Ein Frühlingstraum. Roman von Fr. Lehne. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Wolfs Augen ruhten fast unverwandt auf dem süßen, blassen Antlitz des Mädchens nnd auf den weißen, zarten Händen — einmal entfiel ihnen eine Feder: unwillkürlich bückte er sich, sie auszuheben, was ihm einen hochmütig verwunderten Blick seiner Braut, sowie einen leiscit Dank, den Mary mit niedergeschlagenen Augen sprach, eintrng. „Hier, gnädiges Fräulein," sagte sie da eben zu Ella, „hier habe ich etwas ganz Apartes und Neues — " sie zeigte einen entzückend duftigen Hut, der ganz aus Tüll, Spitzen nnd zart abschatticrtem Flieder bestand, „ist der Hut nicht wundervoll? Er würde ausgezeichnet zu jenem Zweck passen ■— ist erst gestern fertig geivorden!" „So, meinen Sie? Ich finde ihn einfach scheußlich," entgegnetc Ella hochfahrend, „>vo haben Sie nur Ihren Geschmack, Fräulein? Der Hut sollte zu meinem Kleide passen — der Flieder — lächerlich!" „Zu einem cremefarbenen Spitzcnkleidc paßt er meiner Ansicht nach sehr gut," entgegnetc Mary ruhig. „Das ist sehr gut — Flieder zu Türkisblau! Na — Ihr Geschmack," lachte Ella boshaft. „Verzeihung, ich wußte nicht, daß das Spitzenkleid mit Türkisblau verbunden ist! Man könnte aber den Flieder durch andere Blumen ersetzen: ich würde Veilchen sehr apart finden." „Ah, ich sehe. Sie wollen den Hut durchaus verkaufen nnd versuchen nun, ihn mir — " „Nein, nicht im mindesten: er ist auf Bestellung Frau von oer Mülbcs gearbeitet, die ihn zu einem Gartenfest haben wollte. Er ist aber teurer gekommen, als ausgemacht, deshalb hat Frau Hauplmann die Annahme verweigert: wir haben ihn zurückgenommen und ich habe schon etwas anderes für die Dame in Arbeit." ^ „So, was kostet der Hut?" forschte Ella. Sie mochte Frau von der Mülbe nicht leiden, weil sic genau wußte, daß die vornehme junge Frau nicht sonderlich günstig über sie urteilte — nun wollte sie einen Trumpf ausspielen und den Hut nehmen, um so mehr, da ec ihr so außerordentlich gefiel — aber diese hochmütige Verkäuferin sollte erst noch etwas gcdcmütigt werden. „Wir würden Ihnen den Hut billigst mit 55 Mark berechnen — eigentlich kostet er 60 Mark!" „Das ist ja ein lächerlicher Preis — fast geschenkt! — Wieviel wollte Frau von der Mülbe dafür zahlen?" „Das weiß ich nicht: Frau Gündcl hatte den Hut mit ihr besprochen!" versetzte Mary ruhig und bestimmt. Gabriele wurde rot: sie biß sich auf die Lippen nnd wandto sich an ihren Verlobten, der bis dahin kein Wort gesagt, nur die beiden Mädchen miteinander verglichen hatte nnd mit peinlicher Empfindung sah, wie hochmütig Ella gegen Mary war — „nun, Liebster, sag, wie gefällt dir der £>ut?" „Ausgezeichnet! Aber ich möchte doch erst sehen, ob er dich auch kleidet," entgegnetc er. „Da hast du recht, Wolf! Dann sehe ich auch gleich, ob ich dir darin gefalle!" Zärtlich sah sie ihn an, während Mary ihr beim Probieren behilflich war. „Gott, seien Sie doch nicht so ungeschickt, Fräulein, Sie tun mir ja lveh!" herrschte Ella Mary an. Diese wurde dunkelrot, sagte aber nichts, während Wolf sich gepeinigt wcg- wandte. „So, bitke," sagte Mary, Gabriele einen Handspiegel reichend, die sich mit dessen Hilfe in dem großen Spiegel aufmerksam betrachtete. „Nun?" fragte sie ihren Verlobten erwartungsvoll. „Du siehst sehr gut darin aus," war dessen ansrichtige Antwort, „nimm ihn, dann bist du deiner Sorge ledig." „Du hast gut reden, Liebster, weil du es nicht verstehst. Ich bin nur noch nicht ganz schlüssig —" „Der Hut kleidet Sie ausgezeichnet, gnädiges