Ein Frühlingstraum. Roman von Fr. Lehne. (Nachdruck sterboten.) (Fortsetzung.) „Wir wollen nicht denken, Mar», nein! Jehl habe ich dich wieder und lasse dich anch nicht mehr! Komm, setz dich wieder zn mir — dann bin ich zufrieden. Diese Sünde, wenn ei Sünde ist. wird uns Gott schon verzeihen!" Hub er küßte sie wieder in heißer Leidenschaft. Ihr Gesicht glühte unter seinen Küssen, und sie vergaß alles in seinem Arm. Innig »lickten seine dunklen Augen liebkosend ans sie, streichelte er ihr Gesicht, ihr Haar — und leise erzählte er ihr dann, wie »und Ivodurch seine Verlobung mit Gabriele Ulrich zustande gekommen war, von jenem unglückseligen Abend auf dein Friedhof. Ivo er ihr Taschentuch gesunden von seinem Friedhof, wo er ihr Taschentuch gesunden — von seinem Schmerz um sie, und dann von seiner so unglücklichen Ehe. -.Das ftiitb, Mar», ist mein einziger Trost in diesem elenden Lebens wenn ich den Jungen nicht gehabt hätte — wer weiß — und dann, mein Süßes, verzehrte niich die Sehnsucht nach dir! Wenn du mir wenigstens nur einmal noch ein Lebenszeichen gegeben hättest! — Sag mir, wie kommst du eigentlich in dieses Gewand? Wo bist du in den Jahren gewesen?" ,,O Wolf, das ist eine traurige Geschichte: erlaß sie mir " bat sic. „Nein, nein, erzähle mir; ich will teil an deinem Leid haben! Wer weiß, ob das Geschick uns je eine solche Stunde wieder beschert." Eng an ihn geschmiegt, erzählte sie stockend, oft durch seine Liebkosungen unterbrochen. „Nach meiner Abreise damals ging ich zunächst nach Berlin und nahm in einem feinen Hause eine Stelle als Kindersräulein an: in ein Geschäft wollte ich nicht wieder, wenigstens vorläufig nicht. Aber der Hausherr war zudringlich geivordcn: er hatte mir die verlockendsten Anerbietungen gemacht, so daß meines Bleibens in dem Hause nicht mehr sein konnte. So ging ich denzv als Gesetlschastcrin zu einer älteren, reichen alleinstehenden Dame, z» einer Frau Doktor Walter, die in einem kleinen Dorse Thüringens in der Nähe von Weimar zurückgezogen lebte. Wir beide schlossen uns eng aneinander: ich wurde von ihr wie eine Tochter gehalten und geliebt bis — bis eines TagcS — “ sie stockte — „Weiter, Mary, weiter, was tvar —?" fragte er. „O Wolf," sic verbarg ihr Antlitz an seiner Brust, „ich kann es nicht sagen — " eine schreckliche Ahnung durchzuckte ihn da: er hob ihr glühendes Gesicht emvor und sah in die tränenschimmernde» Augen — „Mary?" — sic nickte — „ja. Wolf, bis ich -- Wolf, ich war der Verzweiflung nahe: ich wollte sterben, fand aber nickt den Mut — Wolf, diese Tage der Angst und Qual werde ick nie vergessen! — Meiner mütterlichen Freundin war niein gedrücktes Wesen auf- gefallen: sic forschte nach der Ursache, und zn ihren Füßen! bekannte ich alles. So gut sie war, hatte ich doch nicht den' Glauben, daß sie mich danach behalten würde und sah mich schon hinausgestoßen in die erbarmungslose Welt. — Da. statt dessen hob sie mich liebevoll emvor — „armes, armes Kind," sagte sie nur. ----- Wolf, ick durfte bei ihr bleiben: sic stand mir wie eine Mutter zur Seite, sonst wäre ich ttif Elend 1111b Schmerzen gestorben " Wolf war ansgesvrnuge» und ging hastig ans Fenster. Das Gesicht an die Scheiben gelehnt, stand er da, von dem Gehörten tief erschüttert. Aschfahl wandte er sich endlich um „— und das Kind, Mary?" stieß er hervor ,,- war ein Knabe und trug deine Züge, deinen Namen, Wolf," sagte sie leise. Er umspannte ihren Arni so fest, daß cs sie schmerzte. „Mary, Liebste und wo ist er? Warum hast du inir nie davon geschrieben?" Traurig schüttelte sie den Kopf „ — ■ dir das Herz schwer niacke»? Nein! Vor anderthalb Jabrcn habe ich ihn