Lkkizierstöchtrr. Kornau von Paul Grabein. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Kind, Kind! Ueberspann' dock den Bogen nicht. Ich rede so etwas ja doch nicht auf den blauen Dunst hin. CMniib' inir'S doch: Petersen lässt sich das sicher nicht mehr lange bieten Dass er nur nicht bei einer anderen —" EKrda lehrte sich langsam der Mutter zu. Ihr kam plötz- lich ein Gedanke. „Du hast auch wohl schon eine» bestimmten Verdacht?" Etivas tvie Verlegenheit malte sich aus den Zügen Frau von Hennings. Da sagte Gerda eS ihr auf den Kopf zu: „Ich weiß auch auf wen — Astrid!" Eine Panse, dann die Antwort: „Nun ja, Kind, wenn wir doch einmal darüber reden. Wirklich, es ist mir das schon ein paarmal ausgefallen: wenn du Petersen so abfallen ließest, dann widmete er sich jedesmal Astrid. Es scheint, daß auch sie nicht ohne Eindruck auf ihn geblieben ist. Darum also noch einmal: Sei nicht unklug, Gerda, verdirb dir nicht selber mutwillig deine Chancen." Das Akädchen schtvieg eine» Moment. Dann aber toarf sie den Kopf in den Racken. „Gesäitt ihm Astrid besser — in Gottes Namen, so mag er sie nehmen. Vielleicht tvärc das überhaupt die beste Lösung für uns alle. Astrid käme jedenfalls zehnmal besser mit ihin aus als ich. lind euch kann's ja schließlich gleich sein - tvenn er nur überhaupt eine von uns nimmt!" Wie ein geheimer, bitterer Borwurf klang eS. Da sagte Frau von Henning: „Gerda, dn sprichst gerade, als sollte das alles unseret ivegcn geschehen. Kind, ich will dich doch nicht etiva ans dem Hause treiben. Erscheint dir eine Ehe mit Klaus Petersen so absolut unmöglich, nun gut — kein Mensch tvird dich dazu zwingen. Mein gutes liebes ttind", und die Mutter nahm jetzt GerdaS Hand, „glaubst du denn, ich hätte nicht auch einmal anders gedacht, genau so wie du? Aber wo ist das alles geblieben? — Möchtet ihr doch wenigstens daraus lernen! Das sieht sich iin Leben nachher alles anders an. Die große Liebe — gewiß, es ist etwas Schönes und Hohes darum. Aber such' dir dje paar Menschen, Ivo das bleibt und standhält, auch nachher in der Ehe. Darum soll man nicht einem salschen Ideale nachjagen. Einen Mann haben, den man achten kann, aus vollstem Herzen, dem man voll Vertrauen sein Geschick in dre Hand geben kann — mehr soll man nicht verlangen vom Leben. Und glücklich die Frau, der das beschieden ist. Glücklicher vielleicht als die andere mit der allzu überschwenglichen Liebe. Wenn du doch das cin- sehen wolltest, mein Kind!" Aber Gerda antwortete nichts. Rur ein schwerer Seufzer hob ihr die Brust. Da schüttelte die Mittcr bekümmert veK Kops. Sic wußte nichts mehr zu sagen. Ms ihren Zügen erschien wieder der vcwgramte Ausdruck, der sich dort immer einnisiete, wenn ihr nicht gesellschaftlicher Zwang ein verbindliches Lächeln aufnötigte. Born an der Dür ging jeltz-t die Hausglocke. Frau von Henning sab nach der Wanduhr, gegen l /al2 Uhr, es konnte wohl schon ein Besuch sein, und sie verschloß ihre Rechnungen und Wirtschaftsbücher im Nähtisch. Run klopfte es, und der Bursche erschien. „Herr Petersen bittet, den Damen seine Aufwartung! niachen zu dürfen." lim Gerdas Lippen spielte ein leises Lächeln. Sie sah zu der Mutter, über oeren Gesicht eS wie ein Hauch der Beg-> legenbeit flog Doch nun sagte diese, bereits wieder ganz Repräsentantin: „Ich lasse bitten, und melden Sie nachher den Besuch den jungen Damen ans der Loggia." —: .Herr Petersen verneigte sich tief vor der eintretende« Hausfrau und küßte ihr die Hand. Auch die Begrüßung Ger- das war sehr respektvoll. Er überreichte ihr einige prächtige Orchideen. „Darf ich mir erlaube», mich zu erkundigen, /wie de» Damen der Abend gestern bekommen ist? Es war übrigens zu reizend, meine gnädige Frau." Und er wandte sich von der Tochter wieder der Mutteu zu. Die Unterhaltung, die üblichen Höflichkeitsphrasen, lag den» auch ausschließlich zwischen der Frau Oberstleutnant und dem Besucher. Gerda saß, gedankenverloren mit ihren Blumen spielend daneben und schwieg. Mer mit Ohr und Auge kritisch Gewiß, es war im Grunde nichts gegen ihn einzuwenden. Sein Anzug tadellos korrekt; er sah überhaupt gut aus, ohne Frage, aber ebenso inhaltslos. Ein völliger