Ein Frühlingstraum. Roman von Fr. Lehne. Machdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Mein Märchen, so Hab ich dich endlich wieder!" Eine tiefe Bewegung bebt aus seiner Stimme. Sie schüttelt jedoch sanft aber entschieden das Haupt. „Rein, Wolf, nicht! Das ist vorbei; sprich mir nicht von der Vergangenheit!" Ohne dag sie es ivollte, kam das trauliche „Du" von ihren Lippen. „Geh jetzt, und sei ohne Sorge um dein Kind; ich will es hüten, als ob es mein eigen iväre!" Tränen zitterten in ihrer Stimme, und ihre ganze Gestalt bebte. „Willst du mir nicht wenigstens sagen, wo du warst, wie es dir in den Jahre» ergangen ist, die wir getrennt waren?" bat er. „Wie Hab ich nach dir geforscht!" „Du siehst, Wolf, daß ich den Frieden gefunden habe.— gönne ihn mir und frage nicht weiter!" „Frieden!" kam es bitter von seinen Lippen — „wenn ich oii-:' auch sagen könnte, wenn du wüßtest, wie friedlos es in mir aussieht, wie ich leide — du hättest Mitleid mit mir! Du schicktest mich nicht fort und gönntest mir, wenigstens in deiner Nähe zu bleiben, dich zu sehen und deine Stinime zu , hören!" „Wols, wie kannst du jetzt daran denken! Ich bitte dich — geh! Lasse inich allein! Raube mir doch meine Ruhe, meine Besonnenheit nicht, die ich so nötig habe. Wäre uns doch dies Wiedersehen erspart geblieben! Ich war zufrieden geworden — ich hatte endlich überwunden, vergessen!" „Ist dir das so leicht geworden? Ich habe dich nie vergesse» können — habe cs auch nie versucht! Du bist bitter geräcb: Marh — Gabriele —, doch ich will sie nicht ankla- gen, vielleicht trage ich ebenso viel Schuld meine Ehe ist über die Maßen unglücklich," sagte er dumpf. „Wolf," ermahnte sie, „besinne dich, komm zu dir; du darin das nicht sagen — du hast ja ein Kind, ein süßes, liebes Kind!" Er sah sie einen Augenblick an — wie konnte sie süß zureden! Mit einem tiefen Ansseufzen erhob er sich. „Ich will gehen; wenn sich in Hassos Instand etwas ändert, rufst du mich sofort; versprich es mir!" „Ja. Wolf, gehe ganz unbesorgt — und schlafe, du hast es notig," sagte sie, einen mitleidigen Blick in sein bleiches Gesicht werfend Sic reichte ihm die Hand: „Gute Nacht, mein Wolf" Mit festem Druck umspannte er ihre Rechte und brückte eine» heißen Kuß darauf. Sic fühlte, wie etwas Warmes, Nasses daraus siel, konnte aber nicht aussehcn, da ihre Augen ebenfalls voller Tränen standen. Dann war sie allein; leise hatte Wolf das Zimmer verlassen. VI. Du trägst in den Augen einen Sckiein, Der sagt mir, die schwerste» Stunden Hab ich erlebt! Allein! Allein! Aber ich Hab es verwunden! Frieda Schanz. Ä, ade! Ich bin dein Liebchen nicht! Einst war ich ivohl dein Schatz im Mai — Doch das ist längst vorbei! (Hauvtmann, Versunkene Glocke.) „Gerettet!" Der Mann am Fenster schämte sich der Tränen nicht, die bei diesem Wort des Arztes über seine Wangen liesen. Behutsam legte dieser mit Hilfe der Schwester das von der glücklich überstandenen Krisis vollständig erschöpfte Kind im Bett zurecht, gab dieser mit leiser Stimme noch einige Anweisungen, und verließ dann mit Wolf das Zimmer. Draußen streckte ihm dieser ergriffen beide Hände entgegen „Wie soll ich Ihnen danken, lieber Kornelius! Ich kann ivieder atmen, da ich mein Kind außer Gefahr weih." „So weit sind »vir noch nicht, Herr Hauptmann," antwortete der junge Arzt ernst, „Hasso ist sehr schwach und äußerste Vorsicht ist geboten. Wenn ein Rückfall eintritt, kann ich für nichts stehen! Doch Schivester Konsuclo ist ja so ge- ivisseuhaft, daß wir ruhig sein können. — Wie geht es übrigens Ihrer Frau Gemahlin?" „Danke, etwas besser: sie schläft seit II llhr!" „So? Das ist gut! Sie gefiel mir in den letzten Tagen gar nicht Die ungeivohnte Aufregung und die viele Sorge haben ihr geschadet: ich glaube, cs steckt eine tüchtige Erkältung in ihr! — Morgen früh oder vielmehr heute noch iverde ich auch nach ihr sehen, vorausgesetzt, daß sie damit einverstanden ist; sagten Sie mir nicht, daß Sie schon mit dem Sanitätsrat gesprochen haben? Ja? Das ist mir recht, denn ich möchte mir nicht die Ungnade jenes Herrn zuziehen." Doktor Kornelius sah nach der Uhr. „Gleich drei? Dann legen Sie sich schleunigst nieder, Herr Hauptmann, Sie sehen ja zuni Erbarmen aus! Sie können es ohne Sorge: die Schwester wacht ja!" Damit empfahl er sich. — — — Ganz