Nr. 306 Zweiter Blatt 164. Zahrgang Evfcfjeinl »glich mit Ausnahme des Sonntags. T>e „Siehener ZamillendlSNer" werden dem .Anzeiger' viermal wöchenllich beigelegt, das „Kreisblatt fflr den Krtis Sietzen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Sett- sragen" erscheinen monatlich zweimal. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhessen Mittwoch. 30. Dezember 1914 Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'sche» Universitäls - Buch- und Steiudruckerei. R. Lange, Gießen. Schriltleitung.Gcschäitsstelle «.Druckerei: Schul- straße?. Geschäftsstelle u.Vertag:^E5I,Schrfft- leitung: «E112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gieße». Cecil Rhode; Testament. Bor einiger Zeit war viel vom „Testament Peters oes Großen" die Rede, in dem der Russcnzar die Richtlinien für die russische Eroberungspolitik in Europa für seine Nachfolger auf dem Throne sestgelegt haben soll. Dieses legendäre Dokument, das die rücksichtslose Eroberungssucht Rußlands mit barbarischer Offenheit enthüllt, ist seinerzeit auch veröffentlicht ivorden, und es sind daran lveitgehende Folgerungen geknüpft worden. Trotzdem bestreiten die Geschichtsforscher die Echtheit dieses Testaments, das mit grellem Lichtstrahl in die dunklen Geheiingänge der russischen Politik seit Hunderten von Jahren bis auf den heutigen Tag hineinleuchtet. Bon Rußland konnte die Existenz eines derartigen Schriftstückes, das die Handlungen der russischen Staatsmänner auch in unserer Zeit bestimmt haben sollte, immerhin nicht überraschen. Daß aber auch in Englmrd ei» ganz ähnliches, ängstlich geheim- gehaltenes Dokunrent existieren soll, war bis jetzt wohl nur wenigen Eingeweihten bekannt' und hätte man bei dem nüchternen Charakter der Engländer laum fiir möglich gehalten. Und doch scheint es der Fall zu sein, wenn man den Enthüllungen Glauben schenken soll, die jetzt in der in New Port erscheinenden deutsch-amcritanischcn Zeitschrift „The Vital Jssue" gemacht werden, die es sich zur Aufgabe gestellt hat, in Amerika die Wahrheit über den Weltkrieg zu verbreiten. Es handelt sich dabei ryn nichts weniger, als rrm ein Testament des berühmten englischen Kolon i al-Er ob c r er s Cecil Rhode s. Rhodes, der „Kaiser von Südafrika", wie er von seinen Landsleuten genannt wurde, ist bekanntlich der Totengräber der Freiheit der Burenrepubliken gewesen. Ter Traum seines abenteuerlichen und von unerhörten Erfolgen gekrönten Lebens war die Vereinigung von ganz Südafrika unter englischer Herrschaft. Er hat die Erfüllung seiner Lebenssehnsucht erlebt. Aber es scheint, daß dieser Mann noch kühnere Träume geträumt hat, die er auch noch nach seinem Tode wenigstens von anderen verwirklichen lassen wollte. Von diesen ungeheuren Plänen wird jetzt der Schleier gelüftet. Bekanntlich mar es Rhodes schon als verhältnismäßig junger Mann gelungen, ein ungeheures Vermögen in den südafrikanischen Gold- und Tiamantfeldern zu erwerben. Er war ursprünglich aus Gesundheitsrücksichten nach Afrika gekommen und litt an einem hartnäckigen Herzübel. Im August des Jahres 1877 erlitt er einen schiveren Anfall seines Leidens, und um diese Zeit machte er sein erstes Testanient, das vom 19. September 1877 datiert ist. In diesen! Testanient bestellt er zum Verwalter seines Vermögen-? den Lord Carnarvon, der damals Staatssekretär für die Kolonien war. Es heißt dann in dem Testament weiter: Ich lxünsche, daß mein Vermögen dazu verwandt werde, einen Ge hei mb und zu gründen, dessen Ziel cs sein soll, die britische Herrschaft in der ganzen Welt auszudehnen. Die Auswanderung aus dem Vereinigten Königreich und die Kolonisation aller Länder, in denen durch Energie, Arbeit und Unternehmungslust bleibende Werte geschaffen tverüen können, durch britische Untertanen sollen gefördert werden. Besonders ins Auge zu fassen ist die Änsiedlung von Engländern auf dem ganzen afrikanischen Kontinent, im heiligen Laich, in den Tälern des Euphrat, auf den Inseln von Chpern und Candia, auf dem ganzen südamerikanischen Kontinent und jenen Inseln des Stillen Ozean-s, die noch nicht im englischen Besitz sind, iin ma- laischen Archipel und an den Küsten von China und Japan. Ein weiteres Ziel ist die endliche Zurückgewinnung der Vereinigten Staaten von Amerika als ein fester Bestandteil des britischen Reiches, die starke Zusammenfassung aller britischen Kolonien und endlich die Gründung einer so großen Macht, daß Kriege in Zukunft unmöglich sein werden und die wahren Interessen der Menschheit gefördert werden können. Wie steht-es um die Echtheit dieses Testamentes, das von einer angesehenen deutsch-amerikanischen Zeitschrift veröffentlicht wird, zu deren Mitarbeitern der frühere Staatssekretär Dernburg zählt? So abenteuerlich das Schriftstück auch erscheint, ganz von der Hand zu weisen ist die Möglichkeit seiner Existenz nicht, beim es spiegelt allzu deutlich den Größenwahn von Cecil Ükhodes und dcs eng- lichen Volkes wider. Tie Weltreiche, die Alexander dem Großen, Cäsar oder Napoleon vorschwebtcn, waren klein und gering im Vergleich zu dem Reiche, das der Eroberer von Südafrika gründen wollte! Aber was diese großen Männer mit Gewalt zu erreichen suchten, will der Engländer durch heimliche Machenschaften, durch die Gründung eines Geheimbundes vollbringen. Sein Plan ist ganz charakteristisch für die Art, in der das britische Weltreich in der Tat zustande gekommen ist: ohne Waffengewalt, allein durch hinterlistige und versteckte diplomatische Künste. Man kann jedenfalls verstehen, daß die Existenz diese-? Testamentes streng geheim gehalten werden sollte, und besonders in Amerika dürfte seine Veröffentlichung keinen geringen Eindruck mache». wie die „Nürnberg" ein Nabe! zerschnitt. Die Zerstörung des wichtigen englischen Kabels von Fanning Island durch die „Nürnberg" hat höchst unliebsames Aufsehen bei unseren Feinden erregt. Wie das Schiff diese wichtige Tat vollbrachte, das schildert anschaulich der Brief eines aus der Fanning.