Montag, den ly. Januar Ein Frühlingstraum. Roman von Fr. Lehne. (Nachdruck verboten.) n. (Fortsetzung.) Was siel dem Mann ei», ihn, Wolf, zu maßregeln? Aber er mar doch zu sehr Edelmann, als daß er diel Tochter beim Vater verklagte. — Etwas hochmütig im Ton, eine Entgegnung aus jene Bemerkung umgehend, sagte er: „Sie wünschen meine Anlvesenheik, Herr Ulrich — darf ich fragen, weshalb?" „Weshalb?" lautete die etlvas scharse Gegenfrage, „weshalb? können Sie sich das nicht denken? Oder ist Ihnen dies Papier hier unbekannt?" Dabei schloß der Bankier ein Fach seines Schreibtisches auf, dein er ein Blatt Papier entnahm, das die Form eines Wechsels hatte, - entfaltete es, und hielt es Wolf vor die Augen. „Nun, Herr Leutnant von Wols-sburg, Ihre Handschrift ist Ihnen doch bekannt — oder bezweifeln Sic etwa die Echtheit dieses! Namenszuges?" „Fa, tausendmal ja," rief da Wolf ans: vor seinen Augen tanzten die Buchstaben, und nur mit Mühe sah er, daß der Wechsel am 30. Juni — das war schon morgen — fällig war. Und sein Namenszug darunter! Aeffte ihn denn ein Spuk? Die Gedanken wirbelten in seinem Kopf — was war das? welcher Bube konnte g.nvagl haben---Wie ein Blitz durchfuhr ihn da der Gedanke an Erwins Brief — sein Vater — sollte er — o nun ivar ihm alles klar! Wic- erstarrt saß er da, und wie aus weiter Ferne schlug des Bankiers etlvas eintönige Stimme an sein Ohr: „Dacht' ich mir doch, daß Sie, Herr von Wolfsburg, ^unmöglich leichtsinnigerweise einen Wechsel über 25000 Mark ausstellen — Sie, ein Mnstermensch, der allen zum Vorbild dienen könnte, der nicht spielt, keinen noblen Passionen huldigt und nichts tut was ihm je Verlegenheit bereiten tüniile. Deshalb habe ich Sie schon vorher benach- richtigt, che der Versallstag eintritt! — Verzeihen Cie die Belästigung, da steckt eine Mchtswürdigkeit dahinter, die nicht streng genug geahndet werden kann! Ihren Namen zu mißbrauchen — —" dabei heftete Ulrich seine Augen in erbarmungsloser Schärfe auf Wolf, der aschfahl im Gesicht, in heftigstem Kampfe dasatz. O nur Zeit gewinnen, um das Entsetzliche zu fassen, daß der eigene Vater — denn so war es, lvie es mit unheinilick^er Klarheit vor ihm stand. „Nein, lassen Sic," rang cs sich endlich von seinen Lippen, „ich gebe zu, daß ich, daß jenes Papier von min herrührt »nd werde es morgen —" „Wirklich, Herr Leutnant? Sollten Sie gewillt sein, jene Fälschung — denn eine Fälschung ist es, wie Sie mir im erste» Augenblick durch Ihre gerechte Entrüstung verrieten — gutheißen zu wollen? Das müssen sehr wichtige Gründe sein —" „Ich erkenne die Unterschrift als von mir herrllhrend an und werde morgen mittag das Papier einlösen," sagte Wolf mit fast erloschener Stimme. „Glauben Sie, daß Ihnen das so leicht sein wird? Bedenken Sie auch, daß, wenn es Ihnen nicht möglich ist, das Geld zu schassen, ich den Wechsel mit der gefälschten Unterschrift nicht prolongieren loerde — auf keinen Fall! Die Folgen werden Sie ja wohl wissen, wenn das Papier Ihrem Regimentskommandeur vorgelegt wird." Wols sah die Wahrheit dieser Worte ein und erkannte, daß der Mann da vor ihn, ihn vollständig in den Händen hatte, und er ivußte, daß derselbe auch dazu angetan war, diesen Vorteil voll auszunutzen. Eine dumpfe Mattigkeit und Schwere im Kopf nahmen ihm fast die Fähigkeit zu denken, und nur mechanisch nickte er, als der Bankier ihn fragte: „Sie haben mich doch verstanden, Herr Leutnant?" Da rückte Herr Ulrich seinen Stuhl etlvas näher zu ihm und begann in vertraulichem Tone: „Ich meine es gut niit Ihne», Herr von Wolfsburg, hören Sie mich au! Dieses Papier hier erschütlert Ihre Stellung vollständig — nach den Gründen, c-s trotzdem als von Ihnen herrührcnd anzuerkennen, will ich nicht sorschen, obgleich es mir ein leichtes wäre!" Wolf zuckte zusammen: doch der Bankier legte beschwichtigend die .Hand auf seinen Arm und fuhr dann sort: „Nein, wirtlich nicht! — Also, um niich kurz zu fassen — ich bin gewillt, die Sache auf sich beruhen zu lassen —" er machte eine kleine Pause und sah sein Gegenüber bedeutungsvoll an. „Um welchen Preis aber, Herr Ulrich? Denn umsonst—" stieß Wols heiser hervor: ihm bangte vor dem, was ec hören sollte — eine Ahnung begann in ihin auszusteigen, eine schreckliche Ahnung — und er täuschte sich nicht. Etwas verlegen hiiftelnd, fuhr der Bankier sort: „Herr von Wolfsburg, höre» Sie mich ruhig an — es ist nur zu Ihrem Vorteil — Sie