Ein Frühlingstraum. Roman von Fr. Lehne. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Aiu luchsten Morgen ging Wolf gegen 10 Uhr fort. SOfan sah ihm die Spure» einer schlaflosen Nacht an. Er sali bleich und krank aus: die dunkeln, großen Augen lagen tief i» ihren Höhlen, und müde ivar auch sein Schrill. Solche Aufregung, wie sie der verflossene Abend gebracht, >var auch für eine feste, gesunde Natur zu viel. Am Früh- stiiekstische halt, seine Frau auf ihn gelvartel: er hatte sie höflich begrüßt, aber sonst kein Wort weiter mit ihr geredet, und ebenso höflich hatte er sich dann auch verabschiedet. Hinter der 'Sardine verborgen, sah sie ihm nach. Sonst batte er ihr ivohl noch einen Gruß heraufgewinkt, weint sie am Fenster stand — heute setzte er seinen Weg fort, ohne sich noch einmal nmzusehen. Es war ihm also ernst mit seinem Vorsatz, sie vollständig als Lust zu behandeln. Eine stille Wut bemächtigte sich ihrer — nicht einmal das Frühstücksbrötchc», das sie ihm eigenhändig z»rechtgemacht, hatte er gegessen! — Ihre Leute hatten es heule schlecht: niemand konnte ihr ctlvas recht machen: dem Stubenmädchen hatte sie gleich eine Tasse an den Kops geworfen, daß dieses weinend in die Küche lies und zur Köchin sagte: „Nein, ich Halle cs nicht inehr ans: ich bleibe nicht! Die Gnädige ist ja rein verrückt! Gestern spät abends, als der Besuch fort ivar, haben sic sich nvch tüchtig gezankt, und der .Herr Hnnptmann hat in seinem Zimmer geschlafen. Ich wundere niich überhaupt, daß er sich so lange ihre Launen hat gefalle» lassen: aber nun hat er endlich mal aufgeniucktl So ein guter Mann!" Unruhig ging Gabriele aus einem Zimmer in das andere, bis sie das ihres Mannes betrat, und wie mit unsichtbarer Gewalt zog es sie da nach seinem Schreibtisch. Vielleicht fand sie dort etwas ihren Man» Belastendes, und mit einem Beweis in der Hand konnte sie ihm die Demütigung des vergangenen Abends heimzahlcn. Alles in ihr empörte sich bei dem Gedanken daran wahrlich, diese Stunde wollte sie ihm vergelten • eine Gelegenheit mußte ciuinal kommen sei es srüber oder später. Alle Kästen des Schreibtisches lvaren verschlossen: die Papiere aus demselben trugen Bemerkungen und Aufzeichnungen fachivissenschastlichen Inhalts. Sie fand nichts: aber auf jeden Fall wollte sie sich jetzt Klarheit verschaffen, wie weit die Beziehungen zn Mar» Winters gingen — wer weiß, ob die Beiden nicht miteinander in Briefwechsel standen —- ob das Mädchen »ich! gar in der Stadt weilte. Eiir Zug fester Entschlossenheit legte sich um ihren Mund; sie nahn» ihren Schlüsselbund zur Hand und versuchte — da, einer paßte Sie schloß ein Fach ans »nd untersuchte seinen Inhalt, aber sie fand nichts von Besang darin, nun. dann mußte sie U>oitcr versuchen! Im ziveiten Fach lag ein Päckchen Briese: hastig griff sic danach — — cs waren aber nur die Briese, die sie ihm während des Brautstandes geschrieben hatte — also hatte er sie doch aufgehoben! — Sie mußte jedoch die Briefe von Maro Winters haben, die beiden hatten doch sicher in Briefwechsel gestanden! Sie suchte weite« - endlich fand sie das Gewünschte mit triumphierendem Lächeln hielt sie ein Päckchen Briefe, von rotein Band umwunden. in der Hand wie sie scststellte, waren sie tatsächlich von Mar» Winters! Da lag ja der Beweis seiner Treulosigkeit sonnenklar vor ibr: in ihrer Hast halte sie versäumt, nach dem Datum zu sehe», wann diese Briese geschrieben waren. Ein paar welke Blumen lagen noch in dem Kasten, sowie einige Bilder jenes Mädchens — obenauf das. >vas sie gestern abend zerknittert hatte. Gierig heftete sie ihre Augen darauf und konnte sich wirtlich nicht verhehlen, daß Mar» von ungewöhnlicher Schönheit war Also so sorgsättig hob er alles ans! Sie »ahm einen Brief »nd las; es waren zärtliche Worte, die Mary da geschrieben — so ähnlich hatte sie — Gabriele — ihre Briese ja auch abgesaßt! Sie las weiter und ersah daraus, wie innig die beiden initeinander redeten — und immer war der Schluß — also ans dem Friedhof das versprochene Wiedersehen! Und dieser Brief hier über vier Seiten und eng beschrieben, ihr, Gabrielcs, Name auch darin erwähnt? ivas war oas? Mary beklagt sich über den Borivurs der Untreue, beiseite geworfen wie ein Spielzeug um Fräulein Ulrich - dem