JBffijirratödjter. Roma» von Paul Grabet n. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Na den» addio —. las; dir die Zeit heute abend nickst allzulang tverden." Astrid, schon fürS Theater fertig, sagte es zu Gerda und fügte dann noch Hinz»: „Eigentlich bist du doch furchtbar dumm. Dich selber nur ein Vergnügen zn bringen, das- dir im Grunde ja auch Spaß macht — leugne es dock, nicht! Bloß aus Stolz, ans blödem Stolz." Gerda lehnte iiti Korbsessel und betrachtete die Agraffe ihres schmalen Halbschuhs. Nun erwiderte sie, ohne aufzusehen: „'Du kennst mich doch einmal: er soll sich nichts cin- bilde» dürfen." „Als ob er das dürfte! Bloß, weil dn auch noch zu seinem ztveiten Gastspiel gehst Aber — jeder nach seinem Geschmack, (sch freu' mich rasend auf heute abend. Heinz Keß ler als Othello — das wird eine Sensation Sicher! ’Jh,. also be.ii’ lochmals adieu.' Sie küßte die Schwester zum Abschied, im Ueberschwana ihrer (rohen Stimmung. „Und ich berichte dir nachher auch alles haarklein, wie es lvar. — Du, übrigens," sie war schon an der Tür, ..sollte er heute lvieder so nach unserer Loge sehe.: Lo) halt' ihn schadlos für dich!" U>ld mit ein in uckende,, rtujlachen war Astrid hinaus. Anstatt der Schwester wollt: nun heu:- die Mama mit ihr gehe». Othello, ein ilastisches Stück — öc konnte auch sie sich ja ruhig im Theater zeige». Gerda blieb noch eine Weile in ihrem Zimnier, im Sessel znrückgelehnt. Das Haus war so still, auch die ano.r » awreu heute fort, da hatte man vollauf Gelegenheit au-zu,lenke». Wenn das nur erfreulicher gewesen wäre. Aber orese Einsamkeit in dein Hause tvirkte so ansteckend. Ordentlich zum Melancho- lifchwcrden. Was war das für ein Leben! Lohnte es sich eigentlich^ überhaupt da zu sein? Jeden Morgen, wenn man aufstand, fragte man cs sich von neuem: Wozu nur? Damit ein Tag sich abrollte, stnmpf-- sinnig, eintönig wie der andere. Ohne inneres und äußeres Erleben. Ja, wenn man ivcnigsteiis noch irgendeine richtige Beschäftigung gehabt hätte! Aber das bißchen „Sicknnntzlüh- machen" im Hause zählte doch nicht mit, und eivig über einer Hausarbeit sitzen tvie Edith? Schrecklich! Auch das Tennisspielcn, das einzige, tvas man hier hatte, wurde einem doch schließlich über. Nur daS Reiten machte wirklich Freude. Aber lvanii kam mau mal dazu? Wenn man doch kein eigenes Pferd hatte und also darauf angewiesen war, den Tag abzupasscn, wo die „Walküre", die alte Rappstute, die auch vor dem Krümper ging, einmal glücklich frei war. Und Gerda von Heiming seufzte. Langsam sah sie um sich. Ihr Blick siel in den Spiegel des Ankleiocschrankes. Der zeigte ihr ihr Bild, znrückgelehnt iin Sessel in ihrer jungen Schlankheit, das seine, schöne Antlitz, über dem es jetzt nur lvie ein Schatten lag, und die dunklen Augen, i» denen ei>r trauriges Suchen stand. Ein Suchen ■— wonach? Durch ihre Seele ging wieder jenes heimliche Sehnen i heraus aus der Enge hier, hinein ins Leben! In ein glänzen^ des, reiches, buntschillerndes Leben. In die große Welt. Dt« gab es doch; es war doch kein bloßer Traum. Tausende waren da draußen, die führten dies bevorzugte Dasein. Jene, diq in der Großstadt lebte», wo alles zusammenströmte: Schönheit, Geist, Glanz und Reichtum. Jene, die ein großes Hans führten, interessante Menschen um sich sahen, die erlesenä Kunst genossen, wenn sie wollten, und die — wandelte sis die Lust an — in den Zug stiegen und dem grauen Winter entjlohe», hinunter dem lachenden Süden entgegen. Und lväre sie nicht auch dazu geschaffen gewesen, einem solchen .Hanse vorzustehen, ein solches Leben ans de» Höhen zu führen? Warum aber hatte sie der blinde Zufall hier hinein-’ gesetzt in die dumpfe Enge, die ihr ein Gesängnis war? im der sie verkümmern mußte, langsam hinwclke», bis der Reiz der Jugend verblaßt war? Wie eine Augst kam es plötzlich über das Mädchen. Als müßte sie festhalten, was ihr da durch die Finger gleiten wollte. Und sie sprang auf. Tief atmete sie, in innerster Er-, regni, g. 1 Ihr Blick streiflc dabei die prächtigen Orchideen im hohen Stcngelgtase. Sic liebte diese eleganten, schlanken Blüten mit dem Duft einer fernen Wundcrwclt, und seit sic dies einmal in, Gespräch zu Pcterse» erwähnte, brachte er ihr oft die Lieblingsblumen. Brachte sic noch immer — trotzdem er mit all seinen Aufmerksamkeiten keinen Schritt vorwärtsgekommen war bei ihr. Klaus Petersen! Zeigte sich da nicht der Weg, der ft« hinaussührte aus ihrem Gefängnis? Er lvar in der Lage, einer Famu viel bieten zu können. Seine Verhältnisse waren sehr gut, und sie wußte, — er hatte es in, Gespräch dnrckf- blickci, lassen — er hatte selber Freude an, großen Lebe», hatte lveite Auslandsreisen gemacht, er würde feiner Frau einmal nicht zumute», hier dauernd tu dem Nest zu sitzen. Sein Geschäft gewährte ihm viel Unabhängigkeit vom Ort. Also, die Aussichten, die sich da eröffnete», hatte» etwas Verlockendes — und dennoch, dennoch — Ja, wenn sie eine oberflächliche Natur lväre, nur ein Genußmensch. Aber daS war es ja eben. In ihr wurzelte lies doch auch daS andere: das Sehnen nach einem volß- lvertigcn Gefährten, nach einem Manne von überlegener Kraft, der die Führung übernahn, auch in ihrem Innenleben. Es war das ja vielleicht etwas sehr überflüssiges. Sie verspottete sich oft selber damit. Altmodisch, rückständig lvar 170 — fte. Was sollte der Gesühlsballast? Kam man nicht viel wei 1er ohne ihn? Lehrte sie nicht sogar die eigene Mutter, nur der Stimme der Berunnst zu folgen, das andere brachte doch nur Unglück und Enttäuschung? Aber doch um jenes andere in ihr. eS war das stärkere. Das Erbteil vom Vater ojsenbar. I» ihm hatte der Alltag doch nicht ganz den höheren Zug anslöschen können. Von seiner Tüchtigkeit, die nach inneren Werten suchte, war viel ans die Tochter nbergegaugc». „Du bist ja doch mein Kind!" Sie verstand nun das Wort, das er so manchmal mit leisem Stolz vor sich hin gesprochen' hatte, lveiiu er sie im Arni hielt. Ja, sie tour sei» Kind — aber sich zum Glück? Ob sie nun den Weg ging oder jenen — etwas in ihr blieb doch! stcls unbefriedigt. Lang klang der Seufzer durch das stille Mädchen 1 limitier. So schwer, beklemmend legte sich ihc heute die Luft in dem geschlossenen Raume auf die Brust. Da ging Gerda hinaus, aus dem Haus in den Garten, zu dem er- höhte» Sitz au der Mauer. Hier saß sie und blickte aus die Strafte hinaus. Aber da ivar auch nichts, was sie aus andere Gedanke» gebracht hätte, lim die Dämmerstunde tvie jetzt zeigte fick, kaum noch jemand; und das einzige, was sie hörte, war der eint förmige, schwere Schritt, mit dem drüben vor der Hans- tür der ivachhabcilde Posten aus und ab ging. Trostlos auch das hier. Plötzlich aber machte sie ein anderes Geräusch doch ans- horche». Ein klirrendes Ausstößen ans dem Pflaster — ein wohlbekannter Laut: da muhte ei» Offizier die Strafte herauskomme». Sie beugte sich ein wenig über die Mauer brüstung vor. Richtig — da kam Walter Kyllburg Ru» ivar er heran. Er schwankte offenbar erst, ob er nicht nur grüßend weitcvgehcn sollte; daun aber verlangt {einte er doch seinen Schritt und blieb jetzt vor ihr stehen. Gerade unterhalb ihres erhöhten Sitzes. „Guten Abend, Fräulein Gerda — jo allein hier? Warum nicht auch im Theater?" Es Ivar ein Forsche» in seinem Blick. „Ich mache mir nicht viel ans dem Othello. Zu viel Leidenschaft. Was saugen wir Modernen damit an?" „Ja, Sie haben recht. Wir lerne» hübsch verstäub,ist sein, jedes »»passende Gefühl beizeiten unterdrücken." „llnd ivir kn» nur recht daran. Sic werden cs auch schon noch verstehe» lernen." „Mag sei» das Leben macht ja so viel ans einen,." Milde sagte er es, und sie vermieden es beide, einander anznsehcn. War es doch das erste Zusammensein wieder zu ziveit, nach jener Stunde damals im Walde. Tann aber hob er doch de» Blick zn ihr empor. „Ihre Gedanken waren mich keine srendigen, als ich kam." „Wo sollte» die auch Herkommen?" Und mit einer verlorenen Bewegung griff sie ins Blattwerk neben sich. So sagte sie nach einer Weile inii leises Bitterkeit t „Ich habe philosophische Betrachtungen angestellt, und wissen Sie, Ivas meiner Weisheit letzter Schluß war?" Er schüttelte de» Kops. „Die unglücklichsten aller Menschenlinder sind die, denen die berühmten ztvei Seelen in der Brust wohne»." „Ich verstehe Sie nicht ganz, F-rcinlei» Gerda." „Run sehen Sie -- ziim Beispiel meine Schwestern Edith nnd Astrid — zlvei entgrgngcsehte Pole, aber jede eine in sich geschlossene, einheitliche Persönlichkeit." Er nickte jetzt. „Edith, ganz Pflichtgefühl, ich möchte