Nr. 298 Der Slehener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal ivüchcullich rfehenerZamfliendlätler: »weimalwöchentl.Nreir- blattsürdenlireir Kietzen (Dienstag und Freitags zweimal monatl 2and- wirtschaftliche Zeiisragen Fernsprech - Anschlüsse: slirdieSchrlitleitungllL Verlag, GeschäitSstellcSI Adresse für Drahlnoch- richten: AnzeigerSietze», Annahme von Anzeigen für die TageSnuinmer bis vormittags 3 Uhr. Erstes Blatt 164- Jahrgang Samstag. 19. Dezember 1914 Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Zchriftleitung, Seschästsstelle u. Druckerei: Schulstr. 7. Ä e z » as o rct s : monatl. 75 Di., viertel- jährl. Mk. 2.20: durch Abhole- >u Zweigstellen monatl. 65 Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel- jahrl. auSichl. Bestellq. Zeilenpreis: lokal 15Ps., n»sw. 20 Pi. — Haiipt- schristleiter: Aug. Goetz. Peraiitivortlich für den volit. Teil: Aug. Goetz: sür .Feuilleton", .Vermischtes" und.Gerichts- saal": Karl Neurath; sür .Stadt und Land": Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck. Günstige Nachrichten aus dem Vesten. Die Verfolgung der Russen auf der ganzen Nampsersront. (WTB.) GroheSHauptauartier, 18 Drz. vormittags. (Amtlich.) Der Kampf bei N i e u p o r t steht günstig. ist aber noch nicht beendet. Angriffe der Franzosen zwischen L a B a s s e t und Arras sowie beiderseits der Somme scheiterten unter schweren Verlusten für den Gegner. Allein an der Somme verloren die Franzosen 1200 Gefangene und mindestens 180 0 Tote. Unsere eigenen Verluste beziffern sich dort aus noch nicht 200 Dlonn. In den Argonnen trugen uns eigene, gut gelungene lAngriffe etwa 750 Gefangene und einiges Kricgsgcrät rin. Von dem übrigen Teil der Westfront sind keine brsonl- deren Ereignisse zu melden. An der oft- und wc st preußischen Grenze ist die Lage unverändert. In Polen folgen wir weiter dem weichenden Feinde. Oberste Heeresleitung. * * * ’ Wirn, 18. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird vtrlantdart: 18. Dez. mittags. Die geschlagenen russischen Hauptkräste werden aus der ganzen über 400 Kilometer breiten Schlachtfront von Krosno bis zur Bzuramündung verfo lgt. Gestern wurde der Feind auch aus seinen Stellungen im nördlichen Karpathen- vorlandc zwischen Krosno und Zakliczyn geworfen. Am unteren Dunajetz stehen die verbündeten Truppen im Kainpf mit den feindlichen Nachhuten. In Süd polen vollzog sich die Vorrückung bisher ohne größere Kämpfe. P i o t r k o w wurde gestern von dem k. k. Infanterie-Regiment Wilhelm I. Deutscher Kaiser und König von Preußen Nr. 34. P rzed- lborz gestern von Abteilungen des Nagy-Szebener Infanterie-Regiments Nr. 31 erstürmt. Die heldenmütige Besatzung von Przemvsl setzte ihre Kampfe im weiteren Vorfeld der Festung erfolgreich fort. Die Lage in den Karpathen hat sich noch nicht wcscntllhch geändert. Der Stellvertreter des CürfS des Genrralftabes: v. H ö f r r, Generalmajor. Bis zur Stunde sind keine weiteren Nachrichten über die Größe der russischen Niederlagen und die Ergebnisse der Verfolgung des Feindes eingelausen. Es heißt in dem gestrigen deutschen Tagesbericht nur: „In Polen folgen wir weiter dem weichenden Feinde." Wir wissen aus dein Verlauf des Feldzuges im Westen, daß es bei einer stürmischen Verfolgung des Feindes nicht möglich ift sofort an die Feststellung der Zahl der Gefangenen und des eroberten Materials zu denken. General v. Kluck hatte bei seinem berühmten Vormarsch solche Meldungen auch meist mit einiger Verspätung erstattet. In Polen betrachtet unsere Kriegsleitung den Kampf Mit den Russen noch keineswegs als beendet, und sie will offenbar die Früchde des Sieges vermehren, bis sie solche bekanntgibt. Wir wollen uns daher gern gedulden. Auch über die Art der Verfolgung schweigt di« Heeresleitung sicherlich mit guten Gründen: der Fbind soll über die deutschen Bewegungen und Absichten nichts wissen, und wir dürfen gewiß sein, in weltpolitisch riesengroßen Tagen zu leben, auch wenn einmal nicht viel geredet und berichtet wird. iUeberall, auch in Oesterreich-Ungarn, wird die Riesenschlacht an Polen und Galizien als die größte und bedeutungsvollste bezeichnet, die je erlebt wurde, und die siegreichen Führe« gelangen zu einem Ruhme, der dem unserer bekanntesten und beliebtesten Helden gleichkommt. Die Beschießung der engliscl^en Hafenstädte hat eine r ö ß e r e Wirkung gehabt, als ursprünglich berichtet waren war. Die „Times" meldet, daß schon 90 Leichen in Hartlepool gefunden worden sind und daß unter den Trümmern der Häuser wohl noch mehr Opfer verborgen sind. Die Zahl der Verwundeten gehe schon in die Hunderte. WM es die englische Presse nun inrmer noch wagen, den deutschen Angriff als „harmlose Demonstration" zu bezeichnen? Das Kopenlwgcner Blatt „'Politiken" stellt fest, das Vertrauen, daß England die Nordsee beherrsche, sei bei allen handcltreibenoen Nationen in hohem Maße zerstört. Gerade jetzt, an dem Tage, wo die nordischen Könige in Malmö sich ansckicken. die Weltlage zu betrachten und darnach ihre Interessen einzurichten, kommt uns der Beweis von der Tatkraft unserer Flotte hoch gelegen! Auf dem westlichen Kriegsschaupla^ sind neue, ansehnliche Erfolge erkämpft wdrdcn. Noch immer wogt der Kämpf bei Nieuport, der günstig^ für uns steht. Sehr bemerkenswert ist es,'daß bei Angriffen der Franzosen zwischen La Bassee und Arras unsere Verluste sich auf noch nicht 200 beziffern, während die Angreifer, die zurückgeworfen Wurden, mindestens 1800 Tote und 1200 Gefangene verloren. Nach solchen Proben w^rd Joffres Offensivgelüste wohl bald zum Schweigen kommen! Der Sieg über die Russen. Wien, 18. Dez. (WTB. Nichtamtlich) Die Blätter besprechen den Sieg in Polen mit der größten Genugtuung. Das „Fremvenblatt" schreibt: Der Sieg der Verbündeten ist kein Ucbcrraschungs-, kein Au- acnblicks-Ersolg, sondern der feste Schlußstein eines mit eherner Konsequenz, Quader aus Quader, aitf&efiü)rtc„ Baues. Das verstärkt die ungeheure Bedeutung des entscheidenden Erfolges, den die Verbündeten ans den volnisch-galizischen Schlachtfeldern errungen haben, noch um ein Weiteres. Die Niederlage der Russen wird nicht bloß die sernere Gestalwng der Tinge aus dem nordöstlichen Kriegsschauvlatze, sondern auch dio politischen Vcrhälmissc auf allen Schauplätzen des gegenwärtigen Weltkrieges beeinilussen. Mit Rußland haben auch seine Verbündeten und Vasallen, welche aus des Zarenreiches Hilse alle Hossnung setzten, eine entscheidende Niederlage erlitten. Das Bbat» schließt: Die gewaltigste Schlacht der Weltgeschichte und der in ihr eftochtene große Sieg bleiben zugleich ein unvergängliches Denkmal der treuen Waffenbrüderschaft Deutschlands und Oesterrcickz-llngarns. In voller Einigkeit, nur immer den großen Zweck des Ganzen vor Augen, kämpften die deutschen und österreichisch-ungarischen Armeen nicht bloß äußerlich Schulter an Schulter in dieser Völkerschlacht, smrdern sie teilten sich auch in wahrhaft herzlicher Kämeradschasl in die gewaltige Kamps- arbeit. Mit todesmutigem Heroismus kämpften die deutschen Truppen mit unseren vereint, indem! einer den andern in selbstloser Weise unterstützte. Wie wir mit freudiger Genugtuung von der Anerkennung Akt nehmen, welche die deutsche Oeffentlichkeit unserem Heere zollt, das tapfer und treu der großen gemeinsanrntz Sache dient, so grüßt bei uns die große. Allgrmeürhcit die Helden, der deutschen Armee an diesem frohen Siegestage mit hellem Jubel. Budapest, 18, Dez. (WTD. Nichtamtlich.) Sämtliche Blätter feiern in begeisterten Ausdrücken den großen Sieg in Polen. Der „Pester Lloyd" schreibt: Wieder ist erwiesen, daß die Zukunft der Menschheit eher ein sittliches Problem als ein Rechenexempel ist. Rußlands Heer ist geschlagen, Oesterreich-Ungarn und Deutschland haben gesiegt!! Die Nachwirkungen dieses Sieges sind vorerst nicht zu übersehen, aber eines ist schon sicher: Nicht nach Rußlands Machtgier, nichts nach Frankreichs perversem Ehrgeiz, nicht nach Englands Krämer- Plänen wird sich die Welt neu sonnen! Der Riesenhammer der Weltgeschichte schlug ein Instrument in Scherben, von dem unsere