Hr. 206 Zweiter Blatt 164. Jahrgang Donnerstag, \T. Dezember t0l4 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags, Die „«iehener Zamilienblätter" werden dem »Anzeiger" viermal möchcntlich beigetegt, das „Kreisblatt för den Kreis Siegen" zweimal wöchentlich. Tie ..r«ndwirtsch-stlichen Seilfragen" erscheinen monatlich zweimal. ietzener Anzeiger Seneral-Anzeiger für Gberhejjen Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Univeriitäts - Buch- und Steindruclerei. R. Lange, Gießen. Schriltleilunq,Geschäftsstelle ».Druckerei: Schul- slraße7.GeschäilSstellen.Verlaq:S -E 5l,Schrist- leilung: Adresse iiir Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. ^cffifcher Landtag. . Darmstadt, 16. Dez. Tic beiden Stänbctanmicm haben sich heute vormittag zur 'ttrbffrmug ber 36. Laudtagspenode konstituiert Tie Mitglieder der E r st e n Kammer versammelten sich um Vill Uhr in ihrem Sitzungssaal, während am Regicrungsttschc die beiden Eniniarc, Slaatsrätc W i l b r a n d und Süffert, Platz nahmen. «Ltaatsrat Wilbrand begrüßte die EffMeneiicn und gab die vom Grvßbmzog für die Naue Tagung berufenen Mitglieder bekannt. Naß dem er festgestelll, daß die zur Beschlußfähigkeit der Kammer geietzlich vorgeschriebene Zahl von Mitgliedern zugegen ist, ersucht er den vom Großhetzog zum ersten Präsidenten der Kammer ernannten Fürsten z» Solms-Hohensolms-Lich, sein Amt cknzunehmen Fürst 2 o l m s - v o hen s ol m s - L ick> übernimmt daraus das Präsidium, dankt 2r. Königl. Hoheit für die chm durch die Ernennung zuteil gewordene Auszeichnung unb drückt sein Vertrauen aus. daß die Mitglieder des Hauses sich zu ersprießlicher Arbeit vereinigen würden. , - Das Haus nahm sodann die Wahl der beiden anderen Präsidenten mittels Stimmzettel vor. Zirm ersten Vizepräsidenten nmrdc der Tür st zu Lein in gen, zum zweiten Vizepräsidenten Freiherr HcNl zu Hernsheim gewählt. Zu Schriftführern wurden gewählt Lbernall Meister Freiherr Moritz Riedesel zu Eisenbach und Fürst zu Iscnburg- Birstein, zu stellvertretenden Sckriftsührern (sieh. Kommerzienrat Tr. Strecker und Landgerichlspräsivent Tr. Hangen. Tas Haus vertagte sich daraus. In der Zweite n K a m m e r wurde die Sitzung um 11* 4 Uhr l 5>urd) den Staatskommiliar Tr. Best erössnet, neben welchem Mi- suistettalrat Tr. .Hölzinger Platz genommen hat. Der Platz 'des im Felde gefallenen Tr. Boxheimer ist mit einem^roßen Lorbeerkranz und rot-weißer Schleife geschmückt. Ter Staatskommissar stellt fest, daß sich auf dem Bureau der Kammer mehr als 30 Abgeordnete als anwesend gemeldet haben: cs kann daher die : Konstituierung des Hauses stattsinden. Es erfolgt nunmehr der Namensaufruf der .Kammermitglieder, ivobei nur der Felddiensttuende Abg. Best nicht zugegen ist. Tie Abg. 2r. Weber, Finger, Lutz und Ursladt sind in ihrer feldgrauen Uniform, die 'der erstereu geschmückt mit dem Eisernen Kreuz, erschienen. Ter Staatskommissar stellt daraus scst, daß Abg. Schönberger das älteste Mitglied der Kammer ist. der darauf auch das Alterspräsidium übernimmt. Er bemerkt, daß er wider Erwarten doch noch einmal das Amt übernehmen müsse, nachdem er mit dem Schluß des vorigen Landtags seine varlameittarischc Tätigkeit als beendet geglaubt habe. Zu provisorischen Schriftführern beruft der Alterspräsident die Abg. Finger und Damm. Es folgt dann die Wahl des ersten Präsidenten. Aus Vorschlag des Abg. Tr. Osann wird der bisherige Kcmtmerpräsident, Abg. Köhler- Worms, einstimmig durch Zuruf wieder gewählt. Dieser dankt für das ihm wieder erwiesene Vertrauen: da aber die Tagung nur eine Krieqstagung sei, so hoffe er, daß der Krieg recht bald sein Ende finden ivürdc und damit auch seine Tättgkeit beendet sein werde Zum zweiten Präsidenten wird durch Zuruf Ahg. Korell- Angenrod, zirm dritten Präsidenten Abg. Dr. Schmitt gewählt. Damit ist die Sitzung beendet und der Präsident ladet die Mitglieder zur Eröffnungssitzung um 12*/» Uhr ein, an welche sich gleich die erste Kammersitzung mit der Tagesordnung: Wahl der Ausschüsse und der Schriftführer anschließen wird. Die Zweite Kammer trat um 12Ve Uhr zu einer neuen Sitzung zusammen. Präsident Köhler erklärte, daß vorhin bei der Wahl des Präsidiums ein Irrtum geschehen sei, da die Wahl durch Sttmmzcttel erfolgen müsse. Tie Sttnnnzettelivahl ergab einstimmig dasselbe Resultat. Vor der Abstimmung über die Wahl der Schrifttührer erklärte Abg. Finger, daß sein gegenwärtiges Militärverhältnis nicht die Annahme eines Postens als Schriftführer gestatte. Es werden deshalb^zu Schriftführern die Abgg. Lang und Raab und zu deren Stellvertretern die Abgg. Lutz und Finger gewählt. Darnach bettateu die Mitglieder der Ersten Kammer den Die erste Tannhäuser-AuMrnng in München. fUngrdrnckte Briese von Richard Wagner und Franz Dingelstedt.) Ms FranA Dintzelstedt. der aut 8. August 1850 mit lebhaftem Anteil die Uraufführung von Richard Wagners „Lohenyrin" in Wcftwar erlebt hatte, bayerischer .Hofintendant aemorden war, faßte er alsbald den Plan. Wagners Tannhänser in München aufzuführen. Der lebte damals als verbannter Revolutionär in Zürich, und zwischen ihm imd dem ehemaligen „kosmopolitische,, Nachtwächter" entspann .sich nun über den Plan der Aufführung ein interessanter, ^bisher unbekannt gebliebener Briefwechsel, den Dr. Georg Büttner in Leidig in dem demnächst erscheinenden De- zemberhest der „Süddeutschen Monatshefte" veröffentlicht. Wagner war es, wie er in einem Briefe an Dingelstedt vom 20. März 1854 ausspricht, wohl zufrieden, sein Werk in München aufgrführt zu selten, machte aber zugleich ernste künstlerische Bedenken geltend. „Meine Opern werden — so schrieb er — gemeinhin auf den deutschen Theatern durchaus falsch und schlecht anfgcfühtt: täglich erholte ich haarsträubende Beweise oon der ungtanblichen Gedankenlosigkeit und Sttimpft'innigkeit unserer Sänger und Dirigenten. Daß deinohngeachtrt z. B. der „Tannhäuser" Überall, wo er noch gegeben wurde. Glück und Kassa inachte, ist inir zu einem gemütlichen Rätsel geworden, das ich anfangs nur durch Tronic zn lösen vermochte, für das ich fetzt aber doch eine Erklärung in folgenden Umständen erhalten habe. Zumal bei den geringeren Theatern traf ich meistens auf junge, dem Enthusiasmus noch zugängliche Drri- ettten. welche die ungewohnte 'Aufgabe, selbst wenn sie sic nicht voll-- ommcn richtig verstanden, mft ihren mannigfachen, rein mnsi- kalifch-trchnifthen Erfordernissen dermaßen einnabm, daß sie eine ungewöhnliche Tätigkeit zn ihrer Lösung ins Werk setzten." Was diese Verhältnisse in München betraf, so erklärte Wagner gerade heraus, er müsse den dortigen Hoskapell-- wieister La ch ner „für vollkominen unfähig halten, sich mit Aneinen Intentionen vertraut und befreundet machen zu können". Merdings hebt Wagner selbst hervor, daß'München für hie mangelnde Willigkeit oder Fähigkeit des Orchesterleiters einen Ersaß durch eine vorzügttchc Besetzung der Titelrolle bieten könnte, wosiir dort in der Person des Sängers Härttnger eine hervorragende Kraft zur Verfügung stehe. „Dies ist die Rücksicht, die mich für eine Ausführung in München besonders eingenommen sein läßt." Dingelstedt zeigte sich für den Plan warm interessiert und wollte den „Tamihäuser" schon im Sommer zur Zeit der Industrieausstellung heransb-ringen. Wagner ließ ihm daraus die von ihm verfaßte ausführliche Anweisung zur Aufführung der Oper zugcheii, auf deren genaue Beachtung Sitzungssaal, wahrend am Regiernngstischc die drei Minister und eine Anzahl anderer Rcgierungsvcrtrcler Platz nahmen. Staats- Minister Tr. v. Ewald verlas daraus, nachdeui sich alle Anwesenden erhoben hatten, folgende Eröffnungsrede: Durchlauchtige Hohe, Hochzuomehrende Herren! Als am i. 