Mkizirrstöchter. Roman von Paul Grabetn. . (Nachdruck verboten.) (Aortseluing.) „Herr Keßler — Se sind a Menschenkenner! Also komni'u mer zur Sache!" Und er rückte vertraulich seinen Stuhl heran. „Sr hab'n gewiß gehört, daß se mer nebbich den Dings weggesckmappt hab'n — den Lattinger — in Wien?" Keßler nickte. Es hatte ja in allen Zeitungen gestanden, daß das Palasttheater seinen Hauptstar verlieren würde, den Rolf Lattinger, den Liebling der Berliner, der zusammen mit der Miezi Molnar der .Hauptträger der großen Revuen gen-esen >var, die das dauernde Repertoirestück dieses Theaters bildete». Eines Mitteldings zwischen den großen ernsthaften Bühnen und dem Variete, mit seinem besonderen Genre, dem humoristisch-satirischen Ausstattungsstück. „Also, den Lattinger hab'n se mir ivegankaschiert. Haaßt a (tzemainheit! Nu such' ich also nach 'nein Ersatz. Schon seit Wochen. Aber denken Se, daß das etwa so leicht is? Zustand! Haben könnt' ich natürlich genug. Was glaub » Se, iver sich »ich alles schon bei mir gemeldet lM? Hosschauspicler, erste Namen, allererste kennt' ich Ihnen nennen! Was soll ich Ihnen sagen? Hofburg!! — Mer üws Hab' ich schon von an'm großen Namen, tvenn de Lait' das »ich an sich hab'n, lvas ich grad' brauch'? Na, um die Sache also kurz zu »nachen — da hat mich der Zufall nu also nach Frankfurt gefiehrt, zu Ihnen, ick» Hab' Ihren Baron Egon geseh'n, und was soll ich Ihnen lang' reden? Sie sind mein Mann!" Und er schlug seinem Gegenüber klatschend auf das Knie. Heinz Keßler rückte unwillkürlich mit seinem Sessel ein wenig zurück. Und in seinen Mienen stand das Staunen. ..Ich?" „lltun ja. Sie! Sind Se nick» beliebt bcm, Publikunr hier in Berlin? De Geschichte mit dem Riemer hat De erst recht populär gemacht. A Bombenreklame! Sie —• de Platze wird er kriegen, der. Riemer, wenn er sieht, tvie uns de Lait' das HausSinlaufen werden! Und de Hauptroll' in mein',» neien Stick is Ihnen a so zu sag'» gradezu auf den Laib geschrieben. Der Lattinger hatte se schon halb studiert gehabt — a Gemainheit ist's von den Wienern! Na, aber sckwd't nix, macht nix, Sie stell'« mer den Erbprinzen Botho mindestens ebenso gut auf de Biehne. Was sag' ich? Besser noch, viel rassiger, echter! Der Lattinger — ganz unter uns gesagt — er lvar schon a bissel sehr abgedackelt. Wissen se, tvenn man so an die zehn Jahr' seine Faxen macht, im Grund immer dieselbe sade Geschichte l— ohne unfern bewahrten Hauspoeten zu nahe zu treten fc-= also, ganz im Vertrauen, ich gö»in' ihn schon den Wienern, den Lattinger! Aber Sie — frisch, unverbraucht. Sie machen einen ganz andern Kerl aus dem Erbprinzen. Also schmusen Se mer nich lang 'erum — mach'« mer das Geschäft! lieber de Gasch' tverd'n wer uns schon einig werd'n. Se wissen's ja schon ej&: der Larun, das is p Mann, der mit sich reden laßt. Leben und leben lassen —> immer sein altbewährter Grundsatz, bei dem alle beide Teile gut sahr'n." Aber Keßler schüttelte lachend den Kopf. „Nee, nee, lieber Freund — so iweit sind wir noch lange nicht. Ich Hab' Sie ztvar ruhig ausreden lassen. Aber wo denken Sie hin — ich und in Ihrem Ausstattungs- zirkus? Wie köitnen Sie mir so ettvas im Ernst zumute»!" „Ausstattungszirkus? No, sind Se so gut! Bei mir tvird schon a gute Koniedie gespielt. Daß man freilich der Darstellung a bissel nachhclft, mit feschen Kostthmen nnb feschen Waibern — na, Malheur! Also, tun Se sich nix an, mein Lieber. Und sehn Se, ich denke, es müßt’ Ihnen auch angenehmer sein, Se hab'n wieder a festes Ankasch- mang, als daß Se so 'erumvagabundieren in der Welt. Namentlich, wenn man a junger Ehmann is, wie Sie, und obenein noch a so bildschöne Frau hat. Sie — ich Hab' nämlich die Ehr' gehabt, die Frau Gemahlin auch zu seh'n, in Frankfurt. Der Fallinger hat se mer gezatgt. Grad' in der Nebenlosch' hat se gesessen. Mein Komplement, Herr Keßler — a Beautß, a ganz a exquisite Beautö, de Frau Geinahlin!" Heinz Keßler runzelte die Stirn. „Lassen wir das. Wir reden doch hier vom Geschäft, lieber Larun." Mer seine Gedanken waren nun auch bei Gerda. Er wußte ja, wie sie unter diesem unsteten Wanderleben litt. Und hier bot sich nun die Gelegenheit, wieder seßhaft zu lverden. Freilich —! Er, der Heinz Keßler, der