Nkkizirrstöchter. Roma» von Paul Grabein. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) e Gerda lächelte unter der Berührung, aber nur mechanisch. Ihr Interesse war bet dein Inhalt der Postkarte, und plötzlich sagte sie: „Du. denk' dir -- Astrid und Klaus kommen her. Sie sogen sich für übermorgen, Dienstag, an." Er hob den Kopf von ihrer Hand. „Na, das hätt' auch nicht solche Eile gehabt." ,?1Zfui, schäm' dich, Heinz!" Sie fuhr ihm mit der eutblösitcn Hand leicht über die Wange, mehr ein Schmeicheln als ein Verweisen. Da lachte er: „Na ja - ist doch wahr! Kaum, daß man sich ein paar Wochen richtig hat, und gleich schneit einem Besuch ins Haus." „Sei ohne Sorge. Sie wohnen ja nicht bei uns. Hier — Astrid schreibt's ausdrücklich: .Natürlich gegen wir m* ^occl. Wir wollen uns doch nicht gegenseitig genieren. Und außer- beuc - ich möchte doch gar zu gern einmal bei Adlon ge- wohnt haben. Kinder — cs kann ja einfach himmlisch werden!" „Das find' ich nun weniger. Himmlisch ist's bloß, wenn ich mit meiner Bebe allein bin. Ganz allein!" Und abermals umfing er sic. Gerda duldete es einen Augenblick, doch dann entwand sie sich ihm. .«Meine schöne, neue. Toilette!" Sie strich sich die kostbare» Brüsseler Spitzen glatt. „Willst du denn nie vernünftig werden?" „Min — nie! Schlimm genug, daß du es so bald geworden bist. Sei überhaupt froh, daß ich dich nicht verklage - tvegen Vorspiegelung falscher Tatsachen?" „Atich?" Und sic lachte hell. „Wieso denn?" „Nun ja! Wenn inan dich so sieht, dann denkt man Wunder, wie — und nachher steckt da hinter der lockenden Carmenmaske ein ganz sühlloseS, kleines Frauenzimmer!" „Ach du!" Und sie schnippte ihm neckend mit dem Seidcntüchelchcn, das sie gerade aus dem Spitzenärmel gezogen, ins Gesicht. Aber der zarte, >varme.Hauch, der dem Tuch noch anhastete, tveckte in ihm Erinnerungen. „Jawohl, kaltherzige Sirene du!" Unvermutet hatte er ihre schlanke Gestalt umfaßt, hob sie Ivie ein Kind empor und preßte sie an sich. Jin ersten Moment schloß Gerda die Augen. Die Ausbrüche seiner Zärtlichkeit hatten ja noch immer sür sie etlvas, das sie wie willenlos machte, etwas Atemberaubendes. Aber kvie sic in dieses Empfinden versinken wollte, flog sie ganz plötzlich ein Erinnern an. An jene Erzählung von Tante Albertine, der Stiftsdanre. .Hatte so nicht eiitft auch der Vater seine junge Frau auf Händen getragen? Und doch nachher all der Unfriede! Da war das andere bei Gerda verflogen. „Du - Heinz! Ob du mich wohl auch einmal allfahren wirst?" Er war so verblüfft, daß seine Arme, die sie noch immer trugen unwillkürlich nachließen. Rasch benutzte sie es und entschlüpfte ihm. Da faßte er sich wieder. „Dich ansahren? Das fragst du mich — und in solchem Augenblick? Das ist doch wirklich — ! Na also, Hab' ich denn nicht wirklich recht: Schön, aber auch kalt wie Marmor!" „Heinzclmann," schmeichelnd hängte sie sich jetzt in seineil Arm, „wir müssen doch allmählich wirklich ein bissel vernünftig werden — gelt? Aber nun komm! Ins Herrenzimmer, dein altes Garpongnartier. Da sitzt sich's doch so wundervoll in den Klubsesseln, die — wenn sie nur könnten — gewiß so viel zu erzählen hätten, von meinem wilden Heinz und seiner wohl noch lvilderen Vergangenheit." „Du Närrchen!" Er lachte, schnell wieder bezwungen von ihrcni Charme, und folgte ihrem führenden