Bruder, der derjenige ans dein Friedhot war, mit dem sic sich getroffen, Geld gegeben - mit fieberhafter Hast las Ella — da, das Blut drohte ihr zn erstarren, hörte sie ihres Mannes Stimme auf dem Vorsaal, gleichzeitig aber auch, >vie er die Tür, die sie vorher verschlossen, össnen wollte Eilig sprang sie auf und wollte durch das Nebenzimmer entsliehcn: aber dieser Weg ivar ihr verlegt, denn Wolf war durch dasselbe gekommen und stand nun aus der Schwelle zu seinem Zimmer Wie mit Blut üdcrgojsen, stand Ella da, die Hand mit denl Briefe in den Falten des Kleides verborgen Erstaunt befiele Wolf seine Augen ans sie. „Du hier in meinem Zimmer und bsi verschlossener Tür?" Ta siel sein Blick aus den Schreibtisch und mit zwei Schritte» stand er davor. „Also auch vvr einem Einbruch schreckst d» nicht zurück, wenn cs gilt, deine Neugierde zu befriedigen?" sagte er mit bebender Stimme; „es scheint, daß du mich nicht so lmld znrückerwartet hast, denn sonst —" er vollendete nicht, sondern warf nur einen Blick tiesster Verachtung ans Ella, die wie gelähmt dastand und kein Wort über ihre Lippen brachte. Da bcnierkte er den Brief in ihrer Hand. Ungestüm ent-» riß er ihn ihr, legte ihn zn den übrige» und schloß dann mit ihrem Schlüssel zu. Hieraus warf er den Schlüsselbund aus deu Tisch und deutete mit der ausgcstrecklcn Hand schweigend, aber gebieterisch nach der Tür. „Wolf!" Es ivar ein Schrei tiefsten Ingrimms, der sich aus ihrer Brust löste: zum zweiten Male von ihrem Gatten hinaiisgclvicscn, das war zu viel. Sie versuchte das Aeußerstc. «8 „Wolf, ich gehe zu meinem Vater zurück!" „Tue das," sagte er kalt, „ich hindere dich nicht!" „Aber mein Kind nehme ich mit!" „Das wird sich finden. Der Junge gehört seinem Vater. Dn kannst gehen! Besreic »»ich von deinem Anblick — ich verachte dich! Pfui, wie kann man sich soweit vergessen." Dann nahm Wolf ein Buch zur Hand und las darin, die chegennmrt seiner Gattin vollständig ignoriereiid. Ella zitterte am ganzen Leibe; s,c harre sich erwürgen mögen: einen ick-eucn Blick warf sic noch auf Wolf, der rulstg las und ging dann hinaus. Wolfs Ruhe war aber nur eine künstliche gewesen: als er allein war, warf er das Buch hin und sprang hastig auf. „— und mit solch einem Weib must ich nun täglich zusammen sein, weil es mein Weib ist!" Alles in ihn, war in Aufruhr: vielleicht war es doch am besten, daß sie sich! trennten. Mochte es auch unliebsames Aufsehen erregen —- besser, als das Martyrium solcher Ehe zu tragen! Eine Stunde später traf er Ella im Wohnzimmer. Er sah sie groß an: sie bemerkte es und sagte triumphierend: ,i,Ah, du scheinst dich tzu wundern, niich noch hier zu sehen! Jedoch habe ich mir bic Sache anders überlegt — ich bleibe bei meinem Kinde! — Du mutzt dich schon daran gewöhnen, mich doch noch hier als deine Frau — als Frau von Wolss- burg zu sehen! Den Gefallen lue ich dir nicht, dich von nieiner Gegenwart zu befreien — ich weiche keiner anderen! lind sollte unser Zusammenleben eine Hölle in sich schließen!" „Wie es dir beliebt," sagte er kalt. In diesem Augenblick trat der Diener ein, eine Karte auf dem silbernen Brett. .Herr Gras Michdors wünscht der gnädigen Frau seine Answartting zu ntachen!" Ehe Gabriele etwas erwidern koitnie, sagte Woli schnell: „Die gnädige Frau bedauert, da sic nicht ganz wohl ist, doch werde ich den Herrn Grasen begrüben." Der Diener verbeugte sich und verschwand. Da fuhr Ella aus. „WaS fällt dir ein? Ich werde Meßdorf doch begrüßen!" „Das wirst du nicht tu»; ich verbiete es dir," sagte Wolf in entschiedenem Tone und ging damit hinaus. Kaum zehn Minuten später sah Ella die schlanke, etwas lässig gehaltene Gestalt des Grafen das Haus verlassen. Mol? kanr zurück. „Dir zur Orientierung, Gabriele, daß wir auch an dem Essen im „Prinz von Preußen" nicht teilnehmcn ivcrde», zu dem du ebenfalls lcichtsinnigerweise deine Zustimmung gegeben hast, ohne mir etwas davon zu sagen! — Ich habe deutlich abgewinkt, daß ich mit ihm nichts zu tun haben will und ich hos>e, daß du dein Verhalten ebenfalls danach cinrichten Wirst! — — Rechne mittag und abend nicht aus mich: ich bin mit Strachwitz zusammen »nd will dich mit seinem Anblick verschonen, um dir enlgegenzukominen. Ich bi» im Kasino mit ihm. — Adieu!" Er