Ein Frühlingstraum. Roman von Fr. Lehne. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) ..Wolf," schreckte ihn die Stimme seiner Braut daraus, „Wolf, du hörst ja gar nicht zu — du bist ivieder zerstreut ~ und erst bittest du mich darum!" Er blickte auf und wieder sah er in threu Augen jenes Flimmern, das auf nichts Gutes deutete. „An was oder vielmehr an iven denkst du eigent-, slich? Das möchte ich gerne wissen! Wolf! Du hast mich nicht lieb!" Er sah sie an mit einem verlorenen Blick, der gleich-! säm an ihr vorüberglitt in eine unbekannte Welt; dann trat er auf sie zu und preßte sie an sich, daß ihtc der Atem verging „Was tust du, Wolf? Laß mich!" wehrte sie —> es war ihr aber nicht ernst damit! ihr Mund sprach eS wohl *— doch sonst hielt sie ihn fest umschlossen. Er küßte sie heiß auf die roten Lippen und flüsterte ihr ins Ohr: „So Brust an Brust, so ganz mein eigen, So halt ich dich, geliebtes Bild!" Wonnetrunken lag sie an seiner Brust und erwiderte seine Liebkosungen ebenso stürmisch wie er sie gab. Da war eS, als ob er seine Besinnung wieder bekam — eir blickte' wie suchend, wie aus einem Traum erwachend, um sich, und als sein Auge auf das Gesicht feiner Braut siel, die an seinem halse hing, da ließ er sie plötzlich mit cineni Gei fühl de» Widerwillens los. Wie hatte er sich Hinreißen las-, sen in dem Gedanken, daß es die andere war! „Man kommt ivohl?" flüsterte Ella. Schnell trat sie vor den Spiegel, ihr Haar zu ordnen; lächelnd schaute sie in das Glas, zu ihrem Verlobten hin, „wie kann man so ungestüm sein — du Böser — sieh nur, wie du mich zugerichtet hast!" Er trat zu ihr, ihre Hand küssend. ^Verzeih', es soll nicht wieder Vorkommen!" Sie sah ihn verdutzt an, dann lachte sic hell auf „o, du dummer, lieber Mann! Gerade das —" stürmisch warf sie sich wieder unr seinen Hals „o, du, ivie lieb ich dich — und du sollst mich auch so lieben i hörst du? Tic paar Minuten, die uns vergönnt iverden, will ich auch genießen, Wolf." Ein Geräusch iin Nebenzimmer schreckte sie auf. „Wieder die Lassen." Fräulein von Lassen- schlug die Portiere zurück „Ich möchte die Herrschaften zum Kaffee bitten. Es ist im Garten alles bereit! — Uebrigens, Fräulein Gabriele, ist vorhin die Sendung gekommen! Ich habe sofort ausgepackt — es ist sehr schön ausgefallen." „Ah. endlich," sagte Ella, „bist bii böse, Schatz, wenn tch dich einen Augenblick allein lasse?" „Wo willst du hin, Ella?" fragte er gleichgültig. „O, das verrate ich nicht — eine Ueberraschung! Oder soll ich es dir sagen? — Papa hat mir ein neues Meid geschenkt — ich sollte es heut morgen schon haben, und da hat mich die dumme Person, die Schneiderin, im Stich gelassen. Es ist nur ein leichtes Sonunerkleid; ich hatte aber gar nichts niehr anzuzieheu." „Aber, Lieb, du siehst so gut in dem weißen Kleide aus; du gefällst inir darin!" „Es ist aber so warn, — das andere ist viel leichter! Ich bin neugierig, ivie ich dir darin gefallen werde. Gleich bin ich wieder hier." Sie warf ihin eine Kußhand zu und huschte eilig hinaus. Ein befreiender Atemzug hob seine Brust — endlich ivar er inal einen Augenblick allein! Wie ihm dieses Beisammensein mit der Braut zur Qual wurde! Sie wollte beachtet, mit Liebkosungen überschüttet sein —t und ihren Eifersnchtsanwandlungen mußte er Zärtlichkeiten entgegensetzen, von denen sein Herz nichts wußte, damit ihr Verdacht eiugeschlüfcrt wurde. „--Allein, mein Junge? Es scheint, die Braut ver- wohnt dich nicht allzusehr — und ich glaubte, euch verliebtes Paar in einem Schäferstündchen zu stören," tönte des Vaters lachende Stinime in sein Ohr. Er war augenscheinlich in bester Laune. Das Gesicht von reichlich genossenem Weine gerötet — eine hochfeine Importe im Munde — fürwahr, Papa Baron, wie er hier genannt ivurde, ivar in seinem besten Fahrwasser. Kalt beobachtete ihn Wolf — ivar dieser Mann derselbe, zu dem er in wahrhaft begeisterter Liebe emporgeblickt, der ihm als Urbild der Vornehmheit erschienen war? Nein, er hatte sich verändert, es war etwas Lautes, Lärmendes an ihm, das gar nicht im Einklang mit seinen: früheren Wesen stand. „Gabriele kommt gleich wieder," erwiderte Wolf kurz auf jene Bemerkung. „Junge, sieh doch nicht so ernst und traurig aus -n erade, als ob ein Leichenbegängnis wäre — und du kannst ir doch in jeder Hinsicht gratulieren." „Papa, ich bitte dich um eins, höre auf mit derartigen Reden — das kann ich nicht vertragen; es