Arm, während sic iveiterplaudertc: „Ja kuscheln wir uns dann recht gemütlich hinein bei einer Zigarette, bis Jean, dein vielgetreuer Leporello, uns das Essen amncldet. Mir ist nämlich von all dem vielen Schwatzen heute, ofsengestatlden, etwas flau geworden." Sie saßen dann, N'ie sie es gewünscht hatte. „Ja e-s war freilich ein bißchen viel aus einmal. <2o'» ganzer Schub von Besuchen," gab er zu. „Aber du mußt doch selbst sagen: c-s sind doch eigentlich alles recht nette Leute." „O ja," utid Gerda blies den Rauch langsam von sich. Er horchte auf. „Na, doch wohl nicht so ganz?" Sie antivortete nicht gleich. Es -waren ja alles alle Freunde von ihm. Aber da drängte er: „So red' doch, Gerda. Nicht so hinterm Berge halten!" ,var ich abwesend, und wenn ich dann gegen elf oder zwölf Uhr nachts nach Hause kam, rief die Pflicht für einige Stunden utich twch an den Schreibtisch. Der letzte dieser Pjlicht- abcndc hatte Goethes Faust in völlig neuer Herrichtung gebracht, inid abgespannter beim je war ist) gegen Mitternacht zur Nieder- lchrist meiner Eindrücke, gekommen. Neben mir — wir steckten lief im November summte der Teekessel, und meiner kurzen Psrise entstiegen behagliche blaue .Wolken. Ich hatte höchstens eine halbe Stunde geschrieben, da war es mir, als ob im Salon, der durch das Eßzimmer von meiner Stnbe getrennt lag, sich vorsichtig schleichende Schritte bemert- bar machten. Meine Fra», die kurz vorher zur Ruhe gegangen tvar, konnte cs ebensowenig fein, ivie unser Mädchen, das schon seit zehn Uhr in einer Mansarde schlief. Meine vom Faust noch erregten Raven spannten sich an. Eine mir sonst ganz fremde Bangigkeit bcsiel mich, gerade ivie damals r» inaner Irüheste» Jugend, als ich auf dem dnitklen Wege itach meinem kleinen Schlafgcmach an der ansgebahrtcu Leiche »lenres Pflege Vaters vorbei nwßte. Gleich darauf verstärkte sich das Geräusch. Jetzt hörte irl> deutlich, wie ein Stahl im Salon gerückt tvurde, und irgend eine Hand das elektrische Licht neben der Tür mit einem knackenden Lank zum Ausslammcn brachte. In diesem Augenblick hatte ich das itubcztvinglichc Gefühl, daß der lln- bekatintc setzt vor dem Spiegel stehe utld mit starren Augen sich ins Gesicht schaue. Ein Tieb sonnte es also unmöglich sein. Um endlich etwas zu tun, suchte ich i» inciucm Schreibtisch »ach drui geladenen Revolver, den ich einmal für eine Wanderung durch ein einsames Waldgebirge gelaust hatte. Noch ehe ich die Wasse fand, tvurde die Tür vom Salon mit hartem Grisfc geöjsnct und der schleppende Schritt ward im Eßzimmer hörbar. Nun tasteten nnsichlbarc Hände an der Tapetentür herum, und im nächsten Augenblick stand ein Mensch im schwarzen Mantel und zerdrücktem Schlapvhut int Rahmen der kleinen Tür — es war, wie ich sofort erkannte, der irsinnigc Advokat Murrenhart . . „Ich komme", sagte er mit zerbrochener Stimme und stellte »ich hart an meinen Schreibtisch, „»>» Reche,ischast von Ihnen zu fordern. Wer gibt das Recht Ihne», sich meiner Wohnung zu bedienen. . . .?" Ich wollte den Eindringling schroii zurechtlveiseii. Tann aber beiann ich mich auf die Krankheit des nächtlichen Besuchers und vor, meine ganze Willenskraft zusanimciinehwe id, ihm einen Sttihl an. „Tie haben ferner", fubr er ohne Rücksicht auf meine Einladung fort, „in meiner Wohnung Beränderimgeu vorgenonl- men, zu