Nr. 299 Der fiiffctner Anzeiger erfcheint täfllicf), aufcet ©onntaqS. - Beilaqen: viermal wöcbenllich SledenerZamIliendlätter: zweimal wöchentl.Nreir- blattlLr-enNreirSiehen (Dienstag und Frcilnq): zweimal monatl £anfc' wirtlchastliche Zeirsragen Fernfvrcch - Anschlüsse: lürdieSchriltleitungllL Verlag,Geschäitsstelleöl Adresse ür die Tagesnunimer bis vorniillags 9 Uhr. Erster Blatt |64. Zahrgang Montag, 2t. Dezember Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Kotationr-ruck und Verlag -er vrffhl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei K. Lange. Schriftleitung. Seschästrftelle u. Druckerei: Schulstr. 7. tu \ u a 4 » rci »: monatl. 75 Vs., viertel- jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl 85 Pf.: durch dieVost Mk.2.— viertel- jochrl. ausirhl. Bestell^ Zcilenpreis- lokal 15Pi., answ. 20 Pi. — Haupt- schristlciter: Aug. Goey. Verantwortlich für Bei» polit. Teil: Aug. Goetz; sür .Feuilleton", .Vermischtes' und.Gerichts- saal": Karl dleurath: sür .Stadt und Land" : Otto Braun; sür de» Aiizeigenteil: H. Beck. Rückzugsgefechte der Russen. Kleinere Rümpfe im Westen. (©£33.) Großes Hauptquartier, den 19. Dez. vorm. (Amtlich). Im Wcsten erfolgten gestern eine Reihe von feindlichen Angriffen. Bei Nicuporft Bixschote und nördlich La Bassec wird noch gekämpsl. Westlich Len», östlich Lllbcrt und westlich Nohon wurden die Angriffe abgeschlagen. An der ostprcußischcn Grenze wurde ein russischer Kavallcric- angriff westlich Pillkallcn zuriickgcwicscn. I» Polen wurde die 33crsolgung sortgcschl. Oberste Heeresleitung. Großes Hauptquartier. 2V. Dez. vorm. (Amtlich.) Im Westen stellte der Gegner seine erfolglosen Angriffe bei Nieuport und Bischotc ein. Die Angriffe in der Gegend La Baisse, die sowohl von Franzosen als Engländern geführt wurden, sind mit großen Verlusten für den Feind abgcwicscn worden. 200 G e - f a n g e n e (farbige und Engländer» fielen in unsere Hände. Rund 600 toteEngländer liegen vor unserer Front. Bei Äkotredame de Loreil südöstlich Bethunc wurde ein deutscherSchützengrabcnvon60NletcrLänge anden Gegnerverloren. Verluste sind bei uns gering. In den Ar gönnen machten wir kleinere Fortschritte und erbeuteten drei Maschinengewehre. Von der ost- und wcstprrutzischcn Grenze nichts Neues. In Polen machten die russischen Armeen den Versuch. sich in einer neuen vorbereiteten Stellung am Rawka und Nida zu halten. Sie wurden überall angegriffen. Oberste Heeresleitung. Wenn örn Millionenheer geschlagen ist, so ist damit noch nicht gesagt, daß es vollständig in die Luft geblasen ist. Napoleon ist in der Völkerschlacht bei Leipzig gewiß entscheidend geschlagen worden, aber dennoch haben seine Truppen auch nach den drei Schlachttaaen noch einigen Ge- scchtswert gehabt. So ist es nicht überraschend, daß die riesige Russenwalze, die von unseren Truppen und denen der Verbündeten verfolgt wird, noch einmal stehen geblieben ist, um einen geordneten Rückzug zu ermöglichen. Wie weit sie dies vermag, müssen wir noch immer abwarten. Der in der heutigen amtlichen deutschen Meldung genannte Fluß Rawka mündet etwa 10 Kilometer östlich von Lowicz in die Bzura, wo die Russen von Hindenburg bekanntlich entscheidend geschlagen worden sind. Es ist anzunehmen, daß der Feind nach südlicher Richtung gedrängt worden ist, so daß er jetzt an dem erwähnten Flüßchen einen Berteidigungsstand einnimmt, der vielleicht den Rüchzug größerer Massen decken soll. Tue Nida durchfließt Südpolen von Norden nach Süden und mündet in den Oberlauf der Weichsel. Die Oesterreicher greifen aus der Front Zaviczyn« Krosno die fliehenden Russen an; sie sind also etwas über die frühere Kampffront Rajbrot-Biecz hinausgekommen. Auch in Galizien hat der Feind sich zu RüctzugAgefechten gestellt. So können wir uns den Ausführungen der amtlichen „Nordd. Allgem. Ztg" anschlietzen, die über die Lage im Osten erklärt: Das Endergebnis der gewaltigen Schlacht in Polen ist von hier aus noch nicht zu übersehen. Gleichwohl gewähren die amtlichen Berichte des deutschen Großen Hauptquartiers und des österreichisch-ungarischen Gencralstabes einen Ausblick aus die T r a g - weite der kriegerischen Geschehnisse, die sich gegenwärtig im Osten abspielen. Es bedarf keiner ins einzelne gehenden Angaben, um zu ersehen, daß in den weit ausgedehnten Gebieten von Nordpolen bis nach Westgalizien entscheidende Schläge gefallen sind. Die mit soviel Ruhmredigkeit angekündigtc russische Offensive gegen Schlesien und Polen ist nicht nur zusammengebrochen, sondern das russische Millionenheer, das zur Ausführung dieser Offensive angesetzt war, ist auf der ganzen Front zum Rückzuge getrieben worden. Das Ergebnis der weiteren Operationen kann ruhig abgc- wartel werden. • ♦ * Die letzten österreichischen Berichte. Wien, 19. Dcz. (W. B. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlantbart, 19. Dezembrr mittags: ttnsere über die Linie Krosno-Zakliczyn vorgerückten Kräfte trascn gestern neuerdings auf starken Widerstand. Auch an dem unteren Dunajcc wird heftig gekämpft. Die russischen Nachhuten, die an dem Westuscr des Fluffcs zähe standhieltcn, sind säst völlig vertrieben. In Südpolen kam cs zn Vcrfolgungsgcsechten. Der Feind wurde ausnahmslos geworfen. Unsere schon vorgestern abend in Jcdracsow (Andrcjew) cinge- drungcnc Kavallerie erreichte die Ridc. Weiter nordwärts überschritten die verbündeten Truppen diePilica. In den Karpathen ereignete sich — von kleineren für mserc Waffen günstig verlaufenen Gcscchtcn abgesehen — nichts. Die Aussalltruvpen von Przemysl rückten nach der Erfüllung ihrer Ausgabe, von dem Gegner unbclästigt, unter Mitnahme von einigen hundert Gcfangcnrn wieder in die Festung ci». Der Stellvertreter des Chefs des Gencralstabes: v. H ö f e r, Generalmajor. W i c n. 20. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlantbart: 20. Dcz. mittaas. In den Karpathrn wurden gestern die feindlichen Bortruppcn in dem Latorcza-Tal zurnckgeworfen. Nordöstlich dcs Lupko wer Passes entwickeln sich g r ü ff e r e K ä m p f e. Unser Angriff aus der Front Krosno—Zakliczyn gewann überall Raum. Im Bialla-Tal drangen unsere Truppen bis T u ch o n vor. Die Kämpfe am unteren Dunajec dauern fort. Die Russen haben sich somit in Galizien neuerdings gestelll. In Südpolen erreichten wir die Nida. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfcr, Feldmarschallcutnant. Wien, 19. Dez. (W. B. Nichtamtlich.) Nach Berichten der Kriegskorrespondcnten der Blätter, bic das Schlachtfeld von Limanowa besichtigten, haben die Kämpfe zur vollen Zurückweisung des Feindes ans Westgalizien geführt. Die österreichisch-ungarische Armee niachte 26000 Gefangene und erbeutete eine große Mxnge Kriegsmaterial. Die Verluste der Russen waren ungeheuer. Bei Limanowa allein wurden 1200 Gefallene gezählt. Die Verfolgung ist überall nachdrücklich im Gange. Die Bevölkerung kehrt in das von den Russen geräumte Gebiet zurück. Wien, 19. Dcz. (WTB. Nichtamtlich.) Das Armee- verordnungsblatt veröffentlicht die Ernennung des Stellvertreters des Chefs des Gencralstabes, Generalmajors v. Höfer, zum Feldmarschallcutnant. Ter Kaiser an die Großhcrzogin Luise von Baden. Karlsruhe, 19. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Tie Großherzogin Luise hat vom Kaiser folgeirdes Telegramm erhalten: Hindenburg meldet soeben, daß die russische Armee nach erbitterten Kämpfen vor unserer Front im Zurückgehen ist und von uns auf der ganzen Linie verfolgt wird. Wie sichtbar hat der Herr unfern heldenhaften Truppen beigestandcn. Ihm allein sei die Ehre! gez. Wilhelm. Tapfere Tcutschc in der Schlacht von Limanowa. Berlin, 21. Dez. Wie dem „Berliner Tageblatt" gemeldet wird, kam der nach dem wcstgalizischen .