Ein Frühlingstraum. Roman von Fr. Lehne. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „?k>ch Sellin?" warf Ella ein. „Ein schöner Weg nach dort; ich bin ihn oft per Rad gefahren. Sie sind dort bekannt?" „Ja wohl, gnädige Frau! Pastor Lautner dort ist ein Freund meines verstorbenen Vaters und >var überdies Geistlicher in Birkwald. Ich l>abe ihm versprechen müssen, ihn aufzusnchen, wenn ich «och hier komme." Scherzhaft drohend hob sie den Finger. „Wirklich? Sollte es nicht etivaS anderes sein, >vas Sie dahinzieht?" „Ich weiß wirklich nicht, was Sie meinen, gnädige Frau!" „Nun, Pastor Lautner hat doch eine so wunderhübsche Nichte bei sich — sollte das nicht der Anziehungspunkt sein? s— Ah, Sie kennen Kütchen Lautner nicht? Dann hüten Sie sich vor dem Heideröslein!" „O meine Gnädige, was ist mir «in Heideröslein gegen die vollcrblühtc majestätische Rose," wieder neigte er sich init einem Blick gegen Ella, daß diese tvider Willen erröten »nutzte. Was fiel ihm nur ein? „Wir dürfen also morgen auf Dich rechnen, Strachivitz? Sobald du von Sellin zurückkehrst, komnist du zu uns," bat Wolf herzlich. „Ich schließe mich meines Mannes Bitte an," sagte Ella etwas förinlich. „Tausend Dank; ich werde kommen!" Detlev verabschiedete sich von der Hausfrau und wurde von dem Freunde bis zum Ausgang geleitet. „Behüt dich Gott, alter Junge, also morgen aus Wiedersehen!" Herzlich drückte ihin Wolf die Hand. Ella nwitete noch auf ihren Gatten. „Möchtest du nicht schlafen gehen?" fragte er freundlich. „In einer halben Stunde komme ich nack. Ich tvill nur eine Kleinigkeit in meiner Arbeit nachtragen und möchte dir nickt zumuten, aus inich zu warten." „Ah, in der Tat sehr liebenswürdig! Doch ist deine Arbeit so wichtig?" „Ich hatte mir vorgenominen, sie bis zuin fünfzehnten zu vollenden! Wünschest du vielleicht etwas?" „Ja, allerdings! Ick möchte init dir reden! Gut, daß dieser unausstehliche Mensch fort ist." „Gabriele, du sprichst von »neineni liebsten Freunde —" „— Der mir aber int höchsten Grade unshmpathisch ist! Ick begreife Überhaupt nicht, daß du ihn so dringend eingeladen hast, obwohl du tveißt, daß ich ihn nicht tiiag! Das habe ich dir schon als Braut erklärt, und tro.tzdem nimmst du so wenig Rücksicht auf mich und meine Wünsch« —" „Wie du auf die »neinigen! Was Strachivitz anbetrisft, so i-> er einer der besten, selbstlosesten Menschen, die ich kenne!" „Dabei aber ein ganz frivoler Spötter, der sich über mich lustig macht. O, ich ivar empört; glauhst du, ich fühle nicht, daß er mich ntit seinen plumipen Huldigungen nur lächerlich machen will? Ich iveiß ganz genau, daß er mich nicht mag; er hat sich früher immer über mich aufgehalten, und ihm verdankte ich dainals das „Elefantenkücken" — so etwas erfährt man immer!" „Aber Ella, wie kannst du ihin bas nachtragen!" sagte Wolf einfach, der einsah, daß seine Frau nicht ganz iin Unrecht war. „Und dann koinme ich durch ihn uin ein Vergnügen, auf das ich mich wirklich «gefreut hatte. Die Abende, die Graf Metzdorf arrangiert, sollen iinmer riesig amüsant sein —" „Ah, kommst du nochmals darauf zurück? Das ist es also — darum bist du erzürnt auf Strachwitz, daß wir seinetwegen nicht gehen? Ich erklärte dir jedoch schon vorhin, daß ich durchaus nichts init Meßdorf zu tun haben ivill!" „Bitte, gib mir daun «her auch den Grund an, dainit ich nicht glaube, es sei bloße Schikane von dir, mir das Vergnügen vorzuenthalten." „Gewiß - ich tvollle nur vorhin in Strachivitz Gegen- »vart die Sache — deinetwegen nicht näher erörtern! Metz darf ist ein berüchtigter Don Juan und ein ganz gewissenloser Frauenjäger, deni selbst die Ehe nicht heiligt ist. Gr rade im Waldhäuschen feiert er seine tollsten Orgien; dort wohnt übrigens auch seine Geliebte, die entlaufene Fraic eines kleinen Beamten." „Ah, in der Tat, sehr interessant! Und das sagst du inir erst heute?" Er beachtete ihren Einwurf gar nicht, sondern fuhr fort: „Deshalb lvirst du begreifen, daß ich meine Frau viel zu hoch halte, „in mit ihr ein Fest zu besuchen, auf dem sio Gefahr läuft, der Maitresse des .Hausherrn zu begegnen. — Und noch eins: niemand weiß, woher der Reichtum des Grafen stainmt; inan munkelt sogar, daß seine Einnahme- guellen nicht gerade die lautersten sind kurz, daß er vom Spiel lebt! — Mit