Ein Frühlingstraum. Roman von Fr. Lehne. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung t 6 . „Was lehrt das Leben? Gib Mir bündigen Bescheid!" „Dingeben, was dir lieb —, Hinnrhinen, was dir leid!" Paul Hcyse. Am anderen Mittag promenierte Wolf vergeblich vor dem Putzgcschäft — er sah Mary nicht. Aber er konnte sie nicht versehlt haben — sie war dann eben nicht im Geschäft gewesen — und er hätte sie doch so gern gesehen heut! Am Nachmittag fand er einen Brief vor, in dem sie ihm mitteilte, daß sie am Abend unmöglich kommen könnte! sie könnte ihm nicht unter die Augen trete». „Süßes Mädchen," sagte er leise vor sich hin, und lieh sich am Schreibtisch, nieder, sie mit den zärtlichsten Worte zu beruhigen — nun wäre sie doch unauflöslich mit ihm verbunden — so schrieb er ihr in heißen Worten, seine aufrichtige Liebe beteuernd und sie zuletzt um ein baldiges Wiedersehen bittend. Sinnend lehnte er im Sessel, während ein weiches Lächeln sein ernstes Gesicht verklärte — er gedachte des verflossenen Abends, wie glückselig sie beide gewesen waren, und wie sie ihm nun für immer gehörte — ein Ehrloser, wenn er sie jetzt verließ. Der Gedanke an sie brachte sein Blut zum Sieden, er sprang auf und trat an das Fenster. Da sah er auf der anderen Seite der Straße Fräulein Ulrich gehen, die aussallend nach seiner Wohnung blickte, hastig trat er zurück, während eine Wolke über seine Stirn flog; mußte deitn dieses Mädchen immer seinen Weg kreuzen? Er betrachtete es fast als ein Omen, wenn er sie sah — sicher passierte ihm dann etwas Unangenehmes! Sie war ihni unsagbar zuwider. Am nächsten Tage begegnete ihm Mary zur gewohnten Stunde; einen Blick hingehender Liebe warf sie ihm zu, dann aber wandte sie sich scheu ab, während es flammendrot über ihr Gesicht lief: sie sah elend aus und hatte dunkle Ringe um die Augen Sie tat ihm so leid; aus ihrem süßen Gesicht spiegelten sich sür ihn ihre Empsindungen, ach, so deutlich wider. Er fühlte mit ihr und sehnte doppelt die Stunde herbei, in der er sie tröste» und beruhigen konnte. Anderentags kam wieder eine Absage; endlich, auf sein dringendes Bitten und Verlangen bewilligte sie ihm eine Zusammenkunft sür den nächsten Abend. An dem bestimmten Tage m,n erwachte er mit dem erste» Gedanken — „heute abend" —. Der Bursche brachte ihm die Kleider mit den Worten: „Herr Leutnant, 's ist halb sechs. — Ah, Herr Leutnant sind schon munter?" „Jawohl — wie ists Wetter?" „Schlecht, Herr Leutnant; cs regnet!" „Es regnet?" kam es enttäuscht von seinen Lippen. Es durste nicht regnen; er wollte ja heut' abend sein Lieb treffen. „Na, vielleicht hört's wieder auf!" „Ich glaube nicht," meinte der Bursche, „'s wird wohl ein richtiger Landregen werden! Der Himmel sicht aus wie 'n Sack." Seufzend machte sich Wolf fertig. Da konnte er Mary nur bet Bergers sehen, und er hatte sich so danach gesehnt, sein Märchen allein zu haben und ihr alles zu sagen, was er für sic aus dem Herzen hatte. Als er etwas ermüdet vom Vormittagsdienst nach Hause kam, lagen drei Briefe sür ihn da — einer von Mary, den er zuerst ergriff, die anderen beiden gar nicht beachtend. Beim Lesen vcrsinsterte sich sein Gesicht! Das tövichte Mädchen — hat sie denn gar keine Sehnsucht nach mir? Maru schrieb ihm in seltsam dringlicher Weise wieder ab, ihn vittend, nicht in sie zu dringen, es sei ihr heute una möglich, ihn zu sehen — bestimmt aber würden sie sich am nächsten Abend treffen. Es klang eine rührende Bitte aus ihren Zeilen, daß sein Unmut bald verflog. Dann nahm er die anderen Briefe zur Hand, ein Geschäftsbrief von Bantier Ulrich — was mag er wollen? Und der andere vom Bruder Erwin, der so selten schrieb — „Ist vielleicht dem Vater etwas passiert? Gutes kann cs sicher nicht sein!" Von einer bangen Ahnung ergriffen, riß er das Kuvert hastig auf und las: „Lieber Bruder! Du bist sicher erstaunt, durch mich die Ankündigung von Papas Besuch zu erhalten. Er selbst wagt nicht, an Dich zu schreiben — Wolf, es ist etwas sehr Trauriges, Ernstes, was Vapa zu Dir führt; vergiß alles, was geschehen ist, und sei gut mit ihm! Ich kann Dir niichtsl Näheres schreiben. Du wirst cs selbst aus seinem Munde hören. Am 29. d. (0,12 Uhr abends trifft er dort ein. Wie