Durchschnittsmensch, nüchtern, platt, ohne jedes Temperament, ohne Tiefen. Und so war auch alles, was er sagte. Wenn er sprach, batte man beständig das Gefühl: Warum eigentlich das alles? Lohnte es sich des Aufwandes der vielen Worte, nur um diese Selbstverständlichkeiten hcrauözubringcn? Und sie mußte plötzlich denken: Er und sie verheiratet, immer so allein einander gegenüber — nicht auszudenken! Sie würde nicht mehr wissen, was spreck)en mit ihm, sein nichtiges Gerede würde ihr auf die Nerven fallen. Eine trostlose Perspektive. er ist überhaupt ein sehr angenehmer Mensch. Finden Sic nicht auch, mein gnädiges Fräulein?"' tönte es ihr da im Ohr. „Gewiß," nickte sie zustimmend zu ihni hin. Aber sie hatte überhaupt keine Ahnung, von wem er sprach. Dann rrat Astrid ein. Mit einem leis vertraulichen Druck reichte sie dem Besucher die Hand. „Wie aufmerksam von Ihnen. Herr Petersen — bereits so in aller Frühei" Gerda verstand den doppelten Sinn der Worte, eines ge- ! Heimen Dankes für die Sendung des Bielliebchens; die 151 Schwester hatte ihm olfenbar sckon gestern eine gewisse Dis-> krction bei der Sache bedeutet. Uni seinen Mund, unter dein! furzgehaltenen englischen Bart, stand es daher auch wie ein verborgenes Lächeln. Dies stumme Einvernehmen der beiden, machte sic noch nachdenklicher. Stils beobachtend liest sie ihre Blicke von dem einen zum anderen gleiten. £>,5 die Mutter! mit ihren Mutmaßungen wohl recht hatte? Ohne Frage fand Peterse» an Astrids srischeni, oft säst, burschikosem Wesen Gefallen. Er stand so auf einem heiteren Neckton mit ihr. Und sie ging gm» Warans ein, kokettierte auch ein wenig mit ihni, aber durchaus in den zulässigen Grenzen: eine kleine Vertraulichkeit, tvie sie eben dem znküns-, tigen Schi vag er gegenüber ivohl gestattet war. So plänkelten die beiden denn auch jetzt beständig miteinander, aber iinmer toieder kehrte sich doch dann sein Blick mit Plötzlichem Suchen wieder ihr zu. Kein Zweifel also: noch hatte sic die Entscheidung in der Hand. „Ich ivitl nun icicht länger stören. Meine gnädigste Frau —" und er verabschiedete sich von der Mutter, um dann Astried, der Rüchststehenden, die tzond zu reichen. „Ich hoffe doch, wir sehen uns morgen auf dem Tennisplatz?" „Sicher!" nickte Astrid munter. „Hoffentlich sind Sic gut i» Form. Wir iniissen ja gegen Elle» Brandt und Herrn, Diester spielen." „Und Sie werden doch auch mit von der Partie sei», mein gnädiges Fräulein?" lvandtc Peterse» sich jetzt Gerda zu. „Ich weist noch nicht vielleicht." Da flog ein Schatten über seine Züge. Er machte ihr eine etlvas formelle Verbeugung und ging. Die Adulter, der die kleine Szene nickst entgangen lvar, schüttelte mit einem bekümmerten Blick auf die ältere Tochter den Kopf. „„Gerda, Gerda!" Aber diese antlvortetc nicht. Mit stolz erhobenem Kops ging sie aus dem Zinümer. Tie Blumen, die ihr geschenkt waren, liest sie ans dein Tisch liegen. Auch Astrid lvar natürlich der kleine Ztvischciisall inirht unbemerkt geblieben. „Gerda ist doch mitunter komisch", meinte sie zur Mutter hin. „Ich verstehe nicht, lvaruin sie Peterse» so geradezu vor den Kops stößt. Er ist doch ein sehr netter Mensch und so blöde verliebt in sic. Wenn ich's wäre, ich tvüjrd' mich nicht lange besinnen. Ich! (ließe mich von ihm verwöhnen iniÄ machte ihi'n dafür immer ein freundliches Gesicht. So wären lvir beide znsrieden. Aber Gerda — ich glaube, die träumt immer »och von dem Märchenpciuze» oder voic der grosten Leidenschaft, voil der sie im euer in den Romanen jo viel schwafeln. Blech! - im wirkliche» Leben kommt's nachher doch immer ganz anders." „Red' nicht so dninincs Zeug! Wals verstehst du junges Ding davon?" Verweisend sagte es Frau von .Henning. Aber int stillen dachte sie: Warum kann nur Gerda nicht so verständig denken tvie die Kleine? Was ein ein die Kinder doch oft sür Sorgen machen! Aber dann lvaudte sich ihr Blick mit einem »ockdrn! lichen Ausdruck doch wieder dex Jüngsten zu. Wenn es denn durchaus nichts tverden sollte aus ihreli geheime» Wünschen, so lväre am Ende wirklich noch mit dieser Möglichkeit zu rechnen. Gerda durfte sich dann nicht beklage». Sie wollte es ja mit Gewalt