sagen, eine soldatische Natur, könnte nie ganz unglücklich werden, iva-s das Leben auch mit ihr machen würde. Ihre Pslicht nnd Schuldigkeit tun, aus dem Posten, wohin sie das Schicksal einmal gestellt hat, au-sharre», das ist ihr Ehrensache, nnd das gewahrt ihr auch eine stille Besriedignng, die sie alle Entbehrungen ertragen läßt." „Da haben Sie wohl recht, und Fräulein Astrid?" „Ist in ähnlicher Lage, wiewohl gänzlich anders geartet. Aber auch sie 'hat den Vorzug der Einheit ihres Fühlen-) »nd Wolle,is. Auch sie würde jich znrechtsilideil in jeder Situation, mit ihrer glücklichen Gabe, das Leben stets von der heiteren Seite zn nehmen. Aber im übrigen! ist sie Tatmensch genug, nicht bloß geduldig abzmvarten, was das Schicksal mit ihr vor hak. Sie ivird selber ein bißchen »achhelse». Und sehr llug und geschickt, vielleicht sogar etwas unbedenklich, wenn nötig. Aber sie kommt an ihr Ziel nnd tvird einmal ganz zufrieden {ein. Dessen bin ich sicher." Er neigte zustimmend den Kopf. Daun aber sah er Gerda an: „Und Sie selber?" „Ja — ich." Und ihr Blick glitt in-s Weile — in die graue Dämmerung, die hinten in dem alten Garten spann. „Ich bin eine Doppelnatur. Bon jeder der beiden etwas. Das bedeutet immer Konflilte - den ewigen Kamps zwischen Sehnen und Pslicht, zwischen Wollen und Können. Wo >oll da Glück, Zufriedenheit Herkommen?" Die Hoffnungslosigkeit, die aus ihren Worten klang, crgriss ihn in tiefster Seele. „Gerda!" Und seine Hand ivollle nach der ihren neben ihm auf der Mauerbrülning greisen Aber sie schüttelte nur mit stumme! Abwehr il;r Haupt und faltete die Hände um das übergeschlagene Knie. Sv blickte sie still vor sich hin, mit einem Ausdruck trüber, doch fester Entschlossenheit. Da sank auch ihm die Hand loteder hernieder, und schweigend stand er neben ihr. Bis der schlverc Tritt des Wachtpostens -drüben vorm .Hanse ihn an die Situation erinnerte. Ec konnte hier doch nicht etvig so stehen. Da begann er wieder zu sprechen. Irgend etwas Und er knüpfte da an, wo sie sich gestern getrennt hatten. ,,Icl> war gestern noch eine ganze Weile bei Rasunissen." So?" Sie sagte es immer noch mit jenem verlorenen Blick. „Es ivar nämlich ganz interessant, das Publikum dort zn. beobochren, während dieser Herr Keßler dort anwesend war." „Das kann ich mir denken." „Ja, man sollte es nicht für möglich halte», daß Mädchen ans gutem Hause sich so geschmacklos benehme» könne». Uni solch eines Thealerhelden willen. Es muß doch etwas Besonderes an dieser VIrt von Leuten sein, das- ivir gewöhnliche Sterbliche nur nicht zu würdigen wissen." ES war, als wolle über Gerd-aS Gesicht ein Schatten ziehe». Aber dann lachte sie vlönlich leise ans Er sah sie an, und seine Stirn furchte sich. „Sie lachen über mich!" „Und sollt' ich etwa nicht?" Es zuckte in Kyllburgs Mienen wie in innerem Kampf. Tann hatte er das endgültig üderivundeu, was da seil gestern, ihm selber zum Aerger, immer wieder gegen sein besseres Empfinden anging tlnd ruhig konnte er ihr nun in die Augen sehen, die ihn noch immer mit einem leisen Verspotten anblickte». „Sie konnte» in der Tat glauben, mich auslachen zu dürfen, Fräulein Gerda? Aber Sie irre» sich dennoch." „Das müssen Sie mir doch erst beweisen." „Bitte, ans der Stelle. 'Also: ich habe diesem .Herrn Keßler gestern allerlei abgebeten." Er erzählte von der Abfertigung seiner allzu ansdringlichen Verehrerinnen, nnd schiotz dann: „Ich fand das wirklich sehr anständig von ilini Ich muß überhaupt sagen, der Mann hat mir im Grunde gcsallcn." So, im» hatte er es hcransgebracht. Es hatte ihm doch einige Nebcrwiuduiig gekostet. Aber er hatte es sich abg» zivnngen. Wie eine Buße, die er sich selber anserlegt hatte für allerlei Gedanleiinnrecht gegen den anderen. Und auch ihr gegennbei. Sie sollte doch nicht denken, daß da vorhin kleinliche Eifersucht aus ihm gesprochen hatte. tFortsctzung folgt.) Im vo^elsbekg. Bo» Th. C c l l a r > » s. t Fortsetzung.) Bilder ans den, Niddrrtal. Wen» man von der höchsten Ansiedelung Hessens t.Herchenhain) aas einem Fahrweg in iädirestlicher Richtmig steil bergab gestiegen ist, gelangt man bald in ein immer noch hoch gelegenes, tu den siuisziger und sechziger Jahren des vorigen Jahrhundert-s noch sehr armes Torf: nnd wer am Svälherbst oder