wissen, ich habe eine Tochter, die viel begehrt ist! Aber am liebsten würde ich sia von alten ihren Bewerbern Ihnen anvertrauen, da Sie —" „Herr Ulrich, dazu habe ich mich, nie gerechnet, wollte auch nicht im mindesten' dasür angesehen werden, da ich kein Glücks- und Mitgistjäger bin," rief Wols aufgeregt, wurde aber am Weiterreden durch die etwas eintönige Stimme seines Gegenüber unterbrochen. „— Also am liebsten würde ich mein einziges Kind Ihnen anvertrauen, da ich Sie als einen durchaus ehrenwerten Mann kennen gelernt habe. Auch meine Tochter denkt so und ist Ihnen sehr geneigt, lvie ich weiß." So, endlich war es heraus: unter Wolfs sorsch>endcm Blick ivar es doch nicht leicht gewesen, ihm diese Regelung! der Angelegenheit vorzuschlage». Der junge Offizier holte tief Atem — also das war es! Ihn wollte sie, ihn um jeden Preis — daher dieser seinaugcwgte Plan! Für ihn staud es fest, daß Gabriele »in die ganze'Wechselgeschichte wußte —- Mit Sude war sie es auch gewesen, die das so fein ersonnerr hatte! — Wortlos stand er ans und griff nach säiner Mütze. Herr Ulrich erhob sich gleichfalls. „Sie gehen, Herr Leutnant —?" „Ja, Herr Ulrich, denn ineine Selbstachtung verbietet mir, noch säuger eine solche Erniedrigung meiner Person init anzuhoren. Ich lasse mich nicht kaufen! — Morgen, werde ich den Wechsel zur bestimmten Zeit einlöseu." „Wie Sie wollen," lautete des Baukiers kühle Antwort; „ich gebe Ihnen aber zu. bedenken, daß ich keine Lust habe, mich zum Mitschuldigen eines offenbaren Betruges zu machen, zu dem Ihr Name benutzt worden ist!" Dabek wandte er sich ab und sah anscheinend gleichgültig zum Fenster hinaus. Wolf trat wieder einige Schritte zu ihm hin und entgegnete mit mühsam behaupteter Fassung' „Ich habe den Wechsel ausgestellt —" „Das ist nicht wahr, Herr von Wolssburg, Sie sprechen die Unwahrheit! Sie sind es nicht gewesen; Ihre anfängliche Entrüstung war echt und recht — Sie waren rs nicht, sondern, wenn Sie es durchaus hören wollen —" „Nein, nein," schrie da Wols auf, „nein! — ?lber was haben Sie den» für Schaden? Ich zahle Ihnen morgen die Summe, ich kann sie bekommen — dann ist die Sache erledigt." „Meinen Sie? Für mich nicht! — Ein Kaufmann, Herr von Wolfsburg," entgegnete Ulrich scharf, „hat denselben Begriff von Ehre, >vie die Herren Offiziere, die manchmal einen ganz falschen und übertriebenen Kultus/ damit treiben! Nochmals, ich gebe niich nicht dazu her —" „So gönnen Sie mir doch wenigstens Zeit zur Ueber- kegung!" „Ueberleguug, lvo andere mit tausend Freuden zugreifen würden," sagte der Bankier in bitterem Tone, während doch etwas lvic Mitleid beim Anblick von Wolfs bleichem Gesicht in ihm aufstieg. „Herr Ulrich — ist das aber ehrenhaft, mich zu etwas zwingen zu wollen, wovon —" „Kein Wort, Herr Leutnant, lvenn Sie nicht Ivollen,. daß morgen schon der Name Wolssburg mit Schmach bedeckt ist! — Ich habe Mitleid mit Ihnen, lveil ich Sie, stets als einen Mann von Ehre und Charakter erkannt habe, deshalb schlug ich Ihnen diesen Ausgleich vor — denn seinem Schwiegersohn tut man schon zuliebe, was' einem Fremden gegenüber doch zu gewagt wäre! Zum Beispiel könnten Sie von dieser Sache nicht doch einmal Gebrauch machen? Dann wäre uiein Ansehen als ehrlicher Geschäftsmann hi»! Zu solchen unsauberen Geschichten gebe ich mich nicht her." Scharf und bestimmt klang alleß. was er sagte, und seine Augen ruhten forschend aus Wols. der mit gesenkten! Kopfe dastand, die Mütze nervös in den Händen drehend. „Also, wie Sie wollen, Herr Leutnant," fuhr der Bankier kühl fort, „ich dränge Ihnen meine Tochter nicht aus; dazu ist mir mein Kind zu lieb. Glauben Sie denn, daß ich da kein Spser bringe?" „Herr Ulrich," rang es sich mühsam von Wolfs Sippen, „Herr Ulrich, ich bin ja bereits gebunden! Ein Mädchen —" „Weiß ich, lieber Wolfsburg, weiß ich alles! Sie werden doch aber nicht ini Ernst daran gedacht haben, jene kleine Putzmacherin zu heiraten?" Etwas wie Mitleid über solche Unvernunft klang da aus seiner Stimme. „Im Ernst? Das glaube ich nicht! Liebe macht blind! Begreife ich, wenn das Mädel so hübsch ist, lvie meine — wie allgemein gesagt wird. — Na, über so etwas sehe ich hinweg. Nach den Verlobung aber muß natürlich reiner Tisch gemacht werden! Am besten, wir/geben per Person leiuelAbsindungssumme " „Halten Sie ein, Herr Ulrich," stieß Wols halberstickt hervor, „halten Sie ein, das ist meine Sache.