Lkfjzierstöchler. Roman von Paul Grabein. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Der Abend der Aufführung war gekommen. Das Gastspiel des berühmten Darstellers, der nur einer persönlichen, huldvollen Einladung Prinzeß Julianens gefölgt war, hatte sich zu einer Sensation für Ellerstedt ausgewachsen, wo die bekannten Gerüchte über Stück und Hauptdarsteller bereits von Haus zu Haus gedrungen waren. Nun war der große Moment da, wo man den Viclberuscncu von Angesicht zu Angesicht scheu sollte. Das Theater war daher ausverkauft. Nur in der ersten Parterreloge, unmittelbar nebelndem Proszenium, waren bei Beginn des Stückes die beiden Sessel in der vordersten Reihe »och leer. Es waren die Abonue- mentsplätze der Familie Henning. Erst als das Spiel begonnen und ei» Teil des ersten Aktes bereits vorüber mar, erschienen die Inhaber dieser Plätze. Gerda und Astrid waren es, die, wie vorgenommen, heute die Billette benutzten. Ein kleiner Aufenthalt zu .Hause hatte ihre Verspätung bewirkt. Ihr Eintritt während des Spiels, der die hinter ihnen sitzenden Besucher zum Ausstehen zwang, blieb im Zuschauerraum vielfach nicht unbemerkt, und auch die Darsteller auf der Bühne nahmen davon Notiz. Keßler hatte gerade eine Stelle mit stummem Spiel, wo er verloren vor sich hinzuülicken hatte. Er benutzte als routinierter Schauspieler, der zudem hier vor dem Publikum des kleine» Provinztheaters nur mit geringer Hingabe seine Rolle spielte, diese Minute dazu, um mit flüchtigem Rundblick das Hans zu mustern. So gewahrte auch er den Vorgang drüben in der Loge, ivie sich plötzlich die Tür der Rückwand austat, zwei junge Damen eintraten, ihre Abeudmäntel von den Schultern in die Hände eines Dieners oder Burschen hinter ihnen gleiten ließen und dann, sehr respektvoll begrüßt von den übrigen Logeniusassen, nach vorn traten, um ihre Plätze cinzunehmen. Unwillkürlich sah er daher nach ein paar Minuten noch einmal hinüber und gewahrte nun erst, daß es zwei auffallend schöne uud distinguierte Erscheinungen waren, ja die eine von ihnen sogar eine Schönheit ersten Ranges, so rassig und apart, wie er sie bisher vielleicht überhaupt noch nicht gesehen hatte. Da kam es plötzlich über ihn. Tein Spiel, seine gauze Haltung, die bisher fast etwas Gelangweiltes und Lässiges gehabt hatte, wurden mit einem Male belebt. Es war, als ob es sich nun erst für ihn lohnte, zu zeigen, was er vernwchte, ja daß eS ihn jetzt sogar lockte, seine reich, e Kunst zu entfalten. Immer mehr kain sein Temperament, seine hinreißende Verve zum Durchbruch. Die Zuschauer gerieten allmählich in einen wahren Bann Atemlos larischten sie, hingen ihre begeisterten Blicke an dem glänzenden Phänomen dort oben aus den Brettern. „Ist er nicht grandios? Eleradezu fabelhaft?" Ganz entzückt flüsterte es Astrid der Schtvester zu. Aber diese antwortete nur mit einem reservierten Neigen des schönen Hauptes. Sie wollte sich von diesein Bann, der da alle ringsum förmlich faszinierte, nicht mitreisten lassen. Ko- inödiantentricks, diese Theaterleidenschaft. unecht lvie die malten Pappkulissen da — sie lvürde sich dock, davon nichk blende» lassen! Und mit gewaltsam angespannter Kritik, miit einem geheimen, kühlen Spötteln um Die Lippe» schaute sie Kur Bühne hin, zu dem Manne,, au ident dg die tausend Augen ivie gebannt hingen. Abwägend, niusternd schätzte sic seine äußere Erscheinung ab. Ohne Frage ein recht vorteilhaftes Aeußeres. Hoch, sehnig, schlank, eine richtige Sportsmannfignr. Nichts von Her weichlichen Schönheit des typischen .Heldendarstellers. Der Manu sah eher aus wie ein -Kavallerist, ein Herren.-' reiter. Dazu paßte auch das Gesicht. Ein trockener, fast hagerer üopf — aber sehr schnittig — .und die Hände: ein paav sehnige, schlanke Hände, ohne jeden Schmuck. Nur am kleinen Finger der Linken ein englischer Herreirrmg, anscheinend mit sehr wertvollen Steinen. Und diese Hände waren von einer seltenen lAusdrucks- fähigleit. Für gewöhnlich ztvar von einer beherrschten Ruhe, aber im Affekt zuckle es durch sic hin, durch die leidenschaftlich ausschweilenden blauen Adern, wie ein Glutstrom aus! verborgenen Tiefe». Und cs war, als ob allmählich eine seltsam suggestive Macht von diesen Händen auf Gerda ausströmte. Eine Macht, die den Widerstand in ihr langsmn besiegte uud in das Gegenteil wandelte. Heinz Keßler begann auch sie in seinen Baun zu ziehen. Ohne daß es ihr zum