bisher noch immer den Ruf eines ernsten Künstlers bewahrt hatte trotz seiner Eskapade auf das Variete, er sollte nun da mtt- tun, wo Abend für Abend dem Publikum seichteste Unterhaltung geboten wurde? Seine Hand hob sich z» einer entschiedenen Abwehr. Da ging es ihn, wieder durch den Kopf: Gerda! Konnte er ihr wirklich noch dies Leben iveiter zumute»? Ihre Nerven waren ernstlich mitgenommen in diesen letzten Monaten. Mußte er nicht endlich doch Rücksichten aus sie nehmen? Ta sank ihm die schon erhobene Hand wieder unschlüssig herab. Larun, dessen glänzende schwarze Augen bei aller Bonhommie doch immer etwas heimlich Spähendes hatten, das zu den ständig witternden Nasenflügel» paßte, entging die Bewegung nicht, und geschickt griff er zu: „Nu, Se hab'n ja Zeit. Jeberleben Se sich's in aller Ruhe, was ich Ihnen eben vorgeschlagen Hab' Ich kann mer's schon denken, es is an Entschluß sier Sie. Es ist vielleiclst an ungewöhnlicher Schritt Mer nu ivenn schon? 380 Wozu sind Se der Hainz Keßler? Ich sag's doch! Klasse! Was sich a» anderer vielleicht nicht erlauben dürft', Sie khnncn's riskieren! Sie haben's Publikum hinter ficf). — Na, also ieberlegen Se sich de Sache und geben Se mer dann Bescheid. Wer einstweilen können Se sich de Roll' amal anschau»." Und er zog aus seiner Manteltasche ein Heft in blauem Umschlag, das er nun Keßler hinhielt. „A Bombenroll', a Schlager! Werden Sc selber sinken, wenn Se sc lesen. Und a faine Roll ! Ganz a was für Sie. Se werden damit den neuen Schanre kreiern, den ich Ihnen vorhin markiert Hab'. Iourore werden Se machen mit der Rolf, und Se sollen sehn, de Kritik — „Schon gut! Sie reden ja gerade, als hätte ich bereits ja gesagt." „Mso, ich lass' Ihnen de Roll' da!" Und Larun steckte sie halb mit Gewalt Keßler in die Hand. „Und nu will sch Se nich länger aufhalten, mein lieber Fraind. Also, klingeln Se mich an, ans'm Biro — Se wissen ja." Er verabschiedete sich, drehte sich aber, schon auf der Schwelle, noch einmal um und sagte mit einem respektvollen Bückling, als wäre die Frau des Hauses persönlich zugegen: „Und enipsehl'n Se mich Ihrer Frau Gemahlin — leider noch unbekannterweise." Eine Weile stand Keßler in Gedanken versunken, die Stirn zusammengezogen. Dann hob er die Hand mit den, Manuskript. Flüchtig begann er darin zu blättern, mit einem geringschätzigen Ausdruck. Doch »ach, und »ach wurde seine Miene interessierter, und nun klappte er das Heft Mit einen: Ruck zusammen. Immerhin — lesen konnte man ja die Geschichte mal! Er ging zum Schreibtisch. Die betzinnende Wintersaison brachte dem -Berliner THeaterpublikum eine große Ueberraschung: Heinz Keßler war in den Verband pes Palasttheaters getreten, an die stelle des dort so beliebt gewesenen Rolf Lattingcr. In der Neuen großen Revue sollte er zum erstenmal an dieser Stätte auftreten, in der führenden Rolle als Erbprinz Botho. Mit der Miezi Molnar als Partnerin. DaS war ein Staunen und Verwundern. Wie? Der Kehler im „Palast"? Zwischen all den bekannten Größen des lachenden, kecken Humors, der dieser Bühne neben dem gtäilzenden Ausstattungsapparat ja gerade das Gepräge gab? Mer schließlich — eben der Heinz Keßler! Bei dem ^nutzte inan ja immer auf eine Extraüberraschung gefaßt Auch die Presse beschäftigte sich mit diesem „neuesten, E etwas bizarren Impromptu des vielgenannten :rs." Wer eine von Larun lancierte, sehr geschickt rte Notiz gab bald Erklärung und Begründung imb erhöhte noch die Spannung: man würde da eine ganz neue Note an diesem beliebten Künstler kennen lernen. Kurzum^ baö Debüt Heinz Keßlers im Palasttheater wurde zil einem Ereignis für die Berliner. Am Abend der Premiere war vaS aroße Haus Unter den Linden zum Brechen voll. Auch Gerda Keßler war im Theater. Der Entschluß war ihr hart angekommen. Aber sie hatte sich überwunden,, Heinz zuliebe. Diese letzten Wochen waren überhaupt ein unausgesetzter «rer Kampf mit ihrer eigensten Natur gewesen. Sie te den Stolz in sich niederringen müssen, ver sich auf- umte gegen diese neueste Zumutung: ihr Mann auf lener Bühne, wo die leichtgeschürzte Miezi Molnar ihre Düumphe feierte. Und das Schwerste: sie selber war in erster Linie die Veranlassung dazu geworden. Heinz hatte es ihr ja