Nr. 285 Der ®itf|«er Anzeiger erscheint täglich, nutzer Sonntags. — Beilagen: »terinal ivöck'cnllick, Gfttzrntr§amili»nblätter rweunnl wöchentlilreir- blattsürdenllreirSieben (Dienstag und Freilag »: zweimal inonatl Land «irtschasiliche äeirsragen Fernfprech - Anschlüsse: sürdieSchriilleitnugllL Verlag,Geschäitsstelleöl Adresse ffir Drahtnach- rrchten: Anzeiger Kietzen. Annahme von Anzeigen sür die Tageonuinmer bis vormittags 9 Uhr. Erstes Blatt 164- Jahrgang Freitag, 4 . Dezember b!4 General-Anzeiger für se ZN q» » ret»: inonatl, 75 Pf., oiertel- jährl. Alk. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen inonatl 05 Pt.: diirch diePost A!k.2.— viertel- jährl. ausschl. Beslellg. Zeilenprei»' lokallöPf,. ausiv, 20 Pi, — Haupt- Ichriitlcitcr: Aug. Gaetz, Pcrautivortlich sür bei' polit, Teil- Aug. Goetz: sür .Feuilleton', »Vermischtes' uuS„0»crichtc- stial": Karl Neurath: für .Stadt und Land" : Rotntionsörud und Verlag der vrühl'schen Unio.vuch- und Sleindruckerel R. Lange. Schristlcilung, f cjdjäflsjtdlc u. Druckerei: Sdjulftr. 7. Anzcigei»"":' ^ B-u, Eine Programmrede des italienischen Ministerpräsidenten. Nichts Neues vsn den deutschen Kämpfen. (WTB,) Großes Hauptauartirr. 8.Dez., vorm, (Amtlfth.) Auf beiden Kriegsschauplätzen hat sich nichts Besonderes ereignet, Obrrstc Heeresleitung. Großes Hauptauartier, 3 . Dezember. (Amtl.) Seine Btajestät der Kaiser besuchte heute Teile der in der Gegend von Czrnstochau kämpscnden österreichisch-ungarischen und deutschen Truvven, Oberste Heeresleitung, Die Rede des dentschcn Reichskanzlers, die geschlossene Zustinrnrung des Reichstags I»aben in der dentscheii Presse und in derjenigen der verbündeten Länder begeisterten Beifall gefunden, Run hat gestern auch das italienische Parlament einen ähnlich großen Tag gehabt, Ter Minister Präsident Salandra, dessen Politik der wachsamen 4!eu tralitüt von nranckzem Radikalen Widerspruch hervorgerufen hatte, hat es gestern in einer geschickten Rede verstanden die Zustimmung aller zu gewinnen. Und doch ist nach Anhörung der vielfach tenrpermncntvollen, aber doch vor sichtig zurückhaltenden Aenßerungen des italienischen Staatsmannes niemand klüger geworden. Wir wenigstens, die den unmittelbaren Eindruck, ju dem auch die persönliche Beobachtung der Gebärden, der Stimmungen gehören, nicht erfassen können, wissen^ nichts mehr, als was >vir vorher schon gewußt haben. Salandra betont, daß Italien Vergrößerungen anderer Staale» nicht teilnahmslos werde zu schauen können: er stellt in Aussicht, daß zu gelegener Zeit Italien aktiv ftr die Dinge eingreifen werde. "Dazu die Rüstungen zu Wasser und zu Lande. Wem aber gelten die Befürchtungen, welcher truppe gelten die Sympathien? Davon ivar mit keinem Wort die Rede. Der Minister stellte mit stärkster Betonung fest, daß allein das eigene Landesinteresse sür Italiens Entsck-eidnng bindend sein werde, Deutschland kmm diese Erklärung nur lebhaft begrüßen. Italien wird auch die Machtfrage eingehend erwägen müssen irud seine Handlungen, ganz in seinem Interesse, den demnächstigen Wassenentscheidnngen anpasscn müssen. Ter Staat, dessen unverhältnismäßige Vergrößerung es besorgt kann Oesterreich, kann aber auch Frankreich sein. Wir nehmen an, daß Italien sckstießlick versuchen lvird, mit dem Stärkeren eine Einigung anziibahiicn In diesem Sinne dürfen »vir getrost abwärten, bis >» Roin die letzten Be denken fallen, und wir mache» es nicht w-ie die russische Presse, die in den letzten Tagen mit eindringliche» Vorstellungen versucht hat, Bulgarien und Rumänien ins Schlepptau des Dreiverbandes zu nehmen Aucl» das Beispiel Italiens zeigt iviedcr, daß S » in p a - thien für die Politik eines Volkes nicht wesentlich entscheidend sind. Deutschland hat, dank der englischen Meinungsmache, in der Welt wenig, Freunde. Aber »vir haben einen Trost. Wo haben in der Weltgeschichte jemals Volks- sympathien den Ausschlag gegeben? Erst seit der gedruckte Buchstabe im Gewände der politischen Zeitung die Wanderung iUber die Erdteile angctreten hat, dreht sich die Unterhaltung inchr nni die Lympatbicn und Antipathien. Es hat sich daraufhin aber auch — ei» Beweis, daß der agita- lionsmäßig anfgelleidctc Gcsühlscharakter in der Politik keineswegs alleinherrschend ist — eine Aristokratie in der Völierpolitik herausgebildet, und das Wort Ehamber- lains von der „splendid Isolation" war ein treffender Ausdruck dessen. England ist aber bald wieder zu dem anderen System zurückgekehrt, denn es besitzt dazu in weit größerem Maße als irgend ein anderes Voll die sck>auspielerisckie Maske und die Gewandnngsnnttel, Ein deutscbes Wetleisern aber »n diesen Bestrebungen iväre nicht nach unserem iöeschinack. Trotzdem muH man Herrn Jul. Bachem recht geben, wenn er im „Tag" ineint, die deutsche Diplomatie habe mit dem Faktor der Presse nicht genügend gerechnet: Die Presse spiegelt nicht nur die Aolksstiminung »vidcr, sic macht auci» zum guten Tcit die Volkssttmmimg. Tas bat man bei uns viel zu »ehr außer achl gelassen, und das rächt siä> jetzt. Mag inan über die Bedeutung der Presse im öffcimichen Leben eines Volkes und auch im interilationalen Leben der Völker urteilen wie man wolle: man mutz mit der Presse rechnen, mutz aus sie Einfluß zu gewinnen suchen, nmß sich ihrer nach Möglichkeit bedienen, wenn man nicht den Schaden eines gegenteiligen Verhaltens empfinden will, __ Wir können jetzt diesen Schaden besehen. Glücklicherweise kan» er sich nicht in kriegerische Mißerfolge umsetzen: dafür bat unsere überlegene Kriegskunst uns unser tapferes .Heer gesorgt: aber gleichgültig ist die ungünstige Bollsstiinmung und Bolksstimme in den Mn Krieg inchr beteiligten Nachbarländern wahrlich nicht, Kein Zweifel, daß sie uns auch unmntelbar schädlich genwrücn wäre, wenn der Erfolg aus den Schlachiieldern nicht auf seiten Tcutich- lands gewesen wäre. Wer möchte belmupien, daß die Haltung .Hollands eine so korrekte geblieben iväre, wenn, wie doch auch im Bereich der Möglichkeit lag, die deutschen Heere in der Nähe seiner Grenz« eine Nictcrloge ernt e., hätten? Wer möchte insbesonde e l» hauptcn, daß in Italien du Druck der Volkes,imiming d c Regierung nicht aus den Bahnen korrekter Neutralität hinausgedrängt hätte, wenn Oesterreichs Heere in nächster Nähe der italienischen Grenze non russischer Uebermacht erdrückt worden wären? Bachem führt insbesondere das Beispiel Hollands an. dessen Volkssympathien zu einem großen Teil nicht ani unserer Seite ständen, und er wünscht, die deutsche Regierung möchte in diesem Rachbarstaatc durch ein ails anitlicheir Mitteln zu unterstützendes Presseorgan bessere Aufklärung verbreiten, Wir möchten hiiiznsügcii: mit Maß und Ziel und Takt! Bachem stellt denn auch selber fest: ,/Nicht,jeder Tiplo- mat kann im Nebenamte »virksaine Zeitungsartikel schreiben, was, in aller Bescheidenheit sei's gesagt, nicht so ganz leicht ist," Auch hier darf man wieder "einmal „ach dem Beispiel Bismarrks rufe», der, ohne Geschmack a» Klatsch und Tratsch zu haben, dennoch recht häufig auch die journalistische Tätigkeit zu seinen Erfolgen geübt hat, * . * EingrotzerTaginderitalienischenAammer. R o »i, 3, Dez, (WTB. Nichtamtl.» Die Kammer nahm heute ihre Arbeiten wieder auf, Ministerpräsident Salandra erklärte unter gespannter