Fräulein, ich würde Ihnen raten, ihn zu nehmen! Die Blumen würden wir durch andere ersetzen; da würde schon Rat geschafft werden!" „Haben Sie denn nun weiter nichts? Sie verstehen — Sie wollen mich wohl gar nicht verstehen, Fräulein? — Ist denn Frau Gründel noch nicht zurück?" „Wenn Sie gestatten, werde ich Nachsehen." „Aber selbstverständlich — eilen Sie — wir haben nicht viel Zeit." Das Brautpaar war einen Augenblick allein. „Wie findest du nun diese arrogante Person?" fragte Ella. „Ich finde sie bescheiden und höflich! Du scheinst aber sehr schwer zu befriedigen zu sein. Ich finde, daß dir der Hut ausgezeichnet steht." Gabriele lachte gereizt auf. „Wirklich, weil das dumme Ding es sagt, sprichst du es nach! Von einem hübschen Gesicht laßt ihr euch gar gern bestechen, wenn auch kein Funken Moral dahinter ist — und wir Damen müssen uns von solchen Personen bedienen lassen. Dieses Mädchen z. B. weiß ich genau, hat ein Verhältnis mit einem jungen Offizier gehabt, der ihrer überdrüssig geworden —- jetzt hat sie längst schon Trost in den Armen eines anderen gesunden. Ich habe einen Widerwillen vor der Berührung mit solchen Geschöpfen, und doch ist man darauf angewiesen." Dabei sah sie ihren Verlobten unverwandt an, während ein boshaftes Lächeln ihre Lippen schürzte. Wolf hielt eine verächtliche, zornige Antwort zurück, er zuckte nur die Achseln und sagte: „Für mich hätte es an deiner Stelle zu wenig Interesse, so etwas nachzusagen — wer weiß, ob es wahr ist! Solch armes, auf sich selbst angewiesenes Mädchen hat ebenfalls seine Ehre!" „Du bist ja ein warnier Fürsprecher für die armen Mädchen" sagte sie hohnvoll, „zufällig weiß ich es besser — meine Friseuse kennt diese Person und ihren Lebenswandel ganz genau, da sic im selben Hause wohnt — " sie hielt inne. 70 da Mary mit Frau Gründel zurückkam. Letztere begrüßte Gabriele mit einem Wortschwall und der Versicherung tadelloser Ausführung. Gabriele entgegnete kurz: „Das will ich hoffen: leider will mich Ihre Direktrice gar nicht verstehen! Auch mein Verlobter i|t darüber ungehalten." Wolf öffnete den Mund zu einer Erwiderung er sagte aber doch nichts: was hatte es auch für Zweck gehabt! „Aber Fräulein Mary — ich sollte doch meinen, daß Ihnen der Geschmack das gnädigen Fräuleins genügend bekannt sein dürste," sagte Frau Gündel tadelnd zu dem' jungen Mädchen. „Bringen Sie doch mal die vorn aufgeschlagenen Hutformen, sowie das fertige Modell davon her. Warum haben Sie dem gnädigen Fräulein den roten Huk nicht gezeigt? Das iväre so etwas!" „Ich meinte doch nicht! Fräulein Ulrich würde ihn nicht tragen! Er ist zu ausfallend." „Sie haben gar nichts zu denken! Eilen Sie!" — Mary gehorchte, dann sagte sie: „Frau Hauptmann von der Mülbe ist soeben gekommen: gestatten Sie, das; ich einige Augenblicke nach dem Laden gehe?" „Ist Fräulein Hannel nicht da? — Ja? — Nun, dann ist Ihre Anwesenheit nicht nötig dort! Sie sind übrigens Direktrice und keine Verkäuferin mehr. Also bleiben Sic: nötigenfalls werde ich selbst gehen." Frau Gündel lieh wohlweislich Mary nicht gehen, da sie die einzige war, die bisher Gabriele zu deren vollster Befriedigung bedient hatte; in den verflossenen Jahren hatte die verwöhnte Bankierstochter stets etwas an ihren Hüten auszusetzen — aber Mary hatte es verstanden, deren Geschmack Rechnung zu tragen. Sie war ihr Überhaupt unentbehrlich: Mary war bei all den vornehmen Damen, die sie zu ihren stunden zählte, wegen ihres bescheidenen, seinen Wesens und wegen ihres ausgezeichneten Geschmacks sehr beliebt, und