Winterabend hindurch ging, sali aus den Fenstern seiner armseligen Häuser de» Flackerschein der- Lichtspanc- in die Gasse keuchten. In den ticser liegenden Orten des BogelSberges wurde — ehe sich die Petroleumlampe dnrchgesetzt hatte — ungctäuterlcs Leinöl für die zhtinderlose», Ilci» 171 »cn Lichter gebraucht. Ta- war durchaus feine glänjfiibf Beleuchtung I Aber die Leute oben waren froh, wenn sie Oel kür ihre Stallichter und Laterne» — und mrr Schmälzen ihrer rauhe» Kar- rossel und Mehlspeisen batten! Deshalb bliebe» >ic den« aus den c,roßen Waldungen der- Gebirges leicht und lail kostenlos zu gewinnenden Liästwa» treu, der schon den Alwvidercn die Nach! erheNk hatte. Wahrend seines Brennens inmitten der Wohnstuben über einem Kübel voll Wasser, in das seine Abfälle siele», mußte rr unausgesetzt von einem der Hausgenossen bedient werden. Alte Männer und ilue.be», aus deren Hilfe beim Verdienst nicht gerechnet wurde, batten dadurch ihre nützliche Beschäftigung, indessen die übrigen Glieder der Familie spanne», Lössel schnitzten! oder Körbe flochten Bon diesem Tors an senkt sich der Fahrweg allmählicb, um in rascher Auseinandersolge durch zwei weitere Dorier zu sühren, che er an der Staatsstraße endigt, die den stark von Handele juden -bewohnten Marktilccke» Gcdcr» mit dem Kreisstädt- chen Schotten verbindet. Das letzte dieser an deni Fahrweg gelegenen Dorier ist das größere und wohlhabendere: und durch seine von der Nidder durchzogene Gemarkung, bic in« Grunde fruchtbar ist, streichen die Gebirgslüste schon bedeutend milder als eine Stunde weiter oben. Das Tors besteh! ans einer langgestreckten, von dem Fahrweg gebildeten und dem Back) iolgenden, Hauvistrasze, die in der Mitte von einer kurzen Gasse durchkreuzt wird. An diesem Punkt, dem Hauptvlatz des Lries, sieht die Kirche: und wen» man der an ihrer Schmalseite derziehenden Gasse, der P'arrgasse, folgt, ist man bald an den letzte» größeren Häuiern angelangt. Zur Liu- I>» sind es zwei Bauernhäuser: zur Rechten »and bis zum Schluß der sechziger Fahre iwch das alte, stattliche Psarrhaus. Es hatte lihon einer großen Folge von Psarrleuten, die mir der in früheren Feiten, besonders in solchen Häusern übliche«, große» Kinderschar gesegnet waren, als geräumige Wohnung gedient — einem dieser Geistliche» halle e§ sogar »och Raum zu einer Erziehungsanstalt sür Knaben geboten aber als eS erbaut wurde, hatte es sich nicht träumen lasse», das: es als Pfarrhaus enden würde. ES soll nämlich früher ein Fagdichloßchen gewesen sein; und man konnte ihm seine ursprüngliche Vornehmheit auch noch anmerkcn, trotz der durchaus unarisiokratischcn Lchar von Pjarrbubcn und Mädchen, die sicl: jetzt darin herumtriebcn. Stattlich und würdig sah es mit seiner Vorderseite aucl: dann noch jedem Herannahenden entgegen, als es, der Gebrechen seines Alters wegen, Hinte» schon mit starken Stützen versehe» war. Hinter diesen Häusern setzt sich die immer enger, steiniger und steiler werdende Gasse noch ein Stückchen fort, >s liegen noch kleine Häuschen zur Rechten wie zur Linken, ehe sie am Eingang des zum Pfarrhaus gehörigen schönen Grasgartens endigt, in welchem an einem hohen Waliiußbaum, sowie an etlichen Birnen und Pflaumenbäumen in guten Jahrgängen auch Früchte reiften, zur Freude der jeweiligen Psarrkindcr. Fn diesem Tors, in dieser Gaise habe ich einst Bild um Bild in mich ausgenommen und sie im Gedenken bewahrt; auS welchem Grund die mm folgenden „Bilder aus dem Nidderlai" ausstcigcn werden. Allein die dazu gehörigen Menschen sind sclüichtc Leute: Bauern »nd Hirten, Dorskinder und Arme, die vor den Türe» um ein Srück- lei» Brot baten. Nicht zu vergessen der Piarrersleute, die auch schlicht — im bcsicn Sinne des Wortes — sein oocr werde» mußten, wenn sic der Genieinde etwas sein wollten. Wer also von so schlichten Leuten nichts hören mag, lege ruhig diele Blätter beiseite! Ein Abschied. Ein strahlender Augullmorgen im Fahre 1858 war bis zur »ibiitcn Stunde vorgeschritten. Das war eine Stunde, in welcher während des Sommers das Dors gcwolnilich wie auSgcstorbcn schien, wenn sich nicht gerade die Schule entleerte, oder ein leerer Erntewagen ratternd hinaussnhr. Heute war es anders! Man sah Männer und noch viel mehr Frauen und Mädchen, die alle kein