--Eine Frage noch: weiß Ihr Fräulein Tochter danim?" Er wollte klar sehen; sie nmßte es wissen, bestimmt; denn sonst hätten ihre Andeutungen nicht gar so bezüglich geklungen. Der Bankier hatte in seinen Papieren zu suchen, als er diese Fraye beantwortete; es war fast, als scheue er sich, Wolf in die Augen zu sehen. „Meine Tochter? Nein! Wie sollte sie —? Aber mir wurde an Meinem Stammtisch von Ihrer Schwärmerei errählt. Sie wissen, der Stadtllatsch beschäftigt sich gern nnt den internen Angelegenheiten höherer Stände — da sickert so manches in dre Oefsentlichkeit —" „Wie du lügen kannst," dachte Wolf voller Ingrimm, „Deine Quelle kenne ich!" und laut fragte er: „Und di« andere Angelegenheit, was sagt Fräulein Tochter dazu?"* „Herr von Wolssburg," wandte sich Ulrich ihn, da zu. „Sie scheinen zu denken, daß ich meiner Gabriele Einblick in meine geschäftlichen Sachen gestatte! Da sind Sie sehr im Irrtum; es fehlt ihr übrigens jedes Interesse daran. Nein, »ein, sic ist ganz unbeteiligt." „Ah, dann ist mir ein großer Stein vom Herzen! —j Es müßte auch für Fräulein Gabriele ein wenig angenehmes Gefühl sein, wenn in dieser Weise über ihre Person verfügt wird. Dann kann ich ihr morgen auch — unbesangencr ent- gegeutreten! Jetzt gestatte» Sie mir ivohl, daß ich mich ent^ ferne — ich muß mich doch erst etwas zurechtsinden!" Er verneigte sich; Ulrich gab ihm bis zur Tür das Geleit» schüttelte ihm zum Abschied freundschaftlich die Hand mit einem „Auf Wiedersehen" und ging daun wieder in sein Privattontor zurück. „Es scheint ihm doch sehr schwer zu fallen, mein einziges Kind mit seinem Vermögen zu lieben! Die Sache niit der kleinen Putzmacherin muß also lvohl wahr sein und tiefer sitzen, als ich dachte! Lächerlich — er wird schoni andern Sinnes werden, lvenn ich ihm sage, was meine Tochter bekommt. So unempfindlich ist keiner gegen den Wert und die Macht des Geldes. Jetzt ist cs vicllciclst: Trotz von ihm — später wird er es niir noch danke»! Es wäre töricht gewesen, jetzt auf meine Macht über ihn zu verzichten, lvo ich weiß, wie heiß ihn Gabriele begehrt, und er ist mir auch als Schlviegerjohn der willkommenste von allen! Schön, aus altem Geschlcchte — wer weiß beim weiter von dem Flecken aus dessen Schild —" so sinnend saß er an dem Schreibtisch. Gabriele war sein einziges, von ihni abgöttisch geliebtes Kind. Jeder Wunsch lvurde ihr erfüllt; lvas er ihr an den Augen abfehe» konnte, tat er Maßlos verlvöhut und ein Entsagen nicht kennend, erfüllte es sie fast mit Zorn, daß Wolssburg sich so kühl ablehnend gegen sie verhielt und gar keina Miene machte, mit den vielen Bewerbern um ihre Hand in Wettbewerb zu treten. Und sie hotte ihn dock, so gern, den schlanken, vornehmen Offizier mit dem schönen dunkeln Geficht! ' Ihr Baker war sehr zufrieden, daß sic noch bei ihm war; >a>bcr trotzdem wunderte er sich, daß sie so gar keine Neigung zum Heiraten zeigte — die Sache mußte tiefer liegen — und da, auf sein Drängen hatte sie ihm denn gestanden, daß sie sich aius keinem ihrer Bekehrer etwas mache, daß ihr alle» aUc gleichgültig loären — bis ans einen — und der bemühte sich nicht um sie! Leutnant Wolssburg! Tränen hatten ihre Augen erfüllt, als sie von seiner Kühle sprach. „Ich heirate nicht, Papa, wenn ich ihn nicht bekomme — ach, ich bin so unglücklich!" Er hatte sie getröstet, daß Wolssburg in seinem stolzen Sinn durch feine Armut zurückgehalten fei — Sie hatte da höhnisch aufgelacht. „Seine Armut? Sag' lieber meine Putzmacherin, daun hast du cs richtig getroffen! Ja, Papa, kannst mir glauben, so ist es! Ich weiß es ganz genau; er trifft sich säst jeden Abend mit ihr; erkundige dich nur danach — um diese Person verschmäht er npich!" Und sie war da in Tränen ausgebrochen, in heiße, eigen-j sinnige Tränen. Sie hatte ihm leid getan in ihrem Schmerz, so daß er ihr die größten Versprechungen gemacht hatte, um sie zu beruhigen. Nun war jenes Ereignis mit dem Wechsel oingetrete» — und er sollte seiner Tochter nick)k helfen? Er hatte ihr einige Andeutungen geniacht, daß eS in seiner Macht stünde, Ihr vielleicht ihren Wunsch erfüllen zu rönnen, und wie glühend dieser in ihr lebte, hatte er an ihrer Freude sehe» können. Listig schmeichelnd war es ihr gelungen, ungefähr die Sackte zu erfahren — und was sie nicht von ihrem Vater lvußte, das kombinierte sie —> und fast richtig — in ihrem schlauen Sinn —' wie WolH auch richtig^edacht hatte, daß