Montaa. den 16. Februar X9H - Nr. 26 Ein Frühlingstraum. Roman von Fr. Lehne. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) - So tvDtcii die beiden Ehegatten also nebeneinander her. Mit ruhiger Höflichkeit begegnete Wols seiner Frau — zu Haus ,vie in Gesellschaft. Es war etwas Starres, Kaltes über ihn gekoiunicn, daß es sie manchmal erschauerte, wenn sie ihn ansah. Seine freie Zeit, sofern sie dem Knaben und seinen Arbeiten nicht gewidmet war, brachte er im Klub zu, während seine Gattin die ihre mit Gesellschaften, Konzcrt- und Theaterbesuch ausfüllte. Scheinbar bekümmerte er sich gar nicht um sie, behielt sie aber doch scharf im Auge, und sie war klug genug, das zu sehen und sich nach seinen Worten zu richten, damit er nicht Grund hatte, sie sortzuschicken. Im Februar reiste ihr Vater nach der Riviera und nahm sie mit dorthin. Und sobild der Sommer begann, machten die beiden eine Hochgebirgstour. um nachher den Spätsommer in Ostende zn verbringen. Allein zu reisen hätte ihr Wols nie die Erlaubnis gegeben. — Er hatte sich mit seinem Schwiegervater ausgesprochen, ohne diesem nur den geringsten Vorwurf zu machen, batte aber ganz entschieden jeden Vcrmittelungsversuch desselben zurückgewiesen. Der alte Ulrich litt schwer darunter, um so mehr, da er Wols nicht Unrecht geben konnte; er kannte seine Tochter ja in ihrer Launenhaftigkeit, aber sie tat ihm doch leid, und er nahm sie infolgedessen aus seine jährliche Vergnügungsreise mit. Die Zeit, die Wolf mit seinem Kinde allein zu Haus tvar, dünkte beiden die herrlichste zu sein. Unter Leitung des liebevollen Vaters gedieh das Kind geistig und körperlich aufs beste, und jeder, der den prächtigen kleinen Kerl sah, muhte ihm gut sein. IV. Es war in der letzten Hälfte des September, der sich in diesem Jahre von der unvorteilhaftesten Seite zeigte. Heftige Stürnie wechselten mit schier endlosen Regengüssen ab, baß man meinen konnte, schon.im November zu sein Die Geselligkeit nahm ihren Anfang: Gerichtsrat von Wessels >var der erste, der sic mit einer Feier des Geburtstage? seiner Frau crössnete. Es wurde schon viel vorher davon gesprochen, da Wessels als ein vorzüglicher Gesellschafter bekannt tvar, der stets etwas Neues und Unterhaltendes seinen Gästen bot. So sab man dem Abend mit begreiflicher Spannung entgegen — auch Gabriele, die dazu eine der vier kostbaren Roben sowie eine Brillantenrivierc anlegen ivollte, die ihr Vater ihr in Paris gekauft hatte. Ihr Herz schlug höher in freudiger Erwartung der Triumphe, die sie feiern, der Bewunderung, die sie ernten würde. Die Sommerfrische war ihr augenscheinlich sehr gut bekommen: sie war fast noch stärker geworden, und ihre ganze Erscheinung atmete Gesundheit und Frische. Auch Wolf hatte sich im Manöver erholt; die körperlichen Anstrengungen und Strapazen hatten ihm gut getan, und die krankhafte Blässe seines Gesichtes war einer gesünderen Farbe gewichen. Ella hatte sicher gedacht, daß die längere Trennung versöhnend wirken würde und war ihrem Gatten deshalb zärtlich entgegengekommen. Darauf hatte dieser aber nicht reagiert, sondern er begegnete ihr nach wis vor mit derselben ruhigen kalten Höflichkeit, so daß sie ihre Bemühungen bald ausgab. — --„Möchtest du dir nicht das Kleid anseheu, das ich heute abend tragen werde?" fragte Ella, als sic bei Tische saßen, „es ist sehr apart; ich denke, daß es dir gefallen wird!" „Gern, sobald wir gegessen haben," entgegnete er zuvorkommend. „Wann wirst du heute abend zurückkommen? Hoffentlich nicht so spät." „Ich kann cs dir noch nicht sagen Gerade heute habe ich viel zu tun. Vor sechs Uhr kann ich schwerlich hier sein! —• Run, meine Toilette nimmt ja nicht viel Zeit in Anspruch!" „Aus den heutigen Abend freue ich mich sehr; es ist immer so nett bei Wessels — gehst du nicht auch gerne hin?" „Gewiß, ich bin sehr gern dort, wenn ich auch, >vie du weißt, kein besonderer Freund von diesen großen Gesellschaften und Massenabsütterungcn bin, Gabriele!"