Ar- beilsgeräte in den Händen trugen, von der Hauptstraße über die sldidderbrücke »a.h einem kleinen, ab'ei's von vor Straße etwas- erhöht stehenden Bauernhaus gehen Was mochte diese Leute, die sich so scknver von der drängenden Erntearbeit losznreißen pflegte», veranlassen, es jetzt zu tun? Eine Beerdigung, die einzige Feier, die auch am Werktag vorgcnomnien werden mußte, war es nick», denn alle Leute trugen Alltagskleider. Aber dennoch war ein Abschied die Ursache und zwar voraussichtlich einer au: Nimmerwiedersehen. Eine Mutter mir vier erwach- scnen, wen» auch noch recht jugendlichen Kinder» — von welchen das zweite ein Sohn und die anderen Töchter waren — schickte sich au zur Reise über das große Wasser, und die Leute, die kamen, sollten den Scheidenden ein letztes Lebewohl sagen. Tas waren in erster Linie Leute, die ihnen immer nahe gestanden hatten: Verwandle, Freunde und Paten der eiindet, aber auch iolche, denen erst die nahende Scheidestnnde das Bewußtsein der Znsammcnge- börigkeit mit der aus der Toriqemeinschast krheidrndeu Familie ge- schärst batte. Und auch au bloß Ncngler.gcn, welche di? Sucht, etwas Außergewöhnliches zu erleben, das Wohlgefallen an Rühr szencn hergctriebe» Halle, fehlte es nicht. Tie zur Answendernng bereite, in den mittleren Fahren llihenvc Frau war seit neun Führen Witwe, und trotzdem sic es tvider an Fleiß noch an Sparsamkeit hatte fehlen lassen, war scitden: t>e Rot langsam aber unerbittlich a» f ic herangetrete»; und die Not des Lebens HKtr es, die sie zwang, die Heimat verlassen. 3» den reichen Bauer» hatte» sie und ihr Man» nie gehört, aber ebensowenig zu den ar»:e». Sie hatten sich schlecht und recht durchgeschlagen, dis Krankheit und in ihrem Gefolge Doktor u»c ^ Npothekcrrcchuuiigeu ins Haus gekommen waren. Bor allein aber hatte nach ihres Mannes Tod dessen Arbeitskraft gefehlt, durch, welche vorher des bißchen Wohlstand hatte bestehen können! Di; .Kinder im Alter von 5 10 Fahren waren noch keine Stütze in: die Witwe gewesen — so früh diese auch in: Vogelsberg z:> allen möglichen Arbeiten herangezagcu werden! Tie ältesten hatten das Vieh an die Weide getrieben, allein zur Feldarbeit inußten oft Taglöhner genommen werden; und wenn auch der damals übliche Taglohn uns heute äußerst gering erscheint, kostete er doch die Witwe mehr, als sie entbehren konnte. Man ineiß bedenken, wie rar damals das Geld in der Welt ivar und wie wenig gerade sür die Produkte, die der Vogclsberg ansiührk, bezahlt wurde! Als noch ei» Mißjahr und Unglück mit der Viehzucht dazu lan:, mußte die Witwe ihren Besitz mit einer Schuld belasten, die durch allerlei unsaubere Knifse des Handelsjudc», bei dem sie — in Ermangelung reeller Hilsskasscn — das Geld geborgt hatte, rasch verhältnisinäßig stark «»wuchs, so daß sie und ihre mm heraugc- wachsene:: Kinder das ganze Fahr in der Furcht vor de»: Jude» zngebracht und nur iür diesen gearbeitet hatten. Schon inchrmals hatte sic ihren: in jungen Jahren nach Anic- rika ausgcwanderkeil Bruder ihre Not geklagt, aber dieser, in der neuen Welt vrak:isch und vermögend gewordene Mann, war nicht willens gewesen, ihren ivankcnden Besitz mit seine,i Mitteln zu halten. Das verbot ihm einerseits die Rücksichtnahme auf seine eigene Familie und anderseits die Ilebcrzcngnng, daß sich sür seine jungen Verwandten bessere Möglichkeiten zum Borwärtskommcn in Ame- rifß bieten würden als an: den: kleinen Glut, ans welchem sich die Mutter nicht hatte halten können. Dementsprechend schrieb er seiner Schwester: „Verkaufe alles ivas du hast, bezahle die Schulde» und ko»,me mit Deinen Kindern herüber. Das ist der beste Rat, den ich sür Dich habe. Deine Kinder sind jung, kräftig und nnver- wöhnt; solche Leute kann man hier brauchen! Du bist auch noch jung genug, »in etwas leisten zu können, und Ihr werdet Euch hier, wo Euch kein Gläubiger drückt, wohler fühlen als zuhause. Deine Töchter werden ihre Partien machen und zwar um so bessere, je tüchtiger »nd häuslicher sie sind Diese Eigenschaften gelle» hier als Vermögen — und wenn sie Männer bekommen, die viel Geld verdienen, tonnen sie seidene Kleider »::d goldene Broschen. Uhren und Ketten tragen wie meine Fra»." Au einem Fanrilicnbild, das der Onkel einmal geschickt hatte, hatten die Witwe