leise öffnete Wolf die Tür zum Krankenzimmer. Mary drehte sich um, da sie das Geräusch gehört, und legte den Finger an die Lippen. „Hasso schläft," kam es wie ein Hauch darüber. Lange blickte Wolf aiif das Kind, das von ivohklätigem Schlummer umfangen dalag und ruhig atmete. Mitleidig sah Mary auf Wolfs blasses Besicht und leise sagte sie: „Warum gehen Sie nicht schlafe», Herr Hauptinann? Sie sehen, wie süß Hasio schläft: gönnen Sie sich etwas Ruhe Schlafen, Mary? Wie kann ich jetzt schlafen, wo mir das Herz so voll ist! Laß mich wachen, und lege du dich nieder, armes Mädchen!" „Nein, heute noch nicht! Aber morgen — nun gehen Sie, es ist schon spät!" 118 „O Mary, sage doch „du" zu mir; ich kann die fremde Anrede von dir nicht hören!" „Doch, Wolf! Es ist doch besser so — wenn es mir selbst auch schiver wird," kain es zögernd von ihren Lippen, „denken Sic an Ihre Frau!" „Meine Frau," sagte er bitter, „die schläft, während wir das Kind dem Tode abgerungen haben." Mary legte beschwichtigend ihre Hand auf seinen Arm. „Nicht ungerecht.werden! Ihre Frau ist krank: sie sicherte, als ich sic ins Schlafzimmer brachte — seien Sie gut zu ihr!" „Mary, sei nicht so fremd zu mir; ich kann es nicht ertragen!--Du nimmst Ella noch in Schutz? Du weißt wohl nicht, was sic uns angetan hat —" „— Ich will es auch nicht wissen; das ist vorbei! — 1 Wolf, jetzt möchte ich allein sein." Da war er wieder, der süße bittende Ton, dem er niemals widerstanden. Er nahm ihre beiden Hände und führte sie an seine Lippen. „Süßes, süßes Weib," stieß er halberstickt hervor. Dann fühlte sie sich plötzlich von seinen Armen umschlossen; sein Mund preßte sich heiß auf den ihrigen in einem langen durstigen Kusse — doch ehe sie recht zur Besinnung kam, war sie allein. Sie sank am Bettchen nieder, das Gesicht in den Händen verborgen. — Was sie längst tot und begraben wähnte — es stand wieder auf und verfolgte sie selbst bei der Erfüllung ihrer schweren Pflichten — es war die Sehnsucht nach Glück und Liebe, nach seiner Liebe! Die Erinnerung an verflossene selige Stunden übcrkam sie mit Macht 0, wären nur die Tage hier erst vorüber - sic waren so schwer, wie sie nie gedacht — doch jetzt hieß es ausharrcn, geduldig trage»!--- Ein paar Tage waren vergangen. Hassos Kräfte waren auss äußerste erschöpft, und er mußte mit der größten Sorgfalt behandelt werden. Nur seinen Vater und Schwester Kon- suelo ließ er an sich heran; sonst hatte er für niemand Jich teresse — ganz teiluamslos lag er da. Gabriele lag krank zu Bett; sie hatte eine leichte Mandelentzündung, und ihre Nerven waren durch die ungewohnte Aufregung so sehr mitgenommen, daß ihr der Arzt einige Tage Bettruhe anempfohlen hatte. Sie hatte Mary einige Bücher zur Zerstreuung gegeben, als diese in ihrem Zimmer war und die Umschläge erneuerte, sowie nach ihrem Befinden fragte. Wider ihren Willen mußte sic das Mädchen bewundern, das unermüdlich in ihrer stillen ruhigen Weise um sie sowohl, wie das Kind bemüht war, und ihre Teilnahme war nicht ganz unwahr, wenn sic von Marys blassem überwachtem Aussehen sprach. •— — Das Zusammensein mit Wols ward Mary zur Ounl und doch lauschte sie auf seinen Schritt, und ihr Herz schlug höher, wenn er zu ihr sprach. — An einem Abend spät, als sie das Kindersräulein zur Ruhe geschickt, die ihr tagsüber behülslich war und sie auch für einige Stunden ablöste, lag Mary auf der Chaiselongue in Hassos Zimmer. Das Licht der Lampe auf einem Tischchen davor war durch einen Schleier gedämpft, so daß eine leichte Dämmerung herrschte. Hasso schlief ganz fest; so konnte sie es sich bequem mache»; sie nahm die weiße Haube ab, löste sich das Haar und streckte sich lang aus. Sie fühlte sich wie zerschlagen und war froh, daß das Kind schlief so konnte sie doch auch etwas ruhen; die Natur machte jetzt gebieterisch rhr Recht geltend, nachdem sie sich so lange hatte meistern lassen. Mechanisch blätterte Mary in dem Buche, nach dem sie aus das Geralewahl gegriffen hatte. Es ivar ein Gedichtbuch — ein ähnliches hatte sie von Wolf bekommen, das sie wie ein Heiligtum ausbelvahrte. Da fiel ihr Blick aus dad ßscibelsche Gedicht: Gar flüchlig rinnt die Stunde, Ta in verschwiegner Glut Sich neiget Mund zu Munde llnd Herz am Herzen ruht. Ihr ganzer wonniger Liebestraum erstand da vor ihr; die