begraben. Hier ist sein Bild!" Sie öffnet« als der Taille ein paar Knöpfe und zog ein Bild hervor, däß ein bildschönes Kind von zwei bis drei Jahren darstellte. Hastig griff er danach und blieb lange im Anschauen vcrsuw- ken, während es gar Ivnnderlich in seinen Zügen zuckte. Dann verglich er cs mit dein fchlasenden Kinde — ja, sie waren einander ähnlich wie nur Brüder sich gleichen können. Tief erschüttert barg er sein Haupt in Marys Schoß und weinte heiße Tränen: sein Körper bebte von der inneren Aufregung. Beruhigend strich sic mit der Hand durch sein lockiges haar. „Marti, warum hast du geschwiegen?" stöhnte er, „du hast unrecht getan, mir dies Kind vorzuenthalten: ich hatte ein Recht darauf! Q wie hätte ick es lieb gehabt! Und nuis ist es tot, ohne daß ick es gekannt habe. Lasse mir wenigstens das Bild, ja?" „Behalte es, Wolf, ich habe uock einige! — Warum ich dir nie davon geschrieben? Erstens wollte es Frau Doktor Waller, der ich inick bedingungslos unterwarf, nicht, und dann wähnte ich dick glücklich zufrieden! Warum da den Frieden deiner Ebe stören? Ick wollte tot sein für dick! Und nun ist es dock anders gekommen! höre weiter! Frau Doktor Walter behielt mein Kind bei sich und schloß es in ihr Herz. — Und ich mußte doch arbeiten, verdienen — und wenn es nur wenig war: aber einen Beruf mußte ich wieder haben. So ging ich fort, uni die Krankenpflege zu erlernen — und im Dienste der leidenden Menschheit das zu sühnen, was ich ans Liebe zu einem Einzelnen gefehlt. Dem Schwestern-- verband konnte und ivolltc ich nicht angehören, da ich nicht mehr unbescholten war — aber als Privatpslegerin für die Armut ist man immer willkommen! Woli, das Kind war meine ganze Wonne! Ich lebte nur für meinen süßen Knaben, und die Zeit, die ick mit ihm zusammen sein konnte, war meiiic Erholung. Dann, Wolf, kam eine schreckliche Stunde für inich — wohl die schwerste meines Lebens! Ich hielt einen Brief in der .Hand mit der Mitteilung, daß mein füßes Kind einem Eroupausall erlegen sei." Sie schwieg, von 122 der Erinnerung überwältigt: Sanft strich er über ihr blondes Haar. „Armes Kind — intb immer allein!" Mit feuchtem Auge sah sic zu ihm empor: „Ja, Wolf, allein! — Erlaß mir die Schilderung meines Schmerzes; mein Einziges aus der Welt war mir genommen, und ich mußte still sein, durslo nicht klagen! - Seit ich das Kind habe hergcben müssen, Wolf, bin ich still und ergeben geworden; jede Sehnsucht nach Glück habe ich aukgegebcu — die Stunden, wie vordem, in denen ich nach Liebe, nach Dir — mich krank gesehnt — die kaincn nicht ivieder! Mein Leben war eingesargt in einem kleinen schmalen Kasten draußen auf dem Friedhof." Sie faltete die schmalen Hände und neigte ergeben den Kopf. In ihrer Haltung prägte sich ein solcher Schmerz und dabei solche rührende Ergebenheit aus, daß es ihn erschütterte. „Mary, niein geliebtes Weib," jammerte er, „und ich habe nichts davon geiouht — " er faßte ihre beiden Händel und drückte sie so krampfhaft, daß sie sic ihm mit einem leisen Wchrns entzog. „Der Schluß ist kurz, mein Wolf," fuhr sie fort, „ich pflegte Kranke unter dem Namen Konsuelo — " — „deren Trost du auch bist," schaltete er innig ein, — „bis ich durch Vermittlung meiner gütigen Freundin, Frau Doktor Walter, nach hier kam in die Privatklinik des Doktor Hamann, dessen Frau eine Jugendfreundin von ihr ist. Doktor Kornelius; verkehrt in dem Hause und bat mich in voriger Woche, einen seiner Patienten zu pflegen — — cs war dein Hasso!" „Und so fanden ivir uns Ivieder," sagte er tief erschüttert. „Vielleicht wäre cs besser gewesen, wir hätten uns nicht wieder gesehen. — wozu alte Wunden ausreißen!" „Nein, nicht