und ihre Kinder den Schmuck am Anzug der Schwägerin und Taute gebührend bewundern können, de:»: aus den Photographien, die damals ans Amerika in bäuerliche Familien kanrcn, war immer der Goldschmuck durch Goldsarbe bezeichnet. Außerdem hatte der Onkel noch geschrieben, dost er der Witwe und ihre» Kindern zu einem guten Anfang behilslich sein und auch einen Beitrag zu den Reisekosten schicken wolle. Was blieb der Frau anderes übrig, als seinem gut gemeinten Rat zu folgen.; mochte sic sich auch noch so schwer von der .Heimat trennen! I» der damalige» Feit, wo das Gebirge noch nicht durch Kleinbahnen erschlossen war, sing sür die meisten seiner Bcivohuec die Fremde schon jenseits des Kreises an, aber zur Auswanderung »ach Amerika entichlosscn sic sich verhältnismäßig leichter als zur Ilebersiedclung in einen nur einige Meilen cntscrnlen Ort. In i'stuerita datten sie Bekannte und Verwandte, und weil sic von den Gröhcvcrhällnilsen der Staaten keinen Begriss hatten, Hoisten sie allen dorr so sicher zu begegnen wie einst den Vorangegangenen im Jenseits. Fm Frühjahr hatte die Witwe den Brief aus Amerika erhallen und im Sommer Acker und Wiesen mit der daranistchenden Ernte verlaust. Auch Haus und Hof, mit allem, was dazu gehörte, hatte seinen Käufer gesunde», und nur die selbstgespoirnencn Lcincnvor- räte und etwas Bettzeug zur Ncbersahrt in: Zwischendeck sollte nebst den Kleidern mitgenommen werden. Nun war alles zur Abreise bereit und die Scheidestunde nahte, hl,» frühen Morgen ivar die Witwe mit ihren Kindern aus de» erhöht über dem Torse gelegenen Friedhof gegangen, dessen uralte, hohe Bäume die Dorfbewohner aus ihren Feldern und mitten in ihrer Lebensarbeit an diejenigen erinnern, die dort davon ausrnhen. Bon wie manchem Grab halte sie hier Abschied zu nehmen! Und ihre Tranen wcrcn stärker geflossen bei dein Gedanken, daß sic ihre letzte Ruhestätte im fremden Lande finden würde. — Und dann halten sie alle ihre Blicke noch cinnral über das Hcinrattal und die es umhegenden Höhen schweife» lassen bis hinauf zu dem Berg, au: welchem die Häuser des höchstgclegenen Vogelsberger Torfes in der klaren Morgenbelcuchlung deutlich zu erkennen waren. Zun: letztenmal! Warum schzeu auck: die Sonne so golden über diese Höhe», über alle Dächer des Torfts und bis ins grüne Tal der Nidder hinein? Tas machte ja das scheiden noeh viel, viel schwerer! * Nach der Rückkehr von ihre:» letzten Gang in der Heimat Neideten sich die Auswanderer zur Reise an, indem sie ihre besten Kleider dazu anlegteu: neue, modisch gcnrachte Kleider. Wie sehr diese unter dem Kohlenstaub und -Dunst der Eisenbahnen und der .Hafenstadt leiden würden, ahnten die Landlcute — die noch nie 172 gei'eiil waren, noch nie eine Eisenbahn und Noch viel weniger ein Schiss gesehen hatten — nicht. Als ans Amerika die versprochene Beisteuer zur Reise an- gekommen tvac, hatten es Mutter und Töchter sür ihre Plicht gehalten, sich so sein wie möglich zu der Reise nach den, „seinen Amerika" und zur Ankunst bei der Tante - die ihnen aus der PKotographie so vornehm erschienen war ■— a»Szurüsten. Darin waren sie von dem jüdischen Kaufmann im Marktslecken, bei welchem sie die Stosse zu den Kleidern gelaust hatten, und von der Näherin, die sie allgefertigt hatte, noch bestärkt worden. Nu» waren sie zum erstenmal damit geschmückt: und alle Leute die zum Lebewohlsagen kamen, sahen die jungen, in hellfarbige Sommerstosfe gekleideten Mädchen wie fremde Erscheinungen an. So schone Kleider hatte inan in diesem Dors noch nie gesehen! Während aber modischer Putz die ineistcn Bauernmädchen weniger gut kleidet als ihre volkstümliche Tracht, war er hier die passende Umrahmung sür die judendschöne Gestalt und sanfte Schönheit der ältesten Tochter. Die Türen in dem Allswandererhäuschen blieben weit geöffnet, denn es war ein fortwährendes Kommen und Gehen derer, die den Scheidenden noch einmal die Hand drücken wollten und meistens der Arbeit halber wieder bald nach Hause eitle»: die Frauen, indem sie mit der über ihre Alltagsgewanduirg gebundenen besseren Schürze die reichlich sliestenden Tränen trockneten. (Fortsetzung folgt.) Erinnerungen eines alten Musikers. Wilhelm Ganz, ein Mainzer Kind, kam 1818 als vierzehnjähriger Junge nach England, das ihm