süßen seligen Stunden durchlebte sie noch einmal, und ließ die Macht der Erinnerung voll auf sich einivirken — um alles in der Welt mochte sie jene Zeit nicht nngfeschehen yzache» — war sic eigentlich nicht glücklicher als Wolfs Gattin, für die er nichts übrig hatte? „Und doch, wiewohl sie Leiden allzeit zum Lohne gibt, Nie mag von Liebe scheiden, ivcr einmal recht geliebt. Er trägt die heißen Schmerzen viel lieber in der Brust Als daß er yie tut Herzen von solcher Lieb gewußt!" laS sie leise; ein sehnsüchtiges Lächeln lag um ihren Mund, und ihre Augen schlossen sich — sie war eingeschlafen. So fand sie Wolf nach einer Stunde; sie hatte ihn nicht ein- treten hören, so fest war ihr Schlummer.- Lange stand er vor ihr lind betrachtete sie. Wie bleich »nd durchsichtig sah sic aus, und doch welch friedlicher Ausdruck im Gesicht! Di« weißen kinderklciiien Hände waren in der goldenen Locken- süllc verborgen, die wie ein Heiligenschein »1» das Köpscheit lag. Mit aller Macht drängte cs ihn, das holde Gesicht .«u küssen; aber er widerstand — er wollte ihren Schlas nicht stören. O Gott, wie liebte er dies Weib — bis znm SÖofjrv» sinn! Hatte er denn nur die Jahre ohne sie leben können? — .— Es war, als ob die Schlafende dies Anstarrcn fühlte; sie öffnete die Augen ein wenig — „Wols?" kam es da lcifq wie fragend über die Lippen, und noch halb iin Schlaf, strich sie sich das Haar aus dem Gesicht — „Wolf, du!" und sie richtete sich ans. Ta konnte er nicht länger an sich haltcnf er setzte sich neben sie »nd zog die nur schwäch Widerstrebende in seine Arme, ans seine Knie — wie in früheren Zeiteit und wie in früheren Zeiten barg sie das Köpfchen an feiner Brust. So saßen sie lange eng nnischlnngen, an nichts den, kend, nur sich der Wonne des Sichwiederhabens überlassend. Plötzlich fuhr sie aus — „Hasso?" — „Beruhige dich, Lieb, er schläft ganz fest! — Und jetzt will ich dich haben, dich halten, wie früher — einmal nur, wenn ich nicht verrückt werden soll —" sagte er mit mühsam verhaltener Glut. „O Wolf," wehrte sic seiner Leidenschaft. „Laß mich, mein Lieb, ich habe mich so nach dir gesehnt, nach deinem süßen Antlitz, nach deinen Küssen — gönne mit doch die Stunde, die mich für die langen Jahre entschädigt, die ich dich nicht gehabt!" Er sprach wie im Fieber — feine Augen leuchteten in seltsamem Glanz. „Ich werde verrückt, wenn ich dich alle Tage hier sehe, und dich nicht einmal küssen kann, du süßes geliebtes Weib!" < Und sie widerstrebte nicht mehr; alles in ihr drängte ja dem geliebten Manne entgegen; sie schlang die Arme um seinen Hals »nd bot ihm den süßen roten Mund. „O Mary," und heiß »msing er die Geliebte. — —----- Eine Bewegung des Kindes scheuchte sie aus seinem Arm; sie eilte an das Betichen; cs ivar aber nichts; Hass» schlief ruhig iveiter. Doch sie ging nicht iviedcr zu Wolf zrl, rück; gleichsam wie Schutz suchend blieb sie am Bett stehen. „Märchen, komin —" bat er. Sie schüttelte nur mit deiq Kopfe als Antwort.! Da brat er zu ihr und legt« seineit Arm um ihren Leib. ,,Warum nicht, mein Liebling?" „Nein, Wolf, weil es so unrecht ist, daß wir ani Bett deines kranken Kindes an unsere Liebe denken können, an etwas, das doch nicht sein kann, das Sünde ist!" (Fortsetzung trügt) Zpinnstuben im vogelrberg und in den angkenzei-.den Gebieten. Von Tr. Hermann Molz, Gießen. IV. Menu die Feldarbeit erledigt ist, und die Nächte früh an, brechen, dann scharen sich die Mädel)«» gleichen Alters zusammen und machen die Spinnstuben auf. Ohne »iitcksichl auf Ansehen und Besitz werden alle geladen, und in sröhliä>«»i Treiben, das mit dem Besuch der Bursche» um sechs oder liebe» Uhr am ersten Tage seinen Höhepunkt erreicht, wird „das Licht angc, sosien". Tic Mädchen kommen von da an regelmäßig mit Tages« ende in die Spinnstube und setzen sich aus die beiden Bänke, di« an den mit Holz verkleideten Wänden stehen. Im Bogelsberg 'gcbrihrt der Tochter des Hauses einer der Eckplätze, >00 die beiden Bänke im rechten Winkel zusammcnstoßen; im Knüll findet eine solche Bevorzugung nicht statt. Ter große Fanrilienlisch, der sonst an diesem Platze im Wohnraum steht, wird beiseite gerückt. Tie Zahl der Spinnmädchen ist sehr verschieden: sind viele im gleichen Jahre konfirmiert, dann ist die Gei'cllsärait sehr groß; in Schwar« zcnborn