Aufmerksamkeit des Hauses: Dem Ministerium, das fick heute Ihnen oorstellt, ist sein Arbeitrprogranim unmittelbar durch die Notwendigkeit auscrlcgt, weil es in diesem kritischen Augenblick der Geschichte die Geschicke des Ganzen zu lenken hat. Während die durch wiederhollc Beweise Ihres Vertrauens gestärkte Regierung daran ging, nützliche Vcnvaltungs-, Steuer - u, Sozialreivrmen vorzubereitcn, brach^hnc irgend eine Teilnahme oder ein Einverständnis von unserer ^>eitc plötzlich und sehr schnell der Konflikt aus, den nur zum Schutze des Friedens und der Zivilisation vergeblich zu beschwören trach- tetcn. Tic Regierung mußte erwägen, o b die Vertrag s b c st i nt m u n g e n uns zur Teilnahme zwangen. Aber die gewissenhafte Prüfung des Buchstabens und Geistes der bestellenden Vereinbarungen und die KennMis des Ursprunges und des angenscheinlictien .Hauptzwecks des Konfliktes brachten uns zu der lohalen und ,'iä»ercii Ucbcrzeugnng, daß wir nicht perpflichtet ivaren, an ihm teilzunehmen, Ta wir dergestalt jeder anderen Erwägungen enihobrn waren, so empfahl uns eine unbefangene und freie Beurteilung dessen, »vas die Wahrimg der italienischen Interessen criorderte, unverzüglich Unsere Neutralität zu erklären. Ministerpräsident Salandra sagte ferner: Dieser Entschluß war ein solcher, daß man sich aus leidenschaftlich« Erörlerungen und verschiedenartige Veurteilung gefaßt macken mußte, aber später begann allmählich in Italien und außerhalb die feste und allgemeine Ueberzeugung bo, zuherrschrn, daß Ivir unser Recht ausübten und in richtiger Weise beurteilten, n-as-am besten den Interessen der Nation entsprach Indessen genügte die ft ei propagierte und loval beoback,tere Neutralität nicht, uns gegen die Folgen der ungcl,euren Umwälzung zu schützen, die jeden Tag größer wird und deren Ende von niemanden abgesehen wei/m kann. Iln, den Ländern und /Neeren des alten Erdteiles, denen volrtische Gestaltung vielleicht im Begriffe ist, sich zu ändern, besitzt Italien vitale Interessen, die cs beschützen nnt gerechte Ansprüche, die es zu deftästtgen hat. Es muß seine Stellung als Großmacht bewahren und sie nickt nur unverändert erhalten, sondern auch so, daß sie nicht durch die möglichen Vergrößernngen anderer Staaten relativ geändert werden, Taher mußte und wird notwendigerweise unsere Neutralität keine untätige und lässige, sondern eine tätige und ivachsame sein, nicht eine obnmächtigc, sondern eine stark gewasfncte, die jeder Möglichkeit gewachsen ist. (Andauerirder lebhafter Beifall, Tie Kammer erhebt sich und bringt dem Ministerpräsidenten eine lebhafte Huldigung dar.) Ter Ministerpräsident fährt fort: Demgemäß ivar und ist die höchste Sorge der Regierung vollständige Vorbereitung von Armee und Marine /Beifall»: um sie durchzn- führen, ist sie nicht davor zurückgescheut, die schwere Verantwortlichkeit ffir weitere Ausgaben und für eine gewisse Abänderung der militärischen Organisation zu übernehmen, Tic Eriahrnng aus der Geschichte und nunmehr ans den gegenwärtigen Ereignissen muß uns überzeugen, daß, wenn die Herrschaft des Rechtes auihört, die Kraft allein die Bürgschaft für das Woblergehen eines Volkes bleibt, die organisierte und mit allen kostspieligen und vollendeten technischen Vertcidignngsmitteln ausgerüstete menschliche. Kraft. Beifall und Bravorufe. - Wenn auch Italien nicht das Ziel hat, irgend jemanden mit Gewalt zu unterdrücken, muß cs sich doch so gut >oie möglich und mit der grüßten Stärke organisieren und rüsten, damit es nicht früher oder später selbst unterdrückt werde. (Beifall.» Zu dieser unserer ersten Pflicht gefeilt fi» die weitere nicht unwichtige, die Wirkungen der Krisis zu mil dcrn, welche ganze Industrien gelähmt, Handclsumcrnehmungen gestürzt und Taufende von Arbeirern früher als in anoereu Jahren in das Vaterland zurücttehrcn ließ. /luch zu diesem Zwecke waren außergewöhnliche Maßregeln iwnvendig, zeitweilige Abweichungen von dem gemeinen Recht, Beschleunigung öffentlicher Arbeiten und weitgehende Veriügung über (Geldmittel. Tie Regierung beantragt die alsbaldige Genehmigung aller dieser Maßregeln. Inzioischen können wir mit Genugtuung teststellen, daß der allgemeine wirl fchaftlichc Zustand unseres Landes sich schrittweise gebessert bat. daß Arbeit und Kredit ani dem Wege sind, zu normaler Funktion zurückzukehrcn und daß das Verrrauen des Publikums sich wieder einstelli. Aber man würde sich gefährlich täuschen, ivcnn man Alaubte, daß lveitere außerordentliche Maßregeln unnötig seien, ckie Regierung weiß wohl, daß alles angewandt werden muß, um dcm Lande genügende Vorräte der wichtigsten Stoffe zu sichern, Ihr Eingreiscn wird nicht aut sich warten lassen, wo und wann die private Tätigkeit zu diesem Zwecke nicht ausrcichl. Auch der innere Friede mutz um reden Preis gesichert werden, Tic Re- giening ist aber weil entiernt, zu glauben, datz unser Volk ihn stören könnte. Es begreift, datz das Vaterland letzt die »Tintracht Aller, die zu diesem Opser bereit sind, für sein Aohicrgrhcii und seine Größe braucht, Beifall.) Vertagen nnr den politischen und den wirtschaftlichen streit, den c-rtvcit zwischen Parteien, Ständen und Bevölkerungsklassen aus später. Heule muß sich in Wort und Tat das Gcmeingciühl aller Italiener feierlich bekunden, > Bravorufe, langanhaltendcr Beifall.) Das erste und er- habenne Beispiel dieses nationalen Gemeingcsühls werden sicher die bevorstehenden Beratungen der obersten reoräsentasiven Kür- ver'chastcn geben. Die Regierung, welche heute ein Urteil oder Bestrebungen vom Parteistanümintie aus für eine Verletzung ihrer heiligsten Pflichten halten würde, rnit die ganze Volksoertrening zu vatrioliichcr Mitarbeit aui, Beifall.) Nrir vom Parlament empfängt sie dic^Krafr, die sic braucht, um ihre schwierige Llufgabc zu erfülle,i, Tie Sttinde verlangt eine starke und sichere Regic- rung. Wenn ihre Stimme uns Stärke und Sicherheit gibt, können wir die schwere Last unserer Beranttvortlichlcit tragen und uni-c: gesunde und unaufhörliche Arbeit iortsetzcn, welcher ivir die gan,c Kraft unseres Geistes widmen, um die augenblicklichen Jnteresfcn unseres Vaterlandes ivirksam zu verteidigen und sorgsam über der künftigen Bestimmung Italiens in der Welt zu wachen, Pebhas« lcr, lang andauernder Beifall.) Die gaipze Kammer erhebt sich zu einer stürmischen Kundgebung und rust immer von neuem: Es lebe Italien! Hieraus begal, sich das Ministerium in den Senat, um dort dieselben ErNärungen abzugeben wie in der Kammer, Tie Zustimmung der Parteien. Rom. 3, Tez, (WTB, Nichtamllich.) Meldung der Agenzia Stesani, In Kammer und Senat haben die Erklärungen des Mi nistcrvräsidknlen Salandra einen vorzügliöicn Eindruck gemacht. Die Radikale Gruppe der .üammer trat am Nachmittag zusammen und beschloß einstimmig, die Regierungserklärung«» zu billigen, Sacchi wurde zum Parteiredner bestellt, /Ille anderen Redner verzichteten daraus, hierzu in der Kammer zu sprechen, Tie Gritppe der Temokralischen Link,», trat ebenfalls am Nachmittag zusammen und nahm eine Tagesordnung an, worin sie die patrio. tischen Erklärungen der Regierung znstimmend zur Kenntnis nimmt, * » * Der amtliche französische Bericht. Paris, 3, Dez, (WTB, Mchtamtlich.) Ter amtliche Bericht von 3 Uhr nachmittags besagt: In Belgien ziemlich heftige Kanonade gegen Nie »Port »iid südlich ?