er- Hirt, in jener erregten Stunde, wo er ihr von seinen, Engagemcuisabschlüß mit Larun berichtet hatte. Gerade Mit Rücksicht auf sie hatte er schließlich angenommen. Weit er sie nicht länger mehr jenem Wanderleben aussetzen wollte, dem ihre Nerven offenbar nicht gewachsen Ivaren. DaL lähmte ihr jeden Widerstand, verschloß ihr einfach den Mund. Aber in ihrem Inneren brannte es uni so bitterer: sie selber Schuld an dieseni Niedcrsinken ihres Wannek! Denn das war es. Bisher war er, ivenn er sich auch an ungewohntem Orte zeigte — zeigen müßte, wie ja alle Welt wußte — sn der Sphäre ernster KUnst geblieben. Mer nun? Im „Palast", wo Tausende yingingen, nur UM de,i Mtttrkram der vrunkvollen Kostüme, die schön- : «tvachsene>l Choristinnen im Trikot zu bewundern bei den roßen Tableaus, mit heuen jeder Aft abschloß! War es nicht eine Selbstentiveihung Heinzens, daß n sich auf dieser Bühne zeigte? Aber — um wen geschah es? 'Auch Heinz mochte es anfänglich' ernste Kümpfe gekostet haben. Er sprach zwar nie davon, aber sic merkte eS ihm an. Er war wortkarg und reizbar. Tann wieder unverniittelt lebhaft. Mit Selbstironie und gewaltsamen Scherzen suchte er sich selber und sie darüber hinwegzubringen. Aber er täuschte Gerda damit doch nicht. Und zii dein eigeiien Leid kam nun das Mitleid mit' ihiu, der ihret- lvegen das ans sich genommen hatte. Sie quälte sich im stillen mit Selbstvorwürfe», daß sie nicht stark genug ge- ivesen war, jenes Wanderleben iveiter mit ihm zu teilen. Das erschien ihr jetzt, wo es zu spät war, ja viel, viel leichter. Aber auch sie schwieg von all dem. Das war so ge- kommen zwischen ihr und Heinz. Um sich gegenseitig zu schonen,' iriigen sie jeder allein mit sich herum, was sie drückte. Und verloren dabei langsam die innerste Fühlung miteinander. Als sie es endlich merkten, da war es zu spät: zu viel Uiiausgesprocheiies stand bereits zwischen ihnen. Nachher schien es Heinz auch übcrwundcil zu haben. Dann, als die Proben z» dein neuen Stück beganue» und ihn das Studiuin seiner Rolle beschäftigte. Nun schien ihn bloß eines noch nuszusüllen: der Ehrgeiz, die Erwartungen nicht zu enttäuschen, ja wvhl noch zi> überiresfen, die man in ihn setzte. So war dieser Abend hcrangekommcn, und Gerda saß hier im Theater, aus dem Platz, den ihr Heinz besorgt halte, in der Proszeniiimsloge des Parketts, wo sie der Bühne ganz nahe war. Gerda war diesmal allein. Peierscns iveilien ja noch in Ellerstedi. Erst nach Weihnachten, wenn die Saison „ganz aus der Höhe" war, wollte Astrid ihr „Hauptquartier wieder »ach Berlin verlege»", wie sie neulich geschrieben hatte. Die Schwester mit ihrem unverwüstlichen Frohsinn, der über jede Situation hinwegkam, fehlte Gerda heute doppelt. So rückte sie denn ihre» Sessel ganz in die Ecke, daß die Portiere der Loge sw de» Blicke» aus deni Zuschauerraum entzog, und im Halbdunkel ihres Verstecks erwartete sie den Anfang des Spiels. Heinz trat gleich i» der zweite» Szene auf uud beherrschte dann eigentlich mit seiner Partnerin de» ganzen weiteren 21 ft. Sie ernteten beide reichsten Beifall, der ihm Ivohl noch mehr galt als seiner Mitspielerin. Wer dieser allzu lärmende 'Applaus, diese unvermittelt losdröhnendeu Lachsalven bedrückte» Gerda jedesmal, daß sich ehr das Herz zusammenzog. Es tat ihr weh, Heinz da ans Yen Brettern zu sehen, ganz gewiß höchst elegant und distinguiert — „der Keßler ist ja einfach totschick! Zum Verlieben!" hörte sie es hinter sich aus Frauenmund flüstern —, aber doch eine halbe Karikatur. Da schloß sie die Augen. Wenn sie auch nur ihren Ohren den Dienst hätte verbieten könne». So schlugen unaufhörlich die Witze uud Witzeleien au ihr Ohr, die jedesmal stürmische Heiterkeit entfesselten. Ihr unverständlich. So fade und abgeschmackt käm ihr dies alles vor. Daß andere nur so einen Gefallen daran finden konnten! lFoitsctzuiig folgt.) Die Marquise von Pompadour. Zur 150. Wiederkehr ihres Todestages am 15. Von Edith Stechern (Berlin). April. Ein Hauch von Lebensgemiß, von Leichtsinn und der Schönheit des Rokoko weht durch das Jahrhundert. Und der gleiche Dust und Rhythmus klingt aus deni Namen der Marquise de Pompadour» die ihr Jahrhundert damit gleichsam symbolisierte. Man hat sie die