geht cs sonst? Ich kann nicht klagen und Du —? Kann man bald zum Hauptmann gratulieren? Es grüßt Dein Bruder Erwin." Wolf ließ das Briesblatt sinken und starrte düster vor sich hin. „Was ist das? Was für Schreckliches bewegt den Vater, mich auszusuchen, mich, der gar nicht mehr sür ihn existierte? Sollte die Frau —?" Er fand sich nicht zurecht niit seinen Gedanken und erinnerte sich endlich des dritten Briefes — „was mag mir dieser bringen?" Er öffnete ihn langsam und las darin nur eine Aufforderung, am Nachmittag zu einer kurzen Unterredung ivegen einer wichtigen Sache in die Geschäftsräume des Bankhauses Ulrich zu kommen. „Was will er? Geschäftlich habe ich doch nie mit ihm zu tun gehabt?" Vergeblich sann und grübelte er über die beiden Briefe, er kam zu keinem Resultat, und dazwischen tauchte Marys Gesichtchen vor ihm auf, wie er es zuletzt gesehen — bleich und müde mit dem seltsam scheuen Bli«t, und tiefes Mitleid überkam ihn. — „Arme kleine Maur —- wir haben uns ja ko lieb; gräme dich doch nicht so" —> — 34 in dieser Weise schrieb er ihr jetzt, um seine nagenden Gedanken jii verbanne». Bor ihm stand ihr Bild, hinter diesem eine Schale mit weißen Rosen — sie sollte immer von ihren Lßeblingsblnmen umgeben sein, lvie er auch nie versäumte, ihr stets Blumen mitzubriugen, wen» sie sich trafen. Dann nahm er die Photographie zur Hand und betrachtete sie lange, während ein tvehmütiger Zug über sein schönes dunkles Gesicht glitt, und seine Gedanlen beschästigten sich mit ihr — „sollten lvir uns vielleicht trennen müssen -- welch' böses Verhängnis droht uns? Nein, nein, du Süße, nimmer soll das geschehen — wir beide gehören zusammen für immer und ewig! Wenn ich dich nur erst wieder gesehen hätte! Doch dir fliehst mich seil jener Stunde! Und hast eS doch nicht nötig — o die Erinnerung daran möcht' ich uni keinen Preis dahingeben — wie du Heist füffen; kannst — o —" er schloß die Augen, „Mary —" Mer die Wirtlichkeit machte ihre Rechte geltende der blaue Geschäftsbrief, sowie der moschusdnstende des Bruders — er liebte derartige Extravaganzen sehr — drängten sich wieder in seine Gedanken. Da siel sein Blick ans die Uhr vor ihm. „Gleich zlvölf? Da muß ich eilen, wenn ich sie noch sehen will." Aber er traf sie nicht, so sehr er auch llmschan hielte Ta crsasttc ihn tödliche Angst. Gewiß war sie krank, und wollte cs ihm verheimlichen — sic hatte schon neulich so elend ansgesehen. Wenn er sie doch nur anssuchen könnte; aber das ging ja nicht! Wohl oder übel mußte er bis morgen abkud warten! Endlich, endlich war es Zeit, daß er den gclvünschtcn Besuch machen konnte. Er wollte gleich in das Kontor ein- tretcn, jedoch Gabriele, die ihn hatte kommen sehen, kam ihm entgegen und sordcrtc ihn auf, sich einstweilen noch mit nach oben in die Privatwohnung zu bemühe», da Papa noch schliefe. Ihr Gesicht trug einen seltsam triumphierende» Aiisdruck, was er wohl bemerkte, uikd eine trübe Beklommenheit erfaßte ihn, als er die breiten teppichbelegten Stufen emporschritt — was mochte ihm wohl bcvorstchen? Im Salon angekommcn, bat ihn Gabriele, Platz zu nehmen und verwickelte ihn in eine Unterhaltung, die sic wohl zu führen verstand; ihr Benehmen hatte etwas Sicheres, säst Frauenhaftes, das kaum zu ihrer Jugend paßte, vielleicht auch daher rührte, das; sie die Mutter früh verloren hatte und infolgedessen repräsentierte, — ihre Hausdame, Fräulein von Lassen, war in ihren Augen keine voll- geltende Persönlichkeit — sie wurde ja bezahlt--Wolf mußte sich Mühe geben, ein nur einigermaßen höflicher plesellschasker zn sein, da seine Gedanken anderswo weilten. Jedoch, das mußte er sich gestehen — soviel Auge hatte er doch für sie — daß Gabriele heute selten gut und vorteilhaft aussah in der sehr eleganten luftigen Sommertoilette, die de» vollen weißen Hals und den Unterarm frei liest, als einzigen Schmuck darum ein schwarzes Sammelband tragend, das die Weiße der Haut noch mehr hervorhob. Sie hatte wohl seinen bewundernden Blick bemerkt, und ein Lächeln befriedigter Eitelteit flog um ihren vollen Mund. Eben fragte sie ihn, warum er sich so selten sehen ließe- Er schützte den Dienst, sowie eine größere militärische Arbeit vor; da hob sie jedoch scherzhaft