einem Manne von solchem Rus kann ich unmöglich verkehren, und unmöglich kann eine anständig und vornehm denkende Frau die Huldigungen eines Spielers und Wüstlings entgegennehmen! - So, Ella, nun bist du orientiert und wirst nicht inehr denken, daß eine bloße Laune dir ein Vergnügen vorenthält." Er halte ruhig, sogar herzlich gesprochen, um seine Frau zu überzeugen; dann schickte er sich an, das Zimmer zu verlassen. „Vorläufig gute Nacht, Ella! Ich komme gleich!" „Halt, mein Gemahl," sagte sie da, „ist das alles wirklich wahr?" „Zweifelst du etwa au meinen Worten?" fragte er, „ich habe es aus sicherster Quelle! Der Major hat sogar gestern dem Ofsizierkorps nahe gelegt, den Verkehr mit Meßdorf auf das geringste Maß zu beschränken; Positives tveiß mau ja 90 — noch nicht; er wird scharf beobachtet — ist etit schlauer Fuchs, der sich nicht i» die Karte» sehen läßt." „Ich begreife dich nicht, Wolf! Wie kannst dn solch Gplitterrichter sein! Öder stört dich etwa, daß er mich aus- zei ebnet?" „Ja!" „Also doch Eifersucht, weil er — du schüttelst! Also nicht Eifersucht ? Ich weiß genau, wie tveit ich gehen kan» . — darum mache dir keine Kopfschmerzen! Meßdorf ist ein yetter, amüsanter Mensch, bei dem man nie das Gefühl von Langeweile bekommt," bemerkte sie etwas anzüglich. „Dann hättest du vielleicht besser getan, ihn zu heiraten !" „Wenn heute die Frage an mich heranträte, wüßte ich genau, wen ich wählen würde! Doch wvzu sich darum ereifern! Du kannst meine gute Meinung von Meßdorf mit deinen dunklen Andeutungen doch nicht erschüttern! Ihr alle habt doch eine Vergangenheit! Zum Beispiel, was wurde seinerzeit nicht alles von Strachwitz erzählt! Oder solltest du nicht wissen, wie er der kleinen, feschen Choristin dm Hof gemacht hat — ihr eine elegante Wohnung gemietet —" „Strachwitz ist ein toller Bursche gewesen, das ist wahr — aber er ist stets Kavalier geblieben; etwas Ehrloses hat er sich nie zu schulden kommen lassen!" „ — Und du, mein Freund," fuhr sie lächelnd fort, „oder ist jene kleine pikante Episode mit der hübschen Putzmacherin ganz aus deinem Gedächtnis mtschwunden?" „Ella!" fuhr Wolf auf, dunkelrot werdend. Sie schürzte hohnvoll die Lippen, daß die weißen Zähne hervorschimmerten; dadurch erhielt ihr Gesicht einen kalten, grausamen Ausdruck. Unverhüllter Hohn klang auch aus chrer Stimme, als sie in nachlässigem Tone weiterredete: „Ereifere dich nicht, mein Gebieter, ich trage dir ja >die Geschichte nicht nach. Besser vor der Ehe eine Liebschaft haben, als während derselben." „Ich habe nie eine Geliebte gehabt, hatte weder Geld noch Neigung dazu!" Ironisch lächelnd prüfte sie ihren Gatten mit den Augen so beredt, daß er sich auf di« Lippen biß —. „sei doch nicht gar so naiv, mein Freund! Kein Geld? Muß denn die Liebe imnier gekauft werden? Sieh dich au, mein Schatz, und denke besser von dir! Vielleicht bist du auch ohne Geld begehrenswert für Frauen! Ich weiß, du hast viele Verehrerinnen, denen du es mit deinen schwermütigen Augen angetan hast; die kleine Baronin Schellbach zum Beispiel betet dich an; wenn du auch nicht mehr ganz „der schöne Wolfsburg" bist! Die kleine Putzmacherin hatte wirklich keinen so üblen Geschmack!" „Gabriele, ich verbiete dir, in solch frivolem Tone z» reden!" Wolf mußte Gewalt üben, sich zu beherrschen. „Lieber Schatz, mache dich doch nicht lächerlich," sie hielt ihr Spitzentaschentuch an den Mund, wie um das Lachen zu unterdrücken, das ihr bei seinen Worten ankam; ihre üppige Gestalt lag noch immer in lächelnder Ruhe in dem Schaukelstuhl, „nein, es ist doch zu komisch, wie du dich um solche Lappalie aufregst! — Wo ist denn jetzt die schöne Mary? Ohne Zweifel wirst du von ihrem Aufenthalt unterrichtet sein. Erzähle mir!" „Kein Wort mehr! Ich begreife dein unfeines Benehmen nicht —“ „Unfein? Und warum, Schatz? Weil ich mich, nach deinem früheren Liebchen erkundige, das so geschmackvoll Hüte zu garnieren verstand? Sage doch lieber — vorurteilslos! Du kannst es doch einmal nicht ablengnen — gib dir darum keine Mühe — die ganze Stadt wußte ja von deinen romantischen Stelldicheins auf den, Friedhof mit jenem Geschöpf. Fürwahr, ein seltsamer Geschmack, die Wahl dieses Ortes." „Nun gut, Gabriele," sagte er bebend vor Erregung, in dem er ihr einen Schritt näher trat