Ein Frühlingstraum. Roman von Fr. Lehne. (Nachdruck verbalen.) (Öortietuuifl.) Dann hatte sic wiem. yre Tage, a» denen sie ihren Gatten mit Zärtlichkeiten überschü.tete: ihm waren solche Ausbrüche zuwider', er sagte aber nichts, sondern duldete sie schweigend. Er küßte sie dann auch wieder und benutzte ihre Stimmung, ihr das Versprechen ab-unebmen, häuslicher All werden. Davon wollte sie aber nichts hören. „Du bist ein Pedant, ein Philister! Statt daß du dein? ichonc junge Frau ausführst, verkriechst du dich hinter den Ofen! Geh, Wolf, das ist nicht hübsch von dir!" — ES war eben alles ver> gebens! Gabriele hatte durch ihre Heirat mit einem Offizier aus altem, adligem Geschlecht eine bevorzugte Stellung gewonnen, die sie auch auszunutzen verstand. — Dolf seufzte tief auf. Wie anders hatte er sich seine Ehe vorgestellt! Manchmal glaubte er, verzweifeln zu müssen, wenn er über alles nachdachte — dann stürzte er sich mit noch größerem Eifer in seine Arbeiten, die ihm schon einen Namen geinacht hatten, damit er wenigstens für Stunden Vergessen fand, lind dann quälte ihn auch der Gedanke an Mary — er hatte nie wieder etwas von ihr gehört. Und nun wurde die Erinnerung doppelt lebendig in ihm, seit er wieder in der Stadt ivar, in der er mit seinem Lieb so selige Stunden verlebte. Bei Bergers auf dem Friedhofe war er auch einmal gewesen: aber sie wußten ebenfalls nichts. Ab und zu bekamen sie einen kurzen Gruß von ihr: aber den genauen Aufenthalt kannten sie trotzdem nicht, da die Karten stets den Stempel der Bahnpost trugen. — Sie lebte — das war alles, ivas er wußte. Die Uhr auf dem Kamin schlug sechs: es war Zeit, weiter zu arbeiten und dadurch die Gedanken an die Vergangenheit zu bannen. Wolf drehte das elektrische Licht auf »tnd vertiefte sich wieder in seine Arbeit. Da klopfte es; der Diener trat ein, eine Karte in der Hand. „Der Herr wünscht dem .Herrn Hauptniann seine Aufwartung zu machen." Wolf warf einen Blick auf die Karte; sofort sprang er ans, eilte nach der Tür und rief erfreut: „Aber natürlich, nur Herrin, alter Junge wo kommst du her, Strachwitz?" Und er schüttelte immer wieder die Hände des Freundes. „Sachte, mein Lieber! Erlaube, daß ich mich erst etwas vom Schnee befreie! Es ist ein Hundewetter - brr —" Wolf führte den Gast, nachdem dieser sich des Mantels entledigt, in sein Zimmer „nochmals herzlich willkom- >nen, lieber Strachwitz!" Mräitig erwiderte dieser den Händedruck. „Na, wie geht dir's? Doch gut, Wölfchcn? Und deiner Frau?'" „Danke, ebenfalls gut! Sic ist jetzt nicht daheim! — Nun nimm Platz, Detlev! Nein, diese Ucberraschung! Das hätte ich nicht gedacht! Wie lange haben wir uns nicht gesehen! Bitte entschuldige einen Augenblick!" Seit dessen Verheiratung-duzte sich Wolf mit dem Freunde. Er ging hinaus und kam nach einige» Minuten wieder herein, gefolgt vom Diener, der ein mit Flaschen und Gläsern besetztes Tablctt trug. Nun saßen die Freunde behaglich beieinander. Wolf schenkte ein. „Auf dein Wohl, Strachwitz!" hob er das GlaS gegen diesen. Mit Hellem Ton klangen die Gläser aneinander. „Ah — ein herrlicher Tropfen," sagte Strachwitz, nachdem er getrunken. „Nabt wahr?" lächelte Wolf, „darum Hab' ich ihn auch selbst geholt — an diesen Schrank lasse ich den Halunken von Diener nicht — ja, eine meiner besten Marken — Be entasteter Doktor Auslese! Hat doch die richtige Temperatur? Bitte, hier sind auch Zigarren. Nein, wie ich mich freue, Detlev, dich wiederzuschen! — Sag' nur, was dich aus deiner Wildnis in Ostpreußen hierher getrieben — und um diese Zeit?" „Ich hatte in Berlin zu tun und habe den Katzensprung nach hier gemacht, dich tviedcrzuschen —" „Wie gut von dir! Und sonst geht dir's gut?" „Danke, ja! Anfangs, als ich den bunten Rock ausgezogen, wurde es mir höllisch schwer, mich an das Landleben zu gewöhnen. Na, schließlich inachte es mir doch Spaß, besonders weil ich meinem Bater einen großen Gesal. .1 da- mit tat. Er wollte es doch gern, und seiner Ansicht nach hatte ich meine Jugend lange genug genossen und genügend Däuser verbraucht, daß es an der Zeit war, solide und ein nützliches Glied der Gesellschast zu werden! Na, so baue ich nun meinen Kohl und lebe schlecht und recht. Geselligkeit gibt'S dort im großen Stil; Langeweile empfinde ich nicht: nur manchmal die Einsamkeit — ich vermisse meinen Pater recht schmerzlich: ich danke ihm heut' noch, daß er mich damals aus dem alten Schlendrian gerissen — wie wäre mir's ergangen, wenn ich plötzlich vom Militär sortgemußt hätte, das Gut zu übernehmen, ohne einen blassen Schimmer von der Landwirtschaft zu haben." „Du schriebst mir vom plötzlichen Tode deines Vaters!" sagte Wols leise, „ich fühlte mit dir!" „Ja, so plötzlich Herzschlag! Am Morgen noch gesund und frisch abends schon kalt und tot!" Er versank in trübes Sinnen, aus dem Wolf ihn mit keinem Worte störte. Strachwitz überwand diese traurige Stimmung und sagte mit anderer, belebter Stimme: „Das ist also mein Leben! — Ach, weißt du, eS ist doch ein erhebendes Gesübl, eine eigene Scholle zu besitzen! Früher lebte ich gedankenlos in den Tag hinein war der Dienst zu Ende — so wurde gebummelt! Jetzt ist das anders! Da ha! jeder Tag seine bestimmte Arbeit — und ich lege selbst tüchtig mit Hand an. Sieh dir meine Hände an — sic sind :"cht so ganz wohl- gepflegt inehr! Kann auch nicht sein! Nr, schadet nichts! Weißt du, Ivas Ulcin Steckenpferd ist? Pferdezucht! Ah, du solltest mal meine Äoppel sehen! — Nun aber genug von mir! Erzähle mir, wie es dir ergangen ist! Im Briefwechsel sind wir beide keine Helden — da muß man sich schon selbst einmal persönlich überzeugen, ob der andere noch lebt!" „Mir?" entgegnete Wolf mit bitterem Lächeln, „wie d» siehst, gut — sehr gut sogar!" Und er warf einen bezeichnen^ den Blick durch das Zimmer, das in seiner stilvollen, gediegenen Pracht einen wahrhaft fürstlichen Eindruck machte. Prüfend sah Strachwitz den Freund an, dessen Gesicht gar nicht zu den Worten passen luoUte, er sagte aber nichts, sondern fragte weiter: „Und deine Frau? — Ah, das ist sie wohl?" Er stand auf und vertiefte sich in die Betrachtung ihres Bildes, das über Wolfs Schreibtisch hing. Sie sah sehr blendend aus in der eleganten, tief ausgeschnittenen Taille, die ihre körperlichen Vorzüge auss vorteilhafteste zur Geltung brachte — „ein schönes Weib!" sagte er. „Wird auch sehr bewundert — ist die schönste Frau hier." Eigentümlich trocken und teilnahmslos klang Wolfs Stimme bei diesen Worten, und wieder sah ihn Detlev prüfend an/ „Meinen Jungen sollst du aber sehen, wen» er von seinem Großpapa kommt," fuhr Wolf in gänzlich verändertem Tone fort, und der Vaterstolz leuchtete ihn, nur so aus dein Gesicht — „ein Prachtkerl! Leider habe ich ihn zu wenig, da er oft beiin Großpapa ist •—" „Das glaube ich, der tut ihm gewiß allen Willen!" „Ja, er ist riesig froh, daß wir ivicder hier sind! Du Iveißt doch, daß ich ein halbes Jahr nach meiner Verheiratung als Hauptmann nach M. verseht wurde — bis ich jetzt nach dem Manöver als Chcs der fünften Kompagnie iviedcr nach hier kam — zu Ulrichs und Ellas größter Freude!" „Und zu deiner nicht?" „Nein!" sagte Wolf gepreßt. „Und warum nicht?" fragte Strachwitz. „Es lebt sich doch hier ganz famos!" «Lols sprang aus und ging hastig ein paar Mal im Zimmer aus und ab. Dann blieb er vor dem Freunde stehen. „Darum nicht, weil mir hier auf jeden Schritt die Vergangenheit entgegentritt und tausend Erinnerungen wachrust, die ich in der Tiefe meiner Seele begraben hatte - ack> du ahnst nicht, Strachtvitz, wie elend mir manchmal zu Mute ist —" er brach ab und starrte düster vor sich hin. „Armer Junge," sagte Detlev leise, „die alte Geschichte noch immer nicht überwunden?" Wolf schüttelte nur mit dem Kopse, ohne etwas zu erwidern. „Kops hoch, Mölschen," redete Strachwitz zu, „Kops hoch! Was hat das Grübeln für Zweck? Wer weiß, ob sich d.re Kleine nicht längst schon getröstet hat - sie betrachtete ja damals die Sache schon von einem riesig vernünftigen Standpunkt aus —" Wolf wollte heftig etwas erwidern: jedoch legte ihmt der Freund beschwichtigend die Hand aus den Arm, „ruhig. Wolf, ruhigt-. Daß du dich noch so daruin grämst und den Aufenthalt hier scheust, finde ich, gelinde ge agt, höchst überschwenglich! Wenn ich so denken ivollte, ivic du hier ein Mädel geküßt und doch nicht geheiratet zu haben — dann dürfte ich keine Stunde da bleiben! Sieh, d» hast Frau und Kind - bist angesehen in der Stadt, bist der beneidete glückliche Ehemann einer schönen Frau —" „Glücklich?" lachte Wolf bitter aus - „glücklich? Viel leicht hätte es sein können — vielleicht hätte ich vergessen, wenn ich in meiner Ehe das gesunden hätte, was ich gesucht und