Donncrstao. den 2. Avril 1914 - Nr. 52 Vkkizirrstöchtkr. Roman von Paul Ärabetn. (Rachörrrck verboten.) (Fortsetzung.) Sie hatten sich nämlich mit Klaus und.Astrid, die heute schon in aller Frühe ans dein Hotel angcklingelt hatten, zum Frühstück bei Adlon verabredet. Astrid wollte Gerda noch allein aussuchen, während ihr Mann einen geschäftlichen Weg machte. Und die Schwester kam denn auch nachher, >vie verabredet Sie sah ganz allerliebst aus als blutjunges Frauchen. Todschick in ihrem Riesenhut und dein engen Poiret-Kleide, in dein sie fmurt > irts konnte. Aber dennoch tiwr sie noch ganz derselbe L.^ oind tvie als Mädchen. Auch nun, Ivie sie der älteren Schivester nochi aus der Diele um den Hals fiel. Sie hatten sich ja seit ihrer .Hochzeit nicht mehr gesehen Dan» wachte sic sich wieder ans der Umarnnmg frei. Sie sah sich mm zufällig im| Spiegel und mußte plötzlich lachen. „Dast »ruß ja übrigens eben ein gottvoller Anblick gewesen sei», wie ich so in meinem .Humpelrock ans dich zustolperte. Kinder, was ist diese Mode doch blödsinnig!" „Und doch machst du sie mit." „Aber doch selbstverständlich. So toll Ivie möglich." Gerda sab lächelnd aus der Schwester überenges Kleid, wie sie so neben ihr ins Zimmer trat. „Was sagen denn unsere gute» Cllerstedtcr dazu?" „Die stehen natürlich Kops. Aber das macht mir ja gerade ein Hauptvergnügen, weißt du, die Gesellschaft zu ärgern, bis sie platzt." Astrid hatte sich in Gerdas amerikanischen Schaukel- stubl geworfen. Run iviegtc sie sich, die Füßchen ivcit vor- yestrcckt, so daß die dünne Seidenhülie des Rockes sich jedes- iinal beim. Riedcrgehen tvehend dicht um ihre Glieder schmiegte und zeigte, wie leicht sie angezoge» war. Gerda, die cs gewahrte, warf einen kritische» Blick a'us das Kleid. AVer Astrid legte ihn anders aus. „Mitbringsel von der Hochzeitsreise. Ans Paris! Da beneidest du mich wohlÄ' „Das weniger. Ich stellte »nr fest: übermäßig vict hast gerade nicht an, mein Herzchen." Aber die Jüngste lachte nur wieder ihr helles, sorgloses stachen. „Was tvillst du? In Paris und Brüssel geht alle Welt so." „Doch tvohl kaum in Ellerst.'dt." „Pah!" Und Astrid warf die Füßchen mit besonders kühnem Schwünge in die Lust „Was sagt denn aber dein Mann dazu?" „Der hat's mir doch selber geschenkt!" Gerda schüttelte lächelnd den Kopf. „Sieh inal — sieh. Unser braver Klaus. Wie der sich enttvickelt." „Laßt mir nur meinen Klaus in Ruh!" forderte Astrid. „Ick, bin sehr zufrieden mit ihm. Sehr! Wir leben fabelhaft glücklich miteinander — geradezu anormal glücklich, sag' ich dir." ' Gerda ward unwillkürlich ernster, als sie dann sagte: „Möchte es nur immer so bleiben." „Es bleibt! Ich habe gar keine Bange." Gerda blickte ans die Schwester. Sie sab in der Tat so strahlend aus, so siegessicher. Da seufzte sie selber leise und sagte dann nach einer Weile: „Ich kann mir's wohl denken. Klaus ist sicher ein sehr bequemer Ehemann." „Ra ja — gewiß. Obgleich Ra, du tveißt doch, jeder Manu hat so seinen kleine» Tollpunkt. Der eine schnappt ein, wenn man ihm an den Schreibtisch rührt, der andere, wenn der Rotwein zu tvarm auf den Tisch koimnt, der dritte, na h -i was weiß ich. Tie Hauptsache ist eben, daß man diese diversen Tollpünkler erst glücklich 'raus hat." „Ra, und dann i— ?" „Dann hütet man sich natürlich als verständige Frau, dem Herrn der SckchPfnng ins Gehege z» kommen. Mag's ans dem Schreibtisch dock, in Gottes Namen anssehen wie Kraut und Rüben er ist tabu für einen, hoch-tabu! So wahrt man den holden Frieden, die süße Eintracht und ver- nreidet das üble Renommee der unbequemen Fran." Gerda blickte wieder ans die Schwester. „Ich glaube beinahe. Kleine, du bist die Klügste von uns allen." „Merkt ihr das jetzt erst?" Und Astrid schaukelte sich noch viel übermütiger. „Ra, da ivirft du erst stanncir, wenn ich dir nachher meinen in „Freiheit dressierten" Mann vorführe. So tvas habt ihr überhaupt noch nicht gesehen. Ich kann von ihm haben, was ich will. Rur bin ich natürlich so vernünftig, nicht das Unmögliche z» verlangen. Und immer alles hübsch peu ä peu. Langsam, aber sicher." Gerda lächelte. „Hilst das wirklich