Nr. 302 ter »iehener Lnzelqee erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen- viermal wöchentlich SlehenerZamiliendlätter; zweimal wöchenll.Ureii- blatlfürdenitreisSiehen (Tienstagund Freitag); zweimal monatl !and> wirtschaftliche Zeiksragen Fernsprech-Anschlüsse: IürdieLchriltlcüungII2 Verlag,Geschäitsstelleöl ?ldresse lür Dralitnach- richtem Anzeiger Sieben. Annahme van Anzeigen lür die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. Erstes Blatt *64» Jahrgang Bonnerttag, 24. Dezember J9J4 Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Rolationrtzruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Such- und Zteindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Seschästrftelle u. Druckerei: Schulftr. 7. iei >: monatl. 75 Ps., viertel» jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl 65 Ps.; durch diePost TU. 2 .— viert el- jährl. ausichl. Bestellq. Zeilenpreis- lokal 15 Ps„ ausiv. 20 Pi. — Haupt- schriitleiter: Aug. Goetz. Berant,»örtlich für de>> polil. Teil: Aug. Goetz; für .Feuilleton", .Vermischtes" unü.Gerichts- saal": Karl Jlcnralh; lür .Stadt und Land": Otto Braun; für den Anzeigenteil: y. Beck. Uriegsweihnachten! Heule abend wird unserem unvergleichlichen Vaterlande neuer Glaube, neue Zuversicht cingeläutet! Es sind dieselben Glocken, die uns befreiende Siegesbolschaslen zugetragen haben, aber ihr eherner Ton hat heute einen Widerhall auch in den stillsten, verborgensten Winkeln unseres Herzens. Er klingt in allen Häusern und Hütten und ist erweckend auch in den Geistern jenes großen .Heeres der Mühseligen und Beladenen, das n i ch t in Feindesland steht. Es ist kein Jubelschall, sondern ein Geläute des Trostes. Aus weltenferner Vergangenheit spricht durch die Wirren der Zeit eine Stimme zu uns, nach der wir uns sehnen und der wir gehorchen. Die rauhen Schrecken des Krieges haben den inildcn Christensinn nicht niedergerungcii und vertilgt. Bei aller stolzen Erfüllung ihrer Kriegerpslicht haben unsere Streiter ihn mit hinaus gebracht in Feindesland, und wo es der Person des Einzelnen gestattet war, frei und selbständig zu walten, da haben wir von erhebenden Beispielen edler Menschlichkeit gehört. Auch die deutschen Heeres verbände haben, wo es nur anging, Milde und Barmherzigkeit walten lassen. In den eroberten Landen wird unseren Landsturmleuten Lob gezollt. Oft teilen sie ihr Brot mit den Armen und erweisen Freundlichkeit den Kindern und Frauen ihrer Feinde. Aber die unvermeidlichen Greuel des Krieges nehmen dennoch chren Lauf. Gehen sie wider das christliche Gebot? Jesus hat wohl Haß und Hader unter den Meirichen bekämpft, aber nie gegen den Krieg geeifert, der aus den Einrichtungen und Bedingungen der Staaten hcrvorgcht. Einen lehrreichen historischen Abriß der Beziehungen christlicher Gedanken zu dem Zweck und Zwang des Krieges findet man in Theodor Kappsteins kleinem Buche „Der Krieg in der Bibel" (Verlag von F. A. Perthes, Gotha), rvorin dargelegt wird, daß Jesus durch und durch unpolitisch war, daß er weder Beziehungen zum Kriege noch zum Gelde hatte, das für ihn „Mammon" war. Jesus war kein Soldat und kein Mann der Obrigkeit. Beide aber sind notwendige Träger des Staatswesens, das uns schützen soll vor Frevel und Ungemach. Ein kluges Wort Luthers, aus seiner Schrift „Die Grenzen des Gehorsams gegen die weltliche Obrigkeit", lautet: „Tn wendest ein: warpni haben denn Christus und die Apostel nicht das Obrigkeitsamt geführt? Antwort: Sage mir, warum er nicht auch ein Weib genommen oder warum 'ist er nicht ein Schuster oder Schneider geworden?! Sollte darum ein Stand oder Amt nicht gut sein, weil Christus selbst es nicht geführt hat?" Wir wollen hier keine Verherrlichung des Krieges schreiben: seine Wirkungen sind auch heute verhüngnisvoll und erschütternd, und sie gehen gegen die göttliche Weisung, die Friede auf Erden predigt. Aber der Krieg scheint doch eben ein notwendiges Nebel zu sein. Dürfen wir die einsältige Frage stellen, ivarum Gott, der Allmächtige, die Menschen nicht alle gleich milde geschaffen habe, ivarum er so oft, scheinbar, den Bösen triumphieren, den Unschuldigen leiden läßt? Manchem mögen die Zerstörungen einer Schlacht minder abscheulich erscheinen als airderes von der „Zeiten Spott und Geißel": „des Mächtigen Truck, des Stolzen Mißhaichlungcn, verschmähter Liebe Pein, des Rechtes Aufschub, der Uebermut der Aemter." Herr v. Bethniann-Holl- weg hat neulich im Reichstag erleichtert darüber aufgeatmet, daß die öde, dumpfe Zeit vorüber sei, in der es am innere n Friede fehlte. Ja, haben wir nicht sonst, wen» am Christabend die Glocken läuteten, oft ängstlich und bedrückt uns gestanden, daß der „Friede auf Erden" noch nicht eingekehrt sei? Tann hat uns aber die niilde Weihnachtsbotschaft mit ihrer Erweckung innerster Herzensbedürfnisse immer wieder erquickt und über die Verdrießlichkeiten der Welt erhoben. Und in mutigem, festem Kampfe für die ewigen Ideale richteten wir unsere Herzen empor. Was sollen die vermessenen Fragen nach Gottes unerforschlichen Ratschlüssen? Er hat die Menschen nicht gleich gemacht und auch wohl nicht beabsichtigt, uns in paradiesische Zustände hineinzusteUen. Er hat uns aber die chrisUiche Lehre in die Seele geschrieben und uns die Sonne der Liebe und Milde verliehen. Was iväre unser Leben ohne diesen Glanz, der es durchströmt? Wir wollen nicht klagen darüber, daß die Welt anscheinend nicht vollkommen ist. Freue dich, o Christenheit, daß der Weihnachtstag wieder gekommen ist, der unsere Seele neu beschwingt und dessen Sterne über die Wettkriegsschauplätze mit ewiger .Klarheit herniederbticken! Milde und Barmherzigkeit gegenüber feindlichen Völkern, die uns bedrohen, haben jetzt keinen Raunt bei uns. Der Christ ist gehalten, so schreibt Kappstein in seiner Schrift „Ter .Krieg in der Bibel", „dem Nächsten, der ihm den Rock ivegnimnit, seinen Mantel dazu zu geben und dein, der ihn auf die Wange schlägt, die andere Wange zum zweiten Schlage hinzuhaltcn. Will sich aber der Staat durchsetzen, so ivird nian den, der uns auf die Backe schlägt, ivieder schlagen und zwar aus seine sämtlichen verfügbaren und erreichbaren Backen!" Es ist übrigens charakteristisch daß jener unbctanntc deutsche Mönch, der uns im 9. Jahrhundert das Heldengedicht „Heliand" schuf, den Ausspruch Jesu vom Hinhalten oer linken Backe unterdrückte; sein eigenes, deutsches Empsinden inag dabei stark mitgesprochen haben. Im Leben und Streit der B ö t- k c r wäre der erwähnte milde christliche Grundsatz vollends unmöglich. Nur durch den Kampf kommen wir zum erwünschten Frieden Frankreich läßt dies, wenn wir es noch nicht gewußt hätte.!, in einer eignen, besonderen Weihnachtsbotschaft weithin verlündeu. Tie Erklärung der französischen Regierung bei der Eröffnung der Kammern — wir geben sie nachstehend ausführlich wieder — unterstellt dem Deutschen Reiche, ohne den Versuch eines Nachweises, daß cs während mehr als 40 Jahren unablässig das Ziel verfolgt habe, „Frankreich zu vertilgen, um die W c l t z u unterjochen!" Alle Schuld, diesen Weltkrieg entfesselt zu haben, wird auf uns Deutsche abgewälzt. Wir brauchen diesen Phrasen des französischen Kabinetts keine langen Gegenausführungcn zu widinen. „Erbitterter Kamps" gegen uns wird proklamiert, „bis zur vollständigen Befreiung Europas". Bis in die letzten Tage hatte sich in deutschen Gemütern Frankreich gegcnicher ein getvisses Gefühl der Nachsicht herausgebildet, da wir in England die treibende Kraft erkannt hatten. Wir sehen jetzt, daß Freiherr v. Zedlitz recht hatte, als