waren 15—16 Mädchen oft beisammen. In Schlechtenwegen haben sich in diesem Winter (1013, 14) drei Spinnstuben ansgelan, an denen.5, 13 und 7 Mädchen ieilnchmeu. In Sbcr- moos ivaren im vergangenen Winter 5 Mädchen m der Spinn« sttibe der Jüngsten und 1b in der der Rcllcren. Außerdem gab cs in Obci-moos iwch eine Svinnftube der Tienstnuldchen; ander« ivärls finden die Mägde geivöhnlich bei den cingciessenen Töckstern Ausnahme. Ja, in Raboldshausen wurde eine Magd, die fremd ins Torf kam, von de» gleichaltrigen Spimistubengenosse» feierlich „geholt" Allerdings lag darin eine besondere Auszeichnung für Vas fremde Mädchen. Wen» die Spinnstube zwei Wochen in einem Hause getagt hat, wandert sie in das Haus eines andern Mädchens, wobei aber auf die Größe der Räumlichkeiten doch Bedacht geuoinmeu wird. So verletzt die Spinnstube heute alle 14 Tage ihr Heim: früher vereinigten sich die Mädchen den ganzen Winter in einem Hause. Tas hatte für die Spinnstnbe 119 ftle Annehmlichkeit, da« man ein Hau8 init einer großen Stube Mißwahlen konnte; dein Hauswirt legte es manck-erlci Pslichtei« auf, die oft schwer zu erfüllen waren, besonders wenn der schäumende Uebermut der Burschen nichr zu bändigen war und sich in ausgelassenen Streichen erging. Die Burschen finden sich um 9 Uhr (um 8 Uhr im Mitiill) in der Spinnstube ein. Ueberall bestand in früheren Jahren auch eine Männerspinnstube, die etiva um 5 Uhr begann und um 8 Uhr endete. Mit dem Erscheinen der mänulichkn Jugend kommt neues Leben in die Unterhaltung es wird gescherzt, geplaudert, der Gesang eines Liedes, das in unverblümten Worten die Schwächen der Männer geißelt, gibt Sloss zu abivehrenber, launiger Gegenrede. Harmlose Sticheleien, die an Tvrflegebenheiten anknilpsen, gehen hin und her; man verspottet die, denen der Faden reißt, und lobt wohl auch die. die ihren Rocken kunstgerecht aufgesteckt haben. Es gibt Pässe und harte Worte, wenn sich ein Bursche zunschen zwei Mädchen drängen will, denen er nicht recht ist. kleinere Zlvistigkeiten, die in jeder Rotte (Spinngesellschaft der Mädchen oder Burschen) nicht ausbleibcn, stören die allgemeine Eintracht nicht. In früherer Zeit, als die Männer auch noch ihre Spinnstube hatten, schlüpften oft einige Mädchen nach dem Beginn der Arbeit hinaus und warfen Erbsen an die Fensterscheiben des Hauses, wo sich die Burschen zu ihrem friedlichen Tun versammelt hatten. Gegenüber solchen ermunternden Scherzen ist der Schabernack der Burschen manchmal unflätig und roh. Unbemerkt legten sie Dornen vor die Türe und klopfte» dann mit einem Holzklotz, als ob irgend etwas Besonderes im Gange sei. Tann stürzten die Mädchen heraus, und manche fiel jn die Dornen, ihre ungestüme Neugier bitter büßend. Ter Freitag ist inr Knüll der sogenannte Rockelabend; er bringt besondere Belustigungen. Ein Bursche nimmt seinem Mädchen ein Stück voni Spinnrad weg; dann muß das Mädchen de» Burschen der Reihe nach einen Kuß geben, um den Gegenstand wieder cinzulösen. Wohl kommt es aber auch vor, daß sich das Mädchen nicht darauf einläßt und erst aus dem Nachhauseweg von ihrem Liebsten das Pfand zurückerhält. Auch ist es am Frestag üblich, daß ein Bursche allen Mädchen beit Rocken umdreht; dann gehen die Mädchen bei den Burschen uni und geben jedem anwesenden Burschen wieder einen Kuß. Tie Gesellschaft war an dicsenr Abend immer recht vollzählig. Das war her Wochen kchrans; denn am Samstag abend fiel die Spinnstube überall aus. Tie Bauern sind der altgermanischen Zeitrechnung nach Nächten treu geblieben und würden das laute Treiben der Spinnstube am Samstag abend als eine Entheiligung dcS Sonntags ansehen. (Nebenbei sei auf das englische sortnight hingewiesent. Am Samstag abend blieben die Mädchen zu Dause, und die Burschen gingen allein ihrem Zeitvertreib nach. Oft stellten sie Leitern an die Kämmern der Mädchen, und mein Echwarzenborncr Gewährsmann glaubt zu wissen, daß das bittende Klopfen am Fenster auch mmichmal Erhörung fand. Meist suchten aber die jungen Männer mit den Leitern, die sie bis zum Hellen Morgen stehen ließen, einen falschen Schein zu wecken und eine Spröde zu necken Die Festlichkeiten der SpiOnstu den schließe» sich an die christlichen Feiettage an. Nach der Eröffnung im November wurde im Knüll am Freitag abend vor Weihnachten die „Lange