macht mich nervös!" sagte Wolf mit bebender Stimme. Dein Vater sah gar nicht ein, ivas er ihm für ein ungeheures Opfer gebracht — er schien gar noch zu glauben, der Sohn müsse ihm dankbar sein, daß er ihm zu diesem „Glück" verholfen; und ein unsäglich bitteres Gefühl bemächtigte sich seiner — was war ihm all der Prunk und Reichtum, wenn Herz und Gefühl dabei zu kurz kamen? Seelenvergnügt ging sein Vater im Zimmer herum, die kostbare Einrichtung musternd, „Alles sehr stilvoll, sehr vornehm, muß ich sagen — der Flügel allein repräsentiert ein kleines Vermögen, sieh nur die herrliche eingelegte Ar» beit — wirklich vornehm, wenn auch hin und ivieder der Parvenü zum Vorschein kommt," kritisierte er, „aber das tut nichts — sonst angenehme Leute, sehr angenehm — was nicht angeboren ist, kann ja auch nie gelernt werden! Und deine Braut — sei doch nicht gar so gleichgültig — i>'t ein 58 entzückendes Weib — Erwin tväre hingerissen — diese Figur allein--ah lupus in fabula," und mit jugendlicher Le,ch° tigkeit eilte er auf ttzabriele zu, die soeben im Rahmen der Tnr sichtbar wurde. „Wieso?" fragte diese lächelnd. „Nun — ich mußte von meinem Dohne endlose Lobpreisungen geduldig anhören," erwiderte er, galant ihre Hand an seine Lippen führend. „Tie ärmster, bedauernswertester aller Schwiegerväter," laichte sie und hing sich an seinen Arm ^kokett sah sie zu ihm empor. „Schade, wäre ich an Ihrer Stelle gewesen! Wolf verwöhnt mich gar nicht! Bist du jetzt gar nicht eifersüchtig?" „Liebste Ella, ich kann nicht schmeicheln! — Eifersüchtig, Lieb, ans Papa? Nein! Im Gegenteil, ich freue mich, daß du mit ihm so gut harmonierst! — Ah, das neue Kleid?" „Gefalle ich dir darin, Schatz?" Und kokett drehte sie sich vor den beiden Herren. „Superbe! einzig! herrlich!" rief der Freiherr exaltiert aus, „ach, nur zwanzig Jahre jünger — dann hätte jener alte Brummbär diese holde Göttin sicher nicht bekommen." „Wissen Sie das so genau, lieber Papa? Wenn nun aber diese Göttin sich ans jenen alten Brummbär kapriziert und keinen anderen gewollt hätte?" Und sie lachte, daß die festen, weißen Zähne blitzten. Dann neigte sie sich zu Wolf: „Tu sagst gar nichts, mein Schatz? Gefalle ich dir nicht?" Sein Blick hastete auf dem kostbaren blauen Seidenkleide, das mit schwarzem Flitter überzogen war. Die weißen Arme und der prachtvoll modellierte Hals und Nacken waren nur von dem duftige» Gewebe bedeckt, daß ihre verführerische Weiße doppelt hervortrat — dazu das helle blonde ? )aar und die srische Gesichtsfarbe — sein Vater hatte wirk- ich recht — Gabriele >var ein schönes Weib, das es verstand, seine körperlichen Vorzüge durch die Kleidung glänzend hervorzuheben, und durch solches Raffinement des Anzuges Ivollte Gabriele ihn an sich fesseln und halten —> wollte sie seine Liebe und Leidenschaft wecken. „Tn gefällst mir immer, Liebste — selbst wenn du im einfachsten Kleide vor mir stündest," erwiderte er auf ihre Frage. Und dabei sah er wieder Mary vor sich in ihrem weißen gestickten Batistkleide und in ihrer rührenden Angst, daß es sich! gar so leicht drückt und unansehnlich wird •--- während hier ein Kleid, das Hunderte kostete, achtlos ver- tragen wurde! - Kinder, wo steckt ihr nur — und Sie, Papa Baron? Ich suchte Sie schon im Garten! Nun kommt aber, Fräulein von Lassen wartet schon mit dem Kaffee. — Donnerwetter, Gabriele —" sagte der Bankier, ins Zimmer tretend. „Ja, Papa — vorhin gekommen; ich wollte mich Euch zeigen!" „Nicht wahr, sie siebt gut aus?" fragte der Bankier seinen neuen Freund, und bekam begeisterte Lobpreisungen zur Antwort. — Wolf bot seiner Braut den Arm, und sie begaben sich nach dem Garten.-- „---ist es wirklich Ihr letztes Wort, Papa Baron " sagte Herr Ulrich, „daß Sie morgen abreisen wollen?" „In der Tat," entgegnete der Angeredete, „eine wichtige Angelegenheit —" dabei warf er einen hilfesuchenden Blick auf den Sohn — dieser merkte ivohl, daß der Vatev gern bleiben wollte, nahm aber gar keine Notiz davon, sondern sagte ruhig: „Auch ich habe schon mein Möglichstes versucht, Papa zu halten. Er will aber durchaus nicht bleiben; morgen vormittag schon wollte er fahren." Des Alten Faust ballte sich in der Tasche. Was wagte der Junge? Ihm Vorschriften machen, sogar wegen des Zuges? Lächerlich anmaßend! Er zwang aber seinen Unmut herunter und sagte: „Allerdings muß ich fahren! Ich möchte Ihre Gastfreundschaft und die meines Sohnes nicht länger