Ein Frühlingstraum. Roman von Fr. Lehne. (Nachdruck verbalen.) (Fortsetzung.) Er führte den Freuno tnuu, aite Räume, die mit nmhr- haft Verschwendern cher Pracht eingerichtet Maren. Auf Detlevs bewundernde Aeußerungen eutgegnete er bitter — „an all dem Kram liegt mir gar nichts! Es bedrückt mich sogar aber meine Frau will es so haben - das ist ihr Element." „Marie," befahl er dem Stubenmädchen, einem kleinen, pikanten, kokett angezogenen Dinge, das ihnen gerade in den Weg kam, „Marie, sagen Sir der Wchin, daß Besuch da ist, und legen Sic ein Gedeck ^nchr auf." „Ist schon besorgt, Herr Hauptmann," knixte sie. „Siehst du, Strachwitz, für alles muß gesorgt werden! Na, da? lernt man, wenn ,man verheiratet ist. So, nun wollen wir es uns noch J&equent machen, bis meine Frau zurückkommt!" i Die beiden Freunde plauderten noch eine Weile. Es tat Wolf wohl, sich einmal aussprechen zu können mit dem Manne, der sein ganzes Vertrauen hatte und auch verdiente — der seinen ganzen Licbcstraum initerlebt hatte, der bei seiner Hochzeit urlt der andern .mit zugegen gewesen ivar! Wolf wußte, daß Strachwitz nie Sympathie für Ella Ulrich gehabt hatte — es schmerzte jhn aber nicht — jener vermied jedoch taktvoll jede Erwähnung darüber. Ties Gefühl beruhte übrigens auf Gegenseitigkeit, wie Wolf ebenfalls wußte — seine Braut hatte ihm mehr als einmal versichert, daß sie den Strachwitz, „deri unausstehlichen Spötter", durchaus nicht leiden mochte. Sie fürchtete seine sarkastische Zunge, den spöttischen Blick seiner Augen! Ein Wagen fuhr vor. „Ah, meine Frau — gehen wir, sie zu begrüßen." II. Und über der Sec, tiefblau und weit, Liegt der Himmel unermessen — Doch über allem mein Herzeleid Um Dich, die ich nie kann vergessen! „Die gnädige Frau erwartet die Herren im Salon," meldete der Diener Wolf begab sich mit dem Freunde dorthin. Liebenswürdig lächelnd begrüßte die schöne Frau den Gast ihres (ballen. Nach einigen oberflächlichen Bemerkungen wandte sie sicki an Wols. „^Serzeib, mein Freund, daß ich dich lvarten ließ: cs ist schon spat heute Doch Frau Major war so lebhaft und so angeregt, daß sie uns alle bat, noch zu bleiben: daher die Verzögerung. Herr Major ist übrigens nicht daheim: er ist ans die Jagd nach Sellin gefahren! — Doch du hast gewiß Hunger — darf ich die Herren bitten?" Sie erbob sich; die Herren folgten ihrem Beispiel und begaben sich in das Spcisezimnier, in dem der festlich geschniückle und gedeckte Tisch einen sehr einladenden Eindruck machte. Das Mahl verlief unter anregender Unterhaltung: Detlev verstand sehr amüsant zu plaudern, und der Stoff versiegte auch nicht, da voll früher her genug Anknüpfiuigspunkte vorhanden waren. Nach Tisch zogen sie sich in Ellas Zimmer zurück, das nur ei» kleiner, aber mit raffinierter Eleganz ausgestatteter Raum war — sic liebte es, dort zu verweilen, wenn sie nur einen oder zivei Gastr hatten — lvare» sie allein, pflegte Wolf meist in seinem Zimmer noch zu arbeiten oder zu lese». „Gnädige Frau, Ihren Jungen habe ich ebenfalls schon bewundert," sagte da Strachwitz, „er ist wirklich ein wahrer Prachtkerl." „Finden Sie? Das freut mich! Er ist aber ein kleiner oder vielmehr ein großer Dickkops, und sein Vater verzieht ihn sehr." „Das kannst du nicht sagen, Gabriele," wandte Wolf rubig ein, „ich studiere seinen Cbarakter gründlich. Hasso muß vorsichtig behandelt werden, da er ein sehr entwickeltes Zartgefühl hat!" „Ah, du willst damit sagen, daß ich es nicht verstehe, .Hasso z» erziehen? Wenn du mir freie Hand gelassen hättest, so wäre Hasso iiicht so empfänglich für jede Krankheit und —" „Du vergißt, Ella, >vas der Stabsarzt gesagt hat —" „Ja. ja, ich iveiß — mußt du mir das permanent wie- dcrholen — ich lasse dich ja gewähren und rede nicht mehr über deine Erziehungsmethode, „wir werden uns ja nie einig darüber." Detlev wurde diese Wendung des, Gespräches peinlich: er wandte sich daher an Ella: „Gnädige Frau, ich muß Ihnen wirklich das Kompliment machen, daß Sie brillant aussehen — so frisch und rosig —" „Wirklich, finden Sie?" lächelte Gabriele etwas spöttisch, „habe ich mich in meiner Ehe so verändert, daß Ihnen jetzt erst mein Aussehen aufsällt?" „O, ich habe Sie stets bewundert —" „Sehr interessant für mich! Jedoch halte ich nie etu>as davon bemerkt." „Gnädigste kennen doch die Geschichte vom Fuckzs und den Trauben, die bekanntlich zu sauer waren?" — „At>, das ist mir