zur zweiten Heimat ? geworden ist, und eroberte sich bald als Klavicrkünstler, Orchcstcr- eiter und Lehrer eine hervorragende Stellung im Londoner Musikleben, die er ein halbes Jahrhundert lang ehrenvoll behauptet hat. Mit besonderem Eifer ist Elanz allezeit sür die Einführung deutscher Musikwerke in England tätig gewesen. Hochbctagt hat er seine Erinnerungen an die zahlreichen hervorragenden Persönlichkeiten des europäischen Musiklebens, denen er auf seinem laugen Lebenswege begegnet ist, in einem hübschen unterhaltenden Buche niedcrgelegt (Memories of a Musician, erschienen bei John Murray in London). Wen hat dieser Patriarch der Mnsikwelt nicht alles gesehen, gekannt, gesprochen! Richard Wagner lernte er zum ersten Male im Jahre 1877 in der englischen Niederlassung des Musikverlages Schott kennen, als der Meister nach London gekommen war, um eine Reihe seiner Werke in Konzerten zur Aussührung zu bringen. Wagner trug, als Ganz ihm vorgestellt wurde, Filzschuhe, weil er an Gicht litt. Ganz konnte ihm durch Vorlegung inner Anzahl seiner Kvnzertprogramme zeigen, >vie viele seiner Schöpfungen er in seinen Konzerte» den Engländern bereits besannt gemacht hatte. Wagner antwortet hieraus: „DaL freut mich wirklich sehr, denn wir brauchen arg Geld". In besonders enger Verbindung stand Ganz mit einem der bedeutendsten Verkünder und Dolnietscher der Kunst des Meisters, mit Hans Richter. Richter schrieb Ganz nach der Aussührung des Ringes im Covent Garden-Thealer im Jahre 1908 einen sehr bezeichnenden Brief, den Ganz im deutsche» Wortlaute mitteilt. Er lautet: „Für mich war das Schönste und Erfreulichste das Publikum: weiche weihevolle Stille während, und tvelchcr Enthusiasmus nach den Akten! Wenn man Wagnerverehrungen erleben will, must nian wahrlich ins Ausland gehen. Noch immer werden die Schüler der Berliner Musikschule vor deni Besuche der Waguerschen Werke gewarnt: selbst in der Feit der tiefsten Verkennung Berlioz hätte es kein Professor oder Direktor des Pariser Conservatoire gewagt, die Schüler von deni Besuche Berliozscher Ausführungen abznreden: aber in Deutschland ist cs noch heute — zwanzig Jahre nach des Meisters Tode — möglich, unehrcrbietig über Richard Wagner reden zu hören." Zu den begeistertsten Vorkämpfern sür den Meister von Bayreuth und seine Sache hat bekanntlich vor seiner „Umkehr" auch HanS v. Bülow gehört. In dieser seiner Wagncrzcit schrieb Bülotv, der ja in seinen Aeustcrungcn ebenso extrem wie geistreich zu sein pslegtc, einmal einer jungen Dame in ihr Stammbuch den gctvagten Satz ein: „Bach, Beethoven, Brahms et tous lcs autrcs sont des crstins".. Der witzige Moszkowski hat diese kühne Behauptung, als er ihrer ansichtig wurde, sehr niedlich karikiert, indem er unter dieses Bülow Wort den — nicht minder gewagten Satz schrieb: „Mendelssohn, Mcnerbecr, Moszkowski et tont lcs autres sont — des ChröticnS". A propoü Mendelssohn! Ganz tveist ein amüsantes Bülow-Wort zu berichten, das diesem Tonmeister gilt. Eines Tages, als er bei einem Schüler cinlrilt, hört er ihn Mendelssohns Lieder ohne Worte spielen, wozu er prompt die Bemerkung machte: „Mendelssohn! Das ist eine Krankheit sür die Jugend!" Blilows Ironie traf aber nicht nur andere, er besäst auch die Gabe der Selbstironie. Bei einem Konzerte, das er leitete, Ivirktc auch Fra» Clara Novello mit, die ebenso stattlich Ivie Bülow schmächtig von Gestalt war. Das bewog ttm an den Oheim des Erzählers, der als Konzertmeister bei der Aussührung mit wickle, die bricsliche Frage zu richten: „Must ich bei meiner anli Murphy-Statur Madame Elara Novello vors,ihren? Oder wird sich nicht ein besserer Kavalier zu dieser Repräsenlatio» anstreiben lassen?" Hierzu ist zu erinnern, das; besagter Mnrphh seinerzeit ivegen seiner riesenhaften Figur als Sehcuswürdigkcit durch die ganze Welt geführt lvurde. Ein Nebeirbichler Büloivs auf dem Gebiete witziger Antworten ist der berühmte Wiener Klavicrmeister und Klavierpädagoge Leschekitzli, der Lehrer Padercwskis. Eine Amerikanerin richtete an ihn einst die höchst amerikanische Frage, ob er Waguer oder Brahms vorziehe. Leschetitzki gab ihr die überraschende Antwort: „Tschaikowskh!" Einen alten Klavierkünstter, der sich noch immer sür einen tüchtigen Spieler hielt und öffentlich