Nr. SO? Erster Blatt Jahrgang Donnerstag, 31- Dezember JOH Der Eichener Anzeiger erscheint täglich, ander Sonntags. - Beilage»; vterinat wöchentlich LiehenerZamüienbiäiler; zweimal wöchcntl.«reis- dlall sür den «reis Liehen (Dienstag imbirveiiaa); zweimal monatl £anö> wirtschaftliche Aeirfragen Ferniprcch - Anschlüße: für die Schrütleitung l 12 Verlag,Gcschäitsstelleöl Adresse wir Traliinach- richten; Anzeiger Liehen. Annahme von Anzeigen bis vornüttags ^uhr^ Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schulftr. 7. General-Anzeiger für Oderhessen monatl. 75 'Ci., viertel» lährl. Mk. 2 . 20 : durch llbhole- n. Zweigstellen monatl 65 Ci.; durch dieCost Mk.2.— viertel- jälirl. ausichl. Bestellq. Zeilenprei^' lokal 15Ci-, answ. 20 Ci. — Hanvt- schriitleiter: Ang. Goeg. Verantwortlich für den volit. Teil- Aug. Goetz: sür .Feuilleton", .Vermischtes" unü.Gerichts- saal": Karl ilienrath; sür .Stadt und Land": Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck. Ein gutes französisches Zeugnis für die dcntfche Militärverwaltung. Zum neuen Jahre! Was haben die fünf Monate Krieg im inneren Leben Deutschlands schon verändert! Uebcr den Sommermonaten wölbte sich das Tor, durch das nur in eine yöllig neue Zeit schritten; was hinter uns lag, erscheint uns heute verstaubt und vergessen, die Werkstätten, in denen wir arbeiteten, bilden in Rauch und Moder Stücke einer vergangenen Küllurepoche. Wir dürfen cs heute mutig glauben und bekennen, daß dieser historische Wettersturz uns zuunscrem .Heile gekommen ist: versunken sind die Gärten, in denen die üppigen Schlingpflanzen inneren Haders wucherten, und die Waffen des Parteikrieges, die uns übrig geblieben sind und noch hier und da umherliegen, wollen wir Zusammentragen in die Museen, die der Erinnerung an Verklungenes gewidmet sind. Es ist, als hätten wir uns in einer großen Völkerwanderung mitbewcgt. Millionen Deutscher sind nach Ost und West über die Grenzen gewandert, aber auch uns Zurückgebliebenen hat die Welle mit fortgerissen, und lvir fühlen uns wie an fremdein Gestade. Das Land der Väter blickt uns aus anderen Augen fragend und mahnend an' wenn sonst Freudenschüsse und Silvesterjubel die Luft erschütterten, spricht heute eine einzige Stimme laut uno vetneqiniich zu uns: Eure Stunde ist gekommen! Und wie die Gefahr der Feinde unsere Heere auf den Siegesmarsch gebracht hat, so haben wir in den deutschen Städten und Dörfern die Hut unserer heiligen Muttersprache übernommen, fremden Unrat hinwegqefegt, in den Willen unserer Führer mit eingestimmt, nicht zu rasten, bis der Friede ein siegreiches Deutschland begrüßt! Es ist ein lautloses, ernstes Harren eingetrcten, wo sonst alles leistete, beladen von der Bürde der Widerwärtigkeiten einer kranken Zeit. Wir hatten oft geglaubt, in schnellebigeu Tagen zu wirken, und doch tvar dieses versunkene Zeitalter so müde und dumpf, wie unser Reichskanzler es genannt hat. Heute spüren wir erst den frischen Luftzug ereignisreichen, geschichtlichen Waltens. Jeder Tag fördert Umwälzungen. Glaubt nicht, wenn die Meldung großer Schlachten einmal ausbleibt, daß Stillstand eingetreten sei! Ueber der tage- und wochenlangen Wacht in den Schützengräben rauschen die Fittiche folgenschweren Schicksals. So kommt der Frühling ins Land. Zuerst rauschen die Stürme, dann er wachen die linden Lüfte, und schließlich, man weiß nicht, was noch werden mag, ist die Fülle des Werdens vollendet, dessen Geheimnis wir nie ganz enträtseln. Aber die Felder sind für uns bestellt. Beispiellos sind die Leistungen, die Tapferkeit und die "Ausdauer unserer Kämpfer, mit dem Goltvertrauen des Sämanns harren wir der Ernte. Die Dauer des Wachstums und des Reifens bestimmt ein höherer Geist. Nicht den Soldaten allein, der im Felde steht, lohnt der Sieg; auch der friedliche Arbeiter, der an der; Fürsorge, am inneren Umbau, mitarbeitet, erkämpft den Segen des Fortschrittes, den uns das Jahr 1915 verheißt. Wenn wir heute die Schwelle dieser Zeitgeschichte überschreiten, haben wir gewiß viele ernste und schwere Fragen an das Schicksal. Wir erhoffen von dem neuen Jahre, daß es uns den ersehnten Frieden bringen ivird, daß der Krieg, der grause Mittler des Weltgeistes, bald znrücktreten möge. Wir sehen günstige Anzeichen um uns^Die Siege unserer Truppen und die Ohnmacht unserer Feinde. Ter Krieg hat, trotz fünfmonatiger Dauer, den heimatlichen Bo ! den im wesentlichen verschont; unsere Heere haben ihn in Feindesland getragen. Wir sind von der Größe und Tauer unserer eigencir Erfolge überrascht, denn man halte kmim zu hoffen gewagt, daß das deutsche Volk in Waffen nach zwei Fronten zugleich einen Offensivkrieg erfolgreich zu führen imstande sei. Daß unsere Feinde, die uns diesen schweren EntscheidungSkamps aufgedrängt haben, in jeder Beziehung enttäuscht ivordcn sind, daß sic bereits beginnen, sich gegenseitig mit Vorwürfen zu traktieren, ist ein weiteres gutes Omen für uns. Russen und Franzosen sind ziemlich am Ende ihrer Kräfte angelangt, und Lord Kit- cheners Frühlingsvcrstärkungen brauchen wir nicht zu fürchten, denn wir haben iwch kriegstüchtige Männer genug, die den britischen Zuzug aufwiegen. Der russische Koloß hat nach entscheidenden Schlägen, die er empfangen hat, noch einmal verzweifelt sich zu neuem Widerstande aufgerafft, allein nian darf bei ihm, der schon so viele Gefangene au die deutsch-österreichischen Verbündeten verloren hat, eine starke Demoralisation vermuten, die den Ausschlag geben wird. Es wird sich ferner zeigen, daß die russische Führung der deutschen nicht gewachsen ist und das Wort Hindenburgs sich bestätigen wird: „Wir haben das Gefühl vollständiger Ueberlegenheit." Bewunderung und Tank im Herzen — so treten wir in das neue Jahr ein. lleberall sproßt neues Leben empor . und altes stirbt ab. Der einzelne Mensch fühlt wieder, daß er nur ein Staubkorn ist in dieser Welt gctvaltiger Bewegung, der Deutsche, ob er schon wandert im finstern Tal, sürchtet kein Unglück, denn er hält sich an dem Stecken und Stab des Herrn, der ihn tröstet. Stumme Trauer um die Toten beschleicht uns zu diesem Jahreswechsel; es klingt das Wort so traurig gar: leb wohl, leb wohl auf immerdar. Aber gehen wir heraus aus unserer .Hütte, so spüren wir um uns den Hauch der Unsterblichkeit, der alles Zagen und Klagen zurückdrängt. Diese Tage werden genannt werden noch unter den fernsten Geschlechtern. Neue, überwältigende Ereignisse, deren Farben kein menschlicher Geist sich ausmalen kann, stehen uns bevor. Die Fülle des Lebens und Webens, die uns umgibt, vertreibt alle Schatten. Auch in diesen Formen des Schauens und Erlebens wird das Faustwort empfunden vom „kräftigen Beschließen, zum höchsten Dasein immerfort zu streben". Das deutsche Volk steht an der Jahreswende mit des regsten Schaffens Hochgefühl. Deutsches Neujahr wollen lvir feiern; unsere Kanonen grüßen die neue Zeit! Und wenn unsere Stimmen und Briefe sic heute nicht erreichen sollten, unsere treuen Fechter in den Schützengräben, so wissen sie es doch, daß alle heißen Wünsche der Heimat sie begleiten, daß die Silvestergcister aus den deutschen Dörfern und Städten in Feindesland hinauswandern und rufen: ein frohes und glückliches neues Jahr, soweit diedeutscheZungeklingt! (WTB.) GroßcsHauptquarticr,30. Tez. vormittags. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz: Um das Gehöft St. Georges, südöstlich von Nicuport, welches wir vor einem überraschenden Angriff räumen mußten, wird noch gekämpft. Sturm und Wolkenbrüche richteten an den beiderseitigen Stellungen in Flandern und im Norden Frankreichs Schaden an. Der Tag verlief aus der übrigen Front im allgemeinen ruhig. Ocstlichcr Kriegsschauplatz: In Ostpreußen wurde die russische Heereskavallcrie aus Pillkallen zurückgedrängt. In Polen rechts der Weichsel ist die Lage unverändert. Ans dem westlichen Wcichselufcr wurde die Offensive östlich des Bzura-Abschnittes fortgeietzt. Fm übrigen dauern die Kämpfe an und östlich des Rawka-Abschnittes sowie bei Fnowlodz und südwestlich fort. Rach auswärtigen Mitteilungen hat cs den Anschein, als ob Lowicz und Skierniwiec nicht in unserem Besitz wären. Diese Orte sind seit mct olL sechs Tagen von uns genommen. Skierniwieec liegt r it hinter unserer Front. Oberste Heeresleitung. Ter österreichisch-ungarische Tagesbericht. Wien, 30. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 30. Dezember mittags. In den Karpathen griffen unsere Truppen nördlich des llzsoker Passes an und nahmen mehrere Höhen. Nördlich des Lnbkower Passes brachte ein Gegenangriff die Vorrückung der Russen zum Stehen. Weiter westlich ging der Feind mit schwächeren Kräften an einzelne Ueüergängc heran. Nördlich G o r l i c e. nordöstlich Zakliezyn und an der unterenNida brachen die russischen Angriffe unter schweren Verlusten zusammen. Im Raume östlich und südöstlich Tomaszow machten die Verbündeten Fortschritte. Auf dem Balkankriegsschauplatz herrscht an der serbischen Grenze Ruhe. Nächtliche Angriffe der Montenegriner auf Gat bei Autowatsch und auf Lastva bei Tre- binje wurden abgewiesen. Der Stellvertreter des Chefs des Gcneralstabes v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Bon der deutschen Verwaltung in Belgien. Brüssel, 30. Tez. (WTB. Nichtamtliche) Tie deutsche Verivaltung hat durch eine Verordnung vom 17. Dezember im Interesse der Ernährung der belgischen Zivilbevölkerung bis auf weiteres die Befreiung ausländischen Mehles aus Getreide, das dem Comits national de seconrs et d'alimentation zugeführt wird, von den bisher nach belgischen Gesetzesvorschriften darauf ruhenden Zöllen verfügt. Tie Kämpfe bei Lombartzyde. Berlin, 30. Tez. (WTB. Nichtamtlich.) Aus dem Großen Hauptquartier erfahren wir, daß die Pressenachricht, daß die Belgier in den Kämpfen bei Lombartzyde 2000 Deutsche geangen genommen hätten, vollständig erfunden ist. — In den wochenlangen Kämpfen in der Gegend von Lombartzyde und Nicuport verloren die Deutschen an Toten, Verwundeten und Vermißten überhaupt nur etwa 1200 Mann. Die Zahl der Vermißten, die allein gefangen sein könnten, ist dabei verschwindend gering. Auch die in der Presseuachricht geschilderten Nebeuumstände sind von Anfang bis Ende unwahr. Flandern im Nebel. Berlin, 31. Dez, Wie dem „Bert. Tageblatt" über Kopenhagen aus Paris gemeldet wird, war ganz Flandern während der letzten Tage in einen beinahe undurchdringlichen Nebel gehüllt, der jede kriegerische Operation unmöglich, machte. Reue englische Truppensendungen. Amsterdam, 30. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Der „Nieuwc Rotterdamsche Courant" meldet aus Le.Havre: In den letzten Tagen sind große Mengen englischer Truppen nach Frankreich transportiert worden. In Le Havre sind allein schätzungsweise 40000 Mann gelandet worden. Berlin, 31. Dez. Folgendes Lob der deutschen Miti- tärvcrwaltung wird dem Berliner „Lokal-Anzeiger" auf Genf übermittelt: N o r d fr a n z ö s i s che No takeln hätten bekundet, daß^dic deutsche Militärverwaltung in den ihr unterstehenden Städten vollkommen einwandfrei, arbeite, die Ordnung ohne Schikane aufrecht erhalte und für die Nahrungsmittelzusnhr die Sckyvierigkeiten beseitige. Die Pariser Presse sucht sich um diese unaufgefordert abgegebenen bedeutsamen Erklärungen hernmzudrücken. Bescheidene Freuden der Engländer. Kopenhagen, 30. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) „National Tidende" meldet aus London: Man sicht es hier nicht als wahrscheinlich an, daß das Bombardement von Cuxhaven größeren Schaden angerichtel hat, der im Verhältnis steht zu dem aufgcwendeten Risiko und den Kosten. Man bemerkt mit Freude, daß Luftschiffe ungeeignet sind, größeren Schaden durch Bombenwürfe anzurichten. Mau sieht Expeditionen von Luftschiffen nur als geeignet au zur Aufklärung. „Berlingske Tidende" meldet aus London: Der englische Zug gegen Cuxhaven ist überall Gegenstand triumphierender Kommentare, die den Angriff als die größte Fliegergrvßtat in den: großen Feldzuge feiern. Nur starke Nebel hätten das Eintreten noch größerer Erfolge verhin dert. Es sei erwiesen, daß Zeppclinluftschiffc nur von geringem Nutzen, ohne militärische Bedeutung und nicht imstande seien, Luftschiffangriffe zu verhindern. (Notiz des WTB. Die Herabsetzung der Leistungsfähigkeit der Luftschiffe soll wohl zur Beruhigung der englischen Nerven dienen.) London in Angst. London, 30. Dez. (WTB. Nichlamtl.) Tie Marine und Militärbehörden machen die Straßenpassanten auf die Gefahr durch Geschoßteilc und Kugeln aufmerksam, die von den Kanonen, welche man gegen feindliche Luftschiffe verwendet, beim Versuche eines Luftangriffs auf London, abgeschossen werden würden. Die Zivilbevölkerung wird aufgefordert, womöglich in Kellern Zuflucht zu suchen, sobald sie Schüsse höre. Se->rborough im Dunkel. London, 30. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) „Daily Telegraph" meldet aus Scarborough vom 28. Dezember: Der Kommandant des Bezirkes hat angeordnet, daß zwischen halb 5 Uhr nachmittags und halb 8 Uhr morgens innerhalb vier Meilen von der Küste zwischen Saltbourn und Spurnhead von keinem Fahrzeuge Acetylen-, elektrische oder andere starke Lampen benutzt werden dürfen. Alle Lichter in den Häusern, die auf See sichtbar sind, sind auszulöschen oder abzublenden. Niemand darf ohne Ermächtigung Licht und Feuerwerk abbrennen. Jedermann, der auf offener Straße auf Anruf nicht stehen bleibt, läuft Gefahr, erschossen zu werden. Itt englische Handelsschiffe werde» vermißt. Berlin, 31. Dez. Nach einer Meldung des Amsterdamer „Courant" sind ttn Monat Dezember 16 englische Handelsschiffe auf der Fahrt von der Südsee und an der amerikanischen Küste als überfällig gemeldet worden. Es besteht die Annahme, daß sie von feindlich en Hilfskreuzern in den Grund gebohrt wurden. Englische Schiffe auf englische Minen gefahren. London, 30. Dez. (WTB. Nichtamll.) Die „Times" melden vom 29. Dezember: Gestern sind vier englische Schiffe durch einen Zusammenstoß mit Minen verloren gegangen, nämlich der Dampfer „Limaria", der kleine Dampfer „Gem" und zwei Fischdampfer. Seit der Weih- nachtstage sind in der Nordsee acht Schiffe infolge der Minen zugrunde gegangen. Ter letzte Kamps der „Emden". Englische Zeitungen veröffentlichen den Brief eines angloindischcn Offiziers ans Ceylon vom 20. November, in dem er folgendes über die „E m d e n" und ihren letzten Kamps berichtet: „Wir hatten eine Abwechslung in unserer Eintönigkeit, indem man uns die Verwundeten der „Emden" brachte. Sie kamen ,auf der „Sydney", die sie zum Sinken gebracht hatte. Ich ruderte uni das Schiff, als es in den Hasen kaui, und sah die unglücklichen Deutschen auf Teck liegen, ebenso den einen Treffer in ihrer Flanke. Später sprach ich mit den englischen Verwundeten im Hospital — und als die einmal bei ihrer Erzählung waren, konnte sie nichts mehr aufhalten. Ich hörte, wie die „Sydney" von der Anwesenheit der „Emden" unterrichtet wurde, und wie sic mit 29 Knoten Volldampf vorging. Als sie der „Emden" ansichtig wurde, lag diese vor Anker, sie kam aber gleich hervor, um „die Schlacht anzunehmen", wie einer der Kämpfer sich ausdrückte. Tie „Emden" pflanzte drei Schüsse in den Feind, die einzigen, die sie placieren kannte, denn die „Sydney" hielt sich fortan außer Schußweite, da sie die größeren Geschütze besaß. Sie verschoß 600 