erwartet habe! Aber wir beide, Ella und ich. verstehen uns durchaus nicht, und so geht jedes seinen Weg für sich!" „Aber sie liebte dich doch so leidenschaftlich?" „Das tut sie noch und bringt mich damit wie niit ihrer stets tviederkehrendcn Eifersucht fast zur Verzweiilnng. Aber erst kommt sic - erlaß mir, bitte, Näheres! Ich komme mir schon so erbärmlich vor, daß ich so von meiner Frau rede aber es In.: einem wohl, sich mal aussprechen zu können. Du kennst sie ja ebenfalls von früher her ivie Ivir sie danials bciirtfiften, so ist sie auch. Wenn ich de°- Jungen nicht hätte " „Steht es so ? lind ich dachte, du hättest dich eingelebt, du häklest dir deine Frau erziehen können — hast du mal etwas von der kleinen Winters gehört?" fragte Slrach- witz leise, „sic war ja damals wie vom Erdboden ver- schwu.den!" „Nein, Detlev," entgegnete Wols, „und das ist's, was mich so drückt, daß ich nichts, gar nichts von ihr weiß, wch sie sich aushält, was sie treibt, wie es ihr gehl!" „Es ist auch das Beste für Euch! Was hätte es für Zweck — sehen und sprechen könnt Ihr Euch doch nicht — wie ich Euch beide kenne! — Denke, daß sie sich ebenfalls vcr- 6 — heiratet hat — vielleicht -wirst du dann leichter vergesse»k Erinnerst du dich der kleinen Lisek noch, des „Sprühteufel- chens", Ivie Ivir sie nannten — du weißt doch, die hübsche Choristin? Denke, die ist glückliche, ehrsame Bürgersfran und Mutter — trotzdem ihr beim Abschied von mir das Herz brechen und sic sterben wollte! — — Jetzt lacht sic lvieder wie früher, daß die weißen Zähne nur so blitzen — voll Stolz zeigte sie mir ihren Bengel — sie, meine alte Flamme, war nämlich die grste Bekannte, die ich hier traf — sie ist die Gattin des Bäckers und Konditors Fritsch, gleich dem Bahnhof gegenüber. Ich war ganz dass, ivie ich sie iii^dem Geschäft sah, in dem ich mir eine Tasse Kaffee bestellte. Sichst du, am Ende steht dir auch mal solch ein Begegnen bevor - und nachher lacht Ihr beide über Eure Jugendschwärnierci!" Gutmütig suchte Strachwitz in dieser Weise zu trösten, ohne selbst so recht an die Wirkung seiner Worte zu glauben. Wolf sah zu traurig aus und schenkte dem Geplauder des Freundes nur halb Gehör. Mitleidig drückte dieser seine Hand. „Wölscheu, ich kenne dich ja kaum lvieder, so habe ich dich selbst in jener schrecklichen Zeit nicht gesehen! so teilnahmslos — so ergeben - Glücklich ist, wer vergißt, was doch nicht mehr zu ändern ist!" „Ach, Strachwitz, wenn ich das Mädchen doch nicht gar so geliebt hätte," stöhnte Wolf, „als ich sie ausgab, aufgeben mußte — vielleicht um eines Phantoms willen, — nein, die Ehre der Familie, des Naniens ist kein Phantom, nicht wahr, Strachwitz? — da ging das beste Teil von mir mit fort — sie war ein Stück meines Lebens! Und dann die vier Jahre meiner Ehe - solcher Ehe! das lilacht mürbe und stunipft ab — Strachwitz, ich bin ein einsailler, freudloser Mann!" Ein tiefes Mitleid überkam den Gast, als er den Freund so reden hörte und in das trostlose Gesicht desselben blickte. Wolf ivar lioch immer der schöne Mann ivie früher, wenn auch das Haar schon leicht ergraut lvar und das Grübeln und die heimliche Sorge manche Falte in seine Stirn gegraben und ihm schon ettvas von seiner Frische und Spannkraft genommen hatte. Der ernste Blick des großen dunklen Auges war noch ernster linb schwermütiger geworden vielleicht gelvann er dadurch noch an Anziehungskraft bei den Damen, die alle für ihn schwärmten und manche von ihnen hätte de» „schönen Wolssbura" rrrn getröstet, wenn er nur gewollt hä te und nicht gar so gleichgültig gegen das schöne Geschlecht gewesen wäre! „Aber Wolf, >oas -aß ich hören," schalt Strachtvitz, „spricht so ein Soldat? Du hast dein Los selbst getvählt nie!»Y nun, und wen., du wirklich unter einem Druck gehandelt hast ,so mußt du doch männlich dein Kreuz tragen. Was hilft denn das Grübeln und Stubcnhocken? Immer frisch ins Leben hinein! Wie gut hast du es gegenüber so vielen anderen — wie wirst du beneidet! Glaubst du denn, in vielen Ehen sähe es anders aus als bei dir? — Laß nur nicht den Kopf hängen, das paßt nicht zu dir! Du versündigst dich ja säst mit deinen Worten - denn >ver ein liebes Kind hat, dürfte !o etwas nicht sagen! Sieh mich) alten Junggesellen an — was hast du alles vor niir voraus!" „Ja, mein Sliitb, mein Hass» " ivie Sonnenschein glitt es da