neu! Auch du, mein »ohn Brutus? Denken Sie, Herr von Strachlvitz, und ich üabc stets gedacht, daß Sic »,ich nicht leiden mögen!" „Gnädige Frau, ich bin »»tröstlich —" „Ach. lassen Sie nur gut sein, Strachwitz," cutgeguete sie in verändertem Tone, „wir wollen uns doch nichts Vorreden! Ick, glaube je doch nicht. >vas Sie sagen, dazu kenne ich Sie Spötter viel zu genau!" und zu ihrem Gatten, „nicht wahr, Wolfsburg? Aber d» sagst sa gar nichts? Ist dir nicht wobt?" Es klang aber mehr Aerger darüber als Besorgnis'aus ihrer Stimme. „In der Tat. Ella, mir ist nicht gut, ich bin recht al>- gespannt —" „Sichst du, ich habe dir ja innncr gesagt, das kommt von dem vielen Schreiben! Mein Gott, du hast's doch — «6 — hmfltcf) nicht »ölig! — Zehen Sie, Strachwitz, so geht cs mir — er arbeitet, als ob es u;ns tägliche Brot ginge und wird nur darüber krank! - — Da bin ich am Ende gar voreilig gewesen mit meiner Insage für morgen abend — ?" >vas jür eine Insage — ?" „Sagte ich dir nicht, das; mir heute niorgen Graf Meßdorf begegnet ist? Nein? Nu», dann halte ich es vcr gejscn Also, er läßt dich bitten, mit mir morgen abend nach keinem Waldhäuschen zu kommen; Hauptmann Braun und Landrichters kommen auch. Er fragte, ob wir etwas anderes vorbätten; da dies doch aber nicht der Fall ist, habe ich in deinem Namen eingewilligt. Es soll ein recht vergnügter zwangloser Abend iverden, daher diese einfache iniindliche Aufforderung — Graf Meßdorf wollte dich gerade im Kasino aussuchen, als er mir begegnete," Aus Wolfs Stirn erschien eine tiefe Falte. „Ich lehne trotzdem ab!" « „Warum?" fuhr Ella auf. .Warum, fragst du? Du weiht doch recht gut, daß mir Meßdorf höchst unsympathisch ist und ich darum keinen näheren Verkehr wünsche. Dann habe ich keine Zeit, und Ivas mir jetzt vor allem die Hauptsache ist — Strachivitz —" „Aber Schatz, du hast wohl ganz überhört, daß Herr von Strachwitz erklärt hat, morgen abend abzureiscn! Du scheinst niir wirklich die Taktlosigkeit zugetraut zu haben, in seiner Gegenwart von einer Einladung zu reden —" sie sprach nicht weiter, da Groll ihre Stimme erstickte: sie stand ans und ging unnintig im Zimmer auf und ab „Kurz und gut, Ella, ob Strachwitz bleibt oder nicht — die Einladung nehmen wir aus keinen Fall an." sagte Wolf bestinnnt. Und zu Strachivitz gewandt: „Tn tust mir die Liebe und bleibst morgen und übermorgen bestimmt noch hier." „Ich weiß nicht, Wolf, meine Zeit ist in der Tat sehr knapp —" „Auch wenn ich dich innig bitte, mir zuliebe zu bleiben?" bat Wolf halblaut, „Aber Deine Frau möchte doch gern morgen abend —" „Wir gehen aus keinen Fall — Meßdorf scheint mir nicht ganz comme il faut - Dein Besuch ist die beste Entschul oigung für unser Fernbleiben, Du siehst also, daß ich auch egoistisch bin nicht wahr, Du tust mir die Liebe?" „Wenn eS sein muß, Mölschen, gern! Ungelegenheiten, möchte ich Dir aber nicht gern machen," Er betrachtete Gabriele, die jetzt, etivas entfernt von ihnen, zwanglos i» einem Schaukelstuhl ruhte und sagte zu Wolf — „Deine Frau ist wirklich noch hübscher geworden, so lange Ihr verheiratet seid!" „Findest du, mir ist das eigentlich gar nicht ausgefallen! Aber wie sollte sie nicht —! Aie hat ja alles, was sie sich ivünscht, vor allen; keinen Kummer," bemerkte Wolf bitter. Langsam stand Detlev auf und begab sich zu Gabriele, indem er sich auf einem kleinen Hocker niederließ ihr gegenüber. Sie war in der Tat das Bild einer schönen, eleganten, verwöhnten Frau, der alles zu Füßen liegen mußte. Ihre rosige (Gesichtsfarbe, die üppige kraftvolle Erscheinung paß ten gar nicht so recht zu dem düster und vergrämt auSschen den Manne, dem sie angchörte. „Gnädige Frau," nahm Strachivitz das Wort, „gnädige Frau, ich bin untröstlich, wenn ich die Veranlassung bin - „Schon gut, Strachwitz," unterbrach sie ihn kurz, „schon nt; ich weiß doch, was Sie sagen wollen, sparen Sie daher hre Worte! - Sie haben es gehört, nicht ein unschuldiges Vergnügen gönnt er mir, der Barbar' Es geschieht eben nicht, Punktum! Damit muß ich mich begnügen. Gründe für seine Weigerung anzugeben, hält er nicht für nötig!" > I» ihrer Erregung setzte s-.e den Stuhl in heftig schau kclnde Bewegung „Gabriele, ich bitte dich, sei nicht so aufgeregt," sagt da Wolf, „Tn weißt, ich liebe das nicht/ „Pardon, mein Freund, ich vergaß, daß Du nervös bist," entschuldigte sie sich spöttisch, und sich lächelnd an Strachwitz