so, Mary rede nicht so; es sollte so kom- men! O, mein Märchen, gehöre mir wieder wie früher — lasse uns wieder glücklich miteinander sein. — Verlasse diesen Beruf, du bist zu schade dazu — " drängte er. „—und deine Frau, Wolf?" „Sic mag gehen," sagte er hart. „Ich habe es ihr mehr als einmal freigestellt!" „Sie wird dich niemals lassen; dazu liebt sic dich zu sehr — die gibt dich nicht frei!" Ta beugte er sich au ihr Ohr und tauchte seine schönen dunklen Augen tief in die ihren ,,— und könntest du dich schließlich nicht darüber hinwegsetzen? Mary, wir haben auch ein Recht aus Glück!" flüsterte er lcidcnschast- lich, indem er sie heiß umfing. Sie drängle ihn sanft von sich. „Geh, Wolf," sagte sio traurig und vorwurfsvoll, „geh! Wenn du keine Achtung mehr vor mir hast, mir das zu sagen, so ehre wenigstens das das Gewand, das ich trage!" „Märchen," bat er, „verzeihe mir; ich bin ganz von Sinnen; seit ich dich wieder habe - weiß ich nicht mehr, was Recht und Unrecht ist! — Fühlst du den» nicht niil mir? O, du bist so kalt — Mary, die Qual meiner Ehe ist nicht zu beschreiben! — Und nun du hier — mir nahe und doch so unerreichbar! — Mary, noch einmal, hast du den Mut, mit mir zu gehen? -- Ich will alles lassen um dich, Heimat, Berus! — Wie ich dich liebe, Mary, ward noch kein Weib geliebt! Du kannst machen mit mir, was du willst — nur gehe mit mir — werde mein!" Er lag zu ihren Füßen und umfaßte den schlanken Leib der Geliebten. Seine dunklen Augen blickten, flehten zu ihr niit beredtem Ausdruck empor. Traurig und ernst sah sie ihn an, und traurig und ernst sagte sie: „Den Mut dazu, Geliebter, den hätte ich ivohl — denn ich habe nichts mehr zu verlieren! Aber du — du weißt ja gar nicht, was du sprichst - bedenke, wer du bist! Wag würdest du alles ausgeben! Nein, nein, unterbrich mich nicht! Du hast ein Kind, dem du Rücksicht schuldig bist - - dann, Wolf, wenn ich nun nicht mehr bin, was hast du dann, — Sieh mich nicht so erschrocken an " und ganz leise fügte sic hinzu, „ich iveiß es, Geliebter, ich fühle es, meine Jahre sind gezählt —" Fest umklammerte er da ihren Leib und ein Schluchzen erschütterte seine» Körper; er vermochte nichts zu sagen; die Kehle war ihm wie zugcschnürt. Sic strich leise durch sein dunkles Haar, in dem schon so viele Silbcrfädcn schimmerten. „Siehst du, mein Wolf, ich muß dir das sagen; wir müssen alles bedenken. Im vorigen Winter bin ich sehr krank gc-° wesen; hatte mich überanstrengt; der Sommer brachte mir Heilung — aber jetzt fühle ich cs wieder — ich habe Sefjn-J sucht nach Ruhe--ich bin so müde; ich möchte schlafen — schlafen — — nicht wahr, nun gehst du auch und läßt mich schlafen; es ist lange Mitternacht vorüber, Hasso schlummert so süß; er braucht mich jetzt nicht. — Wir haben «ns an?-« gesprochen; das hat mich doch befreit! — Sei gut, sei ruhig, mein Geliebter, cs kann doch nun einmal nicht sein! Laß uns tragen, was uns auserlegt ist," redete sie beruhigend dem Fassungslosen zu — „und jetzt versprich mir, Wolf, daß du mich nicht suchst: meide mich — die Aufregungen schaden nur." Er erhob sich, nahm ihren Kops in seine beiden Hände und blickte lange in ihr süßes Gesicht. „Nein, ich! kann cs nicht mehr! Du sollst mein Weib werden, ich setze cs durch! Dann wirst du auch gesunden — dir hat nur der Sonnenschein gefehlt, arme, zarte Blume! Nun küsse mich noch einmal; dann will ich gehen!" Sic legte die Arme um seinen Hals; er drückte sic fest an sich, und mit einem' langen innigen Kusse schieden sie. * Wieder waren einige Tage vergangen. Hasso war besser geworden; er hatte sich seiner tapferen Pflegerin angesreun-, dct, und sic war rührend gut zu ihm. Sein Auge leuchtet« freudig auf, wenn er sie beim Erwachen an seinem Belte sah, und sic durste nicht von ihm. Mary verstand auch, aus seine kindlichen Ideen cinzugchen und sich ihnen anzupassen —> sie spielte mit ihm und erzählte ihm mit ihrer süßen beruh!