und sein großcv Auge voll auf sie richtete, die sich lächelnd in ihrein Stuhl wiegle und ihre weißen, mit kostbaren Ringen geschmückten Hände betrachtete, „nun gut, wenn du einmal so genau unterrichtet bist, will ich dir auch die ganze Wahrheit sagen. Ja, ich habe Mary Winters gekannt und über alles geliebt! Sie war aber nicht mein Liebchen in dem Sinne, wie du denkst. Dazu war sie zu rein und unschuldig." „Denkst du, ich glaube, daß du wirklich nur eine platonische Liebe für jenes Geschöpf gehabt hast? Halte mich nicht für so einfältig," erwiderte sie erregt. Es kränkte sie, jenes Bekenntnis setner Liebe zu einer anderen zu hören, „ich kenne di« Welt und weiß, hri« ihr Männer es treibt. Du machst auch keine Ausnahme." „Denke so gewöhnlich und schlecht von Mgry lvic b» willst, Gabriele, das fällt ja nur auf dick zurück," erwiderte er ruhig, „damit kannst du jenes engelreine Wesen doch nicht beleidigen! Sie steht so hoch über dir, daß —" er kam nicht weiter: wie eine Furie war sie aufgesprungen und stand zitternd vor Wut vor ihm, der mit über der Brust gekreuzten Armen am Rahmen der Tür stand und verächtlich aus st« blickte. l „O, du — du wagst es, mich in einem Atem mit deiner Geliebten zu nennen, mich mit ihr zu vergleickien," zischte sie, „mich vielleicht in dsn Armen jenes engelreinen Wesens! zu verspotten — o, wie ich dich verabscheue —" „Mäßige dich, Gabriele," entgegnete er, „sie fest uin das Handgelenk fassend, „mäßige dich! Du bist im Unrecht mit deiner Annahme — ich weiß nichts von Mary Winters; mein Wort darauf; sie ist tot für mich." „Du liebst sie aber doch noch —" „Ich habe sie nie vergessen können, und du hast cs nicht vermocht, die Erinnerung an sie aus meinem Herzen zu verdrängen. Vielleicht ivar es meine Schuld mit — gleichviel," er zuckte die Achseln — „wir wollen nicht mehr darum rechten!" „Und warum hast du das Mädchen nicht geheiratet, wenn sie dir so teuer war?" fragte Ella lauernd. „Erlaß mir die Beantwortung dieser Frage!" „Nun wohl, dann tvill ich sie beantworten! Ich weiß alles. Weil sic kein Geld hatte, deshalb hast du sic ciusach sitzen lassen und lieber, um dich recht weich zu betten, die Töchter des reichen Bankiers Ulrich heinigeführt — ist cs nicht so? Dessen Geld war dir hochwillkommen, während — " „Kein Wort weiter, Gabriele," sagte er so finster und drohend, daß sie unwillkürlich verstummte. „Ich gehe jetzt und lasse dir Zeit, dein Benehinen und deine Worte zu überlegen — so gewinnt und erhält mau sich die Liebe des Gatten! und seine Achtung nicht!Gute Nacht!" Er verneigte sich leicht und ging. , „Das, das wagt er mir zu bieten — er, den ich vor der Schande gerettet habe." knirschte sie, „o, das werde ich dir gedenken, und jener Putzmacherin, die so hoch über mir steht — " sie zerriß in ihrer Wut das kostbare Spitzcntuch in ihrer Hand, „wie erhaben er tut und stolz —, o, ich hasse ihn!" (Fortsetzung jolgl.s Ulein-Lindcner Volksleben in der Zeit nach dem F0jä!,rigen Nrig. Bei den Psarralten der Psarrei Großen Linden finden sich wertvolle Auszeichnungen aus der Zeit 1652 bis 1682. Sic sind betitelt „Protocolluni — Was in meinem Amt vorgeht" und von dem damaligen Pfarrer Philivv Weigel niedcrgeschricben. In diese Tagebücher — und das sind sie in ivahrein Sinne des Wortes^ — hat er alles ausgezeichnet, was er in seiner Amtszeit von 1652 bis 1682 erlebt hat. Seine Nachrichten stammen mithin aus der Zeit kurz nach dem 80jährigen Krieg, aus jener schreck- lichen Zeit, die unsägliches Unglück über unsere Heimat, ja über ganz Deutschland gebracht hat. Um nun die in den Tagebüchern niedergelcgtcu Einträge recht zu verstehen, müssen wir uns vorerst ein Bild von der damaligen Ortsanlagc, dem Hausbau und der ganzen Beschasscnheit unserer engeren und weiteren Heimat ntachen. Gießen war in Fcstungsmauern eingeichlossen. Große,t-Linden Ivar mit Wall und Graben versehe», die Eingänge durch feste Tore verwahrt. Klein Linden, oder ivie es damals hieß „Lindes", itn Volksmund heute noch „Linnes" genannt, war ein offener Ort, von Gärten völlig eiitaeschlossen. Diese tvaren nicht mit Spalier versehe,,, sondern mit Tornbckcn vcrzännt. Ter Zaun wurde in jedem Frühjahr itachgesehen und die schadhastcn Stellen ans- gebcfscrt. An der 2übfeit« von Lützellinden ist diese Art