drohend den Finger. „Wer das ivohl glaubt, Herr von Wolfsbnrg! Tic jungen Leute suchen sich andere Zerstreuungen! Das schadet aber nichts; Papa sagt, Jugend -muß anstoben - ick, findexs riesig interessant; mich würde es ja gar nicht stören, wenn mein zukünftiger Gatte eine kleine Vergangenheit hätte. Das Iverdcn die beste» Ehemänner — meinen Sie nicht auch, Herr Leutnant?" und kokett lächelnd neigte sie sich etwas zu ihm, während doch ein seltsam schillernder Blick in ihrem Auge war. Ihm schnürte cS fast die Kehle zu; ohne Zweifel wußte sic um sein Verhältnis zn Mary — neulich schon hatte er das Gefühl gehabt. Es war ihm, als ob Katze und Maus gespielt werde, und er sei die Maus! Siedendheiß überlies cs ihn — seine reine Liebe von diesen Lippe» in den Staub gezogen! „Ich weiß in der Tat nicht, gnädiges Fräulein, worauf Sie hinzielen." „Wirklich »ickit, Herr von WolsSburg?" Sie stand ans; er folgte ihrem Beispiel „wirklich nicht?" sagte sic, spöttisch den Mund verziehend. Da stand sie vor ihm, sich sotett in den Hüsten wiegend, einen verlangenden Ausdruck im Gesicht; wenn er sie jetzt geküßt hätte, sic hätte cL sicher gern geduldet. Er sah ihr wohl an. daß sie dieses. Zusa mmen treffen gern zn einem Schäferstündchen benutzt hatte. Ein Ekel erfüllte ihn gegen dieses Mädchen mit dem gewöhnlichen Sinn, der von allem nur die niedrige gemeine Seite sah. Einen Augenblick erfaßte ihn der Gedanke, ihr von seinem Verlöbnis mit Marh. zu sagen; jedoch ein ihm unerklärliches EtlvaS hielt ihn davon ab,; cs dünkte ihm eine Entlveihung, den Ranicn der Geliebten vor diesen Ohren überhaupt nur zn nennen. Er wußte ja auch, daß Gabriele ihn begehrte — und mit nichts hätte er sie tödlicher verletzen können, als mit jener Erklärung. „Nun, Sie schweige!».— Sic bekennen sich also schnldig?"- jorschtc sie mit leichtem Lächeln, „Mein gnädiges Fräulein, ob wahr oder nicht — jedenfalls halte ich ei» Gespräch über solche Dinge für sehr tvenig passend zwischen einer jungen Dame und einem unverheirateten Herrn." Voll Aerger über die erhaltene Zurechtweisung preßte sic die Lippen zusammc», während ein hochmütiger Zug ihr Gesicht entstellte Das Verlangende, Hingebcnde war ganz aus ihrer Haltung geschwunden; ihre üppige Gestalt richtete sich hoch ans, und ganz unvermittelt bemerkte sic: „Ich glaube, Herr Leutnant, Papa wird Sie bereits erwarten!" Er sah nach der Uhr. „Schon vier? Und aus halb vier bin ich bestellt! Sie gestalten daher, gnädiges Fräivi lein, daß ich mich entferne" Er verneigte sich; diesmal reichte sic ihm die Hand> und als die Tür sich hinter ihm gcschlvsse», rief sie lstih- nisch: „Glück auf den Weg, Wols von Wolfsburg — mein wirst du doch!" * Bankier Ulrich erhob sich von seinem Platz an dem mächtigen Schreibtisch, als Wols eintrat, ihn zu begrüßen. Er war von ziemlich kleiner, etwas zur Korpulenz eigen- dcr Gestalt. Das runde, von einem ergrauten Bart mn- rahmte Gesicht trug für gewöhnlich einen gutmütigen, jovialen Ausdruck, jedoch ein Zug darin zeigte, daß er rücksichtslos bis zur Härte sei» konnte, und auch die Angen hatten einen listigen, verschlagene» Ausdruck. Ihm ging der Ruf eines sehr tüchtigen, gewiegten Geschäftsmannes voraus. „Sic schrieben mir, daß Sie mich erwarten," begann Wolf, nachdem sie sich beide gesetzt. „Ja, allerdings, schon seit zwaiizig Minuten —" lächelte Bankier Ulrich. „Dann bitte ich sehr um Verzeihung, aber Ihre Fräulein Tochter —" entschuldigte sich der junge Offizier, hatte ihn dies Geschöpf noch belogen! „Schon gut," unterbrach ihn der Bankier, ..schon gut, Herr Leutnant! ich begreife — eine junge Dame besitzt mehr Anziehungskraft als ein alter Mann! — Nun, daß Sie sich gut unterhalten haben, muß ich ans Ihrer Unpünktlichkeit schließen — freut mich sehr!" (Fortsetzung scckgt.j Die gute Nachricht. Skizze von Rens Bazi». Autorisierte Uebcrsetzung von N. E o l l i n (Berlin). Zuerst war Marie heimgckommcn, dann Jeannc, znlctzl Ee» eile. In der kleinen Wohnung, die sic innchattcn — eine Küche, ein Eßzimmer, drei durch einen Korridor vereinte Schlosst,»mer —, konnte man jeden Abend zur selben Zeit dieselben ans vollen« Herzen gegebenen Küsse hören und dieselbe» Worte, die die drei Schwester» zueinander sprachen