-Jnsel wohnenden Engländers an seine Mutter in Australien: „Die Deutschen sind gekommen und wieder gegangen, und wir sind alle noch lebendig und wohlauf. An Stelle aller der furchtbaren Gerüchte, die herumschwirrten, hier ein Bericht über das Erscheinen der „Nürnberg". Die Deutschen kamen am 7. September. Ich hatte Nachtdienst, und so um ö Uhr morgens wurde gemeldet, daß ein großer Dampfer herannahte. Wir gingen nach der Küste, sahen aber nichts. Zlls ich um- 6 Uhr wieder herunterging, kam ich gerade zurecht, um einen großen Dampfer mit drei Schornsteinen hrannahen zu sehen. Es war schon ziemlich hell. Ter Oberaufseher, zwei Ingenieure, der Koch und ein Arbeiter waren mit mir zusammen die einzigen, die sich an der Küste befanden. Als das Schiff auf wenige hundert Meter herangekommen war, sahen wir, daß es voll war von bewaffneten Matrosen und daß ein Maschinengewehr ausgestellt war. Im Nu hatte der Dampfer Boote ausgcsetzt, bewaffnete Männer sprangen ans Land, Gewehre waren auf uns gerichtet, urch ein Offizier sagte: „Hände hoch, Sie siich meine Gefangenen." Das alles vollzog sich im Handumdrehen, so daß wir gar nicht zur Besinnung kamen. In wenigen Minuten war die Maschine unbrauchbar gemacht und eine Kette von Soldaten um alle Gebäude gestellt. Tie Schlafenden, die noch in den Betten lagen, wurden durch das Krachen der Akkumulatoren aufgeweckt und lamen heraus, um zu sehen, was los sei. Das erste, was sie sahen, waren Gewehre, und zugleich kam der Ruf „Hände hoch". Wir befanden uns alle an der Küste, von den Deutschen umgeben, und es dauerte nicht sechs Minuten, bis wir alle Gefangene waren. Dann waren die Aexte geschäftig bei der Arbeit, und in wenigen Sekunden war das Bureau für drahtlose Telegraphie, waren die Batterien eine ivirre und wüste Masse. Nun hatte auch ein anderes Boot gelandet, und man gestattete uns, ein wenig auf und ab zu spazieren, obwohl das am Strand aufgestellte Maschinengewehr gerade keinen angenehmen Anblick bot. Das nächste, was sie taten, war die Sprengung des Maschinenraumes. Zunächst tvar die Maschine zuin Stehen gebracht worden, indein man hineinfeuerte; nun wurden wir davor gewarnt, näher heranzugehen, und dann erfolgten zwei furchtbare Explosionen. Das Dach und die Wände krachten und stürzten ein, und die Maschine war für immer zerschinettcrt. Ich glaube, daß sie Schießbaumwolle verwendeten. Tic Küstenenden der Kabelanlagc wurden auf dieselbe Weise behandelt; zwei riesige Säulen von Wasser, Sand, Fischen, Korallen usw. flogen 80—90 Fuß in die Höhe, und nachdem das ausgeführt war, war's mit dem Kabel zu Ende. Die Flaggenstange wurde herunter- geholt und in kleine Stücke zersägt. Unterdessen hatten wir eine neue Aufregung. Plötzlich war Rauch zu sehen, und ein kleiner hübscher Dampfer erschien, den wir für ein harmloses Handelsschiff hielten. Es war aber ein Kohlcnschisf, das den deutschen Dampfer begleitete und nun das Kübel im Meer an verschiedenen Stellen aussuchtc und durchschnitt. Um 3 Uhr kam noch ein anderes Boot und bat um alle vergrabenen Instrumente, Gewehre und Munition. Was tvir da hergeben mußten, waren 9—10 Kisten mit Instrumenten, 20 alte Flinten und 20 000 Stück Munition, Nachdem sie noch alle Pläne und Papiere der Verwaltung sorgfältig eingepackt hatten, empfahl sich die Landungsabtcilung. und die Boote kehrten zurück. Tann lichteten beide Schiffe die Anker und fuhren nach Westen. Was uns bei diesem Abenteuer den größten Eindruck machte, das war die reißende Schnelligleit, mit der sich alles abspielte. Es schien unS nur Sekunden zu dauern, bis swir völlig abgeschnitten waren. Uns war allen recht unbehaglich zu Mute, aber sie waren sehr freundlich und entsetzlich hö>lich. „Möchten Sie nicht so liebenswürdig sein und mir eine Axt geben?" so lautete z. B. die Aufforderung, als sic die Flaggenstange Niederhalten. Als zwei Aexte die cttva -10000 Mark kostenden Vergrößerungsgläser zerschmetterten, sagte ein Matrose entschuldigend: „Es tut mir leid, meine Herren, aber das ist der Krieg." Wir plauderten mit chnen und sie rauchten unsere Zigaretten. Sic äußerten alle den brennenden Wunsch, mit japanischen Schiffen zusammenzutrcffen. Nun sind wir von der Außenwelt abgcschnitten und gucken trübselig durch die Ferngläser, ob uns nicht jemand lsilft. Heute nacht dachte ich schon, cs iväre das Licht eines Schiffes, aber dann war es bloß ein Stern..." Die Anfänge des „Llsenbahnkrieges". Einen „Elsenbahnsieg" hat ein italienischer Militärsachverständiger den großen Erfolg des Feldmarschall Hindenburg in Polen genannt, und als einen „Eisenbahnkrieg" bezcickmpt man vielfach die mit unübertrefflicher Verwendung der Schienenwege durchgesührtcn Operarionen der verbüildcten Heere auf dem östlichen Kriegsschauplatz. So ist durcki die Eisenbahn eine ganz neue Form der Strategie hecausgeführt ivorden, die erst jetzt rein entwickelt wird, deren Anfänge aber schon gleich in die ersten Zeilen des Tampsrosses fallen. Bereits 188b, also bevor noch die Eisenbahn bei uns cingeführt wurde, hat M o l t k e in einer kleinen Schrift aus die hervorragende militärische Bedeutung des neuen Verkehrsmittel hingewiesen, und so ist er ergent- lich der Vater des heute so großartig ausgebildeten Eisenbahn- kirieges. Der erste militärische Transport aus der Giefzener Ktadtthcater. Der Schlagbaum. Volkslustspicl von Heinrich Lee. Ein Konjunkturskück? Geschrieben mit der Absicht, in Patriotismus zu machen und sich durch zeitgemäße Erinnerungen eine geneigte Zuhörerschaft zu sichern? Schwerlich, denn die Zeit, m der die deuffchc Einhcitsidee iwch in unichuldigen weißen Windeln lag und die Zollvcreinsentwicklung schüchtern als ihre Amme fungierte, ist für unser Durchschnittsgeschichtsempfinden mangels äußerer Höhepunkte nachgerade zu verstaubt geworden, als daß man in normalen Zeiten in Hunrastimnmng versetzt würde, wenn man an sie erinnert wird. Gleichwohl kommt es Hemrrch ~ e e zugute, daß das Pnbliknm gerade jetzt bereitwillig zustimmt, wenn in irgend einer Form vaterländische Betrachtungen nngestcllt wer- den. , , . .. Sieht man von einigen kleineren Anachronismen ab, dann rft der Stofs folgender: Im Jahre 1833 fallen nach langen parla- mcntarischen Kämpfen und Auseinandersetzungen in den beteiligten Handels- und Jndustriekreisen in deutschen Landen eine Reihe drückender Zollfesseln. Mitten im Widerstreit der Meinungen stehn der Berliner Garnfabrikant Lüdecke und sein Schwiegersohn in spe Tutzinger, der eine ^zäh ur den begrenzten Anschauungen vom Nutzen des Schlagbaumcs und des kleinlichen Zollschutzes wurzelnd, der andere voll von politischem Idealismus mit dem Bilde eines einigen All- deuischlands im Herzen, beide Hitzküpse und Starrhaltc. wenn es sich um die politischen Fragen der Zeit handelt. Der Alte unternimmt es, den König mü einer Petition der Berliner Kaufmann- schait von deni vermeintlichetr Schaden eines Freihandelsvertrage!, mit Sachsen zu überzeugen, und fordert die Unterschrift des Zungen. Der will an seiner Ueberzeugung nicht zum Verräter werden, per- weigert bie Hergabe seines Namens und geht so der fchwregervater- lichen Snmpathien und konscqucntcrweise des Anspruchs auf die Braut verlustig. Um den Bruch wieder zu l>erlei,. begeht der klutor eine Ungeheuerlichkeit: der Sckumegersohn unterschlagt dm bett- rion, überzeugt ben grotlenden -Schwiegervater, der mzwnchen lerne politischen Anschauungen vöUig revidiert und umgekrempett hat, damit von seiner Loyalität. und