^ampsfclde ab - gezwcigte deutsche Truppenteil gleich nach seiner Ankunft in ein Gefecht. Unter der Mannschaft der betreffenden Regimenter befanden sich bis zu 6 0 P r o z e n t F r e i w i l l i g e. Diese waren, wie der Korrespondent des Tageblattes sagt, nicht zu halten und stürmten in der mehrtägigen Schlacht von Limanowa die von den Russen besetzten Abhänge von Mordarkar mit wahrer Todesverachtung. Die verwundet aus der Front gebrachten Deutschen genossen unterwegs liebevolle Pflege. In Saybusch beherbergte Erzherzog Karl Stephan die verwundeten deutschen Offiziere auf seinem Schloß. Die Verfolgung der Russen. Wien, 19. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Neue Freie Presse" meldet nach der „Gazette Krakowska" vom 17. Dez.: Der Feind wird Tag und Nacht unausgesetzt verfolgt. Unsere Truppen rückten heute in I a s l o ein. Nach Krakau wurden heute größere Abteilungen von Gefangenen gebracht, fast ausschließlich Polen. Sie gehören dem russischen Infanterieregiment Nr. 70 an. Mit Tränen in den Augen klagten sie über Hunger und brutale Behandlung seitens der russischen Offiziere. Berlin, 21. Dez. Das Vorrückcn der deutsch-österreichisch-ungarischen Truppen in Russisch-Polen vollzieht sich, wie dem „Berl. Tagebl." von dem galizischenKriegs- schanplatze gemeldet wird, bewundernswert exakt. Die österreichisch-ungarische Armee legte bis zu 50 Kilometer an einem Tage zurück, angesichts der russischen Winterverhältnisse eine staunenswerte Leistung. Das russische Geständnis. Petersburg, 19. Dez. (W. B. Nichtamtlich.) Der Bericht des Großen Generalstabes von gestern lautet: Auf dem linken Weichselufer ist fast aus der ganzen Front an Stelle der Angriffe, die der Feind mehrere Tage hindurch unternommen hatte und die wir alle znrückgewtesen haben, beinahe vollständige Ruhe eingetreten. Ich Zusammenhang mit der Bewegung eines Teiles unserer Truppen in der Richtung ans die Bzura und mit Rücksicht auf die immer noch andauernde Verstärkung der österreichisch-ungarischen Karpathen truppen mußten wir bestimmte Armeen'entspre- chend umstellen. Gestern hinderten wir die Offensive des Feindes in Westgalizien. Ans der Front Sanck-äfisko können lvir erfolgreiche Offensivoperationen feststellen, wobei wir 3000 Gefangene machten und mehrere Kanonen und Schnellfeuergeschütze erbeuteten. „Bewegungen eines Teiles unserer Truppen in der Richtung aus die Bzura", das ist der mildeste (freilich ängstliche und unwahre) Ausdruck für die entscheidende Niederlage des russischen Nordflügels! Mangel Rußlands an weiteren Reserven. Berlin, 19. Dcz. Die „B. Z. a. M." meldet ans Sofia: Nach russischen Zeitungsmeldungen sieht sich Rußland gezwungen, wegen Mangels weiterer Reserven dentz- nächst den Rekrutenjahrgang 1915 einzubcrusen. Bulgarien und die russische Niederlage. Sofia, 20. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Das Blatt „Kam- bana" bespricht die große russische Niederlage, und sagt: Die bloße Möglichkett eines Sieges Rußlands erregte ein Zittern bei allen Neutralen vom Süden bis zum Norden. Glücklicherweise sind die russischen Kerntruppen bereits besiegt. Damit entschwebt diese Gefahr. Besonders wir Bulgaren sind erfreut über die russische Niederlage, weil auch Rußland sich über das Unglück Bulgariens gefteut hat, und weil nunmehr das größere Hindernis sür die Verwirflichung der Ideale des bulgarischen Volkes beseitigt ivvrden ist. Der Zusammenbruch der russischen Armee ist nicht nur ein Segen für die ganze Kultuuwclt, sondern bedeutet auch eine Befreiung des russischen Volkes von den Ketten das Larismus. Bulgarisch-serbische Grcnzzwischenfällc. Sofia, 19. Dez. (WTB. Nichtamttich.) Meldung der Dgence Bulgare. Am 16. Dezember nachmittags versuchte eine Gruppe mazedonischer Flüchtlinge, die aus 118 Männern. Frauen und Kindern aus dem Bezirk Jschtiv bestand, die Grenz« im Bezirke Strumitza zu überschreiten, um aus bulgarischenil GcbicteZuilucht zu suchen. Ter serbischcPosten, durch zahlreiche Komitaischis verstärkt, eröffneie nicht allein gegen die Flüchtlinge, die überdies in einen serbischen Hinterhalt sielen, sondern auch gegen den bulgarischen Posten das Feuers Die Serben stießen gegen den bulgarischen Posten wilde Schreie und grobe Beleidigungen aus. Tie bulgarischen Soldaten nahmen Stellung und ließen über den Zwischenfall Bericht erstatten. Sie enthielten sich aber lange Zeit der Erwiderung des Feuers der Serben, die ununterbrochen gegen die bulgarischen Blockhäuser, sowie gegen die Hütten und Weiler feuerten, die längs der Grenze zerstreut liegen. Tie Bewohner dieser Hütten und Weiler ergriffen die Flucht. Das Feucrgefecht forderte aus beiden Seiten Opfer. Die Flüchtlinge konnten sich größtenteils aus bulgarisches Gebiet retten, aber einige von ihnen sielen im Laufe des Feuergescchts. Die bulgarische Regierung unternahm unverzüglich die notwendige nt Schritte, um die Aufmerksamkeit der serbischen- R e gierung auf die schwere Verantwortlichkeit zu lenken, die ihr zusalle, wenn aus Hinterhalten aus serbischem Gebiet serbische Soldaten nicht allein auf unglückliche Flüchtlinge, sondern auch auf bulgarische Grenzposten schießen, deren Kaltblütigkeit .und Geduld durch das häufige Schauspiel der Mißhandlung von wehrlosen Frauen und Kindern genugsam auf die Probe gestellt seien. Das Erscheinen von serbischen Banden, welche die Rolle von Grenzwächtern spielen, rusc in nicht minderem Maße Erregung an der Grenze hervor. Es sei zu hoffen, daß die serbische Regierung alle Maßnabmen treffe, um die Wiederkehr ähnlicher Zwischenfälle, insbesondere angesichts des ununterbrochenen Zuströmens mazedonischer Flüchtlinge, zn vermeiden. Neue russische Dreadnoughts. Basel, 19. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Wie die „Basler Nachr " aus Paris melden, stehen vier neue russische Dreadnoughts vom Tchp Gangut unmittelbar vor ihrer Ferttgstellung. Rumänien und Griechenland. Wien, 19. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Reichspost" meldet aus Bukarest: Der neuerncrunte rumänische Gesandte in Athen, Filodor, wurde am 15. Dezember von König Konstauttn in feierlicher Audienz empfangen, um sein Beglaubigungsschreiben zu überreichen. Der Ge- sairdte hielt dabei eine Ansprache an den König. Der Vertrag von Bukarest, der die von Griechenland und Rumänien im höheren Interesse der Ordnung und Sicherheit der balkanischen Beziehungen unternommene Zusammenarbeit gekrönt habe, habe zwischen beiden Nationen eine endgültige Freundschaft her- gestellt, die auf gleichen Interessen beruhe. Liebesgaben an Gefangene. Berlin. 19. Dez. (WTB. Amllich.) Tie ftanzösische Regierung hat durch Vermittlung einer neutralen Macht den Wunsch, ausgesprochen, daß den französischen Wohltätigkeitsgesellschaften gestattet werde, Liebesgaben nach Deutschland zur Bev- teilung an in Deutschland befindliche bedürftige französisch!« Kriegsgefangene abzufenden. Nachdem sranzösiscknrseits die Gegenseitigkeit zugesichert worden ist, ist dieseni Antrag deutscherseits entsprochen worden. Die Sendungen genießen Porto-, Fracht- und Zollfreiheit. Damit ist die Möglichkeit gegeben, daß auch deutsche Wohltätigkeits- oder sonstige Vereine an in Frankreich befindliche deutsche Kriegsgefangene'Liebesgaben-SanrMel-- sendungen ohne nähere Bezeichnung der Enrpfänger gelangen lassen. Solche Seninrngen (oder auch Eleldbeträge dafllr) können dem Zentralkomitee der deutschen Vereine vom Roten Kfteuz, Abteilung für Gesangenenfürforge (Berlin SW. l l. Abgeordnetenhaus) zugc- stellt werden, das die Gaben (auch Geld) schnell und sicher ^nach Frankreich befördert. Es steht aber auch nichts im Wege, die Sendungen unmittelbar oder auch an die Botschaft der Vereinigtcnl Staaten von Amerika in Paris oder an die Kommandanturen der verschiedenen Kriegsgefangenenlager in Frankreich mit der Bitta um Verteilung an bedürftige deutsche Kriegsgefangene in Frankreich zn richten. In dem letzteren Falle empfiehlt es sich, dem genannten Zentralkomitee von icder Sendung Kenntnis zn geben, damit die verschiedenen Gefangenenlager tunlichst gleichmäßig bedacht werden. Die von Belgien zu zahlende Kontribution. Brüssel, 20. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Die Landtag« der neun belgischen Provinzen haben in ihrer gestrigen Sitzung beschlossen, die der Bevölkerung Belgiens vom Generalgouvernement für die Dauer eines Jahres auferlegte, in Raten zu zahlende Kontribution von 480 Millionen Franks durch die Ausgabe von S ch a tz s ch e i n e n aufzubringen, sür welche die neun Provinzen die Solidarhast übernehmen. Die Schatzscheine werden von einem Bankkonsortium, an dessen Spitze die belgische Societe generale steht, übernommen und bei dem noch zu schassenden Noteninstitut lombardiert werden. Der 6K- neralgouverneur hat die Erklärung abgegeben, daß bei pünktlicher Zahlung der einzelnen Köntribntionsrateii die Requisitionen bar bezahlt werben und daß die Rohstoffe, welche die Reichsregierung in Antwerpen. Gent und an anderen Plätzen gelaust bat, sobald als möglich bezahlt werden sollen. Ihre Bezahlung wird nach der Buchführung des Transportes der Güter nach Dcutschlaird und nach Schätzung des Preises erfolgen, und zimrr ohne daß eine Geldübertragnng von Deutschland nach Belgien ivährend des Krieges zu geschehen hat. Die Beschießung von RrincntiLreS. Berlin, 21. Dez. Aus Boulognc wird telegraphiert, die Deutschen hätten die Beschießung von Armentiöres mit großer Heftigkeit wieder ausgenommen. Bon Freitag abend 9 Uhr bis Samstag früh 7 Uhr seien mehr als 1000 Granaten in die Stadt gefallen. Londoner Blättermeldun- gen besagen, daß der Kampf in Nordflanbern in den letzten Tagen an Heftigkeit zugenommen habe. Die Anrufung der Hilfe Japan«. Berlin , 21. Dez. Einer Meldung des Berliner „Lokalanzeigers" ans Genf zufolge beklagt sich der ehemalige Minister P i ch o n über die in leitenden französischen Kreisen einer Militärkonvenkion mit Japan bereiteten Schwierigkeiten. Pichons Klage richtet sich, wie aus Andeutungen hervorgeht, gegen den Generalissimus Jo ffre, dem die sremchländischenHeereselemente schon jetzt viel zu schaffen machen. Aeutzerungen des französischen Finanzministers._ Berlin, 21. Dez. In einer von dem französischen Finanzminister R i b o t einem Mitarbeiler der Zeitung „Po- litiken" gemachten Eröffnung heißt es nach dem Berliner „Lok.-Anz": Der Kr,eg hat die Staatseinnahmen in fühlbarer Weise vermindert. Französischerseits bestehe besonders das Bestreben, die Guthaben des Landes in anderen Ländern einzuziehen. Besondere Schwierigkeiten haben sich hierbei besonders bezüglich Rußlands gezeigt. Die Regierung sei fest entschlossen, den Krieg sortzusetzen, sein Ausgang werde niemals von finanziellen Rücksichten abhängig sein. Französische Roheit gegenüber einem deutschen Verwundeten. Am 2. September wurde in das Etappenlazarett Hagenau i. E. der Musketier Heinrich F a b e r der fünsten Kompagnie Jnf.-Regts. 30 eingeliefert. Nach dem Zeugnis des behandelnden Arztes hatte Faber einen Brustschuß erhalten und war außerdem durch nicht weniger als 18 Bajonettstiche verwundet, von denen elf denganze nKörpervon hinten nachvorndur ch- bohrt hatten. Faber befindet sich jetzt außer Lebensgefahr, nachdem er eine Lungenentzündung. Abszeßbilduu- gen und später tvieder auftretenbe entzündliche Verdichtungen der öfters durchbohrten Lunge überstanden hat. Eidlich vernommen schildert Faber zunächst, wie er in einem Gefecht vor Vevdun mit einigen Kameraden in der Nacht ein Wäldchen erreichte, in dem sie den Morgen abwarteten. Dem gerichtlichenProtokoll zufolge fährt Faber dann in der Schilderung seiner Erlebnisse wörtlich wie folgt fort: „Als es Morgen wurde, erhielt ich nun plötzlich von hinten einen Schuß in die rechte Schulter aus unmittelbarer Nähe. Ich lag aus dem Bauch und beobachtet nach vorne. In demselben Augenblick, als ich den Schuß bekam, war auch schon der Franzose, der geschossen hatte, bei mir und entriß mir das Geivehr. Darauf lies er zu meinen Kameraden, die nicht weit von mir lagen, kam aber sofort zurück, woraus ich schließe, daß sie tot waren. Nun schnallte er mir den Tornister ab, stellte sich aus mich und stieß wir mit voller Wucht mehrmals das Bajonett in den Rücken; wir oft, kann ich nicht angcbcn; jedenfalls habe ich, wie bei der ärztlichen Behandlung festgcsicllt ist, 18 Stick>e. Während er mich stach, schimpfte er mich fortwährend; er ließ nun von mir ab und machte sich an meinem Tornister zu schaffen; als ich mich kdann nach ihm umdrehte, stürzte er sich nochmals auf mich und ft ach mich abermals wiederholt in den Rücken; einmal sogar drehte er, wie ich genau spürte, das Bajonett in der Wunde herum. Als ich mich nun nicht mehr rührte, ging er fort unter Mitnahme meines Tornisters; sonst hatte er mir nichts abgenommen. Als der Franzose fort war, kam nach einiger Zeit ein Schwarzer auf allen vieren angekrochen, ohne Waffen, beugte sich über mich und gab mir aus seiner Feldflasche zu trinken. Gr hat mir nichts getan, auch meinen Kameraden nicht, die tot neben mir lagen. Ich zog mich an seinem Baume hoch, ging etwa 50 Meter weit und siel zusammen, swo ich bann gegen Abend von einer Patrouille gefunden wurde." Interessant ist bei diesen: Vorgang die Rolle des „schwarzen Franzosen". Man wird an den Schluß von Seums bekannten, Gedicht erinnert. „Seht, ivir Wilden find doch bessere Menschen." * , * Der KönigStag in Malmö. Malmö, 19. Dezeniber. (WTB. Nichtamtlich.) Nach- !dem die Majestäten bei der Drci-KönigS-Zusainmen- Jtunft an einem um 10 Uhr abgehaltenen Feldgottesdienst steilgenommen hatten, besuchten sie die Bildungsanstalten und nahmen die Huldigung der Kinder entgegen. Um lO 1 ^ Uhr fand eine Konferenz zwischen den Ministern des Aeußern mit ihren Beamten statt. Un, l 1 /, Uhr konfe rierten die Monarchen mit den Ministern zusammen, woraus einzelne Konferenzen der Könige mit ihren 'Ministern des Aeußern und endlich eine gemeinsame Schlußsitzung der Könige und der Minister stattfand. Um 7 Uhr abends gab König Gustav zu Ehren der Könige von Dänemark und Norwegen ein Mittagessen, an dem auch der Minister des Aeußern und einige andere Geladene tttl- nahme». Zur Rechten des Königs Gustav saß König Ha.kon, zur Linken König Christian. Rach dem Essen fand ein Konzert im Raihausc statt, das, wie auch die übrigen Gebäude des Großen Marktes, glänzend illuminiert war. Psadjiuder mit Fackeln bildeten auf dem Wege von der Residenz zum Rathause Spalier, Eine tausendköpsige Menge begrüßte die Dionarchen herzlich. Das Programm des Abends wies ausschließlich skandinavische Musik aus, die von Studenten und dem Ortschor vorgetragen wurde. Als Solist wirkte Hofopernsänger Forselt mit. Es herrschte begeisterte Stimmung. Draußen vor dem Rathaus« staute sich die Dienge und brachte den Majestäten von neuem Kundgebungen dar. Nach der Rückkehr der Könige von Dänemagk utrd Norwegen in ihre Quartiere war König Gustav, der auf dem Balkon erschien, noch besonders Gegenstand begeisterter Huldigungen. Malmö, 20. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Folgendes Kommunique ist gestern abend nach der Abfahrt des Dänischen und norwegischen Königs veröffentlicht worden; Die Zusammenkunft wurde mittags den 18. Dezember mit einer Rede des Königs Gustav eröffnet. Der König hob darin den einträchtigen Willen der ivordischen Reiche znr Neutralität hervor und betonte, wie wünschenswert ein Fortsetzeu gemeinsamer Arbeit zwischen den Reichen zum Nutzen ihrer gemeinsamen Interessen sei. Der König erklärte ferner, es sei das lebhafte Gefühl der Verantwortung vor der ganzen Welt gewesen, und die Besorg» nis, irgend etwas, was zum gemeinsamen Nutzen der drei Völker gereichen könnte, zu versäumen, das ihn bewogen habe, die Monarchen Dänemarks und Norwegens zur Beratung edquladeu. Die Rede König Gustavs wmde von König Haakou und König C h r i st i a n beanwvrtet. Beide bezeugten ihre lebhafte Freude ! über die Jnittative König Gustavs und sprachen die Hoffnug ans, daß die Zusammenkunft segensreiche Folgen für die drei Völker haben möge. Die Zusammenkunft endete am 19. Dezember nachmittags. Die Verhandlungen zwffchen den Königen und ihren Ministern des Aeußern haben nicht nur das bestehende gute Verhälmis der drei nordischen Reiche noch mehr befestigt, sondern es ist auch während der Verhandlungen in den besonderen Fragen, die von enter oder der anderen Seite zur Erwägung vorgelegt wurden, festgestellt worden. Schließlich wurde die Ansicht ausgesprochen, die so glücklich eingeleitete gemeinsame Arbeft fortzuführen und zu diesem Zwecke, falls die Verhältnisse dazu Veranlassung geben würden, neue Zusammenkünfte zwischen den Vertretern der Regierungen anzuordnen. Der König von Schweden hat in Begleitung der Königin, die gerade aus Saßnitz angekommen war, um Vrl2 Uhr die Rückreise nach Stockholm angetreten. * * * Der Kaiser wieder an der Front. Großes Hauptquartier, 20. Dez. (WTB. Amtlich.) Der Kaiser hat sich, nachdem er vollständig wiederhergestellt ist, aufs neue zur Front begeben. Oberste Heeresleitung. Ein Protest gegen Professor Dr. Wilh. Ostwald. Leipzig, 19. Dez. (WTB. Mchtamtlich.) Rekwr und Senat der Universität geben bekannt: Der emetierte, aber nicht mehr dem Lehrkörper der Universität Leipzig angehörende Professor Dr. Wilhelm Ostwald hat vor einigen Wochen im Gespräch mit schwedischen Berichterstattern Deutschlands _ angebliche politische Zukunftspläne entwickelt, insbesondere die Bildung eines- mitteleuropäischen Bundes in Aussicht gestellt, der die nördlichen Völker unter Deutschlands oberster Leitung zu- sannnenschließen soll. Er hat sich ferner in einer weite Kreise verletzenden Art über die gegenwärtige Erstarkung des religiösen Lebens in Deutschland ausgesprochen. Diese Aeußerungen sind, ohne daß Professor Ostwald sie widerrufen hat, in die Zeitungen der verschiedenen Länder gedrungen. Wir beklagen es tief, daß ein Professor von einer deutschen Universität sich solche unverantwortlichen Aussprüche hat zu Schulden kommen lassen, und mißbilligen das Verhalten des Herrn Professor Ostwald, durch das er unserm Lande großen Schaden zugefügt hat, auss schärfste. • « * AuS Acgppten. London, Ist. Dez. (W.B. NichtaMtlicht) WoM Reuter- sehen Bureau wird amtlich ntttg«teilt: Prinz Hussein Kcrmel ist zum Nachfolger des Khediven von Aoghpten „ernannt! worden. Er wird den Titel eines Sultans 'erhalten. Er ist der Oheim des bisherigen Khediven. Nach einer amtlichen Bekanntmachung wird die britische Regierung, nachdem sie die Mittellurig erhalten hat, daß die französische Regierung das britrsche Protokoll über Aegypten anerkennt, ihrerseits den französisch-marokkanischen Vertrag vom 30. März 1912 anerkennen. Köln, 2l. Dez. Laut einem Züricher Telegramm der „Kölnischen Zeitung" hat der italienische Abgeordnete C a i l l e eine Anfrage eingereicht, mir die Lag« Italiens im Mittelmeer durch das englische Protektorat in Aegypten sich gestalte. Kämpfe im Sudan. Wien, 20. Dez. (WDB. Nichtamtlich.) Me „Neue Freie Presse" meldet aus Konstaittinopel: Im Sudan haben die Kämpfe, begonnen. Der Hakim von Darfur, Jnnius Mollah, begann mft 80 000Mann einen Angriff aufdieProvinz el Kab, die zu dem mglisih-ägch pirschen Sudan gehört. Ebenso erhob sich die muselmanische Bevölkerung in Abu Raja. Me beunruhigte englische Regierung sandte indische Truppen über das Rote Meer, die bei den Tiflach-Jnseln bei Suakrn ausgeschistt wurden. SM dieser Gelegenheit sollen die Inder gemeutert haben, worauf englische Kreuzer den TiflachBezirk beschossen. Ei» Zug, der Truppen von Suakin nach Chartum bringen sollte, wurde in der Station Tamai von Beduinenscharen an der Wefterfahrt gehindert. Eine Niederlage der Engländer in Südwestafrika. Kapstadt, 20. Dez. (W.B. Nichtamtlich) Meldung des „Reuterschen Bureaus": Ist Garud, 30 Dveilen östlich, von Lüderttzbucht, hat am 16. Dez. ein Gefecht zwischen vordringenden englischen Truppen unter Sir Dunean Mak- kenzie und deutschen Truppen stattgefirniden. Der Kampf, der über zwei Stunden dauerte, endete mit dem Rückzuge der Engländer. Die letzten Kämpfe in Kamerun. London, 20. Dez. (W.B Mchtamtlich) Das Presse- bnreau veröffentlicht einen Bericht über die letzten Kämpfe in Kamerun, in welchem es heißt; Me Engländer rückten langsam an der nördlichen Bahnlinie vor. Mpr 5. Dezember fand ein scharfes Gefecht bei Lum statt, erner Ortschaft, die ungefähr 20 Meilen nördlich von Mujuka liegt. Me Engländer verloren an Toten einen Leutnant und drei Eingeborene. Am 10. Dezember war die ganze Bahnlinie in den Händen der Engländer. Me Eingeborenenstadt Bare ergab sich Fünf Lokomotiven, eine große Arrzahl von Eisenbahnwagen und zwei Flugzeuge fielen den Engländern in die Hände. Am 9. Mzember wurde ein englischer Leutnant schwer verwundet. — An der O stbahn wurde am 26. November eine französische Kundschafierabteilung angegriffen. Sie verlor zwei Offiziere und 29 Eingeborene an Toten, ein Unteroffizier erlag seinen Wunden, 15 Eingeborene wurden verwundet. An der nigerischen Greife fanden nur kleinere Scharmützel statt, in denen ein englischer Offizier schwer der- wundet wurde. Es gelang den Denffchen nicht, über die Grenze vorzudringen. In Nordkamernn stieß eine englische Truppe auf eine deusche SttreisabteilUng bei Geia, nördlich von Marua. Auf englischer Seite wurde ein Leutnant und ein europäischer Freiwilliger getötet. Zwei britische Dampfer in die Luft geflogen! Berlin, 19. Dez. Die „58. Z» a. M." meldet auS Kristia n i a: Ein hier von der britischen Admiralität eingegangenes Telegramm meldet, daß gestern zwei britische Dampfer vor Scarborough durch Minen in die Luft geflogen sind. Me Admiralität warne deshalb vor der Benutzung des Fahrwaffers zwischen F-lam- borough Head und Dyne. Rriegsdriese m dem Osten. Bon unserem zum Ostheerr entsandten K ci egSberh chte i stukd-r (S u t ninNttzNer Rachbruck, auch auszugsweise, wtijetru.) Kavalier ieangriff im Nebel. Armee-Oberkommando 8, 16.Dez. Des Morgens um 10 Uhr ist es noch so dunkel, daß Licht ftn Zimmer brennen mutz. Um 12 Uhr hat das neblige Quirlen ein wenig nachgelassen, eine matte Helligkeit kommt von der Himmelsstelle, an der die Sonne zn vermuten ist. Ich sitze in dem Auw, das mir das Oberkommando sremrdlichst zur Verfügung gestellt hat, und sause die Straße entlang, die neben der Inster in den nördlichsten Zipfel Ostpreußens führt. Ich verstehe jetzt, daß dies Flüßchen ein kaum passierbares Hindernis für di« Russen bildet. Auf einen Kilometer, oft auf zwei, drei sind die Wesen und Sümpfe überschwemmt. An einer Stell« ist das andere Ufer nicht mehr zu erkennen. Weiden und Erlen stehen mitten in dem großen See, der sich bis zum Horizont ausdehnt. Als sich die Landschaft gegen 2 Uhr wieder verschleiert, hat Tirou das Gefühl, am Ufer des Wattenmeeres zu fahren, während einer