denen Sie kein Recht hatte». . . Sie l)aben ans meinen anständigen Zimmern eine greuliche Spelunke gemacht. . ." „.Herr Toktor", wandte ich artig ein, „eie werde» sich wohl erinnern. . ." „An nichts und gar nichts erinnere ich mich, verstehen Sie!" Mit einer Lästigkeit, als streife er sich einen Handschuh »b, entnahm er seiner Manteltasche einen Browning und eine Uhr. „Ich tonnte eie natürlich unter Klage stellen, und ich würde den Prozeß gewinnen. Bei Ihnen paßt es »irr aber nickct. Ich ziehe Selbsthilsc vor." Er nahm, von meinen, Schreibtisch gegen die Tapetentür tretend, die Waste fest in die Hand und war, einen prüfende!« Blick anf^die Uhr. „Sie habe» zehn Minuten Zeit, mein Herr. Ordnen eie Ihre Sachen, dann knalle ich Sie nieder. . ." Nun hatte ich genug von dem Wahnivitz, Mit jähem Ruck spang ich aus und warf mich ihn, entgegen. Murrenhart war wohl darauf gefaßt. Mit übcrincnschlicher Kraft, die Last seines schweren Körpers gegen inich stemmend, drückte er mich auf meinen Platz zurück. „Also zehn Minuten, nicht länger. Beeilen Sie sich!" Das alles war schnell und lautlos vor sich gegangen. Mir schlrindelle der Kopf. Wie sollte ich den teuflischen Mensche»! los werden? Rufen mochte ich nicht. Tas hätte gar nichts genützt und meine Frau, die wenige Zimmer abseits schlier« einer ernsten Gefahr ausgesetzt. „Eins!" zählte da Advokat. Trauße» hatte der Wind sich erhoben und rüttelte mit Ungestünr an die Fenster. Ich lauschte gespannt ans jeden Laut auf der Straße, picllcicht, daß vo» dort Hilfe kam. „Zwei!" klang es nach einer Weile hcrübcc. Mein Blick fiel auf die Fanstkrilik, die nnvollendcl vor mir lag. Und Plötzlich wurde es mir bewußt, daß diele Arbeit wohl nie zu Ende geführt werden würde. „Drei!" zählte die Stimme iveiter. Mein Kopf begann in fieberhafter Hast zu arbeiten. Irgend etwas mußte nun wohl geschehen, sonst schoß der Wahnsinnige mich ivie einen Hund über den Haufen. Und sterben wollte! lind durfte ich nicht. „Bier!" Ich suchte incinc Gedanken logisch zu ordnen. Est> paar Zeilen an meine arme junge Frau, die gewiß verzweifelt sein würde« waren das Nächstliegende. Sic sollte wenigstens wisse», wie alles gckouimcn >var. Und dann an die alle Mutter daheim in der Heimat. Tie gütige Frau mit denr Goldhcrze»! Mir wurde ganz >vchc bei dem Gedanken a» beide. „Fünf!" knarrte die entsetzliche Stimme. Und meine Kollegen itl der Redaktion! Die durften doch auch nicht im unklaren bleiben! Tas war ich der Zeitung schuldig« die gewiß für einen anständigen Nachruf iorgcn würde. Von „treuer Pjtichtcrsüllung", „gclvandtcr Schreibweise" „sw. ZumI Teuiel, die würden Angen machen, wenn morgen in aller Früh« der Polizeiberichi meldete. . . „Sechs!" Und meine schönen lieben Sachen! Hier die Regale und Schränke mit all den Büchern, die ich durch meine Kritiken mir erworben halle, und dort inr Talon die Bilder von Künstlerhnnd« Porträts und Landschaften! Das alles sollte ich hergebcn? „Sieben!" Ta waren ferner meine Arbeiten, Kästen, angesüllt mit Mamifkrsivten im Entwurf und halb ausgcführt. Ein paar Romane waren aicch darnnler. Und das Lyrische! Lanler nette kleine Sachen, die ich inr Glück und Leide incines Lebens niedcr- gefchrieben Ijwtte. Keine weltbewegenden Verse, ab«r doch Verse, voller Gemüt und anständiger Gesinnung. „Acht!" ! Und nebenan im Nachbarlmus