-, gendcn Stimme Märchen, denen er mit Andacht lauschte. Wolf sah das alles 'mit wehmütiger Freude; er mußte immer-, fort an sein anderes Kind denke», das er nie gekannt hatte —i das tot war — und seine Mary als Mutter desselbenJ Doktor Kornelius war aber noch nicht mit Hasso zufrieden; die Schwäche war noch zu groß. Er sprach seine Besorgnis darüber zu Mary aus, die ihn angstvoll ansah. „O, lieber Doktor, retten Sic das Kind! Wir haben cs. doch schon so weit gebracht —" Verwundert sah er sie an. „Sie haben viel Teilnahme, Konsuelo, und vergessen sich darüber ganz," sagte er langsam, einen prüfenden Blick in ihr Gesicht werfend. „Am liebsten imöchte ich Sie ins Bett stecken und Vertretung für Sie senden, so elend sehen Sie ans. Ich kann cs kaum verant- warten. Unsere liebe Frau Hamann würde cs mir nie verzeihen, wenn Sie krank werden." „Wer fragt nach mir! — ich bleibe, Doktor!" cntgegncte sie hartnäckig. „Was ist?" fragte Wolf, zu den beiden tretend, die er so . eifrig sprechen sah. „Ich konstatierte soeben, Herr Hauptman», daß Schwester Konsuelo der Pflege nicht mehr gewachsen ist," sagte dev junge Arzt bestimmt. (Fortsetzung tcfat.J Zpinnstuben im vogelsberg und in den angrenzenden Gebieten. Von Tr. Hermann Mol), Gießen, (Schluß.) V. Tein Treiben in der Spinnstubc haften manche Züge an die nur als Merkmale eines urwüchsigen und ixm höherer eilte unbeeinflußten Wesens zu verstehen sind; »»scrc Teilnahme ist da fern. Wenn nur aber ein Lied ertönen hören, dann merkeir ivir auf und lauschen, >oas das Herz dieser einfachen Menschcnt bewegt, in deren inneres Leben wir nur selten einen Blick tun können. Man muß die Lieder singen hören. Tie schlichten Worte geben mir einen schwachen Abglanz von dem mit innigem Gefühl vorgetragcnen Lied. Unebenheiten, die beim Lesen fühlbar tverden, gehen unter im Gesang. Tie Lieder vererben sich von Geschlecht zu Geschlecht, und manche machen die Runde in deutschen Landen. Ter Liederschatz der einzelnen Landschaften ist sehr verschieden; jede hat ihre bevorzugten Lieder, in denen sich Geist »nd Gemüt der Bewohner wnderspicgeln. Biele Lieder durchzieh: ein weh- müiiger, Ilagcnder Ton, und Licbeslcid und Licbesluft sind immer tviederkchrendc Motive. Ich habe mir ein Büchlein geliehen, das die Ausschrift trägt: Liederbuch für Beter Richard, Schwarzenborn, den 23./I. 7k. In diesem Büchlein hat der jetzt hochbclagle Mann die Lieder ausgezeichnet, die in seiner Jugend inr fröhlichen Kreise der Spimv- stnbe gesungen tvnrde». Es sind darunter manche bekannte BolkL- jieder; besonders anziehend und loertvoll aber wird die Sammlung durch die Lieder, die Peter Richard ftir seine Spinnstnb« selbst gedichtet hat. Eitlen breiten Raum nehmen die Liebeslieder ei», die sich aber znin Teil ihrer nnvcrhülllen (nicht entartet» schmutzigen) und oft trotzigen Sprache wegen der Wiedergabe ent». ziehen. Tann folgen die Kriegslieder, die echt vaterländische Begeisterung atincn und einen guten Einblick in die Stimmung des damaligen Baucrngeschlcchts gewähren. Als Proben dieser käst- ISS sichen Ergüsse o»3 der Volksseele lasse ich zwei Liebeslieder, ein Hriegslied und ein politisches Lied folgen: Tie Schöpfung. Als der liebe Gott die Welt erschaffe«/ Schuf er Fische, Vogel und auch Affen; Aber mitten iu die weite Welt Hai er auch den Adam hingcstellt. Wie nun Adam ist allein geblieben. Folglich