ans Ziel?" Astrid hielt im Schaukeln an. „Glatt! Beweis: Tatsache». Zum Beispiel ietzl Berlin! Als ich mal ganz im Anfang, noch auf der Hochzeitsreise, aus de» Busch klopfte, ob man denn nun ewig in dem Janimer- neft, dem Ellerstedt, versauern .rußte, in Berlin könnte man doch gewiß ebensogut Holz en gros unter die Leute dringen, da zog mein gestrenger Gemahl die Brauen hoch und hielt mir eine ganze voltsivirtschaftliche Vorlesung. Ra, ich verstand ja davon nicht viel, aber das entnahm ick, mir doch daraus: So darfst du's also nicht ansangen. Trotzdem blieb ich vergnügt und zuversichtlich und dachte mir bloß: Aber wärt', ich komme ihm doch noch! Und es hat sich denn auch gemacht. So ganz doucement, völlig schmerzlos. Und jetzt Hab' ich ihn glücklich schon so iveit: Sechs bis acht Wochen Berlin in der Saison sind mir bewilligt. Ja, es >»icd allbereits von hoher Stelle in wohlwolleicoe 206 Erwägung gezogen, ob es nicht wirtschaftlicher — und natürlich viel angenehmer — ist, sich für diesen Zweck, da man ja doch alle Winter Wiederrommen will, ein kleines eigenes Picd-ä-terre zn schassen. Daß man nicht immer in teuren Hotels zu wohnen braucht. Na, und haben wir das erst — dann ist mir nicht niehr bange. Dann verlegen wir den Schwerpunkt unserer Tätigkeit doch noch nach hier. Dann wird's umgekehrt als jetzt: Berlin — Betriebs-Zentrale; Ellersredk nur noch Filiale!" Gerda war nachdenklich geworden über der Erzählung der inunteren Schwester. „Du sprichst nur immer von dir. Ist denn Klans aber auch so zufrieden mit dir?" „Klaus?" Astrid lachte zuversichtlich. „Frag' ihn doch nachher selber. Der könnt's ja auch gar nicht besser haben. Hat er nicht jederzeit eine fidele kleine Frau an seine» Seite, tvenn er sie braucht? Immer aufgelegt, nie Spiel- verdcrberin. Ich gehe mit ihm durch dick und dünn. Er hört nie von mir ein: Ach, heut lieber nicht! — Das wird mir zuviel! — Tics paßt mir nicht und jenes nicht! Nein, Gerda, wir leben wirklich — nun mal ganz im Ernst — sehr gut miteinander, und ich tausche mit niemandem. Ich bin direkt glücklich mit meinem Klaus. Ich Hab' ihn lieb, den Herzens-, guten Menschen." Da verstummte die Schwester. Ihre Blicke glitten vor sie hin, ins Weite. Doch Astrid lehnte sich im Stuhl jetzt zu ihr hinüber. „Na, und wie steht's bei euch? Nun beichte du auch mal." „Wir? Wir leben genau so glücklich, natürlich." Und Gerda erzählte jetzt ihrerseits, wie Heinz sie verwöhnte mit seiner Zärtlichkeit und.Ausmerksamkeit. Doch in ihrem Ton war etwas Unsicheres, das der aufinerksamen Astrid nicht entging. So nickte sie denn nur, als die Schwester geendet hatte, und nahm ihr Schaukeln wieder auf. „Das freut mich ja, das; auch bei euch alles so gut stimmt. Denn, unter uns gesagt, zu Haus haben sie sich bisweilen Gedanken gemacht darüber — namentlich Papa." lieber Gerdas schönes Antlitz huschle es wie ein leicht- schmerzliches Erinnern. Doch gleich warf sie den Kopf wieder zurück. „Vollkommen unnötig, wie du siehst. Uebrigens, da wir gerade dabei sind: Wie steht's zu Hause?" Astrid gab Bericht, auch von allen Freunden und Bekannten. Nach einer kleinen Pause fragte dann die ältere Schwester noch einmal: „Und Walter Kyllburg?" „Ach, der ist langweilig! Läßt sich überhaupt nicht mehr sehen. Vollkommen Streber geworden Büffelt auf Teufel-ckomrn-raus für die Kriegsakademie. Komisch, wie ein Mensch sich so total umkrempeln kann. Weißt du: mir ist da manchmal schon ein Gedanke gekommen: ob Kyllburg nicht am Ende doch etwas ernstlich für dich übrig gehabt hat?" Und sie sah die Schwester an. Die saß und spielte verloren am Schloß ihres Gürtels. Nun hob sie die Schultern. „Doch wohl kaum anzunehmen." Dann aber sah sie auf. „Willst d» dir nun nicht auch einnial unser Heim ansehen?" „Aber herzlich gern!" Und Astrid sprang aus die Füße. „Ich bin ja schon so neugierig." * Klans Petrrsen war mit seinem Geschäft unerloartet früh fertig geworden, so war er denn auch schon reichlich vor der Zeit bei Gerda erschienen, uni sie und seine Frai; abznholen. Jetzt saßen die drei nun bei Adlon. Sie halten bereits mit dem Frühstück angesangeu. „Ich Hab' einen so