Halle ich eine kleine Freundin^ Ein Mädel von sechs Jahren, das mir alle Morgen sein Händchcik gab und ein Bonbon als Gegengrnß empfing. Das würde morgen sicherlich leerten und gar nicht wissen, warum ich ausblieb. Würde die Kleine, wenn ich tot wäre, mir wohl wieder gelbe Strohblnmenl bringen, ivie damals, als ich zu Belt lag? „Nenn!" klang es drohend. Herrgott, wo war ich mit meinen Gedanken geblieben: Ich ivolltc doch schreiben und hundert Tinge erledigen. Statt dessen dachte ich au niedliche Mädchen lind gelbe Strohblumen: Entsetzt schaute ich auf. Ta stand der schauerliche Gesell >me ein Gespenst an der Tapetentür, sah nach der Uhr und hob langsam und scier- lich die Waise. Tas tödliche Ting in seiner Hand glitzerte lvic Silber. Ta haßte ich diesen Menschen, ivie ich noch nie einen Menschen gehaßt hatte. Nein, unverteidigt wollte ich mich nicht morden lassen. Unverteidigt nicht. Und Ivcnn ich. . . „Zehn!" In rasender Wut und nnler bcständigci» Schreien und a vdes- stircht stürzte ich mich auf den Schurken und suchte seine Kehle zw fassen. Ein jähes Blitzen nnigab ntidt. Tie Welt versauc vor mir. Mein Bewusstsein erlosch. Ich suhlte nur eine ticse, befreiende unendliche Ruhe. ^ Eine gute Hand berührte mich saust. „Halt au geträumt. Liebster? Tu liegst ja am Boden Was fehlt Trr?" Ich starrte sassungslos in das Gesicht meiner jungen Frau. Reben mir lag die noch unvollendete Faustkrilik. Und dir Feder, mit der ich sie geschrieben hatte, steckte Me ein kleiner scharfer Dolch im Holze des Fußbodens. . . Berühmte Spatzmacher. (3 um 1. A pri 1.) Ter l. Avril ist nun einmal nach einem seinem Ursprung nach nicht mifgcklärten Brauch« der Tag der Spaßvögel, der 204 sFovver und Lnstigmacher, und auch in unserer so ernst und brak- tisch gewordenen Zeit ist die alte gute Sitte »och nicht ansgestor- den. In früheren Zeiten sreilich spielten die Aprilscherze eine ganz andere Nolle in, Lebens die Schalksnarren hatten nicht nur et» offizielles Hosamt bei Fürsten und hohe» Herren, sondern trieben ihre derben Possen überall und ersannen am Narrentag die tollsten Streiche. Bon einigen solchen berühniten Späh- lniachern plaudert H. de Brngniere in der Qninzaine Jllustrse. Im Hanse der Male, de Rambouillet, diesen, schöngeistigen Sammelpunkt der französischen Renaissance, wurden nicht mir zierliche Verse gedrechselt und sentimentale Schwärmereien gesäuselt, sondern man hatte auch Sinn sür einen Handsesten Späh, was eines Tages der Marquis von Gramont spüren muhte. Der Marquis war ein besonderer Freund von Champignons, und als er eines Tages bei der „angebctetcn Clelia" speiste, aß er von seinem Licblingsgericht so viel, dah er sich vorzeitig zurückziehen mußte. Sein verdorbener Magen hinderte ihn nicht, bald in einen rechtschaffenen Schlaf zu verfallen, und nun ließen ihm die lustigen Preziösen seine Sachen sortnehmen, und die Damen nähten mit .ihren zierlichen Fingern: Acinkleider inst» Wams viel enger. Als nur Morgen der Marquis erwacht und in seine Kleider fahren will, komm't er nicht hinein: die Beinkleider sind viel zu eng, der Wams viel zu knapp. Ein besorgter Freuuld tritt bei ihm ein: „Wie blaß du anssiehst! Und alles an dir ist gedunsen und angeschwollen! Bist du krankt „Ja, ich habe gestern zu viel Champignons gegessen," ant- wortet der Marquis in höchster