und die von der Mutter wiederholt wurden: „Guten Tag, Liebling, bist du nickst zu abgespannt? Hast du auch nicht zu viel gearbeitet? Wirklich nicht? Tic ruhst dich jetzt aus, wie? Ach, wie schön ist es, zusammen zu sein!" Tic Mutter setzte manchmal .hinzu: „Hast bu bezahlt bekommen?" Marie, die Acltcste, ein großes blondes Mädchen, elegant und kräftig, mit fremden Leuten sehr reserviert und säst kalt, aber zu .Hause, >oo ein Lächeln nicht schlecht ansgelegt werden konnte, jeder in der Familie die gleichen Reckstc hatte, sehr zärtlich. Sic war Lehrerin und erteilte sranzöjischcn Ilnterncht. Sic war kräftig, den ganzen Tag eilte sie von einer Straße in die andere, ohne daß die Ermüdung ihrer blühenden Jugend etwas anhnbcn konnte. Jeanne. 'die zweite, war zarter, freundlicher, anschmicgcndcc und für einen lobenden Blick oder ei» lobendes Wort einpsänglicher: sie gab Klavierstu'iiden. Aus Zeiten, in denen sie sehr blcichsüchtig >oar, kamen wieder Monate, i» denen sie vor Lebensmut übersprudclte. Im vorigen Jahre l>atle man sie in eine» Badeort schicken müssen, und diese Reise hatte dir 3 6 Ersparnisse der ganzen Fainilic gekostet. Ae Ivar die einzige, die sich pflegte. Die Jüngste der Srhlvestern, die nmii „die Kleine" »aiinle und die weder hübsch noch graziös nwr, ei» achtzehnjäh tigeS Mädchen, das gerade sein Exanirn gemach! halte, betlagtc sich iiie, arbeitete iniiner hintereinander und schien nickst im mindesten daran zn denken, das, cS noch eine andere Ekistenz geben köiine, als die bisher geführte. Diese Aussassung tonnte viellincht dcil Grund haben, daß sie als Jüngste noch sehr klcii, war, alS ihr Vater den geschästlichcn Tchisfbrnch erlitten hatte, und sie von den besseren Zeiten, an die sich die beiden anderen mehr oder minder deutlich erinnerten, nichts wusste. Tie Nacht brach herein, eine späte FrühlingSnacht, in denen die nach der Straße geössnctcn Fenster in der vorgeschrittenen Stunde noch ejn ivcnig Licht, ei» wenig Staub und ein wenig laue Wärnie hineinließen. Eecile ivar kaum ins Zimmer getreten, hatte ihren Hut ans daS Bett gelegt und war dabei, ihren Schleier sorgsältig zu falten, als Marie, die sie küßte und in der Dunkelheit ihr ins Gesicht zn sehen versuchte, ansries: „Dir ist etwas passiert." In diesen! Augenblick ging die Mutter durch den Korridor, um das Abendessen auszutragcn. „Ja," sagte sie, ohne stehen zn bleiben. „Eine große Neuigkeit; kommt, ihr sollt sie hören." Tie Mutter, die in dieser Häuslichkeit die Pflichten einer Köchin und eines Hausmädchens erfüllen mußte, ivar eine arme, verbrauchte, überarbeitete Frau, verbittert durch das, ivas sie Pech nannte, das heißt den Geldverlust von einst, die NahrungS- sorgcn von jetzt, und unfähig, einen! anderen Gedanke» nachzn- gehen. Sie setzte sich nun an den Tisch, und während sie die Suppe aussüllte, fuhr sie fort; „Ja, ich habe euch mitzuteilen, liebe Kinder, daß man Cßcile in einem Schloß eine Stellitng als Erzieherin angcboten hat." Marie und Jeanne, die shinmetrischc Fehler aus dcui gedeckten Tisch in Ordnung brachten, hier ein Glas richtig schoben, dort die Obstschale aus einen anderen Platz setzten, beugten sich vor. Das Licht d.cr Hängelampe siel aus ihre roten Schürzen, die sie über ihre Kleider gebunden hatte». „Erzieherin? Die Kleine? In einem Schlosse?" sragicn sie. „Und in einem große». Sie wird ein Zimmer und eiir Doilcttenziinmer in einem Turm betvohncn, getrennt von den Zinnncru der Kinder, sie darf an den Mahlzeiten in, Eßzimmer teilnehmen, selbst ivcnn Besuch da ist, sie hat täglich zwei Stunde» Zeit, um zu lesen, es ist versprochen tvorhen, daß sie sich an den Ausflügen beteiligen darf, und einmal nionatlich darf ich Sonntags unseren kleinen Liebling besuchen." „Ist cS weit von hier?" „Fünfzehn Meilen." ' „Wieviel Kinder hat sic zu unterrichten?" „Ein einziges von dreizehn Jahren. Eecile ist achtzehn Jahre, das paßt sich gut. Heute haben nur einmal Glück gehabt. Denn ich muß euch, sagen, daß ich sünszehnhundcrt Franken für eure Schwester dnrchgcsetzt habe. Ist das nicht großartig? Sie hätte nicht gewagt, eine solche Snnime zu sorder». Ich wagte es. Ich sagte: Gnädige Frau, cs gibt Erzieherinnen und Er-- rieherinncn, aber ein