'August der Kaiser die Deutschen zu den Waisen gernsen. richtete unser Großhcrzog an sein Hessenvolk die Mahnung. freudig die Opfer an Gut und Blul zu bringen, die jetzt von ihm gefordert würden. Weni cs aber nicht beschieden sei, in das Feld zu ziehen, der solle zu seinen, Teil die großen Aufgaben erfüllen, die den Znriickblellienden obliegen. Tie Hessen haben die in schwerer Zeit stets bewährte Treue gehalten. Mit beispiellosem Todesmnt haben unsere Regimenter unter den Augen ihres Landesfürsten ihren Fahnen den Sieg erkämpft und opferbereit haben alle Berufsstände im Lande gcwett- eisert. dem leuchtenden Vorbild unserer Großberzogi» folgend, das Los der Kriegsopfer zn lindern und die wirtschaftlichen Schäden nach Kräften zu mildern, die der Krieg im Gefolge bat. Politisch geschlossen sind wir Hessen gleich den anderen deutschen Stämmen in den schweren Kampf um unser Dasein getreten und diese Ein- müttgkeit stärkt uns die Kraft zum endlichen Sieg. Jede Störung des inneren Friedens in unserem Lande fernznhalten, muß di» erste Sorge der Regierung sein. Sic hat deshalb alsbald nach Ausbruch des Krieges die bereits getroffenen Vorbereitungen zn den: Erneuernngswahlen der Zweiten Kanrnrer eingestellt. Die Vornahme der Wahlen erschien in hohem Grade bedenklich, weil die> im Wahlkampf nnverntcidlich hervortretendcn Gegensätze im Ausland Zweifel an unserer inneren Fcsttgkeit hätten erwecken können. Tie Großherzoglichc Regierung kormte sich umso eher entschließen, die in diesem Fahr an sich gebotenen Neuwahlen zur Zweiten Kammer vorerst zn verschieben, als sie im Hinblick auf Artikel 64 des Gesetzes, die Landständc betreffend, vom 3. Juni 1911 in der Lage war, vor der ordentlichen Ernenernng der Zweiten Kammer einen verfassungsmäßigen Landtag einznbernfen. Es wird Ihnen daher eine Vorlage zugehcn, die zur Verschiebung der Neuwahlen zur Zwecken Kammer und damit zusammenhängende gesetzliche Anordnungen Ihre Zustimmung nachsucht. Aus dem gleichen Grund ist es auch nicht ratsam, für die Ergänzung der Gemeindevorstände und Gemeindevertretungen Neuwahlen zuznlassen. Ein Gesetzentwurf, der die bezüglichen Vorschriften der Städte- und Landgemeinde-Ordnung vorübergehend außer Kraft setzt und die Beschlußfähigkeit der Gemeindevertretungen für die Kriegsdauer anderweckig regelt, wird Ihnen vorgelegt werden. Es wird sodann Ihre Aufgabe sein, mit der Großherzoglichen Regierung Maßnahmen zn beraten und zn beschließen, die die gegenwärtige außerordentliche Zeitlage erheischt. Den Staatshaushalt hat der Krieg durch Rückgänge in den vorgesehenen Einnahmen wie durch Mehrausgaben auf verschiedenen Gebieten erheblich beeinflußt. Zurzeit läßt sich nicht benttellen, in welchem Umfange und auf wie lange hiermft weiterhin zn rechnen, sein wird. Alsbald muß aber dafür gesorgt werden, daß zunächst im lausenden Rechnungsjahre ausreichende Wittel für die bereits von Ihnen bewcklrgten ordentlichen und außerordentlichen Staats- auSgaben vorhanden sind. Zn diesem Zweck wird Ihnen eine Vorlage über die Abänderung des Finairzgesetzes für 1914 zugehcn, wonach die dort zugclassene ülusqade von Schatzanweisnngen innerhalb der berecks bewilligten Kredite unbeschränkt statthaft sein soll. Zugleich soll im Anschluß an die reichsgesetzlichen Vorschriften, auch tue Begebung von Wechseln neben oder an Stelle von Schatzanweisungen ermöglicht werden. Wt Hckse beider Maßregeln wird dem Geldbedarf der Hanptstaatskasse für das laufende imd einen großen Teck des folgenden Rechnungsjahres genügt. Wenn auch bei uns wie im Reich angenblicLich die Zahl der Arbeitslosen verhältnismäßig gering ist, so muß doch ins Augegefaßt werden, daß sich bei längerer Dauer des Krieges die Verhältnisse zuungunsten der Erwerbsmöglichkeiten ändern können. Der möglicherweise einttetendcu Arbeitslosigkeit kann nur begegnet werden durch rechtzeitige Beschaffung reichlicher Arbcktsgelegen- heit in allen Landesteilen. Dazu soll eine Vorlage dienen, nach der die hierzu erforderlichen Mittel schon jetzt bereitgestellt twrbert können. Zugleich soll eine weitere Geseyesvorlage zur Beschaffung von Arbeitsgelegenheit und zur Beschäftigung von Kriegsgefangenen die Formen des Enteignungsoerfahrens vereinfachen. Um den Betrieb des Großh. Hoftheaters auftcchtzuerhalten und damit schwere Nachtelle von diesem hochentwickelten Kunsttnstckut er mit besonderem Nachdrucke dränyte. Aber schon im Mai mußte Dingelstedt melden, daß die Aufführung verschoben werden müsse, und er bat Wagner, sich weder hierdurch, noch durch die gegen das Werk des „roten Republikaners" sich geltend machende Opposition verstimmen oder irre machen zu lasten. Wagner antwortete am 3. Juni, er wolle Dingelstedt keineswegs drängen: was ihm am Herzen lieg«, sei, daß die Ausführung, finde sie statt, wann sie wolle, auch wirklich gut und ehrenvoll ansfalle. „Nun erhalte ich aber nenmdings wieder so starken und triftigen Grund, ein dereinstiges gutes Resultat zn bezweifeln, sobald die Oper intter Herrn Lachners Leitung zutage gefördert werden soll, daß ich diese Zweifel unmöglich vor ihnen verbergen kann. Bon kompetentester Seite her erhalte ich die Versicherung, daß Hem Lachner, selbst beim redlichsten Willen, unfähig sei, mein Werk mit dem erforderlichen Geist auszusühren." Diese Erwägung vevanlaßte Wagner zu dem Vorschläge, ob es nicht möglich sei, ihm wenigstens für vier Wochen freies Geleit zu einer Reise nach München zu erwirkens damit er selbst die Vorbereitungen der Aufführung überwachen könne. Das war unausführbar. Dingelstedt aber hielt an dem Tamilstinsc r-P lane aller Intrigen zum Trohe fest, und es gelang ihm, die Einstudierung durchzusetzen. Wagner erfuhr den Beginn der Vorbereitungsarbeiten erst aus den Zeitungen. Er erklärte sich bereit, seine früheren Bedenken gegen die Aufführung auszngeben, forderte hingegen ein ziemlich erhebliches Honorar, nämlich 100 Louisdor. In diesem Punkte kam, wie der Briefwechsel ergibt, Dingelstedt dem Tondichter nach Kräften entgegen, wenn er auch nicht seine Forderung ganz bewilligen konnte, und so ging denn am 12. August 1855 das Werk wirklich über die Bretter des Münchener Hostheaters. Schon am nächsten Tage meldete Dingelstedt voller Freude dem Meister: „Wenn ich über die Aufführung sage, daß Sie Selbst Freude daran gehabt hätten, so bedeutet das viel, sicher nicht zu viel. In erster Linie hat Lachner und die Kapelle sich um das Weck verdient gemacht: niemals ist eines so fleißig studiert, so senckg an 4° gesühck worden. . . Die Ausstattung war, wie sie nur in München sein kann — Packs und Berlin kckneswegs ausgenommen, von Wien nicht zn reden, bck uns wicken alle Künstler imd alle Künste zusammen, anderwätts glänzt dm Schneidm aus Kosten des Zckch- nms odm dm