nicht anders haben. Und mit neuer Hoss--> nnng umfaßte Frau von Hennings Auge die frische, anmnts-- volle Erscheinung Astrids, die jetzt damit beschäftigt war, die Orchideen, die Gerda liegen gelassen hatte, in einer Vase zu ordnen. „Schade um die schönen Blumen!" Und sie ging hinaus, ihnen Wasser zu geben. Mit einem zustinimenden Kopfnicken blickte ihr Frau von Henning nach. „Warum in aller Welt sollen >vir uns den» nicht die „Liebesheirat" ansehen?" Astrid warf es kampslustig zu der ältesten Schwester hin, aber Edith erividerte: „Weil es ein ganz modernes, nmnoraiisches Stück ist, in das eine Dame unserer Kreise nicht geig." „So? Und woher tonnst du denn seine lknmoral?" „Run, mail bat doch gerade genug in den Zeitnngen gelesen." 1 DE v jjy ■> viel zusammen." „Aber auch Frau Brenckeu sagt es Sie Hai das Stück! ja im Winter in Berlin gesehen — in völliger Unkenntnis! seines Inhaltes natürlich." „Natürlich! Aber >vaS dos schon sagen will So einet alte Spinal wachtet, die in Sittlichkeit nnb Temperenzkerinn» macht Bleib inir mit der vom Leibe!" „Astrid, d» hast mitunter Ausdrücke — geradezu nnncög- tich! Mastige dich doch gefälligst." „Na, ja, tven» du mir mit solchem Mumpitz konnnst! Aber vor allem — wenn das Stück wirtlich so schlimm lväre, tvürde es dann überhaupt hier bei uns ausgesührt iverdcn? Am Hoftheater?" „Nun, du iveistt dock, Prinzeß. Juliane hat eben in dieser Beziehung etlvas extravagante Neigungen. Sozusagen einen! literarischen —" „Fimmel!" „Sie schreibt selber und ist daher ungewöhnlich weil-, herzig und nachsichtig gegen alles, trms Literatur und Bühn« heißt." „Gott sei Dank, ja. Denn sonst würden wir hier int! lieben Ellerstedt wohl überhaicpt nichts von moderne!« Stücke» zci sehen kriegen." „Da kann ich Astrid nur recht geben," liest sich nun auch! Gerda hören, „lind darum tverde ich mir auch ruhig die „Liebesheirat" ansehen. Du braiicbst dich im übrigen Mich gar nicht deswegen auszurcgen, Edith. Es gehen noch eine ganze Reihe anderer T-amen hin, auch vom Regiment. Und! wir haben uns gerade genug geöder in diese» letzten Wochen. Ich null endlich mal wieder wissen, dass ich ein Mensch bin." „Bravo!" pflichtete die Jüngste bei. „Und überhaupt, der .Heinz Keßler soll ja i» den, Schick so grostarlig sein, als Baron Jrieniar - seine Glanzrolle." „Ob gerade das Mitwirken dieses Herrn de» Besuch des Theaters passender sür cc'.ch macht, dos weiß ich wirklich! nicht." „Wieso denn nun das schon wieder?" „Run, Frau Brenckeu erzählte doch, daß er in Berlin stadtbekannt, um nicht zu sogen verrufen ist durch sein« Extravaganzen. Er soll ja zwar ein glänzender Schmrspieler sein, ober eben völlig unmöglich in seinem Privatleben. Und nainenllich seine Abenteuer mit Frauen. Es soll doch scheu, verschiedene Skandalgeschlchten gegeben haben in den bestell Kreisen, seinetwegen." „Klatsch!" Aeglvcrfend sagte es Astrid, und Gerda inenitc im gleichen Ton: „Was gehl luis das Privatleben des Mannes an? Uns interessiert er doch nur als Schauspieler. Und lvenii er da Hervorragendes leistet, ist mir alles übrige höchst «gleich, gültig." ' ‘ „Da seid ihr mir nnverständlich," beharrte Edith „Wenn: ich so einen Schauspieler als Vertreter einer Idealfigur auf der Bühne sehe, mit großen, edlen Worten, und weist, er ist in Wirklichkeit eine ganz niedrige Ralur danlc wird >niv doch von vornherein jede Illusion zerstört. Rein, ich verst lange vom Künstler, daß er auch als Mensch nickt klein ist." „Na, lvenii die Leute alle so dächten wie du, könnten! die Theater man getrost die Bude zumache»," erklärte Astrid, und Gerda cntschred: „Jeder nach seiner Fasson. Wir zwingen dick so nicht, dir das Stück anznjehen, aber lost uns auch unser Vergnüge». Ich «ehe l" (Foeljrtzuug folgt.) Die Marqtllse von Zalingrv. Eilic Erzählung von ?llsrcd Möller- Graz. „Ter Arzt must morgen loieder koinucen. Ich will ihn lrtth anc Morgen teieder hier haben, diese Rächte mit einem wider- speiisligen Herzen in der Brlist sind imauSsteblicl»." Tic Stimme Nang kohl »lld verärgert aus einem Veit, ilbrr dem jich ein Riesciibakbachin aus roter Seite bauschte. Tic Marquiic von Salingre halte aut dem A1ta>r qeücmdc». Mit ihrer