schönste und glücklichste Frau Frankreichs genannt. Sicherlich war sie außergewöhnlich schön: sicherlich auch wurde sie beneidet, unschmcichelt wie wenige. Und wie ivenige auch wurde sie gehaßt. Nach der Zahl ihrer Hasser bewertet, muß diele E r au den Durchschnitt weit überragt haben. Glücklich war die iarauise von Pompadour wohl kaum. Ihre Biographen haben das Büd der Geliebten Ludwigs XV. in mancherlei Farben aejeichnet, haben es — und dies taten haupt- wchlich ihre Zeitgenossen — in Gisl und Verleumdung ertränkt. Tie moderne Geschichtsschreibung steht dieser schillernden und seltenen Persönlichkeii galanter und auch objektiver gegenüber. Lebens echt und ohne Maske schaut ims jedoch dies reizvolle Gesicht erst au- dem Tagebuch ihrer vertrauten Kamnierfrau, der Madame Du Hausset, entgegen. Wir sehen hinter dem bezaubernden und ge- sijrchteten Lächeln, mit dM sie Jahr« hindurch Frankreich regiert«^ — 281 Angst und Unsicherheit, Krankheit, Qual und Tranen. Und sodann lind es noch chre Briefe, di« da« Bild dieser „mächtigsten und schönsten Frau Frankreichs", dieser großen Lebens- und Liedes- künstlerin, das die Nachwelt in ungezählten Variationen entwarf, afö eine glänzende Lüge hinstellten. Nein, glücklich war diese Frau ganz gewiß nicht. Sie teilte das Los der vielen geistreichen, schönen und verliebten Frauen, die, in der Unsicherheit ihres erborgten Glanzes, ihre Seele hundcrt- facheni Sterben preisgebcn. Ter unstillbare Ehrgeiz, dein die Marquise von Pompadour für ihr Leben verfiel, war die treibende Kraft all ihrer Handlungen. Tiefer Ehrgeiz führte sie an den Dos, uni die anerkannte.Geliebte Ludwigs XV zu werden. Dieser Ehrgeiz ließ sie ungeheuerliche Summen verschwenden, um den gelangweilten, degoutierten König durch immer neue Zerstreuungen, die sie für ihn ersann, sich zu verpflichten. Und der Ehrgeiz ließ sie auch die verworrenen Fäden der Politik ergreifen, für deren Lenkung und Entwirrung weder ihr sprunghafter Geist noch ihr Charakter hinreichtc. Dennoch: vom Standpunkt des Menschlichen betrachtet, scheinen all ihre Fehler, Jrrtümcr und Mißgriffe gar so sehr das logische Resultat einer vorbestiminten Lebenslinie. Es ist wahr, die Marquise von Pompadoitr hat die Sintflut nach sich kommen sehen. Jedoch mag dies nicht so sehr, oder allein, aus ihr Schrildkonto «ntsällen, als aus das eines haltlosen und ivankelmütigen Monarchen, der aus Indolenz die Willkür einer Frau schalten ließ. Es ist auch richtig, daß sie immer „in Millionen arbeitete", daß sic Schlösser kaufte, niederriß, neu erstehen ließ, zu einer Zeit, da der Staat vor dem Bankerott stand und das Volk die drückenden Steuerlasten kaum zu tragen vermochte. Vielleicht aber wiirdc die Nachwelt dies alles milder richten, wenn die vielen Wunderwerke der Kunst, zu denen sie die Anregung gab, erhalten geblieben wären. Und jener viclumneidete Platz am Dos des fünfzehnten Ludwig, den sie später so glühend erstrebte, schien ihr als Kind schon vor- bcstimmt zu sein. Eine Wahrsagerin hatte der damals neunjährigst Jeanne Antoinette Poisson prophezeit, daß sie dereinst „un invr- ceau cke roi" sein würde. Aus dieser Weissagung baute sich schon die Erziehung der kleinen „Reinette", wie man sie seitdem nannte, ans — eine Erziehung, die der einer jungen Prinzessin gleichkam. Tic Kosten dafür bestritt der reiche Generalpächter Tournehem, der $ii Madame Poisson in recht nahen Beziehungen stand. Franyois Poisson, ihr Gatte, war derzeit, wie es hieß, sür den Galgen! reis und nach Deutschland geflüchtet, um sich von dort aus zu rehabilitieren Aus diesen fragwürdigen und kleinbürgerlichen Verhältnissen begann „Reinette" ihre Ruhmcssciter zu ersteigen. Eine Sjuse darin, nichts anderes, bedeutete es, daß sie, kaum zwanzigjährig, den Ressen ihres Gönners Tournehem, Lenormant d'Etoiles, heiratete. Er stellte ihr ein großes Vermögen, sowie das Schloß Etoiles, in der Nähe von Choisy, zur Verfügung, wo der König zu jagen pflegte. Madame d'Etoiles wußte sehr rasch die allgemeiiw Beachtung, sowie die des Königs aus sich zu lenken. Man wadä ' bezaubert von ihrer Erscheinung, ihrem Geist, ihrem Lächeln Und sie erreichte, trotz hundertfacher Intrigen des empörten Adels, was sic erstrebte: sie