WM - Nr. 41 Bffintrstödjtrr. Roman von Paul Grabein. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Am anderen Bormittag ivar Peterscn erschiene», und die üblichen Formalitäten waren mit Veit Eltern Astrids erledigt. Der Neuverlobte war dann gebeten worden, zu Tisch zu bleiben. Nun kamen auch Edith und Gerda hinunter zu dem jungcil Paare. NlauS Petersen ivar beim ersten Begegnen mit Gerda doch etwas betreten. Aber Astrid lyilf mit ihrem glücklichen Frohsinn auch über diese Klippe hinweg. AlS Gerda sich dem neuen Schwager mit einem leisen Lächeln in den Neigen näherte und ihm die Rechte bot: „Alles Glück, öm Peterscn," da umfaßte Astrid die beiden gleichzeitig und rief: „Herr Peterscn! Macht doch keine Dummheiten, Kinder. Du sagt ihr hübsch, als Schwägerin und Schwager, und gebt euch einen Kuß, auf gute Verwandtschaft — wie sich'S gelört." Petersen lächelte etwas gezwungen, aber Gerda ging auf Astrids Ton ein. Es war ja das Richtigste so. Sie bot dem neuen Schwager unbefangen den Mund: „Also, dann auf gute Freundschaft, Klaus V Und der feste Händedruck, mit dein sie dies Wort besiegelte, Ivar cbrlich gemeint. Da war auch er über diesen Moment hinweg, vor dem er heute den ganzen Morjgen noch ein lebhaftes Unbehagen rinpsunden hatte. Und nun e"i't konnte er sich seiner allerliebsten blonden, kleinen Vrairt recht erfreuen. * . * Am nächsten Sonntag empfing das Brautpaar. Es ging il» henningschen Hause zu wie in einem Taubenschlag. Auch Kyllburg kam und Till» Brencken, Astrids beste Freundin, um zu gratulieren. Tilly umarmte die Braut mit großem Gefühlsaufwand, konnte es sich aber doch nicht versagen, ihr dabhi leise ins Ohr zu raunen: „Du — ich war ja einfach platt! Wir haben ja alle immer gedacktt. Petersen würde sicki mal mit Gerda verloben." AHer an Astrids unverwüstlicher Laune glitt auch das ab. Lachend erwiderte sie: . >Fa — es kommt bisweilen anders ,als ihr klugen Leute denkt. Man muß doch auch mal fikr kleine lieber- raschungen sorgen — nicht?" Aber auch für Gerda, die Tilly nun begrüßte, hatte diese eine kleine Liebenswürdigkeit: „Und denk dir nur, Gerda, das wird dich ja sicher interessieren — Keßler kommt her, für längere Zeit." Gerda zog sich das Herz freudig zusammen. Doch sie sah der anderen gelassen in das heimlich beobachtende Auge. Leichthin sagte sic: ./So - aber was will er denn hier? Er wird doch nicht etwa ein Engagement an unserer Hof- und Staatsbühne angenommen haben, der Unglücksmensch?" „Wo denkst du hin! Als Gast der Prinzessin kommt er her. Aufs Schloß zu ihr. Was sagst du nun? Er tvird seinen Urlaub hier verleben. Es gefällt ihm hier so gut —- denk nur, Gerda — hier bei uns, in unserem Krähwinkel! Ist es nicht zum Lachen? Kannst du dir das erklären?" Gerda fühlte, wie auch Kyllburgs Augen jetzt auf ihr ruhten Aber die Sticheleien der Freundin verstärkten nur noch ihre Beherrschung. ,H'a — da hast du recht — eine richtige Kateridee, Nun, Künstler haben ja manchmal absonderliche Passionen." „Die haben sie wirklich!" gab Tilly mit eigener Betonung zurück. Bohrte doch noch in ihr der Aerger, daß Keßler neulich mit Gerda als einziger der jungen Damen getanzt hatte. — „Wollen Sie schon tvieder fort, Herr Kyllburg?" Gerda wandte sich dem Adjutanten zu, der jetzt ausstand. Er hatte nur seiner Pflicht genügen wollen, doch nun litt eS ihn nicht länger hier. „Allerdings, Fräulein Gerda, ich wollte —" /,'Bleiben Sie doch noch, lieber Kyllburg," rief da aber Herr von Henning herüber. „Ich habe nachher etwas Dienstliches für Sic." „Wie Herr Oberstleutnant befehlen." „Dann kommen Sie mit, mir ein bißchen helfen — die Blumen arrangieren." Gerda, die aufgestande» war, bat ihn mit einem leisen Blick. Sie wollte sich den kleinen Bosheiten Tilly Brenckens entziehen. „Stets zu Ihren Diensten," versicherte er und folgte ihr in den Wintergarten, wo Gerda nun die reiche Fülle der dargebrachtcn Blumen zu einem geschmackvollen Arrangement ordnete. Eine Weile war er ihr stumm behilflich, obwohl ihm die Worte auf der Zunge brannten . Endlich aber brach er das Schweigen. Er mußte sprechen. „Fräulein Gerda —!" Sie blickte auf. „habe ich wenigstens noch Freundesrechte an Sie?" Ihre Brauen zogen sich ein wenig zusammen. „Warum fragen Sie mich das? Sie wissen es doch." „Es ist mir doch zweifelhaft geworden — nach so manchem." „Lieber Herr Kyllburg — ersparen Sie uns beiden das — sagen Sie ehrlich: Was wollen Sie von mir?" Er rang mit sich. Dann brack> er los: „Warnen muß ich Sie." „Warnen? Mich — vor wem?" „Bor sich selbst, Fräulein Gerda." „Herr Kyllburg!" Sie setzte die Kristallvase, die sie gerade in der Hand hatte, hart auf den Tifch. 