halben Stunde bleibt gleichmäßig die matte, unbewegliche Wasserfläche zur Rechten. Die Kavallcricdivisioi, steht mitten im Gefecht, sie ist heute mehr als acht Kilometer nach vorwärts gegangen und hat die russische Kavallerie vor sich her getrieben. Der Boden ist bis zur Kniehöhe der Pferde zäher, klebriger Schlamm, in dem sich die Gäule nur im Schritt vorwärts bewegen, können. Die Artillerie, die die Mvallerie mitführt, kann nur auffahren, wenn sie mindestens noch vier requirierte Bauernpferde vor die sechs Pferde des Geschützes spannt. Auch dann ist die Gefahr des Steckenbleibens, noch dazu im feindlichen < Feuer, groß genug. Me russ. Kavallerie geht regelmäßig zum Fußgefechä über.! Sie hat ein Dorf stark besetzt und knallt in den Nebel hinein! mit mörderischem Schnellfeuer. Unsere Kürassiere sitzen ab, legen ihre langen, schweren Mäntel hinter eine Scheunen-- wand und stürmen. Ihre großen, schweren Stiefel bleiben förmlich im Acker kleben, der junge Offizier, der führt, kommt in den leichten Gamaschen schneller vorwärts. Sein Degen zeigt nach vorn'. Er ist bis auf füufzig Meter an das Dorf heran, da fällt er. Die Küraffiere brüllen, ihr „Hurra" ist wie ein Wuffchrei. Sie laufen mit ihren großen Stiefeln rasend vorwärts. Die Russen suchen zu ihren Pferden zu '! kommen, das Dorf ist genommen und das Gefecht läuft rasch weiter nach vorwärts. * , Unser Auto hält an dem Haus, wo der Div-isionSstab liegst. Me .Herren sind von der allergrößten Liebenswürbigkett Meinem Kollegen und mir werden ein paar famose Halbblüter zur Verfügung gestellt. Bordes Sieger in manchem Hindernisrennen. Einer der Herren will auch sofort mit uns reiten, — denn das Auto hat seine Schuldigkeit getan, es kann von der Chaussee keiue 10 Weber in irgend einen der Nebenwege fahren, — aber man meint gleich, filr heute wäre es für jede weitere Unternehmung vermutlich zu spat., Als wir im Sattel sind, ist es auch schon so undurctüvchttg, daß man cmnehmen kann, in einer halbe» Stunde herrschet völlige Dunkelheit. Wir wollen aber wenigstens bis ju der Stellung an der Brücke reiten, die von einem LwüstwM- bcttaillon stark ausgebaut wird Wtt riskieren einen kleinen GavoPprmd hcchtzn die Brücke schnell genug erreicht. Die ursprüngliche Eisenbrücke ist schon im Anfang des Krieges gesprengt worden. Me Erika» met liegen im Flußbett unv hängen über die Böschung hinab. Damals fuhr dos Automobil des russischen Sßtfu* tonten Prinzen Radziwtll ü, voller Fahrt in den Mutz hinein. Der Wagen ging in Trirmpre^ aber der Prinz bUM unverletzt, sein Begleiter erhielt eine leichte Wunde. JetzL ist der Fürst übrigens, wie russische ZertuuM, meldeten, in! Polen gefallen. Nach dem Unfall suchte man durchaus Süu- deuböcke in dem Dörfchen, zu dem di« Brücke führt Aber schließlich mußten selbst die Russen einsehen, daß die Brücke von den deuffchen Pionieren und nicht von den Landbewohnern so gründlich gesprengt worden war. Jetzt führt eine Holzbrücke über den Fluß Me Landsturmleute, ein Bataillon ans Süddeutschiand, machten einen ganz famosen Eindruck, wie sie eifrig an den Y Drahthindernissen und Schützengräben arbeiteten, — soweit man überhaupt noch etwas erkennen konnte. Es hatte keinen Sinn, iu die Nebelwand hineinzugaloppieren, wir ritten zurück und wurden zunächst bei einem braven Schneider-' meister untergebracht Dm nahm sofort meine Sachen, schüttelte mißbilligend den Kopf und begann Knöpfe und Senkel anzunähen. Seit drei Monaten habe ich keine so ordentlichen Sachen gphabi wie jetzt Aus der Straße, die mit einer großen Atzetrchen-Lampe beinahe erleuchtet war, ttafen wir den ,F)rtskommandan- ten", den Hauptnraun der Jäger-Radfiahrerabteilung, die A der Kavallerie zugeteilt ist. Ein Wann meldete sich bei chm: „Wo kommst du denn her?" _ „Von die Russen, Herr Hauptmann!" ,Mdenschenkinb, du bist ja pitschnaß!" „Wtt sind durch die Inster geschivomment^ „Wer ist wir?"' ,-Eine Pattouille von 8 Mann, Herr Haupttmnrn. Wir. mutzten zurück, es kam plötzlich russische Infanterie, so, 300 Mann. Sie schnitten uns von der Brücke ab. Mr finlbr dann geschwommen. Zwei Mann schossen so lange, damit sie nicht gleich ans llser kämen. Aber sie kamen doch uuid schossen nach unseren Köpfen. Aber sie ttafen nichts, die Schweine! Ein Offizier schimpfte auch und fuchtelte herum deswegen. Wtt merkten aber daran, daß es ein Offizier ' sein mußte und der Gefreite, der schon am andern Ufer war, drehte sich herum» und stutzte ihn wog." „Na, das ist ja famos, Junge," sagte der Hcmpttnann. „Nun marsch in die warme Kloppe, ich werde Euch ema ordentlichen Grog schicken." „Danke gehorsamst, Herr Hauptmannl" Der Mann ttat ab. „Fast die Hälfte meiner Männschafi hat das Efferne Kreuz, und sie kriegen es selbstverstäichlich nur für eine wirklich ordenlliche Sachen" sagte der Haapb. ntaitn. Im Gebäude des Stabes liefen inzwischen die Meldungen ein, daß die befohlene Linie überall erreicht wärrp Ein paar Gefangene wurden eingeliefert. Der Nebel hatte aber allmählich jede Unternehmung auf beiden Seiten beendigt. * ! MS wir vom Abendeffen kamen l^zellenz war dev, liebei^würdigfte Gastgeber, saßen ein paar von de» W» deuffchen Landsturmmännern bei einem Licht hinter dem Fenster eines Bauernhauses, sie sangen... Augen Halls Dockerlnett, wann i's nur hätt... Anfang and Schluß des Liedes von dem braunen Mädchen riß der oflpreußffche Wind fort) der auch den Nebel zerbließ. Ein paar Sterns sehen durch die kahlen Achte einer mächtigen Linde und ließen die Pfützen ausblinken. Rolf Brandt, Kriegsberichtechtatter. Aus dem Reiche. Der Bundesrat änderte in der «Ätzung am Samstag di« Verordnungen betreffend den Höchstpreis für Getreide und Hascr in einigen Punkten ab. Der Höchstpreis ächtet sich nach dem Ott. an welchem die Ware abzunehmen ist und bis zu welchem der Verkäufer die Kosten der Beförderung trägt Für Landwitte ist dießs im allgemttnen die Verladestation, Bei dem Umsatz des Getreides durch den Handel dürfen den HöchstMttsen Beträge zugcschlagen werden, di« insgesamt vier Matt für die Tonne nicht übersteigen dürfen. Dieser Zuschlag umfaßt insbesondere Kommis- sions-, Vermittlungs- und ähnliche Gebühren, sowie alle Attcn von Aufwendungen; er umfaßt die Auslagen für Säcke und für die Fracht vom Mnahmeort Mcht. Für die Frachtberechmmg dürfen auf jeden Fall nur die wirklichen Kosten der VerftachMng berechnet werden. An Sackltthgcbühr dach für die Tonne eine Mark berechnet svcrden. Btt dem Verkauf der Säcke ist der Preis für lleinere Säcke auf 80 Pfenmge, für größere Sache, die 75 Kilogramm und mehr halten, auf 1,20 Mark festgesetzt Die Preiszuschläge für höheres Naluralgewicht bei Roggen und Weizen fallen weg. Ebenso fällt die 68 Kilogramm-Grenze bei Geffte >veg. Für Saatgetreide ist tint WBiwr««u*Ra&TTrc&TkmOTintG von dem Höchstpreis vor- «schen. Ebenso fallen bei Gerst« und Daser Verkäufe an Klrin» hindlrr und Verbraucher nicht unter die Höchstpreise, wenn sie drei Tonnen nicht übersteigen. Die sogenannten Ravoris werden bei Weizen und Roggen aufrecht erhalten, bei Hafer werden sic gestrichen, dafür indessen die Hascrpreisc mit dem 24. Tezctnbjcr ldl4um 2 Mark für die Tonne erhöht. Für Kleie ist neben dem Mühlenpreis von 13 Mark noch ein Großhandelspreis von 15 Mk und endlich ein Kleinhandelspreis (für Verkäufe von 10 Doppelzentner und weniger) von 15,50 Mark festgesetzt. Futtermehle. Bollmehle und GrießNeie und ähnliche Hintcrmehle gehören zur Kleie. Endlich ist ein Verbot erlassen worden, Kleie, die mit anderen Gegenständen vermischt ist, in den Verkehr zu bringen. Me Strafbestimmungen für Verstöße uird Umgehungen der Höchstprcisvcr- ordnung sind wesentlich verschärft worden. Halle a. S., 12. Dez. (Priv.