wendend, meinte sie: „Denken Sie, Strachwitz, in unserer Che ist es umgekehrt, da hat der Mann Nerven — ich bin gesund, Gott sei Dank, gesund!" Und in ihrem Kraft- gejiihl breitet sie die Arme aus Ihre üppige Büste, die von einer reich mit gelblichen Spitzen garnierten Taille knapp umspannt war, dehnte sich in einem tiefen Atemzuge Wolf legte die Hand über die Augen und cs zuckte in seinen; Gesicht, gleichsam, als ob das Gebühre» und die Worte seiner Frau ihm körperlichen Schmerz verursc Neu. „Ja, iveii» man Sie sieht, Gnädigste, ninß eine»; das Herz i»; Leibe lachen, wen» ich mich jo trivial ausdrückei; darf. So viel Frische, Kraft und Schönheit findet ;na» selten in unser»; nervöse» Zeitalter," verbindlich neigte sich Slrach- ivitz gegen sie miß ergriff ihre Hand, sic an seine Lippen führend Lkinc übermütige» strahlenden Augen senkte» sich tief in die ihren; sie wurde rot; dann aber lachte sie kurz auf und gab ihm einen Schlag mit den; Fächer, der neben ihr auf einen; kleine» Tische lag. „O Sie Unverbesserlicher! Immer noch derselbe? — Wolf, so komm doch zu Hilfe' Strachwitz inacht Deiner Frau den Hof — mehr als Graf Meßdorf es tut!" „Ah, ist er eifersüchtig, der Herr GemahlAl Sie zuckte die runden Schultern, „Ich weist es nichts Manchmal ist er von einer einpörcndei; Gleichgültigkeit und dann wieder über die unschuldigste Galanterie erbittert!" „ES kommt stets daraus an, lver dir dieselbe erweist," sagte Wolf ernst. „Ich dulde cs nicht, daß z. B. Gras Mest» dors sich dir huldigend naht — halte ihn dir dar;;;;;, bitte, möglichst fern — in deinem Interesse." „lind ivarum?" fragte sic scharf, sich aus ihrer bequemen Stellung etwas aufrichlend, „warum? Vielleicht, weil er inich einmal hat. heirate» wollen, wie du schon von mir weißt — ich gab jedoch dir de» Vorzug! ÄaA könntest di; .sonst tvohl gegen ihn haben? Er'ist schön, elegant, Kavalier —" „Das letztere ist nicht criviescn! Hast du wirtlich noch nichi bemerkt, daß die maßgebenden Kreise sich ihn fern, halten? - Doch, wozu sich so viel mit ihm beschäftigen? Singe oder spiele tins etwas vor!" „Verzeih, ich bin nicht aufgelegt," sagte sie kurz, „Herr von Strachivitz kann uns lieber ;ioch inehr aus der Reichs- Hauptstadt erzählen! Ach, es ist mein Wunsch, dort einmal eine Saison mitzuinachen!" „Gern. Gnädigste, wenn Sic mit meinem schwachen Er- zählertalent sürlieb nehmen wolle»! Ich habe in den vier Wochen allerdings viel ;nitgen;acht " „Das glaube ich gern bei Ihrer Veranlagung," lächelte Ella, „alsv avanti und nichts wcggelasscn — inich interessiert alles — hören Sie, alles, und das gerade am meisten» ivas Sie nicht sage»; verstanden?" „Aber, meine Gnädige, Sie verkennen mich —" und beteuernd legte er die .Hand auf sein Herz. „Na, na " meinte Ella; dann lauschte sie mit Interesse Detlevs Erzählungen, die er in seiner amüsanten etwas spöttischen Art vorbrachte, daß sie fast ganz die Antipathie vergaß, die sie sonst gegen den Freund ihres Gatten beseelte So verging die Zeit, und als die Uhr mit silbernen; Klang Mitternacht schlug, sprang Strachwitz erschrocken auf. „Ich muß tau;endmal um Ent- schnldigung bitten, daß ich Ihre Gastfreundschaft so lauge in Anspruch »eh;nc! Aber in so angenehmer Gesellschaft," er verneigte sich dabei gegen Ella, „vergißt ;;;an ganz die Zeit Ueberdies muß ich morgen früh sehr zeitig aufstehen» da ich nach Sellin will!" (Fortsetzung wlgl) Flucht öus den Mielsküs riien. Auch ein Jubilännisartikel. Von Paul W c st h e i >;;. Wenn wir mit Jubiläumsseierlichkeiten nicht gar zu über» stitterl wären, dann wäre ,etzt der rechte Zeitpunkt, das üOjährig« Jubiläum einer der „nsoziafstei; Ericheinungen aller Zeiten: der Mietskaserne, zu begehen In feiern, wagt man in solchen Fällen nicht zu sagen, denn cs dürjle wohl niemanden geben, der dieser rlenbei; Zusammrnpserchnng der Großstadtmenschheit auch nur eine Lichtseite abzugewinnen vermöchte Tie Mietskaserne, >ene Entartung des Mietshauses. mit ihren Seiten und Hintergebäuden, mit lirtit und lustlosen Schloten, d>' der Lpnmismus oder de: Fatalismus Höfe zu nennen pflegt, ist il; Deutschland Berliner Ursprungs. Mit dem bedauerlichen Berliner -Bebauungsplan, den ein blutjunger Aiiciivr Ende der öyer Jahre des vergangenen Jahrhunderts nach iranzöüjche;» Vorbild zu nnrchen halte, ist sie entstanden Sic hat sogar eine sozial? Begründung mit aus den Weg bekomniei; vobrechl, einer ihrer geistigen