ist heute bei mir zu Tisch, er kann den Vertrag vollziehen, und morgen übergebe sch ihm die Dheresien-Hütte in Gegenwart der gesamten Beamten." „Herzlichen Dank, Onkel Geheimrat, sür alles, was du auch oei dieser Gelegenheit wieder sür mich getan hast. Ich glaube, ich werde dir noch sehr dankbar sein müssen, daß du diese ungewöhnlich tüchtige Kraft für uns hier gewonnen hast. Was sollte ich ansangen, wenn ich dich nicht hätte I" „Es stimnlt," sagte sich Kersten unterwegs, „die Rech- ung ist richtig! Dora interessiert sich nicht nur für den 'ergassessor, sondern nach menschlichem Ermessen ist sie reite bis über beide Ohren in ihn verliebt, und ihre einzige Angst scheint zu sein, daß sein Herz nicht mehr frei ist, und daß seine Liebe einer andere» gehört. Nu». ich habe nichts dagegen einzuwcnden! Ich gönne es Spalding, daß er sich hier in das warme Nest als Herr und Gebieter hineinsetzt, und ich meine, sür Dora ist er eine ebenso gute Partie wre sie für ihn. Die Sache vollzieht sich ganz programmmäßig. Wie die Dinge jetzt liegen, wird über Jahr und Dag Spalding der Gatte Doras und der Leiter seiner eigenen Werke sein. Das ist gut. Ich bin wirklich nicht mehr kräftig genug, um neben meinen eigenen Sachen auch die Generaldirektion der Buchwaldschen Werke zu führen. Ich wünschte, ich könnte mich überhaupt zur Ruhe setzen. Aber das hat man davon: die Kinder gehen ihre eigenen Wege und lassen den Vater allein arbeiten. Ueberhaupt wird cs immer einsamer um mich. Meine Frau tot, meine einzige Tochter verheiratet an einen Gcsandtschastsattachs in Tokio und mein einziger Sohn Offizier bei der Schutztruppe in Afrika. Ich hoffe, Werner Spalding ersetzt nur wenigstcns den Sohn einigermaßen. Wer hätte das doch gedacht, daß Dora ein so lebhaftes Interesse für einen Mann hat! Ich traute es ihr bisher nicht zu, ich hielt sie sür ein wenig zimperlich und alftüngferlich. Aber sie hat ein Recht aus ehrliches warmes Enipsinden. Sie ist ein Weib und soll ein Weib bleiben." Am nächsten Tage iibergab in Geaenlvart der gesamten Beamten im Direkkorialbureau Keheimrat Kerften die Leitung der Theresien-Hütte dem Bergassessor Werner Spatding. Schon am Mchmiktag vorher hatte Werner sein großes Gepäck von, Bahnhofe nach der neuen Dienstwohnung kommen lassen, und gegen Abend, nachdenl er beim Geheinr- rat Kersten zu Mittag gegessen und dort den Vertrag mit Fräulein Dorothea Buchwald unterschrieben hatte, bezog er schon die Dienstwohnung, in der er zum ersten Male schlief. Am nächsten Morgen kamen zivei Wagenpferde und ein Reitpferd, zur Verfügung Werners, ebenso ei» Kutscher und ein Stallbnrsche, die sofort ihren Dienst crntraten. Unmittelbar na chder Uebergabe sftirzte sich Werner ncit Fröhlichkeit in die Arbeit. Erst mußte er sich die nötige Nebersicht verschossen über Produktionsweise, Beschaffung des Rohmaterials, Löhne, Ausbeute des Walzwerks, Verdienst, Absatzqnellen. Das nahm ihn tagelang in Anspruch, obgleich ihm Inspektor Lenste jeden Augenblick zur Verfügung stand. Auch der Geheimrat wurde telephonisch mehrfach von Werner in Anspruch genommen, kam auch zweimal im Laufe der nächsten Woche nach Theresicn-Hütte, um alle gewünschte Auskunft zu geben. Nach acbt Tägen saß Werner vollständig im Sattel und war in der Theresien-Hüttc ebenso zn Hause, als hätte er hier jahrelang gewirkt. Er wußte in dem Walzwerk und auf deni Hofe ebenso Bescheid wie in den Bureaus und in den Dokumenten der Registratur, llnterstiitzt