Heckcn- vcrzSunung heute nock teilweise vorhanden. An Straßen hatte Klein Linden nur drei anizun eisen, die Obergasse, die Uiitergaffe und die Lützelliitderer Gasie. Ter alte Weg nach Große,t Linden führte durch die Obergasse heute Kirch und Schulstrahe über die Katzcnbach nach der Lückenbach, dnrchschnitt oie tetzige Frankfurter Straße und ivandtc sich dann links nach dem Orte. Was letzt Ackerland ist zwischen Großen- und Klnn-Linden, tvar znm größten Teil Wald, Weide, Gestrüpp und Gesträuch. Keine Straße war chanssiert, alles nur Feldweg« und Fußpfade, die sich in sehr elendem Zustande befanden und bei Regemvettcr kaum gangbar waren. Aehnlich fah cs in den Ortschailen aus. Nirgends eine Pilasterung, keine Gosse, in den Höfen keine Psuhlgritben, keine ansgegrabenen Miststätten; Pfuhl und andere Abwasser flössen frei lur ®trafjc und vermischten sich mit dem Schmutz zu einem übcl- rieä>eude», schmierigen Brei. Tie Häuser, meist einstöckig, warnt durchweg mit Stroh gedeckt. Tic niedrigen Stuben besaßen trohl Fenster, aber di« Ivaren meist nicht größer, das; ein Mann noch |ur Not den Kops hitiausstreckcii konnte. Meist ivaren er- Schieb- scnster mit Pntzenscheiben. Tie Stuben ivaren nicht gedielt, sondern mit Lehm gestampft Ter große Kachelosen wurde mit großen Holzscheiten von der Küche aus geheizt, ?fnt Deckenbalken war ein Brett angebracht, auf dem vorzugsweise Löffeln und Gabeln, Bibel, Gesangbuch, Gebetbuch und auch der Kamm ihren Platz hatten, ßit der Wand befand sich ein Schränkchen eingelassen, das sogenannte „Nebenlädchen". So sah es im Bauernhause aus, nicht viel besser war es damit «uch im Psarrhaus bestellt. Hören wir, tvas Pfarrer Weigel den: Wortlaut nach darüber berichtet: Am 4. Mai habe ich dem Kaspar Hend verdinget, den Boden in meiner Schlafkammer mit Leimen lu kleiden und auszuslicke» die Löcher; bei der Verdingung 6 Maß Bier getrunken. Am 10. August war der Kastenmeister bei mir, als die Maurer in meiner Studierstubc die Wände mit Kalk weiß gestrichen. An einer anderen Stelle berichtet er, wie man die Hausture während der Nacht von innen mit Balken vcrsprießt hat, weil das Schloß! schon über zwei Monate kaput und der Schlösser immer noch nicht da war, den Schaden auszubessern. So ärmlich es in den Häusern aussah, ebenso öde und traurig sah cs in Feld und Wald aus. In vielen Gewannen fehlen die Grenzsteine — sie sind entweder absichtlich entfernt, oder vom Wasser weggespült worden. Die Wälder sind der Aufenthaltsort sür allerlei fremdländisches Gesindel — die Ueberbleibsel der verrohten Soldateska. Wölfe dringen bis in die Törser ein, beißen! die Hofhunde und plündern die Schaf- und Gänseställc. Darüber folgende Auszeichnung: Am 15. Februar 1GG9 erzählte mir der Opsermann (Schullehrer) zu Lindes, daß denr untersten Müller (Tcuselsmühle), dieweil er zu Lindes gegessen und getrunken, die Esel aus dem Stall« wären gestohlen worden, da die Frau die Hunde eingetan habe, um sie vor den Wölfen zu schützen, so in selbiger Nacht die Mühle umschlichen haben. Am 10. August mußte ich vor dem Walde, als ich. nach Lindes gehen wollte, wieder umkehren, iveil eine ganze Schar Wölfe geradewegs auf mich zukam. In Lindes hat darum der Opfermann für inich Betstunde gehalten. Wovon nun in den Tagebüchern au: meisten die Rede ist, das sind die kirchlichen Amtshandlungen des Pfarrers. Lindes besaß seit 1613 eine Heine Kapelle, die da ihren Platz hatte, wo heute der alle Friedhof liegt. Sic war einfach, ohne Orgel und Kirchen uhr. Gottesdienst fand wöchentlich zweimal, am Sonntag uich Freitag, statt. Im Sommer begann die sogenannte Frühmesse schon unt 4 Uhr morgens. Weigel schreibt darüber: Ich bin morgens früh um 3 Uhr von hier nach Lindes zur Frühmess« geritten und habe daselbst gepredigt. Trotzdem wöchentlich zweimal Gottesdienst stattsand, ist dem Pfarrer das Amt doch nicht zu schwer geworden, denn es bestand die Einrichtung, daß am Sonntag meistens ein Student der Theologie in Lindes predigte. Tic Lindescr hatten also fast jeden Sonntag einen anderen Prediger, Und sie ließen es auch an Kritik nicht fehlen, wie aus manchen Aeußerungcn Hervorgcht. Ter Schullehrer und Opermann Haupt lvciß dem Pfarrer am nächsten Sonntag öfters darüber zu berichten. Ta hat der eine ein gar leis und verzagt Stimmchen