Runden, und nach anderlhalbstündigem Manövrieren (das einen Seeweg von 56 Meilen darstcllte) zwang sie die „Emden", auf Grund zu lausen, da ihr Steuer zerbrochen war. Die „Emden" fuhr mit 19 Knoten Geschwindigkeit aufs Ufer aus und der Anprall war so heftig, daß der Mann am Steuer sofort getötet wurde. Die „Sydney" signalisierte hierauf, man solle sich ergeben, aber alle Vollmatrosen an Bord außer dreien waren tot und so ersolgte kein Gegenzeühcn. Tic „Sydney" gab dann nochmals zwei Breitseiten ans das gestrandetes!) Schiff ab, woraus die Deutschen etwas Weißzeug z» zeigen vermochten. Die „Sydney" verließ hieraus das Wrack, um das Kohlenschisf zu versenken, das bei der „Emden" ivar. Darnach kam fit zurück und fchitftc Leute auS, um den liebe rlebenden zu helfen Auf der „Emden" soll es furchtbar ausgefehen habe» Die Verwundeten wurden von Bord genommen, wo Feuer aus- gebrochen war, und an den Strand gelegt, wo einige von ihnpn zwei Tage laug lagen, ehe man sich um sie füntmertt. Die Deutschen rissen ihre Flagge entzwei und warfen sie ins Meer " Mit einigen Worten der Bewunderung für den Helden mul der klaglos leideitden Venvundcten schließt der eng lische Offizier seinen Bericht, der sich selbst in Fcindesmund zu einein Lobgesang ans das unerhörte Heldentum der Besatzung gestaltet- Gerettete vom Kreuzer „Leipzig". Berl i n , 3k- Dez. Sechs Offiziere und k 3Mann des kkcine» deutschen Kreuzers „Leipzig" soll, lvie der „Kol-- Nischen Zeitung" aus Valparaiso gemeldet wird, der englische Kreuzer „Glasgow" in der Schlacht bei den Falklands- Jnscln gerettet haben- Tic Geretteten seien nach England unterwegs. * . * Eine amerikanische Eiusprnchsnotc an England. Washington, 30- Dez- Meldung des Reuterschcn 93u» ►ccnis.) Tic -Regierung hat England eine Note gesandt, in der sic aus baldige Verbesserung der Behandlung dessamerikanischen Handels durch die britische Flotte besteh! und warnend daraus hinweist, daß eine große Empfindlichkeit in Amerika durch „das ungerechtfertigte Eingreifen" in den legitimen amerikanischen Handel erzeugt worden sei- Tie Regierung sehe sich genötigt, endgültige Mitteilungen über Englands Haltung zu erbitten, um Mahregeln zum Schutze des RechtS der amerikanischen Bürger zu ergreifen- Tie Note fülnt zahlreiche besondere Fälle von Anhaltung und Beschlagnahme der Ladungen an und erklärt- die Vorstellungen feien in freundschaftlichem Geiste gemacht, aber die Vereinigten Staaten erachten es für das beste, eine offene Sprache zu führen- Tie Note ist sür alle Ententemächte bestimmt- In der Note wird gesagt, daß, obioohl die Exporteure sich nach den Wünsckrcn der britischen Regierung richteten, keine Verbesserung der Lage der neutralen Schiffahrt im Vergleich mit dem Beginn des Krieges cingetreten sei- Tie Note spricht die Hofsnung aus, das; England einsehen werde, welch: ernste Bedeutung die fortdauernde Einmischung für die neutrale Schiffahrt habe Tic Note legt Wert darauf, das Nahrungsmitrel bedingte Konterbande feien, da sic sowohl für die bürgerliche Bevölkerung wie für die Armeen bestimmt seien lieber das Anhalten von Schissen aus See sagt die Regierung, daß! sie das Durch- fuchungsrecht kriegführender Staaten anerkenne, aber der Beweis für die Bestimmung der Ladung sür eine feindliche Nation müsse während der Durchsuchung geführt werden- Tie fiiegie- kung protestiert gegen das Ausbringen neutraler Schisse nur aus Vn Verdacht hin- Tie Note betont, das; es die Pflicht der kriegführenden Mächte fei, den neutralen Handel zu beschützen, und beschuldigt England, die skandinavischen^ Kupser- ladungcn anders zu behairdcln als die amerikanischen- Tic amerikanischen^ Ladungen nach Italien würden angehalten, während die für Skandinavien bestimmten »nbeläftigt blieben- — -Ter holländische Gesandte besuchte das Staatsdepartement und empfing dort eine Absärrift der amerikanischen Note an England. Ter Gesandte sagte, Holland habe England dasselbe erklärt- Tie Vorstellwigen Hollands erhielten durch) die Forderung .der Bereinigten Staaten mehr Gewicht. Rnsfischer Diebstahl. Kopenhagen, 30- Dez- (WTB. Nichtamtlich-) Die Petersburger Telegraphenagentur berichtet aus Wilna, daß dort einige hundert landwirtschaftliche Maschinen und Geräte eintrafen, welche aus deutschem Gebiet requiriert (!) wurden- (Notiz des WTB-: Mit dieser Requisition wird es sich ebenso verhalten, wie mit der Wegnahme der kostbaren Bilderbestände des Ossolinski- Museums in Lemberg, die kürzlich nach Petersburg gebracht wurden-) Ein uneigennütziger Wcihnachtswunsch. Wien, 30- Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Eine russische Batterie übermittelte der Festung P r z e in v s l folgende Weihnachtswünsche i Wir wünschen Ihnen und all den tapferen Bertcchigern der Festung von ganzem Herzen ein ruhiges und fröhliches W e i h n a ch t s i c ft. Freude und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Gott gebe die Erfüllung aller Ihrer Wünsche. Ties ist der aufrichtigste Wunsch der Offiziere undDcaim- schajtcn der 5. Batterie der . . . ten ArtiUeriebrigade. Au§ dem Reiche. Die Zuteilung der Kriegsanleihe. Berlin, 31. Dez. Aus Anlaß des Jahreswechsels haben der Magistrat und die Sladlverordnctcn von Berlin an dc n K a ise r folgendes Telegramm gerichtet: „Ew. Majestät bringt die Landes- und Rcichshaupt- stadt ihre treuesten, aus dem Herzen kommenden Grüße und Wünsche ins Feld. Was immer das neue Jahr auch gewähren und auserlegen mag, uns soll es stark und bereit finden, mit unserem Kaiser durch jedes Wetter hindurch- zugehen. In tapferem Tun und sesteni Beharren wird, so vertrauen wir. deS Vaterlandes Größe cmporwachsen." Berlin, 30. Dez. (WTB. Amtlich.) Bei der Reichsbank ist darüber Klage geführt worden, daß die Z u t e i l u n g der Kriegsanleihe in großen Stücken den Zeichnern Unbcguemlichkcitcn bereite. Es ist deshalb in Aussicht genommen. an Stelle der Anzahl von Stücken zu 100 000 und 50 000 Mark kleinere Abschnitte Herstellen zu lassen. Die Besitzer von Zwischcnscheinen zu 100 000 und 50000 Mark, denen daran gelegen ist, beim Umtausch in endgültige Stücke kleinere Abschnitte zu erhalten, können daher noch auf Berücksichtigung ihrer Wünsche rechne», wenn sie diese baldigst bei ihrer Rcichsbankaustalt Vorbringen. Berlin, 31. Tez. Im Nürnberger Gemeindekollegium ging die erste Borstandsstellc aus den s o z i a l- demokratlschcnLanvtagsabgeordnetenDorn über Berlin, 31. Dez. Tic Kaiserin hat nach dem „Bert. Tagebl." in ihrer Fürsorge sür die im Potsdamer Orangerie-Lazarett untergebrachten Verwundeten neuerdings bestimmt, daß denjenigen Kriegern, denen ihr Zustand noch nicht eine selbständige Bewegung gestattel, zweimal in der Woche H o s e q u i p a g e n zur Durchfahrt durch den Park und die Stadt zur Verfügung gestellt werden. Berlin, 3L Dez. In Hagenau im Elsaß ist gestern ein Transport von etwa 120 Beamlenfrauen und Kindern aus Altmünsterol eingetrosfen. Am 4. Dezember waren sie von den Franzosen nach Bclsorl und von dort nach Besanyon gebracht worden, wo sic längere Zeit bet schlechter Verpflegung zubringen miißten. Ueber Gens wurden sie dann nach Hagenau übergesührt. Altona, 30. Tez. (WTB. Nichtamtlich.) Tie städtischen -Kollegien bewilligten heute einstiinmig euic Ehre», gäbe von 14 0X1 Mart sür die Armeen H i n d c „ b u r g s. Au» Stadt «nd Cond* Gießen, 31. Dezember 1914. Silvester! Im Weltkrieg 1914/15. Zersetzt dos Kleid, bluttriefend Stirn mrd Wangen, Zum Tor der Eivigteitcn wankt ein Greis. Voll Hoffnung war sein Stern ihm anfgcgangen Und jctzl — fein Leben nur noch Todverlangen — Er haucht es aus in Jammer, Blut und Schweiß. So sinkt und stirbt in Donnern und in Flammen TaS