-Tel.) Der Magistrat hat beschlossen, der Stadtverordneten-Versammlung vvrzuschlagen, als „H i n d e n b u r g - S p e n d c" für das Oslheer 50 000 Mark aus dem Kriegsfonds zu bewilligen und dem Gencralseldmarschall zur Verfügung zu überlassen. Kirche und Schule. Köln, 21. Dez. Der kirchliche Anzeiger der Erzdiözese Köln veröffentlicht ein Hirtenschrciben der Erzbischöse und Bischöfe des Deutschen Reiches, nach welchem am Sonntag, den 10. Januar, ein allgemeiner Bußtag stattsin- den soll. Au» Stadt und Land. Gießen, 21. Dezember 1914. Tie Lage des ArbeitsmarktcS in Hessen, Hcsscn-Rassa» und Waldcck im November. Die Arbeitsmarktlagc im November stand unter dem Zeichen der Kriegslicserungen und brachte für den Arbeitsmarkt ungeivöhnlichc Verhältnisse. In allen Zweigen der Industrie, die mit Militärausträgcn versehen waren, insbesondere in der Metallindustrie, seiner in der Automobilindustrie, Werkzeugina- schincnbranche, Lcdcrverarbeitung, bestand ein solcher Bedarf an Arbcitskrästen, daß er nur teilweise gedeckt werden konnte. Bc- .sonders stark war der Mangel an Drehern, Bohrern, Fräsern, Schmieden, Wagnern, Sattlern, Tapezierern, Schneidern und Schuhmachern. In ziemlich bedeutendem Umsange wurde ein Heber- gaug in andere Berufe beobachtet. Schreiner machen Wagncr- arbcitcn, Tapezierer Sattlerarbeiten, ebenso Hutmacknw. Da zudem im vorigen Monat zahlreiche Einberufungen erfolgten, flieg die Geschäftstätigkeit der Arbeilsnachiveise ganz außerordentlich. So wurden bspw. in der männlichen Abteilung des Arbeitsamtes Frankfurt a. M. 2711 Stclllen vermittelt, gegen 1550 im Vorjahre, in Easscl 802 (509),- in Wiesbaden 781 (499), in Mainz 757 (353), in Tarmstadt 594 (117t, in Offenbach a. M. 438 (286), in Gießen 54 (68), in Worms a, Rh. 200 (223). Auch die elektrische Industrie war gut beschäftigt, soweit sie mit Militärausträgen versehen war. Ungünstig tvaren die Beschästigungsverhältnisse noch immer für die Gold-, Silber- und Gelbmetallarbeiter. Die in den einzelnen Berufen noch vorhandenen Arbeitslosen sind zum größten Teil ältere und erwerbsbcschränkte Personen, die auch in normalen Zeilen den Arbeitsmarkt belasten. Verhältnismäßig am stärksten war die Arbeitslosigkeit im graphischen Getvcrbe, hat aber auch hier erheblich abgenommen, da viele Brrchdrucker und Schriftsetzer zu anderen Getverben übergingen. Auch für das Baugewerbe war die Lage verhältnismäßig günstig, mit Ausnahme der Maler und Weißbinder. An tüchtigen Bauarbeitern, Maurern, Zimnierleuten, ferner Betonarbcitern und Erdarbeitern war teilweise empfindlicher Mangel, so daß von den Arbeitsnachweisen von der Annonce im größten Umsange Gebrauch gemacht wurde. Zur Deckung des Arbeitsbedarss hat der Mitteldeutsche Arbeitsnachweisvcrband in großem Umsange mit den Bürgermeistern in kleineren Orten, in denen erfahrungsgemäß Bauarbeiter vorhanden sind, verhandelt. Der Erfolg ist jedoch gegenüber verhältnismäßig günstigen Resultaten in, Oktober im November verhältnismäßig gering gewesen. Airs dem gleichen Grunde konirtcn auch Aufträge nach weiteren Entsernimgen, speziell auch in Gruben ^Lothringen usw ) nicht erledigt werden, da im Verbandsgcbict reichlich Arbeitsgelegenheit vorhanden war. Die von den Städten eingerichteten Notstandsarbeiten wurden, soweit hier bekannt ist, in verhältnismäßig gering e'-m Umfange in Anspruch genommen. Im Gastwirtsgewerbe war die Vermittlungstätigkeit für sestc Stellen infolge der vielen Einberufungen in, letzten Monat nicht ungünstiger als im Vorjahre. Dagegen war für Aushilsskcllncr keine Nachfrage; in der Landwirtschaft war die Vcrmittlungstätigkeit im letzten Monat noch verhältnismäßig rege; es scheint jedoch, als ob im nächsten Frühjahr sich ein starker Mangel an Knechten bemerkbar machen werde Aus dem weiblichen Arbeitsmarkt haben sich ebenfalls die Verhältnisse günstiger gestaltet, insbesondere haben die von einer Reihe von Städten erngcrichteten Nähstuben und Not- standsarbeiten für Frauen sich eines außerordentlichen Zuspruches zu erfreuen. Bei der Vergebung von Militärausträgen beteiligten sich viele Arbetisnachweisc direkt oder sic nahmen gemeinnützige Nähsruben hierfür in Anspruch. Das neu errichtete Armce- Beklcidungsamt Mainz-Kastcl hat bercfts einen großen Teil von Aufträgen in dieser Weise vergeben. Die Einrichtung eines Aus- bildungskursus ftir Strohhutnäherinnen zum Ersatz der belgischen Arbeiter wurde in Frankfurt a. M. in die Wege geleitet. Aus dem Dienstbotenmarkt sind die Verhältnisse ähnlich wie auch in früheren Jahren. •• Kein goldener Sonntag. Das regnerische Wetter hat gestern die Erwartungen, die man in Geschäftskreisen noch auf den letzten Sonnlag vor Weihnachten gesetzt hatte, fast ganz zu Wasser werden lassen. Der Zustrom von draußen war nicht der Rede wert, und auch die Kauflust in der einheiniischcn Bevölkerung ließ nicht erkennen, daß man sich rüstet, in einigen Tagen Weihnachten zu begehen. Astes Interesse und alle Sorge gelten eben in diesem Jahre unseren Kriegern, und gar mancher hat auf eigene Wünsche und die Freude am Schenken Verzicht geleistet, um in den Weih, nachtstagen Licht und Frohsinn in die Reihen unserer Kämpfer tragen helfen zu können. ** Eisernes und RotcS Kreuz. Das „Zentralblatt für das Gastwirtsgewerbc" macht folgenden Vorschlag: In einem Erfurter Gasthaus ist auf einem Tisch ein großes eisernes Kreuz ausgezeichnet worden,.dessen Linien mit Nägeln ausgesüllt werden sollen. Wer einen Nagel -inschlägt, bezahlt 50 Psg„ die zum Besten der Krieger oder deren Angehörige verwendet werden. Wenn die Platte auSgcsüllt ist, wird sie gegen 7000 Mark erbracht haben. Dieses Beispiel, so bemerkt dar Blatt, verdient Nachahmung. Jeder Stammgast werde sich auf diesem Tische „verewigen" wollen, und dem Lokal werde der Tisch später ein sehenswertes Andenken sein an die gegenwärtige Zeit. Der ein» zuzahlcnde Geldbetrag könne je nach der Art des Lokals Höher oder niedriger bemessen werden. Geeignete flache Nägel verkaufe jeder Eisenhändler. Bei einem großen Kreuz könne man die Konturen ein- oder zweimal nachziehcn, ein kleiner Kreuz könne nian ganz ausnageln. Werde das Kreuz später mit Schmirgel blank gerieben, so gereiche cs dem Tisch zur Zierde. ** Ritter des Eisernen Kreuzes: Oberst Weimer, Kommandeur des Landsturmbataillons Fricdbcrg, erhielt das Eiserne Kreuz l. Klasse; das Eiserne Kreuz 2. Klaffe erwarb sich Oberst Weimer schon im Kriege 1870/71. Tos Eiserne Kreuz 2. Klasse erhielten: Forstwartaspirant Fritz Eifert aus Strebcndorf, Uffz. beim 2. Bat>cr. Armee- lorps. Gerichtsdiener Rufs in Weilburg, Vizefeldtv. im Württemb. Gren.-Regt. 119. Oberveterinär Kreistierarzt Dr. Morgenstern aus Marienberg. Fcldm.-Leutn. Fi cd- l e r, Assistent am Landratsamt in Usingen. Leutn. Alsred Kamp aus Höhr, im Fußart.-Reat. 14. Offizierstellvertreter Türk beim Friedberger Rej -Feldbat. 72. Postass. Wilhelm Drechsler, Gesr. d. R. im 10. Jäger-Bat., aus Ober-Rosbach. Leutn. im 1. Garde-Res.-Regt. Oberlehrer Schneider und Oberjäger bei der Maschinengew.-Komp. des Jäger-Bats. 11 Kurt Schmelz, beide aus Marburg. Sergt. Georg Grieb, Jns.-Regt. 116, aus Gambach. Ufsz. d. Landtv. Otto Müll, Jns.-Regt. 116, aus Gambach. ’* Das Backhaus-Konzert hat nicht nur einen vollen künstlerischen Erfolg gehabt, auch der materielle ist günstig gewesen. Die Konzcrtlcitung konnte der Obcrbürger- nicistcrei einen Reingewinn von Mk. 500.