er jüngst in einem Aufsatz davor warnte, Frankreich vorzeitig Sonderfriedenspläne vorzuschlagen. Man würde dies dort nur als Schwäche auslegcn und das Gegenteil von dem würde erreicht werden, was man beabsichtigte. Erbitterter Kampf bis zur endgültigen Entscheidung muß auch unsere Parole sein. Unsere Weihnachtsgedanleu weilen heute draußen, in den Schützengräben, bei unseren deutschen Brüdern, denen wir Gottes .Hilfe erflehen. Wir wissen es, daß auch sie heute in Gedanieu bei uns weilen werden — soweit das blutige Feld der Gefahr es zuläßt. Im Kanonendonner begrüßen sie die Geburt des Heilandes. Dahinter aber steht als Ziel und Preis des Kampfes ein herrlicher Friede, dem wir in treuem Christensinne entgegenharren zur Neubelebung deutscher Kultur und Sitte! * * * (WTB.) Großes Hauptquartier, 23. Dez. vormittags. (Amtlich.) Angriffe in den Dünen bei Lombart- zydc und südlich Birschotc wiesen unsere Truppen leicht ab. Bei Richebourg l'Avotte wurden die Engländer gestern wieder aus ihren Stellungen geworfen: Trotz verzweifelter Gegenangriffe wurden alle Stellungen, die zwischen Richebourg und dem Canal Ü'Aire ä la Bassse den Engländern entrissen waren, gehalten und b e s e st > g t. Seit 20. Dezember fielen 750 Farbige und Engländer als Gefangene in unsere Hände. 5 Maschinengewehre und 4Mincnwcrfer wurden erbeutet. In der Umgegend des Lagers von Ehslons entwickelte der Feind eine rege Tätigkeit. Angriffe nördlich Sillerp südöstlich Reims bei Louain und Perthes wurden von uns. zum Teil unter schwerenVcrlustenfürdie Franzosen, abgeschlagen. In Ost- und Westpreußen blieb die Lage unverändert. Die Kämpfe um den Bzura- und Rawka-Abschnitt dauern fort, auf dem rechten Pilica-llscr ist die Lage unverändert. Ober st e Heeresleitung. * . * Ein Erfolg der österreichisch-ungarischen Aotte. Ein französisches Unterseeboot von den Lestcrreichern vernichtet. (WTB.) Wien. 23. Dez. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlaulüart: Das französische Unterseeboot „C u - r i e" wurde, ohne zu einem Angriff gekommen zu sein, an unserer Küste von Strandbattericn und Wachfahrzcugen beschossen und zum Sinken gebracht. Die Besatzung wurde gefangen genommen. Unser Unterseeboot „12" griff am 21. Dezember in der Otranto-Straße die französische Ftoltc, bestehend aus sechzehn großen Schiffen, an und torpedierte das Flaggschiff vom Typ „Courbct" zweimal und traf beide Male. Die darauf in der feindlichen Flotte entstandene Verwirrung, die gefährliche Nähe einzelner Schiffe und der hohe Seegang bei unsichtigem Wetter verhinderten das Unterseeboot, über das weitere Schicksal des betreffenden Schiffes Gewißheit zu erlangen. Wien, 23. Tcz. WTB. Nichtamtlich.) Der Erfolg: der österreichisch-ungarischen Flotte wurde mittags durch Extrablätter bekannt unv rief in allen Kreisen der Bevölkerung außerordentliche Genugtuung hervor, der die Abendblätter übereinstimmend Ausdruck geben. Sic betonen, daß sich die österreichisch-ungarische Flotte, die bewies, daß in ihr der alte Heldengeist weiterlebt, sich des uneingeschränkten Vertrauens und des großen Ansehens, das sie bei der ganzen Bevölkerung genießt, würdig crwieien habe. Tic Blätter schätzen den Ersolg des Unterseebootes „12" umso höher ein, als anzunehmen sei, daß, wenn schon der getroffene Dreadnought nicht gesunken sei, seine Kamvst- sähigkeit für die Tauer des Krieges wohl unbedingt vernichtet sei. Neue Schlachten im Osten. Der österreichisch-ungarische Tagesbericht. W i r n, 23. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird vertautbart: 23. Dez. mittags. Unsere Operationen in den Karpathen nehmen einen günstigen Verlauf. Im Latorczagebiet wurde ein russischer Angriffsverfuch bei Botacz (Volovcz) abgcwicfcn. Im oberen Ung-Tale machten unsere Truppen gestern 300 Gefangene bei Aenpvosvölgh und drangen weiter vor. Auch nordöstlich des Lupkowcr Paffes in der Richtung gegen Lisko gewann unser Angriff Raum. Das offizielle Communigue des russischen Gcncralstabs vom >8. Dezember behauptete, daß uns an dieser Front 3000 Gefangene und auch Geschütze und Maschinengewehre abgenommen wurden. Diese Angaben sind erfunden. Unsere hier austretcnde Kampfgruppe verlor an Toten. Verwundeten und Vermißten -usammcn zwei Offiziere und 305 Mann, nicht ein Gesch - nicht ein Maschinengewehr fiel in die Hände des Feinde- Die heftigen Kämpfe bei.Krosno, Jaslo. Tuchow und am unteren Dunajec halten an. An diesem Fluß erneuerten die Russen auch in der vergangenen Nacht ihre vergeblichen verlustreichen Angriffe. An der N i d a steht vorerst der Kanipf. Nächst brr Ntündung dieses Flusses wurde eine Brücke des Feindes über die Weichsel in Brand geschossen. Südlich To maszow wurde vo» unseren Truppe» ein Nachtangriff kaukasischer Regimenter abgeschlagen. Die Kämpfe unserer Verbündeten um den Rawka- und de» B z u r a - A b s ch n i t t dauern fort. An der ganzen Front ist somit eine neue Schlacht im Gange. Der Stellvertreter des Ehefs des Gencralstabs: v. Höfcr, Fcldmarschalleutnant. Die günstige Lage der deutsche» Heere. i. Köln, 21. Dez. Tie „Köln. Ztg." meldet: Der militärische Mitarbeiter des Mailänder „Sc colo" führt aus, er habe die Auffassung, daß es den Deutschen gelingen werde, die neue französische Offensive zum Stehen zu bringen. Die g le i ch c Ansicht vertritt der militärische Mitarbeiter der „P c r s c v e r a n z a", der hinzusügt, zwischen Rußland und Frankreich bestehe eine gewisse Spannung, weil Frankreich verlange, daß die Russen ans dem kürzesten Wege in denffches Gebret einfallen sollen, während Rußland darüber unzufrieden ist, daß der französische Generalissimus Josfre bisher unbeweglich hinter seiner Besestigungslinie geblieben sei. Die LagederDeutschenseibedentendgünftiger als die der Verbündeten. Die Beschießung von Alexandrette Konstantinopel, 21. Dez. Tie Beschießung der Küste von Alexandrette, die wirkungslos verlies, wurde nach kuitzer Zeit eingestellt. Ter Oberkommandierende Tjemal Pascha ließ, den englischen Geschlvaderchef wissen, daß für das Leben eines jeden durch die Beschießung offener Küsten- städte gefährdeten ottomanischen Untertanen, Vergcltungsmaß?- regeln an den Engländern in den Konzentrationslagern genommen werde. Der amerika nische Botschafter legte Protest gegen das schon cinmat angedrohtc Vorgehen ein. Aus Italien. R o m, 23. Tcz. Prioattclcgrmam.) In demschen Zeitungen finden sich vielfach Nachrichten über Aeutzeruirgen deutsch» feindlicher Gesinnung in Italien, die damit auch die Stimmung in Deutschland gegen Italien beeinflussen. So fanden sich Unlängst in verschiedenen Blättern Meldungen von einer angeblichen BoNkottiernng der deulsckien Musik in^ Italien. Dem gegenüber genügt der Hinweis darauf, daß die „Scala" in Mailand ihre Spielzeit mit der Aufführung von Wagners „R Heinz old" beginnt. Ferner wurde verbreitet, in Perugia und anderwärts fanden Deutsche in den Hotels keine Ausnahme mehr. Auch diese Nachricht ist natürlich unzutreffend. Das erwähnte angebliche Verfahren der Hotels.in Italien würde auch dort den bestehenden gesetzlichen Vorschriften direkt zuwiderlausen. Auch die Nachricht vou einer angeblichen G rcnz sperre bei Ala ist selbstverständlich vollständrg unrichtig. Solches Gerücht mag auf eine vorübergehende Verkehrsstörung zurückzusühren sein, auf deren Behebung ita» lrenischcrseits kein Einfluß gewonnen werden konnte. Amerika und England. London, 23. Dez. (W. B. Nichtamtlich.) Tie „Mor- ningpost" meldet aus Washington vom 21. Dezember: Tie „Washington Post" setzt ihren Angriff ans den britischen Militarismus