alle wollten nur von ihr bedient sein, trotzdem sic eigentlich als Putzmacherin und nicht als Verkäuferin verpflichtet war. Frau Gündel wußte genau, welche große Hilfe und Unterstützung ihr in dem jungen Mädchen zur Seite stand; deshalb war sie auch sehr ungehalten, daß Mary ihr zum 15. August gekündigt hatte und trotz aller lockenden Versprechungen durchaus nicht bleiben ivollte. „So, gnädiges Fräulein, hier das Allerneueste — diese ausgeschlagenen Formen kommen eigentlich erst so recht zum Winter auf." Mit diesen Worten zeigte Frau Gündel die neuen Fassons und den roten Hut, der Wolf schon vorhin ausgefallen war. ^,, Fräulein Kaiser, unsere beliebte Naive, hat für das neue Stück, in dem sie die Hauptrolle spielt, zwei in der Art bestellt! — Ist dieser rote Hut nicht ent ückeud ap rt? Fräulein Mary, setzen Sic ihn mal auf, damil oas gnädige Fräulein die Wirkung besser sieht." Mary tat wie ihr gesagt, und sah wohl etwas fremd, aber reizend aus in dem großen Hut, der das zarte, schmale Gesicht noch mehr hob. „O ja, der gefiele mir ganz gut —" sagte Gabriela etwas zögernd, sie war sich selbst wohl »och nicht ganz klar über ihre Ansicht — „was meinst Du, Wolf?" „Wenn ich offen sein soll," entgegnete dieser, — „er mißfällt mir sogar; er paßt wohl für eine Schauspielerin, nicht aber für eine Dame." „Aufprobieren möchte ich ihn doch mal," meinte Ella, — „«ei», nein, Fräulein, Sie sind mir z» ungeschickt, bitte, helfen Sie, Frau Gündel!" „Entzückend — nein, großartig! Ich habe gnädiges räulein noch nie in einem so vorteilhaften Hut gesehen! ein, wie Sie gerade diese Fasson kleidet!" rief Frau Gündel vegeistert. Gabriele sah sich tut Spiegel an. Der Hut kleidete sie ganz aut; sie sah aber nicht sein darin ans, da ihr Gesicht zu dick und rund war. „Nun, was meinst Du, Schatz? Kleidet mich dje Fasson?" Unschlüssig blickte sie den Verlobten an. „Ja, ganz gut, Ella!" sagte Wols. Ihm >oar es ganz gleich, was sie wählte; ihn drängte es ins Freie — er konnte sein armes Lieb nicht mehr so dastehen sehen. ES war ein'e rassintert ausgeklügelte Grausamkeit seiner Braut, dies Zusammentreffen veranlaßt zu haben, was er ihr niemals verzeihen konnte — und wollte. — Voll Liebe ruhte sein Blick aus Mary; zum ersten Male während seiner Anwesenheit sah sie ihn an, und einen Augenblick ruhten beider Angenpaare ineinander — er las in ihren süßen Sternen keine Anklage — nur innige unendliche Zärtlichkeit. Schnell aber senkte sie wieder die langen Wimpern, wie auf etwas Unrechtem ertappt. Gabriele wandte sich jetzt ihr zu: „Nun, was denken Sie, Fräulein? Auch Ihre Ansicht möchte ich hören." Ella wußte enau, daß ihre viel bewunderten Frühjahr»- und Sominer» üte einzig das Werk von Marys Geschmack und geschickten Händen ivaren. Sie war von vornherein dazu entschlossen, sich ivieder darauf zu verlassen — wollte sie jedoch erst quälen, weil sie geivagt hatte, ihre Augen zu dem von Ella begehrten Manne zu erheben. „Wenn Sie mich um meine aufrichtige Meinung fragen, gnädiges Fräulein, muß ich Ihnen entschieden von dieser Fasson abraten," entgegnete Mary offen, ohne auf Frau Gündels Miene Rücksicht zu nchinen, die den roten Hut gern verkauft hätte. „Und warum, wenn ich fragen darf?" „Weil — verzeihen Sie, weil der Hut zu ausfallend an Ihnen wirken und dadurch die Vornehmheit Ihrer Erscheinung verlieren würde," erwiderte Mary offen. „ — Ah, sehr verbunden, liebes Fräulein, für Ihre Erklärung," sagte Ella spöttisch, „ich muß jedoch gestehen» daß ich es sehr dreist finde, in dieser Weise eine