Altjahr — furchtbar wie noch keines war. Verbrecher, die dem Höllenpsnhl entstammen, Sic schlossen sich zu Trug und Mord zusammen, Vernichtung schwörend Teulschlands siojzem Aar. Es sinkt und stirbt — und auS den dunklen Pforten In Schleiern schreitend naht ein neuer Gast, Er kommt, begrüßt von wogenden Morden, Dock sich' — es folgen ihm gar grause Horden Und aus den Schultern trägt er blut'ge Last. Ten frommen Ehor der ernstgestimmten Glocken Durchbebt der Trauer herber Wchcklang. Fremd ist der Brust das selige Frohlocken, Tic Herzen bluten und die Pulse stocken. Wie Sterbgclänic klingts, wie Grabgcsang. Ja, wenn die eh'rnen Gottesstimmen schallen. Zum ersten heute gilt ihr heil'ger Mund Den lieben teuren Heldenbrüderu allen. Die ruhmgekrönt sür's Vaterland gefallen. Daß ew'gc Liebe ihnen werde kund. Doch ernst auch sollen uns die Glocken mahnen Zu Preis und Dank und brünstigem Gebet, Daß Sieg verliehen Gott der Wahrheit Fahnen, Daß er uns führt voran des Ruhmes Bahnen, Daß neuer Geist die Herzen uns durchweht. Der ew'ge Gott, vor dessen Zorn erblassen Die Bösen und die Frevler allzumal. Er wird, mein tapscres Volk, dich nicht verlassen, Willst du nur fest die starke Hand erfassen. Die er dir reicht in deiner Not und Qual. Drum, wenn dir die Silvesterglocken klingen, Hör' nicht nur ihren Klageton allein: Laß auch die Glaubenslwtschaft sie dir bringen: „Dem deutschen Geiste wird's mit Gott gelingen: Der letzte große Sieg muß unser sein." Roemheld. Der Jannar nach dem Kalender. In den ältesten Zeiten des alten Rom hatte das Fahr nur 10 Monate, erst später wurden noch weitere zwei Monate hinzugefügt, und zwar als elfter und zwölfter Monat der Januarius und der Februarius. Ter Januar, der dem Gotte Janus geweiht war, hatte im altrömischeu Kalender '29 Tage und stand demnach nicht am Anfang des Jahres, sondern war der vorletzte Monat. Erst durch die Kalenderreform Julius Casars wurde der Januar zum ersten Monat des Jahres. Zugleich erhielt dieser Monat damit auch 31 Tage. Der Grund, warum Julius Cäsar das Jahr mit dein 1. Januar beginnen ließ, dürste darin zu suchen sein, daß an diesem Tage die Konsul» in ihr jAmt eingesetzt wurden. Nach den von Karl d«n Großen verfügten Anordnnngen sollte der Januar in Deutschland Wintar- manoth genannt werden. Doch hat sich diese Bezeichnung nicht allzulange erhalten Im Mittelallcr wurde der Jannar im deutschen Sprachgebiet Jenner oder Jänner genannt, und im Bolksmuude kamen fiir diesen Neonat Bezeichnungen, wie Großer Hornung, Frostmonat, Hardinond, Hartung ans. Während der großen französischen Revolution wurde durch Beschluß des Konvents vom 24. Noveinber 1793 ein ganz neuer Kalender eingefiihrt. Zwar blieben dabei die zwölf Monate bestehen, aber sie erhielten ganz andere Namen. Auch begann das Jahr in diesem neuen Kalender der französischen Republik mit dem 22. September. So mußte der Januar im gewöhnlichen Kalender bei diesem republikanischen Kalender in den vierten und fünften Monat fallen. Die Tage bis zum 19. Januar sielen in den Monat Nivösc oder Schneemonat, die bis zum Ende in den Monat Plnviöje oder in den Regenmonat. Tie Tage nehmen im Januar um eine Stunde 14 Minuten zu. Am 1. Januar geht die Sonne nach mitteleuropäischer Zeit um 8 Uhr 14 Minuten aus und um 3 Uhr 53 Minuten uitter, und am 31. Januar geht sie um 7 Uhr 47 Minuten auf und geht um 4 Uhr 40 Minuten unter. ** Der Silvesterfeier werden in diesem Jahre von den Verhältnissen ruhigere Bahnen vorgeschrieben, als es sonst gemeinhin üblich ist. Tie weltgeschichtliche Bedeutung dieser Jahreswende erheischt von einem jeden ruhige und würdige Haltung, und zum tiefen Ernste der Stunde würde es gar schlecht passen, wenn eiuzetne in den gewohnten Silvesterunfug verfallen und ein Einschreiten der Polizeibehörde nötig machen würden. Bon den maßgebenden Stetten ist denn auch nachdrücklich davor gewarnt worden, in diesem Jahre einen Mißklang in die Silvesternacht zu ttagen, und es darf die Hoffnung ausgesprochen werden, daß diese Mahnung Widerhall findet, Namentlich gehört hierhin auch der Unfug mit Feuerwerk, und es kann nicht schaden, wenn noch einmal daran erinnert wird; daß Fenerwerkstörper an Personen unter sechzehn Jahren unter keinen Umständen abgegeben werden dürfen. ** AmtlichePersonalnachricht. In den Ruhestand versetzt wurde am 2. Dezember d. I. der Lehrer Johannes Döring zu Windhausen, Kreis Alsf^d, auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, »nt Wirsting vom 16. Dezember 1014 an. Die Großherzogin hat ihm die Krone zum Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. ** Weihnachten bei Den 116ern. Dem Feldpostbrief eines aktiven I16erS, der die weite-Reise in dretTagen gemacht hat (da sage noch einer etwas gegen die Feldpost), entnehmen wir folgendes: Ich wollte euch ja etwas Besonderes erzählen, und da will ich euch vom Weihnachtsabend der Kompagnie berichten. Wir waren zu unserer Freude am 23. abends nach 3 Tagen im Schützengraben abgelöst worden und hatten nun unsererseits Aussicht auf eine dreitägige Rulie, falls die Frairzosen nicht gerade damik rcchnclcn, uns am Weihnachtsabend unvorbereitet zu finden und die Gelegenheit zu einem Durchbruch zu benutze». Sie haben es übrigens nicht getan, trotzdem werdcn wir auch am 'Abend des l. Wcibnachlstages aus der Hut sein. Nun aber weiter. Zahllose Liebesgaben wurden im Laufe des Nachmittags aus Kisten geholt und auf einem großen Tische aus- gebreitct, fast alles Tinge, die das Auge erfreuten: Zigarren- und Zigaretlentafchen in einfacher und schöner Rnssührnng — auch ich habe eine neue für meine, die feit dem Gerecht bei Antrecourt mitsamt meinem Tornister verschwand —, Streichholzschachteln, Selbstzündcr, Tabaksbeutel, Stuuimelpsciseu, Mundharniouikas, 'Notizbücher, Bleististc. Der Kaiser hatte jedem Manne in seinem Regiment eine Tafel Sckzokolade mit seinem Bilde und eine Kiste Zigarren bestimmt, für jede -Korporalschaft sollte noch eine große Kiste mit Paketen des verschiedensten Inhalts zur Verteilung kommen; ein reizeirdes Bild der Großhcrzoglichen Familie hatte unser Landesherr jedem seiner Kriegskameraden gewidmet: alles freute sich auf de» Bcscherabend: da kam um 6 Uhr der Befehl: Um 7 U h r i st d i e K o m p a g n i e m a r s ch - 1 bereit. Wir hatten hinter der vorderen Linie einen Reserve- j graben auszuheben- Obwohl alles mit einer Störung gerechnet : hatte, war man doch im ersten Augenblick betroffen. Aber m>t der Schnelligkeit, mit der sich der Soldat im Kriege in alles i findet, wurde auch diese unangenehme Empfindung überwunden, «chnell wurde gegessen, iimgcfchnallk, der gerollte Mantel uu>- gehängt, das Gewehr übergenommen und los ging cs in die mondhelle Nacht. Tic anmarschierende Kompagnie wurde vor, ein paar Zufalls-Schrapnells begrüßt, die unschädlich über die Köpfe weggingcn. Dann ging's statt an die Arbeit, die viel schneller als man erwartet hatte, zu Ende um. Um 11 Uhr war man schon wieder zu Hause, und so gab es doch noch eine Feier, zwar nicht der ganzen Kompagnie, aber wenigstens der Korporal schäften unter sich. Ich besuchte die Korporalschasten meines Zuges und hatte dabei die Empfindung, daß gerade in diesem , kleineren Kreise von etwa 20 Mann, die unter sich wieder mehr ZusammengehürigkeftSgesühl haben, und die sich im engeren Raume unter cineni kleinen Baume vereinen, mehr Weihe vorhanden ist, als sie in der ganzen Kompagnie möglich ist. In der einen Ecke eines lasrggezogencn Kellers, der so niedrig ist, daß man sich ittcht darin aufrecht halten kann, stand auf einem Tische der Baum, ringsum saßen wir aus Kisten, Balken oder der Kellertreppe. Der Korporalschaftssührer hotte aus der Kiste Paket ans Paket hervor, immer höher wurde der Berg der Gaben unter dem Baume, die nacheinander, von strahlenden Blicken verfolgt, der Kiste entstiegen. Endlich war diese leer, und nun erklangen zur Mundharmonika „Stilje Nacht" und die Weisen manches schönen Volksliedes. Bei aller Weihe, die über dem Ganzen lag, wollte eine wehmütige Heimwehsttmmung nicht aufkommen, vielmehr hatte der reckst, der meinte, daß unsere Lieben in der Heimat wohl nicht so vergnügt seiern würden, wie wir. Der nun folgenden prosaischen Verleitung entzog ich mich, um in der richtigen Stimmung zu bleiben. Ein danipsender Grog hielt die Zugführer noch bis 2 Uhr in traulicher Unterhaltung zusammen. ** Weih nachtsdank des Leib-Dragon er-Regi- in e n t s Nr. 2 4 Gedichtet von den Dragonern Kröü und Spangenberg der 2. Eskadron). Wenn zn Hans Ench die Glocke von Siegen erzählt, Habt Ihr Lichen, in Hoffen n»d Glauben gestählt, Treu gedacht auch an »ns hier draußen. Wenn ein eisiger Wind auch die Heimat durchlegt, Euer Herz doch in warmem Empfinden sich regt In Gedanken an uns hier draußen. Wenn die Gattin, die Mutter durchs Zimmerchen geht, Wo der Vater, der Coh» einst in Frieden gelebt. So gedenkt sie an uns hier draußen. Wenn der Mond und die Sonne getreu halten Wacht, Ein Augenpaar lucht sie in schweigender Nacht, Ihr gedenkt dann an uns hier drallßen. Wenli der Wcihliachtsbaum brennt, unser Weihnachtsidyll, Elire Gabe der Liebe »lls fageli hier will: Ihr gedachtet an »ns hier draußen. In der Seele erklingt es mit Dankbarkeit nach, In der Heimat die Sieben zum Ehristkindleinslag Tie gedachten n» uns hier draußen. Und der Liebe Gedeilken unifchmeichclt das Herz, Es erhöhet die Freude, es bannet den Schiiierz. „Habt schön Tank drum ooi, uns hier draußen.^ — ** Neuiahrswünsche von hoher See. Folgen- dcn herzerfrischenden Neujahrsgruß von der Wasserkante bringen mir hiermit gern zur Kenntnis unserer Leser: S. M. S. Seydlitz. Wünsche meiner lieben Heimatstadt sowie dem „Gieß. Anzeiger" ein recht frohes neues Jahr. Daß es ein stohes wird, dafür werdcn unser Herrgott, unsere Feldgrauen und wir sorgen. Mit vielen Grüßen Ferdinand Link, Oberheizer S. M. S. Sehdlitz. ** © t a b 111) c a t e t. Es konnte bisher etwa 2200 Verwun- wundctcn steter Eintritt zu den Vorstellungen gewährt werden. — Die Vorstellungen des Ncujahrslages bringen eine Wiederholung des Programmcs des dritten Feiertags, nämlich für deii Nack>« mittag eine Wlederholung des Kindermärchens „Aschenbrödel" und für den Abend „Wie einst im Mai", letztere Ausführung bei kleinen Preisen. ** Konzert im Philosophenwald. Nochmals sei aus das am Neüjahrstag, nachmittags 4 Uhr, im Philo sophenwald stattfindende große Wohltätigkeitskonzert von Musikdirektor K r a u ß e hingewiesen. ** Generalversammlung der Ortskrankenkasse Gießen. In der gestrigen Versammlung waren etwa 50 Mitglieder des Ausschusses anwesend. Der Geschästssührer der Kasse, Fourier, verwies auf den den Ausschußmftgliedern be- händigten Geschäftsbericht für 1913. Nach demselben zählte die Kasse im Jahre 1913 durch, schnittlich 504.5 männliche und 1555 weibliche, zusammen 6600 Mitglieder (gegen 6195 im Vorjahre)). Die Gesamteinnahmen betrugen 245 656.39 Mk., die Ausgaben 239 120.14 Mark. Es wurden verausgabt: an Arztho n o rar 48582.38 (gegen 43 028.05 im Jahre vorher), an Arznei und sonstige Heilmittel 26 816.84 «hegen 24 830.46), an Krankengeld 84 071.04 (gegen 77 188.73), an Wöchnerinnenunterstützung 2383.70 (gegen 2775.55), an Sterbegeld 2165.61 (gegen 4995.67), an Kur- und Verpflegungskosten in Krankenhäusern 22 205.61 (gegen 17 086.58), an Vcrw altungskosten 29 009.24 (gegen 26 962.62). Von den im Jahre 1913 bei der Landesversichernngsanstalt eingcreichten 53 Anträgen aus Heilverfahren wurden 29 genehmigt. Die Ortskrankenkasse trug zu den Kosten dieser Heilverfahren 2428.50 Mk. bei. Der Aufwand der Kasse an Zahnersatz betrug 1071.25Mk. An Krankheitsfällen verbunden mit Erwerbsunfähigkeit kamen 1913 3152 Fälle zur Anmeldung und zwar entfallen davon 2478 Fälle (2683) auf männliche und 674 (637) auf weibliche Mitglieder. Davon waren 1294 männliche und 483 weibliche Mitglieder aus der Stadt Gießen, 1184 männliche und 191 weibliche vom Land An Krankheitstagen waren in 1913 insgesamt 58 727 (gegen 53 185 imgZahre vorher) zu verzeichnen. Der Geschäftsführer bemcrtte, daß der Vorstand der Kasse, da die durch die Reichsvrrsicherungsordmmg bttstngtcn Umänderungen erst in 1914 ihre Erledigung sinden sollten, und durch den inzwischen ansgebrochenen Krieg teilweise noch in der Schwebe sich befänden, diesmal von einem ausführlichen Geschäftsbericht für lt) 14, wie er von der Verwaltung gern ausgearbeitet wäre, abgesehen habe, doch soll das Versäumte im Jahre 1915 nachgcholl werdcn. Aus den gleiche» Gründen hat die Verwaltung im Einverständnis mit der Vorgesetzten Aussiclstsbehürde davon abgesehen, einen Voranschlag für das lausende Rechnungsjahr 1914/15 vor- znlegcn Durch den Kttcg sind die Verhältnisse der Kasse unklar geworden, eö läßt sich die Zahl der Mitglieder, womit die Einnahme im Zusammenhang steht, nicht recht übersehen. Vorerst arbeitet die Kasse mit den Acrzten aus Änuid von in Rücksicht ans den ausgcbrochenen Krieg abgeschlossenen, sür die Kasse günstigen Verträge. Das Geschäftsjahr schlieft! nicht ungünstig ab. aber doch nicht so günstig, wie nian erwarte! hat, was in erhöhten Ausgaben begründet ist. Die Versammlung genehmigte die vorgclcgte Rechnung für 1913 und erteilte die von den Revisoren beantragte Entlastung. Tie bisherigen Rechmingsprüscr wurden «iitittmmtj wiedcrgcwählt. Der Geschäftsführer Fourier berichtete darauf über das N o t- gcsetz für das Krankenkassen wesen und übcrdie zu g e >v ä h r c n d c W ü ch n e r i» n c n h t t s c, welche dnru, den Reichstag genehnngt ist. Die Ortskrankcnkasse Gießen hat in den letzten 17 Jahren eine ganze Reihe von Mehrleistungen über Nk> gesetzlich zuläsftge Maß der Leistungen hinausqehciid, im Interesse der Versicherten erngesührl. Mein setzte die Karenzzeit von 3 Tagen mit 1 Tag herab, erhöhte das Krankengeld, bezahlte in Erkran kungsfällen Krankengelder auch sür Tonn und Feiertage, inan gewährte eine Fürsorge sür Genesende usiv. Die Kasse hat dafür in dem Zeitraum von 17 Jahren ca. 400- bis 000000 Mark misgcgeben and marschierte in dieser Beziehung au der Spitze der Krankenkassen in Hessen, ohiie aber dabei die höchsten Beiträge ,u verlangen. Durch das Notgesetz sind sämtliche M e h r l e i st u n - gen in Fortsall gekommen und dabei bestimmt dieses Gesetz eine Beitragshöhe von 4V- Prozent des Grundlohnes, doch kann mit Zustimmung des Bcrsicherungsamtes, wenn die Verhältnisse der Kasse es zulassen, von einer Beitragserhöhung abgesehen werden. Auch kann in Ausnah,nesällen eine Mehrleistung weiter gewährt werden. Der Vorstand war sich darüber einig, daß in der heutigen Zeit eine Erhöhung der Kassenbeiträge unangebracht sei, daß man es daher dei den jetzigen Beiträgen belassen solle, daß aber unter Fortsall aller Mehrleistungen die ärztliche Versorgung der Familien /oer Mitglieder aus Kosten der Kasse b e st e h e n bleiben soll. Das Versicherungsamt, welchem dieser Antrag des Vorstandes zur Genehmigung unterbreitet tvurde, lehnte denselben ab und erklärte, ohne eine Erhöhung der Mit- glieder beitrage keine Mehrlei st ung brr Kasse "zulassen zu können. Erst auf eine erneute Vorstellung hin genehmigte das Versicherungsamt den Vorschlag des Vorstandes. Tie erkrankten Mitglieder beschweren sich jetzt häufig über die verminderte,, Leistungen der Kasse, doch läßt sich leider dagegen nichts machen, da die ganze Materie durch das Nvtgesetz ihre Regelung erfahren dal, an der die Verwaltung der Kasse nichts ändern kann. — Was die Kriegs- Wochenhilse anlangt, so gewährt diese das Reich aus allgemeinen Mitteln. Tic Krankenkassen und Änappschaftskasscn zahlen die Beträge aus. Bezugsberechtigt sind diejenigen Wöchnerinnen, deren Männer im Kriege sich befinden, tvenn diese 26 Wochen einer Krankenkasse als Mitglied angehört haben, oder die Wöchnerin selber der Krankenkasse angehört hat. Unpraktisch ist dabei die Bestimmung, daß die Unterstüt- zungsbereclttigte sich toegen der Kricgswochenhilse an diejenige Krankenkasse wenden muß, der der Ehemann zuletzt angchört lwt. War dies z. B. in Essen der Fall, und die Frau wohnt in Gießen, so kann nur die Krankenkasse in Essen die llwter- stützung auszahlen. Das Gesetz ist ani 3. Dezember in Kraft getreten und hat keine rückwirkende Kraft. Tee ganzen Be- srimmungen des Gesetzes sind sehr kompliziert und führen zu Unzuträglichkeiten utid Beschwerden mancherlei Art. Tie Praxis aber wird mich hier manche Unklarheiten der Bestimmungen überwinden. Nach diesen Darlegungen wurde die Versammlung geschlossen. ** Handwerk und Hcereslieserungen. Tie Hessische Handwerkskammer schreibt uns: Für die Dauer des Krieges ist eine sür das militärische Berge- bungswesen außerordentlich einschneidende Anordmtng getroffen worden, die vor allem auch dem reellen .Handwerkerstande die so lange erstrebte gründlichere Beteiligung an Hecres- lieserungcn gewährleisten soll. Wie bereits durch die Tagespreise bekannt gegeben, wurde für die Dauer des Kriegs ein Bekleidungsbeschaffungsamt in Berlin, Budapester Straße 132, errichtet, das den vom 1. Februar 10 15 ab eintretenden Bedarf an de» verschiedensten Heeresausrüstungs- gegenständen zu decken bat. Ale Angebote aus derartige nach dem 1. Februar 1915 zu beschaffenden Gegenstände werden daher nicht mehr von den einzelnen Korps oder Kriegsbekleidimgsämtern, sondern einzig rmd allein von dem Bckleidungsbeschaf- fungsamt zu Berlin angenommen. Besonders hervvrzuheben ist die weitere Bestimmung, daß die Angebote des Handwerks an die zuständige Handwerkskammer zu richten sind, die sich über die Leistungsfähigkeit, sowie auch über die Frage der zuständigen Handwcrksztveigc zu äußern hat und sodann die Weitergabe vermittelt. Die Angebote müssen genaue Angaben über die zu jicserndcn Gegenstände und für welchen HeercSbezirk geliefert werden soll, enthalten. .Berücksichtigung finden die der Heeres- verivaltring bereits bekannten Unternehmer imd Korporationen, neue Bewerber oder neu errichtete Korporationen dann, wenn sich die Handiverkskammer über Zuständigkeit und Leistungsfähigkeit geäußert hat. Die Hessische Handwerkskammer ist bereits erneut im Interesse der Handwcrkszweigc an die in Betracht kommenden militärischen Behörden des Bezirks herangetreten. Sie kann naturgemäß nur unterstützend und beratend tätig sein, erwartet deshalb, daß die Handwcrkskorporationcn und einzelnen Meister sich eifrig regen, besonders die tzlusschreibungen genau verfolgen und rechtzeitig die Kammer um Unterstützung ihrer Angebote angehen. Man soll dabei bedenken, daß es Kriegszeit ist, die großen Lieferungen in verhältnismäßig kurzen Fristen zur Ausschreibung und Lieferung gelangen müssen, weshalb cs gilt, in ieder Hinsicht emsig tätig zu sein. Die Neuordnung läßt erkennen, daß die Heeresverwaltung auf starke Beteiligung des Handwerks rechnet, diese läßt sich aber nur zum dauernden Vorteile sür das Handwerk gestalten, wenn sich die einzelnen Zweige sachgenosscnschastlich z u s a m m e n s ch l i c ß c n. Hierdurch nnrd es gelingen, Lieferungen in größerem Umfang zu übernehmen und sonach in zweckentsprechender Weise einer größeren Zahl selbständiger Betriebe Arbeit und Verdienst zuzusühren. Landkreis Gießen. — Allendorf a. d. Lda., 30. Dez. Oberlehrer Prof. Ehringhaus aus Bielefeld, der schon oft während feiner Ferien sich als Prediger hier bewährt hat, predigte am Sonntag im Vormittagsgottesdiciist sehr eindrucksvoll über die Schriftwortc: „Sammelt die übrigen Brocken, daß nichts umkomme!" Gestern abend hielt er in einer Versammlung der Ortsgruppe des Evangelischen Bundes im Gasthaus zum Bahnhof einen zeitgemäßen Vortrag über soziale Fürsorge. fl. Ruttershausen, 30. Dez. Heute nachmittag wurde hier der Musketier Ludwig Schwarz von der Maschinengewehrkompagnie des Infanterie-Regiments Nr. 168 zu Grabe getragen. Ei» zahlreiches Trauergefolge, die Vereine des Orts und eine Abordnung von 20 Mann des Landsturm-Ers.-Batl.-Gießen gabelt dem Verstorbenen die letzte Ehre. Dekan G u ß m a n n hielt die ergreifende Grabrede und die Abordnung gab drei Ehrensalven über die offene Gruft ab. Ter Verstorbene war in Kämpfen auf dem ivestlichen Kriegsschauplatz anfangs September verwundet worden, jedoch bereits soweit wieder geheilt, daß er gedachte, die Weihnachtsfeierlage in der Heimat zu verbringen, als sich sein Zustand plötzlich verschlimmerte, was seinen Tod zur Folge hatte. Starkcnburg und Rheinhesscri. m. O s s c n b a ch a. M., 30. Dez. Ueber die bisherige Wirksamkeit der K r i e g s s ür s o r g e der -ladt Offenbach ist soeben eine Denkschrift erschienen, b-.c em übersichtliches Bild über die Fürsorge für die Familien der Kriegsteilnehmer und arbeitslosen Personen gibt. Danach betrug die Zahl der unterstützten Familien und einzustchendcn Personen im September 5108, im November bingegen nur 3154. Zür^Behcbung der Arbeitslosigkeit wurden die Notstandsarbeiten der Stadt in dieiem ^cahrc früher als sonst ansgcnonimen »nd andere geeignete Maßnahmen getronen. In weitgehendem Maße berücksichtigt die städtische ,yürsorge die Angestellten nnd Arbeiter der Stadl Ossenbach, deren Angehörige von 50—90 Pro,, des Wochenverli'üstes ihres Ernährers erhalten. Tie llnterstütznng wird auch den ledigen Arbeitern gewährt sür die Verwandten in aussteigender Linie uiid die Geschwister: ihnen werden je 25 Proz., insgesamt aber höchstens 50 Pro,, des bisherigen Lohnes inloweit geivährt, sallc- deren Angehörige von den Eingezogenen unterhalten wurden oder das Unterstützungsbedürinrs erst nach erfolgtem Tiensteintritl des Arbeiters hervorgetrcten ist. Ferner sind die städtischen Arbeiter und Bediensteten mit einem Änteil van je 10 Mk. in der hcssischeii Kriegsversrcheruna versichert Als Fürsorge für Handel und Gewerbe wurde die Hssenbacher Kreditgenossenschaft 1914 E G. in. b. H. gegründet, der heute 150 Mitglieder mit rund 150000 Mk. eingezahlten Geschäftsanteilen und 600 000 Mk. Haftsumme angehören. Ebenso wurde sür das Handwerk und Kleingewerbe eine Kredithilse geschaffen, dessen Maximalkredit aus 500 Mk. festgesetzt worden ist. Zur Deckung etwaiger Ausfälle haben der Onsgcwcrbcvercin, die Stadt Offenbach und andere private Interessenten einen Garantie- sonds von 50 000 Mk. zur Verfügung gestellt. Die weiteren Für- sorgeeinrichtungcn der Stadt bestehen in der Errichtung eines Einigungsamtcs sür Mietstreitigkcitcn sowie der llebcrnahmc von Mietbcträgen durch die Stadt. * Mainz, 30. Dez. In der heutigen Sitzung der Stadt- verordneten wurden für eine tzindcnburg-Spende 10000 Mk. einstimmig bewilligt. — Tie Stadt Wiesbaden hatte mit dem Ministerium der Finanzen, Abteilung sür Forstwesen, in Verhandlung gestanden, wegen Pachtung eines Platzes am Wald Uhlerborn zur Ablagerung des Müls. Tie Stadt Wiesbaden hat jetzt, wie das Ministerium der Stadt Mainz mfttcilt, diesen Plan fallen lassen. — Zum Schlüsse der öffentlichen Sitzung gab der Oberbürgermeister einen kurzen Uebcrblick über die Geschäfte der Stadt im abgelausenen Jahre nnd die Einwirkung des Krieges aus die verschiedenen städtischen Vcrwaltungs- zweige. Besonders l>at die Volksschule gelitten, indem nicht weniger als 90 Lehrer zur Fahne einbernsen wurden. Von dm Schutzleuten wurden 66 eingezogen. Von der Straßenbahn mußte» bis jetzt 50 Proz. des Personals in das Feld. Standes«! Gießen. Eheschließungen: Dez. 24. Karl Heinrich Arnold, Dreher, -Oberheizer der Seewehr, mit Luise Johannette Wilhelmine Euler, beide in Gießen. — 30. Valentin 'Anton Komm, Anwaltsgehilfe, mit Marie Margarete Nonnewitz, beide in Gießen. Geborene: Tez. 9. Dem landwirtschastlichen Arbeiter Stephan Janik eine Tochter, Leokadia. — 20. Dem Kautmann Ernst Merlau ein Sohn. — 22. Dem Postinspektar Karl von Bültzingsloewen ein Sohn, Karl Kurt Gerhard Siegfried. — 23. Dem Registrator Karl Max Erist Christian Wiedmeucr eine Tochter, Käthe. — 24. Dem Bäcker Johann August Renz ein Sohn, August Heinrich. -— 27. Dem Weichensteller 1. Klasse Ludwig Sann eine Tochter, Auguste Marie. Stcrbesälle: Dez. 23. Juda Katz, ohne Berus, 69 I. alt, Friedrichstr. 10. — Margarete Brühl, geb. Lenz, 71 Jahre alt, Edcrstr. 19. — 25. Heinrich Frebel, ohne Berut, 67 Jahre alt, Krofdorser Str. 10. — 28. Katharine Dielst, geb. Herrmann, 66 Jahre alt, Schloßgassc 10. Im Felde gefallen: Okt. 21. Friedrich Oswald Riedel, Oberkellner, Reservist, 29 Jahre alt, Crednerstr. 36, bei le Qucsnoy gefallen. Amtlicher Wetterbericht. Ocssentlichcr Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichte» in Hessen am Freitag, de- 1. Januar 10i5: Bedeckt, zeitweise Nicdevicvläge, südivestlickie Winde. Letzte Nachrichten. (WTB.) Großes Hauptquartier, 31. Tez. vorm. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. An der Küste war im allgemeinen Ruhe. Der Feind legte sein Artilleriefeuer auf' Westende-Bad, zerstörte einen. Teil der Häuser, ohne militärische» Schaden anzurichten. In der von uns gesprengten Alger-Auberge-Fernie, südöstlich Reims wurde eine ganze französische Kompagnie vernichtet. Starke französische Angriffe nördlich des Lagers von Chalons wur den überall abgeiviesen. Im östlichen Teile der Argonnen gewannen itnsere Truppen unter Fortnahmc inchrerer hintereinanderliegen- der Gräben und Gefangennahme von über 250 Franzosen erheblich Boden. In Gegend Flirey, nördlich Toitl, scheiterten französische Angriffsversuche. Im Oberelsaß, in Gegend westlich Sennheim, brachen sämtliche Angriffe der Franzosen in unserem Feuer zusammen. Systematisch schossen sie Haus für Haus des von uns besetzten Torfes Steinbach in Trümmer. Unsere 'Verluste sind aber gering. Oestlicher Krieg s schau Platz: Lage in Ostpreußen und in Polen, nördlich der Weichsel, unverändert. An und östlich der Bzura dauern die Kämpfe fort. In Gegend Rawa machte unsere Offensive Fortschritte. Auf dem Ostufer der Pilica ist die Lage unverändert. Oberste Heeresleitung. Dar Ergebnis der Kämpfe von Lodz und Lowicz. (WTB.) Berlin, 31. Dez. (Nichtamtlich.) Aus dem Großen Hauptquartier erfahren wir. daß unsere in Polen kämpfenden Truppen bei den an die Kümpfe bei Lodz und Lowicz anschließenden Verfolgungen über 56 000 Gefangene gemacht und viele Geschütze und Maschinengewehre erbeutet haben. Die Gcsamtbcutc unserer am 1l. November in Polen einsetzenden Offensive ist somit aus 136 600 Gefangene, über 100 Geschütze und über 300 Maschinengewehre gestiegen. * Keine militärischen Feiern aus Anlaß des Neujahrstages. Berlin, 30. Tez. Wie die Korrespondenz Piper mittcilt, findet das große Wecken am Neujahrstaac nicht statt. Alle militärischen Feiern, die alljährlich aus Anlaß dieses Tages abgchalten wurden, so auch d.ic große Parolcausgabe im Zcughansc, werden in diesem Jahre nicht erfolgen. Die Schlappe der Verbündeten bei Festhubert. Rotterdam, 30. Dez. Ueber die Schlappe der Verbündeten bei Festhubert berichtet ein Korrespondent der „Dailv Mail" in Nordsrankrcich nunmehr Einzelheiten: Infolge eines verzweifelten Angriffes einer starken deutschen Abteilung entstand an einer kritischen Stelle in der Linie der Verbündeten eine Bresche, die jetzt aber wiederum zngestopst worden ist. Am 20. Dezember begann der deutsche Vorstoß aus dem gänzlich verlassenen Dorfe Festhnbcrt, das in der Nähe von Bethune und nur 80 Kilometer von Boulognc liegt. Tie englischen Schützengräben, die sich vor jenem Torfe befanden, waren von indischen Truppen besetzt. Ter Angriff der Deutschen begann frühmorgens, indem zahlreiche mit Handgranaten bewaffnete Mannschaften plötzlich aus den Schützengräben hervorsvrangen. Wegen der geringen Entfernung war es unmöglich, diese Lawine anzuhalten und sic wälzte sich über die ersten Gräben der englischen Linie hinweg. Mehrere Stunden känipften die Inder mit ihren Bajonetten und Messern, und obgleich die Deutschen schwere Verluste erlitten, gelang es ihnen, gegen Mittag die Schützengräben zu besetzen. Später, am Nachmittag, rückten englische Verstärkungen heran und jetzt brach die kritischste Stunde des Tages an. Tie Deutschen hatten das Dorf Gioenechy genommen, L>u dessen Wiedereroberung zwei Regimenter sranzö- iischcr Territorialtrnppcn von der Seite anrückten. Während der ersten zwei Stunden erlitten die Verbündeten schreckliche Verluste — oder >vie der Korrespondent sich nusdrückt, die Entente ivurde mit dem Blut von Franzosen, Engländern und Indiern vielfach besiegelt. — Es war ein Sturzbach verzweifelter Mannschaften, die sich mit Handgranaten, Messern und Bajonetten schlugen. Deutscher Fliegcrbcsuch über Wesrenüc. Amsterdam, 31. Dez. Aus Paris wird gemeldet, daß am 20. D^ember ein deutscher Flieger über > Westende flog, gerade als die jungen belgischen Soldalen des Jahrgangs 1914, die vor kurzem eingerecht worden sind, den Fahneneid leisteten. Ter belgische Oberst befahl sofort, das Feuer auf den Flieger zu eröffnen, aber er wurde nicht getroffen. Er warf drei Bomben herab, die in die Nähe der Truppen fielen, ohne jemand zu töten oder zu verletzen. Wirren in Petersburg. Rom, 31. Dez. Ueber Petersburg ist der B e l a g c r u » g s * zustand verhängt worden. Die Kämpfe in den Karpathen. Rotterdam, 31. Dez. Der „Morning Post" wird gemeldet: Der Kampf in den Karpathen dauert mit vcr- zweijelker Heftigkeit fort. Tie Russen verstärken die Truppen auf der ganzen südlichen,Front. Tie Schlacht wütet in dieser Gegend schon über zwei Wochen. Am vorigen Sonntag war der Lctroczs-Fluß zugcfroren. Die Russen brachen das Eis aus einer Strecke von mehr als 7 Kilonieter aus, uni die Lesterreichcr an dem Ucbcrgang zu verhindern. Am folgenden Abmd war der Fluß aufs neue so weit zugefroren, daß der Uebergang an verschiedenen Stella» möglich war. An einigen Punkten entstanden auf dem Eis Gefechte von Mann gegen Mann. Das Eis brach ein nnd die miteinander ringenden Mannschaften verschwanden zu sammen in dem eiskalten Wasser. Rovigno beschossen. Berlin, 30. Tez. Aus Venedig wird gemeldet: Die «tg- lisch-französische Flotte sei mit 30 Kricgsschisicn und vielen Torpedobooten vor dem Kanal von Fasana erschienen, wo die ent- serntestcn Außcnwerkc der Befestigungen von Pola liegen. Darauf soll sie Rovigno beschossen haben, weil vom .Kirchturm aus Signale gegeben worden sind. Rovigno liegt südlich von Pola.) Die Note der Pereinigtc» Staaten an England. i. Köln. 31. Dez. In einer Meldung von der holländischen Grenze gibt die „Köln. Ztg." ein Telegramm des „Nicuwe R o t t e r d a m s ch c Courant" aus London wieder, das sich mit dem Eindruck und den Folgen der amerikanischen Note an England besaßt. Zunächst gibt der Bericht folgende Aeußcrnng der „Morning Post" aus Washington wieder: Die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten pflichtet der Regierung vollkommen bei. Weitaus die Mehrzahl der amerikanische» Bevölkerung bat zu Ausang nach der