junges Mädchen der Gesellschaft ivie mein Kind . . . ." lind ivährcnd sic ihren Töchtern vorlcgte, erzählte sic weit- schwcisig, wie sich alles zugetragen hatte. Jeanne und Marie blickten sie an. Mit verlosrrter, unruhiger, gespannter Aufmerksamkeit betrachteten sic die Kleine, die mit den, braunen Köpfchen nickte; „Ja, so war cs, es stimmt." Ganz bleich vor Erregung studierte sie die Mienen ihrer Schwestern, um zu wissen: soll ich inich freue», ist cs wirklich eine gute Nachricht, ist cs das Glück? Jeanne berechnete, daß das versprochene Honorar 750 halbe Klavicrstundcn, die halbe Stunde zn 2 Franken, bedeutete; sie dachtte, daß Cecilc keine Ausgaben, außer ihrer Toilette, haben ivürde, und vor vierzehn Tagen hatten sie sich das Soinmer- kleid tiiid den Sommerhut bereits gelaust. „Es ist herrlich," sagte sic. Marie, die ihre Ansicht immer* zuletzt äußerte, der man dann aber am meisten Beachtung schenkte, meinte; „Was mich verführen würde, ist der Gedanke, sich nur mit enieni Kinde beschäftigen zu brauchen, mir seine Liebe zu erringen, die Mutter zu ersetzen ... Wenn man jemand auch noch so viel Privatstunden erteilt, der Einsluß ist doch nicht der rechte. Kaum, daß man sich die Stimpathie erringt, aber das ist auch alles. Wie habe ich schon durch den beständigen Wechsel seelisch gelitten . . - „Und ich phpsisch," unterbrach sic der Jüngere. „Ich habe Anstrengunge» ausballen müssen, die Eecile nicht criragcn ivürde. Daun reizt inich auch_bie veränderte Umgebung, Eecile wird reisen. Wann soll sie ihre Stellung autrcteu, Mutter, du hast es noch nicht gesagt?" „Wir iverden cs in vier Tagen wisse» ,, . . Ich werde durch eine» Brief benachrichtigt werde». Es ist eine gewisse Zeit nötig, »in die bisherige Erzieherin zn verabschieden, und daS Kind daraus vorzuberciteu, unsere glückliche Eecile zu cnipiangrn....." Die glückliche Eecile, die tiefe Schatten unter den Augen hatte und sehr überarbeitet aussah, blickte ihre drei Richter prüseud au lind verstand, daß sic sich wirklich freuen konnte; sie tvurdc lcbhast. sie niachle Projekte, sie war ivitzig. Zivischeu ihr und Jeanne besonders. den beiden Jüngsten, war die Konversation io lebhaft und lustig, daß mau das Mädchen, das bisher so ruhig ivar, gar nicht wiedcrerkaunle. Selbst als das Abendbrot beendet war, machte die gute Nachricht ihreii Einfluß lveitcr geltend. Die Mutter deckte den Tisch ab, und als sie geschäftig von einem Zimmer in das andere ging, »>n»dertc iie sich jedesmal, ivenn sle in das Eßziinnicr znrückkehrte, ihre Töchter nicht so schweigsam als sonst zu finden. Marie, Jeanne, Eecile besserten »in diese Zeit ihre Sachen aus und saßen »,n die Lampe hcruin. Bon Zeit zn Zeit lochte ein frisches Lüilchen. Tie beiden Acltestcii sprachen von den Schwierigkeiten ihres Berufes, nicht um sich zu beklagen, nicht bitter, int Gegenteil, in guter Laune, um die Hossnung der Kleinen zn stärken, die keine Privalstunden mehr zn geben brauchte. Jedoch als sie endlich ausstandcn, erfaßte Marie in feem Schweigen der nun eingeschlascncn Stadt plötzlich das Bewußtsein der bevorstehenden Abreise. Ais sie sich herumdrehte, »in ihrer Mutter gute Nacht zn sagen, sah sie ihre stingc Schwester durch die Dunkelheit schon halb verschwunden. Sie dachte: „Sie muß abreisen. In vier Tagen wird sic jahrelang fortgehen." Und dieser Gedanke, den sie von Anfang an unklar enipsnnden, gegen den sie seit Stunden angckämpft hatte ans Furcht, selbst zn leiden und den anderen Kuminer zu verschaffen, bemächtigte sich rbrer mit aller Gewalt. Marie trocknete sich heimlich die ersten Tränen. Als sie am nächsten Morgen erwachte, war der Gedanke, den sie zuerst unklar empfunden, jetzt deutlich geworden: „Diese gute Nachricht ist ein Unglück. Wenn eine von »ns dreien sortgeht, ist das Haus tot." Sie behielt ihre Ansicht für sich. Aber als Eecile ab.ends die Unterhaltung vom Tage vorher wieder mit Jeanne ausNehmen tvollte, sprach diese die Worte; „Schloß, Freiheit, Spas zicrgänge" in einem Ton, als ob sie nicht mehr daran glaubte. Am Tage daraus sagten die drei Schwestern, daß sie sich nicht wohl fühlte», und legten sich zu Bett, ohne wie sonst miteinander gepiandcet zu haben. Am dritten Tage ging Marie, die sehr