verneigte sich und ging, während sie in ohnmächtiger Wut das Taschentuch zerbiß. War ihm denn gar nicht beizukommen? Wolf trug noch dem Stiibenniädchen ans, das kleine Kabinett neben seinem Arbeitszimmer als sein Schlafgcmach einzurlchteu. Er hatte es schon öfters dazu benutzt, erstens, wahrend seine Frau im Wochenbett lag, dann auch zur Zeit der Felddieiistübniigcn, um sic durch sein spätes Nachhause- koiiinien oder Frnhausstehen nicht zu stören - jetzt aber wollte er cs ständig beiiutzcn. Dann suchte er seine» Knaben im Kin- dcrzinimer auf, nahm zärtlich Abschied von ihm und ging dann fort. Hastig stürmte Hasso ins Wohnzimmer. „Schnell, Mama, mache das Fenster ans: Papa geht fort niid will winken!" Dabei bemühte er sich schon, es zu öffnen. „Unsinn " zürnte sie, „das Fenster bleib! zu! Willst dn uiigezogciles Kind mir die Blunicn umwerfen?" und unsanft hielt sie ihn davon zurück. Mit seinen großen dunklen Augen sah Hasso sie an. ,Hab' doch nichts getan, Mama, daß dn nicht erlaubst, Papa zn iviilke»! .Hassv sagt es Papa." „Tue es doch, ungezogener, vorlauter Junge," und sic schlug ihn ans den Mund. Eie mußte jemand leiden, an dem sie ihren Groll nnslieh, und ivenn es in diesem Fall das »n schuldige Kind war. Kreidebleich ivurdc da Hassos Gesicht, aber keine Träne kain ans seinen Angen und stillschweigend wollte er das Zimmer verlassen. „Wo willst du hin? Du bleibst hier!" herrschte sie das Kind an. „Nein, Hasso ivill gehen," sagte er trotzig, „du bist überhaupt keine gute Mama: da is< dein Aisred seine nebenan Viel besser; die spielt immer mit ih>n! Du hast Hasso übk» haupl nicht lieb: Hasso ist dir im Wege." „Wer hat das gesagt?" rauh faßte sic ihn, schüttelt« sein zartes Körperchen. „Das sagt Hasio nickt, sonst wirst du noch mehr böse!" „Augenblicklich sagst du, >ver das gesagt hat, sonst be» kommst du Prügel — wohl Papa?" Hasso schüttelte den Kopf. „Wer denn? Wirst du es sofort sagen?" Der Knabe beharrle aus seiner Weigerung und dadurch höchlich erzürnt, schlug sie auf ihr Kind los. Aber kein Ton des Schmerzes kam über seine Lippen: kreidebleich, mit zu« sammengkprcßte» Lippen ließ er die Strafe über sich ergeht-». „Run stehe mir Rede, und bitte niich uin Verzech»!,»!" Dock) Hasso schüttelte nur mit dem Küpse und schwieg. „Nicht? — immer noch trotzig? Na warte!" Eie klingelte dein Fräulein. „Fräulein Martha, ich muß Ihnen leider sage», daß ich mit Ihnen nicht zufrieden bin!" Das junge Mädchen fuhr erschrocken zusammen. „Darf ich fragen, waruin nicht, gnädige Frau?" „Ich sehe eben, daß Hasso von unbezähmbare»» Trotz erfüllt ist ! Sie lassen ihm jedenfalls zu viel Willen »nd sind zu gleichgültig. Doch von jetzt an muß das anders Iver- den! Hasso ivird mit äußerster Strenge behandelt werdm»." „O gnädige Fra», der Herr Hanptmann »»einte aber gerade das Gegenteil!" ivagkc das junge Mädchen eiiiz»- wersen." „Tann kennt er Hassos Charakter nicht! — Zur Strafe für sein iliiartiges Benehnken bekvmuit er zn»« Abendbrot nur einen Teller Mehisuppe." „Die ißt er ia nicht, gnädige Fra»!" „Habe ich Sie danach gefragt? — Dann muß er es lernen oder geht hungrig zu Bett!" entgegnete Gabriele »»gehalten. „Nun marsch, in dein Zimmer, »nd zur Strafe bleibst du heut nachmittag zu Haus und gehst nicht zum Großpapa. Uebrigcns werde ich ihm von deiner Ungezogenheit sagen!" Schweigend »achte er nach der Hand des Fräuleins, das jich mit ihm entsernte. In seinem Wesen lag eine stille trotzige Abwehr, die seine Mutter rasend machte. — „Gnädige Frau, darf ich Sic um de» Schlüssel zum Wäscheschrank bitten," mit dieser Frage »rat das Stuben- mädche» ins Zimmer. Trotzdei» Gabriele keinen Sin» für ihre» Haushalt hatte, >vnr sie doch iiiichlrauisch und hielt alleü unter Verschluß, da sie im Anfang ihrer Ehe gar trübe Erfahrungen gemacht hatte. „Wozu?" „Ich möchte einen Bezug für das Belt des Herrn haben: er hat mir ausgetragen, das Zimmer neben seinem Arbeitszimmer als seine Schlafstube einzurichtcn." Bei diesen Worten erbleichte Ella; lächelte das Mädchen da vor ihr nicht boshaft? Vielleicht >var sie gar schon zum Gespött ihres Personals geworden. Doch schnell faßte s»e sich: umsonst ioar sie nicht die gewandte Weltdame. „Erst heute kominen Sie damit? — Bereits gestern trug ich es Ihnen