wahnsinnigen Hunger. Geradezu unanständig", hatte Astrid gestanden. „Dies Berlin macht einem so sabelhaft Appetit. Gerade wie die See. Laßt uns doch schon immer essen — Heinz wird's uns ja nicht übelnehmen. Im Notfall ess' ich ihm zur Gesellschaft noch einmal mit." So saß mau denn nun schon beim Sekt — in heiterster Laune. Astrid war überhaupt glückselig; sie „kniete" sich förmlich ins Vergnügen — wie sie von sich selbst behauptete — und auch Klaus ivar sehr gut aufgelegt. Jetzt, lvo er Gerda so als Schwager gegenüber saß, restlos glücklich mit seiner lebendigen, scharmanten kleinen Frau, der er immer wieder heimlich zutrank, gegen Gerda selbst aber von einer ritterlichen Aufmerksamkeit und verwandtschaftlichen, ruhigen Vertraulichkeit, da gefiel er dieser im Grunde recht gut. lind so ließ denn auch sie sich von dev, frohen Laune der anderen anstecken. Fa, ivie sie so das junge Paar neben sich sah, ivie cs geheime Liebesgrüße tauschte, scherzte und lachte, da kam auch ein Sehnen über sie. Wenn jetzt doch auch ihr Heinz da wäre, daß seine Zärtlichkeit ihr die dummen Gedanken wcgscheuchte, die da seit vorgestern, nach den Besuchen am Sonntag, immer wieder um sic kreisten. Es war ja doch alles Unsinn. Nur kleine Unstimmigkeiten, wie sic selbst zwischen den glücklichsten Menschen einmal vorkamen. Das durfte man doch nicht tragisch nehmen. Nein, Astrid hatte wirklich recht; man konnte von ihr lernen. Alles von der leichten Seite zu nehmen, mit einem frohen Lachen — das war das einzig Richtige. Und so hielt sie denn plötzlich der Schwester den gesüll- tcn Sektkelch hin. „Es lebe deine glückliche Philosophie, Astrid — tou- jours fidele et sans soucie!" „Prosit!" Tic beiden Schwestern stießen lachend miteinander an, und Gerda setzte gerade das Glas an die Lippen, da hörte sie unvermutet ihres Mannes Stimme neben sich: „Bravo, Herrschaft! Die Parole lass' ich gelten. Da komm' ich ja gerade zurecht. Her mit einem Glas — Prot- fit! Ich tu' euch Bescheid." Und er stürzte mit einem kurzen Zuge den Kelch voll Sekt hinab, den ihm Klaus Petersen rasch dargcreicht halte. Dann begrüßte er die drei, als letzte seine Frau. Gerda blickte ihn an, noch ganz überrascht von seinem plötzlichen Erscheinen. Und es war etwas so Aufgeregtes in seinem Ton wie in seinem ganzen Wesen. Es übersiel sie da mitten in ihrer frohen Stimmung eine geheinic Unruhe. „Du kommst ja schon so früh, Heinz. War denn die Probe schon aus?" „Nein. Aber was tul's? Es geht ja auch mal ohne mich. — Bitte, Klaus, eine neue Füllung! Der Hals ist mir ganz elend trocken heute." Gerdas Unruhe ward zur Besorgnis. „Heinz, du hast Aerger gehabt!" Leise flüsterte sie es dem Gatten zu und legte ihn; teilnahmsvoll die Rechte auf die Hand, die eben wieder zum Glase greifen wollte. „Nicht tvahr, mit dem Direktor?" „Sprich mir nicht mehr von dein Schuft!" Grimmig stieß er es hervor, und sie fühlte, wie es in seiner Hand anfznckte - in maßloser Leidenschaftlichkeit. Ganz erschrocken sah sic ihn da au, und auch die beiden anderen wurden jetzt aufmerksam. „Was hat's denn gegeben, Heinz?" forschte Astrid neugierig. (Fortsetzung folgt.) Die rote Mine. Erzählung von Martin Proskaucr. „Sagen Sic mal, Doktor, wenn Sie nun die ganze Kriegszeit überdenken, ivas war eigentlich das merkwürdigste Erlebnis?" fragte einer der Herren, die rund um den Kamin in den tiefen Ledersesseln lagen. Ter englische Arzt, der am Balkankrieg als Leiter eines großen Feldhospitals teilgenommen hatte, lächelte überlegend: „Das ist ganz geschickt gefragt", sagte er langsam, „es ist sogar eine Frage, die ich mir selber manchmal gestellt habe. Aber dieses Erlebnis, das ich für das bedeutsamste halte, hat eigentlich nichts mehr mit dem eigentlichen Krieg zu ln». Es lvar nämlich, als wir die rote Mine trafen!" „Ach, eine Weibergeschichte", sagte einer der Herren gähnend und griss nach der Zigarettenschachtel. Ter Doktor lachte: „Sie irren sich, es hat mit Weibern Nicht mehr zu tun als mit Männern, cs verwirrt die beiden landläufigen Begriffe höchstens ein bißchen, loenigstens in seelischer Beziehung!" „Reden Sie nicht so geheimnisvoll, Doktor, Inas