Bewußtsein« kam, folgte sie seinen Gesten, seinem ganze» Spiel, mit einer steigenden Spamrung hing ihr Ohr schließlich an seinem Munde, getvärtig jedes neuen Wortes. Und nun empfand sie auch den eigenartigen Reiz seiner Stimme. Ein Jnstrus ment von edler Schönheit, das er meisterhaft .beherrschte. Sie schloß endlich sogar die Augen, trotz des Dämmerlichts in dem verdunkelten Zuschauerraum, um sich ganz dem Zauber dieser Mannesstimme hinzngeben, ihren dunklen, weichen Werbelanten, bei denen es sie seltsam überrieselte, und dann wieder dem leidenschaftlichen Aufflammen von einer ititgfM geahnten elementaren tzKwalr. Gleich eineni Sturm, der ihv den Atem benahm, das .Herz klopfen machte und doch wohlige Schauer in ihr wach rief. Und nun, nach einem letzten wilden Ausbranden, das die Hörer dis in die Diesen erschütterte, plötzlich ein jäher Abbruch — der Aktschluß Der Vorhang siel nieder, das Licht im Zuschauerrauin flammte wieder hell aus. Da löste sich der Bann über den Hunderten. Ein rasender Beisallstaumel brach aus. Immer wieder und wiedsr rief der tosende Lärm wilden Händeklatschens und jubeln-, der Bravos den Gast a» die Rampe. Aber auch in Gerda war jetzt der Bann gebrochen, und als Astrid, hingerissen, Iveit über die Logenbrüstung vorgeneigt, ihrer Bewunderung mit den anderen AuM>ruck «ab» — 158 da lehnte sie sich geflissentlich in ihren Sessel zurück, die Hände regungslos im Schoß. In einer Anwandlung von Selbstverachtung, daß auch sie sich hatte einfangen lassen. Von einem so wohlfeilen Lockmittel. Massenköder! Je mehr sich die andern ereiferten, desto kühler blickte sie ans sie herab. Sic liebte es nicht, mit aller Welt zu teilen. Endlich aber hatte sich der Lärm gelegt, die .Hauptmasse der Zuschauer war in die Wandelgänge hinansgeströmt, nur die Inhaber der Logen blieben auf ihren Plätzen. So auch die beiden Schwestern. „Nun, was sagst du jetzt?" Astrid wandte sich der Schwester zu, ihre Auge» glänz--! ten noch immer. Gerdas Gesicht bewahrte seine gelassene Ruhe. „Ein routinierter Schauspieler, ohne Frage. Aber man macht doch ivohl etwas zu viel Wesens von ihm. Und er übertreibt auch manchmal — wenigstens nach meinem Ge« schmack." „Na, ich finde ihn einfach phänomenal. Tiefe Leidenschaft! Ordentlich dämonisch — es läuft einem ja kalt über dabei!" Gerda zuckte nur schweigend die feinen Schulter», Und Noch klang im geheimsten Grunde ihrer Seele auch bei ihr noch das gleiche Empfinden nach. Dabei erividerte sie mit leichtem Kopfnicken die Grüße der Bekannten in den anderen Logen, die sie jetzt bemerkten. Heinz Keßler trat inzwischen in seine Garderobe. Manj hatte dem berühmten Gaste das kleine Zimmer des Direktors neben der Bühne zu diesem Zwecke eingerichtet, so anheimelnd wie möglich!. S»im Diener empfing ihn undvräienk- tierte ihm den eisgekühlten Trank, Sekt und Mineralwasser, den er, zur Erfrischung in den größeren Pausen, zu nehmen gewohnt war. Mit einem langen Zuge leerte Keßler das Glas. Ter Diener reichte ihm jetzt auf einer Schale eine Anzahl Briese. Kleines Format, vielfach rosenfarben. Ein Lächeln spielte dem Künstler da flüchtig um die Lippen. Die alte Geschichte^ überall — selbst hier in dem Neste. Und er lvinkte ab. „Zigaretten!" befahl er und ging zur Chaiselongue. Ein Klopfen scholl von der Tür. „Ich bin für niemand zu sprechen." „Auch wenn der Herr Direktor — ?" „Für niemand!" „Sehr wohl, gnädiger Herr/ Und Jean gehorchte. Dann kam er zu seinem Herr,, zurück. Behaglich ansgestreckt ließ sich dieser Feuer gebe». Dip Arme unterm Kops verschränkt, die Zigarette im Munde, lag er dann eine Weile geschlossenen Auges. Die Nerven, die ihm beim Eintreten noch fiebernd gezuckt hatten wie einem Renner, der vom Lauf zurückkehrt, wurden ruhiger. Die durcheinanderschießendeu Eindrücke und Empfindungen während der halben Stunde konzentriertester Geistestätigkeit dg draußen auf der Szene setzten sich allmählich. Und da tauchte auch das wieder auf: die Loge im Piarterre — die beiden distinguierten Mädchenerscheinungen — namentlich die eine, die blendend schöne, aber fast hochmütig kühle Brünette. Ein tiefer Zug aus der Zigarette, ei» langes Inhalieren und Wiedcrausstoßen des aromatischen Rauches durch die Nase. Dan» ein kurzer Anruf: „Jean!" „Gnädiger Herr?" „Gehen Sie doch mal zum Sekretär. Wer die beiden Damen sind, möcht' ich wissen — in der ersten Parterreg löge links — Vordersitze." „Sehr wohl." Mit einem