über Wolfs Gesicht — „und dn armer Jnng- geselle gar zu schlecht scheint dir die Einsamkeit doch nicht zu bekommen, siehst hübsch ivohlgenährt aus! Liegt es denn auch nicht in deiner Hand, dich zu verändern?" (Fortsevung tUflt) Per Anfang öcs Krtcocs von 1864- Am I. Februar IM'54 rückcen »00)0 P.engen und Oester» reicher gegen die 40 000 Dänen, die im südlichen Schleswig hinter den Danewerlen eine feste Stellung eingenommen holen, und erössneirn damit den deutsch-dänischen Krieg. Für Schleswig- Freiheit. das der neue Tänenkönig Christian IX. von dem „ewig nngeteilr" verbundenen Holstein losgerissen halte, zog der deutsche Bund ins ,0r!L, dem Holstein seit dem Wiener Kongreß angehörte. Ter Oberbefehlshaber des preußischen und des österreichischen Korps, die unter dem Kommando des Prinzen Friedrich Karl von Preußen und des Feldniarjchalleulnaius von Gablenz standen, war der Feldniarschall Wränget, einst ein schneidiger Rciter- sührcr, nun ober mit seinen 80 Jahren den Anforderungen eines solchen Krieges durchaus nicht mehr gewachsen. Mollke, der Ches des preußischen Gcneralstabes, hatte schon seit langem einen trre- geiischeii Zusammenstoß mit Dänemark ins Auge geiaßt und au» aenanestev Kenntnis der Verhältnisse heraus eine» Operalionsplan 70 •ntnwdcn. Ter Grundgedanke frtim Strategie, der sich dann bei Königgrätz und Sedan mit so überwältigender Qhrofwrtigfeit bewähren sollte, ist hier bereits angedeutet: „Nicht ein erster Sieg, sondern dessen rastlose Ausnutzung, eine Verfolgung, welche die scindlichc Armee vernichtet, bevor sie ihre gesicherten Ein- schtssungspiinkte erreicht, ist das anzustrcbendc, aber auch das allein erreichbare Ziel," Das dänische Heer, die einzige Macht, über die das Land vcrsügt, mus; in ivcnigcn Tagen kanipsunsähig ge macht sein. Dies ist durch keine Erstürmung der stark befestigten Stellungen, sondern nur durch Umgehung möglich. Am 3, oder spätestens >1, Tage nach dem Einrücken der Verbündeten in Schleswig soll ein .Korps bei Missunde oder Arnis über die Schlei gehen, um nach der Ostsee zu den Dänen den Rückzug abzuschneiden ; ein zweites Korps sührt das gleiche Manöver in der Richtung aus die Nordsee aus, und so werden die Dänen gleich in ihrer ersten Stellung erdrückt. Dieser geniale Plan erforderte rasches Handeln; aber dazu konnte sich der alte Wraitgel nicht entschließen, Ter Führer der Dänen, General de Meza, dessen milizartige Truppen sich ani besten hinter Schanzen verteidigen konnte», stand zwar am Tane- wcrk hinter gewaltigen, durch tiefe Moräste gedeckten Wällen, die beim Volke in Kopenhagen für unübenvindlich galten, aber er hatte mit der Deckung Missunde» und der Schlei eine überaus lange Verteidigungslinie, für die seine Streitkräfte nicht ausreichten. Ter schlaue Däne wollte daher nur so lange aushalten, wie es möglich war, und im letzten Angeirblick den Kops aus der Schlinge ziehen, um sich aus das zweite Bollwerk Dänemarks, die nicht ininder starke Schanzcngruppc der Düppeler Hoheit, zurückzuziehen, Wrangel, der am 31. Januar mit dem Telegramm „In Gottes Namen draus!" den Angriff besohlen hatte, Ivich gleich zu Anfang in einem entscheidenden Punkte von Moltkes Plan ab und unterliest das Umgchungsmanöver, weil er sürchtete, seine Kräste zu sehr zu zersplittern, Prinz Friedrich Karl sollte zunächst die Schanzen von Missunde erstürmen, dann nach Glücksburg und von dort nach Düppel marschieren, wobei aber der alte Herr an die Existenz des dazwischen liegenden Flensburger Meerbusens nicht dachte, Aitch erwog er nicht, dast die Preußen durch den Angrisf aus die feste Stellung sehr aufgehalten werden würden, und als Prinz Friedrich Karl dann am 2, Februar nach einem heiligen Geschützkamps bei Missunde keinen Erfolg errang, unterstützte er ihn nicht, um nicht sein Zentrum zu schwächen. So ging denn das erste Tressen durch Wrangels übertriebene Vorsicht den Pr,nisten verloren, obwohl Prinz Friedrich Karl als kluger Feldherr in den Seine» das Gesüh! aufrecht zu erhalten tvußte, sie hätten keine Schlappe erlitten Die Oesterreicher aber griffen atn folgenden Tage tapfer die Höhen vor den Schanzen des Danewerks an, trieben den Feind aus dem Dort Jagei und dann ans dem or Cr er cif i g! nzen en aj net ang if e h rau, und erstürmten den mit Schnee und Eis bedeckten Königshügel, Wrangel war auster sich über diese