oder wo ist die bewußte Mine?" — „Sie schlvamm im Aegäischen Meer!" — „Was machte sie?" fragten die Herren erstauirt. „Nun, ich sehe schon", sagte der Arzt, „ich muß von Anfang wi erzählen. Also es lvar ant einem kleinen Passagier« dampfer irgend einer italienischen Linie, die ihr« schmutzigen Pakelboote da unten lausen läßt. Ter erste Balkankrieg uns» 207 vorbei, und ich wollte von Saloniki nach Snihrua herüber, wo ich ein Militärlazarelt einrichte» sollte. Ten Beseht hatte ich vom! Ministerium brkonilnen, wie ich Hinkain, ivar meine und Allah's Sache, Man Hot Allah überhaupt in diesem Kriege ein bißchen viel bemüht. Na, das gehört nicht hierher. Aus dem Tamp- fer waren noch ein paar Passagiere, in der »weiten Klasse türkische Heilgehilfen, griechische Kaufleule, levantinische Gauner und ähnliche Ehrenmänner, In der ersten, also mit inir zusammen, ein russischer Ossizier, der irgend etwas Tiplomatisches in Sa- loitiki auszurichtcn hatte, ein italienisches Ehepaar, sehr fette und lärmende Leutchen, die nach Kleinasien zum Feigeneinkauf wollte», und zwei amerikanische Zeitungsreporter, Und dann war noch ein englisches Ehepaar da, jung, sehr gut angezogen, ohne erkennbaren Beruf, das anscheinend, irgend einer neuen Mode folgend, dort unten schlachtenbummeln wollte. Während nun unser Tampferchcn ziemlich langsanr dahin- rudcrle, — die vielen kleinen Inseln und Risse machten ein elendes Fahrwasser - da wurden nur alle natürlich näher Miteinander bekannt. Eines Mittags saßen wir friedlich bei Tisch nud schimpften einträchtig über das Essen, da gab es einen Ruck, und das Schiss ging plötzlich mit halber Kraft, Gleich darauf kam der Kapitän und sagte, wir wären hier her 'Kap Trepano, und da sollten Minen herumschwimmen, „Wo kommen hier Minen her?" fragte ich ungläubig, Ter Kapitän lachte: „Tie Türken haben doch im Ansan'gj des Krieges den Hafen mit versenkten Minen gesperrt, Tiefe Tinger sollen sich vm rechtslvcgen selbsttätig unschädlich machen, wenn sie vom Anker losreißen litzid abschwimmen. Aber wie ich die türkische Wirtschaft kenne, sind bloß die unschädlich, die noch fest in der Hascn- einsahrt liegen, Tie Ausreißer sind alle gefährlich!", „Ist das so gefährlich?" fragte die Engländerin, „Es genügt", sagte der Kapitän, „so'u Ding hat etwa einen Zentner Schießwolle im Leibe, Und damit kann das größte Kricgsschift in de Lust fliegen!" — „Wie arbeitet denn so eine Mine, kann man sich da nicht schützen?" — „Nein," sagte der Kapitän, „die Madonna und alle Heiligen können uns schützen, wir nicht. Es ist wie ein großer eiserner Tops und schlvimmt aus dem Wasser. Oben darauf sind ein paar säuregesülltc Glasröhre in Bleikappen, Wenn ein Schißf daranstößt, biegt sich das weiche Blei um; die 6,.„--tvhre brechen, die Säure läuft aus und — bum, die Explosion ist fertig!" — Ec schlug ein Kreuz, machte ein ernstes Gesicht und ging tvieder an Teck, Wir waren alle ein bißchen verstört, denn wer begegnet schließlich gern einem Faß mit Schießwolle, ohne sich wehren zu können? Aber da lvar nichts zu wollen. Wir fuhren langsam iveiter, und als cs draußen aus der See däinmcrte, ohne daß et- ivas passiert war, hatten wir alle, wie aus einer ungeheuren Nervcnabspannnng heraus, das Gefühl, als wäre die gefährlichste Strecke nun hinter uns, — Plötzlich Machte das Schiff einen förmlichen Sprung, die Schiffsschraube rollte und kollerte, als ob sie sich in lauter Pslastcr- sleinen drehte, und die Maschine stand still. Gleich darauf spürten wir, wie das kraftlos gewordene Schiss in den Wellen zu schaukeln ansing. Wir sahen uns alle verblüfft und nichts begreifend an, dann blitzte in allen Gehirnen nur ein Gedanke auf — ein Satz, ein Sprung — zur Tür — auf Teck! — Oben gab es einen merkwürdigen Anblick, Die Levantiner, die sonst uni diese Zeit zappelig und schreiend auf dem Deck herumwatscheltcn, standen starr und steif, die gelben fetten Gesichter alle nach einem Punkt, wie von einem Magneten gezogen — die Matrosen standen am Backbordgeländer und starrten ins Wasser; da vorn stand der Kapitän und stierte auch hinunter! Keiner sprach, keiner von uns fragte, wir