diskreten Lächeln wollte sich Jean des Auftrags erledigen. Ja nichts Neues, so hatte es schon manch-! mal angefangen, aber sein Herr ries ihn noch einmal zurück. „Vorher »och die Briefe — will doch rcinsehe» — und noch ein Glas Sekt." Jean gehorchte den Befehlen und ging dann. .Heinz Keßler zündete sich eine neue Zigarette au —, er rauchte ju;»i.w, c^vruicyaillich — und brach die Briefe auf. Einen nach dem anderen, i» jeden einen liirzen Blick werfend, kaum ein Lächeln von leiser Ironie, dann flatterte er zur Erde nieder — nicht mehr beachtet. Immer dieselbe Litanei. Schtvärmerische Anhimmlung, Bitten um ein Autogramm, eine Haarlocke — offenbar von noch sehr jugendlichen Ber- ehrerinnen. Nur ein Schreiben behielt er schließlich in dev Hand, las es noch einmal, und über seine Zuge flog es einen Moment la,P hin. Ein veränderter Ausdruck: das hier war ernster gemeint — verlohnte ficf^ö vielleicht, daraus einzn« gehen? Ta kam der Diener wieder zurück. „Ztvci Fräulein von Henning, Töchter des Oberstleut- nants von der hiesigen Feldartillerie-Abtcilnng." „Ah so — na gut. Merci, Jean." Einen Moment spielten Keßlers Finger noch wie überlegend mit dem Briefe in seiner Hand. Tann plötzlich ein Ruck — die Fetzen flogen zur Erde. Ein Glockenzeichen schrillte durch das .Haus. Das erste Signal für die Akteure zum Weiterspiclen. Langsam erhob! sich Keßler von dem Ruhebett. Er ließ sich von dem Diener zurecht machen für den nächsten Akt, mit der Ruhe des gefeierten Gastes und verwöhnten Künstlers. Auch das zweite Glockenzeichen berührte ihn nicht. Da klopfte es aber an die Tür, der Inspizient sah durch den Spalt, schon hochgradig nervös: „Pardon, Herr Keßler, Sie müssen ja gleich hinaus —z wir Ivarten nur noch aus Sie." „So warten Sie eben noch ein bißchen, mein Lieber." „Sehr wohl, aber Sie wissen doch! — Hoheit sind im Theater, Prinzeß Juliane —" „Darum nur kein Echauffeinent. Auch.Hoheiten können mal warten." „Herr Keßler —!" „Belieben?" Und Heinz Keßler bürstete sich mit ausgesuchter Gelassenheit das Haar. Das dritte Glockenzeichen, schrill und dringlich. Der Inspizient ivand sich förmlich, da endlich das erlösende Wort: „Na, dann nieinctwcgcn los! Ich bin so weit." Der andere schoß hinaus. Langsam folgte Keßler. Aber schon ans der Schtvefle drehte er sich noch einmal um, zu Jean hin. „Wie war doch der Name ■— Henning?" „Ganz recht, von Henning." Ein Kopfnicken, und der Gast trat hinaus, m di« Kulissen. Das Spiel ging weiter. lForlictzung folgt.) Die Mühle im Tale Von Berta Schleich. Ein warnier Maientag ging zu Ende. Durch das Städtlein unten im Dal, über die dunklen Häupter der Tannen unweit des hochgelegenen Dörsckwns, zogen die Schatten der Abenddämmerung emlang. Tie breite Straße, die Stadt und Dort verbindet, lag einsam und verlassen da. Doch Äul deni schmalen Fußweg, der nur den Einheimischen bekannt tvar, auf welch'«»! man aber schneller als aus der breiten Straße das Bächlein im Tal »ich dre ersten Häuser des Städtchens erreichte, kam ein junger, gutgekleidetcr Wanderer rasch hcrabgeschntten. Und nun er das Dorschen weit genug hinter sich hatte, staich er still, nahm den .Hut ab und sä>autc hinab ins Tal und in die Frühlingsherrlichkeit. Aber er blieb nicht lange ungestört. Neben ihm tauchte ein Mann auf, der es sehr eilig gehabt hatte, den Frenidcn cinzuholen. An seiner Mütze trug er das Abz«i:hen eines Wegaussel>ers. An der Seite trug er eine Blechkapsel und auf dem Rücken einen zusammen-- gelcgtcu Wettermantel. Trotz seiner grauen Haare und der Last seiner Jahre, ivar der Alle noch rüstig und stink. „Vater Marte", so nannten sie ihn oben im Dorf und unten im Tal und hatten ihn alle gern. „Woher des Weges und wohin?" so redete er fröhlich den Fremden an. — „Ich möchte das nahe Städtchen noch vor Nacht erreichen," antwortete der Angcredetc hastig, als käine ihm die Skörung ungelegen. „Sie müssen aber sicher hier in der Gegend bekannt sein," fuhr der Alte fort, „daß Sie diesen Weg toählcn?" - - „Vor Jahren ivar ich schon einmal hier, und dieser Blick ins Tal gefiel mir so gut, daß'ich ihn nie vergessen konnte. Am Ende dieses Weges die alte Mühle mit ihrem verwitterten Dach, die alten Linden mit ihren Ruhcbänklein, der stille Bach, di« frcundlick,«!! Fenster mit ihren weißen Gardinen und die blühenden Blumen, das alles habe ich noch tief im Gedächtnis." Der alte Mann sah seinen Begleiter zur Seite erstaunt