Erfolge der befreundeten Rivalen und dachte nun daran, die von schweren Geschützen starrenden Schanzen zu stürmen. Durch das kühne Vorgehen preußischer Kundschafter stellte man fest, das; der überschwemmte Morast zwischen den Wällen gefroren und daß das Eis tragfähig sei, Ter Frost vernichtete so den Schutz, den die Walser gewährten, General de Meza erkannte wohl diese kritische Lage; er wollte das einzige Heer, das das Land besäst, nicht aufs Spiel letzen, und ordnete nach einen; Kriegsrat am Abend des 4, Februar den Rückzug an, der ihm sreilich von der aufgeregten Menge des dänischen Volkes lchiver verdacht wurde. Es gelang den Dänen, am 5, Februar zu entkommen; sie liesten 110 schtvere Kationen in beit Tanewerke» zurück und büßten dann während des Marsches noch 20 Feldgeschütze ein. Ihnen schwere Verluste beizubringen, wurde versäumt, Tie Verbündeten merkten wegen ihres schlechten Vorposten- und Meldedienstes den Abzug zu spät, und die Oesterreicher konnten am 6, dem weichenden Gegner nur noch bei Oever- see ein siegreiches Rückzugsgefecht liefern. Prinz Friedrich Karl aber, der, unterstützt von seinem Stabschef Blumenthal, die Umgehung »NN doch noch aussührte, vermochte durch das Zögern Wrangels den Uebergang über die Schlei bet Arnis erst am t>, Februar zu vollziehen, und auch die verziveisclten Gcivalt- märsche, die er dann unternahm, um die Dinen noch einzuholen, halten nur die völlige Erschöpfung der vreustischca Vataillonc zur Folge, während die Dänen glücklich in die Düppeler Schanzen gelangten. Moltle in Berlin >var ossiziell votl den ganzen Operationen ohne Kennu,is gelassen worden. Oberst Blnmenrhal aber rechtfertigte seinen Ovcraiionsptan, wenn er ihm privatim als Ergebnis dieses ersten Aktes des Feldzuges schrieb: „Es sind wohl nur wenige Menschen imstande, einen cinsachen Gedanken ebenso einsach änszusührcn. Die dänische Armee tut uns den Gcsallc», sich so auiznstellen, dast wir sie durch eine Umgehung in die schlimmste Lage bringen können; statt dessen renne,; wir an der stärksten Stelle so energisch gegen sic an und machen ihr so bange, hast sie bei Zeiten zum Rückzug bläst," Während so die Strategen mit Recht unzusrieden waren, riet der rasche Fall des sür uneinnehmbar gehaltenen Danewerks beim Volke einen gewaltigen Eindruck hervor: die Dänen waren wie betäubt und schrien über S8mr*t: in Deutschland herrschte Jubel und Begeisterung, Das deutsche Norinalmeter. bve. Es ist das Verdienst der französischen Revolution, ein Ein- heitsniast geschähet; zu haben. I»; Fahre 1700 beschloß die französische Nationalverlammlimg, das; künltig in ganz Frankreich der zcliinuillioitste Terl des Erdgundraute,;, d. h. des vom Pol bis zum Aegnator reiche;,den Bogens, als Längeneinheit zu gelten habe. Nach sorgfältigster Messung dieser Strecke wurde ein Urmast an» gelerligl, ein Platinslab von 25 um, Breite und 4 mm Dicke, dessen Länge genau der gewählten Länge entsprach. Dieses Urmast erhielt dann den Namen .Meter". Ein genau nach den, Pariser Urmast angelertigter Meterstab bildet das gesetzliche Grundmeter kür das Deutsche Reich. Eine n;it der peinlichüen Genauigkeit hergeltellte Wiederholung dieses Grnndmeters befindet fick; in der Physikalisch-Technischen RcichS- anstall in Berlin. Diele Reichsanstalt beschälligt sich neben nur der Wisseuschalt dienende,; Uutersuchuugen auch mit der Prüfung von Erzeugnissen der Industrie und Tech,;;k. Da wird gerade von einer Fabrik ein metallener Melerstab eingeschickt. Er iit dazu bestimmt, als Grund,„ah sür alle, auch die feinsten Messungen des Fabriklaborotoriinns zu dienen. Durch Vergleich mit de,n Grund- ineler der Reichsanstalt kann nun „och eine Abweichung um den tausendsten Teil eines 'Millimeters sestgestellt werden. Ein Apparat, besten mcseutliche Bestandteile zwei Mikroskope bilden, wird zunächst so a;,s das Norinalmeter eingestellt, dast beim Durchichanen durch die Alikroskove die beiden überaus feinet, Endstriche des Mekermastes zu seben sind, d, h, dast also der Abstand der beiden Mikroskope von einander genau l w beträgt. Jetzt wird an Stelle des Grnndmelers der Prüfling „nteroelegt und zwar so, dast einer seiner Endsliiche genau „„ er die Mtttelackise des einen Mikroskops zu siehe,, komint. Fällt nun de; andere Endstrich austerhalb der Piittelachse des zweiien Mikroskops, da,;n stimmt sein