verstanden alle, was los lvar! Dort, gerade in dem blinkenden Streifen, den die Sonne über's Meer warf, vielleicht hundert Meter nach vorn, tanzte eine Kugel in den Wellen, oder eine Tonne, den rotgestrichencn Bauch nach oben, und daraus ragten vier kurze gebogene Rohre wie Fühlhörner dicht nebeneinander. Und dieses rote Ding hüpfte mit den Wellen, hopsa, immer lustig — zwei Wellenstöße hin, einer zurück — schwamm im Wasser — aus uns zu! — Unser Schiss machte keine Fahrt mehr; lvarum es keinen Gegendampf gab, weiß ich nicht, vielleicht hätte cs gar nichts genutzt.oder der Kapitän hatte das Kommando vergessen? Und die Mine da vorn, wir alle wußten, daß es eine war hllpste imnicr näher, imuier lustiger; es sah aus, als ob ein Teufel mit seinem roten Banck durchs Wasser lachte. Wir sahen uns in die Augen — blaß und still, Wohl jedem siel ein, was der Kapitän von deni Zentner Spreugstosf erzählt hatte, und die rote Mine war schon mindestens mit zehn Meter näher gekommen! Ter erste, der sprach, war der russisch« Ossizicr, Nein, er sprach nicht, er schrie, er schäumte, Ich verstehe bis heitte nicht wie er, ohne jede Steigerung, in einen solchen Wutparoxismus geralen konnte. Er kreischte, daß ihm das Wasser aus den Muud- wiukeln lies, russisch, türkisch, sranzösisch durcheinander, verfluchte den Kapitän und bat ihn um Rettung, schrie zur M.u . Gottes von Moskau, riß ein Heiligenbild aus dem Wasscnroct uns warf es über Kord, Gleich darauf siel die Italienerin um. Wo sie stand, sank sie in die Knie und begann zu beten, laut und jcierlich. Ohne sich zu unterbrechen, griff sie mit einer Hand nach ihrem Ehemann und zog ihn neben sich. Er war aber wie sinnlos und starrte Noch im Liegen durch das Geländer auf die rote Mine im Wasser, Ich muß gestehen, daß mir im ersten Moment ein recht unbehagliches Äessthl durch die Glieder flog. Aber ich faßte mich schnell. Ich war erst kürzlich im Feuer der bulgarischen Artillerie gewesen und dars wohl sagen, daß mich die berusliche Beschäftigung mir dem Tod« ein bißchen abgestumpft hatte. Und wenn es nun statt einer Granate oder Kugel eine türkische Mine sein sollte — «nun, Atlah's Wille geschehe!-- Das alles war in Sekunden gedacht, ein Blick aus die Mine da draußen — noch zehn Meter näher — dann sah ich mich Uni, Tas Beten der Frau hatte die italienische» Matrosen und die Levantiner ausgeweckt; sie waren alle niedergekniet, und ihre Gebete an alle Heiligen klangen jammervoll und doch rührend durcheinander. Dicht hinter mir stand der Engländer mit seiner Frau, Schlank und fest standen sie da; sie sah nach der Mine, drehte dann ihr feines offenes Gesicht ihrem Manne zu und fragte mit ruhig klarer Stimme: „Sag, Billy, das ist eine Mine?" „Ja", sagte er heiser. „Es ist also jetzt ernst?" fragte sie wieder, und ich hörte ihre Stimme hell und klar sich über das Beten der anderen erheben. „Sehr ernst," sagte er, „wenn sie an das Schifs stößt , , ." — Tie Engländerin sah sich uin, Ihr Blick streifte mich, aber sie schien mich nicht zu sehen, sie suchte nach Worten, „Billy," sagte sie wieder, „wenn es lvirklich aus ist , , , es ist ein bißchen schnell . , , aber man weiß nicht , , , ich will dir danken für alle deine Liebe und Güte, , , wir sind unendlich glücklich getveseu , , , !" Ter Mann nahm ihre Hände in seine Hand, Ich sah hin und hörte zu; ich weiß, es war taktlos, aber in solchen Momenten geht der übliche Bcgriss von Takt und Benehmen ein bißchen verloren, „Es ist so kurz," stöhnte der Mann, „nicht sterben, Edith, nicht sterben, noch nicht , , , Sie legte mit einer unsagbar weichcn Bewegung ihren Arm um ihn und flüsterte in sein Ohr, während sein Kops ganz tief sank, Tie beiden Amerikaner benahmen sich sehr gut. Der eine, Higgins hieß er, zuckte die Achseln und machte ein gleichgiltiges Gesicht; er wußte wohl selbst nicht, daß es in seiner Blässe zur Grimasse wurde. Der andere spuckte heftig über Bord, als wollte er der roten Tonne seine Verachtung ausdrücken, dann griss er in die Tasche, zog ein Bündel Notizen aus der Tasche und sagte zu mir Und Higgins: „Schade, diese Depeschen hätten Mir tausend Dollars