schtautc» Puvpengeuatl, in einer Robe aus mhfwmt« Seide viit dem junge» rosigen Getickt »iltcr der lwbeu »rnisten Puderirisur sab iie aus tvie die Tochter des Mamas, der eben gesprochen. Sie trat aus deui vollen roten Licht der stnteudeu Scplembersonne in das Ziuimer, ü> dein die goldenen Schnörkel und Rahmen aus den Tomasttapetcu im scheidenden Licht des, Tages funkelte». „Ter Arzt will illlö überhaupt nicht mehr auituchen. Am tvenigsten bei Tage", sagte die Marquise. „Er fürchtet, hast eK idb iljfm die ’S'flihcii? Und Robesvicrres unseres Tories übrlnehmcn Er gcsährdcl sein Leben bei den Herren Ohnehosen. Der Arzt »st Nun und schlagt sich zu ihnen." „Tiefer Sckpirkr von Theriakmischcr," knirschte der Marquis, „diese Pöbelseele! Er trägt ja sein Haar sckzou offen a»t Burger nrt und statt des Degens einen Knoienstock wie ein Jucroyabel. Wie, rege» sich denn die Kanaillen schon so offen, das-er es uvuit — »>as sagte denn der Pfarrer zu dem Treiben dieser gottlose» Schufte?" „Wenn du ausslehen könntest, würdest du sehe», das; der Psarrhof ein ranäender Triinimerhanfen ist, und da st der gute Pfarrer Wott schon in einer anderen Welt preist!" sagte die Mar qnise. „Man hat ihn heute nacht erschlagen." „Heute nacht?" stöhnte der Marquis ungläubig. „Tn warst bewustlos oder schliefest. Tein Bett stand im Widerschein der Flammen In diesem Zimmer gliihte alles nne die Holle aus dem Bilde des Niederländers in unserer Kapelle." „Ich lvac nicht bewusttlos, ich schlief nur," stich der Marquis hervor. „Genesende und Kinder schlafen fest. Aber ich muh wohl lrank werden, ich must böser erkranken, wenn der Arzt nicht lose der kommt. Er must täglich kommen, ich kann nicht hilflos sterben!" „Auch Armand starb ohne Arzt," sagte die Marquise .eise, „als du ihm den Degen ins Herz fliestest." „Er fiel im Duell, ich hätte ebensogut fallen können," kreischte der Kranke zornig und ein ivilder eifersüchtiger Blick schost aus seinen eingesunkenen Augen. „Er hat dich geliebt, er muhte sterben. Er sah sehr hässlich aus, der zierliche Armand, als er blutend auf dem Waldboden lag. Gar nicht schöner, als ich seht. Tic Grimasse des Todes machte auch sein niedliches Naschen spitz und blau." „Er starb unschuldig," sagte die Marquise und hauchte es so leise, das; es der Ankläger nicht hören konnte. Tann trat sie aut den Kranken zu: „Ter Tod steht an deinem Lager und dir denkst liur an die vcrnicintliche Schuld anderer!" „Tu siehst mich wohl schon in der steinernen Kammer unten liegen, he? Tri hörst sie unten die Freiheit ausrnse», die gelehrigen Schüler von Madame Paris, geh' doch hinab, statt dich erst davon zu schleichen, ivährcud ich die letzten Atemzüge tue!" Tie kleine Frau Iäck)elte trübe: „Tie da unten kennen die Freiheit auch nicht, die Freiheit, die zwingt, indem lie Fesseln löst. Auch die dg uule» schreie» in der Freiheit mir einen Tyrannen aus, der Gc.oalt und Mistlrauen au Stelle der Liebe setzt." „Glaubst du, dast sie wagen werden, das Schlost zu stürmen?" keuchte der Marquis, ohne ans ihre Belrachtungen zu achten. „Der Arzt hat »ns gewarnt, der Kutscher, den du peitschen liehest, als er mein Reilpserd nachlässig behandelte, hetzt sie ans." Aus einen angstvolle» Blich des Gatten letzte sie hinzu: „Fürchte dich) NichtsFraneois nnd die übrigen Diener Hallen treu zu uns. Auch ich werde den sterbenden Gatten nicht verlassen, da ich dem lebenden nich,t sloh, der mickr tüchtig quälte." Lie hatte es leite gejagt und iah mit tränenlosen -lugen nur de» Todkranken in den Spitzcnkijse». Er baltechie Augen geschlossen und bewegte unruhig die Lippe». Co oft er die Augen ickstost, machte ihn bas Fieber unruhig. Er murmelte leise, strick über die Decke »iid richtete sich dann wie von einem Peitschenhieb geirosir» mit aufgerissenen Augen im Beite ans. Tie Marquise strich ihm mit einer starken Essenz über die Schläfen tmd drückie ihn zurück in die Kissen. Der Kranke wurde ruhiger: nur sein Atem ging schnell. Es dämmerte im Gemach. Trausten über den liier» der Loire stand der Himmel im blastgrüncn Licht des Spätsommerabcnds. Bon der Torsstrastc tlang das wüste Lied herauf, das Aandcr burschen ttliS Paris gebracht