von einem vor- trefslichen Gedächtnis, kannte er persönlich nickst nur sämtliche Beamte, sondern auch einen großen Teil der Vorarbeiter, die natürlich den neuen Ches mit gespanntester Aufmerksamkeit beobachteten; hing doch sür lange Jahre ihr Wohl und Wehe wahrscheinlich von diesem Manne ab. Nach acht Tagen waren die Beamten init ihrcin Urteil über den neuen Ches fertig und gaben dieses Urteil mit großer Befriedigung ab. Sie hatte» einen tückstigen Fachmann vor sich, der es gleichzeitig verstand, mit Menschen umzngehcn» der Energie mit Liebenswürdigkeit verband, nicht eigensinnig >var, jede Entgegnung ruhig und wohlwollend anhörte und sich sofort überzeugen ließ, wenn man ihm nachwies, daß seine Ansicht ganz oder in einzelnen Punften der Korrektur bedürfe. Kurzuni, es ivar ein Mann, der viel, außerordentlich viel vom Fach verstand, nußerdenl aber Wohlwollen und Gerechtigkeit jedermann entgegcnbrachte, der mit ihm zu tun hatte. Auch die Lieferanten und Geschäftsleute, die nach dem Walzn-crk kamen, gewannen diesen günstigen Eindruck: „geschäftlich scharf, aber liebenswürdig", sagten sie, „vorniachen kann ninn ihm nichts, aber es ist mit ihm gut auszukommen." (Fortsetzung folgt. ttinobrol. Berliner Studie. Von Max Kretzer. Jeder neue Berus bringt neue Fachausdrücke, und fo ist e» erklärlich, ivenn der Kiiwschauspicler seine Gage „Kinobrot" Nennt, woniit derjenige, der diese Bezeichnung zum ersten Male, wohl mit bitterem Galgenhumor, falten ließ, sicher nur an das „tägliche Brot" gedacht hat, ohne das selbst der bestaufgelegte Schelm keine Lust verspürt, dem „Theater der Schwerhörigen" wie ich das Lichtspiel genannt habe, mit Hingebung zu dienen. Denn der Filmschauspieler ist, gleich Hamlet, ein armer Mann", und wenn das liebe Publikum ihn im hellen Lügenschein der blendenden Leinewaud tragieren und saxieren sieht, dann hat es meistens keine Ahnung von den schwere» seelischen und körperlichen Nöten, die er zu durchkosten hatte, bevor es ihm gnädig gestattet ivurde, sein, ach, so oft verkanntes Bühncntalent nicht etwa leuchten, soirdcrn „silmen" zu lasse», wie der technische Ausdruck neuerdings lautet. Und hat dieses liebe Publikun« gerade noch die märchenhast hohen Gagen der augenblicklich herrschenden Kinogrößen, die gewöhnlich eine Null zu viel zeigen, in, Gedächtnis, damr ist cs um so eher geneigt, das Flimmern da vorne, das soeben ein lialbes Dutzend falscher Brillaiilen aus der Kleidung des beweglichen Komikers austlitzen lässt, für echt zu halten und ihm als königliches Spielhonorar in die Tasche zu zaubern. Ach, köimte es den Spaßmacher im Frack, der so andauernd Lachsalven hcrvorlockt, nur einmal im grauen Tageslicht in der „Filmistenbörse" sehen, wie er, mit Tragödenernst, zwischen den Stühlen und Tischen feinen Pendelgang macht, um die Aus» mcrksamkeit des werbenden Regisseurs zu erregen, dann würde die Lachträne sich vielleicht bald zum Ausdruck stillen Mitleid« vcrwaicdesn. 