in Anspruch nehmen! Jedoch gebe ich die Versicherung, daß ich sehr bald wiederlommen werde! Ein paar Stunden hoffe ich morgen doch noch zugeben zu können; ich werde dann erst am Nachmittag fahren!" Wolf saß wie aus Kohlen. Schämte sich denn sein Vater gar nicht, von diesem Manne Gastfreundschaft anzunehmen, der doch genau wußte, welches Verbrechens er sich schuldig gemacht hatte? C, wie hatte er sich verändert! Das war sein stolzer, edeldenkender Vater, dem nichts Niedriges, Gemeines nahen durfte, nicht mehr! So halte jenes Weib, das er der edel», vornehmen Frau, der Mutter seiner Kinder, zur Nachfolgerin gegeben, auf ihn einzuwirken und ihn zu ihrem Standpunkt herunlerzuziehen gewußt! Ja, di« Frauen vermögen viel aus de» Männern zu machen — alles! — Ziemlich ernst und still ivar Wolf, was seltsam gegen die Fröhlichkeit der anderen abstach. Spät in der Nacht erst trennte man sich. 8 . „Entbehren sollst du, sollst entbehren! Das ist der ewige Gesang, Ter jedem an die Ohren klingt, Den unser ganzes Leben lang lins heiser jede Stunde singt." Goethe./ Nachdem Wolf am anderen Tage ohne tveitere AuS- spräche, die er absichtlich vermied, den Vater nach dev Bahn, sowie die Braut nach Hause geleitet hatte, ging er nach seiner Wohnung, um zu arbeiten. Es gelang ihm nicht; er hatte keine Stimmung dazu; er warf die Feder weg, legte sich auf den Diwan und hing seinen Gedanken! nach. Das Leben war ihm zur Qual geworden; diese fortgesetzte Lüge ging über seine Kräfte. Wie ividerstrebte e$ seinem rechtlich denkenden Sinn, Zärtlichkeiten zu heucheln und Liebesworte zu sagen, von denen sein Herz nichts wußte! Ja, wenn es die andere gewesen wäre! Tie ander« — wie heiß es ihm lvurde, lvenn er au sie dachte! WaS übte dieses Mädchen noch für eine Macht über ihn aus! Er mußte sie sehen! Er sprang auf und nahm ihre Photo-« araphie ans dem Schreibtisch, sich in die Betrachtung des holden Gesichts versenkend. Achtlos stieß er dabei das Bild seiner Braut um, die ihn aus dem eleganten Rahmen so siegesbewußt und triumphierend anlächelte, gleich als wolle sie sagen — „mein bist du doch; ich lasse dich nicht, machch was du willst!" Er bedeckte Marys Bild mit Küssen —. „mein Liebling — mein Süßes — warum hast du so falsch an mir gehandelt?" Er kam nicht los von ihr; zu fest hatte ihr Zauber ihn verstrickt. —> Der Bursche trat ein. „Herr Leutnant, ein Brief." „Gut, legen Sie ihn hin," lautete Wolfs gleichgültige Erwiderung. Als der Bursche hinaus tvar, griff Wolf hastig nach dem Schreiben und erkannte sofort Marys Handschrift. Wie Feuer bramite der Brief in seiner Hand — was wollte sie noch? sich etwa entschuldigen oder ihren Drenbrnch beschönige»? Er konnte sich nicht entschließen, ihn gleich zu öffnen; es war ihm, als ob er eine Entscheidung über Leben und Tod enthielt. Ta klopste es; schnell schob Wolf Brief und Bild unter ein Buch, das auf dem Schreibtisch lag, und stand auf, den Eintrelenden zu begrüßen. „Grüß Gott, da bin ich ivieder," sagte Strachwitz, denn dieser war es, es ließ mir keine Ruhe, Mölschen, —t soeben wird mir brühwann von Brenner mit so recht sauersüßer Miene von Ihrer Verlobung gesagt. Ich weiß aber noch nicht recht, ob ich Ihnen dazu gratulieren soll! Lassen Sie sich doch mal aiischauen — aber Mensch, wie sehen Sie aus? Strengt das Verlobtseiu so ap? Ich danke!" Dabei drehte er den Freund nach dem Fenster, ihn aufmerksam betrachtend. „Lassen Sie doch, Strachwitz; setzen Sie sich und erzählen von der Hochzeit, die Sie mitgemacht haben," enkx gegnete Wolf, „sicher aut amüsiert!" „Großartig, doch davon nachher! Habe auch eine eigentümliche Begegnung gehabt! ---A propos, weichen St« mir nicht aus — wie ist das so schnell gekommeir — Ihre Verlobung? Bin recht neugierig." (Forlsexung wlgt.s Die Deutsche Dücherei in Leipzig. Von Tr. Gustav Wahl, Direktor der Deutschen Bücherei. ' Später als anderen ÄnlMrnationcn wird dein deutschen Volke,, dem die Welt die Erfindung der Buchdruckerkunst dankt, eine Zcn- tralsaminelstelle stlr das nationale Schrifttum zuteil. Damit wird aber nicht neben den bestehenden älteren Bibliotheken mit ihren die Gesamtbeit der nationalen Literatur bis zur Gegenwart umfasscn- den Bücherbeständen eine neue gleicher Richtung geschaffen Die Teutslbe Bück/erei des Börsenvereins-der Deutschen Buchhändler za Leipzig, zu der im Oktober 1813 in Gegenivarl des Königs von Sachsen der Grundstein gelegt worden ist, sammelt