gehabt, der andere hat eine kernhaste Predigt gehalten, wieder ein anderer hat Krisch getan, daß es des Opfermanns Frau in der Kammer gehört hat. Mit einem Studenten hat der Pfarrer eine Üble Erfahrung geniacht. Er schreibt darüber in sein Tagebuch: Am 18. Dezember sprach mich an Georg Sauer, Studiosus zu Gießen, baß er künftigen Sonntag für mich zu Lindes möchte predigen. Ich verweigerte es ihm anfangs, weil er vergangenen Sommer an einem Sonntag predigen wollte und nicht gekommen Ivar. Als ich es ihm auf einen anderen Sonntag ivieder erlaubt batte, ist er in Lindes bis in die Nacht hinein beim Trunk gesessen und an 14 Maß Bier getrunken, welches er auch noch obendrein der Wirtin schuldig geblieben. Jedoch, weil er Besserung versprach, auch die Wirtin bezahlen loollte und jetzt bei dem kalten Wetter zu mir gekommen war, habe ich ihm verziehen und ließ ihn predigeit. Ter Opsermann hat seine Predigt gelobt. Mit dem Predigen haben es sich die Piarrer der damaligen Zeit ziemlich leicht gemacht. Sehr oft geschah es, daß der Piarrer die Predigt ans einem gedruckten Predigtbuch vorlas. Weigel führt immer das Predigtbuch an, aus dem er vor gelesen. lieber drei Mißgeschicke, die ihm beim Predigen passiert sind, berichtet er folgendes: Ms ich das Gebet gesprochen und dann die Predigt lesen wollte, schlte mir die Brille. Ich blieb so lange aus der Kanzel stehen, bis sie der Opicriiiann aus seinem Hause geholt hatte. Ern andermal, loic ich hart zürnte, siel mir »rein Buch von der Kanzel einem Kind aus de» Kops, ohne ihm Schaden zu tun. Vom 30. IJmri 1672 schreibt er: Ms ich in der Kirche den Katechismus beten ließ und unter der Jugend halb herum war, sing der Kuhhirt an zu blasen, darüber ich unwillig warö und «bbrach. Sehr streng war es mit der Kirchenzucht bestellt. Tie Kirchen- ältesten oder Senioren bildeten den sogenannten Kirchcnkonvent. Diese hatten über das ganze Betragen der Gemeindeglrcder zu wachen. Wer sich, im Lause der Woche ein Vergehen gegen Zucht' niid Sitte zu schulden kommen ließ, der wurde am nächsten Sonntag vor den Konvent gefordert. War er für schuldig befunden, dann erhielt er entweder eine Geldstrafe, einen Vcriveis vor versammelter Gemeinde in der Kirche, oder er wurde von dcni Genuß des heiligen Abendmahls ausgeschlossen, uitb was am meisten vorkam, die Ilebernabvi, einer Patcnstelle wurde untersagt. War an einem Sonntag der Kirchenbesiich schlecht, dann geschah nach dem Gottesdienst der „Beiles", bei dem jeder mit Ansrill feines Namens sein „hier!" rufen mußte. Darüber folgende Einträge: Im Konvent zu Lindes wurde beschlossen, daß die, so auf Epiphaniensonntag nicht in der Kirche waren, alle 3 Albus gebe» mußten. 1665 verlangt der Sirperintendent in Gießen, daß auch die Wien jeden Somttag inr Katechismus verhört lverden, ebenso im Gesangbuchslied und den Psalmen. Am 10. Oktober ließ ich in Lindes drei Frauen vor dm Konvent fordern, dieweil sie sich in Gießen betrunken und aus dem Heimwege im Graben gelegen haben. Am 21. November ließ ich wieder fünf Weiber vor dm Kon- vent kommen, toeil sie sich in der Kirche gestoßen und eine die andere mit einer Spiernadel gestochen. Am 12. Dezember erschien der Wirt Reihardt vor dem Konvent, derweilen er am Sonntag vorher in seiner Vollheit seine Frau geprügelt. Er wird derhalben ein Jahr von dem Genüsse des heiligen Abendmahls ausgeschlossen. Zwei Männer ans Lindes, die sich in der Kirche tvege» der Plätze gestoßen und geohrseigt haben, müssen nach Beschluß deS Konventes am nächsten Sonntag vor versammelter Gemeinde durch Handgelöbnis sich wieder versöhnen. Zum Besuche des Gottesdienstes werden die Leute gezwungen. Wer nnentsä.uldigt ausbleibt, bekommt eine Geldstrafe, die bis zu einem Gulden gesteigert werden kann. Wie der Pfarrer die Bauern zur Kirche treibt, darüber folgender Eintrag: Ws ich heute nach Lindes gehen wollte, um daselbst Kirche zu halten, sah ich, wie zwei Bauern aus dem Felde ackerten. Ter Eine kehrte auf mein Zurufen gleich um, der Andere aber ließ sein Gespann stehen und floh in den Wald. Wie ich ihni drohte, lehrte er zurück und trieb sein Bich heim. Zur Abendmahlsseicr gingen die Lindescr nach Großen-Lindm. „Nur die alten Leute, so ki'ank und baufällig sind und die Wegsteuer nicht mehr haben" dursten zu