Nr. 292 Der »(«tznter anjcfatt erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich »leßenerZamIliendlätler: zweimal wöchenll.itrei!- dlaNfürdenilreirkießen (Dienstag und Freitag): zweimal inonotl La«»- wirllchastliche Seilfra-en Ferniprech - Anschlüße: iürdieSchri!tleitu»ql13 Verlag,Gelchäitsstelleül Adresse lür Drahtnachrichten: Anzeiger Siehe«. Annahme von Anzeigen lür die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. Erstes Blatt *64. Jahrgang Samstag, \ 2 . Dezember l9l4 Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oderhessen vototionrdruck und Verlag der vrühl'schrn Unio.-Vuch- und Lteindruckerei v. Lange. Lchristleitung, ScschästLstelle u. Druckerei: Zchulftr. 7. «ciiigosrei»: inonatl. 75 Ps., viertel- jährl. Ml. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monall 85 Ps.; durch diePost Mt. 2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellq. Zcilcnvrei^' lokal Ich Pi., ausiv. 20 Ps. — Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für de>' polit. Teil: Aug. Goetz; für .Feuilleton", „Vermischtes" und.Gerichts- saal": Karl Neurath; lür .Stadt und Land" : Otto Braun; sür den Anzeigeuletl: H. Beck. Auch die „Nürnberg" zum Zinken gebracht. Zrhr. v. d. Goltz mit einem Naiserlichen Handschreiben in Zofia. (WTB.) Großes Hauptquartier, 11. Dezcmb. vorm. (Amtlich.) In Flandern machten mir Fortschritte. Westlich und östlich der Argon neu wurden feindliche Artilleriestellungen mit gutem Erfolg bekämpft. Französische Angriffe im Bois de Prdtrc westlich Pont ä Mousson wurden abgewicsen. Oestlich der m a s u r i s ch r n S e e n l i n i r keine Veränderung. In Nordpolen schreiten unsere Angriffe vorwärts. In S ü d p o l c n nichts Neues. Oberste Heeresleitung. (WTB.) Berlin, II.Tez. (Amtlich.) Nach weiterer amtlicher Rentermcldung aus L o n d o n ist es den verfolgenden englischen Kreuzern gelungen, auch S. M. Schiff „Nürnberg" zum Sinke» zu bringen. Der stellvertretende Chef des Admiralstabes, gez. B e h n cf t. Wenn wir erraten wollten, was der nächste Tag bringen Mag, hätten ivir nicht die dürftigste .handhabe dafür. Große Schlachtenkatastrovhen sind in diesem Jahre vielleicht nicht mehr zu erwarten, da auf die letzten Riescnanstrcngnngen in Russisch-Polen wohl eine kurze Zeit der Ruhe und Vorbereitung folgen wird. Auch im Westen sind keinerlei Anzeichen vorhanden, daß große Sturmangrisfe bevorstchen, und der französische Kriegsminister, Herr Millerand, der im Gegensatz zu General Joffre einer großen „Aktion" das Wort geredet haben soll, scheint damit nicht durchgedrungen zu sein. Die Russen sind, soweit man aus dürftigen Telegrammen ihre Stimmung zu erraten versteht, keineswegs erbaut davon, daß sie gegenwärtig beinahe allein die Kosten großer Schlachten zu tragen Hanen. Sic klagen — die „Nowoje Krcmja" ist hier der Wortführer — darüber, daß die Franzosen nicht gleichzeitig mit einer starken Offensive cinsetzen, nährend deutsche Truppen doch vom dortigen Schauplatz abstrusen worden seien und die Gelegenheit günstig wäre. Die Franzosen werden besser wissen, ob ihre Kräfte dem Feinde Iber- vher unterlegen sind, und dieser Krieg hat ja nieder aufs Neue gelehrt, wie viele Opfer und Verluste oft für die Offensiv - Taktik in Kauf (cnommen werden müssen. Berechtigter ist der russische storwurf, der sich voll Bitterkeit gegen England richtet. .Wir kämpfen und bluten jetzt für die englischen Jntev- :ssen," so sprach das führende Blatt der Panslavisten und viederholt die grollende Feststellung, daß das Britenreich »irr seine halbe Kraft in diesem Kriege einsetze. Vielleicht fat diese Verärgerung mit dazu beigetragen, daß Rußland >en päpstlichen Vorschlag, während des Weihnachtsfestes itjie Waffenruhe eintrete» zu lassen, rund abgelehnt hat. Seine strategische Lage, die Desensivrolle, izu der es wieder »ot übergehen müssen, berechtigen es keineswegs, etwa nne besonders stolze und berausfordernde Halsung au- junehmen. Aber unsere seldgrapcn Krieger draußen auf »en blutigen Feldern werden sich nun mit dem Gedanken ibfinden müssen, auch in der sonst seligen und fröhlichen Weihnachtszeit das harte Kriegshandwerk auszuüben. Und wir Zurückgebliebenen? Können mir die An gen davor verschließe», daß der grause »riegsgotl den, milden Christeneiigel mit drohender Gebärde entgegenschreiiet? Dürfen wir feiern, wenn zu gleicher Zeit unsere Brüder uird Lieben in Not und Gefahr stehen? .hat sich der Sinn des Christfestes in diesem Jahr nicht verändert? Es ist jetzt die Zeit, solche Betrachtungen anziistellen, denn der kupferne, silberne und goldene Sonntag stellt den Kauflcuten und den zweifelnden Pilgern, die sich den Glanz der Schaulädeii betrachten, eindringliche Fragen Wir lasen in der „Zukunft" folgende schneidende Ablehnung: „Unter dem Tach deutscher Heime, deren Erhalter nichr draußen, in Ost und West, den Rock und die Waffen des Reiches trägt, dürfte in der Weihnacht des Verhängnisjahres kein Gabentisch prangen, kein Ehristbaum duften, keiner Jesuslerzc milder Gold- glanz das dunkle Grün der Tannen durchleuchten. Weil jich's nicht schickt." Ist dies so ganz richtig? Sind, richtig verstanden, der Tannenzweig und die Jesuskerze Symbole rauschender Erdenftcudc? Gewiß, die Zeit ist schwer und bang, aber sind unsere Hoffnungen betrogen und begraben, die himmlischen und die irdischen? Das müßte doch beantwortet iverdcn, bevor man erklärt, daß das deutscheste Fest in seiner Milde und Sinnigkeit sich nicht schickt. Es bedarf wahrlich keines großen Gabentisches, um uns de» Zauber der deutschen Weihnacht zu erhalten, und der Rat ist gut, all das was wir au Gut und Geld entbehren können, unseren im Felde stehenden Kriegern zu- zuwendcu. Aber sollen wir, während sie draußen mit Rührung den Heimatgruß entgegeunehmcn und die Ehristnacht sich in die Seele leuchten laffen, zu Hause ganz vertrauern und uns in die schwärzesten Schatten drücken? Niemand, euch die Bedauernswerten, die Gatten, Söhne und Brüder auf dem Schlachtfelde verloren haben, brauchen sich der linden Stunde zu schämen, in denen sie unter einem Wcihnacbts- baum ihre Herzen ausrichten. Wir sollen ja gerade wieder lernen, die schlichten und wahren Freuden zu genießen.Dürfen wir die Kinder ohne Fröhlichkeit lasse»? Wie muß die Feier bestellt sein, die ihnen in ihrem ganzen sväteren Leben als Leuchte einer gewaltigen Zeit noch den Weg erhellen soll? Es ist doch nicht daran zu denken, daß man ihnen das große Jahr düster verhängen sollte. Mit starkem, festem Geiste müssen die Opfer gebracht, die Toten betrauert werden, aber ein wahrer Abglanz dieser Schicksalstage der Deutschen muß auch in die Seele der Jugend fallen. Wir wollen sie nicht mit überflüssigen Gaben verhätscheln, sondern sie auf die gute, alte Balm zurücksührcn. Ein treffendes Wort Emersons darf hier erwähnt werden. Er predigt die Hingabe an die Natur, an einen Geist, der dem stillen Herzen Genüge tue, der aus jedem trockenen Grasbüschel,^aus jedem Fichtenstumpf, aus jedem halbvergrabenen Stein hervorblicke. „Wir füllen," so sagt er, „die .Hände unserer Kleinen mit allen mögliche» Puppen, Trommeln und Pferdchen, aber dadurch ziehen wir ihre Augen von dem Antlitz der Natur ab, von der Sonne und dem Miondej, dem Wasser, den Tieren und den Steinen, die ihr Spielzeug sein sollten/" Wenn wir mit besserem Sinne» unter demTanneu- baum weilen, wenn wir mit Ernst unv Andacht die Geburt des Heilandes feiern, wer wollte sich davon abwenden und solches Tun unschicklich nennen? Wir wollen die Lichter der Hoffnung hell erstrahlen lassen und dem Feinde nicht den Triumph gönnen, daß er Deutschlands heiligstes und stimmungsvollstes Fest schon ausgelöscht habe. Die österreichischen Tagesberichte. Wien, 1l. Dez. (WTD. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart, 11. Dezember mittags: Unsere Operationen in den Karpathen verlausen plonmäßig. Der Feind leistete gestern zumeist nur mit den Nachhuten Widerstand, die geworfen wurden. In Ga l .zien ist noch keine Entscheidung gefallen. Wo d:c Russemklngrissc,,, wurden sie unter sckpve- ren Verlusten zurückgewiesen. — Die Ruhe an unserer Front in Polen hielt auch gestern an. P r z e m y s l ist vom Gegner nur eingeschlossen und wird nicht angegriffen. Die stets unternehmungsfreudige Besatzung beunruhigt die in achtungsvoller Entfernung pon dem Fortgürtel sich haltenden Einschließungstrnppen fast täglich durch kleinere und größere Ausfälle. Der Stellvertreter des Chefs des Gencralstahs: v. H ö f e r, Generalmajor. W i e n, II. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Vom südlichen Kriegsschauplatz wird gemeldet: 11.Dezember: Auf dem südlichen Kriegsschauplatz keine wesentlichen Vorfälle. Die angeordneten Verschiebungen vollziehen sich im allgemeinen ohne größere Kümpfe mit dem Gegner. Chartum von den Kabylen besetzt. Konstantinopel, 11. Dez. Der Emir von Afg h anist a » hat seine Armee an der Grenze Indiens versammelt und den .heiligen Krieg proklamiert. Armee und Volk, welche gegen England sehr erbittert sind, erklärten sich bereit, sofort gegen die Engländer vorzugehen. Im Sudan und in Newab ist die Bevölkerung infolge der Erklärung des Heiligen Krieges gegen die Engländer aufgestanden. Tie Scheikhs von Darsur und Kordosan rückten mit 20 000 Kavalleristen aus. Sie werden von den übrigen Kahlsten unterstützt und haben bereits die fast nur von Mohammedanern bewohnte Stadt Chartum besetzt und die Engländer vertrieben. Die Landungstruppe der „Emden". Berlin, 11. Dez. Die „Voss. Ztg." meldet aus Amsterdam: Nach einer Meldung des Reuterschen Bureaus aus Batavia ist der Schooner Geys ha, auf dem die Landungstruppe der „Emden" entkam, am 27. November in Pa dang (Südwestküste von Sumatra) angekommen und hat dort Proviant eingenommen. Der Schooner war also drei Wochen auf See. * s * Tie Schlacht bei den Falkland-Jnseln. lieber die Seeschlacht haben die bis jetzt eingetrofsenen englischen Zeitungen noch keine Berichte. Ter englische Korrespondent der „T y d" meldet: Verschiedenes deutet darauf hin, daß der englischen Admiralität bekannt war, daß nach bei Schlacht au der chilenischen Küste die deutsche Flotte um oas Kap Horn herumgefahren war, in der Absicht, auf englische Dampfschisse im Atlantischen Ozean Jagd zu macken. Aus mehr als einem Punkte kreuzten starke britische Geschwader, um die Meere abzusuchen, bis eine Flotte unter Vizeadmiral Sturdee das deutsche Geschwader einige hundert Meilen vom Südpunkl Südamerikas entdeckte. Das Geschwa- dcr war von Kohlenschxffen begleitet und fuhr in einer nicht dicht aneinander geschlossenen Linie hinter „Scharnhorst" her. Sobald es den Gegner in Sicht bekam, nahm es die Gefechtslinie ein und zu gleicher Zeit den Kurs ostwärts in der Absicht, beim Eintreten schwieriger Berhällnisse die freie Bahn offen zu behalten. Durch geschicktes Manövrieren des englischen Befehlshabers wurde jedoch „Scharnhorst"' rasch durch stärkere britische Schisse eingeschlossen, die zu gleicher Zeit einen Teil des Geschwaders absonderu konnten und daraus den weniger rasch fahrenden „Gneiscnau" anfielcn. Als beide Schiffe außer Gefecht gesetzt waren, versuchte die „Leipzig" mit „Nürnberg" und „Dresden" zu sküchlen. Dies glückte nur den beiden letztgenannten Schiffen, da der „Leipzig" der Ausweg abgeschnillen wurde. (Reutermeldung.) Viele deutsche Seeleute gerettet. Berlin, 11. Dez. lieber Italien wird aus England berichtet, daß viele lieberlebende der „Leipzig" und der „Gncisenau" gerettet worden seien. Freiherr v. d. Goltz in Sofia. Sofia, II. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Fellmrarfchall Frhr. v. d. G o l tz ist heute nacht hier eingetroffen und von den Gesandten Deutschlands und der Türkei sowie den Militärattaches der Zentralmächte und der Türkei am Bahnhof begrüßt worden. Der Feldmarschall wird, wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, morgen vom König von Bulgarien in Audienz empfangen werden und wird ihm ein Handschreiben des Deutschen Kaisers überreichen. Die Haltung Bulgarien». Ko n st an t in ope l, 11. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Der neuernannte bulgarische Gesandte am Wiener Hofe Losch e w wird Konstantinopel in einer Woche verlassen. In einer Unterredung, die Toschew einem Mitarbeiter des „Taswir-i-Efkiar" gewährte, erklärte der Gesandte, er verlasse Konstantinopel als Freund der Türkei. Seine Versetzung nach Wien bedeute nickt eitlen Wechsel in der auswärtigen Politik Bulgariens, das die Erhaltung der herzlichsten Beziehungen mit der Türkei anstrebe. Beide Telle seien zu der Erkenntnis gelangt, daß diese Politik ihren Interessen und ihrer Zukunft entspreche. Gewiffe Leute, sagte Toschew, verbreiteten falsche unsinnige Gerüchte, indem von Adrianopel gesprochen wird. Die Gerüchte sind auf Intrigen unserer Feinde zurückzusühren. Die Adria- nopeler Frage gilt für uns nicht nkehr. Wir werden nie vergessen, daß wir Mazedonien wegen Adriauopel verloren haben. Bulgarien beschloß, neutral zu bleiben und seine berechtigten Interessen bis zum Aeußersteu zu verteidigen. Toschew erklärte schließlich, er sei sehr zufrieden, vl eine Stadt wie Wien zu kommen. Sofia, ll.Dez. lWDB. Nichtamtlich.) In der Soli ran je richtete der Abgeordnete Utschermansky (Regierungspartei) an den Finanzminister eine Anfrage betreffend die vom Kabinett Geschow bei Beginn des Bal- lantrieges ohne Bewilligung der Sobranjc dem König von Montenegro leihweise überlassenen SV» Millionen Franks, llffchermanskp beabsichtigt, einen Antrag einzubringen, daß die Minister des damaligen Kabinetts Geschow zum Ersatz der Summe augehalteu werden. Ans Rumänien. Bukarest, 11. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) In der Kammer wurden heute unter dem Beifall des Hauses die anläßlich des Todes König C a r o l s von dem deutschen Reichstag sowie dem ungarischen Abgeordnetenhause an das rumänische Abgeordnetenhaus gerichteten Beileidsdepeschen verlesen. Sofia, 1l. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Der rumänische Gesandte besuchte heute nachmittag den Ministerpräsidenten und erklärte ihm, ixm zukünftig der Durchfuhr bnlgarl scher Waren durch rumänisches Gebiet keine Schwierigkeiten bereftet werden würden. Eine Rede des Königs von Bulgarien. Sofia, 11. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Der König empfing heute die parlamentarische Kommission, die ihm die AntwortderSobranjeaufdieThronrede über- brachtc. Bei dieser Gelegenheit hielt der König folgende An - sprach e: „Es ist mir immer angenehm gewesen, 'Abgeordneten der Nationalversammlung zu begegnen uiid mit ihnen Gedanken über die Lage und die Verwaltung des Landes auszurauschen. Llbcr in diesem Jahre, inmitten der Ereignisse, die sich um uns abrollen, ist eine Berührung mit den Vertretern des Volkes nicht ohne eine gewisse Bedeutung für den Staat. Ich wünsche von Ihnen, meine Herren, zu hören, welches heute die Sorgen des Volkes fixtb,_uni> Sie an meinen Gedanken teilixehmen. zu lassen, die meine Seele hegt und an den Glauben, den ich bade, daß der Staat dank der Festigkeit und Weisheit der Bulgaren unverletzt und unbedroht in seiner Zukunft aus den neuen Prüfungen hcrvor- gehen wird. Fürwahr, ick bin stolz, den Tugenden der bulgarischen Nation Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Als sie im Jahre 1012 mit Einmütigkeit, Sckstouixg und Tapferkcü, die bisher nicht übei- trossen wurden, einen mächttgeu Gegner zerbrach, crkanme die Welt ihre außcrordcnttichen mxlilärxichcn Eigenschaften. Aber die bulgarischen Tugenden, die sie zeigte, als sic in der Not männlich die Schläge des Schicksals ertrug und sich eifrig daran machte, die vorgeseftteix Ziele zu erreichen, haben ihr eine g r xi ß e r c A ch - tung des Auslandes erworben, als die Siege mxd die Herzen aller dem Vaterlande ergebexxcn Söhne zu neuer Glut entfacht Heute, wo die Well in Flammen steht, wo dic Fcucrsbrunst tcttÄWen Sxmbtertigfeittunterricfct geleitet und sich bei der Errichtung des Sport- und Spielplatzes besondere Verdienste erworben. Starkrnburg und Nheinhessen. RB Darmstadt, 10. Dez. Aus dem umfangreichen Truppenübungsplatz bei Griesheim, der bekanntlich ein großes, für ca. 10000 Köpfe ausreichendes Gefangenenlager enthält und nahezu voll besetzt ist, wurde in den letzten Wochen auch ein großes Kriegslazarett errichtet, das in diesen Tagen sertiggestellt sein wird. Heute nachmittag nahm die , Großherzogin Gelegenheit, die Neubauten einer eingehenden Besichtigung zu unterziehen. Sie wurde am Hauvteingang von dem Stadtkommandanten, General v- Lyncker und dem Kommandanten des Lagers. Generalmajor Kosack, empfangen. Es erfolgte zunächst eine Besichtigung der neuen Wirtschaitsgcbäude und der großen Küchenanlagen. Das neue Lazarett ist auf dem Ucbungs- platz selber südlich des Friedcnslagers nach den Plänen des Regierungsbaumeisters S t o r ck von einer Anzahl hiesiger Unternehmer ausgeführt worden. Es ist für 800 Krankenbetten berechnet, die aus 10 Einzclbaracken verteilt sind. Bei den größten der für Schwervcrwundete errichteten Baracken ist auch ein besonderer Operatioiisbou angelegt und nicht weit davon entfernt befindet sich eine architektonisch schön ausgcbaute Leichenkavellc. Das ganze La- 1 zarett ist praktisch eingerichtet: die sämtlichen Baracken sind in sinnvoller Anordnung durch einen Gang unter sich verbunden und die Verbindung gestattet auch, daß die Kranken aller Baracken direkt in den Operationssaal gebracht werden können, ohne ins Freie zu müssen. Tie Großhcrzogin ließ sich die einzelnen Einrichtungen der ganzen mustergültigen Bauanlage näher erläutern und sprach darüber iviederholt ihre vollste Zufriedenheit und Anerkennung aus. rb. Darm st a dt, 10. Dez. In der heutigen Stadtverve ro rd n e t en v e r s a m m l un g teilte Oberbürgermeister Dr. GI |i ssing mit, daß der jüngst verstorbene Prof. Dr. v. Koch, Inspektor des Naturalienkabinetts des Landesmuseums, sein Anwesen mit Garten der Stadl zwecks Errichtung einer Kinder- arbeitS- und Spezialschule gestiftet habe. Die Versammlung beivilligtc dann 100 000 Mark sür Beschaffung neuer Gas- automatcn, da infolge der Petroleum not bereits über 2000 neueGaseinrichtungenmit Münzgasmessern verlangt werden. Es wurde aus der Versammlung auch ein lebhafter Appell an die Bürgerschaft gerichtet, fortan sür Koch- und Heizzweckc kein Petroleum mehr zu verwenden. Eine vom Oberbürgermeister gemachte Vorlage, betr. die K r i e g s f ü r s o r g c, bestimmt, daß unterstützungsbedürftige, arbeitsfähige Erwerbslose während der Dauer des Krieges Tagesunter st ütz ungen erlwlten sollen und zwar Frauen 55 und Männer 70 Pfennige: für Familien und Einzelstchende mit Kindern sollen Unterstützungen bis zur Höhe von 1,60 Mark pro Tag genehmigt werden. Die Vorlage wurde einstimmig angenommen. m. O f f c n b a ch a. M., 11. Dez. Ein G r o ß f e u e r entstand gestern nachmittag in den Deutschen Klinker- Werken, A.-G., in Meerholz bei Gelnhausen, wodurch das gesamte Zicaeleiunternehmen bis auf das Maschinen- und Kesselhaus, die aber ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen wurden, vollständig ein geäschert wurde. Der Brand entstand durch eine Explosion der Gasgenerator- anlage. Der durch den Brand angerichtete Schaden ist durch Versicherung größtenteils gedeckt. Ter Fabrikbetrieb, der bei normalen Zeiten von 150 und zuletzt von 50 Mann aufrecht erhalten wurde, ist völlig lahm gelegt. Die Klinker - . werke wurden von der Ofsenbgcher Bausirma Gebrüder Augcnthalcr gegründet, die vor 2'/ 2 Jahren in Konkurs geriet. Nach Ausbruch dieses Millionenkonkurses wurde sie von einem zur Sanierung der Augenthalerschen Verhältnisse gebildeten Gläubigerschutzvcrband für über eine Million Mark erworben. Hessen-Nassau. -m. Kirchhain, 1l. Dez. Ter Fähnrich Heinr. Schmidt, Sohn de? Leiter? der städtischen Relloraischnle, Plärrers Schmidt dahier, erhielt da? Ei f e r» e kt r e u j. — Der gestern hier statt- gesiindene Schiveinemarkt war sehr gut beiahren. Auch Käufer hatten sich in großer Anzahl eingesunden und der Handel >var ini allgemeine» statt, ivcnn auch die Preise die von de» Verkäufer» gehcgleu Erivartunge» »icht erfüllten. Gietzener Strafkammer. th. Gießen, 11. Dez. Der Rote-Kreuz-Zucker. Der Kaufmann L. in Illrichstein war wegen Unterschlagung voni Schösfengericht zu 20 Mark cv. 5 Tage .hast verurteilt worden und verfolgte Berufung hiergegen vor der Strafkammer. Tie Verhandlung ergab das folgende Bild: Der Wirt G. in Ulrichstein hatte sür das Rote Kreuz einen 2-Zcntner-Sack Zucker von einer Firma aus Schotten mitgebracht, und da die Ablieferung an den Vorsitzenden des Roten Kreuzes, Dr. B., bei der Heimkehr des G. am Abend spät nicht mehr möglich war. srug er am anderen Morgen den vor seiner Tür halteirden Fuhrmann M., ob er zum Kaufmann L. fahre? Als diese Frage bejaht wurde, meinte der Gasidalter: Nimm hier den Sack Zucker für das Rote Kreuz mit. Der Fuhrmann führte den allerdings falsch verstandenen Auftrag aus, indem er den Zucker an den Kaufmann L. ablicferte, wobei »r erklärte, die Firma in Schotten schicke durch G. den Sack Zucker sür das Rote Kreuz. Der Kaufmann L. erklärte daraus, was geht mich das Rote Kreuz an, ich kann den Zucker auch gebrauchen. Es war zu Anfang des Krieges: Zucker war damals ein begehrter und knapper Artikel und in zwei Stunden hatte der Kaufmann 80 Psd. davon verlaust. Es kam ihm daraus der Gedanke, daß er zu >>>. gehen müsse, um zu hören, ob dieser eine Rechnung für die 'Ware vom Lieferanten habe. Als er bei diesem ersuhr, daß der Zucker sür das Rote Kreuz sei und von diesem bereits Zahlung dafür kn die Firma in Schotten geleistet sei, erklärte L., er habe von der Ware bereits verkauft, der Rest stehe zur Verfügung und den bereits abgesctzten Zucker werde er in Natura ersetzen, sobald sein Lieferant die Ware liefere. G. teilte den Fall dem Vorsitzenden des Roten Kreuzes mit. Dieser stellte nun an den Kaufmann das Ansinnen, er solle, um sich Unannehmlichkeiten zu ersparen, sür das Rote Kreuz 10 Mark bezahlen, sonst werde er wegen Unterschlagung angezeigt. L. lehnte dies aber entschieden ab. indem er sich dagegen verwahrte, eine unehrliche und strafbare Handlung begangen zu haben, und so kam die Angelegenheit des Rolc-Kreuz-Zuckers vor die Strasjustiz. Ter Angestagtc erllärle vor der Strafkammer,er stehe l 'nnt