--Da siel sein Blick aus Hasso, der neben ihm faß und aus seine», Teller herumstocherte, ohne zu essen — „aber, was ist mit dir, mein Junge? Du ißt ja gar nicht? Du bist so still — fehlt dir etwas?" „Ja, Papa — Hasso hat Kopfschmerzen," sagte dieser mit matter Stimme. „Er klagte vorhin schon darüber, Herr Hauptmann," warf das Kinderfräulein ein, „er hat auch gar nicht so nett gespielt tvie sonst!" „Ach, sei nicht so gefährlich, Hasso, es wird nicht so schlimm sein," sagte Ewbriele unmutig, während eine Falte zwischen ihren Augenbrauen erschien, „die Hauptsache, Wolf, ist, daß er sich gar nichts aus Frikassee macht — bu hast doch aber selbst gesagt, daß er alles essen lernen soll." „Gctviß," entgegnete Wolf, „das soll er sonst, aber wenn er sich nicht wohl fühlt, wollen wir ihn nicht dazu zwingen, sonst könnte cs ihm schaden!---Hast du viel Schmerzen, mein Liebling?" fragte er zärtlich. Das Kind lehnte sein dunkles Köpfchen an den Arm deS Vaters und schloß die Augen. „Sehr viel nicht; aber mich friert so, und ich bin io müde!" Besorgt legte Wolf die Hand auf Hassos Stirn und faßte nach seinem Puls. „Ich glaube, Ella, in Hasso steckt eine Krankheit; er hat ein so heißes Köpfchen; er sichert etwas!" Ungeduldig beobachtete Ella den Gatten. In seiner übertriebenen Besorgnis wäre er imstande und blieb der Ge- fellschast heut abend fern! Sic war gewiß keine herzlos» Mutter und hatte ihr Kind lieb — aber wie Wols immer leich war, das tvar schon nicht mehr schön! Sie faßte nach er Hand des Knaben und sagte liebevoll: „Mein Herzblatt 102 hat sich gewiß gestern auf den, Wege zum Großpapa Lei dem! chlechte» Weiter erkältet! Wir machen nachher nasse lim« chläge, und Fräulein erzählt dir dabei die Geschiclste vom leinen Däumling, die du immer so gern hörst — oder möchtest du lieber ins Bett?" Statt aller Antwort schüttelte Lasso mit dem Kopfe. „Ta siehst du, Wolf," sagte Ella erleichtert, „eS hat nichts auf sich, sonst würde er ins Bett wollen!" Wolf nahm seinen Jungen auf den Schoß. „Tut dir sonst nichts weh? Hast du Schmerzen beim Schlucken?" fragte er zärtlich besorgt. „Nein, Papa, nur Kopsschmerzen." „Ich muß jetzt fort, Ella! — Sollte es schlimmer werden, müssen wir für heut abend absagen, so leid es mir deinetwegen tut! Ich bin doch sonst nicht so ängstlich — ich weiß selbst nicht, wie es kommt! — Aber ich hörte, daß jetzt so viele Kinder an Scharlach und Diphtheritis krank liegen!" „Vorläufig ist zu dieser Besiirchtung kein Anlaß, Wolf! Glaube mir, ich als Mutter habe darin auch einen Blick! — Die Kopfschmerze,: werden sich schon geben, nicht wahr, Hasso?" „Jo, Maina!" Ws Wolf nach sechs Uhr nach Hause kam, war sein erster Gang nach dem Kinderzimmer. Still saß Hasso in der Ecke und blätterte in einem großen Buche. „Wie gehts denn, mein Liebling?" fragte Wolf zärtlich, „noch Kopfweh?" „Ganz gut, liebes Papachen! Dr: und die Maina, ihr Wnnt nachher ruhig fortgehen! Ich darf auch die Mama sehen, wenn sie sein ist!" ,-Aber dein Köpfchen und die Händchen sind so heiß, mein Junge," und besorgt faßte er nach beiden. In diesem Augenblicke wurde die Tür geöffnet und Gabriele trat herein in eine», wunderbar zarten duftigeil Unterrock, schon frisiertmnd bis auf das Kleid fertig angezogen. „Ach, du bist da," sagte sie zu ihren: Galten^ „mir wap, als hörlte ich Ä vorhin in deinem Zimmer. Beeile dich, Wolf, es ist sieben Uhr!" „So? Ich niuß gestehen, daß ich am liebsten hier bleiben möchte! Hasfo gefällt mir gar nicht! Sieh nur, wie apathisch er da sitzt!" „Dachte ich es doch! Aber zu deiner Beruhigung ivill ich dir sagen, dah ich gleich nach deinem Weggange zum Sanitätsrat gesch:ckt habe, der mich wegen meiner Besorgnis fast verlachte — er meinte, verdorbener Magen!" „Ach, Gabriele, der Sanitätsrat ist kein Kinderarzt; zu ihn: habe ich kein Vertrauen. Mir ist so eigen; am liebsten möchte ich gar nicht fortgehen; wenn nur in Hasso keine ernstliche Krankheit steckt; ich bin zu ängstlich ivegen Scharlach oder Diphtheritis." „Aber Wolf, da müßte ich cs als Mutter doch viel mehr sein; sei nicht gar so besorgt! Was soll das erst werden, wenn Hasso in die Schule geht?" „In der Nachbarschaft ist Scharlach; die beiden kleinen Gehrkes liegen fest, wie ich hörte," bemerkte das Kinderfräulein. Gabriele warf ihr einen ungnädigen Blick zu. Mußte dieses ungeschickte Geschöpf die Besorgnis ihres Gatten noch steigern! „Bringen Sie Hasso zu Bett," sagte sie kurz, „wenn er morgen ausgeschlasen hat, wird allejs wieder gut sein." „Sollte sich sein Zustand jedoch verändern, dann schicken Sie sofort nach uns e- Sie wissen ja, wo wir sind, und zugleich auch zu Tr. Kornelius; zum Sanitätsrat habe ich kein rechtes Vertrauen, während jener junge Arzt