>pcrn. Die II eb e r s ch w c m m n n g erstreckt sich südlich Vvn Tip- murden zwischen dein Lys und der Soniinc, .Heftige Beschießung von Aixronlette. Ruhe auf der Front an der Somme, Aisnc und in der Champagne, In den Argonnc» wurden inchrere Angriffe des Feindes zurückgeworfen. Wir rückten ein »venig vor. Im Woövre zeigte die deutsche Artillerie eine gewisse Tätigkeit: doch sind die Ergebnisse unbedeutend. In Lothriiigen und in de» Vogesen nichts von Bedeutung, Tie Lage von Reims. Zürich, 3, Dez, iW, B, Nichtamllich.» Wie die „Rene Zürcher Ztg." ans Turin meldet, ist nach Pariser Berichten der „Gazetta del Popoio" die Lage von stieims furchtbar. Die dculfchen Schützengräben sind bis aus 1800 Meter an die Vor städle herangerückt. Äon der Beschießung ist kein Stadtteil vc, schont geblieben. Die reiche Textilindustrie der Stadt ist auf viele Jahre vernichtet. Der bisherige Sachschaden wird auf 350 Mil lioncn Franken geschätzt. Eine Maßregelung RcnnenkampsS? London, 3. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Tie „Mor- ningpost" meldet aus Petersburg: General R e n n e n - kampf lvnrde voni Oberbefehl enthoben, weil er in der Kvnzcntratioiisbewegung zur Mnschlicßung der Deutschen seine Stellung zwei Tage zu spät erngenommen hat, Eine Tanksagung HindenburgS (WTB) Berlin, 3, Dez, (Nichtamtlich/ General- scldinarschall v, Hinden burg bittet das Wölfische Bureau um Veröffentlichung solgende» Tankes: Gelegentlich meiner durch die Gnade des Kaisers und Königs erfolgte» Ernennung zum Generalseldmarschall sind mir zahllose Glückwünsche zugcgangeii, Tasselbe erftent mich unenolich, doch bin ick leider außerstande, sic einzeln zu beantworten. Ich bitte oaher, meinen herzlichsten Dank allerseits lediglich auf diesem Wege anssprechen zu dürfen, v, Hindenburg, Tic Bcrlustc der Engländer. London, 3, Tez, (WTB, Nichtamtlich.) Der inili- tärische Korrespondent der „Times" gibt die Verluste der britische» Llrmee^ aui 84 000 Man» an, was ungefähr Der ursprünglichen Stärke des britische» .Heeres entspreche, als es ins Feld rückte, Tic Verluste in der Schlacht bei Wern und Arnientiöres betrugen etwa öOOOO Mann, wopon etwa 5500 aus das indische Korps entfielen. Der Korrespondeut fährt fort: Wir müssen zugeb.-n, daß, die deutschen Truppen trotz schreck- lickn»: Verlulte noch zahlreicher sind als wir, und daß sie starke Stellungen eiimchmrn. Sic besitzen eine furck:barc Artillerie, die zerstreut ausgestellt und ivohl verborgen ist. Ihr schweres Geschütz hat »oä> die Oberhand und begräbt beständig unsere Leute, indem ganze Abteilungen der Laufgräben zerstört iverden. Ihre Scknrrsschützen sind kühn und hartnäckig. Ihre Grabenmörser und Granaten verursachen uns beständige Verluste, und obloohl ihre Aufklärung in der Luft seltener geworden ist, erscheinen dock» noch Tauben und Albatros-Flugzeuge über uns und beobachten, was wir tun. Tie englischen Offiziere und Unteroffiziere sind in schrecklichem Maße geschwächt. Wir haben fast die ganze regu lärc Reserve und den besten Teil der Spezialrcfcrvc vieler Korps an die Front gebracht, Wc-im die Depots nicht länger unfiande sind, guten nnd regelmäßigen Ersatz zu schicken, ivürde die Armee an der Front gern einen Teil der neuen Armeen als Ersatz begrüßen. Der Kaiser und die Irländer. London, 3, Dez, (WTB, Nichtamtlich.» Tic „Morning Post" incldet aus Washingwn vom 28. November: Einer Ehicagocc Tepeschc zufolge teilt Clarke, der Präsident der vercinigteir irischen Gcscllschasten Chicagos, mit, daß der Kaiser Sir Robert Caicmcni versprochen habe, Irland zu befreien, ivenii Teutichland siegreich sei. Clarke sagt, ec kenne die deutschen Absichten betrcffs Jrlands nnd werde sie in Masicnversammlnngrn und durch .Kundgebungen bekanntgebcn, die gleichzeitig an verschiedenen Stellen Chicagos unter den Auspizien des deutsch-irischen Bundes Amerikas stattfinden würden. Die indischen .Helfer Englands. L o n d o n , 3. Dez. (WTB. Nichtamtlich. Meldung des Reuierfchen Bureaus, Lord Cnrzon betonte, in einer Rede die Freiwilligkeit der ll n te r st ü tz u n g seitens Indien«, Er sagte, er dürse über die ZM der bereit« ein. geschiffte» Truppen sich nicht äußern; sie sei aber loeft großer, als mau sie sich vorstelle. * . * Eine neue Art des englischen Lügenseldzuges. Tie englische Regierung begnügt sich nicht damit, den Lügenfeli^ug gegen uns durch die Zeitungen zu führen. Sie ^-.breitet neuerdings unter den deutschen Kriegsgesangenen in Frankreich und 'England auch Broschüren über die Vorgeschichte des Krieges und seine angeblichen Ursachen. Natürlich w-ird dabei ganz einseitig die Darstellung verfochten, daß unsere Feinde frei von jeder Schuld au dem Weltkriege seien. Wenn England etwa hoffen sollte, auf diese Weise in den deutschen Kriegsgefangenen neue 'Apostel für die Verbreitung dieser bewußten Geschichtsfälschungen zu sinden, so täuscht es sich. Tie gewissenlose Selbstsucht, mit der man von London aus seit langen Jahren den jetzigen Vernichtungskampf aller gegen alle vorbereitet hat, ist durch die eigenen Urkunden unserer Feinde beglaubigt und liegt so offen zutage, daß der Versuch, das Gegenteil zu beweisen, nur bei denen Beachtung finden wird, die ihre eigene Mitschuld verschleiern mochten. Deutsche Ohren sind gegen diese Einflüsterungen taub. Wieder ein Erfolg deutscher Unterseeboote? München, 3. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Münchener Neuesten Nachrichten" melden aus Amfterdain: Das englische Dampfschiff „Earl o s A b c r d e c n" wurde, wie die „Central News" berichtet, zwischen Aberdeen^ und Hulk durch ein deutsches Unterseeboot zum Sinken gebracht. Die Mannschaft tonnte gerettet werden. (Notiz des WTB.: Nach anderer Meldung soll der Dampfer ein englisches Unterseeboot gerammt haben, in Hüll festgc- halten und Kapitän und Besatzung verhaftet sein.) Tie Neutralität der Schweiz. Berlin, 3. Dez. (WTB. Mchtamtlich.) Meldung der Schweizerischen Depeschenagentur. Bei Besprechung der Verletzung der schweizerischen Neutralität; durch englische Fli e ge r o ff i z i e r e wird in einem Teil der schweizerischen Presse ein von süddeutschen Blättern gemeldeter angeblicher Neutralitätsbruch, begangen durch den britischen Gesandten in Bern, Grant Duff, erörtert. Es ist richtig, daß Anfang Noveinber der englische Gesandte eine Autom'obilsahrt in der schweizerischen Rhein- und Bodenseegegend unternommeii und sich in Rom ans Horn aufgehallen hat, wo er mft Erlaubnis des dortigen katholischen Psarrers oen Kirchturm bestieg. Es wird sestgestellt: 1. daß an dem betreffenden Tage nebliges Wetter herrschte und Friedrichshafen und das deutsche Bodenseeufer, wenigstens mit bloßem Auge, nicht sichtbar waren; 2. daß keiner der drei an dem späteren Fluge beteiligten Aviatiker den Gesandten begleitet hat. Ferner ist zu bemerken, daß der englische Gesandte zur Erlangung des nötigen Passierscheines dem Armeestab im voraus genaue Angaben über die von ihm zu befolgende Route gemacht hat. Anspielungen auf eine vom Bunoesrat beantragte oder zu beantragende Abberufung des Gesandten entbehren ebenfalls der Be- griindung. l Griechenlands Rüstung zur Sec. K o n st a n t i n o p e l, 3. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Der „Dänin" erfährt, Griechenland werde in vierzehn Tagen wieder zwei Kreuzer mit je 3000 Tonnen Raumgehalt und vier Torpedozerstörer von je 1000 Tonnen erhalten, die auf englischen Werften erbaut worden seien. Die Besatzungen von 1300 Mann seien schon bereit. Unruhe» iu Mazedonien. Sofia, 3. Dez. (WTB. Mchtamtlich.) Meldung der ..Agence Bulgare": Nach authentischen Mitteilungen aus Salonik griffen, wie bereits gemeldet wurde, bewaffnete mazedonische Rebellen die Wache an der großen Eisenbahnbrueke über den War dar zwischen den Stationen Gradetz und Demirkapn an, töteten sie und sprengten die Brücke in d i e Lu ft. Sodann wandten sic sich gegen die kleine Brücke über den Fluß Wodissi südlich Gradetz, die sie gleichfalls mit Dynamit in die Luft sprengten. Diese Anschläge sind das Ergebnis einer .Herrschaft der tyrannischen Unterdrückung, die man im serbischen und g r i e ch i - schenMazedonien zur Ainvcndung bringt. Sie werden planmäßig von den serbischei^und griechischen Zeitungen den sogenannten „Banden" in die Schuhe geschoben, die angeblich aus Bulgarien gekommen sein sollen. Um diese Behauptung zu entkräften, braucht man nur an die von den Berichterstattern großer russischer Blätter selbst im Verlause ihrer Reise angestcllten Umfragen in den griechischen und serbischen Grenzgebieten zu erinnern, aus denen hcrvorgeht, daß tatsächlich eine Bewegung der mazedonischen Bevölkerung gegen die bulgarische Grenze, aber keineswegs eine solche gegen das Innere Mazedoniens existiert. So siel letzthin eine Gruvvc von Flüchtlingen, die aus den Bezirken Prilcp und Wclcs ienseits des Wardar sortgezogen waren, uni im mazedonischen Gebiet gegen die zahllosen Verfolgungen, denen sie ausgesetzt waren, Schutz zu suchen, in einen serbischen Hinterhalt nahe an der bulgarischen Grenze. Die serbischen Soldaten erössneten das Feuer aus die unglücklichen Flüchtlinge. Da aber unter diesen einige Leute mit alten Flinten aus der Zeit der Organisation der Revolution bewaffnet Ovaren, schossen sic zurück. Das Gewehrfeuer dauerte mehrere Stunden, bis die Flüchtlinge die Grenze überschritten hatten. In diesem Gesecht wurden zwei Bulgaren verletzt. Dies ist die wahre Lage an der serbisch-bulgarischen und griechischbulgarischen Grenze! * . » ve wet gefangen genommen? London, 3. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Rcuterschen Bureaus: Amtlich wird aus Pretoria gemeldet, daß de Wet gefangen genommen sei. Pretoria, 3.Dez. (WTB. Nichtamtlich.) (Meldung des Reuterschen Bureaus.) Der Kommandant Brits berich let, daß er am I.Dezember de Wet aus der Farm Waterburg 100 Meilen östlich von Maseking gefangen genommen habe, de Wet überschritt in der Nacht vom 21. November den Baal- Fluß und betrat Transvaal, von dem Kommandanten Dutoit im Automobil verfolgt. Er entkam ober mit vier Anhängern und traf ein kleines Kommando, das sich im geheimen in den, Bezirk L-chweizerrencke gebildet hatte und hauptsächlich aus Buren bestand, die aus dem westlichen Freistaat geflüch let waren, de Wet rückte mit dieser Truppe so schnell in westlicher Richtung vor, daß die Bemühungen der Regiernngs- truppen, ihn zu umzingeln, ergebnislos blieben. Eine Reihe schwerer Gewitter begünstigte de Wet, da es unmöglich mar, aus den schlechten Wegen Automobile zu benutzen, de Wet überschritt am 25. November die Eisenbahnlinie nördlich De- vondale. Kommandant Brits begann die Verfolgung von Brijburg aus und nahm am 27. November einen Teil des Kommandos de Weis unter dem Unterkommandanten Woh- marans gefangen, de Wet hatte am Tage zuvor diese Abteilung verlassen und »vor weiter westlich gezogen. Die Berfob- gung wurde ununterbrochen fortgesetzt. Am 1. Dezember holte Brits de Wet auf der Farm Waterburg ein. Die Buren, 52 Manu stark, ergaben sich, da sie umzingelt waren, ohne einen Schuß abzufeuern. Die Gesamtzahl der von Brits Gefangenen beträgt ungefähr 120 einschließlich des Kommarv- danten Oost und 5 Feldkornets. Die Verfolgung de Weis von Brijburg aus geschah mit Hilfe des Aulomobilkonlingents von Witwatersrand unter Oberst Jordaans. Nur ein Bur wurde verwundet. I o hau n esb urg , 3. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Eine Abteilung Buren hat sich! in den Bergen 'des M ag a l r e s - Gebirges im Bezirk Krügersdorp festgesetzt und sendet Abteilungen aus, um Pferde und Gewehre aus den Farmen zu requirieren. Die Japaner in Tsingtau. Berlin, 3. Dez. (Priv.-Telegr.) Tie „Boss. Ztg." meldet: Tie Petersburger Telegr.-Agentur berichtet aus Tokio: Der Hafen von Tsingtau wurde zum japanischen Kriegs Hafen erster Klasse erklärt, den Handelsschiffen wird kein Zutritt gestattet. Ein Ausfuhrverbot in der Türkei. Konstantinopel, 3. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Auf Beschluß des Ministerrates wurde die Ausfuhr von Mehl, Brotgetreide, Reis, Butter, Zwiebeln, Oliven, Oel, Hafer, lebenden Tieren, Petroleum, Benzin und zahlreichen anderen Lebensmitteln, sowie Drogen und Metallen verb oten, _ Au» Hessen. Der neue Präsident der Ersten Kammer. rb'. Darmstadt, 4. Dez. (Drahtber.) Der Groß- Herzog hat den bisherigen Vizepräsidenten der Ersten Kammer, den Fürsten zu Solms-Hohensolms- Lich, anstelle des verstorbenen Grasen Schlitz gen. von Goertz zum 1. Präsidenten berufen. Der Fürst ist bekanntlich ein Schwager des Großherzogs und war bereits eine Reihe von Jahren Vizepräsident der Ersten Kammer. Rücktritt des Prälaten Flöring. Ä Darmstadt, 4. Dez. Die „Darmstädter Zeitung" meldet in ihrem amtlichen Teil: „Seine Königliche Hoheit der G r o ß her z og haben Allergnädigft geruht: Am 20. November d. I. den Ober- konsistorialrat und Superintendenten der Superintendentnr Darmstadt v. vr. Friedrich F l ö r i n g auf Nachsuchen der Würde eines Prälaten der Evangelischen Kirche zu entheben und dem Superintendenten der Superintendentnr Manzz Geheimen Oberkonsistorialrat Ferdinand Euler die Würde eines Prälaten der Evangelischen Kirche, mft der Sitz und Stimme in der Ersten Kammer der Stärtde verbunden ist, zu verleihen. — Ihre Königliche Hoheit die Groß-herzogt n haben Allergnädigst >gernht: Am 2. Dezember d. I. dem geistlichen Mitglied und Rät bei dem Oberwnsistorinm, dem Superintendenten der Superintendentnr Darmstadt D. Dr. Friedrich Flöring anläßlich seiner Enthebung von der Würde eines Prälaten der Evangelischen Kirche des Grotz- herzogtnms den Eharakter als Geheimerat zu erteilen." An anderer Stelle bemerkt das genannte Blatt hierzu: „Bezüglich des in der Würde des Prälaten erfolgten Wechsels erfahren wir, daß Superintendent v. vr. Flöring aus Gründen der Gesundheit um Enthebung gebeten und Superintendent v. Petersen den Wunsch ausgesprochen hatte, von seiner Person abzufehen. Selbstverständlich bleibt die Stellung des bisherigen Prälaten O. vr. Flöring als Mitglied des Oberkonsistorinms und Älperrntenden ten der Provinz Starkenburg hierdurch unberührt." Wie wir erfahren, dürfte der Hauptgrund für den Rücktritt des Prälaten nach der Ansicht ein geweihter Kreise darin liegen, daß- dieser gelegentlich der Beratung der Vorlage über die Revision des Ordensgesetzes, der gegenüber er als oberster -Vertreter der evangelischen Kirche Hessens eine eingehend begründete ablehnen deStellnng einnahm, von den anderen Mitgliedern im Stich gelassen wurde und sich schließlich als einziger dagegen zu stimmen veranlaßt sah. Aur dem Reiche. B e r l i n, 3. Dez. (WTB. Amtlich.) In der heutigen Sitzung desBundesrates wurde dem Entwurf von Bestimmungen über die Einlösung beschädigter oder unbrauchbar gewordener, sowie über die Vernichtung nicht mehr umlausssähiger Darlehnskassenscheine die Zustimmung erteilt. Heer «nd Flotte« B e r l i n, 3. Dez. (WTB. Nichtamllich.) Nach der „Kreuzzeitung" ist dem General der Infanterie Freiherrn von Scheffer-Boyadel der Orden „Pour l e Msrite" durch folgende Käbinettsorder verliehen worden: Tie schweren Kämpfe, die Sie in den letzten Tagen mit dem 25. Reserve-Armeekorps durchgesochten haben, werden für immer ein ruhmvolles Blatt in der Kriegsgeschichte bleiben. Ich verleih« Ihnen den Orden „Pour le Mente" und ersuche Sie, Ihre» unvergleichlichen Truppen meine königliche Anerkennung und meinen Tank auszusprechen. Gott schenke Ihnen weüere Erfolge. Wilhelm I. 8." Aus Mextto. London, 3. Dez. (WTB. 