an, dann sagte er lachend: „Sie sind ivohl Maler von Berus oder Dichter, daß Sie so schön schildern können?" „Weder bas eine noch das andere. Ich denke aber, von dieser alten Mühle müßte noch mehr zu erzählen sein. Mir ist, als wüßte sie eine lange Geschichte." — Ter Alte räusperte sich und nicklc mit dem Kops und sagte bedächtig: „Ach ja, junger Manu, diese alle Mühle weiß eine traurige Geschickte, und ivenn Ihr sie hören wollt, ivill ich sie gerne erzählen. Blühende Blume» und lveiße Gardinen sind freilich nicht inehr an den Fenstern, 169 Me Mühle steht leer." — Der junge Mann fuhr zusammen ..Leer, ganz leer?" fragte er stockend. — „Ja, seit einem Jahr," sagte der Alte, „ich wohne dicht dabei und habe die Aussicht über das Grundstück bekommen, bis das Gericht Nachricht über den verschollenen Sohn hat, bis er kommt, sein Erbe anzutreten, oder bis emsernte Verwandle davon Besitz ergreisen. Aber ich will der Reihe nach erzählen. In der Mühle wohnte» glückliche Leute. Linsemanns gehörten zu den angesehensten Leuten im Tal. lieber zweihundert Jahren war der Besitz in ihren Händen. Die Söhne erbten es immer wieder von den Vätern. Der letzte Linkemann hatte auch einen Sohn, ei» einziges Kiitd, und imißte nicht anders, als das; auch er die Mühle übernehmen würde. Mer es kam ganz anders. An einem Sonntagabend war's, da geriet der junge Linsemann, ein guter, lieber Mensch, an dem seine Eltern viel Freude hatten, in Streit mit einem losen Menschen, der ihm feindlich tvar. Fritz Linsemann war von stiller Art und der allen beliebt. Aber der Karl Lange war ein händelsüchtiger Mensch, der es längst aus Fritz abgesehen hatte. Nun hatten Langes einen Acker, der grenzte an Linsemanns Acker. Da bebauptete der junge Lange, Fritz Linsemanns Vater hätte von ihrem Acker eine Furche abgepflügt. Darüber gerieten die beiden jungen Leute aneinander Zeugen sagten aus, daß Fritz erst lange still gewesen sei. Aber als Lange den alten Linsemann schließlich einen Dieb und Lump schimvfte, da kam es über Karl, und mit dem Bierglas schlug er zu, daß jener zusammenbrach. Das gab nun eine große Erregung Alles mühte sich um den Leblosen, und Fritz konnte still das Gasthaus verlassen. Lange kam wieder ins Leben, aber als man Fritz suchte und verhaften wollte, war er geflohen. Das hätte er nicht tun sollen. Wäre er geblieben, es wäre wohl nicht so schlimm für ihn geworden. Aber er ist fort und ist bis heute nicht zurlickgekehrt. Mit ihm aber zog das Gliick aus der alten Mühle. Die liebe treue Müllerin starb ein halbes Jahr nach der traurigen Sache. Der Müller, ein gebrock>ener Man», blieb mit der alten Großmutter zurück. Er tvar tiessinnig geworden und klagte um sein Weib und den Sohn, den er verloren hatte. Nie kam von ihm Kunde. Aber ich glaube, daß aus dem in der Fremde etwas Ordentliches geworden ist. Und er wird auch wiederkommen zur alten Heimat. Er hatte sie viel zu lieb. Noch ein kurzes Jahr trieb es der Müller. Dann sanden wir ihn eines Morgens im Bach, Ob er.verunglückt ist, ob ihn seine Schioermnt hinabgezogen hat, wer weiß es. Seit jenem Tage steht die Mühle still." Langsam waren die beiden bei den Worten des Alten wciter- gegangen. Der junge Mann sprach kein Wort. Auch der Alte war nun still. Und nun waren sie bis unter die Linden gekommen. Sie setzten sich ans die altem Bänkchen. Jetzt fragte der Fremde: ..Und die Großmutter? Lebt die Großmutter noch?" — „Auch die Großmutter ist heimgegangen," sagte der Alte. „Es ist gerade ein Jahr lwr. Sie hat an den Enkel geglarrbt und gewartet, bis er wiederkäme. Noch im Sterben hat sie ihn heimgerusen." Ter Alte brach iw lTränen aus. „Wenn jetzt Fritz heimkommt, sind alle tot. die er lieb batte. Im Hause steht noch fast alles aus dem alten Fleck. Ich Mache jeden Abend meinen Rundgang. Wollen Sie mit mir kommen?"" Mühsam erbebt sich der Fremde. Er stützt sich leicht aus des Alten Arm. Ter Mond war heraufgekommen. Sein Silberlicht liebkoste die Wipsel der alten Bäume, das alte Mühlendach und den stillen Bach. „Was iit aus jenem Menschen geworden, der den anderen aus der Heimnt in die Ferne trieb?'" fragte der Fremde beklommen. — „Verdorben und gestorben," sagte der Alte. „Er heiratete des Försters Leuchen, das liebliche, junge Mädchen. Niemand Begriff ihre Wahl. Viele sagen, sie hätte es aus Kummer getan. Sie hätte den anderen lieber gehabt und ihm manche Träne nachgew int. Nun ist sie als Witwe