Urheber, bat einmal der Meinung Ausdruck gegeben, daß dieses Nebciicinandrr von hochherrschaillichem Vorder» lind vrolele.» riichcm Hinterhaus ungemein aui den Ausgleich der Klaiscugegcn- iätze lvirken müsse, daß an! diese Weise der Großstadlkavckaliit der Bel-Elag', der Gelehrte oder Beamie des vierten Stockes und 87 He arme Schufterswilw: uoir. SMttU'iItoi in 39c*icl)tmg «titeiuaiibf •<: treten würben, bah ein übrig gebliebener Jeder Luppe oder die abgelegte Hon des Bordcrhatts zu einem wichtige» soziale» Bindeglied >ni! de» armen Leulcn der Hiiilerhanswohnuiigtn wer- de» Tonnte. (Sin: lächerliche sozial: tRomanfif, über deren »»sinnig feit heute ja nichts mehr gesagt zu werden braucht. Wenn dies: Berliner Mietskaserne, die im Gegensatz zn mancher besseren Institution schnell und gern Nachahmung gesunden hat, irgendwie sozial aue-gleichend gewirkt hat, dann geschah es doch nur i»i_ber Hinsicht, das; sie alle Patteieu, auch die der mit so viel-Stuckvracht ausstassierlen Borderlvohnungen. proletarisiert'. Natürlich braucht einer, der sich eine 0- oder 8-Zimmcrwohnuiig zu leisten vermag, auch in Berlin nicht mit fünf oder sechsen in einem Raum zu- soininen zu Hausen oder gar, wie es nun einntal in den berlinischen Unterschichten das liebliche ist, mit Schlafburschen zusammen zn kalnpiereti. Aber auch die allerherrschastlichste Wohnung ist eingeklemmt in die Steinlvüsle, in der es an Lust und Lieht und Grün fehlt, in der (Srtvachsene wie Kinder unter deti denkbar schlechtesten Verhältnissen z» leben gezwungen sind. Ganz gleich, ob einer sich ein oder zwei Zimmer über seinen Bedarl leisten kann, ob es in seinem Haus List, Vakuum titid derlei Annehmlichkeiten gibt, er wohnt unter traurigen Verhältnissen, wenn die ganze Stadt so angelegt ist, dast die Zufuhr voll irischer Lust aufs änsterste beschränkt ist, wenn in seine Zimmer die Sonne kaum einzudringen vermag, wenn zwischen Asphalt und Steinen seinen Kindern kein Raum für Spielplätze gelassen worden ist, wenn die Sterblichkeits- zisser, vor allem die Säuglingssterblichkeit, erschreckend wächst. Daher ist das Probleni der Mietskaserne nicht eine Angelegenheit einer einzelnen Bevölkerungsschicht, Alle haben int gleichen Maste an ihr zu leiden. Dem reichen Mann sollt es natürlich weniger schwer, ihr zu entrinnen, I» dem Augenblick, da die Erkenntnis von der Gemeinschädlichkeit der Mietskaserne sich dnrchzusetzen begann, ist er aus der Grvstsladt heransgefliichtet in schmucke Vorort- lolonien, wo er sich nach Begehr und Geschmack „Eigen- h ä » s e r" anzulegen vermochte. In solchen Eigenhäusern ist in dem letzten Jahrzehnt mehr städtisches Spargeld angelegt worden, als man zu vermuten geneigt wäre. Die Ilnzuträglichkeite» der Mietskaserne, ihre Gefahren sür Körper und Seele haben in einer ungeheuren Menge Menschen: mittleren Beamten, einsachen Kaus- leute», Kleingewerbetreibenden, gut bezahlten Angestellten usw,, die durchaus nicht als Kapitalisten angesehen werden können, die Sehnsucht nach einem gesuichen und' ivohnlichen Haus inr Grünen bis zu einer Leidenschaft gesteigert, der sie mitunter recht beträchtliche Opser zu bringen geneigt sind, lim jede gröhere Stadl herum sieh! man von Jahr zu Jahr mehr diese Eigenhans- kolonien amvachsen und eine kluge .üommunalpolitik unterstützt durch günstige Verkehrsverhältnisse diese aus der Notwendigkeit entsprungenen Siedlungsabsichlen, Tauiit hat allerdings,nur eine fast verschwindende Schicht ihren Ausweg gesunden, Tie Mehrzahl der groststüdtischen Bevölkerung, weitaus über. 90 Prozent, ist aus das Mietshaus angewiesen und wird es für absehbare Zeit auch bleiben, Tie Klein - wohnungssrage muß daher vom städtischen Mietshaus aus gelöst werden; es must so hergerichtet werden, dast es sich lvieder als eine Heimstätte sür Menschen darbietet. Die Resormvorschläge, wie sie von den Vereine» sür K l e i n w o h n u n g s w e s e n , von Männern wie Dernburg, Eberstadt, Goecke, Hegemann u, a, gemacht werden, bewegen sich demgemäß auch alle in der Richtung, Man weiß, dast unser deutsches Bodenrecht an sehr vielen llnzn- lräglichkeiten die Schuld trägt: da aber jeder Eingriff in eine gegebene Rechtssphäre von ungeheuren wirtschaftlichen Folgen begleitet wäre, so muß alle praktische Arbeit daraus gerichtet sein, auS de» gegebene» Verhältnissen heraus etwas Erträgliches zu entwickeln. Es ist von dem Schöneberger Statistiker