Angst, „und jetzt passen mir meine Sachen nicht mehr." „Ein sehr bedenklicher Fall. Das ist ein sehr schweres Leiden," meint der andere im düsteren Ton. Der sehr um seine Gesundheit besorgte Marquis denkt bereits an sein nahes Ende, läßt einen Arzt und zugleich auch de» Notar und den Geistlichen holen, mit mit der Welt abzuschließen. Der Doktor erscheint i» seiner würdigen Tracht: — es ist ein Eingeweihter — untersucht ihn umständlich und verschreibt dem gcängstigten Patienten endlich auf Lateinisch ein Rezept, das nichts weiter be- sagt als: „Nimm eine Schere und trenn' die Nähte wieder auf." Bisweilen fällt allerdings auch der Forscher in die Grube, dis e§ einem andern gegraben. So ging es einnial dem berühmten Schriftsteller und Zeichner Henri Monniav, der wegen seiner Aprilfcherze bekannt war. Eines Tages sieht er in einem Restaurant am Boulevard einen ehrbaren und würdigen Herrn sitzen, der sjch sein Essen sehr gut schmecken läßt. Er winkt sich den Kellner heran und flüstert ihm geheimnisvoll zu: „Sehen Sie den Mann dort? Nun, das ist der Henker von Versailles." „Teufel!" ruft der Kellner Und erzählt die Geschichte sogleich dem Wirt. Der weiß, was er zu tun hat und ivas er seinem Haus schuldig ist. Er tritt an den braven Bürger heran und bittet ihn energisch, nie mehr seinen Fuß über die Schwelle seines Hanfes zu setzen. „Man könnte Sie erkennen, und das würde mir schaden." „Wieso?" fragt der andere erstaunt. „Nun, Sic als der Henker von Versailles . .." „Was bin ich? Wc'r hat denn das gesagt?" „Der Herr da drüben." Der Bürger betrachtet Monnier mit einem langen Blick. „Ja, ich kann nicht leugnen," sagt er dann, „dieser Mensch da kennt Mick, sehr gut, deuu ich habe ihm das glühende Eiseu auf die Schnt- 1er gedrückt, als er nach einem nichrsachen Mord als Sträfling ins Bagno geschickt wurde." Monnier tvar keineswegs angenehm überrascht, als er darauf in nicht gerade sanfterWeisc aus demRestaurant herausbeibrde.t wurde. Allmählich Hai sich eine gewisse Tradition der Aprilscherze entwickelt: es gibt klassische Späße dieser Art, die sich stets wiederholen. So z. B. das Bestellen verschiedener Lieferanten mit denselben Gegenständen nach einem Ort. Dieser ziemlich schlechte Spaß soll ums Jahr 1840 von einem Pariser Original cingeführt worden sein, das sich M. de Saint-Cricq nannte. Sein ganzes Auftreten war darauf berechnet, die Gaffer in Erstaunen zu setzen. Vtuf dem Boulevard erschien er stets von einem riesengroße» Lakar begleitet, der auch im Cafe unbeweglich hinter seinem Stuhle stand. Saint-Cricq bestellte dann zwei Portionen Eis, die er in aller Ruhe in seine Stiefel schüttete. Am 1. April gab er einmal zahlreichen Badeanstalten den Auftrag, ihm um 4 Uhr ein warmes Bad ins Haus zu liefern. Ter Spaßvogel verschloß daim fest seine Wohnungstür und genoß mit Behagen das Schauspiel, das sich zur festgesetzten Stunde vor seinen Fenstern entfaltete. Nacheinander langten die Träger der bestellten Bäder an und wandten sich an den Portier, der sie achselzuckeud abwics. Dann ging ein furchtbares Schimpfen los, und schließlich lagen sich die Leute in den Haaren, schütteten den Inhalt ihrer Wannen übereinander aus und veranstalteten eine regelrechte Schlacht. Den Schaden mußte der Sonderting sreilich bezahlen. Achnlich ist ein oft wiederholter Spaß, mit dein zuerst ein Redakteur des Evening Star die Londoner in Erregung setzte. Er hatte durch große Annoncen verkündet, daß in der großen Ackerbauballc von Jslington eine Esel-Ausstellung eröffnet luürbc, und als sich daraus viele Leute herbcidrängten und nach den Tieren fragten, erhielten sie die liebenswürdige Antwort: „Es sind nur zweibeinige hier." Vüchrrtisch. — Karl H c n ck e l l: .Hundert Gedichte. Auswahl dc» Bersasscrs. Mit einer Setbstbiogravhic des Dichters. Hesse & Becker Verlag, Leipzig. 