nicht, wie jene, mit Auswahl, sondern vollständig; sie setzt als Beginn für ihre Sammeltätigkeit den l. Januar 1813 fest, während tene sotvrit auf die Stiere Literatur zurückgreisen, als es die Mittel gestalten und der Wert der Bücher verlangt; sie stellt ihre Bestände endlich nur in ihrem eigenen Hause zur Benutzung bereit, als erste P läsen z- biblioihek großen Stils in Deutschland. Durch Generationen hin- 58 durch war in Deuljchland der Wunsch nach einem solchen 'Di tc(- unb Sammelpunkt des deutschen Schrifttums lebendig, aber alle Versuche, ein« „National-" oder „Reichsbibliothek" zu schassen, schlugen fehl, mußten bei der staatsrechtlichen Struktur des Teul- lchen Reiches und der von der Reichsregierung vertretenen Auflassung, daß die Unterhaltung von Bibliotheken Aufgabe der Einzel- slaalen sei, sehlschlagen. Auch Friedrich Althoff, dem weitblickenden Anreger und Förderer kultureller Bestrebungen im Preußischen Kultusministerium, der sich des Planes mit großer Wärnie annahm, gelang seine Durchführung nicht, Erst dem einmütigen Zusammenwirken des sächsisck>e,i Staates, der Stadt Leipzig und des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler in Leipzig war es beschieden, diese Zentralsammelstelle als „Deutsche Wicherei" in Leipzig mit klar umrissenen Programm ins Leben zu rufen, An> 3, Oktober 1912 wurde von dem Königs, Staatsfiskus, der Stadtgemeinde Leipzig und dem Börsenverein ein Vertrag llber die Errichtung der Deutschen Bücherei abgeschlossen, der fast einstimmig die Genehmigung der sächsischen Ständeversammlung gefunden hat. Die Deutsche Bücherei hat drei .Hauptaufgaben: als Archiv des deutschen Schrifttums und des deutschen Buchhandels soll sie eine lückenlose Sammlung der voni 1. Januar 1913 ab in Deutschland erscheinenden deutschen und fremdsprachigen Literatur sowie der außerhalb Deutschlands erscheinenden deutsck>en Literatur vornehmen und fiir alle Zeiten aufbetoahren. Dabei wird der.Begriff „Literatur" ausgedehnt aus Erzeugnisse der Druckerpresse, die gemeinhin nicht darunter verstanden werden: z, B, Schul- und Vereinsschriften: Veröffentlichungen von Behörden und dergl. Mit alleinigem Ausschluß von Musikalien und politischen' Zeitungen sammelt die Deutsche Bücherei alle Erzeugnisse des deutschen Buchhandels, die amtlichen Veröffentlichungen der Behörden Deutschlands, Oesterreichs, der Schweiz und endlich die große Fülle der Privatdrucke, die am leichtesten denr Untergang getveiht sind. Für die Aufbewahrung der Musikalien ist durch die der Königlichen Bibliothek in Berlin angegliederte Deutsch« Musiksammlung bereits gesorgt: die Einbeziehung der polftischen Zeitungen in das Sammelgcbiet der Deutschen Bücherei mußte aus Rücksicht aus den dadurch bedingten Ungeheuern Raumaufwand unterbleiben, so wichtig auch nach der übereinstimmenden Meimiitg aller Sachkenner gerade eine solche Sammlung wäre. Es besteht indes die sichere Aussicht, daß eine planmäßige Lösung dieser Frage unter der Führung des Preußischen Staates vorgenommen wird. Der deutsche Verlagsbuchhandel schafft sich in der Deutschen 'Bücherei ein lückenloses Archiv seiner Veröffentlichungen vom 1. Januar 1913 ab, ei» Archiv, das den denkbar größten Schutz gegen Fcuersgefahr bietet und nach den vorgesehenen Bestimmungen den betteiligten Firmen ihre Werke auf Wunsch leihweise ins Haus findet. Unter denselben Bedingungen werden auch die früheren Perlaasartikel entgegengenommen und vor Schaden und Vernichtung bewahrt. In den Zugangslistcn der Deutschen Bücherei entsteht ein vollständiger, stets ergänzter Katalog de? deutschen Verlags, der den Umfang der Jahresproduktion eines Hauses nach der Zahl und Art der Werke wie nach der Summe der Preise be- guem übersehen läßt. Aber auch fiir diejenigen Druckwerke, welche nicht durch den Buchhandel gehen, gestatten die Sammlungen der Deutschen Bücherei stchere Unterlagen und Verzeichnisse zu schaffen. Das gilt insbesondere von zahlreichen Zeitschriften, die nur einem bestimmten Personenkrcise zugeftihrt werden und großenteils auf keiner öffentlichen Bibliothek bisher gesammelt wurden, auch der bibliographischen Verzeichnung entgangen sind: i- B, Zeitschriften von Sammlervereinen, von Organisationen von Arbeitgebern, Arbeitnehmern, Beriifsständen usw. Alle diese Bestände den Interessenten jederzeit zur unentgeltlichen Benutzung in den Lesesälcn bereit zu halten, ist eine weitere Hauptaufgabe der