Dame zu kritisieren." „Ich begreife Sic rächt, Fräulein Winters, wie Sie in solchem Töne zu reden wagen —" sagte Frau Gündel erregt — „das ist einfach unverschämt —" „Gott — aber doch von ihr gar nichi zu verwundern," fügte Ella verletzend hinzu. Bleich, vor Erregung am ganzen Körper zitternd, trat Mary vor. „Ich bitte, mir zu sagen, was Ihnen dack Recht gibt, in solcher geringschätzenden Weise über mich zu reden —" Ivandte sie sich an Ella, sie groß ansehcnd. Diese zuckte die Achseln. „Das kommt aus Rechnung Ihrer Liebhaber!" „O, das ist zu viel," schluchzte Mary. „Ich wundere mich überhaupt schon lange, Frau Gündel, datz Sie Ihrer Kundschaft zumute», sich von einer Person, deren Abenteuer stadtbekannt sind, bedienen zu lassen —" „Gabriele," sagte da Wolf in so finsterem Töne, duß sie inne hielt. Währenddessen nahm Frau Gündel wieder das Wort. „Mit Entrüstung hörte ich neulich erst davon! Aber was soll ich tun? Ich kann doch meine jungen Mädchen nnmög^ lich in ihrer freien Zeit kontrollieren!"" Mary war wie betäubt. Was hielt man denn eigentlich von ihr, daß man sie so zu beleidigen wagte — und in seiner Gegenwart! Und er sagte nichts — was hätte er aber auch «tun sollen? Jedes Eingreifen seinerseits hätte sie nur bloßgestcllt. <5 blich faßte sie sich. Mit bleichen Lippen, die Auge» schwarz vor Erregung, sagte sic verhältnis> mäßig ruhig und beherrscht: „Frau Gündel, Sie begreifen Ivohl, daß ich jetzt geh-, und zwar gleich für immer! — Aus solrhe Ni 'drigtelleit und Verleumdungen zu antworten und di> Verleumderin auch au anderer Stelle zur Rcchenst.-aft ai Jeher. - halte ich für unter meiner Würde. Wenn ich mir auch mein Brot selbst verdienen muß, bin ich doch anständig und ehrlich — und Vornehme oder vielmehr Bessergestelltc haben deshalb nicht das ,.'cht, auf .lieh herabzufchen — die Folgen ihrer Wort- mögen auf sie selbst Ellen!" Während sie so sprrch sah f> - it oe.. z^oßen leuchtenden Augen Gabriele uuv.rwandt an, so diese Ich abwenden mußte, Nervös i.> geärgert >n dem Hute zupfend, murmelte sie „hochmütige Bettelprinzeß." Noch einen letzten innigen Blick warf Mary deni Geliebten zu und ging dann stolz, ohne Gruß, hinaus. Zornig warf Ella den Hut hin. „Das ist ja unglaublich, oas hier Ihrer Kundschaft geboten wird, Frau Gündel. Es ist oohl selbstverständlich, daß ich auf Ihre ferneren Bentühnngcn verzichte! Komm, Wolf!" Und sie rauschte hinaus wie eine beleidigte Fürstin. (Fortsetzung lolgtJ Die ttüche im Zebrucw Von A. Burg. Einen lange» Karneval beschert uns das neue Jahr. Tatst die Zeit, zu welcher, namentlich in den Großstädten, die Tclika- lessen, sowohl hcimiscl>e als auch solche des Auslandes, eine große Rolle spielen. Kaviar und Austern sind, trotz großer gewaltiger Aendenmgen aus allen Gebieten des Lebens, trotz der wechselnden Mode, die ja auch Tisch, Tafel, Küche und Geselligkeit beherrscht, noch, wie schon vor fünfzig und mehr Jahren, gern gesehene Darbietungen. Noch immer werden, wenn es solche gibt, Auster» vor der Suppe gereicht, und noch immer werden sic so — int 71 natürlichen Zustand — frisch geöffnet, mit zerschnittenen frischen Zitronen serviert, am liebsten gesehene Ter russische Kaviar steht nieder, wie seit einigen Jahren, schon sehr hoch im Preise, ein halb Pfund des allerbesten, grauen, großkürnigen Kaviars, der vom Unterlaufe des Ural, der Wolga, des Ton, Dnjepr, auch von den Gestaden des Asolvscheu Meeres, des Aralsees und des kaspischen stammt, dürfte unter 22 — 24 Mk. nicht zu haben sein; inan hat aber auch wohlfeilere