Nacht" mit Gesang und Tanz festlich begangen. Tie Mädchen backten Krevpel und die Burschen sorgten für das Getränk (Schnaps und Bier). Dann folgte am 2. Christtag dep Scheideabend: denn am 3. Feiertag ist Scherztag, wo Mädchen und Knechte ihre Stelle wechseln. Ani Silvesterabend wird im Vogttsberg in allen Spinnstuben durchgetanzt. Im Knüll war es Sitte, daß die Burschen um Wecke würfelten. Je fünf Burschen beteiligten sich am Spiel und jeder setzte einen Pfennig. Ter Weck kostete 4 Pfennig, sodaß der Spinnherr, der die Brötchen besorgte, sich ein paar Mennige verdiente. Das letzte große Fest der Spinnstub« >var im Vogelsberg die Fastnacht, Fasert genannt. Sie wurde am Dienstag in den Spinnstuben gefeiert, und in einzelnen Orten wie in Stuperten- rod wurde den Rest der Woche hindurch an jedem Abend getanzt. Darüber berichtet Schulte in einem ausführlichen Aussatz über „Tie Spinnstube im Bogelsberge" in den Hessischen Blättern für Volkskunde. Bd II (1903), S. 127. Im Knüll dagegen ivurde seltsameriveise der Aschermittwoch mit großem Aufwand gefeiert. Jn Raboldshausen begnügte mau sich mit diesem einen Tage; in Schwarzenborn leitete der Aschermittwoch eine ganze Reibe von Jubeltagen «in. Meist schlugen sich bei dieser Gelegenheit mehrere Sviunstuben zusammen; bereit» vier Wochen vor Aschermittwoch bestimmten sich die Burschen ihr Tanzmädchen. Es war sür ein junges Mädchen peinlich, wenn cs zu»k Fest der Spinnstuben aur Aschermittwoch nicht ausgesordert ivurde. Tie Eltern des Mädchens schenken dem jungen Manne, der ihre Tochter zum Tanze führte, oft sechs Ellen Leinen zu einem neuen blauen Kittel. Tie Mädchen sorgten schon am Montag oder Tienstag dafür, daß bei den Leuten, die die Spinnstube hatten, die nötigen Speisen angesammelt wurden. Nach gcnicin- samcr Bereiniarnng lieferten sw in da» festliche Haus: Brot, Kuchen, Wurst, Schweineschmalz oder Lammfelt, Speck, Eier, Mrlch, Schmand und Kartoffel» Tie Kosten sür Kalbs und Schweinebraten wurden von Mädchen und Burschen zusammen bestritten. Tie Hausfrau backte außerdem Kuchen zost 20 Stück »nd inehr) und bereitete die Speisen zn. Tie Burschen sorgten für Schnaps, einfaches-Wer-und Zigarre».- Bot das Haus, wo die Svinnstnbe gerade ihren Sitz.hatte/ nicht genug Raum, dann verlegte man die Aschermittwochfestlichkeiten in ein anderes Hans. Tie Spinnfrau mußte dann dort mithelfen. Die Anordnung im Hause ivar so getroffen, daß in der großen Stube getanzt »nd in dem Nebenzimmer gegessen ivurde. Schon niorgcns um 10 Uhr spielten am Aschermittwoch die Musikanten in den Gasthäusern aus. Rasch füllten sich die Säle mit tanzlustigen Paaren. Nach! einer kurzen Mittagspause nahm der Tanz seinen Fortgang bis in die Dunkelheit hinein. Gegen 6 Uhr gingen die Burschen mit den Mädchen in die Spinnsiube, wo das lecker bereitete Mahl ihrer harrte. Mle hatten sich schon lange im voraus aus die leiblichen Genüsse gefreut, die ihnen der Aschermittwoch bringen sollte. Nach dem Esse» pslegten die Mädchen ihren Burschen die Zigarren anzuzünden und anzurauchen. Gegen acht Uhr begann! der Tanz in der Spinnstube und setzte sich die ganze Nacht sott. Am Donnerstag und Freitag frühstückte man gemeinschaftlich, aß und trank und blieb vergnügt bei Gesang und Tanz bis zum Tagesgrauen immer beisammen. Geschlafen wurde von Mittwoch an nur wenig; wer es durchsetzen konnte, schlief gar nicht bi« zum Samstag abend. Am Samstag wurde von nachmittags >mr bis 10 Uhr abends getanzt. Tann war Feierabend. Während! der ganzen Zeit waren fünf bis sechs Musikanten in Schwarzenborn. Am Sonntag herrschte Ruhe, und erst nach Einbruch der Dunkelheit versammelte man sich wieder in der Spinnstube. Es lvurden die Reste verzehrt, soweit das nach dem rastlosen Tanzen und den starken Zumutungen an den Magen gelingen wollte. Wieder durste der Tanz nicht fehlen, aber diesmal ging es nur nach der Ziehharmonika, denn man hatte di» Musikanten am Samstag beurlaubt. Am folgenden Mittwoch, acht Tage nach Aschermittwoch, erschienen die Burschen uni sech» Uhr in der Spinnstube, während die Mädchen bei der Arbeit saßen. Bon den großen Vorräten, die man zusammengetragen hatte, waren immer noch Reste übrig geblieben, die aufgegeffeit werden mußten. Es wurde wieder nach der Ziehharmonibr getanzt und manchmal auch durchgetanzt. Das