mit ihren zwei Kindern wieder bei den Eltern Ihren Mann brachten sie ihr ins .Haus getragen. Der hat sich zu Tode getrunken." Ter Schlüssel ächzte im Schloß der Haustür. Ter Alle steckte ein Oellichtlein an, das im Fenster stand Jetzt waren sie im Wohnzimmer. Alles wie einst, und doch alles so leer. Dort am Fenster stand der alte Seisel der Großmutter, als hätte sie ihren Platz soeben verlassen. ?lus dem alten Nähtisch, aus welchem die ausqeschlagene Bibel mit ihrer Hornbrille lag, war der Strick- strumps, ohne den sie nie zu fthen war Ta — sank laut schluchzend der junge Mann am Platze der Großmutter nieder. „Ach, Vawr Marte, daß es so kommen mußte!" ■— Dem Alten entfiel das Licht. Alle Farbe wich ihm ans dem Gesicht Er starrte den jungen Mann vor sich an. Und dann war er ihm zur Seite. „Fritz. Fritz, bist du's? Und ich habe dich nicht erkannt? Und du bist doch derselbe geblieben. Dieselben Augen, dieselbe Gestalt! Freilich, doch sehr verändert, so stattlich und stolz. Ach, Fritz, nun wird ja alles wieder gut. Ach. wenn sie noch lebten, diese Freude, dieses Glück!" Und der Alte umarmte den Sohn des Hauses und weinte Freudentränen an seinem Halse. — * Bald trat Fritz Linsemann das Erbe seiner Väter an. Tie Räder gingen wieder und neues Glück zog in die alte Mühle ein. Hinter den iveißen Gardinen grüßten blühende Blumen. Zwei Kinder spielten unter den alten Linden und auf der Bank saß Flitz Linsemann und neben ihm das Förslerlenchen. ,,'lta) Heimat — Heimat, wie lieb ich dich," sagte der Mann und küßte sein junges Weib. Der Mond blickte durch das dunkle Grün, spiegelte sich in dem stillen Bach, und leise sangen die Vöglein, .begleitet von dem leisen Murmeln des Baches, ihr Abendlied. —-- Kann man herzkranke heilen? Von Prof. Dr. med. Martin Mendelsohn zu Berlin. Wer viel mit Herzkranken zu tun hat, hört immer wieder aufs neue den Zweifel aussprechen, ob es beim Bestehen einer Herzkrankheit überhaupt im Bereiche der Möglichkeit liegt, eine Heilung hcrbeizusühreu. Tie meisten Kranken denken sehr pessimistisch hierüber und halten sich, wenn erst einmal ein ausgesprochenes Herzleiden da ist, für unheftbar und dem Untergange geweiht. Und doch ist nichts irriger als eine solche Meinung. Jede Herzkrankheit ist, falls sie noch nicht zur Zerstörung des Organismus geführt hat, heilbar. Allerdings muß Klarheit darüber bestehen, was man unter „heilen" und „heilbar" zu verstehen hat. Eine ganz falsche Anschauung iväre es, im lebenden Körper nur dann von Heilung zu sprechen, wenn es gelingt, alle vorhandenen Veränderungen wieder zurückzubilden, das erkrankte Organ wieder so umzuformen, daß es in seinem körperlichen Zustande nun ebenso intakt und unverändert ist, wie es vorher gewesen war. Das ist natürlich nicht immer möglich; es ist aber auch keineswegs immer nötig. Der Körper des Menschen ist ein Organismus, in dem tausendsältige Betätigungen ablausen, incinandergreifen und sich gegenseitig beeinflussen; ein Organismus, bei dem es nicht so sehr daraus ankommt, wie er in seinem Acußeren und in seinem Inneren aussieht und geformt ist, als vielmehr darauf, wie er im ganzen und in seinen einzelnen Teilen funktioniert, wie seine einzelnen Betätigungen ablausen. Es kommt nicht aus die Form an, sondern auf den Betrieb. Und so gilt cs auch hier ber dem Herzkranken nur, den Betrieb in ausreichendem Maße und ausreichend lange ausrecht zu erhalten, nicht aber etwa das Herz in seinen Fehlern und Veränderungen wieder zur Norm zurückzubilden ;"denn auch ohne daß dies geschieht, ist man vollberechtigt, von einer „Heilung" einer Herzkrankheit zu sprechen, wenn ärztliche Behandlung es dahin bringt, daß trotz des Fehlers und trotz des gestörten Mechanismus der Ablauf der Herztätigkeit ein solcher ist, daß der Kreislaus auf lange Zeit hinaus ausreichend und voll- kommen ftinktioniert. Die Aufgabe des Heilens wäre eine ganz andere, wenn diejenigen Menschen ewig am Leben blieben, deren Organe keine Störungen erfahren. Wäre dies der Fall und tritt dann bei dem einen oder anderen Kranken an irgend einem seiner Organe eine Störung ein, so könnte man hier natürlich nur daiyt von einer .Heilung sprechen, wenn es gelingen würde, diese Veränderung wieder ganz zurückzubilden; denn sonst würde er ja allen anderen Menschen gegenüber in dauerndem Nachteil sein und schließlich, wenn auch erst nach längerer Zeit, zu Grunde gehen, während die anderen