Maß „lcht mit dem gesetzlichen Grundmeier überein. Das z,veite Mikroskop wird mit Hille einer nngemem feinen Mikrometer- schranbe (o weit verschoben, bis feine Mittelachse de» !chlerha>ten Endslrich des Prüflings trifft. An der Mikromelerschranbe leien wir dnnn einlach ab, um wieviel Hundertstel Millimeter der Pri;s- >i»g nicht slimint. Diese langwierige Messung erfolgt unter allen nröglichen Porsichisinaßregel;,. Bekanntlich dehnen sich alle Körper beim Erivärmen aus. So verlängert sich ein Metersiab aus Platin-Iridium bei Erhöhung der Temperatur von 0" b,S 80° 6 in» 0,2611 wm, ei» solcher an« Messing gar schon nni 0,541 mm. Bei unserer Messung must desholb alles, was irgendwie Wärme ansstradlen könnte, sorgläliiq ansgeschallet iverden. Sie gehl ln einem ganz verounkelte» Zimmer vor sich, in dein alle Wände tiel- ftzivarz augestriche» find. Ganz abseits in einer Ecke brennt eine Nernlllamve, Ihr Licht fällt jedoch nicht direkt ani die Metermaße, denn so würde» ja mit den Lichtstrahlen auch Wärme- strahlen daraus treffen. Der Lichtschein ivird deshalb durch eine Reihe von Spiegel», die fast nur Lichtstrahlen znrnckwerkeii, zum Mestavvarat geleitet, um dort die Endstriche der beiden zu vergleichende» Stäbe zu betenchte». Roch eine andere Wärmequelle ist ebenfalls zu berücksichtigen: der Körper des Beobachtenden leibst. Die vo» ibm ansstrablende Wärme wäre wohl iinstande, eine verschiedene Läuqeiiänderniiq der beiden Stäbe und somit ei» tm* genaueS PrüsnngSergebuis z» verschulden. Wen» es sich deshalb um Messungen handelt, bei denen es wirklich aus tausendstel Milli- meter ankoinint, legt man die Maststäbe sür eine halbe Stunde in ein Becken mit fiießendeni Wasser von gleich bleibender Tempe- rat»r. Während die'er Bades nelunen auch die beiden Stäbe eine völlig gleiche Teniperatur an. Und dann kann man wieder messen, durch das Master hindurch ist eine Wärmebeeiiifliissiiiig nicht mehr zu befurchten. _ vermischte». * Der neue .Graf v o » Monte Christo'. Ans der seltsamen Jugend des eben im Alter von 94 Jahre» verstorbenen Lord Clrathcona tauche» allerlei Erinnerutiget, auf. Der „Orand Old Man of Canada“ ging aus den bescheidensten Verhält- »i fielt hervor, Cr begann als Pelzjäger in der alten »nd sehr reichen Hndfo» Bay Company. In der arktifchen Wildnis von Labrador ivnrd« er dnrch drelzebn lange Jahre großer Strapazen niid Cntbehrnngc» der beste Pelzkenner »nd der gewiegteste Händler unter dein ans Mischlingen, Esklnios und Indianer» znlamineil- gewnisetten Jägeivolk, Er kanlle die Pelze gegen Glasperlen »nd Znckern'erk, und bei dielen Gelegenheiten vollbrachte er die ivage» halliqsle» Touren perSki oderKanoe. Als er einmal von Schnee- ! lindheil bedroht ivar, machte er eine 500 Ale!len lange Fahrt nach Pionlreal nick dein Hundefck litten, um sich dort operieren z» lassen. Als sie vollzogen war, bestand er gegen all,» Rat an! der Rnck- feliv. Seine drei Indianer sagten ibm, es sei »»möglich, er tat es aber dennoch. Tic drei armen Kerls starben alle nnterivegs, er aber kam allein und geheilt in seiner Schiieewlldnt; an. Später nannte >»a» ih» den König des Pelzbnndels. Er war es auch, der der Coinvany empfahl, die .Discovery' zu kaule», Kapitän ScoliS altes Schiss. Sie bekam es für ei» Bntierbrok, »nd für ihre Zwecke war eS lehr geeignet. I» letzter Zeit hat sie sich den Zeitläuften angepastl und ein Motorboot gekanlt. Demi der Pelzbandel der (>. B. C. ist noch lehr bedeutend. Eie war schon auf dem Platze, ehe »och die Jelnileninilsioiiare erschieiie». Deshalb mag wohl ein Jäger, als man ihn Iragle, was die Buchstabe» H, B, C. bedeutete», 90 flMutiooitei haben: $>(iu) Bievor) Lshristus). Zn schien zahlreiche» Naiueu iügle Lo,d Slralhcoua anch de» des .Grasen" Hinz», lat kan, (ci. Cr halte sehsii die Armen van Aberdeen ge- svetsl, rbensa «vie die Ctttdenlen. Nnu ivollle er auch »och die Allen Denen zt, Galle laden: es slelile sich aber Iw«»?, da» die Zadl derer, die der Euiladuua «olateu, sich a»> 50o>> delics. Lord Strathco,«a erschrak ntchi. .Man «u»ß enie» Saal bauen", saqle er. Mau bnmc eine», man schickte Erliaziige von London mit allen, Z otigen. >n>d die 50 0 setzten sich z» einem der nelnuaeulieu Gnsluiähler nieder, die je geachcu wurden. Ter Abend koilele ihn INOOK Äk., und man gib iin» iulolgedesteu den Lvitznau«c» .Gros", nämlich .Gras