der Firma in Schollen in Geschäftsverbindung, kaufe aber chsucker meistens von einer Gießener Firma. Tie Scholtcner Firma habe ihm wiederholt Waren ohne Bestellung zugesandt, er habe also, als er die Ware erhielt, darin nichts gestitiüen und dieselbe auch angenommen. Die ihm ausgerichtcte Bestellung des M., daß der Zucker sür das Rote Kreuz sei, habe er so verstanden, daß er die Ware an diesen Verein verkaufen solle. Die Strafkammer hob die verurteilende Erkenntnis des Schöffengerichts aus und sprach den Angeklagten wegen Ilnietzschlagung frei. Zwar lägen erhebliche Verdachtsmomente gegen L. vor, aber cs bestehe immerhin die Möglichkeit, daß der Angeklagte geglaubt hat, die Ware sei für ihn bestimmt, so daß deren Annahme ans einem Irrtum beruhen kann. 13 Sack Weizen gestohlen. Dem Pächter ll. in Rommelshausen wurden in der Nach! vom 7. bis 8. und vom 14. bis 15. September d. I. 5 , bezw. 7 Sack Weizen, den er im Keller eines Speichers lagern hatte, entwendet. Unter dem Verdacht, den Diebstahl begangen zu haben, wurden der 24 Jahre alte unbestrafte Bäckergeselle H. W. Pr. von Rommelshausen und der 21 Jahre alte Tagelöhner Avals W. von Rommelshausen, welcher vorbestraft ist. in Hast genommen. Sie mußten sich uitter der Anklage des geineinsamen schiveren Diebstahls vor der Strafkammer verantworten, der durch Einsteigen unter Mitführung von Massen bei der Tat ausgesütirt sein soll. Tie beiden Angeklagten bestritten mit alter Entschiedenheit ibre Schuld. Aus Antrag des Staatsanwalts beschloß der Gerichtshof , die Verhandlung abzubrechen und einen erkrankten Zeugen in .Hanau in Anwesendest de? AngeNagten Pr. zeugeneidlich am Montag vormittag in dessen Wohnung vernehmen zu lassen und am Tiens- -ag lomnirnder Woche die Verhandlung fortzusetzcn. Ober-Roßbacher Himbeer-Mousseule als Probe für die Mitglieder de? Gerichtshofes stellte der Ange- Uagte Direktor M. vom Ober-Roßbacher Brunnen auf den Ge richtstisch zur Verfügung. Er war beschuldigt der fahrlässigen Fälschung von Himbeer-Brauselimonade. Das Schöfsengerichl Friedberg und die Straikammer Gießen haben sich bereits inst der Sache beschäftigt und beide Instanzen hatten gegen den Angeklagten auf Freisprechung erkannt. Hiergegen hatte die Staats anwaltschait als dritte Instanz das Lber-Landesgerstlir angcruien, welches das freisprechende UrteU der Vorinstanzen aushob und die Sache zur erneuten Verhandlung an die Straskanimcr zurück- verwies. Direktor M. erklärte, daß die Ober - Roßbacher Himbccr-Mousseuse ihren Himbcergeschmack und Htmbcergeruch nicht etwa durch Zusatz von imtürlichem Himbeersaft erhält, son Lern durch Zusatz einer vom Brunnen bezogenen Essenz, welche aus frischen Früchten unter Zusatz vött Zucker hergestcllt wird. Es komme weiter noch eine ebcnsalls bezogene Himbeerfarbc, die absolut unschädlich sei, dazu. Nachdem der Verteidiger für Frei sprechung des Angeklagten plädiert, der Staatsanwalt dagegen wiederum sür eine Geldstrafe eingclreten war, zog sich der Gerichts hoi mit der Probeslasche ins Beratungszimmer zurück. DasFIr teil wurde jedoch noch nicht verkündet, sondern auf Freitag verschoben. KtanScsnnit»nc,ct)richten. Gießen. Aufgebote: Dez. 7. Valentin Otto Kampf, Amvaltsge- hitse, mit Marie Margarete Nonnewitz, beide in Gießen. — Wilhelm Münch, Gendarmerie-Wachtmeister in Gießen, mit Marie Emma Stendal in .Hering. — 10. .Heinrich Friedrich Weidenhaus, Friseur in Gießen, mit Maria Hermann in Vadenrod. Eheschließungen: Dez 5 . Johannes Appel, Taglöhner, mit Johanna Karoline Eniilie Eleoiwre Schwan, beide in Gießm. — Heinrich Wagner, Feldzahlmeister in Friedberg (Hessen", mit Emilie Marie Wilhclmine Rcitz in Gießen. — Hermann Philipp Dicht, Former, Musketier, mit Elise Elisabctha Schmalz, beide in Gießen. — 9. Karl Schäfer, Landwirt, Musketier, in Gießen, mit Pauline Neuß in Wettcrsclv. Geborene: Nov. 80. Ter Witwe des Buchhalters Friedrich Michael Engel ein ehelicher Sohn. Friedrich Alwin Karl. — Tcz. 1. Dein Buchhändler Wilhelm Karl Otto Ernst Paul Zander eine Tochter, Wiltrud Irmgard Otstlie. — 2. Dem Schriftsetzer Friedrich Tiesholz ein Sohn, Friedrich Wilhelm Adann — 3. Dem Hilfslveickrenstellcr Heinrich Wahl ein Sahn. Hans Heinrich Friedrich. — 4. Dem Kaufmann Jakob Thexsebach eure Tockiter, Klara Viktoria. — Dem «christsener Wrlhean Lenz ein Sohn, Kart Wilhelm. — 5. Dem Oberkellner Paul Hans Gerstenhaucr ein Sohn, Horst Arttrr. — 9. Dem' Maurer Heinrich Dörr ein Sohn. Sterbesälle: Dez. 3. Hermann Deuster, Schreiner, 36 Jahre alt. Landgraf-Philipp-Platz 9. — 6. Jakob Thomas, Gastwirt, 71 Jahre alt, Schifsenberger Weg 39. — 7. Adalbert Pro- trowski, Kanzleisekretär, Feldwebel-Leutnant, 63 Jahre alt, Licher Straße 73. — 8. Tr. Philipp Franz Kübel, Jnssttutsvorsteher, 69 Jahre alt, Bahnhosstr. 45. — Susanne Henriette Weeg, geb. Löbcr, 66 Jahre alt, Neuenweg 11. — Rektor Ludwig Schaar, Hauptlehrer i. R., 69 Jahre alt, Steinstr. 11. Im Felde gefallen: Sept. 16. Erich Eitel Sprenger, Gärtner, Gest. d. R.. 27 Jahre all. Kaiser-Allee 50, bei Seroon ges.—24. Karl Stein, Kaufmann, Geir., 30 I. alt, Wilsonstr. 6, bei Servon gefallen. — Johann Karl Kühl, Kaufmann, Musketier, 26 Jahre alt, Wolsstr. 16, bei Servon gefallen. — 25. Theodor Erb, Taglöhner, iütusketter, 26 Jahre all, Marktstr. 15. bcr La Marc and Boeufs gefallen. — Friedrich Werner, Kaufmann, Wehrm., 27 Jahre alt, Bahnhofftr. 27, bei La Alare and Boeufs gefallen. - 26. Hans Hoagner. Leutnant. 20 Jahre alt, Luv« Straße 65, bei Clermont-Ferrand gefallen. — Oll. 3. Heinrich Schmidt, Wagenführer, Reservist, 27 Jahre alt, Wctzsteinstr. 42, bei Servon gefalle,'.. — 20. Georg Philipp. Arbeiter. Musketier, 23 I. alt. Marburger Str. 29, bei Givenchy-en-Gohelle gefallen. — 31. Dr. Bruno Herbert Stange, Assistent am hygienischen Institut der Landesuniversität, Unteroff. d. R., 26 Jahre alt, Frankfurter Straße 101, bei Damery gefallen. -- Hermann Knoellinger. Lehramtsassesivr, Vizefeldwcbel d. R., 31 ^ahrc alt, Gocthestr. 68, bei lc Ouesnoy gefallen. Butzbach. Aufgebote: Dezember 5. August Fremdt, Fräser, mit Margarete Wirsching in Ofstnbach a. M. Eheschließungen: November 28. Karl Engelhardt, Zahnarbeiter in Butzbach, mit Katharina Weil in Rockenberg. — Dezember 1. Jakob Diehl, Schreiner, mit Lina Schraub in Luftbad). Geborene: November 24. Dem Fabrikarbeiter Eugen Deck- ut ein Sohn. Georg Heinrich Reinbold. — 28. Dem Schuhmacher )tto Artz eine Tochter, Elisabeth Margarete Marie. — 27. Dem ieichstagsabgeordneten und Oberlehrer Professor Dr. Ferdinand friedlich Karl Werner eine Tochter. Rotraut Hedwig Amalie. — öezembrr 8. Dem Kaufmann Ernst Wilhelm Jakob Hllgen eine lochtet, Mathilde Erna. , Sterbefälle: Dezember 4. Georg Hcilbronn III., Tag- öhner, 40 Jahre alt, aus Neu-Isenburg. Jriedbcrg. Eheschließungen: Dezember 5. Franz Christian Michael Zdenheimer, Gerichtsschreiberaspirant, mit Elisabeth Barbara Bertha Gerhard, beide in Friedberg. Geborene: Dezember 3. Dem Kaufmann Heinrich Hermann Stiewe ein Sohn. Heinrich Hermann. Sterbefälle: Dezember 2. Elisabetha Jung, geb. Haber- achl, Privatin, 82 Jahre alt. — 3. Eniilie Marie Kretschmar, Jahr alt. - 6. Susanna Keil, geb. Philippi, Witwe, 69 Jahre lt. in Fricdbera-Fauerbach. Hungen. Sterbesälle: Ostober 31. Karl Roth, Bahnarbeiter, Reservist 11. 