ihr dieses Geheimnis nicht un-j bekannt fet. — ^ (Fortsetzung lolgt.) Rodheimer Markftrcitigfeiten. I» der Nenjahrsnacht brannte zu Rodheim an der Bieber die große Scheuer des ehemals Rabenauischen Hofes ab Sie war nicht nur, wie der Gicßencr Anzeiger berichtete, „eüi Markstein alter Holzbaukunst". Dieses mächtige Bauwerk war ein sichtbarer Zn,ge der sozialpolitischen und wirtsä>aftlichen Vergangenheit des Dorfes. Denn mit der seit September 1010 verschwundenen alten Säml« erinnnerte sie die Nachgeborenen daran, dag einst die ortsansässigen Edcllnite ihre harte Hand ans der einheimischen Bauernschaft 39 — Rtgen hatte». Dadurch wurde die wirtschaftliche Entwickelung schwer gesckzädigt, und die Hemmungen, die dieser Druck aus das Innenleben des hörigen Bauern ausübtc, sind jedem Kuirdigen heute noch sehr deutlich erkennbar bei den Urenkeln. Aber es hieße gegen die Geschichte ungerecht sein, wollte man behaupten, tzaß aus jenem Verhältnis zwischen Adel und Bauernschaft nur schwere Nachteile entstanden seien. Sieht man von unserem Gegenwartsstandpunkt aus oberslächlich zu, dann scheint cs allerdings so zu sein, als sei aller Unsegcn von den Ritterburgen Und den Adelshösen in die Dörfer ausgegangen. Aber ein Blick in die Geschichte der Heiniat lehrt uns, daß auch diese Entwickelung nötig und gut war. Für beides möchte ich heute einen kleinen Beweis liefern, dafür nämlich, daß die Adels- Herrschaft einerseits ein Hemmnis, anderseits ein großer Vorteil für die Entwicklung des Dorfes ivar. Diesen Beweis liefert uns ein Blick in die Vergangenheit der in de» dreißiger Jahren des »origen Jahrhunderts aufgelösten Rodhcimer Märkcrschaft. Die Geschichte der Rodheimer Mark ist bis letzt noch ungeschrieben: wiewohl es eine außerordentlich lohnende Ausgabe iväre. Denn sic bietet wertvolle Ausschlüsse für die Entwicklung Rodheims seit 1560 etwa in säst jeder Hinsicht. Zumal ein reiches Urkundenmaterial, jetzt im Iiodheimer Arcksiv ausgestellt, zur Verfügung steht. Die Anfänge der Mark Rodheim lassen sich nicht mehr erkennen, es fehlen uns da die urkundlichen Nachrichten. Genaue Kenntnis vermittelt uns ein sehr wichtiges Aktenstück aus dem Jahre 1663, das die Abschrift der im Jahre 1557 ausgestellten „Marckreguln" enthält. Daraus läßt sich etwa folgendes schließen: Die Zeiten der Reformation Ivaren auch für unsere Gegend sehr bewegt. Durch die Kämpfe und Streitigkeiten um das Evangelium konnten die sührenden Männer der ^Heimat sich nicht um die wirtschast- lichen Verhältnisse ihrer Dörfer kümmern; die Einführung der Rcsormation, der Schmalkaldische JÜrieg Und seine Folgeerscheinungen geben ihnen alle Hände voll zu tun Dadurch entstand in den örtlichen Verhältnissen mancknrlei Unordnung. Es läßt sich denken, daß die Bewohner sich diese Umstände zunutze machten, um sich mancherlei Rechte in den ausgedehnten Waldungen auzu- maßen. Das Vorhandensein großer Wälder geht ja mit dem Holz- frcpcl immer Hand in Hand. Als deshalb, etwa nach dem Augsburger Religionssricdcn 1555, die Glaube,isangelegenheiten eine vorläusige Erledigung gesunden hatten, gingen die Edlen daran, in den heimischen Verhältnissen wieder Ordnung zu febasse». Vor allem sorgten sie dafür, daß der wertvollste Besitz der Gegend, der Wald, in geordnete Pflege und Verwaltung genommen wurde. Es ist das unstreitige Verdienst jener Leute, damit eine Jnstitir- tion gesckwssen $» haben, die durch ihre straffe Ordnung die mancherlei Schwierigkeiten dreier Jahrhunderte erfolgreich überdauert hat. Davon berichtet jenes Markregelnbuch mit folgenden Worten: „ Im Jahr nach Christi Unßres Erlösers und Scelig- machcrs Gnaden Geburt 1557 Aufs S. Thonias des Apostels Tag haben die Edlen unndt Ehrnvesten Junckh. Marx Lcsch von Wöhlnheim; Magnus Holtzapsell zu Vctzburg, Amblmann zu Kleiberg und Sittig von Wolssskeeln zn Vetzberg......sampt drcyen Gemeinden Rodheimb, Fellingshausen und Vetzberg sich miteinand verglichen, daß nun hinfürtcr alle Jahr von Märckern und Förstern Uss S. Thomastag wo möglich, die Rügen des selbigen Jahres all ingcbracht undt wie Jede verwirckte Buß nach Inhalt des Märckcrbuches vertheidiget werden." Eine ungemein interessante Notiz! Es liegt in diesen wenigen Worten eine ganze Fülle von Stoff, den wir nur durch viele Sätze zu erläutern vermögen. Es geht daraus unzweifelhaft folgendes hervor: I. Die Märkcrsckwft besaß schon eine gewisse Verfassung vor 1557, nämlich sic wurde beaufsichtigt durch Märker und Förster. Die Märker waren stets drei, aus jedem Dorfe einer: dies Ehrenamt wechselte jährlich und ging reihum. Förster gab es damals nur einen, später drei sogenannte „Heppensörster", die aus ehemaligen Märkern gewählt Mieden. Diese Beamten führten über ihre Tätigkeit Buch in den Märkerbücheru. Das setzte natürlich voraus, daß sie lesen und schreiben konnten. In der Tat habe ich in der Rodheimer Vergangenheit merkwürdig wenig Analphabeten gefunden. 