Seite der Verbündeten bin geneigt, aber die Handlungsweise der britischen Regierung, di- ftch 'v der Ausnahme einer großen Zahl von Waren in die Liste dee bedingten Konterbande nnd dem Anhalten amerikanischer Schisse äußert, bat einen U m s ch w n n g in diesen Anschauungen hervorqcrusen. Es besteht gegenwärtig bedeutend weniger Hinneigung zu den Verbündeten als in den beiden ersten Kriegsmoiiaten. Präs. Wilson bat sich von einem Journalisten über die Note ausfragcn lassen. Man dürfe dieselbe nicht als eine D r o b u ng auffassen. Tie Gefahr liege, nnc man allgemein annimm!, darin, das: die Bereinigten Staaten, die England tatsächlich berausgeiordcrt haben, jetzt nicht mehr zurück können, ivcil sonst der Präsident und seine Partei ab- gewirtichastet haben würden. — Tie „Times" bezweifeln nicht, daß die Note in freundlichem Tone gehalten ist, wenn auch die Inhaltsangabe einen and.rn Eindruck mack)«. Allgemein aber ist die Ansicht, die amerikanische Behauptung, der Ausfuhrhandel Amerikas werde empfindlich behindert, mache sich etwas be- ftcmdend gegenüber der Tatsache, das: man von amerikanischer Seite gerade heute Zahlen vcrössenlliche, aus denen hervorgehe, daß beispielsweise die 'Ausfuhr von Lebensmitteln im November 1914 viermal größer gewesen sei als im gleichen Monat des Jahres 1913. Kapitän Müller. Kopenhagen, 31. Tez. „Politiken" meldet aus Kairo: Kapitän v. Müller, der heldenmütige Führer der „Emden", ist als Kriegsgefangener von Australien hier an- gekommcn und wurde nach Alexandrien weiterbefördert. Von dort aus soll er später nach London gebracht werden. Beschlagnahme zweier deutscher Dampfer. Kristiania, 31. Tez. Tic Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Derslinger" und „Lützow", die im Suezkanal lagen und, obwohl sic sich auf dessen Neutralität beriefe», das Gebiet des Kanals binnen 24 stunden verlassen mußten, sind bei der Ausfahrt aus deni Kanal von englischen Kriegsschiffen aufgebracht und nach Alexandrien geführt worden. Von den italienischen Freiwilligen. Berlin, 30. Tez. Priv.-Tcld Der „Berliner Lokal -An,." meldet aus Rom: Bruno Garibaldi, ein Enkel des Volks- Helden, ist bei einem Sturm aus deutsche Schützengräben im Ar- gonnemvald gefallen. Ties war bas erste Geiecht, an deni das italienische Frciwilligenkorps leilnahni. Lina Hofmann 'W'illi Schaffer V erlobte Lollar Frankfurt a. M. Neujahr 1915 0MM Philosophenwaid. Xcnjahrntag 1915 Grosses Konzert'S 1 " zum Besten des neu sepründ len „(»iesNener Soldatcnlieiiiis u . Ausführende: 35 Herren chcmal. 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Januar 1915, nachmittags 2V- Uhr, von der Leichenhalle des neuen israelitischen Friedhofes aus statt. — Blumenspenden dankend abgelehnt. 12720D Freunden und Bekannten statt besonderer Anzeige die schmerzliche Nachricht, dass unser Bruder, Schwager und Onkel Herr Ludwig Erb Königlich bayer. Forstmeister, Hauptmann d. L. a. D. einem Herzschlag erlegen ist. Oberlehrer Prof. Dr. Erb u. Familie. Hochspeyer und Giessen, 28. Dezember 1914. Die Beisetzung findet in Darmstadt statt. Am 3. Dezember fiel auf dem Felde der Ehre in Rußland unser kaufmännischer Angestellter 12724 Herr August Gorr Kriegsfreiwilliger in der 1. Komp. Res.-Inf.-Regiments 222. Wir betrauern in ihm einen selten tüchtigen, zuverlässigen und hoffnungsvollen jungen Mann und werden ihm über das Grab hinaus ein einendes Andenken bewahren. Giessen, den 31. Dezember 1914. öchr. BäCl*. Am 3. Dezember starb in Russland den Heldentod für sein Vaterland unser treuer, lieber Mitarbeiter Heinrich Walter Kriegsfreiwilliger in der 1. Komp, des Reserve-Infanterie- Regiments Nr. 222. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Hofmöbelfabrik Th. Brück. Am 3. Dezember fiel auf dem Felde der Ehre in Russland unser lieber Freund und Mitarbeiter Herr Anglist Gorr Kriegfreiw. in der 1. Kompagnie Reaerve-Inf.-Regt. 232 Wir verlieren in ihm einen aufrichtigen, liebenswürdigen Kollegen und werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Giessen, den 31. Dezember 1914. 12706 ^ - t kV?., E O-c '.v>. .xfejgg Den Heldentod 'fürs Vaterland starb am 23. Oktober mein innigstgeliebter Sohn, unser lieber Bruder Otto Peusch Unteroffizier im Kaiser-Franz-Garde-Grenadler-Regt. 2 Maschinengewehrkompagme im 22. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen. Im Namen aller: Familie Peosch. Kinzenbach, den 31. Dezember 1914. Nachruf. Am 23. Oktober starb auf Frankreichs blutgetränkter Erde den Heldentod fürs Vaterland unser lieber Sangesbruder 08600 Reservist Heinrich Becker Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 116, 5. Kompagnie. Wir vertieren in dem Entschlafenen ein langjähriges, eifriges, treues Mitglied und werden seiner stets in Ehren gedenken. Gesangverein „Arion“ Klein-Linden. 12723 Das Personal der Fa. Gebr. Baer. Gute Pension 08597] Goctbcftrake48aIH. WnWer Unterricht im Wciimäben für Privat und Perus wird erteilt o»m Sclterswrg 39 II„ Eingang _ Goeibeltratze. _ 6-10000 Mk. aus Schuldschein oder nni 2. Hyvotbck geg g. Zinsen zum 1. Febr. 1815 zu leihen gesucht. Schristl. Angebote uni. 08598 an den Gictz. Anz. Wer leiht f. m. 18-iähr. Sohn, sehr so!., mit guten Zeugniss. zu Sind. Mk. 550©.— n. Schuldschein I geg. 5"/o h. so. Rückzahlung. > «christl. Angeb. unt. 12M8 an den Gietz. Anz. erbeten. Versteigerunq. TicnStaa. d. 5. Jan. 1918. nachmittags 3Uor. sollen im stSdt.Psauvlokale. Scliers- weg dahier, die wegen rück- ständig. Schulgeld. Gas u. Wassergeld u. rückständig. OrtSkrankenkasse -Beiträge gevländeten Gegensiäudc: Möbel allerAri. wie Sosas. Schränke, Schreibtische. Sekretäre, 2 Klaviere. 2 Kassenschränke und verschiedenes andere versteigert werden. 12698 Gemmecker. Psandmellter. Den Heldentod fürs Vaterland starben unsere lieben Mitglieder August Zickselb 1. Kompagnie Feld-Bataillon Nr. 11 am 28. Okiob. infolge schwerer Verwundung in Frankreich, Heinrich Siedenkops Garbenteich Kriegsfreiwilliger im Rcs.-Jnf.-Regi.Nr.222, 3. Kompagnie am 3. Dezember in Rußland, Otto Lang KricgsfrciwilligerimRes.-Jns.-Rcgt.Nr.222, 4. Kompagnie am 12. Dezember in Rußland. Ehre ihrem Andenken. Gesangverein. riedertafel'Glehen Danksagung. Allen denen die unserer teueren Entschlafenen das letzte Geleite gaben, die sie ehrten durch Blumen und Kranzspenden, sagen wir herzlichen Dank. Besonders Dank den lieben Mitschülerinnen für den schönen Grabgcsang. Herrn Lehrer tßtctl für die letzte Widmung und Herrn überaus trostreichen Pfarrer Bernbcck für Worte am Grabe. Die trauernden Hinterbliebenen: i. d. N. Frau Eliiabetbc Eiscnbot u. Kinder. Wieseck, den 31. Dezember 1914. »sm Zurückgesetzte SK TodesA «zeige. Jnsolne tückischer Erkrankung starb am 25. Dezember im Lazarett in Frankreich im Alter von 36 Jahren niein lieber Mann, der treusorgende Vater seiner drei jetzt unversorgten Kinder, unser guter Bruder, Schwiegersohn und Schwager Heinrich Ludwig Brüll Wcbrmanu im Jns.-Regt. Rr. 87, 12. Komv. In tieser Trauer: Frau Marie Brück und Kinder nebst allen Angehörigen. Alten-Buseck, Annerod, Wicseck, Giehen, den 31. Dezember 1914. 12719 Roggenbrot beste Qualität, selbst gemahlen, in altdeutschem Ofen gebacken, krfift'g u. nahrhaft, empfiehlt frei Haus Gießen. MIM Pünktliche Lieferung. Kinzenbacher Mühle, Fernspr. 770 Amt Gießen. Wilhelm Schimmel. weit unter Einkaufspreis. "Mk Gg. Appel Seltersweg 56 12528 Schnlstrs.He Sanitätsbazar und Photohaus, Kriegsbedarf Als passende Prüservatlvcreme Eeocoplast in Rollen Kerzen Hartspirlt. «.Kocher fceifen papier Schokolade Kaffee*. Tee-, Kakaotabletten Formamin ttabletten Hustenbonbons Kondens. milch i. 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