war der Ausklang der Aschermittwochsesllichkeiten in Schwarzenborn. Die beiden letzten Tanzabende in der Spinnstube waren in der Hauptsache durch den Wunsch veranlaßt, die Ueberbleibsel der Speisen den Teilnehmern der Spinnstube nicht vorzuenthalteu. Man muß bedenken, daß sich die Spinnstube am Aschermittwoch meist in einem wohlhabenden Hause eingenistet hakte, und der Hausherr forderte die Spinnstube zum Kommen auf, bis alle Speisen aufgezehrt waren. In der Voraussicht, die geselligen, lustigen Abende zu vermehren, mag manches Mädchen auch etwas reichlicher als nötig zu de» Speisen beigesteuert haben. Hinzu kam die Wahrung des Ansehens: die begüterten Mädchen gaben wohl auch mehr als wozu die Verabredung sie verpflichtete; das glaubten sie dem Ruße ihrer Familie schuldig zu sein. Dre Sitte, sich zur Aufzehrung der Speisereste einige Zeit nach dem Feste »och einmal zusanimemufinden, dürste ein recht hohes Alter haben. Sie gibt uns den Schlüssel zur Erklärung der Nachfeier, die iir einfachen Zeiten besonders aus dem Wunsche herausgewachsen ist, von den angesammelten Vorräten nichts umkommen zu lassen. Tie städtischen Verhältnisse haben den Ursprünge sichen Sinn der Nachfeier verdunkelt; und deshalb erscheint sie auch oft so unberechtigt und widersinnig. Auch auf dein Laude ist im Lause der Zeit mit dem Ueberhändnehmen städtischer Einflüsse die Nachfeier ihrer alten Bedeutung entkleidet worden; Gründe der Zweckmäßigkeit haben oft ein iveites Htnausschieben der Nachfeier verursacht. Nachdem die Gewohnheit der Nachfeier einmal aufgekommen Ivar, wurde sie auch auf Verhältnisse übertragen, wo sie ursprünglich nicht hingehörte. Aber dadurch, daß sie nur bei Tanzsestlichkeiten und Schmausereien üblich ist, verrät sie doch noch ihren alten Ursprung. Ms Fastnacht war die Spinnarbeit meistens erledigt; in Obermoos hat das Spinnen heute schon um Weihnachten sein Ende erreicht, weil nachher die Arbeit am Webstuhl beginnt. Jn den Dörfern uni Medenkopi uird Wetter dauert die Spinnstube vom 2. Januar bis Fastnacht. Im Vogelsberg und Knüll finden sich die Mädchen und Burschen aber auch nachher nock) in der Spinnstube ein. die Spinnräder bleiben jetzt zu Hause, und nwn versucht seine Künst im Stricken und Häkeln. Tie wollenen Jacken der Burschen und Mädchen entstehen in dieser Zeit. Um Ostern beschließt die Svinnstnbe ihre Arbeit: im Knüll wird gewöhnlich! anr Sonntag vor Ostern, ini Vogclsberg am zweiten. Ostertag „das Licht versoffen". Tie Mädchen kochen Kasse« lind bringen Kuchen oder Wecke mit, die Burschen trinken Branntwein oder Mer. (Schluß folgt.) Gala-vall. „'s ist ganz entsetzlich! Man möchte fast keine Zeitung mehr in die Hand nehmen. Nichts als Maskenbälle, Fremdcnsttznilgen, Herrensitzungeu, Tainenjitzunge» und,wie die anderen Sitzungen noch alle heiße», s wird doch endlich auch mal diese tolle Zeit vorüber gehn. Es ist wirklich kaum erklärlich, ivie ei» vernünfliger Mensch an diesen Narrenspossc» Gefallen finden oder gar dafür schwärmen kann. Gewiß, Jugend hat keine Tngeiw. Ta laßt man sich ja schon io manches gefallen, aber wie sonst ernste, geletzte 180 Männer, ja selbst unnahbare Damen sich i» diesen Strudel »kürzen können Da» ist mir, vssen gesagt, ein Rätsel, und wirb mir'» wohl auch bleiben." Das waren so ungefähr die Gedankengänge, die der junge, seit Herbst verheiratete Rechtsanwalt Dr. Lahsen vor seinem jungen Weibchen entwickelte. Frau Berta hörte ihrem, den Karnevalssrenden so sehr abgeneigten, sonst herzensguten Ebe- gcniahl ausmcrtsanl zu. ohne im geringste» durch eine Miene ibre innere Erregung kund zu tun. Sie war noch blutjung, 21 Jahre kaum, und wie t-atte sie sich immer aus die Tanzkräuzchen, Balle und besonders auk die Maskenbälle gefreut. Rieht um alles in der Welt hätte sie die Erinnerungen hingegcben. die in der verborgene» Schatzkammer ihrer Seele als nnentiocndbares Eigentum schlummerten. Und nun sollten alle diese kostbaren Freudensrunden für Ninnuertviedersehen verschivunden sein? Na, so kurzerhand ivollte sie dock nicht den Grillen ihres strengen Ehe Herrn nachgeben. „Aber Eduard." tvagte sie einzutvenden, „du bist tvirklich zu hart in deinen! Urteil. Es ist einseitig, >oas du sagst. Gewi», die ernste Arbeit ist, um einen deiner Liebliugsausdrücke zu gebrauche!!, das