auftrat, kennzeichnete er mit dem hübschen Satze: „Er spielt die leichtesten Sache» mit der grössten Schwierigkeit." Als in Leschetitzkis Gegenwart einmal von den, Vermögen gesprochen wurde, das Piauo- bauer sich erworben hätten, machte der Künstler ein allerliebstes Wortspiel: „Chi fa piano, va sano", — Uwe Pianos macht, geht gnt: wir brauchen kaum daraus hinzuweisen, dast Leschetitzk, sich hier eine geistreiche Variation des bekannten italienischen Sprichwortes „Chi va piano, va sano", erlaubt hat. Sehr Vielerlei und Hübsches loeiß Ganz von der Patti zu erzählen, ürit deren glänzenden Ersolgcn in England er »abrzehntc- lang verknüpsl gewesen ist. Er machte ihre Bekanntschaft bereits ini Jahre 1861, als sie in Bellinis „Nachtwandlerin" zum ersten Male ln London auftrat und alsbald einen Ricscntriumph errang. Sie erzählte Ganz damals, dast sie über einen Spielplan von 39 Opern verfüge und alle völlig auswendig wisse, sowohl den Text, lvie auch die kleinsten Variationen und Kadenzen. Ihr Gedächtnis war überbaupt fabelhaft und vielleicht in der Geschichte der inodernen GesangcSgrvsten ohnegleichen. Dennoch lvar sie keineswegs von Kulissensieber frei, vielmehr befand sie sich ledes- ina!. bevor sie auftreten sollte, in lwchster Erregung und oft sagte sie dann zu Ganz: „Ganz, nms fall ich nur tun? Ich bin so schrecklich nervös, mein Herz klopft furchtbar." Ganz tat daun sein Bestes, sic zu beruhigen; stand die Patti aber erst ftitnial dranstcn Und begann zu singen, so lvar ihr Knlissensiebcr spnrloZ verschwunden. Sic erzählte Übrigens Ganz, dast Wagner wieder- holt die Einladung an sie gerichtet habe, die Soprmrrollen in Lohengrin und Tannhäuscr zu singen. Auch übte besonders di« Rolle der Elsa eine groste AnzielmngSkcaft aut sie ans, allem sie lvagte nicht, sich daran zu versuchen, weil sic fürchtete, dast Wagners dramatisäie Rollen ihrer Stimme schaden würbe». Bevor die Patti ihren berühmten Landsitz Craig-I-Nos erwarb, suäcke sie nach einem Besitze in Italien und fand auch virklich ein Schloh und Gut iit der Nähe voll Turin, das den orunkvollcit Namen Easa dc Val di Casotlo führte, klm die Künstlerin anzn- locken. Machte der Besitzer ile noch besonders daran! ansmerkiam, sie habe, lvenn sie das Schlost erwerbe, das Recht, sich Herzogin von Val di Casotto zu nennen. „Lieber Risotto", versetzte die Patti und nahm von dem Kaufe Abstand. Schliestlich sei iwch ein hübsches Wort des lvitzigcn Rossini berichtet, daS Ganz erzählt. Rossini liebte es ganz und gar nicht, lvenn die Sänger sich Aenderungen rn seiner Musik erlaubten. Einmal bemerkte er, das; der bekannte Moritz Strakosch in eine seiner Arien ein Staccato eingcsührt hatte, das Rossini nicht angegeben hatte. Rossinis Urteil über dieses Borgehen lvar kurz und schlagend: >,Das sind Strakoschonncriern I" _ Büchertisch. — „Die kronvrinzlichen Kinder in Danzig- Lanasnh r" betitelt sich ein, aus Wunsch der Kronprinzessin von der Finna W. F. Bilrau, Danzig hcranSgegebcneS kleines Werk- chen, das 11 Ausnahmen der kronprinzlichc'n Kinder enthält. Die reizenden Ausnahme» zeigen die kronvrinzlichen Kinder in ihrem nngczwungenen Leben am Ostsecstraiidc. Den Alleinver- trieb für daS Deutsche Reich hat der bekannte Kunstverlag Harrst Rolbenbcrg ln Breslau übernommen, (Preis 1 Mk>. — E i n e Fahrt aus hoher See glauben wir mit de» Seegeschichten „U n t c r f a l s ch c r F l a g a c" von Richard K n a i zu machen, welche soeben i» Kürschners Bnchcrschatz Nr. 939 erschienen sind (Hermann Hillger Verlag, Berlin W. 9). Mit Sturm und Wellen ist der' Beriasscr, ein erprobter Seeniann und Weltum- segler, ebenso vertraut, wie mit deni Meuschcnherzen in Stille und Aufruhr. _ Magischer Dreieck. In die Felder nebenstebender Figur stich die Buchstaben ancpeekkllnrs m derart eiiizutragc», da» die einander entsprechenden wagercchte» und senkrechte» Reihen gleichlautend folgendes bedeuten: 1. Wohlriechende Blume. 2. Biblischen Namen. 3. Stadt in Persien. 4. Teil vo» Kurdistan. 5. Eine» Buchstabe». Auslösung in nächster Nummer Auslösung des ZilalenrätselS in voriger Nummer,' Für die Jiu.ead iil das Belle gnt genug. Redaktion: K. Neurath. — Nolaliousduick und Verlag der Bri'chl'schen ll»iv«rsitä!S-B»ch» und Steindrnckerel, R. Lange, lAlehett,