sortleben. Nun ist aber das Leben auch des Gesundesten urrd Kräftigsten von vornherein begrenzt; nach 70 und, wenn es hoch konimt, nach 80 Jahren, tritt auch der gesundeste Mensch von dieser Bühne ab, auch wenn keines seiner.Organe je krank gewesen ist. Und darum kommt es bei einem Menschen, dessen Herz Schaden genommen hat, will man ihn „heilen", gar nicht daraus an, sein Herz wieder in den normalen körperlichen Zustand zurückzubringen, als vielmehr darauf, seine Herzkrast — trotz des Fehlers! — bis zum siebzigsten und, wenn es hoch kommt, bis zum achtzigsten Lebensjahre so aufrecht zu erhalten, daß sie allen Anforderungen, welche Leben und Tätigkeit an den Körper stellen, ausreichend genügt. Und in diesem Sinne können wir Aerzte Herzkranke in der Tat heilen. Das Herz ist ein Muskel, nichts weiter, ein Muskel, der in jeder Zeitspanne ein bestimmtes Maß von Arbeit aussühren können Muß, soll der Körper nicht Schaden leiden, sich nicht krank fühlen. Das Herz ist nichts anderes als eine ganz gewöhnliche, automatisch arbeitende Pumpe, mögen cs auch die Dichter und die jungen Mädchen für etwas anderes halten. Jeder kleinste Körperbezirk muß dauernd mit frischem Blut ausreichend versorgt werden; und wenn dies das Herz leisten kann, so ist der Organismus gesund, gleichviel wie das Herz dabei beschaffen ist, ob es in seiner Form ohne Störung geblieben ist, oder aber fehlerhaft und verändert ist. Es kommt eben nur auf den Betrieb an und nicht aut die Form des Herzens. Wenn man ein Dutzend Personen mit den Muskeln ihres rechten Armes Gewichte heben läßt, so viel sie nur vermögen, so wird man zwöls verschiedene Maximalzahlen erhalten: die Leistungsfähigkeit dieser zwöls Armmuskeln ist eben eine verschiedene,, auch daun, wenn die Arnimuskeln sämtlich gesund und nicht etwa krank sind. Es kann sich aber ganz gut ereignen, daß der eine oder andere Arm sogar eine Verwundung, eine' Anomalie, einen Fehler besitzt, und doch unter zweckmäßiger Behandlung und Hebung dahin gekommen ist, schwerere Gewichte zu hebe», eine größere Leiftungssähigkeit trotz seines Fehlers zu besitzen, als ein beliebiger anderer Arm, der zwar ganz und gar unverändert, also „gesund" ist, diese Leiftungssähigkeit aber nicht besitzt. Manches Auto fährt, trotz eines vorhandenen Defekts, richtig instand gehalten und zweckmäßig geführt, sicherer und weiter zum Ziele, als ein ganz und gar unversehrter Wagen, dessen Betrieb und Leistungsfähigkeit minderwertig ist. Ich könnte die Beispiele noch häufen, sie mögen indessen genügen, um zu beweisen, daß es beim Herzen ausschließlich auf seine 160 Leistung anfommt, ititb daß alle Heilmittel, welche diese Leistung bei vorhandenen Störungen svtveit wieder erhöhen können, daß das Herz den Krcislani in ausreichendem Maße ansrecht erhält, wirklich äls „Heii"mittel gelten können, dass eine solche ärztliche Beeinflussung einer wirklichen Heilung gleichkommt, wenn es durch sie gelingt, das Herz und den Blutkreislaus bis zur natürlichen Grenze des Lebens so aufrecht zu erhalten, daß der Kranke leiskungs - fähig und frei von Beschwerden bleibt. Und das gelingt seht, wo die Herzbehandlung zu einem wichtigen Sondergebiet der ärztlichen .Heilbestrebungen geworden ist, in locitcm Umfange. Eine reiche Zahl von Einwirkungen verfolgen in der Hauptsache hierbei zwei Ziele: einmal der Arbeit des Herzens jedes Hindernis, das der Beseitigung zugänglich ist, tatsäclstich aus dem Wege zu räumen: und andererseits die Kraft des HerzniuSkclS und seine Leistungsfähigkeit so sehr zu erhöhen, als dies nur möglich ist. Ich baba diese .Dinge in meinen Büchern sür Herzkranke aussührlicher geschildert, von diesen zeigt der Band: „Wie sollen Herzkranke leben?" (7. Auslage Perlag sür Sozialpolitik, Berlin W. 57?, wie viel nächtige Hilfsmittel der Kranke selbst anzuwenden vermag, um einerseits die Ausgabe der Herzarbeit zu erleichtern, andererseits durch zweckmäßiges Verhalten die Kraft des Herzmuskels größer »ocrdeu zu lassen, währeich der andere Band: „Wie kann man Herzkranke heilen?" (ebenda) alle die vielen Methoden und Hilismittel schildert, welche dein Herzarzt heute zur Verfügung stehen, um nicht nur den Herzmuskel selbst zu stärken und zu kräftigen, sondern auch auf die Arterien günstigen Einfluß auszuüben. Denn heutzutage bat man erkannt, daß solche Heilungen, wie das früher Mode tvar, mit ein paar Lösseln Arznei nicht zuwege zu bringen sind, oder