keinen Handel hat getrieben. Sagte Gott, bas ist ja auch nicht fein. Es muh eine Gattin bei ihm sein. Wie nun Adam schlief, ist Gott gekommen« Hat ihm eine Rippe ausgenommen. Nahm die Rippe mit sich fort nach Hauch Macht ihm eine schöne Eva draus. Als nun Adam vott dem Schlaf erwachte. Und die junge Eva ihn anlachte. Sag, womit vertrieb er sich die Zeit? Tavvtr schweigt des Sängers Höflichkeit. Als nun Gott den Adam fragte, Wie die schöne Eva ihm bchagte, Sprach er: Nehni mir alle Rippen raus. Mach mir lauter schöne Eva draus. T r e Reise nach Frankreich, die fällt nlir so schwer. Tu einziges Mädchen, wir sehn uns nicht .mehr. Sehn wir uns nicht tviedcr, so wünscht ich dir Glück; Darum schaue, guter Jüngling, noch ostmals zurück. Tes Sonntags, früh morgens, da kam der Rapport: Macht Euch fertig, Musketiere, wir müssen jetzt fort. Warum denn nicht morgen, warunl denn grade heut, Tenn es ist ja heute Sonntag für uns schöne junge Leut, Sie tvinkle mit den Acuglein, sie gab mir einen Kuh, Nun Adjes, mein liebes Schätzlciu, die Reise geht los. Krieg Slicd. (Nach der Melodie: Prinz Eugen, der edle Ritter. . .) Friedrich Karl sprach mid Bazäne, Tu ich mir bei Metz ein Bene, Ich kann warten, General! Hast du airch gar viele Truppen, Durch lah ich dich doch nicht schlappen. Schließlich kriegen toir Euch all ! Und er klemmt ihn fest und fester. Bis Bazäne klagt: „Mein Bester! Tas ist nicht nach mcineni Sinn. Aus ist cs mit meinem Witze, Nimm die Truppen und Geschütze, Ich geh jetzt zu Muttern hin!" Lachrcn Trochn und'der Favre: „An Paris zerbrecht ihr aber Euch den »opf gewih entzwei!" Doch der Wilhelm ließ ganz heiter Transportieren das Schichzcug weiter, Ries den Molrkc sich herbei. Und sie warten, bis der Magen Ratt' und Mäuse könnt vertragen. Und es jenen dämlich wird. Ausfall wollten sic probieren, Ta rat man sie bombadieren. Bis Paris hat kapituliert. Ein Ruf zum 3. März 187 1. In Frost und Regennächten, In Glut und Pnlverdanrp', In hundert Blutgesechkcn, Stand ich für Dich rnr Kampf. Fiir Tich trag jch die Wunde! Ich blutete für Dich. — Wohlan! Nun eine Stunde Auch in den Kampf für mich! Fn heißen Kugelschauer«, Fn wildcnr Schlachtgebraus, Wir hielten wie die Mauear Auf unserm Posten aus. Und »rocht cs Srrömc kosten Tes Bluts, wir wankten nicht Wohlair! Auf eure Posten Ruft heute euch die Pflicht. s Wir schützten TeuischlandS Erd«, Kein Feind hat sie verletzt. Schützt uns daheim am Herde Tasür die Freiheit jetzt! Und schlagt ihr nicht Franzosen, Schlagt Funker nun im Streit, Klopft ihr nicht rote Hofen, Klopft schwarze Kulten heul! Zum Kamps! Für 30 Wochen Nur einen Tag, ihr Herrn! Was ihr uns sonst versprochen. Wir schenkten es euch gern: Bringt ihr statt Lorbecrrciser, Statt eures Dankes Braus, Statt lichterheller Häuser Uns ein erleuchtet Haus. 11.3. 71. VI In den Gegenden, wo die alte Spinnstube iroch vor zehn bis zwanzig Jahren in Blüte stand, im Pogcisbcrg, im Knüll und jm Hohen Westerwald versammeln sich auch heute noch die Mädchen und Burschen zur Winterszeit, um die langen Abende gemeinsam zu verbringen. Aber das Spinnrad ist verschwunden, nur der Name Spinn st ube, den diese geselligen Bereinigungen weiterführen, erinnert an den ursprünglichen Zweck. .Handarbeiten wie Stricken und Häkeln habe» das Spinnen abgclöst. Ter Bedarf an gestrickten Sachen ist natürlich viel geringer als der an Leincnzeug und Tuch. Es bedarf nicht mehr des regen Fleißes, um die Arbeit zeitig zu Ende zu bringen. Tas war in der allen Spinnstube anders: ein Mädchen mußte in Schwarzenborn einen Strang (= 30 Gebinde, 1 Gebinde = 40 Faden, 1 Faden = Umfang des Haspels^) am Tage