2. Als Eigentümer der Mark gelten die Adeligen und z,var die Besitzer der sog. Stammhäuser. Das sind: die Schmitte bei Rodheim (Marx Lescksi, der Vetzberg er Hos an, Fuße des Burgbergs (Magnus Holzapfel) und das WolsHkeelsche Haus rechts neben der alten Pforte in Vetzberg (Sittig v. Wolfskecl). Tann galten natürlich als Besitzer die drei Gemeinden Rodheim, Fellingshausen und Vetzberg. 3. Ter Grund, weshalb man sich niiteinander vergleicht, sind die „Rügen und Bußen", also, wie wir vorhin schon betonten, haS Ueberhandnebmen der Waldfrevel, die eine scharfe lleberwachung nötig machen. Die ist aber mir möglich durch das feste Gefüge einer Organisation. 4. Der Tag, an dem das Märkergeding statt- finden soll und auch bis 1830 stattgesimden hat, ist der Namenstag des Apostels Thomas, der 21. Dezember. Es ist sehr anziehend, daß der Tag, an dem bei unsere» germanischen Vorfahren die zwölf heiligen Nächte begannen, das Fest der Wintersoniienivende, von den Nachkommen mit foIcf)cr Zähigkeit festgehalten wurde als Termin ihres Märkergedings. Bis ins neunzehnte Jahrhundert! Ei» kleiner Beleg dafür, wie stark uralte Gewohnheiten und Empfindungen aus der Hcidenzeit in nnserein dcutsck>en Landvolk «purzeln. Es ist keine Frage, daß die drei Edlen durch Schaffung dieser kbganisation etwas sehr wertvolles sür die vicv Dörfer — außer den drei geuannten noch Bieber — geschaffen haben. Freilich- so ganz selbstlos sind sie dabei wohl nicht gewesen; denn sie waren die „Obermärker", d. h. diejenige», die die Aussicht führten und infolgedessen standen ihnen auch größere Rechte zu. Wir werden sehen, daß in diesem Umstand der Kern zu den späteren Mißhclligkeitcn enthalten war. Mer vorderhand mußte es so sein. Tie Adligen, als die einzigen Leute mit weiterem Blick, waren für die Märkerschast die gegebenen Vorsitzenden. Und es äst zweifellos, daß diese Märkersckzast für unsere Heimat einen unberechenbaren Segen gebracht hat. Zunächst durch eine rationelle Benutzung und Bewirtschaftung des ausgedehnten Forstes Es geht über den Rahmen eines kürzeren Aussatzes hinaus, da aut Einzelheiten einzugchen. Nur einiges sei gestreift: die Eichelmast dev Schweine, das Brennholz, Werkholz, Streulaub, Waldsutter, vor allem: die Mark lieferte an ihre Glieder um einen Spottprms das Bauholz sür die Gebäude der Ortsansässigen, soweit sie Mitglieder der Märkerschast waren, und sie warens fast alle. Weiter: Tie Mark war in alter Zeit das, was wir heute Spar- und Leihkasse nennen würden. Natürlich nicht genau in dem Sinn und Umfang, wie wir uns heute eine solche Einrichtung vorstellen, Tie Märkerschast war der Geldgeber für Private und sür Gemeinden. Tie ziemlich belastete Gemeind« Rodheim stand fast immer in ihrem Schuldkonto. Es ist sehr erstaunlich, daß die Märkcrschaft einige Jahre nach dem verheerenden 30jährigen Kriege imstande ist, Kapitalien auszuleihen. Ein sicherer Beweis dafür, daß die Adligen ihre starke Hand zunil Schutze hergaben, ohne sie wäre die Genossenschaft in den Stürmen dieser 30 Jahre gewiß zu Grunde gegangen. Neben dielen ideellen Werten, die in den erwähnten materiellen Vorteilen steckten, müssen Ivir »och ein anderes andcuten. Die Markvereinigung war im gewissen Sinne eine Vorläuferin unseres heutigen ländlichen Genossensckmstswesens. Unsere Dörfer kannten die genossenschaftliche Selbsthilfe lange vor Raifsciscn und Schulze-Delitzsch. Den Bauern wurde an denk handgreiflichen Beispiel der Waldbewirlschaftung die Gemeinsamkeit ihrer Interessen deutlich, sie lernten (unseren modernen Grundsatz kennen: „Alle für einen, einer für! alle". Nicht diesen Wortlaut, aber seinen Sinn und Inhalt. Tein modernen Menschen braucht man daher den inneren Wert, de» eine solche Markgenossenschaft hatte, nicht auseinanderzusetzen. Und das größte Verdienst, diese segensreiche Einrichtung durch Jahrhunderte bin- durch aufrecht erhalten zu haben, gebührt