auf!" „Nein, gnädige Frau, davon ist mir nichls bekannt," anttvortcte das Dicnstmädcheii herausfordernd. „Widersprechen Sie nicht! Ick iveiß es besser! Sic hören ja nie hin, wenn man etwas sagt! Uebrigcns bi» ich gar nicht mehr mit Ihnen zufrieden —" ' „Dann kann ich ja gleich gehen," sagte das kokette Ding in schnippischem Tone. „Augenblicklich verlassen Sie das Ziinmer," herrschte Ella sic an. Mit einem spöttischen Lächeln um den Mniid folgte das Mädchen dem Befehl. O, sic ivar nicht so dumm und durchschaute ihre Gnädige! — — Laut ausschluchzend vor Ingrimm warf sich Gabriele aus den Divan! Also so weit erstreckte sich sein Entschluß, nichts nichr niil ihr zu tn» haben zn wollen! Vielleicht wollte er es daraus anlege», daß ihr das Lebe» »»erträglich ioerden sollte — daß sie dann ginge — aber den Gefalle», ihn frei zu gebe», tat sie ihm nimmermehr! Sie wollte sich schon für ihr sreudloscs Leben zu Haus Ersatz schassen — sic wollte reifen, sich Zerstreuungen suchen o. sie konnte ohne ihn fertig werden: für seine Strenge ivollte sie ihn schon quälen -- sie kannte ja seine schivachen Seite»! — Eii> lriuinvhicrciidcs Lächeln um die Lippe», trocknete sie ihre Tränen und ordnete dann vor dem Spiegel ihre Slinttöckche». Ihr Plan war gefaßt: vor allcni vor dem Personal die Zerrissenheit ihres Ehelebens 99 Verbergen, damit nichts davon in die Oesientlichkeit dringe! 0, sie kannte so v-telc, die sie um ihren schönen vornehmen Man» dcueideten — den Triumph, das, dieser nichts mehr von ihr »rissen wollte, sollten sic nicht haben! m 350. Geburtstag Galileo Galileis. Bon Geh. Rat Prof. Wilhelm Förster. Am 15. Februar 1664 wurde in Pisa Galileo Galilei geboren; der im November 1609 als Professor an der Universität Padua zuerst ein Fernrohr »ach dem Himmel richtete uird damit die Mmrde «^deS Jupiter, sodann die Gebirge aus der Moirdoberiläche erkannte Und die Muchstraste, sowie einige Sternhaufen und Nebelflecke in Scharen einzelner Sterne auflöste. I» dem daraus folgenden Jahre erkamitr er mit dem Fernrohr die den Mondvhasrri entsprecktendew Lichtgestaltcn des Planeten Venus, sowie die Soanenslecke und die Umdrehung der Sonne, sodann aucb die einander gegenübcrlicgew- den Anhängsel der kreisförmigen Scheibe des Planeten Saturn, obwohl er dieselben als die Gestalt des Saturnringcs noch nicht deutlich crsastte. Die .Hauptverdienste seiner wisscnschaitlicheu Lebenstätigkat lagen indessen nicht aus diesem astronomischen Gebiete, vielmehr ans dem Gebiete der Bewegungslehre, sür ivelche die schon i» seine» erste» wjlsenlchastlichen Arbeiten, an der Universität Pisa, ausgesührte» Messungen über die Fallbewegung nnd die Pendel- dtwegung und die daran «knüpften neuen und Liesen Gedanken von ganz einschneidender Bedeutung wurde», Gerade itiitj seiner astronomischen Tätigkeit und aus der daran geknüvslen Stellung- nahnir in der Lehre des Kopernikus gingen jedoch die ergreifendsten Ereignisse seines Lebens hervor, welche hinein Namen und seiner aslronvmisnwn ckÄrksamkcit die weit über seine »»mittelbaren Imssenschastlichen Erfolge auf diesem Gebiet hinansgehcnde jäknlare Bedeutung gegeben haben. 1 Zum 350. Geburtstage des jedenfalls bochbcücmcnden Mannes ihm ein lnsonderes Gedenken zu widmen, hierfür liegt aber gerade jetzt >>» Interesse der geschichtlichen Wahrheit und Gerechtigkeit ein eigenartiger wohlbcgriindctcr Anlaß vor. Wir besitzen nämlich jetzt den Abschluß eines von Seilen der Italienischen Regierung durch Professor Favaro in 19 Bänden herausgegebeuc» Werkes über Galilei, wofür auch vv» Seiten des Vatikans olle wichtigen Doluiueute in Bctresf der Prozest-Berhandlungeu gegen Galilei deigestein'N ivordeu sind. Und der Eiitdruck, welchen wir hierdurch jetzt von jenen schmerzlichen Vorgängen empfange», kann nur dazu beitragen, lonscssionelle Gehässigkeit und Weltänschiiunngs-Feind. seligkeitcir zu vcrniiudern. > Sei es hierzu gestattet, eine» kurze» Ausblick einzusüge» ans dar ganze Verhallen der damalige» leitenden Mächte zn den Kon llilte», welche durch die Lehren von der Erdbewegung und der zentralen Stellung der Sonne in der ganze» Weltanschauung hervoigernle» wurde». Die Lehren des Koprrnikus warei, in dem ersiei, halbe» Jahrhundert nach dein 1544 erfolgte» Erscheinen seines