als Kinderarzt sehr bekannt ist," sagte Wolf. — „So, mein lieber Junge, lasse dich schön zu Bett bringen; Papa kommt nach- her noch und sagt dir gute Nacht!" Als sie gegen zwei Uhr nach Haus kamen, eilte Wolf sofort unruhig an Hassos Bettchen. Schlaftrunken erhob sich das Kindersraulein von seinem Platz — es hätte getreulich Wacht gehalten, konnte aber dem besorgten Vater nichts anderes sagen, als was er selbst sah — unruhig wälzte sich der Knabe auf seinem Lager; die Bäckchen ivaren heiß und rot, und ab und zu stieß er unverständliche Worte hervor. Aengstlich sah Wolf aus ihn »nd faßte seine Hündchen wie sein Gesichtchen an. „Er fiebert, Gabriele, sieh nur —" Sie trat dicht an das Bettchen heran, einen verdrießlichen Ausdruck im Gesicht. Ihre blendende Erscheinung wollte gar nicht so recht dahin passen. Achtlos ließ sie den kostbaren Mantel von den üppigen entblößten Schultern gleiten, als sie sich über das schlafende Kind neigte und prüfend in das gerötete Gesicht desselben blickte. „Ach Unsinn, Wolf, das sind Schlafbäckchen: die hat er ja immer t -<‘ sagte sie etwas unfreundlich. Lächerljich, darum, gerade als es am schönste,: ivar, nach Hanse zu eilen; aber er hatte sich ja nicht mehr halten lassen, eine törichte Angst trieb ihn fort, und es ivar doch so amüsant gewesen; sie tväre zu gern noch geblieben — man hatte ihr wie einer Fürstin gehuldigt, und sie hatte wieder große Triumphe gefeiert — nur ihr Bär von Mann hatte nicht darauf geachtet, wie schön sie in dem weichen, fließenden, kostbaren Kleide aussah, das ihre herrliche Büste fast bis zur Grenze des Erlaubten freiließ. Besonders Exzellenz waren ja entzückt von ihr und hatten sie durch häufige Ansprachen ausgezeichnet, was doch nur von Vorteil für Wolf sein konnte — bah, und hier stand er wie eine ängstliche besorgte Kindermuhme — ein fast verächtlicher Zug legte sich um ihre vollen Lippen, als sie ihn beobachtete. „Meinst du, Ella?" fragte er da wie etwas erleichtert, „aber dieser unruhige Schlaf —" i ist die Folge seines verdorbenen Magens. Wer weiß, was er alles bei Papa gegessen hat — die Lassen ist in dieser Beziehung unvernünftig; sie verwöhnt Hasso über die Maßen! — Sei gut, Wolf — ängstige dich nicht, steh, ich bin doch des Kindes Mutter, und wenn ich ruhig bin—," sie legte die ringgeschmückte Hand auf seine Schulter und blickte ihn an. Sie wollte ihn zwingen, ihre Schönheit zu sehen, zu beivundern — und dadurch ihn wieder zu sich ziehen, zu ihr, der doch sonst, wenn sic nur wollte, keiü> Mann widerstand. Aber selbst jetzt übte ihre berauschende Nähe gar keine Wirkung aus ihn aus — mit einem schwer zu beschreibenden Blick sah er sie an zind sagte dann, „erkälte dich nicht, Gabriele, da du so entvlößt bist," und wandte sich dann wieder seinem Kinde zu. Er merkte ihre Absicht, deshalb konnte lie keinen Einfluß auf ihn haben. Zornrg biß sie sich auf die Lippen. „Sic können ruhig zu Bett gehen, Fräulein, es ist absolut keine Gefahr," bemerkte sie zum Kinberfräulein und rauschte dann hinaus. Nur schwer entfernte sich Wolf von: Lager seines Kindes; am andern Morgen schickte er auch gleich zu Dr. Kornelius, de» er gut kannte. Vorläufig konnte dieser noch nichts Bestimmtes sagen — aber an: nächsten Tage stellte er den Ausbruch einer Lungenentzündung fest. Hasso war ein ungebärdiger Patient und nur seinem Vater gelang cs, ihn etwas zu beruhigen — von der Mutter wollte er gar nichts wissen, worüber sich diese sehr erzürnte und dem Krankenzimmer meistens fern blieb. „Gnädige Frau," sagte Dr. KvrneliuK »u ihr, „es ist ein ziemlich schwerer Fall, und ich halte cs für ratsam, wenn wir eine Pflegerin zu Hilfe nehmen; das Kindersräulein ist nicht besonders kräftig; sie gefällt mir gar nicht; ich fürchte, sie wird uns noch krank." „S:e haben rcck)t, Herr Doktor! Tann bin ich auch beruhigter. Mir geht die Angst und Sorge aus die Nerven, und man ist eine schlechte Krankeinvärterin, ivenn die mütterlichen Geftihle mit in Frage kommen. Die Diakonisse:: sind das Pflege:: gewöhnt, und ihnen geht alles sicherer von der Hand, f— Ich bin schon ganz elend —" Ter junge Arzt warf «inen sprechenden Blick in ihr blühendes Gesicht, dem man nichts ansah und sagte: „Allerdings, gnädige Frau! — Ich kann Ihnen eine vorzügliche Pflegerin einpfehlen. Schwester Kon>uelo ist ein liebeS, warmherziges Geschöpf, die