Deutschen Bücherei, die damit als Bibliothek In den Kreis ihrer älteren Schwestern tritt. Die vielen Lichtseiten einer Präsenzbibliothek auch für die Benutzer sind unverkennbar: so wird die Deutsche Bücherei ihren Besuchern ein rasches Arbeitstempo erniöglichcn, Werke, die nicht in das Sammelgebiel der Deutschen Bücherei fallen, können für den Gelehrten aus anderen Bibliotheken leihiveise beschafft werden. Zahlreiche Veröffentlichungen fremder Sprachen werden in deutscheir Ücbersetzungen zugänglich, sein, die wertvollsten Schätze unserer Nationalliteratur im engeren Sinne werden nicht fehlen, da immer neue Ausgaben erscheinen, die der Deutschen Bücherei zugeführt werden. Alle ^Eingänge der Deutschen Bücherei zusammen werden das deutsche Schrifttum, gleichviel, ob es im Handel ist oder nicht, in seiner Vollständigkeit darstellen, 'Auf dieser Grundlage kann eine vollständige Bibliographie der deutschen Druckwerke Deutschlands und des Auslandes und der ftemdsprachigcn Druckiverke Deutschlands gewährleistet iverden, wie sie in diesem Umfang noch nicht besteht, Tie oft erörterte Frage der Nutzbarmachung der bibliographischen Titelausnahme für die Katalogisierungszwecke der Bibliotheken tritt durch die Begründung der Deutschen Bücherei in ein neues verheißungsvolles Stadium, Auch die bestehenden Fachbibliographen — Bibliographie der Naturwissenschaften, der Sozialwissenschaften, die Zcitschriftcnliteratur usw, — dürfen der tätigsten Förderung durch die Bestände der Deutschen Bücherei gewiß sein, Ter Rechtsform nach ist die Deutsche Bücherei eine Veranstaltung des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, dem die zur Errichtung und Verwaltung der Bücherei erforderlichen Mittel von festen des sächsischen Staates und der Stadtgemeinde Leipzig durch den obeir erwähnten Vertrag zur Verfügung gestellt sind. In hochherzigem Entgegenkommen überweisen die Behörden des Reichs sowie die>enigen der Dentschen Staaten ihre amtlrchen Drucksachen, Zahlreiche Körperschaften. Gesellschaften, Vereine haben sich dem angeschlossen. Das dentschsprechcnde Ausland steht nicht zurück. In großartiger Liberalität, die sich der Bedeutung der Deulschen Bücherei fiir den Buchhandel und das ganze geistige Leben des deutschen Volkes bewußt ist, haben über 2000 deutsche, österreichische und schtveizer Verleger sich zur Stiftung ihrer Verlaasproduktion bereit erklärt, annähernd ebensoviel Verleger von Zeitschriften sind in gleicher Opferwilligkeit ihrem Beispiel gefolgt, und mehrere Tausend deutscher Buchdruckereien haben der Deuffchcu Bücherei ihre wertvolle Unterstützung bei der Erlangung der Prioatdrucke freudig und voller Interesse zugesagt. Die in der Satzung der Deutschen Bücherei vorgesehenen Verwaltungsorgane sind die folgenden: der Geschäfisfllhreude Ausschuß, aus acht Mftgliedern bestehend, der Verwaltuugsrat, bestehend aus 31 Mitgliedern, die Hauptversammlung des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Der von modernem Geist erfüllte Gedanken des einmüffgen Zusammenwirkens von Behörde und freier Berufsorganisation^ der sich bereits bei der Begründung der Deutschen Wicherei bewährt hat, >var auch fiir die Zusammensetzung der beiden erstgenannten Verwaltungsorgan,- der Deutschen Bücherei maßgebend: in ihnen sind zu gemeiner Arbeit vereinigt die Vertreter der Königlich Sächsischen Staatsregierung, der Sächsischen Ständeversammlung, der Stadtgcmeinde Leipzig und Buchhändler aus Deutschland, Oesterreich und der Schweiz, Hinzu traten eine Zahl hervorragender bibliothekarischer Fachmänner aus den Wmdesstaatcn Sachsen, Preußen, Bayern, Württemberg, Baden und Hessen, sowie mis Oesterreich, die eine enge Verbindung der Deutschen Bücherei mit den deutschen Regierungen darstellen. Den Vorsitz in beiden Körperschaften führt der jeweilige Erste Vorsteher des Börsenvereins oder sein Stellvertreter, zurzeit Herr Geheimer Hoftat Karl Siegismuud-Berlin, der sich um das endliche Gelingen des großen Plans die größten Verdienst« erworben hat. In zahlreichen Sitzungen hat der Geschästsführende Ausschuß die Organisation der Deulschen Bücherei beraten und aufgebaut: er hat die Enftvürse der Grundsätze für die Umgrenzung des Sanimelgebietes sowie für die Katalogisierung der Büche«- beständc festgestellt, die von dem Verwaltungsrat genehniigt worden sind: er bat das Bauprogramm für die zu errichtende,! Ver- waltungs- und Magazingebäude in Gemeinschaft