Malm ringt mck dem Maschinisten. Ich Hobe nie etwas Aehnlichcs gesehen, wieJhren zwckten Aufzug gestern abend."" Natürlich hotte Wagner an dem Münchener Erfolge auch seine Freude. .Herrn Lachner (so antwortete er am 16. August) werde ich jedenfalls morgen antworten, um ihm zu danten. In der Tat ist es für mich zum Verwundern, wie schnell in Rkünchen ein Umschlag zn meinen Gunsten statt- und dem bei ihm beschäftigten, nicht dekretlich angestellten Bühnen- versonal abziitvendcn, wird Ihnen eine Vorlage über die Gewährung eines staatlichen Zuschusses zur Tccknng des für die Spielzeit 1914/15 zu erwartenden Fehlbetrags zugehen. Wie der «taat, müssen auch die Gemeinden und Gemeindever- bändc wirtschastlich und finanziell jederzckt imstande sein, den mannigfachen Ansgaben zu genügen, die in außergewöhnlichem Maße an sie herantteten. Es wird Ihnen oorgeschlagcn werden, den genannten Körverschasten hierbei die sich als nöttg erweisende und anders nicht zu ermöglichende Hilfe durch staatliche Darlehen zu lcksten und die hierzu nötigen Mittel bercktzu stellen. Zum Schluß eikllcdige ich mich eines Allerhöchsten Auftrages: Sckne Königliche Hoheit dm Großherzog haben mich beauftragt. Ihnen Sckne Grüße zu übermitteln, und der Zuversicht Ausdruck zu geben, daß die von Ihnen zu beschließenden Maßnahmen dazu bcktragen werden, die wirtschaftlichen Kräfte des Landes zu er- halten, bis unser unverrückbares Ziel erreicht, der uns dauernd sichmndc Fckede mkämpst ist. Im Namen und auf Befehl Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs mklärc ich den 36. Landtag des Großhcrzogttims Hcksen für «öffnet. Vereidigung neuer Mitglieder. , Dm Staatsminister fuhr dann fort: Nach Ackikcl 88 dm Verfassung habe ich nunmehr die neu ckngetretenen Mitglieder dm Ersten Kammer auf di<^ Vcrsassung zu vereidigen. Es sind dies die Herren Graf von Schlitz gen. oon Görtz und Prälat Enlm, die ich bitte, den Eid zu leisten. (Geschieht.) Präsident Fürst Karl zu Solms-Hohensolms-Lich brachte hieraus ein drcksaches Hoch aus den Grobherzog aus, das bei der festlichen Vmsamoilung begeisterten Widerhall fand. Ein Huldignngstelegramm an den Landesherrn. Fürst Karl zu Solms-Hohensolms-Lich vmlas darauf folgendes Telegramm, dessen Absendnng an den Grobherzog im Felde einstimmig beschlosfen wurde. (Bravo!) „Die zur Eröffnung des XXXVI. Landtags versammelten beiden Kammern der Stände sagen Ew. Königlichen Hoheit für die durch Se. Exzellenz den Herrn Staatsminister übermittelten allergnädigsten Grüße ehrerbiettgsten Tank. In dem gewaltigen Ringen um Dcnffchlands Ehre und Dasein kämpfen auch wir Hessen im Felde und in der Hckmat einmütig und mit mutiger Entschlossenheit. Tie Bettret« des Landes sind freudig bereit, die unvermeidbaren Schäden des Kckeges nach Kräften zu lindern und die wirt- schastliche Kraft des Landes durchzuhalten zu neuer Entfaltung nach Erkämpfung cknes ruhmvollen dauernden Fckedens." Im Anschluß an die mit Beifall aufgenommenc Rede nahm* der Staatsminister noch die Eidesleistung der beiden neu in dia Erste Kammer eingetretencn Mitglieder, Graf v. Görtz, gen. v. Schlitz, und des Prälaten Euler-Mainz vor. Dm einfache Fest- akt schloß alsdann mit cknem von allen Anwesenden ausgebrachte»« drcksachen Hoch auf den Großherzog. Die Zweite Sammet hielt ihre erste Sitzung nach Eröffnung des Landtags um 1 Uhr ab. nachdem die Mitglied« dm Ersten Kamm« den Sitzungssaal wieder »«lassen hatten. Präsident Köhler eröffnctc die Sitzung mit folgend« Ansprache: Hochverehrte Herren Kollegen! Als wir Anfang IM him das letzte Mal tagten und auscknandmgingen, wünschte ich Ihnen ckue Zckt des Ansrnhens nach den anstrengenden Tagen, die hinter «iS lagen. Wir standen am Anfang des Sommms. Es sollte anders kommen, als wir damals denken und ahnen kvmtten. Ein furchtbares Kckegsgewfttm zog üb« die deutschen Lande dahin. Das ländmgicckge Rußland, das reoanchetrunkene Frankrckch vmbün- deten sich mit dein scheinheiligen England (Bravo!) zu dem Zweck, Deutschland von dm Welt auszutilgen. Wir fühlten es Me und wir fühlen es heute: bck dickem Kampfe, dm gegen uns geführt wird, handelt es sich um einen Kamps gegen deutsche Kultur, um cknen Kamvf gegen den deutschen Gmst, gegen die deuffche Ehre, ja gegen Deutschlands Dasckn. (Zusttnimnng.) Und weil wir das wissen, deshalb ist in uns ckne neue Kraft entstanden und geweckt worden, an die wir selbst nicht oiehr dachten. Denn bebend vor Entrüstung und Zorn zog das deutsche Volk, wie es durch diese!Gc- walttat scknm Feinde aus glücklicher Ärbckt gestört war, das Schwmt, und ckn Volksheer im wahren Sinne des Wockes erstand aus allen Volksgenossen, die hinaüszogcn, um mft gckmmigm gefunden hat, ich muß — entschuldigen Sie! — fast darüber lachen" Daß dann Dingelstedt seine plötzliche Gnttassnng aus dem Amte im Fahre 1857 selbst mit dem Kampfe um Wtrgncrs Tannhäuscr in Verbindung gebracht hat, ist bekannt. 9 Schlachten auf der Sühne. Dem kckegmischen Gckst dm Zckt haben auch drc Theater Rechnung getragen und bckngen allmlck Kckegsstückr, in denen natüttich die Schlacht ihre Rolle spielt. Wie sich die Künstlm zu allen Seiten die Gestalt des waffenklrmenden Schlachtengottes nicht entgehen ließen, so haben anll) die Tramättkm sckt her wundmoollen Tackdcllung dm Schlacht bei Salamis in den „Pm- scrn" des Ackchtzlos den Kckeg immer wieder aus die Kühne gebracht. Frellich eiltet realistischen Wiedergabe eines Kanrpf- seldes und eines Massenckngens stellten sich aus dem engen Raum dm „Brcktm, die die Welt bedeuten", nnübmwindliche Schwimig- kecken gegenübm, mtb so mußte sich dm Dicht« zn licksen wissen. Schon Homer hat die sogenannte Tckchoskovie erfunden, die Erzählung und Ansmatnng dm Schlachtvorgänge durch nnbe- tckligte Zuschaum, die von fern her, so von den Mauern Trojas, den Kämpfen Wsckmuen. Tm anttke Drantatikcr übernahm dieses lösch: Mttel und flocht lange Schlachtenschlldernngcn in seine Hanotung eftl, die durch Boten beckchtet^ wurden. Auch modmiie Dicht« haben dos Gleiche getan, so Schiller im „Wallen- stckn": vielfach wird dir Schlacht dem Gefühl des- Zuschauers noch näh« gerückt, indem ein Posten, ans «höht« Watte Ausguck haltend, in die Kulisse lnnckn nach der Walstatt späht und den Menschen ans dm Bühne oon dem bmichtck, was m sieht. So ist es z. B. in Schill«s .»Jungfrau von Orleans" dm Fall. Dm junge Shakespeare erft, ber in seinen von Trompeten- ackchmettet und Schwettmgeklirr erfüllten Kmrigsdramen eine so stacke Vorliebe für die Schlacht answeist, brachte den Kamvi selbst ans die Szene, und « durfte dies kühne Wagnis nnt«- nehmen bck dm prinrftiven Ausstattung seines Theaters, die d« Phantasie den wcktckten Spielramn ließ und die enge Bühne mit ganzen Städten und Wäldern bevölkerte. Wie eine Tasct mit Inschckft eine Straße dackwllte odm ein Haus, so konnte man auch die riesigen Dimensionen eines Schlachffcldes imbe- k üm i nrrt durch allmlck Plakate andcuten. Wohl kannte Shakespeare die UnzuIänAlichkckt sein« Mittel. „Ticke Hahncgrube, Faßt sie die Ebenen Fraiikrckchs?" fragt er lin Prolog zn „Hcknckch V." „Stopft man wohl In dieses O von Holz die Helme mir. Wovor bck Agineouck die Luft geliebt? O, so v«. zckht, well ja ftn engen Raum Ein knimmer