'Nichtamtlich.) Me Firnes" meldet aus Washington: Man verfolgt hier die Entwicklung der Dinge in Mexiko mft großer Besorgnis. Zapata beherrscht die .Hauptstadt, Carranza ist in Beröeruz und Villa irgendwo nördlich der Stadt Mexiko. Es scheint mindestens drei revolutionäre Präsidenten zu geben. Me Presse unterzieht die mexikanische Polftik Wil- s o n s besonders die Zurüctziehung der Truppen aus Veracruz — einer scharfen Kritik! Aur Stadt und Land. Gieße n, 4. Dezember 1914. **DiePaketbefördernngandieFeldheere. Der Versuch, Pakete für die im Felde stehenden Truppen durch Vermittlung sogenannter Paketdepots zu versenden, ist jetzt abgeschlossen worden und kann, wie der Kriegsminister den Eisenbahnbehörden mitteilt, als wohlgelungen angesehen werden. Infolgedessen sollen die Paketdepots während des Krieges als ständige Einrichtung beibehalten werden. Insgesamt nahmen die 26 Paketdepots während der Probezeit über 3 250 000 Pakete an. Aus den Berichten der Paketdepots geht hervor, daß der günstige Erfolg des unternommenen Versuches mit den Depots nur durch das Entgegenkommen und die Unterstützung der Eisenbahnverwaltung möglich war. ** Die Landesversicherungsanstalt Großherzogtum Hessen hat in ihrem Verwaltungsgebäude, Darmstadt, Wilhelminenstr. 34, eine Kriegsauskunstsstelle sür Arbeiter- und Angcstellteirversickwrung eingerichtet und ist bereit, allen im Großherzogtum Hessen nwhirenden Kreigsteilnch- mern, sowie deren Angehörigen und Hinterbliebenen kostenlos niünblich und schriftlich Auskuirst in Angclegrnheüeu der Arbeiter- (Kranken-, Unfall-, Invaliden- und Hiuterbliebemenversiche- tungl und Angestelltenversicherung zu erteilen. ** Ter Schotte Carlylc, Deutschland und England. Tie Vortragsreihe, die eine große Zahl von Mitgliedern des Lehrkörpers unserer Hochschule in den letzte» Wochen zum Besten der Hinterbliebenen gesallencr Mitbürger veranstaltet hat, ging gestern abend zu Ende. Geh. Kirchcnrat Prof. O. Eck beschloß sie mit einem Vortrage über Carlyles Verhältnis zu seinem und unserem Volke. Tie ungemein starke Zuhorcrsckmft, die gestern abend die Aula der Universität fast bis aus den letzten Platz füllte, hotte die Stimme eines in meisterliche Form gekleideten und tief innerlich packenden Idealismus, unter dessen unwiderstehlicher Gedankenwucht bei manchem die Vorstellungen vom Wesen der Zeit gülttgere, echtere Gestalt annehnicn mochten. Ter Redner führte aus: Das Leben der Volker, dem des Einzelnen gegcnübergehalten, ist unübersehbar groß und gewaltig, wenn auch ihm seine Grenzen gezogen sind. Von jeher sind die Völker darauf angewiesen, die Güter, die der Nachbar erobert, gewinnt, vcrliett, sich anzireigncn; oder einzutauschcn gegen andere Werte. So ist es auch heute. Die Wechselbeziehungen zwischen den einzelnen Nationen sind so nian- nigiach und ttes, daß man eines einzelnen Volkes Geschichte losgelöst von der der anderen Völker nicht schreiben kamt. Betrachtet man die Weltgeschichte in diesem Zusammenhang, so drängt sich die Frage auf, wie das Volk, mit dem wir durch Beziehungen aller Att am engsten verbunden waren, das englische, uns den Handschuh hinwersen, unser grausamster Feind werden konnte. Wie konnte es kommen, daß der wenn auch schmale Weg der Verständigung, der bis in die letzte Zeit vor unseren Besten mit heißem Bemühen gesucht wurde, abbrach, versank? War er ein Traum oder ein Wahngebilde? Können wir den Gedanken, daß eine Ver ständigung mft England sür möglich gehalten wurde, auslüschen? Nein! Wir müßten denn den größten Geist, den unser Voll gezeugt, den Namen JohannWolfgangvonGoethe, austilgen, der ohne eine ttese Beziehung zu England nie zu denken ist, der bis in sein Alter über die Möglichkeit grübelte, wie ein Mensch das Problem eines Hamlet erdenken konnte, der mft einer wahren Andacht von Walter Scott sprach, der sich mft abgründiger Liebe in Bvron versenkte und dem Vererhrten im Faust ein Ewigkeitsdenkmal gesetzt hat. Im Jahre 1824 kam zu Wcftnar ein kleines Paket ans Schottland an den alten Gotthe an. Es enthiett zwei Bücher, ein Lik« of Schiller und eine englische Uebersetzung von Wertheäs Leiden und einen bescheidenen Bttef des 28 jährigen Dichters Carlyle. sie gütig ausnehmrn zu wollen. Gotthe antwortete in der patriarchalischen Art seines Alters. So sparurcn sich zwischen dem Alten und dem Jungen zuerst höfliche, dann herzliche, dann srenndschajt- schastliche und zuletzt Beziehungen von einer kein Geheimnis kennenden Jnnerlichkttt an. Die beiden gewalttgen Geister leben sich ineinander ein. Was zog sie an? Das war nicht allein der ästhetische Genuß auf des anderen dichtettschen Höhenpsaden, das war vor allem die Erkenntnis von der erhabenen Größe des wahrhaftigen Menschentums, die der eine beim andern immer Narer erschaute. Ueber die Bcdeuttmg des gewaltigen Begttffs „W e l t l i t e r a t u r" spttcht Gotthe mft dem jungen Freunde. Sie soll Bande schließen, nnttt deren mildem Zwang die Menschen die Worte des 'Apostels: Liebtt Euch untereinander! besstt verstehen lernen sollen. Carlhle liest Gotthe Werke als Konfession der Seele des Gewalligen. Er entwickelt aus ihnen die aus Schmerzen geborene Kraft und Frriheft des Entsag enkönnens, des Tätigkeitswillens, d« sich an dieser Kraft entzündtt, und der Ehrfurcht vor dem, was über, um und unter uns ist. Diesen erhabensten, christlichsten Gedanken Gotthes von der Ehrfurcht begrttst und stttlt Carlyle mft einer Klarheft heraus, die für sich allein die ewigen Beziehungen zwischen ihm und Gotthe, den er seinen gttsttgen Vater rühmt, begründen. Wer mft der Ehrfurcht vor dem Unbegrttslichen über uns die vor dem Leid, der Sünde unter uns verstehttch verttnen kann, der wird den Brüdern um uns die Hand rttchen, und seien sie noch so gering. Diese Gedanken Gotthes hat Carlyle über die Sozialpolitik des 19. Jahrhunderts gesetzt, und er ist ganz E r, wo er diese Donnerworte seinem Volke znrnst. Einen wärndeftichen, unwegsame Pfad« wandelnden Roman hat Thomas Carlyle geschrieben,. Den Roman vom geflickten 'Schneider, der die Philosophie der Kleider betreibt. Kleider machen Lenke. Der rote Mantel triunchhiett über die blaue Bllise. Wie abtt, Ivenn heibe fallen? Hie «Stützer, hie Lastträger, — so muß eines Tages das soziale Feldgeschrtt lauten. Zwtt unheimliche Wetterwolken