Sorten bis zu 18 Mk. für ein halb Pfund. Er wird meist aus geröstete oder ungcröstctc Brötchen gestrichen verspeist und neuerdings gern im gefrorenen Eisblock serviert. Seine Versendung geschieht selbstverständlich auch in Eispackung, und Eis ist zu seiner Konservierung durchaus notwendig. Tie heutigen schnellen Eisenbahnverbindungen mit dem Russischen Reich erleichtern die Einfuhr dieser Telikatesse hier sehr. Und doch war der Kaviar schon vor hundert und mehr Jahren hier in Teulschland, vorzüglich auch iu Berlin, heimisch. Russische Kausleute brachten auf Schlitten die kostbare, sorgsältig in Eis verpackte Ladung aus dem fernen Lande über die preußische Grenze m Osten hierher. Und zwar zeigten sie in den Zeitungen dann ihre Ankunst oder auch ihre bevorstehende Ankunft, sowie ihr Quartier, in dem sie abgestiegen waren, oder die Handlung, ivo sie den Kaviar feilboten, au. Heute liegt ia der Spczial-Kaviarhandel auch noch vielfach in den Händen russischer Kausleute, doch hat auch jeder grössere Telikatessen- händler stets kleineren oder gröberen Vorrat von Kaviar. Wildbret ist noch aus Kühlhäusern zu haben und wird für Geselligkeitszweckc noch gern gelaust, obgleich sich neuerdings auch eine besondere Vorliebe für Schlachtsleischbraten, z. B. schönen Kalbsrücken, zartes Rostbeej oder Rinderfilet, gelegentlich auch für marinierte oder gebeizte Hammelrücken bemerkbar macht. Ter Braten wird vielfach kalt serviert vas die Menschen tun? Es hat durch unermeßliche Zeiten Gegenden gegeben und gibt es auch heute noch, wo nicht der Mensch, sondern das Tier Herr war und noch ist und wo der Vogel sein Lied „zu Ehr' und Preis des Schöpfers" seit Jahrtausenden, vom Menschen ungehört, in die Lüste schmettert. Niemand wirb behaupten wollen, daß die uns umgebenden Tinge, wir Menschen inbegriffen, gegen srüher sich nicht geändert hätten. Das Ueber- gewicht der brutalen Gewalt hat der Sitte weichen müssen, und nur ein Tor vermag ihre wohltätige Macht nicht anzuerkennen. Unzweifelhaft haben Roheit und Wildheit im Berkehr der Menschen untereinander einem feineren Empfinden Platz gemacht, und auch die Art der Beachtung und Behandlung der Tiere wird in letzter Zeit, je länger je mehr, einer für diese wohlwollenden Revision unterzogen. So verfehlt es nun auch wäre, einen erträumten paradiesischen Zustand erstreben zu wollen, so liegt die Sache aber doch einmal so, daß der Kamps nicht so unheilbringend zu sein brauchte. Während wir Menschen es als ein Recht betrachten, uns das Leben uiöglichst angenehm zu gestalten, denken wir gar nicht daran, daß es außer uns auch noch Geschöpse gibt, die aus et» gleiches Recht Anspruch erheben können. Es hallt die Erde wieder von dem Gejammer, Gestöhn, von den Klagerufen aller der unserer Kultur geopferten und gequälten, bis zum letzten Atemzug erbarmungslos ausgenutzten Kreaturen; selbst der größte Jammer wird als legal hingenommeu, kaum eine Meinung dagegen wagt sich hervor, kaum eine Hand erhebt sich, um all' dem zu steuern. Das Interesse der Menschen verbietet cs. Als ob dem wirklich so wäre' Wollte doch jeder einmal ernstlich darüber Nachdenken! Kann denn ein Pferd zum Ziehen von Lasten, eine Kuh zur Milchabgabe, ein Schwein zur Fett- und Fleischproduktion, ein Hund zum Bewachen eines Hauses nicht verwendet werden, ohne daß diese Pslichten mit all den Entbehrungen und unnützen Qualen beladen sind? Muß denn das Tier mit dem wunderbar seinen Bau seines Körpers nur als ein Tier, kann es nicht auch als ein Wesen betrachiet werden? Ist denn das