— zum Besten der Hinterbliebenen gefallener Gicßener überweisen. Den Besuchern ist mit der Freude feinsinnig verbrachter Stunden auch die Genugtuung geworden, in erheblicher Weise zu einem wohltätigen Zweck beigelragen zu haben. Uebrigens bedeutete das Konzert nur ein Glied in der Kette von Wohltätigkeits- aufführungen des Herrn Backhaus, die, wie er uns schreibt, bis jetzt über 4000 Mk. zum Nutzen des Roten Kreuzes und der Hinterbliebenensürsorge ergaben. ** Unterhalt!, ng für die Verwundeten. Nachdem Frl. Cilly Weil, Herr Karl Höcker und Herr Willn Werner G ö t t i g am vergangenen Sonntag den in der Heil- und Pslcgeanstalt untergebrachten Verwundeten einen wohlgelungencn Vortragsmittag gegeben hatten, wiederholten sie denselben am Samstag (19. Mz.) im Hörsaal der psychiatrischen Klinik. HerrGeh. Med.-Rat Prof. Tr. Sommer hatte sämtliche in den Universitätskliniken untergcbrachten Verwundeten ciugcladen, die sich bei der abwechslungsreichen Vortragsfolgc aus das Beste unterhielten. — Herr Karl Höcker rezitierte Christuslegenden von Selma Lagerlös und moderne Balladen und verstand es, seine Zuhörer stark zu fesseln. Mit gutem Empfinden brachte Frl. Cilly Weil vaterländische Zeitgedichte und fand damit starken Beifall. Herr Willy Werner Gültig löste mit seinen heiteren Borträgen, und zwar besonders mit seiner Kinoszene als „Verkäufer in einem wenig besuchten Manusakturwarcngeschäst" wahre Lachsalven aus. — Samstag mittag veranstalteten die Genannten im Katholischen Vercinshaus ihre Vorträge. In den letzten Tagen des Jahres will man einen Vortragsabend zum Besten des neugegründeten „S o l d a t c n h e i m r s" veranstalten, zu welchem die Oefscntlich- keit Zutritt haben soll. Landkreis Gießen. ** Sitfi, 20. Dez. Konnte in Nr. 276 bs. Bl. bekannt gegeben werden, daß hier und in verschiedenen Nachbarorten dtreij Eisenbahnwagen, voll von Kleidern, Wäsche, Stieielu, Schuhen, Hausgeräte, Nahrungsmitteln usw., für die geschädigten Ostpreußen gesammelt und abgeschickt wurden, so kann heute berichtet werden, daß auch die Geldsammlung .dank der Opser- willigkcit der Bevölkerung, überaus .reichlich ausfiel. Es kamen im ganzen 1315,50 Mark ein, die bei der Gewerbebank Gießen zur Ucberwcisung an die Stadthauptkasse in Königsberg i. Ostpr. ein- gezahlt wurden. AU dieser stattlichen Summe waren folgende Nachbargemeinden beteiligt: Oberhörgern mit 135 Mk., Harbach mit 126 Mk., Meder-Bcssiugen mit 85 Mk., Langsdorf mit 26 Mk., Albach mit 23 Mk. Der Rest von 920,50 Mk. wurde von den' hiesigen Einwohnern gegeben. — Auch hier konstituierte sich auf Einladung der Großh. Bürgermeisterei ein Ortsausschuß für die Leitung der schon vor einigen Wochen ins Leben gerufenen I u g e n d w c h r. In diesem Ortsausschuß sind vertreten die Geistlichen, die Lehrer, die sämtlichen Vereine, die staatlichen und fürstlichen Beamten und die Bürgerschaft. Ten Vorsitz übernahm Forstrat Dr. Diefsenbach, als sein Vertreter wurde Forstmeister Heimburg gewähil. Schriftführer ist Seminarlehrer L o r e n tz. An den Ucbungen, die an zlvei Abenden in der Woche in der Turnhalle und allsonntäglich im Gelände stattfinden, beteiligten sich bisher etwa 60 junge Leute im Alter von 16 bis 19 bezw. 20 Jahren. Als Instruktoren widmen sich dieser für unsere Wehrkraft außerordentlich wichtigen Einrichtung die Herren Wachtmeister Weber, Tapezier Reinhard Zimmer und andere. Tie Oberleitung liegt in der Haiü> des Herrn Forstmeisters Heimburg. Tie Aufgabe der Herren des Ausschusses dürste vor allem darin bestehen, durch ihren Einfluß in ihnen näher stehenden Familien dahin zu wirken, daß auch die Säumigen, die bisher den Uebungen noch fern blieben, den großen Wart derselben für ihde spätere militärische Ausbildung erkennen und ebenfalls pünktlich und gern zu den Ucbungen erscheinen. Nur bin allgemeiner Bio- teiliaüng kann der Zweck, der durch diese Einrichtung erreicht werden soll, die Stärkung unserer Wehrmacht, wirflich erreicht werden. — Gestern veranstaltete das Pflegamt des Waisenhauses zu Frankfurt a. M. für die Pfleglinge seiner hiesigen Station seine alljährlich sich wiederholende C h r i st b e s ch e r u n g in Steins Saalbau. Nach Liedervorträgen der Kinder und Weihnachtsansprache des ersten Geistlichen erfolgte unter strahlendem Weihnachtsbaum die Gäbenverteilung. Für „Fleiß und Wohl- Verhalten" wurden an 18 Kinder sogenannte „Prämien" verteilt. Jede Prämie beträgt 7 Mark, die dem betreffenden Kinde aus einer Sparkasse in Frankfurt verzinslich angelegt und später, wenn das Kind volljährig geworden ist, mit Zinsen ausbezahlt werden. Nach einem Schlußgesang der Kinder wurden sie mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Zu dieser Feier fanden sich auch fast alle Pslegeeltcrn ein. — Der 11 Jahre alte Sohn des hiesigen Lehrers Sauer machte sich in Abwesenheit seiner Eltern mit einer Jagdpatrone zu schaffen, die sich plötzlich entzündete und dem Jungen 3 Finger der linken Hand so schwer verletzte, daß sie voraussichtlich amputiert werden müssen. Der Junge wurde sofort in die Gießener Klinik gebracht. Kreis Lautcrbach. O Lauterbach, 20. Dez. Das in der hiesigen Turnhalle mit 44 Betten eingerichtete D e r e i» s l a z a r e t t ist sertiggeltellt und soll in den ersten Tagen mit Verwundeten belegt werden. Für di« militärische Aufsicht ist ein älterer Sergeant der Landwehr kommandiert, mährend für die Verwundelcnpsiege zwei Schwestern aus dem Alice-Hospital in Tarmstadt etngetrossen sind, denen hiesige ausgebildete Heilerinnen zur Seite stehen. Ter bell« und geräumig« Saal bietet den Verwundeten einen angenehmen Ausenthalt und macht mit seiner mit allen Beguemlichkeiten eingerichteten 'Ausstattung einen wohlmenden Eindruck. O Berinutshaln, 19. Dez. Di« vier Söhn« des Maurermeisters Jakob Lind von hier sind in den ktämpsen der Wesliront alle vier verwundet worden. Zwei von ihnen befinden sich noch in den Lazaretten, die anderen beiden sind bis zu ihrer völligen Genesung in ihr« beiniat beurlaubt worden. Kreis Schotten. O Herchenhain, 19. De,. Plärrer Römer hat an jeden der im Felde stehenden Krieger unseres Kirchspiels ein Schreiben abgesandl und i» ein jedes dieser Schreiben zwei Bilder unserer Kirche eingelegt. Ta« eine zeigt die Kirche von innen, das andere von außen. Gerade zu Weihnachten mag wohl manchem harten Krieger diese Erinnerung an di« Heimat willkomnien sein. Starkenburg und Rhcinhessen. m. O f f e n b a ch, 20. Dez. (Drahtbericht.) Der Kreisrcrt des Kreises Offenbach, Geh. Reg.-Rat Lochmann, ist heute nacht 2 Ul/r im Alter von 53 Jahren einemS chl aganfall erlegen. Geh. Reg.-Rat Lochmann kam vor 8 Jahren anstelle des jetzigen Ministers von Homberg! als Kveisrat nach Ofsenbach. Er war vorher in gleicher Ergenschast im Kreise Dieburg tätig. > Kreis Wetzlar. X Hohensolms. 20. Dez. Tie Gerichtstag« in Hoheuiolms werden i»i Geichättsjahre 1915 abgehnlten am: 18. Januar, 15. Februar. 15. März. 19. April, 17. Mai, 14. Juni, 12. Juli. 20. September, 18. Oktober, 1b. November und 20. Dezember. -— - Hessen-Nässau. m Kirchhain, 20. Dez. Aus unserem etwa 2500 Einwohner zählenden Städtchen sind bisher 257 Mannschaften zu den Waffen gerusen worden. 