gar dadurch, daß man ein paar Wochen lang in irgend einem Badeorte seinen Körper sür eine Viertelstunde in Seltcrswasser eintaucht, — sondern die Wiederherstellung der verloren gegangenen Kraft eines Herzmuskels erfordert vielfältige direkte Maßnahmen, besonders solche elektrischer Natur: eine große Zohk besonderer elektrischer Apparate und Instrumente dienen dazu, dem Herzen neue Muskelkraft zuzusühreu. Ihre Wirkung ist im kleinen die gleiche, »vie im großen etwa ein Athlet sie an seinen Armmuskcln erzielt, tvcn» er eine Zeit hindurch diese shsteinatisch übt, die vorhandenen Muskelfasern werden umfangreicher und krästiger, schivache Fasen» entwickeln sich zu starken, ja cs bilden sich sogar neue Muskelfasern zu den schon vorhandenen hinzu und so wächst der Muskel in seiner Kraft und in seinem Umfange. Beim Herzen ist eine solche willkürilchc Uebnng nicht möglich, da >a die Herztätigkeit der selbständigen Betätigung entzogen ist: aber unter der Hand des sachverständigen Arztes lassen sich ohne alle Gefahr, eben mit Hilfe der mannigfachen elektrischen Äe- einslussungen 5m Herzmuskel, ähnliche Veränderungen durch plan- ncäßige und systematische Behandlung herbeiführen, um den schwache» Muskel in einen leistungsfähigen umzutvcnideln. Und selbst ans die Arterien können wir Einfluß nehmen. Wenn wir älter werde», zeigt sich das Borschreiten der Zeit nicht nur am Aeußeren des Körpers an, nicht »ur die Haare tverden grau und die Wangen runzelig, sondern die gleichen Vorgänge spielen sich auch im Inneren ab: »nd hier ist es das schlimnisie, daß die Arterien, die elastischen Gesäße, welche vom Herzen das Blut in alle Körpcrabschnitte leiten, hart und härter werden, daß sie ihre Elastizität einbüßen, daß sie durch eine Einlagerung po» Salzen in ihre Wände „verkalken". Haben die Arterien früher durch ihre Elastizität dem Herzen geholfen, das Blut ?veiter zu befördern, so können sie das seht nicht nur nicht mehr, sondern sic setzen durch ihre Starrheit und durch ihre Berzerrungen, die sie erleiden, dem Blulstrome »och erheblichen Widerstand entgegen, und es entsteht der nach so vielen Richtungen hin gefährlickie Zustand, daß der Blutslrom innerhalb der Artericnröhren über die Norm hinaus ansteiqt. Auch hier besitzen mir jetzt in den Hochsreguenzströnicn ein Mittel, welches bei richtiger und zweckmäßiger Hinwendung diese Gefahr ivesentlich herabzumindern vermag. So kann man Herzkranke in großem Umfange „heilen". Werden aUe Hrileinwirkungen rechtzeitig und in richtiger Weise zur Anwendung gebracht, so gibt es nur wenige Zustände, in denen cs nicht gelingt, den gestörten Betrieb ausreichend wieder her- znstelleu, und dcmrit die Kranken trotz des Fehlers an ihreni Herzen bis zur natürlichen Grenze des Daseins frei von Beschwerden und bei ausreichender Leistungsfähigkeit zu erhalte». 3mit Schnepseustrich. Bon Dr. K. Flocrickc. tos. Mit den ersten laue» Frühlingstagen unhi auch wieder die von so manckrem Giüurock sehnsüchtig erwartete Zeit, in der der Weidmann die poctilcbste aller Jagdarlen im deutickren Walse aus- üben kann: den viel besungenen Schnepseustrich. Es ist dies der Morgen- oder Abcndanstand am Woldesrand«, nur die während der Dämmerung streichenden und balzenden Schnepfen abzuickneßen. Auch wenn Diana ihrem unverdrossenen Jünger nicht hold ist, wird dieser sich doch schon durch das iansendsällrg ringsum erwachende Faühlingslel>eu und »neben in der Natur reich belohnt erachten, sofern er wirklich ein Jäger und nicht bloß ein rnord- Instiger Schießer ist. Eben gehl die Sonne unter und betenchtct mit ihren letzten Strahlen goldig die fernen Hügelketten, während die naben Fichtenschonungen schon in Dunkel gehüllt erscheinen- Das Wild verläßt das schützende Dickicht, um aus Aesuna aus- zuziehcn, >,nd die gesättigten Bügel stimmen ihre feierlichen Abend» lieber vn, bevor sie sich zur Ruhe begebe». Bon Baum und Strauch schallt ballender Gesang oder süßes Geflüster aus Hunderten von Bogelkehlen, und kein einziges der lieben Strinmchcn inöchten tvir vermissen in diesem herrlichen Waldkonzert. Nur sür Augenblicke wird dessen Harinonie gehört durch das krächzende Schelten des Hähers und die schrillen Warnungsruse der Amsel, wenn diese aufmerksamen Wächter einen durchs Dickickrt schleichenden Fuchs euldeckt haben und nun dein roten Freibeuter mil lautem Gcsckrer ein uittviilkommencS Geleite geben. Nach und nach verstummen