früh ansgewacht lvar. in eine nahe Kirche, um die Messe zn hören. Kaimt kniete sie zwei Minuten, als sic Schritte hinter sich hörte, die leise über den Steinfnßboden glitten, „Oh," dachte sie, „das ist Jeanne, die Ivie ich leidet." Und wirklich ging Jeanne an ihr vorbei. Einige Angcn- blicke nachher kam auch Eecile. Sie vermieden cs, sich zn begegnen und sich auszusprechen. So kam der vierte Tag heran. Marie und Jeanne hatten ihr Fortgehen verzögert, um »och anwesend zn sein, wenn dir Briefe gebracht tv,irden. Es ivar acht llhr morgens. Die Klingel ertönte. Die Mutter sagte: „Nun ist er da." Ebenso aufgeregt als in jencin Moment, als sie für ihre Tochter eine bessere Zukunst und für Jicf) eine Verringerung der Sorgen gesehen hatte, öffnete sie die Tür und nahni den Brief entgegen. Es iv>ar zn dunkel, und sie konnte ihn im Korridor nicht lesen. Sie ging an das Fenster des Eßzimmers, und während des Gehens öffnete sie den Briefumschlag. Die Kinder folgten ihr stumm, bleich, ohne Eile. Bei den ersten Zeilen fuhr sie aus: „Wir haben doch nie Glück! Tic Jetzige bleibt wieder." Klagend las sie den Brief mit lauter Stimme. Aber ihre drei Töchter, die bis jetzt nebeneinander gestanden hatten, umarmte» und küßten sich wie närrisch. Sie schluchzten, sie lachten, sie preßten sich aneinander, und ihre Wangen, die wieder rosig wurden, waren von Tränen und Küssen feucht. Zuerst sprach Marie: „Welch grenzenlose Freude!" Jeanne aiitivortete; „Wenn die Kleine uns verlassen hätte, wäre ich gestorben." Nun sagte die Kleine: „Ich war fest cnlschlosscn, abzn- schrcibeii." Mit verschiedenen Worten sprachen alle drei das eiitschcidcude Urteil ihres Lebens ans: „Wir trennen uns nicht." Und an jenem Tage weinten sie vor Freude bis zum Abend, weil sie das Geheimnis erraten hatten, weshalb sie in ihrer Armut so glücklich waren. vom 5uez-Nan«!. Tie schmale Fahrrilllic des Suez-Kanals, welche an vielen Stellen kaum die Breite der Lahn bei Gieße» hat, jener Schisi- fahrtswcg, der das Mittclinccr mit dem Roten Meer verbindet und hierdurch den Seeweg nach Indien um mehr als die Halste verkürzt, bietet dem, nach dem fernen Osten Reisenden, ivie auch dem »ach Enropa Zurücklehrcnden, nach ermüdender Seefahrt eine Abwechslung, wie sic eigenartiger kaum denkbar ist. An Bord des Ozcaildanipscrs wird ihm in angenehmer, langsamer Fahrt, ohne daß er feinen bequemen Liegest,ilil zn verlassen braucht, die Ein- sainkcit der Wüste ivie in einen! grandiosen Wandelbildc vor Augen geführt. Sic zieht an ihm vorüber in ständig locchsclnder Szenerie, bald als kahle, leblose Ebene, deren Grenzen am fernen .Horizont tut Nebel verschwinden, bald ivicder in zackiger, in violetten oder rosa Tust gehüllter Gebirgssori». Freundliche, von Hainen ans Dattelpalmen umgrünte Oasen, armselige Araberdörfer mit einer kleinen Moschee, Karawanen beladener Kamele, Züge arabischer Mekkapilgcr, das alles bietet sich dem Ange in echt orientalischer Eigenheit, ohne daß man damit in niierwüiischtc Berührung kommt. Verläßt man Port Said, eine Siadt von 60000 Einwohner», die ihre Entstehung dcni Kanalba» verdankt, so dehnt iich rechts und links die weite, nnüberiehbare Fläche des ^ees Men- 36 salch aus, durch welchen der Kanal in schnurgerader Linie hindurch- sührt. Tiefer versumpfte See ist durch eine Nehrung vom Mittel- mccr und den Ablagerungen des Nils getrennt. Hier und da bemerkt man grosse weiffc Flecken oder Streifen wie unregelmäßige Inseln. ES sind Scharen zahlloser Flamingos und Pelikane, die hier in dem flachen, aber sischrcichcn, größtenteils unbefahrbare» Schlammsec sich eines ungestörten Daseins erfreuen. Auf der asrr- kanischeu Seite, an welcher auch die Bahnlinie von Port Said und Kairo entlang läuft, hat die Kanalgescllschaft einen schmalen Streifen Baum- und Stranchwnchs angcpflanzt. Tiefer Bcgc- talionsstreiscn besteht in der Hauptsache aus Känguruhbäumcn, Oasnarina equisetii'olia aus Australien, unter deren Windschutz die afrikanische Tamariske (Damarix africana), vereinzelte Dattelpalmen und noch einige andere, immergriine Sträucher gedeihen. Wo die schlanke, im Tczcmber mit rosa Blutenständen geschmückte Tamariske den Kanal ivie Wcidengebüsch begleitet, bietet sie im Verein