291 tJimritten der gldnjcnbett (Vriobricfiiraor, dort, wo fast an lidern Dause die schreieichen Nomen der Filmfabrikanten und pilmverleiber doppelt und dreifach sich gegenseitig das Leben schwer machen, liegt das Cafä, das nachmittags zwischen fünf und neun Uhr zum Sammelpunkt aller derer wird, die „der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe", auf die Parole der ent- meisten Theaterkunst schwören: „Das Wort ist tot, es lebe die Veste!" Einstmals galt das Wort als das Pulver des Dichters, da aber, wie Männiglich bekannt, auf vielen Unserer Bühnen dieses Pulver schon seil Jahren unnütz verschossen wird, so muhte naturgemäß eine Reaktion cinlreten, die sich auch dann in dem sogenannten Kino entlud: ob gesund, oder ungesund, das mag die Zukunst lehren. Ein junger Heißsporn von Dichter, der vor- jüusig mehr redet als bildet, hat in sehr zornigen Ausbrüchen deni Kino den Dodesstoß zu versehen gesucht mit der Phrase vom „erdrosselten Wort". Ach, du lieber HiMniel, — ttrie gern wünschten wir, dah cs solcher beizeiten und an richtiger Stelle „erdrosselten Worte" unzählige gäbe, bevor sie in der modernen Tbealcrei unser aufhorchendes Ohr enttäuschten und beleidigten! ,,Dic Ohre» sind die Almosencmpjäiiger des Geistes", sagt Debbel in diesem Zusammenhang, denn nichts kmm höher erheben und nichts kann tiefer erniedrigen, als das ausgesprochene Wort: nichts E wer auch kan» zersetzender wirken, als das vor hundert Ohren allcnde unschöne Wort, deni für empfängliche Gemüter durch »ieses Privilegium der Oessentlichkeit jeder Anstoh genommen werden soll. Wenn ich die Wahl habe zwischen einem dummen Zeug schwatzendcn^Poetastcr (mag sein Organ auch noch so herrlich klingen) und einer mit den Augen sprechenden, sonst stummen Schönheit, so ersreuc ich mich am Anblick dieser und >agc jenen zu allen Teufeln. Es ist sechs Uhr, ein neuer Thespiskarren hat sich brausten gerade entleert, und sein Strom trägt mich mitten hinein in den groben übersülltcn Raum, in dem die Köpfe von Männern, Frauen und Kindern von einem grau-blauen Dunstschleier sanft umzogen sind, so dah sie wie in einem Lustmeer zu wogen scheinen. Das elektrische Licht gleißt über kahle Schädel und buntbcse- derte und -bewimpelte Damenhüte, währeird durch die großen, un- verhüllicn Spiegelscheiben das Strastenleben seinen huschenden Schimmer sendet. Obwohl ich bereits zum dritten Male hier bin, must ich mich wieder zu orientieren versuchen: denn diese Glattrasierten und diese ovalen Mädchengesichter mit dem Duseausdruck rrm den verzogenen Mund sehen sich alle ähnlich, sobald man sic in Masse» steht. Erst allmählich heben sich die Charaktcrköpsc ab, denen aber Sorge und Enttäuschung den Stempel sriiher Zermürbtheit «usgedrück» haben. Thalia, die ewig Blühende, lockte den Jüngling mit ihrem Musengesang: sie blieb jung und Herrscherin, kr aber diente ihr getreulich als Knecht, wurde alt und grau dabei, ohne von ihr erhört zu werden, und verlieb schnöde ihren Provinztempcl, dieweil Berlin zum Zentrum einer neuen „Kunstbranche" wurde. Tenn „am Film hängt, zum Filme drängt doch alles." Frei nach Goethe. Draußen werden die Großen und die Ganzgrosten unter Schmeichelworten von den Filmdirektoren f >ekapert: hier sitzen die Kleinen und Verkümmerten, die Austen- eiter, und warten geduldig, bis der vielvermögcnde Filmregisseur ich ihrer erinnert. Jene erhalten fürstliche Gagen, diese hier ihr „Kinobrot", pro Ausnahmetag von sechs Mark an! Und doch vieles Gedränge, dieses Reißen um den ersten Platz, auf dem man eines Tages „entdeckt" werden könnte. Um als Filmstar in riesengroßen Buchstaben aus benr Plakat zu prangen. Zwar äußert «s niemand laut, aber selbst der Zermürbteste liegt diese Hoss- nung still im Busen. Und nun erst das junge Volk, die Werdenden, die Rosenroten! Das Ewigweibliche voran. Da sitzen zwei »redliche Krabben im Mier von 14 und 10 Jahren Und passen ihre Zigaretten mit unbestreitbarem Talent. Einfach und schick gekleidet, mit