Knezynski und dem Architekten Lehwest aus den Städtebnuausstellungen in Berlin und Düsseldvrs und in dem Hegemannschen Werk über den Städtebau der Beweis erbracht worden, daß das heutige Massenmietsbaus mit seinen Quer imb Hintergebäuden, „diese grauenhafte Eigentümlichkeit deutscher Großstädte", nicht einmal wirtschaftlich gerechtfertigt sei. Sie haben einen großen Block, sür den eine vierstöckige Bebauung mit Liner-- und Hinterhäusern zulässig gewesen wäre, so aufgeteilt, dast der Rand mit gleich bohen Reihenhäusern, das Innere aber mit Gartenslächen und Ein »der Zweisamilienhäusern besetzt wurde. Ein Snstem, das noch Knczynskis Worten die eine Hälite der anzusiedelnden Be vilkernng von der beengenden Nähe boher Hinterhäuser beireit, >br den Vorzug der in der Mietskaserne meist unmöglichen Qner- lüstung sichert, den andern aber das Wohne» im kleinen Zwei lamilieiihauS ermöglicht Durch eine geschickte Geländennsceilnug, durch Minderaufwand an Fundamentierungskosten, geringere Mancrstärke, ichmalere Treppenhäuser und Flure, wie sie sür das Einsamilienhans ja audreichen, geringere Berwalknngsspesen nsw, sollte sich womöglich eine noch größere Wirtschaftlichkeit erzielen lassen. Das sind Ideen, die jetzt zur Durchsührnng gelange», ans dem von der Stadtverwaltung ausgeleiltcn Schöneberger Südgelände und die im gewissen Sinne schon die praktische Erprobung erfahren haben in der seit Jahresfrist bezogenen Britzer Anlage der von einfachen Arbeitern geschasfenen B a u - g e n o s s e u s ch a j t „Ideal", Da ist in der Tot ohne größeren Answand eine Siedelung enlstanden, die von den bcklagenswerleir schaden. des heutigen Mietskasernentyps frei ist. Aus diesen Grundlagen ist im vorigen Jahre in Zehlendorf eine Einfamilienhaus Reil» nhausanlage sertiggestellt ivorden, die der Berliner B e a nt t e n w o h n u n g s - B e r e i n von dem bekannten Architekten Paul HebeS in Zehlendorf bauen liest, »achdent diese Vereinigung bereits früher in Charlollenburg, in Pankow und Dahlem vorbildliche Mietshaiisgrnppen geschaffen hal. Ter Zusammenschluß von Mietern mit gleichartigen Wohnbedürsnilse» hat sich da als ein sruchtbarer Antrieb erwiesen, Kraft dieses Zusammenschlusses sind ja auch die sogenannten Gartenstädte, wie wir sie >» Hellerau, in Getnindersdors, in Leipzig Marienbrnnii, in Falleivhagen und an einigen anderen Stelle» bereits haben, entstanden, wenn nicht wie- bei der von der Margarethe Krupp-Stiftung errichteten Margarethenhöhe bei Essen ein vhilantropisches Mäzenat die Anlage ermöglichte. An derlei Versuchen, dem Elend der Mietskaserne zu entfliehen, fehlt es ja heute schon in kaum einer unserer Großstädte, Um eine ganze Menge bedeutender Fabrikunternehmnngen herum, von zahlreichen gemeinnützigen Baugesellschasten sind brauchbare Typen geschasse» worden, DaS Volk hat eingesehen, lvas diese ö0 Jahre Mietskaserne sür sein Wohlergehen und seine Zukunft bedeuten, und es schreckt selbst vor gelegentlich beträchtliche» Opfern nicht zurück, um den Gefahren der Steinwüste» wieder zn entrinnen. Allein alle diese Ansätze zur Selbsthilse sind doch kaum mehr als ein Anzeichen sür die allgemeine Unzufriedenheit, die da einporbrodelt, die Tag um Tag mehr um Abhilfe heischt Das aber kann nicht anders geschehen, als dast diejenigen, die heute die große Masse der Mietshäuser Herstellen, diesem allseitigen Drängen nachgeben, daß sie in ihrem eigenen.Interesse alle die heule unerläßlichen Notstandsaktionen übcrslüssig machen, indem sie dies« wahrhast sozialen Ideen ausgreifen und wieder Mietshäuser errichten, in denen es nichts mehr von unsere» Mietskasernen gibt. Dörfliche Sitten uuö Gebräuche im vogelsberg. zOtiginalbertcht für den „Giestener Anzeiger",) Je weiter Dörfer vom Verkehre »nd dem Großstadtleben entrückt sind, desto mehr hängt man an Sitte» und Gebräuchen, die im Volke lies eingewurzelt sind, J»i folgenden sei nun in kurzen Zügen auf eine Reihe von Gebräuchen hingewiesen, die besonders bei den häuslichen Festen — Kindtause, Ho >-reu und bei einltetenden Todesfällen in Erscheinung treten a.n:* blickt int Hause ein Kind das Licht dev Welt, so kommen schon nach Verlaus von 2—3 Tagen sämtliche Frauen des Tories, »nt der glücklichen Mutter den Segenswunsch darzubrrngen, Jed» Besucherin spricht dabei, ohne Ausnahme, nachfolgende Worte: „Ich wünsch' auch Glück zum kleinen Mädchen (oder Bnb), div zur Gesundheit und mir