hatten. Kinder und Weiber johlten es. Der Wind drückte leise gegen die klein getäfelten Scheiben der Balkoutüre, er blähte die seincii Seidciivorticren an den Fenstern. Die Marquise sah starr ans den Kranke», der Heist nnd schmächtig -und schwer atmend, säst wie ein tinwirkliches Wesen, eiiigefchrnmpft irie eine Puppe, in dem riesigen Prunkbett lag. Wie aut eiuciw .Katafalk, dachte die Marquise. Diese schwerfällige glänzende lim rahmung, ln der der Gequälte seinem Ende entgegenlilt. lind der hatte Mnunft über sie gehabt. Seine Eisrrsticht hatte sie, das junge Mädchen, ans Paris nackt Lyon und dann hierher aut sein ein samcs Gut geschleppt. Hier hatte sie acht Fahre einer Ehe gelitten, zn der man sie gezwungen hatte. Hier hatte er sie mit einer spöttischen Galanterie, hinter der sich brutale Gewalt verbarg, gequält, gehosmciftcrt. lind nun lag er vor ihr tvie ein letzter Bertretrr des Reiches, das in Paris ant der Guillotine verblutete. Bis zuletz: trug c^die'Ma-ke des sorgloie» Frankreich aut dem Wriicl i; über der Fieberrüte seiner Wange lag die feine Schminke, die Francois demDodlranIcn täglich auspinsrl» musste. Diele lügen liaste Maske dachte sie - - wird ibui der Diener auch aut die Backen malen, ivcnn er tot a»t der Bahre zwilchen Blumen und Lichtern ruhen wird. So verlangte es ja die Lille der Zeit: für die Vornehmen gab es keinen Tod, es war nur eine kleine scher? l aste Gesälligkeit, die man der Natur machte, ivenn man sich mit lebeusroieii Wangen in de» Sarg streckte. Ilnd doch! Als jetzt aus dem Tors ein gellendes Geschrei eines Versal.iten heiaustöiike — sie glaubte die Stimme eines ihrer Diener zn erkennen, de» sie in Verkleidung um Lebensmittel getchickt hatte — als der rote Flackerschein eines Feuers, bei dein man wohl tvieder irgend eine Künigspuppe verbrannte, herausdrang und anj dm Wänden elastisch ansfliitete »nd einschruinvsle, drückte sie sich umoillkürlich schaudernd an das Bett, in dem der Kranke lag. Seine kalte .Höflichkeit war doch immer »och menschlicher als das wüste Gegröhl der Freiheitsschrcier da unten . . . * Frangois, der mit ztvei Armleuchter» eintrat, schreckte sic auf. „Gnädigste Marquise," sagte er, „ich fürchte, heute wird böser Ernst. Der Schmied, den sie den Christus der Revolution »cnnew, weil er die Revolution ohne Blutvergiesten predigt, ist heute nach St. Pierre hinüber. Es ist Nalionalgarde dort einaiiartiert, die nach der Grenze reitet. Tie Pferde brauchen Beschlag. Ich fürchte, man macht heute Ansang und Ende niit uns. Gnädigste Marquise, der gnädigste .Herr wird »ns nicht mehr lange brauchen ... es würde genügen, wenn ich dablcibe. Bapliste tonnte die gnädigste Marquise heute nacht »och »ach Lyon geleiten, in einfachen Kleidern natürlich, von dort ist cs nicht mehr weit nach der Grenze." Die Marquise schüttelte den Kopf: „Niemand wird wagen . . . nein, tvir werden den frommen Schmied nicht brauchen. Ich bleibe hier!" „Die Pistolen des gnädigsten Herrn sind ja wohl bereit--" sagte Fraixzois, dann unterbrach er sich Unruhig: „Gnädigste Marquise, ich höre Lärm — das kommt gegen das Schlost!" Durch den Garten herein wälzte sich eine brüllende johlende Menge von Burschen und Weibern. „Frangois — keinen Wasfeii- gebrauch, hörst du!" Wenn sic uns lvchrlos sehen, tverden sie uns, einem Sterbenden und mir, nichts anhaben Geh' nnd zeige dich erst, wen» ich „ach einer Hilic rusc!" Es stampste über die Treppe heraus, rist Türen auf, schmetterte Türen zu. Ein paar Spiegel oder Fenster brachen . . . Der Marquis hörte nichts. Sein Arm ging schnell und pfeifend. Die Kerzen in den Giranüolen auf dem Kamin begannen unruhig zu blalen und zu flackern, den» die Tür war ansgerissen worden und die Zugluft schost von dort z»»i Balkon. Die Vorhänge am Bett jlatterten tvie Segel . . . „Der gehört jetzt zn uns!" schrie eine dünne, hohe, höhnende Stimme. „Ter Diener, de» die Frau Aristokratin ansgeschickt hat, gehört jetzt uns, er zieht keine Kncchtslivree mehr an!" Schmutzige Finger deuteten auf den juugdn Bedienten, der bleich dastand und die Augen nicht zu seiner .Herrin zu erheben wagte. „Schau sie nur an, schüttle ihre Hand, sic ist auch nur eine