Feinde die Verwirklichung ihrer Träume erhofftem Freiheit. Zftüisation und Gerechtigkeit tragen den Sieg davon. Sie werden der neuen Zukunft Inhalt und R chplng geben. Das „Neue Pestcr Journal" schreibt: Niemals sind im Laufe der Geschichte so ungeheuren Opfern an Menschen und Kriegsmaterial, wie Rußland sie bracht«, so geringe Erfolge beschieden gewesen. Die Niederlage der Russen und das unerwartete Erscheinen deutscher -Kreuzer zur Beschießung englischer Küstenbefestigungen sind Ereignisse, welche dem heutigen Tage den Stempel eines historischen Datums anfdrückcn. Zwei Tinge stehen fest: Man erlebte einen bösen Tag in England; es mag lange dauern, bis Rußland wieder ftgendwie aktions- fähig nnrd. Berlin, 19. Dezi. In der „Neuem Zürcher Zeitung schreibt deren milftärischer Mitarbeiter: Man darf heute schon sagen, daß der Feldzug in Russisch- Polen wahrscheinlich zu den grandiosesten Unternehmungen zählen wird, die die neueste Kriegsgeschichte zu verzeichnen hat. Er rückt die Namen Hindenburg und Ludendorffin die Reihe der ersten Feldherren, aber er bedeckt ihre tapferen Scharen mit unsterblichem Ruhme. Sie haben Strapazen und Mühen ansgehalten, weitaus größer als diejenigen, die das &eer zu erdulden hatte, das Napoleon einst nach Moskau filhrte. Bern, 19, Dez. (JS®. Nichtamtlich.) Der „Berner Bund" schreibt: Die große Entscheidung, welche der Krieg bisher gebracht hat, ist nach unserer Voraussage das prachtvo Ile Manöver der Hindenbnrgischen Flankenossensive, die nicht nur geglückt ist, sondern die auch im Süden und Westen der Verbündeten Armeen die Offensive der Russen zu ersticken vermochte. Als die Russen den Hinüenburgischen Ostflügel überfluteten, führt die geniale Benutzung der ümeren Linlc die notwendigen Verstärkungen zu und befähigte die Deutschen, das Ueberauellen der russischen Massen abzudämmen. Uebcrall traten den Russen rechtzeitig Verstärkungen der operativ so bewegtichcn Gegner entgegen, um nach der allgemeinen strategischen Grundregel dort stark zu sein, wo dir Entscheidung ftel. Hätten die Russen länger als rätlich und solange, bis die österreichische Zange südlich von Przemhsl sie einschloß und an der Bzura-Mündung hernrngriff, während bei Piottkow ein tiefgehender Schnitt die russiscknm Massen cndgülttg spaltete, so wäre ein Rückzug auf San und Weichsel unmöglich gewesen, Soweit ließ es Nikolai Ni ko l a j ewi t sch und sein Generalstab indessen nicht kommen. Aber stark zermürbt trat Rußlands Hauptmacht den Rüchug an. Es ist an- zunebmen, daß die Ruffen überall Aufstellungen oorbereüeir, aber auch, daß die Verbündeten den letzten Hauch von Mann und Roß daran setzen werden, um dem Gegner an der Klinge zu blcrben. Es ist fraglich, ob die Ruffen nun nach der Schlacht, welche will als die größte der Weltgeschichte und im Zusammenhang der taktischen Entscheidungen mit der strategischen Operation als eine der genialsten Kriegshandlungen allen Zeiten bettachten, noch einmal dem Gegner stand halten. Ballt Rußland hinter der Weichsel noch einmal Heere zusammen, wozu cs seine Mcnschenmassen noch lange befähigt, so wird ihhn doch so viel Moral fehlen, um nochmals mit Aussicht auf Eftolg den bereits zweimal gescheiterten Versuch, den Krieg auf Berlin unp Wien vorzuttagen, ins Werk zu setzen. Solange wir keinen Einblick in die imreren Verhältnrsse der russischen Armer haben bleibt die Schlußfolgerung offeir, ob die russische Generalofsensfte endgültig gebrochen ist. Ter russische Feldzug ist entschieden in dem Sinne, daß Rußland nunmehr auf die Verteidigung angewiesen ist. Tie 'großen Abgaben an Gefangenen weisen aber bereits auf eine tiefgehende Zersetzung hin. Wo aber blecht in diesen Tagen, wo im Osten die Entscheidung reift, der große durchgreisende Angriff der Franzosen und Engländer? Ein Telegramm an Hindenburg. Berlin, 19, Dez. Der in Breslau tagende P ro v in- z i a l a u s s ch u ß der Provinz Schlesien hat die Absen- dnng folgenden Telegramms beschlossen: Feldmarschall von Hindenburg: „Unter Euer Exzellenz ziclbewußtcr Führung und durch die heldenmittigen Kämpft der deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen ist mit Gottes Hilfe der Ansturm! der russischen Ucber- macht auf Schlesien zusammengcbrochcn. Namens der ganzen Provinz Schlesien sendet Euer Exzellenz und Ihren siegreichen Armeen in tiefgefühlter Dankbarkeit jubelnde Glückwünsche der Provinzialausschuß von Schlesien, Der Sieg der Oesterreicher. Berlin, 19, Dez, Zu der österreichisch-ungarischen Offensive in Westgalizien ward dem „Berl. Tagebl." von seinem Kriegsberichterstatter ans dem österreichischen Kriegspresseguartier gedrahtet: Die unmittelbare Bedeutung dieses Erfolges ist die Befreiung Ungarns von den cinbrechendeit Kolonnen und die Wiedergewinnung von Westgalizien. Im Raume von Bochnia stand eine starke russische Streitmacht, der sich im Bezirk Neu-Sandec viel Kavallerie und zwei Divisiouen des 2. Armeekorps anschlossen. Auch haben die Ruffen, wie ich bei einem Besuch des Schlachtfeldes von Limanowa von Gefangenen erfuhr, bis in die letzten Tage von Kiew über Lemberg Verstärkungen herangezogen. Diese Truvven verließen eine Station vor Lemberg die Eijeubahn und beendeten deu Weg unter Umgehung Przemyls's in Fußmärschen. Die Entscheidung konnten sie ebensowenig ändern, wie die aus den Karpathen zurückflutenden Kolonnen. Die Russen verloren vielmehr in den Kämpfen über Tausende an Toten und Verwundeten und 26000 Gesängen« an unsere Verbündeten. Türkische Glückwünsche. Konstantinopel, 18. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Der Senat richtete an das österreichische Herrenhaus, das ungarische Magnatenhaus und den deutschen Bundesrat Telegramme, in welchen seinen brüderlichen Wünschen für den Erfolg ihrer Armeen Ausdruck verliehen wird. Vom Zaren. Petersburg, 18, Dez. (WTD. Nichtmnllich.) De» Kaiser ist von Wladikawkas ab gereift Vor seiner Abreise empfing er Abordnungen der in der dortigen Gegend an-, sässigen Stämme, ivelche dem Kaiser Geschenke und Geld für Kriegsbedürfnisse überreichten. Russische Räuber. Berlin, 18. Dez, (WTB, Nichtamtlich.) Me „Nott>- deutschc Allg. Ztg." schreibt über die russische Kriegs führung: Den deutschen Behörden liegen umfangreiche Nachweisungen von Gegenständen vor, die bei russischen Gefangenen in Gefangenenlagern entdeckt und offenbar von den Russen auf deutschem Gebiet geraubt worden sind. Die Verzeichnisse der Gegenstände, unter welchen sich viele Wettsachen befinden, geben einen Beleg dafür, wie die russischen Truppen zum Teil auf deutschem Boden gehaust haben. Dabei stellen die Vorgefundenen Stücke zweifellos den bei wettern! gettngsten Teil des im ganzen entwendtten Gutes dar. Die Konsumentcninteressen Deutschlands und Oesterreich-Ungarns. Wien, 18. Dez. fWDB. Nichtamtlich.) Der Arbeitsausschuß der Krregskommission für Konsümen» tentttteressen hat beschlossen, dahin zu wirken, daß der in Deutschland geschaffene Kriegsausschuß für Kvnsumenten- interessen mit der österreichischen Kommission Hand in Hand arbeite, um die berechtigten Konsumenteninteressen in büdep Staaten wirkungsvoller vertreten zu können. * s * * Zum Angriff auf die englische Küste. London, 18. Dez. (WTD. Mchtamtlich.) „Denkers Bureau" teilt amtlich mit, daß bei der Beschießung Hartt- lepools 82 Personen getötet und 250 verwundet worden sind. Bon den auf der Höhe von Harttepook befindlichen Schiffen, dem kleinen Kreuzer „Pcttrol" und dem Torpedobootszersbärer „Doon", wurden fünf Matrosen getötet und 1b verwundet. L o n d o n, 18. De». (WTB. Nichtmnllich.) Die „Times" mtt- den: Es wurden bereits 90 Leichen in Hartlepool! gefunden. Es ist sehr möglich, daß noch mehr aus den in Trümmern geschossenen Häusern zum Vorschein kommen. Die Zahl der Verwundeten geht bereits in die Hunderte. Verschiedene von diesen sind so schwer vettctzt, daß an ihrem Auftommen gezweifell wftd. In dem Hvspttal werden schon 160 Fälle behandelt. Die Beschießung war viel lebhafter als man sich anfangs vorstellte Der Korrespondenz der „Times" sagt: Keine überttteben klingenden Berichte konnten mich auf die