ut bürgerlichem Anstrich. Haarschnecken über den Ohren, das bil- >ge Modchütchen keck aus dem Gesicht gerückt. Man könnte sie tttr Schülerinnen halten, wenn nicht schon der leichte Firnis der Frühreife auf ihren glatten Wangen läge. Ihr Blick ist überlegen, sorglos - mäuncrsrcundlich, und als am Nebentisch, aus eines Glattrasierten Mund die Frage kommt: „Na, Lotte, hast wohl Arbeit bekommen? Du bist ja so vergnügt", ertönt ds von der jüngeren witzig zurück: „Morgen in Neu-Filmersdorf, Lene und ich zusammen, das gibt wider 'ne Sache ohne Ende. Hast Du noch Zigaretten?" . . . „Neu-Filmersdori" ist eine Scherz- bczcichnung für Neu-Babelsberg, weil sich dort große Filmateliers befinden. Gleich den Artisten spricht man hier nur von „Arbeiten", tvie überhaupt alles solide und anständig Zugcht. Es ist bekannt, daß sich gerade die Artisten, die überwiegend an jedem Abend den Tod vor Augen haben, durch ein tadelloses Familienleben auszeichnen, und unwürdige Eleniente von sich abschütteln. Die Gefahr schließt zusammen, und die Aufregungen des Berufes suchen nach einem Ausgleich im stillen Winkel. Und diese hier betrachten sich alle als halbe Artisten, tvas wohl mit dem neugcschassenen Berufe zusammen hängt, der an Stelle des Wortes das Jonglieren mit Ausdruck und Bewegung verlangt. Nur der Glanz des gutsituierten Artistentums fehlt, die teuren Toiletten der Damen, die auffallenden Brillantringe an derben und an zarten Fingern, womit schon äußerlich die hohen Gagen angedeutct werden. Selten ein Prunken mit Klcidungsauswand, feilen jemand, deni man es schon seiner Aufmachung nach ausähc, daß er srch nach ft! hier verirrt habe. Denn alle nehinen diesen Weg de« MütsenB, Es ist sozusagen das Artistcntum des vierten Standes, rein sozial gemeint, denn ich sehe es vielen an, dah sie von unbekanntest Höhen kommen, nur beschwert mit den, Gepäck der Enttäuschung. Charakterspieler, erste und zweite Liebhaber, Helden, Väter und Mütter, komische Alten, sentimentale Liebhaberinnen, erste Kräfte, Chargen und Statisten, oder das „große Gezumve" und das „kleine Gezumpe", wie die Filmsprache Solisten und Eonrparserie voneinander trennt, —i sie alle lassen sich hier friedlich in denselben! großen Kunsttopf werfen, aus dent sie später, hübsch sortiert, in die diversen„Kientöppe" wandern. Es gehört für den Mimen viel Entsagung dazu, plötzlich als Unbekannter zu lichtspielen, nachdem sein ganzes Leben dahin gegangen war, sich einen Namen zu schassen, ob in Dingsda mit 1400 Eimvohnern oder in Berlin mit zwei Millionen. Er war immerhin ein Mensch mit Namen, wenn vielleicht auch nur aus dem Theaterzettel. Das Kino aber raubt ihm diesen Namen (abgesehen .von den „Größen"), macht ihn einfach zunr toten Mann, und das ist das Tragische im Leben eines Filmschausvielers, wogegen sich die Filinisten mit aller Macht wehren sollten, denn es ist geradezu unsinnig, auf einem Kiuo- zettel die Personen ohne Nennung der Agierenden anzuführen. Wen interessiert es zu lesen: „Fabrikant Mever", tvenn er nicht zugleich den Verkörperer dieses uns ganz gleichgiltigen Herrn Meyer kennen lernt. Das eben ist! die Verbiirdung zwischen Theater und Publikum: daß ein bekannter Mensch als ein anderer zu uns sprechen, im Kinobrauch zu uns „nrimen" soll im Sinne der Gebärdenspicle der alten Rönrer. Das Bclvußtsein, nicht bloß als „Sache" vorgesührt zu werden, erweckt den Ehrgeiz und läßt die Ziele wachsen. Möglich, daß sich anfangs Mancher Kino- darstellcr