Zug für Millionen zeugt." Gewölmluü wurde die ScklackN aus der elisabethanischen Bühne durch Trommelwirbel und Tromvetensaniaren angczeizt; dann schlugen ckn paar bewafftiete Mönm'r auseinander etit. Tic Dicht« lösen die Scküackn in eiiizcknc Episode» aus. in denen entweder imin« nur eine d« bckdcn Pattckcn aus der (Bemalt den Fe^ft von den Grenzen zu drängen Mer Unterschied der Stünde, aller Unterschied der Berufe, aller Unterschied der Parteirichtungen war verschwunden: alle erfüllte nur der eine Gedanke: einzustchen mit aller Kraft für die Sicherheit, für die Verteidigung des Vaterlandes, Fürsten und Völker, gemeinsam zogen sie hinaus auf die Wahlstatt, und auch unseren allverehrten Landesherr» sehen wir seit den ersten Tagen unter seinen Landeskindern die Geschicke vor dem Feinde teilen. In einem unvergleich- liebcn Siegeslauf zogen die deutschen Scharen durch Belgien nach Frankreich hin, in der offenen Feldschlackst die Heere des Feindes schlagend, und seither als uneinnehmbar geltende Festungen mit cinein Handstreich vernichtend. Einig, einig war das deutsche Vaterland geworden, und daher auch die Macht, das zu vollbringen, was in den ersten Tagen des Krieges geschah, Tahcim aber, wo die Zurückgebliebenen waren, die nicht mit hinausziehen konnten und durften gegen den Feind, war derselbe Geist, derselbe Geist der Einigkeit, der Festigkeit zurückgeblieben; derselbe Wille, standzuhalten, durchzuhalten und mit zum Siege zu helfen, — Freilich, wer weis; nicht, daß da brausten auf den blutgetränkten Schlachtfeldern von Belgien, von Frankreich und Rußland die Blüte unserer Nation zum Teil schon Hingeiunken ist: wer weiß nickst, daß wir noch nicht am Ende unserer Verluste stehen. Durch einen Strom von Blut und eincn Strom von Tränen sind wir schon hindurchgegangcn, und schmerzlich, mit tiefem Gefühl gedenken wir aller derer, die sich für des Vaterlandes Sicherheit und Wohlergehen geopfert haben, Mer in dieser Stunde, meine Herren, ist es unsere Sache nickst, zu klagen; in dieser Stunde wollen wir gerade, den Blick ausrecht gerichtet, uns geloben, und jenen geloben, die dahingegangen sind, daß wir sesthalten wollen an dem Ziele, das wir uns gesetzt haben, daß wir einen Frieden haben tvollen, der der maßlosen Opfer wert ist, die um ihn gebracht worden sind, (Lebhafter Beifall,) Nach jenem Siegeslauf durch Belgien und Frankreich änderte sft-, dar .Kriegsbild, Wir trasen auf eincn hartnäckigen Feind, der sich in ähnlicher Weise wie wir in einer Art Festungskrieg gegen uns gestellt hat, und nicht mehr in jenem Lauffchritt des Sieges geht cs heute vorwärts, sondern Schritt um Schritt wird grimmig gekämpst. Dir daheim, die wir gewohnt waren, tag- läglich einen Sieg scstzustcllcn, wurden so manchmal ungeduldig, daß es nicht schneller ging, Mer, meine Herren, das wesentliche, ist: es geht vorwärts, und zu unserer großen Freude können wir immer wieder von den glänzenden Taten hören, die in deur fernen Osten gegen Rußland vollbracht werden. Jetzt aber ist es an deutschem Volke, zu der Begeisterung, mit der das deutsche Schwert gezogen ist, nunmehr die Msdauer, nunmehr die Ruhe und die Besonnenheit zu fügen, di« notivenüig ist in der Heimat und für unsere Truppen draußen, jenes zähe Festhalten, das den endlichen Sieg verbürgt. Unsere Tapferen stehen draußen vor den Feinden in Gefahr, in Gefahr chrer Gesundheit und des Leben», bei Regen und Schnee, bei Nebel wft Wassersnot, und sie hallen aus, Sehen Sic und stören Sie die, die zurückkonrnrcn von dm Schützengräben, unt welcher Freude, mit welcher Begeisterung sie von dem erzählen, >vas sic da draußen erlebt! Hier in der Heimat wvllm Sic immer wieder neue Kraft in sich ausnehmm für ihr schweres Tagewerk da draußen. Nun, meine Herren, bieten wir ihnen hier in „der Heimat diese Kraft, die sie draußm nötig haben, bieten nsir sie ihnen dadurch, daß wir ilmen zeigen, mit welcher Ruhe, mit welcher Sicherheit, mit welchem zielbewußten Vorgeben wir hier in der Heimat arbeiten wollen, lassen Sie uns zeigen, daß wir hier dm chernm Willm haben, die wirb- fchoffbichcn Berhälmiffr des Landes ansrecht zu erhalten in allen Stücken, alle Mühen und alle Schäden, die der Krieg Benny sack»en muß, möglichst zu lindem und die Vorbereitungen dafür zu treffen, daß nach dem Frieden der Aufbau unserer Wirtschaft- tichm Verhältnisse wieder eintretm kann. Nur wmu sie draußen ivissm, wie sickwr wir hier in der Heimat sind, wie wir ihnen dm Rückm stärkm und halten, nur dann ist ihnm auch die Kraft gegeben, vor dem Feinde das zu teistm, was sie gem leisten wollen und nrüffen, um das Vaterland ju endlichem Fricdm nneder zu führen. So wollen wir auch hier geloben, in der Heimat, einig, einmütig und stark zu bleibm, stark zu bleiben bis zu dem endlichen Fricdm, den wir uns nickst dmkm als ein Aushören der jetzigen Sveitigkeitm, sondem dm wft uns dmkm als einen ruhmvollen Wschluß, aus dem Deutschland in nmer Gestalt, neu gekrästigt, hemrwgeht: ein Friede, der aucki unserem Feind England zeigt, daß seine Wellherrschaft, die cS sich angmmßt hat, nur so lange besteht, als cs Lmte gibt, die an diese Weltherrschaft glauben, «Lebhafter Beifall.! Dies« Sicherheft stier in der Heimat, die wft stärkm wvlbm auch durch unsere Täftgkeit hier in der Bertreding des Landes, stützt sich ouf unser unerschütterliches Verftaum zu unserem tapferen Heere, Es erfüllt uns mit Dank ratb Anerkennung, was die Söhne des Vaterlandes draußen vor dem Fände geleistet haben. Wer einm Btick auf Ostpreußen und Elsaß-Lothringen wirst, die unsere Feinde verwüstet babm, versteht erst die Leistungm unserer Trnp- pm reckst zu würdigm, (Lebhafter Beifall.) Lassm Sic uns, meine verehrten Hemm, in dies« feierlichm Szene anwesend ist oder sich auch beide kriegerffch begegnen Gerade in diese Kantpffzmen hat Shakespeare eine gewaltige dva- 1 ma tische Wucht gelegt, mögen es nun Zweikämpsc sein, wft die zwischen Macbeth und Macduft oder zwischen Evrftlanus und AufidtuS, oder kriegerische Bewegungen ganzer Massen, wft in „Rickwrd III." und ,Julius Cäsar", Meisterstücke der dramatischen Schlachtdarsftllung hat er hier grgebm, indem er dm Kamps der Heere m großen bedeutendm Bildern in raschem Wechsel und lebendigstem, Gegensatz über dft Bühne wogen läßt. Ein kriegerisches nift tatmlustiges Volk, wft es die damaligen , Engländer waren, jubelte diesen Szmm besonders zu und küm- mcrtc sich nickst darum, ob das. ivas auf der Bühne erschien, ine Vergleich mit der Wirklichkeit nur lächerlich sich ausnehmm komfte, Stirn z, B, tu Shakespeares „König Johann" dft Engländer und Franzosen auf der Buhne um die Stadt Amiens käinpseu, so ließ sich das mir in einer sehr stärkm „Verkürzung" zeigen. Spätere Zcftm, in dmcn die Phantasie dös Publikums nicht melch so leicht und srmdig ollen Fordernngm des Regisseurs gehorchte, haben sich den Kopf zerbrochen, wie man solche Schloch- tm realistisch darstellm könne. Das im Jahre 1841 erschienmc Theaterleftkon gibt dafür folgendes Rezept: „Wald, hohes Buschwerk, Mauern, welck« die Kämpfendm den Blicken des Zuschauers mtziehen, so daß man nur Fahum, Sperre, Helme mft verschieden >acb,gen Faderbüschen in mairnigsacher Bewegung erscheinen sieht, dazu der gecigirete