ohne allen Zweifel deck alten Rittern. Natürlich tat auch die Bauernschaft das ihre, ohne das wäre es ja nicht gegangen. Aber die sviritus rectores, die geistigen Führer, die Seele des Ganzen, ivaren die edlen Inhaber der alteil Stammhäuser. Das muß auch einmal betont werden. Und deshalb müßte» die Nachkommen jener alten Bauern- wenn sie Sonntags zur Kirche kommen, die im Chor befindlichen fünf Ritterdcnkmäler mit Dankbarkeit und Verehrung betrachten. Sie waren alle, soweit sie dort in Stein verewigt sind. Inhabers jener drei Stammhäuser. Auf dem. was sic geschassen mrb erbalten haben, konnten unsere Väter weiterbauen. Tab ohne die Adligen die Mark zugrunde gegangen wäre, lehrt uns ein weiteres Ereignis. Wohl sagten wir vorhin, daß wenig Jahre nach dem westfälischen Frieden die Genossenschaft wieder in guter Finanzlage war. Aber das war auch nn- das Rettungswerk der Edlen. Es bedarf ja gar keiner Erürtcr ' r daß auch bei uns in jenen unerhörten Kriegsleiden alles drunt.w rnd drüber ging: auch innerhalb der Märkerschast. Darum war es nötig, daß sie sich neu konstituierte. In der Tat: aus der Zeit von 1644 bis 1663 fehlt uns jegliche Nachricht, während in den vorhergehenden Kricgsjahren Spuren des bestehenden und tagenden Märkergedings da sind. Die Vereinigung ist also gerade in deik letzten Kriegsjahren aus den Fugen gegangen. Um das zu erklären und zugleich zu beweisen, erinnern wir bloß an die Zerstörung von Gleiberg (1646) und Königsberg (1647:. Da waren es loieder die Adligen, die das Rettungswerk in die Hand nahmen und die Märkerschast aufs neue zu der alten, festen Organisatton zusainmen- schlossen. Davon berichtet uns ein Einschub in den oben erwähnten Satz, wenn es heißt: „ . . . Jtzund iin.Jahr 1663 er- newert von den Edlen uird Ehrnvesten Hans Günder von Boen- haußen Erbsas zur Schmieden, Generali Wachtmeister zn Giesse». Conrad Ulman BäNe von BäNins Awe, Hauptmann zu Giessen, undt Sinolt gcnand Schützer, Cantzler zu Gießen . ." Sie griffen aus die alte Ordnung ihrer /drei Vorgänger in den Stammhäusern, die sic anno 1557 ausgestellt hatten, zurück, und brachten so wieder geregelte Verhältnisse in die verrottete Märkerschaft. Aber dennoch waren seit jenen Tagen etwa die Zeiten- des guten Einvernehmens zwischen den Adligen »nd dev Bauernschaft vorbei. Das mag mancherlei Gründe gehabt haben; einige wollen wir zu erläutern suchen. Tie alten Edelleute, Lesch, Holtzapsel, Wolfskcel, ivaren alteingesessene Geschlechter gavesen, eines Blutes mit den Bauen:. Sie waren mit der Landschaft und ihren Geschicken seit vielen Jahrhunderten vertraut und verwachsen. So hatte sich sicherlich eine Art Vcrtrancnshältnis tzwischen den adligen Obermärkcrn und den Markmänncrn der vier Dörfer ergeben. Auf diesem Vertrauen beruhte letzten Endes das Wachstum und Gedeihen der Märkerschast. Der große Krieg aber hatte die alten Glieder des Vetzberger Ganerbiets hinioeggefegt und an ihre Stelle waren Glücksritter getreten, die die Kriegswellen in die Gegend gespült hatten. Die Sinolde von Schütz waren gar ein Gelchrtcngeschlecht. Daß diese Fremden sür der hessische» 40 — Bauern Art nicht viel Verständnis hatten, ist einleuchtend, auch kannten sie nicht so mit Land und Leuten vertraul sein, wie ihre Vorgänger. Das war von Aniang an nicht gut. Die weitere Geschichte der Mark lehrt nun, daß diese neuen Inhaber der drei alten Stammhäuser ein wenig stark ihre Rechte an die Mark betSliten, während sie von ihren Mickten nicht sehr viel wissen wollten. Dazu kam, daß sie meist nicht ständig im Biebertal wohnten und auch schon aus diesem Grunde nicht mit solcher Talkrast der Marlgcnosscnschaft sich widmen konnten, wie ein Marx Lesch oder ein Magnus Holtzapsel. Dari» liegt der Keim ,u den Kämpfen zwischen Obermär- kcrn und Markgenossen, die in der zweiten Halste des 17. Jahr» Hunderts tobten! Ein Antrieb zu diesen Mißhelligkeitei, lag freilich auch aut Seiten der Bauernschast. Es lebte« eben in den Bauern »och von 1525 her ein Rest von dem Streben nach Freilieit, »ach Selbständigkeit gegenüber der siegreich gebliebenen Adelsherrschast. Ein solcher unter der Asche glimmernder Funken schlug zu einer kleinen Flamme empor in den Streitigkeiten um die Mark. Tie entstanden aber so: Es hing mit der Eigcnschast der Adligen als aussichtsühreude Obcrmärker zusammen, daß diesen umsangreicheu Mickten auch größere Rechte gegenübcrstanden. Selbstverständlich