Werkes, »oelchcs dem damaligen Papste gewidmet war. -zunächst Mich innerhalb der Kirche als eine „niissenschasllichc" Angelegenheit behandelt ivorde». Eine Kläning bedeutsamer asteo» Konnicher Fragen, besonders auch der hinsichtlich der Beständigkeit der Iahresdauec eiitsiaudenen Zweifel, war damals von besonderer Bedeutung sür die Stellung, welche die Kirche pslichlmästig zn der clitstaiidencii Unordnung des Kalenderwescns einnehineir zu sollen glaubte. Zwar brachte die von Kopcnilkus verküitdelc neue Lehre für diese Grundfragen des .Kalenders keine sozusagen definitive Lösung, aber durch seine groste historische Zusaiiiincnsassuirg der griechischen, der arabischen imd der mittelalterlichen Sonnen- Und Sterilbcobachtungen trug Kopernikus doch wesentlich dazu bei. eine gewisse Berichiglmg auf diesem Gebiete zu schassen. H,insichtlich der Bedeutung, welche die astronomischen Lehren für die lirchlickw Weltanschanung hatte», lag bereits ei» Beispiel vor sür eine schließlich,.' hochgriinnle Stellungnahme der Kirche, nnd zwar in der stillen Zustimmung, ivelche die Lehre von der Kugelgestalt der Erde, nachdem sie von der qriechischen Wissenschaft schoil einmlitig angenoimneii, aber von den Kirchenvätern verlvorfen worden war, schließlich auch innerhalb der Kirche gesunden hatte. Ja, der machtvolle Bckehrnngsdrang, welcher onwnpä jener Lehre heftig widerstrebt hatte, weil diele die Zugänglichkeit der entsirw- testen Regionen der Erde für die Bekchrnng auszusckiliesten fchien, wurde schliestlich einer der stärtsten Antriebe zur Auiiindung neuer Seewege und zur »mfalsendn Erforschung der Erde. Und es lvar der .Jkiulienorde», welcher sich zur Führung auf dielen Forschuiigsgebielen in Verbindung unt regster Förderung der Astro- uomie und ihrer neuen Lehren aus seine» llnivi-rsitäten cuworhob. Mit dem Eindruck der neuen W,Illehre des Kopernikus komplizierte sich aber zunächst in scbr merlwürdigcr Weise die Reiormatione- dctvegung. An keiner Stelle wurde Kopernikus harttw beurteilt pnd abgclchnt, als in Witlrnbrcg und überhaupt in dem ganzen Gebiet der neue» Kirchenlchre bis zum Ende des 17. Jahrhiindcrts. Die Erklärung dieses Verhaltens ist von hohem kulturgeschichtlichen Interesse, aber nicht i» kurzen Tarlegrmgen zu erschöpfen. Anders verlies die Stellungnahme der kaiholischei, Kirche: Die von der Reformatio» tzervorgerusene Läuterungsbewcgiivg in der Kirche selber regle mich zu bedeutsamer wisienschastlicher Enlwick- luiig an. So wurden auch die Jesuiten besonders verständnisvolle und treue Helfer des entscheidend wirksamen Ausbaues de: Kovr» nikanischen Lehre durch nufere» Johann Kepvler, nild !o »-erhielten sie sich auch keineswegs feindlich zn der durch Galilei vertret.m,« astronomischen Entwickbnng, wäbrend von «eilen der neuen Kirche!,« lehre Kcpplcr sowohl während seiner Studicnzcr», als auch Ini der Hermisgabe fernes ersten astronomischen Werkes »»dnldsaiiistc yiv- ncigilng zu erleide» hatte. Mit der Verschärfung der Feindseligkeiten zwischen der katüv- nschen Kirche und den der neuen Kirchenlchre zugcwaudlc» Bevölkerungen steigerte sich indessen auch aus der katholischen Seite der Eiiispruch gegen die enthusiastischen Gedanken, lveiche aus bvn neuen astronomischen Lehren im Gegensätze zn der biblische» Wellans- sassung hergeleiket wurden. So erlitt denn am Ende des 16. Jahrl- lmndcrts der begeisterte .Verkünder eiucc von Kovernikainicheu Gedanken getragenen Wrllanschauiinq, Giordano Bruno, der dafür auch in Deutschland Resonanz gesucht und gesunde» halte, in Rom de» Feuertod. Solche Zutaten gegen Andersgläubige kamen aber damals ebenso auf Seile» der neuen Kirchcnlehrc vor. Man erinnere sich an die Verbrennung von Michel Scrvcl in Gens, für welche Calvin verantwortlich war, und zu welcher auch die Wittenberger zustimmten, und man erinnere sich der zahlreiche», seitens der Puritaner in britischen Laichen wegen abiveichender Glanbensrneimmgen damals vvrgekoinmenen Verbrennung«,!. Man gedenke auch der Scrtiu ioycfft', welche am stärksten aut dem Boden iv-ö Protestantismus grassierten, und sür deren endliche llcberwindnng wesentlich« Hilfe von jesuitischer Seile- kam. ' Die Menschheit erleidet gerade bei gesteigerte» Weltanschau- üneSkäu'pseii Äerguickiiugew von hohen