mit einem silbcrweist, sedcrbuschartig blühenden, mannshohen Schilf lPhragmitcsf, das ebenfalls angepslanzt ist, ein anmutiges Bild von freundlichem Grün inmitten der toten Einöde, auf deren stark salzhaltigem Boden sonst auch nicht ein Gläschen sproßt. Besonders freundlich umpflanzt sind die am Kanal in bestimmten Abständen erbauten Stationshäufcr, Wohnungen europäischer Beamten. Tattelpalnicn, von Früchten ganz rot aus- jehcnde Pistazien, dicht mit breiten Schoten behangcnc Lcbcckbäuine, gclbblühcnde Akazien, in reichem Blütenschniuck stehende Eassien oder Ncgcrkasfeesträuchcr, meiste oder gelbe kanarische Margareten- blumcn und scharlachrot leuchtende Weihnachtsstcrne (koinsettia puledorima) sind die Hauptbestandteile dieser afrikanischen Garten- slora. Nach Sonnenuntergang erglüht die Wüste in gelbrotcn Farben, und wenn der Mond die Landschaft erhellt, glaubt nian sich in- initten einer Scknieelandschast zu befinden. Tie Nächte sind am Kanal cmpsindlich kühl (10" 6>. Regen soll äusterst selten sein, uur als wir anl 16. Dezember gegen Mittag Port Said ver- licsten, gost cs in Strömen und das über das Oberdeck slicstende Rcgenwasser half den Matrosen den Kohlenstaub sortspülen, wel- chcr sich beim Einnchmcn der Kohlen im Hasen angesammelt hatte. Der in den Jahren 1859—69 von dem französischen Ingenieur LessepZ von srauzösischcin Kapital und einem Kostcnanf- ioand von 380 Millionen Mark erbaute .Kanal ist ein Niveau- Kanal, ohne Schleusen. Er hat eine Länge von 138 Kilometern, eine Entfernung, welcher der von Giesten bis Weiuhcim a. d. B. entsprechen dürste. Die Fahrzeit dauert, da die Schisse, von einem Lotsen der Kanalgcsellschast gcsührt, nur ganz langsam fahren dürfen, cttva 16 bis 17 Stunden. Der Kilometer wird demnach in etwa 7V-Minuten zurückgclcgt. Es kommt jedoch vor, daß die Fahrzeit tvescntlich länger dauert, wenn nämlich entgegenkommenden Schissen ausgcwichcn und das Schiss zu diesem Ziveck am User scstgemacht toerden must, oder n>enn der Kanal infolge eines llnsalles, der ein voraussahrendes Schiss betroffen hat, nicht passierbar ist. Dauert die Sperrung durch ein Schiff — der Kanalgrund besteht zum Teil aus Kreidefelsen, zum Teil aus Muschelkalk — zu lange, so wird, wenn andere Mittel, das Hindernis zu beseitigen, nicht helfen, zur Sprengung mit Dynamit gcgrisseu. Unser Llotiddampfcr z. B. mustte mehr als 6 Stunden liegen bleiben, weil ein grostcr, mit der Vcrticsnng der Kanalsohle beschäftigter Damps- bagger gesunken war. Die Tiefe, an deren Erweiterung, wie erwähnt, gegenwärtig gearbeitet tvird, beträgt zurzeit 11 Meter, die Breite des Fahrwassers an den schmälste» 45, an den Austveich- stellcn 75 Meter. Nachdecn vor zioei Jahren beide Uferböschungen durch Slampsbcton, der durch Muschclkalkstcine verblendet worden ist, hescstigt wurden, soll nun a^h, um den steigenden Anfvrd-e- rungcu des Verkehrs zu genügen, an die Verbreiterung des Fahrwassers hcrangelreten tvcrden. Man sicht bereits einige zwanzig Damzisbagger beschäftigt, die das geschürfte Material, niit Wasser vermischt, zunächst zehn Meter hoch heben, uni es dann in einem weiten, 50 Meter langen Rohr an Land zu bcsördcru. Tiefe Sckilammassen sliestcn nach der Wüste zu ab und türmen sich zu einem bis fünf Meter bohen Damm. Doch nur nach der asiatischen Seite zu erfolgt dieses Ablassen des salzhaltigen Schlammes, um die von Vegetation begrünte andere Seile nicht ihres Pslanzen- tmichscs zu berauben. Tiefer ist mit Mühe und Kosten ausgcbracht worden, damit er gegen den Wüstensand, welcher den Kanal verwehen würde, einen wirksamen Schutz gewähre. Der Verkehr steigt von Jahr zu Jahr Er betrug im Jahr« 1870 486 Schisse mit 1 M(i 609 Tonnen, 1880 2026 „ 3057 422 1890 3389 „ 689 094 1900 3441 .. .. 