116, gesallen bei le Quesnop. Amtlicher Wetterbericht. Oessentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Sonntag, den 14. Dez. 1911: Bedeckt, zeitweise Niederschläge, südwestliche Winde. Letzte Nachrichten. , Ein Geschenk des deutschen Kaisers. Konstantinopel, 12.Dez. Der d e u t sche Kaiser hat für das Grabmahl des Sultans SelahEddin in Damaskus eine kostbare Lampe gespendet. An- täßlich der Ankündigung des Geschenks fand heute in Damaskus eine große Feier statt. — Der als Politiker bo- lannte Mohammedaner Slbn-Said-al-Arabi hat für den ersten deutschen Flieger oder Artilleristen, der auf London eine Bombe oder ein Geschoß schleudert, eine goldene Medaille gestiftet. Diese Medaille, sagt der Stifter, ist nicht nach dem Goldwert zu beurteilen, sondern nach der aus dem Herzen kommenden freundschaftlichen Gesinnung, i ■ Der «erkämpf an der belgischen Küste. Kristiania, 12. Dez. Der „Aftenposten" wird gemeldet: Der Artilleriekampf längs der Dser war gestern sehr heftig. Ein französisch-englisches Geschwader nahm gestern das Bombardement cnif die belgische Küste zwischen Nieuport und Ostende wieder ans. Die Deutschen haben umfassende Maßnahmen getroffen, um eine Landung der Allierten zu verhindern. Die deutsche Aviatik auf dem russischen Kriegsschauplatz. Kopenhagen, 12. Dez. Ein Offizier eines Petersburger Regiments icbreibt in der „Nowojc Wremja": Tic Aviatik der Deutschen har außerordentliche Vorzüge. Auch im Kriege betätigen die Deutschen die höchste Pünktlichkeit und wen- pcn dabei allen Details ihre größte Aufinerksanckeit zu. Ihre Flugapparate bewegen sich rasch und, was besonders wichtig ist, ohne Geräusch. Eines imsercr Flugzeuge wollte eine Erkundungsfahrt unternehmm, als es ani Horizont einen deutschen AlbatrosdovveWecker entdeckte. Aus Furcht stieg das Flugzeug sofort in einen Wald nieder. Bald darrut erschien der Albatros über dem Walde und schleuderte eine Bomb- genau ans die Stelle, an der unser Flugzeug gelandet war. Zur Schlacht bei den Falklandsinseln. Berlin, 12. Dez. Wie die „Bossische Zeitung" nach dem „Allgemeene Handelsblad" aus Amsterdam meldet, haben sich unter den englischen Schissen bei den Falklandsinseln zivei Trcadnoughts befunden, die vor etwa vier Wochen Southampton verlassen haben. — „Daily Telegraph" erfährt, ivie die „Boifiiche Zeitung" zu melden iveiß, daß A d m i r a l Gras v v n S p e e mit der „Scharnhorst" u n t c r g e g a n g e n ist. 'Jlacli einer Meldung des „Newyork Heraid" hat die „Scharn Horst" bis zum letzten Augenblick gekämpft. Kein Mann der Besatzung dieses Schisses konnte gerettet werden. Berlin, 12. Dez. „Aftenposten" wird aus London tele graplsiert, daß alle Londoner Blätter de» britischen Sec- sieg als Revanche für die Niederlage vor Eorouel begrüßen. Tie Vernichtung des Geschwaders des Admirals Eradoct sei in England als eine große Demütigung cmpsunden worden, und die 'Mitteilung, daß die daran beteiligt gewesenen deutschst Kriegsschiffe jetzt vernichtet seien, habe im ganzen Lande eine Er leichtcrung hervorgerufen. Ter Flottenkorrespondent der „Times" sagt, daß tzwas von Spee beabsichtigt habe, der englischen Schiss tahrt großen Schaden zccznfügen und danach nach einem kühnen Durchbruch unter dem Schutze der Winternebel über den Ttillei. Ozean nach Kiel zu gelangen. Berlin, 12. Tcz. lieber Kopenhagen wird der „Vossischen Zeitung" gemeldet: Ter deutsche Dampfer „Soutot“ wird von den Behörden von Eallao zurückgehaltcn. Der Dampfer kann von Coronet mit einem kleinen Teil der Kohlenladung, die er beim Verlassen von Coronet an Bord gehabt !>at. Es wird angenommen, daß der Dampfer aus ofstner See Kohlen an deutsche Auslands kreuzet abgegeben hat. Vst»« vcr türkischen Flotte. Berlin, 12.Dez. Die türkische Flotte hat, dem „Verl Lokal-Anz." zufolge, am 10.Dezember die Gegend von B a t n m bombardiert. Berlin, 12. Dez. Die „Deutsche Tageszeitung" meldet: Tie Verbündeten haben es aufgegeben, die Dardanellensorts zu beschießen und ihren Rückzug aus den türkischen Gewässern angetreten. Das Schicksal der deutschen Missionare im Auslände. i. Köln, { 2 . Dez. Wie die „Köln. Ztg." erfährt, sind der Leipziger Mission Nachrichten über das Schicksal der im Auslände lebenden deutschen Missionare zugegangen. Nach Mitteilungen in dem Organ der englischen Kirchenmission sind in Brr tisch-O stafrika die deutschen Missionrae in der Kambamission ansgefvrdert worden, die Hauptstadt nicht zu verlassen. In Togo sind die bei Kamina gefangenen Deutschen, darunter sechs Bremer Mis sionare, nach Tahonie gebracht worden und sollen in das Innere des Landes geschafft werden. Bon den Baseler Mis sionaren in Togo fehlt jede Kunde. Aus Kamerun sind die Missionare nach der Goldküste, die Kaufleute nach Eng land gebracht worden. Sogar die Missiorrarinnen sind mit sortgesührt worden. Bon den deutschen Missionaren in der «üdsee sowie in den 0 stafrikanischcn Missious- f e ldern liegen keine Nachrichten vor. Die Furcht der EnglänLer vor der Invasion. (i.) Köln, 12.Dez. Die „Köln.Ztg." schreibt in ihrer heutigen Mittagsausgcche: Infolge der Furcht der Briten vor einem Eindringen der Deutschen in England befindet sich England in einem Zustande, der einer Blockade sehr ähnlich sieht. Im sogenannten eng tischen Kanal und bei Down sowie östlich der Linie Selsea- Barsleur sind alle Leuchtschiffe und Fenerbojen eingczogen und die Nebelstgnalc geändert worden. Die britische Admiralität rät allen vom Atlantischen Ozean kommerrden Schiffen, bei der Fahrt durch den Kanal bei der Insel Wight, bei Jarmouth und Dover unbedingt einen Lotsen zu nehmen, weil die Schiffahrt zu gefährd et sei. Zusammenstoß zweier russischer Munitionszüge. Berlin, 12. Dez. Auf einen Nihilistenanschlag wird der Zusammenstoß zweier russischer Munitionszüge znrückgeführt, bei dem 7 2 Wag.gvnS laut Berliner Lokal anzeiger in die Luft flogen. Es seien im Zusammenhang mit diesem Borfall zahlreiche Verhaftungen vorgenommen worden. Eine stürmische Sitzung der spanischen Kammer. Madrid, 11. Dez. 11474 Iik Soliipnliiftiic ist schon manchem Krieger ein Lebensretter geworden, (oes») Zu haben bei Frees, am Seltcrötor. Hämorrhoiden- Leidende, die alles ohne dauernden Erfolg angewandt, verlangen sofort kostenlose Auskunft in verschloss. Kuvert ohne Aufdruck durch Apotheker Dr. A. Uecker, Q. m. b. 1L in Jenen bei Gauen N.-L. Die Beerdigung des Wehrinannes l.uduls. KlinKclhttfer findet erst morac» Sonntag, den Ill.Tezcmbcr. nachmittags V-3 Uhr, statt. 12272 Lovenrod. den 12. Dezember 1914. Die trauernden Hiiiterblicbcncn. ■ Für die vielen Glückwünsche und Aufmerksamkeiten anlässlich unserer gold, Hochzeit sagen wir allen unseren herzlichen Dank Altbiirgermeister Schaum u.Fraii Klein-Linden, den 13. Dezember 1914 Gaslüfter Gaskronen, GaSlampen nfw. um rasch zu räumen spottbillig CarlSchunck^t'Si: 03728 KielerBiicklinge frisch eingetroffen u. bill. bei August Wallenfels Celeninlwnren, Dellkatenen l. Welnhandlnng Uienarn. Teltfoa 282. Marktplatz 17. Wiic khlißdliWk in all. Gröffen empfiehlt bill. K. Var»,, Ludwigsplntz 3. Ruhesessel, jede Eage verstellbar, von 2.50 M. an Kinderstühle, hoch und niedrig ... von 1 .50 IVl. an Nähtische • Rauchtische ♦ Servirtische Blumenkrippen, weiß lackiert u.in Eisen Flurgarderoben von 16 M. an Peddigrohrsessel von 11 M. an Hofmöbelfabrik Th. 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Parkett nur halbe Preise. 