sozialen Begeisterungen mit den niedrigsten Gewalttat- nnd Rache Instinkten, und zwar nicht Klon aut den» Gebiete de» rrtigiösen Glaubens, sondern last noch brutaler aul dem Gebiete radikalen ..Frrcheitsdranges". ES ist an der Zeit, Mt mir dieser gemeinsame» Slot endlich mit höherer Weisheit geniZniam entgegcnwirken und iodan» auch anihvren, nnd gegenseitig jene Ilntaten der Vergangenheit mit Erbillcrnng vorzuwerjni. Galilei Halle sich während seiner akadcmrschen Tätigkeit in Padua hinsichtlich der Verkiindiing der Korcruikaniichen Lehre für wertere Kreise eine Zurückhaltung auserlegt, die er auch in einem Briese au Äepplcr rechistrligr. Anders war seine Lage und seine Stimmung in dieser Hinsicht geworden, als er uni 1611 nach Floienz bcrasr» wurde. Am Großherzoglichcn Hose in Florenz bestand in der Zeit, die Galilei in der Nähe desselben und in naher Fühlung mit ihm ziibracküe 0811—1632), osseubar ein eigenartiges Ziisauimenmirleil rei-schiedenster Geistesriiiniingdn, nämlich der Tradilionen der Renaissance aus wissenschaftlichen »yd aul künstlerischen Gebieten, getragen von dem Andenken an die ersten grosse» Medieäer und erfüllt von dem Geiste lener Platonischen Atademie, der so wesentiichrn Anteil au der großen Geistesia! von Kopernikus halte - nnd andererseits nahe Verbindungen mit dem Patzsttun, nnd der gesteigerten Jiileniität der „kämpfenden" Kirche. Für vlalilri's polemisches Naturell waren die K-ämpjc dicker verschiedenen Richtungen in Florenz von besonders ausreizender Bedeutung, und so geschah cs. vast im Jahre 1613, von seinen Mg- ncni in Florenz ausgehend, an die Jngmsitivns-K'ongregalivtt und an die Inder- Konzregatio» in Rom Anträge gelangten, lvelckl« aut eine Einschränkung jener agicierendcnWirksamkeit Galilei'» zurd aus eine Hemmung der Verbreitung kopernikantscher Lehren gerichtet waren. Zur Bekämpfung dieser Anklagen begab sich Galilei, obgleich nicht eigentlich vorgeladen, nach Rom, wo er, besonders auch im Eoltcgio Romano der Jesuiten, aufrichtige Freunde Und Ratgeber hatte, obwohl einer der bedeutendsten dieser Freunde an der Sternwarte des Collegia Roman», der deutsche Jesui! Cla- mite, der schon als Berater bei der Kalender Resorm von 1582 sich große Verdienste erworben und auch sonst wissenschasklia) Bedeutendes gelirstct hatte, im Jahre 1612 aus dem Lebe» ge iche den war. Galilei haue abrr bei dieser seiner Verteidigung in Ron« so wemg Erfolg, daß im Frühsahre 1616 das Werk von ÄL- pcrnikus aut den Jude; gesetzt und verboten wurde „folaiw, bis cs korrigiert werde", nnd das, Galilei inc Namen dcs Papstes und der ,Kardi»äle des heiligen Oisiziums den gemessenen Befehl erhielt, jene Lehre von der ruhenden Sonne und der beweglichen Erde in Zukunft ans keinerlei Weise zu verklinde». Diesen Befehl halte Galilei in Floren; nicht zu halten vermocht, denn er verösientlickste im Jahre 1632 seinen, dem Befehl von 1616 im tiefsten Grunde widersprechenden „Dialog über die beiden grössten Welkst,steme", eine Diolussio», in welcher schliestlich nnvcrtennbar das kovcrnikanii'che Weltsystem de» Sieg davon iriütt. Diese Veröiscnilichung wurde nun der Anlast zu ri„,-m .weilen Prozesse, zu welchem Galilei nach Rom vorgeladen wurde. Dieser Pcozest endigte 1633 mit der Wiederholung und VerschäNimg der srühcrcn Verwarnungen, zu dcucu Galilei »nt seiner Ilnwrswrii! das Beteuntteis hstizusügre, daß er »ach dem Beschs von >6l6 die koveriiiknniickw Lehre »ich: mehr an-recht gehalten habe, und sic auch jetzt nicht balle. Im U it stehe er in der Gewalt des heilige» OssiziumS, inan mSge »ach Gutdünken veriahren. Es würde W weil sühren. Näheres über den Berlmis der Heiden Prozesse mitzuteilcn. Einen zuverlässigen Auszug aus den oben erwähnten offijieden Dokumenten bieten die beiden im Herder'süfen Verlag zu Frciburg i. B erschienene» Bücher von Adolt Müller ..Galileo Galilei" und „Der Galilei -Prozeß". Sei es zum Abschlüsse der vorliegenden Betrachtungen nur gestattet, noch solgende urkundliche Gestellungen hinzuzusttgen: In keinem von leiden Prozesse» ist Galilei gefangen gehalten nw ■ den. Wir wissen aus einer Aeusternng seines treuen Schülers und Freundes Viviani, die jetzt auch in dem Werke von Favaro veröstentlicht ist, daß Galilei während des Prozesses in