bezog als erklärte Geliebte Ludwigs XV. die kleinen Kabinette des Versailler Schlosses. Ter eifersüchtig« Gatte »ourde vorher kurzerhand auf eine Inspektionsreise in die Provinz geschickt und die Ehe geschieden. Madame d'Etoiles aber ward durch königliches Daichschrciben zur Marauise de Pompadour erhoben, und im Herbst 1743 fand die Vorstellung bei Hofe statt. Es war die erste Gelegenheit, da die Pompadour natürliches Zartgefühl und Takt bewies. Ihre Neider und Spötter, die adligen Hofdamen, die die Tradition unterbrochen sahen, daß der König sich seine Favoritin ans ihren Kreisen ivählte, hatten sich ein Schauspiel versprochen von der Begegnung der Königin mit der ffeuernannlen Marquise. Sie erlehten jedoch die Enttäuschung, die Königin von der Anmut und Ehrerbietung der Pompadour bezwungen zu sehen. Auch hat sic es verstanden, der unglücklichen Königin Maria Leszczynska, der in ihrer Verlassenheit nichts als die Frömmigkeit blieb, ihre ungekünstelte Teilnahme zu beweisen, die frei von beleidigcndeni Mitleid war. Für die Marquise de Pompadour begann jene Glanz» und Machtpcriode, jener bewußte Rausch körperlicher Schönheit und geistiger Ucberlegenheit, der die Frau ins Grenzenlose zu führen Hünen. Zu der Schar derer, die sich vor ihr beugten, gehörten die berühmtesten Staatsmänner der Zeit, Männer der Philosophie, der Künste und der Wissenschaften. Voltaire, Rousseau, Montesquieu, Tiderot verschmähten es nicht, um ihre Gunst und Fürsprache zu werben. Sie stürzte Minister, besetzte die wichtigsten Staatsämter nach ihrem Willen durch ihre Günstlinge. Sie verstand es, wie alle starken Charaktere, bttter zu hassen: und sie setzte ihren Daß in Taten um. Sie wußte gleichgültige Menschen ihren Zwecken nutzbar zn machen. Sie beförderte, ermutigte da, wo ihr Herz und ihr Ehrgeiz beteiligt waren. Hierbei ging sie oft nicht ohne ein Gefühl für Gerechtigkeit vor, obwohl die bewußte Ungerechtigkeit nur ein Beweis niehr für die Stärke ihrer Persönlichkeit wäre. Eie schreibt an ihren Vater (er war inzwischen geadelt und hat später sogar den Edelsitz Marigny erhalten): „Wie kann es Ihnen nur in den Sinn kommen, einen fünfundzwairzigjährigen Menschen plgcierrn zu wollen, her nur sechs Fahre im Dienst war." Sie liebte ihr Vaterland und li« suchte ihm das beste Schicksal zu bereiten. Daß ihr Eingreifen m die Staatsgeschäfte, ihre im» alücksslige Beteiligung an der Entwicklung des Siebenjährigen Krieges, daß ihr heißes Ringen, sich ein Ruhniesblatt in der Geschichte Frankreichs zu sichern, so völlig scheiterte, um der Nachwelt ihren Namen nur als einen Fluch zu überliefern, bleibt nicht ohne Tragik. Sie^selbst erkennt häufig ihre Mißgriffe, wenn sie sich von ehrgeizigen Schmeichlern hintergangen sieht, und beklagt sie tief. Wie durch all derartige Dokumente klingt durch die große Sammlung ihrer hinterlassenen Briese (sie sind kürzlich in zwei Bänden von Georg Ehr. Stephany herausgcgeben und im Verlag Georg Müller in München erschienen) eine liefe lraaische Note. Wieder und wieder kehrt die bittere Klage der Enttäuschung. Dies« Frau, deren Stolz und Macht sich ins Maßlose gesteigert hatten, war niemals glücklich. „Ich hatte ehemals den törichten Gedanken, der Hof >vär« ei» Aufenthalt des Lachens, er ist aber vielmehr ein Aufenthalt des Weinens, wenigstens für mich," schreibt sie schon um 1748 an dir Herzogin von Turas. Und an die Gräfin Noailles: „Ich bi» betrübt und glaube gewiß, daß, wenn auf der Welt ein Glück zu finden ist, man es nicht an den Höfen suchen muß . . . Ich treffe da nur falsche Freude, falsche Vergnügungen und falsche Freunde an, die, indem sie mich umarmen, mir das Leben zu nehmen suchen." Und um weniges später wieder die gleiche Melancholie: „Ich habe bei den Festen Langeweile und erfahre beständig, daß in der Eitelkeit kein Glück finden ist. Indessen muß ich den Kelch trinken, so widrig er nur auch immer ist, weil ich es gewollt habe." Wie die Königin Maria Leszczynska, wie all ihre voran- gcgangcncn Favoritinnen im Leben Ludwigs des Vielgeliebten, hat sie auch die Bitternis erfahren, des Königs erloschene Leidenschaft in anderen Amouren aufleben zu sehen. Aber unvergleichlich jeder anderen Frau verstand sic, ohne