von den Weiber», wie die unser» da", rief der Kutscher, der einst dem Marquis gedient hatte »ud der damals die hundert Pcitsche»- hicbc für eine Nachlässigkeit erhalten hatte. „Sie werden jetzt niemand mehr die Nippen mit Keulen aus dem Fleisch graben lassen. Wo steckt denn der gnädigste, allcrgnädigstc Gebieter?" Tic Weiber hatten sich dem Bet! genähert und betasteten die kostbaren, hoch gewölbten Spitzenpolstcr, dann erst beachteten sic den Marquis. „Seht, der verdreht ja schon die Augen!" rief ein altes Weib von zigeunerhafteni Aussehen. „Er sieht dich und macht verliebte Augen," lachte man ihr ;». „Aus ist es mit deiner Herrschaft, Aristokratenhund!" plärrte der Kutscher, „he, wirst du nochmals Leute schinden, toirst du nochmals verlangen, dag deine Diener den Tchlosttcich nachts mit Ruten tlopsen, damit das Quake» der Frösche deinen Schlaf nicht stört?" Er vacktc den Kranken an der Brust, hob ihn a» den Spitzenkrausen empor, dast sein Kopf weit zurücksank, und schüttelte ihn, als butte er eine Katze an der Gurgel. Tie Marquise lallte die Fäuste. „Feiglinge!" kenchle sie. „Seht ihr nicht, dast er i»> Sterben liegt? lind doch — und doch er ist stärker als ihr! Stärker als ihr! Er suhlt eure Wut nicht mehr, er hört eure häßlichen Worte nicht mehr, er lacht über eure Bosheit! Euer Zorn schlägt an ein Tor, das euren Fäusten trotzt, ist doch noch er immer stärker als ihr!" Sie wiederholte es immer wie eine» inneren Trost, loie einen Triumph: „Er ist stärker als ihr!" Ein junger Bursche wollte den Weibern wehre», die dem Bc- wußtloseii Nasenstüber gaben, aber sic schlugen kreischend seine Hand zurück: „Wir spielen nur ein tvenig mit ihm. Biele von seinen Borsahrcn haben sich an den Martern unserer Eltern und Grosteltcrn gefreut. Vielleicht ist deine eigene Mutter zn seiner Freude am Dorsplatzpraiiger unten mit Ruten gestrichen worden, weil sic nicht mit ihm wollte!" „Er stirbt!" sagte die Marquise. Ihre Stimme klang jetzt nicht einmal bittend. Cie sah, wie sein Akcni anszusctzen begann, tvie die selteneren Atemzüge langsan, und tief wurden ... „Ja, er bläst seine Seele aus," sagte ein langer Gesell in weiten Hosen, die aus einer dreifarbigen sranzösischen Fahne genäht waren. Er >oar cltvas angetrunken und halte tvährend des ganzen Austritts die Marquise gierig beglotzt. „Er stirbt, aber du lebst, schöne Bürgerin Aristokratin!" gröhllc er. „Tu gehörst uns!" Er torkelte unter allgemeinem Gelächter aus sic zu und wollte sie mit seinen dicken, roten Fäusten an fielt ziehen. Seine seiften Lippen, die senchtrol ans dem scknnutzigen Gesicht glänzten, näherten sich ihrem -iacken. Tie lleiue Frau schlug ihn, die geballte Faust ins Gesicht »ud fliest ihm vor die Brust, dast er strauchelte und im Fall aus dem glatten Bode» den eine» Armleuchter vom Kamin »iedrrrist. Es gab eine» itirchlbareii Lärm, einige lachte», die mei nen tvollten sich ans die Marquise stürzen, Aber der Gefallene kam ihnen zuvor. Mil brennenden Aiigen ging er aus sic los und griff nad) ihrer Kehle. Aber diesmal riß ihn eine härtere Faust zurück: Der Sclnnied war eingctreten. Sein blgsses Gesicht sab nach der Marquise, als wolle er ihr die kianzc Schmach dieser Augenblicke abbitte». „ „ „Der Schmied," riesen die Weiber. „Der Revosuttonschlrstns!" höhnte» die Männer. Aber sie sahen dock, scheu nad, dem großen ftmgen Bursche» mit de» klugen Augen, der so surchtlos uttler ihnen stand. Ein paar Mädel lichcrtcn: „Die schöne Marguise — er liebt sic ja seit langem! Seit er ihr Reitpferd beschlagen durste, wird er rot, so oft er sie sieht. Seht nur, wie ihm wieder das Blut die Wangen steigt!" Der Schmied wnr wirtlich rot geworden wie ein Schulknabe, deu der Lehrer beim Kirchendiebstahl ertappt. Seine Stimme zitterte vor Wut, als er jehl ries: „In der Nachbarschast sind Sol baten, ihr werdet füsiliert oder müstt de» Kokardcnhut und das Gewehr nehmen, toenn ich euch als Plünderer airzeige. Ihr habt irn Sdrlost geplündert und euch Nationalgut angeeignet!" Die Sdrreier sdiwicgcn verblüfft und bestürzt. Sic sahen deu Schmied ein rverrig verlegen an, und als er jetzt den Arm hob und sie hinmrswieö, wagten sie keinen Widerstand. Da