Lärm duvch Krirgsmstrumcnte, Geschrei, Waffcnklirrm, Krachen usw,, besonders aber das sichtbare Vorüberzftbcn zahlreicher Züge von Kriegern in die Schlackst und aus derselben, genügen für dft theatralische Veranschaulichung auf der Bühne, Für dft Dekoration ist so wenig offen« Dülnimranm als möglich anzuraftu, Berietzstückr aller Art müssm die Vorgänge wechselweise verdecken und eben deshalb begünstigen," Wegen diefte szenischm Schwierigkeiten waren, wie Freytag in seftier Technik des Dramas sagt, „die Gefechte auf der deutschen Bühne stets übel berüchtigt und werden von dem vorsichtigen Dickster vermiedm". Nur ein dmtscher Dramatiker hot geradezu in Sälachtenbildern mff der Bühne geschwelgt und die Unwahr- schcinlichkeit der räumlichen Berhältiftssc bis zur groteskm Tollheit gesteigert. Das war G r a b b e, der sich für das größte strategische Genre der Menschheit hiell, und da er nickst als ein neuer Napoleon dft Welt erobern konnte, wmigstms vor den Kulissen seine Ricsmkämpfe schlug. Seine „Hermannsschlacht" bietet.nichts wie ein großes Wandclpanvrania auseinandrrfolston- der Kämpft, und in seinem „Napoleon" bringt er die Schlachten von Ligny und Waterloo direkt auf dft Bühne, Liguy wrrd in eftier cmzigen Szene dargestellt, in der um dm Kais« sein ganzes Heer versammelt .ist, die Zwölfpsünder auf dft Bühne donnern, die reitende Artillerie vorjaift und alle Dörfer vor und hinter der französische» Schlachllrme brmnm. Der Waterloo marschieren ganze Armeekorps gegmeinander vor, und als Bü- ww mit seinem Heere aus der Bühne arckvmnrt, kommandiert Lobau den ttzorden: „Fcu«", worauf Bülow -rwidert: „Glcick>- salls!" Stunde gelobm, daß wir fest vertrauen^auf unsere dmtsche Kriegsmacht! Lassen Sft nnS in dieser Stunde gedenken des Obcrstm Kriegsherrn, Seiner Masestät des Kaisers (die Bersamm- tung erhebt sich«; fassen Sft uns gedenken unseres hcrrlickim Heeres, unseres Stotzes zu Laude, zu Wasser und in der Luft! Ihnm möge der «Sieg beschieden sein; sie lebm hoch, hoch, hoch! Zn der mit großer Begeisterung ausgmommcnm Rede hattm sich alle Anwesendm, auch die Sozialdemokraten, erhoben,. Nach dem dreifachen Hoch gedachte der Präsident noch mit herzlichm Worten der mit im Felde tätigen Wgeordneten und widmett dem Abg, Dr, B o r h e i m e r, der den Heldmtod fürs Vat«land «litt, einm warmh«zigen, tief empfundenen Nachruf: alle Anwesmdm hatten sich zu Ehren des Verstorbenen von den Plätzen «hobm. Der Präsident erinnerte au das im August d, I, «folgte Ab- leben des Präsidmten d« Ersten Kamm«, Gras v, Schlitz genannt v, Görtz, und rief auch ihm Worte de- Dankes und d« «Anerkennung nach, während die Wgeordnelen sein Andenken durch Erheben von den Sitzen ehrten. Bei d« alsdann vorgrnommmm Wahl der Mitglied« der vi« parlamentarischen Ausschüsse wurdm nach dm Vorschlägm der v«schiedenen Fraktwnen alle bisherigm Mftglied« wied«- gewählt, D« ^Präsident schloß alsdann dft Sitzung um Vj 2 Uhr, Nächst« Sitzung: Donnerstag vormittag 10 Uhr. Die Erste Kammer trat gleichfalls gegen 1 llhr zu einer neuen Sitzung zusammen, der am Regftrungstische die drei Minister und andere hohe Re- ginungsvertret« beiwohnten. Präsident Fürst Solms-Hohensolrns-Lich hielt zu Beginn eine längere Ansprache. Er wies darauf hin, daß die Tagung in d« ernstestm und schwerstm Stunde stattsindet, die unser Vaterland jemals durchzumachen hatte. Es sei aber gleichzeitig auch die größte und «habmste Zeit. Es lebt nur d« seine Gedanke im ganzen deutschen Volk, unter allm Umstärftcn die nattonalm Güt« zu schützen und die Ehre d« Nation hochzuhalten, koste es, was es wolle. Das dmtsche Volk beherrscht der Geist «des Gvttvertrauens auf die gerechte Sache, dft oberste Heeresleitung und die glänzend organisierte Armer, es beseelt der Geist des Sieges, Wir dürfen mit Stolz blickm auf die bisherigen großen Erfolge, aber wir müssen auch in tiefster Dankbarkeit d« vielen Opfer gedenken, die draußen aus dem Schlachtfclde dm Heldentod gesnndm haben. Wir gedenken f«nm d« großm W«ke d« Liebestätigkeit für urrs«c Krieger imd V«wundetm, an dessm Spitze Großherzogin Eleonore steht, sowie d« Fürsorge für die Hinterbliebenen, Unser« lftnmndmmgswüttsigan Heeresleitung könucn wir nicht genug dankbar dafür sein, daß sie es v«standm hat, diesm blutigstm all« Kriege in das Feindesland zu v«legm. Wir hoffen und wünschen alle nur das «ne, daß das Schwert nicht eher in die Schelde gesteckt werdm ivird, bis ein Friede crrimgen wordm ist, d« dem Deutschen Reich für alle Zukunft dft Stellung zusiche«, die wir perlangen, Dft Rede schloß mft einem dreisckchm Hoch auf Kais«, Großherzog, He« und Flotte, in das alle Anwesenden begeistert em- ssinmrten. Nachdem d« Präsident dann noch dem verstorbmm Grafm v, Schli tz-Görtz etnm warmhmzigen Nachoff gewidmet, zu dessen Ehvm sich die Mftglied« von den Plätzm «hobm, «folgte die Wahl d« Mitglied« für die verschiedenm Ausschüsse, Dft nächste Sitztmg wurde auf Donn«stag vormittags 11 Uhr airbmaumt, * . * Rach dem Hoch aus den Grosiberzog bei d« Ka ncm « «ö ff m mg beschloß dft Venammlimg auf Vorschlag des Fürsten zu Solms dft Abfendung sölgendm Tel«gramms an den Grobherzog: „Dft zur Eröffnung dos 36. Landtags versanrmellm beidm Kamwem d« Stände sagm Ew, Köwgl, Hoheit für dft durch Se, Exz, dm Herm SwatSmftrrst« übamitidten Grüße ehc«- bfttigsftn Dank, IN dem qewaltiqm Ringen um Deutschlands Ehre und Dasein käncpftn auch wir Hesftn im Felde und in d« Heimat einmütig und mit mutig« Entschloffmbeft, Dft Vertreter des Landes sind freudig berat, die unvermeidbaren Schäden des Koftcxes nach Kräften zur lindern und die wirtschaftliche Kraft des Landes durchzudattm m nvwr Entfaltung nach Erkämp- sirug eines ruhmvollen, dauernden «Friedens, " * * * Darmstadt, 16, Dch, Die Regierung hat eine dem Anträge des Mg, Grünewald-sisiiesien entsprechende Vorlage kfttr, Aenderung der Städteordnung bchüglich d« Verschiebung d« Stadtverordnetenwahlen und Erleichterung der Beschlußfähigkeit (Kriegsnotgesetz)) dm Ständen überreicht, lieber dieselbe wird in d« rnorgigm «Sitzung b«a- ftn und beschlossen werdm. Unegrbnefe au§ dem Westen. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, o«boten.) Eine Heldentat unserer Marine. Telegramm unseres KrisgsherichterftcttterS, Großes Hauptquartier, 16, Dez, Beim Besuche des Kriogsgebretes an der belgischen Küste erfahre ich folgende Heldentat unserer Marine: Am 11, November beabsichtigte «eine ganze französische Division auf nachmittags 4 Uhr bei Lombartzjyde nördlich Nieuport den Durchbruch zu versuchen. Elf Bataillone Matrosen-Artillerie und Marine-Infanterie kamen dem Feind zuvor und «gingen im Sturm, voran ein Marine-Jnfanterie-Bataillon mit entfalteter Fahne, gegen die starke französische Stellung an. Da der Dünenflugsand Gewehre und Maschinengewehre teilweise unverwendliar machte, entschied das Bajonett, und nach blutigem Gefecht warfen unsere sechstausend die fünfzehn tausend Franzosen ln die Fluch t. Die Franzosen liehen eine große Masse von Toten und BerwUTideten auf dem Schlachtfeld und verloren über 800 Gefangene, darunter viele Offiziere. Für den Heldengeist unserer Offiziere ist es kennzeichnend, daß wir bei zweihundert Toten vierzehn Offiziere verloren