gebracht !" „Halt's Maul!" knurrte Higgins, „die Leute hier beten, und ich denke an Meine Mutter, Es ist aus mit Dollarmachen!" — Tie rote Mine ivar noch näher herangetanzt. Deutlich sah man den zersressenen Anstrich von Rostschutzfarbe, an der Seite ein paar schwarze Buchstaben aufgemalt und oben die vier kurzen Röhren, wie gestielte Äugen nach Beute ausschauend ! •— — — Tie Sonne warf ihren breiten Glanz über das Wasser; ein weicher, ivarmer Wind ivehte über das Teck, aber mir schien er eiskalt und bis auf die Knochen dringend, Tie Italiener beteten noch, die Engländerin stand da — das blonde Haar glänzte im Licht wie tausend Fäden aus Kupfer — sah mit ruhigem Gesicht ins Wasser und stützte ihren Mann, der sich sichtlich bemühte, die schlotternde Angst zu beherrschen. Die beiden amerikanischen Journalisten reichten sich die Häirde und sahen sich stumm in die Augen, der Kapitän preßte beide Hände an den Kops, und ich stand da, von tausend Gefühlen durch- schüttelt, fühlte die bersluchte Mine dort sich nähern, spürte die Angst, die ich bezwingen wollte, und sah gleichzeitig die ganze tolle Szene um mich herum uiit kühlem fast wissenschaftlichem Interesse, Tas ganze hatte vielleicht, seit wir an Deck gerannt ivaren, drei Minuten gedauert, Mer es hatte genügt, um von uns allen abzuspülen, was falsch ivar. Es hatte von Unfern Seelen Erziehung und Einbildung abgestreist ivie Lumpe», und ivir standen ivie nackt voreinander da, Tie Engländerin sah sich um, und ich merkte, sie empfand wie ich. Sie beugte sich zu ihrem Mann und wollte ihm etwas sagen, da stieß er sie plötzlich unerivartet zurück, sprang wie irrsinnig aus und schrie: „Tu, du bist schuld! Du wolltest hier hersahrcn! Du bist schuld, wenn ivir sterben , , , ich wollte nicht . . . nun soll ich sterben , , , Tu hast mich hierher gelockt!" Tie Frau ivar zurückgetrcteu, blaß und mit entsetzteu Augen, in denen erst jetzt etwas ivie Todesangst aussprang Sie wäre gefallen, wenn ich sie nicht rasch gehalten hätte. Mit schrecklichem Ausdruck sah sie aus ihren Mann, als sprach« ein Wahnsinniger, Er schrie weiter, rasend und. unbeherrscht, bis ihm die Stimme versagte. Er ballte die Hände, als ob er sich auf seine Frau stürzen wollte. Es war das klinische Bild eineck 208 totale» Nervenzusammenbruchs, vielleicht noch suggestiv durch den Anfall des Russen vorhin beeinflußt. Die beiden Amerikaner, die starr vor Entsetzen zngehört hatten, sprangen dazwischen — da schrie der Kapitän auf, gellend, unverständlich, und stieß Mit beiden Händen nach vornhinaus auf das Wasser zeigend. Wir hörten den Schrei, sahen dorthin — da schwamm die rote Mine — nicht mehr näher, sic tvar wieder weiter fort! Sie tanzte klein und unscheinbar — vielleicht zweihundert Meter vom Schiff, längsseits an uns vorüber. Irgend eine scharfe Strömung, ein unsichtbares Riff hatte ihren Kurs abgclenkt — sie behielt die Entfernung bei — wurde kleiner — und war dann im Reflex des Sonnenlichts hinter »ns verschwunden! --— Ter Kapitän ließ die Arme sinken, ging an das Sprachrohr, und gleich darauf hörten nur, sühlteu wir, wie das Sd)ü: zitterte und bald niit eigener Kraft aoeiterfuhr. Das Rollen der Maschine werkle die betenden Italiener. Sie sahen sich um, rieben sieh di? Augen, und als sic verstanden hatten, baß die Geiahr vorüber war, fingen sie wieder ein aus giebiges Dankgebet an. Den Russen mußten wir in seine Kajüte schleppen. Er war vollkommen zusammengebrochen und bekam von mir eine Spritze Morphium, die ihn gleich zum Schlasen brachte. Ich selbst war durch diese berufliche Funktion den Bann des unangenehmen Erlebnisses ziemlich rasch los geworden. Die Amerikaner kamen mit ruhigen Gesichtern unter Deck und singen gleich zu schreiben an, die Kerle hatten eine fabelhaste Kaltblütigkeit, das muß ich sagen — und auch der Engländer erholte sich rasch und ging ausrecht, aber ziemlich blaß, seine Frau am Arm, alt mir vorüber. Zwei Stunden später kam er in meine Kabine und bat mich, ich möchte doch zu seiner Frau kommen. Ich ging in ihre Kajüte, da lag die Engländerin mit abgewandtem Gesicht aus ihrem Bett. Ihr Mann beugte sich zu