spinnen. In der Spinnstube setzte man nur die Arbeit fort, die die ganze Woche bis Samstag um 2 Uhr mit Eifer auch zu Hause betrieben wurde. Wenn das Mädchen am Abend »och etwa 10 — 12 Gebinde > Raboldshausen) ipinncn wollte, mußte es sich bei seiner Arbeit tummeln. Die Mutter sah streng darauf, daß das festgesetzte Maß eingehalien wurde: sonst mußte die Säumige früh aufstchen und das Fehlende nachholen. Dieser heilsame Zwang zur Arbeit fehlt heute oft: aus der Arbcitsstube ist eine Stube des heiteren Sviels und der lärmenden Freude geworden. Tas „Saure Wochen, frohe Feste" der alten Zeit hat für die heutige Spinnstube keine Geltung mehr. Neue Einflüsse gehen von den heimgekehrten Soldaten aus; sie bringen die Lieder mit, die sie in der Kaserne gehört oder auf Märschen ihren Kameraden abgclauscht haben ) Tie Haspel in Schwarzenborn hatte einen Umfang von 2,49 Meter; von Zeit zu Zeit lvurdcn alle ins Rathaus gebracht und von dem Eichmeister aus Homberg gemessen. Solche Maßnahmen zeuge» für den ausgedehnten, streng geregelten Betrieb und werden dadurch verständlich, daß in früheren Jahren viele Leute über den eigenen Bedarf Flachs zogen, zu Garn verarbeiteten und strangwcisc in den Handel brachten. i24 — Villa Nähnadelrruh. Eine tragikomische Geschichte. Bon Hedwig Reh mann. Das Landhaus (btä Rentners! Bach gehört zu den hübschesten des anmutigen märkischen Badeortes, der hier Lichtenrade heisten mag. Durch seine vornetnne Freundlichkeit fällt es jedem Kenner aut, und das gefühlsmäßige Urteil mühte lauten: „Hier ist gut sein.. ." Höchlich erstaunt war noch vor kurzem der Uneingeweihte, wenn er an das kleine Türschild herairtrat, um den Namen der Billa oder des Mannes zu lesen, der dieses Muster einer modernen, bürgerlichen Behausung in die lustige Gartenbuckt hinein- gebaut und freundliches Strauchwerk und Blumen davor gesetzt hatte. „Billa Mhnadclsrnh" las ec zu seinem Befremden Und kobsschüttelnd »achte er wohl, dah der humorvolle Schneider, der sich hier 'zur Ruhe gesetzt hatte, kein ganz alltäglicher Mensch sein könne. Und damit halte er recht. Das Unalltägliche Backts drückte sich schon in seiner Erscheinung aus. Er ivar ein gut mittelgroßer Manu mit überrastltcnd seinen, sreuirdlichen und intelligenten Gesichtszügen, ein hoher Sechziger von gesunder, biegsamer Hagerkeit. Seine Kleidung loar vollendet nach Sitz uird Material, aber stets etlvas altmodisch. Er hatte cs nicht mehr nötig, „die neueste Mode spazieren zu tragen." Man hatte ihn sehr wohl für einen Geistesarbeiter hallen können. Dem Sohn Bachs, dem Fabrikanten, der mit Weib und Kind beim Vater wohnte, war der Name der Villa ein stetig an seinem Herzen nagender Wurm. Und dah der Alte in seinem schmucken Herrenzimmer seine erste sttähmaschine, eine ehrwürdige „Howe", stehen hatte, erweckte in ihm den schmerzlichen Zweifel, ob das Renommieren des Vaters mit Herkunft und geschäftlicher Tüchtigkeit nicht pathologisch sei. Als der Enkel geboren wurde, der vielleicht einst Offizier, Hochschullehrer oder hoher Staatsbeamter werden würde, hatte ©aa» >un. versucht, den Baker zu bestimmen, dah er den Namen der Villa ändere und die alte Howe aus der Gemeinschaft der edlen Eichenmöbel des Herrenzimniers entferne. Er könne ihr ja einen eigenen Pavillon bauen, hatte er allen Ernstes gesagt. Der Alte hatte entschieden abgelehnt. D er Pavillon sei doch mir eine Ausflucht der Feigheit. „Ich habe viele Maschinen gehabt," sagte er zum Sckluh, „aber diese ist gleichsam die Mutter der andern, die Mutter alles Hübschen, das ich Lisa schenke, die Mutter meines ganzen, behaglichen Lebens. Darum gebührt ihr Dank und Ehre, und darum