Ein Frühlingstraum. Roman von Fr. Lehne. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Ja," seufzte die alte Frau, „ja. nwr hätte das gedacht, solch' junges Blut, daß sie beide schon tot sind!" Endlich kam sie dazu, inir die Geschichte zu erzählen; ihr Mann hals ei», wen» ihr der Fade» einmal abhanden kam oder! weuu sie gar zu weitschweifig wurde, und so erfuhr ich alles. Aufmerksam horte ich zu und Prägte meinem Gedächtnis alles genau ein. Ich stand aus und bedankte inich. Bei», Abschied sagte ich zun, alten Berger: „Sie köiiii- ten getviß noch manches erzählen —" „Ja," sagte er, „manches, wenn ich reden wollte! Ach, was ist das Leben!" „Es ist schon spät, lieber Berger; ich muß eilen! Aber ich komme wieder, und dann müsse» Sie mir auch von den anderen Gräbern erzählen! — Nochnials meinen Tank; leben Sie wohl!" Ich reichte den freundlichen Leuten die Hand und ging. Das Gehörte beschäftigte mich sehr, um so mehr, da ich de» Leutnant Wolssburg so gut gekannt hatte. Zu Lebzeiten tneines Mannes war er ein gernaesehener Gast, ein lieber Freund unseres Hauses, und ich hatte viel für ihn übrig, da er ein goldtreuer, über alles streng ehrenhafter Charakter war. Da Hab' ich sei» Wesen gekannt — ernst und tüchtig; doch wenn er aus sich herausging, von herzbetörendey Liebenswürdigkeit. Zum Begräbnis meines kleinen Alfred habe ich ihn zuletzt gesehen — dann verließ ich meine Vaterstadt auf lange Zeit, da mir der Aufenthalt dort vorläufig unmöglich war — ich mußte Abwechselung, Zerstreuung haben. >oe»n ich geistig nicht zu Grunde gehen wollte. Nach ungefähr einem Jahre bekam ich nach Jsola bella die Anzeige seiner Verlobung mit einem Fräulein Ulrich nachgeschickt. Ich gratulierte; für mich hatte damals nichts Interesse, so daß mir sogar diese Verlobung gleick)- güllig war, wenn ich mich auch darüber wunderte, da ihm, tvie ich niich noch genau erinnerte, Fräulein Ulrich früher sehr unspmpathisch war; wenigstens hatte er sich mehr als einmal in diesem Sinne gegen mich geäußert Jedoch — Shmpathie» und Antipathien können sich ändern, und wer weiß, was ihn zu jenem Schritt gebracht hatte — er hatte vielleicht Schulden — und sie war eine reiche Erbin--! Daun kam ich wieder hierher. Einmal besuchte er mich — nicht lange. — Er hatte etwas Zerfahrenes an sich, was ich früher nie a» ihm bemerkt — doch setzen Jahre sind eine lauge Zeit; sie können viel ändern! Er wäre nach seiner Verheiratung einige Jahre in M. i» Garnison gewesen, so erzählte er mrr, wäre dann lvicder nach hrer versetzt worden und hätte Anssicht, bald Major zu werden. Sein Söhnchen wäre ihm auch genommen. Von seiner Frau sprach er nicht; ich stellte auch nur die unumgänglich nötigen Fragen nach ihr, da ich gleich nierkte, daß d» etwas nicht ,m klaren war. Nachher hörte ich denn auch, daß er in sehr nnglücklicher Ehe lebte und einige Wochen nach seinem Besuche bei mir trug sich denn das Schrecklich» zu, das die ganze Welt in Aufregung brachte — der Selbstmord Wolf von Wvlssburgö — der in einem Anfall von Geistesgestörtheit geschehen sein sollt«! Heute abend nun fange ich an, das, >vas ich von den alten Leuten gehört habe, sowie das, was mir die glt« Linde zngeslüstcrt hat, zusammenzuftellen und dir, liebe Freundin, in Form einer Erzählung zu widmen, in der Hoffnung, daß du sie nicht ungünstig aufnehmen >virst! Es ist ja nur eine einfache, schlichte Begebenheit, wie sie sich so oft im Leben zuträgt — vielleicht ist sie für inich nurs varum so erareisend, iveil ich den Leutnant Wolssburg so gut gekannt habe; aber ich hasse, daß auch du mit deinem guten Herzen Teilnahme für jene beiden haben ivirst! 