mit ungeheuren Exploschstoffen ballen sich zusammen und werden eines Tages auseinander prallen, So der Held des Romans. Es ist Carlyle selbst, der aus chm spricht, der Carchle, der als Bildungshungriger die englische Wissenschaft des Mechanismus mit dem Zusatz der Nützlichkeit lernen, den Kausalnexus über sein Leben setzen sollte wie seine Landslstte, und der solcher Vergewaltigung des gttsttgen Lebens ein flammendes, absolutes Nein entgegenschrie, der in Trotz und Berzweislung und ans unendlich weitem und dornigem Wege, durch das Eis der Piste und die Gluten der Wüste zu einer inneren Freiheit sich rang, die die Schwäche des Sichbeugens unter den Mechanismus nicht kennt, die ihn nicht fürchtet und glüherck die Wirk- lichkttt gttsttgen, settischen Lichens bejaht, auch wenn sie cs nicht begrttst, die dm Glauben zur die innere Wahrhaftigkeit des Pflichtgebots besitzt, das keine Nützlichkeit kennt, sondern die Seele sich unter die eigene Größe beugen läßt, Carlyle aber schaut sein Voll in hie Mtzlichkettssorderung verstrickt. Das empört ihn, treibt ihn auf die Bah» des Reformers: Goethes Ehrfurcht-Gedanke soll England rase Wege weisen, Den Prophttm Carlyle hat ttne kleine Gruppe gehört. Sie war m Nein, das Verderben aufzu halten, Sie vermochte nicht, das an die Nutzensvage tausendfälttg geheftete und gen ietete VE los- zurttßen. Nach dem dentschftrmrchstschm Kriege schrieb CarVBc in der „Doms": Daß das fromme, ernste, tiefe Deutschland anstelle des gestikulierenden Frankreich die Königin des Konttnents wer- dm solle, stt das größte Ereignis, das er erlebt Habel Einest Orden, dtt ihm von England kam, hat er abgttehnt: als ihm Bismarck ttne sichtbare Änerkmnung Deutschlands sandte, nahm er die Auszeichnung an. In seinem Monumentalwerk über dm Großm Friedrich ruft er mft dem Seherange des sterbendm Königs seinen Lesern zu: Eine größere Weisheit als die der Pflicht gibt es nicht, und sei» Lttxrisbeld dieses Königs, des Königs, bewttst es allerorten. Sollte dieses Bild England nicht vieles zu sagen haben? Landkreis Gießen. f. Watzenborn-Steinberg, 8. Dez. Die wackeren Krieger a»S unserer Gemeinde haben sich schon ttne ganze Anzahl Eiserner Kreuz« errungen; ihrer acht sind damit ausgezeichnet wordm. ES sind die?: Feldwebel Ludwig Harnisch aus Watzenborn, Vizeteldwebtt Fink von Watzenborn, Karl Weiß. Unterolfizier bei den 21. Pionieren (Mainz), von Watzen- dorn, Tambour Karl Philivp von Watzenborn, Feldwebel Karl M ö ck e l von Watzenborn, Dragoner Georg RuckelShausen von Steinberg, Karl Jung, Sleinberg, Feldwebel bet der Feld- stieger-Abteilung Nr. 21, und Landwehrmann Karl Burger II., Steinberg. Kreis Lauterüach. -t-Bermutshain, 3. Dez. Von den 50 von hier ins Feld ausgezogenen Kriegem sind bis jetzt 3 tot, einer ist gelangen und einer wird vermißt. 17 Mann sind verwundet, davon auch einige schwer. Starkenburq und Meinhessen. m. Osfenbach a. M., 4. Dez. Die gestrige Stadtvcr- ordnetensitzung stand im Zttchm der Iveiter zu ergrttfm- den Maßnahmen gegen die schädigendm Einwirkungen des Krieges. Einmal handelte es sich dabtt um die Bewilligung lotttercr Mittel sür die Kriegssürsorge, zun, anderm um Abänderungen der Grundsätze sür die städtische Arbeitslosenunterstützung während der .tzriegszcit. Die in der ersten Kriegssitzung vom 6. August be willigten 500 000 Mark für die Kriegssürsorge sind nämlich bis auf runb 61 000 Mark verausgabt. Die Gesamtausgaben der Kriegs süriorge betragen nach dem Stand vom 1. Dezember 621424 Mk. Diesen Ausgaben stehen an Einnahmen neben den bewilligten -ivOOOO Mart weitere 181 706 Mark gegenüber, darunter 148 991 Mark freiwillige Spenden. In einmütiger Weise bewilligten die Stadtverordneten die z w e i t e halbe Million Mark für die Kriegssürsorge. — Tie nach dem Gcnter System eingciührte Ar bei ts l o se n u n t e r st ü tz u n g hol während des Krieges die ßezeigt, daß die Arbeiter, die nur teilweise beichäftigt sind und deswegen nach den bisherigen Bestimmungen die llnterslützung nicht in Anspruch nehmen können, fchlechter gelteilt sind, als die ohne Arbeit. Aus diesem Grunde wur- dvn niil Rückwirkung vom 16. November für die Tauer des Krieges folgende Abänderungen beschlossen, nach denen Mitgliedern von Berufsvereinen oder Sporern die städtische Unterstützung auch bchin gewährt wird, wenn die wöchentliche regelmäßige Arbeitszeit mindestens um die Hälfte verkürzt nwrden ist, so daß ein Einkommen von Unterstützungen 15 Mk. für Verheiratete ohne Kinder und 13 Mk. sür Ledige nicht übersteigt. Ferner wird die Unterstützung au Mitglieder von Berussvcreinen nach einer Mitglicd- ichaftsdaucr von 13 Wochen gewährt, wen» diele seit 13 Wochen vor Eintritt der Arbeitslosigkeit Spareinlagen gemacht haben. Tic Unterstützung wird im Rechnungsjahr aus die Tauer von 20 Wochen gewährt und zwar auch dann, wenn der Berufsverein nicht bis zu 20 Wochen zahlt. Schließlich wurden noch 610000 Mk. für die Erbauung einer neuen Volksschule bewilligt. Kreis Wetzlar. w - Wetzlar, 3. Tez. Z»m Chefarzt des hiesigen ki r i e g s g e l a n g e » e ii l a g e r s ist Mcdizinalrat Tr. B r a u n ernannt worden. . ' Hessen-Nassau. b. Bra ubach, 3. Tez. Bürgernieisice Roth hat den neide»tob erlitten im Hample gegen 'Rußland. Nachdem er bereits verwundet war, ist er wieder nach seiner Genesung aus- gerückt und ist nun ini Kample gefallen. b Eronberg, 3. Tez. Prinz Friedrich Wilhelm von Hesse u, der im Sevteiuber durch einen Brustschnß schwer verwundet wurde, ist wieder völlig hergesteNi. Er Hot sich wieder seineni Regiment, den Hanauer Ulanen, zur Bersügung gestellt. Gerichtssaal. Ein englischer Kriegsgefangener zu zehn Jahre» Gefängnis venirteilt. iWTB.) Berlin, 3. Tez. Nichtamtlich.) Gestern stand der rngliscke Kriegsgefangene Lcnsdole wegen tätlichen 41 n g r i f s s g e g e n einen Vorgesetzten vor versammelter Mannschaft, begangen im Felde, vor den, Kriegsgericht der Inspektion der immobilen Eiarde. Derartige Vergehen bestraft das Militärstrafgesetzbuch mit dem Tode, bei minder schive- ren Fällen Mit lebenslänglicher oder mindestens zehnjähriger Freiheitsstrafe. Ter Angeklagte, der im Döberitzer Laaer untergebracht war, hatte am 9, November, als sich die Gefangenen weigerten, den, Zeichen zum Ardeilsaufbruch Folge zu leisten, und es daraufhin zu einem ernstlichen Zusaninienstoß zwischen den Landsturmleutcn iinü den Gefangenen kam, cinnn Lanbsturm- niann einen Stoß vor die Brust und einen Schlag ins Gesicht versetzt. Ter Angeklagte gab die Tat ja* Der Vertreter der Anklage nahm davon Abstand, Todesstrafe oder lebenslängliche Gefäiignisstrase zu beantragen. Er führte aus, daß die deutschen Militärgerichte turmhoch über den Urteilen gegen Deutsche in Feindesland ständen, die durch den Haß diktiert ivürden. Er beantragte das Mindestmaß von zehn Jahren Ge- iängnis. Ter Verleidiger erklärte, es liege angesichts der sckiainlosen Urteile, die im feindlicheii Ausland gefällt würden, nicht der mindeste Grund vor, gegen die Kriegsgefangenen in beionders wohlwollender Weife vorzugehen, aber man solle doch den einzelnen nicht unnötig das Unrecht des feindlichen Landes empfinden lasse». Er schloß sich dem Anklageverfreier an und bat um Annahme eines minder schweren Falles. Das Kriegsgericht erkannte denientsprqchend auf