110 Seiten. 40 Pfennige, gebunden 80 Pfennige. — Der nunmehr fünfzigjährige .Karl Hcnckell vereinigt hier seine besten Schöpfungen zu einem handlichen Bändchen, dessen Preis in Anbetracht der vorzüglickwn Ausstattung erstaunlich niedrig ist. Die Sammlung lehrt uns den ganzen Henckelt kennen: nicht bloß den glühenden Verehrer der Natur, sondern auch den Arbeitcrdichler, den herben Kritiker der Gesellsckiast, den Anwalt der Armen und Verstoßene». Eine kernige Selbßbiographie des Dichters erhöht den Wert des Bändchens. — Neuerscheinungen der Universal-Biblio- thek. Nr. 5654. 5652. D i e Wett der Kolloide. Von Dr. Heinrich Leiser. 2k. Band der Bücher der Naturwissenschaft, heransgegeben von Prof. Dr. Siegniund Günther. Mit 7 Tafeln und 15» Abbildungen im.Text. In Leinen 80 Pf., in Leder mit Goldschnitt oder Halbpergament 4.50 Mk. Inhalt: Vorwort. I. Das Wesen der Kolloide. II. Spezielle Eigenschaften der .Kolloide. III. Bedeutung und Anwendung der Kolloide. Register, — Nr. 5653. Nikolaus Nägele und andere N o v e l - l e n. Von Anna Croissant-Rust. Mit einer Einleitung von Fritz Droop. Inhalt: Einleitung. Nikolaus Nägele. Jdhlle. Die junge Bäuerin. Tirilt-Tirili. Die alte Wirtin. — Nr. 5654. Die 'Geschichte v oni M ü hl h o fb a u e r. Novelle. Bon Adolf Grrstinann. —Nr. 5655. Dramatische Zwiegespräch e. Achtes Bändckien. Für das Bernfstheater und die Dileltantenbülme gesammelt und mit der vollständigen Rcgiebe- arbeitnng heransgegeben von G. R. Kruse. Inhalt: Die Probe. Scherz in einen, Auszüge von Ottomar Enking. Ball im Hause! Berslnstspiel in einem Auszüge von Edouard Pciilleron. Deuisch von A. .Kellner. Der Dreihundertmark-Hut. Komödie von E. E. Lehmann. Und das Licht erlosch. Eine Szene von Alexander Gras Frcdro. Deutsch Von K. v. Rozpcki. — Nr. 5656. BillaId >> lle und andere H u m o r e s k e n. Bon T. Resa. Inhalt Villa Jdnlle. Signor Paolo. Karneval! Onkels Möbel. — Nr. 5657. 5658. A n t o b t o g r a p b i s ch e Skizze. Eine Mitteilung an meine Freunde. Von Richard Wagiwr. Heransgegeben und eingeleitct von G. R. Kruse. In Leinen 80 Pfg. — Nr. 5650. 5660. Ein deutscher Musiker i» Paris. Non Richard Wagner. Novellen und Aufsätze. Heransgegeben und cingcleitet von Georg Richard Kruse. In Leinen 80 Pfg. Jnsuilt: Einleitung. k. Eine Pilgerfahrt zu Beethoven. 2. Ein Ende in Paris. 3. Ein glücklicher Abend. 4. lieber deutsches Mrisiklvcsen. 5. Der Virtuos und der Künstler. 6. Der Künstler und die Ocsfentliclp- keit. 7. Rossinis ..Ltabat nrator". Schach-Ausgabe. Bon £>. Vnller. Sn warz. Weib setzt mit den, drillen Zuge Matt. Auslosung in nächster Nummer. Auslösung des Diamant-Rätsels in voriger Numinerl 44 4- « n Harke d e r t r n d Barke R u in d Reöaktion: ft. N e u iat b. — Rotationsdruck und Vertag der Brübl'sche» Universitäts-Buch- und Steindruckeret, R. Lang«, Gießen.