zur See fort und schreibt bezugnehmend aus Aeußerungen Lord Churchills: Großbritannien geht aus das Ziel absoluter Tceherrschvft los. Ter Militarismus zu Lande ist etwas Hassens- wertcs, das bekämpft und vernichtet werden muß, und wenn alle Nationen Europas dazu helfen müssen: aber Militarismus zur See ist etwas Bewundernswertes, solange cs ein britischer Militarismus ist. Das ist die britische Auffassung, welche die Welt annehmen soll! -Tie „Washinglon Post" fragt, wie sich die Vereinigten Staaten angesichts der britischen Flotte sicher sühlen iönnen. Tie britische Flotte sei für Amerika eine größere Bedrohung als die deutsche Armee, Tic britische Flotte könne den Panama- kanat und die amerikanische Küste bedrohen, die deutsche Armee könne dies nicht, da sie nicht transportiert werden könne. Tie Vereinigten Staaten würden sich nie unter die britische Oberherrschaft beugen. Ein britischer Angriff und eine britische Einmischung in den amerikanischen Handel seid» geradeso unerträglich, als es ein deutscher Angriff und eine deutsche Einmischung sein würden. Wir haben, so schließt das Blatt, einen britisckien! Angriii gehabt, während die deutschen Einmischungen unaginär sind. Wenn .England über Deutschland ^triumphieren und ver- inchen sollte, eine Oberherffchast zur Sec unter Mißachtung der Rechte und Interessen Amerikas auszurichten, würde die amerikanische Nation wrcder mit England Krieg führen. ' . * Der Feldzug gegen Serbien. Wien, 23. Dez. «WTB. Nichtamtlich.) Meldung des k. k. Korr.-Bur. Amtlich wird bekannt gegeben: Tic nach dem siegreichen Vorgehen in Serbien erfolgte Zurücknahme unserer Kräfte hat verichicdcne, teilweise ganz unbegründete Gerüchte entstehen lassen. Es soll datier hiermit auf Grund jener Erhebungen, die ohne Verzug aus allerhöchsten Befehl von einer hohen militärischen Vertrauensperion an Ort und Stelle ge- pstogen worden sind, Aufklärung gegeben tverden. Nach den erkämpften Erfolgen hat das Obcrkonimando der Balkanstreükrästc die Erreichung des idealen Zieles aller Kriegführung, die völlige Niederwerfung des Gegners, ins Auge gefaßt dabei aber de« zu überwindenden Schwierigkeiten nicht genügend Rechnung getragen. Jniolgc der Ungunst der Witterung waren die ohnehin durch unwirtliches Terrain führenden Nachschublinien in einen solchen Zustand geraten, daß es unmöglich wurde, der Armee die novoendige Verpflegung und Räunition zuzusührcn Ta gleichzeitig der Feind neue Kräfte gesammelt Ijattc und zum Angriff überging, muhte di« Offensive abgebrochen werden. Es war ein Gebot der Klitghcit, die Armee nicht unter den ungünstigen Verbältnisscn zum entscheidenden Kampfe zu stellen. Unsere in Serbien eingedrungrnen Strerlkrästc sind, der» widrigen Verhältnissen nachgebcnd, zurückgegangen ; sic sind aber nicht gcsckilage». Sic sehen ungebrochenen iOhiteg neuen Kämpfen entgegen. Wer unsere braven Truppen nach dem bcschloerlicken Rückzüge gesehen hat, der mußte erkennen, welch hoher Wert ihnen inncwvhnt. Daß wir bei diesem Rückzug empfindliche Verlust« an Mann und Material hatten, war Unvermeidlich. hierbei sei srstgestellt, daß die über das Mast un-- ierer Verluste verbreiteten Nachrichten über die Tatsaäjcn weil Innausgehen Zeit einer Reche von Tagen stehen die von allerbestem Geiste besäten Truppen in guten Uitterlünsten. Sie werden mir allem Erforderlichen versehen und harren ihrer Verwendung. Bisher kam es an der Grenze nur zu unbetnnitenden Plänkeleien zwischen '.Patrouillen. Seine Majestät geruhte, den Oberkommandanten auf seine aus Gesundheitsrücksichten gestellte Bitte von dem Komnrando zu entheben und an seine Stelle Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit den General der Kavallerie Erzherzog Eugen zu ernennen. Tie Nachricht, daß Höchst- derselbe das so wichtige Kömmando der Balkairstrcitkräste übernimmt ,wird in der Armee, in welcher der Erzherzog höchstes Vertrauen und begeisterte Verehrung genießt, mit dankbarem Jubel ausgenommen werden. Ein Telegramm Hindcnburgs. Wien, 23. Dez. (W.D. Nichtamtlich.) Von den Liebesgaben für Weihnachten, die das 'Kriegsfürsorgeamt in der vorigen Woche an die Truppen äbgcschickt hat, war auch ein Teil für die Armeen Hindenburgs bestimmt. Dem Kriegsfürsorge-Amt ist nun gestern folgendes Telegramm des Generalfeldmarschalls Angegangen: Nachdem die Weihnachtsspende des Kriegssürsorge-Amtes nunmehr eingetroffen ist, möchte ich nicht verfehlen, noclnnals meinen und der Armee herzlichsten Tank für die reichen Gaben anszu- sprechen. Wir erblicken hierin einen neuen Beweis für die treue Kameradschaft der so eng verbündeten Armeen. Weiter vorwärts mit Gott, dann wird uns im neuen Jahre der Sieg gewisz sein! Gencralfeldmaischall v. Lindenburg. Die „Times" über die Lage im Osten. Lon don , 23. Dez. (W. B. Nichtamtlich.) Tie „Times" bespricht in einem Leitartikel die Lage auf dem östlichen Kriegsschauplatz und schreibt: Die russischen Truppen halten mit Erfolg den kräftigen und plötzlichen Vormarsch der deutschen und österreichischen Truppen über die Karpathen auf. W ist jedoch ziemlich klar, da st dis Russen weder in Galizien, noch in Südpolen in erreichbarer Entfernung von Krakau stehen Tie Bedeutung dieser Operationen must ohne Umschweife zugegeben werden. Den Deutschen gelang cs nicht, die nördliche rulsische Flanke zu umzingeln Sic haben noch nicht den Widerstand der Russen nördlich der Karpathen zu brechen, noch die stark befestigte russische Linie vor Warschau zu durchstoßen vermocht, aber sic zwangen die Russen, sich an weiter südlich gelegene Punkte zurückzuziehcn Dadurch wurde die russische Kainpflinie ausgeglichen. Sollte es den Deutschen gelingen, die Linie bei Opoczno oder sonstwo zu durchbrechen, so würde di« Lage der russischen Armeen in Galizien, gegen die 170 000 Feinde durch die Karpathen hervorbrechen, kritisch werden. Wir hoffen, daß das nicht der Fall sein wird. Anderersefts ist cs klar, daß vcrzweiselte Kärnpfe bevorstehen, und daß Hindenburg die Invasion in Schlesien tcnd den Fall Krakaus tinausgeschoben hat. Polen wird für mehrere Tage, der Hanptkriegsschauplatz sein. Die dortigen Kämpfe werden mit großer Beklemmung verfolgt werden. Der zukünftige Verlauf des Krieges hängt stark von der dortigen Entscheidung ab. Ter Fall „Rcnnenkampf". Berlin, 24. Dez. Nach Informationen der ,^8oss. Ztg." aus Kopenhagen hat der Fall R e n n en kam p f eine überraschende Lösung gesunden. 'Allerdings wird bestätigt, daß Rennenkamps sich mit dem Großfürsten Nikolai .Nikolajewitsch entzweit hat und auch nicht mehr bei dem Zaren in Gunst steht. Jedoch ist er keineswegs kaltgestellt worden, sondern angesichts der schwierigen Lage im Kaukasus dort mit einem Kommando gegen die Türken betraut worden. Eine Ansprache des Kaisers. Berlin, 24. Dez. Einem der „Kreuzztg." zur Verfügung gestellten Offiziersbrief vom östlichen Kriegsschauplatz entnimmt das Blatt folgende Sätze: Kürzlich hat uns S. M. der Kaiser besucht und folgende Ansprache gehalten: Liebe Kameraden! Ich bin hierher gekommen ans Frankreich, um euch den Gruß eurer Kameraden aus dem Westen zu bringen und euch meinen Königlichen Dank zu sagen für die Tapferkeit, mit der ihr, treu eurem Fahneneide, die Uebermacht der Russen bisljer siegreich geschlagen habt. Alles dies, habt ihr mit Gottes Hilfe getan und er möge euch werter helfen. Euren anderen Kameraden in den Schützengräben bringt meinen Gruß, aber dem Feinde dieKugelnunddasBajonett. Und das eine sage ich euch, geschlagen wird der Feind unter allen Umständen. Hindenburg Ehrenmitglied der Posener Akademie. Posen, 23. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Die Blätter melden, daß Generatfeldmarschall o. Hindenburg von der Posener Akademie zum Ehrenmitglied ernannt worden ist. Hindenburg hat die Ernennung angenommen, und zwar, wie er in seinem Dankschreiben ausfuhrte, um so lieber, als die Kriege der Neuzeit nicht nur mit den Waffen ausgesuchten werden, sondern auch ein geistiges Ringen der Völker darstellcn. Doch nicht nur für sich nehme er die Auszeichnung an, sondern mich für seine treuen Mitarbeiter mch seine tapferen Truppen, denen nächst der Hilfe Gattes und dem Vertrauen des Kaisers die errungenen Siege zu verdanken seien. i Verstärkungen in Flandern. Berlin. 24. Dez. Im „Berl. Tagebl." heißt es unter der Ucberschrist „Ankunft neuer deutscher Truppen in Flandern": Dte „Tyd" berichtet aus Dünkirchen: Nicht nur die Verbündeten, sondern auch die Deutschen erhielten Verstärkungen, Flieger entdeckten den Anmarsch neuer L-ruppen und neuer Zufuhr von Kriegsmaterial. — Aus SluiS wird demselben Blatt geineldet, daß neue große deutsche Truppenmassen iu Flandern angc- lommen seien. - Ter amtliche französisckn: Bericht. Paris, 22. Dez. (W. B. Nichtamtlich) 3 Uhr nachmittags. Amtlich. Zwischen dem Meer und der Lps habe» gestern nur Artilleriekämpfe stattgefunden. Zwischen der LyS und der Aisne wiesen >vir den deutschen Angriff, der von Earcncy aus erfolgte, ab und nahinen einige Häuser von Blangy. Infolge eines feindlichen Angriffes auf M o m e tz und die benachbarten Schützengräben konnten wir an dieser Stelle nickst merklich vorrücken. In der Gegend von Li hon s wiesen wir drei Angriffe zurück. Oestlich und westlich von Tracy-le-val machten wir einen kleinen Gewinn. Unsere Artillerie steht auf dem Plateau von Nou- v i o ii. In dem Abschnitt der Aisne bis Reims fanden Artil- Icriekämpse statt. Iu der Chmnpague und dem die Argonnen umfassenden Abschnitt gab es um Souain heftige Bajonett- iämvsc. Wir rückten in diesem Gebiete nicht merklich vor. Bor Perthes Les Hurlus nahmen wir drei deutsche Ber- «ctzanzungen, lvelche eine Schützeiigrabenftont von 1500Meter ränge darstellen. Nordöstlich Beanjour befestigten wir vorgestern die eroberten Stellungen und besetzten alle Schützengräben längs des Kammes des Ealvarienbcrges. Im Gruriewald sind wir fortgesetzt vorgerückt. Bei SaintHubert wiesen wir einen Angriff ab. Im Bois de Bolante, wo wir einiges Gelände verloren hatten, nahmen wir zwei Drittel des Gehölzes wieder Zwischen den Argonnen und der Maas »racksten wir leichte Fortschritte. Bei V a u g u o i s, nördls»). des Waldes von Malancourt, gelang es unseren Truppen, den Drahtverhau zu durch- . rechen und die feindlichen Schützengräben zu erobern und zu behaupten. Auf dem rechten Maasuser im Consonvoyswalo verloren wir das von uns vorgestern gewonnene Gelände und eroberten es nach heftigem Kampfe wieder. — Von den Maashöhen bis zu den Vogesen ist nichts zu nielden. > Paris, 23. Dez. (W. B. Nichtamtlich) Amtlicher Bericht vom 22/ Dezember 11 Uhr abends: Nordwestlich Puisaleine führte der Feind gestern heftige Gegenangriffe aus, die alle zurückgewiesen wurden, südjich Bare n n e s faßten wir gestern abend in Bourenilles Fuß. Unsere Angriffe dauerten sort und ließen uns heute anscheinend in Boureuilles westlich Vauynois vorrücken. Von der übrigen Front ist nichts Neues zu melden. Revolutionäre Kundgebungen in Paris. Kopenhagen, 24. Dez. Wie die „Deutsche Tageszeitung" aus Kopenhagen meldet, ist es nach einem dort eingetroffenen Telegrarnm aus Paris gestern vor der Kammer zu stürmischen Kundgebungen gegen die Regierung gekommen. Die einzelnen Deputierten wurden, soweit sie sich bemerkbar machten, mit Pfeisen und Johlen empfangen. Tie Massen brachen in Rufe aus „Nieder mit dem Krieg!". Republikanische Garde und Polizei mußte einschreiten, um die Massen auseinander zu treiben. ur Beachtung! während der beiden Weihnachtsfeier- rage rvird eine größere Ansammlung von Rriegs- und anderen rvichrigen lTachrichcen unvermeidlich sein. Um sie unseren Lesern so schnei! als möglich zugänglicy zu machen, erscheint die nächste »Tumnier des Meßener Anzeigers bereits am ^Fonntaff, den 27 . Dezember J9I4 nachmicraffs. Unsere Zweigjlellenmhaber werden ersucht, dieZeitungen an diesem Sonntage in üblicher Weise von den Stationen und lTiederlegungs Srellen abzuholen. Verlag des Gießener Anzeigers. Bayerische Tapferkeit. B e r l i it, 23. Dez. (Ctr. Bln.) Drei Unterosfiziere und fünf Schützen vom 12. bayerischen Reserve-Jnfanterie-Regi- ment, die als Schildträger, Deckungs- und Handgranaten- schützen geholfen haben, einen französischen Schützengraben zu nehmen, sind durch, einen besonderen Tagesbefehl des Divisionsgenerals belobt worden. Der Infanterist Knittel, der als Schildträger eine besonders gefährdete Stelle deckte, hat mit dreizehn Schüssen im Leib bis zum letzten Rest seiner Kräste ausgehalten; er wurde dann bewußtlos sortgetragen und ist im Lazarett gestorben. Der französische Graben war 800 Meter lang und von sünshundert Turkos besetzt. Dreimal liefen die Bayern Sturm gegen den Graben. Ter Unteroffizier M e n a ch e r trieb dann nachts gegen den feindlichen Graben einen Stollen, schlug die Wand durch und warf mit sechs Mann so viele Handgranaten in den Graben, daß der Feind in völlige Verwirrung geriet; die Bayern warfen dann noch Handgranaten unter die Fliehenden. Stellenweise mußten sie förmlich über Tote wegtlettern. Vierhundert tote Turkos, sowie drei Schwerverwundete lagen nach der Räumung im Graben; drei Unverwundete wurden zu Gefangenen gemacht. Die Bayern hatten nur geringe Verluste. Der Unterosfizier Menacher ist später in anderen Mmpfen gefallen. Weihnachtsgabcn für die deutschen Kriegsgefangenen in England. London, 23. Dez. (W.D. Nichtamtlich«.) Bisher sind 12000Weihnachtspakete für die deutschen Kriegsgefangenen in England eingetroffen. Eine englische Geschmacklosigkeit. London, 23. Dez. iWTB. Nichtamtlich.) Die „Times" schreibt: Zur Unterhaltung der brüischen Truppen an der Front während der Weihnachlszeft ist am Sonntag morgen eine englische ßkonzertgesellschaft zum Kriegsschauplatz abgegangen. Aus Frland. London, 23. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Polizei und Militär haben von der Libertyhall in D n b l i n, dem Hauptquartier der Anhänger Larkins, eine große Flagge entfernt, ans der die Worte standen: „Wir dienen weder dem König noch dem Kaiser, sondern Irland." Ein norwegischer Dampfer gesunken. London, 23. Tez. (WTB. Nichtamtlich.) Nach einer Lloydmeldung ist der norwegische Dampfer „B o st o n" in der Nordsee aus eine Mine gestoßen und gesunken. Aur dem Reiche. Die Arbeitslosigkeit im Buchbruckgcwerbc ist der Gegenstand einer Eingabe, die die beiden größten Arbeitgeber- und Arbeitnehincrorganisationen dieses Gewerbes, der Deutsche Buchdrnckervercin und der Der b'a n^~T> er Deutschen Buchdrucker, an alle Regierungen des Reiches, an die Komnrunal- und Staac-b - Hörden, sowie an die großen Korporationen gerichtet haben. An Hand eines übersichtlichen statisttschen Materials wird in der Eingabe der Beweis geführt, daß unter den gegen wärtigen Kriegsnöten das hoch entwickelte deutsche Buch drilckgewerbe mit am allerschlimmsten leidet, und daß die Ar b e i t s l o s e n z i fs e r in dem Gewerbe erschreckend hoch ist. Deshalb geht die Bitte der genannten Organisationen dahin, daß behördlicherseits jede Beschränkung in der Beauftragung behördlicher Truckarbei ten unterbleibt, und daß, soweit irgend angängig, Truck sachen jetzt in Arbeit gegeben werden, deren Ausftihrung