Hause bseibcn, woselbst ihnen das Sakrament gereicht wird. Streitende Parteien werden nicht eher zum Abendmahl zugelassen, bis sie sich in Gegcinvart des Pfarrers ivieder versöhn: haben. Wer znm Wendniahl gehen will, muß fick vorher beim Opfermann in das Kommunikantcnbuch cin- tragen lassen und ihm dafür einen Heller bezahlen. „Heute habe ich cs den Lindesern arg verwiesen, daß sie die Anzeige beim Opfermann nicht versäumen. Sie tuns nur des Geldes wegen und wollcns dem Ovfermann vertvcigern, so es doch zu seiner Lebsucht gehört." Tie Frauen hatten beim Wendmahl schioarze Mäntelchen uin- hängen. Wer ein solches iticht besaß, mußte es auswärts leihen. Tic Männer trugen lange, dunkelblaue Kirchenröcke, die sich vom Vater aus den Sohn vererbten. Ob der Rock nun paßte oder nicht, einerlei, er wurde getragen und wenn der breite Kragen den Hals des Trägers wie riit Pserdeknmmct umschloß. Bei Trauungen mußten Braut und Bräutigam vorher im Psarrhaus erscheinen, um sich im Katechismus abhören zu lassen. Wer seine „Letz" (Lektion) nicht konnte, wurde wieder abgeschickt und aus einen anderen Termin verwiesen. Ter kirchlichen Trauung ging der sogenannte Wcinkans voraus. Tabei wurde der Ehcvertrag aufgesetzt und damit die Braulgabe bestimmt. Ter Pfarrer hielt dabei eine» „Sermon" über ein biblisches Texl- woit, oder er wählte einen freien Text, wie: „Im Freien liegt des Menschen Verderben und Gedeihen", oder „Wer das Glück hat, führt die Braut heim". Bei geringen Leuten wird die weinkäusliche Kopulation im Pfarrhaus vollzogen, bei den Reichen im Privathaus. An der darauf folgenden Mahlzeit beteiligten sich Pfarrer nebst Frau. Das Mahl besteht aus Suppe, Fletsch, Brot und Käse. Das Trinkgelage sck»eint aber immer den wesentlichsten Teil ausgemacht zu haben, denn fast bei allen Einträgen ist die Maßzahl des genossenen Bieres und Branntweins an- gegebc». Für eine ivcinkäuiliche Kopulation erhält der Pfarrer als Gebühr 5 Albus, sür eine kirchliche 15 Alb. Bei der kirchlichen Trauung lverden Musikanten, sogenannte Sackpfciser, zngezogcn, die von der Kirche aus den Hochzeitszug eröffne«. Bei Tansen mußte der Pate, wenn er von auswärts war, ein Tauizeugnis vom Pfarrer seiner Gemeinde mitbringen, daß er im Katechismus ordentlich unteriviesen und abgehört worden ist. Wer keiit Zeugnis brachte, tvurdc von der Patenschaft zurück- gewiesen. Am Sonntag nach der Taufe geschah in der Kirche sür die Wöchnerin die Tanksagung durch ein von dem Pfarrer gesprochenes Gebet. _ Bei Beerdigungen ging der Opsermann mit den Schulkindern dem Leichenzug voran und führte das „Gesäng". Nachdem das Grab geschlossen war, wurde über den Hügel ein weißes Tuch gebreitet, das von armen Leuten nach einigen Tagen wieder geholt werden durste. Es ist anzunehmcn, daß dieses Tuch das Bettuch war, woraus der Verstorbene gelegen. Ein Leichenschmaus, bad sogenannte „Srtb" erfolgte dann im Trauerhai,S. Dabei wurde dann so viel getrunken, daß der Psarrer oftmals in der Kirck»' darüber „zürnte", toenn beim Lad ein „gar zu arg Gckrisch und Gesang" geNefcn. An, 9 September I6l'3 mar die Lindeser Kapelle einge- Iveiht toorden. 'Dem Pfarrer war der Kirchweihtag cinnial vergesse», und die Kirchweihpredigt nnterblicb. ,,'Ta spricht mich an JolniiiiicS Grösser, wenn ich am nächsten Sonntag die Kirnicß- predigt nicht halte, dann ivollte niemand mehr zur Kirche gehen/' Bon, Jahre 1663 lesen wir bezüglich der Kirmeß: „Wegen trauriger Nciihnclnr» aus der Türkei soll diesmal die Lindeser Kirmeß «uöiatlcu. Die Burschen aber haben schon das Bier gebraut nnd bestehen darauf. Ich habe sie darum an den Amt mann von Busech i» Gießen verwiesen." Trotz der armen Zeiten werden in der Gemeinde Kollekten zur Erbauung von Kirckirn erhoben. So steuern die Lindeser sür die Kirch»eii zu Grüninge», Ulrichstein, Frankiurt a. M., Heidelberg, Trebur, Leipzig, ja sogar sür die Beschaffung einer Kirchenuhr zu Ester in Holstein, während sie selber in ihrer Kapelle keine bekihen und sich mit einer Sonnenuhr behelfen, die 1653 der Studiosus Jan st aus Frankfurt a. M. der Gemeinde gestiftet hat. lieber eine weitere Stiftung an die Kirche lesen wir aus dem Jahre 1669 folgenden Eintrag: Es zeigte mit an Eberhard Spanheimer, des Junkers zu Lindes Hofmeister, dass wenn ihm Gott wieder die