allgemeine Verwüstung vorbcrcttcn, die ich gestern sah. Die Deutschen ändetten offenbar absichllich jedesmal die Richtung ihrer Geschütze, um eine möglichst große Oberfläche zu bestreichen. Die Küstenbattetten am Hascncingang wurden ge» ttoffen, aber die dahinter und daneben stehenden Gebäude ihrer Dächer beraubt. Löcher klafften in den Mauern. Ein starkes Erdbeben hätte nicht so viel Schaden airrichten können, wie ich in den nach der See führenden Straßen sah. Besonders die Stadt viertel, in denen Wohnhäuser stehen, sind ernstlich beschädigt, weniger die Geschästsviettrl und die Docks, In den Fabriken und den Docks geht die Arbett ihren gewohnten Gang. Der Sttaßcnbahn- und der Eisenbahnverkehr ist normal, aber der Gasmangel wird lcbdast empftnden. London, 18. Dez. (WTD. Nichtamtlich.) Die .Limes" melden: Seit dem Beginn deö Krieges sind an der Ostrafte zahlreiche »er fTtgermtgen gegen eine Beschießung ausgenommen worben. Di« Versicherung erfolgte anfangs zu nominellen Raten, vielfach zu 5 oder 10 Schilling für 100 Psüiw Sterling Spater stiegen die Raten. In Hartlepovk wurden Versicherungen mit Raten dis zu einem Pfund abgeschlossen. Jetzt nach dem Bericht von der Beschießung wurden Roten von 30 Schilling bis zu 5 Pfund geforoert. * w * i Bom Kaiser. Berlin, 19. Dez. Der Kaiser hat gestern in Begleitung der Kaiserin in Potsdam das Lazarett der Kaiserin im Orcmgericgebäude besucht. Er ließ sich zunächst von den Acrzten Bericht erstatten über die Einrichtung deS Lazaretts und ihre Zwecibcstimmnng und wandte sich dann den Setnnmbctot zu. Von Bell zu Bett gehend sprach der Monarch nrit ,eöcni Einzelnen, erkundigte sich über die Gefechte, an denen sie teilgenonrmen, und über die Vertoundungen, die sie erlitten. Zwei Stunden währte die Anwesenheit des Kaiser Paares. — Auch die Königin von Schweden besuchte gestern mehrere Lazarette und besichtigte einen La- zarcttzug in Moabit. Karlsruhe (Baden), 18. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Wie dos stellvertretende Generalkommando des 14. Armeekorps mitteilt, hat der Kaiser unter dem 17. Dezember an den General der Infanterie G a e d e in Freiburg i. Br. folgendes Telegramm gelangen lassen: Seine Majestät sprechen Ew. Exzellenz und den Ihnen unterstellten Truppen seine Anerkennung mnd seinen kaiserlichen Dank für die in den letzten Tagen bewiesenen vortrcsslichcn Leistungen bei dem Schutze des deutschen Landes aus. — Für die Richtigkeit: v. Falkcnhayn. Eine Anszeichnung des Führers der „Karlsruhe". Karlsruhe, 18. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) In dank- cbarer Würdigung der kühnen und erfolgreichen Taten, welche der kleine Kreuzer „Karlsruhe" zum Ruhme des deutschen Vaterlandes aus dem fernen Weltmeer vollbracht hat, und zur Ehrung seiner tapferen Besatzung beschloß der Stadtrat unter Vorbehalt der Zustimmung des Bürgerausschusses gestern, dem Kommandanten, Fregattenkapitän Köhler, das Ehren- bürgcrrccht der Stadt zu verleihen. Das Wcihnachtsschiff aus Amerika. Berlin, 18. Dez. (W. B. Nichtamtlich.) Dir „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt unter der Ucberschrift „Das Weihnacht s s ch i f s a u s Amerika": In nicnschlich schöner Weise geben weitere Kreise der Bevölkerung Nordamerikas ihrer Teilnahme an den ernsten Zeiten Ausdruck, die Europa durchlebt. Aus Anregung des Herausgebers des „Chicago Herold", dem sich andere große amerikanische Blätter anschlossen, ist unter den amerikanischen Kindern eine »Sammlung veranstaltet worden, deren Leitung eine 18 Millionen Kinder umfassende Schul Vereinigung übernahm. Die Anregung siel aus sruchtbaren Boden und hatte in kurzer Zeit einen überraschenden Erfolg. In überaus großer Zahl gingen die Gaben ein, die als Weihnachtsgeschenke für Kinder Verwendung sinken sollen. Am 14. November trat John Collan D ' L a u g h l i n, der sich an die Spitze des großartigen Unternehmens gestellt hatte, an Bord des Transportdamvfers der amerikanischen Marine „Jason" die Reise nach Europa an. Nachdem die für England und Frankreich bestimmten Geschenke gelandet waren, begab sich der .Jason" nach Genua, von wo die Gaben für Deutschland und Oesterreich-Ungarn weiterbesördert wurden. In Genua wurde öerr O'Lauqhlin von Vertretern Deutschlands und Oesterreich-Ungarns begrüßt. Uebcr Wien und München traf er heute in Berlin ein. Er wird mit seinen Begleitern am Nachmittag im Ratdause durch den Berliner Magistrat festlich empfangen werden. >— Wir heißen die amerikanischen Herren als Freundschastsboten nn der Reichshauptstadt herzlich willkommen. Frei von jedem politischen Beigeschmack, ist die .Kundgebung eine Aeußerung reiner Menschenliebe, deren Wert das deutsche Volk auch in harten .Kriegszeiten hoch zu schätzen weiß. Die unsere Nation erfüllende feste Entschlußkraft, den uns ausgezwungenen Kamps bis zu einem die IZukunst Deutschlands verbürgenden Frieden ch u rch z u fü h r e n, hat den Zauber des Weihnachtssestes in der lBolksseele nicht auslöschen können, wenn auch die Freude naturgemäß gedämpft sein wird. Deshalb sind wir für die der amerikanischen Kundgebung zugrunde liegende Absicht, menschlichem Mitempfinden Ausdruck zu verleihen und deutschen Kindern eine Freude zu bereiten, in diesen Tagen besonders empfänglich. Wir sprechen den unter uns weilenden Wgesandten Amerikas und allen Förderern des Werkes jenseits des Ozeans und nicht zuletzt den ungezählten amerikanischen Kindern, die sich an dem Zustandekommen der schönen Veranstaltung beteiligt haben, innigen Dank aus. Die türkisch-russischen Kämpfe. Konstantinopel, 18. Dez. (WTB'. Nichtamtlich.) -Amtlich wird gemeldet: Die russischen Truppen versuchten burter dem Schutz von Geschützen und Maschinengewehren jaus dem linken Ufer des Tschornk norjugefyen, wurden hxber nach fünfstündigem Kampfe znrnckgetrieben. Nach Der Schlacht bei Sarai l, die für die türkischen Truppen glücklich endete, haben diese die Verfolgung des Feindes »ohne Unterlaß fortgesetzt. Türkische Kavallerie traf 15 Kilometer westlich von Kotonr auf den Feiird, griff ihn, ohne das Eintreffen ihrer Infanterie abznwarten, an und verjagte ihn^in der Richtung auf Razi und Kotour. Vom Burenkricg. London, 18. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Das Renter- §che Bureau meldet aus P r e t o r i a: Amtlich wird bekannt gegeben: Am 16. Dezember wurde den Buren nnler F o n r i e »zwischen Rustenbnrg und Pietersburg ein heftiges Gefecht geliefert. Der Kamps danerle bis zum Eintritt der Dunkelheit, woraus die Regiernngstrnppcn mit Hilfe von Polizeitrnppcn die Stellung der Buren erstürmtem Diese ergaben sich nach einem Bajonettgefecht. 45 Buren, darunter Fourie, wurden gefangen genommen. Der Dreikönigstag in Malmö. Malmö, 18. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Der Kö n i g Vv n Schweden ist mit Gefolge heute früh hier eingetrof- sen. Die Stadt ist reich geschmückt. Um 9V* Uhr begab sich der König nach dem Hasen, wo bald derKönigvonDäne- än a r k an Bords des Kreuzers „Heimdall" cintras. Der sSchwedenkönig ging unter den Klängen der schwedischen Nationalhymne an Bord. Die Könige küßten einander die Wange. Unter den Hochrufen der spalierbildcnden Menge (fuhren die Könige nach der Residenz. Um 10'/» Uhr traf der König von Norwegen mit Extrazng ein und wurde Dom Körrig von Schweden empfangen. Die Könige umarmten und küßten sich und fuhren sodann unter lebhaften Huldv- gnngen der Volksmenge in die Wohnung des Wnigs. Nachdem er die hohen Gäste nach ihren Wohnungen /begleitet hatte, hielt sich der Schwedenkönig bei jedem der Beiden Monarchen etwa eine halbe Stunde auf. Um 11V- Uhr trafen die beiden fremden Herrscher bei dem Schwedenkönig «in. Unmittelbar darauf begann die Konferenz. Um 1 Uhr war Frühstückstafel, worauf die Verhandlungen sofort wieder anfgenommen wurden. Malmö, 18. Dez. (WTB Nichtamtlich.) Die Hul- dignngder Studenten vor den drei Königen bot ein glänzendes Dill» in dem sonst ernsten Programm. Eine große Menschenmenge füllte den Roßmarkt, an dem die Residenz liegt. &tü>a.500 jBtutoentert ntit 14 frafy* neu bildeten den Zug. Ms die Könige ans dem Balkon erschienen, brauste ihnen ein Sturm der Begeisterung entgegen. König Gustav stand in der Mitte, Köriig Christian rechts und König Haakon links von ihm. Der Vorsitzende des Stndentenkorps aas Lund hielt eine Ansprache, in welcher crbetonte, daß die Zusammenkunft ein historisches Ereignis während des Krieges bildg der sich über Europa walzte. Er sagte, wir leiben das Glück, den personiftzicrtcn Willen und das Vertrauen zwischen den Völkern des Nordens zu sehen. Im Namen der akademischen Jugend verspreche ich, daß wir alles tun wollen, die Verbindung.zwischen den Hochschulen des Nordens zu stärken unter Wahrnehmung der nationalen Eigenart eines jeden Landes. In unsere Huldigung schließen wir die innige Hoffnung, daß ewig Vertrauen zwischen Den Völkern des Nordens herrschen möge. Die Rede schloß mit einem vierfachen Hurra des Nordens für die drei Könige. Nach dem Hurra wurde eint* stimmig der schwedische Nationalgesang gesungen. Der Vorsitzende des Stndentenkorps von Lund und einige Vertreter der akademischen Lehrer wurden von dem Könige in die Residenz befohlen. Daraus marschierten die Studenten unter Gesang vor den Königen vorbei, die herzlich grüßten. Unter der Menschenmenge herrschte »großer Jubel. Ausklärnng über de» „nackten Flieger". Vor einiger Zeit ging die Nachricht durch d-i-e Presse, ein englischer Flieger habe einen kriegsgefangenen deutschen Soldaten gezwungen, nackend sein Flugzeug zu besteigen und mit ihm über die deutscken Stellungen zu fliegen, die er dem Engländer veroatcn sollte. Die eidliche Vernehmung dieses Mannes hat nun zwar ergeben, daß er nicht nackend fliegen mußte, sondern nur gezwungen wurde, vor der Abfahrt seinen Rock anszuzieheu. Diese Frage ist aber von untergeordneter Bedeutung angesichts der hier zutage ,ge- tretenen sonstigen Handlungsweise der Engländer. Der unglückliche Flieger ,gvider Willen" ist der Kriegsfreiwillige Erich C a l l i e s, zurzeit in einem Lazarett in Leipzig-Plagwitz. Wir lassen ihn selbst seine Erlebnisse schildern, indem wir wörllich das gerichtliche Protokoll wiedergeben. Le.ipzig-Plagwitz, den 28. November 1914. An einem Abend zwischen 9 und 10 Uhr lourde ich in der Gegend zwischen Merkem und Nachtigall (Belgien) von einer englischen Vorposdcnabteilung gefangen genommen. Das'Datum kann ich nicht mehr genau angeben. Es war, glaube ich, Ende Okwber, bestimmt weiß ich, daß es an einem Sonntag abend gewesen ist. Ich wurde etwa zwei bis drei. Stunden lang hinter die Schützenlinie auf einem Biwakplatz geführt und drück an einen Baum angebunden. Auf dem Marsche dorthin wurde ich von einem serndl ichen Soldaten zweimal mU dem Gewehrkolben in den Rücken gestoßen. Am Montag vormittag etwa gegen 8 oder }/& Uhr wurde ich von dem Baum wieder losgebnnden. Hier wurde die Vernehmung unterbrochen, Weil Collies hohes Fieber hatte und von einer wefteren Anstrengung eine Verschlimmerung seines Zustandes zu befürchten war. Bei seiner Vernehmung am 4. Dezember fährt er dann in seiner Schilderung wie folgt fort: Nachdem jch von dem Baum losgekmnderr worden war, wurde ich zu einer Gruppe höherer Offiziere geführt. Einer von ihnen, der fließend deutsch sprach, fragte Mich danach aus, wo die Stellung unserer schweren Artillerie sei, wo der Generalstab stehe, wo Schützenlinien seien, was für Truppen vorhanden seien ^md wo die Munitionskolo-nnrn sich befänden. Ich gab über älle Fragen Auskunft, indem ich irgend etwas erfand, da ich das, was ich ausgcftagt wurde, nicht wußte. Wenn rch etwas .wußte, sagte ich nicht die Wahrheit. Nach »Beendigung des Verhörs wurde mir auf Befehl eines Fliegeroffiziers durch zwei Soldaten, die zu meiner Bewachung befehligt waren, der Waffenrock ausgewogen. Weswegen das geschah, konnte ich mir nicht denken. Ich habe den Waften- rock nie wieder zu sehen bekommen. Ich wurde in Begleitung des Fliegeroffiziers nach dem Flugplätze geführt: dort mußte ich mit dem Fliegeroffizier den Flugapparar be- E eigen. Vorher hatte mir der Offizier aus einer Skizze die rtc erst bezeichnet, durch die er fahren wollte und hatte mir besohlen, ihm die Truppen, die an diesen Orten ständen, zu verraten. . Wir waren etwa 4—5 Stunden in der Lust. Nach unserer Landung wurde ich» wieder verhört. Ich versucht« cs jetzt, mir damit zu helfen, daß ich nicht antwortete. Da wurde ich aus Befehl des mich verhörenden Offiziers von Mannschaften solange ins Gesicht geschlagen, bis ich etwas sagte. Ich sagte dann teils Erfnndmres teils Unwahres. Am nächsten Tage (Dienstag) mußte ich wieder mit dem Fliegeroffizier auffteigen. Er hatte mir vor dem Aufstetgen befohlen, an den Stellen, wo er Schleifen fahren würde, Bomben zu werfen und im Weigerungsfälle gedroht, mich mit dem Revolver zu erschießen. Ich warf die Bomben au den mir angegebenen Stellen nicht. Der Fliegeroffizier holte mit der Bombe nach mir aus, als wollte er sie nach mir schlendern, tat es aber nicht. Nach unserer Landung wurde ich wieder verhört, und wenn ich nicht antworten wollte, s»olange in das Gesicht geschlagen, bis ich eine Antwort gab. Am Mittwoch und Donnerstag wiederholter: sich die Flüge. Am Dvmrecstng wurde der Flugapparat von ainem Geschoß getroffen und zum Landen genötigt. Dem Flieger gelang die Landung in einiger Entfernung von unseren Truppen. Während er eine Zeit wcgging, um Wasser zur Kühlung seines Apparates zu holen, floh ich Und gelangte, ohne daß ich durch seine Schüsse verletzt worden wäre, zu den Unsoigen. Wir waren jedesmal etwa 4—5 Stunden in der Lust und zwar in einer Höhe von 2200—2500 Meter: das konnte ich vrm einem Höhenmesser, der in dem Flugapparat ange b ra cht war, mst Genairigkeit ablcien. Es war bitter kalt und es herrschte ein scharfer schneidender Lustzug. Der Fliegeroffizier >var mit voller Uniform, Pelz und Ledermantel bekleidet und hatte außerdem Muud- und Augenschutz. Ich trug die volle Fußbekleidung, Hose und Unterhose, zivei baumwollene Eigentumshcmden mtb eine rote wollene Jacke. Ich fror entsetzlich und empfand Stiche in der linken Seite und Brust und die Augen schmerzten stark. Zu essen bekam ich während meiner Gefangenschaft täglich etwa ein halb Pfund Brot nach der Landung. Zu trrnken bekam ich überhaupt nichts. Ich litt stark an Durst und die Nahrung war ungenügend. Versuche, meine Lage durch Bitten zu verbeffern, schlugen fehl. Jedesmal, wenn ich etwas sagen wollte, wurde ich angefahren, ich sollte schweigen und nur antworten, wenn ich gefragt würde. Ich erkrankte, wahrscheinlich infolge der mir widerfahrenen harten Behandlung, an Rippenfellentzündung, Lungenkatarrh und an rheumatischen 'Schmerzen am ganzen Körper. Heute bin ich das erstemal wieder auf, ich empfinde aber noch rheumatische Schmerzen und Stiche auf der Brust. Der Arzt sagt, es würde ungefähr rwch drei Monate dauern, bis ich wieder hergestellt wäre. Callies wurde das Protokoll vom 28. November 1914 und das Protokoll von heute vorgelesen. Er genehmigte beide Protokolle als richllg und er wurde zu seinen Aussagen vorschriftsmäßig beeidigt. Er bekräftigte die Richtigkeit der mündlichen Berhaiidlüng und der Niederschrift durch seine Unterjcknckft. Das Protokoll trägt folgenden Zusatz: Die Angaben des Callies machten einen durchaus glaubwürdigen Eindruck. Er war vor seiner Vernehmung unter Hiniveis auf den zu leistenden Eid und unter Verwahrung vor jeder Uebcrtreibung eindringlich ermahnt worden, sich streng an die Wahrheit zu halten. Dieses Protokoll liefert zunächst den Beweis für eine schwere Verletzung des Kriegsrechts seitens der Engländer, denn in dem Protokoll der ^weiten Haager Friedenskonferenz cs unter „Ordnung der Gesetze und Gebräuche des Landkrieges" im Artikel 23 ausdrrullich: „Den Kriegführenden ist ebenfalls untersagt, Angehörige der Gegenpartei zur Teilnahme an den Kriegsnntern ehmnngen gegen ihr L a n d z n zwingen." Weiterhin liegt erber auch in dem Verhalten der beteiligten Engländer eine unsagbar herzlose Grausamkeit. Wer eine solche nicht anerkennen will, wöge nur seinen ersten Flug so ausgerüstet, wie Callies es war, versuchen und sich dabei in höhere