bleibt sie da." Slls Gerd, bat sein Grohvater zärtlich liebte, fünf Jahre alt Ivar, »ahm der junge Bach dies als Anlah, dem Vater seine» brennenden Wunsch ivieder einmal nahe zu legen. Aber der alte Herr sagte: „Die Maschine ist von der Mitgift Deiner g»te» Mutter angeschafst. Sie hat sich in den ersten, schweren Jahren neben reichlicher Hausarbeit tüchtig daran plagen müssen, und ihre Tränen sind darauf gefallen, als Dein Schwestev- chen starb. Dem Fortkommen des Jungen wird die alte Howe nicht schaden, wenn er nur selbst ein lüchttger Kerl ist. Goethens Grobvater nur auch 'bloß Schneider. Sie wird keinen genieren, der sich mit dem Namen meines Hauses abgcfunden hat. Und toem der nicht vaßt, der niag auf der Schwelle nmkehren." Eine schwüle Stimmung herrschte fortan zwischen Vater und Ävhn und lzoq die andern in Mitleidenschaft. Am meisten litt Frau Lisa, die Feine, Vornehme, darunter. Sie stand ihren Wesen »ach dem Schwiegervatcr näher als dem Gatten, fühlte sich auf ihrem Boden so sicher wie der Alte auf dem seinigen, während der Fabrikant unruhig vorwärts und zurück schaute. Und doch mißtraute ihr Bach. Da sie nicht aus sich herausging, nahm er an, oah sie im Grunde mit ihreni Manne iibereiiistimme. Aber sie schwieg nur, weil sic nickst zu schlickten wnhte. Ehrt« sie ihres Schwiegervaters Anschauniigen, so verstand sie auch de» zornigen Kummer ihres Gatten, den sic durch all ihre freundlichen Vorstellungen nicht zu beschwichtigen vermochte. Es wurde von Tag zu Tag ungemütlicher in der Villa Näh« nadelsruh. Selbst die sonst so muntere» Dienstboten gingen scheu Umher und sahen die Herrschaft nicht an, »m darzutnn, dah sie nicht »m deren Unfrieden wüßten. Und nun schaute auch das Bübchen fragend von einem znm andern, verlangte nicht mehr nach den, Großvater und fürchtete sich vor des Vaters finsterer Stirn. . Einmal, als Lisa äm Zimmer sah, kam der Kleine herein und fehle sich auf den Schemel ;u ihren Fühen. Sie streichelte sein feines, goldenes Haar, über bas ein Sonnenstralst durch Aegenwolleu siel, und bog sein Köpfchen rückwärts gegen ihr Kuie Sinneud betrachtete sie die reinen Linien seiner Stirn, sein grades, schmales 'Nischen, die schöne Zeichnung von Mund und Kenn. Wie er dem Grohvater glich! Ihr Gatte war braun und robuster, seiner verstorbene» Mutter ähnlich. Ulid eine förmliche Sehnsucht faßte sie nach einen, sreund- lichen Bl,ck aus de» guten, klugen Augen ihres Schiviegervaters, uacki feinem lebensheitern Lächeln. Sie beiigte sich über das aniio.irts gewandte Gesicht ihres Kindes >i»d küßte es auf die Stirn, Dabei bemerkte sie das Spielzeug in seinem Sckvh. Es war ein Stück Zeug, das mit einem Äauniwoltsaden, der in einer Stopfnadel hiiig, ganz zusaininengezogen war. Sie lächelte über Redaktion: K. Neurath. — Notatioiisdruck und Verlag der V das Ivunderliche Ding. Da klopfte cS und Bach trat herein. Lisa begrüßte erfreut den Schwiegervater, und auch Gerd stand artia auf, dein Grohvapa ein Händchen zu geben. Dann fehle er sich wieder seiner Mutter zu Fühen. Bach, der dicht bei beiden Platz genommen hatte, war in Verlegenheit, ivas für ein Gesicht er machen solle. Er halte Lisa so lieb, und nun ivar ec irre an ihr geivorden. Und doch glaubte er den Besuch nicht umgeben zu können. In einigen Tagen war Lisas Geburtstag, da inuhlc er fein divlomatisch hören, was sic gern hätte. Etwas hckflos sah er umher, trotz den, Bemühen der Tochter, ihm ihre Freude über seinen Besuch zu zeigen. Plötzlich lci'ktc eine ihm sehr bekannte, charakteristische Armbewegniig des Kindes seine Blicke ans sich Gerd hielt sein Nähzeug richtig in der Linken. Tiefernst und eiftig .zog