sonst vielleicht erst in späterer Zeit bewirkt worden wäre. Au» StaSt unv Land» Gießen, 24. Dezember llN4. Weihnachten im KricgSjahr. Me, seit die Erde Menschen trägt, ist die Ordnung alles Irdischen mit so furchtbarer Gewalt in ihren Grundscsten gepackt und erschüttert worden, wie in der Zeit, die wir erleben. Niemals haben die Völker den Willen zur Vernich tung so entsetzlich klar wider einander erhoben. In Jahrtausenden haben die Schlachtfelder nicht so viel Herzblut getrunlen, wie cs jetzt geschieht, nie türmten sich die höchsten menschlichen Empfindungen, nie aber auch das Setö so riesengroß gen Himmel. Als ob die Erde aus ihrer ewigen Bahn gerissen werden solle, so donnern in Aufgang urrd Niedergang die schlachten, und wo Menschen wohnen, bebt in wilden Zuckungen ein einziger Kramps. Die Welt brennt und rast in Fiebergluten ... In die Flammen des Weltbrandes fällt der milde Schein der Weihnachtskerzen. Wieder hallen vom Turm die Weihnachtsglocken, wieder hat der winterliche Wald grüne, harz • duftende Kinder in die Wohnungen der Menschen gesandt. Wieder wurde es Weihnachten. Der größte Kampf der Menschheit hat seinen Gipfel erreicht um die Zeit, da wir sonst das Fest des Friedens feiern. Riesengroß ist die Sunime des Leids, die Tausende an dem Tage, den man sonst ein Fest der lauteren Freude nennt, ertragen müssen. Die Kanonen brüllen Tod und Vernichtung. Und die Glocken singen: Friede den Menschen auf Erden! Wann klang das Hohelied des Lebens in schneidenderem Mißklang? Viel Väter, die fröhlichen Gesichts sonst den Tannenbaum ins Haus trugen, schauen diesmal von der Freude nichts. Fern der Heimat liegen sic erschlagen. Viel Mütter, die in Weihnachtsfreude sonst Kerzen und Tand in grüne Zweige hingen, lassen die Hände im Schoß ruhen und denken der Vergangenheit, die nie inehr kommen mag. Biel Kinderhcrzen könneir nicht iroh werden, seh» sie Mütter und Geschwister weinen. Uno die Glocken klingen: Den Menschen ein Wohlgefallen. Weihnachten und Kr:ieg! Ein grauses Rätsel. Aber mackst Euch die Mühe cs zu lösen, denn die Lösung ist herrlich und gibt Halt und Richtung, wenn die Seele am Lauf der Dinge irre werden möchte. Engelstimmeit jubeln die Geburt des Gottmenschen. 'Nie eröffnet sich der Blick aus ihn weiter und herrlicher, als vonr heiligen Soll der Pflicht, von deil Gütern des Herzens aus, um die man freudig sein Leben geben darf. Mitten im Endlichen eins werden mit dem Unendlichen, das erlöst uns von den Fesseln niederer Natur, lehrt uns das Vertraue», daß das Wirrsal, das wir Menschlein Weltgeschichte nennen, einer höheren Leitung untersteht. Das ist ChristuSglaube, daß wir Gott suchen sollen, auch ans Dornenwegen, daß er ewig neu geboren werden soll im Herzen. Und Weihnachten ist der der Tag der Geburt des Herrn..... IDer Krieg hat unser Volk wie mit einer eisernen Unv klainmcrung zusammen angeschmiedet. Im gleichen Schritt und Tritt sind Millionen, die früher im Mißverstehen und Parteihader an einander vorbeigingen, in den heiligen Kamps gezogen. Brudergesinnung ist an die Stelle des inne ren Zwistes getreten. Ist es nicht dasselbe, was (tue Weil» nachtsbotschast verkündet? Weiht sie nicht den Bruderbund der Deutschen durch, die Lehre, daß wir eines Vaters Kinder sind ? Freilich, an den Grenzen eines Volkes macht sic nicht Halt. Und das Schmerzliche an diesent Weihnachtssest muß dem Bekenner eines solchen Glaubens sein, daß die Völker der Erde sich iwch nicht zu dem Reiche echter Menschlichkeit gerungen haben, dessen Königsgeburtslag wir in der heiligen Nacht begehn. Daß der Weltkrieg uns diesen tiefen Schaden empfinden läßt, ist auch ein Geschenk des diesjährigen Festes. Frieden auf Erden. Nach fünf Monaten des Krieges mag es manchem kaum noch faßbar sein, daß einmal wieder Frieden kommen muß. Dennoch: Es dämmert die Erkenntnis, daß es so nicht meiner gehl, daß der Gipfel des KriegP sührens überhaupt erreicht ist, daß die Erzieher von hunl- derten Millionen der übrigen Menschheit sich nicht weiter zersleischen dürfen, daß vielleicht der ewige Friede unter den Menschen doch nicht nur ein Traum ist. Und das heilige Licht, das voin Wunder der Weihnacht aüsgeht, malt aus dem finsteren Grunde des Kriegsgewitters einen siebensarbil- gen Bogen: Es muß doch wieder Helle werden. So wächst die Bedeutung der Weihnacht riesengroß über den scheinbaren Widerspruch zivischen ihr und dem Völkcv- krieg hinaus. Mit ehernem Meißel gräbt sie die Worte vom Gott in der Höhe und dem Menschenfriedcn in die Herzen, wo sie im Mltag zu verblassen drohten. Aber gleichzeitig zündet sie die milde Flamme der Hoffnung an. Wenn heute in Stadt und Land die Klänge der Glocken ihre Schwingen breiten, wenn der Weihnachtsstern vielen Tausenden Daheim- gebliebener den Gang zur Christmette weist, toenn der Christ bäum seinen zaubervollen Glanz ausstrahlt, dann möge in deutschen Landen der Friede in wunde Herzen einkehrcn und die Zuversicht auf den anderen Frieden, den große», herrlichen, um den unser Volk kämpft, lebendig werden, den Frieden, den in der Christnacht die Engel denen künden, die eines guten Willens sind. Heiliges Land. Lichtweiß die beide wie ein Weihnachtstraum, Als streite sie des Christkinds goldner Saum. Ter Nordwind dämpft de» gelle» Schmerzdiskant, — Wo Kömpter schlaft», da Hl heilig Land. Und rausmend wird sein Lied wie Harftnscmg, Ein zitternd Amen nach dem Schlachtenklang. An stifte» Hügeln. flockenlind belät. Kniet Irene Liebe dankbar im Webet. Trant bliyt durch dunkles WlaS am bimmelSranm Der Sternenglanz von» WeitenweihnachtSbanm. Feststift die beide. Weihnachtsweiß das Ried, Um beldengräber harit ei» SiegeSlied, — Und auS der wtnterweite» Einsaniteik Grüßt Weihnachissncde lerne» Weihiiachtrlcid. Sophie Nebel von Dürkheim. «Inf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.) KrirgSsr-iw. Lehrer Robert Will». Busch, Res.-Jns.-Rgt 222, aus Endbach «Biedenkopf). — Vizeseldw Chemiker Dr. Richard Hol schuh, Rei.-Jni.-Regt. 221. aus Pfungstadt. — Unttroff. Erich Walter. Res.-Jnf.-Regt. 221. ans Worms. — Utss d. Res. Lehrer Fritz Thomas, Res.-Ins.-Regt. 221, aus SIB- seld. — Kriegssreiw. Georg Dauster, Jns.-Regt. 87, aus Homberg a. d. Ohm. — Res. Konrad Rieth, Jns.-Regt. 88, aus Hanau-Kesselstadt. — Ers.-Res. Lehrer Anton Trautmann, Res.-Jns.-Regt. 222, in Budenheim. — Res. Wilh. Stumpf, Jns.-Regt. 1l8, aus Flonheim. — Kriegssreiw. stud. ing. Alfred Michel, Res.-Jnf.-Regt. 222, aus Mainz. — Landwehrmann Friedr. Borngässe r I., Landw.-Jnf.-Rgt. 116, aus Schwads bürg. — Ers.-Res. Willi Alles, Jns.-Regt. 116, ans Osseir- bach a. M. —> Unteross. der Landw. Gustav Sperling, Bahr. Res.-Jnf.-Regt. 1. aus Offcnbach a. M. — Ers.-Res. Karl Gerhardt, Res.-Jnf.-Regt. 1l6, aus Osfenbach a. M. — Ers. Res. Heini, dldols Siegel. Jnf.-Regi. 168, aus Lssenbach a. M. — Landwebrmann Gottlob Keller, Res.-Jnf.-Regt. 116. aus Osfenbach a. M. — Willy Hein, Res.-Jnf.-Regt. 221, aus Tarmstadt. — .Hauptmann Earl pon Moritz, 25. Res.-Art -Regt, in Darmstadt. — Kriegssreiw. sind. mach. Günther S ch e e r , Res.-Feld-Art.-Regt. 25, aus Darmstadt. — Vizefeldwebel Tipl.-- Jng. Dr. Phil. Friedrich Mayer, Land«.-Ins.-Regt. 116. — Ers.-Res. Tipl.-Jng. Wilh. Dein. Jns.-Regt. 136, aus Darm- skadt. — Res. Friedrich Mendel. Ins-Regt. 115, aus Gries heim. — Res. Johannes Töll, Res.-Jns.-Regt. 168, aus Alten- schlirs. — Res. Cieora Serbert, Res.-Jns.-Regt. 116, aus Altenschlirf. — Kriegssreiw. Robert Rumps, Res.-Jäger-Batl., Marburg. — Landwchrmann Wilh. Stahl.^Landwehr-Brig.- Ers.-Batl. 41, aus Hcrborn. — Unteross. Joh. Schott, Landw. - Jns.