erste, «und. wohl dem Menschen, der so ganz in seinem Berufe auf geht Er fühlt sich wohl in denn Gedairken, ein nützliches Glied der menschlichen Gesellschaft zu sein, ein Rad in dem große» Welt- gclricbe und denkt nicht, daß die hrosaische Arbeit verklärt fern muß durch eine poetische Beigabe, und die heißt Vergnügen." „Tagesarbeit, abends Gäste, saure Wochen, srohe Feste," das >var schon der Wahlspruch des großen Goethe, der doch auch etwas wußte." Wenn aber Frau Berta vielleicht geglaubt hatte, ihrem so zärtlich geliebten Eduard durch derartig wohlgemeinte Vorstellungen imponieren zu können^ so sollte sie sich gründlich getäuscht sehen. „Stimmt alles nicht," platzte er geradezu heraus, „stimint absolut nicht. Habe ich etwas gegen das Vergnügen inl allgemeinen gesagt? .stein Wort habe ich gesagt. Nur die Narrcns- posseu zur Faschingszeit, die sind mir höchlich zuwider, und dir," fuhr er weiter fort, indem er einen so recht innigen Ton anzn- schlagen suchte, „hossentlich doch auch. Oder würdest du es über dich gewinnen können, einen sogenannten Maskenball zu besuchen?" „Denke gar nicht dran," ries Frau Berta mit der uirschuldigsten Miene von der Welt aus. „Außerdem konimt man doch auch in das Alter, wo inan „gesetzt" werden innß, besonders wenn man es vorher nicht tvar." Und damit huschte sie zur Tür hinaus, ihren Eduard mit einem recht verdutzten Gesicht zurücklassend. „Sollte sie wirklich fähig sein," so inurinelte er zwischen den Zähne». „Nun, ich tverde meine Augen ossen zu halten wissen. Mich, den gewiegten Juristen, hat noch niemand getäuscht Ich muß in diesem Fall unbedingt fest bleiben, schon um des Prinzips ivegen, es handelt sich hier um große Dinge, lieber Eduard, deine Autorität ginge sonst flöten. Also — aufgepaßt." Die jolgendcn Tage Verliesen indessen ohne jeden Zwischenfall. Frau Berta >oar beiten wie immer, aus die Fastnachtssreuden kam sie mit feinem Wort zurück. Die wenigen Stunden, die ihr Manu bei seiner angestrengte» Tätigkeit ihr widmen konnte, waren durch andere, offenbar auch toichtigere Dinge ausgefüllt. So war denn der Vorsatz des gestrengen Herr» Ehegemahls schon nach wenigen Tagen sehr abgeblaßt, umsomehr, als er auch durch Rechtsgeschäfte schwerwiegendster Art in das Unterbcwußtsein zurückgedrängt worden !var. Unterdessen ging die Welt ihren gewohnten Gang iveiter. Als besondere Zugnummer batte die Elserkommission für Samstag vor Fastnacht einen Galaball vorbereitet, der besonders großartig zu tverden versprach, da voraussichtlich die feine Welt sich in ihrer übergroßen Mehrheit daran beteiligte. „Wie wäre es, wenn ich unter irgend einem Borwande diesen Ball besuchte »nd dem gestrengen Herrn RechtSannmlt ein Schnippchen schlüge." Der Gedanke verfolgte Frau Berta bei Tag »nd Nacht und ließ sie nicht mehr los. Die Stirn me ihres Gewisseirs, die sich anfangs sehr dagegen sträubte, und den tollen Einsall als zu geroagt erscheinen ließ, trat immer mehr zurück. Mit Wohlgefallen hatte die junge Frau, i» ihrer Mädchenkiste kramend, ein ehemaliges Maskenkostüm entdeckt, und bei der Anprobe ganz reizend gefunden. Wie würde sie als Orientaliu Furore machen! Ja, sie wollte einmal für einige Stunden allen Fesseln der Etikette entsagen, natürlich Aanz harmlos sich Vergnügen machen. Niemand konnte ihr das rm Grunde genommen verübeln, vor sich selber brauchte sie sich auch nicht zu schämen »nd ihr Mann — na, der würde ihr schon den kleinen Seitensprung verzeihen. > > Der Abend kam heran. Eine Freundin, die sie ins Vertrauen gezogen, hatte ihr eine Einladungskarte znm Abendtcc geschickt, und gegen ö Ubr begab sie sich aus den Weg Das Paket, worin die jür de» Abend vorgesehenen Herrlichkeiten eingepackt lagen, ivar schon tags vorher durch einen dienstbaren Geist hinbesördert worden. Punkt 12 Uhr mitternachts sollte der Ehegemaht vor- sprechcn, um sein Weibchen rrntli Hause zu geleiten Mit ein- brechender Däuimeruug warf sich der Herr Doktor in seinen Ueberzieher, nahm Hut und Stock, um im Kreise seiner Freunde seinen gewohnten Dämnierschoppen einznuehmen. „Ich muß mich nur etwas beeilen," sprach er unterwegs halblaut vor sich hin, „denn immer möchte man auch nicht der letzte sein." „Ra, Freundchen," hatte vor einigen Tagen der Herr Sanitätsrat zu ihm gesagt, „mal wieder in Gnaden entlassen?" Er