van Maule Chiislo". Lei» eigentlicher via nie «var T onaid Sunih. — Tor Begräbnis des Tangos. Ter Tango kann sich begrobru teilt»: ihm droht endgültig der Untergang durch einen neuen Tanz, die „Innovation Gavotte", die nach einer Meldung aus Neivpork ungeheures Aussehen rrregl Kat. Tie Gavotte wurde zum erstenmale in dent Dause des Mr. Fish getanzt, der zu den oberen Zehntausend gehört. Zu dem neuen Tanz wird Tangonrusik geschickt. Er besteht aus winzigen Pas und Pirouetten. Tie bekanntesten Newnorker Tanzlehrer, Herr und Frau Caslle, tanzten dir neue Gavotte der Gesellschaft vor und fanden bet allen Anwesenden großen Beifall, weil sie einen graziösen, vornehmen Eindruck machte. Die Caslle» tanzten die Touren zweimal hintereinander und brachten sie daraus der Ge- selischast bei. Tri Tanzlehrer wnßre für dicfc neue Erfindung noch keinen rechten Namen. Ae Gäste waren in deni Ersinnen geistvoller Bezeichnungen erfinderischer und schlugen allerhand ergcnarttge Namen vor. ..Psaucnrad" sollte der Tanz heißen, Tonchleßtango oder ButtcrslN glide (SchmetterlingSflngi- Mr. Fishs Tanz konmrt nach Amerika zu einer sehr günstigen Zeit. Der Tango ist von der Kirche verurteilt und wird auch sonst viel an° gefeindet. Er fängt an, gesellschaftlich tot zu sein und man braucht einen neuen Tanz. Dieser mutz etwas Weiches, Gleitendes, AnmuttcieS, Würdevolles haben, und dies alles besitzt gerade die neue Erfindung. Man hat Fish selrr viele Glückivünscbe übcr- mittcll, und die Zeitungen meldete» Ende voriger Woche unter den letzten Nachrichten: das Leichenbegängnis des Tangos. Herr und Frau Caslle, die noch gestern in Neivyork für den Tango Reklame machten, zeigen heute an: Tango und Turkeh-Trot sind eudgüliig zu gewöhnlichen Tänzen geworden. Deute lernt man nur noch ,,Jnnovatton Gavotte", die Amerika in wenigen Wochen und Envopa »och vor dem Sommer erobern >vird." Id. Das Torf an! der Eisenbahn. Umzüge macken rtns bekanaliieh viel Sor e und Mühen, besonders wenn es nach anherbaih gebt z«»d alles sorgsani verpackt werden uiuß. Den Amerikaner» stnd ste eine äleunqketliiinast Haben sie ein ganzes Tori von über 800 Einwohnern aui die Eisendahn geladen, und zwar nicht nur die Möbel, sondern Däuser. Kirche und aller! Dies unerhörte Erlebnis Halle der kleine Ort Dragon, der von Colorado nach Utah, also von einem Staate in de» a,«deren, «eilen muhte. En« Gesetz — Emzeldeiten hierüber iiitha teil die vorliegenden Nachrichten niiit — verlmigie diese,, U,nzng und liest den Bewohner» nur eine kurze Zeit zur AuSiülirnng. Dar,««» ging «mm mit aniertka nschsr F>rinkci! vor. Es «vuree ei» Tag für den llinzng tellgifctzt: Däuier, Läden, die kleine Kirche, alles «vurde aut Elsenhahnwagen verlade» und 15 Rilomcter «veil nach der netten C'tmiat »elabren Das ganze Tori brauchle da«» nur ein vaar Tage. Zivei der Torchewolmer sind bei dieser Beilahuiig ntchi einmal aus ihren« Dause heransgegangen, sonder» haben sich mit ihrer Wohnung ninzichen lasten. kf. SBie lange können Bazillen ans Fliege» leben? Immer ne««e gelähiliche Seilen der lästigen Sinben- fliege iverden entdeckt. Die .Ratnre" tvct't jetzt dara««> hin. da» ««ach den llntersuchttnae«« emeS ArzleS, Dr. Beresost, die Fliege anch dann noch als Ueberiräger von iirankheiteu sehr geiährlich ist, «vein« ste überwintert hat oder gestorben ist. Bercloff bat dar- aulbln «ine ganze Reibe von Fliegen und Fliegr««leichen nnler- sncht. Wenn di« Fliege aus dc«n Winlerfchlae erivachi, enthält ihr Tarinkanal noch immer eine grobe dluzahl von Kleinlebewesen, die vollständlg iebenskrättig stnd und daher zur Erkrankung von Mensche» beitragen rönnen. In mehr als 150 Fällen Hat Dr. Beresost Kleinlebewesen der verschiedensten Art, Harmlose, sowie auch Erreger von In'cklionSlraukHeiien, angelrossen. Stirbt die Fliege, so Hai das an! den Inhalt ihres T,>rmkaucils iveniq Eiu- flub Bei der Uliiersuchnng von FliegenlciD», d,c bereits halb veitroekiiet ivaren, konnle Dr. Beresost «eslstelle,«, dab die Insassen de« Darinknnals der Fliege, die Krankheitskeime sowie andere lUelniebcwcsen, Hierdurch so iveniq inilbclroffen ivaren, «nie es in der nderwinteniden Fliege der Fall «var. ^ " Zur künstlichen Winterfütterung der Büge ist die Herstellung fester Futterküchen sehr zu empfehlen. Drei Teile Sämereien (Mohn, Dam, L»afcr, Sonnenblumenkerne usw.s ferner