Rt. 294 Der «tetzemr Hnjtlgtt trfcf)eint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SießenerZamilienblätler, zweimal wöchenll.Rreis- dlattsLrdenRreisSietze» (Dienstag undFreilagj; zweinial monatl Land wirtschaftlich« Zeikfragcn Fenövrech - Anschlüsse: inrdieSchri!tleitilng112 Verlag,GeschästsstelleSI Adresse lür Draütnach- richlcin AnzeigerSiehen Rnnabme von Anzeigen iür die Sngesiuimmer bis vormittags 9 Uhr. Erstes Blatt M. Jahrgang Dienstag, 15. Dezember 1914 Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Rotationsörud uni» Verlag der Sriihl'schen Univ.-Vuch- nnd Zteindruckerei R. Lange. Zchriftleitung, Seschäst;ftelle u. vruderei: Schulstr. 7 . oe 4 u a« b rci S: monatl. 75 Ps., viertel» jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 65 Ps.: durch diePost Mk.2.— viertel- jährl. ausschl. Bestell«. Zeilenprei?: lokali.5Ps., ausw. 20 Pi. — Hauptschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den polit. Teil: Aug. Goetz; für .Feuilleton", .Vermischtes" und.Gerichtssaal": Karl Neurath; iür .Stadt nnd Land": Otto Braun; für de» Anzeigenteil: H. Beck. wirlsame Verfolgung der Aussen in Galizien. Neugruppierung der österreichisch-ungarischen Truppen in Serbien. Eröffnung des türkischen Parlaments. (WTB.) G r a tz c s H a u v t a u a r t i c r . 14. Dez. vormittags. (Amtlich.) Schwächere französische Angriffe gegen Teile unserer Stellungen zwischen der M ans und den Vogesen wurden leicht a b g e w i e s c n. Im übrigen ist vom westlichen Kriegsschauplatz, sowie ans Ostpreußen und aus Südpolcn nichts wesentliches zu melden. Zn Nord pole n nehmen unsere Operationen ihren Fortgang. Zu den russischen und französischen amtlichen Nachrichten ist folgendes zu bewerten: Aus Petersburg nmrde am 11. Dezember amtlich gemeldet: „Südöstlich Krakau fetzten wir unsere Offensive fort, eroberten mehrere deutsche Geschütze und Maschinengewehre nnd etwa 2000 Gefangene." Tatsächlich ist nicht ein Mann, n i ch t e i n G c - schütz oder Maschinengewehr unserer „südöstlich .Krakau" kämpfenden Truppen in russische Hände gefallen. Die amtliche Pariser Mitteilung vom 12. Dezember behauptet: „nordöstlich Vaillu wurde eine deutsche Batterie völlig vernichtet. In DeuriwndS, westlich Vigneullcs-les-Ha- tonchätel, wurden zwei deutsche Batterien zerstört, eine großkalibrige und eine für Flugzeuge bestimmte. In derselben iKegcnd wurde von Franzosen ein Blockhaus gesprengt und wurden mehrere Gräben zerstört." Alle diese Meldungen sind erfunden. Obeiftc Heeresleitung. Wien, 14. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlauibart: 14. Dezember, mittags: Die Verfolgung der Russen in Wcstgalizicn wurde fortgesetzt und gewann abermals unter kleineren und gröberen Gefechten allenthalben nordwärts Raum. 9 tun ist auch Dukla wieder in unserem Besitz. Unsere über die Karpathen vorgerückten Kolonne n m a ch t e n gestern und vorgestern 9 b 0 l> G r s a n g c n c und erbeuteten 10 Maschinengewehre. Dir Lage an unserer Front Rajbrot ist östlich Krakan und in Südpolen unverändert. Nördlich Lowiez drangen unsere Verbündeten im Angriff weiter gegen die Bzura vor. Der Stellvertreter des Chefs des GcncralstabeS: v. H ö f e r, Generalmajor. * ->! * „In Nordpolen nehmen unsere Operationen ihren Fortgang", so verkündet unsere Oberste Heeresleitung, und das ist trotz der Schlichtheit des Satzes der Kernpunkt des letzten amtlichen Berichtes. In dem gleichzeitigen amtlichen österreichisch-ungarischen Berichte heißt es: „Nördlich Lowicz drangen unsere Derbündetcn im Angriff weiter gegen die untere Bzura vor". Das heißt nichts anderes, als daß deutsche Truppen in her Richtung gegen Warschau Vordringen. Die Bzura mündet etwa 50 Kilometer westlich von Warschau in die Weichsel. ES ist demnach trotz aller Ein- kreisungsverjuche der Russen bei dem Vormarsch des.nördlichen Flügels der Deutschen geblieben, und russischen Truppenteilen, die etwa noch bei Lowicz kämpfen sollten, ist der Rückzug nach Warschau vollständig abgeschnitten. Wir dürfen mit höchster Befriedigung ans diese Entwicklung blicken, die auch den Oesterreichcrn di« Kampftage erleichtert, «ie berichten unter dein ll. d. M., daß i» Westgalizien der Feind siegreich verfolgt wird, wrd daß Dukla wieder in österreichisckzem Besitz sei. Wenn sich die Russen noch in den letzten Tagen mit erschwindelten Erfolgen bei Krakau oebrüstet hatten, so erfährt man jetzt, was das auf sich hatte. Dukla liegt 70—80 Kilometer südwestlich von Przemysl, lo Kilometer nördlich der Karpathenkämme. Die über die Karpathen vorgerückten Kolonnen unserer Verbündeten haben 9000 Gefangene .gemacht. Sodann ivird noch berichtet, daß die Lage der österreichisch-ungarischen Front von Rajbrot bis östlich Krakau, ebenso wie die Lage in Südpolen, unverändert sei. Rajbrot liegt 40 Kilometer südöstlich von Krakau. Wir dürfen dal>er erwarten, daß die russischen Heere in der Weichselebcne nicht nach alter Tradition plötzlich kampflos nach Osten zurückgezogen wer- den können. Es wird ihnen vielmehr kräftig zuleide gegangen, ugd cs wiro immer klarer, daß die früher oft in die Wagschale fallende zahlenmäßige llebcrlegenheit der Rujsen in so hohem Grade nicht mehr vorhanden ist. lieberraschend ist, daß die Serben sich immer noch einmal verzweifelt aufgerasst haben und südöstlich von Valjewo durch ihre llcberzahl die dort stehenden Oestcrrcicher zum Rückzug und zur Neugruppierung veranlaßt haben. Vermutlich lyrtten unsere Bundesgenossen nach den serbischen Schlappen ihre Offcnsivtruppen an jenen Stellen vermindern zu können geglaubt. Neue Maßregeln, so heißt es in dem amtliche» Bericht, urüsscn aber wieder zur Verdrängung des Feindes führen. * . * Vorteile der Deutschen in Polen. Berlin, 15. Dez. Der Petersburger Berichterstatter der „Dail» Mail" sagt, daß die „erstaunliche Beweglichkeit" der Deutschen in Polen nicht nur ihren Eisenbahnlinien, sondern auch der gewaltigen Masse von A u I o m o b i 1 c u für den schnellen Transport der Truppen zu verdanken sei. In einer kleinen Stadt waren, wie der Korrespondent wissen will, vor kurzem 3000 Automobile zusammengezogen gewesen. Der Plan des russischen GcncralstabeS sei nunmehr, die Deutschen von ihren Eisenbahnen sorlzulocken. Die Lage in Galizien. Berlin, 15. Dez. Bon ihrem Sonderberichterstatter auf dem österreichisch-ungarischen Kriegsschauplatz geht der „Vossischcn Zeitung" nachstehende Drahttnelbnng zu: Tie Erreichung der Linie Ncu-Sandec-Gorlice-Biecz in Galizien durch die trotz starken Schnees in Eilmärschen vorgerückten österreichisch-ungarischen Truppen beweist, daß die Russe» nicht nur die Lssensive in Galizien aufgcbcn: mußten, sondern daß auch die österreichisch-ungarischen Truppen bereits in erfolgreicher Gegenofsensive begriffen sind. Der bei Neu-Sandcc erreichte Anschluß an die west- galizische Armee und die dadurch gebildete rechtwinklige Front dürfte die Lage der Russen noch unangenehmer S "alten. Bei der Verfolgung in den Karpathen zeichnete namentlich die Kavallerie aus. Neugruppierung der österreichisch-ungarischen Truppen in Serbien. Wien, 14. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Von dem südlichen Kriegsschauplatz wird amtlich verlauibart: Die von der D r i n a in südöstlicher Richtung vorgctriebenc Offensive stieß südöstlich vou Valjewo aus einen stark überlegenen Gegner und mutzte nicht allein aufgegcbcn werden, sondern veranlaßtc mich eine weiter reichende rückgängige Bewegung unserer seit vielen Wochen bartnäckig und gtäuzenü, aber vertu streick kämpfenden Kräfte. Diesem steht die Gewinnung Belgrads gegenüber. Die sich hieraus ergebende Gcsaurtlage ivird neue operative Entschlüsse und Matzregeln zur Folge haben, welche zu der Verdrängung des Feindes führen müssen. Aus Serbien. Wien, 14. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Sonn- und Montagszeitung" berichtet aus Bukarest: Nach einer Viel düng aus Ni sch hat sich das neue serbische Kabinett der Skupschtina mit einer Erklärung vorgestellt, die besagt, daß die Neubilduirg des Ministeriums den Zweck verfolge, bis zum Ende des großen Krieges eine Vereinigung des Willens und der Kräfte aller Parteien des Landes heroeizu- füh-ren. Die neue Regierung betrachte es als erste Pflicht, sich vor den großen, dem Vaterlande gebrachten Opfern zu verneigen, sie habe Vertrauen, Bewunderung und Dankbarkeit für die Armee. Die Regierung kenne die Leiben und Schwierigkeiten, die die Armee ertragen habe. Man werde schnell energisch alle Maßnahmen ergreifen, um die Armee zu verproviantieren und ^den Sanitätsdienst zu verbessern. Die Erklärung schließt: Solange der Feind sich auf serbischem Boden befindet, rust die Regierung: „Vortvärts aus den Feind! In den Kampf gegen den Feind!" Griechenland und Bulgarien. Athen, 14. Dez. (WDB. Nichtamtlich.) „Agence d'Athenes" meldet: Die bulgarische Regierung nahm einen Vorschlag der hellenischen Regierung auf Einsetzung einer gemischten, aus Offizieren gebildeten Kommission zur Prüfung der Ursachen des kleinen Konfliktes an der griechisch-bulgarischen Grenze an. Die Türken im Kaukasus. Konstantinopel, 14 Dez. (WTB. Nichtauttlich.) Die Generaldirektion der Posteir und Telegraphen gibt die Errichtung eines türkischen Telegraphenämtes in Art- win im russischen Kaukasus bekannt, das seine Tätigkeit bereits ausgenommen hat. K o n sta n t i n op e l, 14. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Die Eleneraldirektion der Posten und Telegraphen kündigt die Errichtung eines Telegraphenämtes in Köpriköj an. Daraus geht hervor, daß, entgegen den Mitteilungen des russischen Hauptquartiers, in denen behauptet wird, daß die Russen bis Erzerum vorgerückt seien, die ganze Gegend um Köpriköj sich im Besitz der Türken befindet. - Der „Tanin" veröffentlicht den Brief eines in den Kämpfen in der Umgebung der Stadt leicht verwundeten Offiziers an seine Eltern. Dieser lautet: Tic Russen vermochten den stürmischen Angriffen der türkischen Truppen nicht standzuhalten und ergriffen die Flucht. Das türkische Heer ist mit Lebensmitteln und Munition überreich versorgt. Fleisch und selbst Kaffee, Zucker und Tee sind im Ueberfluß vorhanden. Es ist festgestellt worden, daß jene Ortschaften, die anfangs von den Russen besetzt und später wieder verlassen wurden, teilweise zerstört sind. Der Feind nähnr in den Ortschaften der Bevölkerung die Lebensmittel weg. Hierbei wurden Leute, welche Widerstand leisteten, mit dem Bajonett niedergemacht. Die Lage des Heeres ist ausgezeichnet. * Eine russische Meldung aus dem Kaukasus. Petersburg, 14. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Der gestrige Bericht des Gcneralstabs der kaukasischen Armee lautet: Am 11. Dezember wurde den ganzen Tag auf der Front Pyrusk, Ksmer und Dutak gekämpft. Der Feind wurde überall zurückgeworfen und mit fühlbaren Verlusten über den Enphrhat zurückgetrieben. Unsere Truppen erbeuteten eine Viehherde von 1100 Stück. Um die Dörser A u s s u r l i und Basch Kala wird noch gekämpst. (Notiz des Wolsfschcn Tclcgraphcnbureaus: Die russischen Berichte über Kämpfe im Kaukasus haben sich bisher noch weniger glaubhaft erwiesen als die übrigen russischen Kriegsnachrichten, was schon etwas heißen will.) Russische Borbercitungcn au der schwedischen Grenze. Stockholm, 14. Dez. (Priv.-Tel.) Ein Telegramm des „Astonbladet" meldet aus Lulea: Achthundert Mann arbeiten Tag und Nacht an der Fertigstellung der russischen Bahn au der schwedischen Nordgrenze, die jetzt auch bei der Stadt N ä r k i in Angriff genommen wird. Dies deutet darauf hin, daß Rußland die Bahn längs der schwedischen Grenze wcitcrsührcn und bis Norwegen vorstoßen will. (Voss. Ztg.) * . * Tie Kämpfe bei Upern und Arras. Berlin, 15. Dez. Ucbcr die Kämpfe zwischen A p e r n und Arras bringt das „Berliner Tageblatt" aus eng- lichen Berichten folgendes: Am 11. Dezember haben die Deutschen bei St. Eloy bei Apern heftiges Artillerie- seuer begonnen a u s 2 0 0 K a n o n e n, die in sechs Stunden mindestens 1000 Granaten in die französischen Stellungen schleuderten, worauf die I n s a n t c r i c einen Angriff unternahm. Das Gewehrfeucr der Verbündeten warf die Deutschen wiederholt zurück, schließlich gelang es den Deutschen aber doch, die Franzosen aus ihren Stellungen zu verdrängen. Als eine der größten Beschwerden im schnellen Aufmarsch der Verbündeten stellt sich die schlechte Beschaffenheit der Wege dar. Die Franzosen st an den wiederholt bis an d ie Knie im Schmutz. Jetzt habe man sich entschlossen, die Wege vollständig zu erneuern. In England seienTausendevon Hacken,Spatcnund Schubkarrenbestellt. Ein englischer Kapitänleutnant gefangen. London, 15. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Nach privaten Mtteilungen der englischen Admiralität ist Kapitänleutnant Patterson bei dem Versuch, an den blockierten Kreuzer „Königsberg" heranzukommen, in deutsche Gefangenschaft geraten Ein englischer Flieger. Amsterdam, 15. Dez. (WDB. Nichtamtlich.) „Han- delsblad" meldet ans Teriieuzen: In der Nähe der westseeländisch-flandrischen Grenze landete ein englischer Zlveidecker, der noch «ine Bombe bei sich hatte, infolge Maschinenschadens. Der Flieger und der Apparat wurden inteimiert. Wie die englischen Blätter Kriegsberichte machen! Amsteroam, 15. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Das „Handelsblad" schreibt: „Wir entlehnten am Donnerstag, den 10. ds. Mts., dem „Daily Telegraph" einen Bericht über einen Angriff von Chasseurs d'Asrie. Ein Leser unseres Blattes macht uns darauf aufmerksam, daß der Bericht des „Daily Telegraph" die ziemlich w ö r t- liche lieber setz ung vou dem Bericht ciues solchen Angriffs desselben Korps ist, der in Halevy's „Resitö de guerre de L'Fnvasion 18 7 0/71" Kapitel 3 steht. Fn Lille scheint jetzt regelmäßig eine deutsche Zeitung zu erscheinen; wenigstens liegt uns heute eine Nummer vom 5. Dezember vor, die zwar nur auf einer Seite bedruckt ist und am Kopfe die Aufschrift „Letzte Kriegsnachrichten" trägt, aber doch auch Meldungen allgemeinerer Art bringt. So wird die Ankunft des Kaisers in Betlin mitgeteilt, die Ernennung! des Fürsten Bülow zum Botschafter in Rom, die Beratung des Reichstagsausschusses. Im übrigen sind auf dem Blatte auch reichlich ausländische Meldungen enthalten. Bon dcu französischen Rekruten der Jahresklassc 1914 wird »litgeteilt, daß sie statt der alten dunkelblauen Mäntel eine Ijetfe, stahlblaue Uniform von, selben Schnitt trügen. Bei manchen seien die Hosen ebenfalls aus graublauem Tuch; andere trügen über der roten Hose eine blaugrauc Ucberhose aus dünnem Stofs. Ein Italiener über die Lage. Berlin, 15. Dez. Nach der „Kölnischen Zeitung" äußert sich Generalmajor Gatti im „Corriere dclla Sera" über die militärische Lage dahin: Die E n t s ch e i d u » g werde voraussichtlich nicht in Frankreich fallen. Tic Ossensivkraft der Franzosen und Engländer reiche zu einem kräftigen Vorstoß nicht mehr aus. Falls den Teuisckien im Osten der entscheidende Schlag gelänge, würde die deutsche Armee im Westen auch sofort mehr Beweglichkeit gewinnen. Das russische Heer befände sich in der Defensive. Seine zah- Icitmäfrige Ueberkgenheit gegenüber Deutschland und Oesterreich sei bedeutend vermindert. Die Schweiz gegen törichte deutschfeindliche Gerüchte. Bern, 14. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Tos Presse- burcau des schweizerischen Arnrecstabes Plaut aus Anlaß der leichtfertigen Verbreitung von Gerüchten über angebliche "Greueltaten der deutschen Truppe» durch Schweizer Bürger eine vorläufige Untersuchung auf Grund der Militärstrafprozeßordnung und zitiert dabei eine bundcsräliiche Verordnung vom li>. August 191-1, die für derartige Fälle eine Bestrafung vorsieht. Das Presseburean führt unter den Beispielen daS (tzerücht auf, deutsche Schwestern des Roten üreuzes Hütten den Verwundeten Gift statt Serum cingeimpst. Diese Gerüchte haben sich wie die anderen alle als gänzlich haltlos herans- gcstellt. Die Mitteilung, schließt, Ohne aus der Reserve der Neutralität herauszutreten, kaim die Militärbehörde nicht umhin, angesichts so lehrreicher Beispiele der Presse und der Bevölkerung klar zu legen, gegen solche sensationellen Gerüchte auf der Hut zu sein. Die geistige Wapp- nung gegen tendenziöse Beeinflussung gehöre mit zu den Aufgaben der Neutralität. Der französische Bericht. Paris, 14. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) 13. Dez., 3 Uhr nachmittags, amtlich. Ter gestrige Tag verlief besonders ruhig. Tie Tätigkeit des Feindes bestand hauptsächlich in einer zeitweilig aussetzenden Kanonade an verschiedenen Stellen der Front. Ter Feind unternahm im Gebiet südöstlich Ppern drei heftige Jn- fanterieangrisfe, welche a b g e w i e s e n wurden. Im Le Pretrc- Wald rückten wir merklich vor. In den Vogesen griff der Feind verschiedentlich das Signal de >a märe Henri nordwestlich Scno- nes an, nmrde jedoch zurückgeschlagen, 11 Uhr abends, amtlich. Von beiden Fronten wird ein Mißlingen deutscher Angriffe gemeldet. Einer erfolgte nordwestlich Ppern, der andere gegen den Bahnhos Aspach. Ein neuer Beweis von der Feindseligkeit Belgiens vor der Mobilmachung. Berlin, 14. Dez. (Amtlich.) Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt über Englands Spiel mit derNcutralitätBelgiens: Für die englisch-belgische Komplizilät ist cm neuer schwerwiegender Schuldbcweis gesunden worden. Vor einiger Zeit wurde in G r ü s se l der englische Legationssekretär Grant- W a t s o n feslgenommcn, der im englischen GesandtschaftSgcbäudc geblieben war, nachdem die Gesandtschaft ihren Sitz nach Antwerpen und später nach Le Havre verlegt hatte. Ter Genannte wnrde mm kürzlich bei einem Versuch ertappt, Sck>riftstücke, die er bei seiner Fesmahnre unbemerkt aus der Gesandtschaft mitge- ftihrt hatte, verschwinden zu lassen. Tic Prüfung der Schriftstücke hat ergeben, daß es sich um Schriftstücke mit Daten intimster Art über die belgische Mobil- lnachu n g und die Verteidigung Antwerpens ans den Jahren 1913 und 1914 handelte. Es befinden sich darunter Zirkutorcrlasse an die höheren belgischen Kommandostellen mil der faksimilierten Unterschrift des belgischen Kriegsministers und des belgischen Gencralskabschess. ferner eine Aufzeichnung über eine Sitzung der „Kommission für die Verpslegungsbass« Antwerpens" am 27. Mai 1913. Tic Tatsache, daß sich diese Schriftstücke in der belgischen .Gesandtschaft besandeir, zeigt hinreichend, daß die belgische Regierung in militärischer Hinsicht keine Geheimnisse vor der englischen Regierung hatte, und daß vielmehr beide Regierungen dauernd im engsten militärischen Einvernehmen standen. Von besonderem Interesse ist auch eine handschriftliche Notiz, die bei den Papieren gesunden wurde, um deren Vernichtung der englische Sekretär besorgt war. Sic lautet folgendermaßen: Renseignements: l. les Offiziers franqais on re?n ordre de Rejoinäre dds le 27. apresroidi; 2. le meme jonr. le chet de gare de Feignies a re?n ordre de concentrer vers Manbeuge tous les wagons fermes disponibles, en vne detrnnsport de Troupes. Communiqnfi par la Brigade de Gendarmerie de Frameries. Hierzu ist zu bemerken, daß Feiguies eine an der Eisenbahn Maubeuge-Mons zirka drei Kilometer von der belgischen Grenze in Frankreich gelegene Eisenbahnstation ist. Frameries ist an derselben Botin in Belgien 10 Kilometer von der französischen Grenze gelegen. Aus dieser Notiz ist zu entnehmen, daß Frankreich bereits am 27. Juli seine ersten Mobilmachnngsmaßnahmen getroffen hat, und daß die englische Gesandtschaft von dieser Tatsache von belgischer Seite sofort Kenntnis erhielt. Wenn es noch wefterer Beweise für die Beziehungen bedürfte, die zwischen Eng- laiü> und Belgien bestanden haben, so bietet das ausgesundene Material in dieser Hinsicht wertvolle Ergänzungen. Es zeigt erneut, d-aß Belgien sich seiner Neutralität zugunsten der Entente begeben hat, und daß es ein tätiges Mitglied der Koalition geworden ist, die sich zur Bekämvfung! des Deutschen Reiches gebildet hat. Für England bedeutet die belgische Neutralität tatsächlich nichts weiter als einen „Scrap os paver", worauf es sich berief, soioeit dies seinen Interessen entsprach, und loorüber es sich hinwegietzle, sobald dies seinen Zlveckcn dienlich erschien. Es ist offensichtlich, daß die englische Regierung die Verletzung der belgischen Neutralität b-nrtf) Deutschland mir als Vorwand benutzte, um den Kaien gegen ims vor der Welt und >wr dcnl englischen Volke als gerecht erscheinen zu lassen. Die Eröffnung des türkischen Parlaments. Ko n st an tin op e l, 14. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Die Eröffnung des Parlaments hat mit glänzenden Zeremonien stattgeftinden. Daran nahmen sämtliche hohen Geistlichen, an ihrer Spitze der Scheik ül Islam und die Staatsund Hoswürdcnträger, teil. Das Bild wurde farbenprächtig durch die Anwesenheit der Generalität und der Diplomatie, darunter des deutschen Botschafters mit dem Botschaftsrat Dr. Kühlmann und dem Dragoman Weder, sowie der deutschen Militärmission in einer besonderen Loge. Pünktlich um 1 llhr erschien der Sultan in Begleitung des Thronfolgers und der anderen Prinzen sowie des Khe- diven, mit den: der Sultan sicii vor der Einnahme seines Platzes ungewöhnlich lange imterhielt. Im Mittelpunkt des Interesses stand von der Goltz Pascha, der ich in der Begleitung des Sultans befand und in der Hofloge Platz nahm Nachdem der Sultan nach allen Seiten huld- vollft gegrüßt hatte, fand die Verlesung der Thronrede statt, die der Tradition entsprechend schweigend ent- gegenqenommcn würde. Nur eine gewisse Bewegung ging durch die Versammlung, als der .Heilige Krieg und die glorreichen Waffentaten der deutschen und österreichischungarischen Bundesgenossen erwähnt imorden. Das der Thronrede folgende Gebet wurde zum erstenmal in dem türkischen Parlament in arabischer Sprache gesprochen. Nach der Abfahrt des Hofes und des diplomatischen Korps in der üblichen farbenprächtigen Form begann die erste Sitzung unter der Leitung' des früheren Präsidenten Halit Bey. Die Thwnrede des Sultans lautet: ,Fsch sage Gott Dank, daß er nrir in seiner Gnade erlaubt hat, nach der dritten Erneuerungswahl die erste Session der Nationalversammlung zu eröffnen, und heiße Sie willkommen. Wir waren dabei, alle Anstrengungen zu machen, um den auswärtigen Schwie- riqkeften zuvorzukommen, indem wir die schwebenden Fragen zu bescftigen suchten, die von Zeit zu Zeit unsere Beziehungen zu den Mächten trübten, und den Reformen und dem Fortschritt im Innern crnen frischen Ausschivung zu geben, um die Verluste und Hebel des Balkankrieges so bald als möglich zu heilen, als plötzlich die große Krise ausbrach, die aus einem Angriff in großeni Maßstab gegen den allgemeinen Frieden in Europa entsprang. Ta die Frage der Verteidigung und Wahrung unserer politischen Rechte und Interessen natürlich alles andere in den Hintergrund drängte, habe ich zugleich mit der Erklärung unserer Neutralität die allgemeine Mobilmachung aller unserer Land - und Scestreitkräfte befohlen. Während unsere kaiserliche Regierung fest entschlossen war, in ihrer bewass- nelcn Neutralität zu verharren, nmrde unsere kaiserliche Flotte im Schwarzen Meer von der russischen angegriffen und begannen England und Frankreich sodann tatsächlich die Feindseligkeiten, indem sie Truppen und Schisse an unsere Grenzen schickten. Daher habe ich unter der Gnade Gottes und mit der Hilfe des Propheten den Kriegszustand gegenüber diesen Mächten erklärt und den Vormarsch meiner Truppen, die sich an der Grenze befanden, befohlen. Da die Notwendigkcil, mil bewaffneter Macht die Zerftörungspolitik abzuwehren, die zu allen Zeiten von Rußland, Frankreich und England gegen die islamitische Welt verfolgt worden ist, den Charakter einer religiösen Verpflichtung angenommen hat, habe ich in Ueber- einstimmung mit den betreffenden Fetwas alle Mohammedaner zum Heiligen Krieg gegen diese Mächte und diejenigen, die ihnen zu Hilse kommen würden, aufgerufcn. Ter Mut und die Tapferkeit, von der meine kaiserlichen Heere an den Grenzen und unsere Flotte im Schwarzen Meere Beweise gaben, werden den hervorragendsten Platz unter den Heldentaten unserer Geschichte einnehmen. Die Ordnung und der Eifer, mit welchen man dem Mobilmachungsbefehl folgte, und die außerordentlichen Slnstrengungcn und die Bereitstellung der für die Armee nötigen Vorräte haben bewiesen, daß unsere Nation einen durch die Vaterlandsliebe zusammengehaltenen Block bildet, zum Heile unseres Vaterlandes. Diese schöne Handlungsweise patriotischer Hingebung ist ein wahrlich würdiges Beweismittel. Ich hoffe, daß unsere Volksvertretung in ihren Entschließungen und Arbeiten mir Proben von Einigkeit und Eintracht geben wird, und erwarte, daß sie rasch die notwendigen Aenderungen der Verfassung und die militärischen Kredite prüfen wird, die ihr durch unsere Exekutivregierung oorgelegt werden, ebenso die anderen Gesetzentwürfe, über die sie in gleicher Weise zu entscheiden haben wird. Ich bin überzeugt, daß unsere Kräfte zu Lande und zu Meer ebenso wie die mohammedanischen Kämvser, welche zum Heiligen Krieg gegen England, Frankreich und Rußland zu den Fahnen gerufen worden sind, glänzende Siege in Asien und Afrika den Siegen hinzufügen werden, die nacheinander in Europa von den glorreichen Armeen unserer Verbündeten, Deutschland und Oesterreich-Ungarn, gegen die gemeinsamen Feinde errungen worden sind, und daß der Allmächtige eine Zukunft voll Glück und Ruhm unserm Reiche ebenso wie den Muselmanen der ganzen Welt bescheiden möge, welche die Waffen ergrissen haben, um Recht und Gerechtigkeit zu verteidigen. Tie besonderen Vorrechte, die ebedcm durch unsere Regierung den Fremden eingeräuml worden sind, haben mit der Zeit ihren Charakler und ihre Bedeutung verloren und eine schädliche, gegen unsere Hoheitsrcchte gerichtete Form angenommen. Ich habe also die Unterdrückung aller dieser Vorrechte angeordnet, die mit keinem Prinzip der Völkerrechte vereinbar warm und unter der Bezeichnung K a v i t u l a t i o n e n zu- sammmgefaßt wurdm. Ich habe in dem Gebiete meines Reiches nach dem Muster anderer Länder ftir die Behandlung der Fremden und ihrer Angelegenheiten die Bestimmungen des internaiionalen Rechts eingeführt. Ich stelle mit Befriedigung fest, daß unsere Beziehungen zu den Staatm, die an dein allgemeinen Kriege nicht teilgmommm haben, aufrichtig und freundschaftlich sind, daß sie es insbesond-ere sind mit unserem Nachbar Bulgarien. H a l i l Bey erinnerte in seiner Eröffnungsrede daran, wie die Türkei zum Kriege gez-wungm wordm sei. Er hob hervor, daß der Unterschied mit -dem vorhergegangenen Kriege darin bestehe, daß sehr starke Gründe die Ueberzeugung der Osmanen, daß sie siegreich sein würden, st ü tz e n. Die !Balkanstaaten hätten die Türkei mittm in der Revolution und in einer Umwandlung aller politischen Verhältnisse angetroffm und deshalb von ihnen selbst nicht .erträumte Siege erringen könnm. Diesmal, so sagte er, wurde imsere Mobilmachung in dein rechten Augenblick mrgeorduet und in Ordnung vollendet. Alle, die Reichen wie die Armen, grifsm zu dm Waffen. Unsere Armeen, welche den Feind aus furchtbar starkm Stellungen mit dem Bajonett verjagm, sehen heute die ruhmreichsten Traditionen der Geschichte wieder auftebm, und selbst unsere Feind« sind gezwungen, dieses anzuerkmnen. Der Krieg von hmbe gilt nicht der Lösung einer einzelnen Frage, nicht der Wiederherstellung der angegriffenen nationalen Ehre, es ist kein vorübergehender Krieg der Verteidigung einer Provinz, sondern ein Kampf um die Existenz. Daher müssen wir uns, wmn mich in Trme und Vaterlandsliebe, um unseren Herrscher scharm und nnt Einsetzung alles dessm, was wir haben und was wir sind, dm Krieg dyrchhalten, bis wir uns einen dauer- liaften Frieden gesichert haben, der noch unserm Enkeln erlaubt, ihre zivilisatvriichm Pslichtm ungestört zu erfüllm. Früher haben wir den Moskowitern, die seit 2 1/2 Jahrhunderten in dm tyran- mschen