18 « „Ja — Warnen!" Er wiederholte es, im Innersten erregt, wenn er auch feine Stimme gewaltsam dämpfte. „Sie sind im Begriff — sich einer Täuschung htnzugeben, die Sie unglücklich machen kann für Ihr ganzes Lebe». Das laint ich nicht ruhig mit ansehen." Sie hatte Plötzlich ganz ihr« Beherrschung wiedergesum- den, und fest wies sie ihn ab, wen» auch noch schonungSvoll! im Ton: „Ich sehe nichts, was Sie zu Ihren Befürchtungen berechtigte." „Gerda — Sie Kinnen es doch nicht leugnen: Keßler wirbt nm Sie, und Sie —" Gerda von Henning fuhr empor. „Herr Kyllburg, bei aller Frenndschast —- Eie vergessen sich." Aber er trat noch näher zu ihr. „Auf jede Gefahr hin! Ich muß zu Jlbnen sprechen. Ich muß für Sie sehen, da Sie geblendet sind. Ich verstehe das ja alles. Der Mann hat etwas, was fesselt. Aber er ist eben ein Blender. Nicht bewußt — nein. Sie wissen ja, ich halte ihn selber für keinen Komödianten. Und dennoch — dieser Manu Kinn keine Frau glücklich machen. Wenigstens nicht auf die Dauer. Er hat Seine Beständigkeit, folgt nur (einen Impulsen. Ich sehe schwerste Enttäuschungen für Sie voraus. Und darum, Gerda — hören Sie «us mich, solange es noch nicht zu spät ist!" Seine Hand streckte sich unwillkürlich nach ihr auS Aber sie wich vor ihm zurück. Wohl stieg da eben, bei seinen letzten Worten etwas! in ihr auf — ein dunkles, banges lilhnen, wie ein Borausz kühlen kommender Dinge — aber alsbald war das wieder verdrängt von Zorn und Empörung. Wie konnte Kyllburg daS wagen! Empfindungen bei ihr zu entblößen, die sie sich selbst noch nicht ttar eingestanden hatte. Und so ries sie chm mit bebenden Lippen zu: „Sie verlieren jedes Matz! Ich kann Sie nicht länger mehr mit anhören, .Herr Kyllburg." Sie machte Mene, an ihm vorüber Ivieder nach von» zu de» «»deren zu gehe», «der noch einmal wandte sie sich ihm zu. „Ich soll Ihnen laube», daß nur Frenndschast für mich Ihne» diese Worte ifticrt hat — aber ich sehe ein anderes Motiv." Er war ganz blaß geworden und zurückgetreten, um sie vorüber zu lassen. Mm erwiderte er seltsam ruhig: „Sie irren, Gerda. Ich hoffe nichts mehr für mich, und hätte ich die Ueberzengung, es wäre zu Ihrem Gluck —i kein Wort wäre je über meine Lippen gekommen. Das versichere ich Ihnen als Mann vo» Ehre." Einen Augenblick war es, als zögere ihr Fuß noch, aber dann ging sie schweigend an ihm vorüber. Kyllburg preßte die Lippe» fest aufeinander. Dann folgte auch er ihr. Doch i» seine» Mienen war fortan etwas Starres. * „Hallo, Advantage für uns!" Und Astrid schwenkte das Racket triumphierend- über daS Netz zur Gegenpartei. „Bravo, Klänsleinl" nickte sie dann mit ihren strahlenden Augen dem Verlobten zu. .Maus Peterfeu hatte mit einem scharfen Spiel eben diese Chance für sie gerettet. Ind er quittierte ihre Anerkennung mit einem frohen Lächeln. Seine kleine Braut sah ja auch in ihrem schneeweißen Tennisdreß zu allerliebst ans, schlank und behende wie eine Sckiwalbe. Er war doch sehr glücklich mit ihr; als ob seine Wünsche überhaupt nie ein anderes Ziel gekannt hätten. Drüben bei der Gegenpartei wechselte» nun auch Gerda und Heinz Keßler ihre Plätze. Fm Bocbeigelze» trafen sich ihre Blicke. Sie sprachen nichts. Aber die Brust des schönen Mädchens hob sich unter der glatten, englische» Bluse, die der weiße Ledergnrt um die feine Taille abschloß. Heinz, Keßler hatte eine Art, einen anznsehen das war wie ei» Anstreifen, nur ganz leise mit de» Fingerspitzen. Tie Nerven vibrierten einem, wie unter einer