1122580 iicfi ausbreitet und sich uns nähert, heut«, wo die benachbarten Völker in Unruhe sind imb ihre Trippen kriegsbereit ballen, hal unsere Nation sich ein Urteil über die Lage gebildet und ihre .Haltung mit Kaltblütigkeit und Klugheit b e st i m m t, die unleugbare Beweise politischer Weisheit und Reife sind. Jetzt sind die Augen des Königs und des Volkes auf Sie gerichtet, aus die Ratschläge, die Sie geben und auf die Meinung, die Sie zum Aufdruck bringen. Ich stelle Ihre Sorge für das Vaterland hier fest und Ihren Entschluß, alles zu opfern auf dem Altäre der vaterländischen Interessen. Dieses gibt mir Sicherheit und stößt mir die Geivitzheit ein, daß auch in der Zukunft volle Uebereinstimmung zwischen Nation und Thron herrschen wird und daß wir aus dieser Uebereinstimmung die Krait schöpfen iverden, um die Zukunft Bulgariens sicherznstcllen. Möge Gott über dem Geschick des Vaterlandes tvachcn und unsere gemeinschaftlichen Bemühungen mit Erfolg krönen." Amerikas Neutralität. >WTB.) Die „Times" melden aus Washington: Staatssekretär Bryan erklärte, daß der Präsident der United States Steel Comvany, Schwab, den Plan, Unterseebote für die Kriegführenden .zu bauen, auigegeben hat. Schwab wurde dazu! durch die Ucber- zeugung Wilsons bewogen, daß selbst die Lieferung nicht zusammengesetzter Schiffsteile mit der amerikanische» Neutralität unvereinbar wäre. Ter „Times"-Korrespondent fügt hinzu: Tiefe Entscheidung des Präsidenten ist ein entschiedener Erfolg der Deutschen, da die llntcrscebootc an die Verbündeten geliefert worden wären. Die Deutschen erheben auch Protest gegen den Verkauf von Munition an die Verbündeten durch Privatfirmen. Ihre Anschauung findet bereits im Kongreß Unterstützung. Vorgestern wurde im Senat eine Gesetzesvorlage angebracht, die den Verkauf von Waffen und Munition an ein Land, das mit einem anderen Lande, das mit den Vereinigten Staaten in Frieden lebt, Krieg führt, für ungesetzlich erklärt. Im Repräscntanienhause wurde eine Gesetzesvorlage eingebracht, die den Präsidenten ermächtigt, die Ausfuhr solcher Munition zu verhindern. Tcm Senate wurde eine Entschließung vorgelegt, die genaue Auskünste über die Tätigkeit der amerikanischen Fabrikanten aus diesem Gebiete verlangt. Ein dänisches Ausfuhrverbot. Kopenhagen, 11. Dez. lWTB. Nichtamtlich.) Die Regierung erließ heute ein Ausfuhrverbot für alle Sorten Leder, ausgenommen Ziegenselle, für alle Lämmer- nnd Schaffelle, Braunstein, Leinsaat, Soyabohnen und Margarine. Das Urteil gegen die deutsche» Aerzte kassiert. (WTB.) Paris. 11. Dez. (Nichtamtlich. Der Revi- iionsrat des Militärgouverncmcnts hat wegen eines Formfehlers das Urteil des Kriegsgerichtes kassiert, welches neun deutsche Militärärzte wegen Plünderung in Lizy-snr-Dureg zu Strafen von sechs Monaten bis zwei Jahren verurteilte, und hat die Sache vor das Kriegsgericht verwiesen. Deutsches Papiergeld in Belgien. Namur, 11. Dez. (WTB. Amtlich.l Das Gouvernement teilt mit: Bei hiesigen Gastwirten sind deutsche Gvld- ni ü n z e n vorgesunden worden, die, wie sestgestellt wurde, ans den Händen von auS Deutschland ankomnienden Ueberbringern von Liebesgaben und Geschäftsreisenden stammen. Dieses den vaterländischen Interessen widersvrcchende Verhalten scheint auf den Glauben zurückzuführen zu sein, in Belgien habe deutsches Papiergeld keine Geltung. In Wirklichkeit sind die Bewohner der okkupierten Teile Belgiens verpflichtet, Papiergeld znm Kurse vvn 1.25 Francs anznnehmen. Englische Forderungen an deutsche Firmen. Berlin, 11. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt unter der Ucberschrist „Englische ^Forderungen an deutsche Firmen": Dem Vernehmen nach versuchen englische Firmen entgegen dem deutschen Zahlungsverbot gegen England dadurch ihre Forderungen gegen deutsche Firmen hereiirzubringen, daß sie gegen solche Firmen, die in einem neutralen Lande, insbesondere Holland, eine Geschäftsniederlassnng besitzen, vor eineur dortigen Gerichte Klage erheben. Die rechtliche Zulassung eines solchen Vorgehens mag hier dahingestellt bleiben. Es kann abgewartet iverden, ob sich die holländischen Gerichte auf solche Klagen eiulasseu werden: es erscheint dies wenig wahrscheinlich. Zurzeit liegt darüber Material noch nicht vor. Sollte such ober gleickMohl ergeben, daß derartige Klagen ikn neutralen Auslande mit Erfolg angestrengt werden können, so könnte deutscheii Gläubigern englischer und französischer Firmen nur der Rat erteilt werden, sich den gleichen Weg zunutze zu macheu und gegen solche englische und französische Firmen, die ini neutralen Auslande Geschäftsniederlassungen besitzen, vor dortigen Gerichten zu klagen. Eine einseitige Schädigung deutscher Interessen wird also von dem erwähnten Vorgehen der Engländer nicht zu befürchten sein. Man kcrmi einstweilen ruhig abwarten, in welcher Weise die iieutralen Gerichte zu derartigen Klagen Stellung nehineu. Die deutschen Gefangene» in England. London, 11. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Times" meldet: Das Gefangenenlager auf dem Rennplatz inNewbury, das vier Monate bestanden hat und mehrere Tausend Deutsche aufnahm, lvird alsbald geschlossen werden. Die Gefangenen werden aus Schiffe au die Südküste gebracht werden. Der Tod des Generals Beyers. Amsterdam, 11. Dez. Aus Pretoria wird gemeldet, daß die Leiche des Generals Beyers erkannt ist. Eine ärztliche Untersuchung der Leiche ergab, daß keine Wunden vorhanden waren und daß der Tod durch Ertrinken eingetreten war. Beyers, der zu Pferd durch den Baalfluß schwimmen wollte, fiel von seinem Pferde in einem (Abstand von imgcfähr 300 Meter vom Ufer. Wahrscheinlich war er erschöpft von dem Kampfe 'gegen den Strom. Man hörte ihn rufen: „Ich kann nicht mehr." Ein Soldat rief ihm zu, ob er verwundet sei, aber Beyers antwortete: „Ich kann, nicht schwimmen, mein Ueberzieher hindert mich an jeder Bewegung. Infolge des heftigen Feuers der Aufständischen am jenseitigen User war es nicht möglich, Beyers zu helfen und so kam Beyers und noch ein anderer Aufständischer in den Wellen um. Aur dem Reiche. Die Höchstpreise sür Futterkartoffeln. Aus Berlin, 11. Diez., ttrirß gemeldet: In bet heutigen Sitzung des Bundesrates gelangten zur Annahnie der Entwurf einer Verordnung über H ö ch st p r e i f c für Futterkartosseln und Erzeugnisse der Kartosfeltrocknerei und die Vorlage betr. Besoldungs- und Pensionsetat für die höheren 'Beamten bei der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte auf das Geschäftsjahr 1915. Berlin, 11. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Die von dem Bundesrat festgesetzten Höchstpreise für Futterkartosseln sind: Im ersten Preisgebiet (Osten) 36 Mk„ im zweiten Preisgebiet (Mitteldeutschland) 37,30 Mk., im dritten Preisgebiet 'Nordwestdeutschland) 39 Mk, im vierten Preisgebiet West- und Südwestdeutschland) 10,50 Mk. sür die Tonne. Xiic Höchstpreise netten beim Verkauf durch die Produzenten, aber nicht für Verkäufe, die eine Tonne nicht übersteigen. An» Stadt und Land. Gießen, 12. Dezember 1911. Der Gießener Landsturm in Feindesland. V. „Die befohlene Linie ist erreicht" —> Wir warten auf weitern Befehl, Wo solch ein Generalswort steigt. Spürt jede Soldatenseel': „Ich tat meine Pflicht, das genügt!" (Richard Dehmel.) Wie wir im Gießener Anzeiger gelesen haben, ist eine Anzahl unserer Kameraden vom Friedberger Landsturm sür ihr tapsercs Verhalten vor dem Feinde bei Markirch durch Verleihung des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet worden. Mit Freude und Stolz, als wäre die Ehrung uns selbst widerfahren, blicken wir aus die Glücklichen, die ihre Treue gegen die Flagge Schwarz-Weiß Rot auf dem blutigen Felde der Gefahr beweisen dursten und nun überall als Helden geehrt werden. Mit Freude und Stolz — aber doch mit einem sonderbaren, nie gefühlten Brennen im Herzen; will es imS selbst doch fast bedünken, als seien unsere bisherigen Leistungen gering gegen jene, sür die wie bekannt ursprünglich das Landsturm-Bataillon Gießen bestimmt war. Wenn uns nun etwas tröstet, so ist es allein der Gedanke, den der Dichter in obigen! Versen ausfprickt. Ter Soldat wählt sich seinen Posten nicht selbst: seine Ehre ist der willige Gehorsam, der sich auch minder glänzenden Aufgaben unterzieht. Im Dienst des Vaterlandes gibt es kein Weniger und Mehr: wohl dem, der ehrlich bekennen kann: Ich tat meine Pflicht, das genügt! 