selbst sträubte, in einem blutigen Kolportage- oder in einem Hanswurstiadcnsilm genannt zu werden, und daß dadurch der allgemeine Namentvd zur Gewohnheit wurde, — so gut aber der Zirkusclowu und der „dritte Mörder" tn Macbeth (einen Namen (selbst auf der Schmiere) zu Markte trägt, ebensogut könnte cs auch der Filmist von seines Gnaden tun. Man wüßte dann doch wenigstens, wer der Attentäter war. Am Eingang sieht es wie ein Anslauf aus. Soeben hat ein Filmregisseur das Lokal betreten, und ein Dutzend Kinoschauspicler umringt ihn, um sich bemerkbar zu machen. Ms kleines Gefolge ziehen sie hinter ihm her, dem äußersten Ende des Casäs zu, wo die Abschlüsse staltsinden. Ein langer, etwas dünner Mime löst sich von der Gruppe los und stolziert, das Monokel kühn eingeklemmt, in nachlässiger Haltung durch die Reihen. Ich fahre aus. Wie? Giampielro wieder auserstandcn? Sucht er noch als Geist nach einer „Metropolmaske?" Die fabelhaste Aehnlichkeit dieses Doppelgängers frappiert mich, allerdings eines Doppelgängers, der mehr nach dem Kinobrot als nach Austern (wie einst Giampielro) aus- lugt. Eine Fallstafs-Figur hemmt seinen Lauf. „Na, nüe aeht's?" fragt er mit Gönnermiene. „Man flimmert sich so durch", antwortet ider Dicke imd drückt ihn iusick i ein ein Bauch ganz lieblos gegen den Marmortisch. Denn fürchterlich ist schon die Enge, weil der Thespiskarren draußen immer neue Zufuhr bringt, hllles schwatzt, raucht und begrüßt sich von Tisch zu Tisch. Die Kunstvertvandischasl ist im schönsten Gange. Ich durchschreite das Lokal und erhasche im Fluge verschiedene Typcti, die mich mehr an einen Friseurladeu als an die Herberge der Kinola (so habe ich bie Muse des Kinos getauft) erinnern. Einer mit verdächtig vor die Ohren gestrichenem Schmalzhaar fällt mir besonders aus. Es sitzen auch Weiber herum, die mau nicht recht rubrizieren kann. Ein echter Kinoschauspieler klärt mich aus. Also „Schmeißfliegen", die sich aus wehrloses Fleisch setzen, um freigewerblich mitzusaugen! Das ist der Kummer der anständigen Filmisten: daß sich allerlei sremde Elenwnte in ihre Gilde einschmuggeln und leider auch bei so manchem Ktnoregisseur Gehör finden. Denn das Kinobrvt untcrschetdet sich von dem gebackenen dadurch, daß es sehr im Preise schwankt: und beim Gesilmtwerden braucht man nicht zu reden, sondern manchmal nur die Hände zu erheben. Armer Romeo vom Hoftheater zu Kleinschwätzingen, der du deine Schritte nach der großen Kinostadl gelenkt hast in der phantastischen Vorstellung, dich mit einer Riesengage von sechs Millionen Sehhungrigen als zweiter Darrp Waiden bewundert zu sehen, wie werden deine Hoffnungen von diesen Buschkleppern hier an die Wand gedrückt! Nicht weit von ihm, im äußersten Winkel, hock! einsam eine verhärml auSsehcnde Schöne, ebenfalls „besseres ThcMer" Ihre seinen Züge interessieren mich, denn ich muh an eine Slilleidende in irgend einem Stück von Ibsen denken. Ich beobachte, wie die dünnen Finger verstohlen in die Handtasche greisen und eine Semmel dem Munde zusühren. Dann tritt einer der Ftlni- rcgisseure, dessen Gesicht mich an Emil Thomas erinnert, aus die Bessere zu und entfaltet besondere Höflichkeit. Ich höre, wie « mit der Dame verhandelt, sehe, wie ihre Wangen sich röten und ihre Augen auslcuchtendcn Glanz bekommen. Eine kleine Vorbesprechung erst. Dagegen kommt's mit dem Romeo schon zum Abschluß. Die freudige Aufwallung unterdrückend, unterzeichnet er im Stehen den Aufnahmeschein.vJch