die geringste strafe von zehn Jahren Gefängnis. hinter der ruffjchrn Hront. Ein Loblied auf die glänzend« russische Organisation singt der Kriegsberichterstatter der „Times", der in Russisch-Polen Ifinlcr der russischen Front weilt und seit vielen Wochen auf de» russische» Etavvenstraßeii nur Erfreuliches gesellen haben will. Kdach seinem Berichte wimmelt es überall von Transportlolonnen, Munitionswvgen und nachrückenden Truppenteile»; allein in der Umgegend von Radom, wo er eine KrasNvagensahrt von etwa 190 Kilometern ausgcsührt hat, hat er soviele solche Transporte gesehen, daß sie hintereinander angeordnet einen Zug von 100 Kilometer bilden würden. Langsam aber sicher, das war seiner Meinung nach der Wahlspruch Rußlands bei der Mobilisierung seines Heeres. „Was vor allein auf mich Eindruck gemacht hat," so fährt er sori, „war die im Vergleich zu den Munitionswagen der kleineren Fei,envollen große Menge Munilionswagen mit Granaien und Schrapnells. Sicher hat es noch nie einen Krieg gegeben, in dem das Geschütz eine so weienlliche Rolle gespielt hat, wie in diesem. Ich glaube nicht zu übertreiben, wenn ich erlläre. daß ich in den letzten paar Tagen über 1000 mit je sechs Pferden bespannte Wagen geseben habe, die alle ockneisibedars an die Front führten. Tie Wagen bilden nicht nur ineilenlange Züge auf den Wegen, sondern oft kommt man auch an Stellen, wo ganze Wagenparks, zuweilen mehrere Acker groß, angrsammell sind, während die lleincn Pferde reihenweise angebunden da stehen. Jedes Tors ist mit hunderten von Transvoilwagcn pollgepsropfi; überall sieht man Srldaten, alle Bassen sind darunter vertreten." Ter Timesmitarbeiter entwirft dann ein Bild vom russischen Heere aus dem Marsch. Wemt russische Regimenter marschieren, so weisen sie wenig Verband auf: ein paar Lssi- zicre reiten voraus, und ihnen folgen die Soldaten nicht in geschlossener Formation. Einige marschieren aus der einen Seite des Weges, andere an der anderen, hinterlzer kommen noch Nachzügler, viele weichen von den Wegen ab und laufen guer über die Felder, als seien sie Spaziergänger. Wenn ein Regiment schon meilenweit vorbei ist, kommen »och iniiner lleine Gruppen von Nachzüglern, die offenbar ganz frisch und unbesorgt sind. Tcs Abends aber, wenn cs zu essen gibt, fehlt nicht einer, und inorgens machen sie sich loieder in geschlossener Formation auf den Marsch. Für diese musterhafte Unordnung — ein anderes Wort ist wohl nicht ain Platze — hat man dein Engländer eine wutider schöne Erklärung gegeben: sie soll den deutschen Fliegern den Aufklärungsdienst erschweren. Nämlich: der Flieger kann so aus der Höhe die Zahl nicht schätzen. Wenn die Soldaten in so „losem Verbände", wie der Engländer euphemistisch sagt, marschieren, ist es aus der Höhe unmöglich anzugebcu, ob man ein Bataillon in geschlossener Formation oder eine Kompagnie in lockerer'Marschanordnung vor sich ljrxt ('?). Tie nie,sten Heere marschiere» i» geschlossener Formation, so daß ihre Stärke genau abgeschätzl werden kann. Tie Geistesart des russischen Soldaten hat der Eng- länt^r bei seinem langen Auscnthalte hinter der russischen Front auch genau studiert. Er stellt den russischen Soldaten im allgemeinen als gutartiges, beinahe kindliches Wesen dar: die russischen Soldaten sollen iininer zufrieden und guter Laune sein, wenn das Wetter gut istz bei Mgen dagegen machen sie mürrische Gesichter. Aehulich erscheinen die Kosaken dem Engländer: sic haben ihren schlechten Rus zu Unrecht, behauptet er. Es sind vielleicht ein paar schlechte Elemente darunter, aber die meisten sind große Kinder. Ten Kosaken stellt der Engländer dann die — deutschen Ulanen, gegenüber, und mit etwas gemischten Gefühlen erfährt der deutsche Leser folgendes: „Andererseits kann man dasselbe (daß sie große Kinder sind) auch von den deutschen Ulanen strgen. Vielleicht hat ein anderer Schlag Menschen an der airderen Grenze gclämpft, aber die, die in russische Gefangenschaft geraten waren, hatten nichts Schreckenerregeiides an sich. Die meisten waren ganz juug und glichen eher Schuljungen in Uniform, als den Dämonen, ais die nian sie dargestellt hatte." vermischte». * TaS Nachmittaastänjch«» i»> Regieruugs» gebciude. Die in der Washingtoner TtaatSdruckerei tätigen Beamten und Beanitinnen siuden sich seit einiger Zeit jeden Nach- miltag aus dem große» Dachgarten des Gebäudes zn einem kleinen Tänzchen zusaiimien. Tie halbe Stunde, die ihnen „ach dem Lunch noch bleibt, füllen sic durch einige Walzer, Twosteps oder eine Marix« ans. Und ihre Vorgesetzten sind keines,vegs ungehalten darüber, vielmehr sehr crsrent. Nach ihrer Ansicht regt dieses Nachniiltagstänzchen die Herren Staatsbeamten und ihre Gehilfinnen zu neuer, frischer Arbeit an, und sie behauplen, seitdem getanzt werde, ivcrde am Nachmittag bessere und schnclleie Arbeit geleistet. Sie weisen gleichzeitig daraus hin, daß man in der Schule ja seit Jahre» etwas ähnliches tue, indem man die Kinder zwischen den einzelnen Lehrstundeil einige Zeit svielen und sich aus- tollen lasse. Amtlicher Wetterbericht. Oesfentlichcr Wetterdienst, Gießen. Wetteranssichten in Hessen am Samstag, den 5. Tez. 1911 : Trocken, meist heiler, südwestliche Winde. Letzte Nachrichten. IWTB.) Großes Hauptynartier, 4. Dez. vormittags. «Amtlich.» Auf dem westlichen Kriegsschauplatz wurden französische Angriffe gegen unsere Truppen in Flandern wiederholt abgewiesen: ebenso in Gegend nordwestlich Altkirch, wo die Franzosen bedeutende Verluste hatten. Auf dem östlichen Kriegsschauplatz sind feindliche Angriffe östlich der masurischen Seenplatte unter sehr großen Verlusten für die Russen abgeschlagen worden. Unsere Offensive in Polen nimmt iwrmalen Verlauf. Oberste Heeresleitung. Ter Kaiser in Berlin. (WTB.) Großes .Hauptguartier, 4. Dez. vormittags. (Amtlich.) Seine Akasrstäl der Kaiser ist gestern abend zu kurzem Aufenthalt in Berlin ringetrossen. Oberste Heeresleitung. Der neue deutsche Angriff an der Äser. Berlin, 4. Tez. Nach einer Kopenhagener Depesche der ^Kölnischen Zeitung" meldet „Daily Ehronicle" aus Amsterdam: Tie Deutschen haben einen erneuten Hauptangrisf aus die Stellungen der Verbündeten an der Äser begoiul«». Wahrscheinlich wird der Angriff von größeren Truvvcnkrastcn mit schwereren Geschützen ausgcsührt werden als jemals zuvor. Der bayerische Ministerpräsident über den Eindruck der Rkichstagssitzung. Berlin, 4. Dez. Der zurzeit noch in Berlin weilende bayerische Ministerpräsident Graf Hcrtling äußerte siä, zu einem Mitarbeiter der „Kreuzzcilung" über die Rede des Reichskanzlers: „Ich habe nahezu vier Jahrzehnte dem Reichstag angehiirt. Ich weiß von Augenzeugen, welchen Eindruck die hellodcrnde Br geisterung gcinachl hat, von der der Reichstag am 4. 'Antznst br seclt war. Aber so wuchtig, so zäh entschlossen und unbeugsam wie vorgestern ist der Reichstag noch nie gewesen. Der in seinem Ernst und seiner Stärke ergreiscndc Beifall, der den markigen« Worte» des Reichskanzlers geworden ist, ließ erkennen, daß das deutsch» Volk wie ein Mann entschlossen ist, dnrchzuhaltcn und daß jede" sich verrechnet, .der glaubt, Deutschland werde sich zu einem Frieden verstehen, der nicht der blutigen Opfer iverl ist, die wir gebrach! haben. Für Flaumacher und Schwächlinge ist jetzt in Deutschland kein Platz. Ter Reichskanzler hat gestern iwchmals an Hand des Materials, das für unsere Gegner vernichtend ist, den Beweis erbracht, daß wir den Krieg nicht gewollt haben. 