auch Francois und zwei andere Dlener gekommen waren, so klnvierte die Menge rasch über die Treppe davon ... „Ich danke Euch, Bürger Schmied," sagte die Marquise und wollte ihrri die Hand reichen. Er aber griff nicht danach. „Ich habe nur im Namen der Freiheit und im Geist des neuen Frankreich gehandelt," erwiderte er. „Im Name» deä Frankreich, das Unrecht aus bcchen Seiten nicht leiden will. Diese Freiheit kennen die armen Bursdien hier »och nicht und —" „Ich auch nicht, wollt Ihr sagen," ergänzte die Marquise, und ihre Stimme klang traurig. „Ihr and, nicht," sagte der Schmied, „denn diese Freiheit kann erst erstehen ohne diesen Tand, der hier um Euch ist!" „Vielleicht verstehe ich uud ehre ich diese Freiheit dod, mehr, als Ihr glaubt," sprach die Marquise leise, und um ihre Lippen zuckte ein bitteres Lächeln. » Sie. hatte in ein seidenes Tuch Sdmmd und etwas Geld getan und ein einfaches bäuerisches Kleid angelegt. Das Haar trug sie wie ei» Landmädchcn. Dann gab sie Francois zwei Beutel mit Goldstücken. „Behalte, tvas du brauckist, und gib das übrige deinen Kameraden. Dann gebe. Frage nicht nach niir, es ist mein letzter Beseht au dich Sorge auch nicht für die Beerdigung deines Herrn. Ehe du über die Grenze bist, wirst du sehen, dast ich daran gedacht habe und aller tvohl besorgt ist. Gehe jetzt!" Nachdem sie sid> überzeugt hatte, hast er mit den Kameraden den Weg über die Höhe ei,Eching, trat sie vom Gartcutor in de» einsaui und dunkel liegenden Park zurück. Ihr Schritt klang nu- heimlich aus den finsteren Treppe» des Schlosser. Am Bett des Tote» flackerte» „och ein paar tief herabgebranute Kerzen. Der gestirnte .Himmel stand draußen über den schwarze» Bauuiwipfeln des Parks. Die Vorhänge raschelten im Nachtwind, sratzeuhaste Schatten huschten über die Wäiche des Zimmers. Da trat sie au das Lager des Toten, der init osscncn Augen ins Flackerlichl der Kerze» starrte, und nahm den eine» Leuchter vom Kamin »ich hielt ihn an die knisternden, leichten Dainastvorhänge. Eine Flamme raschelte über das Bett . . . * Pein, Sdtucied, der an der Flustbrücke ansterhalb de-s Dorfes wohnte, poditc cs, als die Nach! zu Ende ging. Er öffnete und sah erstaunt da» junge Weib unter seiner Türe. Dann sprach sie, und er erkannte sie an der Stimme: „Bürger Schmied, id> habe alles Inter mir niedergebrannt. Ich suche wie b» die Freiheit, die Frei- eit ohne Gewalt, die die Freiheit der Herzen ist . . Die Freiheit, die ich da obeir nie faitb und die du bei den Dorslenteu hier unten nie finden würdest. Willst d» mir den Weg z» dieser Freiheit weisen, Bürger Schmied?" Er tvurde oerleqen, atmete tief und tonstte nicht, was er ingcit sollte. „Wenn du nicht toillst, Bürger Schmied. so must id> allein meine Strasse gehe». Man darf mich, toenn die Sotinc ansgeht, nicht niehr hier finden. Soll ich schutzlos de» Weg in ein neues Lebet! gehen? Man hat mir gesagt, dast Ihr mich liebtet, Bürger Schmied . . ." Da stieg es ihm Heist in die Augen und sein Blick slauimte vor Seligkeit. „Bürgerin!" ries er und schlost sie fest in die Arme. Sic aber toeintc jetzt und krampfte ersdiöpst von de» Schrecken der Nacht ihre Hand in die seine . . . * Als sie die Waldhöhe über dem Dort erreicht hatten, ans dem die ersten Moraenrufc der Hähne beransschallten, zerriß eben eine mächtige Flamme das Dach des Schlosses und lohte entiesfelt über die feierlichen Baumwipfel des Parks in den Himniel. .Hand in Hand standen die beiden Flüdttlingc und blickten zurück. Wie ein flatterndes Rieseubauner der Freiheit breiteten sich die Flamnien über den Himmel und vermählten sich mit deni Frührot zu glän- zeuder Flut. Groß uud klar glühte die Sonne über die Höhe» herauf .. . vermischte». Ick. Der F ü u f z r g p t e n » i g b u t. Eine englische Tageszeitung, der „Daily Mirror", hat dieser Tage in ein Äespennestt gestochen, indem er in seiner Modespalte eilt paar wunderhübsche und moderne Hüte abbildete, nach Photographien -, die wie der Text sagte, nicht mehr und nicht weniger als 40 bis 80 Pfennige das Stück kosteten. Die nnmittelbarc Folge war, daß aus dem Kreisc der Leserinnen eine wahre Flut von Zuschriften über diese» Füufzigpfennighnt