Verlmigm, den Occident zu beherrschen, mit dem einen Fuß gegen die Meerenge und Konstantrnopel, mit dem anderen gegen das Baltische Meer fortschreitend, uns augriffm, mir unsere Brust Und unsere Waffm entgegenzusetzem gehabt, künftig aber werdm die Zivilisation mtb die Freiheit des Occideifts und des Orimts mit dm Deutschien verteidigen, welche nicht mir auf dem Schlachtfeld«, sondern mich auf wirlschriftlichem Gebiete, und dem der Berwaltnngsvrganisativn die Ueberlegenh eit ihres Geistes bewiesen haben, mid mit ihnen die großm und sieg- reichm Verbündeten, die Oesterreicher und unsere Brüder, die Magyaren. Ich bin sicher, daß nackt dem Kriege auch di« Franzosen und Engländer, welche mit Bitterkeit erkennen werdm, daß die Fortschritte der Deutschen nicht mit Gewalt verwebtet werden könnm, eine Einigung mft uns suchm werden, halft Bey schloß mft einer ergreifenden Anrede au die türkische Armee uud Marine und die tapferen Armem der Verbündeten der Türkei, indem er den Siegern Heit wünschte und allm im Heiligm Kriege Gefallenen die Gnade Gottes. Die Haltung Bulgariens. Paris, 14. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) „PekilPckrisien" schreibt: Die bulgarische Regierung erklärte in der vevgangenen Woche den Dreive rb an dsmä ch te n wiederum, daß sie gewillt sei, die strengste Neutralität zu wahren. Das Blatt fügt hinzu: Die Verpflichtung, die Bulgarien dem Dreiverband gegenüber eingeganaen ist, wird diesem Laude künftig Nutzen bringen. "Die Verbündeten werden sicherlich die geleisteten Dienste anerkennen. Dem Kabinett in Sofia eröffnen sich glänzende Aussichten bezüglich Thraziens und, gewisser mazedonischer Gebiete. Vom Burenkrieg. (WTB.) P r ä t 0 r i a, 14. Dez. (Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Unter den A u s st ä n d i s ch e n, die sich ergeben haben, befinden sich General Rautenbach, der Kommandant Jäger mit 30 Mann, die Feld- Kornette Eksteen und Debnsson. Der einzige bekannte Aufständische, der im Freistaat noch übrig ist, ist C 0 n r 0 y, Mitglied des Provinzialrates des Freistaates. Die Seeschlacht bei den Falklaudsinseln. Berlin, 15. Dez. Nach einer Meldung des „New Pork Herald" sind nach der Seeschlacht bei den Falklandsinsekn mehrere Kriegs schisse der verbündeten Flotte in neutrale sü dam c ri kan i s ch e Häfen einge- lausen, um notwendige Reparaturen vorzunehmen. Auch das feindliche Geschwader hat demnach gelitten. Aus dem Reiche. Berbotdcr „Staatsbürger-Zeitung" währe n d bc s Krieges. Der „Staatsbürger-Zeitung" ist folgendes Schreiben des Oberkommandos in den Marken zugegangen: „Die Nr. 174 vom 6. d. M. beweisls. dalß die „Staatsbürger-Zeitung" die Bekämvsung bestimmter Kreise deutscher Staatsangehöriger auch während des Krieges fort- zusctzen gewillt ist. Es ist Ihnen schon unter dem 21. August d. I. eröffnet worden, daß eine solche Haltung mit den während des Krieges zu beachtenden politischen Notwendigkeiten unvereinbar ist. Ferner verstößt die Nr. 184 in den Artikeln „Was werden wir fordern?" und „Was wird mit Luxenv- bnrg?" gegen den der Presse mehrfach vorgcschricbcnen Grundsatz, daß alle Erörterungen über etwaige spätere GebietscrWerbungen aus politischen 0) r ü n d e n z u » n t e r l a s s c n s i n d. Unter diesen Umständen wird hiermit das Erscheinen der „Staatsbürger-Zeitung" für die Dauer des Krieges untersagt." Berlin, 14. Dez. lWTB. Amtlich.) In einem Erlas; des Ministers des Innern wird milgeteilt, daß den Kriegsgefangenen die Benutzung der Telegraphen- und Fernsprechanlagen in keinem Falle zugcstanden werden kann. Dagegen sei die Möglichkeit des Postanweisungsverkchrs der Kriegsgefangenen nunmehr dahin erweitert, daß von jetzt ab auch in Richtung aus Großbritannien Postanweisungen an britische Kriegsgefangene in Deutschland oder von deutschen Kriegsgefangenen in England nach Deutschland durch Vermittelung der niederländischen Postverwaltung zugelassen sind. In den Niederlanden werden Postanweisungen in niederländisch-deutsche Postanweisungen umgeschrieben und portofrei weiterbesördert. Berlin, 14. Dez. (W. B. Nichtamtlich.) Im Landcseisen- bahnrat wurde heute seitens der Verwaltung der Preußischen Slaatseisenbahneii über die t a r i f a r i s ch e n K r i c g s m a ß - nahmen Bericht erstattet, worüber die „Nordd. Allg. Ztg." u. a. mittcilt, daß durch die Absperrungspolitik Deutschland im wcsent- lichen auf eigene Füße gestellt worden war und seinen Güteraustausch von Grund aus neu organisieren mußte. Es kam zu einer vollständigen Veränderung des Güteraustausches und damit auch der Verkehrswege. Vor allem galt cs, für die Bergung der Ernte und für die gleichmäßige Verteilung ihrer Erträgnisse über das Reich zu sorgen und außerdem die Rohstoffversorgung wichtiger Industrien zu erleichtern. Diesen ?lusgaben kam die Eisenbahnverwal- tung durch die Gewährung freier Eisenbahnfahtten für Ernte- arbeiter und Tarifcrmäßigungen für verschiedene Bodenerzeugnisse, Maschinen, Kohlen, Koks usw. nach. Es wird hervorgctwben, daß die Vorteile der Eisenbahnverstaatlichung in dieser Kriegs- zcit besonders hervvrgetreten sind, Und daß es als ein glänzender Beweis sür die Gesundheit und Widerstandskrast des deutschen Winickiostslebens auzusehcn ist, wenn die Einnahmen der preußischen Staatsbahnen aus dem Güterverkehr im Oktober 1914 gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres ttvtz der zahlreichen Tariscrmäßigungen nur um 20 Prozent zurückgeblieben sind. Ans Stadt und Land. Gießen, 15. Dezember 1914. Ein Gießener Soldatcnheim. Wenn in diesen Tagen unsere Gedanken wie von magnetischer Kraft beherrscht' von Stunde zu Stunde sich immer wieder den Schlachtfeldern im Osten und Westen znlvenden, wo um die letzte Entscheidung des großen Krieges gerungen wird, so löst sich doch diese geradezu peinigende Spannung auch immer wieder in einem Gefühle sicherer Zuversicht und frohen Vertrauens auf die unerschütterliche Kraft unseres Bolksheeres, das den deutschen Boden gegen eine Welt von Feinden siegreich verteidigt und unsere Grenzmarken, mit Ausnahme weniger Striche, vor den Verheerungen des Krieges sicher bewahrt hat. Welch herzliches Dankgefühl alle Schichten unseres Volkes unseren Kriegern gegenüber erfüllt, das bezeugen die Hunderttausende von Liebessendungen, die in diesen Tagen und Wochen ins Feld hinauswandern, das bekundet sich aber auch in der warmen Teilnahme, die sich überall für die Verwundeten und Erholungsbedürftigen unseres Heeres regt. Nach einer Richtung scheint allerdings die unseren Verwundeten zngewandte Fürsorge noch einer bedeutsamen Ergänzung zu bedürfen. Während in der warmen Jahreszeit die Verwundeten und Erholungsbedürftigen einen großen Teil des Tages im Freien verbringen könnten und dort die beste Erholung fanden, ist dies jetzt mit Einbruch des Winters anders geworden. Unseren Verwundeten fehlt jetzt bei den ihnen von den Lazarettverwaltungen erlaubten Ausgängen fast allerorten — abgesehen von den Gasthäusern — ein Aufenthaltsraum, der