-Regt. 87, aus Qucck. » ** Feiertagsarbeit für Militärlieferun- gen. Wie uns amtlich mitgeteilt wird, ist es erwünscht, daß in den mit Heereslieserungen beauftragten Privatsabrrken der Betrieb während der Feiertage möglichst 'wenig ruht. Tie Militärbetriebe arbeiten am zweiten und dritten Weihnachtsfeicrtag und am Nachmittag des Neujahrstages. ** Eine Weihnachts spende unseres Ersatzbataillons. In vielen Häusern wird das Ersatzbataillon des Jasanlcrie-Rcgimcnts 116 in diesem Jahre sür eine Weihnachts- srcude sorgen, wo die, denen diese Ausgabe sonst oblag, unter den Fahnen des Regiments den Heldentod gestorben sind. Am Christmorgen wird manche Familie eine Sendung des Bataillons in den Händen halten, aut der zu lesen steht: .Liebesgabe des Ersatz-Bataillons des Jns.-Regts. 116, hcrvorgegangcn aus einer Sammlung unter den Offizieren, den Untcroifizieren und Mannschaften des Bataillons, um dürftigen Hinterbliebenen von gefallenen Angehörigen des aktiven, Reserve- und Landwehrregiments und des 1. Bat. des Jns.-Regts. 222 eine kleine Wcih- nachtssreudc zu bereiten/' — 11 eher 2 200 Mark waren jusamnicngcbracht worden, mit denen über 300 Bittgesuche Berücksichtigung finden konnten. ** Ausländer. In unserer Stadt halten sich zurzeit etwa 120 Angehörige des feindlichen Auslandes auf, und iroch täglich verstärkt sich deren Zuzug infolge der AufcnG daltSbeschräukung der Leute. Die übergroße Mehrheit der Fremden besteht aus Russen, der Rest auS Engländern. Die meisten von ihnen wohnen schon lange Jahre in Deutscheland und sind harmlose Menschen, welche den Kriegszustand bitter empfinden. Sic unterstehen der polizeilichen Kontrolle und müssen sich täglich auf dem Polizeiamt melden. ES ist ihnen untersagt, daS Theater und abends unsere Cafes zu besuchen, und es ist ihnen ancmpsohlen, sich möglichst unauffällig in unserer Stadl, die sic ohne Erlaubnisschein nicht verlassen dürfen, zu bewegen. Bisher kann man wohl mit Befriedigung sagen, daß die Ausländer bei uns niemand lästig gefallen sind und sich bestreben, sich in ihre Lage zu schicken. ** Weihnachtsbescherung unserer Verton» deten. Gestern nachmittag Mgen 5 Uhr fcrirdeu in den meisten Lazaretten unserer Garnison die Chwist- bescherungen statt. Wir hatten Gelegenhett. einer dieser Feiern im Reservelazarett II. in der alten Klinik beizuwohnen. In den beiden Etagen, die für die Berwundeten zur Verfügung stehen, hatte man auf den langgesttecktcn breite» Korridoren in 4 Abteilungen den Festabend hergerichtet. Die Aerzte mit ihren Damen, die Schwestern und die freiwilligen Pflegerinnen hatten sich eingesunden. Mit Tannengrün und unseren Christhäumen war ,ede Abteilung schmuck und würdig hcrauSgeputzt. Stimmungsvoll wurde die Feier, in jener Abteilung, der wir beiwohnten, von einem Damcnchor unter Begleitung der Guitarre mit dem WeihnachtSliede „O du fröhliche" eingeleitet, worauf Pfarrer AuS fei d das Evangelium der frohen Botschaft verlas. Anknüpfend an das Wort „Friede auf Erde»" hielt der Geistliche eine warm empfundene Ansprache an die im Kampfe verwundeten Krieger, worin er auch der Kameraden gedachte, die draußen im Schützengraben vielleicht auch am heiligen Abend kämpfen und streiten müssen für das Vaterland. Ein WeihnachtSlied deS Franenchoi.5 und das mit tzarmoniebeglettung gemeinsam gesungene Lied: du stwhliche" bildete den Schluß dieser Feier. Tann ging es an die Verteilung der Gaben, die recht reichlich ausgefallen zu sein schienen, denn man sah bei den beschenkten Feldgrauen nur vergnügte Gesichter. — Die übrigen Feiern in der alten Klinik, wie wohl auch in den übrigen Lazaretten unserer Stadt bewegten sich rn der Hauptsache im gleichen Rahmen Ein Teil der Verwundeten, deren Zustand eine Reise in die Heimat ohne Bedenken vertragen konnte, wurden über Weihnachten beurlaubt, um das Fest im Kreise ihrer Lieben daheim verleben zu können. ** Soldaten heim. Im Anschluß an den Aufruf im Gießener Anzeiger vom 22. Dezember und an die heutige Anzeige machen wir aus den am 4. Januar 1915 im großen Hörsaal der Universität stattfindenden Vortragsabend von Herrn Karl Höcker-Friedberg und Herrn Willy Werner Gü tlig aufmerksam. — Da die Universität den Hörsaal in entgegenkommender Weise zur Verfügung stellte und Herr Buchdrucker C. Reinecke die EintriltSprogramme unent- oeltlich anfertigte. konnte der Eintrittspreis auf nur 3 0 Pfg. festgesetzt werden. ES ist somit jedermann Gelegenheit gegeben, sein ^cherslein dazu beizutragen, den Verwundeten ein gemütliches Plätzchen zu schaffen. Der Erlös soll zugunsten einer kleinen Bücherei Verwendung, finden. t „. . — Bei den DerkaufStagen. die das Gr eß«n«r Fröbel-Scminar zum Besten des Roten .Kreuzes und der Kriegssürsorge veranstaltet wurden, gingen 315 Rt. -US Reinertrag ein. — Der Kricgskindergarten beging am vergangenen Sonntag sein Wcihnachtjfrst. Tie Kinder marschierten nlid spielten unter der Leitung von Frt. Schmalbach, einer früheren Schülerin des Gießener Fröbelsemmars. Nachdem ihnen di: Wcih- nachtsgeschichtc dem kindlichen Verständnis enlsvrechcnd erzähl! worden war, sangen die Kleinen ein Weilinachtslied nnü nahmen dann die kleinen Gaben in Empfang, die das Christkind für sie unter den brennenden Baum gelegt Halle. Mit Stolz brachten sie alsdann den Müttern die von ihnen selbst angeserligten Acihnachtsarbeitcn. — Diejenigen, die die Entwicklung des Kriegskindergattens milerlebt haben, werden init Freuden bemerkt haben, wie große Fortschritte die Kleinen körperlich und geistig gemacht hüben. Daß der Kriegs- lindergartcn talsächlich ein B e d ü r f n i s der Zeit und der Verhältnisse war, zeigt die große Zahl der Kinder, die ihn besuchen, waren es doch über IM. ** DaS Musterungs- und Aushebungsgeschäft 1915 betrifft eine im Anzeigenteil der vorliegenden Nummer enthaltene Bekanntmachung der Ersatz-Kommission des Kreises Gießen. ** Sin größerer Transport Gefangener etwa 4M Mann, für daS Gefangenenlager traf gestern eii und wurde an der Sieckicnanstatt (oberhessische Strecke ent laden. — Die Silberne Hochzeit begehn am kommende! Sonntag die Eheleute Michael Heidmann und Fiat, geb. Jost, Schüyenstraßc 13. ** Der Tierschutz verein Gießen hat entgegen einen Gepflogenheiten dieses Jahr von der Verteilung von Prämien und der Beschaffung von Tierschutz-Kalendern Abstand genommen. Dadurch wurde er in die Lage versetzt, die hierdurch erzielten Ersvarnisse in Höhe von 1000 Mark in zwei Raten von je 500 Mark der Kriegssürsorge zu- sühren zu können. Er hofft damit den Zeitverhältnissen end- vrechend gehandelt zu haben und die Zustimmung seiner amtlichen Mitglieder zu finden. Kreis Lauterbach. A Röthges. 24. Tez. Zinn Oifizier-Stellver- treter befördert wurde der Feldwebel Moll von der 8. Kom- vagnie der J»s.