alle diese Stimmen, leise Dämmerung senkt sich hernieder, nächtliche Schatten unidüstern die Schonung, und am Himmel blitzt der erste Stern ans, als Zeickzen, daß mm das Streichen der Schnepfen alsbald beginnen muß. Bon fernher lönt das feierliche Geläute einer Abendglc>ckk cnift durch den schnxigenden Wald. Hier »nd da zwiischert ein entschlmninerndes Vögliin traumverloren u»ck> eine leise, stcckenbleibende Stroohe. Dann Ivird's ganz still. Tiefe Ruhe ringsum. Do taucht plötzlich ein dunkler Federball über der Schonung ans, läßt seltsam »nnrksende Töne hören und »viegt sich in gemütliche,» Eulenflugc balzend durch die Lust. Er ist's, der ersehnte „Vogel mit dem langen Gesicht!" Rasch die Flinte hoch. Und >oic er eben die benachbarte Schneiße überfliegen will, ereilen ihn die tödlichen Sckirote, dröhnend hallt der Schuß durch die Abendstillc, und schwer schlägt die getroffene Schnepfe aus dem Boden auf. Rasch ist der brave Hund zur Stelle, und unter freudigem Schtvanzwedeln überbringt er seinen! Herrn die köstliche Beute. Ja, das ist Jägerlust, ja, das ist Poesie! In neuerer Zeit sind mehrfach gewichtige Stiinincn gegen die altgewohnte Ausübung des Schnepsenauslaudes laut gcivorden, und swar sowohl aus weidmännischen wie aus vogelschühcriscben Gründen. Man behaupe'e nämlich, daß bei dieser Jagdart un- inittclbar vor Beginn des Fortpslanzungsgeschästes zahlreiche Weibchen milgeschossen und so am Brüten in den deutichcn Wälder» verhindert toürden, »vodurch unser Schnepfenbestand eine schivere Schädigung erfahren müsse. Denkende und ausmcrlsainc Jäger haben deshalb dieser Frage in den letzten Jahren besondere Aus- merksainleit 'zugewende!, und des von ihnen dabei zuiagc geförderte Ergebnis ist glücklichertveisc derart, daß auch der weidgerech- teste Jäger nicht auf die Freuden des Schnevsenstrichs zu verzichten braucht. Es hat sich nämlich hcrausgestcllt. daß die balzenden Schnepfen fast durchgängig Mänirchen sind, die sich ohnehin in der Ueberzahl befinden, so daß ihre Dezimierung dem Bestände der Art nicht ernstlich zu schaden verinag. Auch be» ant einander stechende»» Schnepfen handelt es sich um eifersüchtig raufende Männchen, nicht etwa um ein bas auserkorene Weibchen verfolgendes, tvie inan früher »vohl annahm. Wer ganz sicher gehen will, der braucht nur ans die Slim»nlaute der langsckinäblrgen Vögel zu achten, da sich danach die Geschlechter mit Sicherheit unterscheiden lassen, während sie int Gesleder allerdings völlig übeieinstimmen. Tie „puitzenden" Laute lassen nämlich sowohl Mäinichen wie Weibchen hören. >vährend die „murksenden" und „auarrenden" als eigentlicher „Balzgesang" nur von jenen hervor- gebracht werden. Während die Männchen ihr lustiges Turnei betreiben, liegen die Weibchen still in den Schoirungen und unternehmen höchstens kurze, rasche Flüge, um zu einein anderen Aesungsplatz zu gelangen. So erklärt cs sich auch, daß beim Bu- schieren mit dem Vorstehhund meist wübliche Schnepfen hoch- geinacht tverden, demnach die Suche int Frühiahr den Schncpfeu- bcstand tatsächlich arg schädigt. Die Ergebnisse des Schnepscn- strichs sind außerordentlich schwankend, »veil sie eben ganz vom Verlaus des Zuges abhängen und dieser »weder von Wind und Weller. Wer Erfolg haben »vill, der muß nicht nur sei» Revier sehr gut kennen, sondern auch die Lebensweise der Waldschnepfe und den Einfluß, den die Witterung aut de» Vogelzug auszuüben pflegt. An günstigen Oerllichkeite» werden beim Zusanimen- tresscn verschiedener Umstände nicht selten sabelhaite Strecken er« zielt. So hat das kleine Helgoland an guten Zugtagen schon bis zu 1100 Stück der schinackhasten Vögel gAiefert, und aus Griechenland sind Fälle bekannt, wo z. B. 3 schicßwütige Nimrods in 3 Tagen über 1000 Schnepfen erlegten. Im allgemeinen ist leider bei uns eine Abnahme der von Feinschmeckern mil Recht so geschctz eit Vögel unverkennbar, aber daran ist »richt der weid- mänuisch betriebene Schnepseustrich scknild. soirdern unsere gegen früher so wesentlich veränderte Forstkultur. Rätsel. Ich bin für holde Mädchen Als Name dir bekannt, Mil andere»» Kopie ais Städtchen — t In» irftöiic» Welualenland. Auslösung in nächster Nummer. Auslösung des Versteckrätsels in voriger Nummer: Eine närriihe Zunge kan» viel Böles «»riclite«. Redaktion: A. Neurath. — Rotationsdruck und Vertag der Brühl'jchen llniversiräts-Bnch- und Steindruckerei, R. Lauge, Vietze«^