an die Redaktion gerichtet wurde. Für den tlnbcteiligten sind nianche dieser Briese recht ergötzlich zu lesen. Eine Dame war angeuscheinlich vollstäirdig aus dem Häuschen, als sie schrieb: „So glanben Sie das Wohlwollen Ihrer Leserinneii zu gewinnen? Mein Mann hatte kaum Ihre indiskreten Photographie» z» Gesidtt bekommen, da hielt er mir eine lauge Predigt über Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit im Hause, ja, er verlangte allen Ernstes, ich solle mir eine» solchen Fünfzig- vfcninghnt kauscn. In inizühligen Familien bat sich sicherlich das Gleiche abgespielt: so säen Sie Zwietracht zwischen Man» und Frau! Und da ich kein attderes Mittel habe, mich zu rächen, so bestelle ich vo» heute an Ihr Blatt ab!" Eine andere Frau ging nicht ganz so weit. Sie schrieb: „Angenommen, cs sei möglich (cs ist aber nicht mögliche, einen anständigen Hut sür 50 Ps. herzustellen, so wird sicb keine einzige Frau finden, die es wage« würde, sich dattlii aus ihrem hause zu begeben, wenn der Preis bekannt ist. Uebcrdics ist es vollkommen absurd, zu behaupte», dast die Hüte, deren Abbildungen sie veröffentlichen, für alle Frauen passen, sür schöne und häßliche, für magere und decke, sür blonde nnö braune. Augenscheinlich — mit diesett bitteren Worten schließt die erzürnte Leserin — wird ihre ganze Zeitturg von Männern geschrieben, einschließlich der Franenbeilagc!" Eine Menge „An- klagcbriese" sind natürlich anch ans dem Kreisc der Hntkünstlerinnen eiugegangen, und aussälligcrweisc stimmen die Hutkünstlerinnen alle darin überein, daß eine Dauie, die cttvas aus sich hielte, keinen Hut tragen könne, der nicht tvenigstens seine 20 Mk. koste! Die ganze Anitvort des englischen Blattes ans alle Briefe bestand darin, dast es in einer der nächsten Numnirrn wieder die Abbildung eines DamenhuteS brachte, der (nach männlichem Urteil» durchaus anmutig ist, dabei aber nur — 10 Pfennige kostet I * Protest in der St rasten bah». Vater: „Willst du nicht aufstehcn, Kurt, um der Dame Platz zu machen?" — „Ach Papa, sei nicht inimer so galant auf meine Kosten!" Sprachecke der Allgemeinen ventsche» Sprachverein». * Der Offijicr. Der Dublee Zinrgrel lt7. Jahrh.s erzählt «ine Anekdote von cincni f»amfd)eil Beleblohat er des 17. Jahr!»., von einem foldie», »Me man jetzunder A Ir mod» Offmimr heißt.* A»S diesen Worte» ergibt stch dreierlei: einmal, dast Otfizier von Antang an nicht den Inhaber einer inilttärisciien Steltima be- zeichnete, keiner, dast die Ueöertragung und Bearissseinscl>rnnkn»g des Wortes an! Miillärvechältnisse fld> in Frankreich vollzo >. und daß der Deul!d>c cs erst von hier aus in leiner Nenbedeutung übernahm. In der Tat ist der mitleklat. oklieiarius, ans den, der Otfizier tbei uns in älterer Zeit auch Olfizirer genannt» hervorging, von Haus aus keme nillltärische Würde, sonder» allqe>neiti et» Beamter, der irqend ei» officium capestan, ohne vit andele olficler. Karne» doch >mt der Etnrichlung unserer Heere nach sranzöstschei» Atnster auch vtele andere französische Rang- beiieimmigen zu nns, ivie General, Major, Leutnant (»rsvr. — Steitveltleier», Sergeant. Deutsch hliehcn rigentttdi uurSheist, Honptmann, Rittmeister, Fähnrich, Feldivehel (äUeie Form Jeld» ivcibels und der Geirett«, d. l>. der von, Wachtdienst Bekrcile. Wie so manches anders geworden ist! Wer lieht rs de,» Grenadier heute »och an, dost ec in seiner itatteuische» Heimat von Hans a„r ein Wecker vo» Handgranaie» war? lieber kränz. grsusärer wurde er bet nn» zunächst zinn Granadirer und von da aus erst zu dem, ivas er heute ist. Mit de» Granatcn hat er nichts mehr zu tun. _ SöhnS (Hannover' DerStedrätjel. Ala» suche ein Svrichwort. dessen ctnzelne Silben in solgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in .Wanderer*. Edelstein — Kaffeebohne» — Augenärzte — Kriegerverein — Reisetasche — Zundcrerz — Overnsänger — Teekanne — Bielhiiser — Geldbörse — Assessor — Handarbeit — Heinrich — Botenfrau. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Pallndroms in voriger Nnrniner: Nebel, Leben. Redaktion: iFeurath. — Nolatioicsdrnck und Verlag der Brühl'schen Uiilverssläts-Vnch. und Steindrnckerei, R. Lange, Gießen»