Streben nach Einrichtungen, niehr Menschen ein glückliches Dasein zu schassen, möglichst allen Geschöpsen die Formen ihres Lebenszweckes zu erleichtern, nicht auch ein Ideal? . Er ist da, der Retter, er weilt unter uns und Iteckl in uns! — ist der freie Wille. Warum erhebt bie_ Menschheit nicht den Glauben an ein Sittengesetz und an dessen Forderungen voll Kraft und Mut aufs Schild? Warum? Es ist viel ethisches Gefühl in der Welt, es wird jedoch durch andere, machtvoll herrschende Systeme zurückgedrängt. Warum? Es besteht ein Plus au „Geist" bei einzelnen Menschen, gegenüber einem Mangel bei anderen, und ein Minus von „Gefühl" bei den meisten, gegenüber einem Plus ber einzelnen. Machtvoll bricht sich die Erkenntnis Bahn, daß diese Vernachlässigung ethischer Forderungen zu einer Verrohung der Gesinnung unabweisbar führen muß. Der Glaube an ein Sitten- gefetz setzt zwar unbedingt voraus den Glauben an ein göttliches Wesen, in welcher Form es auch immer sei, und falls 72 dieses der Urheber alle? dessen ist, waS besteht, so folgt mit zwingender Folge, dast er es nicht den Menschlein überlassen haben kann, aus Kosten der Tiere die Welt zu veroollkommnen. Mur allein ans dem Boden dieser Folgerungen kann ein geläutertes Verhältnis der Menschen untereinander »nd zum Tier ersvricsten, was in weiterer Folge injosern günstig aus das Bolks- enipindeil cinwirken must, als dadurch der Glaube an die Allcin- herrlichkeil des Mensche» zerstört wird. In Zusammenhang da nrit steht eine Kräftigung des Gcsühls der Zusamnicngchörigkeit aller Geschöpfe im Reiche der Natur aus der Grundlage einer ideellere» Lebenssührung im Gegensatz zu heute, wo schließlich das ganze Wirken des Einzelnen unbestritten ausgesüllt tvird von dem nichtigen Streben nm materielle Güter, deren Fluch es ist, niemals vollaus zu befriedigen und ivahrhast zu beglücken, wohl «der zu Unterdrückung im grasten und kleine» beizutragen. vermisehte». — T i e Naturgeschichte des Flirts, Feine, mo- deine Lebenskunst heischt, den Flirt von Liebe und Leidenschaft schart zu trennen, denn er soll den Tag — oder vielmehr den Abend — schmücken tvic ein frischer Rosenkranz, den man sich auss Haupt setzt und den man Ivegwirst, sobald er v/rwelks Die sentimentale Generation bewahrte solche Rosenkränze noch ans; die moderne Welt hat schon längst keine Zeit, keine Lust mehr, die fläch ige Spielerei durch den Schmerz nnbesriediglcr Erinnerung ihres Zaubers zu entkleiden, Amerikas schöne, lebhaste Frauen haben im Flirt das uralte Werbe- und Minnespiel wieder aujer- stehen lassen. Das Wörtchen Flirt — so desiniert der geschmackvolle und kenntnisreiche Alexander von Gleichen-Rnstwurm in cinenr Aussatz des Februarhcstes von Vclhagen u, Klasings Mo- natshesten — umfaßt heut alle Schattierungen von der gröblichen, die Männer um des Geldes willen sängt, bis zu der edleren, die dem Nüchternen, Berusseingczwängien eine Welt voll gaukelnder Schönheit eröffnet nnd ihn unmerklich löst aus der Prosa des harten, modernen Daseins, Die ernsten Seiten des jetzigen Flirts hat der Verfasser eines feinen pshchologischen Romans „Arnitiä amoureuss" beschrieben. Es liegt etwas Weiches, Wehmütiges in diesem Begriff, 'der mit unmerklich leiser Schattierung die alten Bezeichnungen von platonischer nnd schöngeistiger oder cmpsindsamcr Liebe ablöst. Man kann aus Feigheit, Blasiertheit und ähnlichen Gründen, man kann sogar aus wahrer Liebe zur „Arnitiö amoursuse" neige». Sie bietet Raum zur Sonnenunteigangsstiinmuiig, sie bietet aber auch Raum zu gefährlicher