Hoden, die in Ostende feierlich bestattet worden sind. Auf die verbündeten Feinde, rnnnentlich auf die Franzosen selbst, hat d-ftfer Landsiey unserer Marine den tiefsten Eindruck gemacht ' W. Scheuernrann, Kriegsderichterstatter, Eine staatliche Kontrolle ffir den Nahrungsmtttelmartt. Die alZbald nach! Kriegsausbruch begründete Zentralstelle für Heeresverpslegung hat, wie uns überein stnnmeirü berichtet wird, im allgemeinen den an sie gestellten Anforderungen entsprochen. Man darf getrost behaupten, daß keine der kriegfiihrenden Armeen so vortrefflich verpflegt wird, wie die deutsche, Ntmmchr fordert etti Mttglftd genannter Zentralstelle, Oekonomftrat Franz Schiftan (Lindvw), in oer „Deutschen Tageszeitung", daß auch für Ernährung der Zivilbevölkerung und der Viehbestände eine Zentralstelle errichtet werde, so daß der Staat die Ernährung des Volkes kontrollieren und durch seine H»ünde gehen lassen könne. Zu diesem Zwecke sollen Nachweisüngen über die vorhandenen Bestände ausgenonrinen werden, eine, wie man zugestehen muß, recht umfangreiche Arbeit, die in manchen bäuerlichen Kreisen Mißtrauen begegnen ivird. Wie sich Oekonomierat Schiftan die weitere Durchführung des Planes dentt, mögen folgende Ausführunaen beleuchten: „Alle vorhandmen Körnervorräte müffm der mensch- lichm Emährung dimstbar gemacht w«den. Auf die Heran- fütterung von Mastvieh müßten besondere Prämien gesetzt w«dm, da die Preise der Futtermittel, selbst wenn sie, wie zu erhoffm ist, durch Höchstpreise erschwinglich gemacht werden, in keinem Verhältnis zu den Mastviehpreisen stehen. Der Staat sollte sich zum alleinigen Käufer für alle Boden- und Viehprodukte erllärcn, die Höchstpreise für beide und die V«- wendungsstellen vorschreiben. Der Staat müßte sofort alles bereite Gftreide, wenn auch zu hohen Preisen, im Notfälle zwangsweise ankaufm und es in Silos lagcm , , , Selbstverständlich müßtm sich diese Maßnahmen in Bezug aus die VoltLcrnährung auch aus dm zwangsweisen Ein- und Verlauf von Vieh beziehen, D« Viehhändler hätte dabei als Kommissionär des Staates und unter dessen Aufsicht zu erscheinen, Tie Preise für Vieh müßten ähnlich, wie es bei dem Getreide geschieht, unter Berücksichtigung d« Frachtparitäten und der für den Berwendungsort angemessenen Preise sestgclcgt werden, Ten Fleischern müßte ihr Höchstverdienst vorgeschricbm sein. Nur dann, wenn der Staat während des Kriegszustandes die gesamte Volksernährung in die .Hand nimmt, ist diese bei ein« längeren Tauer des Krieges zu gewährleisten," Wir nehmen an, so schreibt dazu die Bollsw, Korr,, daß Herr Schiftan unter Köruervorrätc, die attsschlftßlich der menschlichen Ernährung dienstbar gemacht werden sollen, lediglich Brotgetreide begreift und nicht den Spuren des Prof, Dr, Eltzbacher folgt, der Magermilch, Gerste u, n, nicht als Viehftitter verwendet sehen will. Wie die Viehbestände imter solchen Umständen erhalten werden soll«,, wird verschwiegen, ebenso, woher der Staat in Kriegszeiten die gewaltigen Mittel nehmen soll, um alle Boden- und Viehprodukte des Landes anfznkaufen. Was in vorsteheichen Auslassungen über die Erhaltung des Viehstapels zum Ausdruck kommt, verdient gewiß Beachtung; aber was dem Staate in seiner Eigenschaft als Organisator des Handels« itnd Kaufntaim zngemutet wird, geht entschieden zu weit. Damit würden dem Handel, und zwar auch dem soliden, unerträgliche Fesseln angelegt, abgesehen davon, daß dem konsumierenden Publikum kein materieller BortcÄ ans der Verstaatlichung oes Getteide- und Viehhandels erwachsen dürfte. Der Staat oder das Reich könnten sich süglich darauf beschränken, sich einen einigermaßen zuverlässigen lleber» blick über den gesamten Nahrungs- und Jntternnttelmarkl zu verschaffen und das Publikum gegen unlautere Spekulationen zu schützen. Der Anfang ist damkt, gcmacht, wenn auch reichlich spät und bei lvettem nicht in. ausreichendem Maße, „Dar rote Geheimnis". In letzter Zeit melden die Blätter vom Ausbruch einer; revolutionären Bewegung in Rußland, Die Polizei entdeck- geheime Waffenniederlagen, geheime Waffensendnngen unl^ Versanimlungen von Verschwörern, Die Bewegung richtet sich in erster Linie gegen den Krieg und dann im allgemeiuem gegen den Zarismus, Es ist wohl daran nicht zu zweifeln, daß die ruffischej Revolutionszenkralc wieder in Tätigkeit zetteten ist. Jeden hat von dieser Institution gehört, aber selten hat jemand einen ttchtigen Begriff von ihr. Die Revolutionszentrale war, das größte polittsche Geheimnis des vorigen Jahrhunderts^ in Rußland, und möglicherweise kann es auch im laufenden g ahrhnndert nicht gelüftet werden. Es ist wohl fetten eine, rganisation so scharfsinnig eingettchtet und so sicher vor den) Spürangen der Geheimpolizei versteckt worden, wie jeneÄ Kollegium von Männern, dessen bloße Anordnung keine ge* ringere Macht auf die Unzufriedenen, die Roten, ausübt, wie etwa ein Ullas des Zaren aus die musterhaften Uute»- tanen. Die Revolutionszentrale wurde zu Zeiten Meaxnders II. organisiert. Wo, hat niemand erfahren, Are Bornbe, die den zweiten Mexander zerriß, wurde auf Befehl der Zen--, träte geworfen. Dftse unheimliche Institution stellte dann ihre Tätigkett bis auf weiteres ein. Während der Herrschaft Alexanders HI, mußte sie aber doch wieder auf den Plan treten. Sie befahl, den Monarchen zu besettigen. Es wurden mehrere Attentate- auf den tyrannischen Herrscher versucht. Bei Borki gela^ fast ein Anschlag, und seinen Folgen erlag schließlich der der körperlich stärste aller Zaren, Man nannte das eine Pfuscherarbett der sonst so sicher und erfolgreich wirkenden!! Zentrale. Run, zu Zeiten des Sohnes des Tyrcnneiv-Reckeü. hatte die Zentrale eine glücklichere Hand. Die russische Revolution nach dem Kttege mit Japan war ihr Werk, Und jetzt? Wer weiß denn, was jetzt beschlossen worden ist. Man stellte, schon sett einigen Jahnen eine neue Revolutton in Aussicht^ und jetzt hött man inuner wieder, daß die russischen Revolutionäre den Krieg mit einem allgemeinen politischen Uro-, stürz beschließen wollen. Künftige Tage werden uns über vieles belehren. Man fragt wohl neugiettg: Wie ist denn diese mächtige und unentdeckbare Revolutionszenttale organisiett? Es läßt sich hierauf nur eine wenig genügende Antwort geben. Man weiß nur» daß die Organisation vor Verrat völlig gesichett ist, Ihre Mitglieder kennen sich gegenseitig nur in beschränktestem! Maße. Man sagt, nur je drei Mitglieder sollen eine Gruppe bilden und einander kennen. Sollte eines dieser Mitglieder ergttsfen werden, so kann es nur seine zwei Genossen, verraten. Die raffiniertesten Foltern, wie sie zu Zetten Aleaxnders HI. in russischen politischen Gefängnissen an- gewaicd: wurden, blieben in bezug auf Ausforschung der Re-« volutionszcntralc völlig erfolglos. Der geniale Lockspitzel Asew, der mtt seiner Spürnase wahrend der Revolution die intimsten Geheimniffe der Freiheitskämpfer erschnüffelte, dem überhaupt kaum etwas auj seiten des ringenden Volkes wie auf seiten der ränkeschrnio- denden Regierung verborgen blieb, vermochte den Sitz undj die Organisation der Leitung der Bewegung doch auch nicht zu entdecken. Man habe zwar Spuren des sogenannten „Exekutivkomitees", der Vollstrecknngsabteilung