'Sind also die in der Heimat wieder nnd wieder umgehenden Gerüchte von blutigen Tressen und schmerzlichen Verlusten des Gießener Landsturms müßige, ja nachgerade strafwürdige Erfindung, so merkt man es hier in V. auf Schrill und Tritt, daß der Krieg in seinen, bittersten Ernst imb mit all seinen Schrecken kein leerer Wahn ist. Verfolgen wir nur einmal die groß: Reihe von Maueranschlägen in deutsch« und französischer Sprache der beiderseitigen Behörden nnd das, was sie der Bevölkerung Frankreichs, der einst so revanchebegeisterten, jetzt mehr und mehr verängstigten und dem Mangel und der Not preisgegebenen, zu sagen Haben! Ein erschütterndes Bild des Wandels im Laufe der vier Kriegsmonate. Ta heißt es in einem Befehl des Etappen-Jnsvekteurs: „Jede feindselige Handlung gegen Angehörige des deutschen Heeres und alle Gegenstände, die der deutAen Heeresverwaltung gehören oder ihr dienen, wird mit dem Tode bestraft. Ter gleicheil Strafe unterliegt jeder Versuch einer solchen Handlung und lebe Aufreizung hierzu. — — — In Orten, in denen sich die Zivilbevölkerung oder Mllllärversonen in Zivilkleidmrg am Kampfe gegen deutsche Truppen beteiligen, werden außer diesen Teilnehmern der Bürgermeister und die Mitglieder des Munizipal- rates erschossen, wenn sie nicht die deutschen Truppen rechtzeitig» aus .die Anwesenheit Bewaffneter in der Ortschaft aufmerksam gewacht haben. Tie Ortschaft wird zerstört." Wie bitter not solch eiserne Strenge ist zind daß die deutsche Militärbehörde entschlossen ist. inr gegebenen Falle den warnenden Worten auch entsprechende Taten folgen zu lassen, lehren andere Veröffentlickfiungen, so eine des Platzbaminairdalllen von D.: .^Leider war ich genötigt, gegen die Stadt Orchies die strengsten durch die Kriegs- gefetze vorgesehenen Maßnahmen zu ergreifen. Jln diesem Orte wurden Aerzte und Pfleger angegriffen und getötet und etwa 20 deutsche Soldaten ermordet. Unglaublicherweise wurden die schlimmsten Niederträchtigkeiten begangen (Ohren abgeschnitten, Augen «usgestvchen und ähnliche Scheußlichkeiten). Daraufhin habe ich die Stadt völlig zerstören lassen. Orchies, stüher 5000 Eiiiwolzner zählend, existiert heute nicht mehr: Häuser, Rathaus und Kirche sind verschwunden und die Einwohner nicht mehr vorhanden" (Uebersetzung). Der heilsame Schreck«, der so erzeugt wurde, verstärkte sich noch durch em gerechtes Gericht in der Stadt B. selbst: „Die nachbenannten Cazer und Legel aus Lourches wurden gestern abend beim St.-Johamies-Friedhos stand- rechtlich erschossen, da sie auf deutsche Soldaten geschossen haben" (Uebersetzung). Nun silch die Mitr^.'L-chreier verstummt. Was heimlich vvn Mund zu Mund geht, läßt sich freilich nicht überwachen. Daß aber den schlimmsten Hetzern und Schürern der Volksleidenschaften, die ihren Sitz bekanntlich in Belgien haben, ihr fluchwürdiges Handwerk gelegt erscheint, kündet diese Mitteilung an: „Der ..... Platzkoiümandant vvn V., benachrichtigt den Herrn Bürgermeister, daß der Vertrieb der belgischen Zeitungen „La Belgique" und „Le Quotidürr" nmerhalb des Arrondissements verboten ist" (Uebersetzung). Mutz Frankreichs Zivilbevölkerung zu der Besetzung weiter Länderstrecken ihres Vaterlandes durch die Deutschen wohl oder oder übel gute Miene machen, so erwächst zu gleicher Zell für die deutsche Militärbehörde die Pflicht, MM Wöhle der Truppen und zur Enllastuug Deutschlands bänglich ihrer Verpflegung die nötigen Schritte zu tun. Eine Verordmrng besagt darüber, „Der Kommandant vvn Stadt und Arrondissement V. weist die Bauern an, ihre Ernte einzubringen, zu dreschen und nach den Städten zu schaffen. Er bestehlt den -Bauern, Gemüse-, Eier- und Butterhändlern ihre Produkte aus die Märkte zu bringen. Es ist den deillschen Truppen verboten, Milchkühe als Schlachtvieh anf- zutreiben. Die für obigen Bedarf nötigen Wogen und Pferde dürfen auf strengen Befehl der deutschen Behörden vvn Truppenteilen usw. nicht abgefordert werden." Gewissermaßen als Gegenstück dazu heißt es anderwärts: „— — Die Stadt und ihre Bevölkerung wie auch alle örtlichen Ellrrichtungen meines Dienstbereichs stehen unter meinem Schutz, so lange sich die Einwohnerschaft ruhig verhall.--— Alle Verkäufsläden bleiben bis 8 Ulw geöffnet. Nach 9 Uhr abends darf sich niemand ohne schriflliche Ermächtigung auf der Straße zeigen. Ich hoffe, daß ich nicht genötigt sein werde, die Slirmgr der Kriegsgasehe mr- zuwendcn und daß die Bevölkerung ihr möglichstes tim wich, die gute Ernte einzubrrngen. Die Gendarmerie wird über die Sicherheit der Bauern wachen" (Uebersetzung). Aengstlichen Gemütern in der Hemmt, die sich über die Einführung des sogen. .^"-Brotes mffregen, sei endlich noch zur Anstellung von lehrreichen Verreichen »wischen der Lage dort und hier ein Anschlag der hiesigen Uuterpräsektur mit geteilt: „Meine lieben Mllhürger! Man wird euch vielleicht sagen, daß wir euch aus reiner Willkür (bon plaisir) seü einiger Zell nötigen, Brot aus Weizen-, Gersten- und Roggenmehl gemengt zu essen. Ihr kennt uns indessen gnt genug, um überzeugt zu sein, daß das nicht stimmt. Tatsächlich droht uns schon in allernächster Zeit völliger Mangel an heimischem Brot. Nur aus sorgender Vorsicht haben wir uns daher zu dieser Maßregel entschlossen. Die erwähnte Mehlmischung liefert übrigens ein sehr bekömmliches, nahrhaftes und gutes Brot, vorausgesetzt, daß esnichtzufrisch gegessen wlld. Mll seiner Hilfe weichen wir das schreckliche Ende noch eine Zeitlang aushalten. Wir empfehlen euch jedoch größte Sparsamkell wich im Gebrauch der übrigen Nahrungsmittel". (Uebersetzung.) Liegen die Verhältnisse in den nicht von deutschen Truvven besetzten Tellen Frankreichs ähnlich — woran ncfi, allen Berichten nicht zu zweiseln ist — so ist klär, was von der durch die Engländer Mahlerisch angekündigten Aushungerung Deuffchlands zu halten ist und welches Land außer der milllärischen mich die beste wirtschaftliche Rüstung besitzt und daher das Ende dieses Krieges aller Kriege in größter Ruhe abwarten kann. R. G. ** Handiwerk und Fortbildungsschule. Der Mangel an ansigeLildeten Arbeitskräften macht sich flir den Handtverkerskrnd empsindlich bemerkbar und nötigt zur igenaueit Arbeitseinteilung, wodurch naturgemäß auch die in den Betrieben beschäftigten Lehrlinge tu intensiverer Tätigkeit angehrllben iverden müssen. Der Besuch der Fortbildungsschule entzieht den Lehrling wöchentlich an mehreren Nachmittagen den Betrieben, was zurzeit große Störungen nach sich zieht. Dem abzuhelfen hat die Handwerkskammer bei der Großh. Ministerialabtei- lung für Schulwesen vorgeschlagen, den gegenwärtigen schwierige» ,Verhältnissen Rechnung zu tragen und zunächst sür die