besonders mit Kindern umzu- gchen versteht. Sie ist freiivillige Pflegerin, gehört nicht zun: Schwcsternverband des hiesige» Krankenhauses. In der Klinik von Kollege Hamann ist sie die beste Stütze. Augenblicklich ist dort nichts für sie zu tun; deshalb wird sie komme:: können. Ich habe sic schon an manchem Krankenbett bewährt gesunden." Er hatte sich ordentlich ivarm geredet, der junge Arzt. Ta trat Wolf ein, blaß und angegriffen von der Sorge un: sein Kind. „Nun, Doktor, wie finden Sie meinen Jungen? Auf dem Sprung nur bin ich »hier, um Sie zu hören!" „Keine Sorge, Herr Hauptmann! Kein Kind wird ja von .Kinderkrankheiten verschont. Soeben habe ich Ihrer Frau Gemahlin den Vorschlag gen:acht, eine Pflegerin zu nehmen. Heute nachmittag gleich nach meiner Sprechstunde komme ich noch :::al und bringe die Schwester gleich mit! Schwester Konsuelo versteht ihre Sache! Aengstigen Sie sich nicht! Wir müssen nur vor allem das Fieber zu vertreiben 108 suchen; es darf nicht hoher kommen. Befolgen Sie genau meine Vorschriften!" Der Arzt >varf einen Blick voller Mitleid auf Wolf, der ganz gebrochen dasaß. „Um Hasso habe ich keine Angst, wohl aber um Sie, Herr Hauptmann. Essen und schlafen Sie ruhig, damit wir nicht statt eines zwei Patienten haben! Also nachmittag konime ich mit der Schwester. Adieu!" (Fortsetzung tolflt.j „Zch halt' einen Nameraden. . Aus meinem Leutnantstagebuch. Von Oberstleutnant a. D. G. Reiche. — „Ich halt' einen Kameraden". — Die Sükarmee unter Manteussel drängte die französische Armee unter Bourbaki gegen die Schweizer Grenze. Die Kapitulation von Paris stand nahe bevor. Mein Regiment trat am 29. Januar morgens um 8 Uhr als Avantgarde den Marsch an. Der Weg ist in dem hohen Schnee aus dem sehr zerfahrenen Landwege recht beschwerlich: sonst ist die Gegend im Winterkleide herrlich: wir haben bei den Strapazen freilich wenig Sinn dafür. Ich gehe mit Leutnant v. P. zusammen, der heute ganz melancholische Gedanken hat: ich solle bas in seinem Tornister befindliche Testament an mich nehmen, wenn er salle. Ich lache ihn aus, bezweifle, daß es heute überk Haupt noch zum Schlagen komme, weil die Franzosen froh wären, wenn sie ungeschoren die Schweizer Grenze erreichten. Er bleibt aber bei seinen Gedanken. Jedes Thenia, das ich anschlage, läßt er unerörtcrt und kommt immer wieder auf seine Todesahnungen zurück: so sagt er, er habe immer das bestimmte Gefühl, daß er einen Schuß in den Unterleib bekomme, er halte deswegen in jedem Gesecht die Faust mit der Säbelscheide vor den Bauch. Auch sonst erzählt er mir viel aus seinem Leben, Trauriges und Fröhliches. Bei dem weiteren Vormarsch mehren sich die Zeichen des Rückzuges der Franzosen. Fortgeworfcne Waffen und Ausrüstungsstücke liegen zahlreich auf und an der Straße, ebenso verlassene Fahrzeuge und getötete Pferde, denen die besseren Stücke zum Essen herausgeschnitten sind. In mehr oder weniger großer Entfernung sieht man Trupps französischer Soldaten, ivelche sich beeilen, aus unserem Gesichtskreis zu kommen. Obwohl es bereits dunkelt, marschieren wir weiter, und da wir durch keine Ortschaften mehr kommen, denken wir schon an biwakieren. Endlich bringt der Adjutant Beseht, daß wir in Chaffois Quartier beziehen sollen. Nach Aussagen von Gefangenen ist dies aber von 5 Bataillonen und 4 Batterien, darunter 2 Mitrailleusen-Batterien besetzt. Die Avantgarde soll das Dorf nehmen! Das kann ja nett werden! Stockfinster, dicker Nebel, man kann auf 20 Schritte nicht einmal die Truppe sehen. Unsere Husaren kommen infolgedessen bis aus wenige Schritte an das Dorf heran, erhalten dann aber ein so überraschendes Schnellfeuer, daß sie in Karriere zurückkommen. Getroffen wird wunderbarerweise niemand, da die Franzosen — wie oft — viel zu hoch schießen. Während nun unsere Artillerie hinter uns ausfährt, formiert sich das Bataillon in Kompagnie-Kolonnen, zwei Kompagnien gehen als Schützen etwas weiter vor, zwei bleiben geschlossen dahinter. Behaglich ist die Lage nicht. Tiefe Finsternis, dicker Nebel, mehr als drei Fuß tiefer Schnee. Jetzt sehen wir hinter uns eine sich bewegende Laterne, und hören in der nur durch die Schüsse der Franzosen unterbrochenen Stille das Kommando bei unserer Artillerie: ,,2000 Schritt, Richtung auf den Stern!" Es war tatsächlich ein einziges Stcrnlein am Himmel sichtbar: und dann