sie, zumal bei Regen, Schnee und Kälte, gastfreundlich anfnimmt, wo sie eine behagliche Ecke zum Schreiben von Briefen, zu gegenseitiger Aussprache und zu sonsttger guter Unterhaltung 'finden. Von einem kleinen Gießener Kreise ist die Anregung dazu ausgegangen, solche behaglichen Aufenthaltsränmc, am besten nennen wir sie Soldaten Heime, allerorten im Deutschen Reiche, wo sich Verwundete befinden, zu schaffen. Der verdienstvolle Rhein-Mainische Verband sür Volksbildung hat diese Anregung lebhaft begrüßt und es unternommen, in Verbindung mit den ihm anbeschlossenen VolkS- bildnngsvereinen und mit dem Roten Kreuze in möglichst vielen Garnison- und Lazarettstädten jenen Gedanken zu verwirklichen. Für unsxr Gießener Soldatenheim haben sich in dem unteren Stockwerk des Cafe Ebel nach jeder Richtung passende Räumlichkeiten gefunden. In der Zeit von 10 Uhr vormittags bis 8Hz llhr abends soll hier den Verwundeten und Erholungsnrlaubcrn, aber auch den Soldaten der Garnison (wir denken besonders an unsere braven Landsturmleute) eine behagliche Heimstätte bereitet sein, wo sie mit ihren Verwandten, Freunden und Kameraden sich zu- sammensindcn können. Zeitungen, Zeitschriften, Kriegskarten, eine kleine Bücherei sollen geistige Anregung. Spiele und eine Kegelbahn sonsttge Unterhaltung bieten. Da im Cafe Ebel sich seit Kriegsbeginn bereits die Volksküche eingerichtet hat, so wird es möglich sein, die Besucher des Soldatenheims aus Wunsch auch mit einfachen Ersrischnngen zum Selbstkostenpreis zu versehe». Hat die Nnrichtüng sich erst einmal eingclebt, so ist es ein leichtes, sie noch durch gelegentliche Veranstaltung von kleinen Borttägen, musi- talische Darbietungen u. dgt. weiter auszubanen. Schon jetzt hat eine Anzahl freiwilliger Helfer ihre Mitwirkung bereits zngesagt, denen sich sicherlich noch weitere werktätige Freunde unserer Krieger zngesellen werden. Wie aus einem in den nächsten Tagen zur Vcr- össentlichung kommenden Aufrufe erhellt, sollen die nicht unerheblichen Kosten der Miete, Einrichtung und Unterhaltung des Soldatenheims durch freiwillige Beiträge gedeckt werden. Bei dem oft bewährten Gemeinsinne unserer Gießener Bürgerschaft ist sicher zu hoffen, daß dieser Aufruf allerort«» ein warmherziges Entgegcnkominen findet und daß das Gießener Soldatenheim recht rasch eine für alle anderen deutschen Garnison- und Lazarett-Städte vorbildliche Einrichtung werden wird. H. H. ** P erso ir al n a ch rich te n ans bet Obkr - Post - bireftton'tn Tarmsta bi. ^etlichen würbe aus Aulast des Scheiben^ aus bem Tienste bas Preußische Vcrbienstkreuz in Gold dem Postsckretär Kleist in Offenbach-Bürgel. — Ter Postsckretär Hauck wurde von Alzey nach Tarmstabt unter Ernennung zum Ober-Postsekretär versetzt. — EtatsmLßig ange - (teilt würben die Telegraphengehilfinnen Marklosf in Frieb- berg unb Rech in Mainz. — Die Postsckretärprüsung bestauben bie Postassistenten B e ch t unb K n o o s in Tarmstabt. — A n - genommen zu Telegraphengehilfinnen würben bie Anwärterinnen Arnsberger unb Heintke in Mainz; zu Poslagenten bcr Landwirt Wilheln, Wagner II. in Röbgen. — Freiwillig ausgeschieben sind bie Telegraphengehilsinnen Geisel in Gießen, Hecker in Mainz: ber Postagent Hch. Wagner in Röb gen. — Gestorben sinb bie Postsekretäre Lorge, Mainz-Kastel, Wahl in Mainz, ber Obcr-Postassistent Habel sowie ber Postsekretär a. T. Kurz in Darmstabt. — Vor bem Feinbe ge - lallen sinb bie Postassistenten Groß, Bauer, Mclzer, Neuroth, Pothe. Siebenwurst nnv W e i l a n b. "Richtlinien für bas Handwerk in ben Fragen bes Kriegsbcbarss gibt bie Hessische Hanbiverkskammer heraus unb bittet, sie zur Kenntnis ber in Betracht kommenben Kreise zu bringen. Sie teilt uns mit: Aus Anregung Königs. Kriegsministeriums würbe am 2 . Dezember 1914 ein Kriegsleber-Aus- rüstungs-Vcrbanb gcgriinbet, Hessen Verwaltungsrat neben Vertretern ber Jnbustrie auch solche bes deutschen Hanbwerks angehören. Ter Verband ist ein Organ Königs. .Kriegsministeriums und für bie Dauer bes Kriegs gegründet. Mitglied kann jeder Betrieb werden, der bisher Heereslieserungen zur Zufrieden heit der Heeresverwaltung ausgesührt hat, ebenso alle Betriebe der Militärlcder-Ausrüstungsbranchc, Lieserungsverbänbe, Werkgrnos- senschasten und andere Einrichtungen, die Handwerksbetriebe -ver- treten, die sich mit der Herstellung gleichartiger Gegenstände bs- sassen. — Es ist weiter für die Dauer des Kriegs ein Bekleidung s - B e sch a s s u n g s a m t in Berlin F'., Budapestcr Straße 132, eingerichtet worden. Dieses Amt deckt den Bedarf an Tuchen, Leinen- und Baumwollstoffen, Helmen, Tschakos.Tschapkos, Tornistern, Tragriemen, Patronentaschen, Pistolentaschen, Leib- riemcit, Säbel koppeln, Ueberschnallkoppeln, Mantel- und Koch. geschirr-Riemen, Karabinerhalterriemen, Feldflaschen, Labeslaschen, Trinkbechern, Kochgeschirren, Tressen, Fransen, Portepees, Trikot und Köperhemden, Trikottinterhosen, Brotbeuteln, Zeltausrüstungen (mit Zubehör), Zeltzubehörbcuteln, Signalinstrumenten mit Zubehör, Pelzen, Filzschuhen, Fußschutzkappen, warmer Unterkleidung, Packtaschen, Kochgcschirrsutteralen und Reitzeug für Nen- sormattonen. Angebote aus vorangeführte Gegenstände nehmen daher fortan nicht mehr dasKriegsministeeinm, Bekleidungsabteilung oder die einzelnen Kriegsbekleidungsämter an, sondern nur noch das eingangs bezeichnete Bekleidungs-Beschaffungsamt. Die Angebote sind an die zuständige Handels- oder Handwerkskammer zu richten, die die Weitergabe vermittelt. Die Hessische Handwerkskammer hat die in Betracht kommenden Interessentenkreise auf diese Gründung aufmerksam gemacht. Es fei hierbei daraus hingewiesen, wie sehr gerade diese neue Art der Arbeitsvergebung aus f a ch - genossenschaftlichen Zusammenschluß drängt. Ten in Betracht kommenden Handwerkszweigen sei die Benutzung der Einrichtung angelegentlichst empsoblen, die .Hessische Handwerkskammer nimmt entsprechende Eingaben entgegen. Nach einer Verfügung Königs. Kriegsministeriums sollen, wie uns die Handwerkskammer weiter mitzuteilen ersucht, Angebote aus Hcereslicserungen, von solchen Bewerbern, die der Heeresverwaltung aus bisherigen Geschäftsverbindungen noch nicht bekannt sind, nur dann berücksichtigt werden, wenn ei» Zeugnis der zuständigen Handelskammer oder Handwerkskammer darüber vorliegt, daß der Anbieter zuverlässig und leistungsfähig ist und dem Geschäftszweige angchört. aus dem er Waren anbietet. Tie hessische Handwerkskammer ersucht, die schriftlich einzureichenden Angebote, die auf b e st i m m t e Waren und a n b c st i m m t e Adressen zu lauten haben, an sie einzusenden. Von hier aus werden sodann die Angebote und Zeugnisse an die Militärbehörden weitergcleilet, bei der der Antragsteller anzu- bietcn wünscht. Es wird laut einer Ministerialversügung als sehr wünschenswert bezeichnet, für den Winter Wagen für landwirtschaftliche Z >v e ck e in erheblich größerer Anzahl und mit möglichster Beschleunigung herzustellen. Mit Rücksicht aus militärische Bedürfnisse sollen diese Wagen nicht weniger als vier Meter Kastenlänge haben. Tie Handwerkskammer wandte sich an Korporationen und Einzelmeister des Wagner- und Schmiedegewcrbes und machte auf diese Arbeitsgelegenheit aufmerksam. Ebenso wurde nnt den zuständigen Behörden und der Landwirlschastskammer in Verbindung getreten im Jntereffe der genannten Handwerkszweige. ES steht zu hoffen, daß durch diese Anregung für die Winterszeit A r b e i t S g e l e g e n h e i, geschaffen wird und auch diese Betriebe in der Lage sind, in schwerer Zeit sich zu halten. ** ©in Dankschreiben. In einem an Professor Völzing gerichteten Schreiben vom 12. de M. hat Großadmiral v. Koester, der die Verteilung der Liebesgaben für unsere wackere Marine leitet, den Gießener Spendern wie folgt gedankt: „Für die reiche Spende vom 28 . November spreche ich Ihnen meinen herzlichsten Dank aus. v. Koester, Großadmiral." ** Das Eiserne Kreuz erhielt Kriegsfreiwilliger Gefreiter im 22. Rcferve-Fußart.