9 738152 1910 4533 „ „ 16 581 898 „ 1912 5373 „ „ 20 275120 Von diesen im Jahre 1912 den Kanal durchsahrencn Schissen waren ruchr als die .Hälfte englisch, nämlich 3335, deutsch waren 698, holländisch 343, österreichisch-ungarisch 248, französisch 221, italienisch 143, russisch 126, japanisch 63, dänisch 45. Tie übrigen 25 verteilen sich aus andere Staaten. Als Passagiere wurden 1912 im ganzen 266 403 Personen befördert. Tie Gebühr sür die Netto- Rcgistcrtonne beträgt 7 Franks, austerdem für jede» Passagier 10 Franks. Dieser Satz ist im Fahrpreis einbegrissen. Welche Beträge das bei grösteccn Schiffen ausmacht, mag man daraus ersehen, dast ein einziger Llohddampser 45 000 Mark Kanalgeki» sür eine Durchsahrt zu zahlen bat: Norddeutsche Lloyd allein zahlte 1912 an Kanalzoll 2 804 342 Mk. und die Kaualgesellschast, deren Akticil sich zumeist in englischen und französischen Händen befinden, hatte in dem genannten Jahre eine Einnabmc von rund 140 Millionen Mk. zu verzeichnen, ivährend ihre Ausgaben für Betrieb und VcrbcsscrungSbauten sich nur aus rund 20 Millionen beliefen. Ob der Panamakaual, dessen Erössuung sür das Jahr 1915 zu erwarten ist, der bet einer Länge von insgesamt nur 81 Ifil», Metern die Summe von Tauscndsicbenundachtzig Millionen Mark bereits verschlungen hat, eine ähnlich.günsticie Entwicklung zu verzeichnen haben wird, wird bezweifelt, und die Vereinigten Staaten rechnen bereits mit einem jährlichen Zuschust von 5 Millionen Dollar, welche allerdings der Union in anderer Weise (Kanalsreiheit sür die eigenen Schisse, strategische Bedeutung) wieder zugute kommt. R. Humoristischer. * Der weise Backfisch. „Erlauben Sie, Fräulein Mabck, dast ich Ihnen den anständigste» jungen Mann vorstelle, den ich je kennen gelernt habe." „Ach nein, ich danke sehr, Mama will nicht, dast ich mit arnien jungen Leuten Bekanntschaft mache." * Die Diplomatin. „Sic scheinen mit Charles DawkinI nicht mehr so gut zu stehen ivie früher?" „Nein, ich kann ihn jetzt nicht mehr ausstchen, und ich must mich wirklich furchtbav bezwingen, dast ich bis nach Weihnachten tvarte, umt ihm das zu sagen." * T i e Altmodischen, ,,'ne verrückte Bande, die Speed- lcys!" „Ja. was haben sie denn gemacht?" „Denk' dir, vcrpsän- dcn die Menschen ihr Automobil, um sich ein Heim zu gründen!" vüchertisch. — Peter RoIegger, Gesa ni>» eite Werke Von» Verlader »e» bearveitete und neu eingeteilte Ausgabe. 40 Bände i» 4»Abteilun >en zu je 10 Bänden Jede» Monat gelangt eia Band zur Ausgabe. Jeder Band geschmackvoll gebunden Mark ‘-'.50 iIlr. 3. — ), in Halboerganrent Mk. 4. - (Kr. 4.«0i Einzelne Bä de werden nicbt geliefert. Verlag von L. Staackman» in Leipzig. Soeben erschien von der 1. 'Abtetlnng Bnnd 9: Am Tnge des (bericht,. Nietn Lied. Ter vorliegende Band der vracht» vollcn Nenansqabe der Gesammelten Werte Roleggers enthalt dag einzige Theatcrünck des Tt bters, einige dramatische Sz- >en und ferne Lyrik. „Am Tage des (bericht," bebaiidell einen jener tragischen Konflikte, die plötzlich nnö schrecklich zwischen Wilderer und Förster enlsle >e>i. Ten Dichter iiisvtrierie in einem dieier »»erbitt- lichen Zweckämpsc die Idee des geivalitge» Gegensatzes, der die Menge zu kcstcl i und den Jntzinkt der Mroftimit zu wecken vermochte. der iii ihr ebenso schliiiiiineri ivie der Jnllnikt der Grau- samkeit. Dieses vieraklige Volksschanipiel leitet betannllich die letzte Peiiode des Schaffens Ro!e >gers ei», ivo der Dichter inebr denii je, der inoralisben Dnt und der sozialeil R.sorni zugeneigt, die Liebe als dcii inächliqsteu Hebel des ForlichriiteS aufiebt. — ,'Dlcin Lied", des Dichters Vrrse, möchte ivenigrr Blich Ivie Perlon lem. Roiegger hat scme Lieder kür seine Frei,»de geschrieben. Er gil t den ‘Menschen zurnck, ,vas er von i »cn hatte, verzinst mit seiner cigencn Seele. Bei der Auswahl der (flebirtite ließ sich der Dichter weniger von Mrimdsätzen der nielrb Ken Schönheit alS von crntzercn Forderungen der Echtheit keilen Möge Roieggeis Lied, den Leser zu gnler Stunde grüßend, auch scnrer Freunde Lied sein« ttönigtzpromenade. Man dark die einzelnen Wörter und Silben nur in der Weile miteinander verbinden, daß inan — wie der König ant dem Schachbrett — stets von einem Feld ans ans ei» benachbartes iibergeyt. be laß dich kleine das kleine willst groben trach dann durch nicht achten da, du im ten an zer wirst aus lernst natur wenn am ihm du stren'n du auch ireu'n groben wie dich wenn doch Auttofung >n n t Auuiincr. Auflösung des Ziiatenrätsels in voriger Nummer i O selig, o selig, ein Kind noch zu lein. Kedakiion: K. Neurath — Rotationsdruck und Verlag der »rühl'jcben Unioersttöll-Buch» und Steindruckeret, R. Lange. <(Si«bu%