beginnen sie zu schießen. Auf der Karte haben sie bei der Laterne die Richtung aus Chaffois bestimmt und gefunden, daß das Dorf in der Richtung des Sternes liegen müsse. Erreicht haben sie freilich nur, daß eine einzige Granate wirklich in das Dorf ge- komnien ist. Leider wurden die Franzosen dadurch alarmiert und auf den Infanterie-Angriff vorhereitet. Wir sollten, sobald das Artillerieseuer schweigt, gegen das Dorf Vorgehen. Da aber ein Vorwärtskommen abseits der Straße fast unmöglich ist — der Schnee reicht uns, wie wir erprobt haben, tatsächlich bis über die Knie •— so werden wir wieder in Marschkolonnen auf der Straße formiert, vorn die dritte Kompagnie. Der Divis! ons!- kommandcur gibt den Befehl zum Angriff, und nun heißt es: „Das Bataillon geht dicht geschlossen ohne einen Laut und ohne Schuß auf der Straße gegen Chaffois vor: die dritte Kompagnie wirst mit dem Bajonett die Dorfwache über den Haufen. Die erste Kompagnie greift nach den sich ergebenden Umständen ein. Tie beiden anderen folgen dicht ausgeschlossen." Die Pulse »lögen auch anderen außer mir lebhafter geschlagen haben: seit dem 6. August bei Spichern hatte ich schon oft im Feuer gestanden, hatte mich schon oft in Lagen befunden, in denen die Aussichten für das Leben recht gering waren: ich habe nicht empfunden, daß man sich daran gewöhnt: die Umstände waren immer andere und solche gewesen, die mich gar nicht zuni Nachdenken über Leben und Tod kommen ließen. Meist am hellen Tage war ich durch die um mich herstm sich abspielenden Vov- gänge, durch meine dienstlichen Obliegenheiten, durch meine Aufmerksamkeit aus die Vorgänge beim Feinde und durch die Fürsorge für meinen Zug so in Anspruch genommen, daß ich gar nicht daran renken konnte, ob ich verwundet oder totgeschossen werden würde. Heute war es anders! Man hörte bei dem lautlose» Marsch in dem liefen Schnee keinen Ton, man sah nur die unmittelbar neben und vor eineni Marschierenden Leute. Jeder in der Kolonne bewegte sich, tief in sich versunken, vorwärts. Die Kolonne machte den Eindruck willenlos dohinziehendcr Gestalten, auf denen ein schweres Geschick ruht — morituri! — Wenn auch nicht lange, so hatte ich doch hinreichend Zeit zum Nachdenken: dazu kam, daß mir Leutnant v. P. nochmals kurz seine vorhin geäußerten Wünsche wiederholte. Er war aber sonst sehr lustig und machte slüsterud allerlei Witze, so daß ich meine törichten Gedanken los wurde. Jetzt wird die unheimliche Stille durch Hurrahgeschrci vor uns unterbrochen, zu gleicher Zeit bekommen wir von halblinks vorwärts heftiges Feuer. Während wir halten, schickt mir der Führer durch einen Unteroffizier den Befehl, „ich solle mit meinem Zuge gegen das von halhlinks auf uns gerichtete Feuer Vorst gehen". Dem Leutnant v. P. drücke ich noch einmal die Han«, lasse die Gewehre entladen, und den Zug in der befohlenen Richtung ausschwärmen, kommandiere dann „Marsch!", und nun waten wir lautlos in dem tiefen Schnee die kleine Anhöhe hinan. Sehen konnten wir nur das Aufblitzen der zahllosen Schüsse. Die Anstrengung war sehr groß: der Schnee war ölen überfroren, so daß man mit Mühe die Beine immer erst herausziehen konnte, wen» man durchgetreten hatte. Dabei war das Pfeifen der Geschosse und ihr Einschneiden in die überfrorene Schneekruste ein unheimliches Geräusch. Nach etwa 400 Schritten mußte ich meinen erschöpften Leuten eine Ruhepause geben und befahl zu halten. Wir alle waren trotz der scharfen Kälte in Schweiß gebadet. Nach einigen Minuten ließ ich den Befehl zum weiteren Vorgehen in der Schützenlinie leise weitergeben. Da die- doch nicht ohne lautes Sprechen ausgesührt wurde, nahm da- feindliche Feuer wieder sehr zu: ich hatte daS Gefühl, daß wir schon ganz dicht an der feindlichen Linie wären und kommandierte jetzt ganz laut: „Marsch! Marsch! Hurra!" So arbeiteten wir uns lvieder eine Strecke gegen das sehr heftige Feuer vorwärts. Dennoch mußte ich noch einmal Halt machen, weil mir selbst der Atem völlig ausging. Schon mancher meiner braven Jilngen färbte den Schnee mit seinem Blute. Wir hatten bis jetzt —- wie ich es besohlen hatte — noch nicht einen Schuß abgegeben. Erst jetzt ließ ich laden, und das Feuer eröffnen, obwohl wir nichts als das Aufblitzen der feindlichen Schüsse sehen konnten. Nach wenigen Minute» kommandierte ich nochmals: „Marsch! Marsch! Hurra!" und