eine» hörbaren Seufzer ihre Beziehungen zum König in die Bahnen der Freundschaft zn lenken. Als sie ihren erschöpften und hinfälligen Körper nur noch mit Mühe aufrecht hielt, ersann ihre Verzweiflung der Unersättlichkeit des Königs jenen berühmten Hirschpark, in dem sein abge- stumpstes Interesse seine letzte Erfüllung fand. Und bis zuletzt hielt sie das reizende Lächeln aus de» Lippen, mit dem sie die unermüdlich gleichen Geschichten des Königs von seinen Jagden und Hunden anhörte. Und mit diesem Lächeln hielt sie die Macht in Händen bis zum Ende. l Bezeichnend ist es, daß auch diese Frau von hohem Intellekt wenige Jahre vor ihrem Tod ihre Aussöhnung mit der Kirche herbcizusühren wußte: mögen die Gründe dafür, welche auch inimer, gewesen sein. In ihrem.Testament, das von 1757 datiert ist, ftehen eingangs die Worte: „Ich befehle meine Seele Gott und flehe ihn an, Mitleid mit mir zu Hohen, mir meine SündeA zu verzeihen, und mir die Gnade zu erweisen, daß ich bereuen und in einer seines Erbarmens würdigen Weise sterben kann, indem ich hasse, seiner Gerechtigkeit vermittelst der Verdienste des kostbaren Blutes Christi, meines Heilandes, und durch die mächtige Beihilfe der heiligen Jungfrau nebst aller Heiligen des Paradieses teilhaftig zu werden." Am 15. April 1764, „och nicht vierundvierzigjährig, starb die Marquise von Pompadour und wurde im Kloster der Ursu- linerinnen beigesetzt, wo sie sich einen Platz gesichert hatte. „Die Schule im Hause." Das Wunder der Maria Monte ssori. Bon Dr. H. Barth. Es ist ungemein lehrreich zu beobachten, wie Gedanken, geboren auf weit von einander liegenden Gebieten, sich zu einem höheren Gebilde vereinigen und, die Lösung einer lange für aussichtslos gegoltenen Frage bringend, großen Kreisen Gegen und Freude svenden. Täglich und stündlich bereiten Eltern und Lehrern die Schwierigkeiten stets wachsende Sorge, die aus der Auslösung des Familienlebens entspringen. Ter Schule werden Erziehungsausgaben zugeteilt, die sie nicht bewälttgen kann, und auch das Vaterhaus! sieht sich vor Fragen gestellt, zu deren Lösung weder Vater noch Mutter Kraft und Befähigung haben . Diese Zustände beschränken sich nicht nur auf die Kreise des Proletariats, sie sind auch überall dort anzutrefsen, wo das Eltcrnpaar tagsüber des Erwerbs wegen seinem Heime sernbleibcn muß. Diesem Problem in großzügiger Weise nähergetreten zu sein, ist das Verdienst des Generaldirektors der „Römischen Gesellschaft sür zweckniäßiges Bauwesen", Edoardo Talamos. In den Jahren 1884 bis 1888 befiel die Stadt Rom ein wahres Bau- fieber. Häuser und Wohnungen wurden nicht nach sozialen Und gesundheitlichen Grundsätzen hergestellt, sondern nur nach denen einer möglichst hoben Bodenrente. So entstand der Stadtteil San Lorenzo — die Ansiedlnng der ärmsten Vollsklassen. Hier, in dem Bezirke des wirtschaftlichen und sittlichen Elends, kaufte die genannte Gesellschaft 58 Häuser (80 000 Quadratmeter, 1600 Wohnungen) an und baute sie nach technischen und hygienischen Grundsätzen aus. Tie neuen Bewohner fanden reine Räume, Gänge und Sttegcn, weite Höse, geschmückt mit Blume» und Rasen, vor Und auch Bäder. Die Er- 2 #2 Haltung dieses Zustandes übertrug die Geselllchast einem allmonatlich wechselnde«! Ausschüsse, den die Mieter selbst wähle». Da die unbeaussichtigten Kinder, besonders die noch nicht schulbflichtigcn, die Reinlichkeit der Gange, Treppen und Höfe gefährdeten, entschloß sich die Gcsellschalt, ein „Kinderheim" für den Häuserblock zn errichten, dessen Besuch an die Bedingung geknüpft ist: „Die Mütter müssen ihre Kinder sauber ins Kinder heinr schicken „nd die Leiterin in ihren« Erziehangswerk unter- stnhen." Dieses schöne Ilnternelnne» «oäre jedoch nur ««»vollständig geblieben, hätte nickt eine edle, «vissenlchastlich und pädagogisch gebildete Frau. Dr. Maria Montessori, ihre Krast dem Kinderheim geividinet. Aas dieses Genie, geadelt d««rck« grobe» Schart sinn und tiefe Menschenliebe, leistet, klänge «närchenhast, täfle nicht ihr Buch „Selbsttätige Erziehung im frühe«« Kindesalter" (Verlag von Julius Hossmann, Stuttgart. Preis geh. (i Mark, geb. 7,50 Mark vor uns und enthielte es nicht zahlreiche Photo graplnen, die das Dargelegte bestätigen. Aas