dem „dclizioso Palazzo" der toskanischen Botsckast gewohnt Kat, während überhauvt, wie wir aus den bezüglichen Berichten des toskanischen Gesandten in Rom ersehen, der Grostherzog sciiie .Hand über ihn hielt. In einer Phase der letzten Berhrndlung ist ihm allerdings verkündet worden, falls er die Wahrheit nicht sagen wolle, könne man zur Folterkammer schreilen. Hieraus hat der Angeklagte nur tvicderholt: „Ich bin hier, um zu gehorchen. Wie ich bereits erklärte, nach iencn Befehlen habe ich die Lehre nie aufrecht gehalten." Da man aber toeiter nichts von ihm erlangen konnle, ließ inan ihn das Protokoll unkerschreiben und entlicst ihn „zu seinen Räumen". Bo» besonderer Bedeutung ist »u» aber die Gesckstchte der letzten Lebensjalrrc von Galilei ClG.'tH -1C42). Es wurde t&m, vsscnbar unter Mittvirkiiiig des Großherzags, ein in der Nähe von Florenz in Arcctri gelegener Ansenthast-ort angewiesen, wo er auch befreundete Männer empsangen durste, aber den unmittd- barcn Einflüssen vou Florenz »ich! ansgesetzt >var, obschon ,n den letzten Jahren ihm auch der Besuch in Florenz nstedcr gestattet wurde. Dort in Arcetri hat er dann in unverminderter, >a, man kann sagen, in gesteigerter Geisteskrast die eigentliche Summe seiner Lebensarbeit gezogen, indem er, die kovernlkanische Agitation ansschaltend und an seine Jugendarbeit in Pisa an- knüpsend, seine hochbedeut amen „Disco rsi" über die QViitiib rinzipieu der Beivegniigslehre schuf, tvclch,' im Jabre >638 das icht der Welt erblickte» oder vielmehr dies Licht Heller aufleuchten ließen. Und auch in den letzten Lebeusiahren lötzst bis Ende 1 gu> >--» -x i>otz der dann ein getretenen Erblindung aut Freunde «n» -rvü> roch - che eigenartigst« Anregungswirkungcn ausgcübr. _ vermischte». * Elend der Tanzbären. Zuweilen liest man, das, sogenannte Tanzbären, die ank der Straffe ihre st linste zeiaen sollen, „wild" - g'orden sind und auch Menscbc» gefährdet oder verletzt haben. »'* ivird dann vielfach gealandt bei diesen Tieren sei iit solchen Anaenblicken nur deren nrlvrüngliche Natur zum Tnrch- bruch gekonunen. 9Iu8 der narbiolaenden lebendige» «childernnq seiner von viele») gehl aber denlltch hervor, was tue arnien Bären zu leiden haben, und man kan» cs verstehen, iven» bei den bis a»ss äußerste gepeinigten Tieren die Geduld plötzlich au'bört, Ein Annen,euae tut Rheinland berichtet! .Im verganaenen Herbst ivnrden durch nnlere Stadt zwei Bären acschlevot, von denen der eine ganz belonders elend >var Durch lortwätvende Stiebe in die Wcnlneile mit der ellenbelchlageiiei, Spitze einesltnüvpels zivana man die Tiere znm Tanzen. Eie brüllten vor Schnieiz, was die Treiber gerade ivostte», um de» gedankenlos jo lend.n stnaben Freude z» inachc» : den» wenn die Schinerzänßcrnna stch nur durch Brnmine» kundgab, so stieße» sie n»!S neue zu. Ein Tier blutete aus > stier Stichnnmde, in ivelche o>t wieder blindlings hineinaelroffeu wurde: das schlvächste — vielleicht auch kranke suchte sortivährcnd sich niederznleqeii und aiw der 'Kt»»« z» lecfe», ivurde aber immer wieder am Nasenring in die Ebbe geusjen, so daü die Nase blutete. Ich raffle schnell eine tüchtige Portion Brot zniammen und eilte nach. Heißhungrig verschlangen dte Tiere die Nahruna. Tann holte ich anS e,ne,n banse einen Eimer voll Wasser, und auch den tranken die arme» Gelchöp'e ganz leer. Inletzt redete ich auch den verlosten anssehcndc» Treiber» gut zu >i»d belrtvcnfte st«, um ste — möglicheuialls — etwas wilder zu stiminen. Ob nicht aber trotzdein den ariiien Bären lür das Brot, das ich ihnen gespendet, die kärgliche Abendration entzogen worden ist!? Wer weiß! — So niuß maii blutende» Lerz nS de:» unausloreckilichen Elend ttub der Verrobiiiig der Jugend mariitloä znsehenck — Cs scheint, als ob die Bärenkührer kein Mitleid kennen. Anstatt die Tiere a» der »äals- kette zi> tühreit. lassen sie diese lang hängen und zerre» die Bären an der stelle hinter stch her, di« mit den, Nasenring verbunden ist. So koiunit cs, daß der Ring öfters das Fleisch und die Baut dnrch- schneidet, und daß viele solcher Bären eine ganz zerrtl ent und zer- kclzie Oberlippe und Nase haben. In den nicitlei! Fällen kaffen die Bärenführer auch nicht mit sich reden, sondern als Ausländer stellen sie sich so, als ob sic die £>ei:t ; rl)e Sprache :»:bi verständen. Dcc Berii-er Tierschutz-Verein i» Berlin 3E'. 