Selbsttäuschung, „Es ist eigentlich eine recht konventionelle Idee, wenn man behauptet, die Kraft des Willens Lime e>"- mit xe Leidenschast „veredeln". Sie kamt unschädlich gemacht lut, ■ iber veredeln? Ist ein Tiger veredelt dadurch, dast er hinter testen Eisenstäben vertvahrt wird?" Da die moderne Zeit nicht sehr aus gute Manieren und stilvollen Airstand hält, so ist es verwunderlich, dast sic zu der liebenswürdigen Heuchelei, zu denr zarten Selbstbetrug alter Zeiten insofern zurückkchrt, als sie die Schönheit des wohlirisierten Lämnrchens „Amitie amoureuse" cor Schönheit des edeln Königstigers, der großen Leidenschast, entgegenstellt, nnd behauptet, letztere in erstcrc verwandeln zu können Ta Frauen wie Männer heute viel zu beschäftigt sind, nm wie die Schönen des siebzehnten Jghrhnnderts zu lagen: „Songez a me bien definlr ce que c’est que coeur tendre, ten- drcsse d’arnitii, tendresse d’amour et tendresse d’inelination“, kann die „Amitie amoureu.se" höchstens unter dem Mantel der Kameradschaftlichkeit sich fristen. Statt die Männer znm Liebesspiel zu bekehren, inust der Flirt der modernen Frau oft darin bestehen, dast sie sich selbst deren Interessen kreis anbeguemt. Lange Koketterie ist nicht mehr angebracht, weil der Verehrer weder Zeit noch Geduld hat. Schon im achtzehnten Jahrlmndert wurden die Schönen von einer klugen Fürstentochter in Deutschland gewarnt: „Das Frauenzimmer sollte seine Widerstehungen nach der Muße des Liebhabers messen," Und so ist es geblieben bis auf unsere Zeit, kf. Die Hochzeitsreise im Unterseeboot« Wo können HochzeckSreisende aus den oberen Zehntausend New Borts die Flitterwockie» zubringen, ohne der Neugier amerikanischer Zeitnngslenle vreiSaeaeben z» fei»? Einzla im Unterseeboote, »»d so hotte denn einer der New Parker Erzmillionnre, der stch soeden verheiratet hat, de» Plan ge>abt, eine unterseeilche Hochzeitsreise z» mache», mit dem seine Fra» auch durchaus ciiiverllandeli ivar. Nichtsdestoweniger it es der nmc« ifonlfcfien Presse doch gelungen, ivenlgslens einige Eiiizelheiten Über diese merkivürdige Hochzei S- reiie z» erinitteln. Ter Lake» ivar nämlich der: es ivar schiver, eiiie Kaiinnerjungker aulzulreiben, die genug Mut zu dein kühnen kliiiernehinen belast, unb als das Uiiterlecbooi zi»n ersten Blale wieder einen Haien anbei, benutzte sie die Gclegeiiheit, rim durch- ziibrcinie». "Dar Unbrwubt«. Eiiie lustige ffeine Beobachtung zur Psycholooie d>S Uiibewustten bringt ei» iranzölischeS Blntt: Sein Barl mar ungewöhnlich laug und ivallte rnäcblig hernieder; er trug ih» mit Würde, Da tragte id» eines Tage? jemand: „Wenn Sie im Bell liegen, habe» Sie ihn dann über der Decke oder darunter?* Er iwi&fc es nicht. Niemals hatte er darüber »ach- gedacht, Nun aber ivnrde er sehr anigeregt >n>d ivollte genau aus- vasje», ivlehrere Nächte lang schlies er sehr lchlechl, denn der Bart ivar ihm plötzlich höchst hinderlich und unbequem. Er ivnstte nicht mehr, >oo er U»i h>ntun sollte, * G n t gegeben, Ter Proselsor: „Ein Narr stellt mehr Fragen als ein weiser Mann beanlworten kann," Ter Student: „Kein Wunder, dast so viele von uns beim Examen dnrchsalien .. vüchertisch. — Richard Wagner s Gesammelte Dichtungen. Heransgegeben von Dr, Julius Kapp, Drei Teile in einem Bande, Leipzig, Hesse & Becker Verlag 214, 288 und '281 S, Geb, 2, Mark, — Eduard Engel schreibt tu seiner „Geschichte der deutschen Lileratur": „Dast Wagner ettvas Größeres als eilt „Textdichter" gewesen ist, müsse» selbst die Gegner seiner Musik und seiner