war das Recht der Marküberwachung, der Einbcrujung und Leitung des Marker» gcdiugs. Diese Rechte lourden de» Stammhäusern nie streitig gemacht. solvcit uns darüber Nachrichten erhalten sind. Ferner flan s den drei Obcrmärkern dovvelles Lo-sholz und doppelte Mästung zu T. h, an alle Markniänner wurde jährlich durch? Los ein gewisses O.uantum Holz unentgeltlich verabreicht. Ebenso haste jeder Markgcnojse das Recht, eine bestimmte Anzahl Schtveine »iit Eielwlmast in die Waldungen zu treiben ohne Bezahlung. Die Stamnihäuscr crlsteltcn dabei den doppelten Anteil am Lo-sholz und hatten doppelt soviel „Freischwcine". Aber mit einer Einjchränknng. Diese doppelten Rechte standen den Stanliuhäuscru nur zu, wenn sic von den adeligen Besitzern persönlich bewohnt wurde». War zur Gutsvcrwaltung nur ei» „Hos- inann" in dem 5gauic ansässig, dann wurde der wie jeder andere Markmann auch behandelt. Dieser Brauch batte seinen guten Grund. Wohnte der Obermürker im Bicbcrtale, dann kümmerte er sich ganz von. selbst um die Mark: er verdiente also das zweislache Recht. War er aber anderswo ansässig, dann hatte die Mark von '-«»er ^bcrniärkerschast recht wenig. Gerade um dieses Recht eutspaT;> sich der Streit. Ums Jahr 1680 verlangten die Adligen sür ihre Höfe doppeltes Anrecht auf die Markalmende, auch in ihrer Abwesenheit: sie wollten also aus einem seither Person- lichcn Recht eine dingliche Gerechtsame machen. Das ließen sich die drei Markgcmeindeu Rodhcim, Fellingshausen und Vetzberg natürlich nicht gefallen. Es kam zum Prozeß vor der Gießener Kanzlei. den die Gemeinde» natürlich verloren. Das Urteil wurde gejätll am 27. September 1681 Ader diese Entscheidung ist den Gemeinden „in berschiedcnen Stücken sehr zuwider und bescktwer- lich gefallen". Taruni appellieren die beiden hessischen Gemeinden Rodheim und Fellingshausen — Vetzberg war nassauiscb — nochmals an die Gießener Behörde. Diese Berusunasurluckdc ist ein lkabinetlstück damaliger Juristenkniife, denn daß sie die damaligen Märker nicht geschrieben haben, ist klar. Die Kanzlei hatte ga schrieben.^aß „Hn Obristtvachlmcister von Bökel und Interessenten" doppeltes Recht zustünde. Daher behaupten die Markgenossen, dies Wort „Interessenten" könne „noch von einem und dem andereir ertcndiret" werden. Sie werden ihre Gründe gehabt haben, noch einmal die drei alleinberechtigten Stammlstiuscr namentlich aiifzu- kühre» Zu dieser alten Klage kommt eine neue. In den Reckf- uungen jener Zeit bilden einen ständigen Posten die Kvntri- ^ buliouen, die sowohl die politische Gemeinde, wie auch die Mark- gcnosjenschast zu leisten hatte. Als Besitzerin der weite» LLaldungcn galt die Mark, aber die Eintreiber der Kontributionen übersehen dabei, daß auch die Adeligen ziemlich große Wälder besaßen Darum mußte die Mä/kerschast von dem gesamten Waldareal Kontribution zahlen, mußten also die Ländereien der Obermärkcr mitverstcueru. Und die Adeligen ließen es sich ruhig gefallen, daß die ohnehin schier überlasteten Bauern auch ihre Steuern noch mitbezahllen. Darum sthreiden die beiden Gemeinden in berechtigter Entrüstung: „Nun wird uns plcichwohl kein Mensche zumuthcn können, daß wir denen Adeltchen Mittmärkcrn, welche in doppeltem Genuß von Uns auS der Forst haben, noch ihre Nutzung versteuern undt eine solche Last über Uns nehmen sollen!" Sollte ihnen zu Gießen ihr Recht nicht weiden, so behalten sie sich vor, ad Serenissimum zu appellieren, d b. die höchste Instanz anzurufen, die des Landgrafen selbst. Das Gesuch der Genieinden tourde von der fürstlich-hessischen Kanzlei zu Gießen abi'chläglich befchieden. Doch beeilte» sich die Herren Räte, die ,,Interessenten" genau namhaft zu machen: aber hinsichtlich der Adel-rechte bleibt es beim alten:.....auch dieselbe (die Stamm häuserl bey ihren hergebrachlen und i» an- gcregtem Uriheil ihnen zuerkaiinten praeserenlicn, nutzbar- und Gercchtigkei, iiochmals gelassen »oerdcn . . ." Auch hinsichtlich der Forslai,«etz„i,g zu den Kontributionen bleibt cs beim „status guo". Dieses Ding hal also damals schon eine große Roll« gespielt. Die abgewiesenen Markgenofsen beruhigten sich nicht bei dies« Entscheidung, sondern führten ihre Drohung ans und appellierte» an den hessischen Landgrascn selber. Wir wissen nicht mehr genau, wann das geschehen ist: leider ist uns auch iinbekannt, welche Antwort den Markgemeinden znteil wurde. Es ist uns nämlich