volle Gcsuiidheit schenke, er der Kirche ein Wüllen Altartuch kaufen wolle. Nach einer späteren Notiz ist aber aus den, „wollenen Tuch" ein weis; flächsernes geworden, das an hoben Festtage über das alte schwarze Altartuch gelegt wurde. Außer den Mzidentien bei Tnn'en, Trauungen, Beerdigungen nnd der 'Danksagung mußten die Lindeser zur Pfarrbesoldung jährlich beisteuern 16 Gulden 5 Albus 3 Heller. Bei der Kvnslr- malion halten die Kinder an den Pfarrer Gier zu liefern, deren Zahl pro Kind Mischen 12 und 24 Stück schwankt. Wie >var cS nun mit der Schule in Lindes bestellt? Für die Gründung der Schule ist das Jahr 1650 anzusehc», denn der Opsermann Ludwig Haupt spricht im Jahre 1660 von seiner 10jährigen Dienstzeit als erster Schulmeister zu Lindes. .Haupt war Kirchendiener (Opfermann), Sckrmied und Schulmeister. Bei der Gründung der Schicke ging es, wie bei den meisten Neueinrichtungen — sie müssen vielfach erzwungen werde». So auch bei den Lindeser,, Weigel schreibt darüber: Am 12. November 1665 hat der Opsermunn Haupt zu Lindes wieder angeiangen. Schule zu halten mit 6 Kindern. Im Jahre 1669 befiehlt der Pfarrer: 'Die Kinder, so mit Schuhwerk versehen sind, sollen zur Schule geholt werden. Im Jahre 1680 am 20. Februar berichtet er: Ich hörte, daß zu Lindes die Schule ausgchört. Einer oder zwei ihre Buben nach Gießen in die Stadtschule schicken, die andern ihre Kinder ganz daraus behielte», ja der Schulmeister ihnen hinansgeboten und gesagt, er wolle das Tor hinter ihnen zunagcln. Ist also wohl nachznsinnen, wie es mit der Schule anznfangen, dast sic besser, fleißiger und freudiger gehalten werde, weil >oie sichs verstehen läßt, der Schulmeister selber schlecht Lust dazu hat. Der Gemeinsmann Heinrich Weigel soll seinen Buben noch am standhaftigsten darin habe gehen lassen. (Schluß folgt.) verinlschte«. • Das Programm der japanischen Kaiserkrön »na. Die Kommstston, die beanilraat ist, die Vorbereitungen sür die Krönung des neuen Kaisers Ta üb» z>, treffe», ist vor einige» Wochen ernannt ivorden und bat jetzt in großen Zügen das Prograinin der Festtichkeiteii nntgestellt. Der neue Mikado wird in, Herbst diele« Jabre» die teieitichc Bestätignna der Würde eiiip'angen, die er schon jetzt trägt, nnd durch eine große >e igiöie Zerenionie in den Kreis seiner erlnnchlen Vmlabren a»» werden. Man verniniet, dnß es religiöse Rücksichte» sind, die di« japanische Reateriing verantaßt haben, die Krönnng so lange nul- ,»schieben. Würde man näintich nicht Io lange ivarien, so müßte man z» den Opker», die ans diesem Anlaß dargebrackt iverden, Reis benutzen, der noch ivätirend des Trauerjahres gepstgiizt ist. Nach den uralten Anschauungen der Shinto-Religion über die besteckende Wirkung, die durch beu Tod l>ervo>ger>cken wird, iväre es aber unzieinlicti, solchen in, Todesjahr des Irüheren Mikado gc- ivachsene» Reis bei den Kiiltleierliä,keilen zu verivenden. Es darf »>ir Reis benutzt iverde», der dieseii, Jahr, bei» ersten der Re- giennig de« neuen Herrschers, emflnmmi, und der ift erst nächsten Herbst vorhanden Schoii aus dielen Ei ivngniiaen erbelli der ftreiig religiöse Geist, i» bem die Krönung vollzogen werdcii wlib Und ans dicler liiicklischeii, sich streng absoiidernte» Sphäre des Kniserhotes >sl auch die Taliache zu erklären, daß inan sich entschloffen Hai, an die Hemden Regicriiiigeii iiichi die 9luf- sordernna z» richte», sich bei der Zeremonie durch Sond.-rgesandt Ickialie» uettreten zu lassen. Rur die divloinatischen Ve,I>e,er der lremden Mächte, die dein. Ho e des Vtikado alkredilie,! sind, werde» an ziveic» der Zereinontei, teitnehmen, die diirch drei Woche» hindurch statt,iiiden. Ata» gibt ati Grund daiür, daß keine fremden osfiziellen East« e ngeladen werden, den deutlich aiiSgesprochenen Wunsch des versto>ve,.cn Ka ierS an. Jede««» falls gibt es in der heiligen Stadt von Kloio, di« an sapa« niiche» Pa ästen so reich ist, feine Stätte, die für den Auienthalt von Europäern geeignet wäre und den Ansorüchen eines ntodernen Abendländcrs genügen könnte. Der ivichllgst« Beweggrund ist aber ivohi der streiig religiöse Charakter des Krönungsiestcs, das als eine große nationale Veranstaltung iür das javanische Volk geplant ist. Tie Feierlichkeiten werde» drei Wochen in Anspruch »et'ine» nnd eine