Gesamterschcinung zugeben," Die wirkungsvollsten seiner Musikdramen, fügt er hinzu, seien von einer dramatischen Schlagkraft wie nur die größten Dramen der Weltliteratur, Und Pros, Gotthold Klee, ein gründlicher Kenner unserer Nalional- fitexntur, urteilt wie folgt: „Gestalten lvie Brünhilde und Siegfried im „Ring" konnte nur ein deutscher Dichter schassen, und das schöne Gemälde aus der Zeit des Hans Sachs, „Die Meistersinger von Nürnberg", ist, rein als Dichtung betrachtet, eins der lebensvollsten deutschen Lustspiele," Dies sind gewichtige Zeugnisse dafür, dast Wagners Dichtungen eigenen Wert haben, auch ohne die Musik, — Die vorliegende, vortrefflich auSgestattete Aiisgäbe bietet sämtliche Texte zu Wagners Opern in korrekler Wiedergabe, also auch den des „Parsisal". Wo abweichende Fassungen vorkiegen, werden auch diese mitgctcilt. Seinen besonderen Wert erhält der schmucke Band durch die ausgezeichneten Einleitungen des bestens bclannten Wagnersorschers Dr. Julius Kapp, — Die Nummer 3683 der Illustrierten Zeitung, die jetzt einen neuen, von Jul, D i e tz entworsenen Umschlag aufwcist lBerlag von I. I, Weber in Leipzigs, vomi 29, Januar 1914 bringt verschiedene Abbildungen aus dem zur Jetztzeit bcborzugteu Wintersport. Insbesondere ist Gar misch Partenkirchen vertreten, wo wir eine Abbildung des bekannten Skiläufers Thorleif Aas, der für den künsten Sprung bei den Wettläusen des Deutschen Ski-Verbandes am 24, und 25. Januar den ersten Preis erhielt, senden, sowie eines ziveiken Norwegers: Hans Gunnestad, der'sich bei dieser Gelegenheit einen Preis geholt und die Meisterschaft von Tenischland im Skilauf gclvonncn hat. Ferner tritt das sport» sreundlichc Davos nrit einer Abbildung des norlvegifchen Eisschnelläufers Oskar Matthiesen in die Erscheinung, auch eine Abbildung vom Wintersportfest in Annabcrg finden wir — ein Zeichen für die freundliche von Winter zu Winter zunehmende Ausnahme, der sich der Wintersport in de» weitesten Kreisen unseres Volkes ersrent. Ein seltenes Beispiel, daß auch Kaiserliche nnd Königliche Hoheiten sich als Dramatiker betätigen, zeigen die Darstellungen aus der Aussührung des Christusdramas „Der König bon Judäa" in St, Petersburg vom Großfürsten Konstaiilin von Rußland. Auch den reich illustrierten Artikel über „Karl den Großen", ans der Feder des jungen Heidelberger Kunsthistorikers Karl Storck möchlen wir nicht unerwähnt lassen — ein Erin- nernngsblatt des 1400 Todestages des ersten Deutschen Kaisers —> sowie ferner den reich illustrierte» Artikel über „Tie Schaunt- burg her Rinteln", dem Stammschloß der Fürsten von Schanmburg- Lippe, Neben der Geschichte gelangt aber auch die Kunst, und zwar die Architektur in einem Artikel über„Bernhard Pankok als Ornamentiker" zur Darstellung, Natürlich ist auch der aktuelle Teil reich ansgestatlet, so dast auch das neue Hest sich in Bezug auf seine Reichhaltigkeit den früheren anschliestt, Preis vierteljährlich 8,50 Mark, , Magische; Auadrat. In die Felder nebenstehende» Quadrats llnd die Buchstaben AA AAAAAABBDDMR R 8 derart einzntrageii. dast die wagerechleu u. Icnkrcchl.Reihell gleichlautend lolgendes bedeulen: 1. Arabische Landschalt. 2. Koniilat in Ungarn. 8, Belgischen StaalSniaiin. 4. Biblischen Namen, Auslösung in nächster Nummer, Auslösung des Kreuzrätscls in voriger Nummexi A A V c p e her Achil leus Apeldoorn Verlobung e o n u r n s n g Redaktion: K, Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Drühl'schen UniversilälS-Bnch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.