ihr, aber sie wandte sich mit einer zuckenden Bewegung der Schultern ab: wenn ich recht sah, stieß sic sogar mit der »and nach ihm. Er flüsterte mir zu: „Ich weiß nicht, was sie hat. Sie weint, seit wir unten sind. Es scheint doch für ihre Nerven zu viel gewesen zn sein!" Aber ich muß den Mann wohl etwas merkwürdig angesehen haben, denn er ging, ohne noch etwas &» sagen, still zur Tür. — Als ich allein tvar, setzte ich mich zu der Frau und hörte, wie kie vor sich hin weinte. Ich sprach leise zu 'ihr, aber sie h-l mich nicht. Ich flößte ihr etnms Brom ein. sic schluckte, ohne es zu tvissen und weinte mit offenen Augen unaufhörlich. Und als ich in sie drang, sagte sie leise, willenlos, als ob ein« andere Stimme aus ihr spräche: „Das habe ich nicht gewußt — so klein war seine Liebe! Gerade in solcher Stunde . . . wie war das häßlich — das tut so weh!"-- Ich stand auf und ging. Hier konnte ich und konnte kein Fremder helfen. Das saß tiefer, da konnte kein Arzt nützen. —- Aus der Treppe traf ich den Mann wieder. Er sagte ein paar glcichgiltige Worte, und ich hörte, daß es ihm ernst damit war. Er hatte ioirklich schon vergessen, was er in der schamvollen Angst vor der Gefahr aus deni Grunde seines armseligen Empfindens heransgeschrien hatte. — Ich zuckte die Achseln und ließ ihn stehen. — Aber wie ich schon sagte, meine Herren, diese fünf Minuten .angesichts der roten Mine waren menschlich doch sehr interessant!" --- - vermischte». kf. Das Z w e r g l l » ß p > c r d — das Schwein der Zukunft. Das Z>vergflußv>erd ist vor drei Jahren wieder in Liberia entdeckt war en und die ersten Exemvtare durch den Major Hans Schomburgk zu Hagenbeck gebracht worden. Dieses Zwerg- flnbplerd nun ist das .Schwein der Zukunft' — so t ehauvtel allen Ernste« der ainerikanüche Forscher Irwin im .Journal o! Here- dily". Er verkennt dabei durchaus inchl, da» das Zwergstugpleld äugen llcklich einen sebr kostspwttgen, kaiun erschivingliche» Braten bilde:. Seine zoologischen llnlcrfnchnngen haben ibn dennoch zn der oben gemeldeten Ansicht geführt. Was zunächst die Schmack- haftigkeit des Bratens angeht, kann man Herrn Irwin ivohl Glauben fchcnken: das Zwerqflußpterd soll i» feiner Heimat als Leckerbissen gellen und sein Schinken soll wohlschmeckender sein als der herrlichste Prager Schinken, Wie aber stetst cs mit den Zucht- bedingmigen, aus denen die Umwandt»»» in das .Schwein der Znknnst" banvlsächiich bernlst? Irwin behauptet, das Zwerg- flubv!erd Ie> außero, .entlieh leicht grob zu ziepen: es wächst rasch, es vertcägt das Kltiun der in Amerika in Frage konimende» Gebiete auberordentli?!, gut, so daß seine Anpassung an das neue Klima überhaupt nicht mebr in Frag« käme, »nd schließlich — das ist der springende Punkt der ganzen Ausführungen — können ungeheure Sumpsgebiele der neuen Welt durch Bestedelmig mit Zuergflubplerden anberordentltch nutzbringend anSqederstct werden. Falls Herr Irwin nun selbst den Versuch mit der Zw rgklubvlerde- znchl machen ivist, iverden sich Hagenbeck und andere Firme», die erotische Tiere ucrtmifeit, wahrscheinlich damit durchaus cin- verstaiiden erklären, den» die New Yorker Zoologische Gesellschaft Redaktion : K. St e u r a t h. — Rotationsdruck und Verlag der soll lür die drei Zivergflubpserde, die der Neiv Yorker Zoologisch» Garten vor einiger Zeit bekomme,, hat, «t,va 50003 Mark bezahlt haben. Wahrscheinlich >v>rd Herr Irwin doch die nutzbrtngende Zwergstiiüvlerdezncht gleich in gröberem Mgßstabe beginne» so, daß ans alle Fälle für die beleiligien Händler zunächst eln ganz hüvfcher Gewinn abfällt, >ven,r sie sich so viele Z,vergfl»bp>erde verschafse» könne», ivic Herr Irivin,u brauche» gedenkt. * Unter Paletot mardern. „Donnerwetter, da hast du ja einen prachtvollen Mantel an. Die Frucht der gestrigen Nachtarbeit?" — „Richtig: und sieh nur, tvie ausgezeichnet er sitzt," — „Ja, wirklich, man möchte sagen — nach Maß gestohlen." Sprachecke des Allgemeinen Deutschen tzprachoerelnr. * Oft er «. In dem Wort klingen Töne der deutschen Urzeit zu uns herüber. Ostara klang es voll bei den alten Westgerinanen. Öfteren ballte es »ach ini Mittelalter, und