iörperlichen Berührung. Eine ungelöste Spannung tag ja über Gerda seit dem Gartenfest bei der Prinzessin, jenem Augenblick des Ali.in- feins mit »eßler, wo sich in ihm etwas hatte ofsenbaren wolle». Sie hatten sich jetzt, seit seinem Wiederhiersein, Mar wiederholt gesehen. Er hatte bei den ersten Familien «esnche gemacht, war auch schon bei ihnen im Hause ge- ivcjen, aber es hatte sich kerne Gelegenheit wie damals wieder geboten. So lag denn etwas Unausgesprochene- zwischen ihnen. Etwas, ivas sie heimlich verband, sie einander nahe brachte und doch wieder Schranken Mischen ihnen errichtete. Das Spiel ging jetzt iveiter. Es lag, wie heute bei der ganzen Partie, l-auptjächlich zwischen den beiden Herren, zwei ebenbürtige» Gegnern, und es war eine Freude, ihnen zuzuseheu: Keßler ganz Temperament, voll Verve und dabei von einer bestrickenden Eleganz der Bewegung, ganz unbewußt. Petersen nüchterner, leidenschaftslos, aber vo» einer tadellosen schulgerechten Korrektheit. Er hatte nickst umsonst jahrelang in England gespielt und ernstlich trau' liiert. Gerda von Henning war so interessiert bei diesem -hu- sehen, daß sie ihre Pflichten als Partnerin darüber stark vernachlässigte. Ihr Blick hing an Heinz Keßlers rassiger Gestalt im blendendweißen Dreß, das seinen schnitftge» dunklen Kopf noch mehr zur Geltung brachte. Seine Bewegungen waren von einer jugendlichen Elastizität, und doch tonnte er so sehr jung nickst mehr sein. Tilly Brencke» wollte sogar wissen: schon vierzig. Das war wohl übertrieben — aber wie alt mochte er in Wahrheit sein? Doch wie sie dann bei ihm in« Eifer des Spiels, nach einem mit federndem Sprung hoch in der Lust zurückgeschlagenen Ball ans seine» Augen ein sieghaft frohes Leuchte» schießen sah, da dachte sie gleich wieder: was bedeuten Jahre? Und wenn fünfzig — er wäre jung. Jünger als sie alle hier. Und auch in ihren Augen glänzte es auf. Aber so von ihre» Gedanken ansgesiillt, ließ sie manchen Ball aus, der in ihr Feld traf, während drüben Astrid mit Feuer nnb Flamme beim Spiel Ivar und ihre» Partner wirksam »»terstützte. So kam es, daß — obwohl Gerda sonst der Schwester stark überlegen war — diesmal die Gegenpartei fast jedesmal zählte. Keßler allein konnte das Spiel unter diesen Umständen natürlich nicht retten. Plötzlich scholl denn auch der Helle Siegesruf Astrids: „Fisty — game — fet — gewonnen! Hurra!" Und sie machte einen kleinen Lustsprimg, rief dann aber über das Netz: „Was machst du cigenllich heute, Gerda? Du läßt ja jeden Ball aus!" Gerda sah die Blicke der andere» ans sich gerichtet. Aber da kam ihr Keßler rasch zu Hilfe: „Ihr Fräulein Schwester ist etwas ermüdet — nicht wahr? Ich denke, wir hören lieber auf." Ihr Auge traf das seine mit einem Danken. Das war ivieder solch ein Moment, wo sie beide es fühlten, das stillschweigende Bündnis. „Na, auch recht. Gehen wir also!" enlschied Astrid und ließ sich von ihrem Berlobien wie eine kleine Prinzefjinl bedienen, bis er, mit ihrem Golf-Jackett, Racket und Bailnetz beladen, als erstes Paar mit ihr ansbrach. Natürlich An» in Arm, dicht aneinandergeschmiegt. Die beiden anderen sahen schweigend den Boranfgehen- de» »ach, die schnell ausschritten, ohne sich »ui sie zu küimmer». Hell klang nun ihr Lachen und Scherze» zurück. „Ein paar glückliche Leutchen —!" ES war Gerda, als ob Keßler nvcki etwas hätte hinzu- fügen wollen. Etwa ein „beneidenswert!" Und sie nickte nur. Co schritte» sie eine Weile stumm nebeneinander. tForlsetzung folgt.) Unter Zakuschimar Zeuerrege». Skizzc vo» M a r K a r l B ö t t che r. » Der Wachshändlcr Hiogo .Halodakc siand im Rosengarten vor feinem Hause. Unter ihm lag im weilen Bogen, i» Terrastc» die herrliche Stadt. Hier und da blitzten schon Lichter ans, mid weiß weit in der Ferne tauchte goldglänzend das Tagesgcstirn in'» Meer- Der junge Hiogo wir ein Natnrschivärmer. Jene Stunde abends in feinem Rosengarten, wenn er über das sich zum Schlafe rostende Kagoshlina blickte, wenn anj Zephirs linden Flügeln d».