hier Kinder von 4% bis 7 Iaihrcn zuiveqe bringen, ist eigentlich eine Bankerotter klärung unsrer bisherigen Schularbeit. llnscr Unterricht und auch die Erziehung vollzieht sich gegc«« die ««iskeimende Natur, da sonst Belohnungen und Strase, Aneisernng und Tadel nicht eine so grobe Rolle in Schule und Haus spielen dürsten. Aut den Pfade«« Söguins, Jtards und Prepers «vandelnd, ivendet Fra«« Dr. Montessori die Behandlnugsivoise schtoachsinniger aus norinale, noch nicht schulpflickchige Kinder an, da diese jenen durch Mangel an Muskelbeherrschnng. Ent«vickl««ng der Sinne. Ausmerlsamkoit wie durch Unbeständigkeit und Sprechunfähigkeit gleichen. Alle Mcthlchen «visfenschaftlicher Ezperinientalpädagogii i«nd -psvchologie beherrschend, hatte die geniale Frau den Grundsatz Wundts sich angeeignet, das« alle Methoden auf eine zurückgesührt «verden können, nämlich das Objekt sorgsältig j» beobachte«« und darüber „Buch zu führen". Dies geschieht de«,n auch in reichten« Maste Nicht nur die Körperentwicklung wird alltvochentlich gcna«, registriert, a«rch ledc Gemüt» und Geistcsrequng vermerkt. Jedes schablonen,«lästige Behandeln der 40 bis 50 Kinder ist ausgeschlossen. Die Kleine«« werden saldiert, in ihrer Freiheit nicht beeinträchtigt u««d ent- sprechcnd ihrer sich offenbarenden körperlichen »nd seelischen Ent wicklnng zu passenden Beschäftigungen lfingeleitet. Deshalb herrscht in dieser banklosen Scknle Freude, Entgegenkommen und Herz lichkeit. Aus diesem Milieu enttvickelt sich eine Zucht, die im Gegensatz steht zu der in nnsern Schulen. Es ist die Zucht, die nötig ist beim Gehen, Tragen, Bewegen in Gruppen, zwischen Gegenständen: die Zügelung des ganzen Menschen, die Borberei tnng sür die vom Leben geforderte Selbstbeherrschung. Bon hier aus führt ein kurzer und sicherer Weg zur Selbständigkeit, lener Eigenschaft, die jetzt immer mehr notirendig tvird. Hierzu ist im Kinderheim viel Gelegenheit. Die einen vertvahren und reinigen die Ueberkleider. die andern tragen Speisen und Getränke an die kleinen Tisthe, diese Ivasche«« das Gescknrr, >vähre««d jene es ab trockncn. So gebt es auch mit der Pflanzen- »nd Tierz«,cht. Nebst der Förderung der körperlichen .Geschicklichkeit genießt die Pstege der Sinne ganz beso««dere Beachtung: denn dies ist die Grundlage, auS der die stauneiistverten Erfolge des Lese-, Schreib-, Zeichen- Und Sprachunterrichtes sprießen. Vorerst kommen die Finger an die Reihe. Die Kleinen übe«« das Knöpfe» mit große«« Knöpfe», mit Perlmutterknöpfe» (Wäsche-, mit runden Knöpfen (Schuhe), das Schnüren von Lechche» und Schuhrverk, das Zn- hakeii von Haken mit Oese», das Knüpfen von Schleifen >,««d ähnliches. Nun folgen die Atiiiungsübuiige««, «voran sich dann die der Lippe», der Zunge und der Zähne schließen. Tarant geht es ans Kauen iund Tonformen. Der Tastsinn «vird —, be« verbundene«« Augen — a» hölzernen Brettern geschärft, die mit Stoffen verschiedener Rauhigkeit überzogen sind. Auch geo«netrische Fornieu, die in Bretterausschnitte passen, dienen den« gleichen Zwecke. Das Geruchsvermögen «vird an Blumen, Brot, Butter, Oel, Essig Und anderm gestärkt. Achnlich der Geschmackssinn. Eine besondere Achtung »vird dem Gesichtssinn zuteil. Da «verden verschiedene große Einsatzsiguren in die passenden Oefsnnngen gesetzt, Stäbe ungleicher Länge in sich verjüngender Art geordnet, Würfel, man- nigsaltig lang, hoch und breit, vertvendet, Spulen in den Grnnd- sarben und in Zwischensarben benützt. Aucl« das Gehör «vird nickt vernachlässigt. Die Gehörschärse wird durch hübsche Spiele geprüft, der Rlwthnrns bei,,, Gesang und Marschieren gepflegt, durch Glocken, Flöten „nd Trommeln die Stärke und Tonhöhe gezeigt. Der Zweck all dieser i» geänderter Form täglich sich erneuenden llebungcu ist eine Selbsterziehung durch Vervollkvninliiung der sinnlick-pshchische» Vorgänge. Der Lehrer hat nur die Ausgabe, jenen Sinn, der gestärkt «verden soll, möglichst zu isolieren. Haben nun die Sinne eine genügende Sicherheit erreicht, so drängt das Kind von selbst aus eine intellektuelle Betätigung hin. Des Führers Amt ist es nun «vieder, die innere Aufmerksamkeit des Kindes zu isolieren, uni es so von Eindrücken zu Vorstellungen, vom Konkrete» zu««« Abstrakten