-Regiment Dr. Richard Schramm» Assistent am Botanischen Institut der hiesigen Universität. ** Militärische Vorbereitung der Jugend. Am letzten Mittwochabend unterrichteten die Herren Horst und Hcrgett über „Lagerdienst", Herr Dr. Meyer gab packende Schilderuitgen aus dem Leben in den Schützengräben. Am Sonntag nachmittag ivurde im Kasernenhos und später auf dem Trieb in Zügen und in der Kompagnie exerziert nnd zur Schützenlinie ausgeschwärmt. Das Resultat der Hebung war wiederum sehr erfreulich. In aller Kürze werden sich Ziclübungen anschlicßen. ** Schiilerkonzert. Eine anmutig musikalisch- deklamatorische Unterhaltung bot Fräulein Minna Körner am Sonntag nachmittag den Eltern ihrer Schüler. — Die Darbietungen gliederten sich in zwei Abteilungen, die erste war einzig dem Klavier gewidmet. Kleine und größere Schülerinnen, auch einige Schüler spielten mit Präzision und hübschem Ausdruck kurze Kompositionen von Breslauer, Rohde u. a. bis . himmt zu schumann, Weber, Haydn und Beethoven. — Tie 'zweite Abteilung bestand aus patriotischen Liedern und Gedichten. ES war ein glücklicher Gedanke, diese olme Unterbrechung vorxnsühren, — so blieben die Hörer in Sttmmnng. Man fühlte die Begeisterung, womit die Schülerinnen und Schüler ältere patriotische Tichttingen von Hauff, Geibel und Körner, sowie die neuesten, auf unsere Zeit bezüglichen zu Gehör brachten Ergreifend wirkte das von den reinen heilen Mädchenstimmen gesungene alte, ewig junge Lied von Hauff: „Morgenrot". Violine und Klavier unterstützten in wirk,amer Weife den Ehorgesang. Von den Rezitationen machte I. v. Hauffs Lied auf den Feld- marschali Gottlieb Haeieler: „Gottlieb hier und überall", besonderes Glück, aber auch die übrigen mit fchlick>tcr Wärme vvrge- lragenen Achtungen gelangen zur Freude der Eltern und zur Ehre der Lehrerin. ** Grogw ursel ,,M arke Südpol" haben soldaten freundlichc Spekulanten vor einiger Zeit auf dem Markt gebracht, dabei aber nicht mit der Wachsamkeit der Militärbehörde gerechnet. Dieselbe warnt nämlich vor der Dekikalesse wie folgt: In einigen Zeitungen find Inserate veröffentlicht worden, in denen Grog- Würfel für die im Felde stehenden Krieger angezeigt werden. Tiefe Würfel find in Feldpostbriefe verpackt und sollen angeblich aus feinstem- Rum und Zucker bestehen und, in Wasser aufgelöst, ein Weinglas voll Grog ergeben. Das stellvertretende Generalkam mando des 1. bayerischen Armeekorps warnt vor dem Ankauf dieser Würfel, die die Marke „Südpol" tragen. Ter Alkoholgchali betrage nur 6,8 Prozent: dem Zucker fei Gelattne beigcmengt, es lasse sich selbst mit Beigabe von nur geringen Mengen beisten Wassers kein grogähnliches Getränk erzielen. Das Rohmaterial für 6 Würfel kostet ungefähr IttP'g , der Verkauispreis be trage 1 Mark. Wie wir erfahren, verbietet das Frankfurter stellvertretende Generalkommando die Veröffentlichung aller Inserate, in denen die Grog-Würfel Marke „Südpol" angezeigt werden. ** Weihnachtsstimmung im Lazarett Am Sonntag fand in der Klinik für Hautkrankheiten zum Beste» der verwundeten Krieger eine Weihnachtsaufführung statt. Der Korridor im ersten Stock war von den Soldaten mit einfachen Mitteln in eine schöne Buhne verwandelt worden. Das Prograinm war: l. Prolog. 2. Ge meinsamcr Gesang: „Stille 'Nacht". 3. Ausführung: „Des Kriegers Trgpin". 4. Lebendes Bild. 5. Schneeslockenreigen. 6. Aufführung: „Das Watdmäniichen". 7. Zwiegespräch. 8. Zwei lebende Bilder. 9. Schlußwort. 10. Gemeinsamer Gesang: „Deutschland, Deutschland über alles". Ten Prolog und das Schlußwort sprach ei» Verwundeter; das Uebri.gc imirde von hiesigen Knaben und Mädchen vorgcführt. Die Aufführungen gefielen so, daß einzelne Sachen wiederholt werden mußten. Tie Zuschauer beslaudcu außer einer ganzen Reihe Zivilpersonen mis Verwundeten der verschiedensten Kliniken, die niit Dank den Ausführungen folgten. Der Dank für die Feier gebührt einer Schwester der Hautklinik, die trotz der in dieser schweren Zeit an die Schwestern gestcllteit erhöhten Anforderungen ihre freie Zeit für die Proben verwandt hat. Auch der Prolog nnd das Schlußwort war von ihr verfaßt. Die Hauptsache, der pekuniäre Erfolg, war so gut, daß der Wunsch der Schwester und des Leiters der Klinik, ihren Soldaten eine würdige Weihnachtsfeier zu veranstalten, vollauf in Erfüllung geht. " Die Auszahlung der Fa milienunter st ütznng für bie zu in Heeresdienst Einberuleiien fiir die Zeit vom 16. bis Ende Dezember 1914 findet statt am Mittwoch, den 16. Dezember, -i Tomierstag, den >7. Dezember, — Freilag, den 18. Dezember, — Samstag, den 19. Dezember, und Montag, den 21. Dezember» und zwar vormittags von 8 — 1 Uhr, im Stadthaus, Zimmer Nr. 16. ** Die Ziehung der Gießener Gewerbe- Aus stellungs-Lotterie findet am 21. Dezemberd.I. im Saale des Hotel Schütz statt. Die Ziehung ist öffentlich und beginnt um 8 Uhr morgens unter Aufsicht der Polizeibehörde . Kreis Schotten. D Her eben ha in, >8. Dez. Heule nachmittag wurde in unserem Gotteshause eine G e d ä eb t n i s i e i e r für die in letzter Zeit geialleiien vier Krieger aus »»fever Gemeinde begangen. Es sind dies: Landmelirmann Kart Appel, die Reservisten Heinrich W i n t e r, Ernst W i ii t e r und Heinrich 'Adolph. Eine Ge- denktasel, ans welcher die Namen der sieben Gefallenen ans imserem Kirchspiele verzeichnet waren, war mit einem Kranze nnd schwaiz-weist-rolem Band nmivnnden, am Altäre angebracht. Sie soü für alle Zeiten der Kirche erhallen bleiben. Die Kriegcr- v e r e i» e von H a r t m a n n s h a > n und H e r ch c n h a i n waren mit umflorten Fahnen erschienen, ferner verwundete Kame- radcn in seldgraner Uniform nnd Veteranen von 1870/71. Ter Lrtsqeiftliche, Viarrer Römer, wußte in herzlichen Worten den Leidtragenden Trost znznsprechen. Nach der Ansprache wurden durch die beiden Vereine vor dem Gotteshanfe drei Ehrensalven abgegeben. Kreis Friedbcrg, b F r i e d b e r g, 14. Dez. Wegen der Maul- und K l a u e n- feuche im Kreise Friedberg ivurde der !