- an die Insel Snknraschima brandende Meer sein Wellengeslüster lnrauj in seine S;öbru sandle, wenn des Vulkans zerrissener »ralergipset mit zierlichem blangranr» Danipskränseln die Himmel grüble, dann fühlte sich Hiogo glücklich. Er war einer der moderuen Japaner, die trotz eines langen Ausenthaltes im Ausland« chr Vaterland leidenschaftlich lieben und sein Emporblnhen zu ihren heiligsten Wünschen rechnen. Sein Rosengarten stieb an das Grundstüek des Seidengiotz- händlers Tsushima. Während der feuchte» Zeit ivohnte Tsnshima in seiner Billa drunten am Hafen von Kagoshima, aber sobald die 187 pirschen sich zur Blüte rüsteten, verlegte der Handelsherr seinen Wohnsitz i» die .Höhen am Abhang deS grollenden Vulkans, wo sich im Lause der Jahre eine reizende Pillcnkolauie gebildet halte. Auch Eda Tsushima, die Reizende mit den läckzerlich kleinen Fnßckien Und dem allerliebsten Slnmpsnäsckst'ii der Welt, des Seibengroßhändlers einzig Kind, kam alljährlich mit herauf, betreut von der alte» Amme Narawa Hiogo hatte oft mit dem Mödelcken gesprochen, halte ihr die sckwnstrn Rosen seines Gar- lens geschenkt und ihr von feinen« wohlriechende» Wachs, das er als Ccra japonica in de» Handel brachte, nianckxs Tlnckckieu abgelassen. So waren sie Freunde geivorden durch manches Jahr. Freilich, der l>andelsstolze Tsushima lieble diese Berlraulickcheit seines Töchlerchens Mit deui Kleinkrämer Hiogo Hakodale nicht; und als er das Kind eines Tages wieder am Zaun im tändelnden Gespräch» mit Hiogo fand, verbot er der alten Dienerin er zürnt. Mit Eda je nneder diese Seite des Gartens z» betreten. Das Ivar vor Jahren gewesen. Nnletdes war die leidende -Hutter Edas gestorben und das Kind zu Berwandten nar!> Tokio gebracht loorden Seit gestern nun war Eda wieder daheim. Am Vormittage halle die Amme Naraioa den Wachshändlcr getrosten und ihm Grüße von Eda bestellt. Hiogo freute sich ungemein. Roch war er unbeweibt und lveun er des Abends unter dein Maulbeerbaum vor keinem Hause saß. da schweiften seine Gedanken wohl manchinal nordwärts, und inaitcher Schwalbe, die über ihn dahin schwebte, trug er Grüße aus sür die kleine liebe Eda. Und nun loar sie wieder daheim. Was ivürde man in der Frenide aus ihr gcmactst haben? Sie l)ailc ihn grüßen lasse», also gedachte sie wohl auch noch seiner, und >var geimß »iä,l stolz geivorden, das liebe, zierliche Gcschövl- chstii. Er dnrilischritt jetzt dcdächstig und mit einem Frohgesillst das er bisher noch nie gekannt, seinen Garten. Er trug europäische Kleider, Und kstttte seinen Zopf, wie viele seiner StannneSbrüder, »nler dem Kragen verborge». An der Jasminlaube, dicht ani Jan», bog sich jetzt das Gezweig auseinander, und ein rundes Gesichlchcn mit blitzenden Augen »nd lackendem Munde lugte hervor und ries: „Hiogo!" Dann war das Köpjchen verschnmnden, die Zweige nickte» ein vaarmal dedä hlig, dann standen auch sie still, und nur der Zephir, der weich durni das blülensck-tvangere Gezweig loste, stlnueichelte den jungen Blättern leises Rauschen ab. Hiogo Mir stehen geblieben. Er läckstlte und schrill dann behutsam zur Laube, »nd jetzt sah er Edas rosasclümmerndes Gewand. Als sei eS der Frühling selbst, so lieblich schritt sie dahin, Uno als sie sich enideckl fand, kam sic mit einem Lache», das eine Weit voll Glück verkündete, hervor, und nun standen sie Hand in .Hand und sahen sich in die Auge». Nun trafen sic sich alltäglich bei scheidender Sonne in der Jasminlaube; Und zum Kirsckchll'itcnsest, als rin einziges Jauchzen durch die dlistelodernde» Gärten ging und das Volk in Dort und Stadt sich verbrüderte, da sah die grünumrankte, romantische Laube, wste zwei sich küßten, und einer jungen Nachtigall ging diele Liebe zn Herzen. Sie span» in ihrem Kehlchen ein himmlisch Svhärenlied und »mivob das erste Küssen der schönen Eda mil einem zarten Schleier wunderkamsle» Klingen- Wenige Tage später kam .Hiog» .hakodale aus dem Kontor des Sri drug roß händl ers Riigalr Tsushlma druiltc» am Kai Tac ivar krin fröhliches Antlitz, das der junge, verlieblc Wackw Händler zeigte, das ium'» nicht lackxnde Angen eines Maiuies, der zunr Kirtchbliilensest baS