und Assoziierten hin- zuführen. Nur gilt als Hauptersordernis, „dast sich der Lehrer so tvenig als tnöglich einmische und durchaus nicht znlasse, dast das Kind an einer überniästigen Anstrengung der SelbsterziehunA sich abmühe". Darin liegt seine größte Kunst. Seine drei Merk« «oorte lauten: Bündigkeit, Einfachheit, Sachlichkeit. Der Weg, der die Kleinen z««««« Schreiben führt, ist ein doppelter. Zuerst «verden die Schristformen im llinriß nachgefahren und dann mittelst färbender Stifte ausgesüllt. Sodann überfährt das Kind (bald bei offene», bald bei geschlossenen Angen) die aus Sandpapier ansgeführten schreibbuchstaben, bis es deren Form si«h eingeprägt hat. Um nun de«« beim Schreibe» in Berwendnng konimcnden Muskelmechanisinus z«i üben, überfahrt das Kind die Sandpapierzeichcn mit dem Zeige und Mittelfinger der rechten Hand, und endlich folgt es mittels eines Holzstiftes der Form eines durchfurchten SchriitzeichenS. Die Erfolge dieser Lehrtveisc find «vohi überraschende Nach zweieinhalb Monaten schreiben die Kleinen ganz frei, ohne Hcste, alles Borgesvrochenc nach. Auch die Art, «vie sie lesen und rechnen lernen, ist so einfach und pshcho- logisch, das, die Besucher des Kinderheimes Staunen i«nd Rührung nickt «interdrücken können. In vierzehn Tagen lesen zu lernen «>ud das Gelesene zu verstehen, ist wohl ein «vahrec Trininph der Lehrkunst! _ Hierfür gilt als bester Beweis die rasche Verbreitung dieser Schuttppe. Das erste Kinderde«,n lCasa de« Banibini« «vor am 0. Januar 1907 «in Bezirke Sa» Lorenzo in Rom eröffnet «vorbei«. Am 7. April »nd am 4. November desselben Jahres folgte» weitere z«vei solcher Anstalten, am 18. Oklober 1908 die Hu- maniläre Gesellschaft i» Mailand nach, und 1909 die Waisenhäuser und Klcinkiiidcrschiilen der italienischen Schweiz. Nach gleichen Grundsätzen geleitete Anstalten sind jetzt in Italien sehr häufig, viele darunter von Genieinden errichtet. Auch in Frankreich, Eng- lai«d, den Bereinigten Staaten von Nordamerika »nd Indien si««d heute schon zahlreiche solcher Schulforme» in Betrieb. humoristischer. * D ie Galanterie des Ehemaitnes. Si«: „Ach, da drüben geht Peggh Brown Ist sie nicht entzückend?" lind Niit einen« seufzer fügt sie hinzu: „Ach, ich «vüiischte, ich sälw nur halb so gut aus «vie sie." Der zärtliche Ehemann beeilt sich, Trost zu spenden und bescknvichtigend sagt er: „Ach, das tust Du doch . . * Ihre Frage. Die reizende Mine. X. «vill eine Villa in der lliiigegend von Paris mieten ««nd erkniidigt Ach beim Portier, wie «veil die Entsernung von Versailles ist. „Sechs Kilonieter," laiitel die Anllvort, »nd nun fragt sie weiter: ,.Z» Fuß?" vüchertlsch. Hans von Kahlenberg, D«e süßen Frauen von I l l e i« a n. Roman. Vita, Deiitiches Verlagshans. Berlin- Tb Gebestet 3,50 Mark, gebnirden 5 Mark. — lieber sechs srühlingswarnicn, ihrem Lebenssoinmec enlgegenlächclnden, sechs «vahrhast süßen Frauen steht hoch im siinkelnde,« Zenith di« Sonne Goethes lind tiefem Seltenen gelobe» sich die Törinnen, Apostel seiner Lebenswertung, seiner Energien wollen sie sein, das Gesetz ihrer Persönlichkeit siegvoll zur Geltung bringen, Glücksmöglichkeilen mit war»,durchpulsten Lippen trinken. Und «nährend der glutvolle Früblingstag seinen lleberroicht»»« sckw» dein Sommer. der dem Herbst vorarbeitct, entgegenhält, zeigt sich einer au« Garte,«tor, de»« das Gold auf de», blonde«« Frauenhaupte in die Augen brennt, der das llnerweckte aus dem rosigen Antlitz erspäht und erlauert. Der Herbstivind aber nimmt die süßen törichten Schwüre dieser Frauen »nd Iveht sie zu den übrigen aller Zeiten. _ Sfat=2lufqobc. Vorband «vird bi? Pigne-Lolo gereizt und spielt »u» Treff- Solo. Mittelhand hat 62, Hinterhand 17 Augen in ihren Karten. Trotz des für den Spieler »»günstigen Standes der gegnerische,, Trümife - vier Stück in einer Hand - «vird da« Spiel von Vorhand aus solgende Karten: mit Schneider gewonnen. — Wie passen die «"«brigen Karten und «vie «vurde gespielt? Auflösung in nächster Nummer. Aiislösuug des Logogrivbs in voriger Nummer: Bell«««, Balle», Bullen, Bolle». Redaktion: K, Neurath. — Notationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universiläts-Buch- »nd Steindruckerei, R. Lange, Dieben