Luftschichten emportragcn lassen. Dann bliebe ihm noch die Gchahr erspart, in dev Callies schwebte, nämlich von „denffckpm Kugeln" getroffen zu werden. Bon kalter Herzlosigkeit zeigt es auch, daß die Engländer nicht einmal diesen Gefangenen, dessen Hilfe sie sich zu bedienen trachteten, ordentlich verpflegten. Es erscheint fast wie ein Wunder, daß Callies nicht noch schwerere Schädigungen seiner Gesundheit erlitten hat. Aus dem Reiche. Siegesfeier in Baden. Ans Karlsruhe wird gemeldet: Wegen des herrlichen Sieges in Polen hat das Groß- herzogliche »Ministerium des Kultus rärd des Unterrichts angeortmet, daß am Samstag, den 19. Dezember in allen schulen des Grobherzogtums der Unterricht ausfällt und in ein. fachen Schulfeiern auf die Größe des Kampfes, die Bedeutung deS Sieges, die Tapferkeit des Heeres und die Gcnialstät seiner Führer hinzuweisen ist. C z a r n i k a u , 18. Dez. (WTB. Nichtamtlich^ In dem Wahlkreis Eolmar-Filehne-Czarnikau-Schneide- mühl ist der Abgeordnete Roesicke bei dm heutigen Reichstagswahl nahezu einstimmig gewählt worden. Nur wenige Stimmen waren zersplittert. Feindliche Flieger über Saarvurg. Aus Saarburg (Lothringen) vom 18. Dez. meldet das Wolff-Burcau: In der vergangenen Nacht gegen 12 Uhr überflogen zwei feindliche Flugzeuge die Stadt und warsen insgesamt 10 Bomben ab. Dabei wurden ein Ulanemrntevofsizier und ein Man auf offener Straße getötet und ein Dienstmädchen so schwer verletzt, daß an seinem Aufkommen gezweiselt wird. Der angerichtete Materialschaden ist ziemlich bedeutend. Auch in Heming warfen die Flieger zwei Bomben ab, ebenso auf die Bahnstation Rieding, Ar»» Stadt und Canft» Gießen, 19. Dezember 1914. Quälgeister. Jede Redaktion kennt sie. Sie sterben nicht aus, sie er b e« sich fort von Geschlecht zu Geschlecht. Nie aber waren sie so zahlreich und ausdauernd wie eben jetzt, die Redaktion s q uä l ge i ste r. Ausdrücklich sei beurertt: Wr sprechen nicht nur pro äomo und haben nicht nur Giehener Berhältnffse im Auge, aber wenn der eine oder ander« seine Nutzanwendung aus der allgemeinen Betrachtung herauslesen und auf einen speziellen Fall ariwenden wollte, sollte es uns recht sein. Da sitzt also die Redaktion und müht sich, dem Leserkreise die Ausgabe vom heutigen so schmackhaft zu servieren, daß er mit seinem Blatte zufrieden ist. Das ift schwer, aber immerhin denkbar. Ausgerechnet am Abend vorher ist es einem jener sonderbaren Spaßvögel, deren humoristffche Anwandlungen gottlob bei der Behörde stein Verständnis! finden, eingefallen, irgend eine mehr oder minder bedenk-, liche Neuigkeit vom Kriegsschauplatz zu erfinden und am den Mann zu bringen. Das bedeutet allemal einen Funken» in ein Pulverfaß. Was? Hunderttausend Russen gefangen? Die Donau gesperrt? Die ganze serbische Armee ertrunken? Davon stand noch nichts in der Zeitung, angeschlagen fft es and) nirgends! Also — die logische Schlußfolgerung nach diesem „Also" wäre: Also ist es gelogen! Aber nein!'Bitte, wofür ist denn die Redaktion da? Also rufen wir mall bei der Redaktion an. „Syrier ist Abonnent Mmmmm. (Name unverständlich.) Ssaager, Se mal, da wird hier erzählt, fünfzigtausend Russen seien gefangen genommen. Ist das Tatsache?' „Nein, das sftmmt nicht. Wird mal wieder ein wildes Gerücht sein!" „Mildes Gerücht? Erlauben Sie mal! Der Herr Müller hat es doch eben im Zuge gehört, und der kommt gerade von Frankfurt." Es kostet einige Schkoierig, feit, die Sache richtig zu stellen. Eine ArbeitsmoglichSeit von fünf Minuten tritt ein. ES klingelt. Rrrr! Man hört.» „Sangen Se mal, da sollen ja achtzigckansend Russen., .ff Längere Aufklärung. Mer Minuten Arbeit. Rrrr! „Stimmt das, daß hunderttausend Russen----" Richtigstelllmg. Drei Minuten Arbeit. Rrrr! „Da sollen ja zw«ihunderttausenü Russen..." Es erweist sich, daß es zweckmäßig ist, wen« man sofort nach dem Klingeln die Stereotypsormel: „New, es sind keine Russen gefangen" anwendet. Leider ift es nicht angängig, für den Morgen eine Legitimation auf dem Dele- phonamt für Benutzung des Reoaktiomstelephous ernzu- richten, die in der bindenden Erklärung des Airrufenden besteht, er habe nichts mit russischen Gefangenen zu schaffen...» Eine andere Spezies, die unter die Ueberschrist gehört» naht auf dem Wege von Papier und Tinte. Es hieße de« Geist der großen Zeit verkennen, wenn man sich der Erkenntnis verschließen wollte, daß das große innere und äußer« Erleben den Einzelnen zu Betätigung und Ausdruck drängt Aber hier gibt es Grenzen. Der gute Geschmack muß, gewahrt sein. Dia hat jemand ein „Gedicht" gemacht. Das erste. Die ganz« Mitwelt soll zur Kindtanfe des Erstlings geladen werden. Was ist einfacher, als die Redaktion zu „ersuchen, in der nächsten Nummer" die Ankunft des Musenkindes zu berichten und das Gedicht abzudrucken. Oder: Der Stammtisch ist sich darüber klar geworden, daß der Petro- leummangcl nur darauf zurückzuführen ist, daß man den kostbaren Stoff mitunter zu Zwecken der Reinlichkeitspslege bei gefangenen Russen verwendet. Diese Entdeckung muß der Oeffentlichkeit unterbreitet werden. Ist es nicht selbstverständlich, daß die Zeitung sich zum Sprachrohr des flammenden Protestes des Stammtisches gegen diese Verschwendung macht? Oder: In einer schlaflosen Nacht ist es Herrn Schulze eingefallen, daß es doch so ungesund ist, im Winter durch den Mund zu atmen! Wie schrecklich, wenn unsere Soldaten das nicht wüßten! Und Herr Schulze schreibt einen ausgedehnten Auffatz übtp das Thema: „Das vernunftß gemäße Atmen im Schützengraben", den er die Redaktion „in der nächsten Nummer an hervorragender Stelle in Fettdruck" cmfzunchmen bittet. Ans das Honorar von 20 Mark will er zugunsten eines wohltätigen Zweckes verzichten. ' > Es gibt »och viele andere Erscheinungen, die unter diese. Rubrik passen. Nochmals: Auch anderswo. Die kleine Aus-» lese berechtigt uns aber wohl zu der Bitte, glairhen gM, wollen, daß es nicht persönliche Gehässigkeit ist, wenn wir« z. B. Einseirdnngen ab lehnen. Die Gründe dafür läim der» Einsciider meistens nicht übersehen, aber werrn eine ZeitunG ein Gedicht Mrückgibt, kann sie nicht literarische Untersuchung gen an diese Tatsache knüpsen, ebensowenig wie sie der Ablehnung eines Petroleum-EmgesmMS lange handelstech-. nische Betrachtungen beigeben'kann. Darum sei hier fest gcslellt: Wir nehmen gerne gute Gedichte aus, soweit es der Raum gestattet, noch lieber Einsendungen von gemeinnützigem Wert, solange uns Raummangel und Zensur nicht im Wege stehen, und sind höflich genug, am Telephon in beschränktem Matze Rede und Antwort zu stehen. stkur soll man einsichtsvoll genug sein, von einer Zeitung nicht zu verlangen, datz sie mit der Aufnahme eines Gedichts einen ästhetischen Selbstmord begeht oder den Abonnenten L. sofort anruft, wenn es „was Neues" gibt. Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.) Gefr. Albert Bietz, Lehrini.-Bat-, ans Manderbach. — Herm. ft r e i i d> l a t> ans Frohnhausen (Dill>. — Re!. Joh. Otliman », Jnl.-Regt. 118, auS Worms. - 3)(iiSf. Phil. Oben an er, J««I.» Regt. 118, an» PjedderSheim. — Rej. Phil. König, Jni.-Reqt. 118, ans Monsheim. — Unteroff. Heinr. A l t, Res.-Ini.-Regt. 116, ans Schotten. — Landwehrm. veinr. P e p p e l, Landw.-Jns.-Regt. 116, ans Ober-Seemen. — Lt. d. Res. L a n d s ch n tz, Feld-Arl.-Regl. 61. — Res. ftriedr, Wilh. Heu brich, Jns.-Regt. 118. — Res. Peter Gernsheimer, Jnk.-Rcgt. 118, aus WormS-Pfifflighcim. — KttegSireiw. Herm. Schucb Hardt, Res.-Jägcr-Bat. Marburg, ans Marburg. — Unteroff. Johs. B o d e n b c n d e r, Feld-Art.- Regt. 8s, ans Rieder-Weimar. — Unteroff. d. Landwehr Jean Mehling, Res.-Jnl.-Regt. 118, ans Oberolm. — Unteroff. der Reserve Hermann Er am er, Nes.-Jns.-Regt. 221, ans Offenbach a. Al. — Oberlt. d. Res. Hugo Schneider, Res.-Int - Regt. 221, ans Offenbach a. M. — Kriegsfreiwilliger cauä. ebein. Fritz A d e I m a n n, Jni.-Rgt. 83, aus Hanau. — Kriegssrcnv. Heinz Rieder, Res.-Jns.-Rgt. 221, ans Tarmstadt. .