scktönste Kind Japans gckiißt Halle. Ter alte, bandclsslolze Tsushima, dem er sich als Eidam angelnagen, hatte ihn roh und holmisch verlacht, ihn eine» Betlelkrämer genannt tmd (Ijm die Tür gewiesen. Und als Pater Tsushima nachmittags heim lehrte i» sein Sommcrhehir, da Hatto die kleine, zierlicke Eda ivahrlich keine gitte Stiiude. Der Pater verbot ihr uiilcr Androhung neuerlicher Eittscndiiug »ach Tokio jede weitere 'Annäherung Mi! Hiogo Hakodale. Für die beide» Liebenden begann »u» eine trauriae Zeil des Enlsagens. Wenn Hiogo abends in seiner Laube saß, allein Und verlassen, klagte er Frau Nachtigall sein Leid, und die Sängerin der Liebe flötete nun ein traurig sehniiiä.tsvolles Lied. An einem jener Abende kau, Bonin Kanasoiva, ein Geschäftsfreund Hiogos, der unweit ei» kleines Landhaus befass mit jorgenvollcr Miene zu Hiogo. „Was sitzest du hier und sinnst, Hiogo? Wache ans nnd de stelle dein Hans, denn bald wird, sürchl' ich, deine Liebessorge einer größeren weichen, der Lebenswege." „Was soll das heißen, Bonin? Kündest du mir neues Unglück? Will Viio Fushi meine Wachslieserung nicht zahlen, die du mir vermitteltest?"' „Ach, laß ihn zahlen oder »ich!. Es nxrd dir und ihm wenig srttchle». Was sind diese paar huuderl Pen gegen das Leben, und wenn es das nackte, bloße Dasein wäre!" „Bonin, so sprich doch! T» machst mir Angst! Droht Krieg?" „Ha, mehr als Krieg, d» Träumer! Läßt dich deine blöde Liebessorge nicht merle», ivas um birir vorgeht? Komm mit!" Er führte den erschrockenen Hiogo aus seinem verwachsene» Garlcu an dir freie Seite des Hanscs, und da blieb Hiogo, vor Schreck fast gelähmt, stehe». Der Pulkan, sonst sriedlich sckimau- ckstnd Und sirlle, beschauliche Kräusel formend, batte sich mit blei- grauem Wolkeiidunst »indüllt.und aus seinem Haupllraler schosse» vicküe schwarze Tänipse himmelwärl? „Seil wann? Jck> merkte von all dem nichts!" stieß Hst,qo hervor. „Seit säst zwei Stunden. Und nun komm mit aus die andere Seite." Der Freund führte Hiogo an die Rückseite des Hauses, von >vo aus mau einen freien Blick über das Meer hatte. Und auch hier schoß jäher Schreck in Hiogos Herz; dem, in ivelß- gisckstendcii. hochspriiigendcu Dellen brandele die sonst so ivohlig atmende Flut und ihr fernes Rausck)eil war jetzt nustäl und schwellend. Und in Cpriiigslule» schnellle» die gepeitschten Wasser über den Bord des Kais. Eine unheilverkündende Stiinniiing lag in der Lust, als ob ein schweres Gewitter, von einer Gottheit eisernrr Faust noch in Fesseln gebanut, n» de» Kellen zerre, unr dann mit langverhaltener Wut über die Menschheit herein- zubrcchen. Und wie die Freunde so jchauten und ihre Bejürchtungei« aiistauschle», ging ein Grollen durch de» Erdleib, dunipi lind bang, und ein .Zittern mackste Berg mrd Insel wankend, >uch iegt schoß, einer Ziiklüpenralele gleich, aus des Sakuscknnia Vulkans gärendem Maule er» Feucrslrahl empor, hoch, unendlich hoch, und die Erde ivand sich in ivttdem Weh miler diesem Gebären von Feuer »nd glüheitdem Gestein. Noch stand jegliches «heschöps, Mensch und Tier, erstarrt von dieseiil 'Anblick uneird- lich schauriger Erlstidcuheit, als auch sckw» der Frucrregeu lzernic- derbrauste, als auch schon die glühend,» Flute», die aus des Kraters gärendem Maule slojsc», i» rasender Eile sich tallväris schoben. Ei» Wirbel, »nd noch einer, und ivo soeben noch Hiogos Haus stand, war ein wilder, wüster Fleck; nnd Ivo Hiogo gestanden, ragte plötzlich ein großer Maulbeerbaum aus dem Erdreich, die Krone zu Füße», die Wurzel» in jämmerlicher 'Anklage gen Himmel streckend. Hundert Meter auswärts, in Mcnitegos iäarleu, halle er gestanden, und d r Wirbel halte ihn in der Zettl eines Gedankens enliührt und kopfuntcr hier ringcpslanzt. Hiogo aber befand sich, er »vußte nicht, ivic das geschehe», u,plötzlich i» seines Nachbarn Tsushimas Brunnenkos, und Blut raun über seine Stirn; aber der Gluthauch, der mit sengender Hitze im Nii über der Gegend lagerte, trocknete ihm Blut. Wund«, Mund- Hir» und Haut. WaS kanr da. einem Lindwurm gleich, durch