höre so etwas wie „zwanzig Mark", bevorzugte Taxe. Der Kinolauf kann beginnen! Aller Aufmerksamkeit wendet sich dem Auserwählten zu, dem das Blut wieder durch die Adern rinnt. Zwei verkannte Asta Nielsens treten sofort aus ihn zu und gratulieren ihm. Der hübsche Junge gefällt und 292 iinponisrt ibiifu, das sehe ich, Uub gleich sitzen sie bei ihm, und er reicht ihnen seine Zigarettendose, Ich entfliehe der dicken, nach verdorbenen Resten riechenden Luft hier hinten und begebe mich wieder noch vorn in die reinere Region, Das Casd hat sich auf- sallend gelichtet Als die dir auf neun geht, ist es fast leer. Schon erscheinen die ersten Musiker, und schon wird der Flügel ans dem .Podium ausgeklavvt. Bald werdeit die Geigen erklingen und dann tvird ein anderes Publikum hier auftauchen, bis tief in die Nacht und in den Morgen hinein. Und es tvird kein Gedanke an das trockene Kinobrot tvach werden, sondern vielleicht nur der Gedanke an das fette Brot der Sünde, _ Ans Roosevelts brasilianischem Tagebuch. Im Daily Telegraph ivird Die Veröffentlichung des brasilianischen Reisetagcbuchcs von Theodore Roosevelt sortgeieht: der Ex- Präsident berichtet dabei über einige interessante Beovachtungetl aus der Tiertvelt, Die grösste Ucberraschiiug brachte ihm Vas Gürteltier als Schnelläufer, „Ich hatte imuier au- genonkmen, daß die Gürteltiere, die Armaoillos, sich nur gemächlich über den Boden hinschieben und sich zur Verteidigung ausrichten, »venu sie bedroht werden," Bei eineni Ritte stieß Roosevelt mit feinet Meute auf zwei Gürteltiere, die sich aus einer großen Lichtung ergötzten, Sosort brachen die Hunde los, und mit Staunen sah Roosevelt nun die Gürteltiere davonspringen oder eigentlich davonsausen, denn ihre Geschwindigkeit stand kaum hinter der eines Hasen zurück. Das eine der Gürteltiere erreichte das schuhende Dickicht, ohne daß die Hunde es einhvlen konnten. Das zweite hatte eine Richtung eingeschlagen, die einen längeren Laus erforderte, Die Hunde jagten klätfend hinterdrein, aber es >var kein Ztveifel, daß auch dieser Armadillo den schühende» Urwald erreicht hätte, wenn nicht plötzlich etwas Unerwartetes eingetretei, wäre. Mitten im Laufe hielt das Tier inne, drehte sich um und schoß nun »uie eilte Kugel wieder zurück: mitten durch die Meute, Keiner der Hunde vermochte dem Gürteltier dabei etwas anzuhaben; die Schnelligkeit des Laufes und die Panzerung genügten als Schuß, Einige Sekunden sväter lvar der Armadillo sicher im dornigen Gestrüpp verschwunden. Der Held eines anderen Intermezzo tvar ein Hunger etwa 1>, 2 Meter langer Kaiman, Roosevelt tvar an den Rand eines Tümpels gegangen, um etwas Wasser zu schöpfen, als er plötzlich oussuhr: irgend ettoas halte ihn auS unmittelbarer Nähe angeblökt. Es tvar der Kaiman, Roosevelt beachtete das Amphibium nicht, aber als darauf die Pferde zur Tränke geführt ivurden, bedrohte her Kaiman sie und brachte sie zum Sckteuen, Roosevelt, sein Sohn Kermit und Oberst Rendon eilten herbei, uni die merkwürdige Szene zu beobachten. Der Kaiman lag auf der Wasseroberfläche, kaum ein paar Fuß von den Zuschauern entfernt. Man tvars Schlammstücke gegen ihn, tvoraus das Tier drohend das Maul öffnete und in kurzen Zügen ruckweise angriff, Man tvarf ihm Stöcke zu: sie wurden ergriffen itnd mit einem Biß zerbrochen. Es tvar unmöglich. den Kaiman zu verscheitchen. Diese Zähigkeit überraschte die Beobachter nicht tvenig, aber alle Bemühungen, das Tier von seinem Platze zu verdrängen, blieben auch weiterhin fruchtlos. Bald daraus erlebte inan an einem ztveitcn Tümpel eine ähnliche Szene: ein Kaiman gab alle Zeichen höchsten Aergers, als Menschen sich dem Tümpel näherten. Er brüllte oder blökte, öffnete die Kiefern und schlug mit dem Schioanz«, losch aber nicht. Das Sonderbare dabei ist, daß die Kaimairs nicht ein einziges Mal auch nur die Hunde angrifsen oder belästigten, geschtoeige denn die Reiter, In den Gctvässern scheinen sie sich von den Piranhas zu nähren, jenen blutgierigen Keinen Fischen, die Roosevelt Kannibalensische nannte. Aber wenn ein Ka„»a» vertvtitrdet ist, sind schnell die Rollen vertauscht, Dann fallen die kleinen Fische sosort lvie »vütend über ihren Feind her und zerreißen ihti im Laufe pon iveuigen Minuten, Roosevelt mußte sogar beobachte», lvie ein durch einen Schuß verwundeter Kaiman von 2 Meter Länge von den Plranhas überfallen und so gepeinigt lvurde, daß er aus hem Wasser slüchtete und seinen inenschlichen Verfolgern entgegenlies. Erst greisen die Piranhas die Wund« an, dann aber überiiianttt sie beim Geruch des Blutes die Gier, sie beißen sich in allen Weichteilen fest, mit» ihre spitzen Zähne bohren sich ins Fleisch, Solange aber ein Kaiman nicht verwundet ist, wird er von den Piranhas respektiert und niemals angegriffen. vermischtes. ko«. W i l d s ch l ä ch l e r e i , » S ü d >v e lt n f r > k a, (5in weidgerechter Jäger klagte kürzlich in einer Znfchri't an die Zeitung .Südivesl' über Wildverwüstnug durch die Bure», „Zivischen GochaS undAraboab, ,vo dank einer weisen Selbstbeschränkung der Trupp« beim Abschuß sich da? Hochwild fGemSbock, Hartebcest uiid Wildebeest) wieder stark oermehrt hat, jagen Buren ans der Maila- höher Gegend mit einem Jagdschein des Bezirksamtes Gibeo». Sie hatten vor wenigen Monaten schon über lA> GemSböcl« gemordet I lLtilhiii werden sie jetzt ivohl die Zabl 300 »ollgemacht oder über» schrilten haben l Ist das nicht geradezu schenßlieh oder einpörend? Es hat den Anschein, als ob auch hier — trotzdem so viel vo>n Schonen und Erhalten unseres Wildstandes geredet und geschrieben wird— gerade Buren, denen der Begriff deS Wildschützes iremd zu sein scheint, ivte in anderen Teilen Südasrikas das Wild schlieb» lich doch noch vernichten werden. Im vorigen Jahre passierten Buren, auS dem Süden des Schutzgebietes kommend, die Kalahari. Eie wollten über Rietso»tei»-Ost ins Englische, um sich dort an» znsiedeln. Im Borbcigehen schosse» dies« Kerle Grobwild, hauptsächlich Strauße, Einer schoß nach seiner eigenen Aussage alleln 73 der schönen Riesenvögel!! Im gleichen Jahre zog ein Farmer mit sage und schreibe sieben Genisböcken an! Karre an einer Trnppenstation vorbei. Wo, sragt man sich, längt denn nun eigentlich daS in der Verordnung besonders hoch beftenerte .gewerbsmäßige' Jagen an, wenn eine solche Jagdbeute mit c« verbS- mäßiger Jagd nichts z» tun hat? Eines ist jedensalls gewiß, daß eine derartige wüste Schießerei selbst der Wildbestand der Kalahari nicht anshnlten kann. Wann» beschränkt man nicht nach englischem (und >etzt oslnirikaniicheni) Muster die Anzahl der Stücke Hochwildes, die man aus einen Jahrcsjagdschein schießen darik Das wäre niemer Ansicht nach das einzige 'Mittel, »>» der völligen Vernichtung deS Wildstandes im Seluitzgebiele vorzubengen * DaS allersicherste Mittel, die Vernichtung deS Wildstandes in den Kolonien zu verhindern, in die Errichtung , o» großen Nalnr- schutzvarken. Sobald da? Zustandekommen des iüddentsche» Natnr- schntzvarkcS gesichert ist, wird, so hoffen wir, der Verein Naturschutzpark c, V. in Stuttgart seine Anfmerksamkeil auch den deutschen Kolonien zinoenden. Sprache«?« der Allgemeine» Deutschen Sprachverein». ' N a cb t i g a l l n n d K r n i> e. ' Eine Jabe! von der denlsche» Sprache.» ES war einmal eine Nachligall, dis wucht in einem Walde nick, wo viele Vögel sangen. Erst zwitscherte sie ihnen nach, dann aber sang sie »ach ihrer Weise. Ihr Gesang >var so schön, daß kein anderer Vogel il re» Wohlklang erreichen konnte, und daß die Meirichen kamen, um ihren Tönen z» lauschen. Da flog auch die neidische Krähe herbei. Es ärgerte sie, daß die Nachtigall an Schönheit der Stimme und an Ruf unter allen Wesen so zunahm. Cie sprach zu ihr: „Wie schön singst du! Aber dein Gesang läßt sich »och verbessern! Komm, und singe >vie ich, dann werden noch mehr Leute zu dir komme», ans dich achle» und dich mit Leckerbissen süitern, daß du herrlich und in Freuden lebe» kannst," Da ließ sich die gutmütige Nachtigall überlist«» und sang der Krähe nach. I» ihren schönen Gesang mengte» sich näselnde, krächzende, gurgelnde Laute, und sic land das sogar schön. Aber die Menschen fragten traurig: .Was ist an« der Nachligall geworden? Ist sie nicht wie eine Krähe? Wie schön und rein war siüher ihr »>«- sang!" — So ist es auch mit unserer Sprache. Herrlich hat sie geklungen, als sie noch von reiner deutscher Art war. Aber wie ist jetzt ihre Schönheit zerstört, da sie die Töne der Frenidlmge nachahmt I Tisch (Köln). viicherlisch. — Die Schailbühne, herausgegeöeu von Siegfried Jacobsohn enthält in der Nummer l9 ihres zehnten Jahrgangs : Realität, Bon Käte Tischcndvrs, — Bon Reinhardt (Freiheit und Mirakel-, Bon S, I, — Rosa Bertens, Bon Kurt Tucholsky, — Leipziger Stadttheater, Von Herbert Jhering, — Vaterländische Ritornelle, Von Theobald Tiger, — Besuch in Ber- ditschew, Bon Scholeni Alejchem — Antworten, — Mozart und Oesterreich, Von Bruno Stürmer, — Doctor honoris causa (Alfred Reucker), Von Stefan Markus, — München, Bon Hans Harbeck, — Wiener Premieren, Bon Alfred Polgar, — Bom alten Stamm, Jörni Peter Panter, — Aus der Praxis, Tic Schaubühne kostet: 40 Pfennig die Einzeln»,inner, 3,50 Mark vierteljährlich, 42 Mark «ähnlich, Probcirumlmrrn gratis und sranko durch alle Buchhandlungen und Postanstalken sowie durch den Verlag der Schaubühne, Eharlottcnburg, Dcrnburg- slraße 25. Der Verlag ist auch bereit, neuen Interessenten auf Wunsch die Schaubühne einen Monat lang zur Probe gratts und franko zu liefern, _ Ergänjungrrätsel. 91.. d.. .e.fl.n .s. ..ct.ci.l D.. H..ch ..r ..n.t, S . ei.. .. cb. h .. au. . n . i. r ,. n , n . ü. t.; D.. W . l. i.t v .. l . o , m . i, ü . e . a . l, W. . e . M... ch n . ch. h.. k.. in . m.. f,. n. r ..all Auslösung in nächster Nummer. Auslösung der Skat-Ausgabe in voriger Nummer Abkürzungen : tr — Treff, p — 'I lque, c --- E oenr, rar — Earrean trv — Trcff-B»be, pA — Pique-Aß, cD — Eoeur-Tame „sw. Vorhand erhielt: p9, p8, p7, c9, c7, csrK, carD, o»r9, carö, car7, im Skat liegen pA und carZ ; Hinterhand hat den Rest. — Spielgang: 1. V, carK M. pB H. carA — 17. 2. 3)1. trA 6. tri» V. c7 = 14. 3. 9)1. trZ v trK V, c9. — 14. Nunmehr hat Mittelhand mit den 2l Augen, welche im Skat liegen, das Spiel gewonnen. Redaktion: k. Reurath. — Rotntiqnsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Bucb- und Steindruckerei, R. Lang«, Gießen,