Wintermonate den Fortbildnngsschullrnterricht auf die wichtigsten Fächer zu beschränken, die an eine m Wochennachmittage gelehrt werden könnten. Durch diese Maßnahme wird es den Betriebsinhadern inöglich sein, die beschränkt zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte einzuteilen, wodurch die einzelnen Handwerkszweige der großen Aufgabe, die Bevölkeritng mit den Bedürfnissen des täglichen Lebens zu versehen, besser gerecht werden, aber auch die übernommenen militärischen Lieferungen rechtzeitig sertigstellen können. Ter große Wert des Forkbildungs- schulunterrichts siir die Heranwachsende Jugend darf nicht verkannt werden, lediglich die außergewöhnlichen Verhältnisse veranlassen den Antrag. ** Stadttheater. Nochmals sei ans die morgige Aufführung von Sndermanns „Schmetterlings- sch lacht" Hingeiviesen, die fast in derselben als vorzüglich anerkannten Besetzung lote im vergangenen Jahre gegeben werden kann. D.as Stück erscheint in diesem Jahre nicht im .Abonnement. ** Vom deutschen 91 Iben be rein. Wie dankbar man in Kärnten die Tätigkeit der deutschen Alpen verein s s e t' t i o n e ti anerkennt, geht aufs neue daraus hervor, daß ans Antrag des Landesverbandes für Fremdenverkehr in Kärnten dem Vorstand der Sektion Hannover, Geheimrat Arnold, sür seine 30 jährige alpine Tätigkeit in diesem Lande das KomturkreuzdesFranz-Josefordens verliehen lvnrde, wodurch auch die Sektion Hannover und die gemeinsam mit ihr in Kärnten tätigen Sektionen geehrt werden. ** Das La n dsturm-P siege kind. Ein paar wackere Gießener Landstürmer senden uns eine wohlgekun- aene Photographie, die zwischen den martialischen Gestalten der Krieger einen kleinen Franzosen zeigt, der durch den Krieg zur Waise wurde. Die beiden Land stürm er nahmen sich des Kleinen an; er erhält seinen ganzen Unterhalt von ihnen und teilt ihr Quartier. Zum Dank verrichtet er ihnen alle Dienste eines .Hausburschen und will nass) dem Kriege seinen deutschen Freunden in die Heimat folgen. ** Die hessische Dapferkeitsmedaille erhielten der Oberlehrer am hiesigen Realgymnasium Prof. Dr. Schmoll, Leutnant d. R. im Jnf.-Rogt. 118 und Res. Gefr. Karl Schnabel hier, Jnf.-Regt. 116. ** Belohnung für Fundstücke. Der Stellvcrtrcteudo Kommandierende General des 18. Armeekorps erläßt solgcirdo Bekanntmachung: Es sind an Finderlohn für Bekleidungs-, und Ausrüstirngsstücke. sowie für scharsc Patronen und für die Teile der verschossenen Munition, einschließlich Bergungskosten, fortan zu gewähret,: 1. Für sortiertes Messing, Kupfer, Bronze, Aluminium, Zink, Blei, sowie für (jnfautmnmmirumi für das Kilogramm 25 Pfg.; 2. für Eisen mll anhaftenden anderem Metallen (Artilleriesprengstücke) sür das Kilogramm 3 Psg.; 3. sür Eisen ohne anhaftende Metalle für das Kilogramnt 1 Psg.: 1. für alles übrige lBelleidnng, blanke mid Ha irdseu er Waffen, Ansrüstungsgegenstände jeder Art! sür das Rilogramm 15 Psg.; 5. sür Geld und Wertsachen ohne Rücksicht auf die Höhe 5 vom Hundert des Betrages oder des Wschätzungswertes: 6. für einzelne besonders wertvolle, oder schwer oder gefährlich zu bergende Gegenstände (Feldstecher, Fernrohre, kunstvolle Apparate, Wagen, Äta- schinengewehre, Pferde, Vieh) je nach dem Wert des Stückes und nach der Schwierigkeit seiner Bergung 5 bis 7 vom Hundert des AbschätzuugswerteS: 7. scharfe Ärlllleriemunllrrm (Blindgänger! soll wegen der Unsallgesahr von Unberufenen nicht berührt werden. Für Bezeichnung und sichere Angabe der Fundstelle wird aff Lohn von 50 Psg. für jede Fundstelle gewährt. MllllärPersonen erhalten ein Zehntel der Sätze, ittom durch «tu Zeugnis ihrer) Tienstvorgesetztcn dargetan wlld, daß sie durch das Auffammeln ihre Dienswbliegeuhcllrn nicht vasäumt hoben Diese Bestimmungen sind mit rückwirkender Kraft für alle noch nicht aledigten Ansprüche aui Ber^e- und Fiuderlohn maßgebend. Zu Abweichungen ist die Genehnngung des Kriegsministerrmffs ernznholen. Ausnahmsweise sollen die vollen Finderlöhne den Mllitär» und Zivilpersonen gewährt Waden, die bis zum 15. Januar 1915 derartige in ihrer Verwahrung befindliche Waffen, Belleidungs- und Ausrüstungsstücke und Mnnitionteüe an die Polizei- oder Militärbehörden abliefern, wozu hiermit Anfsoll>erimg ergeht. ** Bon deutschen Gefangenen in Frankreich. Auf Belle-Jsle, einer Insel an der französischer, Ostküste in der Nähe des Hafens Le Palais, sind etwa 1200 deutsche Gefangene untergebvacht. 2«n Schreiben eines solchen entnelpnen wir, daß die Leute mit Unterkunft unto Verpflegung sehr wohl zufrieden sind, eine Mitteilung, die angesichts des llmfiamdes, daß «uich Familien aus unserem Verbreitirngsbezirk Angehörige in Belle-Jsle wissen, von Interesse sein dürfte. ** Die frühere Metallarbeiter-Kranken- und Sterbekasse (Hilfskasse Nr. 29) hat eine Summe ausgesetzt, woraus an bedürftige Hinterbliebene der im Felde gefallenen Mitglieder eine einmalige freiwillige Sterben Unterstützung ausgezahlt wird. Di« Betreffenden bra»< chen sich nur cm den Vorsitzenden des Vereins zu wenden, welcher das weftere veranlaßt. Dieser freiwillige Aft wird gewiß von den Versicherten freudig begrüßt werden. ** Hundesteuer im Großherzogtum Hessen. Es dürfte vielen Hnndebesitzern nicht unwillkommen sein, wenn wir an dieser Stelle darauf aufmerksam machen, daß die im Lauf« dieses Jahres abgeschafsteu Hunde bis spätestens zum 31. Dezember bei der zuständigen Bürgermeisterei abzumelden sind. — Wird die Abmeldung erst nach de« 31. Dezember bewirkt, so fft die Hundesteuer für das folgende Jahr weiter zu entrichten. — Wer ferner am 1. Januar selbst' gezüchtete jungeHundeim Alter von unter drei Monaten besitzt, wird entweder gleich oder nachträglich zur Hundesteuer für das kommende Jahr zugezogen. Nur wenn nachgewieseu wird, daß ein junger Hund vor Erreichung des Alters von drei Monaten zugrunde gegangen oder nach Orten außerhalb des Großherzogtums veräußert worden ist, tritt Steuerbefreiung ein." Landkreis Gießen. X Rüddingshaufen, 10. D«z. Nachdem bereits Dice- leldwebel K a l b e r l a h mll dem Eisernen Kreuz nnd Dizelejd- webel Margots mtt deni Eisanen Kreuz imd der best. Tapier- keitSinedaille ausgezeichnet wurden, erhielten am Groß Herzogsgeburtstag der Unterolfizier Wilh Ewald das Eiserne Kreuz und Geffeltcr WinkelhauS die Hcff. T a pse rk eits- medaille. — Aus dem Felde der Ehre sind bis jetzt von hier qeiallcn die Reservisten Ludwig Loth, Heinrich Peler, Alex Joses, Heinrich L e ch e l, Heinrich Musch und Unterosfizier Wilhelm M a r g o I s. — Der Kriegervaein sowie der Gesangverein haben an sämtliche von hier lm Felde stehenden Leute Weihnachtsgaben abgesandt. Außer den bacits abgesandten Geldbeträgen, Wäsche, Leinen, Hemden, Eier ulru. wurden seiner dieser Tage ans der Gemeinde abgesandt: 7b Mk. iür Ostpreußen, 50 Mk. an das Kreiskonntee sürS Note Kreuz, sowie 42 Paar Socken und 22 Paar Stauchen. Kreis Schotten. O Laubach, 11. Dez. Nach achttägigem Kranksein verstarb gestern Irüh unerwarlet Oberlehrer Proscslor Friedr. F r a nz im 15. Lebensjahre. Ostern 1901 wurde er als Oberlehrer der iranzösischen und englischen Svrache an das hiesige Gmnasium versetzt, nachdem er vorher in Lanterbach und Erost-llmstadt an der Oberrealschnle tätig gewesen war. Im Kreise seiner Kollegen nnd Bekannlen ersrenle sich der Verstorbene der giöstlen Werlschätzung, seinen Schülern wnr er ein tüchtiger, beliebter Lehrer und Förderer ( hrer Interessen. Jahrelang hat er den am hiesigen Gymnasium