de» Garte» geschoben, feurig, glühend, leszeud, einzelne lauge, sengende, zündende Arme, greulichen Ponipeniangen gleich, vrrkralleud? Hiogo, der an dem Brunneiisteiu klebte, stierte darauf. Ja, ei» Schreieir, ein Janimeril ließ ihn cruxickieu. Ja, >vas war das? Ging die Well stiller? Oder war die alle, morsch« Erdmutler wieder jung gewo>dcn lind gebar neue Welten? War diese? höllische Poller» und Kracken und Tosen »nd Zischen die ersten Schreie junger Erden? Und i»»nei neue 'Ausbrücke aus des Kraters Rochen, »nd z» all dem Tumult das Wahnsinnsschreie» brennender, sterbender Menschen. Ei» neues Jammergeschrei aus dickster Nähe erweckte Hiogo aus feinem starre» Schreck. „Eda! Eda!" klang die ersterbende Stin»nv> eines Mannes. Ter Ruf Eda gab ihm Besonnenheit wieder. Er drang in Tsushimas Haus, das nur »och zur Hälfte stand, und fand dort den allen Seidenhändler am Boden liegend nitd Eda vor ihm kniend. Eda ivar im Nack tgelvand, und sie schrie aus, als sie im Scheine de- wüsten Fanales Hiogo vor sich stcheu sah. „Fort, fort, Eda! Jeder Augenblick des Zögerns bringt lins den Tod." „Nicht ohne de» Pater!" entschied das tapfere Mädchen. „Wir trage» ihn." > Und sie beide hoben den jchwkrc» Mann, der einen OhnniachlS- aniatl erlitten, aus iind schlepvte» ihn hinaus. Eilt eiseniev Karren, des Gärtners Gerät, stand unweit der Tür. Daraus wollten sie den Vater lege». ?kbcr als Hiogo das Gefährt znreckst- rückte, entinhr rin Wchlaut seine»» Mund. Ter eiserne Karren wäre ein Bratrost geworden sür Tsushima, so Halle ihn die yttße Lust angeglüht. So schtevvtc» und schlcislen sie dci,^'Aermste» znm Garten hinaus, am glühenden Lavastrom vorbei. Das ickjöne, sck irarze Haar Edas sing Feuer, aber Hiogo, dessen Zop, anch schon zu sengen begann, schnitt mit einer kleinen 2ck>«re, die eil a» seinem Okuliermesser bei sich trug, Edas Haar ab und lieh es zu Bode» salle». Und nun »oeiier! Tic Augen auollen aus ihren Höhlen bei dieser Glut, Mund und Nase dörrten ans, und nun sing anch Edas Nackstgeivnnd a» zu sengen und der seine Stoß siel wie Zunder von ihrem Leibe. O, Not ist rein und heilig, und diese Not war groß! Hiogo riß fick; das Wams vom Leibe nnd lvollle die vor Scham erbebende Eda umhülle», aber ehe sie es noch ersaßt, ivar es ein Fetze» geworvc» >u>d flatterte davon. Da sah sic mit ihren keuschen Augen stehend zn Hiogo Dieser wies mit stummcni Weh aus die anderen fliehenden Menschen, die an ihnen vornberdajlelcn, und deren gar viele halb vier ganz »acki ivare». Ta lächelte die Reine inner Tränen und »nd faßte wieder de» ersterbenden Vater und iclbander trugen sie ilgi lalivärls. >vv es allgemach rrtläglich.r ioiirde. 'Aber dos Donnern nnd Zitlcrii nah»« lei» Ende Von neuem erbeb!« die Erde, oit so gcivaltig, daß die slieheiiden Menschen zn einem Häuslei» z»sainine»grw»rse» ivurden. als ob ei» schlecht gelaunter Gigant seinen Svaß mit ihnen treibe. Tic Stadt dniutcn war njt i 188 Trümmerhaufen, Hit einziges Wek,klagen, cmc flammend«, schwelende, wankende, schauerlich gräfliche Anklage gegen das Schicksal. „Aufs Meer ! Aufs Meer!" Das war die Losung aller Fliehenden. Undivas vom slammeuden Berge und seiner Wut verschont, das mordete sich hier am Hasen in eigener, selbstsüchtiger Gier. Wo sich ein Boot fand, das für zwanzig Raum bot, waren im Nu hundert Menschen, und Freund und Freund, Bruder und Bruder lnordete» und schlugen sich um ein Blätzchen im Kahn. Und buch Hiogo und Eda kamen mit ihrer Bürde an solch Boot. Der Batcr war jetzt endlich erwacht aus seiner tiefen Ohnmacht und konnte sich jetzt selbst wieder itotdürftig halten. „Zwei Plätze hier noch iin Boot, nicht mehr!" schrie der Steuerniann. Eda war hineingezogen. Entweder — oder! Ter Vater oder der noch vor wenigen Tagen von ihm geschmähte Hiogo. Der schob den Vater ins Boot, das im selben Augenblick absttest. Ein unsagbarer, schmerzzcrrissener, hoffnungsloser Blick ward Hiogo von dem Mädchen nachgesandt. Das war der Abschied. Aber der schwimmgeüble Hiogo svrang, gleich tausend anderen, in das ausgewühlte Meer, uni schwimmend das Festland zit erreichen. Und