* ** Dichtervortrag in der alten Klinik. Den Verwundeten der alten Klinik wurde gestern ein eigenartiger Genutz. Ludwig Nüdling, der in manchen Kreisen noch nicht so bekannt ist Ivie seine Schöpfungen (z. B. der Lyrikband „Fallende Blätter", dessen Gedichte sich durch Gemütstiefe und Formvollendung auszeichnen) verdienten, trug den Verwundeten einen Teil seiner ernsten Kriegs- gedachte, heiteren Kinderlieber und lustigen Soldatenschnurren vor. Die Vorträge fanden auf den breiten Gängen des Lazarettes statt, wo die Vernmndeten sich versammelt hatten. Die Türen nach den Zimmern, in denen noch Verwundete zu Bett lagen, waren geössnet. Schallendes Lachen unterbrach mehrfach die Vorträge des Dichters und dankte ihm zum Schluß nebst einem begeisterten Bravo für seine genußreichen Darbietungen. ** Einquartierungsgelder. Im Anzeigenteil gibt der Oberbürgermeister die Termine für die Auszahlung der Quartiergelder für das Landsturmersatzbataillon bekannt. ** Freie landeskirchliche Vereinigung für das Großhcrzogtum Hessen. Die freie landeskirchliche Vereinigung hält ihre Hauptversammlung am 2. Januar im Hotel Großherzog von Hessen in Gießen ab. Herr Geh. Kirchenrat v. Eck wird in ihr einen Vortrag halten. Der Versammlung geht eine Vorstandssitzung inr selben Lokale voraus. Näheres über Zeit usw. wird dieser Tage im Gietzener Anzeiger bekannt gegeben. ** Stadtthcater. Auch die gestrige Wiederholung des fröhlichen Spieles von Kehm u. Frehsee „Als ich noch im Flügel kleide" hat starken Besuch und außerordentlichen Beifall gefunden, so daß auf die morgige Ausführung des heiteren Stückes mit gutem Gewissen hingewiesen werden kann. ** Ermittelter Dieb. Vor einigen Tagen kamen einer auswärtigen Dame am hiesigen Dahnhofe mehrere Ringe abhanden. Den Bemühungen der Polizei gelang es, die Person, die die Ringe an sich genommen batte, zu ermitteln. Sic wurden der Eigentümerin zugestellt. Diese gab aus Erkenntlichkeit einen Betrag zu wohltätigen Zwecken, der dem Roten Kreuz zugesührt wurde. ** Zwei Feldpostbriefe, der eine von einem aktiven 116 er, der andere von einem 222 er (man vermute keinen Fehler: Ihre Existenz braucht nicht länger umschrieben zu werden), liegen uns vor. Beide stammen aus dea< jüngsten Zeit und geben anschauliche Bilder davon, was die Regimenter, die mit Gießen am engsten verbunden sind-, augenblicklich treiben, d. h. soweit man bei der Dauer der Nachricktenübermittelung von „augenblicklich" sprechen kann. Der 116 er schreibt: Liebe Eltern! Tie Zeitungen geben schon seit Wochen so viele Kriegsbilder, daß es Euch erwünscht sein muß, einmal eine Schilderung anderer Art zu erhalten. Und dazu habe ich eben die beste Gelegenheit. W i r leben hier wie im Frieden. An die Stelle des Notauar- tiers in Scheunen und Kellern oder in der Stube eines halbzerstörten Hauses wie in unserem bisherigen Aufenthaltsorte während der Ruhetage ist eine Unterkunft getreten, die sich von der im Manöver in nichts unterscheidet. Während man bisher die wenigen zurückgebliebenen, vor Schmutz starrenden Einwohner in respektvoller Entfernung von sich hielt, freut man sich, hier in der Unter- halmng nrit der sauberen Quartierwirtin — die Männer sind ja meist im Krieg — sein mehr oder minder schlechtes Französisch an den Mann, bezw. an die Frau bringen zu können. Meine Hausfrau trägt ihr Geschick mit Würde. Ihr Mann steht bei den Territorial- truppen (Landwehr), und sie hat seit Augitst nichts mehr von ihm gehört. Bei unserem Eintreffen morgens gegen 4 Uhr empfing sie uns mit kalter Höflichkeit. Diese wich im Lause der Tage einer ruhigen Freundlichkeit. Tie Ruhe verläßt sic auch nicht. Wer es wäre falsch, deshalb bei ihr auf Gefühllosigkeit zu schließen. Tenn als gestern unsere Regimcntsmusik ihre flotten Märsche erschallen ließ, war sie nicht zu bewegen,, sie anzuhören, denn „die Musik stimme sie traurig uird bringe sie zum Weinen". Mlcs in allem eine Frau, die Bewunderung verdient, besonders, toenn man sie mit ihren Landsmänninen vergleicht, die eben noch in Tränen schwimmen und malheur, malheur schreien, um gleich daraus hellauf zu lachen und mit den Soldaten zu kokettieren. Zu dem Bilde, das ich von Frau Valentine entworfen habe, paßt denn auch der Umstand, daß sie ihre drei Kinder, einen Knaben von 10 und zwei Mädchen von 9 Jahren, in strammer Zucht hat. Sie gehorchen aufs Wort: Drohungen oder gar Strafen hat sie in den 6 Tagen, die wir hier sind, nicht angcivendct. In dem Häusck>«n. in dem wir, dre, an der Zahl, liegen, ist alles von peinlicher Sauberkeit, was wir besonders zu schätzen wissen, da wir bisher in Frankreich und erst recht vorher in Belgien andere Erfahrungen gemacht haben. Ein Exemplar der bisher gewohnten Art sehe ich täglich in Gestalt eines Bengels von etwa 10 Jalxrem, häufiger mit der brennenden Stummelpfeite im Mund, durch die Straßen streichen Andere Länder, andere Sitten! Inmitten solcher Verhältnisse also haben wir jetzt unser Heim aufgcschlagen. Ter Dienst wird in derselben Art und ebenso pünktlich gehandhabt, wie in der Garnison. -Morgens früh klopft noch in der Dunkelheit der Unteroffizier vom Dienst an den Laden und inahnt, daß es Zeit ist sich aus den Federn — man denke sich, welche Wohltat, nachdem man drei Monate lang die Stiefel nicht von den Füßen bekommen hat außer bei Behandlung der Füße und beim Wechseln der Wäsche — oder vom Stroh zu erheben. Dann wird ei» strammes Exerzieren abgchalten, bei dem die Kasernenhofblütcn so gut wie in der Garnison Triumphe seiern. Nach dem Mittagessen jäßt sich wieder Musik, diesmal ArtUlorienrusik, hören. Ob das Venuslicd aus dem „Tannhäuser" gerade die geeignete Förderung für die Verdauung des Mittagessens ist, darüber läßt sich immer hin streiten, und cs bleibe dahingestellt, ob Wagner seinen Pilger chor als Begleitmusik für Soldaten geschrieben hat, die zum Nach- mlltagsdicnst ausrückcn. Sicher ist, daß die Mulik geeignet i,t, den Reiz der Ruhe iwch weserrtlich zu erhöhen, und man kann sogar jetzt .Puppchcn" ertragen. — Sehr schnell schivindct der Tag, und bei traulichem Lampen- oder Kerzenlicht — falls man welches hat, denn an Beleuchtungsmatcrial herrscht großer Mangel — findet man sich um den runden Tisch zusammen. Man plaudert deutsch und französisch oder singt bei Kaffee, Tee, Schokolade oder auch Bier aus der Heimat die traulichen Lieder, an denen die Kinder ihre Freude habcn^Noch mehr aber belustigt diese Onkel August, der Fresser und Söffer lsprich: Ogüst där Fressör mrd Sös- tör). Tagsüber „verdrückt" dieser bei den einzelnen Mahlzeiten 2 bis H „Stiche" oder „Rotten" «'Portionen», während für de» Durchschnittssoidatcn eine ausrcicht. Dann aber schiebt er zwischen den fünf täglichen Mahlzeiten noch „Vcrbindungsrolten" ern, um einem Schwächcansall vorzubeugcn. Abends aber bläst er den Rauch seiner Zigarre in so schönen Ringen in die Luft und verdreht dabei die Augen, daß er eines ununterbrochenen Lachersol- ges bei der kleinen Gesellschaft sicher ist. Aehnlich geht es jeden Tag, bis plötzlich der Befehl komntt, der uns ivieder nach vorne bringt. Und so schwer es uns werden wird, unser jetziges gcmiit liches Heim mit all seinen Annehmlichkeiten gegen die Fährlich- keitcn des Krieges und die Unbilden der Witterung cinzutauschen: der Gedanke wird uns wohl alle beseelen, daß wir auch weiterhin unser redlich Teil dazu beitragen wollen, den Gegner, welcher es auch sei, schnell niedcrzuringen »nd unserem Bater- laude zu cineni günstigen und dauernden Frieden zu verheilen. In diesem Sinne herzlichen Gruß für heute Euer S. Das andere Schreiben lautet: „Eben habe ich Zeit und benutze gleich die Gelegenheit, Euch zu schreiben. Wir liegen nämlich am Waldrand zur Deckung für unsere Artillerie, die rechts und links feuert, und haben uns eti- was cingegraben. Gestern n>ar ein schlimmer Tag. Schon am Abend vorher wollten wir einen Angriff aus die Russen machen, die, loie wir meinten, de», Waldrand vor uns besetzt hatten. Bei Hellem Mondschein waren wir ausgeschwärmt: da brachten österreichische Reiter die Meldung, daß der Wald frei sei. Nun ging unser 1. und 2. Bataillon vor, und wir sammelten uns und durften uns im Walde hinlegen. Glücklicherweise war auch unsere „Hungcr- abwehrkanone" so