der Rcvoluttons- zentrale entdeckt, doch sei die Verfolgung nicht von Erfolg begleitet gewesen. Das rote Geheimnis mag in diesen Tagen wohl wieder die ganze polittsche Polizei des Zaren interessieren. Viele werden spüren und forschen, um endlich die seit Jahrzehnten angestrebte Entdeckung zu machen. Es dürfte aber doch, wft schon erwähnt, alles beim alten bleiben. Das rote Geheimnis wird nicht gelüstet, imo je nrehr die Regiericng an chm verzweifelt, um so suggestiver, mächtiger wirkt es auf die un- zufriedenen Massen des Volles und der Intelligenz, _ 7. Sitzung der Großherzoglichen Handelskammer Gießen für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach. Protokoll-Auszug. Gießen, 3, Dez, Anwesend sind dft H«ren: Geheimer Kommnzienrat Heichcl« hsim als Vorsitz«ü>«, Fttedbttg«, Kommerzienrat Hoos, Jhring, Roll, Noioack, Rinn, Köln, Rühl, Stammler, Wenn«, Zuröml, und d« Syndikus, 1. Bei den Er g ä n zun g s w a hl e n zur Handelskammer, welche am 24, November d, Js, st«ittgelünden haben, sind im Wahlbezirke Gießen-Stadt die Herrm Geheim« Si'nmmtr- zicnrat Heichellchm, Koinmerzienrat Klingspvr, Kaufmann August Noll: im Wahlbezirk Lich Hungen Herr Brauereibesiv« Jhring; im Wahlbezirk Älsftld Herr Fabrikdirektor Ramfveck wieder und im Wahtbezftk Lanterbacki Herr Fabrikant Dichm II, neu ge- mähtt wordsti. , 2. Die l ?Tmt3t*rioi>e der derzeitigen Mitglieder des Bezirks» eisen da hnrats Frankfurt-Main erlischt am 31. De- »emder d. Js.; es war deshalb die Neuwahl eines Vertreters der Kammer und eines Ersatzmannes erforderlich. Es wurden ein- stlimUrig Herr Geheimer Kommerzienrat Heichelheim als Vertreter und Herr Kommerzienrat Klingspor als Stellvertreter für die Wahlperiode 1815—1919 wicdergewählt. 3. Nach) Artikel 31 des Handelskammergesetzes sind die Handelskammern verpflichtet, alljährlich dem Großh, Mini- sterium des Innern über ihre Tätigkeit, sowie über die Lage und die Bedürfnisse des Handels und der Industrie zu berichten. Mit Rücksicht auf die Kriegslage sind die Handelskammern für dieses Jahr von dieser Verpflichtung entbunden worden. Hingegen sollen die Handelskammern nach Beendigung des Krieges eine ge- sanrtc Darstellung des wirtschaftlichen Lebens ivährend des Krieges geben. Die Angabe des Zeitpunktes für diesen Bericht hat sich das Ministerium Vorbehalten. 4. Nach Anhörung der beteiligten Kreise und auf Grund eigener Beobachtungen hat die Handelskammer dem Großh, Ministerium des Innern einen sehr eingehenden Bericht über die Wirkungen des Gesetzes betr. die Höchstpreise erstattet. 5. Eisenbahnangelegenheiten' a) Da von den Anliegern der Strecke Gießen—Marburg es als überaus nachteilig empfunden wird, daß in der Zeit von 8.07 N. bis 1.53 N. kem Vcrsonenzug verkehrt, hat die Kammer die Einlegung eines solchen Zuges in Anregung gebracht. d) Geäußerten Wünschen der beteiligte» Verlehrskreise entsprechend hat die Kammer bei der Eisenbahnabteilung des Großh. Ministeriums der Finanzen die Einlegung eines Frühzuges auf der Strecke Lich—Grünberg befürwortet. c) Dem Anträge der Handelskammer aus Wiederherstellung des Anschlusses zwischen dem ? 527 der Strecke Gießen—Fulda und dem I) 85 der Strecke Franksnrt/Main—Berlin ist seitens der Eisen- bahnvcnvaltnng entsprochen worden. e) Der von der Kammer beantragten Durchführung des ?521 der Strecke Gießen—Alsfeld bis Fulda konnte die Eisenbahnverwaltung aus betriebstechnischen Gründen nicht Folge gebe» f) Die Anwendung des bestehenden Ausnahmetariss für Kartoffelstärkemehl ist an die Bedingung ciebunden, daß im Frachtbriefe als Empfängerin die Trockenkartosfel-Vertvertungsgcsellschasi angegeben ist. Im Interesse der beteiligten Handelskreise hat die Kammer die Eisenbahnabteilung des Großh. Ministeriums der Finanzen gebeten, ihrerseits daraus hinzuwirken, daß diese einschränkende Bestimmung aufgehoben wird. ff) Der Königlichen Eiscnbahndirektion Frankfurt /Main ist ein Gutachten Wer den Antrag, Hülscnfrüchte in den bestehenden Aus- nahmetarif für Weizen und Roggen einzubeziehcn, erstattet worden. i) Nach einer Mitteilung der Kgl. Eisenbahndirektton Frankfurt ist der Ausnahmctarif für die Beförderung von Steinkohlen nsw. vom Ruhrbezirk zum Betriebe von Eiscnerzbergwerken usw. vom 1. November 1911 vorläufig um 1 Jahr bis einschließlich 14. Januar 1916 verlängert worden. k) Infolge des durch die Mobilmachung unterbrockienen Eisenbahnverkehrs sind viele für das Ausland bestimmte Güter liegen geblieben und ihrem Bestimmungsort nicht zugeführt worden: zum Teil inußten sogar diese liegen gebliebenen Güter deni Versender wieder zngestellt werden. Dadurch sind diesen große Verluste durch doppelte Frachtkosten entstanden. Auf Anregung der Kammer ist die Handelskammer Mainz namens des hessischen Handelskammertags bei der Großh. Regierung dahin vorstellig geworden, daß eine teilweise Rückvergütung der Frachten statt- sindet. l) Im Interesse der Versorgung der deutschen Bedarssstellen mit Rohjute ist mit Gültigkeit vom 7. Dezember ein besonderer Ausnahmctarif für rohe Jute des Spezialtariss II eingeführt worden. Er gilt für Wagenladungen von mindestens 10 t auf Wwerruf, längstens für dir Dauer des Krieges. Die Fracht wird nach den Sätzen des Spezialtariss III berechnet. m) Der aus Anlaß des Krieges eingeführte Ausnahmetarif für Johannisbrot ist mit Gültigkeit vom 8. Dezember auf Manioka- oder Maniok-Knollen, getrocknet, Rückstände der Stärkegewinnung aus Maniokaknolle», auch in Scheiben geschnitten oder gemahlen, zu Futtcrzwecken ausgedehnt worden. 6. Postangelegenheiten: a) Ein von der Handelskammer unterstützter Antrag auf Einführung von 750 gr-Feldpost- briefen ist von dem Reichspostamt mit Rücksicht auf die überaus große Belastung der Feldpost abgelehnt worden: b) Die Handelskammer hatte die Oesfnung des zweiten Paketschalters bei dem hiesigen Postanit 2 in Zeiten starken Verkehrs angeregt: die Postverwaltung hat trotz des großen Beamtenmangels eine Betticksichtigung dieses Wunsches zugesagt. 7. Aus Anlaß des Krieges hat die Handelskammer fortgesetzt eine rege Tätigkeit entfaltet; die behandelten Gegenstände betrafen Eisenbahnangelegenheiten, Fernsprechwesen, Erhebung von Vorräten gewisser Artikel, Ausstellung von Zeugnissen für Heereslieserungen, Fragen des Geld- und Zahlungsverkehrs, Erleichterung der Ein- und Ausfuhr, Ueberwachung ausländischer Unternehmungen usw. Die Handelskammer macht die beteiligten Kreise darauf aufmerksam, daß für die Dauer des Krieges in Berlin, Budapester Straße Nr. 132, ein Bekleidungsbeschaffungsamt errichtet worden ist, welches den vom I. Februar 1915 ab eintretenden Bedarf an nachstehenden Gegenständen deckt: 1. Tuchen, 2. Leine» und Baumwollstoffen, 3. Heimen, Tschakos, Tsckwpkas, Tornistern, Trageriemen, Patronentaschen, Pistolentaschen, Leibriemen, Säbel- koppcln, Ueberschnallkoppeln, Mantel- und Kochgeschirriemen, Karabinerhalterriemen, 4. Feldflaschen, Labeslaschcn, Trinkbeck>ern, Koch geschirren, 5. Tressen, Fransen, Portepees, 6. Trikot- und Köperhemden, Trikotunterhosen, 7. Brotbeuteln, Zeltausrüstungen (mit Zubehör), Zeltzubehörbeuteln, 8. Signalinstrumenten mit Zubehör, 9. Pelzen, Filzschuhen, Fußschutzkapven, 10. warmer Unterkleidung, 11. Packtasche», Kochgeschirrfuttcralen