er den Faden. Back sah erst überrascht, dann immer freundlicher ans das Tun des Kleinen. Es siel ihm eine Last vom Herzen. Mochte sein Sohn denken, ivie er wollte, dah er der Tochter nickst mißtrauen brauchte, sah er an der Haniiernng des Kindes. Er wurde ganz heiter »iid sragte nach Grohvätcrart den Kleinen, was er werden wolle, „Schneider, Großpapa," sagte ernsthaft das Kind. „So, so, mein Junge," meinte Bach verblüsst. Er empsaild mit einem Mal eine wunderliche Unruhe und empfahl sich bald mit sreundlichein, etwas zerstreutem Wesen. — — Ter Morgen von Lisas Geburtstag war da. Ei» Maimorgen, so schön er nach einigen Regentagen nur sein kann Blinkende Tropfen hingen noch in den Blätenkelckien und an de,i Blatt- spitzen lieblich anzusehen, wie Tränen auf einer im Lächeln ge- rnndcteu Kinderwange. Und im Zimmer duftete es vom Garten herein und von den Schalen und Basen, die liebende Hände aus der Fülle draußen geschmückt ballen. Auf einem Tischchen lag eine Mappe mit schöne» Stichen, das Geschenk des Sckstviegervateis. Gerührt kühle Lisa ibni die Wangen Wie lieb und gut er ioar und wieder ganz der Alte. Nein, doch nicht ganz. Ging er nicht etwas gebeugt? Und wo war seine Heiterkeit, das liebenswürdig« Selbstbewusstsein? Da sagte der Vater: „Komm Lisa, >ck> Hab' »och etwas sürdich." Er führte sie auf sein Zimmer und wies nach einem leeren Platz.^Tie Nähmaschine hatte dort gestanden, „Sie hat sich in mein Schlafzimmer zurückgezogen," sagte Back, mit leisem, etioas napprigem Lachen Liia schonte den Vater verwundert an. Ein bisschen wehmütig ivar sein Gesicht trotz des Lachens. „Und noch etwas, Lisa " Er geleitete sie zur Eingangstür des Vorgartens Lisa erkannte schon von der Seite, daß ei» anderes Sckiitd angebracht ivar, ein lustiges hölzernes, anstelle des alten, eisernen. Und um, stand sie mit großen Augen davor. „Villa Lisa" lencklete .es in schöner, gotbischer Schrift von den, weihen Felde. Die Majuskeln waren kunstvoll ansgesükirt. Fliederblüten drängten sich über das Gitter an die Tafel. Die junge Fra» stand da, ganz benonime». „Es ist tvohl besser so, Lieschen," sagte der Vater, als sie wieder im Garten waren. Und als sie in der Ueberraichung. die keine durchaus, srendiae ivar. sck>ambast rin paar alltägliche Worte stammelte, fuhr er leise fort : .Siehst du, als Gerd icitüct) nahte .. Er stockte, verlegen, hilflos. Liia forschte liebevoll in den klugen, grauen Augen, die in ihrem Antlitz zu lesen sich bemühten. „Daß ich's nur gestelie, einen rickstigen Schrecken babe ich bekommen. Cs beiht ja immer, der Jicnge sei niir >oie ans den Angen geschnitten, und ick, ivar so rin eifriger Scknieider! Ich habe sogar eiiimal mit Erfolg die Westen einen Zentimeter länger gemacht, als sie in Paris und London aetragen wurden. Wenn inir der Junge min auch in der Hinsicht äbnlich wäre ....!" Da hatte Lisa ein seines, leises Lachen, das ans dem Dämmer ihres Bewusstseins kam, und das auch Bach nicht verstand. „Ach, Papa, das Leben ist wunderlich," sagte sie, ohne noch recht zu wissen, warum. Erst später am Tage erfaßte sie den Zusammenhang ,ind wehmütig lächelnd backte sie: „Ja, es ist wobl besser so Aber daß es niit dem Stolz des lieben Vaters bezahlt werden niuh, ist bitter," Und es war ihr, als habe von den guten Geistern der Villa Nadelsruh der beste sich leise hinweggestohle». Rätsel. Mit ,a" ist es ein nützlich Instrument, Mit „ii* c5 jeder Mensch sein elge» nennt. Auflösung in nächster Nummer. Auslösung des Kreuzrätsels in voriger Nummert B K 0 r t r & a ei Brannbier Krankheit Grabhügel i e g e i e r t 1 übl ichen Ui>in»rti»L».Bi,ch- und Steittdruckerei, N. Lange, G,ehern