2 . Du bist wie eine Blume, So hold und schön und rein; Ich säum dich an und Wehmut Schleicht mir ins Herz hinein. Mir ist, als ob ich die Hände Aufs Haupt dir legen sollt, Betend, daß Gott dich erhalte So rein und schön und hold. Herne. tzasso Wols von Wolssburg war einer der beliebtesten Offiziere in Z. Sein nie ermüdender Fleiß, seine ungewöhnlichen Kenntnisse, seine Tüchtigkeit im Dienst und die Liebenswürdigkeit, die er iin Umgang entfaltete, hatten ihn dazu gemacht. Dabei rvar er von einer rvahrhast rührendeil Beschcrdeuhcit; er machte sich gar nichts aus dem gesellschaftlichen Leben, das er. seiner Stellung wegen doch nicht ganz ausgeben konnte. Sein Ehrgeiz ging höher als nur dahin, ein geseierter Salonbeid zu sei» Unermüdlich arbeitete und strebte er, ohne doch jenem saden Strebertum, das so uuangeiichm berührt, zu verfalle». Sein Wunsch Ivar, etrvas Großes in seinem Berufe zu leisten, dem er mit Leib und Seele anhing. Am liebsten verkehrte er in dem Hause des Stabsarztes Dr. Schöne, den er sich zum Freunde erkoren hatte; dort fühlte er sich wahrhaft „zu Hause"; so sagte er wenigstens. Leider wurde ihm dieses „zu Hause" nicht lauge vergönnt, da dieser seltene Mann ganz plötzlich an den Folgen einer Erkältung starb Wolssburg war ein schöner Mann und übte auf alle, die ihn kannten, besonders aus die Frauen, einen unwiderstehlichen Zauber aus. Der Kopf mit dein leichtgelockten dunklen Haar >oar ein echter Autinvuskopf; die Züge ivarcn wie gemeißelt und trugen das Gepräge großen Ernstes — aber wenri er lächelte, flog cs wie Sonueiischeiri über sein Gesicht, und das verlieh ihm einen hinreißenden Ausdruck. Das Schönste an ihm waren seine großen, dunklem Augen mit dem durch- dringenden eigentümlichen ruhigen Blicke, den so leicht niemand vergessen konnte, den er getroffen. Für seine Jahre war der junge Offizier von einem seltenen Ernst, der ihn älter erscheinen ließ, als er war. Ader die Verhältnisse in seinem Baterhause hatten aus dem sonnig heiteren, sorglosen Jünglinge einen ernsten, gereiften Mann gemacht. Sein Vater, ein hoher Minsziger, hatte nach dem Tode seiner Frau nochmals geheiratet und zwar ein armes, aber blendend schönes Weib, das, wie der Sohn bald bemerkte, von raffinierter Koketterie war, und das sich selbst nicht entblödete, ihre Netze nach ihm, dem schönen Jünglinge, auszuwerscn, der ihr besser gefiel als ihr alternder Gemahl. Er aber wollte ihre! Lockungen nicht verstehen; dafür verleumdete sie ihn beim Vater, der ihren Tränen und Schwüren mehr Glauben schenkte als des Sohnes Manneswort, so daß dieser um Versetzung bat und tief gekränkt die Vaterstadt verließ, in der er damals gerade in Garnison stand. So waren mehrere Jahre vergangen; der Gram über das Zerwürfnis mit seinem Vater, den er so sehr liebte, drückte ihn schwer; er war aber zu stolz, sich ihm ein zweites Mal zu nähern^ da er das erste Mal oank dem Einflüsse der Stiefmutter, kurz zurückgewiesen worden war. Ja, er mußte die kostspieligere Lmifbahn des Kavallerieossiziets mit der eines Infanteristen vertauschen, während sein Bruder Erwin, der diplomatischer war als er, das Leben in vollen Zügen genoß. Wolf mußte sich sogar einschränken, da ihm nur ein kleines mütterliches Erbteil zur Verfügung stand, denn auf den Zuschuß von seinem Vater hatte er stolz vcr, zichtet. Doch er entbehrte nichts, da er von einer Ivahrhaft spartanischen Bedürsnislosigkeit war. Sehr häufig wurde er von dem reichsten Bankier der Stadt eingeladen, und es war gar kein Geheimnis, warum — die einzige, verwöhnte Tochter des Hauses, eine üppige Blondine, zeigte ihm ganz unverhohlen ihre Zuneigung. Er blieb jedoch gänzlich unempfindlich hiergegen und beschränkte seinen Verkehr in jenem Hause aus das nötigste. Die schöne Gabriele war untröstlich; bis jetzt war ihr jeder Wunsch erfüllt worden — und. gerade dieser eine, der brennendste, sollte unerfüllt bleiben. Sic gelobte sich aber, alles daran zu setzen, sei» Weib zu werden, gleichviel, ob er sie liebte oder nicht! Während er selbst von den Frauen vergöttert wurde, machte er sich gar nichts aus ihnen und stand ihnen mit absoluter Gleichgültigkeit gegenüber — keiner konnte ihm ein galantes Abenteuer nachsagen, so sehr ihn die Kameraden auch beobachteten. Doch drohten sie ihm wohl, daß auch ihn einmal das Verhängnis ereilen und Gott Amor sich für diese Geringschätzung rächen würde. Er aber verlachte die Warner und meinte, er wäre absolut gefeit! — Doch das Verhängnis ereilte ihn — die Liebe kam über ihn, eine große, gewaltige Macht, gegen die er kämpfte mit aller Energie, die ihm eigen war — doch vergebens — er unterlag! Es war in der Kirche. Schräg vor ihm saß ein junges Mädchen. Sie trug ein einfaches schwarzes Kleid und hatte einen englischen Strohhut aus dem blonden lockigen Haar. Halb aus Neugier, halb aus Langeweile beobachtete er, wie ihr Auge voller Andacht an dem'Geistlichen hing. In ihrer Erscheinung prägte sich eine kindliche Unschuld und eine Vornehmheit der Haltung aus, die ihn frappierten. Leider konnte er ihr Gesicht nicht ganz sehen; dafür entschädigte er sich reichlich durch den Anblick ihres Profils, das wunderbar rein und edel war — ein feines, gerades Rüschen, ei» süßer Mund und ein sanft gerundetes Kinn. Er nahm sich vor, das Mädchen nicht aus den Augen zu lassen. Rach Schluß des Gottesdienstes beeilte er sich, den Ausgang zu erreichen, und an der Kirchtür wartete er auf seine Unbekannte. Schon von weitem sah er sie kommen, und er war überrascht von dem Liebreiz ihrer Erscheinung — ein entzückendes, nur etwas bleiches Äesichtchcn, das von einem Paar wunderbarer Augen beseelt wurde. Er trat ihr in den Weg; unwillkürlich blickte sie zu ihm auf — groß und voll ruhten da seine Augen auf ihr, daß eine dunkle Röte das lilienweiße Gesicht überflutete; gleich darauf war sic im Gedränge verschwunden und so sehr er sich auch bemühte, er sah sie nicht mehr. Mißmutig darüber, setzte er feinen Weg fort, darüber nachsinneud, ob er sie wohl Wiedersehen würde. — Nachmittags ging er mit einem Kameraden spazieren. Das schöne Wetter hatte die meisten Leute herausgelockt, und große Scharen von Spaziergängern strömten ins Freie. Er mußte noch immer a» da» Mädchen denken — ihr Gesicht und der Blick ihrer Augen wollten ihm nicht aus dem Sinn. Wer mochte sie sein? „So schweigsam, lieber Wolfsburg?"' fragte da sei» Begleiter in sein Grübeln hinein, „Sie denken wohl wieden über eine strategische Frage nach"?" „Nein, Strachwitz, nein! — Woran ich denke, das können Sie nie erraten," lächelte der Angeredete. „Na — wenn es Hartleben wäre, würde ich mit Bestimmtheit behaupten, daß mal wieder ein Weib in seinem Kopfe spuke — aber Sie Cato — eher glaubte ich and«» Untergang der Welt!" „Wenn es aber doch so tväre?" gab Wolf lächelnd zurück. „Wie — höre ich recht — Sie, Wölfchen —?" „Ja, ja, ich habe heute morgen in der Kirche ein Mädchen von so berückendem Liebreiz gesehen, wie noch kein anderes! Der Gesellschaft scheint sie aber nicht anzngehören, sonst würde ich sie kennen." Und er beschrieb ihr Aeußeres so anschaulich, daß Strachwitz einen leisen Pfiff ausstieß und sagte: „Ich glaube, die kenne ich und habe sie öfters gesehen." „Ah! ^Und >vo, wenn man fragen darf?" Doch Strachwitz antwortete nicht, sondern sah ansmerk- sam gerade aus; plötzlich bemerkte er, auf zwei junge Mädchen deutend, die ihnen gerade entgegenkamen — „Ist es vielleicht die links?" • , „Ja, beim Himmel, sie ist es," bestätigte Wolf erregt, „haben Sie schon je etwas so Süßes gesehen?" Das Mädchen erkannte sofort den Ossizier vom Vormittag wieder und schlug vor seinem beredten Blick errötend! die Augen nieder. Dem Sonntag zu Ehreu hatte sie ein weißes Batistkleid angelegt, in dem sie wie die verkörperte Unschuld und Reinheit aussah. Als si -vorüber war, fragte Strachwitz: „Sie möchten also wissen, wer die Kleine ist? — Sie heißt Mary Winters und ist Putzmacherin." „Putzmacherin?" Es klang sehr enttäuscht und fast ungläubig, wie Wolfsburg das wiederholte. „Ja — Putzmacherin in dem Modesalon der Frau Gün- del am Rolandplatz." s „Woher wissen sie das?" „Von Hartleben. Sie wissen, der hat eine scinc Nase und spürt alles aus. Seit März ungefähr ist die Klein- hier - aber riesig unnahbar, wie er sagt! Na, er tmrd's vielleicht aus Erfahrung wissen, schweigt sich aber darüber aus! Leipziger Straße 14, zwei Treppen, bei einer Witwe Müller oder Schulze wohnt sie. Das ist alles, was ich sagen kann! Schade, daß ich kein Weib bin — denn Hüte von solch schönem Kinde ausgesetzt bekommen, muß doch eine Wonne sein!" So plauderte er, während Wolssburg halb zerstreut zu- hörte. Also Putzmacherin war sie — schade! Und er seufzte unwillkürlich auf. Strachwitz sah ihn von der Seite an. „Nanu — wem galt der Seufzer? Doch nicht etwa dem kleinen Mädel von vorhin? — Sie werden ja ganz rot —i ei, ei, mein lieber Freund!" Und scherzhaft drohend hob Strachwitz den Finger. Aber des anderen Gesicht war sehr ernst als er sagte: „Strachwitz, ich bitte Sie, lassen Siö das! Es tut mir weh! Das Mädchen ist so süß und hold, daß ich es auf der Stelle lieben und heiraten könnte!" „Mensch, warum den» gleich so gründlich? Sie könne» die Kleine doch auch sonst lieben und anbeten! Muß man denn immer gleich an .Heiraten denken? Glauben Sic, diese kleine» Mädchen denken selbst nicht daran — ach, und ich sage Ihnen, sie können so süß und heimlich küssen! Weg doch mit der Schwerfälligkeit, Wölfchen genieße» Sie Ihre Jugend; erwerben Sie sich die Gunst jener Kleinen, ivenn Sie Ihnen so gut gefällt — Ihnen wird es ja nicht schlver fallen. Tie Weiber loarte» ja nur aus Sie! Jenes kleine Mädel wird Sie auch nicht gleich nach dem Standesamt frage»! So etivas liebt man ivohl, aber man heiratet es nicht, und, glauben Sie, 's ist eine der größten Himmels- gaben, so ein lieb Ding im Arme zu haben!" Das sagte Strachwitz in seinem gewöhnlichen, etivas srivolen Tone, während er unternehmend das blonde Bärtchen zwirbelte. „Strachwitz," — sagte da Wolfsburg stehe» bleibend und ihm ernst ins Gesicht schauend —, „Strachwitz! haben Sie sich denn auch ernstlich überlegt, was Sie da sagen? Sind Sie sich nicht der Frivolität bewußt, die in Ihre» Worten liegt?" (Fortsetzung folgt.) Tsingtau und Tsinansu. ,,Wohin fahren Sie eigentlich?" frug uns der liebenswürdige Geheimrat aus Berlin, der eine geologische Studienreise machte, «16 wir uns zum erstenmal im Speisewagen des sibirischen Erpreßzuges gegenüber sahen. „Wir fahren vorläufig bis Tsingtau," erwiderten mein Bater und ich. „Das trifft sich ja famos, ich sahre bis Dalny, wir fahren also 12 Tage zusammen." Wir wurden unzertrennliche Reisegcnossen, denen sich noch ein Vierter anschloß, ein deutscher Ingenieur, der nach Japan fuhr. Alles Interessante, was die Reise bvt, genösset, wir zusammen. Wir pendelten aus den größeren Stationen auf und ab, wo der Zug meistens 10 Minuten Aufenthalt hatte, und beobachteten Land und Leute. Flora, Fauna und Bodenbeschafsenheit wurden sür uns durch die interessanten .Erklärungen des Fachmannes noch bedeutungsvoller. Die Tischgespräche bei den gemeinsam eingenommenen .Mahlzeiten brachten immer neue Anregung, auch lieh inan sich gegenseitig Bücher, besuchte sich in den bequem eilige- «ichtclen Abteilen und beobachtete die internationale Reisegesellschaft. Als in Dalich die ILtagige Bahnfahrt ihr Ende hatte, wurde das säst allgemein bedauert, die Tage waren nur so gewogen. Roch ein gemeinsamer Besuch der Schlachtfelder von Port Arthur und ein Gang durch das großzügig von den Russen an» Eingang zum Golf voll Liaotung angelegte jetzt japanische Talny und dann trennte sich die Reisegesellschaft. Mein Pater und ich schifften uns auf der sLoongmoon der Hamburg-Amerika-Linie »in. Wir näherten uns jetzt mit Macht unserem Reiseziel Tsingtau. Frühmorgens stieg die schroffe zackige Bergküste von Schan- tung vor uns auf, das war die erste Enttäuschung, flach und gelb hatte ich mir die chinesische Küste vorgestellt. Ein prächtiges Farbenspicl begann, tiefblau schimmerte das „gelbe" Meer, die Felsen der Schantunaküste waren rot überhaucht von den Strahlen der ausgehende» Sonne. In atemloser Spannung standcn wir aus Teck, ein Stück deutschen Bodens zu sehen. Den schönsten Anblick bietet Tsingtau von der See aus, das wußten wir: schon lag es vor uns, weit ausgedehnt inmitten einer Anzahl grün bewaldeter Hügel: unser deutsches Tsingtau! Grüne Hügel, rote Ziegeldächer, wie zu Hause blaues Meer und strahlender Himmel, das war der erste Eindruck. Langsam glitt das Schiss näher an der Arkonainsel mit dem Leuchtturm und deni kleinen Hasen vorbei. Hunderte schwarzer chinesischer Fischer- dschunken von phantastischer Form belebten die Bucht. Noch wurde unsere Geduld aus eine harte Probe gestellt. Tie Einfahrt bis zum großen Hasen dauert 1 Stunde. Endlich erblickten wir mit dem Glase die am Quai auf uns wartenden ostasiatischcn Freunde. Tsingtau war erreicht. Ein Wagen mit chinesischem, trotz Revolution bezopftem Kutscher brachte uns durch die ausgedehnten Hasenanlagen und durch die sauber mit breiten Straßen angelegte Ehincsenstadt, den sogenannten Ta pautao nach der eigentlichen deutschen Stadt und dem großen, bequem und geschmack- eingerichteten Hotel Prinz Heinrich. Bon jetzt an staunten wir. Schon von der See aus hatte uns Tsingtau durch seine herrliche Lage an den verschiedenen Buchten, mit seinen 12 grünen Hügeln und stattlichen össcntlichen Gebäuden einen großen Ein druck gemacht. In der Stadt vertiefte und verstärkte sich dieser Eindruck beständig. Was bat deutscher Fleiß, deutsche Tüchtigkeit und Ausdauer dort in kurzer Zeit geschaffen! Wo vor Id Jahren noch ein kümmerliches Fischerdorf stand, erhebt sich eine moderne, große Stadt, mit breiten Straßen, schönen Häusern, Automobilen usw. Nur die zahlreichen Chinesen und die Rickschas crinnent daran, daß man sich nicht in Tcutschland befindet. Eines der schönsten Gebäude ist die neue evangelische Kirche aus einem Hügel in beherrschender Stellung gelegen. Alle össcnt- lichcn Gebäude, die Bank, das Gouvcrnemcntsgebäude und andere mehr, zeigen ein echt deutsches Gepräge. Auf schmalem, teilweise in die Felsen gehauenem Pfad gelangt man zu dem etwas abseits der Stadt liegenden Badestrand. — Wer fahren will, benutzt die ausgezeichnete Fahrstraße nach dem Rennplatz und den Jltiskaserncn. — Am Badestrand trifft sich nachmittags ganz Tsingtau und Erholungsbedürstigc der Küste. Tsingtau gilt als der beste und schönste Erholungsplatz Ostasicns. Ter Forstgartcn landeinwärts hinter der Augusta-Viktoria Bucht bietet herrliche Spaziergänge. Was wird dort nicht alles gezogen an heimischen Früchten und Blumen! Tie Wcihnachts^- bäuine von dort werden bis nach Peking verschickt. Wir ftihren im Auto nach dem Lauschangebirge, eine andert- halbstündige, hochinteressante Fahrt, durch chinesische Dörfer. aus guter, deutscher Straße. Uebcrall war die Ernte aus osfencr, runder Tenne ausgeschichtct. Frauen, in ihrer merkwürdigen Tracht, in blauen Kitteln und weiten Hosen, die Beine von den Waden bis zum Knöchel mit grünen, roten oder gelben Binden um- tvickclt, säst alle noch ans winzigen, verkrüppelten Füßen, schwerfällig, aber doch schnell trippelnd, und Kinder mit niedlichen, kleinen, abstehenden Zäpfchen, meist ganz nackt, verrichteten die Arbeit. Alte Weiber und Greise sehen zu. Erzählungen aus der biblischen Geschichte werden in einem wachgerufen. Hier drischt ein Ochse die Frucht aus, indenr er eine Stcinwalze übe» die Halme zieht, dort wirst ein Mädchen die gedroschene Frucht hoch über den Kops, damit sich die Körner von der Spreu Irennen. Charakteristisch für das Lauschangebirge find di« schroffen, hohen .Felswände, die sich zu Kletterpartien und anstrengenden Hochgebirgstouren sehr gut eignen. Für Erholungsbedürftige und Touristen bietet das „Mecklcnburgbaus" bequemes Unterkommen, auch haben viele Familien im Lauschan ihre Sommerhäuser. Wir fanden dort oben prachtvolle Blumen, kleine wilde Jrisb blaue, rundköpsigc Disteln, Astern, Nelken und eine Menge uns ftemder Arten. Wie im Fluge verging die schöne Zeit. Tagsüber wurden! die Arbeitsstätten Tsingtaus besichtigt: Die Missionen mit ihren Schulen, die Deutsch-Chinesische Hochschule, die Werft und die Hasenanlagen, sowie die Unternehmungen der deutschen Firmen, wie die Germania-Brauerei, die Tampsziegelei von Diederichsen u. Co. und andere. Mends labte man sich an Tsingtauer und Münchener Faßbier bei „Dachsel". Ein Spaziergang aus der großen Mole im kühlen Seewind und angesichts der vielen Lichter der in der Bucht verankerten Kriegsschiffe beschloß den Tag. Ter Tsingtauer Aufenthalt war zu Ende, nun galt eI. Tsinansu, die neue Heimat, zu erreichen. „Wie heißt der Ort?" — „Das ist ja ein furchtbarer Name!" — „Da wollen Sie hingehcn?" Wie oft Hab« ich das zu Hause hören müssen. Ich muß gestehen, von der chinesischen Handelsstadt Tsinansu mit 100 00Ö chinesischen Einwohnern und einer deutschen Kolonie von 50 Köpfen konnte ich mir selbst keine rechten Borstellungeit machen. Meine Erwartungen waren auf ein Minimum herabgesetzt. Tie neunstündige Fahrt von Tsingtau landeinwärts in den bequemen Wagen der Schantung-Eisenbahn war hochinteressant. Die Strecke führt durch landschaftlich schöne, abwechslungsreiche und überaus fruchtbare Gegenden. Das herrlichste Obst, Trauben, Birnen und Pfirsiche, wurde an den Stattonen von chinesischen Händlern angcboten. Gegen 6 Uhr abends tauchten die Türme der katholischen Missionskirche von Tsinansu aus. Durch grüne Reisfelder und gepflegte Gärten ging die letzte Strecke. Dann hielt der Zug. Eine Menge Damen und Herren der Welt waren erschienen, um uns zu begrüßen, Kinderhände mit Blumensträußen streckten sich uns entgegen, find überall fröhliche Gesichter, die unS willkommen hießen. Nach Landessitte mußten wir in Sänsten steigen, die Träger hoben an, der Vorreiter schwang sich aus feinen Pony und fort hing es im Geschwindschritt. Zunächst durch Straßen mit chinesischen Läden, Garküchen und Herbergen. Nach einigen Minuten änderte sich das Bild, schöne europäische Häuser in großen Gärten säuntten die Straße zu beiden Seiten ein. Besonders sielen mir das Konsulat aus, die Bank, das deutsche Krankenhaus, die Häuser der großen Finnen wie Car- lvwitz, Diederichsen, Schwarzkopf, Arnhold-Karberg und viele Privathäuscr, die alle dicht nebeneinander liegen. Es ging mir wie in Tsingtau, der erste angenehme Eindruck durch die herzliche Begrüßung am Bahnhof verstärkte sich von Tag zu Tag. Die deutschen Hausfrauensorgen fallen hier fast ganz weg, da die aut angelernte chinesische Dienerschaft im allgemeinen vorzüglich für die leiblichen Bedürfnisse und sür die Behaglichkeit der Herrschaft sorgt. Ter Hausfrau bleibt nur die Leitung! und Aufsicht, im übrigen kann sie sich ganz ihren Neigungen widmen. Fast jede der zahlreichen Familien besitzt ihren eigenen Tennisplatz. Dem Tennis sind bis tief in den November hinein die freien Nachmittagsstunden gewidmet. Tie landschaftlich schöne Umgebung Tsinansus bietet reiche Abwechslung sür Ausflüge und Picknicks zu Pferd und zu Fuß. ^Tie bequemen Berg- sänsten — an 2 Tragstangen befestigte Stühle, von 2 Kulis getragen — werden von Damen und Kindern sür den ganzen Sonntag gemietet: der Boy sorgt dafür, daß der Frühstückskorbs mit guten Speisen und Getränken für die Rast gefüllt ist, und dann zieht die fröhliche Gesellschaft los, zu einem buddhistischen Kloster in die nahen Berge, zu einer Treidelbootfahrt aus 'dem! Hsiao ching ho oder zu einem Ausflug nach dem gelben Fluß. Eine zwanglose Geselligkeit, bei der musiziert und vorgelesen wird, vereinigt oft abends die befreundeten Familien; und auch an den üblichen Tamentees fehlt es nicht. Die deutsche Post hält eine enge Verbindung mit der Heimat aufrecht. Dreimal in der Woche trifft Heimatspost hier ein und dreimal geht Heimats- post von hier ab. Wir haben Inlandsporto, wie zu Dause. Tie Europäer wohnen in der 1906 gegründeten Niederlassung, die von den Chinesen selbst nach modernen Grundsätzen verwaltet wird. Das enge Gewinkel der ausgedehnten Chinesenstadt ist noch vollkommen unberührt von europäischen Einflüssen. Durch lange Vorftadtstraßen. in denen der Verkehr von Rickschas und Lastkarren — andere Fahrzeuge gibt es hier kaum — von Reitern und Fußgängern ganz riesig ist, gelangt man in die etwas breitere Hauptgeschäftsstraße. Dort liegen die vornehmen chinesischen Seidenhäuser, in denen man farbenprächtige Seide und prachtvolle Brokate kaufen kann, dann die Läden, in denen chinesische Altertümer sür oft ungeheure Summen gehandelt werden, Tceläden, Buchhandlungen und andere mehr. In der Chinesenstadt ist auch die deutsche Schule untergebracht, an der 3 deutsche Lehrer etwa 80 Schüler unterrichten. Im Sommer 1912 ist dort mit ganz kleinen Mitteln ein interessantes Museum geschaffen worden, das von zu Hause rci^ liche Unterstützung verdiente. Wie großzügig die Engländer, durch 8 reiche Privatmiltel unterstützt, arbeiten können, das zeigt das Museum der englische» Mission, das nahe der deulschen^Schule schon jahrelang besteht. Tie Ehinesenstadt hat eine Menge Sehenswürdigkeiten an Tempel», Pamen iund Schulen. Tvpisch für Tsinansu sind seine vielen Quellen, die meistens von alten Tempeln cingesaftt sind. Was deutsche Arbeit leistet, zeigen die großartigen Eijen- bahniverkstätlen der Tientiin—Pnkou-Eisenbabn in Tahuaischn deren Organisation in China wohl nicht ihresgleichen hat. Tsinanfu ist der Knotenpunkt der Tientsin—Pukou- nnd Schantung-Cisenbahn und >vird jährlich oon Hunderten von deutschen Durchreisenden besucht. Man erstaunt,ost. wenn man siecht, wie wenig inan »» Hause von deni Platz lweiß, der von solcher Bedeutung für das Deutschtum ist, und eS kommt mir beinahe merkwürdig vor, wenn ich daran denke, das; ich vor meiner Abreise bedauert wurde, hier leben zu müsse», wo man int Mittelpunkt großer Interessen steht und von allem notwendigen europäischen Komfort umgeben ist. M. B. Ewiges Leben. Bon vr. A. La nick, lcva. Stets um die Jahreswende werden Wünsche aller Art für die Zukunft ausgesprochen, und „Reichtum, Glück, Gesuichheit und ein langes Leben" heißt 'immer der Refrain. Ein langes Leben, ja, ivenn es möglich wäre, sogar das ewige Leben wünscht sich ivohl jeder Mensch einmal. Natürlich müßte es in Gesundheit und Jugendkrast sei». ES ist aber nicht nur bei doift Wunsch geblieben, von jeher gab eS auch sindige Köpfe, die sich mit der Lösung der Ausgabe beschäftigten, wenn nicht daS ewige Leben »u sinden, so doch das Leben zu verlängern. Es ist oft viel Aberglaube, Hezerei und Betrug dabei; eS hat aber auch Bestrebungen gegeben, die ehrlich gemeint waren und ernst genommen werden müssen Wir habeii bei uns eine Vermehrung der Bevölkerung erlebt, die staunenerrcgend ist. Woraut anders ist sic zurückzuführen, als aus die Verlängerung deS Leben» der Menschen? Tie Zahl der Geburten ivar sicher früher nicht ge- ringer als beute, di« Zahl der Todesfälle natürlich auch nicht, denn jeder Mensch muß >r wieder sterben Aber wenn früher etnm \\ aller Menschen schon im ersten Lebensjahre starben, so haben jetzt kaum »och die Hälfte dieses Los, für alle übrigen ist eine bedeuteiche Verlängerung des Leben» cingetreken. Die Menschen, die früher wenige Wochen oder Monate alt wurden, leben heute lahrzehntelaiig, und die, die srüher mit 40 oder 50 Jahren dahrngingen, bringen es heute aui 60, 70 oder gab noch höher. Ganz von selbst ist freilich diese Untersuchung nicht gekommen, Ter Mensch hat »ach Mitteln gesucht, sein Leben zu verlängern, und er bat sie gesunden Keine Zaubrrmittel, sondern nur Reinlichkeit und gute Säuglings- und Krankenpflege, Wenn der Umsang eines Mensrbciialters heute sestgesetzt werben sollte, er würde wobt das doppelte des Zeitraumes umfassen, de» wir jetzt allgemein als ein Menschenalter bezeichnen. Und es ist anzunehmen, daß mir noch nicht einmal an, Ende diese« Bewegung stehen. Allbekannt sind die Bestrebungen Metichnikosss, des Propheten des Joghurt, der das Durchschnittsalter der Menschen auf 100 Jahre bringen ivill. E» bedart dazu lediglich des Jnteftibakleriums, da» die schädlichen Tarmbakterien tötet, und daneben einer vernünftigen Lebensweise. De»», so widersinnig eS auch klingt, die meisten Menschen essen sich zu Tode. d. h. wenn sie weniger essen würden, würden sie länger leben. Darin liegt ein Hauptgeheinini» aller Lebeiisverläiigerungsregel» Vorausgesetzt, du: Menschen hätten die nötige Charakterstärke und Selbstzucht, aus ihre hergebrachte» Schmäuse und liebgewon- neuen Genußmittel zu verzichten und sich streng »ach den Regeln der Aerzte zu richten, was hindert uns daran, zu glauben, daß mit der Zeit die Duudertjührigen so häufig werden, wie heute die Sechzigjährtgen? Aber hundert Jahre sind »och keine Einigkeit, und bk« zum eivtgeu Leben ist ein so gewaltiger Schritt, daß man dieses Zrel für den Menschen nie ernsthaft zu «erstreben suchen wich. Gibt ei denn überhaupt ein ewiges Leben? Wir wisset von Tiere», hie >veit über hundert Jahre, und von Bäumen, die wett über tausend Jahr« alt werden können. Gibt es da nicht auch Lebewesen, die bunderttauseud oder Millionen von Jahren überdauern können? Wer denkr jetzt ,. B nicht daran, daß die ,n den Ppramrdcn gefundenen Gelreivekürner der alten Aegppter beim Pflanzen wieder in die Halme schieße», daß in römisch galli- m>en Gräbern gefundene Körner heute wieder «ehren tragen sollen ? Das wäre doch em Beweis, daß sich in den Sanienkörnern das Leben viele tausend Jahre, also Ivohl auch ewkg erhalten koiinte. In Wirklichkeit aber handelt cs sich bei alle» diesen Be- iinh f 'L,ü» r «Tf bau tasten, die freilich gern geglaubt jverden. Und Ivenn Reisend« aus AegpVien das Gegenteil behaupten. so ,rf)lmifr einheimischer Händler geworden, bte < Geittldekorner unter die ,n den Pyramiden gefundenen %jr tn ‘ eden Alters u»teriio,»men Es hat sich aber ergeben, daß kein Samen nach länger als hundert Jahre» noch Keimkraft besaß. Die Körner zeigen zwar oft noch ein ganz frisches Aussehen, die mikroskopische Untersuchung aber läßt ersennen, daß die innere zellulare Organisation zerstört ist. so daß ein Keimen unmöglich noch erfolge» kann. In daS Gebiet der Märchen gehören auch die Berichte von den Aufgußtierckwn, die ewig in der Trockenheit aufbewahrt werden können, und doch wieder zuni Lebe» erwachen, sowie sie augefeuchtet werde». Man hat durch Versuckie erwiese», daß derartige Aufgußtierchen nach einer Aufbewahrung ini^Trockencn von langer alS 00 Monaten nicht wieder zum Leben zurückgerufen werden können. Weder bei den Pflanzen noch bei dem Tieren sehen wir also die Möglichkeit eines ewige» Leben« Aber im Mineralreich! können wir sie finden. Ein Salzkriställchen kann tausend und Millionen von Jahren ruhen, bringt iiian e» dann wieder in «ine hejättigte Salzlösung, so wird es weiter wachsen. Es wird seinen Körper vergrößern und die ne» aufgeiionnnene Substanz sich inner- lich und äußerlich organisch anpassen. Dieser Vorgang heißt doch leben? Und waS für daS Salzkürnä>eil gilt, das gilt auch für den Quarz, für den Feldspat, überhaupt für alle Kristalle. Wenn si« heute wieder unter denselben Bedingungen, die bei ihrer Entstehung herrschten, in glulflüssige Gesteinsmasse kämen, so würde» sie auch zu neuem Wachstum erwache». Die Kristalle also haben das ewige Leben. Warum nun Tier und Pflanzen, ivarum der Mensch nicht? Vielleicht sehen wiv die Sache nur falsch an. Md? halten unser Einzelbestehen und unsere augenblicklich« Daseinsform sckwn für „das Lebe»". Wenn es so wäre, dann wäre mit dem Tode natürlich alles aus Aber wir kenne» viele niedere Tiere, die sich durch Teilung sortpslanzcn: es lebt also bei ihnen selbst in der lanseiidsten und millionsten Generation noch ein Teil der Zelle des Multertieres fort. Ist das nicht ewiges Leben? Und wenn man das zugibt, dann haben alle Lebewesen, Pflanzen, Tiere und auch der Mensch ein ewiges Lebens denn auch bei ihnen ist die Foripflanzung nur das Se!b- ständigwerden einer winzigen Körperzclle. Sie leben also alle in ihre» Nachkommen weiter. Und so wollen wir unseren Wunsch nach ewigem Leben anck ouffasse» Nicht unsere augeublickliche Daseinsform soll ewige Dauer haben, aber in unseren Kindern und Kindeskiiidern wollen wir uns lebensfähig zu erhalten suchen. Dann haben auch wir das ewige Leben! vermischte». * Das Lachen und der Charakter. Daß man an dem Lachen eines Menschen seinen Charakter erkennen kann, er^ zählt seinen Lesern da« Pariser Journal. Das Kennzeichen sei der im Klang de« Lachens vorwaltende Vokal. Ter Mann, den aus a lacht, ist harmlos, die Frau unbeständig und außerslande, ein Geheimnis zu bewahren, Ta» Lachen aut e läßt aus Neurasthenie, Schwermut und Skepsis schließen, das Lachen aus o aus einen vssenen, großmütige» Charaktere aus «'lachen Kinder und blonde Frauen, Vorsicht aber — so warnt das Journal — vor den Menschen, die aut u lachen. Das sind unehrliche, verlogene« verleumderische Charaktere, kur», Leute, die man nie »um Lachen bringen soll , , . . * Das Nötigste, Frau Müller hat eine Tochter, die natürlich hochmusikalisch ist. Nach langjährigen Ksavierstunden spielt sie bereits geläufig und soll nunmehr durch einen der ersten Klavierlehrer zu einer wirklich bedeutenden Pianistin ausgebildet werden. Nachdem sie dem Musikprosessor vorgespielt hat, fragt ihn Frau Müller, nüe lange wohl die Ausbildung zur Virtuos!» dauern werde, und erhält die Antwort, das sei schwer zu sage». „Aber ich bitte Sie," ruft sie entrüstet, „Kat denn ineine Tochter nicht di« notwendigen Eigenschaften dazu?" — „O ja, sie hat zwei Hände," , , vllderrätiel. Auslösung ln nächster Nummer. Auslosung de- Rösselsprungs in voriger Nummert Ta d» elnst geboren warst au's Lich^ Weintest bn: t* Irenle» sich dl« Dellien. Lebe Io, daß, wenn dein Auge bricht, Tn dich treust, dl« 4)1«,>Ich«» aber weinen. Indisch, edak on. K, N«ur,»h, — Rotaiionsdi-nck »nl> Verla, der vrühl'jchen Universitäts-Buch- und Sleiudruckeret, R. Lang^ Gieße» v