18, Wltbelmstr. 28, hat beini Reick>4tag bcantraal, da» diirch Acnderuo.g der ReichS- gcwerbeordiinng in Zuknntl den Bäreulübrern und derglclcheii, die Im Grunde doch nur als Bettler ai.slreren, ein »Aandergeivecbc- scbein versagt werde. Dem genannten Berein stnd wettere Berichte z» der Angelegenheit lehr willkomme», damit dem Reichstage noch möglichst viel beweiskräftiges Material vorgelegt iverdeit kan». C. Kr. *Wi,it«rsportphil«sophte. „So» Berg ist dock» das Stolzeste in^der Welt, was?" —, „Wieso? „Nn, die ganzen! Herren der Zchopnilig kötmen ihm den Buckel laug rutschen." * Höbe »Philosophie. (Der junge Mann und das schlanke Fräulein schlevven mühsam ihre Rodelschlilieit bergauf. Die Daiuc bemerkt lröstentn: „So stink ti inutergebt, so langsam geht'S 'rauf. " (Er unterbrach sie:) „Ich bin das gewöhnk, Fräulein, ich öab' zu Haus Industrieaktien liege»." * Malicen. „Du, Mieze," sagte der Brenrser des »Bobrrelvs zu der Dame vor ihm, „ich glaube, cs wäre besser, toenn deine. Schuhe 'ne Rrinrmer größer wären." „Ja, und deitr Maul 'ne Nilnrnler kleener!" war die veriräumte Antwort. * Erinnerungen. (Sie hatte sich beim Skilausen den Fuß verrenkt. Da nadnr er sie auf den Rücken und schleppte sie inS .Holet. Sinnend frag! fiei: „Männchen, weißt du noch, wie wir diese selbe Tour mal im Sommer als Berlobte machten?" „Ja," brummte er, „aber damal- rittest du aul einem anderen Esel !" * Gin Aeugstlicher. Gast: „Herr Wirt, schließe» Sig !" *■ Bedingte Bewunderung. (Monolog des stoiizert- besuchers): „Rein singt se nich und c« lwlben Don zu hoch, aber wen» se mch so gräßlich tre,notieren tät', könnt mer sich freuen, »nie hübsch se mal vor zumnzig Jahr'n gewesen sein muß." " Widerlegt. „ES ist doch schrecklich, was für Dieusb- botcnnot gegenwärtig herrscht!" — „Das könnte ich nicht sagen. Ich bal»e jede Woche ein anderes Mädchen." * Vereinfachte Transaktion. (Schuldner zu seineit versammelten Gläubigern): „Sehen Sie, tueinc verehrten Glän- bigci: von dem einen muß ich pumpen, um dem anderen Abschlagszahlungen zu machen. Warum soll ich mir mm die tzlöd> sinnige Mühe damit machen - erledigen Sie das doch lieber selbst alle untereinander." , ' ''Ein schwerer Junge. „?lu mi traut si koa Richter her! Bis er meine Vorstras'n vecles'n hat, iS er vadurst'!" Lprechecke des Allgemeinen veutjchen Sprochoekeiiir. ' oderaber. Eine neue Sprachdnnimheit ist jüngst aul- gekommen und macht natürlich glänzend Schule. „D>e Frauen und Mädchen iverdcn gebeten, entweder Hüte ohne Rand ankzn- setzen oder aber den Hut in der sltrcbenbank abznnehnicn." — „ . . . Unterschied, ob man für sich arbeitet oder aber kür andere Leute «in Lohn." — «Eine AnSkahrt oder ein Spaziergang oder aber d» Rlil durch den Tiergarten Irgendein altes, kleines Gasthaus, oder aber die Wirtschakt, tue d» ae- wöknlich besuchst." — .... den Störer der parlomcntarnchen Ordnnng vornetnn zu ignorieren oder aber Gewalt amvrnden zu lasten." — „ ... ob er nur eine Mark oder aber mebr zu bezalge» Habeck — «in Öuvotheken oder aber in Slaatsvapieren a»,„legen." - ,,wo das nackte FclSgestein offen am Tage liegt oderaber in mächtigen Blöcken die Erde bedeckt." — Auch »ene Sätze kämt man schon so an: .Ober aber ivir gehen einer allgemeinen Ierictzinig entgeaenck — Und so oderabert er sich heute allenthalben: ein alleinstehendes »oder" findet man kaum incbr. »Aas das „aber" bezwecken so», ist nicht klar: nbcrstüistg ist e» nbe>all, ebenlo wie „auch", da» inan ebenkalls immer bänstger neben „oder" findet. Allo weg mit dem Aber und Sem Auch! »oder" allein genügt vollkommen. Aüllin g, Kre»5rätfel. ___ In die Felder nebcnstehelider Figur sind die Buchstaben aiiiiui, b, cc, eo,h!i —I--- h h b h, 1111, m m id io, n o b nun, i) ö, ss, 11, na n a, tr w derart cinzulragen, daß dl« -------senkrechten und wagerechten Reihen gleichlautend solgendeS ^ ergeben: --- >- Eine Zierpflanze. 3. Bedeutenden »Mediziner. 3. Poetische Sammlung. »Auslösung in tiächfter Mimmer. ^ Auslösung des Loaogrcw's i» voriger Nummer: Löioe, Möwe. Redaktion: ?k. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheii Untversttäts-Buch- und Stelndt'uckerel, R. Lange, Gießen.