ür den 17. Dezember an- gesetzte Markt in Friedbcrg verboten. Starkenburg und Nheinhessc». O D ärmst ad t, 15. Dez. Das Grosth. Hesf. Landsturm - B a I a i l l o n V hat am Freitag, den 4. Dezember, eine Heldentat vogbrncht, die eine Belobigung durch Körpsbeietil eriahren bat unter der Devise: »Frisch gewagt, ist halb gewonnen". Es nahm aui einem Patrouillengang, nur 20 Mann stark, 420 Russen mit Gewehren und Munition gefangen. Diese Kompagnie führt Oberleutnant Wolfs, ein geborener Darmstädter, Rechtsanwalt und Notar in Bad Homburg v. d. H., Zugführer ist Leutnant L c ch n e r, Vorstand der Bank für Handel und Industrie, Depositen- kasj«, Tnrmsladt. Hessen-Nassau. U. Frank s u r t n. M. , 14. Dez. In der verlängerten Gut- lcutstraße, gegenüber dein Gntlenthof, hat man mit dem Bau einer Halle für Kraftwagen begonnen, die an llnisanq wohl alle bisher i» Teutfcliland bestellenden ü b e r t r e!! e ii dürfte. Tic Halleiiräuinc werden einen Flächcnraum von rund 8000 Qnadral- nielcrn bedecke» und Platz für mehr als 700 Kraftwagen bieten. Tie Arbeiten werden derart beschleunigt, daß schon in wenigen Wochen die Fertigstellung der Halle zu erwarten ist. Kandel. Fried. Krupp. Essen (Ruhr), 12. Dezember. Tie heutige Hauptversammlung der Fried. Krupp A.-G., Essen (Ruhr), genehmigte den Abschluß für das Geschästsjalir 191304. Tie Dividende wurde auf 12 Prozent <14 Proz. ii» Vorjahre) !est- aeletzt. Der gesetzlichen Rücklage fließen Mk. 1 695 211 zu (im Vorjahre 1881 7531. Tie Conberrncklage wirb um Mk. 2 Millionen verstärkt (wie im Vorjahre). ES wurden überwiesen der Arbeiter- Pensionskasie Mk. I MiÜion >i. V. de» Pension?- und llnter- stützungskassen Mk. 2 Millionen) und dem 'Arbeitcrnrlanbsfonds Mk. 2 Millionen r Jinmobikien sestgelegt ivorden sind, daß znni anderen der Krieg erhebliche 'Ankordernngcn an die Mittel der ,zirnia Krupp stell:. Bezüglich des erstere» Punktes ist daran! liinzuiveifcii, daß Kruvp bedeutende Erwerbniigen von Kobleiiieldern, Grundeigentum in der näberen und weiteren Umgebung von Eye» gemacht hat. Der Jmmobiliarbesih siebt mit 231 Mill. Mark z» Buch und übersteigt allein das Äkticnkapftal um 58 Mill. Mark. Insbesondere aber bringt der Krieg erheb- liche Ansprüche an die Leistungsfähigkeit der Firma in Bezug auf die Lielerung von Kriegsmaterial Tie ja überaus große» Mittel der Firina weiden in erhöhtem Maße sestgelegt, besonders auch durch Lieiernngcn an bie mit uns verbündeten Staaten. Die neuen Aktien, die natnilich von der Familie Krupp allein übet- non»nen werden, werden die Betriebsmittel in erforderlichem Maße verstärken. Märkte. fr. Frankfurt a M. V i e h h o i i» a r k t b e r i ch t vom 14. Dez. Anfirieb: Rinder 1655 (Ochsen 332, Bullen 74, Kühe und Färsen 1249), Kälber 315, Schase 123, Schiveine 2351. Tendenz: Rinder rege, Kälber gedrückt, Schafe ruhig, Schweine ruhig. Sänttliche Gatinngcn beinahe anSveikanit. Ochsen. Vollsteischigc, ansgcmästeie, höchsten Echlacht- iveries, 4—7 Jahre alt........ die noch nicht gezogen haben (nngejochte) . . Junge fleischige, nicht ausgemäslcte und ältere nnsgemästctc ........... Bullen. Pollflclsckiigc.ansgewachfeiie, höchsten Schlacht,v. Bollfleischige, jüngere......... Färsen, K n h e. Bollfleischige ausgem. Färsen höchst. Schlachtw. Pollfleischige nnsnem. Kühe höchsten Schlacht- wertes bis z» 7 Jahren....... Wenig gut eiitivickette Färsen...... Acllcrc ansgemäslete Kühe....... Mäßig genährte Kühe und Färsen .... Kälber. Mittlere Mast- und beste Saugkälber . . . Geringere Mast- und gnle Saugkälber . . . Schafe. Stallmastscbase: Mastlämmer und jüngere Maslhaminel . . . Aeltere Masthamniel, gut genährte junge Schale und geringere Mastlämmer . . . S ch io « i» e. Dollflcischiqe Schiveine von 80 bis 100 kg Lebendgewicht..... 57.50—60.00 74.00—76.00 Bollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht ........ 57.00—59.00 74.00—75,00 Vollfleischiae Schweine von 100 bis 120 kg Lebendgeivicht..... 58.00—60.00 75.00—76.00 Bollfleischige Schweine von 120 bis 150 Ire Lebendgewicht..... 58.00—60.00 75.00—76.00 Sa, Frankfurt a. M., 15. Dez. Heu- und Strobmarkt. Man »olieile Heu 3,50—3,80Btt., Stroh (Kornlangstroh) 0.00 bis .00 Alk., Wlriflroh 0,00-0,00 Mark. Alles je 50 Kilo. Ge- schält lcbha't. feie Zufuhren waren miS den Kreise» Friedbcrg Hana» und Dieburg. • Preise für 100 Pid. Lebend- Schlacht- gewicht Mk. Akk. 52—56 95-104 47-50 85—90 44—46 81-85 47-50 80—85 44—46 78-80 48-52 86-95 43—47 80—85 40-46 77-88 37—42 70—78 28—34 56—68 44-48 75-80 38—42 64-70 40-00 86-00 29—00 70-00 Meteorologische Beobachtungen der Station Eichen. Tez. 4114 Jo! !p*= ~ I S 2 £■ * I o 07 J JW " 1® | S f iz £ cOjs Ssi Wetter 14 ' 28,2 | 86 6 I 73 SSE 2 10 14. <- 5 ‘j ‘28,1 72 6,5 85 SE 2 10 15. '< H 1 | '* 30,3 | 6.9 6.7 91 SSE | 2 3 Höchste Temperatur am 13. bis 14. Dez. 1911 = + 8,7'C. Niedrigste „ . 13. . 14. . 1914 - -j- 4,1° „ Niederschlag: 0,5 mm. Wetteraussichten in Dessen am Mittwoch, den 16. Dez. 1911 : Ziemlich wolkig, zeitweise Niederschläge, mild, südwestliche Winde. Letzte Nachrichten. Ein Telegrammwechsel zwischen dem Reichstagspräsidenten nnd drin Kaiser. Berlin, 14. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Anläßlich des Unterganges unseres Geschwaders hat der Präsident des Reichstags, Dr. Kaemps, folgendes Telegramm a n d e n Kaiser gerichtet: Mit Schmerz und Trauer, aber ungebeugten Mutes hört daS deutsche Volk die Nachricht von dem ruhnivollen Untergang der Kreuzer „S ch a r n h o r st", „G n e i s e n a u", „L e i p z i g" und „Nürnberg". Bon einer Uebermacht von seindlichen Schiffen umringt, haben unsere heldenmütigen Seeleute, mit ihrem tapferen Führer an der Spitze, den sicheren Tod vor Augen gegangen für des Atemzuge gekämpft und sind dann in den Tod gegangen snr des Deutschen Reiches Ehre. Mit Seiner Kaiserlichen Majestät ivejß sich das deutsche Volk eins in dem schmerz und der Trauer um den Verlust so vieler hoffnungsreicher Aicnschenleben, aber auch in der Bewunderung und dem Stolz aui die ruhmreiche .Heldentat. Eine Natwn, die solche Helden hcrvorbringt, darf ungebeugten Mittes auch den schwersten Opfern standhast ins ?luge schauen und des Sieges gewiß sein. Im Namen des Reichstages: Kaempi, Präsident des Reichstags. Darauf ist eine Antwort eingegangen, in der es heißt: Ich danke Ihnen herzlich für die Kundgebung. Mögen die schweren Opfer, die der uns ausgezivnngene Existenzkamvt der Gesamtheit wie jedem Einzelnen auserlegt, getragen werden von der zuversichtlichen Hoffnung, daß Gott der Herr, ans dessen gnädiger Hand mir Glück und Unglück, Freude und Schmerz in Temul empfangen, auch die schwersten Wunden m eilten Segen für Volk und Vaterland verwandeln ivird. Willheckm I. k. Ein russischer Heerführer erkrankt. Basel, 14. Dez. (WTB. Nichtaintlich.) Tie „Baseler Nachrichten" melden ans italienischen Quellen, der Oberst- kommandiercndc an der Weichsclfront, General Ruskyj, fei an T y f c n t h e r i e ertrankt. 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