mit dem Baumeister der Deutschen Bücherei, Herrn Geheimen Rat Dr,-Jng, Waldow-Dresdrn aufgestellt und die Baupläne auf das reiflichste erwogen: er hat die ?lnstellungsbedingungen der Beamten der Deutschen Bücherei festgestellt und die zunächst angestellten Beamten aus der Zahl der Bewerber ausgewählt. Der fiir die Deutsche Bücherei von der Stadtgenieinde Leipzig zur Vertilgung gestellte Bauplatz, der 12 258 7 Quadratmetev grob ist, befindet sich im Südosten an der Karl Siegism-und-Straß« in der Nähe des Bölkerschlachtdeukmals, nicht weit vom Deutschen Bnchhändlerhaus entfernt. Er grenzt aus der einen Seite an die Kgl, Sachs, Taubstummenanstalt, auf der Rückseite an den Jöhan- nisftiedhof, so da/g für «ine spätere Erweiterung der Gebäude Raun, vorhanden ist, Tie Baukosten, die im ganzen auf 3 Mill, Mark veranschlagt sind, werden vom Sächsischen Staat getragen. Zunächst werden jedoch nur das Verwaltungsgebäude und ein den großen Lesesaal enthaltender Mittelslügel gebaut. Es werden hier Magazinräume fiir 500000 Bände geschaffen: nach Fertigstellung des ganzen Gebäudes ward die Deutsche Wicherei 5 Millionen Bände aufnehmen können. Die Pläne sind in engstenr Einvernehmen mit den bibliothekarischen Fachleuten bearbeftet worden; überall ist in der Verteilung der Räume wie in der Ausgestaltung der Fassade auf die zukünftige Zweckbestimmung des Hauses dir weiteste Rücksicht genommen worden. Es ist. mit Sicherheit zu erwarten, daß die Deutsch« Wicherei nicht nur ein nwnumentales, deni im Entstehen begriffenen Stadtteil zur Zierde gereichendes, sondern auch wirklich praktisches und zweckmäßiges Heim erhalten wird, Tie Gründung der Deutschen Bücherei ist als das bedeutsamste Ereignis aus dem Gebiet der Bibliotheksgeschichte der letzten Jahre bezeichnet worden: man könnte vielleicht sogar sagen, daß seft der Erneuerung der alten Universitätsbibliothek in Straßburg In dem wiedergewonnenen Elsaß vor 40 Jahren keine Neugründung auf diesem Gebiete von solcher Großzügigkeit und Weite der Ausblicke, von solcher Tragweite stir das ganze Geistesleben, für Wissenschaft, Schrifttum und Buchhandel zu verzeichnen ist. Weit über die Mauern der Stadt Leipzig hinaus, m der damit gleichzeitig der deutsche Buchhandel vvn neuen! fest verankert ist, weit über das Königreich Sachsen hinaus reicht seine Bedeutung als Sammel- stätle der geistigen, ini Schrifttum niedergelegten Schätze der Nation, als Band, das die Deutschen jenseits der Reichsgrmzen und der Ozeane mit der alten Henna! verknüpft, als zukünftiger Mittelpunkt der zu straffer Organisation zusamuienzufasscnden bibliographischen Unternehnuingen, die sich im Wettstreit der Völker bereits jetzt die höchste Anerkennung errungen haben. Ein lebendiger 'Ausdruck für die opferwillige und begeisterte Hingabe an die Bestrebungen der Deutschen Bücherei ist die bereits nach Tausende,! zählende Schar der Förderer der Deutschen Bücherei, die sich aus den Aufruf oes Geschästsfiihrenden Ausschusses hin zu einer „Ge- 60 sellschaft der Freunde der Deutschen Bücherei" zusamniengeschivsien haben. Dies« Gesellschaft, deren Protektorat Se. Majestät Stönig Friedrich August wit Sachsen zu übernehmen geruht hat, bezweckt, die Aufgaben der deutschen Bücherei nach jeder Richtung und in der wirksamsten Weise zu fördern und alle die Kreise, die an dem grüßen Kultunoerk der Deutschen Bücherei lebendigen Anteil nehmen, in engster Fühlung miteinander zu halten. Möge es der Deutschen Bücherei des Börsenvereins der Deutsche» Buchhändler vergönnt sein, die hochgespannten Hoffnungen zu erfüllen, die an ihre Begründung geknüpft sind, und sich damit des Vertrauens und der hochherzigen Förderung wert zu erzeigen, die ihr von allen Seiten entgcgeugebracht worden sind. Tann ist der Dank der Nation und der Nachwelt sicher den hohen Behörden, Körperschaften und Privatpersonen, die sie ins Leben gerufen habender Königlich Sächsischen Staaisregierung >mi> ihren Vertretern bei den vorbereitenden Verhandlungen, den Herren Exzellenz Dr. Roscher und Geheimen Rat Tr. Schmoltz, der Süäffischen Stnnde-- verjammlung, der Stodtgemeindc Leipzig und insbesondere ihrem Oberhaupt, Herrn Oberbürgermeister Tr. Tittrich, dem Börseiu- verein der Deutschen Buchhändler und dem deutschen Verleger- Verein und vor allem seinen Mtgliedcrn Albert Brockhaus, Dr. Erich Ehlermann, Arthur Meiner uich Geheimen Hofrat Karl Diegismund. _ persönlicher vom «lustigen