erreichte nach kurzer Zeit die Umfassungsmauer eines größeren Gehöftes, welches Kopf an Kopf von Franzosen besetzt war. Während meine Leute sich hinter die Mauer stellten und heftig schossen, sprang ich auf die am Eingang errichtete Barrikade, mit mir ein Unteroffizier, ein Einjähriger und einige Leute. Ich riet den Franzosen mein ,,ä bas leS armes" zu, und lieh zu gleicher Zeit das Feuer einstellen, da nur noch von den 'Häusern einzelne Schüsse auf uns fielen. Mehrere französische Offiziere überreichten mir ihre abgeschnallten Säbel, und erklärten sich mit der Besatzung ergeben zu Ivollen. Ich ordnete das Niederlegen der Waffen an und ließ die Gefangenen hinter eineni der Häuser sammeln. Hiermit noch beschäftigt, erhalten wir wieder ein sehr lebhaftes Feuer voll einem der Häuser des Gehöftes, welches aus vier Gebäuden bestand. Zch lasse einen Halbzug bei den Gefangenen, befehle den unbewaffneten französischen Osfi- zieren, mit Ausnahme von zweien, mich zu begleiten, gehe gegen! das letzte noch verteidigte Haus mit dem Halbzuge vor und schicke einen der französischen Offiziere voraus, um die dortige Besatzung zum Einstellen des Feuers zu veranlassen. Das gelingt aber erst nach wiederum schmerzlichen Verlusten. Erst jetzt konnte ich alle Gefangenen — 5 Offiziere 200 Mann — entwaffnen und lumuuiu .... Das Gefecht wird dann plötzlich durch Trompetensignale der Franzosen unterbrochen: ein Waffenstillstand soll in Paris geschlossen sein, nnb wirklich inüssen nur nachher die Gefangenen ohne Waffen lvieder entlassen, obwohl sich später heransstellt, daß wir — die Südarniee — davon ausgeschlossen sind. Die Zahl unserer Gesangeneu belief sich im ganzen auf über 1000, außerdem waren zwei Geschütze genommen. Die Franzosen lmben viel Leute verloren; aber auch wir haben den Sieg mijt 5 Offizieren, 38 Mann bezahlt. Unter den tödlich verwundeten Offizieren war auch mein Freund, Leutnant v. P., dessen Todesahnungen sich also leider erfüllten. Er hatte tatsächlich einen Schub in den Unterleib bekoninien, an dem er nach 10 Stunden starb. Am Morgen des 30. Januar sehe ich mir das Feld der Tätigkeit von heute nacht an, finde dabei iloch manchen unverbundene»! Verwundeten, suche dann Lentnailt v. P. auf, welcher mit Leutnant v. T. znsanimen in einet Bauernstube lag. v. D. war noch in der Nacht das Bein ampufiert, er sck)lief wie ein Toter und hatte rote Backen, v. P. hatte, schon die Totenfarbe und lag mit geschlossenen Augen da. Als ich mit trübem Gesicht eine Weile an feinem Bett gestanden, schlug er die Angen aus und sagte: „Na, alter Freund, stehen Sie doch nicht so traurig da, setzen Sie sich an mein Bett und erzählen, mir, wie es Ihnen ergangen ist." Als ich ihn fragte, ob er! große Schmerzen habe, sagte er: „Meine Schmerzen quälen mich genug, wenn ich allein Rn: lasten Sie nns von etwas anderem sprechen." Auf meine Frage nach seinen Erlebnissen während des gestrigen Gefechts, sagte er mit leuchtenden Augen: „Tie Leute meines Zuaes waren begeisternd brav; Sie 104 — hätten die Prachtkerle sehen sollen, jeder-ein Held! Meinen Schutz habe ich aut wenige Schritte beim Eindringen in ein Gehöft bekommen, und sehen Sic — sagte er — ich wutzte ja, daß ich in den Unterleib getrosfen würde, der Schutz ist durch die Blase gegangen/' „Als ich lag — sühn er sort — mutzten meine Leute, von denen zwei tot neben mir lagen, zurück. Wir drei blieben dort liegen, und die Halunken plünderten uns ganz aus, selbst meine Ringe haben sie mir mit Gewalt abgezogen. Ilm mich mit Erfolg zu wehren, war ich schon zu matt: sie haben mir nichts als Hemd, Unterhosen und Strümpfe gelassen: wenn ich nicht in der Nacht von unseren Krankenträgern gesunden Iväre, wäre ich wohl erfroren, und den armen Kerls neben mir haben sie die llfircn und ihre paar Pfennige abgenommen." Als ich ihm die Hoffnung aussprach, datz er wieder l>ergcstellt du er de — was freilich ganz ausgeschlossen war —, lächelte er und sagte: „Das glauben Sie ja selbst nicht, lieber Reiche: morgen früh werden Sic mich begraben: darum machen Sie mir noch ein recht fröhliches Gesicht, und bleiben Sie bei mir: allein kommen einem so scheußlich« Gedanken " Ich erzählte ihm nun den Verlaut des Gefechtes und von meinen gefährlichen Erlebnissen, daher war er so, als ob wir beim Glase Bier sätzen, nur zuweilen zuckte es schmerzlich