Estern tönt es jetzt mit kurzem Schall Urspiiingticker Naturglaube ist in ihm aufbewahrt, ivie denn das ganze Leben, aus dem es stammt, mit der Natur wunlersam verwachsen war Ta das Wort so grau von Alter ist, ist leine Deutung nicht leicht. Einige leiten es von Ostara ab, dem Namen der altgerinanischen Frühlingsgötli». Andere gehen noch weiter zurück und sagen, daß cs seine Wurzel i» dem alt- gerinanischen Worte aiistro hat, das wir heut in dem Ausdruck Osten für die Himmelsgegend wiederfinden Daß darunter die Morgenröte, das aufsteigende Tageslicht und die Auferstehung des Frühlings verstanden imirbe, ist leicht begreiflich, und daß dieses sinnvolle Wort zum Namen für das christliche AnscrstehnngSscst wurde, drängt sich wie eine Selbstverständlichkeit aus Die Ehr- tvürdigkeit des Wortes wächst noch, tuen» wir daran denken, daß es das erste, größte und heiligste Fest bezeichnet, das die Kirche — es geschah im zioeilen Jahrhundert —r eingeiührt hat. Die festliche Zeit tut die Türen zn einem reichen Wortschatz in unserer Sprache aus: Osterblumen, Osterbrot, Osterfeuer, Ostersladen, Ostersuppc und tvie sie alle heißen, — wem strahlen nickit die schönsten Erinnerungen dabei entgegen? Soviel Freude, soviel sinniger Volks brauch, soviel alles gutes deutsches Denken und Dichten liegt nicht einmal in den Worten Weihnachten und Pfingsten beschlossen. Doch die gebräuchlichsten Namen fehlen noch. Da sind die Ostereier nicht zu vergessen. Aber was haben die eigentlich mit Ostern zu tun? Das Er ist schoir in den ältesten Zeiten als das Sinnhild der Schöpfung und des Lebens angesehen worden. Daraus ergab sich, daß es zum Sinnbild für die ncnerstehende Fruchtbarkeit des Frühlings, die Osterzeit, wurde. Weil die alten Germanen der Ostara Eier zum Opfer brachten, darum bringen mir sie noch heute zum Geschenk, lind weil der Göttin zu Ehren die Eier mit den Farben des Himmels bcmahlt wurden, darum färben wir sie auch heute noch bunt. Auch der Osterhase hat das Recht, daß seiner hier gedacht wird. Seine Verbindung mit dem Osterfeste ist schon schwerer zu erklären. Warum ist dem Meister Lamve die Pflicht auserlegt, die Eier zum Feste zu legen? Das Rätsel wollen einige mit der Erklärung lösen, daß der leichtfüßige Renner bei den alten Germanen der Bote der Göttin Ostara war. Ob er tvohl auch bei dem Ostergelächter eine Rolle spielte? Warum nicht? Paßte er doch leicht in die scherzhaften Erzählungen hinein, tvomit die Geistlichkeit in der Osterprcingt den Jungen die Ohren kitzelte und der lachenden Gemeinde den Bann der Fastenzeit von dem Gemüte löste. Sic konnte auch vom Osterkalb erzähle», womit nian noch heule scherzhaft einen dummen Menschen bezeichnet. Aber auch ein Kranz von weihevollen Wörtern schlingt sich um den alten Ausdruck Ostern, wenn wir an die Sonntage von Invokavit bis Exaudi denken. Diese lateinischen Wörter sind die Anfänge von Bibclstcllen, die an den betreffenden Sonntagen in der Kirche verlesen wurden. Dazu gehört auch das Wort Gründonnerstag, das gleichsalls von vielen aus dem Lateinischen abgeleitet wird Es ist tvohl eine Uebcrsetzung von die« viridium, dem Tag der Grünen, d. h. der begnadigten Büßer: denn diese wnrden an dem Erinncrungstage der Abend- mahlsstistung in die Gemeinde wieder ausgenommen. Und Kar- sreirag kommt von dem alten deutschen Worte Kara. das Klage oder Trauer bedeutet. Auf diesen Tag der tiefsten Trauer folgt mit dem Feste die höchste Freude. So verschieden auch alle diese Wörter in Bezug ans die damit bczeichneten Gebräuche sind, so klingen sie doch alle in dem Wunsch und Gruß zusammen: Fröhliche Ostern!__Tesch (Köln,. Gleichklang Rätsel. Als Zcstvertreib lür Grob und Klein Ken»! mich Ivobl alle Weil Blei, Raine aber dient zugleich Für ein .Erodeennas eld'. Auslösung in nächster Nummer. Auslösung der Schach-Ausgabe in voriger Nummer: Weib. Schwarz. 1. T e 4 — e-t Kdö — e 4: 2. Dal-fG Kei — #3 ob. d5. 3. D f G — f 4 ob. L f I — g 2 | und Malt. A. 1....... K d 5 — c 6 2. Te4 — e 7 Ke6 — b 6, dB — d 5 ob. K c ö — d 5. 8. Dal — aß ob. Lfl — g 2 f „nd Malt. Universitäts-Buch- »nd Stcindruckerei, R. Lange, Wieben.