geriebene semincl, Fleischsttickc, getrocknete Dollnnderbccren usw. werden mit zwei Teile» zerlassenen Rindertalgs zusammengeschmolzen. Tic heiße flüssige Masse giesst man in Formen von nicht allzudickcn, länglichen Futtersteinen, die dann in die Futterkästen gelegt werden. Witch und Wetter köniten dieses Futter nicht zum Verderben bringen, und das Fett ist als wärme- erzengend den Vögeln willkommen. Bis aut den kleinste» Rest wird dieser Talgkuchen verzehrt, während sonst von dem lose hingestreuten Futter ein großer Teil zu verderbe«« vfleqt. Ein besonderer Nutzen der Futterküchen ist „och der, daß Jnsekten- nnd Fleischfresser, ebenso wie Körnerfresser an ihm sich gütlich tun können: für alle ist das Tischlein gedeckt. Das Hinstelleir von erwärmiem Wasser ohne fest darüber liegendes weitmaschiges Drahtgitter ist gesährlich, weit sich sonst die Vögel darin baden und nachher sters frieren und dann unrkvmme». Mchertisch. ,— Parsifal. Aiischließcnd an den Streit für- und ivider die Freigabe Parsisals bringt im neuesten Desto der „Bühne und Welt" Ernst Adolf Greiner einen beachtenswerten Aussatz, der in sachgemäßer, scharfsinniger Weise den Enbvicklnngsgang des ganzen Streites beleuchtet und der die Parsisalsragc zuni Anlaß einer grundsätzlichen Erörterung über den Schutz des geistigen Eigentums nimmt. In seiner starken An dürste die er Aussatz ein wertvoller und sehr beachtcnsiverter Beitrag zur Beleuchtung de» Problems sein. Fm selben Decke findet sich eine Studie Egbert v. Fiankenbergs über das „Ballett". Der Verfasser gibt darin einen Uebrrblick über die Entwicklung des Balletts, um zum Schluß die Folgerungen zu kennzeichnen, die unsere Bühnen aus den Tanzideen der neuen Schulen, wie Dunkau, Talcrvze usw. zu schließen haben. — Friedrich Nietzsches „Ecee Homo" unterzieht Dans Wendclin einer historischen Würdigung. — Aus dem übrigen Teil sind die Parsisal-Berichle, Ernst Ritters Aufsatz über Na- pvleon-Tramcn u. a. noch hervorzuheben. — Skizzen 8. von Frankenbergs (Battettstudieii) sind dem illnstriertrn Teil bergegeben. — So nn c n bru t. Roman von Olga Wohlbrück. (Eoncordia Deutsche Verlags-Anstalt, G. in. b. D. in Berlin SW. 11.) Brosch. 5 MI., gebunden 6 Mk Ein starkes, ungewöhnliches Problem behandelt der Roman, der das letzte Kapitel au» der Geschichte eines gräflichen Dauses ist: das Spiel von Leidenschaft und Liebe in dem großen Kamps, de» Gesetze und Pslichlen al eil Adels mit der Stimme des Blutes und mit lenem sckntankcu- loscn IndividualiSmns aussechlen, der den Untergang der Persönlichkeit bewirkt und der ans der eigenen Brust, dem cigeiien Blut, nicht von außen her, seine zerstörenden Kräfte hervorholt. Die alte Ezzcllenz, fast schon Mumie, ioacht über Sohn und Enkel als die letzten sprossen, nachdem der Sohn endlich hcimge- kchrl ist, der in der Provence ein echte» Kind des heißen Landes geheiratet, sich aber bald wieder von der Frau getrennt hatte. Beider Sohn, der letzte der Grasen, wächst nun, bedrückt von der väterlichen aristokralischcn Allmacht, als Lcbcnsnörg er ans, bis er in der Tochter eines Bildhauers seine Rettung finbet. — Velhagen ir. Klasings Volksbücher. (Preis jedes Bandes 60 Psg.) Tausend Jahre sind verslossen, seit Karc der Große in die Gruft von Aachen stieg, und staunend bemerken wir, wie sei« gewalliges Bild noch immer in unsernk Volke lcbl und wirkt. Was der Kaiser uns heute noch ist, zeigt das vortreffliche Buch von Tr. Ernst Güldemeistcr, das in der bekannten illustrierten Srrnunlung von Velhagen u. Klasiugj Volksbüchern erschienen ist (Verlag von Velhagen u. Klasing, Bielefeld und Leipzig). Gleichzeitig mit diesem rücken noch einige andere der schtnucken 60-Pfcnnig-Bändchen aus den Plan: unsern größten niederdeutschen Dichter Fritz Reuter charakterisiert Walther tzöohl: ein Bild von Papa Daydn zcichncl Gustav Thorniälius: die besonders gut ausgestatteten Künstlermonvara- phien der Sammlung vervollständigt der Essad Tr. Georg So« botkas über Guido Renr. Altägyptische Hieroglyphen. Jede? Bild bezeichnet den Ankangsbuchstabe» ieities Namen?, z. B Sonne — s, Glas — g ic. Tie Vokale sind zu ergänzen.) Auslösung in nächster Nunnner. Auslösung des Rätsels in voriger Nummer! Wien, cktzetn. Redaktion: K. Neurath. — Rotatiousbruck und Verlag der Brühl'schcn Universiläiz-Buch» und Steiudruckerei, R. Lange, Grcßen.