in seinem Gesicht. Als er den an meiner linken Brust von nreinem Burschen nicht gerade schön zusamcnengeslickten Ritz bemerkte — mir hatte ein Streifschuß den Roa lind das Hemde auf der linken Brust zerrissen —, nannte ich ihm die Ursache: da gab er mir die Hand und sagte: „Ich beglückwünsche Sie, ein Paar Zenttnreter tiefer, dann könnten Sie auch nicht mehr mit mir plaudern." Später sagte mir der Arzt, er ser unrettbar verloren, es handle sich nur um wenige Stunden, man müsse ihm den Dod je eher je lieber wünschen, er stehe ganz rasende Schmerzen aus. Ich habe bewundernd und begeistert an dem Tvdeslager dieses Helden gestanden. Als ich merkte, datz er doch sehr matt Ivurde, sagte ich ihm Lebewohl, und drückte ihm zum letztenmal die Hand. Drantzcn konnte ich meine Tränen nicht länger znrückhaltcn. Am Nachmittag ist er dann saust entschlafen Heute soll die Beerdigung der Gefallenen — Deutschen und Franzosen — stattsinden. Ich mache mich deshalb aus, meinen Freund v. P. noch einmal zu sehen. In der Kirche finde ich die Leiche erst nach langem Suchen. Särge waren nicht zu beschaffen gewesen, so lagen die Toten, jeder mit seinem Mantel bedeckt, auf den kalten Steinen des Fußbodens, v. P. lag, ivie er im Bett gelegen: mit dem, was ihm die Schlachtfeldhyänen bei der Plünderung gelassen hatten, zugedeckt mit einem Mantel eines Musketiers. Die treuen blauen Augen standen noch starr und weit ans. Mir wurde so traurig zu Mute: es machte einen gar zu entsetzlichen Eindruck, alle diese Leichen, so dürftig bekleidet, mit Blut bespritzt auf den kalten Fliesen der Kirche, darunter er! Ich versuchte, ihm die Angen zuzudrücken, was mir nur zum Teil und mit Mühe gelang. Die Totenstarre war schon zu lange eingetreten, das übrige tat die Kälte. Ich deckte ihn wieder z», sprach ein kurzes Gebet und schlich mich davon . . . Am Mittag gehen wir alle zum Begräbnis. Die Feier in der Kirche ist so ergreifend, ivie ichniie eine mitmachte Bor den, Altar liegen Arm an Arm Deutsche und Franzosen: zu beiden Seiten des Altars stehen der evangelische und der katholische Geistlich»'. Nach einem von der Orgel begleiteten Gesang halten beide Geistliche nacheinander eine zu Herzen gehende Rede: dann werdet! die Toten auf Krankenbahren hinausgetragen. Drautzen aus dem Kirchhof gähnt ein großes Massengrab und vier einzelne Gräber für Ossi- ziere. Nachdem di« Leichen hineingelegt waren und Erde darauf geschüttet ist, kommen die drei Salven und damit ist tvieder ein Akt des großen Völkerdramas geschlossen. Ernstes uni» heiteres ans haeckels Leben. Die köstlichsten Sttmde» seines arbeitsreichen Lebens verdankt Ernst Haeckel dem Manne, der ihn seinem Fache der Zoologie, zugesührt hat: Johannes Müller. Es war im Sommer 1854: die Vorlesungen hatten geschlossen, da schlug Johannes Müller seinem Schüler, dem damaligen Studenten der Medizin Emst Haeckel, vor, er solle ihn nach Helgoland begleiten, um ihm dort bei seinen Forschungen an Seetieren behilflich z» sein. Das Treibe» Müllers und Haeckels am Helgoländer Strande ersäße» den Fischern zivar äußerst seltsam, den» sie hatten noch nie gesehen, wie vernünstige Menschen mit Gchmelterlingsnetzen aus dem Meere etwas Brauchbares fischten, allein Haeckel und Müller stapstcn dennoch stundenlang mit ungeheurer Ausdauer tu dcu Ebbetümpeln umher, Haeckel führte förmlich lso sagt Bölschcl das Leben eines Seesäugctters, und diese Lebensweise trug ihm bei den Helgoländer Fischern den Namen eines „Tcedüocls" ei». Johannes Müller übte sörmlick? faszinierende Wirkung aui Haeckel aus und nock> als reifer Mann hat Haeckel daraus hingctviesen, was Müller für ihn bedeutelei „Wenn ich jetzt bisweilen bei der Arbeit ermüde," so hat er sich als Sechzigjähriger geäutzert, „brauche ich nur das Bild von Johannes Müller, welches in meinem Arbeitszimmer vor mir hängt, anzusehcn, um neue Kraft zu getviunm. Iw werde nie die Anregung vergessen, die ich ihm verdanke. Er lehrte vergleichende Anatomia und Physiologie. Ich wurde in kurzer Zeit mit ihm näher bekannt, hatte aber vvi seiner gewaltigen Persönlichkeit eine solche Verehrung, datz ich cs nicht wagte, ihn, näher zu treten. Er gab mir Erlaubnis, im Museum zu arbeiten. Es sind mir unvergeßliche Stunden, in denen ich dort satz und Schädel zeichnete, während er aut und ab ging, besonders Sonntag nachmittags. Mehrere