und Reitzeug für Neuformationen der Kavallerie. Angebote auf vorangesührte Gegenstände nehmen daher fortan nicht mehr das Kriegsministerium, Bekleidungsabteilung oder die einzelnen KriegsbeUeidunqsämter an, sondern nur noch das eingangs bezeichnetc Beklechungsbeschaffungs- amt. Die Angebote sind an die zuständige Handels- bezw. Handwerkskammer zu richten, welche die Weitergabe vermittelt. Die Handelskammer weist ferner die beteiligten Kreise darauf hin, daß es, um den sehr knappen inlmrdischen Vorrat an I u t e - f ä ck e n im Lande festzuhalten, dringend erwünscht ist, bei Sendungen in das Ausland an Stelle der Sackocrpackung eine andere Verpackungsart, z. B. Fässer, Kisten, Körbe u. a. zu wählen. Es kann nicht damit gerechnet werden, daß die Ausfuhr von Jutesäckcn, selbst wenn sie als Umschließung von Waren dienen, weiterhin gestattet wird. Märkte. FC. Wiesbaden. Viebhol-Marktbericht vom 16. Tez. Austrieb: Rinder 12t (Ochsen 13s Bullen 14, Kühe und Färsen 97), Kälber 183, Schafe 42, Schweine 420. Preise für 100 Psd. Geschäft lebhaft, beinahe geräumt. Lebend- Schlacht- gewicht. Qchsen. Mk. Mk. Doll fleischige, anSgemästete, höchste» Schlacht- wertes inr Alter von 4—7 Jahren . . . 51—54 93—100 Junge, fleischige, nicht ausgemästele und ältere ausgemästele............ 48—50 88— 93 Bulle». Dollsteischigc, ansqew. höchsten Schlachtiv. . 42—46 75—82 Dollfleischige, jüngere......... 38—42 66—75 Färsen. Kühe. Vollfleischige, ausgemästele Färsen höchsten Schlachtwertcs........... 48—52 88—96 Dollfleischige auSgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren .... 36 —44 * 66—84 Wenig gut entwickelte Färsen...... 40—45 74—85 Kälber. Feinste Mastkälber.......... 58-00 97—00 Mittlere Mast- und beste Saugkälber . . . 48—52 80—87 Geringere Mast- und gute Saugkälber. . . 36—44 60—73 Schafe. Mastlämmer und Mastkmmmel.... 41,00—00,01 86-00 Schweine. Vollsteischige Schweine von 80 bis 100 kg Lebendgewicht...........5T—68 73—74 Vollsteischige Schweine unter 80 hg- Lebendgew. 55—56 71-72 Dollfleischige Schweine von 100 bis 120 kg Lebendgewicht...........58—59 73—74 Dollfleischige Schweine von 120 bis 150 hg Lebendgewicht............ 55—56 69—70 wöchentl. Uebersicht der Todesfälle i. d. Stadt Sichen. 49. Woche. Dom 29. Nov. b>; 5. Dez. 1914. Einwohnerzahl: angenoinnien zu 32 9)0 (tuf(. 1600 Mann Militär). Sterblichkeilsziffer: 4f>,9°/„„ noch Abzug von 7 Ortsfremden 33,40°:,,. Kinder Es starben an: Zusainmen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr: Kindbcttsteber 1 (1) 1 (1) — — Lungenentzündung 1 1 — — Herzleiden 3 3 — — Schlaqansall 1 1 — — Krebs 4 (4) 4(4) — — Kriegsverletzungen 16 (1) 16 (1) — — Ledciisschwach« 1 — 1 — Dlntvergiftiing KD 1 (1) — — Summa: 28 ,7, 27 (7) 1 — 21 n in.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betresscirdeir Krankheit ans von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke komme». kirchliche Nachrichten. Israelitische Leligiansgemeiii-e. Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlage), Samstag, den 19. Dezember 1914: Vorabend 4.30 Uhr. Worgensi 9.00 Uhr. Predigt. Nachmittags: 3.30 Uhr. Sabb atau» z an z: 5.20 Uhr. Israelitische Religionsgesellschast. Sottesdicnst. Sabbats eiee am 19. Dezember 1314: Freitag abend 4.00 Uhr. Samstag vormittag 8.30 Uhr. Predigt. Samstag nachmittag 3.30 Uhr. Sabbat-AuSqang 5.15 Uhr, WochengotteSdtenst: Morgens 7.10, nachniittags 4.00 Ubr. Meteorologische Beobachtungen der Ztation Sichen. Dez. 1914 j5V ° u a o 's Z& o-w 3 2^ |1 3? Z LÄ ii il - \s Je o ©£*§* COjd 1*1 Wetter 16 2" 739,9 1 6,6 61 84 1 SW 2 10 16.1 5“ 143,6 6 3 6,1 91 SW 2 10 Regen 17 1 1 1 •49,8 60 5.7 82 W 2 8 i ii i ii.i ii Höchste Temperatur am 1b. bis 16. Dez. 1914 = 7,3' C. Niedrigste . . 15. . 16. , 1914 = + 4,7° „ Niederschlag: 6,2 mm. Verantwortlich für „Feuilleton", „Gerichtssaal" u, „Vermischtes": I. V.: August G o e tz. Durch frühzeitige Einkäufe sind wir in der Lage, unsere meisten Artikel heute noch zu alten niedrigen Preisen verkaufen zu können. 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In dem ersten Bande der Sammlung „Deutscher Jugendborn" bietet der Herausgeber, Oberivzeal- direktor Dr. Ernst Hartniann, unserer deutschenJugend, was ffe nerlangt und was ihr gutlut: eine ivannende Erzäblung, eine Geschichte mit fesselnder Hand lung. „Ein deutscher Robinson" ist ein Buch boll Kraft und Schönheit sür die dcutichc Jugend: ehrliche deutsche Tatenlust zeichnet seinen Inhalt aus. Das Werk schildert in warmherziger und packender Weise den Erfolg deutscher Schaffenskraft tn Südwest und gibt ein anschauliches Bild von Land und Leuten unserer Kolonie. Durch die ganze Schrift webt eine bade Begeisterung sür deutsche Art deutsche Bucht und deutsche Hcldengröffe. — „Ein deutscher Robinson" ist ein Buch von blribeudem Wert, zu den, jeder jugendliche Besitzer immer wieder gern zurückgreisen wird: cs ist ein Werk, dem in den Büchereien aller deutschen Schulen ein Borzugsvlav zukommt, deffen Anschaffung darum bestens empfohlen werden kann. Gelnhausen, den 16. Oktober 1914. Paul BooS, Mittclschulrrklor. Ein deutscher Robinson ist zweifellos ein seffcln- der und unterrichtender Lesestoff sür Knaben. Die Erzäblung ist leicht kahlich geschrieben, entbebrt nicht der Abwechslung und des guten HumorS und wir» vraktiich erricbcnd. Dazu wird des Lesende» Geist aus moderne deutsche Anfirdluugs Bestrebungen im Ausland gelenkt und das an ffch Sremdartigc leicht uud gciällig cingcfübrt. ES fehlt gewiffcrmasten der unangenehm aufreizende Ton der Abenteuerlichkeit, der aus kindlidse Gemüter irre iübrend wirken konnte. Das Buch ist die Arbeit eines ziclbcwnfft vorgcbcndcn reisen Pädagogen, der ffch offene Augen und ein irisches Herz für dos jugendliche Alter und die Knabenart bewahrt bat uud beides zur Förderung kindliche» Wcicns birr anwendet. 12396R Weimar, 16. Oktober 1914. Professor Dr. Wilhelm ArmiuiuS. W 3u baden in allen Buchbandluagcn! -«■ HlIf *3lr Ä J?- ^-81 K iLZL-LS>§F|Ä* 3 S Ä S M-S »ffi «> = SS .. ?5 .3 . c 5$ §•“ 2 = g« J Sts|=- »S.i« ~ ff »“£.52 e = I fl 2 e * l—'i - ege = **- w«wo«uee.ZS't . C w -5 a -'2'a # S £ “'S Ü— B> b1 -® HS-S 2 s g w 5 £ L_ *«“«! “ C O nft O «* 3 •a5cn' “S? S eou ^ „m eSg» (ifs-c sL -L £ ä o-s o I 2 .öS« « • S » y» ' O 5* «J *ö ■% » « 2S J ' • 2 Ci «> £3 Ö " — Ci z3 Xi C£*2 U rj oj - p X> 3--^ Ö-fr **5se*®«f ° K -S^ZZ :?"ff=g“ 2=«. ■§ö X-ZK L» •S- W 6 — a ” «^ -9 I £ s 2 » Ss-Sjs,® g| »£*»£"* - — Ä c> ■S' o''’ * H C*J CS j* S ^ ü O - • O -2,?-ckL£^W^H^ 2 io ■'■ (SJ "S S - P "«:3 y « y 5 © ,«"» - X= — *<= Cwprj ._r p O car T3, -7T7 “ o-»' G y- „> >* _SJu_ Su^a - •*£ w o 3 a - : ; S c ^ 5 3 £ ^ »t: zi.~ ^ c - « - xr> Xi -l ^ 7. o r3 er r , o ”5‘ l^i § Ili § ! j; o C Ä « p o ^ 3? =5 "5 _ ___ ==1 .« OC^opc*,.» .‘S'Co =^53 2 - = £ei.äS s ’ u-S^g -»•[-« S 5 ^* G S »« <3 PS •- a S i*»Xi ä* i>— — »y-a_ww «yy yi-»- TT .- CS *T — 0 . i-1 JO c-s 0=33= =’»sy'0“'3 2--- 2 o = C .= SS 3 ,• ff ■ 5 « 55 ”?-s!! 3 =Ji$:li:=^S 2 = 2 = ü -LZ«3V-2ZL-2^^-«-L ®««»- r° “ ^ — = “'' 3 = r ’2'S2-5 “ 5 “ 5 -2 3 «j> x» -gO- ^ - «'S ■! iü*l - *# *-• ca c 2* « — S «sT 5 © *»x> ^ p m t» « g w ^_ % ü ■ - ,» Ä iZO m. 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