iinposaiile Enckallung ali,apa»ischer Kultur und abj'panischen Geistes darstelle». ' I ,n R au ch c ra bt e i l. Ta der Zug stark besetzt ist, geht die Dame in das Raucherabteil nnd seht sich, aber der Herr »eben ihr ist in seine Zeitung vertieft nnd passt ungestört weiter. „Ich war so töricht, zu glauben," sagt pikiert die Dame, „daß einige der Herren hier zimnndest Gentlemen wären." „Verzeihung," sagte vertvirrt der Nachbar und hält ihr sein Zigarrenetui entgegen, „bitte, bedienen Sie sich." * Die Ahnungslose. „Ich höre so viel von diesem Tango-Tee," meint die alte Dame, „tvas kostet eigentlich daS Pfund?" Sprachecke der Allgemeinen Deutschen Sprachverein». ' Einst »» d jetzt Im Jabre 1871 ging dem eigentlichen Friedensvertrag zwischen Frankreich und dem Tenifchen Reiche ein Prälmiiiiarvertraq voraus. Ende Rai 18,3 konnte man in teil Zestnnaen lesen, daß die Balkanmächte I» London emen Voririede» geschloffen hätten Einen Vortrieben! Wie kurz und klar ist doch dies.- Wort gegenüber d,n häßlichen Wortungetümen Friedens- präli,»inanen nnd Prätiminaririeden, denen wobl niemand eine Träne nachweinen wird, weck ne das Heer solcher Fremdwörter vermehrten, denen nnseie Sprache das Gnstreckst endgültig einzigen bat. Rach den uiete» Tripel» und Quadrupel-Allianzen der letzten Iah,ti>n,de>te durne man sich bei der Vorliebe der Deutschen iür das Ausländische ick i t wundern, daß der 18/8 von Bismarck zwilchen den! Deutschen Reiche, Oesterreich nnd Italien geschaffene Bund auch von der i reuen Muffe zunächst Tripelalttanz genannt ivurde, daß man sogur Kaffeebänier .Zur Tripelallianz* taufte. Wie lest verankert aber auch dieses Wort in »nietet Sprache erschien, es nun,ic allenthalben bem verständliche» Dreibund welchen. Früber hotten cs wobt viele uni« »ns als eine Art Eiiiiveilmna aiigesebcn, die Braiitansstattiing iürstlicher Peisonen nnders als mit .Ironfienu* z» hejeictnteu. Bei der Vermählung liiiserer Kaiseitochter Viktoria Lucke enispracb der einentlkch sclbst- vcrstcindlicben, lrüber aber doch öliers stark vernachlässigten Bernck- sichtiqiuig : e? beutiehen Geiverbesteitzes mich der Name Brautausstattung Solche ivrachliche GcaenübeisteUnnge» taffen sich jetzt aul allen Gebieten des Lebens vornehme». So »nißte am >3. November 1833 unser größter Deiiiscblunisior'cher Jakob Griniin seine Antriltsvoileimig als Proleffor an der Göltinqer Hochschule lateinisch ballen: in dieser Rede 0o desiderio patriae tüber das Hetmiveb) ninßte ein d, nischer iselebrter leine Vlnllersvrache tu — lateinischer Sp-ach« oretie». 71 Jahre sväier sprach ln streibiug ein Hochscbnllebrer wieder bel lestlnbrr Geiegei»>eil über das Heim- wet, — dieSnial aber demsch Mußt >i bis in die Milte des IS. Jahrhundert? die Doklorarbeiten lateinisch abgelaßt werden, so biitdigen dielein Brauche jetzt last nur noch die 'Altsprachler. Ja, bei der Füiisbi»ideiln>br-Fe er der Le vziger Hochschule tm Jabre ISnS bedienten sich 12 reichsdeutsche Universitäten tu Ihren Glückivnnschschrriven der dentschen imd nur noch 8 der lalcintschen Svra.be; die iechntcbe!< Öochlch» en schrieben alte in dealschec Evrackie. F»r manche der >etzi ziemlich allgemei» gebrauchten V«- denischlinaen baite» die Frenidivorilere rnckmigs nur Spott und Hoh i Vor einem Vierieljabrbiiiideil beantivorlcte z. B. enie große Vremign g süddeutscher Lehrer den Aniraa, kür Statnlen S a n l> n g e » zu sägen, mit schallendem Gelächter. Das ihnen altli änkisch ktingende Wort wollten sie nicht eiiilühren. Heule stndet man es ganz selbstverständlich, daß ein deutscher Verein eine deutsch« Satzung hat. Rau (Zwickaus ttapsel-NStsel. Reaemvaffer — Landiiian» — Babnipärter — Gründer- jabr« — Srerter — Seemacht — 'Modedame — Wasgenwald — Kalkulaior — Goldgrube — Haupt- meffe — Vietipandel — Brie'ivage - Virnr. Aus de», er:eit der vorstehenden Wörler sind drei, ans jedem der übilaen Wörter zivet zniainmeiihäiiaende Buchstaben zu ent» nehme», so daß sich daraus ein Sprichwort ergibt. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Geographischen Berschjebrätsels in voriger Nnmmerz skeynHansen Nord»« Ficht, lgebirge Hernigsdors Bll in Back,'» Tevliy. Redaktion : K. R « nrath. — Rotationsdruck und Verlag der Brichl'schen llniversttäls-Aiich- und Steiiidrnckerei, R. Lange, Gieße»