Mal ist es mir passiert, daß ich ihn um Rat fragen wollte. Mit Herzklopscn stteg ich die Treppe hinan, faßte an die Klingel, wagte aber nicht zu läuten, sondern kehrte wieder um. Ueber ivelch gewalttge Arbeitskraft Ernst Haeckel zeitlebens verfügt hat, davon gibt die lange Liste seiner einzelnen Arbeite» — weit über 100 — die beste Anschauung. „Jede Minute ist kostbar in dieser Welt, sviele oder arbeite: aber tue ani alle Fälle etwas" - diese Weisheit, die ihnr sein Vater in der Ki»derze»c oft gepredigt hatte, lvandte er selbst in dem erschlasfenden Tropen"- klima an, dcni er bet seine» Weltreisen ausgcsetzt war. Ans Ceylon sagte er sich, datz jeder Tag tvegcu der großen Reisekoste» ctlua den Wert eines Hundertmarkscheiiles besäße, daher verzichtet« er aus jede Langschläserei und Siesta, stand alltäglich um 5 Uhr morgens auf und benutzte die heißen Mittagsstunden von 12 bis 4 Uhr zu anatomischer und mikroskopischer Arbeit, zum Beobachten und Zeichnen, sowie zum Einmachen und Verpacken de« gesammelten Materials. Wer Haeckels Werke kennt, ist sicher ein Bewunderer der prachtvollen Bilder, die ihnen beigegcbcn sind. Sie sind Haeckels eigenes Werk. Schon Johannes Müller war über Haeckels Zeichciv- und Maltaleut erslaunt gewesen, und es hat eine Zeit gegeben, wo Haeckel selbst glaubte, er solle Maler werden Das loar in den schönen sIugendtagen, >vv er untrem „Marschet,dichter, Friesen- häuptling und Prachtkerl" Hermann Allmers Süditalie» durch- streiste. Allmers selbst hat einmal erzählt, wie er Zwecke, in einem Cafe Neapels kennen lernte: er griss nach einem Blatte der Allgemeinen Zeitung: gleichzeitig streckte sich eine andere Hand danach aus, die Haeckels, also offenbar eines Deutschen, Ivosür auch die ganze Erscheinung sprach. Aus der rasch geiuack,te>r Bckanntschast wurde bald eine schöne Freundschaft: der Dichter und der Naturforscher reisten zusammen: „Ancki bin gemeinsames Quartier beherbergte uns, keine Wanderung ivard allein unternommen, „feine botanische Exkursion, nie saß man einsam, um zu aauarcllieren und zu zeichnen, was Haeckel mit biner wahren Leidenschaft trieb, und am britteu Morgen schon, da wir aus einer fast kochend heißen Wiese seltene Thermalpslanzen entdeckten und fast auf derselben Stelle die zerfallenen Trümmer eines altrömischen Bades fanden, wirkte das Seltsame und Eigen- tünrlichc aus uns Beide, baß wir uns jubelnd umhalsten und denRest! unserer Flasche zuni Schmollis weihten, Kleide suhlte» wir, es konnte nicht anders sein Und so ging es glückselig schtvclgenh im Anschauen der herrlichen Gegend, die vom hohen Enipomco genossen, in ihrer Pracht uns zu Füßen lag: so ging es als wir gar uns aller Kleider beraubten und nackend wie ein paar echte Naturmenschen in die warmen Schlammströme tauchten, welche aus der dämmervolleu Tiefe unter herabyäugendem Gerank und Farnkräutern hervvrqnolle» . . ." Im Jahre 1866 reiste Haeckel nach England, und damals lernte er Darwin persönlich kennen Darwin holte ihn von der Eisenbahn ab, und die „hohe ehrwürdig« Gestalt mit den breiten Schultern des Atlas, der eine Welt von Gedanken trägt, seine Jupiterstirn wie bei Goethe, bock» und breit gewölbt, vonil Pfluge der Gedankenarbeit ttef durchfurcht", und das übrige Aeu- ßere machten ans Haeckel einen solche» Eindruck, daß er eine» „hehren Weltiveisen des hellenischen Altertums, einen Sokrates oder Aristoteles, lebendig vor sich zu sehen" glaubt. Die Beiden freunden sich rasch an, inr Gespräch ivettert Haeckel voller Eiier aus die Dunnnköpse und Perücken, die sich gegen die sonnenklare Wahrheit der Entwicklungsidee noch aiislehnen. Da legt Darwin seinem feurigen Jünger die Hand auf die Schulter und sagt lächelnd, es seien vielmehr arme als böse Leute, und den Strom der Wahrheit selber hielten sie doch nicht ans . . . Lharade. Eins-zwei ist besonders den> Landivirt« ivcrt. Da sie als Flitter vorn Dieb begehrt. Tie Tritte der Matbeiualikus schätzt, Nicht selten datür er auch Buchstaben letzt. Das Ganze nennt einen mächtigen Weift, Manch hnbicbes Märchen verrät, ivie er heißt. Auslösung in nächster Ntimmer. Auslösung des KreuzrätselS in voriger Nummer: LUS 8 a t w h ft Löwe nmatil Ha hn einann Stammbuch a a u n u c I n h Redaktion: K. Neurath. — Notationsdruck und Verlag der Brühl'sche» Universitäts-Buch- und Sleindruckerei, R. Lange, Gießen.