nennen wir die Feldküche, bald da und so gab's auch etwas zu essen. Tie Nacht verging uns natürlich wenig gemütlich. So in der Kälte liegen zu müssen, ist eine üble Sache. Deshalb ging es auch schon früh wieder weiter. Allem Aussehen nach sollte es wieder einen größeren Marsch geben. Doch schon nach einer halben Stunde bekamen wir mitten im Walde Jnfan- teriefeuer von halbrechts. Nun sofort Kompagnie weit auseinandergehen und hinlegcn. Die beiden anderen Bataillone vor uns. Wir waren also Reserve, wurden aber mit Geschossen überschüttet, da die Russen meist zu hoch schießen. Lange Stunden lagen wir so in der Kälte, bis allmählich das Feuer verstummte. Die Russen zogen sich zurück. Nun vormittag hinterher über freies Feld. Ich bin bei der Patrouille, die auökuichschasten muß, ob das Gelände frei ist. Ueberall liegen Tornister und Gewehre herum. Tic Verwundeten werden verbunden. Tie russischen Gewehre werden alle von uns zerstört. Das nächste Tors ist frei und so warten wir auf unsere Kompagnie. Von rechts tönt das Geknatter der Maschinengewehre zu uns herüber, wahre Höllenmaschinen, links heutiges Infanterie- und Granatfeuer. Plötzlich bekommen wir über das Tors Schrapnells, und Jnfanteriegeschosse schlagen überall ein. Gedeckt gehen wir durch das Dorf dem Feinde entgegen. Nun heißt es Seitengewehr auspslanzen, dann ausschwärmcn und mit Hurra erst durch das Dickicht, dann durch Waid auf den Gegner los. Nachdem wir ungefähr zwei Kilometer gelaufen waren unter fortwährenden Hurrarufen, kamen wir an eine offene Stelle, und da konnte man die Russen laufen sehen. Nun noch einige Abschieds- salvcn. Unsere Aufgabe, den Wald zu säubern, hatten wir erfüllt. Das alles war so schnell geschehen, daß man gar nicht zur Besinnung gekommen war. Ten Eindruck, den mir das Kcunpffeld gemacht hat, will ich Euch nicht beschrechen. Nachher sammelte sich das Bataillon, und wir rückten zusammen in dasselbe Dorf, durchs das wir gekommen waren, in die Quartiere. Aus der ganzen Kampffront sollen 1500 Russen gefangen worden sein und vier Kanonen und sieben Maschinengewehre, erbeutet. — Am Abend bekamen wir dann wieder einmal Brot, seit zwei Tagen zum ersten Male, und gutes Essen. Es ist wohl das erstemal, daß ich wirklich Hunger lechen mußte, aber wir haben ja trotzdem einen schönen Eüsolg davongetragen." ** Sieges st immun g im Stadttheater. Direktor Hermann Steingoctter sprach vor Beginn der gestrigen Vorstellung zur Würdigung des bedeutsamen Sieges in Polen und des Anteils der hessischen Regimenter daran folgenden von ihm selbst verfaßten Prolog: Wenn heut im Land die Siegesfahnen flattern. Ein froher Wind ans O st e n macht sie webn — Und naht der Ostwind sonst mit Schnee und Eis — Ter Wind von dorten glich wohl Lcnzessäuseln, Auftauend löste er in Jubels Wärme Ter bangen Wochen cingcprcßt Gefühl: „Ter Sieg ist unser, laßt die Fahnen weh'n!" R o t w c i ß laßt flattern in bewegten Lüften!! Tenn aus Alldeutschlands tapfrer Hcldenschar Ward unsres Landes hochgemuten Söhnen Ter Siegespreis vor allen zuerkannt! — Dank sei den Hechen, Dank und ewiger Ruhm Und Nachruhm allen, die nicht wiederkehren! Rot floß ihr Mul in schneeig weiß Gejild Tie .Landesfarbe grüße .ihre «Schallen: „Rotweiß laßt flattern in bewegten Lüften! Und gehn mir durch« die flaggenfrohen Straßen Heut dünket traulich uns ein jedes Haus, Dem wir sonst eilig keinen Mick geschenkt; Ein freudig Raunen webet durch die Stadt —« Selbst wer den Trauerflor am Arme trägt. Schaut heute heller aus verweinten Augen, Gesellen möchten wir uns jedem Leide Und jeder Freude fühlen loir verwandt Und ein Gedanke jedes Herz bewegt: A l l d e u t s ch l a n d st e h l t, n d w i r d i m K a m p f b e st e h n! Und eint des Reiches Banner alle Stämme Zum heiligen Werk im Zeichen schwarz-weiß-rot, Deut gilt noch sondrer Stolz und sondre Freude, Daß Hessens Söhne Asien besiegt, Drum denk ich, allen klingt es aus dem Herzen: Rot weiß laßt flattern in bewegten Lüsten!! Landkreis Gießen. ä. Saasen, 18. Dez. Bis jetzt erhielten zwei Krieger aus unserer Gemeinde das Eiserne Kreuz, nämlich Heinrich Schmitt und Ludwig Hetterich. Kreis Friedberg. b. Bad-Rauheim, 18. Tez. Unsere Weltbadestadt trug bisher den ausländisckieu Badegästen in mehr alz nötiger Weist dadurch Rechnung, daß die Gasthäuser sich mit s r e »> d l ä » d i fch e » Bezeichnungen schmückten. Ter Krieg hat jetzt anch hier bessernd eingegriffen: denn o»f Anregung maßgebender Kreis- Habe» sieb die GaslhauSbesitzer bereit erklärt, Bezeichnungen wie „Bellevue", «Princ oi Wales", .Hotel de l'Eurove" usw. vcr- schwinden zu lassen »nd an ihre Stelle gute deutsche Rainen zu setzen. Starkenburg und Nheinhcsse». X Tarmstadt, 18. Tez. Ein schweres ft lieg er- u» gl ü ck ereignete sich heute voriniltag aus dem Flugplatz der Fliegerstation bei Darmstadt. Rach 8 Uhr war der ftlugzeng- lührer Gruse mit dem Kriegsfreiwilligen Kohl aus Lampert- heim als Beobachter aufgeslicgcn. Bei der Landung siog der Apparat so beltig zur Erde, daß er beschädigt und der Beobachter Kohl getötet wurde. Gruse erlitt ziemlich bedenkliche Verletzungen. — Ter in ärmlichen Verhältnisse» jebende Gärtnerei- besitzer I. W. A l h e u e r erschoß heute, nachdem er seine älteste, etiva II Jahre alte Tochter zu einer Besorgung weggeschickt Halle, seine Frau durch einen Schuß mit einer Jagdflinte in ben Kops, tötete seinen noch im Bett liegenden, etwa 4 Jahre alten Knabci, durch einen Schuß in die Herzgegend und richtete dnnii die tätliche Waffe ans sich selbst. Er wiirdc, als ,iach kurzer Zeit die Tochter von den, Aiisgang znrückkam „nd die Türe ver- schlosseii jand, aus dem Bett liegend, cbensallS tot aulgesunden. Hessen-Nassau. X Hanau, 17. D^. In der Hauptsstzung der Hanauer Handelskammer wurde ein in den Einzelheiten vertraulicher Bericht über die Einwirkungen des Krieges ans Industrie und Handel im Handelstämmcrbczsrk Hanau erstattet. Dieser Bericht zeigte, von der Edclmctattindustrie abgesehen, im ganzen ein verhältnismäßig rcchl günstiges Bild, nament- lich, stweit Beschäftigung sür direkten oder indirekten Hcercsbedars und Sendungen ins Feld in Betracht kommen, aber auch hinsichtlich der Zahlungs- und Kredilverhaltnissc. Erneut konnte sesl- geltellt werden, daß die Vermeidung eines Moratoriums in Deutschland von unabsehbarem Vorteil für unser Wirtichaitsleben sich erwiesen hat. Diesen Standpunkt hat die Handelskammer Hanau von Kriegsbcginn an energisch vertreten. Hinsichtlich der Vergebung von Heercsliescrungen hat die Handelskammer verschiedenen Verbcsserungsvorschlägcn zugcstimmt mit der Maßgabe, daß der reguläre Groß- und Kleinhandel weiter entsprechend berücksichtigt werden und die Vergebung mancher Artikel planmäßiger als bisher und besonders nicht mit übermäßig kurzen Lieferfristen geschehen möchte. Mürtte. Gleiten, 19. Tez. Marktbericht. Aul dem heutigen Wochemnarkie kostete: Butter das Pkund 1,10—1,20 Mk.: Hühnereier 1 Stück 12—!3 Pka., 2 Stück 00 Piq.: Enteneier 1 8t. 0 Big. 2 St. 00 Piq.: Gänseeier 1 Et. 0 — 0 Plq., 2 St. 00 Piq.: Käse das Stück 7—8 Psg., Kälematte 2 Stück 3—0 Pfg.: Tauben das Paar 1,00—1,40 Mk., Hühner das Stück 1,00—>2,50 Pik., Hahnen das Stück 1,00 — 2,50 Mk., Enten das Stück 2,50—3,00 Mk., Gänse das P!d. 80—70 Pig.: Wellche4—5Mk.: Ochiensteisch bai-Hrb. 86—96 Pig., Rindfleisch das Piund 90—94 Psa., Kuhfleisch 80—90 Psg., Schweinefleisch das Pkund 80—80— 96 Pkg , Kalbfleisch daS P>d. 80-84 Pig., Hammelfleisch das Plnnd 70—90 Pig.; Kartoffeln 100 Kilo 7.00— Mk., Weißkraut daS Stück 8—15 Pig.: Zwiebeln der Ztr 12.00— 15,00 Alk.: Alilch das Liter 22 Pkg.: Aepstl der Zentner 15—20 Mk.: Birne«, das Pkund 12—15 Pfg^ Nüsse 100 Stück 40—50 Pig. — Marklzeit von 8 bis 2 Uhr. StanScstinitsneichrsckiten. Gießen. Eheschließungen: Tez. 12. Adam Heinrich Ommert, Schreinermeister, mit Minna Karoline Lehrmnnd, beide in Gießen. — Jakob Heinrich Emit Haardt, Kaufmann, mit Anna Joseph« Herr, geb. Kuhnert, beide in Gießen. — Ludwig Dudcn- höser, Bahnarbeiter, mit Luise Leib, beide in Gießen. Friedrich Fritzges, Schneider, mit Wilhelmine Seipp, beide