Fürsten von Albanien. Als .Lohengrin" soll Carme» Sy!va, Rumäniens Königin, die Tonte des künftigen Herrschers von Albanien, den Prinzen von Wied bezeichnet bade», nicht nnr wegen senicr glänzend weiüen lliuform der Potsdamer Gard:-d»-Cc»pS und seines Aeutzcre» überhaupt, sondern auch n>egen seiner geistigen Eigenschaften, besonders wegen seines Mutes, Ter Prinz Wilhelm von Wied hat bekanntlich eine geivaltige, breite Reckengeftalt und veriügt über erhebliche Koeperkrast F. W. Wile, der Berliner Mitarbeiter der .Daily Mail', der sich aelegentlich der bevorstehenden Thronbesteigung de; Prinzen mit ihur beschäftigt, erzählt, daß der Prinz als junger Leutnant den besonderen Sport getrieben habe, einen seiner Kameraden mit einen, geitreckten Arm in die Luit zu hebe«. Anscheinend hat Wile Gelegenheit gehabt, den Prinzen aus nächster Nähe wiederholt zu beobachten und so ist er imstande, allerhand interessante Züge von ihm, aus seinem Leben, so vie von seiner Gattin mitznteilen. Im Geipräch inerkt man denr Prinzen zwei hervorstechende geistige Eigenschaften an: Intelligenz und Willenskraft. Er inacht wenig Worte, trifft aber immer den Nagel a»i den Kopf. Er ist zivciielloS cm Mann der Tal. Sei» ganzer Körperba» verrät gewaltige »rast und das Gesicht zeigt, daß er Entschlossenheit init kühler Uevorlegung vereint. Aus der Zeit, wo der Prinz von Wied in Jena studierte, weih Wile zu erzähle», daß er sich von leinen Sludiengenoffe» ab- schloh und nicht ,vie diese beim Bier sah oder aus Plensnren anspaukte, solider» viel lieber las, Ter ielsenieste Grundsatz, vorwärts zu kouiiiieii, den er als Student zeigte, beherrscht« ihn auch in seiner militärischen Lanibahli. 3(13 er zur Kriegsakademie kam, meinten viele, er müffe er wegeli seiner Verbindungen in den höchsten Kreisen — der Prmz von Wied ist mit deln dcntlcde», den, russischen, denr »iederiändischen Herrscherhaus« und allen drei skandinavische» Herrscherhäusern verivandt — weil biingen. Wile erzählt null, daß die, die ihn näher kannien, der Ansicht ivaren, der Prinz von Wied hätte ebenso anl ein ciumcher Meier, Müller oder Schulz« sein kölinel, »nd halte es^ doch ebenso iveit gebracht. Don dein einmal gelabten Entschlüsse, nact) Albanien zu geben und als deffen Herrscher aus dein jungen Staate etivas z» machen, hat ihi, nieniand abbriiigen keinen imb es soll nicht an Stiinnien au« seiner nächste» Umgebiiiig ne'ehli haben, die seinen Eiillchlnh als allzu kühnes Wagnis bezeichnet habcii. Tie Gattin des künftigen Fürsten von Albanien, Priiizelsin Sophie, geborciie Schönbnrg-Waldenbiirg, ftainiMt ninllerlicherleils aus dem Hanse Conlaknzeno ui,d hat ihre ganze Jiigenü i» Rumänien verbracht. Ihre Erziehung war iür eine künftige Fürstin ein ivenig ungeivöh»- lich, denn sie ist ähnlich >vie ein einiaches Banernkind in öcit Hügel» der Moldau aiisgewachsen und hatte dort Umgang mit den eliiiachsten Leute» an? dem Volke: Förster und Gntsbeamte ivareii z. B. bei Festlichkeiten ihre Tänzer! Tie Prinzessin von W,ed soll jedoch, ivnS den Jürktentliron von Albanien angrht, den iclieiiie :en Eiiljchlntz ihres Galleii teilen und Wile bernchict über ihren Charakter, da» sie zu beu Frauen gehört, dir das, was sic sich vorgcsetzt baben, auch unbedingt ansführeli. vermischte». * Die Sleiiereinschätzn» g nach d«i» Bier matz. Wer beltte dnulps brütend über seiner Steuereinschätzung sitzt unb nai INI «chiveiffe seines AngestchtS selbst iiiiiiier lisch «nie höher« kt»>e lieranSrechneii mub.^der möac mit Wehmut jener vergangene» Zkileii gedenken, da das Ltenerwelen noch nicht «i» uiirei'ouli 1 ;l Ungeheuer war, dem gegenüber Iür den Humor kein Raum bleibt, sondern jeder warteii kouiile, bis der Stenereiimehiiier bei ihm vorsprach und von ihm die Abgabe verlaiigte, Tabci Ivar iiianch wunderliche und kurios« Berordiuing getroffen, »nd besonders ivard aus die Schiielligkett des Gebens Wert gelegt »och dem Sprichwort «Tappelt gibt, iver schnell gibt'. Ja, wer sich erst langsam zu der immerhin peinlichen Leistung entichloß, der konnlc ivohl gar schon dadurch i» eine höhere Stufe kommen. Ties ist ivenigiienS der Sin» einer eigenartigen Bestiininnng, die Karl von Weber an» den Allen des Dresdener Staatsarchivs ans Licht gezogen hat. Die Dörier an der schmaleii Gera, einem Arnr der Gera, muhten den Markqra e» zu Pleitze» eine Abgabe «iitcr dem Namen .Weltgeld" entrichten, die kol ienderinatze» «inbezogen wurde : Der Vogt von Gotba begab sich nämlich zu Psingstcii icoen JahreS zu den Bauern, iiin die Steuer z» erhebeii, »iid dabei ist in der Perordiumg be- stiniinl: .Jeglicher Power, der 1 vstuck dal, gebt 1 Piennig in sulcher iveile, i ist einer mocht vor 2 Piennig Bir anbtrinken, und welcher Pawr den Piennig nicht liilcher iveile gibt, der »ruh dal verdühcii mit 3 Pfund.' Wer also beini Erscl>einen des VoatS seinen Pieiiiiig nicht bereit hatte oder ihn wiiiignens zur Stelle schaffen koiiiile innerhalb der Zeit, di« der Vogt - den» dies ivar »der eine' — braut le uni ftür 2 Pfennig Bier anszulrnikcn. ninhte ein« iehr bedeutende Straie e>legen. Sollte also die Steuer wirklich rentabel werden — und das wurde sie erst durch die Geldftraien — io muhte bei der Besetzung der Stell« emeS BogtS zu Gotha vor allein daraus gesehen werden, dah er sich eines — zumindest »m die Psingstzeil eintretenden — bejondrre» Surfte» und iner sehr weite» Kehle erireuen. Denn die Beranlagmia zu der Stenec- eihöbuna eriol te ganz von selbst durch die Geivalt und Schnelltz- keit seines Trunkes. * Wa« amerikanische Studenten auSgebin. Die Frage, ob in der nenen Jnaend an gewiffc» amerikanischen Nnioersttälen der Hanq zum Lux»» nicht gBährltctie Fortschritt« gemacht hat, wird durch «nie Gerichtsverhandlung, die kürzlich tn Chicago ftattiand, ivieder in Fluh gebracht, und hat in der amerikanischen Preffe bereits lebhafte Erörteruiigen hernorgernft». B»i jenen, Prozesse ergab es sich, daß der junqe Mr. Henry Field, der Enkelloh» Marshall FieldS, »es reichsten Ärostkaustnannes von Chicago, als Student in Englaiid, und zwar an der Universität von Cambridge, lährlich rund 40 000 Mk. ausgibt. Plan veraletcht mit dieser stattlichen Lum'ne, die ein junger Student tm Jahre kür sich auSgibt, die Kosten der studentischen Erziehung in Amerika. Nach den angestellten Erhebungen gibt der jung« Eollege-Sludent in Amerika einschltehlich seines gesamten Lebensunterhaltes an den billigeren Colleges jährlich 1800 — 2000 Mark au», und an den lenernen und vornehmsten Colleges beläuft sich die Summe, die das Collegjahr eriordert, au> 2400—3800 Pik. In den ineisten Anstalten ivird lehr strena darauk gesehen, dah die Zöglinge keinen Aukwand lreibe». Dr. Strnker von, vanrilton-College erklärt bet» lpielswcise, daß er jeden Colleae-Schüler, der inehr als 2800 Mk. in, Jahr« ausgibt, von der Anstalt auSweilen würde. Ter Enkel Piervont Morgans, der junge Juntn« Morgan, der an Harvard- College studiert, gibt jährlich, Wohnmig »nd Unterricht einqefckiioffen, rund 0000 Alk. aus. In dtcier §»,„»>« siguriere>, die Beiträge sür die KlnbS mit I 00 Mk., die Ausgabe» iür Theater und Over mit 300, bic Ausgaben Wir Blumen i»il »0 > und da» Kleiduug»- budget »,,t 1200 Mark. Damit ist der College-Etat de« jung«» Morgan eiiva ani der gleichen ööbe wie der ienier »leisten Kameraden von Harvard, wobei allerdings ktnzugenigl wird, dah.viele Sllideiiten, die eigene Automobile hallen, mehr auSgeben.' Im allgenieinen iverben College-Schüler und Snidente», die größeren gelelllchaitlichen Ehrgeiz zeigen, an de» amerikanischen Universitäten und Colleges sehr über die Achsel angesehen, und dainit erklärt e« sich auch, daß die Amerikaner iür ihre Söhi,e in immer steigendem Maste ihren heimische» Hochschule» den Vorzug vor den älteren englischen Universität«, gebe», aii denen inebeiondere d,e Sohn« wohlhabender Ellern in Geiahr geraten, einen Luxn» „nd einen Auiivand z» treiben, die in Amerika bei der J»ge,>d air schädlich angeseh«, iverden. * In der Ahnengalerte. Der leutselige Aristokrat zeigt einem Manne ans dem Volk die lange Bildcrreihe, in de, seine Borsahren im Zeitkostüm dargesteilt sind: „Das, Vater Jean, sind meine Ahnen!" — „Nce, aber auch," sagt der lopf« schüttelnd, „ich hatte nie gedacht, daß des Herrn Grasen Vorfahren solche Schlingel gewesen wären, daß sie sich alle im Maskenkostüm porträtieren ließen." Rätsel. Eine Festnng ist'» am Rhein. Schreib' ein kleines ,i" darein: Nim cutslcht ein Raubqesell: Ueberall schätzt inan sei» Fell. Auslösung in nächster Nummer. Auslösung des Rösselsprungs in voriger Nummert Zeige bei trübseliger Zeit dich tapler Und von mierschütlertein Mutz doch lern a»ch, Scknvcllt ei» allzu günstiger Wind dein Segel, Klüglill, es enizteh'n I Horaz. Redaktion: K. Neurath. RotationSdnick und Verlag der Brühl'ichen UniversilülS-Bnch- und Steindrnckerei, R. Lange. Gießen.