zu Gat, (oder bei einem Knaben- ■"■ ment Manne zum Petter," Ein kleines Geschenk, bestehen- tu Eiern, Milch oder dem im Vogelsberge beliebten runden Zwieback, wird aus den Tisch niedergelegt. Aus der Zahl der Besucherinnen wählt das Elternpaar die „Goten" oder die „Petter" aus. An einen« Abend wird die „Gevatterschaft" vom Vater des Kindes sort- getragen. Er zieht bessere Kleider an und geht in das Haus, dessen Bewohner Patenstelle nehmen sollen. Ein crnsaches Mahl, bestehend in Brot und Wurst, wird dem „Freund" oorgeftellt, danach trägt er, wie ernst Eliesev, sein Anliegen vor. Am nächsten Abend geht der Vater des kleinen Weltbürgers in das andere .Haus nsw. Zu dem „Kindbette" ergehen Einladungen, auch werden die „Geoatterleute" der größeren Kinder des Hauses geladen, Tie Paten oder Goten des zuletzt getauften Kindes haben je eine gute Flasche Branntwein zu stiften, Tie Flasche wird mit bunten Bändchen versehen. Das Tanssest beginnt mit der tirchlichen Handlung, wobei jeder geladene Gast, samt Kindern, zugegen sein muß oder wie es heißt, „dem Täuflinge die Ehr« anzntun hal". An die Taushandlung schließt sich der gemeine same Kassee (kein Malz-, sondern guter Bohnenkassee) und di« übrige Mahlzeit an, Ein warm,-» Abendessen wird nicht, bereitet- Bei Gesang und angeregter Unterhaltung bleibt man bis tut in die Nacht hinein zusammen, beim Weggange ein kleines Geld» geschenl hinteilassend. Jedes Jahr, vor Weihnachten finden di« „Gevattertage" statt. Wird das Kind schulpflichtig, so erhält «6 vom Palen eine Schiefertafel, Grifselkasten und das Ä-B-C» Buch, Ans den „Nickelslag" bekommt es seinen „Nickelsweck", aut Ostein eine Anzahl in ein buntes Taschentuch gebunden« Ostereier :den Has) und ans Weihnachten in derselbe» Packung Konfekt, Aepscl, Nüsse usw, Tic Könsirmation wird wie allgemein üblich geseiert, — Heiratet ein Patenkind, so ist der Pate verpslichiet, ei,i Patengeschenk — bestehend in Geld (10 bis 20 Mark) zu entrichten Ebenso müfien die Patinnen die Vorbereitungen zur Hochzeit treffen (teilen. Schon mehrere Tage vprlfer wird das sogen. „BräuthauS" in allen Stockwerken gründlich gescheuert; Betten werden abgeschlagen, damit sür die Gäste genügend Raum vorhanden. Berge von Kuckten werden gebacken, mitunter o bis 4 Zentner Mehl werden verarbeitet, da. auch jeder Hochzeitsgast eine Quantität Kuchen mitbekoinml. Ten Kassee brennen die Patinnen: ein großes Quantum verschiedenartiger irischer Wurst liefert der Metzger eines benachbarten Städtchens, der Bäcker das nötige Brot, der Torswirt Bier, Zigarren und Branntwein, 88 tfudj Uii der s)och;eit fällt, it>ic ber dem Kindbette, das warme Essen weg. In manchen Dörfern kommen ganze Butterwecke aut die Tische und bleiben während der ganzen Hochzeit stehen. Mitunter tocrden etwa 150 Tn* 200 Gäste abgcsveisn Findet die kirchliche Trauung in einem benachbarten Dorfe statt, so zieht die ganze Hochzeitsgesellschaft. voran das Brautpaar, mit zur Kirche. Gar oft hält der Dorjsckäser mit seiner Herde an der Strasse und zieht kurz vor dem Brautzüge über dieselbe, was „glückbringend" sein soll. Natürlich erhofft dev „treue .Hirte" rin reichliches Trinkgeld. Nach der kirchlichen Trauung gehen sämtliche Glieder der .Hochzeitsgesellschaft au das beim Altäre stehende junge Paar mit den Worten: .Ich wünsch' auch Glück." - Wieder im Hochzeitshause angekomme», wird der gemeinsame Kafsec eingenommen, dann ißt man, je nach Appetit, kalten Auf» schnitt, trinkt Bier und plaudert. Nach einiger Zeit fingt die .Hochzeitsgesellschaft den Neuvermählten das EbcstandSlied: „Mir gefällt das EhstandSleben, besser als daS Klostcrzichen" usw. Gegen Abend sucht die Jugend — das junge Volk — einen Tanzsaal oder eine geräumige Stube auf. >vo nach den Klängen der Hauskapelle (Ziehharmonika) die geläufigen Walzer, Polkas usw. getanzt werden. Die hochzeitsgeschcnke bestehen in nützlichen Küchen- und hausgerätschaften und Geld. Der „Pctter" oder die „Gote" gebe» am meisten, da es die letzte Gabe ist, die pslichtmäfng dem Taufpaten verabfolgt tvcrden muß. — Bei cintretenden Stcrbesällen findet, an das kirchliche Begräbnis an» schließend, ein Mahl statt, zu dem alle Leidtragenden vorher geladen werden. Bis vor kurAr Zeit ivurde das Grab vom den Trägern gefertigt. (Jetzt sind überall von der Gemeinde besoldete Totengräber bestellt.) Auch hatten die Träger die Ehrenwache, sogen. „Totenwache" im