1l Krieger sind bi» jetzt Ritter des Eisernen Kreuzes geworden. — Für die hessische Kriegsversicherung sind bei der hiesigen Sparkasse bisher 13t Anteilscheine eingelöst worden. - Am 2?. Dezember soll auch hier ei» Vaterländischer Abend veranstalt: iverden. Neben Deklamationen der Schulkinder ist ein größerer Vortrag vorgejehen, sür den einbewährter auswärtiger Redner gewonnen ist. m Amöneburg b. Kirchhain, 20. Dez, Als erster aus hiesiger Stadt starb den Heldentod fürs Vaterland der Freiwillige Ludwig Gerlach. Bis jetzt stehe» 40 Alaun aus unserer Stadt unter den Jabnen. b. B u r g s l n n, 20. Dez. In planmäßiger Weise ließ die Gemeinde in ihren Waldungen die Eicheln aussammeln und dann als Mastmiltel lür die Schweine verkauseu. Ter Erfolg war so überraschend, daß sie jetzt nach Abzug aller Unkosten der Genieindekasic eine Sondereinnabme von rund 10000 'Mark z,«führen konnte. Nuiimehr soll das Etchelnsainmeln alle Jahr geübt werde». So wirkte auch hier der Krieg als Erzieher. vermischte». '* Eine wichtige Person Ilchkeit. Während die übrigen Franzose» mit der Waffe sür ihr Vaterland kämpsen, hält nach eine», Bericht des Figaro M. Lamorlelte die Ehre und den Rns der sranzösischen Küche hoch und zwar mit größtem und nicht z» rmlerschätzendein Ersolge: ist es ihin doch in seiner Eigenschaft als K o ch des Marsch all Fr euch gelungen, Tag iür Tag, so lauge der Krieg bisher dauert, ein »e»es, init allem Ralfilie- nreut der sranzösischen Küche yergestelltes Gericht aus den Tisch des englischen Oberbeschlshabers z» bringe». Am 2. Dezember — bis dahin erstreckt sich diese geivichlige Ebronik — war er beim 122. Gericht angelangt und empfing das 122. Komplinieut des euglilcheu Heerlübrers. In Friedenszeite» mag das auch mancher andere Koch könne,i, in Kriegsbeilen ist es gewiß eine große Leistling, und dem künftigen Geschichtsschreiber mag es Vorbehalten bleiben, ivie weit cs iür die Strategie des MarichallS French vo» Wichtigkeit war, daß 'M. Lamorlelte sich dermaßen für sein Wohlbefinden und seine gute Laune abmühle. Büchertisch. — Die .Fliegenden Blätter" (Verlag von Braun & Schneider, München), bie stets ein Spiegel der Zeiten waren und alles, was jeweils im Volke lebte und iveble, mit gesnudeni denlschem Humor schilderten, haben auch die großen Ereignisse der heutigen Tage in den gegenwärtigen Stoff ihrer Spalten aui- genoiniiicn. Dabei kominl naturgemäß nicht nur der Humor allein zur Geltung, sondern es werden auch i» stimmiliigsvotteu patrioti- icheu Beiträgen in gebulidciier und uugebundeiier Form und in Bilder» hervorragender Künstler die Leiden und Freuden dieser gewaltigen Zeit zur Tarslellimg gebracht. An sich überall beliebt und bekamit, bieten die .Fliegende» Blätter' hiernach gerade jetzt auch sür unsere im Felde sleheudeu wie auch für die von dort yeiingekcyrte» oder sonst im Vaterland« weilenden Sol dalcn eine willkommene Lektüre. vanvel. »'Berlin, 19. Dez. In der heutigen Eesellschafts - Ver- samiiilung des Kaiisyndikals teilte der Vorstand mit, daß der Absatz itn Mount November sich aus 8K Millionen Mark bc- tause gegen 18,1 Millionen Mark in, November 1913. Ter Erneuerung des Geldausqleichs sür die Zeit vom 1. Januar 1915 bis Ende März 1915 ivurde zugeslimint. Angesichts des am 31. Dezember 1914 abtaulendeii Rechtes, den Si>„dikalsvertrag z» kündigen, erklärten säintliche Gesellschasten bis aui zwei, die nicht vertreten ivare», und drei vertretene Gesellschaften, das Küudiamigs- rccht bis zum 31. März 1915 auszuschiebcu und de» Gcjtlljchasls- verlrag entsvrechend ndzuänderii, vorausgesetzt, daß die erwähutcu fünf Gesellschaften noch bis zun> 31. Tezeuiber 1914 dieser Erklärung beitreten. Für de» andere» Fall ivurde die sormclle Kündiqung zmn 31. Dezember 1915 ausgesprochen, um i» der neuen Gescll- scbaslerversaminlung in der ersten Hälfte des Januar diejenigen Bedingungen der SyndikatSverläugermiq testzustellcn, welche die Wiederausnahnie der Abteuimig neuer Schächte verhuidcr» solle». Dortmund, 19. Dez. (WTB. Nichtamtlich). Tic heutige Hauplversammlung des Rheinisch -Westiälischeu Zementvcr- band cs beschloß mit Rücksicht an! die Steigerung der Preise für Kohle u»d sonstiges Material, die Zeincnlpreiie für das Jahr 1915 um 30 Mark sür den Toppelwaggon zu erhöhen. Amtlicher Wetterbericht. Oefsentlichcr Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichtcn in Hessen am Dienstag, den 22. Dez. I91t« Trüb und regnerisch, mild, südwestliche Winde Letzte Nachrichten. Bei Kronprinz Rupprrcht von Bayer» an der Front. Wien, 21. Dez. Der Korrespondent der „Neuen Freien Presse" im Großen Hauptguarticr meldet seinem Blatte: Aus den Schützengräben eines bayerischen Rescrvekorps zurückkehrend wurde ich von dem Kronprinzen Rupprccht zur Tafel geladen. Ter Kronprinz bewohnt ein modernes französisches Schloß, von Ivo aus er iäglicki Fahrten zur Front unternimmt. Krmrprinz Rupprccht sah vorzüglich aus. Seine Bewegungen waren trotz der großen Strapazen des Feldzuges irisch und elastisch. Ter Kronprinz hörte mit großem Interesse, daß ich dyrch einen mehrtägigen kurzen Urlaub nach Hause über die Stimmungen, die Zuversicht und die Verhältnisse in der Monarchie wohl unterrichtet sei. Er sprach mit großer Liebe und Wärme von den Oestcrreichern und auch von den Ungarn, wo ein großer Grundbesitz seiner Familie liegt. Ueber Einzelheiten der Unterhaltung hin ich nicht berechtigt, Mitteilungen zu mackien, nur so viel glaube ich bemerken zu dürfen, daß der Kronprinz außerordenilichzu- v « r s i ch i l i ch sowohl über die Gegenwart wie auch über die Zukunft denkt. Ter Kronprinz sprach mit warmen Worten von feine:» Truppen, die mit heldenmütiger Bravour seit Ausbruch des Krieges stets siegreich gesochten haben und die sich auch jetzt in den Schützengräben allen Strapazen gewachsen zeigen. Aus seinen Worten sprach immer die unbedingte Zuversicht und das feste Vertrauen auf den nach heldenmüttgem Kampfe enffcheidcnden und cndgüjtigen Sieg Deutschlands und der mit ihm verbündeten Monarckiic. Ich hätte ferner Gelegenheit allerlei Rühmeirswcrtes über die Tapferkeit des Prinzen Georg von Bayern zu hören, der sich besonders bei der Einnahme von Lille in bemerkenswertester Weise ausgezeichinst hat und als einer der ersten in die brennende Stadt eindrang. Der Kampf um die Schützengräben. Genf, 21. Dez. Für die Schlappe der Verbündeten bei Nen-Kapellen in Flandern, wo die Deutschen große Reihen von Schützengräben nahmen und zahlreiche Gefangene machten, sind nach dem Wortlaut der Note Joffres die Engländer allein verantwortlich. Dagegen gesteht der amtliche Tagesbericht zu, daß nördlich von Mirccourt eine Kompagnie deutscher Soldaten die Franzosen aus ihren gestern errungenen Stellungen vertrieb und daß der von den Deutschen bei St. Hubert im Argonnerwalde errungene Vorteil an Gelände sich noch verstärkt hat. Der goldene Sonntag in Berlin. Berlin. 21. Dez. Der gestrige goldene Sonntag ließ einen Unterschied gegen die anderen Jahre kaum wahrnehmen. In den Lldendstunden wurde das Gedränge beinahe beängstigend. Verantwortlich für „Feuilleton", „Gerichtssaal" u. „Vermischtes": ^ , I. August Gortz. Kindergarten «Verein Hm Dienstag, den 22. Dez., nachm. 4 Uhr im Curnfaale der Ober-Realfchule Weihnachfs * feier des Bürgerkindergarfens Eltern und Ungehörige der Zöglinge, lende alle Kinderfreunde, auch die Verwundeten in unteren Lazaretten werden dazu herzlich eingeladen. Der Vorltand. 12383D Für das Vfleihnachis-feff empfehle In reicher Auswahl Marzipan- und Schokolade» Gegenflände, Deflerts, Bonbons, Tafel- und Kochfdiokoladen, Bonbonnieren und Attrappen, Cee und Kakao in Packungen und Dolen PuppenkOdien= und Kaufladen«Artikel Feldpostbriefe “"Ä 01 “ Fr. Richter Schokoladen • Spezial • Selchätt Kirchenplatz 10 gegenüber d. Stadtkirche Stundet Simonrtrot ist nicht aus Mehl, Kleie oder Schrot hergestellt, sondern aus dem ganzen, unverletzten Getreidekorn. ES enthält daher alle Nährstoffe des Getreides i» ausneschlossener Form, dte bei gewöhnlichen Mehlbroten durch den Mahlvrozeh ausgeschieden sind. Aerzt- lich verordnet! DaS Beste für Gesunde und Kranke! Stets eckst zu haben beit «QwngWallcnr«!», Carl Sch» nah nn/iSLm.W. 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