-RgtS. 18, Inhaber des Ehernen Kreuzes. Gictzencr Strafkammer. th. Gießen, 22. Dez. Wegen Betrugs Irarde der Auslänsec Georg S. M. von Vilbel, der bereits vorbestraft war, zu 5 Monaten Gefängnis vcrutteilt. Er hatte seinem Prinzipal einen singictten Auftrag von einem Kunden auf einen Sack Salz überbracht, den er diesem dann übcrbringen sollte. Er hat jedoch die Ware zu Geld gemacht und den Betrag zum eigenen Vorteil verwendet. Einen Einbruchsdieb st ahl bei einem Wirt in Uetzhausen hat der t7jährige Zwangszögling Joses B. von Neuiurdshöfc ausgeführt, bei dem ihm außer Lebensmitteln Kleider uiw. in die Hände fielen. Der junge Mensch, der vorbestraft ist, war aus der Gegend von Fulda seinem Pslcgevalcr durchgegangen und wurde in der Gegend von Erfurt wieder festgenommen. Unterwegs dahin hat er in Uetz- hanscn dem Witt einen Besuch abgestattet. Tie Kammer erkannte auf 6 Monate Gefängnis. Vergehen gegen das Gesetz betr. die Höchstpreise. Ter Kaufmann S. R. von Gießen mar angeklagt. Kartoffeln zum Preise von 6,50 Mark ab Bahnhof vro Matter verkauft zu haben, während als Höchstvreis für beste ausgelesenc Speise- kattoffeln frei Keller vom Oberbürgermeister der .Höchstpreis auf 6,50 Mark festgesetzt tvar. Nach dem Gutachten des Sachverständigen soll es sich aber auch um keine Spcisekattoffeln. sondern um ernc geringwertige Ware gehandelt habev. Ter Angeklagte, der Mitinhaber einer Toppelfirma ist, erklärte, daß er von dem Kartoffelverkauf im einzelnen nichts gewußt hat, denselben mich, als er davon erfuhr, und dir Abnehmer sich wegen der. mangelnden Qualität der Ware beschwerten, den Verkauf untersagt hat. Er stellt in Abrede, mft dem in Rede stehenden Handel persönlich etwas zu tun gehabt zu haben, weshalb man ihn auch dafür sttafrechtlich nicht zur Verantwortung ziehen kann. Ter Gettchtshof hielt die Sache nicht für genügend ausgeklärt und verfügte die Rückgabe der Akten an die Staaisanwaltschast zur wetteren Ermittlung. BilligesObst verkauften der Schlosser Franz F. und der Arbeiter Ehr. Sch. am 12. November in Gießen. Tie Angeklagten sind beide 20 Jahre alt und bereits mehrfach vorbestraft. Ter dritte Beteiligte bei diesem Handel, der Bäcker Heinrich K. von Gießen, war bisher nicht aus- znsindcn. Ter Angeklagte F. war längere Zeit dem Obst- und Gemüsehändler H. von Frankfurt a. M., der in Gießen die Wochenmärkte besucht, und zu dem Zwecke der Spttchcrung seiner Obstvorräte einen Keller unter den Markllauben gemietet hat, als Ar beiter bei seinem Handel behilflich. Er war geständig, mit den beiden Genossen die Obstvorräte des Händlers, nachdem er das Schloß aufgebrochen, geräumt zin' haben. Ter Genosse Sch. habe, ivisscnd, daß cs sich um die Ausübung eines Diebstahls handelte, die Körbe voll Obst ans dem Keller mit forttransportiert, während K. als Obstverkänfer das gestohlene Gut hei der Kundschaft verhandelt hat. Im ganzen sind sür die Lbstvorräte zirka 50 bis 60 Ml. erlöst worden, die das Kleeblatt unter sich geteilt hat. F. bezichtigt den Bäcker K. als denjenigen, der ihn zu dem Ticb- stahl angestiftct. Ter Mitangeklagte Sch. will von seinem Kameraden nur ausgesordert worden sein, das Obst mit zur Kundschaft zu schassen. Er hat diesem früher öfter Obst zur Kundschaft tragen sehen und geglaubt, er sei Obsthändler oder wenigstens der Vertreter eines solchen. Als Arbeitslohn habe er für den Zentner, den er mit fottgeschasst. 2MI erhalten und bestreitet, daß er gewußt Hai, daß es sich um gestohlenes Obß handelt. Ter bestohlene Obsthändler crklätt, daß er an demselben Tage, wo der Tiebstabl ausgesührt wurde, nachmittags im Keller war, in welchem mindestens für 150 Mk. Aepsel und Birnen gelagert hatten. Ter Keller war von den Vorräten, Wie der Zeuge sich ausdrücktc, blitzeblank, cS war alles gerännii. Die Sttaikammer hielt beide Angeklagte des gemeinsamen Einbruchdiebstahls für überführt und erkannle unter Zubilligung nriloernoer Umstände gegen F. auf 4, gegen S-ch. ans 3 Monate Gefängnis unter Anrechnung von einem Monat der erlittenen Untersuchungshaft. Beide Angeklagte erklärten, sie wollten nach Verbüßung der Sttafe unter die Soldaten geben und mit in den Krieg ziehen, darum wollten sie das Utzteil anerkennen. lHossenilich ist bis zur Verbüßung der Strafe der Welt krieg zu Ende. D. B.) üatt&el. Von der Reichsbank. Berlin, 23. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) In der heutigen Sitzung des Zcntralausschu sses der R ei chs ba n k führte Präsident Häven stein folgendes aus: Das deutsche Wirtschaftsleben ist in den letzten Atonalen immer mehr wieder in normale Bahnen eingelenkt, die wirtschastlicki« Arbeit hat sich immer weiter organisiert und den veränderten Verhältnissen angepaßt. Ter Beschäftigungsgrad hat im ganzen, wie auch in den meisten Berussgruppen, erheblich zugenommen und untcr- scheidtt sich überwiegend kaum noch von Friedenszeiten. Ter Geldmarkt weist eine bereits seit längerer Zeit anhaltende Gotdslüssigkeit aus, und die Tepojtten der Banken, wie die Einlagen der Sparkassen sind trotz der ihnen für die große Kriegsanleihe entzogenen Bettäge wieder in ec freu schein Wachstum begriffen. Tas alles läßt im Verein mit den neuen Erfolgen unserer Heere, die die Sorge wegen der Möglichkeit eines vorübergehenden feindlichen Einbruchs in die deutschen Grenz- landc hoffentlich endgültig gedanm haben, unsere Zuversickn aut einen glücklichen Ausgang des Weltkrieges und die Ueberzeugung des deutschen Volkes, daß wir auch sttrookziell rmb wirtschaftlich sür jede Tauer des Krieges gerüstet sind, nur immer fidicrct und fester werden. Ter Stand der Reichsbank ist durchaus befriedigend: ihre Aklionskraft ist dank dem in immed weitere Kreise dringenden Verständnis für ihre Bedeutung und chre Ausgaben^und dank der durch unser ganzes Volk gehenden Mitarbeit an der Stärkung rhrcs Goldbestandes von Woche zu Woche und ohne jede Unterbrechung gewachsen, und bei den großen Goldmengen, die noch) in Prtvat- händen sind, und da der wöchentliche Zustrom an Gold bisher noch nichts weniger als abgenommen bat, dürfen wir die Hoffnung hegen, daß diese Stärkung sich auch noch weiter sortsetzen wird. Tie Inanspruchnahme der Reichsbank durch den Verkehr auf Wechsel- und Lombard-Konto ist nicht höher und, wenn man die privaten fremden Gelder davon abrechnet, sogar niedriger, als wir sie in manchem der letzten zehn Jahre gesehen haben. — Diese ganze Gestaltung der Verhältnisse läßt, zumal die Börse geschlossen ist, erwarten, raß auch die Ansprüche zum Ultimo sich innerhalb erträglicher Grenzen Hallen werden. Wir glauben deshalb, trotz des nngewöhnlicheii Zeitpunktes, er deutschen Wirtschaftsarbttt nunmehr eine Erlcichterun- md >veiterc Hilfe für das Ucberwiegen der aus dem Kriege 'rwachsenen Schwierigkeiten bieten zu dürfen, vertrauen aber, >a die Tauer des Krieges nickst zu übersehen ist, irnt» erne besondere und zielbewußtc Schonung und Zusammenhaltung unserer Kräfte vielleicht »och lange nötig sein wird, auch daraui, daß kiese Maßnahme nur in diesem Sinne verstanden uub nicht zum Anlaß werden wird, irgendwie eine svckulative Ausnützung der Miltct und des Kredits der Reichsbank zu versuchen. Für Geschäfte und Bestrebungen, die nicht oer wirtschaftlichen Arbeit des deutschen Volkes und dem Ziel« dienen, alle Kräfte für die rückhaltlose Durchführung des Krieges zujaminenzufaiscu, ist heute und noch sür lauge Zeit kein Raum, und ihnen würde die Reichsbank es unweigerlich versagen und mit aller Kratt entgegentreten. —- Aus diesen Erwägungen heraus hat das Reicksbank-Tircktorium beschlossen, den Banksatz um ei» Prozent aus fünf Prozent h c r a b z u s c tz e n...... Ter Zeittralausschuß erklärte sich hiermit eftistimmig rai- verstandcn 7 — Berlin, 28. T-z. führende: 35 Herren ehemaliger Kill ärmnsiker nnd sonstige KriUte. Direktion: Der Grossherzogliehe Musikdirektor a. □. Herr C. Kranke. 125001) Infang naohmitlnoN 4 Ihr. 4 intritt .">0 Pfg. uO Verwandele wind Gisie. "DK | Hier- und WeiDwirlsohall „Metropoi“ : Für die Feiertage bringe meine Lo- i kalitäten in empfehlende Erinnerung ! Gnte Biere. — Reichhaltige Speisekarte. t 1 '2578 Max Jaskowsky. Rheumatismus-, Ischias- und Gichtleidende nehmen die glänzend bewährten Petrin - Tabletten Name gesetzlich geschützt 9651 nerkannt beste* ülttel, da vollständig nnschäd- lieh, ohne jegliche Nebenerscheinungen und sicher wirkend. — Zn haben In aiien Apotheken. NB. Patienten wird Rat nnd H.lfe erteilt Bloltkestrasse 7. Morgen» 9—11. mittags 3- 5 Uhr. I Wc Vmui muß mißm ^ ttftt man müj nnfathen eme jrtinrnch- tydfrijaimgr Bratm-Smur mnirnt * Würjrl "bns Sftuk st 10 ptü.hinmrVnti ffir 6*8Jkrl'tmrn - Zrrklnncrt btn Würfel uni hdh bir - Ohne uvt^e Tub-ren,gleteb von Benin« uh . mit dem üra^enjL-^)ci) mitjiljmorm ^ ftur «kt mir nftnofridiulimoikc. . -f)i«- übanll zu haben. 