hause zu stellen, indem in einem an das Sterbezimmer anstoßenden Zimmer gewacht wurde. Dieser Brauch in fast gänzlich geschwunden. Zum Kasfeebrcnnen werden Frauen bestellt, die nicht mit dem Verstorbenen verwandt sind. vernrisckte». '* Sorget k ii r die Vögel! Aber die Fistlerulätze müssen so beschafse» sei», daß sie nicht einsckmeie» können und auch vor Katze» und menschlichen Vogelfängern sicher sind. Während des ganzen Winter« reichlich zn füttern, ist nicht erforderlich, damit die Vögel von ihrem natüi liehe» Bern'?, Vü»«e und Sträncher von Jnkekten nnd deren Bruten z» läutern, nickst abgehalte» tmö nicht verwöhnt werden. ES ist aber notwendig, an eine bestinnnte Ctclle stets elivaS Futter zn streite», um die Vögel dahi» zu ge- ivöhne», ,vo sie bei starke«« Schneesall, bei Glatteis und plötzlich elntrelender hestiaer Kälte soso« genug Futter finden, unb dicleS nuiß für sie schon am !rührn illtorge» da liege»; denn der Vogel ivill liehe», sobald e4 Tag ivird. De» Vögeln spende täglich frisches Flitter,, z, B. al!c>lci Körner und Säniereien (als Vogcl- liilter käiisttch, aber keinen Oinbsanien), nicht ganz ahgelöstc Knochen, zerkletnerle Fleischsiückche», zerschnilteiteNnstkcrn, ktückchenTatg nsiv. Brot nnd Karlosscln füttere »,an nicht: sie (öiiem oder geilicren nnd brinaeii die hnugrigcu leinen ins Verde»den. — heirats unterricht. Tie Amerikaner sind wieder einmal daran, durch einen gewagten Schritt allen übrigen Völkern voranszueilcn: sie wollen heiratsunterricht sür das Heranwachsende Geschlecht einsührcn. Pros. W. A. McKeever. der Leiter des Ktnderwohlsahrtsaintes der Universität von Kansas ist es, von dem dieser ei» wenig befremdlich klingende Gedanke stammt Tor Professor ertlärt aber ausdrücklich, Knaben nnd Mädchen hätten aiis Liebetstinterricht genau so gut Anspruch, wie ans das Erlernen des Schreibens nnd Lesens. Man soll den jungen Leuten Gelegenheit gebe», die Liebe kennen zn lernen. Wie er sich das im einzelnen denkt, ersährt man leider nicht: es ist zn vermuten, daß er richtige Unterrickitsknrsc sür diesen Gegenstand im Auge hat. Ter Professor steht übrigens in den Vereinigten Staate» nicht vereinzelt mit der Ansicht da, daß man die junge,, Leute österS baranf hinweiten n«ust. was daS heiraten für ein nützliches Ding sei. . Einer der Geistlichen in Kansas-City, Rco Dalton, hat den Plan des Pros. MeKeever bereits verwirklicht und in seiner Kirche etwas eingerichtet, das sich „Liebesfchnle" nennt. Ter Zweck dieser Einrichtung ist, die Anzahl der Eheschließungen i:i dem Svrengel zn erhöhen Bei einer Vcrsammlnng, die im Zusammenhänge mit diesem Liedes»,sterrschic stattiand, erklärte er rund heraus, jeder unvrrhri-atele Mann, der c.- im Alter von 24 Jahren ans ei» Eintommen von ."> Hl Mark nionallich • - also sür die Vereinigten Slao.eii nicht besonders viel gebracht hätte, habe die verfluchte Pili kn und Schuldi gkeit, sich zu verheil aten. und die glrickte Feilt fegt er für Mädchen bereits mit deni vollendeten Id Jahre feg, ohne weitere Bedingungen bin zuznfnge» Tatst,chlich soll er genug Schüler für seinen llnterricht zusammenvekommen habe», l, >d diese lernen nun, wie man eine Liebeserklärung inackit, wie ma» Geld span. Hausrat anschasst, kocht, Kinder pflegt, kur; ,wa-.> »mn zuni heiraten und Verheiratet sei» zu wisse» branckjt. Die Tätigkeit dieses Pfarrers ließ den Zeitungen de, gleiche» 2:adl seine Ruhe, und sie haben diesen merkwürdigen llnterricht wirtlich und wahrhaftig übcrtrofsen, in dein sie ihren Leserinnen eine Liste aller heiratslustigen Männe, der Gegend vorsetzten, aus denen alles Wissenswerte zn ersehen war: Veiinögen und Einkommen zunächst, dann auch die geistigen Eigenschaften und die körperliche Beschasscnheit. Man glaube aber nicht, daß jo seltsame Tinge ans die neue Welt beschränkt seien: ein euglitchrr Geistlicher hat den Amerikaner» alle wirklich brauchbaren Gedanken vorweg genommen und, tvie seinerzeit berichtet tvnrde, auch eine Art heiratSsckmle ausgeniacht, indein er die Schäflcin seiner Gemeinde zuin fleißigen heiraten anhielt und iortianfende Listen der heiratssähigen Männlein und Weiblein veröitentlickte. Dieser Geistliche, Reverend Grundy, Vikar von St. Peter in Brockley (in der Nähe von London), hal mit sei ne in Wirken tatsächlich^. Erfolge erzielt, und viele Leute, die durch seine Wirksamkeit zu Eheleuten geworden sind, sollen ihm Dank- vriesc geschickt