4tun er uns ausgezwungen ist, werden lvir ihn durchtäinpsen bis zuni Einsetzen der alleräußersten Kräfte. Mir können d«r Zukunst mtit r n h i g e r 3 u B c t f t * t entgegensetzen. Unsere Feinde Isabcn den Opsersinn, die Ent- schlosjciihni und Stoßkraft des deulsckzcn Volkes unterschätzt." Die Absetzung Reunenkampfs. Berlin, 4. Dez. Zur Absetzung des Generals Rennen kämpf, die angeblich erfolgte, weil er bei der Zusaminenzie hung seiner Truppe» zur Einschließung der Deutschen seine Stellung zwei Tage zu spät cinnahm, schreibt der militärische Sachverständige des „Berliner Tageblatts": Auf Generat Reunenlainps setzte Rußland große Hoffnungen. Im Kpicge gegen Japan wurde sein Name bekannit Vor den, Ausdruck des jetzigen Krieges trai er an die Spitze des Militär- bezirks Wilna, und auf seine besondere Kenntnis der deutschen Grenze verlraute man, als man ihm das Oberkommando de, Nicmen-Armer übertrug. Aber ihn ereilte das gleiche Gcschtä »sie General Samsonow. Letzterer wurde von Hindenburg bei Toiinenbcrg, Rennenkampi südlich von Insterburg völlig gc schlagen. Nur mit knapper Not entging Renneukanips der Ge- iangenschait. Nrin ist er iziienbar Hindenburg noch einmal in die Arme gelaufen. Dem verspäteten Eintreffen des russische» Generals schreibt innn die Schuld an dem verunglückten russischen Angriff zu. Ob das zutriffi, kann erst eine spätere Zeit lehren. In- „Berliner Lokalnnz." heißt cs: Man hat Rennenkainpf zum Sündenbock für dre verunglückte Umzingelung in Polen gemacht, ob mit Reckst, das zu beurteilen kann nickst unsere Sache sein. Reniietikanips habe kein Glück gehabt, und nnglücklsiche Generale würden „gegangen". Italienische Stimmen gegen den Dreiverband i. Köln, 4. Dez. Die „Köln. Ztg." meldet aus Rom: Tie „Bna" llagt in einem langen Artikel über die anhaltende Turch- suchuug neutraler Schiffe. die nach ilalicniichen Häsen ilncksten müßte», und wodurch der italienische Handel ausS schwerste geschädigt werde. Ties Beriahren stehe in schroiiucm Widersvrucv zu dem Londoner Abkomurcn und nehme allmählich den Charakter eines politischen Trucks im Sinne einer Trohnng oder einer Bei gellung an. Man wolle anscheinend die italieni>che Regierung zn einer Entscheidung drängen, die sie nicht sassen möge. Italiens Stellung im Mitielmeer werde durch die Anmaßung der iremde» Mächic unerträglich. Man könne sagen, Italien müsse cs zu Mute sein wie einem Manne, der in einem Haiisc wohne, zu dem ein anderer den Schlüssel habe. Englische Verstärkungen in Aegypten. i. Köln, 4. Tez. Tie „Köln. Ztg." meldet von der holländischen Grenze: Reuter meldet unter dem gestrigen Tage amtlich : Truppenkontingente aus Australien und Neuseeland sind in Aegypten ausgeschisst worden, um an der Verteidigung des Landes teilzunehmen. — Die „Köln. Ztg." bemerkt dazu: Diese Kontingente sollten zuerst aus dem europäischen Kriegsschnu vlatze verwandt werden. Taß sie jetzt in Aegypten auitauchen, bc deutet schon eine Erleichterung für uns. Im übrigen vertrauen wir auf die Stärke der Türkei, die mit diesen Gegnern schon fertig werden wird. Revolte im holländischen Internierungslager. Amsterdam, 3. Tez. (WTB. Nichtamtlich.) „Handelsblad" meldet aus Zeist: In dem hiesigen Internierungslager »vurde heule von Belgiern Widerstand geleistet, woraus die niederländischen Bewachuiigstriivveii Feuer gaben. Fünf Belgier wurden getötet und sechs verwundet. Bereits gestern abend ivar ein gewisser Widerstand unter den Internierten bemerkbar geworden. Die elektrische Leitung hatte man durchgeschnikten. Es wurde sofort Polizei aus Zeist reguirierl, und heule früh wurden Truppen zur Verstärkung aus Utrecht heraugeholt. Es ist noch nicht vollständig gelun gen, den Widerstand der Belgier zu brechen. Nach einer anderen Meldung aus dem Haag sind bei dem Vorfall sechs belgische Soldaten getötet und neun verwundet »vorden. Derantworllich für „Feullleton", „Gcrichtssaal" u. „Vermischtes": I. B.: A u g u st G o e tz. 5 Zimmer , WM üogig ?, t S r Zubehör, sofort oder lväter zu vermieien. Näheres zu ersiragen i. 8 . Geschäftsstelle des Gien euer An zeigers. 4 Zimmer \ 117»0| t ,t. BFobnnii» Zel- lerswea 83, Hirh. »er iof. zu vcrm. Näh. Bismarckstr. 20 l oder im Laden Seiicrswe g83. | Möbl. Zimmer] i'i Vsi« v” 5 it v > ,», lBellevuez stteuen Baue 22. Mod. Haus, Bad, Zemral- heiz. Von vornehm. Famil. bestens emviolsteni nb 1 . Dez. Zimmer frei Tel. 1085. 1> “- J 0s187i Frenndl gut möbl. Zimmer mit 'D m. zu vcrm. Kaller Alle« I» III. 2—3>Zim„icr-Wobn,ing in gutem Haute von kl. 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Offerten sind bis 19. Dezember an die Umerzcichnele zu richlen. 12005 D Lauvach, den 3. Dezember 1914. Grast. Forttvcrwaltnng. Schuhhaus W. Herhert Marktplatz2,neben der Engel-Apotheke | Betr. Feldbereinigungsmeliorailonen Trais-Munzcnbcrg. Arbeitsvergebung. Donnerstag, den l«. Dezember 1914, nachmittags 2'/, Uhr, sollen im Rathause zu Trais- Münzcnberg die nachverzeichneten Arbeiten vergeben Voranschlag: werden. LosI Los II Los IV Los V Entwässerung der Wiesen in Flur II Berschleifung des Wegs von Obbornhofen nach Münzenberg und des Rotliweges zwischen den Wegen 75 u. 90 Los III Berschleifung des Eberstädter Hohlweges Verschleisung des BruchwegeS Rodung der abgeholzten Flächen des Markwaldcs Die Verdingungsunterlagen liegen bei uns und bei der Gr. Bürgermeisterei Trais-Münzenberg zur Einsicht offen. Angebote in Prozenten des Vor- anschlages sind bis zum obigen Termin verschlossen und mit der Aufschrift: Angebot Fcldbereinigung Trais-Münzenberg versehen, der Großh. Bürgermeisterei Trais-Münzenberg einzureichen. Friedberg, den 2. Dezember 1914. Großh. Kulturinspcktion. I. V.: H a u ck. . 120070 Mk. 2004,95 1097,50 1019.— 804,20 1149,53 üo^genbrot besteQualität, selbst gemahlen, in altdeutschem Ofen gebacken, kräftig u. nahrhaft, empfiehlt frei Haus Gießen. 108193) Pünktliche Lieferung. Kinzeubacher Mühle, Fcrnspr. 770 Amt Gießen. Wilhelm Schimmel. III bei weitgehender Garantie nndgünstlgster Kauf- u. Mietbedingung. Stimmung, Reparatur Transport Ständiges Lager von 250 bis 300 Instrumenten. Bei Miete (44 Eigentumserwerb laut besonderer Bedingung. Stets gebrauchte Instrumente zu jedem Preis. Vermietungen 2 bis 12 Mark monatlich. Vertretung v.SchiedmayeriSoline, Steinweg, Ibach, Kaps, Römhild, Dörner, Hörügel, Spaethe, Ackermann usw. Pianolas Pianola Pianos August Förster Giessen und Lieh Bahnhofstr. 65. Tel. 367. ,mi Schwarz-welsvroten Bindfaden für Feldpostpak. hilf auf Lag u lief, zu billigst. 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Dez. 1914, nachmittags S'l, Ubr: Valks-Praliei Volks-Preise 1 Lustspiel in 5 Aufzuge» von G. E. Lessina. Ende gegen ü Ubr. Abends 7'/s Udr: KlelaePrelis I Kleine Preise! WnllkOioS aoö Ein dramatisches Gedicht vor Friedrich von Schiller. Ende gegen 10'/, Ubr. Soldaten vomFcidwebel ab wärts zahlen bei allen Vorstellungen a»s2.n.3. Parkcii nur halbe Preiic. N2001G Der Siadlaustagc heutiger Numnicr lieqt ein ^ Flugblai! der Buchbaudlung der Pilger Mission, Olieste», bei, aus welches besonders aiismcrkiom gemach! wird. 120100