nur eine undatierte Abschrift jener Eingabe an den L«idcssürsten erhalten, nach Schrift und Schreibweise kann sie sehr wohl auS derselben Zeit, also »m 1681—1682, stamme». Die weitere Geschichte der Märkerschaft, soweit sie sich urkundlich Nachweisen läßt, ist wohl noch reich an mannigsaltigen Reibereien und Streitereien zwischen Obcrmärkern und Markgcnossen: aber soweit ich sehe, kommen die oben erwähnten Klagepunkte nicht mehr vor. DaS könnte ja zum Beweis dienen, daß den Gemeinden ihr Recht gs- worden sei. Der turze Blick, den wir mit den obigen Ausführungen in die Geschichte der Rodheimer Märkersckwst zu Wersen suchten, soll - uns lehren, daß die Adels Herrschaft wohl schwere Schädigungen ' sür die wirtschaftliche Entwickelung unserer Heimat im Gefolge hatte, Sckzäven unter denen Rodheim heute noch leidet. Aber aus Gründen der Billigkeft und der geschichtlichen Wahrhaftigkeit muh auch einmal stark betont werden, daß die alten Junker uiiserv« Vorjahren jahrhundertelang .einen großen Segen bedeutet haben. Das zeigt u. a. die Geschichte der Rodbeimer Märkerschajt. Hugo H e y ui a n n. vermNchte». * „Papager zu verschenkent" Aus Halle a. S. wird uns geschrieben: Eine lustige Papagcicngcschichle. für bete» Richtigkeit lieh Ihr Mitarbeiter verbürgt, hat sich kürzlich in .Halle ereignet. In einer vietgelcsenen Zeitung unserer Stadt prangte kürzlich solgendes Inserat: Papagei zu verschenken. Zu erfrag, vormittag von 8—9 X-Straße Nr. soundsoviel. Bitte zweimal klingeln! lluler vielen anderen las auch ein biederer Bürger, dessen „Lora" gerade das Zeitliche gesegnet hatte und deren Käfig noch verwaist daftand, das Inserat. Um nun der erste «Beiverber zu sein, machte er sich schon am Abend vorher samt seiner Tochter und seinen, Dienstmävche», letzteres mit eineni großen Korb bcwaisnet, auf, um den Papagei zu erlangen. Als er an des Hanse Psorte vorschriftsmäßig zweimal klingelte und niemand reagierte, erfuhr er von Hausbewohnern, daß die Mieter der Wohnung zur Stunde in einem benachbarten Hotel ihr« — Hochzeit feierten. Doch unser Bürgersmann war zäh und samt seinen Reisigen zog er schnnft- stracks in das Hotel und ließ sich mitten vom Gänsebraten tveg den Bräutigam herauvhvlen Der aber wußte nicht! das mindeste von einem Papagei. Zur Bekräftigung ries der ansclunnend Verwirrte seine Braut heraus Auch die nächsten Angehörigen, welche nach dem enteilten Brautpaar recherchierten, kannten unserenr Papageisuchcr nur bekrästigen, daß sich in ihren gesamten Familie kein Vogel befände. Als man hinterher air der Hochzeitstafel den schleckten Sckzerz besprach — beim um nichts anderes handelke cs sich — verschwand still am unteren Ende der Tasel ein Elast. Am anderen Morgen begann das große Rennen und Hunderte von Mensche» stelllen sich ein, um den vielbegehrten Gratisvogel z» erhalten. Allein an der Flurtür "--äugten vorsichtigenveise in stoßen Lerlern die Worte : .HicristkeinPapage« znverd schenken!" Und der böse S.helm lam um seine Pointe . . . * Beim Zahnarzt. „Was machst d» denn immer die Tür von meinem Zimmer znm Wartezimmer auf, wenn ich singe?" fragt die Frau des Zahnarztes ihren Mann. „Weißt du," antworlct dieser, „ich möchte nur meine Patienten bnciitwr beruhigen, daß cs nicht ans dem Operalionszimmer kommt." C. K. 20 Millionen Marksür eine Karte dritter Klasse — das ist der Fahrpreis, den ein englischer Gelehrter Pros. H. H. Turner für eine Reise nach der Sonne ausgerechnet lwt. Selbst wenn man einen --ochnellzug benutzt, der 90 km in der Stunde zurücklegt, würde man zu dieser Fahrt 175 Jahre brauchen. Das Licht allerdings legt die Entfernung in 8 Minuten gurüek. _ ~ i llapsti-NStsel. Heinzelmännchen — Macdonals — Milckivirtschast — Steinkohlen - Ente — Briinhild — Butter — Eber- jagd — Leder — Remsg-eid —' Dattel — Lachtaube. Aus dein er««eii der vorstehenden Wörter sind drei, aus jedem der übilgen Wörter zcvet zusammenbäiiaeiidc Buchstaben zu ent» nchincu, so daß sich darcp,' ein Sprichwort ergibt. Auslösung in nächster Nummer. Anslösuug der Königspromenade in voriger Nummer: Wenn du Statur im Großen ivistst betrachten, Dnnn laß dich durch das Kleine nickt zerstreu'»; Doch wenn du lernst auch anl da? Klein« achten. Wirst du a» ihm dich ivie am Großen kren'n. Julius Sturm. Ntbofiion: N. N. ur »«h. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl',chen Univ-rsitätd-Buch- und Sletndruckerei, R. Lan,r Gieße»