haben. ' Die Indianer M e r l k o s. Tie augenblicklichen Schivic- rigkcilen PteelkoS find durch ei»«» loebc» altsgebrochenen Indianer- ankstand vennehrt ivorden. Sebr bedenklich ist, das, in de«» groneti Gebiete der Republik i» manchen Gegenden di« Jndiauerbevölkcrutig stark vorivkegt. Tirse Indianer stehe» vielfach noch au! einer niedrigen kulturellen nnd roirtleliakilichen Sticke. So wirlschaktc» die lieidnilchen Indianer iveitentle. euer Gebiete tLaeandoneS, Tara- humares, HnicholeS u. a.) nnd gar manche christliche Indianer noch last ganz in der allen vorkolumbischeu Weise; sie Hobe» dieselben Haustiere, Kultnrvfianzen und Kutlurinelboden. treiben Fischfang und Jagd wir früher, Handel nnd Verkehr find zienilich gleich geblieben, nnd mir die Benutzung einiger eisern r Werkzeiiae, die in kleinstem Vtaststo.be betriebene Zucht einiger c iig'übrier Hansliere erleichtern ihnen das Lebe» etivas. Bet ihrer BednrkniSlosigleit sind sie auch kam» »i nennenSwerien« Ntast« -Abnehmer von Waren verschiedener Art und, da fit zudem die Arbeit in Ircmten Diensten febeuen, scheiden sie als Faktoren der inerikanisckien Wtilschast last ganz aus. Tie g«oste Mehrzahl der ehr, lichen Indianer bat aber, nach Sapvers Wirtschacksaeogravbie vonMeriko, bereits ihre iv.rl- schaftliche Tätigkeit ivesent ich nichr von der euroväilchcti Kultur beeintlnsse» lasse», nnd ivenn a»ch in, allgemeine» Lebensweise und 'Ackerbau, stellenweise auch Handel nnd Verkehr noch so z em- lich im alten Stil vor fiel, gehen, so ist doch die Zahl der euro- väischcn Knllnrcleniente in ibier Wirlschall beieits iveientlich größer: wohl halten auch sie zumeist an de» alte» Kullurvstan en »nd Kiiltnrinelbode» lest, ivolst ist der allein «ebnr.^erte Truthahn noch immer ei» besonders kaustges Haustier bei ihnen: sie tiaben iioch lnnner vorzngSiveise d.e alten Speise» ntid Speisebereiliuig. iioch wird vielfach die alte indnstliette Tätigkeit geübt «'Mahlsten,- versertignng, Töperel, Spinnen und 'Ast'ben, Seilerei, toildi* flechten nsiv, »eben mancher »ene» nerhand«l verkauft (häufig von den Produieiiten selbst, aber doch haben sie, namentlich »u Ho land, ne» eingeiübite Nutzvtlauze» «nid Ha»s- lieie bereits in wesentlich größerem Plaste übernoninie». Slellcn- iveiie Heot inan auf geeigneleni Boden bereits die altertümlichen Ivaniicheti Hotzvflüge mit eiserner Pflugschar im Dienst vo» Indianern. nnd häufig haben k>e Esel oder auch Pferde und Plaul- tiere als Lasttiere im Besitz. Zndeiit find a»ch ib«c Vedürinlsse, insbesondere »ach Ackerbangeralen, besserer Kleidung, Nahrung tbe- sonderS Fleisch) und («et äuken (leider häufig Pnlqne oder Brantil- ivein) so groß, daß sie schon beaehteiisiverte Käuker von Waren sind, die sie durch ilner Hände 'Arbeit zurnckerstatlen solle». Ta sieh die Aibeitgeber in gleicher Weise wie in der spanischen Kolouial- zeil imö inanchmal inst ebenso skrnveltoS N'ie dainals beinühc», den 'Aib-iier tj>«»n nickst ans feinen Schulden be aiiskommc» zu lassen, so kan» leicht aus einem kre c» Indianer ein d'arch Sehnld- ve«hällnisse gebundener ständiger Arbeiter werden, ein llnistand, der sür seine Person bedalierlich, für die tebiinq der Produktion jedoch güuktn ist. Aber auch die nur gelegentlich in krcmden Dienst eintietendeu Indianer sind bereits »ginha!te wirlfchastliche Faltorc», während die zurzeit noch die Arbeit me wende tndianlsche Bevölkerung als Reierve für die künftige Weite, cntioicknng des Landes angesehen »'erden dars. * Sichere Einnahme. „Ich Hab« eine großartige Idee, wie wir das Budget ohne Anleihe decken können." — „Unb die wäre?" — „Ganz einiach: man besteuert den Tango!" Kesgraphische; verschiebt ätsel. Teiiulniusen — Nordsee — Fichtelgebirge — HeringS- dors — Bilsti — Baden — Tevlitz. Vorstehende Name» sollen derart nnlercitiander geschoben iverden, daß eine Buchstaben',estie. von oben »ach imtcu gelesea, den Namen eines bekannten Badeortes ergibt. Auslösung in nächster Nunimcr. Auslösung der Schach-Aiisgabe in voriger Nummer: l.I'6-kl I.kö-rst,: 2. Iiil-av beliebig. 3.1)s3-ffi| e7-f6f imb I..... I,f5-c4; 2. Df! -gl f I,e4-gi 3. cö-e6 Ive5-p4 unb Vlatt. l. . . I.I5-sr4; 2. Tü6-gf)f 1,7-gö: 3. llfl-fGy «743^ nnd Matt. I..... r,C> »4 2 nfi-irS-j- ii3-»2: 3. Tci-»4| Ktr»-c4f »Hb via«. Redaktion: K. N e u ra tb. — ittotaliouSdruck und Perlag der Brühl'schen llniversitätS-Biich- »nd Steiiidriickerei, 8t. Lang«, Gießen.