1Badien5ie «nea-öcrfuch. Cum-Verein von 1846 Giessen CurneriHi Hilldit und [tili, dem Crnit der Zeit anpepafst, findet om 2. Feiertag, nadimitlags ‘i,5 Uhr, in der Cum* halle der Stadl-Knaben- TiTpjhnfl.'flfc .Ppfpr fdiule tflotd-Bnlage) eine «VCiIIIIUUIIj * CIvI mit Befdienkung der Zugendturner tiatt. Dorbleflinaen • Nnlpracke, Stabübungen der SdiQler, 5 Boditurnen dcrSugendturner, Dortrag des Beim Prol. völzlag, Barrenturnen der Sdtüler, Prolog, Flaggenreigen, Siabulndübungen der Sugendturner, Pferd- turnen der Schüler, SeliJienhoerleilung. Wir laden hierzu unlere Mitglieder, die eitern unterer Corner, fowle Freunde der Curnladre höllidilt ein. DER PORSTEUID. Sliifriif! vunbevttnuienbc deutscher Krieger haben wahrend der lehren Wachen und Manaie aus der Weife »um Sittichen Krieasschauvlay ader verwunder und krank »uriiekkehrend die Pravin»ialhauvl»ad> Posen berührt. Sie alle »u ersrischen. bic Verwundeten »„ uflegcii, die Mranfeit »u starken, bat bas Rote Streu» ber Stabt Menschenmöglichstes getan. Frauen und Mädchen aller Stände sind bei dem Licbes-werk tätig, und reich sind ans Stadt und Land die Gaben gerlosten. Aber die LeisiungSsähigkeil der Grcnz- bevälkerung ist nicht unerschöpflich. ,-swar wird es auch ferner möglich sein, die burch»iehenden Tapferen mit sreund- lichen Gaben »u enrpsangen und »u erfrischen. Es fehlen aber die Mittet, auch bei der Beförderung der Berwundeien auS den naben Schlachisetderii »u Helsen. Ein Herzenswunsch Bieter! Denn ein guter Transvotl ist halbe Genesung. Die Ausrüstung eines HilsölazaretlHUgeS taflet rast 100(DO Mark! Darum wenden wir uns an Euch, die Ihr fern von den Schrecknissen des Krieges wahnr. Helft uns, den Brüdern, die im Oben geblutet haben, den Weg zur Heimar erleichtern! Auch Eure Söhne sind vielleicht darunter. Wir bitten herzlich, Gcldivcndrn einzuzahteu auf das Girakonia des Mabll- machungsausschuües vam Raten Kreuz der Siadl Posen bei der Rcichsbank Hanoi stelle in Posen oder durch Postanweisung au den Modilmackungsausschuh vom llloicn Kren» in Posen. Auch kleine Beiträge sind hochwillkommen. Aber auch warme Uiiicrsachen sind äufterit willkomnien: denn die aus dem Felde Burückkebrenden sind oft des Notwendigsten beraubt. Annahmestelle für Liebesgaben MobilmachungSausschust Posen, Paullkirchsir. 10, iAnstedlungskammissioni. Seine Erzellenz Herr Generalleldmarschall von Hindenburg har genehmigt, dah der Lazarertzug den Namen von Hindenburg erhält. Notes Kreuz Stadt Posen (Mobilmachungsausschuß) Frau von Stranv Geh. Medizlnalrat Professor Regierungsrar Garde geb. Frciin von Ende I»>-. Borchard Schrislsührer Garttn des Kamm. Generals Generatoberarzt und konsul- deS V. ArmeekorvS rierender Chirurg des XXV. Armeekorps Na in ensdesO st Heeres wunscheichderSammlungdenbe st en Erfolg. a e z . v o u Hindenburg, General- Feld in a r sch a 1 >. >124101) för die Feiertage kaufen Sie am besten und billigsten in der Spanischen Weinhandlung Bahnhofstr., Ecke Wolkengasse. Spezial-Weine für Kranke und Genesende. £rnft€hcillier Rudolph’s nacht. Siehen • neuenweg 6 • Tel. 671 j musikalien- u. Ql niusfhfnsfrumenfenßaus Grammophone Offizielle Oerliaulsitelle der DeutHien Grammophon- I Bktlen-Gelell(dielt Berlin I Pädagogium Neuenheim-Heidelberg. Seit 1895: 294 Einj., 182 Primaner (0. II. 7/8. Kl.) Pensionat ImKriegajahr all ein 4 1 Kinjährige u-IIPrimane r. s,«„88 I Heilinstitut für Beinkranke si Beingesehwtire.Beinflechten.Aderaentzündiing.PIattfnß | Spezialarzt Or. med. Franke Frankluri a. M„ Kaiserstr. 68, I [Unbemittelte ui Frsnsn tu Krlsfsrn kleines Honorar IJ IW Prima "MB Anthrnjit-». Niißkohltii llilion-n. öisormbriketts Brciinhlilj liefert prompt frei HauS J. HAPPEL Tel. 125 Mühlsirahc 18. Feddigroßrsssssl, Klappsessel, Liegestühle für Kranke, Kinder- 8tühle und Tischchen, Felle, Bettvorleger, Wolldecken für Soldaten, Tisch- und Divandecken, Klubsessel in Stoff u.Leder eigener Anfertigung, echte Perser Vorleger und Kunstgegenstände bedeutend unter Preis tiiekratt Asterweg 47 — Telephon 2005 Während derWeihnachtszeit ist derAus- stellungsladen Kirchenplatz 9 geöffnet. Magen-u. Darmstörungen verhüten: 12554ss Hellmichs Lebensbitter p. Fl. Mk. 1.40 von A. llellmlch, Dortmund. Weltberühmt, vielfach prämiiert, ärztlich empfohlen. Broschüren mit Gebranehsanvelsnnsen groll». In Gießen zu haben bet: Knnfnunn Karl Jckel, Dorbsrgar Str. 2 t. Giessener Paedagogium (Staatlich konzession. höhere Privatschule) Individuelle Vorbereitung in kleinen Kl issen IV1—Oll f. alle Prüfungen höherer Schulen, bcs. Einjährigen-, Abiturienten - Examen Arbeitsstunden unter strenger Aufsicht. Beste Erfolge. — Wiederholt bestanden Schüler ihre Prüfungen mit bedeutendem Zeitgewinn. Aufnahmen von Knaben und Mildeben jederzeit. Direktor Brackemann, Bleichstraße 6 [123391'»] Schnlstrasse Sanitätsbazar und Photohaus, Kriegsbedarf AI» passende Geschenke: PrUscrvnti vereine l.rncoplnsi in Rollen Kerzen Ilnrtspirit. n. Koeher Seifenpapier Schokolade Kaffee-, Tee-, Kakao- tnbletten Eormam in tt abletten Hustenbonbons Kondens. Milch i. Tub. Kognak and Rnm in Feldpackung Ronlllon-Würfel Phot. Tauchen-Apparate mit Zubehör Leibbinden Hrnnt-u. Knien* Urin er auch mit Katzenfell ge- fütt.geg. Rheumatismus I.uftklsscn Wasserdicht. Westen Wllrmeöfchen nnd Kohle Elektrische Taschenlampen m. Ersatzbatt. Einlegesohlen, grosse Auswahl Klosettpap.i.Fcldpack. bervorr. Frostichiitieremt. unentbehrlich für unsere Truvven im Felde. In Apotheken n. Drogerien. Orig.- Doie 50 Psg. IN8M Niederlage: Hirschavolbckc sowiettlermania .Kaiser- n. Kren,-Drogerie. Die Kameraden wcr- denpebeien, „ächsicu Sonntag, 27.Tczbr., abends 8 Uhr, im Bereins- lokal Hoiol Hrolkernog zu einem Weihnachtsabend recht zahlreich zu erscheinen. 12582v] Ter Ppritand. Maschinenbauer- Gesaiigverein. 2. Feiertag abend 8 Uhr tfiimilicnjuiliinmtnfiinft int BereinSlokai Haberkasten. Ü2556D nein Heil IN I. Feiertag -MI nadmnilags von 1 Uhr ab '^usanimenkunft bei Mttglied Seibrl. I1L75 ri-I vir.-. Hermann Strlngoetter. Freitag, den 25. Dez. 1014 < 1.Feiertag), abds.7' ,Ubr HletDePreiset Kleine Proton! Gnlschelao haben Gültigkeit. CoBberg. Historisches Schauspiel in 5 Akten von Paul Heyse. Ende 10V. Uhr. SamStag. d. 20. Dez. 1014 <2. Feiertag!, nachmittags Ubr Volha-Preiaal Volks-Prelee! Im weissen Ross! Lustspiel ln 3 Auszügen von Oskar Biumenlbai und Gustav Kadeiburg. Ende 5-/. Uhr. Abends 7‘/, Ubr: Kleine Preise! Kleina Preiset Neuheit: Neuheit: Als ich noch im Flügelkleide Ein fröhliches Spiel in 4Auszügen von Albert Kehm und Martin Frehsee. Ende nach 10'/. Uhr. Sonntag, 27. Dez. 10t 4 <3. Feiertag), nachmittags 3'/> Uhr: Volks-PreiseI Volks-Preis»! ♦ Kindervorstellung ♦ Aschenbrödel WeihnachtSkomödie mit Gelang und Tanz in 6 Bildern vvn C. A. Görner. Ende 6 Uhr. Abends 7Vi Ubr GewSbnI. Preise iermähigt) Wie einst im Mai Paste mit Gesang und Tanz in 1 Bildern v. Rudais Ber- nauer u. Rudolph Schanzer. Musik van Waller Kalla und Willn Bredi'dmelder. Ende 10'/, Uhr. Soldaten vom Feldwebel abwärts zahlen bei allen Borstellungen aus 2. u. 3. Parkett nur halb« Preise. (12568C