wollte den son>t liebensivürdigen alten .Herr» nicht beleidigen, sonst hätte er ihm eiwaS anderes gesagt. Heute abend würde er sicher durch sein frühes Erscheinen auffallen. Doch tvas >var das? Schon saß er eine geiailageue halbe Stunde, und noch war niemand von seinen! Stammtisch erschienen. „Sie, Ober," fragte er den dienstbeflissenen Jünger Ganymeds, „>vas ist denn eigentlich heute loS? Warum läßt mau mich denn allein hier sitzen?" „Ja, der S>m Doktor scheinen nicht zu wissen, daß unsere Honoratioren heute abend alle auf dem Galaballe sind?" „Galaball? Wo denn?" „In der Festballe nalürlich, es soll hoch hergehen," vlandertc der Eifrige Iveiter. „Meine Zeche!" Mit diesen Worten reichte der Herr Doktor dem Kellner ein Geldstück, grifs nach Hut und Mantel und vericbwand schleunigst de» Blicken der Anwesende». „Wo gehe ich jetzt hin? Nack! Hause? Nein, dort ist'S öde und langweilig. Bis 12 Uhr habe ich noch 4 Stunden Zeit. Ein Domino wird noch zu bekvmuien sein." Eine Stunde später wandeln ein grünseidncr Domino und eine Orientalin, die „aus Köln zugereist ist", um sich bcu „Betrieb" einmal anzu« sehen, Arm in Arm unter den Masken dahin. „Aber jetzt ins Zeit," denkt die Orienialin, als die Uhr tl zeigte, „uni 12 will mein Mann mich abholeu. und auskleiden muß ich mich auch Koch." Im Flur nimmt sie die Larve ab und fächelt sich etwas Wind in das erhitzte Gesicht. Schon unll sie hinaus, wo der Wagen ihrer harrt. Da steht, den grünen Domino etwas lässig cingepackt, ihr lieber Mann lcibhastig vor ihr. Entsetze» und Schrecken malt sich in beiden Gesichtern. Er faßt sich am ersten und meint: „Bon hier aus haben wir näher nach Haus." Sic aber sagt: „Nein, Hilde wartet auf mich, wir müssen hin." Und so ivurde bei einer Tasse Kaffee verabredet, künftighin jedes Jahr den Maskenball zu besuchen, über den der Herr Doktor nun ganz anders denkt als früher. _ 1 2 3 vermischte». — Kim mt d i e Sonne ab? Die Frage, ob Umfang und Leuchtkraft unseres Tagesgestirns sich nicht im Lause der Jahrtausende verringern, hat die astronomische Wissenschaft schoir mehrfach bescliäftigt: mm versucht der Astronom in der Zeitschrift Radium nachzuweisen, daß dies in der Tat der Fall sei und daß unsere Kenntnis der Naturkräste uns zwingt, ein« stetig sort- schreitende Abnahme oder Verkleinerung des Sonnenballes anzu, nehmen. Jeder Körper, der Energien ansstrahlt, opfert dabei einen Teil seiner Masse und wir haben keinen Grund anzunehmen, daß die Natur für die Sonne ein Ausnahmegesetz stabiliert habe. Nach den Berechuimgeu Boslers soll die Sonne jährlich um ein 30 Millionstel der Erdgröße kleiner werden. Mit der Abnahme der Materie aber muß notgedrungen auch die Schwerkraft bezw. die Anziehungskraft des Soniiengesliriis abnehmcn, was zur Folg« hätte, daß die Dauer des astronomischen Jahres zunimmt. Bosler berechnet rinn, daß dies in der Tat der Fall ist, und zivar nimmt das astrononiische Jahr im Verlaufe von einer Million Jahre um — 6 Sekunden zu. Diese Hvpothese stützt sich aus eine logisch theoretische Beweisführung und kann einstweilen durch unmittelbare Beobachtung nicht itlstätigt werden, weil unsere heutigen Instrumente nicht ini entferntesten ausreichend, um so gering - sügige Veränderungen, die sich im Laufe von Millionen von Jahren vollziehen, zu registrieren Ein indirekter Beweis aber ließe sich durch die genaue Beobachtung nähcrliegender Gestirne von höchster Temperatur erbringen, denn hier köniren wir wahr- cheinlich bereits schon heute mit unseren Instrumenten die Um« angsveränderungen nachprüfen. Mit dieser Arbeit ist Bosler zur Zeit beschäftigt. _ Kreujrätfel. ___ In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben «« na a. bbbb, e eeeit, ————---- ■ | . g g g g, b h, I i i i, k k k, 1 I, nnrrrtrrrr, tt. n, I derart einzutragen, daß di« ---------senkrechten und ivagerechten ___ Reihen gleichlautend folgende» -ergebt»: --- 1. (rin Getränk. 2. Etwa» Betrübende». 3. Symbol de» Frieden». Anflösirng i» nächster Nummer. Anflösnng des RösselsvrnngS in voriger Nnmmerr Die Well wird schöner mit jede»! Tag, Man weih nicht, ivaS noch iverden mag, Das Blühen ivikl nicht enden, Es blüht da» iernste, tiefste Tal: Run. armes Herz, vergiß der Quai! Nim muß sich alle«», alles wenten. L. Uhlana. Redaktion: Ik. R«»ratk. — *«tntto«»bn,