in der -Loilvestcrnacht I , in der allenthalben die Schlagbäume sinken, sinken si» auch die getrennten Liebenden eiligst in die Arme, um ia den Moment mmt zu verpassen, da die Glocke stimmungsvoll zwolsc schlagt Ta dieser Stoss zu cineul Lustspiel an und sur sich niml die nötigen Qualitäten besitzt, führen eine Reihe nicht eben neu erdachter Personen einen ziemlich tnrz- weiliqcn, mit allerhand bekannten und alteren Zerlinm Vorortspäßen begleiteten Tanz um ihn aus, der naturgemäß mit dem Ganzen in einem äußerst lockeren Zusammenhang steht vs ist nun eiiiinal nicht anders: Ein bleibender Eindruck wird nur durch einen ivirklichen Inhalt hcrvorgebracht: und wenn dreier so wie hier — von den patriotisckien Kraitstelle» abgesehen — da-- Publikum lühl bis an-? Herz hinan läßt, da ist die Reparatur die,», Schadens durch Einzelheiten, Stichwörter und Lieblingswendmigen der feit literarisch betrachtet, immerhin eine mißliche ^ame. Rein^Iheatratisch stellt sich der Endeffekt so dar, daß man über der -Geschicklichkeit, mit der Lee die Palette mit verschwcnderischeni Lokalkolorit handhabt, und dem reichlich verweiideten L-prceivaffer- duft immer wieder vergißt, daß es doch eigentlich um den Schlagbaum und nicht um eine Anzahl mehr oder weniger ulkiger Liebes- und Verlobungsgeschichten geht. Was aber für den Grad der Unterhaltung nur von Vorteil ist. Gespielt wurde die Neuheit mit Sorgfalt und Eifer. Einzelne Unsicherheiten in der.Zügelführung der Handlung müssen zu Lasten des Autors gehen. Direktor Steingoetter trat mit seiner Regie das Milieu des vormärzlichen Berliner Kleinbürgertums ausgezeichnet: in eine Prügclszene brachte er eine geradezu beängstigende Natürlichkeit, wie überhaupt das Tempo sich namentlich auch hinsichtlich der Zwischenakte an ein lobenswertes Allegro hielt. In die mittelalterlichen Burgverließmauern des zweiten Aktes konnte man sich allerdings leichter Kettenklirren und Zähneknirschen als die Lüdeckcsche Schreibstube hineindenken. Hans Grosscr-Braun dürste für die frische Art, wie er den gemüt- und temperamentvollen Tutzinger, den Feind jedes Partikularismus in Staat und Familie, anfaßte, die erste Anerkennung verdienen. In seinen Widerpart Lüdecke wußte sich Rudolf G o l l am besten zu finden, -venn der Alte gemütlich wurde: wenn mau ihm sein für den Spezial- und Hausgebrauch eingerichtetes politisches Glaubensbekenntnis weniger gern glaubte, so möchten wir den Grund dafür vornehmlich in der wenig glücklichen Behandlung dieser Figur durch den Autor suchen. Viel Heiterkeit erregten dagegen Auguste Freuzel als Frau Lüdecke, Hansi Martini als Dienstmädchen Dörthe und Hermann Stichel als Eckensteher Nowak, dem im Lattenfritze- Slil Franz Bochum als Markthelser Pietsch ein würdiges Gegenstück war. Marta Schild gab die Tochter des Lüdecke- scken Ehepaars mit der gewohnten Innigkeit. Ludwig Grosser als scharwenzelnder Handlungsdiener hatte die Lacher zwar stets für sich ; wir glauben aber, daß es mehr im Sinuc des Stückes liegt, wenn die Figur weniger aus den Possenreißer hinaus- gejpiett, als vielmehr im Geist Hausffcher Satire als glückliche Parodie Claurenschcn lächerlich-prätentiösen Acstethentums auf- gesaßt wird. Das Publikunl hielt mit Beifall angesichts der wackeren Leistung des Abends nicht zurück und spenimte namentlich dankbare Anerkennung, als sich am Ende des Stückes unter dem Klang der Punschqläser nach einer Apostrophierung des Vaterlandes durch den Patrioten Tutzinger der Konflikt zwischen den bis dahin feindlichen Lagern in Wohlgefallen auslöste. -a- Line Londoner „Theater-Sensation". Die hochgradige Geistesverwirrung, die jetzt aus so vielen Aeußerungen der englischen Öffentlichkeit zu uns spricht, hinterläßt nicht nur in der Presse, sondern auch in der Literatur ihr» deutlichen Spuren, und die gcardezu kindischen Machwerke, zu denen sich selbst die besten Schriftsteller des englischen Volkes hinreißcn lassen, werden einmal in ruhigeren Zeiten als bleibende Denkr mäler dieser geistigen Erkrankung des englischen Publikums dem Kulturhistorikcr wertvoll sein. Den Höhepunkt in der grotesken Verkennung der wirklichen Verhältnisse, in dem willenlosen Nachstammeln gewisser Schlagwortc, mit denen man die öffentliche Meinung Englands umuebelt, erhalten wir nun in deni einaktigen Kricgsstück des bekannten englischen Dramatikers Sir James M. Barric, das den deutschen Titel „Der Tag" führt und zum erstenmal kurz vor Weihnachten im Coliseum auf- gesührt wurde. Es ist eine Traumszene, in der „ein Kaiser" die Hauptrolle, spielt. Daß dieser Kaiser der deutsche Kaiser ist. darüber blecht keinen Augenblick im Zweifel, wer den vollen Wortlaut dieser ungewollten Burleske liest, der im Daily Telegraph veröffentlicht wird. Zu dem Kaiser, der „auf einem barten Stuhl in Gedanken sitzt", kommen der Kanzler und ein 'Adjutant und wollen ihn zur Unterzeichnung eines Papiers zwingen, durch das „das Vaterland in Krieg mit Frankreich imd Rußland versetzt ist." Der Kaiser ist unentschlossen, aber der Kanzler versichert ihn, daß er England nicht zu fürchten brauche; das sei nur noch „ein über- mästcter Bauch von Land, ohne rotes Blut in ihm, sondern gefüllt mit einer dicken gelben Flüssigkeit. Englands Rolle in der Welt ist ausgespielt, „ich war", seine Grabschrisl." Trotzdem zögert der Kaiser noch immer und befiehlt den Beiden, sich zu entfernst und sich später seinen Bescheid zu holen.' Allein gelassen, enthüllt er nun seine Gedanken, von denen die begeisterten Kritiker meinen, sie enthüllten die Seele des Kaisers. Folgendes eine Probe dieser Enthüllungen, die in ihrem Schwulst jeden Herodes Marlowes und der anderen Vorläufer Shakespeares „überhrrodessen": „Rotes Blut kocht in meineir Adern, die ganze Welt ist mein eigen. Ich höre Tmisende örm Nachtigallen. Ich könnte alle Elefanten in Hindostan essen urid mir die Zähne mit dem Turm des Straßburger Münster stochern." Praktischer sind dann seine weiteren Gedankengänge. „Selbst eines Herrschers Leben ist nur ein Tag, uub in diesem Tage steht nur einmal die Sonne ini Zenith. Ties ist mein Zenilh. Tie ganza Welt dreht sich um mich in dieser Nacht." Er wird Napoleon in den Schatten stellen. „Paris in drei Wochen, sagen wir vier, um jede falsche Berechnung auszuschließen. Riißland auf der aiidern Seite in sechs, und dann ist er da — der Tag!" Von Calais geht's über den Kanal, die englische Flotte wird zerstört, Großbritannien erobert. „Ich will dem eroberten England ein paar Äugeln zuzn Spielen lassen, damit kein Ausstand entsteht. Daun schneide ich Amerika in große Stücke für meine Kolonisten, denn nun beherrsche ich die Meere. Diktator der Welt! Herrscher über alles! Gott im Himmel. Ich auf Erden — wir zwei! (Er runzelt drohend seine Brauen): Und dann sind da noch die Zeppeline! Ich werde unterzeichnen." Nachdem er sich zu diesem Entschluß durchgerungcn hat. erscheint dem Kaiser der „Geist der Kultur, eine edle Frauengestalt in weißen Kleidern". Dieser Geist führt sich als ein besonderer Freund der Deutschen ein uud bittet ben Kaiser, seine Pläne hübsch sein zu lassen. Und siehe da! Seine Warnungen scheinen auch Erfolg zu haben. Als der Kanzler und der Adjutant wieder herein- kommen, zerreißt der Kaiser das Papier, worauf sich die beideit „ärgerlich, aber ehrerbietig" zurückzieheu. „Die Entscheidung lag bei mir," triumphiert der Kaiser, „und ich sagte, es soll Frieden sein. Das sei mein Zenilh!" Aber damit ist das Stück noch lange nicht zu Ende. Er schläft wieder ein, er hört die Kanonen donnern lind die Granaten pseiseu; er sieht in einer Vision die völlig zerstörte Kathedrale von Reims, und nun ist auch der „Geist der Kultur" wieder da und weckt ihn aut. Der Geist mahnt ihn an die Wirklichkeit; seine friedliche Absicht war nur Traum; er hat de» Krieg erklärt, und England, das er degeneriert und machtlos glaubte, inacht ihin am meisten zu schassen. „Gott kann cs nicht zutaffcn, daß mein Deutschland ganz vernichtet wird!" ruft der Kaiser aus, und der Geist der Eisenbahn fand 1832 in England starr, n» versuchsweise ein Jnsairterierrgimeick >ruf der ebär erst grdmiten Balm von Liverpool nach Manchester gebracht wurde In Deutschland fand der erst« größere Truppentransport aus dem Scküencnwege im Jahre 1846 statt. ES würben 9990 Mann, 309 Pferde, 10 Feldgeschütze und 30 Tvaiuwagen des 4. preußischen Armeekorps aus der oberschlesischen Bahn nach Sfrafotu befördert Das war damals schon eine recht gute Leistung. Die Wichtigkeit der Eisen- bahnen für die Mobilmachung und die Nachschübe trat in der Folgezeit immer deutlicher hervor, und die Militärbehörden legten d« Orgcnifation des Tvansvortwesens immer mehr Bedeutung bei. Zu eigentlichen strategischen Operationen aber ist die Eisenbahn zum erstenmal im Jahre 1859 von den Franzosen benutzt worden. Schon die Besörderung des französischen Heeres nach Italien war ein Meisterstück des damaligen französischen Eisenbahnwesens. Es wurden auf der zweigleisigen Strecke Paris- Marseille und deren Abzweigungen vom 20. April bis zum 15. Juli gegen 230000 Mann mit etwa 36 000 Pferden befördert, wobei durchschnittlich täglich 30 Züge mit einer Fahrgeschwindigkeit von 25—30 Kilometer in der Stunde abgclaffcn wurden und sich das Verhältnis des Bahntransportes gegenüber dem Fußmarsch zugunsten des crsteren wie 1:6 stellte. Eine Verwertung der Eisenbahn aus dem Schlachtfrlde selbst bedeutete dann der Linksabmarsch des französischen Heeres aus der Stellung sütckich des Po nach Navara zur Umgehung des öiterreichisckzcn racksten Flügels, bei welcher Bewegung mehr als 22 000 Monn Infanterie des Korvs von Canrobert auf der Bahn von Ponte- gouvonne noch Easole befördert wurden. In gröberem .Mattst« bc wurde die Eisenbahn 1866 von den Oesterrcichern für_ ihre strategischen Operationen ausgenntzt, bei der Versetzung der österreichischen Südarmee aus Italien nach dem nördlichen Krcegs- schauvlatz. 123 000 Mann mit 16 631 Pferden, 259 Geschützen und 2777 Fahrzeugen ivurden auf drei nur zuni Teil dopvcl- glcifigeii Linien in ctiv.i 10 Tagen eine Strecke von über <50 Kilometern befördert. Unterdessen aber batte das Feldnscnbahn- wcscn bereits im nordamerikanischcn Bürgerkriege eine wichtige Ausbildung erfahren, die die eigcnlliche Grundlage für den modernen Eifcnbahnkrieg bildete. Am 11. Februar 1862 wurde der General Mac Eallum von der Regierung in Washington zum „militärischen Lecker der Eisenbahnen in den Bereinigten - Staaten" ernannt nird erhielt die Vollmacht, „sich in den Besitz aller Eisenbahnen zu setzen, sie zu benutzen und alle Lokomotiven und Ausrüstungsstücke, Betriebsmittel und Zubehör derselben so zu verrvenden, wie es zum Transport von Truppen, Waffen und Munition notwendig sein würde". Mac Calluin sckiui inin das erste militärisch organisierte Feldeisenbahn- korvs und damit eine neue Form der Landesverteidigung. Das ganze Eisenbai nivesen der Vereinigten Staaten wurde von ihm während des Krieges unter rein militärischen Gesichtspunkten aus- gebildet und vollbrachte so für damalige Verhältnisse geradezu irtinbrrtüie Leistungen. Glänzende Beispiele von auf dem Schienenwege dnichaesühiten grasten Truvvciiversckiiebungcn waren die Bcsörderung der 23 000 Mann starken Korps Horcher in sieben Tagen von den Usern des Rapidan in Virginicn 2000 Kilometer weit bis nach Stcvemson und im solgendew Jahre 1864 die Verschiebung der Tcwncssee-Aniice mit über 100000 Mann und 30 000 Zugtieren etwa 400 Kilometer weit direkt in seind- lickws Oiebiet. .Auch zcrslörte Eiienbahnstreckcn wurden damals von dem amerilanisck.-en Feldeiienbahulorps zum erstenmal in grosteni Umfang tviederhcigesteNt. so der von General Lee völlig vernichtete 628 Fuß lange und 25 Just hohe Ravpahanok-Viadukt in 19 Aibritsswnten eines einzigen Sommertages. Während Preußen 1866 aus dem Gebiete des Bahnwesens nichts Bedeutendes leistete, bestand im Jahre 1870 das deutsche Militär- eisendalmwejen glänzend sinne Probe. Nach dem Beispiel Nordamerikas waren bei Ausbruch des Krieges von 1866 in Preußen drei Feldeisenbahnabteilimgcn eingerichtet worden, die sich 1870 vorzüglich bewährten Das französische Eisenbahnwesen versagte im dculsch-sranzösischcn Kriege, weil es trotz der guten Einrichtungen der Bahnen an jeder einheitlichen Oberleitung fehlte. Das deutsche Eisenbahnwesen aber zeigte sich gleich der der Mobilmachung aus der Höhe, als auf 9 Eisenbahnlinien in den Tagen vom 24. Juli bis zum 4. August nicht weniger als 384 000 Mann mit alleni Zubehör an die Grenze geführt wurden. Auch bei den strategischen Operationen haben sich die Deutschen öfters der Bahnen bedient: so schickte z. B. das deutsche Armeekom- mando eine Jnfantericbrigade irts 4. Korps von Paris ans mit dev Bahn nach St. Quentin, und die Verstärkungen kamen rasch genug an, um der ersten Armee znni Siege z» verhelfen. Freilich blieben dos aber immer Ausnahmen, und eine systcmatisckse Benutzung der Eiienbahnen für die Umgruppierung großer Armeen ist doch erst in diesem Kriege, am meisterhaftesten von Hrnden- bnrg, durckigesührt worden. Kultur antwortet ihm mit der Schlnszvbrasc: „Wenn Gott mck den Verbündeten ist, wird Deutschland nickst gairz vernichtet werden. Lebe wohl!" „(Die Kultur iveudct sich zum Gehen,, sie nimmt eine Pistole von der Wand uud legt sie in seine Hand. Sie geht fort mit leuchtenden Augen. Das Pfcuniglicht brennt niedrig. Der große Kaiser verliert sich in seinen Schattens." Und von einem solchen Machwerk sind die englischen Kritiker nicht nur seinem Inhalt nach begeistert, sondern einer stellt sogar fest, daß der Verfasser der Kindcrkomödic vom „Peter Pan", daraufhin mit niemanden verglichen werden könne als mit — Aeschvlos und das, dieses „Kriegsstück" an die „Perser" des griechischen Tragikers heranrcichc." — Berliner Thcoterbrief: Ein neues Stück von Fedov von Zobeltitz. Ans Berlin wird uns geschrieben : „Die deutsche Marke" — das ist der Titel d»s neuen vieraktigen Schauspiels von Fedor von Zobeltitz, das am Mittwoch abend im Theater an der Weiden - dammcr Brücke eine sehr beisällige Ausnahme fand. „Die deutsche Marke" ist ein aus deutschen Reben hergestellter Sekt, der über den französischen Champagner in Reinheit und Wohlgeschmack den Sieg davonträgt. Zwei Kvnknrrenzfirmen, eine deutsche und eine sranzösische, die durch venoandtschaftlichc Beziehungen miteinander verknüpft, aber durch die Tüchtigkeit des deutschen und den Neid des französischen Weinjabrikanten in Streck geraten, schlingen von neucin ein Band der Einicmng, indem ein Sohn der deutschen Firma die Tochter der französischen nach manch amüsantem Hin und Her und einer sehr geschickt arrangierten Liebcsszene sich heiraten. Soweit ist alles in nettem Lustsoielton gehalten. Die allbekannten Figuren der deutschen Posse sind vollzählig vertreten, vom votteritdeu Schwicgervava bis zum naseweisen Backfisch, vom groben, ehrlichen Faktotum bis zum verliebten Küchcndragoner, der diesnial als Flaschensvülcrin und in etsässi- schem Dialekt nuftritt. Alles ist in Frieden geraucht; die fröhlichen Bilder wandeln vom Rhein »ach Reims, und die geschickte Hand des bekannten Romanschriftstellers hat auch aus der Bühne sür einen hübschen Dialog und gute Rollen gesorgt. Im vierten Akt ober gewinnt die „deutsche Marke" plötzlich eine andere und tieserc Stimbolik. Es handelt sich nicht nur um die deutschen Reben, sondern um das deutsche Wesen. Die deutsche Marke, das ist das deutsche Gemüt, das sieghaste Gefühl sür Pflicht und Ehre, dem da? Vaterland das Höchste ist. Nun erst wird das Lustspiel zum Sckiauspicl. Wir erleben einen tragischen Gewissenskonflikt des jungen Weinkaufmanns, der eben mit seiner reizenden französischen Braut getraut worden ist, als der, Krieg ausbricht, der nun einen Augenblick unter den verführerischen Lockungen der Geliebten schwankt, aber dann ohne Zögern auf den Zuruf seines jugendlichen Bruders zu den deutschen Fahnen eilt. Im vierten Akt sind wir mitten im Bombardement von Reims: der junge Ehemann, den der Krieg so jäh von seiner Frau trennte, wird zum Ge- jangenen gemacht und hat eine lange pathetische Aussprache mck icincm Nebenbuhler, einem französischen .Hauptmann, in der der Leitartikel das natürliche Gespräch verdrängt: seine Kameraden nehmen dann die Franzosen g,gangen und so erobert er sich seine Fron zurück. Die „Vertiefung" des erst so harmlosen Motivs ist näht ganz geglückt, und so siel der letzte Akt gegen die andern ab. Im ganzen errang das anspruchslose Merkchen aber doch bei vor- trcijlicher Darstellung einen vollen Erfolg. Dr, P. L. Au, Kckssen. Brschlagnahmebrstinttnungen für landwirtschaftliche Produkte und Bedarfsartikel, sonstige Maßnahmen zur Sicherung der Volksernährung. Die Abg. K o r e l l - Angenrod, Finger und Genossen haben in der Zuzeiten Kammer folgenden Antrag eingebracht: Wir beantragen, die Großh. Regierung wolle beim Bundcs- rat dahin wirken: 4. .daß die bekann^gcgebenen Beschlagnahme-Bestimmungen, falls solche im, Jnterene der Heeres- und der Volkscrnährung unvermeidlich sind, allgemein angeivnndt werden, insbesondere aber auch,in den großen Lägern und Mühlen: 2. daß ebenso Beichlagnabmebcstinrmnngcn für landwirtschast- liche Bedarfsartikel, insbesondere iür Futter- und Düngemittel eingeführt werden, um diese den Verbrauchern zuzuiühren: 3. daß unbedingt vor Einleitung eines Beschlagnahme-Verfahrens in landtvirtschaftlichen Betrieben landwirtschaftlich e S a ch v c r st ä n d i g e hinzugczogen werden, von deren fachmännischem Urteil nach Prüfung der Bedürfnisse und Bedingungen der einzelnen Wirtschaften die Durchführung abhängig gemacht werden soll. Wir beantragen ferner, die Grvßlierzogliche Regierung wolle selbst folgenden Maßnahmen schleunigst zur Durchführung verhelfen : 1. Weitere Einschränkung des Verbrauchs von Kartoffeln und Getreide in Brennereien zur Herstellung von Trinkbranntwein: 2. Wcckerc Einschränkung des Verbrauchs von Gerste in Brauereien: 3. Weitgehende Verminderung der Anbauflächen für Zuckerrüben zugunsten von Frühkartoffeln, Sommergetreide, Gemüse usw.: 4. Förderung der Herstellung von Fleischdauerlvaren rmter Zuhilfenahme der Staats- und Kvmmunalverbcm.de und des Fleischcrgewerbcs; 5. Hinwirkung auf einen erhöhten Ersatz des Rindfleischverbrauchs durch Schioeinefleisch in den Gefangenenlagern: 6. Hinweisung auf die Notwendigkeit erhöhter Sparsamkeit beim Verbrauch von Lebensmitteln in der Bevölkerung mck Hilfe der Kreisämter, Bürgermeistereien und Schulen,: 7. Einführung von Vorträgen über landtvirtschastliche Be- triebssührung unter Berücksichtigung der Kriegslage. * Höchstpreise für wichtige Nahrungsmittel und Bedarfsstoffe. Die Abg. K o r e l l - Angenrod, Finger und Genossen haben in der Zweiten Kammer folgenden Antrag eingebracht: Wir beantragen: Großh. Regierung zu ersuchen, beim Bundcsrat dahin zu wirken, daß dieser alsbald unter Ausdehnung des Gesetzes betreffendl die Höchstpreise vom 4. August 1914 folgende wirtschastlichen Maßnahmen trifft: t. Die Festsetzung von Höchstpreisen für Mehl und Brot. 2. Die Festsetzung der Höchstpreise für Petroleum, Ben« z o t und andere nnchtige Belenchtimgs- und Betriebsstoffe. 3. Die Festsetzung der Höchstpreise für weitere wichtige Nahrungsmittel wie Malzkafsee, Hascrvräparate usw. 4. Die Festsetzung der Höchstpreise sür Kraftfuttermittel und Düngemittel aller Art, soweit solche noch nicht stattgefunden haben. 5. Festsetzung der Höchstpreise ftir Kupfervitriol Eisenvitriol und andere wichtige Bekämpfungsmittel gegen Pflanzenschädlinge und Pslanzenkrankhciten. 6. Die Festsetzung der Höchstpreise dergestalt durchzuführen, daß eine Umgehung derselben, durch Gewährung besonderer Vergütungen oder auch durch Tauschgeschäfte ausgeschlossen ist. 7. Erlaß eines Verbotes gegen spekulative Zurückhaltung der Gegenstände, für die Höchstpreise festgesetzt stich. In der Begründung heißt cs: . Wenn man der Landwirtschaft die Verkaufspreise für ihre Erzeugnisse vorschreibt, dann hat sie auch in demselben Maße das Recht, eine Festlegung der Verkaufspreise für die Nahrungsmittel zu verlangen, welche die landwirtschaftliche Bevölkerung, ebenso wie die städtisch« xukausen muß, und fick die wichtigsten iöitssstoffe, die sie zur .Fortführung ihrer Betriebe notwendig hat. Nur dann, wenn der Landwirtschaft auch die Mögtichkeck gegeben wird, die für die Fortführung ihrer Betriebe, insbesondere die Ernährung der Tiere, Düngung der Felder usw. nötigen Hilfsstoffe zu angemessenem Preise zu beschaffen, wrrd dieselbe in der Lage sein, ihre Ausgabe, die Versorgung des deutschen Volkes mit den wichtigen fliahrungsmitteln, welcher sie sich gerne unterzieht, zu erfüllen. Aus dem Reiche. Ein Erlaß der Kaiserin. Berlin, 29. Dez. lWTB. Nichtamtlich.) Folgender Erlaß der Kaiserin und Königin wird veröffentlicht: Beim ahrcswechsel gedenke ich mit besonderer Innigkeit und ankbarkeil aller, die im Vaterlande in Einmütigkeit und größter Opferwilligkeit mitgeholfen haben, unseren tapferen Kriegern durch Liebesgaben und unseren Verwundeten durch sorgsame Pflege eine Erleichterung zu verschaffen. Die Staats- und Gemeindebehörden haben Hand in Hand mit Bereineit imd Einzelnen in nie rastender Arbeit sich bemüht, auch sür die zurückgebliebenen Frauen und Kinder zu sorgen itad den vor dem AeiuLe stehenden Soldaten damit die Zuversicht zu geben, daß in liebevoller Weise ihrer gedacht wird. Ich bitte, von der sonst üblichen Absendnng von Glückwünschen an meine Person im .Hinblick auf den Ernst der Zeit diesmal frenndlichst abzusehen und in deutscher Treue auszuharren und weiter zu bauen an unseren Liebes- werken zum Segen des teuren Vaterlandes bis zu einem! ehrenvollen Frieden, zu deni uns Gott bald führen inöge. Berlin, 27. Dez. Auguste Viktoria, I. R. Berlin , 28. Dez. Das neu errichtcteDekleidung s- Beschaffungsanrt, dessen Geschäfts kreis durch Vereinigung der bisherigen Vergebungen der Bekleidungsämter naturgemäß sehr groß ist, hat seine Ar betten bereits ausgenommen, die in erster Reihe in dem, seinen vierseitigen und umfassenden Ausgaben entsprechendst Ausbau des inneren Verwaltungsbetriebes bestehen müssen. Tie Durch- fiihrung Dieser notwendigen Vorarbeiten wird aber durch den Andrang der Anbieter und die unzähligen ohne Rücksicht auf den vorliegenden Bedarf eingehenden Angebote in empfindlichster Weise gestört und ansgehasten. Das Amt erklärt daher erneut, baß der persönliche Besuch von solchen Bewerbern um Aufträge, die hierzu nicht auf- gefordert sind, völlig zwecklos ist, da es nur schriftlichen Angeboten und zwar nur solchen näher tritt, die durch Vermittlung der zuständigen Handels- oder Handwerkskammer vorgelegt werden, welche dem Angebot ein Zeugnis beifügt. Mündliche oder ohne Vermittlung der obenbezeichneten Körperschaften vorgevrachte Angebote sind zwecklos: auch muß im Interesse des ungestörten Ausbaus des Beschaffungsamtes dringend ersuckst werden, daß Besuche von Mitgliedern der vertretenden Körperschaften zunächst wettmöglichst vermieden werden. Berlin, 29. Dez. (W B. Nichtamtlich.) Msbatd nach Ausbruch des Krieges ist durch Runderlaß sämtlicher Ressorts die Anordnung getroffen worden, daß die Besoldungen der zum Kriegsdienst einberufeuen Beamten an ihre in der Heimat zurückgebliebenen Angehörigen am Fälligkeitstermin auch dann, tvcnu kettle förmlickio Quittung vorliegt, ausgezahlt werden können. Es erhob sich die Frage, ob diese Aitszahkungen cntch, noch erfolgen sollen, wenn der Beamte vermißt oder gefangen ist. Die Staatsregierung traf Vorsorge, daß 'auch in solckptn Fällen an die Ehefrau und die im Haushalte untcrhatteiieu Nachkommen die bisherigen Bezüge bis auf weiteres sort- gczahit iverden sollen. Tic betreffenden Angehörigen können also damit rechnen, daß ihnen am kommenden Quartals- ' ersten »ach dieser Richtung Schwierigkeiten nicht entstehen. z Berlin, 29. Dez. (Priv-Tel.) Das „Berliner Tage- 1 Matt" meldet aus Halle a. S.: Tic Gcburtsstadt Gneiscnaus, 1 Schilda», hat beschlossen, einen Hi n de n b u rg-Tu rm 1 zu errichten. Dieses t|t das erste derartige Denkmat ftir I Hindcnburg. Aus Stadt und LarrS. Gießen, 30. Dezember 1914. Auf den» Felde der E:hrc gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.) Muss. Karl Gernshcimcr, Jnf.-Rgt. 25, aus Worms. — .Kckicgssreiw. Gefr. Karl Reich, Pfarramts-Kandidat, aus Hochstadt bei Hanau. — Must. Karl Ullrich, Jnf.-Rgt 81 und Gesr. Wilh. Heck, 1. Res.-Gardc-Jnf.-Rgt., aus Töringhcim. — Lt. d. Res. Theodor Lack, 8. baur. Jns.-Rgt. — Res. Hans Hausmann, Jnf.-Rgt. 115, aus Offcnbach a. M. — Land- wehrm. Heim. Franz Schmidt, Jnf.-Rgt. 221, aus Offenbach- Bürgel. — Ers.-Ncs. Karl Gerhardt, Res.-Jns.-Rgt. 116, ans Ottenbach a. M. — Landwehrm. Karl Radius, Lanbw.--Ers.- Bat. 41, aus Tillenburg. — Lanbslurmm. Albert Knapp, Jns.- Rgt. 80, aus Darmstadt. — Kricgssreiw. Hemr. Koch, Ins- Rgt. 168, aus Friedberg. — Ltn. u. Komp-Fiihrcr Phil. Abbe, .itts.-Rgp 40, aus Marburg. — Landwehrm. Franz Daebe 1. ^.andw.-Ersatz-Bat. 41, aus Wetzlar. — Landwehrm. Heinrich © a u I, ^andwehr-Rgt. 116, aus Dbcrit&orf. — Landwehrm. ,LmliÄ ä '°P- Schmidt. Landw.-Ers.-Bal. 41, aus Schwalbach. — Erst- Rej. Alb. Ärnkel, Jnf.-Regt. 49, . Abend fand im Ernst-Ludwig- Hcim zu Ba d- S a 1 z ha u s e n sür die dott besindsichen ver- wiundcten Kttegcr eine erhebende Weihnachtsfeier statt, an der noch der Vorstand, die Familie des H. Konsul E n g 1 e r und das Personal des Lazaretts tcünahmm. Tie Feier bestand im Gesang von Weihnackckslicdcrn, Gebet und Ansprache des Pst Werner-Nidda und einer Bescherung. Ein mächtigerWeih- iiacktsbaum prangte in der Mitte des Saals Jeder Krieger erhielt vrakttsthe Geschenke. Außerdem veranstaltete Frau ztzonsul En gier, derm Tochter ein passendes Gedicht vottrug, eine Verlosung, wobei jeder Kneger einen öiewinu erhielt. Mit dem Gesang: O du fröhliche, o du selige schloß die Feier. — Es folgte noch eine Danksagung seitens der Beschenkten an die Veranstalter und Mithelfer, insbesondere Herrn Kommerzienrat C1 o o s , Herrn Dr. W i t t m a n n und die Familie E n q l e r. Es reihten sich an von den Kriegern gesungene Vaterlands- licder sowie Tellomationen heckercn Jnlialts. Den Schluß machte ein gemeinsamer üaiicc mit Küchen. Herr Kommerzienrat Cloos erhielt von den Kriegern ci» großes Bild in gftchmackvolleM Rahmen, in dem Phowgravhien der einzelnen Stationen des Lazaretts vereinigt waren, sowie von dem Vorstand des Heims zu Wiesbaden ein ?lncrkcnnungsichrciben. Tie in allen Teilen besriedigend vcrlauseiic Feier wird allen Teilnehmern eine bleibende angenehme Ettmirrung sein. Starkenbiirg und Nheinhcsftn. & Dormstadt, 29. Dez. Für die zum Kriegsdienst ein- gerückten ober nvch> ciurückenden Studierenden der Technischen Hochschule hat das Großherzogliche Ministerium des Innern folgende erleichternde Bestimmungen getroffen: 1. die Frist sür die Immatrikulation, die Erneuerung der Legitimations- kattcn und die etwaige Einschreibung wird zunächst bis zun: 15. Januar 1915 verlängert: 2. die Anmeldung zur Jmma tttkutotton oder die Kartcncrncuerung kann mich schriftlich oder durch Vertreter ersolgen. Ter Verpflichtung auf die Hochschnl- sotzuiigen mittels Handgelübde bedarf es zur Wirksamkeit der Jminatrikulatton nickt. Nach Möglichkeit soll diese Vcrvilickft iung nach Becüdigung des Krieges nachgeholt werden: 3. die bisher eingeschriebenen, ;um Heeresdienst eiiigcrncltcn Studieren- Ldcn werden in den Listen weitergesührt und gelten bis ans loeilercs als benrlmcbt, soweit sie ihren Austritt anS der Teck>- nischen Hochschule nicht ausdrücklich erklärt haben; 4. von Zatz- lung der Uitterri(&t?ijrti>er ufro sind torfc Stubirrcnbcn, foloitflc sic nicht in der Lage sind, dcn Hochschulbesuch auszunehmen, befreit : 5. Studierende, die infolge Einberusung zum Heere nur wälireno der Hülste des WinicrsenieslerS Vorlesungen und Uebun- gen an der Hochschule besuchen können, haben nur die Hülste des Unterrichtsgeldes zu entrichten. Tkirchlichc rrncbricbtc» Evangelische Gemeinde. S i I v « st e r, den 3 i. Dezember. Eottesdtcnst. Zn der Stadtkirche. Abends 8 Ul>r: Plärrer 5>. v a b c. Zlbends 5 Uhr: Plärrer v. Schlosser. Dienstag, den 5. Januar, nachmittags 3 Uhr, im MatthünS- snal: Jranenmissionsvercin. Plitlwoch, den 6. Januar, abends 9, Uhr: Vereinigung der konfirmierten iveiblichen Jugend der MartnSgemeinde. Zn der Zohonneskirche. Vormittag? 9'/, Uhr: Pkarrasnslent Hossmann. Vormittags II Uhr: liinderkirche sur die JohanneSgcmeinde. Pfarrer A n S s e l d. ?Ibcnds 5 Uhr : Psarrer V e ch t o l s h e i m e r. ZlbendS 7'/, Uhr: Vereinigung der konfirmierten inännlichen Jugend der Lnkasgeuieiiidc. AbenLs 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung im Johanncssaal. Mittwoch, dcn 8. Januar, abends 8 Uhr: KriegSbetstnndc. Psarrer A n S s e l d. Freitag, de» 8. Januar, abends V,6 Uhr: Vereinigung der konsirmierlen iveiblichen Jugend der Johannes.ienieinde. Nächslknniligen Sonntag, den >0. Januar, ivird das LandcS- missionSsest qeieicrt. Dabei ivird nach alten Gottesdienste» me Kollekte iür die Heideniniliion erhöbe» werden. Wartburg, evangelischer Züugliniis- und lUanner-verei >. (Ttezltraßc 15.) Sonntag, den 3. Januar, abends 8 Uhr: Vortragsabend. Dienstag, dcn 8. Januar, abends 8'/, Uhr: Bibelstunde. Donnerstag, de» 7. Jaguar, abends 87, Ubr: Leieabend. Sai»sia>i, den 9. Januar, abends 8 Uhr: Vidiere Abteilung Katholische Gemeinde. Satterdienst. Donnerstag, den 31. Dezember: Nachmittags um b Uhr und abends um 8 Uhr Gele teuftest zur beit. Beichte. Nachmittags um SIL Uhr Predigt, daraiis Eilvester-Andachl. Freitag, den I. Januar: Fest der Beschneid»«« dcö Herr». Vormittags von 6'/, Uhr an: Gelegenheit zur yu Beichte. , um 7 Uhr: Die erste heil. Alesse. , um 8 Ubr: Austeilung der bl. llonnnunio», , um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. , um 11 Uhr: Hl. Alesse mit Pnedigt. Militärgoltesdienst. Nachmittags um 5'/, Uhr: Andacht mit Segen. vicispora-Gottesdienst. In Hungen um 97. Uhr. Beranlworllich für „Feuilleton", „Gerichtssaai" u. „VeimiichleS": I. L.: A u g u st Goetz. _ Amtlicher Teil. Bekanntmachung. Bctr.: Das Musterungs- und Aushcbungsgeschäft 1915. Tos Musterungs- und Aushebungsgeschäst 1915 findet an dcn nachgenannten Tagen in Gießen in ver Turnhalle der Stadt- knabcnschule (Nord-Anlage 8) statt und zwar: Samstag, dcn 2. Januar 1915. vorm. 7'/« Uhr. für die Militärpflichtigen aus den Gemeinden Allertshausen, Beltershain, Climbach, Geilshausen, Göbelnrods Grünberg, Harbach, Kesselbach, Lauter, Lindcnstruth, Londorf, Lumda, Ovenhausen, Qucckborii, Reinhardshain, Rüddingshause», Saasc», Stangenrod, Swckhauscn, Weickartshain, Wcitershain, Albach, Bellersheim, Bcttcnhausen, Birklar, Tors-Gill und Eberstadt. Montag, den 4. Januar 1915, vorm. 7". Uhr. siic die Militärpflichtigen aus den Gemeinden Ettingshausen, Garbenteich, Grüningen, Hausen, Holzhcim, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdorf, Lich, Münster, Mnschenheiin, Nieder-Bessingen, Ronucnroth, Obbornlwsen, Ober-Bessingen, Ober-Hörgern, Rabertshausen, Rodheim, Röthges, Stcinbach, Stcinheim, Trais-Horloff und Utphe. Dienstag, dcn 5. Januar 1915, vorm. 7'/- Uhr, für die Militärpflichtigen der Genieindcn Villingen, Watzenborn- Stcinberg, Mendors (Lahn), Allendorf (Lumdas, Alten-Buseck, Annerod, Bersrod mit Winnerod, Beuern, Burkhardsseldcn, Dau- bringen. Großen-Buscck und Großen-Lindcn. Mittwoch, den 6. Januar 1915. vorm. 7V«Uhr. für die Militärpflichtigen aus den Gemeinden Hattenrod, Heuchet- hcim, Klein-Linden, Lang-Göus, Leihgestern, Lollar, Mainzlar, Oppenrod, Reiskirchen, Rödgen, Ruttershausen, Staufenberg, Treis (Lumda) und Trohe. Donnerstag, den 7. Januar 1915, vorm. 7V? Uhr. für die Militärpflichtigen aus der Gemeinde Wicscck und dic- senigril aus der Stadt Gießen, die in den Johren 1894 und früher geboren sind. Freitag, den 8. Januar 1915, vorm. 7'/-Uhr, für die Militärpflichtigen ans der Stadt Gießen, die im Jahre 1895 geboren sind. In den oben genannten Terminen haben pünktlich zu erscheinen: , 1. alle Militärpflichtigen, die sich überhaupt noch nicht zur Musterung gestellt haben, 2. alle Militärpflichtigen, die beim Kriegscrsatzgeschäst zurück- gestellt worden sind. Zu den Militärpflichtigen gehören auch diejenigen Personen, die im Besitze des Berechtigungsscheines zum cinjährig-srciwillcm Tienst sind. Die wegen Untauglichkeit von Truppenleilen zur Vertilgung der Ersatzbehörden entlassenen Mannschasicii haben sich in dem genannten Lokale am 9.. 11. und 12 Januar 1915, vorinittags 7.45 Uhr zu stellen: hierzu gehen ihnen besondere Ladungen durch das Bezirkskommando Gießen zu. Tic zur Verfügung dcr Ersatzbehörden entlassenen Mann- schasten haben die Pflicht, sich beini genannten Bczrrkskommaudo anzinnelden: wer di« Anmeldung unterlassen hat, muß sie sofort iiachholcu. Militärpslichtigr, die in den oben genannten Terminen nicht pünktlich erscheinen, werde» mit Geldstrafe bis zu dreißig Mark oder Hast bis zu drei Tagen bestraft. Ist die Nichlgestellung absichtlich erfolgt, so können die Betreffenden als unsichere Heeres- pslichtigc behandelt und sofort eingestellt werden. Wer sich nicht zur Stanrmrolle angcmeldet hat, ist trotzdem verpflichtet, sich zur Musterung zu stellen. Die Militärpflichtigen haben ihre Musterungsausweisc oder Berechtigungsscheine mitzubringen. Gesuche aus Zurückstellung oder Befreiung von Militärdienst sind nicht zulässig. Die Mililärpslichtigcu haben reinlich an Körper und in ordentlichem Anzüge zu erscheinen. Diese Bekanntmachung gilt für die Militürpslichtigen als Ladung: besondere Ladungen ergehen nicht. Gießen, dcn 23. Dezember 1914. Der Zivilvorsitzcndc der