ihm war das Glück holder als jenem unseligen Leander. Er kam drüben an, ward von hilfsbereiten Händen ausgenommen Und gepflegt. Und der von ihm zweimal gerettete Tsushima wird, jetzt selbst bettelarm, ihm Eda nicht mehr verweigern. _ Die Herren veremsdiener. Ich bin ein gutmütiger Mensch und tu keinem gern etwas Böses, denn ich möchte auch gern ungeschoren bleiben, aber seit einigen Tagcii habe ich plötzlich einen Anfall bekommen und mm spüre ich eine Ivahre Mordlust, sobald nur die Flurklingel geht. Ich leide, ich leide unsäglich. Wenn ich einen rauben Männertritt aus der Treppe meines nach Giehener Grundsätzen billig und schlecht gebauten Hauses höre, darin ich für einen „Spottpreis" allen „Komfort der Neuzeit" vergeblich suche, wenn ich solchen Mäniicrtritt höre und die Wände schon eine Zeitlaug wackeln, dann packt es mich, reistt mich empor aus meinem bequemen Sessel, treibt mir has Blut in die Augen, die sich sehnsüchtig nach einem Mordtverk- zeug umsehen und murmele dumpse Berwüuschinlgcn. Und das geht nun schon seit drei Wochen so, tagein, tagaus. Ich sluche, ich schreie, ich winselte: es Hilst nichts, es nutzt nichts, der Herr Berciusdiencr hält mir mit unerbittlichem Lächeln die Quittung seines Vereins vor, dem ich unter Ach und Weh beigetreten bin, betäubt von der Redcgeivalt begeisterter Mitglieder, und unrettbar bin ich diesem Ungeheuer verfallen ... Er lägt nicht locker, aber er lächelt, lächelt mild und sanft und hält mir die Quittungskarte hin. Im Anfang l>ab' ich seufzeich bezahlt: !> Mk, 8 Ml., ll, Mk., 1.50 M^., 20 Mk. —■ da ward es mir zu toll. „Keinen Pfennig bezahl' ich mehr in diesem Monat, keinen Pfennig. Mein ganzes Monatsgehalt geht ja draus sür Vereinsbeiträge!" Und der Kerl lächelt uich lächelt: aber er geht nicht. Er lächelt nur und steht wie augcschraubt. „Aber, Mensch, was wollen Sic denn noch?" „Geld, Herr Doktor!" * „Kerl, ich bringe Sie um!" ,/Das haben mir heute schon drei Herren gesagt . . ." „Aber ich tu's wirklich!" brülle ich ih» an. „Das kostet noch mehr, Herr Doktor!" Ich stutze. Der Mensch hat recht, das ist keine Frage Aber was soll ich vun? Es ist ja, als ob die Hölle losgclassen wäre und all ihre Teufel zum Einkassieren geschickt hätte: Tag sür Tag einen, womöglich gar zwei oder drei an einem Tag, ;,i einer Stunde, zu einer Minute, und aNc niit demselben bescheidenen Lächeln, mit derselben duldsamen Siegermienc, dcniselben anmahenden Bcttelton... Es ist nicht mehr zum Aushaltci, . . . Und wann kommen sie, diese Menschen, diese von Gott in seinem Zorn crschasseuen Rachegeister einer schwachen Stunde, da man dcni Werben nicht widerstehen konnte und sich hilflos den Klauen des Vereins verschrieb . . . O, tvas ist die Qual eines Faust gegen diese Qualen oder das Schicksal des Herakles gegen dieses Schicksal. Eine» Monat März in Gieste» hätten sic nicht so leicht übcrstanden, denn da senden alle Vereine, alle, einfach all«, ihre feilen Sendboten au? und rächen unsere Missetaten und suchen den Menschen heim selbst im dritten und vierten Stock. „Mer, Mensch, Sie stehen ja noch immer da!" brause ich auf und balle die Fäuste. „Ich Hab' mit dem allem ja gar nichts zu tun. Ich tvar in keiner Sitzung, in keiner Hauptversammlung, ich weih nicht, wer Vorstand ist, ich kenne von der ganze» Gesellschaft über- hatipt niemand . . „Das sagen alle . . ." „Ich tveih nicht einmal, was der Verein beziveckt!" „Das sagen alle . . ." „Ja, ich bin ja gar nicht Mitglied!" „DaS sagen alle . . ." Da schmeiße ich ihm daS Geld auf den Tisch (es laugt gerade noch), werfe ihn durch die Türe und brülle aus wie ein verwundeter Löwe. Morgen erklär' ich meinen Austritt aus sämtlichen Vereine». vermischte». kos. Ein wunderbarer Traum. Von einem wunder- bareii Traum lind einer seltsamen Lebeusreltung erzählt Gras Bandisstn in se>»cni einst sehr bekannten, jetzt aber längst vergessenen Buche„Schleswig-Holstein meerumichlnngen". Er schreibt! »Der KainniergerickNsreserciidar Karl Krohn, Landivebrokstzter, wurde in, Noveinber 1884, ,vo noch liieinaiid a» den Krieg »itt Täneinark dachte, von seinein Freunde Ernst Rummel, der dieselbe Zivil- und Militärcharge vetleldcle, mit der Nachricht überrascht, daß er ihm, Niiiinnel, bei Miisnnde daS Lebe» retten würde. Rummel halte einen Traum gehabt, in dem thm dies verheißen ivorden ,var: er crimiette sich ,edoch nicht, den Namen Mtssund« zuvor gehört z» haben, inid die beiden Freunde schlugen unter Scherzen und Lachen in, Konversationslexikon nach, um sich zu ü erzeugen, ob es einen Ort dieses Namens gäbe »nd wo er liege. Wenige Tage nachher wurden Krohn und Rinnmel znin Dienst ciiiocrnscn; Krotm kam zum 60., Rummel, ivenn ich nicht irre, zum 50. Regiiiienl. Die Marschordre tras die beiden Freunde, denen das Leben in Berlin viel besser gefiel als das Biwakiere». lm Schnee, mie ein Blitz ans heilerer Höbe. Rumnicl tröstete sich aber, denn er ivar von der Idee nicht abznbrinaen, daß Kroh» ihm bei Missnnde das Leben retten ivürde, obgleich ihm die Sarve selbst etwas erschivcrt vorkanr, nachdem sie zu verschiedenen Trnvven- körpern kommandiert worden ivaren. Sie halten sich mehrere Wochen nicht gesehen. Kei uw lonüte, ivo das Korps des andern stand, als iie beide geaen Missnnde vormarschierien und beide mit ihren Abteilungen über das Eis gingen. Krohn lag gedeckt tjintec einem Knick und ermahnte seine Leute, ruhig zu ienern, als er plötzlich dicht neven sich Numiiiel bemerkt, der eben angelommeii ist und voll Begeisterung stürmen will, lleberrascht durch daS uiierivartetc Begegnen rust er mit lauter Stimme: »Rummel I" Ter Gernsene dreht sich rasch »>« und in denckelbe» Augenblick streift eine Kugel seine Brust, die ihn durchbohrt haben ivürde, wenn r noch eine Sekunde in seiner vorige» Stellung geblieben ivare. Krohn halte nllerdnias feinem Freunde das Leben gereitet und der Traum ivar bnchslä.ckirh in Erinllnng gegangen. " Berechtigte Bitte. Arzt zum Patienten: „Das lrarr aber ein vöscr Fall! Nur Ihrer guten Konstitution haben Sie es zu verdanken, das; Sie diirchgckommen sind." Paiieni: „Lkckr, bitte, Herr Doktor, denken Sie daran doch, tvenn Sic die Rcchnnng schreiben. Sprachecke de» Allgemeine» Deutschen Sprachverein». ' Knabe und B o a c l. tEinc Fabel von der dentlchc» Svrackie.j Vlul einem ?lflo saß ein Vogel n d sang Da laut ei» Knabe »nd suchte ihn z» fangen. Er lockte ihn mit Blecken und Schmeichelreden und titelt ihm ei» Stuck Zucker bin. „Komm zu mir," sprach er, „bei mir sollst ei, alle Taae ein lustiaes Leben sichren." „Lustig?" irnqle der Bogel, „ich durchschaue deine List. Ich soll mich von dir langen lasten, damit b n dich über mich lustig machen kannst, 'Rein, mein Ast ist >n>r lieber als ein Käsig von lauter Gold. Nur die Freitzeit ist meine Lust." „Ader", lockte der Knabe iveiter. „ivelche traurige Freitzeit in Wind. Regen und Schnee, ivo du hnngern und hie i eit mußt I Wie armselig lebst du, und >vie gut kannst d» es bei nur haben, ivo du cln ivarmer Nest »nd reichliches Futter bekoinnist!" „Ich danke sür deine Pflege", entgegnele der Bogel, „in ihr verliere ich meine Federn, verlerne ich meinen ('Klang und verkümmert inenie Gestalt Nur in der Freitzeit gcdeitzt meine Schönheit." ..W>e dninm du tztll", inhr ärgerlich der .Knabe ioit, ..dort oben lauert die Wildkatze »nd liier innen toniint der FnctzS. Willst du denn eivig in dieser Gefahr leben?" „Das verstehst d» nicht, törichter Kiiabe, dast die Gclatzr mein Leben ist. Durch sie Iva lisen meine Sclnvinaen, übt sich ineine Uralt und schälst sich niein Blick gegen alle meine Jelndc." Svractz's und flog davon. — 'Ist nicht unsere Svractze dem Bogel gleich? Wenn sie sich von liemden Völkern etnsangen liest, dann ivar sie versvotlei. vermistalle! »nd ohnniächlig. In ihrer Schönheit, Freiheit und Kraft kan» sie nur leben, ivenn st« deutsch ist »nd deutsch bleibt. Teich (Köln). Lrgänzungzräisel. G . . st - - M. n. c.. n W. r, e . u . eh' S... ä. t . 1 . 1 , ».. d, r, .. ch e.h.b. e. .u. h ,v.. d.r, ..st .o .t.a. d..c. M.n.c..n g..c.eh'.I Auslösung in nächster Nummer. Auslösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummer: