0 rV/ l ( Grossh. Uniyersitaets- Ein Frühlingstraum. Roman von Fr. Lehne. (Nachdruck verboten.) Wtnn alle Schmerzen auch ein Der; durchbohren, Tem man sein Liebstes senkt zur Grube nieder. Doch glaubt es leichter hier: wir seh'n uns wieder, Es sind die Toten uns nicht ganz verloren. Lenau. 1. Teil. Es war ein wunderschöner, warmer Septembertag. Ein wolkenloser blauer Himmel lachte aus die schon etwas herbstlich geschmückte Erde herab, und die Sonne strahlte in wahrhast sommerlicher Glut, als wollte sic die Menschen über das Nahen der rauheren Jahreszeit hinwegtäuschen. Mir wurde der Krage« zu warm: ich nahm ihn von den Schultern, während ich meinem Lieblingsausenthalte, dem St. Anncn- kirchhose. zustrebte. Dort umsängt mich stets ein tiefer Friede, wie ich ihn selbst im Gotteshaus nie empfinde; eine himmlische Ruhe überkommt mich, und losgelöst von allem Irdischen ist dort meine Seele. Wie du weiht, habe ich in meinen jungen Jahren viel gekämpst und gelitten, und als ich das Glück endlich zu halten glaubte, da wurde es mir von neidischer Hand entrissen — mein heißgeliebter Mann starb mir plötzlich nach sechsjähriger glücklicher Ehe, und mein einziges süßes Kind folgte ihm nach einem Monat schon. Bon meinem Schmerze will ich nicht sprechen; still habe ich ihn in mir niedergekämpst — meine Tränen sah nur Gott allein! Ich kann mein Unglück und mein Leid nicht in die Welt hinausschreien, aber mein Haar ist grau geworden und mein Auge trübe; — die Hände habe ich mir wund gerungen im Kamps mit meinem Sckmerz und gar oft gruben sich in heißer Verzweiflung meine Nägel tief in den grünen Hügel, der mein Liebstes in sich birgt. In einem stillen Schweizerdorse endlich, im Angesichte der ewigen, großartigen Natur, habe ich Heilung sür meine angegrissene Gesundheit und Linderung sür meinen Schmerz gesunden, und dort auch habe ich mich durchgerungen zu einer Ruhe und Ergebenheit, wie ich sie früher nie sür möglich gehalten: da habe ich die stürmischen Wünsche und Hoffnungen der Jugend sür immer begraben. Das mir beschiedenc Glück habe ich genossen — mehr als viele andere — und mehr als viele andere habe ich dem Erdenleid und Erdcnschmerz meinen Tribut zollen niüssen. Das hat mich indes nicht hart und selbstsüchtig gemacht; ich habe ein warmes Herz sür andere behalten, wenn ich auch einsam und allein bin! Doch davon will ich Iveiter nicht reden, sieben Jahre sind seitdem vergangen, und die Zeit lindert ja alles! — Meine Erholung ist der tägliche Gang nach dem Friedhofe, wo ich die Gräber meiner Lieben schmücke, und wo ich so gern eine Stunde stiller Beschaulichkeit verlebe. — Doch wenn man so oft wie ich an jener Friedensstätte iveilt, bekommt mau auch Interesse für andere Gräber, und für dieienigen, die darin ruhen. Da frage ich mich tvohl: Woran ist er gestorben? — Hat ihn der Tod mitten aus dem blühenden Leben gerissen? Kam er unerwartet oder schmerzlich herbeigesehnt? Und mächtig bewegt sind dann oft meine Gedanken. So stehe ich gar häufig sinnend vor einem einfachen Grabhügel, der ganz von Efeu übersponnen ist — nur ein einziger Rosenstock, der herrliche weiße Blüten trägt, ist darauf gepflanzt. Eine schwarze Marmortafel trägt die kurz« Inschrift: Mary Winters. Geb. ain 26. Juni 18.. gest. am 18. Dezember 18 .. Ruhe sanft! Wer niochte das junge Wesen sein, das in der Blüte der Jahre dahingerafst und hier zur Ruhe gebettet ist, die es vielleicht auf Erden nie gefunden? Keine liebende Hand pflegt das Grab, verlassen liegt es da — nur vom Friedhof' Wärter oder seiner Frau notdürftig in Ordnung gehalten, wie ich beobachtet habe. Einmal habe ich den Mann danach gefragt, der hat aber nur die Achseln gezuckt rmd mir kurz erwidert, er ivüstte cs nicht: er besorge das Grab im Aufträge eines Dr. Hamann, der kürzlich verzogen sei! Jedoch bemerkte ich, wie sein Auge feucht wurde und wie es um seinen Mund zuckle. Ich hatte mir vorgenommen, ihn doch nochmals danach zu fragen: damals ivollte ich nicht weiter in ihn dringen, wer weiß, wessen Geheimnis er hüten wollte! — Mir tut das einsame Grab, das mir ein mir selbst unerklärliches Interesse einslößt, leid, und hin und wieder lege ich ein einfaches Sträußchen darauf nieder. — Dann ist mir in der Nähe des Eingangs noch eine Grabstätte besonders bemerkcnsivert, die zwei Gräber enthält — ein großes und ein kleines. Ruhestätte der Familie Wolfsburg. Die Platte auf dem Kindergrab trägt die Inschrift: Unser Hasso. Geb. 10. Juli 18.. > gest. 10. Oktober 18.. Wie einfach und rührend die Worte: Unser Hasso! Welch eine Fülle von Schmerz und Liebe bergen sie! Ach, ich kann mir wohl denken, was die armen Eltern gelitten haben, ihren Liebling dahinzugeben! Die arine Mutter — der arme Vater — doch er ist ja mit seinen« Kinde vereint; denn die andere Grabstätte birgt seine sterbliche Hülle. Auf kostbarer Mar-- inortafel ist zu lesen: Hier ruhet mein heißgeliebter Mann Hasso Wolf Freiherr von Wolfsburg Hauptmann im 10. Infanterieregiment geb. 2. Avril 18 . . gest. 1. Juli 18 . . Groß ist mein Schmerz! Wie hat sie mir leid getan, die Frau, der das Schicksal ebenso wie mir mitgespielt — die ebenfalls ihr Liebste» hat hingeben müssen — wie mustte sic leiden beim Anblick der bei- den Gräber, besonders deS letzteren, daS noch so unheimlich frisch ist. — So waren meine Gedanken, und ich war begierig, die Frau jenes Mannes zu sehen, den auch ich gekannt als den schönsten, schneidigsten Offizier seines Regimentes. Und ich habe sie vor einigen Wochen gesehen! Eine große, volle, fast zu üppige Erscheinung, der die hochelegante Trauertoilette sehr gut zu dem weißblonden Haar und der rosigen Gesichtsfarbe steht. Ich habe sie beobachtet, wie sie auf jedes Grab einen Kranz legte, den ihr der Diener reichte, wie sie sich dann in graziöser Hdltung auf der Ruhebank niederließ — — und nach einer kleinen. Weile einen Taschenspiegel in die Hand nahm, vor dem sie sich die Stirnlöckchen zurechtzupfte. — Was mochte in ihrer Seele Vorgehen? — Mich faßte ein förmlicher Haß gegen dieses üppige, so gesund aussehende Weib — nein, sie hatte das Mitleid fremder Leute bei dieser Seichtheit des Emp-, sindens nis!h-t üötig, und da begriff ich auch, wie der Mann mit dem groß und edel denkenden Herzen unmöglich an der Seite eines solchen Wesens glücklich werden konnte. Was mag in ihm vorgegangen sein, was muß er gelitten haben, ehe dieser Hügel seine sterbliche Hülle bedeckte? — Da ruht er nun ,der Herrlichsten einer — dereinst geachtet und geehrt von seine» Vorgesetzten, geliebt von seinen Kameraden und vergöttert von seinen Untergebenen! Ost bleibe ich stehen an dem kunstvoll getriebenen Gitter und blicke auf das frische Grab, das stets mit den herrlichsten Blumen geschmückt ist. Vergilbte Lorbeerkränze mit halb vermoderten Schleifen und ehrenvollen Widmungen liegen noch da; doch was hast du davon, du armer Mann! Tu verlangst sicher nicht danach — was du sucklest, war Ruhe, und die hast du ja endlich gefunden» du und jenes Weib, das da hinten an der großen Linde schlummert unter dem einfachen, schmucklosen Grabhügel. — — — — — >— >— — — — Tie Lust hatte mich müde gemacht; ick sucht« mein Lieblingsplätzchen auf — eine schlichte Bank unter jener alten sclMien Linde — vor mir meine beiden Gräber und nickt weit davon das von Mary Winters! Ta sitze ich nun und denke — die laue Luft umschmeichelt mich kosend, warmer Sonnenschein liegt auf all den Gräbern, daß die weißen und schwarzen vergoldeten Kreuze flimmern, so daß ich, davon geblendet, die Augen schließe. Ueber mir rauscht es so geheimnisvoll in den Zweige» des Baumes und mich überkommt eine süße Mattigkeit — es ist hier auch ein so weltverlorenes einsames Plätzchen, wohin sich selten jemand verirrt. Eine eigene Stimmung bemächtigt sich meiner — es rauscht stärker, geheimnisvoller über mir, und mir ist, als hörte ich eine sauste, unendlich süße Stimme, und ich sehe auch das Wesen, dem diese Stimme angehört — ein wunder- holdes, blondes Mädchen mit unergründlich tiefen Augen, au§ denen eine Welt von Schmerz und Leid spricht. Sie hebt die schmalen, kinderkteinen Hände — doch als ich genauer nach ihr blicke, zerfließt sie in weichen Nebel. Die alte Linde aber raunt mir zu: Höre, ich will dir von jenem Grab erzählen; ich weiß, alles. Aufmerksam lausche ich. den Worten — es war eine ergreifende Geschichte von zweien, die nicht zueinander kommen konnten. ---Ta fühlte ich mich am Arme gepackt. Erschreckt sprang ich auf. Vor mir stand der alte Berger, der Friedhosswärter, verlege» seine Mütze in der Hand haltend. „Entschuldige» Sie nur," sagte er, „aber ich meine, es wird zu kühl, und die Frau Doktor könnten sich leicht etwas holen. Sie haben nämlich lange geschlafen!" s „Wahrhaftig, Alter," entgegnete ich, einen Blick nach der Sonne werfend, die schon tief am Horizonte stand, „wahrhaftig, ich glaube, ich habe geschlafen! Und denken Sie, was mir Sonderbares int Schlafe begegnet ist — jene Mary Winters ist mir erschienen und hat zu mir gesprochen." Ungläubig schüttelte er den Kopf. „Ja, ja, Berger, Sie können es mir glauben! Uebrigens, wollen Ste mir denn nicht die Geschichte von ihren, Leben erzählen?" bat ich. „Ich weiß nichts," beharrte er. „O doch," erwiderte ich. „wenn Sie nur wollen, könnten Sie mir sicher erzählen! Ich verspreche Ihnen, zu schweigen — und ich sollte meinen, daß Sie mich genügend kennen, Berger!" „Ja, Frau Toktor, das tue ich — und Sie haben recht, ich weiß alles. Nur spreche ich nicht gern darüber, weil es gar zu traurig ist." „Ach, Sie haben Mary Winters gekannt?" ,,^n, und ein schöneres Mädchen gab es wohl nicht; wie ein wirklicher Engel sah sie aus mit ihren blonden Locken und dem weißen Gesicht. Sie hat mir auch ihr Bild gegeben?" > „Darf ich das Bild sehen?" fragte ich. „Tann müssen Sie sich schon zu mir bemühen," cnt- gegncte er, „meine Mte hat es in Verwahrung, und dann! wollen wir Ihnen auch erzählen, Ivas wir wissen — aber nicht darüber sprechen." So ging ich mit ihm nach seinem schmucken Häuschen, das gar lauschig inmitten hochragender Bäume lag. Wir beide kannten uns schon lange. Tamals vor sieben Jahren hat er meinen Mann nnd niei» Kind begraben und mich! manchmal durch seine schlichte» Worte getröstet, wenn mich der Schmerz an den frischen Gräbern zu übermannen drohte. Während der langen Zeit meiner Abwesenheit aber hat eri gar treulich für die Gräber meiner Lieben gesorgt, und so etwas bringt die.Herzen einander näher, als manches andere. „Ja," sagte er im Gehen, „sie hat sich mal mit ihrer»! Liebsten hier getroffen; das war ein schmucker Osfizier, dessen Bild wir auch l)aben. Im Glück der jungen Leute sind! wir wieder jung geworden--und dann das traurige Ende! Ich möchte mich wohl noch inehr um das Grab kümmern; doch ich habe zu viel zu tun, ichid ich werde auch immer älter. Den weißen Rosenstock habe ich ihr darauf gepflanzt — sie hatte einmal zu mir gesagt: „Wenn ich sterbe, Berger, möchte ich ei» ganz einfaches Grab haben —i nur Efeu und weife Rosen!" — — In der einfachen, blitzsauberen Stube saß seine Frau am Fenster und strickte, während neben ihr auf der Fensterbank behaglich schnurrend eine graue Katze lag. „Hier bringe ich dir Besuch, Frau," ries der Alte, „die Frau Doktor Schöne will gern etwas von deinem Engel! hören." „Ach Gott," entgegnete Frau Berger ausstchend, indem sie sich mjt der Hand über die Augen fuhr, „ach, ich werde immer so traurig, wenn ich an das arme Mädchen denke, trotzdem sie uns eigentlich gar nichts angeht, und wir gar nichts weiter von ihr wissen; aber sie ivar so schön und gut!" Ich setzte mich auf das Sofa, und nach allerlei alltägliche» Fragen und allerlei Umständen holte sie endlich die Bilder, die sorgsam in Seidenpapier gehüllt waren. Ich nahm eins davon zur Hand, und mit Mühe unterdrückte ich einen Ausruf des Erstaunens — das war ja Leutnant Wolf von Wolfsburg, der mir da im Bilde entgegentrat, so lebensfrisch, wie ich ihn zuletzt gesehen — ein stolzes, edles Gesicht, ein seingeschnittener, von einem dunklen Bärtchen beschatteter Mund, um dessen Lippen ein herzgewinnendes Lächeln lag. Ten feurigen, geistsprühenden Blick, der ihm eigen ivar, den konnte der Photograph freilich nicht so wiedergcben — überhaupt war das Bild, trotz seiner guten Ausführung, nur ein schwacher Versuch, sein interessantes, edles Gesicht naturgetreu wiederzugeben. Also er ivar der „Liebste" von Mary Winters! Ich war aufs höchste neugierig, das Bild derjenigen zu sehen, die es verstanden hatte, sein .Herz zu bezwingen. Und wie ich es sah, begriff ich ihn! Ein Gesicht, so wunderhold, war mir noch nie begegnet: ein wahrhaftes Engelsgesicht mit seinen edlen Zügen, ivie nian sie in solcher Reinheit selten findet, dazu ein paar Augen von hinreißendem Ausdruck, ein Mund von entzückendem Liebreiz — ein Mund, der nur zuin Küssen geschasten schien! Lange betrachtete ich die Bilder, auf deren Rückseite geschrieben stand: Z. srdl. Andenken. Aus Tankbarkeit gewidmet von Mary Winters und Wolf von Wolssburg. Schweigend legte ich sie endlich aus der Hand, doch so, daß ich sie noch 'immer betrachten konnte. Ich habe eine Schwäche für schöne Gesichter, für schöne Mensche», und gar manche interessante, auffallende Erscheinung habe ich gesehen und kennen gelernt, jedoch noch kein Weib, das so viel Liebreiz in sich vereinte, wie dieses Mädchen hier. Wie berückend muß das Original gewesen sein, wenn schon das Bild einen solchen Eindruck aus mich machte! — (Fortsetzung tctgt ) Nur eine kleine Leutnantssrau. Skizze von Ilse-Tore Tanner. Ter Eßtisch ivar abgeräuint und das Licht der Petroleum!» Hängelampe siel auf Stosfballeir, Pavierschnittmuster, Spitzen- Garnrollen und all den sonstigen Krimskrams, der zur Schneidert» gehört. Die blasse junge Frau, die damit herumhantierte, sentztg Ifters und stutz!c gedaukeuvoll, als grüble sie über schweren Problemen, den blonden Kopf in die Hand. Endlich atmete sie erleichtert auf, und rin freudiges Lächeln kam auf ihr liebes, etwas inüdes Gesicht, Sic ging hinüber in das Herrenzimmer, wo ein junger Offizier arbeitend am Schreibtisch saß. Sie setzte sich sacht auf die Lehne seines Schreibtischstuhles, legte den Arm um seinen Nacken und küßte ihn auf das Ohr, „Nun, Liebling?" fragte er zärtlich, „Denke dir, Rolf, ich bekomme doch wirklich die Schulkleidchen kür die Zloillinge ans meinem alten dunkelblauen Kostüm heraus, da spare ich eine Menge Geld, und wenn ich mein blauseidenes Kleid etwas verändere und mit den Spitzen von Tante Frida garniere, geht es auch noch — Gott sei Tank, mir fällt ein Stein vom Herzen, ich hätte sonst auch nicht aus noch ein geioußt!" Der Mann zog sie auf seinen Schoß, „Das ist ja samos, du bist nnrklich eine Künstlerin, Am Ende findest du auch noch ein Zaubermittel, das uns ermöglicht, diesen Monat noch die beiden Häuptlinge mit ihren Frauen einzuladen," Sie nickte lebhaft, „Ja. es wird gehen, Rolf, ich habe mir das eben auch noch berechnet'. Ich Hab» doch iwch eine kleine Sparkasse —," sie errötete, als sie seinen erstaunte» Blick bemerkte, „darin sind ganze 6 Mark — das nehme ich dazu, und daim die beiden Hasen, die Mama mir Sonnabend schickt, die geben den Braten — wir müssen nur auf jeden Fall zu Montag oder Dienstag einladen. Fritz nnrd dann allerdings noch etwas ar,f den neuen Wintermantel warten müssen, dazu wollte ich nämlich das Geld anssammeln," „Schrecklich, dieses Sparen und Knapsen," Rolf von Bornin seufzte ungeduldig — „und, daß du, mein armer Liebling, es so schwer hast, daß du verwöhntes Prinzcßchen dich mm als meine Frau so abquälen mußt, das ist mir furchtbar," Die junge Frau schlug stürmisch ihre Arme um den Hals des Gatten. „Aber, Rolf, das tue ich dockt so gerne, das ist mir keine Quälerei, Ich denke nur immer, wie sehr viel besser du es haben loürdest, wenn du ein reiches Mädchen geheiratet hättest." „Dummchen," er lachte froh — „besser wie ich es habe kann es kein König haben —- aber du, du mühst und sorgst dich ab für mich und die Kinder, und ich kann dir so gar nichts bieten und schenken, was andere junge Frauen von ihren Männern bekommen. hübsche Kleider, Schmucksachen, Reisen--—" Sie schloß seinen Mund mit Küssen: „Nichts brauche ich nichts — wenn du mich nur immer lieb behältst," Er hielt einen Augenblick sein zartes junges tapferes Weib fest an sein Herz gepreßt, seine Hand fuhr zärtlich über ihre schmale blasse Wange. „Aber du überanstrengst dich, du zehrst dich auf, mein Lieb, du bist blaß und schmal geworden. Heule erst ivieder sagte die Frau Oberst zu mir: Ihr Frauchen sieht überzart aus. lieber Bornin, die müßte nial für ein paar Wochen ganz heraus aus Kinder- und Wirischaflssorgen — und damit hat sie recht, Lärchen, ob du willst oder nicht: wenn mein« Schwester Grete kommen kann, nimmst du die Einladung votr Heincmanns »ach Grimewald an und erholst dich mal gründlich, sonst Kappst du eines schönen Tages zusammen. Daß Grete uns gut versorgt, >veißt du, also zu ängstigen brauchst du dich nicht," „Aber die Kleinen werden sich bangen," „Das ist bei Kindern nicht so schlimm, und Tante Grete haben sic auch lieb, und wenn sie ihr Mütterchen mal eine Zeit- lang entbehrt haben, sind sie nachher desto artiger," „Ja, ich habe ja selbst daran gedacht, daß es am Ende ganz aut wäre, ich sammelte neue Kräfte — und Heinemanns schrieben so herzlich--" sagte Frau Lore zögernd, „Es wird überhaupt nicht gefackelt, du fährst bestimmt," sagte Leutnant von Bornin energisch. Und Frau Lore 'fuhr nach Gninewald, Zuerst aber stieg wirklich die kleine Abendgesellschaft und wurde eine Glanzleistung von Frau Lores Wirtschaftskunst, dann nähte sie noch tagelang bis in die Nacht hinein an der Garderobe der Kinder und ihrer eigenen, Tie letztere wäre beinahe der Grund geworden, daß sie doch nicht gefahren wäre, denn sie war so überaus bescheiden, daß die junge Frau fürckstcte, zu sehr von den reichen Verwandte» abzustechen, aber schließlich überwand sie auch dieses Bedenken: ein Konkurrieren mit den Millionären war ja doch ausgeschlossen, da kam cs auf ein bißchen Einfachheit mehr oder weniger nicht an. Im Grunewald bei Kommerzienrat Heinemanns war alles noch viel großartiger, >oar sie nun ja auch genügend erholt, gestärkt. Oder — hatte sic dessen überhaupt bedurft? War sie nicht von allem Anfang hier die Stärkere gewesen. . .? vermischte». * Saarsarbe und Gesundheit. Saarfarbe und Temperament, Saarfarbe und Seelenleben, Saarfarbe und Beruf usw , sind bereits in ihren inneren Zusammenhängen geprüft und der neugierigen Menschheit mitgeteilt worden. Nunmehr hat der ärztliche Inspektor der Schulen in der Grafschaft Worccstershire auch die Beziehungen zwischen Saarfarbe und Gesundheit aus Grund langjähriger Beobachtungen an Schulkindern untersucht, und ist dabei zu folgenden Ergebnissen gekommen: am nervösesten sind die Kinder mft rotem Saar: sie sind am leichtesten erregbar, den größten Stimmungsschivanknngen ausgesetzt Aber sic sind auch die tüchtigsten, fleißigsten und aufmerksamsten Schüler, wenn auch der gute Wille oft ihre Kräfte übersteigt. Sonderbarerlveise neigen die rothaarigen Kinder zu gewissen Krankheiten: so litten z B von 74 rothaarigen Knaben 17 an Rheumatismus und 16 an Tuberkulose: aus 81 rothaarige Mädchen kamen 27, die an Rheumatismus und 10, die an Tuberkulose litten Doch waren die Landkinder mehr mit Rheumatismus, die Stadtkinder dagegen mehr mit Tuberkulose behaftet. Am widerstandsfähigsten gegen- .Über Krankheiten haben sich die blonden Kinder gezeigt, ihiren nahe kommen die brünetten, während die schwarzhaarigen mit den rothaarigen den größten GksundheilSschwankungen ausgesetzt waren. • ^,^crM°-ger Musikkritiker Kam da in «me kleine Stadt des südlichen Frankreichs eine Operettentruppe Darüber große Erregung unter den ehrwürdigen Stadtvätern Man durfte dock, diese gefährlichen Gesellen nicht ohne Aussicht lassen! Aber — wer soll die llebenvachung übernehmen? Der Bürgermeister lehnt es schlankweg ab: der Stadlschreiber nicht minder: zuletzt bleibt nur noch der kräftigste von allen, der Beisitzer. ein Schlächtermeister von riesigem Leibesumfang, übrig der sich nach einigem Zureden zu der Aufgabe bereit erklärt. Acht Tage später ist wiederum Sitzung des löbliche» Gemeinde- rotes, rmd der Schlächternieister erstattet Bericht über seine Tätigkeit: „Ich habe mich," versicherte er. „nur über ein Mitglied der Theatertruppe zu beklagen. „Es erhob sich jeweils beim Beginn der Vorstellung vor den ioackercn und fleißigen Musikanten, nahm eilten kleinen stock in die Sand und hampelte damit und §0 Armen in der Lust herum — ein richtiger Sampelmann •JA) habe acht Taac lang aufincrksani seine Bewegungen verfolgt, aber tch muß gestehen, daß der Kerl ein Faulpelz ist: er bat keinen einzigen Ton gespielt." Uird die Serren vom hohen Rat steckten die Köpfe zusammen, und der Bürgermeister begann; „Beobachten Sie den Kerl noch einige Tage weiter. Wenn er dann nichts tut, als was Sie uns erzählt haben, nnn denn, — dann schmeißen wir ihn einfach hinaus." * Ein willkommener G a st. Der Appetit de? Gastes war äußerst rege, und er ließ dem ausgezeichneten Essen, das ihm vorgesetzt wurde, volle Gerechtigkeit widerfahren Die kleine Tochter de) Sauses sah ihm mit ofseuem Munde eine Astile zu Schließlich lächelte sie ihm freundlich zu und sagte: „Ach, loenn Sie doch jede» Tag zu »ns zum Essen kämen!" ah' Gast war sehr geschmeichelt. „Möchtest du das, mein Kind? Warum denn?" — „Ja, wenn Sie so viel essen, dann würden wir »ie am andern Tag was Kaltes kriegen!" - Sprachecke der "Allgemeinen Deutschen Sprachverein». "Ei» e r » st e v Nachteil des F r e in d iv ö r t e r u » k u g». In vielen Dingen ivaren ivir Deutschen tatsächlich lange Zeit von Frankreich abhängig, »nseie westliche» Nochbnrn bestiininteii, ivie breit die Krempe oes Hules sein inüsse, ivie «in Ziveikanipl n»4» zulechten sei, ivie die Specken aaieinanderiol ie» müsste»: viel« unserer Fürsten und Vornehme» redeten und fchrleben Französisch. Diefc Uebermacht des FraiizosenlnmS ist gedrock:«n. Es ist aber «ine Nachwirkung jener Verhältnisse, daß auch Heine noch dort, ivo unser Deutsch in, Sprachgrenzqel iet mit dein Französischen zu- laimiienstötzt, die Sprache unseres Nachbarvolkes ö'lers als die vornehmere angesebeii wird. Französisch ist da die Röni Slochter, Tcntich dagegen in der dienenden Stellung Aschenbrödel»^ In Liireniblirg, einem fall cinsvrachlge», deutschen Lande, ist Französisch die Umgangssprache der vornehnic» Krrtfe der Hauptstadt; der Wanderer, der nach Bern kommt, ivinidert sich über die an- gelehene Stellung des Französisct eu in der alte» denlschlprachiaen Zähringerstndt: in Mülhausen im deutschen Oberellaß sucht mancher z» Wohlstand em> orqckommene Dentiche seinenAnisitcg den andern dadurch llaiziiinachen. da» er Französifch fvricht. Es komme» ja hier auch östers politische Gründe »>,t in Frage — aber di« Haupt- fache ist doch: Französisch gilt als hie voriiehmere Sprache Mit Recht klagen wir diese Volksgenossen de» Verrates an »niereni Volkst»»! an Was sollen nur ihnen aber sagen, ivenn sie daraus Hinweisen, da» Taufende, die mitten im geschlossene» deutschen Sprachgebiete ivohncn, durch reichlichen Gebrauch leicht z» vermeidender lraiijösischer Wörter die Vornehmheit des Französilchen bekunde» I Wir sind es dein Ansehc» »nierer Miitteriprache gerade in de» Grenzgedicte» schuldig, sie rei» zu halte». Wer aber bei uns verivelfchte Speisekarte» aulleqt, ivec jungen Mädchen Ta»z- karten mit dein Aufdruck Vatse, Tjrolieimc in die Sand gibt, >oer seine Höflichkeit durch merci und pardou bezeigt, wer im Vereins- lebeii heute noch von Akklamation, Decharge, Legitimation, Zirkular spricht, gibt jenen recht, die im Gebrauch der tranzüsischen Sprache etwas besonders Boi» hines sinken. Wir haben »»r dann das sittlich« Recht, von Miseren Volksgenossen an der Soraebgrenze deulsche Rede zu sinder», ivcnn ivir f.lbst un>eie Mutterfvrach« heilighallen. Nützlicher als derbe Schcltivorte gegen die Franzos» lmge ist ih>e Bekä»ipk»»a durch die Tat, durch e>» von «nibebr- licben Fremdwörter» sich frei haltendes Teutfch, das der Welt zeigt, daß i»,iere Muttersprache uns wirklich ei» Heiligt»», ilt, daß unlerer Meinung »ach gerade reines, »»verfälschtes Teuifch em Zeichen wahrer Vornehmheit ist. _ Ra» (Zwickau). B5H;lfprunq. wem reu ick, ten du st le lest »var licht bo es bei inen sich en freu ge an's du be a nen dle daß dich l>« an dt« Io ber da dein bricht »len wenn sreust einst d», wle Aus ösliiig ,n HuajiV.» Nummer. Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer' V » » iscb - W „ „ s ch. Redaktiou: K. N e v r a I h. - Rotationsdruck »nd Verlag der «rühl'sck>«n U»«versitäl»-Buch- und Steivdruckerei. R. Lang», Gteß«»