Ersatz-Kommission des Kreises Gießen. H e m m c r d c. Bctr.: Wie oben. ------ An den Oberbürgermeister dcr Stadt Gießen und an die Großh. Bürgermeistereien Ver Landgemeinden des Kreises. Obige Bekanntmachung loollcn Sie sofort mehrmals ortsüblich bekannt machen lassen und dafür sorgen, daß die Milrtär- pflichtigen, soweit sie in ihrer Gemeinde wohnen und noch keine cndgüliige Entscheidung erhalten haben, sich rechtzeitig stellen. Es haben nur die Militärpflichtigen zu erscheinen, die tatsächlich in der Gemeinde wohnen. Ti? Pflichtigen, die sich in anderen Gemeinden zur Stammrolle gemeldet l>aben, sind zurück- zuweiscn. wenn sic nicht die Arbeit an dem seitherigen Aufenthaltsort ausgegebcn haben. Es ist auch dafür zu sorgen, daß di, Militärpflichtigen ihre Mustcrungsausweise oder Berechtigungsscheine mitbringcn. Tic Großh. Bürgermeister, in deren Verhinderung die Großh Beigeordneten, haben rechtzeitig zu erscheinen. Gießen, den 23. Tczember 1914. Ter ZivilVorsitzende dcr Ersatz-Kommission des Kreises Gießen. 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Wir betrauern in ihm einen tüchtigen hoffnungsvollen jungen Mann und werden deniselben ein ehrendes Andenken bewahren. Cf. W. Nowark Sohn. Den Heldentod fürs Vaterland starb in Rußland am 13. Dezember unser lnntast geliebter treuer Sohn, Bruder, Schwager »nd Onkel HeinrZch Pfeiffer Unterossizier im Jns.-Regt. Nr. 168, 10. Komp. In tiefer Trauer: Familie Heinrich Pfeiffer. Mainzlar, 30. Dezember 1914. 12692 Am 19. Dezember starb in Frankreich den Heldentod fürs Vaterland unser geliebter Sohn und Bruder Carl Weber Oberleutnant der Reserve und Kompagnieführer im Res.-Inf.-Regt. 111 Ritter des Eisernen Kreuzes. In tiefer Trauer: Wilhelm Weber, Apotheker, und Familie. Lieh, im Dezember 1914. Von Kondolenzbesuchen bitten wir abzusehen. 12695 Den Heldentod für sein Vaterland starb am 3. Dezember auf Russlands Erde unser einziger, guter Sohn, Bruder, Schwager, Onkel und Neffe Heinrich Walter Kriegsfreiwilliger in der I. Komp, Kes.-Inf. Itegts. Nr. 222 im Alter von 19V 2 Jahren. In tiefem Schmerz: Familie Peter Walter Familie II. Heinz. Giessen, Alten-Buseck, 29. Dezember 1914. 08558 Er starb so früh und wird so sehr vermisst. Er war so lieb, so treu und gut, dass man ihn nie vergisst. Den Heldentod fürs Vaterland starb am 14. Dezember im Feldlazarett in Russland infolge schwerer Verwundung mein innigstgeliebter Gatte, unser treusorgender Vater, unser lieber, guter Sohn, Bruder, Schwager und Onkel Konrad Weil Unteroffizier der Landwehr im Reserve-Infanterie Regiment 222, 7. Kompagnie im Alter von 36 Jahren. Die tieftrauemden Hinterbliebenen: Louise Weil, geh. Trommersbäuser, und Kinder Familie Jobs. Konrad Weil. Lang-Göns, den 30. Dezember 1914. Selig sind die Tote», die in dem Herr» herbe» uon nun an. Ja. der Geiil spricht, datz sie ruhen von ibrer Arbeit! denn ihrcWerke solgen ihnen nad>. Todes-Anzeige. Hiermit allen Verwandten nnd Bekannte» die schmerzliche Nachricht, dast mein innigsige-- > liebter, treuer, unvergeßlicher Mann, unser treu- besorqter Batcr, 2ohn. Bruder. Schwager und Lnkcl Mols Pitz, Bricstchkr I Wchrmann im Res. Jns. Regimcnt Nr. kl«. 0. Komvagnic i», 31. Lebensjahre am 18. De.tember in Ruhland den Heldentod sürS Vaterland starb. In ticsem Schmerz im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Wilbelminc Pit, Ww. und Kind Frau Katharina Piv Ww. Gietzen. Siesel, Ostenbach a. M., den 30. Dezember 1014. 12640 Todes-Anzeige. Allen Verwandten. Freunden und Bekannten die schmerzliche Nachricht, das mein geliebter Mann, unser guter Vater. Sobn, Bruder. Schwiegervater, Grostvaler, Schwiegersohn, Schwager und Onkel, der Sanbmirt Minies Keil I. beule von einem erlittenen Unfall und schwerem Leiden durch einen sanften Tod erlöst worden ijt. In liefern Schmerz: Die trauernden Hinterbliebenen. Lindenstruth, den 29, Dezember 1914. Die Beerdigung findet am Donnerstag, 31. Dezember, nachmittags S'l, Uhr vom Sterbe- haus aus statt. 08576 Die Rechnung der cvang. Ge>amtgemcindc für 1813 liegt vom 31. Dezember bis 6. Januar ,m Pfarrhause, Kirchstraße I, zu jedermanns Einsicht offen. Gießen, den 30. Dezember 1914. Der cvang. Gesamtkirchenvorstand. i2s,i D D. Schlosser. Auf dem Felde der Ehre fiel am 3. Dezember in Russland unser innigstgeliebter, hoffnungsvoller, unvergesslicher Sohn und Bruder August Gorr Kriegsfreiwilliger in der 1. Komp. Res.-Inf.-Kegts. 222 im Alter von 17 1 /, Jahren. mc2 In tiefem Schmerz: Familie Karl Gorr. Giessen, den 28. Dezember 1914. Am 29. d. Mts., morgens 2 Uhr, verschied plötzlich nach kurzem Krankenlager unser innigstgeliebter Vater, Schwiegervater und Grossvater Christoph Wagner XVIII. Veteran von 1866 nnd 1870/71 im 72, Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Balthasar Pfeffer. Grossen-Buseck, den 30. Dezember 1914. n676 Die Beerdigung findet Donnerstag, den 31. Dezember, nachmittags 3 Uhr, statt. Infolge schwerer Verwundung vom 3. Dezember starb fürs Vaterland im Lazarett zu R issland mein innigstgeliebter, hoffnungsvoller und treusorgender Sohn, unser lieber Bruder, Neffe und Onkel Heinrich Biedenkopf Kriegsfreiwilliger im Reserve-Inf.-Begt. 222, 3. Komp. !m 19. Lebensjahre. Dies zeigen tief betrübt an: Katharine Biedenkopf Ww. nnd Kinder Familie Heinrich Lang Familie Georg Lang Familie Jacob Lang Bettchen Heller. Garbenteich* den 30. Dezember 1914. 12684 Die Beerdigung findet am 1. Januar 1915, nachmittags 3 Uhr, in Garbenteich statt. Nachruf. I», Kampfe fürs Vaterland starben aus Frankreichs Erde den Heldentod unsere treuen Mitglieder Wehrmann Heinrich Kehr im Rescrve-Jnsanteric-Regiment Nr. 116, Gardist Heinr. Bodenbender im Garde-Jnsanterie-Regiment Nr. 115, Wir werden ihnen stets ein ehrendes Andenken bewahren. Turnverein „Gut Heil". Treis a. d. Lda., den 30. Dezember 1914. i kchklmß m NkchWWiiMkii. Die Unterzeichneten erklären sich bereit, Gaben zur Ablölung von Neujabrsgtückwünschen zum Besten der Kleinkinder-Bewahrattftalt,Ditjstr.1j in Empfang zu nehmen. Die Namen der Geber werden tm Giestener Anzeiger verössentlicht. 121526 ®icben. 27. Dezember 1914. Pfarrer Ausfeld. Reallebrer Avvel. Reallehrer ,3mm. Landgerich.srnt Neuenhaaen. Geb. Kirchenrat I».Schlosser. Pfarrer Schwabe. Weinhandler August Schwan. la. loidtntapen für unsere Krieger in allen Preislagen. Ia. hellste Sparbinien, Carl Schnack, langiabrig. Militärlieserant, mit KriegSlieserungen surdle Truvvenleile betraut. («™, Gaslampen Lüster und Speisezim.-Kronen empfiehlt zu billigen Preise» J. Thörner JnstallalionS-Geschcift [08168 Ludwlgwtraßo 40. 1U “ Schwarz-welss-roten Bindfaden für Feldpostpak. hä'tauf Lag 1 u. lief, zu billigst. Tagespreis Lndwig Laxarnn Asterwog 53 :: Telephon 5G5