in Gießen. — 16. Georg Pfeil, Vizefeldwebcl, mit Elisabeth Fischer, beide in Gießen. — Hermann Herbert Wilhelm Ludwig Lener, Leutnant in Schlettstadt, mll Hedwig Schwörcr in Gießen. Geburten: Dez. 7. Dem Oberleutnant und Adjutanten Franz Louis Wilhelm Johann Procop von Holly und Ponientzietz ein Sohn, Eberhard Axel Heinrich Franz Procop. — 8. Der Witwe des Schneiders Karl Johann Georg Daniel ein ehelicher Sohn, Wilhelm Karl Georg. — 9. Dem Kaufmann F-rrcdrich Wilhelm ein Sohn, Otto Heinrich. — 13. Dem Kutscher Heinrich Haussaner ein «Lohn, Wilhelm Erwin Heinrich. Stcrbefälle: Tez. 14. Marie Margarete Möhl, geb. Siegstied, 92 Jahre alt, Westanlage 30. — 15. Sophie Juck, Ober.n im lathol. Schwesternhaus, Ordensstau, 74 Jahre alt, Liebigstraße 24. Im Felde gefallen: ?lug. 22. Leopold Oskar Felix von Normann, Hauptmann, 42 Jahre alt, Ostanlage 36, bet Anloy gefallen. — Wilhelm Karl Ludwig Baller, Installateur, Gefreiter, 21 Jahre alt. Neuen Baue 2, bet Maissin gefallen. — Olt. 21. Johannes Götz, Vizcfeldwebcl, 33 Jahre alt. Land- grof-Philipp-Platz 4. — 31. Heinrich Ludwig Hemeck, Student, Kriegsfreiwilliger, 21 Jahre alt, Roonsllaße 32, bei le Quesnoy gefallen. — Nov. 2. Karl Alexander Adolf Adrian Freiherr Schilling von Canstatt, Major, 47 Jahre alt, Stephanstr. 27«, bei le Ouesnon gefallen. — 12. Joseph Maria August Schroeder, Major, 45 Jahre alt, Micestr. 13, bei Oosttavcrnc gefallen. — Horst Schrocder, Leutnant, 20 Jahre alt, Alicestr. 13, bei Ka- pellerie gefallen. Wetteraussschten in Hessen am Soiiutag, den 20. Tez. uil: Trüb und regnerisch, mild, Winde auS westlichen Richtimgen. Letzte Nachrichten. (WTB.) Großes Haiiptlsiiarticr, 19. Dez. vorm. (Amt-' lich.) Im Westen erfolgten gestern eine Reihe von scindlichci, Angriffen. Bei Niruport, Birschoolc und nördlich La Baffer wird noch gekämpft. Westlich Lens, östlich Albert und westlich Noqon wurden die Angriffe abgeschlagen. An der ostprcnßischen Grenze wurde ein russischer Kavallerie- Angriff westlich Pillkallcn znriickgcwicsen. In Polen wurde die Versolgiing fortgesetzt. Oberste Heeresleitung. Seltsame Kunde von dem englischen Dreadnought „Andacious". Mailand, 19. Dez. Nach einem Telegramm an den Genueser „Caffaro" aus London wird der gesunken geglaubte englische Dreadnought „A u d a c i o u s" bald wieder auf der BUdsläche erscheinen. Das Schiff konnte angeblich durch Schließen der wasserdichten Schotten vor dem Untergang bewahrt und guf die Sandküste von Long Swillp gebracht werden. Dort habe man bei Ebbe vorläufige Ausbesserungen vorgenommen und schließlich sei der Panzerlreuzcr bei Flut durch die ,Qlympic" der White Star Line ins Dock nach Belfast gebracht worden (Ter Verlust des „Audacious" ist von der englischen Admiralität überhaupt nicht angezeigt worden: die Meldung deS iialie- nischen Blattes Ningt indessen sehr unwahrscheinlich. Die „Olympic" hatte seinerzeit die Mannschasi des „Audacious" an Bord genommen und diese erste Hilfeleistung wird der Grund für die neue stlachricht sein, daß der „Audacious" im Schlepptau der „Olympic" ins Dock gebracht worden ist.) England sucht Freiwillige außerhalb. K o n st a n t in o p c l, 19. Tez. Tic englische Regierung hat in Athen das Ersuchen gestellt, in Griechenland Freiwillige anwcrben zu dürstn. Tic hellenische Regierung hat daraus geantwortet, das; die griechischen Staaisangchörigen bis zu 45 Jahren schon in Griechenland nach dem Gesetz Militärdienste tun müssen, so daß nur die über 45 Jahre alten Leute für die vng- lischc Anwerbung in Frage kämen. Die Engländer haben nunmebr in Kreta und Kephalonis zwei Anwcrbcstcllen sür griechische Freiwillige gefchassen. — Tie englische Regierung hatte in Athen anch gebeten, eine Funkenspruchstation sür die Flotte aus Korfu betreiben zu dürfen, doch wurde dieses Ersuchen von Griechenland abgelehnt, Bawn Korff. Wien, 19. Tez. Russischen Meldungen zufolge soll durch Vermittlung der Vereinigten Staaten die Freilassung des in deutsche Gesangensckrast geratenen Gouverneurs von Warschau, Baron Korn, bei der deutschen Regierung an - gestrebt werden. Sic wird damit begründet, daß sich der Gouverneur zur Zeit seiner Gefangennahme auf einer Organisatwns- reise sür das Rote Kreuz befand und sich auch eines Automobils des russischen Roten Kreuzes bediente. Graf Henckel von Donnersmark. Breslau, 18. Tez. (WTB. Nichiamllich.) Tie „Sckstcszickie Volkszcitung" meldet: Lazarus Gras Henckel von Donncrs- m a r I ist >m Alter von 80 Jahren hier gestorben. Er «xu (kr letzte der noch lebenden Gründer der Zentrumssrakllon. ...... mm Ü* Den Heldentod für sein teures Vaterland starb am 15. Dezember im Feldlazarett in Frankreich infolge einer schweren Verwundung unser einziger, heissgeliebter Sohn, mein treuer Bruder, unser guter Enkel, Neffe und Vetter Hans Kilbinger, stud. med. Kriegsfreiwilliger-Unteroffizier im Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 222 im Alter von 19 Jahren. In tiefstem Schmerz: Giessen, Bad-Ems, Wilh. Kilbinger Käthe Kilbinger, geh. Poetz Gretel Kilbinger. Beileidsbesuche dankend abgelehnt. 12470 den 19. Dezember 1914. Statt besonderer Anzeige. Am 15. Dezember verschied in Düsseldorf sanft infolge Unglücksfalles unser lieber Sohn, Bruder, Schwager und Onkel Herr Arthur Lamberth versehen mit den hl. Sterbesakramenten der römisch-katholischen Kirche im Alter von 22 Jahren. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. I. d. N.: Georg Lamberth. Giessen, Düsseldorf, den 15. Dezember 1914. Seelenmesse findet am Dienstag, 22. Dezember, früh 7 Uhr statt. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 20. Dezember, nachmittags 3 l / a Uhr, in Giessen von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt, Trauerhaus: Frankfurter Strasse 94. 13445 Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsere liebe, treubesorgte Mutter, Grossmutter und Schwiegermutter Frau Anna Maria Kreiling, gab. Rebel gestern abend 9 Uhr nach kurzem Leiden, versehen mit den heil. Sterbesakramenten, im 75. Lebensjahre zu sich zu nehmen. Um stille Teilnahme bitten Familie Michael Kreiling Familie Bezirkstierarzt Ilse. Giessen (Rodheimer Strasse 2), Battenberg, den 19. Dezember 1914. Die Beerdigung findet Montag, den 21. Dezember, nachmittags 2 1 / 2 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofs aus statt. 12471 Herzlichen Dank für die uns bewiesene Teilnahme bei dem Tode meiner lieben Mutter, unserer guten Großmutter und Urgroßmutter sagen auf diesem Wege Carl Keil Ww. Christiane, geb .Möhl, und Söhne Familie Geh. Oberfinanzrat H. Schäfer Minna Möhl Familie Emil Möhl Familie Waldemar Denninghoff. Gießen, Darmstadt und Reinbek bei Hamburg, den 19. Dezember 1914. Den Heldentod fürs Vaterland starb auf Frankreichs Erde am 19. November unser innigstgeliebter, einziger Sohn, Bruder, Schwager und Onkel Heinrich Kehr Wehrmann im Reserve-Regiment Nr. 116, 5. Kompagnie im vollendeten 28. Lebensjahre. 0S)IS Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Kehr Treis a. d. Lda., Familie Amend 19. Dezember 1914. Familie Hofmann. Danksagung. Für die beim Hinscheiden unserer Oberin bewiesene Teilnahme, die zahlreichen Blumenspenden und besonders für die grosse Beteiligung beim Seelenamt und bei der Beerdigung sagen wir Dank mit herzlichem „Vergelt’s Gott“. Giessen, den 19. Dezember 1914. DieSchwestern des St.Josephskrankenhauses 124650 Bitte. In diesen Wintertagen kehren wieder so viele frierende Wanderer in der Herberge zur Heimat ein, denen Kleider, Strümvie und Schuhe iehlen. Wenn diese an den Türen geschenkt werden, iverden sie ersabrungSgemäb meist vertäust und in SchnapS umgeictzt. Darum bitten wir, ge- tragene Sachen an unseren HauSvaier, Herrn Loh, Hinler der West-Anlage 11, senden zu wollen, der sür zweckentsprechende Verwendung sorgen wird. Auch Gaben an Geld »urAusrichlung einer Weihnachts-Bescherung werden mit Dank enigcgengenommen. Die Sachen werden aus Wunsch, aus telephonische oder schristliche Mitteilung hin abgeholt. 122181) Der Dorftand der Herberge zur Heimat. D. Schlosser. 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